Chronik 34

--- Mizar Prime, Bar zum gelpen Gulb

Elaine seufzte innerlich, als sie wieder einmal mit dieser weitverbreiteten Meinung konfrontiert wurde.

Wieder mußte sie jemanden über ihren Beruf aufklären. Aber auf der anderen Seite war das auch jedesmal die Gelegenheit für ihr Können Reklame zu machen:

"Natürlich kann jeder halbwegs Gebildete ein Holoprogramm zusammenschustern. Dafür gibt es ja genügend Assistents-Programme.

Was Sie als Programmieren bezeichnen, ist in Wirklichkeit nur, daß Sie dem Computer sagen, wie das Programm aussehen soll. Der stellt das Programm dann zusammen.

Holodeckdesigner machen im Prinzip das Selbe wie ein Computer, nur daß wir klarerweise wesentlich besser auf die Wünsche des Kunden eingehen können.

Wer denken sie, hat denn die Programme geschrieben, nach denen die Computer arbeiten?

Das professionelle Holoprogrammieren besteht tatsächlich aus viel Arbeit:

Es muß ein geeigneter Fragenkatalog erstellt werden, über den wir die Wünsche des Kunden erfahren.

Dieser muß psychologisch ausgewertet und umgesetzt werden. Dieses Rohprogramm wird dann getestet und nochmals überarbeitet. Das passiert dann je nach Programm etwa zehnmal, bis das Produkt dann dem Kunden präsentiert wird.

Schlußendlich sollte dann alles zur Zufriedenheit des Kunden passen, schließlich zahlen unzufriedene Kunden im Allgemeinen nur äußerst ungern."

Aus den Augenwinkeln heraus bemerkte die Technikerin das Gähnen des Andorianers. Langweilte sie diesen Kunstbanausen etwa?

Scheinbar unbemerkt von den anderen buffte sie Zirt in die Seite, was dieser sofort mit einem empörten Blick quittierte.

Kargan verstand gar nicht, warum der Andorianer sich so langweilte. Der Klingone fand diese Ausführungen sehr interessant. Offenbar verhielt sich ein auf diese 'künstlerische' Art erstelltes Holoprogramm zu einem normalen wie seine eigene Arbeit zu einem MHN.

Sehr interessant. Vielleicht würde er selber einmal ihre Dienste in Anspruch nehmen - möglicherweise eine besonders lebensechte Simulation eines medizinischen Experiments?

"Also, wenn Sie das dem Captain schmackhaft machen können, werden Sie sicher nicht an Arbeitsmangel eingehen. Wenn mir schon diverse Einsatzmöglichkeiten einfallen, dann ist er sicher noch wesentlich kreativer. Und vor allem..." Elektrisiert zuckte der Klingone zusammen und traute seinen Ohren kaum.

Auch Silvana schaute wie gebannt auf ihren zirpenden Communicator, ehe sie ohne mit der Wimper zu zucken meinte: "Na sowas, wenn das mal nicht Meister Pelz höchstpersönlich ist." Mit den Worten trank sie erst ihren Becher leer und berührte dann das goldene Emblem fast zärtlich.

--- Privateer, Transporterraum 1

Vier Personen materialisierten auf der Transporterplattform, und Kargan war schon wieder sauer. "Typisch Slade." Er machte den brummigen Tonfall des Captains nach. "Bevor ihr mir an Bord kommt, will ich den ganzen Technikkram haben, den ihr gefunden haben wollt. Schließlich bin ich nur deswegen durch den halben Quadranten geflogen!"

"P'Tach!", setzte er auf klingonisch hinzu. Dann erst schaute er den Teilzeittransporterchief Narbo an. Sein Blick blieb an dessen Stirn haften. "Hübsches Branding", kommentierte der Klingone spöttisch. "Zwar etwas altmodisch, aber wer auf so etwas steht..."

"Besten Dank Klingone, aber diese Bißwunde in deinem Nacken sieht auch furchtbar süß aus! Da hat sich wohl jemand mit besonderem Eifer verewigt und auf einem Planet mit lauter Schnecken wird die Wahl ja eng!", warf er zischend zurück, während Silvana das Ganze scheinbar amüsiert verfolgte,

"Jedenfalls will Slade euch sofort sehen, aber das wird er ja sicher schon auf seine bekannt liebenswürdige Art mitgeteilt haben..."

Mit abschätzenden Blicken musterte der Ferengi die beiden Neuen, die bisher noch nichts gesagt hatten, aber dafür furchtbar kompetent aussehend auf der Transporterplattform standen.

"Und was ist mit denen?", fügte Narbo fragend hinzu, zeigte unverhohlen auf Zirt und Elaine, "sollen die in den Lagerraum für Slades Fertigfutter, dann beam ich sie direkt von hier?!"

Die beiden ehemaligen Besatzungsmitglieder der Ivory hatten sich interessiert im Transporterraum umgesehen. Beide waren mehr als nur erfreut, endlich den schleimtriefenden Planeten verlassen zu können. Auch wenn den beiden sehr unterschiedliche Gedanken durch den Kopf gingen.

Zirt versuchte sofort den Ferengi hinter der Transporterkonsole einzuschätzen. Seine Erfahrung in der Diebesgilde ließen ihn bei ihm sofort vorsichtig werden.

Die Privateer dürfte, mit größter Zurückhaltung beschrieben, ein "privates Freihändlerschiff" sein. Offenbar war er wieder in vertrautem Umfeld gelandet.

Wie bei allen diesen Organisationen, dürfte sich auch hier ein Triumphiaht gebildet haben: Captain, Sicherheitschef und ... der Andorianer wollte es einmal "Leiter für verdeckte Angelegenheiten nennen".

Die drei würden sich erfahrungsgemäß nicht wirklich riechen können, trotzdem aber ein Zweckbündnis eingegangen sein. Jetzt kam es nur darauf an, nicht zwischen die Fronten zu geraten.

Der ehemalige Dieb tendierte gefühlsmäßig eher zur dritten Fraktion, wollte sich aber noch nicht festlegen. Es blieb abzuwarten, wie sich die Dinge entwickelten.

Die Technikerin hing gänzlich anderen Gedanken hinterher, so daß ihr die Anspielung des Ferengi vollkommen entging: Sollte es möglich sein, daß sie endlich nach so langer Zeit wieder ihrer Leidenschaft und Kunst nachgehen könnte?

Die Worte des Klingonen hatten ihr Mut gemacht.

Sie brannte darauf, den Captain kennen zu lernen und sich und ihre Kunst präsentieren zu können.

Ihr, durch die letzte Anstellung beschädigtes Selbstbewußtsein würde diese Anerkennung dringend brauchen können!

Sie beschloß abzuwarten, bis die Eingangsroutinen abgeschlossen waren, dann würde sie den Captain mit Sicherheit ohnehin zu sehen bekommen.

Da leider zu Silvanas Bedauern niemand Anstoß an Narbos liebenswürdiger Begrüßung nahm und Kargan nur breit grinste, antwortete sie ihm:

"Noch nicht, Narbo. Du weißt doch selbst, daß Slade mit seinem Futter immer sehr wählerisch ist und es gern selbst begutachtet. Außerdem könnte es gut sein, daß ich dir nicht einen blauen Barmann als gutes Vorbild für deine Gäste mitgebracht habe, sondern du auch deine nächsten freien Stunden am Holodeck mit deinen wahr gewordenen Träumen verbringen wirst.

Sie", damit deutete sie einfach auf die Irin, "soll sie angeblich alle wahr werden lassen können. Mal abgesehen davon, daß du sicher bald eine Idee gefunden hast wie man aus der Arbeit einer Holodeckdesignerin hinter Slade Rücken ein kleines Vermögen rausholt.

Oder sollte ich mich da irren?" Silvana beobachtete den Ferengi, dessen Augen bei der Aussicht auf einen Nebenverdienst gierig zu funkeln begonnen hatten.

Während sie gespannt darauf wartete, ob Narbo noch einen Kommentar zu seinem Zweitbarmann abgab, dachte sie mit Grausen daran, zuerst Slade aufsuchen zu müssen, statt ihre Kleidung zu wechseln um den teilweise eingetrockneten Schneckenschleim loszuwerden. Eine Dusche war jetzt so ziemlich ihr einziger Traum.

Sie blickte angewidert an sich herunter und stellte noch etwas anderes fest, was ihr Erscheinungsbild in den letzten Tagen entscheidend verändert hatte. Slade würde jedenfalls ihren Anblick genießen, wenn er das Tier war, für das sie ihn immer gehalten hatte.

Kargan schien an der Zerstörung ihres Kampfanzuges nach ihrer Verwundung erst so richtig Gefallen gefunden zu haben. Wie alle Klingonen schien ihn das Geräusch von zerreißender Kleidung erst so richtig heiß zu machen. Narbo wäre sicher über eine so freizügige Dienstkleidung seiner weiblichen Bedienung mehr als begeistert gewesen.

Dabei fiel ihr noch etwas anderes ein: "Halt mir etwas von deinem Whiskey bereit, ich habe vor heute noch deine Bar aufzusuchen. Sicher weißt du am Besten, was hier ohne mich gelaufen ist. Abgesehen davon wäre ich brennend daran interessiert zu erfahren woher das Zeichen auf deiner Stirn stammt... auch wenn es dich wirklich gut kleidet."

Ihre Mine verzog sich zu einem süffisanten Lächeln...

"Du bist immer willkommen, außerdem kann der Blaue dann mal gleich sein Geschick beweisen. Falls Slade nicht doch Appetit auf sowas hat...", antwortete Narbo gleichgültig, während die Gruppe den Raum verließ.

"Alle Wünsche? Wollen wir ja mal sehen", murmelte er noch vor sich hin, während er die letzte geborgene Technologie vom Planeten hochbeamte.

--- Deck 4, Gänge

Als erste offizielle Amtshandlung betätigte Silvana noch während sie schnellen Schrittes auf den Turbolift zuhielten ihren Communicator. Immer wieder folgten ihr ungläubige und neugierige Blicke der Besatzung. Teils weil sie wieder da war, teils weil sie jemand mitgebracht hatten, teils weil ihr Outfit mehr als gewagt war.

Im Geiste hatte Silvana sich schon danach gesehnt genau das zu tun um wieder ihr altes Regiment zu übernehmen und der Crew die Neuigkeit selbst zu verkünden...

"Silvana an alle: Ich bin wieder hier an Bord und hatte lange kein gutes Training mehr. Also... freut euch ihr Süßen...", mehr sprach sie nicht, es hatte bisher immer genügt, damit alle sich vorbildlich verhielten.

Es schien tatsächlich zu wirken, denn die Nächsten denen sie begegneten, musterten sie nicht mehr so offensichtlich, sondern verstohlen von der Seite worüber sie hinwegsah. Immerhin wollte sie zum Captain und danach endlich eine Dusche nehmen. Für Spiele war später noch genug Zeit.

Nach einem kurzen abschätzenden Blick auf Kargan, der neben ihr einherschritt und bei dem sie darüber nachdachte, ob ihr kleines "kleines Intermezzo" am Planeten mit Betreten des Schiffes wohl beendet war, wandte sie sich an die beiden anderen, die offensichtlich neugierig ihre Umgebung musterten:

"Damit wir uns gleich richtig verstehen. Slade ist nicht nur der Captain hier, nicht nur ein wildes Tier, sondern er ist vor allem keiner von diesen Föderationsweichlingen. Wenn ihm etwas nicht paßt, dann zeigt er das deutlich. Wenn ihr euch was Schweres zu schulden kommen laßt, dann verliert ihr nicht euren Rang oder kriegt bloß einen Tadel in eure Akte, sondern ihr könnt euch die Luftschleuse angucken.

Von außen. Und damit meine ich nicht nach dem Flug. Verstanden?

Und das ist noch die Bessere von zwei Möglichkeiten..." Ihre gelben Augen funkelten und sie begann sich zu fragen, weshalb der Captain sie eigentlich unverzüglich sehen wollte. Immerhin hing er nicht so sehr an ihr und bisher hatte er immer lasch über jede Art von Verspätung hinweggesehen. Besonders dann, wenn sie wieder mal von Collins gekommen war...

Collins, wo zum Teufel mochte er jetzt sein?

Innerlich amüsierte sich der Andorianer über die Worte der Kriegerin. Oh, er würde vorsichtig sein. Sein Leben hing davon ab! Vor allem bei dieser Silvana und dem Captain. Es schien, daß er nicht humanoid war. Zirt war schon sehr neugierig auf sein Aussehen.

Über Gehaltsforderungen würde er nicht reden. Das war auf Piratenschiffen nicht üblich und der Dieb war sich sicher, daß er sich hier auf einem befand. Entweder, sie zahlten ihm genug, oder er organisierte sich den Lohn selbst.

Meistens wurde diese Art der Selbstentlohnung stillschweigend vom Anführer geduldet, wenn sie nicht zu offensichtlich passierte, sprich: Wenn er sie Übersehen konnte, ohne sich allzusehr darum bemühen zu müssen.

Der Andorianer war schon sehr auf den Rest der Besatzung gespannt.

Elaine war das Funkeln in Silvanas Augen sehr wohl aufgefallen, doch sie bezweifelte auch nicht, daß es so beabsichtigt gewesen war. Sollte sie dadurch Angst bekommen? Wenn ja, war es vor ihr oder vor diesem Slade?

Natürlich hatte die Technikerin die ganze Zeit über das Verhalten und die Reaktionen der katzenähnlichen Frau beobachtet, während sie den Transporterraum verlassen hatten, sich auf den Weg Richtung dem Aufenthaltsort des Captains machten und dabei war ihr das verängstigte Verhalten der anderen Crewmitglieder aufgefallen, vor allem, nachdem Silvana einen schiffsweiten Funkspruch losgelassen hatte.

