--- Privateer, Narbos Bar, Theke
Silvana nahm das gereichte Glas ohne den Ferengi auch nur eine Sekunde aus den Augen zu lassen und trank es dann auf einen Zug zur Hälfte leer.
Ihre einzige Reaktion aber dafür umso sonderbarere Reaktion auf die ungewohnte Schärfe dieser ferengischen Geheimtinktur war ein grünes Aufblitzen ihrer sonst so gelben Augen und ein imaginäres Rauchwölkchen, daß aus ihrer Nase quoll.
Ihre Gesichtfarbe wechselte in rascher Folge von hautfarben auf dunkelrot um wieder zu hautfarben zurückzukehren.
Dann hatte sie sich wieder völlig unter Kontrolle. Lediglich ihre Stimme wirkte sehr rauh und belegt als sie etwas heiser meinte: "Laß eine Flasche dieses Gebräus heute Abend in mein Quartier bringen. Es soll dein Schaden nicht sein. Ich kann sehr großzügig sein..."
Noch während sie das Glas auf den Tisch stellte, bemerkte sie seltsame Auswirkungen auf ihre Hormone. Daß sie für männliche Reize sehr empfänglich und sicher kein Kostverächter war, war niemand an Bord etwas Neues, doch gerade jetzt empfand sie den tiefen Wunsch in sich, einen zu verletzen und sein Blut zu schmecken.
Das war eigentlich auch nichts Ungewöhnliches, doch immerhin beschränkte es sich normalerweise nicht auf ein besonderes Geschlecht.
Nur mühsam unterdrückte Silvana ihr Verlangen und versuchte weiter ein normales Gespräch mit den Augen und besonders den Ohren der Privateer zu führen: "Und was war nun in Pormas Getränk..?"
Fasziniert hatte der Ferengi die Körperreaktionen Silvanas beobachtet; verblüfft vor allem davon, was man alles aus dem Schweiß klingonischer Targhs herstellen konnte.
"Ach, nur ein Extrakt aus verstärkten Botenstoffen, die höchste sexuelle Erregung auslösen, wie man es ansonsten nur von Tieren, also wesentlich höher entwickelten Lebewesen kennt!", reagierte er dann auf ihre Worte, während er irritiert ihren Blicken folgte.
Auch Silva schien gewissen Gelüsten gedanklich nachzuhängen, verlor ihr Blick doch immer wieder die Schärfe, die ansonsten ihr ständiger Begleiter war.
Langsam ließ Silvana ihren Blick über die Besucher der Bar gleiten. Vielleicht auf der Suche nach einem Opfer oder auch nur um ihre Macht zu demonstrieren.
Pormas scheinbar unfreiwilliger Harem interessierte sie nicht weiter. Ihr Blick blieb erst auf einem besonders wunderlich aussehenden Paar hängen bei dem man erst so richtig merkte wie bunt die Mischung der Rassen an Bord war.
Ohne sich davon losreißen zu können, meinte sie zu Narbo: "Sieh mal einer an, Narbo. Dein neuer Gehilfe scheint sich ja bereits in seiner Arbeitszeit mit deiner Lieblingsrasse anzufreunden..."
--- wackelnder Tisch in der anderen Ecke
Mit einem bedauerndem Blick zu seinem neuen Bekannten schüttelte der Andorianer seinen Kopf: "Für mich nichts, tut mir leid! Ich warte eigentlich nur darauf, daß mein neuer Brötchengeber endlich mit seiner Unterhaltung aufhört, damit ich mich bei ihm melden kann. Außerdem hab ich derzeit noch kein Quartier und bin aber für diese Hitze nicht richtig angezogen.
Sonst hätte ich Ihr Angebot gerne angenommen. Aber vielleicht, wenn mein Dienst vorüber ist?"
Während Zirt noch auf die Antwort der Großkatze wartete wanderte sein Blick in die Richtung von Narbo und Silvana und sah, wie letztere Narbos Aufmerksamkeit grinsend in seine Richtung lenkte.
"Verflixt, ich glaube, jetzt muß ich ran!", sich schnell von seinem Platz erhebend, nickte er noch einmal grüßend in Sternenlichts Richtung, um dann im gemäßigtem Tempo auf die Gruppe an der Theke zuzugehen.
--- Theke
"Ach, deshalb kroch dieser blaue Wurm eben hier die ganze Zeit rum", murmelte Narbo eher zu sich als zu Silvana, um dann deutlich schärfer hinzuzuzischen, "man hätte mir das Eintreffen eines neuen Sklaven durchaus mitteilen können!"
Offensichtlich hatte der Andorianer ihre Blicke bemerkt, denn schnell verabschiedete er sich von dem räudigen Fellklumpen und versuchte gelassen wirkend auf die Theke zuzugehen, während Narbo schon überlegte, was für niedere Arbeiten sich finden ließen...
Zirt hatte den abschätzenden Blick des Ferengi durchaus bemerkt.
'Na fantastisch! Mein erster Tag fängt ja schon gut an', dachte der Andorianer säuerlich.
Er nickte Silvana grüßend zu und wandte sich dann an seinen kurzen Vorgesetzten: "Narbo?", er neigte seinen Kopf leicht, "ich wurde Ihnen vom Captain als Ihr Stellvertreter zugeteilt.
Aber erst soll ich mich um mein Quartier kümmern. Ich bin sicher es ist auch in Ihrem Sinne, wenn ich hier nicht alles mit Schneckenschleim vollmache. Können Sie mir sagen, wo ich einen gewissen Jean-Luc finde?
Ich schau dann, daß ich so schnell wie nur irgend möglich fertig bin und melde mich dann bei Ihnen, damit Sie mir die ersten Aufträge geben können.
Ist Ihnen das so recht?"
Zirt hoffte, daß ihn die Sicherheitschefin nicht gleich hier bloß stellte. Auch das mit seiner Berufsvergangenheit sollte sie ihm ruhig erst später erzählen.
Vermutlich würde Narbo schon bald von selbst draufkommen.
"Erstens kannst du dir das mit dem Stellvertreter gleich abschminken und was in meinem Interesse liegt", Narbo wechselte einen grinsenden Blick mit Silvana, "wirst du noch früh genug herausfinden! Zum Umziehen hast du zwanzig Minuten, jede weitere wird dir von deinem kaum vorhandenen Lohn abgezogen. Und wegen Jean-Luc: Wurde auf deinem Planeten noch kein Intercom entwickelt?!"
Der Ferengi ließ seine Augen funkeln und wartete auf die Reaktion des Andorianers.
Der Andorianer grinste den Ferengi an: "Das mit den zwanzig Minuten geht klar! Das mit dem Stellvertreter auch - wäre mir auch zuviel Streß. Und um den Gehalt mach ich mir keine Sorgen!", 'vor allem, weil ich ihn mir schon aufstocken werde' fügte er in Gedanken hinzu. "Wenn Sie mich bitte entschuldigen?"
Schnell ließ Zirt seinen zukünftigen Boss stehen und wandte sich an ein nahegelegenes Intercom: " Zirt an Jean-Luc: Ich soll mich bei Ihnen wegen eines Quartiers und eines Communicators melden. Welches hab ich und wo ist es?"
Sofort meldete sich eine unpersönliche Stimme:
"Hier Jean-Luc: Ihr Quartier hat die Nummer 246 und befindet sich auf Deck 6 .Ihr Communicator liegt auf dem Tisch in Ihrem Quartier."
Beeindruckt ob der Geschwindigkeit, drehte sich der Andorianer um und hetzte aus der Bar. Er hatte noch genau 18 Minuten.
--- Kuschelecke
Llewella verschluckte sich bei Ysaras Worten an ihrem Whisky. Wie Feuer brannte es ihr in der Kehle, die Tränen stiegen ihr in die Augen und sie mußte furchtbar husten.
Aber wenigstens verbarg der Husten, daß sie eigentlich kurz vor einem Lachkrampf stand. Das war die genialste Abfuhr, die sie jemals erlebt hatte.
Ein kurzer Blick zu Pormas zeigte ihr, daß er sekundenlang erstarrte, dann aber wieder zu seinem üblichen Gesichtsausdruck wechselte.
Langsam bekam die Schottin wieder Luft. Aye, das würde noch eine interessante Unterhaltung werden. Und die Neue wurde ihr gleich noch ein wenig sympathischer...
Pormas mußte sich nach einer Schocksekunde - Ysaras Worte wirkten wie ein kalter Guß - eingestehen, daß diese Wildkatze ihn doch wirklich zu reizen begann. Sie hatte nicht nur einen sehr aufregenden Körper, sondern war auch nicht auf den Mund gefallen.
Wäre er nicht bereits mit Nathalie zusammengewesen, wäre er wohl auf ihr amüsantes Spiel eingegangen ihn zu reizen und herauszufordern. So jedoch mußte er sich damit begnügen ihr zu zeigen, daß sie ihn nicht wirklich getroffen oder schockiert hatte, wenn er nicht Ärger mit Nathalie provozieren wollte.
Instinktiv straffte er die Schulter und setzte ein jungenhaftes und leicht gönnerhaftes Grinsen auf - immerhin hatte er ja schon einiges von ihrem Körper heute gestreichelt und es würde wahrscheinlich nicht das letzte Mal gewesen sein, wie er seine Wirkung auf das andere Geschlecht kannte - bevor er auf ihre Worte auf die ihm eigene Weise reagierte:
"Wie sollte ich auch keine Absichten in Ihrer doch so charmanten und reizenden Gesellschaft hegen? Allerdings muß ich Sie enttäuschen. Sie sind nicht privater Natur und so werden Sie leider auf den Gegenbeweis verzichten müssen. So leid es Ihnen auch tun mag."
Ja, diese Frau begann ihm doch tatsächlich zu gefallen. Sie erinnerte ihn an jemand, der ebenso widerborstig und dickköpfig gewesen war und die schließlich trotzdem in seinen Armen gelandet war, wo er ihr brünftiges Röcheln ausgiebig genossen und provoziert hatte.
Er wußte nur leider nicht mehr wann das gewesen war...
Nach einer kurzen Suche in seinem Gedächtnis, daß gerade dort einen blinden Punkt zu haben schien, glitt er wieder in die Gegenwart zurück um sich seiner augenblicklichen Situation klar zu werden.
Sein Körper sprach nämlich seine eigene Sprache und strafte sein offen zur Schau getragenes Desinteresse Lüge. Er hoffte mit einem unguten Gefühl in der tieferen Bauchgegend, daß sich dieser Zustand wieder geben würde, da er sonst in nächster Zeit nicht den Tisch würde verlassen können.
Falls diese Miss Jefferson also vorhatte die Bar zu verlassen, würde er entweder das Risiko eingehen müssen, daß diese sein körperliches Verlangen bemerkte oder aber Ärger mit seiner Chefin bekommen.
Er fragte sich was von beiden Variante schlimmer sein mochte.
--- Theke
Gelangweilt hatte Silvana die Unterredung zwischen dem Andorianer und dem Ferengi verfolgt und fragte sich, wer sich schließlich als das größere Schlitzohr von beiden entpuppen würde. Vielleicht würde dieser Zirt Narbo ja etwas auf Trab halten, damit dieser seine Nase nicht immer in alle schiffsinternen Angelegenheiten steckte, die er eigentlich gar nicht wissen durfte.
"Du wirst alt mein Lieber. Ich sagte dir bereits im Transporterraum, daß du vielleicht nicht nur einen blauen Barmann kriegst, sondern auch jemand, der deine Träume am Holodeck wahrmachst. Was denkst du wohl, wen ich mit 'blauen Barmann' meinte?" Ihr Blick wanderte von dem jetzt verwaisten Sternenlicht bis hin zu dem Tisch des Griechen und sie fragte sich, ob man überhaupt eine Veränderung an seinem Verhalten bemerken würde.
Schließlich hatte sie gehört, daß er auch auf dem Schiff von dem er kam sexuell nicht gerade untätig geblieben war und seine erste Arbeit nach dem Komma darin lag, sich noch vom Krankenbett aus schon wieder die nächste Wärmflasche fürs Bett anzulachen.
Männer... wie leicht konnte man sie verstehen, wenn man erst wußte, daß sie nur von ihren primitiven Trieben gelenkt und gesteuert wurden.
Und wie noch leichter konnte man sie durchschauen, wenn man nicht von der Hand zu weisende Parallelen aufzuweisen hatte.
Die Sicherheitschefin grinste breit und trank ihr Glas leer um es schließlich laut auf die Theke zu stellen, wo es sicher einen Rand hinterlassen würde um den sich der so gern wischende und polierende Narbo würde kümmern müssen. Diesmal reagierte sie nicht mehr so stark auf das Gebräu, doch es genügte um ein Feuer zu schüren.
"Falls du mit deinem kleinen Trick hier irgendwelche kleinen Pormase an Bord erzeugen solltest, dann werde ich Slade bitten dich deinen nächsten Urlaub im holografischen Sivao verbringen zu lassen. Ich hasse kleine Bälger..." Sie bleckte ihre Zähne, was eher furcheinflössend als lächelnd war.
"Eigentlich ging ich davon aus, daß das mit dem Stellvertreter ein perverser Witz kranker Geister gewesen war!", zischte Narbo als erklärende Ausrede, aber war durch den Aussetzer beunruhigt.
'Sie hat recht, ich hatte es tatsächlich vergessen!', grummelte er innerlich, während er versuchte einen besonders scheußlichen Gläserrand auf der Theke wegzupolieren. Überhaupt waren die Stunden vor der merkwürdigen Aktion in seinem Hinterzimmer nur wage Schatten, die er nicht wirklich fassen konnte.
