Chronik 33

--- Privateer, Brücke

"Waaaaas???" Slade Stimme war so laut wie immer. "Was soll das heißen, du gelbhaarige Sprechmuschel? Notruf? Was interessiert mich das? Ich will so schnell wie möglich nach Mizar, um Silvana und Kargan dort abzuholen - wenn du willst, sind wir also schon auf einer Rettungsmission! Da können wir nicht so einfach einen Umweg machen, der uns mindestens..."

"...dreiundvierzig Minuten..."

"Danke. Dreiundvierzig Minuten kostet." Zum Navigator, der sich ungefragt eingeschaltet hatte, schnappte der Captain: "Wieso dreiundvierzig Minuten? Ich dachte, das Shuttle ist noch richtig schön weit weg!"

"Ja, Sir", erwiderte der affengesichtige Steuermann, "aber es bewegt sich in unsere Richtung, und der günstigste Abfangkurs kostet uns dreiundvierzig Minuten, wenn wir nur auf Transporterreichweite herangehen, nur für die Dauer des Transports unter Warp fallen und dann gleich weiterfliegen. Wir würden Mizar dann nicht in 315, sondern erst in 358 Minuten erreichen."

Slade knirschte mit den Zähnen, was bei seinem Gebiß eine recht eindrucksvolle Klangkulisse erzeugte. Im Grunde hatte er sich sowieso schon längst entschieden, dem Notruf nachzugehen, zumal es in der Nachricht seiner beiden Leute ausdrücklich hieß, daß er sich Zeit lassen konnte und nun, kurz vor Erreichen des kleinen Planeten, eigentlich nicht mehr viel passieren konnte.

Aber er ließ nun einmal gerne den wilden unberechenbaren Freibeutercaptain raushängen, der von seiner Mannschaft nur mit Mühe gebändigt werden konnte.

"Steuermensch, heute bin ich gnädig", fauchte Slade den vor ihm mehr kauernden als sitzenden Mann an. "Du hast fünfzig Minuten. Aber ich will das Shuttle ebenfalls aufnehmen. Seht zu, wie ihr das hinkriegt."

Zufrieden lehnte er sich zurück. Damit würde seine Sammlung föderativer Shuttles noch weiter wachsen. Die uniformierten Affen, die immer noch irgendwo auf seinem Schiff herumlungerten, hatten sich in letzter Zeit sehr ruhig verhalten, was Slade auf seine kleine Ansprache zurückführte.

Auf Mizar würden sie ihren Zielhafen erreichen, und Slade würde als Bezahlung für ihre Rettung und die anschließende Kreuzfahrt durch die Interessantesten Gegenden der Galaxis einfach ihr Shuttle zurückbehalten.

Händereibend wartete er darauf, daß endlich irgendwer das Shuttle auf den Schirm brachte.

--- Raider Hotaru, Weltall

Gemütlich flog die Hotaru mit Impulsgeschwindigkeit durchs All. Offensichtlich hatte sie kein bestimmtes Ziel, jedenfalls führte ihr Kurs über mehrere Lichtjahre an keinem Planeten vorbei. Den großflächigen Schäden an der Außenhülle zufolge, die von Plasmastürmen und vielleicht sogar von Phaserfeuer stammen mochten, war ihr Warpantrieb wahrscheinlich auch ausgefallen.

Das Cockpit des Raiders glich einem Schlachtfeld. Jemand hatte hier viel Zeit verbracht. Ohne aufzuräumen.

Repliziertes Geschirr mit Essensresten darauf, die sich in verschiedenen Stadien der Verwesung befanden, stapelte sich auf den freien Sitzen und auf der einen oder anderen Konsole neben achtlos weggeworfenen Kleidungsstücken und dem verstreuten Inhalt eines Medikits. Neben der Steuerkonsole lag ein Padd mit einer Ausgabe von "Technik leichtgemacht - wir reparieren den Antrieb".

Das gesamte Schiffsinnere erbebte vor dem massiven Dröhnen einer klingonischen Oper.

Die Pilotin lag bequem quer über zwei nebeneinander stehenden Sesseln ausgestreckt. Es handelte sich dabei um eine hochgewachsene, dunkelhäutige Terranerin mit Rasta-Locken, die sich sichtlich gelangweilt damit beschäftigte, Dartpfeile auf ein an die Wand geheftetes Blatt Papier zu werfen. Die grobe Zeichnung darauf mochte mit viel Phantasie eine Frau mit Federn darstellen.

Ysara gähnte, streckte sich und überlegte, ob sie eine Runde schlafen sollte. Falls diese Ferengi-Raumpiraten zurückkehrten, denen sie zwei Tage zuvor knapp entkommen war, würde sie es ohnehin nicht mitbekommen. Entweder waren auch die Sensoren ausgefallen, oder sie fand den richtigen Befehl nicht, sie wieder zu aktivieren.

Nun ja, vielleicht waren sie bereits in den Badlands zerstört worden. Es erfüllte sie immer noch mit wagem Staunen, daß sie es geschafft hatte, die Plasmastürme zu überleben und den gefährlichen Raum hinter sich zu lassen, ohne von Captain McCarthy, seinem verdammten Schiff und seiner ebenso verdammten Crew eingeholt zu werden. Wenn die Besatzung der Venture ebenso kompetent wie moralisch wäre, hätte man sie, einmal des Verrats angeklagt, niemals frei herumlaufen lassen - zum Beispiel zum Hangar.

Und jetzt, zwei Wochen später, war sie hier. Wo auch immer "hier" war.

Von einer der Konsolen erklang ein Piepen. Es dauerte einen Augenblick, bis es durch den Baß des klingonischen Sängers hindurch zu ihr drang. Aufhorchend deaktivierte sie die Musik, woraufhin schlagartig Stille eintrat, rappelte sich auf und warf einen Blick auf die Anzeige.

Erstaunlich. Tatsächlich, die Sensoren zeigten etwas an. Es war wohl doch nur der falsche Befehl gewesen... Ein nicht identifizierbares Schiff näherte sich ihr auf Abfangkurs. Voraussichtliches Rendezvous in vierzig Minuten. Es mußte ihren Notruf aufgefangen haben. Zu dumm, daß die Ferengi ihre Kommunikationsanlage zerschossen hatten.

Ein Heben der Augenbraue deutete Ysaras Nachdenken an. Doch an sich mußte sie nicht lange überlegen - selbst die Raumpiraten wären ihr jetzt lieber als weitere langweilige Tage. Wenn es bloß kein Föderationsschiff war. Oder ein ehemaliges...

Mit mittlerweile geübten Bewegungen korrigierte sie ihren Kurs, um dem fremden Schiff entgegen zu fliegen.

--- Privateer, Holodeck

Das Wasser eines langgestreckten Sees glitzerte in der Abendsonne. Hinter dem See befand sich eine traumhafte Kulisse, wie aus einer Märchenlandschaft: Sanfte, in satten Grüntönen bewaldete Hügel, darüber ein strahlend blauer Himmel, den nicht ein einziges Wölkchen trübte.

Ein altes Schloß stand in einiger Entfernung vom Ufer. Sein helles Gestein wirkte wie frisch gereinigt, lediglich an einigen wenigen Stellen konnte ein aufmerksamer Beobachter die Spuren der Zeit erkennen. Immerhin stammte das Schloß aus dem siebzehnten Jahrhundert.

Alt und ehrwürdig stand es da - doch um das Schloß herum war ein ständiges Kommen und Gehen, ein Gemurmel und Gelächter, ein Durcheinander an gälischen Lauten und der unvermeidlichen, nur scheinbar dissonanten Musik von Dudelsäcken und Harfen.

Gathering im schottischen Hochland! Überall sah man fröhliche Menschen, gekleidet in die Farben ihrer Clans, so daß sich so mancher Beobachter problemlos fragen würde, ob die Schotten eigentlich kein Empfinden dafür hatten, ob Farben zusammenpaßten oder nicht.

Die verschiedensten Sportarten wurden ausgeübt. An einer Stelle übten sich zehn Männer im Seilziehen, heftig angefeuert von der sie umgebenden Menge.

Etliche Meter weiter - in angemessenem Sicherheitsabstand natürlich - war gerade der Wettkampf im Hammerwerfen zu Ende gegangen. Als nächstes stand ein ziemlich kurioser Hochlandwettkampf auf dem Programm: Das Baumstammschleudern. Gerade machte sich ein wahrer Bär von einem Mann in der Tracht der Stewarts daran, einen Stamm hochzuhieven.