Die Terranerin zuckte innerlich mit den Schultern und lächelte. Es lohnte sich nicht wilde Spekulationen anzustellen, denn es würde ihren Plan nicht ändern. Sie hatte vor, diesem Captain ihr Können und ihre Fähigkeiten anzubieten und zu beweisen, egal was auch passierte. Was hatte sie denn auch schon zu verlieren? Zurück auf diesen schleimigen Schneckenplaneten? Igitt! Auf die Ivory? Dort würde man sie wieder hochkantig rausschmeißen. Außerdem verspürte sie nicht das Verlangen, Shania wieder zutreffen. Nein, nur über ihre Leiche!

Um der Situation ein bißchen Humor abzugewinnen, versuchte sich Elaine in einem kleinen Scherz "Dieser Captain muß wohl bei der Mannschaft sehr beliebt sein, wenn er ihnen die Schönheit des Weltalls hautnah zeigen möchte, oder? Na ja, ich für meinen Teil bin jedenfalls sehr gespannt auf ihn. Wie sagten Sie", dabei wandte sich die Holodeckdesignerin an Silvana, "er ist ein, ich zitiere "wildes Tier"? Außerdem frißt er Menschenfleisch?"

Die Rothaarige konnte es kaum glauben. War es denn möglich, daß Slade der Rasse angehörte, von der sie bisher in ihrem ganzen Leben nur gehört und sich sehnlichst gewünscht hatte, einem Wesen dieser Gattung zu begegnen?

Hoffnungsvoll blickte sie in die undurchschaubaren, lauernden Augen der Frau "Könnte es sein, daß der Captain ein Anticaner ist?"

Amüsiert betrachtete Silvana die Technikerin noch einmal von oben bis unten. Sie war bisher die einzige Person, die sich je gefreut hatte einen Anticaner zu treffen. Besonders, wenn man bedachte, daß ihr Überleben der nächsten Stunde von ihrem Wert abhing.

Aber scheinbar wußten die beiden nicht, wie ernst die Worte der Sicherheitschefin wirklich gemeint waren.

"Ja, Slade ist ein Anticaner", bestätigte Silvana die Vermutung der Rothaarigen, wobei sich gleich ein Strahlen auf deren Gesicht ausbreitete. Aber Silvana wäre nicht Silvana, wenn sie ihr nicht gleich einen kleinen sarkastischen Dämpfer verpaßt hätte.

Irgendwie konnte sie es nicht sehen, wenn andere sich freuten oder zu zufrieden waren. Zufriedenheit bedeutete Langweile für sie.

"Allerdings weiß ich nicht wie erfreut er ist dich zu sehen. So etwas wie dich hat er ebenso gerne in seinem Bett wie auf seinem Teller." Sie lachte heiser über diese kleine Übertreibung und trotzdem klang ihre Stimme dabei frostig.

Wieder fiel ihr Blick auf Kargan, der ständig schweigend neben ihr herlief. Entweder war es eine Taktik dezent auf die Kluft zwischen ihnen hinzuweisen, die mit dem Betreten des Schiffes wieder da war oder ihr war einfach nicht aufgefallen, daß er immer wenig sprach, weil sie am Planeten mit anderem beschäftigt waren.

In diesem Moment erreichten sie den Turbolift und Silvana versetzte seinem Schalter einen Hieb, der offen zeigte, was in ihr kochte.

--- Turbolift

"Brücke", befahl Silvana knapp und wunderte sich über das leicht enttäuschte Gesicht des Andorianers, als der Lift sich daraufhin in Bewegung setzte.

Einen Moment lang wurde der Andorianer von einer sentimentalen Welle überschwemmt.

Bei all den miesen Momenten, die er auf der Ivory erlebt hatte, gab es doch einige Momente, die er genossen hatte. Zum Beispiel die gemeinsame Zeit, die er mit Zinda, dem Bordcomputer der Ivory verbracht hatte.

Obwohl sie eine Maschine war und sich der größte Teil der Mannschaft von ihrer Art genervt gezeigt hatten, lagen sie irgendwie auf einer gemeinsamen Wellenlänge. Nie würde er die gemeinsame Zeit auf dem Holodeck vergessen. Zu einer anderen Zeit, in einem anderen Leben .... wer weiß, wie nahe seine Bekanntschaft zu ihr gegangen wäre.

Zirt schluckte und sah wieder auf. Es war Zeit, sich auf die Konfrontation mit dem Captain vorzubereiten!

--- Holodeck

Llewella und der Sivaoaner befanden sich inzwischen auf dem Holodeck. Sternenlicht hatte die Simulation einer sivaoanischen Landschaft aufgerufen: weitläufige, grüne, leicht hügelige Wiesen, Baum- und Strauchgruppen, im Hintergrund konnte man einen Fluß erkennen. An dessen Ufern gab es ein kleines sivaoanisches Dorf, dessen Zelte von weitem an überdimensionierte Blüten erinnerten.

Unter dem Laubdach einer Baumgruppe hatten es sich Sternenlicht und die Schottin bequem gemacht. Der Sivaoaner hatte sich mit dem Rücken gegen einen Baum gelehnt, während er der Rothaarigen in einer ausgesprochen genauen Art und Weise erzählte, was sich im Hangar zugetragen hatte.

Man konnte schon fast sagen, er wiederholte das Geschehene annähernd wörtlich. Llewella war erstaunt, wie genau er alles berichtete. Da die Schottin bislang noch keines dieser Katzenwesen kennengelernt hatte, konnte sie natürlich auch nicht wissen, daß die Einladung zu "erzählen, wie es geschah" stets einen solchen Erzählstil beinhaltete.

Interessiert lauschte sie den Ausführungen der großen Katze. Dabei begann sie bereits, sich ein Bild von Ysara Jefferson zu machen. Ein wenig wehmütig dachte sie auch an Jack, der sie so freundlich auf der Privateer willkommen geheißen hatte. Jetzt wußte niemand, wo er war. Sie vermuteten zwar, daß er durch eines der Portale getreten war - doch die hochgewachsene Frau hoffte, daß er auf der anderen Seite ein gutes Leben gefunden hatte.

Und insgeheim hoffte sie, daß sie ihn auch einmal wiedersehen würde...

Sternenlicht hatte inzwischen seine Ausführungen beendet und sah Llewella fragend an.

"Vielen Dank für Ihre Erklärungen, Sternenlicht", lächelte die Schottin den Sivaoaner an. "Das war sehr interessant. Irgendwie habe ich das Gefühl, daß diese Psychologin recht gut zu diesem chaotischen Schiff passen dürfte, was meinen Sie?"

Sternenlichts Schnurrhaare vibrierten leicht, ob im Wind der Holodecksimulation, oder ob auf Grund von feinen Muskelbewegungen, das mochte man durch reines Beobachten nicht feststellen. Er war ein wenig überrascht, daß die Terranerin von seiner langen Erzählung nicht gelangweilt wurde. Seinen aufmerksamen Sinnen war nicht entgangen, daß sie die ganze Zeit über aufmerksam zugehört und sich keineswegs gelangweilt hatte. Ihr Geruch war in dieser Beziehung eindeutig gewesen.

Sein Blick schweifte zu den aus Nützlichen bestehenden Zelten am Horizont. Sie glänzten in allen Regenbogenfarben im Licht der tief stehenden Sonne. Ihm war bei diesem Anblick etwas wehmütig zu Mute, war er doch schon eine ganze Weile von seiner Heimatwelt getrennt. Das Lager am Horizont war kein Lager auf Sivao, das wirklich existierte. Und doch weckten die Muster, Strukturen und Farben der verschiedenen Zelte Erinnerungen an Srallansre, an seine Heimat.

Seine Augen verloren sich in der Ferne, als sein unfehlbares Gedächtnis eine der letzten Erinnerungen an Sonnenstrahl zu-Srallansre ans Tageslicht brachte.

--- Sivao, vor vielen Jahren

Sie saßen am Rand der Lichtung des Lagers Sivao. Sternenlicht und Sonnenstrahl, Pelz an Pelz und die Schweife dicht umschlungen. Er hatte die letzte Stunde für sie einige der klassischen, alten Balladen gesungen. Es waren die Lieder, die seine Mutter ihm geschenkt hatte. Er durfte noch nicht viele Lieder in der Öffentlichkeit singen, für das gewöhnliche Repertoire eines Sivaoanischen Barden jedenfalls.

Obwohl er sich noch nicht völlig in seine Rolle als Barde eingefunden hatte, sang er doch sehr gerne, und besonders für Sonnenstrahl. Jetzt, nachdem die letzten Töne verklungen waren und die fünf Kinder im Wald verschwunden waren, schmiegte sich die Sivaoanerin noch näher an ihn.

"Ich habe noch eine Überraschung für dich, Sonnenstrahl," flüsterte er. "Ich habe ein Lied erschaffen, nur für dich. Ein Lied das nur für uns beide da ist." Sonnenstrahl sah ihn mit großen, runden Augen an. Bevor sie etwas sagen konnte, begann er wieder zu singen.

Es war ein fröhliches Lied, das von der Liebe zweier junger Sivaoaner handelte, die sich von klein auf kannten, zusammen die Welt entdeckt hatten und zu einem unzertrennlichen Paar geworden waren. Es handelte von einer Liebe, die Welten verändern konnte...

--- Holodeck, Gegenwart

"Sternenlicht? Ist alles in Ordnung?" Llewella streckte die Hand aus, um das Katzenwesen an der Schulter zu berühren, hielt aber kurz davor inne. Irgendwie wirkte Sternenlicht abwesend, seine Augen hatten einen fast starren Ausdruck angenommen, als blicke er weit, sehr weit zurück.

Ruckartig fokussierten Sternenlichts Augen das Gesicht von Llewella Campbell. Er brauchte einen Moment, um sich wieder in der Gegenwart zu finden. Ein katzentypisch heftiges Kopfschütteln später sprach er wieder: "Ja, doch, ich denke schon. Bitte entschuldigen Sie, Llewella Campbell, ich war in meinen Gedanken kurz bei meiner Heimat.

Um ihre Frage zu beantworten, ich habe mir bisher noch kein genaues Bild über Ysara Jefferson gemacht, das ist innerhalb von wenigen Minuten auch nur schwerlich möglich. Wenn der erste Eindruck jedoch nicht täuscht, könnte ich mir sie durchaus als Besatzungsmitglied der Privateer vorstellen."

--- Gang vor der Krankenstation

Mit einem letzten irritierten Blick auf Schwester Entenburg verließ Ysara die Krankenstation. Sie hatte sich selten mit einer dermaßen... rustikalen Person unterhalten, deren Stimme hinunter zum Kontra-B zu reichen schien und die in aller Seelenruhe einen Socken stopfte, während sie erklärte, nein, die verantwortliche Ärztin habe gerade frei, nein, sie hätte gerade nichts für sie zu tun und wenn der Captain jemanden wie sie unbedingt wollte - mit prüfendem Blick über Ysaras tadellos sitzende Zivilkleidung und die zahllosen schwarzen Zöpfe -, war sie die letzte, die ihm widersprechen durfte. Und bis Kargan zurückkehrte könne ja ohnehin nicht viel schiefgehen.

Erleichtert hatte sie also endlich die Krankenstation verlassen und ebenso erleichtert festgestellt, daß Pormas wirklich wie angekündigt verschwunden war, anstatt auf sie zu warten. Offensichtlich hatte er das Interesse an ihr verloren, nachdem sie seine anzüglichen Blicke einfach übersah.

Schwester Entenburg hatte angekündigt, die Llewella Campbell heißende Ärztin über ihr neues Personal zu informieren, allerdings keine Anstalten gemacht ihren Communicator zu benutzen und es einfach zu tun. Womöglich hatte sie vergessen, daß sie einen besaß. Es mochte Stunden dauern, bis Ysara von dieser Ärztin hörte.

Die Terranerin schüttelte noch einmal den Kopf und ging den Gang hinunter, um sich auf die Suche nach einem Androiden namens Jean-Luc zu machen, der ihr ein Quartier zuweisen und einen Communicator beschaffen sollte. Ein Android namens Jean-Luc, eine Walküre auf der Krankenstation... Und der Captain fand wirklich, das Schiff brauchte keinen Psychologen?

--- Turbolift

Die katzenhafte Frau trommelte mit den Fingern auf der noch geschlossenen Tür des Turbolifts, bis sie ihren Krallen quietschend darüber gleiten ließ, als Zeichen ihres Unmuts.

Sie fühlte sich seit einigen Tagen wie in einem Gefängnis. Der Sex mit Kargan war ihre einzige Abwechslung auf dem öden Planeten der Schnecken, aber selbst er war auch nicht das Wahre gewesen. Verletzungen waren ihr Geschäft und sie geilte sich nicht besonders daran auf.

So kam es ihr vor, als würde der letzte Sex schon längere Zeit zurückliegen und eine unbestimmte Unruhe hatte schon wieder von ihr Besitz ergriffen. Als würde etwas in ihr lauern und wäre bereit sich jeden Moment aus der Tiefe ihrer Seele auf sie stürzen um die Kontrolle über sie zu übernehmen.

Silvana fragte sich, warum dieses Gefühl in der Zeit mit Collins nie aufgetaucht war. Sie war so ruhig wie schon lange nicht gewesen und eigentlich hatten ihr sogar die Besuche seiner Patienten einen gewissen Spaß gemacht.

Zumindest die Liftfahrten dahin...

Ein breites zufriedenes Grinsen überzog ihr Gesicht, als sie daran dachte und an den Geruch von Jacks frischem Blut, das sie in der Ekstase ihrer Vereinigung vergossen hatte...

Und jetzt war er irgendwo im Reich der Primaten und zeugte vielleicht schon mit diesem kleinen anhänglichen Biest Nachkommen, die ihn mit treu ergebenen bernsteinfarbenen Augen...

Wütend schlug sie mit der Faust auf die Tür bei diesen Gedanken und bemerkte aus dem Augenwinkel wie die anderen zusammenzuckten. Aber es scherte sie nicht. Ebenso wie das was die anderen von ihr denken mochten.