'Vielleicht ist dieser miese Kastenzauber doch gefährlicher, als ich dachte!', fluchte er und dachte an das Brandmal auf seiner Stirn. Seit diesem Moment hatte er das Gefühl, daß er etwas langsam und bedrohlich Näherkommendes anzog, was ein Frösteln auf seiner abgebrühten Seele hinterließ.
"Wenn du solchen Wert auf eine Kinderlosigkeit des Terraners legst, melde dich doch einfach bei der klingonischen Weichdüse von Arzt! Der hat bestimmt eine endgültige Lösung für derlei Probleme parat...", setzte der Barmann seine Antwort grinsend fort, als wäre nichts gewesen.
"Ich? Warum sollte ich das tun? In den nächsten Stunden trägst du die Verantwortung dafür, daß er sein kleines Ding nicht in alles Weibliche steckt, daß er findet. Und Kargan mag zwar eine Weichdüse sein, aber ich werde ihm das heutige Datum nennen für den Fall, daß irgendwelche Geburten in den nächsten Monaten anstehen. Ich denke bis 9 kann auch er zählen." Dann erwiderte sie Narbos Grinsen süß wie Zucker.
"Versuch hier nicht vom Thema abzulenken. Ich bin immer für eine kleine Rache zu haben, aber wenn es darin endet, daß sich das Objekt deiner Begierde verdoppelt oder verdreifacht, finde ich das nicht gerade zum Lachen. Du planst zu wenig im Voraus, oder was lenkt dich ständig ab?"
Gespannt musterte sie die Gesichtszüge von Narbo um zu erkennen, was in seinem Kopf vorging. Immerhin hatte er vorhin einen Moment lang so ausgesehen, als wäre er über etwas entsetzt gewesen, aber dann war es wie weggewischt und er war wieder der alte.
"Sag mir nicht, du träumst noch immer davon mit Sternenlicht zu kuscheln..."
"Die einzige Gelegenheit mit dem Viech zu kuscheln, hat was mit einem blutverschmierten Messer zu tun!", gab Narbo zischend zurück, während in seinem Kopf die Erinnerung an die sterbende Raschkralle geformt wurde.
Daß er kaum plante, die Blütezeit möglicher Nachkommen an Bord dieser Schleuder zu erleben, ließ er unerwähnt. Langsam reizte ihn sein alter Beruf wieder, das Knacken von Schlössern und wilde Verfolgungsjagden mit grünblütigen Polizisten! Vielleicht würde die nächste Mission diese Herausforderung bieten, aber ansonsten konnte der Ferengi auch an Bord tätig werden.
Der Anticanercaptain war als Jäger sicher genauso anspruchsvoll, wie die vulkanischen Sicherheitsdienste es gewesen waren. Am Ende aber würde der Ferengi ihnen allen entkommen und vielleicht...
Ja, vielleicht war ihm dieser Andorianer sogar nützlich. Melancholisch dachte er an seinen eigenen Lehrmeister Delang zurück, der aus Narbo den Meisterdieb gemacht hatte. Es war Zeit, selbst sein Wissen weiterzugeben...
"Und keine Angst: Sollte Pormas degenerierte Erbmasse doch noch fortpflanzungsfähig sein, werde ich mich persönlich um die Nachkommen kümmern!", setzte er nach seinen Überlegungen fort, bevor die Gedanken ihn überwältigen konnten.
Zufrieden grinste Silvana. Etwas anderes hatte sie auch gar nicht von ihm erwartet. Zumindest von dieser Seite her, würde es keinen neuen Ärger geben, nach dem Balg der Trill das Raschkralle bemuttert hatte und daß sie mit ihrer Mutter und dem Arzt auf diesem Maquisstützpunkt ausgesetzt hatten.
Dann drehte sich Silva um und stellte sich so hin, daß sie sich nur mit beiden Ellbogen an der Theke abstütze und dafür den ganzen Raum überblickte ohne ihre Aufmerksamkeit gegenüber Narbo auch nur für einen Moment sinken zu lassen.
Es war wie immer, wenn nicht gerade ein Ferengi von einer fremden Macht beherrscht sie töten wollte...
"Langweilig... ich langweile mich hier genauso wie in der Zeit auf dem Schleimplanet. Ich frage mich langsam warum ich überhaupt wieder an Bord gekommen bin. - Hast du vielleicht etwas davon läuten gehört, was Slade als Nächstes vorhat? Hoffentlich kein Sklaventransport nach Ferenginar oder etwas ähnlich Nervtötendes."
--- Kuschelecke
"Sexuelles Verlangen, das nicht privater Natur ist?", wiederholte Ysara nur amüsiert und schüttelte nachsichtig lächelnd den Kopf. Im Geiste durchblätterte sie den psychologischen Standartkatalog, fand unter Profilneurosen den richtigen Eintrag und hackte den Gedanken ab. "Sie müssen sehr einsam sein."
Dann wandte sie sich der Ärztin zu, wegen der sie immerhin hergekommen war. Sie hatte keine Lust, sich länger mit dem Griechen auseinanderzusetzen. Außerdem empfand sie es als unhöflich, Llewella warten zu lassen.
"Aber kommen wir zum eigentlichen Grund dieses Treffens. Miss Campbell, ich nehme an, Sie wollen etwas über meine Fähigkeiten erfahren. Nun, ich gebe zu, niemals als Krankenschwester gearbeitet zu haben. Allerdings habe ich vor meinem Studium der Psychologie ursprünglich Ärztin werden wollen und mich dem auch etwa ein Jahr lang gewidmet."
Einen Augenblick lang dachte Ysara an die Sternenflottenakademie zurück und fragte sich, warum sie überhaupt dorthin gegangen war. Als sie den Aufnahmetest bestanden hatte, schien es eine gute Idee zu sein. Wahrscheinlich hatten ihr im medizinischen Bereich ihre mangelnden technischen Kenntnisse einfach nicht im Weg gestanden...
"Ich denke mir, mit etwas Übung werde ich mich ganz gut als Krankenschwester bewähren", schloß sie. "Zumindest dürfte mir meine Vorerfahrung als Psychologin helfen, mit Patienten umzugehen."
Sie warf einen beiläufigen, aber langen Blick auf Pormas, wie um ihre eigene Aussage zu widerlegen.
Die Schottin dachte kurz über die Worte Ysaras nach. Das hörte sich ja sehr gut an. Auch über das nur kurze Medizinstudium war sie nicht unglücklich. Es bedeutete immerhin, daß Ysara sich schon ausreichend in der Materie auskannte, aber trotzdem noch nicht so viel, daß sie versuchen würde, alles im Alleingang zu behandeln.
"Aye, Miss Jefferson, das denke ich auch," spielte sie mit ihrer Antwort auf die Bemerkung über die psychologische Behandlung von Patienten an.
"Und da wir ja momentan leider keinen Psychologen an Bord haben" - etwas wehmütig dachte die Rothaarige an Jack - "könnte ich mir vorstellen, daß Sie gelegentlich auch in diesem Feld werden arbeiten können. Auch wenn Sie ja nicht als solche eingestellt wurden...
Haben Sie schon vom Chefarzt gehört? Sie sollten sich schon mal darauf einstellen: Er ist Klingone. Etwas unüblich, ich weiß, er ist auch nicht gerade der Einfachste, aber in seinem Job ist er sehr gut.
Haben Sie sonst noch Fragen oder wollen Sie die Krankenstation besichtigen?"
--- Theke
"Wenn mein feines Ohr mich nicht täuscht, laufen die Triebwerke über den erlaubten Werten. Sicher würde Slade keine Konfrontation mit den Föderierten riskieren, um Terminware zu verschiffen!", ging der Ferengi vorsichtig auf Silvanas Worte ein. Gut möglich, daß sie die Grenzen seiner Mittel finden wollte, aber diese Befriedigung würde er ihr sicher nicht geben.
Seine Nachforschungen würden bald von Erfolg gekrönt sein, gab es doch genug Besatzungsmitglieder die beim Barmann tief verschuldet Informationen für ihn sammelten: Hier ein aufgefangener Gesprächsfetzen im Maschinenraum, dort eine unübliche Anweisung - der Ferengi würde die Steine zu einem Bild zusammenfügen, wenn es an der Zeit war.
"Außerdem bin ich nur ein einfacher Barmann, der sich seiner kleinen Schenke widmet!", fügte Narbo in einem bedauernden Tonfall zu, der in seiner Überspitztheit keinen Zweifel an der Ironie ließ. "Du dagegen als Sicherheitschefin..."
"Ein einfacher Barmann also", Silvana lachte heiser und drehte sich wieder zu Narbo um, "und du glaubst wirklich, daß du das jemand an Bord weismachen kannst?" Dann musterte sie wieder einmal Narbos Stirn und nahm sich vor sich bei Gelegenheit schlau zu machen, was dieses Zeichen bedeuten sollte.
"Falls du damit darauf anspielen solltest, daß ich meine Arbeit als Sicherheitschefin nicht gut genug mache, muß ich dir leider sagen, daß ich mich nicht dazu hinreißen lassen werde dir als Beweis zu sagen, was ich weiß. Dafür wirst du schon etwas Latinum an deine Spitzel verschwenden müssen." Wieder umzog ein amüsierter Zug ihren Mund. War es doch etwas das Ferengi am meisten haßten.
"Aber weil wir uns schon lange kenne, werd ich dir einen kleinen Tipp geben. Wie ich Slade kenne, hat Sternenlicht bald mächtig Ärger am Hals..."
"Hört sich nach einer Mission an, die mir gefallen könnte!", antwortete Narbo grinsend, "und deine Fähigkeiten würde ich nie in Frage stellen."
Einen Moment überlegte er, ob er dieser ehrlichen Aussage noch eine Lüge hinzufügen sollte, nur der Übung willen, entschied dann aber nichts mehr zu sagen. Silvana kannte ihn zu gut, vielleicht sogar sein kleines Geheimnis mit dem Medikament...
Daß sie von seinen diversen Kontakten wußte, störte ihn kaum. Immerhin war sie sehr intelligent, aber eben auch intelligent genug um den potentiellen Nutzen dieser Informationsquellen für sich zu sehen. Gelegentlich würde der Ferengi etwas preisgeben, Brotkrumen für eine Taube gleich, und damit ihr Desinteresse kaufen.
Da der Ferengi kein Interesse daran zu haben schien sie mit irgendwelchen Informationen zu versorgen, ohne daß sie ihn Latinum aus ihrer privaten Tasche zustecken mußte, was in seinem Fall sehr teuer werden konnte, wies sie ihre Männer an sie kurz über die Geschehnisse während ihrer Anwesenheit zu informieren. Das dauerte nicht sehr lange, da es scheinbar keine größeren Vorfälle gegeben hatte.
Dann schwenkte sie ihren Blick wieder zu dem Tisch in der Ecke an dem Sternenlicht saß und wie immer einen Milchsshake trank und sich an seinem Geruch zu ergötzen schien. Fast konnte sie ihn dabei schnurren hören. Lediglich seine Schwanzspitze deutete darauf hin, daß er voll konzentriert war.
Sie rief sich ihre Gespräche in den Kopf, bei denen sie sich irgendwie mit ihm verbunden gefühlt hatte und überlegte ihn vor Slade zu warnen, denn wenn er vorbereitet war, dann würde er sich sicher eine passende Entgegnung zurechtlegen, die Slade die Luft aus den Segeln nahm. Dennoch zögerte sie einfach zu ihm hinzugehen. Narbo würde ihr das sicher nachtragen, was ihren Waffenstillstand schnell wieder ins Wanken bringen würde.
Außerdem war es nicht ihre Art sich an einen Tisch zu setzen und eine fröhliche Konversation zu führen. Nicht nach dem öden Tag den sie hinter sich hatte. Und getrunken hatte sie für heute schon genug.
Trotzdem lächelte sie Sternenlicht zu, als er in ihre Richtung blickte. Vielleicht nahm er ja die Einladung an.
--- wackelnder Tisch in der anderen Ecke
Sternenlichts Blick fing den von Silvana ein, während er genüßlich ein wenig von dem Milchshake mit seiner Zunge einfing, der sich unverschämterweise in seinen Barthaaren eingenistet hatte.
Unverhohlenes Interesse leuchtete in seinen Augen, als er seine Schnurrhaare zustimmend nach vorne neigte, und sein Schweif auf den freien Platz neben ihm deutete.
--- Kuschelecke
"Ein klingonischer Arzt klingt wirklich ungewöhnlich", bestätigte Ysara. "In meinem Leben habe ich zwar noch keinen getroffen, wobei mir Erzählungen schon gereicht haben. Aber immerhin..."
Sie griff sich an die Stirn und schüttelte den Kopf. Jetzt hatte sie wirklich ihre Vorliebe für klingonische Opern erwähnen wollen. Irgend etwas war heute mit ihr los... nur, Verwirrung über die neue Situation konnte es nicht sein. "Ich bin...", setzte sie laut denkend an.
"Ja?", hakte Llewella fragend nach, als sie nicht weiter sprach, und Ysara winkte stirnrunzelnd ab.
Sie war nie verwirrt.
"Ich bin gespannt auf die Krankenstation", fuhr sie also wahllos fort. "Und ich bin schon interessiert, sie mal zu sehen. So gut die Drinks hier auch sein mögen", sie wies auf das leere Glas des Getränks, das Pormas ihr spendiert hatte, "werde ich wohl noch genug Zeit haben, sie zu genießen."