Llewella schlenderte amüsiert über den Platz, beobachtete hier mal ein wenig, blieb dort kurze Zeit stehen oder sprach mit ein paar Menschen.

Auch sie trug den Tartan der Campbell-Farben. Gerade hatte sie bei den Highland-Tänzen mitgemacht und das Gefühl genossen, endlich wieder einmal einen Reel zu tanzen. Viel zu lange hatte sie das nicht gemacht.

Vielleicht, so überlegte die Rothaarige, war es ja doch einmal wieder an der Zeit, einen Heimaturlaub zu nehmen. Aber das würde wohl für längere Zeit kaum möglich sein, nachdem die Privateer ja nun auf diesen Planeten, der sehr weit von der Zivilisation entfernt zu liegen schien, zusteuerte.

Aber immerhin gab es ja das Holodeck. Außerdem konnte sie ja mal wieder ein ausführliches Kom-Gespräch mit alten Freunden führen.

"Hey, Llewella," sprach sie da eine junge Frau in der Tracht der MacKenzies an. "Wie sieht es aus, kommst du mit etwas Essen?"

Die Schottin wandte den Blick von dem kräftigen Mann ab, der inzwischen den Baumstamm in der Senkrechten auf der Schulter hatte. Sie lachte der Frau fröhlich zu.

"Aye, Una, gehen wir etwas essen"....

--- Brücke

"Es handelt sich nicht um ein Shuttle, sondern um einen Raider, Sir!", meldete der Navigator und schaltete das Bild des kleinen Schiffes auf den Schirm.

Slade las den Namen des Mutterschiffes: USS Hope, NCC 18765. Während hinter ihm Miss Comm ständig versuchte, den Raider zu erreichen, blätterte er durch die Schiffskataloge der Föderation, die der Vorbesitzer zwar gelöscht, Xiang aber damals wiederhergestellt hatte, bevor er versucht hatte, das Schiff zu zerstören.

'Oh, ein abtrünniges Schiff...sehr günstig', dachte Slade. 'Die Sternenflotte wird kaum eine große Suchaktion nach dem Raider unternehmen, und wenn wir irgendwann einmal auf sie treffen sollten, werden sie uns sehr dankbar sein, wenn sie es zurückbekommen.'

"Leute, bringt das Schiffchen an Bord. Und laßt euch Zeit, die Beiden auf Mizar rennen uns nicht davon."

Zu der ausdruckslosen Ellora hinter sich, die vorsichtshalber mit stummer Duldung des Captains die Waffen voraktiviert hatte, sagte er: "Mädel, schick ein paar Leute hin, ich will auf Nummer Sicher gehen, damit wir nicht überfallen werden."

Sadaja nickte und aktivierte die Kommunikation: "Ein Sicherheitstrupp zum Hangar."

Die blonde Stimme an der Kommunikationskonsole meldete gestelzt: "Sir, das Schiff meldet sich nicht, obwohol ... die Scanner melden, daß eine lebende humanoide Person an Bord ist. Aalso, entweder ist sie krank, oder das Funkgerät ist kaputt."

Slade rollte mit den Augen. Dann befahl er noch ein Techniker- und ein Ärzteteam hinunter, und sah zu, wie seine Leute den Traktorstrahl aktivierten und den Raider einschleusten, was ein paar Minuten dauern würde.

--- Pormas Quartier

Überrascht hatte der Südländer Sadajas Stimme gelauscht, als er gerade seine Schicht beginnen wollte. Fertig angezogen schnallte er sich nichts desto trotz noch seinen Blaster um die Hüfte. Wer wußte schon, was im Hangar auf ihn wartete.

Zärtlich hauchte Pormas Nathalie noch einen Kuß auf die Stirn, die sich daraufhin murmelnd umdrehte und weiterschlief. Lächelnd zog er die Decke wieder zurecht, die bei der Bewegung verrutscht war und schlich schnell aus dem Zimmer.

--- Deck 3, Gänge

Gut gelaunt begab sich der Südländer auf den Weg zum Hangar. Gut gelaunt war er aus vielerlei Gründen. Als erstes natürlich über seine fruchtende und wahrlich befriedigende Beziehung zu Natty. Allein wenn er an das Bad nach ihrer Ankunft dachte, wurde es ihm nicht nur warm ums Herz...

Weiter hatte sich herausgestellt, daß seine Verletzungen bei weitem nicht so schlimm waren wie befürchtet. Schon kurz nach Beendigung der Mission war er wieder bei vollen Kräften. Und mittlerweile sogar schon beinahe soweit wie vor seinem Koma.

Als schöner Nebeneffekt durch Silvanas Abwesenheit, wurden Pormas von Sadaja mehr Rechte zugestanden. Zwar konnte die Stellvertreterin ihn auch nicht richtig leiden, aber da hier mehr Sicherheitler ohne Gehirn rumliefen als man selbst auf einem klingonischen Schlachtschiff nicht vermuten würde, war er einer der am besten qualifiziertesten Leute dafür.

Zumal Silvana neben Sadaja keine weitere Autoritätsperson duldete, waren Führungskräfte in der Sicherheit knapp.

So fiel es ihm nun zu bei diesem Hangarbesuch das Kommando zu führen. Auch wenn es bei weitem nix Dolles war...

Und als letzte, mehr oder mindere, positive Überraschung: Sein Schild in der Krankenstation hatte mittlerweile einen goldenen Rahmen.

--- Hangar

Kurz darauf betrat Pormas den Hangar. Bis auf zwei Leute seines Sicherheitstrupps schien noch niemand anwesend zu sein. Zufrieden beobachtete der Hüne, wie die Beiden unmerklich Haltung annahmen, als er den Raum betrat.

Eines mußte man Silvanas Trainingsprogramm auf dem Holodeck lassen. Es verschaffte unheimlich Autorität...

--- Sternenlichts Quartier, inzwischen

Genüßlich streckte Sternenlicht sich auf seinem Hochnest aus. Jaaaa ... okeeeee ... Ehrlich zugegeben, so wirklich hoch war es nicht. Die Höhe von Starfleet-Quartieren war leider nicht ausreichend, um die für ein Hochnest übliche Höhe zu erreichen. Genügsam, wie alle Sivaoaner, hatte Sternenlicht sich damit abgefunden. Ohnehin hätte er seine Chancen, sich ein 30 Meter hohes Quartier in der Privateer bauen zu dürfen für ... nun sagen wir einmal "gering" eingeschätzt.

Nicht, daß Sternenlicht sich darüber nicht von vornherein bewußt gewesen wäre. Es änderte aber nichts an der Tatsache, daß ihm die Weite seiner Heimat fehlte. Das Leben in diesen Blechbüchsen war einfach nicht das, wofür Sivaoaner geschaffen waren.

'Zehn Minuten sind schon noch Zeit', dachte sich Sternenlicht und streckte sich ausgiebigst, bevor er sich noch einmal zurück lehnte. Als unbedarfter Beobachter konnte man dabei glatt auf den Gedanken kommen, daß das Katzenwesen daraus eine Wissenschaft gemacht hatte. Selten sah man jemanden, der sich so voller Genuß streckte, und dabei jeden einzelnen Muskel seines Körpers mit einzubeziehen schien.

Es wurde wieder still im Raum, der unregelmäßig von dem gelegentlichen Blinken der Computerkonsole in einer Ecke erleuchtet wurde. So sehr Sternenlicht in seinen Träumen und Gedanken immer wieder auf Sivao war, so sehr war er sich auch über die Entscheidung bewußt, die ihn auf dieses Schiff geführt hatte. Der Weltraum, unendliche Weiten... Er hatte in den letzten Monaten mehr gesehen, als viele Sivaoaner vor ihm. Nein, er bereute seinen Entschluß auch dieses Mal nicht.

Bei diesem Gedanken gab er sich einen Ruck und schwang seinen eleganten Körper in einer fließenden Bewegung aus dem Hochnest, was entfernt einer Hängematte ähnlich sah. Einer Hängematte mit einem Dach. Sie bestand aus gewebten Stoff, der mit den buntesten Mustern schimmerte und ein sehr harmonisches Bild ergab. Sternenlicht war durchaus Stolz auf dieses Kreation von ihm. Gewiß konnte er es nicht mit den großen Künstlern von Sivao aufnehmen, aber für Sonnenstrahl hatte es immer gereicht.

Sonnenstrahl... Er schüttelte diesen Gedanken ab, bevor ihn die Dunkelheit wieder umgeben konnte, es wurde Zeit den Tag beginnen zu lassen.