"Wenn wir bei Slade sind, dann labbert ihn um Himmels Willen nicht voll mit dem was ihr euch einbildet zu können, sondern sagt ihm klipp und klar wie ihr ihm mehr Profit verschaffen könnt. Das spart uns allen Zeit. Ich will endlich eine Dusche und mich umziehen gehen. Ist das klar?!" Vielleicht war es das Knurren, daß ihre Worte unterstrich oder das wütende Funkeln ihrer gelben Augen. Jedenfalls nickten beide nur.

In dem Moment blieb der Lift stehen und die Türen öffneten sich zischend.

--- Brücke

Als Silvana die Brücke betrat, bemerkte sie sofort Sadaja, die sich neben dem Lift postiert hatte und wieder mal Slades Leibwächterin spielte. Sie übertrieb es dabei wie immer, aber zumindest gefiel Silvana ihr leidenschaftlicher Einsatz und das selige Lächeln, als sie ihre Chefin wiedersah.

Nur mit Mühe konnte Sadaja den Wunsch unterdrücken Silvana zu begrüßen, aber Slade ging vor und er wollte alle sofort sehen. Und nach seiner üblen Laune zu schließen, seit ihn das andere Schiff gerufen hatte, kam man ihm dabei besser nicht in die Quere.

Jeder andere hätte jetzt ihr Auftauchen auf der Brücke mit einem "Hier sind wir" begleitet oder zumindest den Anstand besessen den Captain vorzustellen oder die beiden Neuen, aber Silvana dachte nicht daran und stellte sich einfach auf den Konsolen lümmelnd mit vor der Brust verschränkten Armen hin und wartete ab.

Slade schaute die eingetretene Gruppe an. Eigentlich hatte er Kargan gleich vor versammelter Mannschaft zur Schnecke machen wollen, aber der äußere Zustand der Vier hatte ihm den Wind aus den Segeln genommen. Kurzzeitig.

Die beiden Gestrandeten hatten ihn ja schon darauf vorbereitet, daß sie auf dem Schneckenplaneten zwei mögliche neue Besatzungsmitglieder aufgegabelt hatten, aber wer von denen was konnte, wußte Slade noch nicht.

Aber das konnte warten. Als er seine Stimme erhob, klang sie so sanft wie eine Geröllawine, die langsam in Fahrt kam.

"Willkommen zurück, ihr Lieben. Nun, da ihr wieder da seid, möchte ich euch kurz mit einer kleinen, unvorbereiteten Entwicklung bekanntmachen, die alle meine Pläne für die nächste Zukunft über den Haufen geworfen hat. Hmm, wo soll ich am besten anfangen?" Slade begann, sinnierend auf und an zu gehen.

"Oh ja. Ihr habt euch vielleicht gewundert, warum wir so schnell bei euch waren. Nein? Ach, ihr könnt ja gar nicht wissen, wo wir waren, als eure Nachricht eingetroffen ist. Macht aber nichts, ich kann euch nämlich verraten, daß wir mit Maximumwarp gereist sind. Und damit meine ich nicht die popeligen Warp 5, wir haben nämlich jetzt die Genehmigung, so schnell zu fliegen, wie wir wollen. Schön, nicht?

Warum dürfen wir das? Das will ich euch sagen. Wir sind gerade in inoffiziellem Föderationsauftrag unterwegs, um eine Kleinigkeit zu erledigen. Etwas das den Herren und Damen der Föderation zu heiß geworden ist und wo wir uns die Finger verbrennen dürfen ohne etwas davon zu haben.

Und warum müssen wir das? Auch das will ich euch sagen. Weil nämlich ansonsten ein gewisser Admiral meine Handelslizenz eingezogen und vielleicht sogar dieses Schiff beschlagnahmt hätte! Man hat nämlich herausgefunden, daß wir vor einiger Zeit im Orbit eines Planeten waren, der vorher ganz fürchterlich ruhig war, und hinterher von einer Art nettem Bürgerkrieg heimgesucht wurde. Man vermutet, daß wir daran nicht ganz unschuldig sind...

UND WOHER WEISS MAN DAS???" Der besseren Wirkung halber wartete Slade ein paar Sekunden, bis Kargan den Mund leicht öffnete, nur um ihm dann das Wort abzuschneiden. "Man hat. In einer Stadt. Auf diesem Planeten. Einen Communicator gefunden. Der auf einen gewissen Klingonen eingestellt ist. Der früher mal bei Starfleet war.

KOMMT DIR DAS IRGENDWIE BEKANNT VOR, DU HIRNVERBRANNTER, KLINGONISCHER LEUTEAUFSCHNEIDER??????"

"Ach, hat Sternenlicht den nicht mitgebracht, als er an Bord kam?", schaltete sich Silvana jetzt auch ins Gespräch ein, das bisher sehr einseitig gewesen war und antwortete bevor der Klingone noch den Mund aufmachen konnte. "Ist er denn nicht mehr an Bord zurück gekommen? Ich habe Kargans Communicator dazu benutzt eine Spur für Sternenlicht zu legen, damit er uns folgen konnte."

Als sich Slade wölfischer Blick jetzt ihr zuwandte und sie nicht gerade große Lust auf einen erneuten Zweikampf hatte, da der Klingone von letzter Nacht noch ziemlich müde war und vielleicht schlechte Arbeit leistete, fügte sie erklärend hinzu: " Ich weiß auch nicht warum er nicht mit Kargan hinter Jack und mir herkam.

Aber wir hatten es da unten mit einer Art getarnten Transporterfeld zu tun und da mußte ich eine Wegmarkierungzeichen setzen, wenn ich wollte, daß Sternenlicht uns finden sollte und so lautete schließlich sein Befehl. Eigentlich hatte ich jeden Moment damit gerechnet, daß er bei uns auftauchen würde.

Willst du sonst noch etwas von mir? Sonst geh ich duschen." Damit wand sie sich wieder dem Turbolift zu.

"Übrigens cool, daß wir jetzt Höchstgeschwindigkeit fliegen dürfen..."

Langsam begann sich der Dieb unbehaglich zu fühlen. Auf der einen Seite hätte er die Brücke jetzt gerne verlassen, was er aber auf der anderen Seite nicht konnte, da ihn der Captain noch nicht angeheuert hatte.

So begann er sich etwas auf der Brücke umzusehen.

Es sah hier natürlich so aus, wie auf jeder anderen Brücke auch. Die anderen Besatzungsmitglieder waren im Moment auch nicht sehr interessant, bis auf eines: Zirt war neugierig, wer dieser Sternenlicht war. Es sah so aus, als würde der demnächst "interessante Zeiten" erleben.

Auch Slades Gedanken drehten sich um dieses Katzenviech, allerdings in kleinen appetitlichen Häppchen.

Schließlich meldete sich auch Kargan zu Wort, dem Silvana eben so rigoros das Wort abgeschnitten hatte. "Stimmt, Höchstgeschwindigkeit finde ich auch klasse. Was schafft die Mühle eigentlich so? Warp 6?"

Noch ehe Slade daraufhin laut werden konnte, fuhr der Klingone fort: "Sonst noch was? Ich würde nämlich auch gerne aufhören, dir die Brücke vollzuschleimen und mich duschen. Je länger du mich hier aufhältst, desto länger wird mein Studium der Krankenakten der letzten Wochen dauern, und wenn du dir nächstens nochmal den Arm abreißen läßt, könnte es sein, daß ihn dir Schwester Entenburg wieder ankleben muß."

Die Finger des Anticaners öffneten und schlossen sich, ehe er die beiden Abteilungsleiter mit einem Knurren von der Brücke scheuchte. Dann wandte er sich den beiden Neuen zu und fragte: "So, und nun zu euch. Wer seid ihr, was könnt ihr, und wer von euch wischt gleich den Schleim von der Brücke?"

--- Holodeck

"Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen, Sternenlicht," meinte die Schottin freundlich. "Ich kann das gut nachvollziehen, auch ich sehne mich oft genug zurück nach Schottland. Und wenn ich mir all dies hier ansehe", mit diesen Worten machte sie eine weit ausholende Armbewegung, die das ganze Szenario auf dem Holodeck einschloß, "kann ich Ihre Gedanken wirklich verstehen. Es muß wunderschön sein auf Sivao!"

Bevor die Rothaarige jedoch weitersprechen konnte, piepste ihr Communicator. Llewella wühlte in den Falten ihres Plaids, bis sie ihn endlich ans Tageslicht beförderte. "Aye, hier bin ich. Was gibt es?" fragte sie.

Die Stimme von Schwester Entenburg erklang. In gemütlichem Tonfall erzählte sie der Schottin, daß es einen Neuzugang im Personal der Krankenstation gebe, da es dem Captain beliebt hätte, eine gewisse Ysara Jefferson einzustellen.

"Sie war zwar schon vor einer Weile da, aber da war ich noch beschäftigt... Sie sollten sich jetzt aber wirklich mit ihr in Verbindung setzen!", gab Entenburg Llewella noch einen guten Rat, dann beendete sie die Verbindung.

Die hochgewachsene Frau wandte sich wieder dem Katzenwesen zu, das jetzt wieder völlig ausgeglichen wirkte und seine übliche Ruhe ausstrahlte.

"Tja, da habe ich nun früher als gedacht mit dieser Miss Jefferson zu tun. Ich werde das mal erledigen gehen. "

Mit diesen Worten stand sie auf. Auch Sternenlicht erhob sich in einer fließenden, anmutigen Bewegung. "Vielen Dank, daß Sie mir erzählt haben, was im Hangar los war. Und außerdem danke dafür, daß Sie mich an dieser wunderbaren Landschaft hier teilhaben ließen!"

Danach verabschiedete sie sich von Sternenlicht und verließ das Holodeck.

Sternenlicht sah der Terranerin nach, bis sie zwischen zwei Bäumen in der Tür des Holodecks verschwand. Etwas nachdenklich blieb er noch eine Weile sitzen. Diese Frau war anders als viele der anderen Außersivaoanischen, die er bisher kennen gelernt hatte. Sie schien seine Bräuche zu respektieren und ihn besser zu verstehen als viele andere.

Unwillkürlich dachte er an Shania Twillan. Damals auf der Ivory, das war die Geschichte mit dem durchgeknallten Computer, hatte er sie schnell in sein Vertrauen einbezogen. 'Ob ich sie jemals wieder sehen werde?', fragte sich der Barde. Es gab sicherlich noch viele Geschichten, alte und neue, die Sie gerne hören würde. Seine Schnurrhaare vibrierten leicht bei diesem Gedanken.

Er beschloß, noch eine Weile hier zu bleiben. Merkwürdigerweise genoß er dieses Gefühl zur Abwechslung einmal, ohne die dunklen Schatten, die sonst seine Gedanken verfinsterten.

--- Gang vor dem Holodeck

Langsamen Schrittes schlenderte die Schottin in Richtung des Turboliftes. Was sollte sie jetzt tun? Sich erst umziehen und dann die Bekanntschaft der Neuen machen?

Llewella blickte an sich hinunter. Eigentlich hatte sie keine Lust, sich umzuziehen, ihre Tracht war viel bequemer als alles, was von den Sassenach erfunden worden war. Also beschloß sie, die Hochlandmontur anzulassen. Mochte diese Miss Jefferson denken, was sie wollte, zum Glück befanden sie sich hier ja nicht an Bord eines Schiffes mit Uniformzwang.

Wo mochte diese Frau denn nur sein? "Computer, wo befindet sich Miss Ysara Jefferson?"

"Eine Person dieses Namens ist mir nicht bekannt!", antwortete der Schiffscomputer.

Llewella überlegte. Das konnte nur bedeuten, daß sie noch nicht als Besatzungsmitglied eingetragen war. Und auch noch keinen Communicator hatte. Diese verteilte in der Regel Jean-Luc, der Androide. Also startete die Schottin einen weiteren Anlauf. "Computer, wo befindet sich Jean-Luc und ist jemand bei ihm?"

"Jean-Luc befindet sich bei Quartier 154, Deck 5. Bei ihm ist eine nicht identifizierte Person.", kam prompt die Antwort.

'Aha, das wird ja so langsam', freute sich die Rothaarige. Sie aktivierte ihren Communicator. "Campbell an Jean-Luc. Richte bitte Miss Jefferson aus, wenn sie ihre Angelegenheiten erledigt hat, möchte sie bitte so nett sein, mich in der Bar zu treffen. Vielen Dank. Campbell Ende."

Blitzschnell deaktivierte sie den Communicator wieder, damit sie bloß nicht Jean-Lucs Redeschwall, der sicherlich kommen würde, hören mußte. Dann zog sie das blaugrün karierte Plaid über ihrer Schulter gerade und machte sich auf den Weg in Narbos Bar.

--- Narbos Bar

In der Bar angekommen, suchte sich die Schottin einen Tisch, von dem aus sie problemlos die Türe überblicken konnte. Dann bestellte sie sich ein Mittagessen und wartete...

--- Gang vor Narbos Bar

'...merkwürdige Frau', beendete Pormas seinen Gedankengang. Mit der neuangekommenden Ysara konnte der Südländer bis jetzt nicht viel anfangen. Abgesehen von einer guten Figur und einem imposanten Selbstbewußtsein hatte er sie nicht wirklich einschätzen können. Aber das würde wohl die Zeit bringen.

Aber auf keinen Fall war sie ein würdiger Ersatz für Jack.

In Gedanken betätigte er den Communicator, "Pormas an Ys... äh Nathalie. Ich gehe jetzt was Essen. Wenn du wach genug bist, wäre es schön, wenn du auch kommen würdest. Pormas Ende." Mittlerweile war der Grieche hungrig geworden und ein kleiner Snack wäre bestimmt nicht verkehrt.