Der Blick der Psychologin fiel auf Pormas, der sitzenblieb und wirkte, als wolle er ihnen folgen, könnte sich aber nicht so recht entscheiden. Irgendwie wirkte er, als sei ihm der Gedanke, sich zu erheben, ziemlich unangenehm.
Dabei hatte sie die wage Vorahnung, daß sie den Mann so schnell nicht abschütteln würde.
"Aye, Sie werden sicherlich noch öfters hier in der Bar sein," entgegnete die Schottin. Dann ergriff sie das Whiskyglas, in dem noch ein bißchen der Flüssigkeit war und erhob sich.
"Dann würde ich vorschlagen, wir gehen uns mal die Krankenstation ansehen!", meinte Llewella dann zu Ysara, die sich gleichfalls erhob.
"Einen schönen Abend noch, Mr. Theocrates", wünschte die Rothaarige dem Griechen, der leicht gequält nickte und sich ebenfalls verabschiedete. Dann verließen die beiden Frauen die Bar.
--- vor der Bar
"Ich möchte noch einen kleinen Abstecher in die biochemischen Labors machen, bevor wir die Krankenstation aufsuchen," erklärte die Schottin mit einem vielsagenden Blick auf das Whiskyglas.
--- Narbos Bar, Theke
Silvana grinste breit, als der Sivaoaner ihre Einladung mit einer eigenen Einladung an seinen Tisch konterte. Es schien fast so, als ob er nach den selben Beweggründen wie sie handelte und nicht vorhatte wegen irgend jemand seinen Platz zu verlassen.
Doch ihr ging es genauso und so wollte sie ihren Platz an der Theke nicht aufgeben.
Obwohl ihre Gefühle noch immer in Wallung waren und sich ihr ganzer Organismus angespannt anfühlte, nahm sie eine nach außen hin entspannte Haltung auf ihrem Barhocker ein und deutete Richtung Sternenlicht dann direkt einladend neben den freien Hocker an ihrer Seite.
Nun würde sich herausstellen, wer von ihnen entgegenkommender war. Doch insgeheim vermutete die Sicherheitschefin, daß die guten Marnieren der Katze doch die Oberhand gewinnen würden, selbst wenn das bedeutete sich direkt vor die Nase seines Erzfeindes Narbo zu setzen.
Aus den Augenwinkeln heraus musterte sie Pormas, der noch immer wie angenagelt an seinem Tisch saß, statt den beiden Frauen zu folgen. Anscheinend legte er es darauf an ihren Zorn am eigenen Leib zu spüren.
Nun das konnte er haben!
Dennoch beschloß sie ihn zu warnen, während sie auf Sternenlichts Reaktion wartete, da es ihr wichtiger erschien, daß die Frau näher durchleuchtet wurde und nicht vielleicht die Ärztin abschüttelte und sich allein an Bord herumtrieb:
"Silvana an Pormas: Wenn du deinen knackigen Arsch nicht auf der Stelle aus der Bar hinter der neuen herschwingst, dann werde ich höchstpersönlich dafür sorgen, daß du..."
Ein Training ohne Regeln? Ein Kampf mit einem genmanipulierten Tier gegen das zu verlieren keine Schande war? Das würde ihm so gefallen. Er liebte die Gefahr und sie konnte dann wieder Kargans Gemecker anhören, wenn Pormas Biobett sind langsam abnutzte...
Nein, so leicht würde er ihr nicht wegkommen.
"... daß deine Freundin in nächster Zeit ziemlich viel Ärger am Hals haben wird..."
--- Deck 6, Gänge
Ysara erwiderte den Blick nur zu gut verstehend. Wüßte sie, wie man eine wissenschaftliche Untersuchung durchführt, wäre sie in der Bar wahrscheinlich auch ununterbrochen mit einem Tricorder zugange. Glücklicherweise konnte sie sich aber auch so darauf verlassen, daß ihr genetisch aufgewertetes Verdauungssystem mit verdorbener Nahrung spielend fertig wurde...
"Erzählen Sie mir von...", setzte sie gerade an, noch immer merkwürdig gesprächig für ihre Verhältnisse, als ein Mannschaftsmitglied sie auf dem Weg zur Bar passierte und Llewella flüchtig grüßte. Irgendwoher kannte sie den Kerl doch... stirnrunzelnd sah sie ihm nach. Nahm die Privateer ebenfalls ausgediente Crewmitglieder der Ivory auf? Monserat verstreute seine Besatzung wohl wie Mr. Theocrates seinen zweifelhaften Charme...
"Erzählen Sie mir von Ihren Kollegen. Ich bekomme gerade so eine Ahnung, daß ich das eine oder andere Mannschaftsmitglied womöglich kenne." Ihr schauderte. "Sie haben auf der Privateer keinen Dr. Rigero, oder?"
"Dr. Rigero? Nay, den kenne ich nicht!" antwortete die Schottin mit einem belustigten Seitenblick auf die schaudernde Afroamerikanerin. "Aber ich sehe, daß Sie nicht so gerne an ihn denken, wer auch immer er ist.
Nun, unser klingonischer Chefarzt ist fachlich sehr kompetent, zumindest hatte ich bislang nichts Gegenteiliges bemerkt. Im Großen und Ganzen verhält er sich auch nicht gerade wie ein klischeehafter Klingone..."
Im Sprechen steuerte die Rothaarige den Turbolift an. Dabei fuhr sie fort: "Schwester Entenburg ist dagegen etwas schwierig einzuordnen. Sie ist ausgesprochen burschikos, hat etliches an Fachwissen und ist öfters mal der Ansicht, die Patienten selbst genau so gut betreuen zu können wie ein ausgebildeter Arzt.
Aber man kann mit ihr klarkommen, wenn es auch nicht ganz einfach ist... Wollen Sie sonst noch etwas wissen?", wandte sie sich dann an Ysara.
"Ich denke, das reicht für den Anfang. Den Rest werde ich sicher von alleine herausfinden, wenn ich einige Zeit hier verbracht habe", erwiderte die Krankenschwester und folgte der anderen in den Turbolift, dessen Türen sich gerade öffneten.
--- Zirts Quartier, inzwischen
Nach fünf Minuten kam Zirt keuchend und verschwitzt in seinem Quartier an.
Noch 12 Minuten!
Schnell entledigte er sich seiner Kleidung und replizierte sich eine Kleiderkombination aus leichten aber bunten Stoffen: ein blaßgrünes, ärmelloses Shirt und dunkelviolette Shorts und bequeme Unterwäsche.
Die Einstellungen dafür hatte er mittlerweile im Kopf. Oft genug hatte er sie ja auf der Ivory verwendet....
Dann schlüpfte er noch schnell unter die Dusche - echtes Wasser, kein Ultraschall. Während er sich dort entspannte änderte er noch schnell das Klima in seinem Quartier: "Computer: Luftfeuchtigkeit auf 60% erhöhen, Raumtemperatur auf 10°C senken. Den Blauton im Licht um 90% erhöhen und das Licht um 20% dimmen!".
Damit hatte er die Stimmung eines Andorianischen Waldes im Hochsommer perfekt eingefangen. Ein Trick, den er auch von Elaine gelernt hatte.
Jetzt hatte er noch 6 Minuten.
Er beschloß, die Unordnung auf dem Boden erst später zu beseitigen, trocknete sich schnell ab und schlüpfte in seine neue Kleidung. Zuletzt steckte er seinen Communicator an und verließ sein Quartier in einem lockeren Trab in Richtung Bar.
--- Narbos Bar, Theke
Gut gelaunt stoppte der Andorianer nach knapp 20 Minuten vor seinem Vorgesetztem: "OK, hier bin ich wieder. Was ist Ihr erster Auftrag?"
Verärgert starrte der Ferengi Zirt an: Laut seinem Chronometer hatte er den knappen Zeitansatz erfüllt, stand frisch geduscht und in zugegeben sehr gut zueinander abgestimmter Kleidung vor ihm.
Aber Narbo wäre nicht Narbo gewesen, wenn er dem Andorianer den Triumph gegönnt hätte: "Schwachkopf, in meiner Bar gilt Ferengi-Zeit, Du hattest also umgerechnet nur 17 Föderationsminuten! Die drei überfälligen Minuten kannst Du gleich heute abarbeiten: Schnapp dir einen Lappen und polier jeden Zentimeter Theke, aber Dalli!"
"Kein Problem!", Zirt lächelte den grimmigen Ferengi an und schnappte sich einen Lappen. Aus seiner Zeit als Dieb und Einbrecher wußte er solche Arbeiten zu schätzen: Nichts eignete sich besser um Gespräche mit anzuhörend als eine Stelle als Reinigungskraft. Die meisten Personen neigten dazu, diese zu ignorieren und deren Anwesenheit einfach zu vergessen.
Mit großer Präzision und schnellem Schwung begann der Andorianer die Theke zu putzen. Die perfekte Tarnung um das Hauptmöbelstück dieser Bar nach geheimen Fächern und verborgenen Fallen zu untersuchen.
Schon in den ersten paar Minuten begann sein Respekt vor Narbo zu wachsen: er war hier tatsächlich auf einen Großmeister getroffen, der sogar einen Experten wie ihm noch etwas beibringen konnte.
Wie Kenner eine neue Komposition eines Meisterkomponisten anhand der Tonfolgen einzuschätzen wußten, las Zirt in den raffinierten Verstecken der Fallen und Schlösser und bewunderte das meisterhafte System an Sicherheitseinrichtungen, die in vollendeter Harmonie in einander griffen.
Er würde Wochen brauchen, um all die geheimen Tricks zu entdecken und auszuschalten, um zu sehen, was sich dahinter versteckte. Andererseits, so wie es aussah hatte er ja die Zeit ....
Zufrieden beobachtete der Ferengi, wie Zirt die hölzerne Theke gewissenhaft reinigte, während Narbo einen Blick durch die Bar streifen ließ: Zwar waren die beiden Terranerinnen gegangen, aber Pormas saß immer noch recht mitleiderregend an dem Tisch, wahrscheinlich unfähig aufzustehen, außer er wollte zum Gespött der Leute werden. Immerhin würden Narbos Überwachungsgeräte nette Aufnahmen machen, die durch einen dummen Zufall an jedes Besatzungsmitglied geschickt werden würden.
Tief atmete er das Met des Erfolges ein, freute sich dem Andorianer bald die Geheimnisse der gewerblichen Kriminalität zu zeigen. Eigentlich stellte sich dieser sogar recht geschickt an, löste er doch keine der diversen Fallen aus, die allerlei geheime Fächer schützen. Grinsend erinnerte er sich, wie Collins eine der Bomben kennengelernt hatte...
"He, Blauer, was hast du eigentlich vor der Privateer gemacht?", argwöhnte Narbo nun doch.
Innerlich mußte der Andorianer grinsen. Der Ferengi hatte ungefähr 5 Minuten länger für diese Frage gebraucht, als er ihn eingeschätzt hätte. Aber so einfach wollte er es ihm auch nicht machen.
Laut sagte er zu dem Barbesitzer: "Oh, ich war Schiffswart auf einem Handelsschiff namens Ivory. Hab dort unter anderem auch ein bißchen Barmann gespielt und mußte aber auch hin und wieder in der Schiffssicherheit aushelfen."
Zufrieden begann er mit akribischer Genauigkeit ein paar Beschläge zu polieren, die, wie Zirt erfreut feststellte gleichzeitig den Druckkontakt zum Deaktivieren einer der kleineren Scheinfallen enthielten, die von den eigentlichen ablenken sollten. Die Antwort sollte Narbo fürs erste einmal in die falsche Richtung locken, war er doch selbst überrascht über seine letzte Tätigkeit unter Monserat gewesen. Ein Dieb als Detektiv war schon irgendwie eine Kuriosität.
"Soso, in der Sicherheit warst Du also", spuckte er dem blauen Kerl entgegen, etwas enttäuscht von der Verschwendung des Talentes, das er gerade unter Beweis stellte.
Natürlich war sich der Andorianer nicht bewußt, daß Ferengiohren Frequenzbereiche wahrnehmen konnten, die beinahe allen Spezies verborgen blieben. Der hell schrillende Bestätigungston, der auf das Deaktivieren einiger Sicherheitssysteme hinwies erreichte so nur Narbo.
"Falls du mal auf der Seite der Gewinner stehen willst, ließe sich das sicher bewerkstelligen...", fügte er wie beiläufig hinzu, nachdem immer mehr hochfrequente Töne zeigten, daß Zirt mit Absicht vorging.
Hoffentlich würde sich der Andorianer richtig entscheiden, denn solch einen talentierten Kerl, selbst wenn er nur einer schwachen Rasse angehörte, zu töten hätte dem Ferengi den netten Abend verdorben.
Auch Zirts empfindliches Gehör konnten die ultrahohen Töne wahrnehmen, wie für einen Andorianer üblich. Da der Ferengi aber nicht darauf reagierte, gab es zwei Möglichkeiten: Entweder Narbo konnte die Töne nicht hören, eine Möglichkeit, die der Andorianer aber stark bezweifelte, oder aber, er wurde gerade getestet.
Während er laufend die zahllosen Sicherheitssysteme, die der Barbesitzer alleine an seiner Theke installiert hatte deaktivierte, erwähnte der ehemalige Dieb beiläufig: "Naja, in der Sicherheit zu arbeiten war eine interessante Abwechslung. Nach meiner Erfahrung gehören die Leute dort aber eindeutig nicht zu den Gewinnern. Zum Glück hatte ich da aber schon Erfahrungen auf der anderen Seite der Linie gesammelt."