Mit einem kleinen Umweg zum Replikator, der ihm eine Schüssel mit den Buntesten aller Früchten bescherte, setzte er sich vor sein Terminal und begann, die Ergebnisse der letzten Meßreihen der Sensorenphalanx durchzugehen.

Die Privateer, derzeit kurz vor Mizar Prime, befand sich gerade in der Nähe eines großen interstellaren Nebels, der Geburtsstätte für etwa ein Dutzend neuer Sterne war. Das wollte Sternenlicht sich nicht entgehen lassen. Immerhin war das mit das erste Mal, daß Sternenlicht Gelegenheit hatte, einen Nebel dieser Art persönlich und aus der Nähe zu betrachten.

Interessiert betrachtete er die neusten Daten dieser Nacht. Zuerst dachte er, daß wieder einmal eine der Sensorphalanxen in ihrer Abstimmung auf das Gesamtsystem gelitten hatte. Nach einem kurzen Blick auf die Kontroll-Messungen konnte man diesen Fall aber ausschließen. Jetzt betrachtete Sternenlicht die Messergebnisse ein wenig konsterniert, aber es schien tatsächlich so, als daß drei der jungen Sterne in diesem Nebel auf einer exakt kreisförmigen Umlaufbahn schwebten.

Daß eine Gruppe von drei Sonnen um ein festes Massezentrum rotierten, war zunächst nicht mal ungewöhnlich. Aber daß sich diese drei Sonnen in der Masse derart glichen, daß sie in der gleichen Ebene in gleichem Abstand um das gleiche Massezentrum rotierten, daß fand er nun doch erstaunlich.

Er speicherte die Rohdaten der letzten Nacht gesondert ab, und aktivierte erneut die Langsteckensensoren, konzentrierte sie diesmal auf diese Dreiergruppe. Ein kurzes Blinken bestätigte seine Anweisungen. Seine Schnurrhaare neigten sich nach vorne, und er lehnte sich zurück. Es gab keinen Grund für Hektik, die Sensorzeiten, die er für die Erforschung solcher Phänomene am Tag hatte, waren ohnehin eingeschränkt.

In diesem Moment erregte das Shuttle, daß gerade von den Traktorstrahlen der Privateer erfaßt wurde, seine Aufmerksamkeit. Er hatte sich so auf diesen Nebel konzentriert, daß er den kleinen Kontakt in unmittelbarer Nähe gar nicht registriert hatte. Das war ja auch nicht sein Job.

Na, da schien endlich etwas Abwechslung in den Schiffsalltag zu kommen. Sternenlicht erhob sich und ging zu seinem Schrank an der Wand. Er hatte beschlossen, daß er sich ebensogut auch das Spektakel im Hangardeck ansehen konnte. Er schwang sich seine Schärpe um, die sofort mit seinem Körper zu verschmelzen schien. Er befestigte den Communicator darauf, schnappte sich seinen Tricorder und machte sich auf den Weg zum Hangardeck.

--- Mizar Prime, Bar zum gelpen Gulb

Kargan starrte in sein halbleeres Glas, wo sich eine stark alkoholische Flüssigkeit mit Bläschen drin darum bemühte, die Luft mehr oder weniger zu verunreinigen. Er machte dem Trauerspiel ein Ende und kippte das Zeug hinunter.

Gerade noch rechtzeitig, denn Silvana brachte gerade Nachschub. Diese Frau war einfach unersättlich. Sowohl was Alkohol, als auch was Sex anging. Nachdem Kargan der einzige in etwa humanoide Mann hier war, hatte es sich zwangsläufig ergeben, daß sie nach einer Woche nur noch ein Zimmer und vor allem nur ein Bett benötigten.

Sie hatten eigentlich keine schlechte Zeit hier, und nach recht langer Abstinenz war Kargan über diesen kleine Urlaub mit allabendlicher (und manchmal auch täglicher) Erotikeinlage nicht unglücklich. Langsam ging zwar das Wundspray und die Kompressen zur Neige, aber der Klingone hoffte, zur Not aus irgendwelchen Blättern etwas Adäquates herstellen zu können.

Dieser Planet war wirklich das Ende der Welt. Die kaum metergroßen schleimigen und schneckenartigen Primitivlinge hier waren noch nicht in die Föderation aufgenommen worden, weil sie einfach zu primitiv waren. Sie waren sogar so primitiv, daß sie noch nicht erkannt hatten, daß Silva und Kargan sowohl keinen Schleim absonderten - jedenfalls nicht ständig - als auch wesentlich größer als die Ureinwohner dieses Planeten waren.

Kargan erinnerte sich dunkel, daß irgendein Planet dieses Systems inzwischen zur Föderation gehörte, wußte aber nicht, welcher. Jedenfalls waren die Communicatoren nicht in der Lage, irgendwen da draußen zu erreichen. Aus der Technik, die sie im zweiten Zimmer verstaut hatten, ließ sich zwar wahrscheinlich ein Sender bauen, allerdings sicher nicht von den Beiden, denn extraföderative Technologie war nicht ihr Fall.

Und da die örtlichen Techniker gerade mit der Erfindung des Rades beschäftigt waren - Kargan zügelte seinen Sarkasmus, immerhin war der Alkohol nicht schlecht, auch wenn er lieber nicht fragte, woraus er hier gebrannt wurde - hatten sie alle Gedanken in diese Richtung inzwischen aufgegeben.

Daß vor ein paar Wochen ein kleiner Schmuggler bereit gewesen war, eine Nachricht in Textform mitzunehmen, war schon ein kleines Wunder gewesen, und zwar sowohl seine Kooperationsbereitschaft als auch sein Erscheinen hier.

Allerdings war er nicht bereit gewesen, sie auch nur einen Meter mitzunehmen.

Typisch.

Kargans Blick wanderte etwas nach vorne, als er sein Glas ergriff, und er erblickte Silvanas Glas, malerisch umrahmt von ihren Brüsten, die durch ihren Kampfanzug weniger verdeckt als vielmehr präsentiert wurden.

Ihre Phantasie hatte er ja immer schon bewundert, glichen sich nach Trainingsstunden doch keine zwei Verletzungen ihrer Mitarbeiter. Trotzdem war er etwas erstaunt, daß sie auch im Bett über die gleichen Fähigkeiten verfügte.

Langsam ging ihm auf, daß sie ihn fragend anschaute.

"Was?", fragte er.

Silvana grinste breit und ließ ihre makellos weißen Beißerchen blitzen. Jene von denen Kargan in letzter Zeit mehr als einmal am eigenen Leib hatte zu spüren bekommen, da sie sehr kraftvoll und heißhungrig zubeißen konnte, wenn das Raubtier in ihr erwachte.

Es war als könnte sie seine Gedanken genau lesen, während er seinen Blick zwischen ihren Brüsten wieder zu ihren Augen hob, dabei hatte sie ihn vor nicht allzulanger Zeit als "asexuellen Waschlappenklingonen" tituliert und wäre nicht im Traum auf den Gedanken gekommen, daß man sich die Zeit in dieser Öde derart gut mit ihm vertreiben konnte.

Da war es zumindest kein allzuschlimmer Verlust gewesen, als sie feststellten, daß das einzige Portal auf diesem Planeten nur in eine Richtung funktionierte...

Geistesabwesend bewegte sie ihre Schulter, die Kargan ihr diese Nacht ausgerenkt hatte um einmal selbst die Führung zu übernehmen, auch wenn sie es ihm bis in den frühen Morgen heimgezahlt hatte...

Es war auch angenehm mal mit jemand nach Herzenslust zu trinken, der mit ihr mithalten konnte, zeigte doch Alkohol bei ihr nicht die geringste Wirkung. Etwas das zumindest diese Schnecken irgendwie zu beeindrucken schien.

Im Geist prostete sie ihrem "Vater" Dr. Farnside für diese nützliche Errungenschaft der Gentechnik zu...

"Ich fragte dich gerade", wiederholte sie schließlich ihre letzten Worte noch einmal, "ob du wirklich noch daran glaubst, daß Slade die Nachricht überhaupt erhalten hat. Dieser Motok wirkte mir nicht gerade zuverlässig und wozu soll ein Schmuggler dem anderen helfen? Oder denkst du, daß Slades Geiz nicht bereits in jeder Ecke des Universums bekannt ist?"

Sie leerte eines der beiden Gläser, die sie für sich mitgebracht hatte auf einen Zug und genoß das rauhe Brennen in ihrem Hals, während sie sich im Stuhl zurücklehnte und ihre langen Beine auf den Tisch schwang. Während sie Kargans Mine beobachtete, verschlang sie die Arme hinter ihrem Kopf, was ihre Brüste noch besser zur Geltung brachte und seinen Blick gewohnheitsmäßig wieder anzog.