--- Narbos Bar

Suchend sah sich der Bar nach einem bekannten Gesicht um, als er die Schottin an einem Ecktisch erblickte. Kurzentschlossen ging Pormas zu ihr hin, während er im Gehen ihr Gewand bestaunte. "Guten Tag Ms Campbell, darf ich Ihnen Gesellschaft leisten?"

Ohne eine Antwort abzuwarten, setzte er sich einfach zu ihr, schließlich war er Pormas Theocrates. Wer sagte da als Frau schon nein???

--- Brücke

Erst jetzt bemerkte Elaine, daß sie den Captain seit ihrem Eintreffen auf der Brücke mit offenen Mund und weit aufgerissenen Augen, wie ein kleines neugieriges Kind angestarrt hatte.

Sie hatte es kaum glauben können, als ihr Silvana ihre Frage bestätigte, und nun, wenige Augenblicke später stand sie tatsächlich einem leibhaftigem Anticaner gegenüber.

Schon als Kind hatte sie sich für diese Rasse interessiert und sich jede kleinste Information über deren Lebensweise und Kultur vom Netzwerk herunter geladen. Daher war es seit damals ihr größter Wunsch gewesen einem Anticaner zu begegnen.

Erst durch die direkte Anrede vom Captain wurde die Technikerin aus ihren Gedankengängen aufgeschreckt. Sie überlegte ob sie als erste auf die Fragen vom Slade antworten wollte, doch plötzlich schoß ihr ein Gedanke durch den Kopf.

Was ist, wenn sie der Captain nicht einstellen wollte? Wenn er nicht von ihren Fähigkeiten überzeugt wäre?

'Eine bessere Chance bekommst du nicht mehr, Elaine', schalt sie sich selbst. 'Wenn er dich nicht als Mitglied seiner Mannschaft will, wirst du wahrscheinlich niemals wieder diese Gelegenheit bekommen, einen Anticaner hautnah zu sehen, und seine wahre Natur zu studieren. Wenn es auch nur für diese paar Minuten ist, die du für das Wegputzen von diesem ekligen Schleim brauchst, mach es.'

Fasziniert von der starken, überwältigenden Aura des Mannes vor ihr, entschied sich die Irin dazu, vorerst nichts zu sagen.

Zirt sah die Lähmung, die seine Mitbewerberin anscheinend befallen hatte und nutzte das beinhart aus:

"Meine Name ist Zirt Birril. Ich kann eigentlich von allem ein bißchen was.

Meine besten Referenzen würden mir aber meine vorletzten Arbeitgeber geben, wenn sie noch gut auf mich zu sprechen wären", der Andorianer grinste den Captain frech an. "Die Bosse der Diebesgilde von Sternenbasis G-6."

Der Dieb hoffte, daß diese Art von Offenheit zu seinen Gunsten ausgelegt werden würde, eingedenk Silvanas Warnung. der Anticaner flößte ihm allerdings nicht mehr Respekt ein als jeder andere Gegner auch. Die meisten Wesen dieses Quadranten unterschätzten Andorianer aufgrund ihrer hageren Statur. Deswegen setzte er keß nach: " Und um den Schleim kümmert sich die Terranerin" und zeigte auf Elaine.

Ein Lächeln spiegelte sich auf Elaines Gesicht, während sie die Selbstdarbietung des Andorianers angehört, und seinen letzten Satz vernommen hatte.

Sie wünschte, daß dies der Captain auch so sah, doch noch mehr hoffte sie, daß sie eine Anstellung auf diesem Schiff fand. Die Warnung von Silvana im Kopf, wandte sich die Rothaarige selbstbewußt an den hochgewachsenen Mann.

"Mein Name ist Elaine Cooper. Meine Tätigkeit umfaßt die Technik mit dem Spezialfach Holodeckdesign. In dieser Sparte habe ich mich selbstständig gemacht, und habe mir dadurch auch schon einen gewissen Namen gemacht."

Die Irin wählte ihre Worte mit Bedacht, denn sie wollte nicht, daß der Captain von ihr dachte, daß sie mit ihrer Arbeit angeben wollte.

Elaine überlegte, ob sie noch etwas von ihren persönlichen Eigenschaften erzählen sollte, doch sie entschied sich dazu dies bleiben zu lassen. Jedes weitere Wort konnte richtig, aber auch falsch sein, und dieses Risiko wollte sie nicht eingehen. Sie hatte nach den Wünschen Silvanas gehandelt: kurz-prägnant und mit einer Selbstsicherheit, die sie selbst überrascht hatte. Alles weitere lag nun in der Gewalt des Captains.

Erwartungsvoll blickte sie Slade ins Gesicht.

Der Captain blickte von einem zum anderen. Ein Exdieb und eine Holodeckkünstlerin. Das konnte ja heiter werden.

Andererseits würde sich zumindest dieser Zirt gut in seine Mannschaft einfügen können - vielleicht als Ersatzbarmann, wenn Narbo wieder einmal mit seinem Shuttle ein Außenteam rettete.

Und die Frau...nun ja, entweder konnte sie etwas, oder sie war eine hoffnungslose Angeberin. Im ersten Fall würde Slade vielleicht einmal eine Handelsreise unternehmen, wo er als Fracht nur eine Ladung gutbetuchter Millionäre durch die Galaxis schippern würde, und ihnen auf dem Holodeck jeden noch so ausgefallenen Wunsch erfüllte.

Natürlich würde er sich zuerst höchstpersönlich von ihren Fähigkeiten überzeugen müssen, was ihm durchaus nicht unangenehm war.

Und wenn sich alles als heiße Luft erwies...nun ja, Narbo würde sie sicher brauchen können. Sie sah ja nicht gerade schlecht aus, würde also auf dem Sklavenmarkt ein hübsches Sümmchen einbringen.

Natürlich würde er sich auch in dem Fall zuerst höchstpersönlich von ihren Fähigkeiten überzeugen müssen, was ihm ebenfalls durchaus nicht unangenehm war.

"Ok, ich versuche es mit euch", sagte er deshalb zu den Beiden. "Zirt, du meldest dich in der Bar bei Narbo. Auf diesem Schiff hat zwar jeder eine Hauptaufgabe, kann aber zu diversen anderen Dingen eingeteilt werden. Deine ist es, so gut wie möglich mit dem Barbesitzer zusammenzuarbeiten. Ihr macht das schon unter euch aus.

Und du, Schnuckelwieselchen..."

"...häschen!", fuhr die zur Zeit zur Untätigkeit verdammte Baker an der Kommunikation dazwischen.

Slade drehte sich um und meinte nur: "Ja, auch sehr lecker. Du suchst Jean-Luc. Das ist der Androide, der euch Quartiere anweist und euch mit Communicatoren ausrüstet. Wenn ihr ausgerüstet seid und euch ein wenig eingelebt habt, werde ich dich testen. Was ich für eine Simulation will, erfährst du dann rechtzeitig."

Nachdenklich starrte er vor sich hin, wartete, schaute wieder hoch und schnauzte die Beiden an: "Und jetzt raus hier, ich habe Hunger bekommen!"

Zirt konnte es gar nicht erwarten, von der Brücke zu kommen. So schnell er konnte betrat er den Turbolift, ohne noch einen Blick auf Slade oder Elaine zu werfen.

Der Ferengi interessierte ihn ohnehin mehr!

--- Turbolift

Zirt sprach mit leiser Wehmut zur Decke: "Schiffsbar!"

Wie befürchtet bestand die Antwort aus einem knappen: "Die Schiffsbar befindet sich auf Deck 6." Als sich die Kabine in Bewegung setzte mußte der Andorianer wehmütig an Zinda denken. Es war einfach nicht das selbe ohne diesen verrückten Bordcomputer!

--- vor dem Turbolift, kurz später

Etwas ratlos trat der zukünftige Zweitbarmann aus der Liftkabine. Wo war die Bar eigentlich?

Kurz entschlossen ging er sich einem lachendem und scherzenden Pärchen nach. Zirt hatte das leise Gefühl, daß diese das selbe Ziel wie er hatten.

--- Narbos Bar, Kuschelecke

"Sie waren nicht zufällig letztens in Schottland?", fragte der Hüne verschmitzt, als er das Kleid der Ärztin aus der Nähe nochmal unter Augenschein nahm. In der heutigen Zeit bekam man sowas nicht sehr oft zu sehen. Zumindest außerhalb des Holodecks, oder auf primitiven Planeten.

Amüsiert blickte die Schottin auf, als Pormas in seiner gewohnt überheblich-größenwahnsinnigen Art an ihren Tisch kam und sich, ohne ihre Antwort abzuwarten, setzte. Der Grieche war wirklich eine merkwürdige Persönlichkeit - aber inzwischen hatte sie sich daran gewöhnt und vermochte, über ihn zu schmunzeln.

"Aye, wenn Sie eine Holosimulation so bezeichnen wollen, war ich wohl in Schottland", lachte sie.

Erfreut hatte Narbo die Ankunft des großmäuligen Sicherheitlers beobachtet. Zwar war sein Charakter, falls man bei Pormas von so etwas überhaupt sprechen konnte, wie ein Stück Teer unterm Stiefel, aber wenigstens aß er immer viel und spülte seine diversen Probleme gerne hochprozentig runter...

"Was kann ich dir bringen, edler Krieger?", fragte der Ferengi in einem Ton, der keinen Zweifel an der ironischen Bedeutung lassen konnte, während er Llewella das gewünschte Gericht auf den Tisch reichte.

'Hoffentlich merkte sie nicht, daß die lecker aussehende Salatbeilage in Wirklichkeit...'

"Mein Hunger könnte ganze Galaxien verschlingen!", unterbrach Theo Turteltäubchen maßlos übertreibend Narbos Gedankengang, bevor der Ferengi weiter an lächerliche Gesundheitsvorschriften in Großküchen denken konnte.

Noch bevor ein weiteres Gespräch in Gang kommen konnte, war der Ferengi erschienen und hatte Llewella ihr Essen gebracht. Das kleine Geplänkel zwischen den beiden hörte die Rothaarige nur mit einem halben Ohr. Sie begann zu essen. Der Salat schmeckte ein wenig merkwürdig, daher ließ sie ihn liegen, der Rest jedoch schien einwandfrei.

Bevor Pormas noch seinen Wunsch aussprechen konnte, wandte sich die Schottin an Narbo: "Mir dürfen Sie noch einen Whisky bringen. Aber denken Sie daran, ich bin Schottin!"

Damit widmete sie sich wieder ihrem Essen...

"Für mich einmal Gyros komplett und einen Ouzo. Und denk daran daran ich bin Grieche!", sprach dieser, weiterhin unbeeindruckt von Narbos Kommentar und dessen debilem Lächeln. Sein derzeitiges Hochgefühl sah darüber einfach hinweg.

Schließlich schien seine Wirkung auf Frauen, trotz einer festen Beziehung, nicht nachgelassen haben. Die Ärztin vor ihm schien der beste Beweis dafür zu sein. Wenn er sie schon so leicht zum Lachen bringen konnte.

Zu Llewella gewandt fuhr er fort, "Haben Sie eigentlich schon unsere Neue in Augenschein genommen? Ich hatte eben das Vergnügen, aber mir scheint die Dame ist eine Spur zu sehr von sich überzeugt...", leicht seufzend schüttelte Pormas dezent den Kopf.

"Nay, ich hatte noch nicht das Vergnügen", antwortete die Rothaarige, während sie vorsichtig an ihrem Whisky nippte. Anscheinend hatte dieser schmierige Ferengi tatsächlich irgendwo ein paar Flaschen echten Single Malts herumstehen. Zumindest sprach das wunderbare, rauchige Aroma der bernsteingelben Flüssigkeit dafür.

Llewella nahm einen weiteren Schluck und ließ ihn langsam die Kehle herunterrinnen. Dann sprach sie weiter: "Ich habe ihr über Jean-Luc ausrichten lassen, daß sie in die Bar kommen soll, wenn sie so weit fertig ist. Ich habe sie zwar noch nicht kennengelernt, aber Sternenlicht hat mir eine detaillierte Beschreibung von ihr gegeben..."

"Wie die Damen wünschen!", antwortete der Ferengi indessen und wandte sich kopfschüttelnd ab, wäre "der Grieche" doch nicht mal in der Lage gewesen Ouzo von seinem Urin zu unterscheiden! Zugegeben, geschmacklich war es sich verdammt ähnlich, aber...

Selbst Kunden, die man lieber als Totengräber empfangen hätte zahlten manchmal gut; solche Kindereien würden seinem Profit nur stark schaden. Ranziger Salat war eine Sache, Ferengi-Urin als Schnaps zu verhökern eine andere!

"Wie üblich lasse ich es Slade euch direkt vom Lohn abziehen, also steckt euer Klimpergeld schnell wieder weg", zischte Narbo den Menschen zu, während er die gewünschten Speisen und Getränke servierte.

"Wo wir aber schon so nett plaudern, weiß jemand wieso wir deutlich schneller als Warp 5 geflogen sind? Immerhin wird Slade nicht noch den letzten Rest seines Wie-Auch-Immers verloren haben!", fügte Narbo verschwörerisch hinzu.

--- Ysaras Quartier

Zufrieden sah Ysara Jean-Luc hinterher, als er das Quartier verließ. Nicht nur, daß sie nun einen Communicator besaß und somit scheinbar offizielles Crewmitglied geworden war, der Android hatte sich auf sachtes Drängen hin sogar prompt in Bewegung gesetzt, um ihre persönlichen Sachen aus dem Shuttle zu holen. Da Ysara nur sehr schwer nachvollziehen konnte, wie man zu einem leblosen Gegenstand Zuneigung spüren sollte, hatte sie ohnehin nur sehr wenige davon bei sich.