Mit einem selbstgefälligem Lächeln stellte Zirt fest, daß er gerade die letzte Falle deaktiviert hatte - allerdings nur der ersten Ebene. Die Nächsten würden vermutlich etwas mehr Aufmerksamkeit erfordern.
Nun war Narbo doch überrascht: Zum Einen, da Zirt gerade die erste Sicherheitsebene der Theke ausgeschaltet hatte, und zum Anderen, da seine Antwort genau in die Richtung wies, die sich als brauchbar erweisen würde.
"Interessant, soviel kriminelle Energie hätte ich dir ja gar nicht zugetraut! Leider bräuchte ich wohl mehr, als einen kleinen Handtaschendieb", spottete der Ferengi grinsend. Jetzt ging es nur noch darum, abwechselnd die Karten auf den Tisch zu legen.
Bevor Zirt auf eine der Bomben traf
Zirt war erfreut. Die erste Annäherung aneinander war sehr positiv verlaufen. Das war immer die schwierigste Phase bei jedem neuem "Abkommen". Jetzt mußten nur noch die Regeln geklärt werden.
Der Andorianer beschloß, noch nicht auf die Frage des Ferengi einzugehen sondern erkundigte sich statt dessen in eine andere Richtung: "Wie sieht das hier übrigens mit Trinkgeldern aus? Welchen Prozentsatz muß ich abliefern oder gilt es als Teil meines Lohns?" , dabei meinte er natürlich nicht die freiwillig gegebenen Gelder, sondern die unbemerkt vom Gast beschafften Zusatzeinkünfte.
Wieder war ein leises Zirpen zu hören. Die nächste der Fallen war entschärft. Natürlich war für einen Außenstehenden nichts anderes als ein sehr gründlicher Andorianer zu erkennen, der mit äußerster Hingabe die Theke Narbos putzte. Handtaschendieb? Pah!
"Trinkgelder", Narbo zog das Wort betonend in die Länge, "gibt es auf kleinen Schiffen wie diesem nicht, da man dem edlen Spender", erneut legte er eine zischende Schärfe in seine Stimme, "immer zweimal begegnet!"
Scheinbar war der Andorianer wirklich nur ein kleiner Dieb, der sich über jedes bißchen Latinum freute, daß er jemanden stehlen konnte, während die großen Fische an ihm vorbeischwammen. Diese zu fangen bedeutete mehr, als nur seine geschickten Finger auszustrecken: Abhängigkeiten mußten geschaffen und ausgenutzt, Intrigen geschaffen, Feindschaften gesät werden.
Ein "lautes" Piepen, das natürlich weiterhin für kaum jemanden zu hören war, trieb dem Ferengi ein Grinsen ins Gesicht: Zirt war in eine besonders tragische Falle getappt, deren Gefährlichkeit erst dadurch entstand, daß sie keinerlei Zweck diente, ihre Wirkung nur durch die Unvorhersehbarkeit entfaltete.
Gleichzeitig codierten sich die überwundenen Sicherheitssysteme neu, entdeckten den bisher perfekt vorgegangen Eindringling und übten einen kurzen, nicht tödlich elektrischen Schlag auf Zirt aus.
Mit steinerner Miene steckte Zirt den Schmerz weg und ließ ihn sich nicht anmerken.
Aus Ärger über Narbos berechtigtem, wenn auch beißendem Kommentar hatte sich der Andorianer aus dem Konzept bringen lassen, was ihn jetzt natürlich noch mehr ärgerte.
Zirt war die Unterwelt auf Raumstationen gewöhnt, nicht aber auf Raumschiffen. Trotzdem hätte er von selbst auf diese Idee kommen müssen.
Den Stromschlag sah er als gerechte Strafe dafür an, daß er sich wie ein blutiger Anfänger aus dem Konzept hatte bringen lassen. Jetzt durfte er nochmals von vorne anfangen - wenn er überhaupt noch die Gelegenheit dazu bekam. Zum Glück hatte er schon so etwas wie ein Gefühl für den Stil des Ferengi bekommen, ein Talent, das jeder erfolgreiche Dieb einfach brauchte, also würde er beim zweiten Mal nicht mehr solange brauchen.
Laut sagte er zu Narbo: "Also eher große Geschäfte. Darin hab ich nicht viel Erfahrung."
"Ich werde es dich lehren", antwortete der Ferengi, ließ die einfachen Worte im Raum stehen wodurch sie eine tiefe Bedeutung zu bekommen schienen. "Es ist eine Kunst, im Morast der Kriminalität zu wühlen, ohne sich die Finger zu verbrennen"
Die leichte Mahnung sollte den Andorianer wie einen Schlag treffen. Sicher würde er vorerst auf weitere Versuche verzichten, das Sicherheitssystem zu überwinden. Oder er würde sterben, denn beim zweiten Versagen würde Narbo die Intensität des elektrischen Schlages ganz sicher nicht begrenzen.
"Deine erste Lektion lautet: 'Höre alles, glaube nichts!'", rezitierte er eine seiner liebsten Erwerbsregeln, hoffte, daß Zirt die enorme Tiefe der Weisheit ergründen konnte.
--- Turbolift
Nachdem Llewella das gewünschte Deck angegeben und der Lift sich in Bewegung gesetzt hatte, sprach Ysara weiter. "Mit Schwester Entenburg hatte ich vorhin bereits das Vergnügen. Sie wirkte auf mich in der Tat wie... nun, wie eine Person, die zu wissen glaubt, was sie tut."
Einen Augenblick lang dachte sie noch einmal an Rigero zurück, diesen interessanten Arzt, mit dem sie auf der Ivory gearbeitet und sich eigentlich recht gut verstanden hatte, bevor er sie unbedingt portraitieren wollte. Eine Ehre, die nahezu jedem weiblichen Crewmitglied zuteil wurde.
"Rigero war Arzt auf der Ivory, einem Handelsschiff, auf dem ich eine Zeitlang gearbeitet habe", fuhr sie erklärend fort. "Unser Verhältnis war ähnlich gespannt wie meines mit Mr. Theocrates zu werden verspricht, auch wenn er sich nicht für Don Juan, sondern für eine Art Künstler hielt. Ich erinnerte mich an ihn, weil ich glaube, das eine oder andere Mannschaftsmitglied der Ivory auf der Privateer erkannt zu haben."
Energisch schloß sie ihren Mund, bevor sie noch weiter reden konnte - sie machte ja beinahe Charly Konkurrenz...
"Aye, es könnte schon sein, daß Sie ein paar Leute hier auf der Privateer antreffen, die von der Ivory gekommen sind," begann Llewella mit einer Erklärung, als sie bemerkte, wie das Gesicht ihres Gegenübers sekundenlang einzufrieren schien, sich dann aber sofort wieder entspannte.
"Mich zum Beispiel", führte sie daher weiter aus. "Soweit ich weiß, sind Monserat und Slade alte Bekannte. Slade bekommt immer wieder einmal Besatzungsnachschub von der Ivory. Es sind aber auch etliche nette Menschen dabei!"
Der Turbolift hielt an und seine Türen öffneten sich mit einem leisen Zischen. Die beiden Frauen traten auf den Gang hinaus.
--- Deck 7, Gänge
Zielstrebig schlug die Schottin den Weg zum biochemischen Labor ein. Dabei erzählte sie weiter: "Auf der Ivory habe ich eigentlich als Biochemikerin angeheuert", meinte sie schmunzelnd. "Aber irgendwie bin ich dann doch in meinem eigentlichen Fach, der Medizin gelandet. Obwohl ich Biochemie durchaus auch gerne mag."
Dann wandte sie sich an ihre Begleiterin: "Waren Sie auf der Ivory auch gleich Psychologin, oder haben Sie eine ähnliche Metamorphose durchgemacht wie ich?"
"Nein, ich habe immer als Schiffscounselor oder Psychologin gearbeitet", erwiderte Ysara, während sie neben der Ärztin den Gang hinab schritt. "Und nachdem sich herausstellte, daß ich mich für die Sternenflotte einfach nicht eigne, habe ich auch eine Zeitlang meine bescheidenen Fähigkeiten als Vermittlerin angeboten, so sie jemand haben wollte. Aber an sich ist es mir ganz recht, jetzt den Beruf zu wechseln. Meine letzte Anstellung als Psychologin hat mir mehr Unannehmlichkeiten beschert als sie gelohnt hätte."
Kopfschüttelnd blieb sie mitten auf dem Gang stehen und griff sich erneut an die Stirn. Als Llewella sich fragend umsah, versuchte sie unschlüssig eine Erklärung. "Also irgend etwas stimmt mit mir nicht. Glauben Sie mir, normalerweise rede ich nicht so viel. Ihr Captain flutet nicht zufällig die Lebenserhaltungssysteme regelmäßig mit Drogen?"
Immerhin hatte sie den Griechen abgeschüttelt. Es wäre ihr weit unangenehmer gewesen, ihm ihre Lebensgeschichte zu erzählen als einer sympathischen und offensichtlich harmlosen Biochemikerin.
--- Narbos Bar, Theke
Zirt war gespannt. Fürs erste ließ er einmal die Sicherungen Sicherungen sein und konzentrierte sich auf seinen Vorgesetzten. Er wollte also seinen Lehrmeister spielen. Die erste Lektion klang schon einmal nicht schlecht, wenn er sie auch schon erlernt hatte, als er als Kind in die orionischen Sklavenmienen gesteckt wurde.
Außerdem wurde jeder Dieb, der in einer Gilde arbeitet über kurz oder lang auch als Kundschafter eingesetzt. Nichts war so wertvoll wie Vermögen - außer Informationen.
Auch eine andere Lektion hatte der Dieb schon früh gelernt und die drückte er jetzt in einer Frage an Narbo aus: "Sie werden es mich lehren? Und was wollen Sie dafür?" Nicht einmal der Tod war im Untergrund umsonst. Ferengi gingen da meistens sogar noch ein paar Schritte weiter....
Eine interessante Frage, die sein Schüler da stellte, erkannte Narbo zufrieden. Scheinbar hatte er sich doch nicht getäuscht, der Kerl besaß Talent. Nun, eigentlich wußte der Ferengi die Antwort selbst nicht genau, aber als er den Mund zur Erwiderung öffnete, bildeten sich die Sätze wie von Geisterhand:
"Fünfzig Prozent Beteiligung an allen deinen Einnahmen, während deiner Ausbildungszeit. Und außerdem", er stockte unwillkürlich, "brauche ich jemanden, der meine Feinde für mich richtet, wenn meine Zeit gekommen ist, der die Tradition dieser Kunst fortsetzt"
Zirt starrte den Ferengi geschockt an: "Ihr seht mich als Nachfolger?", zischte der verwirrte Andorianer.
Als Waise und Krüppel war er durch den sozialen Rost des Andorianischen Gesellschaftssystems gefallen und auch seine späteren Lebenserfahrungen hatten sein Selbstwertgefühl nicht unbedingt gefördert. Nie war er auf die Idee gekommen, irgend jemand könnte ihn als potentiellen Nachfolger sehen.
Die Andeutungen Narbos schockten den Dieb so sehr, daß er die Forderungen des Ferengi vollkommen überhörte.
"Denk ja nicht, daß du Geld bekommst, sonstwas oder gar diese Bar. Einzig allein mein Wissen und die Verpflichtung zur Vergeltung soll dein sein, Jungspund!", zischte Narbo dem verwirrt scheinenden Andorianer zu.
"Was ist? Bist du dabei, oder soll ich Slade sagen, die Luftschleuse schon mal bereitmachen zu lassen?!", fügte der Ferengi hinzu, bemüht, Zirt mit diesen Worten wieder in die Realität zurückzubringen.
Zwar keine sehr nette, aber wirksame Methode.
Bei diesen Worten fing sich der Andorianer wieder und mußte unwillkürlich lächeln: Das war wieder eine Sprache, die er verstand.
"Natürlich bin ich dabei. Von einem Meister seines Faches unterrichtet zu werden ist fast jede Investition wert", antwortete Zirt dem Ferengi. Sich ein bißchen einzuschleimen konnte sicher nie schaden.
"Sie scheinen jedenfalls effektiver Reichtümer anzuhäufen, als ich es mit meinen Methoden könnte." Der Dieb ließ seinen Blick bei diesen Worten über Narbos Bar schweifen und blieb kurz bei Silvana hängen.
Er sah Narbo wieder direkt an: "Was hat SIE eigentlich für eine Rolle auf diesem Schiff?"
Gleichgültig überhörte der Ferengi die Schmeicheleien des Andorianers, auch wenn sie einem Händler seiner eigenen Spezies würdig gewesen wären. Dennoch konnte sich Zirt wahrscheinlich nicht einmal vorstellen, welche wahren Besitztümer Narbo in seinem Shuttle lagerte.
"Bei dieser äußerst gefährlichen Frau, handelt es sich um Silvana, die Sicherheitschefin der Privateer. Wenn unser geliebter Slade sich mal wieder selbst verstümmelt, abfackelt oder Durchfall hat übernimmt sie das Kommando", erwiderte er auf die letzte Frage.
Nachdenklich kratzte sich Zirt hinter seinem verbliebenen Fühler, bevor er sich wieder an seinen Vorgesetzten wandte: "Hmm, hab ich sie also richtig eingeschätzt. Es herrscht also eine Art Waffenstillstand, wenn Sie sie nicht belästigen, kommt sie Ihnen auch nicht in die Quere. Und welche Rolle spielt der Captain in dieser Konstellation?"