Etwas, das sie gar nicht nötig hatte, da Kargans ärztliche Fürsorgepflicht noch immer die eigentliche Funktionalität ihres Kampfanzugs beeinträchtige und mehr von ihrem Körper präsentierte, als die sonst schon so freizügige Silvana normalerweise von ihren Reizen zu zeigen pflegte.

"Was machen wir, wenn die Privateer gar nicht aufkreuzt? Ich habe nicht vor einen Haufen Schnecken zu Elitesoldaten auszubilden und auch nicht mir ein gemütliches Schneckenhaus auf dem Lande zu bauen. - Ich meine, selbst wenn Slade die Nachricht erhalten sollte, muß viel geschehen, daß er sich für uns die Mühe macht einen Abstecher nach Schleimus 2 zu machen." Angewidert beobachtete sie wie eines dieser Schleimwesen einen Drink zu sich nahm, was die Schüssel mehr zu füllen schien, als leerte und wandte ihren Blick dann wieder Kargan zu:

"Ich hab dir gleich gesagt, der Beisatz 'Kannst dir aber gerne Zeit lassen, uns geht es hier sehr gut.' war eine Scheiß-Idee von dir."

"Hrmpf", antwortete der Arzt und löste seine Augen widerwillig von Silvas perfekten Körperformen.

Nachdem mit ziemlicher Sicherheit in der nächsten Zeit kein weiteres Schiff hier zufällig durchkommen würde, da auch Motok nur durch einen Navigationsfehler, der in seinem Job tödlich sein konnte, dem Planeten relativ nahe gekommen war, war es nun wirklich an der Zeit, sich Gedanken über die weitere Zukunft zu machen.

Kargan schüttelte den Kopf, um den langen Satz noch einmal durchzudenken und fand seltsamerweise trotz des starken Gesöffes in seinem Schädel keinen Fehler darin.

Tja, was blieb ihm hier übrig? Schneckendoktor zu werden? Die Physiologie dieser Lebewesen war genauso primitiv wie die hiesige Technik, was bedeutete, daß sie etwa anderthalb Stufen über einem Einzeller standen.

Worauf auch die Rechtschreibung dieser Viecher deutete. Irgendwer mußte einmal einen Hauch von Föderationsstandard gehört haben, oder vor ihnen war schon einmal jemand hier gewesen, der den Schnecken im Vorbeigehen einen Tipp für einen Barnamen gegeben hatte.

Wie sie das Schild in menschlicher Kopfhöhe angebracht hatten, war Kargan bisher ein Rätsel geblieben, denn der abgesonderte Schleim der Schnecken besaß keinerlei Hafteigenschaften. Genau wie er immer noch nicht herausgefunden hatte, was ein Gulb, und warum dieser ausgerechnet gelp war. Er ging davon aus, daß in dem Wort 'Gulb' mindestens ein Rechtschreibfehler steckte, aber ihm fiel trotzdem nicht ein, worum es sich dabei handeln sollte.

Hm. Zukunft. Eine Zeit, die auf diesem Loch von Planeten verdammt lang sein konnte.

"Vielleicht kannst du die Viecher zu irgendwas dressieren? Oder wir machen eine Schnapsfarm auf, deren Duft bis zu den anderen Planeten im System reicht, vielleicht wird man dann auf uns aufmerksam.

Scheiße."

Silvana lachte tief und kehlig über Kargans Wortwahl. Sie zeigte ihr einmal mehr, daß er doch nicht so ruhig und besonnen war wie er immer tat, auch wenn er ab und an Mitmenschen als Versuchstiere mißbrauchte und eine seltsame Art hatte andere in die Schranken zu weisen wie man an Pormas absichtlicher Vergiftung sah.

Zumindest hatte sich letzteres soweit am Schiff herumgesprochen, daß Simulanten viel seltener geworden waren...

"Diese Viecher lassen sich nur zu einem dressieren: zertreten zu werden und nichts außer Matsch und einer Schleimspur zu hinterlassen. - Fast so eine wie Narbo, wenn er mal wieder bei Slade etwas erreichen will." Zwar grinste sie über diesen Vergleich, aber irgendwie wünschte sie sich genau dort zu sein.

An Bord der Privateer.

Dem einzigen Ort wo sie es länger ausgehalten hatte als zwei, drei Wochen, und wo es ihr trotzdem nie langweilig geworden war.

An diesem Wunsch konnte auch das bellende Lachen von Kargan nichts ändern.

Sie waren hier Gefangene, auch wenn sie sich frei bewegen konnten, wohin auch immer sie auf diesem verdammten Planeten wollten.

--- Raider "Hotaru"

Interessiert beobachtete Ysara durch eines der Fenster des Raiders, wie das ihr noch immer unbekannte Schiff sie mit dem Traktorstrahl heranzog und in den Hangar schleuste. Mittlerweile konnte sie seinen Namen lesen: Privateer. Es war eindeutig der Bauart nach irgendwann mal ein Föderationsschiff gewesen, jetzt aber erfreulicherweise keins mehr. Jedenfalls hatte sie den Namen noch nie gehört.

Erst als die Hotaru sachte im Schiffsinnern aufsetzte, erinnerte sie sich daran, so etwas wie Neugierde zu empfinden. Ob es sich um ein Handelsschiff handelte? Und ob man dort vielleicht zufällig einen Psychologen benötigte?

Sie ließ sich Zeit damit, die Systeme zu deaktivieren, und suchte zunächst nach einem Band, mit dem sie ihre Zöpfe bändigen konnte, fand aber keines. Erst dann erhob sie sich und ging mit einer selbstgefälligen Würde zur Luke, die sich in keinster Weise mit dem Chaos im Cockpit verbinden ließ.

--- Privateer, Hangar

Zu Ysaras Verwunderung hatte sich ein regelrechtes Empfangskomitee versammelt. Amüsiert ließ sie ihren Blick über die kleine Gruppe schweifen, die wahrscheinlich hauptsächlich der Sicherheitsabteilung entstammten, auch wenn sie das nirgendwo festmachen konnte. Zumindest der braungebrannte, muskelbepackte Terraner, der direkt vor ihr stand, wirkte genau wie der archetypische Türsteher. Der beeindruckende Blaster an seinem Gürtel diente wohl als Kompensation für seine Minderwertigkeitskomplexe.

Ein leichtes Grinsen huschte über ihr Gesicht. "Guten Abend", grüßte sie in seine Richtung, da sie sich gut vorstellen konnte, daß er hier das Kommando führte. "Mein Name ist Ysara Jefferson, und ich finde es sehr freundlich, daß Sie mich aufgelesen haben.

Dieses Schiff sucht nicht zufällig noch einen Bordpsychologen?", fügte sie nachträglich hinzu. Schaden konnte es nichts, mal zu fragen.

Die Tür des Hangars öffnete sich erneut und Sternenlicht trat gerade rechtzeitig durch die entstandene Öffnung, um die letzten Worte der dunkelhäutigen Terranerin zu registrieren. Interessiert blieb der Sivaoaner einige Schritt hinter dem Sicherheitskommando stehen und betrachtete die sich entwickelnde Szene.

--- Pormas Quartier

Das zischende Geräusch der Türe weckte Nathalie vollends auf. Den sanften Abschiedskuß, von dem noch eine kleine feuchte Stelle auf ihrer Stirn zeugte, hatte sie im Halbschlaf registriert. Doch die anstrengenden Nächte der letzten Wochen ließen sie jeden Morgen um jede Minute länger im Bett kämpfen. Pormas erwies sich nicht nur als ein raffinierter, sondern auch recht ausdauernder und hungriger Liebhaber.

Zum xten Mal schmiedete sie auch an diesem Morgen den Plan, ihn zu einem Kampftraining auf dem Holodeck zu überreden. Aus diesem würde sie natürlich siegreich hervorgehen - und Pormas einige Zeit auf der Krankenstation verbringen. 'Nichts gegen dich, mein Lieber, aber mein Schlaf ist mir heilig!'

Seufzend schlug Natty die Decke weg und streckte sich ausgiebig. Gewisse, erst kürzlich beanspruchte Muskelgruppen protestierten ob dieser erneuten Bewegung und sie beschloß, sich erst einmal eine heiße, entspannende Dusche zu gönnen.

Nach dieser Wohltat, die auch ihre Müdigkeit zum Großteil vertrieb, bestellte sie einen heißen Kakao und ließ gleichzeitig den Computer nach Pormas suchen.