Sie nahm sich die Zeit, sich in ihrem neuen Quartier umzusehen, nur um festzustellen, daß es sich in nichts von jenem unterschied, das sie in ihrer Sternenflottenzeit als Fähnrich bewohnt hatte. Eine Zeit, die ihr sehr lange zurückzuliegen schien und sehr abrupt geendet hatte. Dank jenem Crewman, seinem Shuttle und ihren Antidepressiva.

Ob man ihr hier die Gelegenheit bieten würde, mit ihren Tests exotischer Medikamente fortzufahren?

Vielleicht hätte Slade nichts dagegen. Nicht alle davon konnte man später schmecken.

Ysara beschloß, diese Möglichkeit unbedingt im Auge zu behalten.

Der Replikator lieferte dann auch endlich ein Haarband, mit dem sie aus ihren Rastas einen einzelnen Zopf machte und sich gewappnet sah, so nett zu sein und Dr Campbell in der Bar zu treffen. Sich darauf einstellend, daß nun wieder eine Zeit der Anwesenheit anderer Lebewesen in ihrem Leben begann, die nett behandelt werden wollten, verließ sie das Quartier.

--- Brücke

Enttäuscht darüber, daß sie nun doch nicht in der Nähe des Captains bleiben durfte, hatte Elaine das Gesicht verzogen und dagegen angekämpft Slade doch noch anzubieten die Brücke zu putzen um ihn doch mal eine Weile studieren zu können.

Zum einen war sie nicht unbedingt unglücklich darüber nicht zu einem zweiten Charly degradiert zu werden und zum anderen sah der Anticaner nicht gerade danach aus, als würde er freundlich reagieren, wenn sie seinem letzten Befehl nicht Folge leistete.

Trotzdem war es vielleicht eine einmalige Chance, da sie nicht annahm, daß sie sehr oft einen Grund finden würde auf die Brücke zu kommen.

Erst als die Türen des Turbolifts sich zischend schlossen und sie aus ihrem Zwiespalt rissen, der von Slades lauerndem Blick noch mehr forciert wurde, merkte sie ein wenig säuerlich wie schnell der Andorianer sich verdrückt hatte ohne auf sie zu warten.

Die Irin hatte angenommen, daß sich in den wenigen Tagen, die sie gemeinsam auf diesem Schneckenplaneten verbracht hatten, eine Art von Freundschaft entwickelt hatte, doch anscheinend war es für den Blauen nur ein Zweckbündnis gewesen.

Daher faßte sie den Entschluß es Zirt irgendwann einmal, irgendwie heimzuzahlen. Das WIE, konnte die Holodeckdesignerin zwar noch nicht sagen, aber DAS sie es machen würde, das schwor sie sich ganz fest.

Frustriert wandte sie sich nach schließlich dem Ausgang zu und verließ die Brücke auf dem selben Weg, wie sie hereingekommen waren. Dabei vergaß sie nicht, noch schnell ein "Auf Wiedersehen" zu sagen.

--- Gang vor der Brücke

Ihre Traurigkeit wich schnell einer Vorfreude auf ihre kommende Arbeit. Endlich hatte Elaine jemanden gefunden, dem sie ihre wahren Künste vorführen konnte. Bei den Erinnerungen an ihren letzten Arbeitgeber entfuhr der Rothaarigen ein gequältes Lächeln. Sie war froh darüber, von diesem Schiff weg zu sein.

Nun würde eine neue Arbeit ihre Aufmerksamkeit einnehmen, wenn sie es schaffen sollte, diesen Jean-Luc zu finden, von dem sie die Communicatoren bekommen sollte.

Die Irin blickte sich auf dem leeren Gang um. Woher sollte sie nun wissen, wo sich dieser Jean-Luc aufhielt? Das Schiff schien sehr groß zu sein, was bedeutete, daß sie Tage nach ihm suchen konnte und es trotzdem ungewiß blieb, ob sie ihn finden würde.

Kaum paar Meter entfernt, entdeckte sie plötzlich ein Computerterminal an der Wand. Sie wußte nicht, in wieweit, man hier auf was Zugriff hatte, doch einen Versuch war es wert und sie berührte die Schaltfläche.

"Computer, kannst du mir mitteilen, wo sich ein gewisser Jean-Luc aufhält?"

Es vergingen kaum Sekundenbruchteile, als Elaine auch schon die Antwort erhielt. "Deck 5, Korridor D4."

Sie wußte schon jetzt, daß der Androide wahrscheinlich wieder seinen Standort wechseln würde, bis sie ihn endlich gefunden hatte, also versuchte sie es auf andere Art:

"Cooper an Jean Luc: Mein Name ist Elaine Cooper und ich wurde gerade vom Captain eingestellt als Holodeckdesignerin eingestellt und..."

Weiter kam sie nicht ohne bereits unterbrochen zu werden: "Wenn man die Tatsache betrachtet, daß Sie neu an Bord sind und sich an mich wenden, bedeutet das mit 100%iger Wahrscheinlichkeit, daß Sie von mir ein Quartier zugewiesen bekommen möchten, wofür in Anbetracht, daß Sie Technikerin sind nur eine auf Deck 8 in der Nähe des Maschinenraums in Frage kommt. Ihr Quartier hat die Nummer 268 und befindet sich auf Deck 8.Ihr Communicator liegt auf dem Tisch in Ihrem Quartier. Jean Luc Ende."

'Aha, na gut', dachte sich die Irin überrascht durch den - wenn auch sehr nüchtern klingenden - Wortschwall, während sie nach jemand Ausschau hielt, den sie fragen konnte wo der nächste Turbolift war.

Sie war glücklich auf der Privateer zu sein, auch wenn die Zukunft noch ungewiß schien. Das ganze Umfeld wirkte gewaltiger, bedeutender als auf der Ivory.

Einzig die Leute waren hier nicht so freundlich wie auf der Ivory, zumindest konnte sie das von denen behaupten, die sie bisher kennengelernt hatte. Vor allem den Bajoraner würde sie nicht mehr vergessen können, der ihr auf sehr unwirsche, fast gewalttätige Art den Weg zum Turbolift zeigte.

Doch das beeindruckte die Rothaarige kaum, denn sie wußte, wie sie sich ihrer Haut wehren konnte, denn das, das mußte sie zugeben, hatte sie bei Shania gelernt.

Ohne mehr als ein kurzes Dankeswort an den Bajoraner zu verschwenden, ging sie auf den Turbolift zu um auf dem schnellsten Wege ihr Quartier aufzusuchen, sich frischzumachen und vielleicht auch noch ein wenig von den Strapazen auf dem Planeten auszuspannen.

--- Kargans Quartier

Kargan stand unter der Ultraschalldusche und hörte sich die Neuigkeiten an, die sich während seiner Abwesenheit ereignet hatten - speziell auf der Krankenstation.

Es war offenbar eine angenehm ruhige Zeit gewesen, die er verpaßt hatte, aber in Anbetracht seiner Nebenbeschäftigung mit Silvana war er darüber nicht allzu betrübt.

Pormas war wider Erwarten zur Zeit kein Patient, sondern im Gegenteil recht schnell nach der Mission wieder entlassen worden. Statt dessen hatte sich KWinh eine ansteckende Krankheit zugezogen, weshalb er nun die Krankenstation durch ein Quarantänefeld betrachten durfte.

Als Kargan sich nach ein paar Minuten wieder sauber fühlte, zog er sich wieder an und begab sich zur Krankenstation.

--- Krankenstation

Als der Chefarzt die Krankenstation betrat, bereute er sofort, daß sein Pflichtgefühl ihm nicht gestattet hatte, sich vorher ein paar Drinks zu genehmigen. Das Zeugs, das er auf dem Planeten in sich hineingeschüttet hatte, plätscherte zwar noch munter in seiner Blutbahn umher, reichte aber nicht ganz aus, den Anblick von Schwester Entenburg erträglich zu machen.

Diese bemerkte ihn natürlich sofort um kam gleich auf ihn zugewalzt. Wie immer hatte Kargan das Gefühl, als ob dieser Schraubendampfer ihn in Grund und Boden segeln könnte. Dicht vor ihm hielt die resolute Frau an, rümpfte die Nase, als ob man trotz Dusche und frisch replizierter Kleidung noch etwas von dem Schleim riechen konnte, und begann mit ihrem Bericht:

"So. Sind Sie wieder da."

Kargan fühlte sich etwas unwohl, als sie keinerlei Anstalten machte, von sich aus weiter zu reden. Deshalb antwortete er auf ihre Frage, bei der er nicht einmal gemerkt hatte, daß es sich um eine solche handelte: "Offensichtlich. Und Sie haben den Laden hier im Griff? Irgendwelche besonderen Vorkommnisse?"

Edwina schnaufte verächtlich. "Natürlich habe ich den Laden im Griff. Ich hatte schon ganz andere Läden im Griff. Diese Campbell hat sich zwar hier immer so aufgespielt, als ob sie auch etwas zu sagen hätte, aber ich habe sie dann einfach gewähren lassen. Sie wissen schon, verr..."

Kargan unterbrach den Redefluß: "Llewella Campbell? Sie hat Sie...ähm...", er beschloß, ausnahmsweise einmal höflich zu sein, weil ihm eine Möglichkeit schwante, diesem Drachen zu entkommen, "...äh, vertreten? Dann kann sie mir sicher auch erzählen, was alles vorgefallen ist. Die Berichte habe ich mir inzwischen zwar angehört, aber ich hätte es doch gerne aus erster Hand."

Sofort wußte er, daß er etwas Falsches gesagt hatte, denn Edwinas Gesicht nahm eine ungesunde Rotfärbung an. Während sie noch tief Luft holte, drehte er sich um, und die sich schließende Tür verschluckte ihren Redeschwall. Trotzdem glaubte Kargan etwas von "ICH BIN DIE ERSTE HAND" zu hören. Mit mindestens vier Ausrufezeichen.

--- vor der Krankenstation

Nachdem der Computer ihm mitgeteilt hatte, wo Campbell zur Zeit zu finden war, knurrte der Klingone leicht. Hätte er sich gleich in die Bar begeben, wäre ihm dieser Auftritt erspart geblieben.

Verdammt sei sein Pflichtgefühl!

--- Quartier 221

Breitbeinig stand Silvana vor dem schmalen Bett des Quartiers und entblößte ihre raubtierhaften Zähnen zu einem breiten sehr mit sich zufriedenen Grinsen.

Im Bett vor ihr lag ein großer gut gebauter Mann und er wirkte mehr tot als lebendig. Zumindest machte er nicht gerade den Eindruck, als ob er heute seine Arbeitsschicht würde antreten können. Doch die Sicherheitschefin hatte schon dafür gesorgt, daß er keinen Ärger bekam.

Noch einmal warf sie einen Blick auf seinen nackten wohl gebräunten Körper, bevor sie sich mit einem leichten Seufzen von ihm losriß und endlich wirklich in die vorher neu replizierte Kleidung stieg.

Eigentlich war sie ja auf dem Weg in Narbos Bar gewesen, da es sie drängte die Neuigkeiten aus erster Quelle zu erfahren und eine Dusche auch noch ein wenig Zeit hatte. Aber dann war sie jemand begegnet, der ihre Pläne über den Haufen geworfen hatte.

Zuerst hatte sie wütend reagieren wollen, da es jemand wagte sie auf ihr unansehnliches schneckenschleimbehaftetes Äußeres anzusprechen - und sie im Lift enttäuscht bemerkt hatte, daß Kargan kein zweiter Jack war - doch die dunklen fast schwarzen Augen in denen ein stilles Feuer glomm, daß sich in die unbedeckten Stellen ihres Körpers brannte, hatten sie gefangengenommen und sie hatte das Angebot angenommen sich rasch doch ein wenig frisch zu machen.

Wie immer gab es für sie keinen Grund sich ihres Körpers zu schämen und sie hatte in seinem Quartier einfach alles zu Boden fallen lassen und war unter die Dusche gegangen.

Doch der Arbeiter, der ihr das Angebot gemacht hatte, wandte nicht wie alle anderen schüchtern die Augen ab um ja nicht ihren Zorn zu wecken oder weil ihm der Anblick einer nackten Frau peinlich war. Noch dazu einer, die ihm Rang weit über ihm stand.

Nein, er hielt ihrem Blick stand, lehnte mit verschränkten Armen an der Tür und musterte auch noch offen interessiert ihren gutproportionierten Körper und ihre intimsten Stellen.

Schließlich hatte sie ihn einfach mit einem herausfordernden Knurren samt seinem Arbeitsoverall unter die Dusche gezogen um der Ausbuchtung seiner Hose näher auf die Spur zu kommen...

Das war jetzt erst ein paar Minuten her.

"Wir sehen uns wieder, Stormy Clouds", flüsterte Silvana mit einem Blick auf seine Männlichkeit und setzte ihren Weg in die Bar fort.

--- Deck 6, Gänge

Der schwarze enganliegende Lederanzug krachte bei jedem Schritt und obwohl er nur repliziert war, roch er fast wie ein echter. Silvana genoß das Gefühl von Leder auf ihrer nackten Haut, während sie auf den Eingang von Narbos Bar zuhielt.

Vielleicht wurde der Tag doch noch besser als er begonnen hatte...

--- Narbos Bar

Ohne sich um die Blicke der anderen zu kümmern, hielt Silvana auf die Theke zu und ließ sich dort auf einem der Barhocker nieder. Erst dann warf sie einen Blick in die Runde um zu sehen, ob sich viel verändert hatte.

Aber ihr fiel nichts weiter auf, als daß der Grieche, dessen Freundin eine innige Verbindung mit dem abstürzenden Lift eingegangen war, jetzt mit der rothaarigen Ärztin zusammen war.

Dabei war er doch erst vor kurzem mit der goldbehangenen Nymphe in der Sicherheit zusammen gewesen. Zumindest hatte das der Computer behauptet, nachdem sie wieder mal nach ihren Leuten gesucht hatte. Doch wie es schien, hatte jetzt die Ärztin das Rennen gemacht.