Innerlich hatte sich der Andorianer bereits damit abgefunden, daß sich sein Leben, wie er es bis jetzt kannte wohl grundlegend ändern würde. Er war aber weit davon entfernt, diesen Umstand zu bedauern.
"Slade ist anteilig an allen offenen Gewinnen beteiligt, die ich erwirtschafte", erklärte Narbo, betonte dabei 'offenen', "außerdem rette ich seinem Kahn ab und zu den Arsch, was zusätzlichen Profit bringt."
Nur zu gut erinnerte er sich an die Rettungsmission, die ihm einen gewaltigen Batzen Latinum eingebracht hatte. Und Ärger, wie er bei dem Gedanken an das Branding auf seiner Stirn innerlich zischend hinzufügte.
"Wenn du mit dem Polieren fertig bist, keine Lust mehr auf weitere Stromschläge hast, kannst du dich etwas umschauen: Es gibt nichts Wichtigeres, als seine Umgebung zu kennen, wenn man eine gute Chance ergreifen will!", wies er Zirt zischend an.
So würde er auch ungestört sein, wenn er sich noch einmal seinen Nachforschungen bezüglich des Zeichens widmete...
"Hmm, Leute auskundschaften sollte ich am Besten hier in der Bar können, Nur ist zur Zeit fast niemand hier. Ich glaubem ich streiche mal etwas durchs Schiff und sehe mich dabei um. Sollte sich hier etwas tun bin ich ja über den Communicator erreichbar", antwortete der Andorianer und kam damit der Anweisung seines Lehrers nach, sich zu verziehen.
Zirt nickte Narbo nochmals zu und verließ dann die Theke Richtung Ausgang.
--- Deck 7, Gänge
Llewella schaute ihre Begleiterin erst etwas erstaunt an, dann brach sie in fröhliches Gelächter aus. Als Ysara sie verständnislos anblickte, deutete sie auf das Whiskyglas in ihrer Hand.
"Was glauben Sie, warum ich dieses Glas hier zum Biochemischen Labor schleppe? Ich traue diesem hinterlistigen Ferengi weniger als ich einem MacDonald trauen würde - und dem würde ich niemals über den Weg trauen!
Der Captain ist hier nur insofern schuldig, als er diesem Wesen seine Erlaubnis zu allerlei Panschereien gibt. Wenn Sie möchten, können wir Ihnen ja eine Blutprobe abzapfen, dann sehen wir gleich, ob etwas in dem Drink war, den Sonnyboy Ihnen kredenzt hat."
"Sehr gerne", stimmte die Psychologin ihr zu. "Auch wenn es mir eine reichlich ungewöhnliche Methode zu sein scheint, neue Mannschaftsmitglieder willkommen zu heißen."
Die beiden Frauen setzten sich wieder in Bewegung, und Ysara verfiel einen Augenblick lang in nachdenkliches Schweigen. Womöglich wäre dies eine Gelegenheit für eine der seltenen Wellen milden Grolls, die sie sich manchmal erlaubte.
Andererseits wäre es Theocrates kaum wert, sich über ihn Sorgen zu machen. Und dieser Ferengi? Wie schon, bevor sie die Bar aufsuchte, sah sie auf ihre Finger hinab, spreizte sie in der dem Oo-Mox eigenen Technik und strich sich probeweise sachte mit einem perfekt manikürten Fingernagel über den Daumen, wie um seine Schärfe zu testen.
Zufrieden lächelnd sah sie auf, als sie das Labor erreichten. Ferengi sollten das geringste Problem sein.
"Mich wundert jetzt allerdings, daß Sie diesen Whisky erst trinken und dann analysieren", bemerkte sie nachträglich, tatsächlich etwas überrascht. Immerhin war ihr Kontrollverlust über ihre Zunge weit lieber als beispielsweise über ihre Libido - auch wenn da in Anwesenheit der Männer, die sie bisher kennengelernt hatte, nicht viel gereizt werden könnte. "Ich kenne einige weit unangenehmere Drogen als solche, die zum Reden verleiten..."
"Aye, Sie haben ja Recht, das wäre die richtige Reihenfolge gewesen. Aber irgendwie kam ich erst zu spät auf diesen Gedanken. Und immerhin schmeckte er nach einem wirklich guten Malt. Vielleicht war es gerade das, was mich mißtrauisch machte? Ich weiß es nicht."
Inzwischen waren die beiden Frauen vor dem biochemischen Labor angekommen. Llewella öffnete die Türe und beide traten ein. "Wenn Sie mich jetzt einen kleinen Augenblick entschuldigen..." meinte die Schottin, dann machte sie sich an die Arbeit.
--- Narbos Bar, Theke
Grinsend schaute der Ferengi Zirt hinterher, als die Tür sich hinter diesem geschlossen hatte. Er war sehr folgsam, was aber auch Taktik sein konnte. Die übliche Überprüfung seiner Person war unumgänglich, zumal Silvana noch sehnsüchtig auf die Rechnung für seine Nachforschungen bezüglich KWinh wartete.
Sie würde die gesammelten Daten sicher interessant finden, hatten die Romulaner doch enorme Kopfgelder auf alle Grilmak ausgesetzt, die noch lebten. Zumal, wenn eben jener KWinh über solch außerordentliche Fähigkeiten verfügte, wie ihm einige einfache Techniker berichtet hatten.
Vielleicht könnte der Grilmak sogar noch einen höheren Preis bezahlen, wenn er nicht ausgeliefert werden wollte. Die Romulaner zumindest wären sicher jederzeit bereit, eins ihrer Schiffe hierher zu schicken, um ihn abzuholen...
Lächelnd überschlug er seine Ausgaben, addierte die übliche Courtage, die sich für jeden Informationshändler ziemte und transferierte die erstellte Rechnung in das interne Nachrichtensystem. Der Computer würde die Mitteilung unmittelbar weiterleiten, dank der Prioritätskennung Silvana sofort aufmerksam machen.
'Noch höchstens eine Sekunde!', dachte Narbo, während Silvana schon lächelnd herumfuhr.
Sie hatte es inzwischen aufgegeben noch auf eine Antwort von Pormas zu warten, der inzwischen große Ähnlichkeit mit dem geistig minderbemittelten Kal'chi aufzuweisen schien, in dessen Hirn nur der Gedanke an Kampf, Blutwein und Sex existieren zu schien.
Und sie wartete auch nicht mehr darauf, ob der Sivaoaner sich doch noch von seinem wackeligen Tisch erhob um zu ihr an die Theke zu kommen, wenn sie ihn schon dazu einlud.
Geduld war noch nie eine ihrer Tugenden gewesen. Im Grunde hatte sie gar keine. Außer ihrer Vorliebe für Sex.
"Du hast die Rechnung recht großzügig daran angepaßt, daß du in Sachen Diebstahl der große Nagus bist. Wenn du mit dieser Summe einverstanden bist, dann kann ich mir die Prüfung ersparen, ob die Bar in letzter Zeit wirklich so schlecht läuft und die letzte Renovierung deiner Bar tatsächlich so notwendig und teuer war wie du Slade eingeredet hast." Damit schrieb Silvana etwas auf ihr Padd und schob es Narbo unter die Nase.
"Du weißt, daß ich sehr großzügig über deine Geschäfte hinwegsehe, wenn du ein wenig zuvorkommend bist. Sonst passiert es zu leicht, daß ich meine Krallen zeige", wie zur Unterstreichung ihrer Worte fuhr sie selbige aus und wieder ein, "und du willst sicher nicht wissen, was ich mit Leuten tue, die mich hintergehen..."
Sie musterte ihn wie ein kleines verspieltes Kätzchen. "Wenn du darauf eingehst, dann erwarte ich deinen Bericht."
Der angebotene Preis lag immer noch deutlich über Narbos Ausgaben, so akzeptierte er nickend, während der Betrag sich auf elektronischem Wege auf seinem Konto einfand. Die Bestätigung kam augenblicklich, so daß Narbo zufrieden antworten konnte:
"Um keinen Preis in der Welt würde ich dich hintergehen wollen, doch gehört dieses Spielchen zu jedem Handel wie die Bezahlung selbst. Nenn es kindisch, aber das kleine bißchen Ferengi in mir fordert diesen Tribut.
Deine Großzügigkeit bezüglich meiner eventuellen Fehlkalkulationen ehrt mich sehr, doch bieten meine Informationen die Chance auf hohen Profit, wenn man das Spiel mit der Bestie zu spielen bereit ist!"
Um keinen Preis der Welt würde Narbo sie also hintergehen wollen, aber tun würde er es trotzdem wenn der Preis hoch genug war. Silvana kannte seine kleinen Wortspiele gut genug um zu erkennen wo er sich einen Freiraum in der Auslegung seiner Worte gelassen hatte.
Trotzdem war Silvana heute milde genug gestimmt ihn nicht darauf aufmerksam zu machen. Vielleicht weil der Gang zur Bar den Weg über ein Quartier genommen hatte...
"Auch ein Ferengi sollte wissen, wann er kurz davor ist den Bogen zu überspannen. Das Latinum ist sicher bereits auf deinem Konto eingelangt, also strapaziere nicht meine Geduld und gib mir die Informationen, die du inzwischen zusammengetragen hast. Den Rest kannst du ja nachreichen."
Damit fixierte sie ihn mit ihren gelben Augen und ließ ihn für keine Sekunde aus den Augen. "Ansonsten fragt sich mit welcher Bestie DU zu spielen bereit bist..."
"Mit Dir sicher nicht, aber die Romulaner wären den Einsatz vielleicht wert", antwortete Narbo zischend, enthüllte seine Kenntnisse so teilweise. "Dieser KWinh gehört einer Spezies an, die laut romulanischer Meinung schon längst ausgelöscht sein sollte. Der Kopf des Ingenieurs würde mehr Profit bringen, als das gefährliche Sammeln von Schrott!
Allerdings sind die Grünblüter nicht zu unterschätzen, wenn man mit ihnen verhandeln will"
Zu weiteren Details kam der Ferengi nicht, da ein sichtlich besoffener Klingone die Bar betrat. Schnell adressierte er die Daten an Silvanas privates Postfach, wissend, daß sie Kargan nicht so schnell wieder loswerden würden...
Blutüberströmt taumelte Kargan gerade in die Bar, schaute unsicher hin und her, und hielt dann schwankenden Schrittes auf die Theke zu.
Mit letzter Kraft hielt der Chefarzt sich an der Theke fest und zog sich auf einen Hocker. Aus den drei Silvanas versuchte er sich die Richtige herauszupicken und lallte deshalb Narbo an: "He, Silva, du mußt unbedingt Slade festnehmen. Das Zeug, das der alte Gauner bei seinen Festessen säuft, ist mehr als ill-l-legal."
Kargan hatte Schwierigkeiten bei dem letzten Wort, schüttelte den Kopf, und wunderte sich, daß Silvana plötzlich so große Ohren besaß.
Er orientierte sich etwas weiter nach rechts, wo er direkt in Silvas Ausschnitt lugte.
"Manomann", murmelte er, als mindestens siebenundzwanzig wohlgeformte Brüste um ihn herumtanzten.
"Wenn nur das Essen genauso lecker wäre, würde ich ab sofort nur noch mit ihm essen. Aber so...ich habe es gerade noch rechtzeitig geschafft, zu entkommen. Mann, ich dachte, ich wäre zurück an der Akademie, wo wir manchmal, wenn die Professoren schon zu Hause waren, etwas geübt haben." Er lachte leise in sich hinein. "Aber die Reste dann aufessen - ne, das hat's nie gegeben. Mir ist schlecht. He, Narbo! Wo bissu? Ach da. Gib mir was zum Nüchternwerden, ich will nochmal zurück zu Slade, vielleicht kriege ich noch was zu trinken..."
Der Ferengi wechselte einen vielsagenden Blick mit Silvana, die den Klingonen nur abfällig musterte, beschloß dann auf die Forderung einzugehen:
"Hier, das wird dich auf andere Gedanken bringen! Aber beschwere dich nicht über den Geschmack, der ist etwas gewöhnungsbedürftig"
Gleichzeitig reichte er dem Arzt ein Glas mit einer milchigen Substanz, die jeder Cardassianer ohne Zweifel als Sekret einer Nacktschneckenart erkannt hätte, welches zumindest den Reptilien zu schmecken schien.
--- vor Narbos Bar
Gerade hatte der Andorianer die Bar verlassen, als der betrunkene Klingone an ihm vorbei gewankt war. Vielleicht war es ja jetzt doch ganz interessant in der Bar.
Wie auf ein Stichwort öffneten sich die Türen des nahegelegenen Turbolifts und eine Schar der unterschiedlichsten Mannschaftsmitglieder strömten an ihm vorbei in die Bar. Offenbar war gerade eine Schicht zu Ende gegangen, die diese Leute noch mit dem einem oder anderem Glas begießen wollten.
'In der Bar ist jetzt bestimmt bald die Hölle los', dachte sich der neue Zweitbarmann, 'bestimmt wird Narbo gleich nach mir schreien.'
Mit einem resignierendem Lächeln drehte sich Zirt auf dem Absatz um und betrat wieder die Bar ...
--- Narbos Bar
Zirt betrat die Bar und sah zu den neuen Gästen hinüber, die sich gerade um die Tische verteilten. Einige davon sahen durchaus auffordernd zur Theke hinüber wurden aber einstweilen von Narbo mit Nichtbeachtung gestraft.