"Pormas Theocrates befindet sich im Hangar auf Deck 8."

"Also weißt du", murmelte sie halb zu sich selbst, halb an die Konsole gewandt, "ich vermisse den flapsigen Ton eines gewissen Computerkerns. Vielleicht sollte man mit dir ein kleines Update durchführen?"

"Ungültige Anfrage."

"Ach, vergiß es!", brummte die junge Frau und glaubte schon fast, in dem Piepser der Fehlermeldung einen beleidigten Unterton zu hören.

Während sie noch weiter an ihrem Kakao nippte, tippte sie weitere Befehle ein. Doch die einzigen Informationen, die sie erhielt, waren über die Ankunft eines Shuttles. Und daß sich einige Sicherheitskräfte dort versammelt haben.

Verwundert runzelte Nathalie die Stirn. Pormas hatte kein Wort darüber verloren.

Achtlos stellte sie die Tasse weg und verließ das Quartier.

--- Hangar

Ein leichter Stich durchfuhr Pormas als die dunkelhäutige Frau nach einem Bordpsychologen fragte. Die Sache mit Collins hatte er immer noch nicht ganz verdaut. Nach Classic und Marc war nun der nächste von dem alten Stamm der Ivory, mit denen er an Bord gekommen war, unter 'seinem' Kommando verschütt gegangen.

Genau genommen hatte es Classic nicht einmal bis dahin geschafft... Als letzte blieb nur noch Llewella. Beim Durchschnitt ein Verlust pro Mission sah es nicht gut für sie aus...

Aber jetzt erstmal begutachtete der Sicherheitler die Frau vor ihm, die sich mit einem süffisanten Lächeln vorgestellt hatte. 'DIE soll Psychologin sein?', streifte ein Gedanke herrenlos durch seinen Kopf. Wenn man bis jetzt keine persönlichen Probleme hatte, konnte die Dame vor ihm sicher Abhilfe schaffen.

Auf einen kleinen Wink des Griechen setzten sich unverzüglich zwei Sicherheitler in Bewegung um das Shuttle zu durchsuchen. Während der kurzen Untersuchung auf etwaige Kuckuckseier im Bauch des Raiders, man konnte nie wissen, musterte er die Frau vor sich noch etwas genauer.

Abgesehen von einem guten Körperbau und einer hypnotischen Frisur konnte er nichts Außergewöhnliches feststellen. Natürlich stand die Frage, was Ysara in einem schrottreifen Raider mitten im Nirgendwo zu schaffen hatte mitten im Raum, aber Pormas verzichtete bis jetzt darauf irgend etwas zu sagen.

Endlich kamen die Beiden aus dem Shuttle heraus und erstatteten dem Südländer Bericht. "Abgesehen davon das der Innenraum des Schiffes einem Saustall gleicht, konnten wir nichts Besonderes entdecken. Das gefährlichste waren Dartpfeile und einige ziemlich verschimmelte Mahlzeiten", ergriff einer der beiden das Wort. Der Klingone, der mit ihm im Shuttle war grunzte noch etwas Zustimmendes.

Mit einem Nicken entließ Pormas die Beiden, die hinter ihm wieder Position bezogen. Dann ergriff er das Wort. "Mein Name lautet Pormas Theocrates. Sie befinden sich auf dem Händlerschiff Privateer. Wir freuen uns, Sie an Bord begrüßen zu dürfen." 'Mehr oder weniger', aber das war nur die gedankliche Fortsetzung.

"Da dieses Shuttle augenscheinlich nicht ihnen gehört werden wir es beschlagnahmen und zu gegebener Zeit der Sternenflotte zurückgeben." 'Mehr oder weniger', aber auch das war nur eine gedankliche Fortsetzung.

"Wie der Zufall es will, wurde die Stelle des Bordpsychologen gerade frei. Ob Sie sie allerdings antreten, wird allein der Captain entscheiden." Damit beendete der Sicherheitler die individuelle Privateer-Einführung. Schiff beschlagnahmt, für weitere Fragen an der Captain wenden, hatte er etwas vergessen?

Ach ja.... "Theocrates an Slade. Habe das Shuttle untersucht. Sieht schlimm aus, aber die Techniker müßten es hinkriegen. In dem Ding selber war noch eine Frau namens Jefferson, die uns ihre Dienste als Psychologin anbietet. Willst du sie sehen, oder soll ich sie erst einmal in die Arrestzelle werfen?" Dabei grinste Pormas Ysara ein bißchen an.

Diese sollte gleich verstehen, daß ihr Stellenwert auf diesem Schiff nicht wirklich hoch war. Aber ein bißchen nachdenklich wurde er bei seinem Verfahren mit der Frau schon. Hatte der Grieche sich doch tatsächlich die Gedankenweise der Händler zu eigen gemacht. Erst Profit, dann der Rest...

Die sogenannte Psychologin zog fragend die Augenbraue etwas in die Höhe, da sie mit den Worten des Sicherheitlers und dem eventuellen unerkannten Witz darin nichts anfangen konnte, und lächelte höflich zurück. Da sie nach ihrer ersten Einschätzung bereits das Interesse an dem Mann verloren hatte, nahm sie seinen aggressiven Tonfall nur am Rande wahr.

Eine Art Piratenschiff also. Nett... ein bißchen schmutzig, soweit sie Rückschlüsse über den Hangar ziehen konnte, aber nett. Froh, dem erdrückend engen Raider entkommen zu sein, lehnte sie sich an seine Außenhülle und sah sich um, während Theocrates auf die Antwort seines Vorgesetzten wartete.

Ysara legte den Kopf schief, als sie am anderen Ende des Raums den katzenähnlichen Beobachter entdeckte, und blinzelte ein wenig. Schön, daß sie zumindest für einen hier Unterhaltungswert hatte. Zu gerne wüßte sie, welcher Spezies er angehörte, doch sie befürchtete, daß die lauernden Sicherheitler ihre Bewegungsfreiheit gerade etwas zu sehr einschränkten, als daß sie es jetzt erfahren könnte.

"Der Raider gehört der Föderation nicht", bemerkte sie nachträglich, noch bevor der Grieche seine Antwort hatte. "Glaube ich zumindest."

Sollten sie die Hotaru haben, wenn sie wollte. Sich bewußt, daß sie nichts würde dagegen tun können, beschloß Ysara, keinen weiteren Gedanken daran zu verschwenden. Etwas müde lehnte sie sich wieder gegen den Raider und verlagerte ihre Position, als der unter ihrem Hemd am Gürtel befestigte Phaser gegen ihren Rücken drückte.

Warum durchsuchte sie eigentlich keiner?

--- Brücke

Der Captain glaubte seinen Ohren nicht zu trauen. Hatte ihn dieser kleine Sicherheitsaffe, der die meiste Zeit in seinem eigenen Krankenbett verbrachte, eben wirklich geduzt? Es wurde wohl Zeit, daß dieser Theocrates endlich verstand, daß sein Stellenwert auf diesem Schiff nicht wirklich hoch war...

"Klar will ich die Frau sehen", schnappte der Anticaner. "Laß sie herbringen. Und wenn du dich traust, mich noch einmal zu duzen, lade ich dich heute Abend als Abendessen ein. Ende der Durchsage."

Zufrieden lehnte er sich zurück und grübelte. Psychologin? Als er Collins eingestellt hatte, schien das noch eine gute Idee gewesen zu sein, aber Slade hatte mittlerweile den Eindruck gewonnen, daß dieser Fremduniversling eigentlich nur den ganzen Tag mit Silvana herumge...

"Sir, sollen wir wieder auf Kurs gehen?", unterbrach ihn der Navigator bei seinen Überlegungen.

"Ja sicher, worauf wartest du? Auf den nächsten Notruf? Abmarsch, aber ein bißchen flott!"

--- Hangar

Resignierend seufzte Pormas ganz leise und kaum hörbar. Er hatte sich von dem Händlerjargon so mitreißen lassen, daß er Slade tatsächlich geduzt hatte. Da das alle Führungsoffiziere taten und der Hüne früher selber einer gewesen war, hatte er es durcheinander gebracht. Aber was sollte es...

"Also gut", überspielte er den Rüffel vor versammelter Mannschaft, "Ysara, Sie kommen mit mir. Murlok und Steffenson, sie durchsuchen das Shuttle noch einmal von der Pike auf, danach können sich die Techniker mal an dem Wrack versuchen. Der Rest kann wieder zurück auf die Stationen."