Vielleicht war die Schottin auch nur die Wahl für gewisse Stunden. Für jene Nächte, die er wieder alleine in seinem Bett auf der Krankenstation verbrachte.

Silvana drehte sich mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht wieder um und wartete auf den verschlagendsten Ferengi, den sie je getroffen hatte.

Narbo...

--- vor Narbos Bar

Interessiert nahm die ehemalige Psychologin sich Zeit, stehenzubleiben und das Schild über der Bar zu studieren. Von diesem Narbo hatte doch auch der Captain erzählt. Stirnrunzelnd verkreuzte sie testweise zwei Finger, sich an die Sache mit dem Oo-Mox zu erinnern versuchend, und gab dann schulterzuckend auf.

Mit einer gewissen Neugierde trat sie ein.

--- Narbos Bar

Ysara blieb im Eingangsbereich stehen, um sich umzusehen. Gut besucht schien die Bar zu sein. Eine Anzahl kunterbunt gemischter Crewmen aller möglicher Spezies saß verteilt an den Tischen und sah kaum auf, als sie die Bar betrat.

Der einzige anwesende Ferengi, der mit schmierigem Grinsen über seine Bar residierte, mußte jedenfalls dieser Narbo sein. Die Terranerin interessierte sich im Moment allerdings mehr für die Ärztin, die jede der anwesenden Frauen sein konnte. Ferengi waren zwar nicht alle gleich, genauso wenig wie alle Menschen, aber das hinderte Ysara nicht daran, sie alle miteinander als relativ unwichtig zu klassifizieren.

Sie erkannte sogar Theocrates, der mit einer rothaarigen, schottisch kostümierten Frau am Tisch saß. Natürlich könnte sie hinüber gehen, aber wieso sollte sie das tun?

Lieber blieb sie einen Moment abwartend stehen. Campbell würde sicher auf sich aufmerksam machen.

Noch während sie sich mit Pormas unterhielt, ließ die Schottin ihren Blick in der Bar herumwandern. Kurz registrierte sie die Sicherheitschefin, die von ihr unbemerkt eingetreten und an die Bar gegangen war.

Dann schweifte ihr Blick wieder zur Tür. Das mußte sie sein! Die Frau entsprach genau Sternenlichts Beschreibung, abgesehen davon, daß sie sich jetzt die Haare zu einem Zopf zusammengefaßt hatte. 'Ich habe gar nicht bemerkt, wie sie eingetreten ist', dachte die Schottin. 'Hoffentlich steht sie noch nicht zu lange dort.'

Llewella entschuldigte sich bei dem Griechen, stand dann langsam auf und schritt zu der Frau mit den Rastas hinüber. "Hallo, ich bin Llewella Campbell. Gehe ich richtig in der Annahme, daß Sie Miss Jefferson sind?" fragte sie den Neuankömmling freundlich.

Als die Ärztin auf sie zuging, hatte Ysara bereits die Gelegenheit genutzt und sie ausführlich gemustert. Mit ihrem hübsch gemusterten Kostüm wirkte sie inmitten der durchaus modernen Bar, als sei sie gerade einem mittelalterlichen Roman entstiegen. Von ihrer erstaunlichen Größe einmal abgesehen fiel vor allem das rote Haar auf, das ziemlich gut zum schottischen Erscheinungsbild paßte. Und das aufgeschlossene Lächeln war eindeutig nicht sternenflottig.

Mit dem Fazit, daß Llewella es wert wäre, zumindest vorübergehend als gleichberechtigt eingestuft zu werden, schüttelte Ysara ihre Hand und erwiderte das Lächeln.

"Ja, das bin ich. Es freut mich, Sie kennenzulernen. Auch wenn ich mit Ihrem Begleiter...", sie zog eine Augenbraue in die Höhe und nickte in Richtung Pormas, "...bereits eher schlechte Erfahrung gemacht habe. Wobei ich keinesfalls von ihm auf Sie schließen würde."

Wenn sie von ihm auf den Rest der Besatzung schließen würde, überlegte Ysara trocken und erinnerte sich an sein Grapschen, wäre kalkulierter Selbstmord ohnehin das Beste; sie hatte nicht vor, versehentlich als Mutter vieler kleiner, süßer Pormase in einem fliegenden Bordell zu enden.

Ein Grinsen breitete sich langsam über das Gesicht der Schottin aus, ihre Augen begannen zu funkeln. "Ich sehe, Sie haben auch schon einschlägige Bekanntschaft mit unserem Schwerenöter gemacht," lachte sie. "Ich bitte doch sehr darum, mich nicht nach den Personen einzuschätzen, die mit mir an einem Tisch sitzen, Mr. Theocrates ist nämlich nach mir, nicht mit mir hier eingetroffen."

"Allerdings wäre es jetzt sehr unhöflich von mir, mich einfach mit Ihnen an einen anderen Tisch zu setzen und außerdem wartet da noch ein Whisky auf mich. Daher bitte ich Sie, in den sauren Apfel zu beißen, und sich zu mir zu setzen, damit wir ein wenig plaudern können..."

Ein unwillkürliches amüsiertes Grinsen schlich sich in Ysaras Gesicht. Daß Llewella explizit darauf hinwies, nicht einmal mit Theocrates gekommen zu sein, sprach Bände. Bisher zumindest schien ihre erste Einschätzung der Frau sie nicht zu täuschen.

"Das ist kein Problem. Ich versichere Ihnen, ich werde ihn nicht anspringen oder Ähnliches", erwiderte sie und die beiden Frauen schritten hinüber zu Pormas' Tisch. "Zumindest nicht, wenn er seine Hände bei sich behält."

--- bei Tisch 3

Kopfschüttelnd wandte Narbo sich ab ohne die Neue auch nur zu fragen was sie zu trinken wünschte: Ihr Aussehen ließ keinen Zweifel, daß sie den härtesten Alkohol im ganzen bekannten und mystisch erkundetem All brauchte!

Vor allem, da ihre letzten Worte keinen Zweifel daran ließen, daß sie schon Bekanntschaft mit geistigem Tiefflug in Form von Theo Triebtäter hatte. Auf jeden Fall würde sich der Terraner bei ihr auf seinem Strahlemann-Egotrip eine derbe Erschütterung einfangen.

Und vielleicht konnte der Ferengi dabei sogar etwas nachhelfen...

--- Deck 6, Gänge

Langsam reichte es dem Andorianer! Er wußte nicht, wie lange er diesem Liebespärchen schon durchs Schiff folgte. Mittlerweile hatte er schon die Orientierung verloren.

Die Beiden hatten offenbar nichts wichtigeres vor, als einen Bummel durch die Privateer zu machen. Natürlich unterbrochen von ausgedehnten Stops, in denen sie sich gegenseitig die Zunge in den Hals schoben.

Nie wieder, so schwor er sich, wollte er einem Liebespaar folgen, wenn er es eilig hatte!

--- vor Narbos Bar

Endlich geschafft! Der zukünftige Zweitbarmann hätte vor Freude am Liebsten die Tür geküßt.

Nach all der Warterei war er endlich hier angekommen - wenige Gänge von seinem Ausgangspunkt am Turbolift entfernt, wie er jetzt feststellte!

Frustriert betrat er endlich die Bar.

--- Narbos Bar

Im Barbereich erkannte er Silvana, einen Ferengi bei einem der Tische und gleich in seiner Näher einen Tisch an dem sich zwei Terranerinnen aufhielten, eine davon für eine Terranerin ungewöhnlich gekleidet und bei ihnen ein Mann.

Dieser Mann erweckte Zirts Aufmerksamkeit: Von der Statur her glich er verblüffend dem Ivory-Sicherheitsmann Gene. Instinktiv stufte er ihn auch als Sicherheitsmann und deswegen als gefährlich ein.

Da sein zukünftiger Vorgesetzter offensichtlich beschäftigt war, machte er einige Schritte auf die Bar zu, blieb aber dann unentschlossen stehen, da Narbo beschäftigt war und behielt von hier aus lieber den ganzen Raum im Auge, wo er mit seinem empfindlichen Gehört gut lauschen konnte.

Unmerklich bewegte sich sein Fühler in die Richtung Narbo...

--- Theke

Silvana lächelte, als sie den verschlagenen Gesichtsausdruck im Gesicht des Ferengi sah. Erst jetzt merkte sie wie sehr sie ihn vermißt hatte. Er war der einzige, der sie verstehen konnte und vielleicht sogar etwas wie ein Gleichgesinnter, wenn sie sich auch von Zeit zu Zeit leidenschaftlich haßten. Aber er war es, der ihre Gefährlichkeit mit seiner Verschlagenheit und seiner Hellhörigkeit zur Perfektion verstärken konnte.

"Dieser 'widerliche Mensch' hätte sein Büro schon in der Krankenstation aufschlagen müssen. Bei seinen Einsätzen würde er doch nicht lange überleben... Wie kannst du auch nur annehmen, daß Sadaja ihn auch nur ein Bein hätte auf den Boden stellen lassen. Sie weiß, daß ich ihr dann den Hals aufgeschlitzt hätte... Selbst wenn ich dafür hätte aus dem Grab steigen müssen..." Ein gefährliches Blitzen tauchte in ihren Augen auf und verging dann wieder.

Neugierig musterte sie Narbos Brandmal, das sie sehr stark an etwas erinnerte, das sie schon mal auf ihren Streifzügen gesehen hatte, bevor sie wieder auf ein Thema zu sprechen kam, daß ihr seit einiger Zeit nicht aus dem Sinn ging: "Was ist während meiner Abwesenheit passiert? Und ich möchte alles wissen... wirklich alles."

Zwar hätte sie auch Sadaja fragen können, aber Narbo wußte immer die interessanteren Dinge und schmückte sie mit schmutziger Phantasie soweit aus, daß sie sogar unterhaltsam waren.

"Am Besten du erzählst es mir bei einem Glas von dem Schärfsten Zeug, daß du an Bord geschmuggelt hast..."

--- Deck 6, Gänge, inzwischen

Sternenlicht trat aus dem Turbolift heraus, der sich hinter ihm mit einem gelangweilten Zischen wieder schloß. (Offensichtlich war er heute nicht so arbeitsfreudig wie sonst...) Das Katzenwesen machte sich auf den Weg in Richtung Bar, blieb aber auf halbem Wege überrascht stehen und sog dabei prüfend die Luft ein.

Eigentlich hatte er ja Hunger, aber seine Neugier überwog schließlich doch. Es lag ein Geruch in der Luft, der ihm einerseits bekannt vor kam, andererseits war er doch völlig fremd. Er schien von einem Mitglied der Rasse, die sich Andorianer nannten. Denen war er bisher nicht häufig begegnet, aber sie hatten einen recht eindeutigen Grundgeruch.

Der hier war vor höchstens ein paar Minuten hier durchgekommen. Auf der anderen Seite hatte diese Witterung eine Komponente, die sehr ungewöhnlich und für seine Sinne durchaus als "penetrant" zu bezeichnen war. Er war schon gespannt, welchen Andorianischen Gefühlszustand er heute auf seine Liste setzten konnte.

Er ging wieder weiter, jetzt der Witterung folgend, die sich einmal in einem Gang verlor, der von der Bar wegführte um dann doch wieder Richtung Bar zu verlaufen.

Mit einem Mal wurde ihm bewußt, daß er diese Person noch nicht kannte. Ein Passagier? Vielleicht sogar ein neues Besatzungsmitglied? Wo aber sollte der herkommen, sicherlich nicht von dem verlassenen Planeten, von dem sie Silvana und Kargan abgeholt hatten. Nun, er würde es vermutlich gleich herausfinden, denn die Witterung endete vor der Bar und vermischte sich mit einigen anderen Düften, die durch die nicht mehr ganz vollständig isolierten Türe drangen.

--- Narbos Bar

Keine zwei Meter vor Sternenlicht stand nun der Andorianer - nur ein Fühler diesmal.

Erwartungsvoll blieb Sternenlicht einfach stehen und sah sich um, mit nach vorne gerichteten Ohren, vibrierenden Schnurrhaaren und einem kurzen schlagen der Schweifspitze in Narbos Richtung.

--- Theke

Leise einen Song vor sich hin brummend, begab sich der Bartender hinter seine Theke, nicht ohne Silvana dabei einen der besonderen Blicke zuzuwerfen, die er sich für die wenigen Wesen aufbewahrte, die er als wirklich gleichwertig erachtete.

Den sich langsam bewegende Fühler des Andorianers, der schon seit ein paar Minuten versuchte möglichst unauffällig die Bar und vor allem deren Besitzer zu mustern, nahm er nur aus den Augenwinkeln wahr. Aber sicherlich konnte Silvana ihm auch dabei helfen; immerhin war es nie zu spät für wohldosiert ausgelebte Aggressionen!

"Schön dich wiederzusehen. Dachte schon, dieser widerliche Mensch würde dich am Ende noch ersetzen müssen", begrüßte er das Raubtier zischend und machte eine abwertende Geste Richtung Pormas.

Verschlagen grinste Narbo über die Theke zurück, während er nebenbei mit einem flusenfreien Tuch über die Oberfläche des Holzes putzte, obgleich es schon strahlte wie eine explodierende Sonne, um sich dann verschwörerisch zu Silvana vorzubeugen.

"Nachdem wir den ganzen Technikschrott hochgebeamt hatten, gerade auf den Weg zu diesem dreckigen Schneckenplaneten waren, kam ein Notruf von diesem neuen Weib da", flüsterte er Silvana zischend zu und deutete mit einem leichten Nicken in die Richtung der schwarzen Krankenschwester,

"Slade hat natürlich sofort ihren Raider beschlagnahmt; gewisse Quellen munkeln, daß sie von einem abtrünnigen Sternenflottenschiff kommt. Sieht aber nicht nach einer Agentin aus, auch wenn der Wunsch als Gehirnpfuscherin zu arbeiten mehr als verdächtig ist..."