'Na dann fang ich mal an', ermunterte sich der Andorianer selbst und begab sich zu Theke. Er nickte Narbo, Silvana und Kargan einmal kurz zu, schnappte sich ein PADD mit dem Getränkeangebot des Ferengi und wandte sich dann wieder zu den Tischen.
--- Tisch 1
Der erste Tisch wurde von ein paar männlichen Terranern in Beschlag genommen, die ihrer Kleidung nach zu den Lagerarbeitern gehörten.
Ihrer Aussprache und ihrem Verhalten nach dürften sie schon vor dem Schichtende etwas vorgefeiert haben und wollten die Party wahrscheinlich hier in der Bar zu Ende bringen.
Zirt baute sich vor den drei Individuen auf: "Hallo Leute! Ich bin ab heute hier der zweite Barmann. Was kann ich euch bringen?"
--- Theke
Interessiert schaute der Klingone in das Gefäß hinein und schwenkte es leicht. Schneckenschleim? In den letzten Wochen hatte Kargan damit einige Erfahrungen sammeln können, hatte sich nur bisher nicht dazu durchgerungen, ihn unverarbeitet zu sich zu nehmen - warum lange herumprobieren, wenn man mit der gebrannten Version voll zufrieden war?
Hm - und die Rohfassung sollte in der Lage sein, die Wirkung von Slades Mörderhammer-Gesöff umzukehren? Quasi ein Anti-Alkohol? Kargan amüsierte sich immer, wenn auf Speisekarten Wasser als antialkoholisches Getränk angepriesen wurde, und hatte sich schon öfter überlegt, Wirte dafür zur Rechenschaft zu ziehen, daß er nach seinem Wasser nicht sofort wieder nüchtern war.
Als er das Glas ansetzte, nahm er sich vor, einen Rest der Flüssigkeit für Versuchszwecke aufzuheben. Es konnte nicht schaden, zu wissen, was Narbo so in seine Drinks mixte.
Naja, immerhin würde sich der Ferengi nicht zu einem offen Mordanschlag hinreißen lassen, wenn Silvana dabeisaß und zusah.
Er kippte das Zeug in einem Zug hinunter.
Nachdenklich schnalzte er mit der Zunge.
Es schmeckte fast wie Gagh.
Hm - zu Gagh liebte Kargan normalerweise Breshanti-Ale.
Ob dieser Ferengi wohl eine alkoholische Speise auf Lager hatte, die ähnlich wie Ale schmeckte? Das wäre mal eine ganz neue Erfahrung...
Der Klingone richtete sich auf seinem Hocker auf, schaute Silva und Narbo an, und meinte: "Na, das wird ein interessanter Abend. Nochmal dasselbe!"
Mit einem Kopfschütteln hatte Silvana das etwas ungewöhnliche Aussehen des Klingonen quittiert. Immerhin hatte sie ihn vor Kurzem noch mit Schleim in seiner alten kaputten Kleidung gesehen, die er anscheinend völlig umsonst gewechselt hatte.
Falls er sich damit mehr Freizeit verschaffen wollte, so schien er gute Karten zu haben. Viele der Barbesucher starrten ihn entsetzt an und schienen sich bange zu fragen, welche Lektion nach Pormas "Vergiftung zu Lernzwecken" diese Auswirkungen erreicht haben konnte.
Ein kleine Amputation um mal eben eine technische Gliedmasse auszuprobieren, die neu am Markt war?
"Kargan, du benimmst dich wie ein Schwein. Narbo hat völlig recht: Klingonen haben keine Manieren. Fehlt nicht viel und du verlangst auch noch, daß klingonische Opern hier aufgeführt werden, damit du was zum Mitsingen hast... Männer..." Damit drehte sie sich angeekelt wieder um. Das frische Blut roch nicht angenehm in ihrer Nase. Slade schien sich wieder mal den letzten Dreck andrehen zu lassen.
Leider gab es auch sonst nichts Interessantes zu sehen. Lediglich ihr unfähiger Sicherheitler war da und zeugte von seiner Unfähigkeit.
Entschlossen ging sie an seinen Tisch.
"DAS habe ich nie so gesagt!", zischte Narbo grinsend als Antwort auf Silvanas Feststellung, "aber jetzt wo du es erwähnst. Da könnte was dran sein..."
Geschickt stellte der Ferengi das zweite Glas Schleim vor den Chefarzt, beobachtete wie der zähe Inhalt leicht schwappte, aber glücklicherweise nicht über den Rand lief.
"Was ist denn mit dir passiert? Hat Slade wieder mal ein Opferfest abgehalten?!", raunte er dem Klingonen zu, während dieser begeistert den Inhalt des Glases herunterstürzte.
--- Kuschelecke
"Schwing endlich deinen verdammten Arsch hier raus oder du lernst mich kennen! Hast du verstanden?!" Wütend funkelte sie ihn an und bemerkte erst jetzt wie unglücklich er auf seinem Stuhl herumrückte. So als könnte er sich einfach nicht entschließen aufzustehen.
Es dauerte einen weiteren Moment bis er sich endlich an seine Pflicht zu erinnern schien und sich von seinem Platz erhob. Nur kurz bevor der raubtierhaften Frau die Geduld gerissen wäre und er noch größere Probleme mit ihr bekommen hätte.
Süffisant lächelnd glitt Silvana Blick von seinem Schritt, wo er sich beim Aufstehen verfangen hatte, wieder nach oben.
"Ist das dein Phaser oder freust du dich so mich zu sehen?" Die Kenntnisse warum er Probleme hatte, behielt sie für sich. Man konnte nicht wissen, wozu es später einmal gut sein würde etwas gegen Narbo in der Hand zu haben, daß den Griechen auf die Palme bringen würde.
"Du kommst mit mir mit. Wir haben etwas zu besprechen", meinte sie schließlich ohne um sich seine peinlichen Ausreden zu ersparen und wies Pormas barsch den Weg zum Ausgang.
Und bei ihrem Gesichtsausdruck würde es sicher keinen geben, der ihr diesmal unterstellen würde ihrem Mitarbeiter eine vergnügliche Stunde zu bereiten.
--- biochemisches Labor
"So, das war's. Jetzt müssen wir nur noch auf die Ergebnisse warten", grinste die Rothaarige zufrieden. Die ersten Schnelltests hatten keine Auffälligkeiten ergeben - und weitere Analysen würden ein wenig dauern.
"Ich bin dafür, daß wir jetzt zur Krankenstation gehen."
Als die dunkelhäutige Frau nickte, verließen die beiden Frauen das Labor, und machten sich auf den Weg.
--- Krankenstation, kurze Zeit später
Die Krankenstation war verwaist. Keine Patienten, kein Kargan, keine Schwester Entenburg.
Die Schottin dirigierte Ysara zu einem der Biobetten, bat sie, sich zu setzen und bereitete dann ein paar Sachen für die Entnahme der Blutprobe vor.
Nur halb im Spaß meinte sie dabei: "Ich hoffe, Sie fallen mir jetzt nicht vom Bett?!"
Amüsiert hob Ysara eine Augenbraue. "Aber nein", erwiderte sie und beobachtete die Ärztin, wie sie das richtige Utensil heraussuchte. "Glauben Sie mir, Drogen in meinen Drinks oder der tastende Blick eines Sicherheitsoffiziers können mich weit mehr schockieren als der Anblick meines Blutes. Und selbst davon falle ich nicht in Ohnmacht, so verlockend es erscheinen mag."
Sie sah sich in der Krankenstation um, die trotz vieler Veränderungen durch ihre Bauweise noch immer an die Sternenflotte erinnerte, und vielleicht deshalb und bei der Erwähnung von Blut kam ihr wieder einmal dieser unangenehme Zwischenfall in den Sinn, der zu ihrer Entlassung geführt hatte.
Obwohl, Blut war nicht im Spiel gewesen, als der junge Fähnrich - wie hieß er eigentlich - sein Shuttle angeheizt durch die von ihr verschriebenen Medikamente in jenes Frachtschiff steuerte, denn er dürfte in Sekundenschnelle bis auf die hartnäckigsten Knochensplitter verglüht sein.
Wenn sie wirklich unter Drogen stand, hatte sie Glück gehabt, nichts Schlimmeres ausgeplaudert zu haben als ihre Vorstellung von schlechtem Sex.
Andererseits bekam die unliebsame Anekdote vom berauschten Fähnrich gleich eine ganz andere Klangfarbe, wenn man wieder Zugriff auf einen medizinischen Replikator hatte...
"Gibt es denn viel zu tun auf der Krankenstation?", wandte Ysara sich wieder Llewella zu, um den Gedanken zu vertreiben. "Es wäre mir nur recht, wenn die Krankenstation häufig so verlassen wäre. Ich arbeite so ungerne unter Aufsicht."
Und das insbesondere, nachdem sie Schwester Entenburg kennengelernt hatte...
--- Narbos Bar, Theke
"Opferfest?", fragte Kargan zurück. Das Wunderschleimmittel schien tatsächlich zu wirken, der Klingone fühlte sich schon wieder richtig frisch, nüchtern und bereit zu neuen Taten.
"Das war mehr eine Massenschlachtung", kommentierte er dann. "Ich will ja nicht in die Einzelheiten gehen, aber ich bin froh, daß ich seine Kabine nicht aufwischen muß. Wahrscheinlich wäre es einfacher, sie rauszureißen und neue Wände einzuziehen. Decke und Boden natürlich auch." Er sah an sich herab und verstand, warum Silvana das Weite gesucht hatte.
Aber andererseits - er hatte sich bei früheren Gelegenheiten nicht des Eindrucks erwehren können, daß sie bei dem Anblick von frischem Blut beinahe orgiastische Gefühle entwickelte. Wahrscheinlich aber nur von Blut, dem sie selber zu einem Ausflug an die frische Luft verhalf.
Kargan überlegte. Momentan fühlte er sich zwischen drei Orten hin- und hergezogen. Zum Einen Slades Quartier, in dem sicher immer noch die Post abging, immerhin hatte er beim Verlassen desselben bemerkt, wie irgendwelche Lakaien eine Ladung kleiner pelziger Tierchen in den Raum wuchteten.
Dann wäre es sicher nicht schlecht, die Kleidung zu wechseln und zu duschen - zum zweiten Mal innerhalb von einer Stunde.
Und zum Dritten war Narbos neueste kulinarische Errungenschaft auch nicht zu verachten.
Unentschlossen trommelte Kargan auf die Theke.
Zufrieden musterte Narbo den Klingonen, hatte er doch erst vor zwei Wochen diesen exklusiven Partyservice gegründet, der eigentlich nur für Slade arbeitete, da die Dienste des Ferengi erstens sehr teuer und zweitens ziemlich pervers waren, was sonst nur noch Silvana entsprochen hätte.
"Sag, wie haben dir diese kleinen Pelzdinger geschmeckt? War gar nicht so einfach die an Bord zu bekommen, nachdem irgend so ein Föderationsfutzi in ihnen eine hochentwickelte vernunftbegabte Spezies gefunden haben will. Nur weil die Viecher Integrale ohne technische Hilfe lösen konnten...", hakte er beiläufig nach, würde je nach Antwort des Klingonen die Preise vielleicht "variieren".
"Integrale?", hakte Kargan nach. "So interessant sahen die Viecher gar nicht aus, und dann bin ich ja auch gerade gegangen, als sie geliefert wurden. Hört sich aber sehr interessant an!"
Damit war die Entscheidung gefallen. Der Klingone schnappte sich einen Krug von Narbos Antialkoholschneckenschleim und begab sich wieder zu Slades Party - er verzichtete darauf, sich vorher zu duschen...
--- unweit der Bar
Silvana blieb unvermittelt stehen und Pormas prallte fast gegen sie, konnte aber gerade noch verhindern, daß sie seine Männlichkeit am eigenen Leib zu spüren bekam. Er fragte sich was sie von ihm wollte und er fand es extrem unheilvoll, daß sie damit mit ihm "vor die Tür" gegangen war.
Einen guten Kampf wußte er sich immer zu schätzen, doch er glaubte nicht, daß diese Frau ein Wort wie Fairneß überhaupt kannte und bei einer Verletzung noch wütender wurde, wie ein verwundeter Tiger, der in die Enge getrieben wurde. Gespannt und nicht gerade mit Vorfreude, sah er zu wie sich die Sicherheitschefin umwandte und ihre gelben Augen wütend glitzerten.
"Was ist so schwer daran zu verstehen, wenn ich dir den direkten Auftrag gebe, die Neue zu überwachen und ein Auge auf sie zu haben? Nein, sag es mir nicht, es interessiert mich nämlich nicht. Wenn du nur mit deinem Schwanz denken kannst macht das nichts, aber wenn du darüber hinaus deine Pflicht vergißt oder vernachlässigst, dann kannst du in der Nachtschicht über deine Unfähigkeit nachdenken.
Ab sofort wirst du nachts arbeiten, während deine süße Kleine schon schlafen wird. Vielleicht lernst du dort ja was Pflichterfüllung bedeutet und jetzt hau ab hier und geh schlafen, dein Dienst beginnt erst in ein paar Stunden." Damit drehte sie sich einfach um und ließ ihn stehen.
Um ihn würde sich ab sofort ihre Vertretung in der Nachschicht kümmern.
Silvana war gerade dabei die Tür zur Bar anzusteuern, als ihr einfiel, daß sie nun jemand Neuen brauchte, der sich der Neuen annahm. Dabei kam ihr der Einfall Kal'chi damit zu betrauen.