Beim Rausgehen hielt er die Frau, die mittlerweile mal wieder etwas süffisant lächelte, kurz an. "Einen Moment", sprach er und unterzog sie kurz einer Leibesvisitation. Sie machte keinen bedrohlichen Eindruck, aber dieser konnte wahrlich täuschen...

Dabei stellte er fest, daß sie nicht nur den wohlgeformten Körper hatte, den er schon im Augenschein genommen hatte, sondern doch einen Phaser mit sich führte. "Den lassen wir mal schön hier...", sprach er zu Ysara und zog ihn aus dem Gürtel, wobei er ihr Gesäß aus Versehen ein bißchen streifte.

Er gab den Phaser einem weiteren Sicherheitler. Der Südländer überging diese Entwaffnung ohne großen Kommentar. Da sie ihre Waffe so offensichtlich getragen hatte, war von einem Attentatsversuch nicht auszugehen. Ein Verhör konnte man sich da sparen.

Denn wer trug heutzutage denn keine Waffe?

Kurzentschlossen verließen sie darauf den Hangar.

--- Mizar Prime, irgendwo in der Stadt

Mühsam bewegten sich die zwei Humanoiden durch die verschleimten Straßen dieser unbekannten Stadt.

Zum wiederholten mal verfluchte der behinderte Andorianer den schrägen Humor Captain Monserats.

Nicht nur, daß er sie in Schimpf und Schande von Bord geworfen hatte, nein, er teilte seine ehemalige Besatzung in kleine Grüppchen auf und verteilte sie auf alle Hinterwäldlerplaneten dieses Quadranten.

Zirt hatte das große Los gezogen und Elaine Cooper als Leidensgenossin zugewiesen bekommen.

Am Anfang war das ja noch recht nett gewesen, die Irin und er hatten sich über sein neues Interessengebiet, die Technik unterhalten und sie hatte ihm zusätzlich zu Pino Càrra noch einige praktische Tips geben können.

So konnte er jetzt sogar selbst schon einfachere Holodeckprogramme entwickeln.

Der Spaß hatte aber nur solange gedauert, bis sie entdeckten, daß es auf diesem Planeten der Weichtiere wirklich nur solche gab.

Kein einziger Humanoide weit und breit.

Da sich der ehemalige Schiffswart seit seiner Zeit als orionischer Minensklave nicht mehr sonderlich für Xenobiologie interessierte und der technische und finanzielle Entwicklungsstand dieser Riesenschnecken nicht wirklich erwähnenswert war, begann er sich sehr bald zu langweilen.

Und Cooper begann zu nerven!

Zuerst waren es nur Kleinigkeiten: ein bißchen Schleim auf der Kleidung, die seltsamen Eßgewohnheiten der Einheimischen, ...

Nichts von Bedeutung also.

Leider begann sich die Holodeckdesignerin schnell zu steigern.

Schnell wurde es "sein" Schleim, der ihre Kleidung durchtränkte und bald war er ohnehin alleine schuld an ihrer Misere.

"Zum letzten Mal: ich hab die Ivory nicht gesprengt! Das warst du, indem du trotz Sabotage auf Warp gegangen bist! Du bist schließlich die Technikerin! Ich hatte meinen Job erledigt. Die beiden Attentäter waren bereits gefangen!", beendete der Andorianer eine neuerliche Vorwurfsserie der Irin.

-

Schweigen ...

Elaine war wieder einmal eingeschnappt und beleidigt.

'Hoffentlich hält das jetzt länger an als gestern', dachte der Andorianer hoffnungsvoll.

--- vor der Bar zum gelpen Gulb

Plötzlich blieb Zirt stehen. So abrupt, das Elaine prompt in ihn hineinrannte.

Bevor die Irin erneut zum schimpfen anfangen konnte, zeigte Birril auf die Tafel über der Tür des Gebäudes, vor dem sie standen: "Hey, schau mal. Das ist ja fast Föderationsstandard. Wenn wir wo 'normale' Leute finden, dann hier! Gehen wir rein?"

Elaine schaute ihren Gesellen verblüfft an. "Was ist denn das für eine blöde Frage, natürlich gehen wir dort hinein. Ich würde selbst in diese Bar reingehen, wenn ich wüßte, daß dort Hunderte von Cardassianern auf uns lauern würden." Ein wenig erzürnt über diese Frage schritt sie an dem Andorianer vorbei.

Wenige Schritte weiter blieb sie stehen, da sie merkte, daß Zirt ihr nicht folgte. Entnervt fauchte sie "Na was ist, ich habe Hunger und müde bin ich auch, soll ich dich etwa tragen?"

Zirt schaute der Irin besorgt nach.

Sie mußte wirklich total fertig sein, wenn sie schon so gereizt reagierte.

Er zuckte mit seinen Schultern und zusammen betraten sie die "Bar"

--- Privateer, Holodeck

Zufrieden deaktivierte die Schottin das Computerprogramm des Holodecks, nicht ohne es zuvor gespeichert zu haben. Sie fühlte sich wirklich wohl, endlich hatte sie wieder einmal ein wenig Schottland genossen.

Llewella zog das Plaid über ihrer Schulter gerade, dann verließ sie das Holodeck.

--- Deck 6, Gänge

Nachdem die Rothaarige einige Zeit ziellos durch die Gänge gewandert war, blieb sie vor einem Turbolift stehen. Sie überlegte, was sie nun tun sollte. Eigentlich hatte sie nicht wirklich Lust dazu, ihr Quartier aufzusuchen.

"Computer," rief sie, als ihr ein Gedanke kam. "Wo befindet sich Sternenlicht?"

Die monotone Stimme antwortete ihr: "Sternenlicht befindet sich im Shuttlehangar".

Llewella stutzte. Was tat das Katzenwesen denn dort?

Kurzentschlossen trat sie in den Turbolift und wies ihn an, zum Hangar zu fahren.

--- Turbolift

Als Pormas mit Ysara im Turbolift alleine zur Brücke fuhr, sprach er sie doch noch einmal an. "Mir persönlich ist es ja egal, aber ich würde Ihnen empfehlen nicht allzu respektlos zum Captain sein, oder wie sie Ihre Art mit Menschen umzugehen pflegen nennen mögen. Wie Sie vielleicht bemerkt haben ist er heute nicht gut drauf..."

Der freundschaftliche Tonfall des Mannes überraschte die Psychologin. Womöglich hatte die Möglichkeit, sie zu betatschen, ihm ein Gefühl von Überlegenheit gegeben. Mühsam hatte sie ein anerkennendes Wort unterdrückt, als er nach sekundenlangem Herumfummeln dann doch noch die Waffe fand. Schade, daß der Mann ihr im Nahkampf wahrscheinlich überlegen wäre...

"Ja, mir fiel so etwas auf. Ich danke Ihnen für Ihren Hinweis. Sie können versichert sein, daß ich mein Möglichstes tun und den Captain mit meinem unermeßlichen Charme becircen werde", erwiderte sie sehr trocken. "Wenn es klappt, kann ich mich ja womöglich irgendwann revanchieren. Mit einer Psychoanalyse oder dergleichen..."

Sie machte eine wage Geste. Der Grieche wollte gerade antworten, als der Turbolift bereits wieder zum Stehen kam.

--- Hangar

Zischend glitt die Türe beiseite und Nathalie betrat den Hangar. Sofort hielt sie nach Pormas Ausschau. Doch außer einigen Technikern und einem ziemlich mitgenommenen Shuttle war nichts zu sehen. Früher war es der Zigarettenautomat, der für das mysteriöse Verschwinden einiger Männer verantwortlich war, heutzutage schien ein lädiertes Shuttle diese Aufgabe übernommen zu haben.

Zumindest hatte die Sicherheitlerin mal etwas über diese gefährlichen Automaten in einem historischen Roman gelesen. Doch sie hatte geglaubt, diese alte Gefahr sei längst gebannt.

Als sie gerade eine neue Standortbestimmung durchführen wollte, hörte sie jedoch Geräusche aus dem Inneren und betrat daraufhin neugierig das kleine Schiff.

"... hat sie es sich aber gemütlich gemacht!", hörte sie Steffenson angewidert murmeln. In der Tat war das Innere in einem noch schlimmeren Zustand als es von außen den Anschein gehabt hatte.

"Oh Gott! Was ist denn hier passiert?", fragte sie angesichts des Chaos. Steffenson erblickte sie und erzählte kurz von dem Neuankömmling. Die Sache mit der Leibesvisitation ließ er auch nicht aus und Natty schien es, als hätte er das gerne selbst gemacht. Sie brummte verärgert. 'Wehe, er kommt auf dumme Gedanken! Dann gibt's das Kampftraining mit ihm auf jeden Fall!'