Natürlich hatte der Ferengi zu 300% untertrieben. Dank des Zugriffs auf fast alle internen Kommunikationskanäle besaß er sämtliche Daten, die auch dem Captain zur Verfügung standen

"Ach, und ein gewisser Stammgast der Krankenstation scheint der Fremden schon hinterher zu sein, also wunder Dich nicht, wenn er schwanzwedelnd Ärger baut!", schloß er seine Zusammenfassung, nicht ohne das Funkeln in Silvanas Augen zu sehen.

--- Kuschelecke

"Mr. Theocrates!", begrüßte die Krankenschwester den Griechen mit einem breiten Lächeln, während sie sich ihm gegenüber niederließ. "Wie klein das Schiff ist. Ich hätte nicht damit gerechnet, Sie so schnell wiederzusehen. Sagen Sie bloß, Sie sind schon fertig damit, meinen Raider aufzuräumen? Ich hatte den Eindruck, das sei Ihre Aufgabe."

Manchmal hatte selbst Ysara Spaß an kleinlicher Rache.

--- Theke

Silvana war Narbos Kopfnicken gefolgt und ihre Augen schweiften jetzt wieder zu der dunklen Schönen mit der ungewöhnlichen Frisur hin, die jetzt zusammen mit der Ärztin und dem Griechen an einem Tisch saß.

Die Frau machte einen sehr selbstbewußten und leicht arroganten Eindruck. Es wirkte, als würde sie alles was rund um sie geschah sehr genau in sich aufnehmen, während sie selbst nur wenig von sich preisgab. Dabei hatte sie sicher eine Menge zu erzählen. Jeder andere hätte sich so zum Gesprächsthema Nummer 1 an Bord gemacht.

Narbo hatte wieder einmal recht.

Was hatte eine Ärztin allein in einem Raider zu suchen? Wenn es sich wirklich um Equipment eines abtrünnigen Sternenflottenschiffes handelte - und Silvana war sich sicher, daß Narbo es nicht mal beiläufig erwähnt hätte, wenn er es nicht viel besser wußte - wieso hatte man sie so einfach gehen lassen?

Bzw...

existierte das Schiff von dem sie kam überhaupt noch?

Die Tatsache, daß Pormas Körperhaltung deutliches Interesse an ihrer Person ausdrückte, ließen in Silvana einen Plan reifen mehr über ihr neues Crewmitglied in Erfahrung zu bringen:

"Silvana an Pormas: Ich hab einen Auftrag für dich. Komm kurz an die Bar, falls du dich von deinem Harem losreißen kannst. Silvana Ende."

Dann riß sie sich von dem Anblick los und wandte sich wieder Narbo zu, um fast liebevoll mit einem Finger über den Rand seines rechten Ohrs zu streichen. Die anschließende Grimasse des Ferengi amüsierte sie. "Danke für die Information, mein hinterhältiger Freund. Hast du schon mehr über diesen KWinh herausgefunden?"

--- Kuschelecke, zur gleichen Zeit

Gelassen sah Pormas von seinem deutlich weniger gewordenen Essen auf und lächelte die Beiden Frauen selbstbewußt an. Die kurze frauenlose Zeit hatte er gut damit zugebracht ausgiebig zu Essen und die immer interessanter werdenden eintrudelnden Gäste zu begutachten.

Keiner davon hatte allerdings den körperlichen Reiz der Rasterlocken-Queen vor ihm. Der Südländer wunderte sich selber darüber, aber widerspenstige Frauen entwickelten immer einen heimtückischen Reiz auf ihn aus.

Aber das war ihm erst einmal egal, schließlich war er ja in einer festen Beziehung, auch wenn diese sich nicht meldete.

"Ach Mrs Jefferson... welch eine Freude Sie zu sehen!", gab Pormas sülzig zurück, "Wenn Sie glauben, daß ich zur Putzkolonne gehöre muß ich Sie leider enttäuschen. Aber zur Ihrer Beruhigung: Ein Biowaffen Expertenteam wurde auf die Säuberung Ihres, ähm, ehemaligen Shuttles angesetzt..."

Wenn die Psychologin glaubte sanfte Spitzen wären nur ihr Ressort, hatte sie sich wahrlich geirrt. Bevor er aber weiterreden konnte, oder etwa die Damen, die sich ihm nun gegenüber gesetzt hatten, ihn unterbrechen konnten, piepte der Communicator des Südländers und er erhielt Silvanas Befehl.

'Ach die Chefin selber...', fuhr es Pormas durch den Kopf. In alter Starfleet Manier erhob er sich direkt, nachdem er sich noch einen Bissen reingeschoben hatte automatisch. Silvanas Kommentar war ihm wahrlich nicht unangenehm, konnte Ysara sich direkt ausmalen, welchen Stellenwert er hier besaß.

"Ich hoffe den Damen macht es nichts aus, aber ich muß mich mal kurz entschuldigen." Galant und ein bißchen zynisch nickte er leicht den Kopf in Richtung der Psychologin, während er ein bißchen näher als nötig an ihr vorbei ging.

"Viel Glück", erwiderte Ysara nur ausgesucht höflich und sah ihm einen Moment nach. Die Stirn runzelnd fiel ihr nachträglich ein, daß sie ihn eigentlich hätte bitten können, ihr etwas zu trinken zu besorgen, wenn er schon zur Theke ging.

Dann wandte sie sich der Ärztin zu, die geduldig den kurzen Wortwechsel verfolgt hatte und sich dem Funkeln in ihren Augen nach offensichtlich darüber amüsierte.

"Sie sind also die stellvertretende Leiterin der Krankenstation? Der Captain erwähnte, daß Ihr Chef gerade nicht an Bord ist. Sagen Sie bloß, man bekommt hier etwas wie Landurlaub?"

--- Narbos Bar, beim Eingang

Der Andorianer war frustriert. eigentlich wollte er mit seinem zukünftigem Arbeitsgeber Kontakt aufnehmen und sich im Zuge dessen nach Jean-Luc erkundigen, damit er zu seiner Kabine kam. Aber der Ferengi ignorierte ihn einfach! Dabei mußte er doch wissen weswegen er hier war.

Es schien, als würde das Gespräch zwischen Narbo und der Sicherheitschefin länger dauern. Wenn er also bis nachher warten wollte, dann würde er nie aus dieser Hitze kommen. Mit zunehmender schlechter Laune war Zirt nämlich auch die für Andorianer höhere Temperatur wieder aufgefallen.

'Na dann eben nicht!', dachte sich der frischgebackene Zweitbarmann und begann sich nach einem lohnenderem Gesprächspartner umzusehen.

Zirt brauchte nicht lange zu suchen: kaum hatte er seinen Kopf gehoben, da sah er schon direkt in ein Paar Katzenaugen, die ihn neugierig musterten.

'Was, bei der großen Mutter, ist denn das?!', sekundenlang weiteten sich die roten Augen des Andorianers. Mit dieser Begegnung hatte er nicht gerechnet, nicht hier in einer Bar auf einem Raumschiff.

'Hm, so selbstsicher, wie das Wesen hier steht, dürfte es sich eher um ein Mitglied der Besatzung und nicht um einen Imbiß des Captains handeln', dachte Zirt kurz, bevor er seiner angeborenen Neugier nachgab und auf die Großkatze zuging.

"Hallo! Ich bin Zirt, der neue Zweitbarmann, auch wenn mein Vorgesetzter noch nichts davon weiß", bei diesen Worten zog ein sarkastisches Lächeln über die Züge des Andorianers, "könnten Sie ...du? ... mir helfen?" Mit diesen Worten verneigte er sich leicht vor dem interessantem Wesen und sah ihn dann fragend an.

--- Theke

"Wenn Du beim Verstehen der Antwort noch alle Finger haben willst, würde ich diese ekelerregende Aktion nicht wiederholen!", setzte der Ferengi zu seinem Zischen hinzu, bei dem deutlich seine scharfen Zähne zu sehen gewesen waren, die mit brechenden Knochen keinerlei Probleme hatten.

Immer noch sehr amüsiert grinsend zog Silvana ihre Hand endgültig zurück. Scheinbar war sie doch nicht in der Laune ihre Geschwindigkeit mit dem Ferengi zu messen, oder die Informationen die der Barkeeper gesammelt hatte waren ihr wichtiger.

"Dieser KWinh scheint ein verdammt schweigsamer Kerl zu sein; er hat seit seiner Ankunft an Bord kaum private Kontakte gezeigt. Dagegen wühlt er ständig in den astronomischen Datenbanken, sowie geschichtlichen Aufzeichnungen betreffend der Entwicklung des romulanischen Reiches herum", fuhr Narbo mit verbliebener Schärfe in der Stimme fort, um dann versöhnlicher hinzuzufügen,

"Letzteres brachte mich auf den Gedanken ein paar Kontakte zu den Grünblütern aufzufrischen, was natürlich ein paar Investitionen nötig machte. Erwerbsregel 222 lautet: Wissen ist Latinum..."

Zufrieden mit sich, legte Narbo ein gieriges Lächeln auf, wartete auf die Antwort der genetisch veränderten Terranerin.

Romulaner... das klang sehr vielversprechend.

Zwar wußte Silvana, daß es teuer werden würde einen Ferengi mit irgendwelchen Nachforschungen zu beauftragen, aber immerhin ersparte es ihr die Mühe es selbst zu tun und der Genuß jemand Schmerzen zu bereiten kostete auf einem Schiff wie der Privateer nichts.

Höchstens ein müdes Lächeln...

"In Ordnung. Du kannst mir die Kosten für deine Nachforschungen auf die Rechnung setzen. Das ist mir die Sache wert. Aber glaub ja nicht, daß du mir mehr als deine üblichen 10-15% Gewinn aufschlagen kannst... Denn sollte ich dir darauf kommen, dann... lasse ich dich die nächsten Monate rund um die Uhr von ein paar Leuten bewachen und ich denke, du weißt, wieviel Gewinn dir dadurch entgehen würde..."

Breitbeinig und aufgerichtet stellte Porma sich neben die Sicherheitschefin, die ihn mit einem raubtierhaften Grinsen musterte. Auch der Ferengi schien wieder seinen üblich debilen Spaß zu haben.

"Hallo Silvana", auf irgendwelche Kommentare wie 'schön das du wieder da bist' verzichtete Pormas. Sie waren erstens unnötige Floskeln und zweitens eh gelogen. "Einen Auftrag? Ich hoffe es geht schnell, mein Harem wartet."

--- Narbos Bar, am Eingang

Interessiert nahm Sternenlicht die Sinneseindrücke, die den Andorianer begleiteten in sich auf, die in den letzten Sekunden die verschiedensten Nuancen angenommen hatten. Es würde aber noch eine Weile dauern, bis er sie wirklich zuordnen konnte. Um allerdings seine Neugierde zu erkennen, brauchte er seine Nase nicht, allein schon der Tonfall seiner Stimme wies eindeutig darauf hin. Zirt zeigte alle Anzeichen einer Person, die noch keinem Sivaoaner über dem Weg gelaufen waren.

Mit einem knappen, terranischem Kopfnicken beantwortete er die angedeutete Verbeugung des Andorianers: "Ich bin Sternenlicht zu-Srallansre, Leiter der wissenschaftlichen Abteilung dieses Schiffes und gelegentlicher Shuttle-Pilot.

Was das Thema Zweitbarmann betrifft, so kann ich Ihnen wohl nicht helfen. Dieser Ferengi", das unterschwellige Knurren in der Stimme wurde von einem eindrucksvollen Ausschlagen seines Schweifes nur allzu deutlich unterstrichen, "ist kein wirklicher Bestandteil meines Bekanntenkreises. Vermutlich ist es das einfachste, ihn zu fragen. Ich würde an Ihrer Stelle allerdings nicht in das Gespräch zwischen ihm und Silvana fallen. Die beiden sind viel, aber nicht diplomatisch."

Freundlich lächelte Zirt seinen Gegenüber an: "Es ist mir ein außerordentliches Vergnügen, Sternenlicht zu-Srallansre."

Dann nickte der Andorianer verstehend. "...und ja, das ist mir bei den beiden auch schon aufgefallen. Aber ich bin viel zu höflich um sie zu unterbrechen ... und auch nicht lebensmüde genug!

Sie sind im Moment meine erste Bekanntschaft hier. Wollen wir uns zu einem Tisch setzen? Ach übrigens, verzeihen Sie mir bitte meine Neugier: WAS sind Sie?" Fragend sah der Andorianer Sternenlicht an.

Sternenlichts Schweif wies einige Verknotungen auf, die nicht wirklich angenehm sein konnten, als seine leicht zitternde Spitze auf einen der freien Tische wies. Obwohl er Reaktionen dieser Art gewohnt war, amüsierte ihn die Reaktion des Andorianers doch. Auch wenn er es niemals zugeben würde, der Barde genoß es, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen.

So wie jetzt auch, mehr als ein Gesicht drehte sich immer noch in seine Richtung, wenn er einen Raum wie die Bar betrat. Die meisten voller Neugier, einige voller Bewunderung und einige voller Angst... Offensichtlich gehörte Zirt zur ersten Kategorie.

"Nehmen wir doch einfach den Tisch dort," sagte er und setzte sich gefolgt von Zirt in Bewegung.

--- Theke

"Wenn es um Arbeit geht, dann kann dein Harem warten bis er schwarz wird, du weißt, daß ich dich locker zur Spätschicht einteilen kann und da arbeiten überwiegend Männer... Und die paar wenigen Frauen könnten mit Oberschwester Entenburg verwandt sein..." Silvana verzog ihren Mund zu einem spöttischen Grinsen.

Daß der Grieche kein Problem mit Schmerzen und selbstzerstörerischem Tun hatte, daß war ihr schon nach der Studie seiner Akte und seinem letzten Einsatz aufgefallen. Aber der Entzug von allem Weiblichen, war eine wesentlich passendere Drohung für ihn.