Zwar war er ein Klingone und man mußte ihm alles wie einem Kind erklären, dafür war er aber sehr loyal und fraß ihr aus der Hand wie ein großer dummer Hund. Schwanzwedelnd.
Ja, das war der richtige für diesen Job.
Ohne lange zu überlegen ging Silvana am Eingang zur Bar vorbei um mit dem Klingonen zu reden.
--- Narbos Bar
Nach einiger Zeit intensivsten Arbeitens und Unterhaltens war der erste Andrang in der Bar endlich vorbei und die rothaarige Bedienung schaffte die Bedienung fast im Alleingang.
Aber es waren interessant gewesen: So hatte Zirt erfahren, daß in Lager 2 eine "Mondschein"-Produktion im Entstehen begriffen war. Angeblich wußte Narbo noch nichts davon, aber Zirt konnte das nicht glauben. Entweder war das eine Falschmeldung, um ihn in die Irre zu führen, oder die Lagerarbeiter waren unglaublich dämlich. Zirt beschloß abzuwarten, wie Narbo in dieser Sache vorzugehen gedachte.
Die anderen Neuigkeiten waren eher trivial, hatten aber auch das Potential gewinnträchtig zu werden: Kleine Streitereien und Eifersüchteleien unter der Mannschaft, die sicher irgendwann einmal in Ausbrüchen enden konnten.
Fürs Erste beschloß der Andorianer aber einmal, zu seinem Chef zurück zu gehen, der jetzt alleine hinter der Theke stand.
"Gibt es noch irgend etwas Besonderes?", fragte er den Ferengi.
Überrascht schaute Narbo den Andorianer an: Seit längerem hatte er schon recht erfolgreich mitgeholfen, Drinks serviert und wie der Ferengi sich grinsend überzeugen konnte, auch schon einige Informationen gesammelt.
Diese widerlichen Mondschein-Filmchen waren dabei nur das harmloseste Detail, auch wenn allein der Gedanke daran schon Narbo schwer belastete. Gint sei Dank wog die beachtliche Summe, die er als Beteiligung erhielt seine Bedenken auf, auch wenn wahrscheinlich niemand etwas gegen die Produktionen einzuwenden gehabt hätte.
Aber das mußte er den Lagerarbeitern ja nicht sagen.
"Was meinst du ist das Objekt an Bord, welches man am Ehesten stehlen sollte?", antwortete er mit einer Gegenfrage und wurde dabei von einer Langeweile getrieben, die zweifellos nach einem Adrenalinschub gierte. Ein kleiner Test von Zirts Fähigkeiten würde sicher unterhaltsam sein, auch falls dieser versagte und es zu einer öffentlichen Hinrichtung kam,
"Es wird Zeit für ein wenig Training!"
Diese Frage überraschte den Dieb etwas. Natürlich hatte er sich schon bei der einen oder anderen Information, die er heute bekommen hatte, Diebstähle überlegt. Aber Objekte, die man stehlen sollte?
Zirt war bis jetzt der Auffassung gewesen, daß man nur Objekte klauen sollte, die man entweder selber verwerten oder aber zu einem guten Preis verkaufen sollte.
Er antwortete dem Ferengi deswegen: "Das kann ich noch nicht so sagen, da ich im Moment von hier aus noch keine Kontakte zu Hehlern aufbauen konnte. Aber bei genügend Ressourcen, Zeit und guten Absatzmöglichkeiten ... würde ich sicher gerne einmal in den Lagerräumen vom Captain oder Ihrem Shuttle stöbern gehen", frech grinste der Andorianer seinen Boss an.
Wo war ein Diebstahl lohnender, wenn nicht bei den beiden größten Gaunern an Bord?
"Wahrscheinlich würde an beiden Orten der Tod auf dich warten", gab Narbo grinsend zurück. Die Dreistigkeit des Andorianers, seinen Besitz als Ziel auszuwählen zeigte Mut, aber nicht gerade diplomatisches Verständnis:
"Merke dir Folgendes: Möglichkeiten, die sich einem bieten sollte man ergreifen, aber die wahre Kunst entfaltet sich erst, wenn das Objekt der Begierde vorgegeben ist. Abgesehen davon vervielfältigt sich der Preis"
Nur zu gerne dachte er an die Auftragsunternehmungen, die ihm viel Geld, Ruhm, aber auch hartnäckige Verfolger eingebracht hatte. Der Grund, weshalb er überhaupt nur an Bord der Privateer gekommen war.
"Jemand dessen Identität dich zur Zeit noch nicht zu interessieren hat, zahlt viel Geld für Informationen über ein anderes Crewmitglied. Zwar habe ich schon das Wesentliche herausgefunden, aber dennoch fehlt der letzte Stein im großen Mosaik. Der Stein, der den Gewinn auf das Hundertfache steigern wird! In den Räumlichkeiten des Ziels vermute ich Datenspeicher, die eben jene Informationen enthalten. Wir werden ihn entwenden oder sagen wir: Ich werde dich bei der Ausführung des Auftrages studieren!", deckte Narbo seinen Plan auf, wartete, wie Zirt wohl reagieren mochte.
"Hmm, entwenden? Ist das auf einem Schiff wie der Privateer nicht etwas gefährlich? Wenn man den Speicher natürlich kopieren würde ...
Die Hauptsache ist wohl, daß der Speicher nicht vermißt wird. Eine genauere Anfrage an den Computer und ich wäre aufgeflogen. Die beste Methode ein Eindringen zu verschleiern ist immer noch, gar nicht gesucht zu werden.
Welche Größe hat dieser Datenspeicher, wie sieht er aus, wo ist er ungefähr und um wem geht es hier eigentlich genau?
Wie schnell soll die Sache über die Bühne gehen?
Ich brauche alle Informationen, die ich bekommen kann."
Es war doch schon einige Zeit seit der letzten Auftragsarbeit des Andorianers vergangen, aber er erinnerte sich immer noch gerne daran. Sie war der Grund für seinen rasenden Aufstieg in der Diebesgilde damals gewesen.
"Mein Vorstoß gründet nur auf Vermutungen, aber ich bin felsenfest davon überzeugt, daß es etwas interessantes zu finden gibt. Geheimnisse haben eine eigene Aura, die ein guter Künstler sofort sehen kann. Verlaß dich auf deine Instinkte, aber rechne mit elektronischen Abwehrvorrichtungen!", gab Narbo entspannt zurück, schließlich würde es nicht um seine Haut gehen,
"Die Zielperson ist der Chefingenieur KWinh. Die Daten betreffen seine Herkunft, seine Motivation und seine Kontakte. Mehr kann ich dir nicht vorgeben und am Besten warst du gestern fertig!"
Der Andorianer sah den Ferengi säuerlich an, während sein Verstand auf Hochtouren lief, um einen Plan für den Auftrag zu entwickeln: "Das ist allerdings wirklich nicht viel Information, außer daß der Auftrag nicht nur durch den Zeitdruck sondern auch noch durch den Beruf des Ziels erschwert wird."
Geistesabwesend kratzte Zirt seinen verbliebenen Fühler:
"Ich werde folgendermaßen vorgehen: Ich dringe in sein Quartier ein und durchsuche es einmal gründlich. Ich werde da aber noch nichts mitnehmen. Sollte ich diesen Speicher finden, werde ich versuchen, einen Ersatz dafür zu besorgen und die beiden bei einem zweiten Besuch austauschen. Du kannst dir dann runterholen, was du davon brauchen kannst und bei einem dritten Besuch werde ich ihn dann zurückbringen.
Solange dieser KWinh nicht auf die Idee kommt, nach unbefugten Besuchern zu suchen oder nicht ausgesprochen paranoid ist, was ich an seiner Stelle auf diesem Schiff sehr wohl wäre, sollte er nichts merken.
Wenn seine Sicherheitseinrichtungen nicht stärker als deine sind, müßte ich sie vorübergehend ausschalten können, wenn ich ungestört arbeiten kann."
Die Beleidigung, ja die Entweihung seines Könnens ließ den Ferengi rot anlaufen und ein zischender Fluch prasselte auf den Andorianer nieder, blieb allerdings unübersetzt. Wütend setzte Narbo dann hinzu, während der Translator wieder zu arbeiten begann: "Mutige Worte, aber ohne meine Gnade wärst du jetzt verbrannt oder war es wirklich dein Glaube, daß ich Eindringlinge nur mit kleinen Stromschlägen bestrafe?! Wer sich an meinem Eigentum vergeht, bekommt keine zweite Chance"
Grummelnd pausierte der Barmann etwas, sammelte seine Energie um sich Zirts Plan zuzuwenden: "Dein Plan klingt angemessen, sogar beinahe elegant, jedoch unterstütze diesen KWinh nicht. Nicht ohne Grund sind einige mächtige Personen an ihm interessiert!"
Zirt ließ sich durch das Gezeter seines Chefs nicht aus der Ruhe bringen, die meisten der Schimpfworte kannte er sogar.
Ganz in Ruhe ging der Dieb die Worte des Ferengi noch einmal durch und antwortete ihm dann: "Meine Worte waren keinesfalls als Beleidigung gedacht und ich meinte nur die Sicherungen der Theke. Ich bin sicher, Ihr Shuttle ist wesentlich effektiver gesichert.
Ich versuche auch, diesen KWinh nicht zu unterschätzen, aber der Zeitplan läßt mir nicht viel Spielraum."
"Heute Nacht schlagen wir zu", gab Narbo voll Vorfreude zurück, "in der Tagschicht sind zu viele Personen unterwegs. Der Bewohner des Quartiers befindet sich auf der Krankenstation, also kannst du auf Nummer Sicher gehen!"
--- Transporterraum 1
Kargan war sauer. Gerade als er Slades Quartier, in dem es der Lautstärke nach sehr interessant zuzugehen schien, betreten wollte, hatte sein Communicator gezirpt.
Keine Minute später hatte er im Transporterraum gestanden und auf die beiden ineinander verknäulten Haufen auf dem Boden gestarrt. Als er das Gesicht eines der beiden Menschen erblickte, schaltete sich sofort seine berufsmäßige Routine ein, die bisher immer geholfen hatte, Emotionen aus seiner Arbeit herauszuhalten.
"Was ist passiert?", fragte er den kreidebleichen Transporterchief, dessen erst kürzlich verheilte Aknepickel auf ein Alter deutlich unter 18 Jahren hindeuteten. Slade, dieser alte Menschenschinder schreckte offenbar auch nicht vor Kinderarbeit zurück.
Der stotternde Junge brachte kein Wort heraus, aus seinem Mund mühten sich zusammenhanglose Konsonanten. Aber er mußte auch gar nichts sagen, der Klingone hatte bereits einmal eine solche Transporterfehlfunktion erlebt - damals noch auf dem Schiff seines Bruders. Der Gruppe Klingonen hätte damals keine Macht des Universums mehr helfen können.
Aber hier schien zumindest die Frau noch eine Chance zu haben. Sie stöhnte und versuchte, ihren rechten Arm zu bewegen, welcher sich quer im Kopf ihres Begleiters materialisiert hatte. Die toten Augen dieses Mannes sprachen Bände.
Dem Klingonen war klar, daß es hier auf jede Sekunde ankam. Instinktiv wollte er durch den Computer einen Nottransport zur Krankenstation einleiten, was er im letzten Moment jedoch unterließ. Schließlich war nicht klar, ob hier der viel zu junge und unerfahrene Transporterchief oder ein Fehler im Transportersystem selber für diesen Unfall verantwortlich war.
Aus einer Nische in der Wand holte er eine Trage und herrschte den Jungen an, ihm beim Transport zu helfen. Gemeinsam hatten sie die beiden Körper schnell auf die Trage gewuchtet, und vor Schmerzen schlug die Frau die Augen auf. "Gib das Slade...", röchelte sie. Es war nicht genau erkennbar, worum es sich handelte, denn ihre Hand ruhte in der Schulter ihres Begleiters.
"Ganz ruhig", stieß Kargan hervor. Die Beiden waren erstaunlich schwer, und er bedauerte, nur eine steinzeitliche Trage zur Verfügung zu haben, und keine Rollbahre. Antigravbahren standen sicher zu hunderten im Lagerraum, aber das nutzte ihnen hier wenig. "Wir sind gleich da, dann wird alles gut, Sadaja..."
--- Krankenstation
Unterwegs hatte der Chefarzt die Station angewiesen, alles für eine Notoperation vorzubereiten. Schwester Entenburgs Augen weiteten sich bei dem Anblick, aber dann griff sie beherzt zu und half Kargan, die beiden Körper auf einen Operationstisch zu hieven.
In diesem Moment öffnete sich die Tür der Krankenstation, und Llewella trat zusammen mit der neuen Ärztin ein. "Aye, Sie haben recht, und das hier ist ... WAS IST DAAS?"
Entenburg drehte sich nicht um, sondern herrschte die Beiden an, sich nützlich zu machen. Dabei deutete sie auf den am Boden kauernden Jungen, der immer nur stammelte: "Das wollte ich nicht, bitte, ich möchte nach Hause..."
Als sein Communicator sich meldete, versuchte er einfach nur, von dem Gerät zurückzuweichen, was schwierig war, hatte er es doch an seinem Gürtel befestigt.
Llewella griff danach und aktivierte es: "Campbell hier. Was gibt es?"
Slades Stimme war so gereizt wie immer. "Wieso Campbell? Haben Sie neuerdings den Transporterraum übernommen? Ich will nur wissen, ob die Beiden gut an Bord gekommen sind, damit wir hier so schnell wir möglich weg können!"