Da sie ihm nicht weiter nachlaufen wollte, beschloß sie dazubleiben und den beiden bei der Durchsuchung des Shuttles zu helfen.

--- vor dem Hangar, zur gleichen Zeit

Gerade als die Schottin aus dem Turbolift trat, sah sie, wie sich die Türen zum Hangar hinter Nathalie Connor schlossen. Es schien, als sei da drin tatsächlich etwas Interessantes im Gange, daß sich alle hier versammelten...

Die hochgewachsene Frau trat auf die Türen zu, die sich zischend vor ihr öffneten.

--- Hangar

Anscheinend war Nathalie auf direktem Wege zu dem sehr mitgenommen aussehenden Raider, der auf der Landefläche stand, gegangen und hatte nicht wahrgenommen, daß noch jemand anders im Hangar stand.

Das der Tür zum Hangar zugewandte Ohr Sternenlichts hatte sich in die betreffende Richtung gewandt, als sich diese öffnete. 'Eindeutig Campbell,' dachte Sternenlicht. Deren Schritte erkannte er mittlerweile ohne größere Probleme.

Llewella wandte sich an den Sivaoaner, der ein kleines Stück vom Eingang entfernt stand.

"Was ist denn hier los?" wollte sie wissen...

In guter terranischer Manier begrüßte der Sivaoaner sie mit einem, verglichen mit seinen sonst fließenden Bewegungen, etwas ruckhaften Nicken. "Hallo Llewella Campbell. Genau weiß ich das auch noch nicht, es scheint aber so, als hätten wir bald ein neues Crewmitglied.

Vor kurzem hat die Privateer diesen Raider aufgelesen. Er war mit Ysara Jefferson besetzt, sie 'fand es sehr freundlich, daß wir sie aufgelesen haben', und fragte, ob 'dieses Schiff nicht zufällig noch einen Bordpsychologen suchte'. Formats hat sie darauf hin zum Captain gebracht. Ganz kurz zusammengefaßt.

Wenn Sie wollen, erzähle ich Ihnen gerne, wie es geschah, ich würde dafür aber einen etwas gemütlicheren Ort vorziehen."

--- Brücke

Ysara vergaß den Gedanken mit dem Charme. Der Captain, unschwer erkennbar durch Größe und Position auf dem entsprechenden Sitz, war ein Anticaner. Nun, sie war keine ausgesprochene Tierfreundin, aber dennoch verspürte sie eine instinktive Antipathie gegen jeden, der Fleisch aß, ohne vorher zumindest die Haare zu entfernen...

"Schönen guten Tag", grüßte sie, als Slade sich nach ihr umwandte. Sie setzte eine Art Lächeln auf, gab sich jedoch wenig Mühe, es entgegenkommend erscheinen zu lassen. Immerhin hatte der Mann ihren Raider beschlagnahmt. Oder den Raider, in dem sie unterwegs war. "Ich bin Ysara Jefferson, die Pilotin des Raiders. Es war äußerst zuvorkommend von Ihnen, auf meinen Notruf zu reagieren."

Das sollte als Begrüßung reichen. Die Terranerin verschränkte in einer gewohnten Geste die Arme hinter dem Rücken und harrte dem, was da kommen mochte.

Sadaja hatte sich neben der Tür postiert und hatte die ganze Brücke voll unter Kontrolle - in ihrer Verantwortung lag Slades Leben, und sie wollte sich gerade bei dieser Aufgabe nicht durch Unachtsamkeit als unfähig erweisen.

"Stimmt. Es war ein ziemlicher Umweg, der uns einiges an Zeit gekostet hat", übertrieb Slade. Da Smalltalk nicht gerade seine Stärke war, fuhr er fort: "So, Sie wollen also bei uns als Psychologin arbeiten. Das schlagen Sie sich mal aus dem Kopf. Der letzte Psychologe hatte hier kaum etwas zu tun, deshalb werde ich sicher seine Stelle nicht nachbesetzen.

Ich bin natürlich bereit, Sie bis zum nächsten bewohnten Planeten kostenlos mitzunehmen - das ist ja wohl die übliche Verfahrensweise für steuerlos im Raum treibende junge Frauen. Leider handelt es sich bei diesem Planeten um ein ziemlich langweiliges Loch, wo Sie nur sehr schwer wieder wegkommen.

Zwei Möglichkeiten kann ich Ihnen anbieten: Entweder Sie schleppen einen Haufen Latinum mit sich herum, mit dem Sie Ihre Reise bezahlen können, oder Sie arbeiten für mich. Wie schon gesagt, kann ich keine Psychologin brauchen, aber vielleicht habe Sie ja noch andere Fähigkeiten? Naja, und wenn nicht, bei Narbo können Sie sicher unterkommen..."

Slades bellendes Lachen begleitete seine letzten Worte.

Ysara wartete in aller Ruhe ab, bis der Captain verstummte.

"Ich könnte Ihnen ein Shuttle als Bezahlung anbieten, aber das haben sich Ihre Sicherheitler bereits unter den Nagel, fürchte ich", erwiderte sie mit einem flüchtigen Blick auf Pormas.

"Tatsächlich habe ich eine Vielzahl verschiedener Fähigkeiten. Beispielsweise bin ich durchaus qualifiziert, als Krankenschwester zu arbeiten. Ich kann mir auch gerne diesen Narbo ansehen, aber Ihrem Lachen zufolge bin ich mir sicher, daß es mir dort nicht sehr gut gefallen würde."

Die Terranerin überlegte einen Augenblick. Zwar hatte sie das Verlangen, weiterhin als Psychologin zu praktizieren schon seit etwa zwei Wochen abgelegt, sich jedoch auch keine weiteren Gedanken über Alternativen gemacht. Jedenfalls hatte sie ein eher geringes Verlangen danach, mit diesem Griechen zusammenzuarbeiten.

"Ich glaube nicht, daß Sie einen Musiker an Bord brauchen können, aber zur Not kann ich auch damit dienen.", entschied sie sich schließlich noch, hinzuzufügen.

"Musiker...", sinnierte Slade. "Setzen Sie sich mal mit Narbo in Verbindung, das ist der Betreiber der hiesigen Bar. Vielleicht zahlt er Ihnen was dafür, wenn sie ab und zu etwas von Ihrer Kunst vortragen. aber achten Sie darauf, daß er Sie nicht schon beim ersten Gespräch Gesprächsgebühren zahlen läßt - er ist ein Ferengi, Sie verstehen.

Aber Krankenschwester hört sich gut an. Gehen Sie mal zur Krankenstation runter, der Leiter ist zwar gerade nicht da, aber gerade deshalb könnten Sie sich vielleicht etwas nützlich machen. Sobald wir ihn dann wieder aufgenommen haben, kann er entscheiden, ob er Sie behalten will oder nicht."

Der Anticaner bedauerte etwas, daß Narbo sie wohl nicht würde überreden können, bei ihm zu arbeiten, denn die Frau sah wirklich nicht schlecht aus...

"Ich denke, die Krankenstation sagt mir doch weit mehr zu", erwiderte Ysara mit einem Gedanken an ihre bisherigen Erfahrungen mit Ferengi. Wobei ihr Ferengi noch lieber waren als beispielsweise Klingonen. Womöglich würde sie ihre Oo-Mox Kenntnisse etwas auffrischen müssen.

"Dann bedanke ich mich und will nicht weiter ihre Zeit beanspruchen", fuhr sie schließlich fort, obwohl der Captain sie ohnehin bereits wieder fast vergessen zu haben schien. Im Gegensatz zu der reptilienartigen Frau in der Nähe des Turbolifts, die sie nicht aus den Augen ließ. "Auf Wiedersehen"

Die Psychologin war sich allerdings noch nicht ganz schlüssig, ob sie wirklich auf das Wiedersehen hoffte. Sie konnte sich ein paar angenehmere Aufenthaltsorte vorstellen als ein Schiff voller so zweifelhafter Subjekte. Andererseits, fiel ihr verspätet ein, gab es auch unangenehmere. Etwa Föderationsschiffe oder solche, die sich dafür hielten.

Mit einem abschließenden Nicken wandte sie sich um, ging hinüber zum Turbolift und wartete darauf, daß Pormas ihr folgte, bevor sie eintrat.

--- Turbolift

Nachdem sie dem Computer ihr Zieldeck entlockt hatte, wandte sie sich wieder an den Griechen. "Und bringen Sie mich nun auch zur Krankenstation, oder darf ich da jetzt schon ganz alleine hin?", fragte sie und zog auf alles gefaßt eine Augenbraue in die Höhe.