"Der Auftrag müßte dir eigentlich liegen und du bist der einzige, bei dem ich sicher bin, daß du ihn ausführen kannst, ohne das es weiter auffällt. Halt ein Auge auf die Neue an deinem Tisch. Versuche herauszufinden, woher sie kommt, wieso sie hier ist und wie es ihr gelungen ist sich einen Raider zu schnappen. Wenn du was herausgefunden hast, dann erstatte mir Bericht. Aber ich möchte nicht, daß sie weiß, daß du sie ausspionierst.

Ebenso kannst du dir mal die Rothaarige ansehen, die ich mitgebracht habe. Ich will wissen, wieso sie jemand auf einem so schleimigen Planeten ausgesetzt hat." Abschätzend blickte die Sicherheitschefin Pormas an.

"Ich hoffe, du hast alles verstanden und kannst es dir merken."

--- Kuschelecke

"Landurlaub wäre etwas zu viel gesagt," lachte die Schottin. "Es war wohl eher so, daß er auf der letzten Mission sozusagen verloren ging. So weit ich unterrichtet bin, fliegen wir gerade einen Planeten an, um ihn wieder aufzusammeln..."

Nachdenklich glitt ihr Blick zur Theke, an der eindeutig Silvana stand. "Obwohl... wenn ich darüber nachdenke, dürfte er wieder an Bord sein, denn er hatte seinen... 'Landurlaub' gemeinsam mit der Sicherheitschefin genommen. Und die steht dort drüben und unterhält sich gerade mit unserem Sonnyboy!" Mit einem leichten Kopfnicken wies Llewella bei diesen Worten auf Silvana.

Unauffällig betrachtete die Rothaarige die neue Krankenschwester. Irgend etwas Merkwürdiges hatte sie an sich, aber trotzdem war sie ihr erst mal ziemlich sympathisch. Man würde sehen, ob sie es wirklich war. Die Schottin hoffte es. Sie hatte nichts dagegen, auf diesem Schiff endlich mal eine Art Freundin zu haben...

"Auf jeden Fall erst mal ein 'Willkommen an Bord' von mir. Ihre Ankunft war ja, wie ich hörte, ein wenig unüblich. Wahrscheinlich dürfte das erst mal Silvanas Jagdinstinkte wecken..."

Interessiert folgte Ysara ihrem Blick und fixierte die hochgewachsene Frau an, die neben dem Griechen an der Theke saß. Eine ungewöhnliche Frau, befand sie auf den ersten Blick. Darauf trainiert, andere auf den ersten Blick einschätzen zu können, brachte die ehemalige Psychologin sie eher mit einem stets zum Angriff bereiten Raubtier denn mit einer Humanoiden in Verbindung.

"Ja, der Captain war so freundlich, auf meinen Notruf zu reagieren", antwortete sie schließlich auf die halbe Frage der Ärztin. "Ich bin ohnehin keine gute Pilotin und mein Raider war schon recht ramponiert, aber als ich dann vor zwei Tagen einem eher aggressiven Ferengischiff begegnete und mich weigerte, Wegzoll zu bezahlen, war es leider auch um meinen Warpantrieb geschehen. Daher bin ich froh, Ihnen begegnet zu sein, bevor auch mein Replikator ausfiel."

Die Afroamerikanerin verstummte. Sie sprach nicht gerne von sich selbst und auch jetzt fühlte sie den Drang, auf Distanz zu bleiben. Es schien ihr, als würde sie mit jeder Information, die sie preisgab, auch einen Vorteil verspielen, auch wenn Llewella ihr nicht berechnend, sondern ausgesprochen offen erschien. Allerdings würden sie wohl noch genug Möglichkeiten haben, sich zu unterhalten.

"Steht nur zu hoffen, daß Silvanas Jagdtriebe nicht mit Theocrates' ident sind", fügte sie noch sarkastisch hinzu. "So sehr es mir schmeichelt, dermaßen begehrt zu werden, wäre mir das doch etwas zu viel des Guten."

Llewella unterdrückte mit Mühe ein breites Grinsen. "Nay, Miss Farnsides Jagdtriebe haben mit denen unseres langen Lulatsches nicht das Geringste zu tun. Aber es ist manchmal trotzdem angebracht, ihr aus dem Weg zu gehen..."

Die Schottin hatte auf einmal das Gefühl, als hätte die dunkelhäutige Frau einen Vorhang herabgelassen. Sie lächelte immer noch, aber das Lächeln wirkte nicht mehr so gelöst wie noch vor wenigen Minuten, und es erreichte ihre Augen nicht mehr. Hatte sie den Eindruck, zu viel gesagt zu haben? Llewella konnte es nicht benennen, dazu kannte sie die Neue zu wenig.

--- Theke

"Überfordere ihn doch nicht gleich; sonst landet er wieder auf der Krankenstation und heult wie ein Mädchen herum", fügte Narbo desinteressiert zu dem Gespräch hinzu und spürte, wie ihn der Grieche mit einem grimmigen Blick bedachte.

"Und erst recht nichts klappt ohne die richtige Ausrüstung!", wandte er sich an den Sicherheitler, um dann mit einer schnellen Wendung zum Getränkereplikator zu gehen.

Geschickt programmierte er das Gerät mit einigen Daten bis nacheinander zwei Gläser im Ausgabefach erschienen. Rasch kam er mit dem Tablett zurück, um Theo dann grinsend einzuweihen:

"Auf den roten Drink waren bisher noch alle Weiblichen gierig, kein Wunder, enthält er doch jede Menge zungenlösenden Alkohol! Sag ihr einfach, es sei ein Begrüßungsgeschenk. Und das Andere, nun, das ist noch ein Glas Ouzo. Ausnahmsweise zum halben Preis"

Pormas musterte den Ferengi mit seinem üblichen Mißtrauen, zuckte dann aber nur mit den Schultern, da der Barbesitzer nicht verschlagener als normal wirkte, und kehrte zu dem Tisch zurück, wo die beiden Frauen ihn mit vielsagenden Blicken empfingen.

'Die Wahrheitsdroge wird wirken wie eine Supernova - und das Weib wird nicht mal etwas davon bemerken!', war sich Narbo grinsend sicher, während er über die geheimen Zusätze in den Gläsern nachdachte. Seine Verbindung zu den Romulanern brachte auch sowas zu Tage.

Dagegen war der Hormonmix, der sich in Pormas Ouzo befand eine Eigenkreation. Die Dosierung sollte eigentlich reichen, um den Südländer in einen liebeshungrigen Bullen zu verwandeln, der seine Gene über das ganze Schiff zu verteilen gedachte...

Silvana bedachte weder den Griechen noch die Frauen an seinem Tisch mit einem weiteren Blick. Es würde ohnehin schwer sein, sie nicht mit der Nase darauf zu stoßen, was für einen Befehl Pormas erhalten hatte, so wie er sich immer benahm.

Für ihn hoffte die Sicherheitschefin, daß er sich nicht so dilettantisch dabei benahm, daß er Kargan seine mißhandelten Weichteile würde präsentieren müssen und dabei wieder einige Zeit in seinem eigenen Biobett verbrachte.

Bei seinem Glück hatte zu dieser Zeit gerade die resolute Oberschwester ihren Dienst. Silvana lachte heiser, wenn sie sich Pormas Augen vorstellte, wenn ihre Pranken begutachtend zupackten und sie ein "Jungchen was hast du denn da bloß angestellt" murmelte...

Während sie zusah wie die rothaarige Bedienung zwei Gläser auf ihr Tablett lud und hüftenschwingend wieder zu einem der Tisch ging, fühlte Silvana ein trockenes Kratzen in ihrem Hals.

Narbo war ein guter Verschwörer, aber er war ein lausiger Barkeeper. Saß sie doch trotz ihrer Bestellung noch immer auf dem Trockenen.

"Und jetzt her mit meinem scharfen Zeug...", sagte Silvana und beugte sich dann verschwörerisch Narbo zu um mit gesenkter Stimme hinzuzusetzen: "Und zwar ohne den kleinen Zusatz, den du in Pormas Ouzo getan hast. Denn du bist doch der letzte, der ein Getränk zum halben Preis hergibt, wenn nicht etwas dahintersteckt. - Raus mit der Sprache: Was hast du ihm reingetan?"

--- wackelnder Tisch in der anderen Ecke

Während sie auf eine Bedienung warteten, begann Sternenlicht zu erzählen:

"Ich gehöre einer Rasse an, die sich 'Sivaoaner' nennt. Wie Sie vielleicht vermuten werden, nennt sich unser Heimatplanet 'Sivao'. Er liegt am Rande des von der Föderation erschlossenen Gebietes. Die meisten von uns lehnen die Technisierung, wie sie von Rassen wie der ihren durchgeführt wurde ab, wir besitzen keine aktive Raumfahrt oder größere planetare Infrastruktur, obwohl wir die Technologie dafür besitzen würden. Wir haben für uns beschlossen, so zu leben, wie wir geschaffen wurden.

Einige von uns, wie mich zum Beispiel, zieht es jedoch in den Weltraum, mit den verschiedenen Motiven. In meinem Falle sind es die Geschichten, die hier draußen erzählt werden."

Eine rothaarige Frau trat mit den Worten "Was darf ich Ihnen bringen?" an den Tisch heran. Sternenlichts Schnurrhaare neigten sich nach vorne: "Einen Milchshake, Himbeer-Geschmack bitte." Sein Schweif deutete auffordernd auf Zirt.

--- Kuschelecke

"Die Damen", begrüßte der Südländer die Beiden charmant mit einem Lächeln. "Ich hoffe, Sie haben mich in der Zeit meiner Abwesenheit nicht zu sehr vermißt." Geflissentlich übersah Pormas die eher.. naja, halt Blicke der Frauen und setzte sich geschmeidig hin.

Der Sicherheitler fragte sich im Geiste immer noch, was Narbo zu diesem untypischen Ferengi-Verhalten gebracht hatte. 'Muß wohl doch endlich Respekt vor mir bekommen haben!', schloß der Südländer den Gedankengang schnell ab. Gab ja jetzt schließlich Wichtigeres....

"Zur inoffiziellen Begrüßung und als kleine Entschärfung unseres ersten Aufeinandertreffens habe ich mir erlaubt Ihnen einen kleinen Drink mitzubringen.", lächelnd gab Pormas Ysara das Glas in die Hand und hob seines danach hoch.

"Herzlich willkommen auf der Privateer und zum Wohle!"

Während Pormas Miss Jefferson ein Glas zuschob, starrte die Schottin in ihr Whiskyglas, in dem sie die bernsteingelbe Flüssigkeit schwenkte. Das Zeug schmeckte wie Whisky, zugegeben. Und zwar wie gar nicht mal schlechter Whisky.

Aber dennoch: Die Rothaarige hatte nicht übel Lust, das Zeug einfach einmal zu analysieren. Warum auch nicht? Sie hatte schon ziemlich lang kein biochemisches Labor mehr von innen gesehen... Und dem Ferengi traute sie ungefähr genau so weit über dem Weg wie einem MacDonald.

"Aye, Miss Jefferson, dem schließe ich mich an!" sagte sie jedoch und stieß mit den beiden anderen an. Schließlich würde ja eine kleine Pfütze Whisky für die Analyse ausreichen...

--- Theke

"Nichts, was irgendwie auffällig wäre", antwortete der Ferengi geheimnisvoll auf die Frage der Sicherheitschefin, um Silvanas Neugier weiter anzustacheln. Nur selten zeigte sie so unverhohlen Interesse an etwas und Narbo wollte diesen kleinen Triumph noch etwas auskosten.

"Aber hier ist dein Drink!", fügte er grinsend hinzu, während er ein unscheinbares Glas mit einer noch viel unscheinbareren Flüssigkeit vor der Frau auf den Tresen stellte.

Das Gegenmittel lag griffbereit in einer Schublade - nur für den Fall daß Silvanas Metabolismus sich getrieben von den außerirdischen Zutaten zerreißen würde...

--- Kuschelecke

Als der Grieche ihr das Glas reichte, waren Ysaras Augenbrauen automatisch nach oben gewandert. Sollten ihre beiden Tischnachbarn geglaubt haben, Sarkasmus ließe sich nur in Worten äußern, wurden sie nun eines besseren belehrt - die Krankenschwester versprühte ihn wie Theocrates Sexuallockstoffe.

Erst verteilte er Seitenhiebe wie ein asiatischer Karatemeister und dann gab er ihr einen Drink aus?

Wahrscheinlich glaubte er, daß sie ihn tief in ihrem Inneren leidenschaftlich begehrte und harter Alkohol eine willkommene Ausrede wäre, ihre Schüchternheit fahren zu lassen und sich auf ihn zu stürzen... Von wegen Entschärfung...

Wage amüsiert den Kopf schüttelnd stieß Ysara mit den beiden an und erwiderte lediglich Llewellas Blick mit einer gewissen Wärme.

"Ich danke Ihnen", erwiderte sie schlicht, warf einen prüfenden Blick auf die rote Flüssigkeit und nippte vorsichtig an ihrem Glas. Wie sie es sich gedacht hatte - der Alkoholgehalt mußte sich am Rande der Illegalität bewegen. Schulterzuckend leerte sie das Glas im selben Augenblick wie Pormas das seine.

Ihre Blicke trafen sich und sie bemerkte interessiert, wie sich seine Pupillen weiteten und aufblitzten, als habe er ihre Schönheit - der sie sich nur ganz wage bewußt war - gerade neu entdeckt.

"Vergessen Sie es", hörte sie sich zu ihrer eigenen Verblüffung frei heraus sagen, was ihr gerade in den Sinn kam. "Sie mögen ja nicht schlecht aussehen, aber das wird Ihnen nichts bringen - allein die Vorstellung Ihres brünftigen Röchelns beim Beischlaf tötet in mir jedes sexuelles Verlangen ersatzlos ab."

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