"Nay, Captain Slade, die Beiden sind NICHT gut angekommen", antwortete die Schottin mit Blick auf den OP-Tisch und gefährlich ruhiger Stimme. Und jetzt lassen Sie uns in Ruhe arbeiten. Ende."
--- Slades Quartier
Slade war sprachlos.
Was sollte das denn heißen - nicht gut angekommen? Er würde wohl bald einmal mit Kargan reden müssen, damit dieser seine Leute zu einer besseren Kommunikation erzog.
Aber aus den wenigen Worten der Schottin hatte er herausgehört, daß die Beiden wenigstens wieder an Bord waren - wahrscheinlich hatte es da unten einen Kampf gegeben. Deshalb erteilte er in schneller Folge per Communicator seine Befehle: "Slade an Steuermensch: Maximumwarp, Kurs wie besprochen. Abmarsch. Computer: Wo befindet sich Sadaja?"
Die Antwort schaltete der Computer in den Turbolift, in den Slade inzwischen gesprungen war.
--- Krankenstation
Die hektische Betriebsamkeit dieser Station deutete darauf hin, daß Silvana wieder einmal eine ihrer berüchtigten Trainingssessions abgehalten hatte. Slade schaute sich um und interesierte sich in keiner Weise für den zitternden Jungen, dessen glasiger Blick auf einen Vorhang fiel, den ein dienstbarer Geist gnädigerweise um den Operationstisch gespannt hatte.
Nachdem der Captain alle Krankenbetten inspiziert hatte, wurde ihm klar, daß Sadaja sich hinter dem Vorhang befinden mußte.
Gerade als er ihn zur Seite schieben wollte, öffnete er sich leicht und ein Pfleger kam mit einem kleinen Rolltisch auf Slade zu. Dieser wollte sich gerade für die Mahlzeit bedanken, als ihm klar wurde, daß die blutigen Fleischstücke darauf einmal integraler Bestandteil eines seiner Besatzungsmitglieder gewesen war.
Er verzichtete auf eine Kostprobe - intelligente Wesen hatten so einen unangenehmen Nachgeschmack - und hoffte darauf, daß sein Außenteam wenigstens die Anweisungen des Sternenflottenoberkommandos mitgebracht hatte. Slade brannte darauf zu erfahren, warum diese Anweisungen nicht einfach verschlüsselt gesendet werden konnten, sondern persönlich von einem Agenten überbracht werden mußten.
Ungeduldig schritt Slade auf und ab.
Als der Pfleger wieder den abgetrennten Raum betreten wollte, hielt ihn Slade fest und gab ihm den Auftrag, ihm den Iso-Chip zu bringen, den einer der Beiden bei sich haben mußte.
Zufrieden machte er sich auf den Weg zur Brücke.
--- Brücke
Schwer ließ Slade sich in den Kommandosessel fallen. Genau in dem Moment meldete Miss Communicator: "Captain, ich empfange einen Notruf!"
Stöhnend schüttelte der Angesprochene den Kopf. Mußte denn immer alles zusammenkommen?
"Auf den Schirm", murmelte er ergeben.
Wenn das Schiff, von dem die Sendung stammte, auch nur halb so schlimme Zeiten durchgemacht hatte wie dieser Funkspruch, dann würde ihm kein Rettungseinsatz des Universums mehr helfen können. Man konnte gerade noch erkennen, daß eine weibliche Person in roter Sternenflottenuniform emsig auf den Betrachter einredete.
Slade glaubte die Worte "Fehlfunktion", "Hilfe" und ein paar sehr unflätige Flüche herauszuhören. Trotz der Uniform war ihm diese Frau gleich sympathisch.
Und da er sowieso noch auf die Anweisungen des Oberkommandos warten mußte, gab er den Befehl, zum Ursprung des Notrufes zu fliegen.
--- später
Der Pfleger war vor einiger Zeit auf die Brücke gekommen und hatte Slade einen blutverschmierten Chip in die Hand gedrückt. Wahrscheinlich ein subtiler Hinweis von Kargan, wonach mit den beiden Mitgliedern des Außenteams in nächster Zeit nicht mehr zu rechnen war.
Seis drum. Sadaja würde er in nächster Zeit sowieso nicht auf der Brücke benötigen, und Silvana würde ihren Platz einnehmen, sobald ihre Meditation beendet war. Zur Zeit war deshalb die Feuerleitkonsole unbesetzt, aber es bestand auch kein Grund, mit kriegerischen Aktivitäten zu rechnen.
"Sir, wir haben den Ursprung der Sendung fast erreicht. Offenbar ist das betreffende Schiff zu weit in den vor uns liegenden Nebel eingetaucht." Der Bildschirm zeigte einen faszinierend ausschauenden dunkelroten Gasnebel mit einem blinkenden gelben Punkt darin. Der Navigator hatte die ungefähre Position des Schiffes vom Computer markieren lassen.
"Hm. Mädel, ruf das Schiff", rief er über die Schulter. Anschließend verlangte er eine Analyse des Nebels.
Letztere traf zuerst ein. Sie hatten es hier mit einem Metriongas-Nebel zu tun. Der inzwischen eingetroffene Sternenlicht hatte diese Bezeichnung so seltsam betont, als müßte jedes Kleinkind sich auf die Stirn schlagen und rufen: "Oh, na dann ist ja alles klar."
Slade war zwar kein Kleinkind, aber genügend weltraumerfahren, um zu wissen, daß man sich aus einem solchen Nebel besser heraushielt. Entweder beschädigte er die Systeme, setzte die Sensoren außer Funktion, reduzierte die Schilde, tötete die Besatzung oder etwas ähnliches. Genau konnte er sich nicht erinnern. aber jedenfalls war es ziemlich schlimm.
Warum nur waren diese Sternenflottenheinis da hinein geflogen? Die mußten doch wesentlich besser als jeder Händler wissen, wie es dort drinnen ausah.
Alles Idioten.
Außer...hm, vielleicht gab es darin eine gigantische Latinumquelle? Eine unerschöpfliche Energiequelle? Oder irgendetwas anderes, mit dem man Profit ohne Ende machen konnte?
Als das Schiff antwortete, wurde Slade klar, daß der Nebel für die Verstümmelungen der Sendung verantwortlich war, denn die Qualität war immer noch genau so miserabel wir vorher.
Irgendetwas hatte sich an dem Bild jedoch verändert. Lag es daran, daß mittlerweile nicht mehr so viele Leute im Hintergrund herumliefen, die Flammen auf der Brücke größer geworden waren, oder die Kommandantin mittlerweile kaum noch stehen konnte? Slade war es egal. Selbst wenn es in diesem Nebel nichts Wertvolles gab, würde die Föderation ihm die Bergung eines ihrer Schiffe sicher teuer bezahlen.
"Kurs auf Föderationsschiff, voller Impuls." Slade zählte im Geiste schon die Latinumbarren, während die Privateer die äußersten Ausläufer des roten Gases passierte.
Ein paar Minuten später meldete der Navigator: "Sir, Captain, Sensoren ausgefallen, Schilde bei vierzig Prozent. Wollen Sie wirklich weiter hinein?"
"Sicher, was denkst du denn?", schnappte Slade zurück. "Sensoren brauchen wir nicht - geh einfach davon aus, daß sich das Föderationsschiff kaum noch bewegen kann und kalt den Kurs. Schalt den Bildschirm auf Breitwinkel, damit wir den Kahn wenigstens rechtzeitig sehen können."
Der Bildschirmausschnitt veränderte sich unmerklich, und nach etwa einer Viertelstunde, als die Schilde schon komplett zusammengebrochen waren, kam das fremde Schiff in Sicht. Slade schoß flüchtig durch den Kopf, daß die Föderation getrost ihre Festbeleuchtung abschalten konnte - nicht einmal in dieser Situation war sie auch nur einen Deut hilfreich gewesen.
Wie schon gesagt: Alles Idioten.
Als das fremde Schiff nur noch ein paar Kilometer entfernt direkt voraus lag, gab Slade die Anweisung, es mit dem Traktorstrahl abzuschleppen. Sternenlicht erwiderte erstaunt: "In einem Metriongas-Nebel kann man unmöglich Traktorstrahl oder Transporter einsetzen! Ich dachte, das wäre dir klar, Slade."
Hm, und was nun? Weitere Versuche, das Schiff zu erreichen, waren nicht erfolgreich gewesen, vermutlich war die Besatzung bereits tot - wer wußte schließlich, wie lange sie hier herumgedümpelt hatten?
Idioten.
"Wenn du so schlau bist, dann stell ein Außenteam zusammen, das mit einem Shuttle rübergeht und die Maschinen wieder instand setzt. Nimm Techniker, Ärzte, Sicherheitler mit. Alles was dir einfällt. Sieh zu, daß du in fünf Minuten drüben bist. Zur Not requiriere Narbos Shuttle, das ist das größte, was wir haben.
Worauf wartest du noch?!?"
Wie ein Schatten war Sternenlicht von der Brücke gehuscht und kontaktierte unterwegs diverse Leute.
--- Krankenstation
Kargan war fertig. Nicht nur mit den Nerven, sondern auch mit der Operation. Sadaja würde aller Voraussicht nach überleben, nachdem er fast alles aus ihrem Körper entfernt hatte, was nicht hineingehörte.
Wenn sie die Abstoßungsreaktion gegen die Spuren fremden Genmaterials überlebte, dann war sie über den Berg.
Diese Operation hatte ihn angestrengt. Er hatte mörderische Kopfschmerzen. Trotzdem mußte er mit Slade reden. Das Leben zweier Leute für einen Chip aufs Spiel zu setzen war nicht in Ordnung...
--- Shuttlehangar
Als Sternenlicht den Shuttlehangar erreichte, warteten bereits Narbo und Zirt dort. Der Ferengi hätte niemals einem anderen als sich selber erlaubt, das Shuttle zu fliegen, und Zirt hatte sich einfach angeschlossen.
Kargan war noch mit seiner Operation beschäftigt und hatte stattdessen Llewella und Ysara geschickt. Silvana und Sadaja waren nicht erreichbar gewesen, deshalb hatte Sternenlicht von der Sicherhheit drei andere Personen angefordert. Pormas, Nathalie und jemand, den er noch nie gesehen hatte, warteten bereits.
Kurz nach ihm betraten KWinh und Elaine Cooper den Shuttlehangar, jeder mit einem schweren Werkzeugkoffer bewaffnet. Wenn er sich richtig erinnerte, waren damit alle angeforderten Personen angekommen.
Alle schauten sich verwundert an, als sie im Shuttle Platz gefunden hatten. Während Sternenlicht die Gruppe über ihre Aufgabe instruierte, flog Narbo bereits durch die geöffnete SChleuse ins rot leuchtende All.
--- USS Last Hero, Brücke
Als der Rettungstrupp die Brücke betrat, schlug ihnen rauchige und verbrannte Luft entgegen, auch wenn hier wie auf dem Rest des Schiffes kein Feuer mehr zu sehen war.
Ysara und Llewella sahen sofort, daß ihre ärztliche Kunst hier versagen mußte, während KWinh und Elaine sich über die Technik hermachten.
"Hier funktioniert absolut nichts mehr", brummte der Grilmak. "Und wenn etwas funktioniert, dann nicht so, wie es sollte. Die Klimaanlage hat das Feuer gelöscht, indem sie kurzerhand das Schiff mit Stickstoff überschwemmt hat. Leider hat das nicht nur die Flammen erstickt. So etwas habe ich noch nie erlebt."
Pormas hatte wie gewohnt als erstes die Sensoren studiert und meinte: Laut dieser Anzeige werden gerade zehn Photonentorpedos scharf gemacht. Kann das stimmen, KWinh?"
Dieser raunzte zurück: "Sicher, schließlich habe ich gerade versucht, eine Computerdiagnose zu starten. Ich werde sie beenden, ehe die Dinger noch abgeschosen werden."
--- Privateer, Brücke
Slade schaute zum tausendsten Mal auf die Sensoren, welche ihm genau nichts sagten. Die Tür öffnete sich und der Chefarzt in Begleitung von Silvana trat ein. Irgendetwas blitzte an dem Schiff dort drüben auf.
Oh, diese Kopfschmerzen...
"Slade, war das da drüben eine meiner Halluzinationen oder..." Bevor Kargan weitersprechen konnte, verwandelte sich das Universum in ein Meer aus Licht.
"Ach du Scheiße", murmelte Silvana, während ein gigantischer Stoß alle von den Beinen riß und sogar Slade aus seinem Stuhl beförderte.
--- USS Last Hero, Brücke
Alle schauten wie gebannt auf den Bildschirm, wo sie den Flug der Torpedos mit erschrocken aufgerissenen Augen mitverfolgt hatten, bis sie die Privateer schließlich erreichten und sie in ein grelles orangerotes Licht tauchten.
Für einen Moment noch glänzte der metallene Körper der Norway im ungewohnten Licht bis er sich leicht verzerrte und instabil zu werden schien. Sich buchstäblich vor ihren Augen entmaterialisierte, als ob er weggebeamt wurde.
Keine Explosion.
Keine Druckwelle erreichte die USS Last Hero.
Es war still.
Beängstigend still.
Nach ein paar Sekunden verblaßte auch das Leuchten gänzlich und zurück blieb.. Nichts.
Nur das dunkle Leuchten des umgebenden Raumes tauchte die Brücke in ein blutrotes Licht.
Doch die Privateer blieb verschwunden.
The End ?