--- Mizar Prime, Bar zum gelpen Gulb

Instinktiv blickte Silvana über ihre Schulter, als sie mal nicht das schlurfende Geräusch der sich bewegenden Schleimdinger wahrnahm, sondern ausnahmsweise Schritte.

Die ersten seit langer Zeit.

Ein seltsames Paar kam in die Bar.

Ein Andorianer, der Dank seines verbliebenen Fühlers wunderbar in diese Schneckenwelt paßte und eine rothaarige Terranerin, die sich mit einem griesgrämigen Gesicht umsah, als wäre ihr eine dieser Schnecken über die Leber gelaufen.

Da sie nicht gerade danach aussahen, als hätten sie ihr Shuttle vor der Tür geparkt oder würden gerade einen Ausflug unternehmen, sah sich Silvana auch nicht veranlaßt sie näher zu begutachten und blickte wieder zu Kargan, dessen Mine Interesse und Neugier zeigte.

"Wenn du willst, kannst du sie dir ja mal ansehen", meinte Silvana und deutete mit ihren Kopf in Richtung Eingang. "Aber es würde mich schwer wundern, wenn sie uns hier weghelfen könnten."

Da der Klingone so etwas wie Anstalten zeigte aufzustehen, packte sie ihn am Arm und fügte leise und eindringlich hinzu: "Aber untersteh dich und fang dir etwas mit der Rothaarigen an. Der Andorianer sieht nicht gerade danach aus, als wenn er viel aushalten könnte..."

Kargan hatte noch etwas weiche Knie - ob das vom Alkohol oder Silvanas Spazialgymnastik stammte, konnte er nicht sagen. Er beschloß deshalb, sitzen zu bleiben.

Jedenfalls würde er sich hüten, die durchschnittlich aussehende rothaarige Frau näher anzuschauen - in ihrem eigenen Interesse, denn er konnte sich ausmalen, wen Silva im Falle eines Falles als Erstes aus dem Weg schaffen würde.

Nein, er beschloß, einfach nur höflich zu sein. Überhaupt - warum sollten sie ihnen nicht hier weghelfen können?

"Willkommen am Ende der Welt! Ich bin Kargan, diese faszinierende Frau hier heißt Silvana", rief er den Beiden entgegen, die sofort auf ihren Tisch zusteuerten. "Wie kommen Sie hierher? Und noch viel wichtiger: Wie kommen wir wieder von hier weg?"

"Hallo! Mein Name ist Zirt Birril und das hier", der Andorianer machte eine Geste in Richtung der erheitert schauenden Elaine, die es nicht fassen konnte, daß Zirt sich so einfach zu ihrem Sprecher machte, "ist Elaine Cooper."

Der ehemalige Dieb hatte den Gesichtsausdruck seiner Begleitung sehr wohl mitbekommen und versuchte erst gar nicht, sein schadenfrohes Grinsen zu verhehlen.

Erneut wandte er sich wieder an den Klingonen und die exotisch anmutende Frau, die er mit einem Nicken bedachte: "Wie wir hier herkommen? Nun, wir hatten eine kleine Meinungsverschiedenheit mit unserem Captain, der uns kurzerhand hier ausgesetzt hat.

Wir hatten schon die Hoffnung auf eine Transportmöglichkeit von diesem ... 'Planeten'", dieses Wort stieß der Andorianer äußerst angewidert hervor, "aufgegeben, als wir Sie sahen.

Wie wir hier wegkommen? Das wollte ich eigentlich Sie fragen ..."

Entschuldigend sah er zu seinem Gegenüber.

Silvana verkniff sich eine spöttische Bemerkung, daß sie den Captain gut verstehen konnte, aber immerhin schienen die beiden zumindest witzig genug zu sein um ihnen die Zeit bis Slade antrabte kurzweilig zu gestalten und sie wollte sie nicht gleich verschrecken.

Es war immer schön ein Pärchen sich streiten zu sehen.

Und daß die beiden ebenso keine Ahnung hatten wie man von hier wegkam, das hatte sie nie anders eingeschätzt.

"Ich denke, dann mußt du deine Hoffnung gleich wieder aufgeben. Es sei denn, du schließt dich unserer an, daß es noch edle Leute im Universum gibt, die ein Versprechen auch einhalten." Leicht amüsiert kippte sie den nächsten Drink hinunter und stellte ihn neben das andere leere Glas.

Gelangweilt wippte sie mit der linken Stiefelspitze ihrer übereinandergeschlagenen Beine und dachte daran, was sie nach den ganzen Cocktails wohl am Liebsten tun wollte.

Die Fliegen in den Schleimspuren beim Todeskampf zu beobachten.

Eine Unterhaltung mit dem blauenhäutig-rothaarigen Gespann anzetteln...

oder doch lieber zum zweiten Mal für heute nach oben gehen und Kargans letztes Wundpflaster aufbrauchen...

Zirt grinste die Frau verschmitzt an: "Selbst wenn wir hier Jahre warten müßten, ist es hier in diesem Lokal immer noch besser als dort draußen, wo es wirklich nur Schleim gibt!

Wie ist denn hier der Alkohol?"

Mit diesen Worten nahm er an einem benachbarten Tisch Platz und sah sich nach etwas kellnerähnlichem um.

Elaine war offensichtlich an etwas mehr als an guten Getränken interessiert.

Freundlich sah sie ihre beiden Gegenüber an, bevor sie höflich fragte: "Entschuldigung! Was meinten Sie denn mit Versprechen? Haben Sie vielleicht eine, wenn auch geringe Hoffnung auf Rettung von hier?"

"Solange man nicht weiß, woraus der Alkohol hier gemacht wird, schmeckt er gut", antwortete Kargan auf die erste Frage des Andorianers. "Nein, fragen Sie gar nicht erst, mir schmeckt das Zeug noch.

Tabletts haben sie hier noch nicht erfunden, also bedienen Sie sich entweder selber an der Bar, oder Sie genießen den zart duftenden Schleim der violetten Kellnerin in Ihrem Glas. Medizinisch ist das kein Problem, ich habe genug davon analysiert. Was anderes bleibt einem hier ja nicht übrig."

Dann lachte er bitter auf, nippte an seinem Mizar Slimerise und fuhr fort: "Versprechen. Ha. Wir haben einem kleinen Schmuggler eine Nachricht mitgegeben. Entweder er liefert sie ab, oder wir werden hier sehr lange Zeit haben, zum ersten örtlichen Alkoholproblem zu werden."

Zirt schauderte kurz, als seine Phantasie im einige mögliche Bestandteile des Gebräus vorgaukelten.

"Keine Angst ich frage nicht..." Er sah zur 'Bar'. "Dann eben Selbstbedienung."

Er sah alle Anwesenden der Reihe nach an: "Ich werd mich hier mal zum Barkeeper befördern. Wer will was?"

Elaine, die ähnliche Bedenken über die Herstellung der Getränke plagten erwiderte spontan: "Für mich nur ein großes Glas Wasser."

Silvana winkte ab.

Das sich betrinken war heute ebenso langweilig wie gestern und vorgestern. Mit dem Unterschied, daß jetzt höchstens kein eingetrockneter Schneckenschleim an ihrem Glas kleben würde, sondern zusätzlich Andorianer-Abdrücke...

Vom Abspülen schienen die Schnecken hier nicht besonders viel zu halten.

Dafür einige Anwesenden umso mehr von Wasser...

Die Sicherheitschefin konnte sich ein belustigtes Grinsen nicht verkneifen, sah dabei aber in keine bestimmte Richtung. Die Lady war sicher der Grund warum beide vom Schiff geflogen sind. Nicht viele Captains liebten solche Püppchen...

Sie zog aus Langweile eines ihrer Wurfmesser aus dem Stiefel und begann es zwischen den ausgestreckten Fingern ihrer linken Hand tanzen zu lassen.

Präzision in Vollendung. Für sie nur ein Spiel.

Zirt war wie hypnotisiert von den Übungen der Exotin.

Mit dieser Fingerfertigkeit wäre sie die geborene Taschendiebin. Sie war sogar viel besser als der Andorianer mit seinen nicht unbeträchtlichen Fähigkeiten und Erfahrungen.

"Was ist jetzt mit dem Wasser?", hörte er Elaine von der Seite.

'Mist, das hab ich ja jetzt ganz vergessen!', dachte der Andorianer, "Ok, ok, kommt ja schon. Sie sind hier nicht die einzige Durstige."

Schnell ging er zu Bar, und begann eines der Gläser vom Schleim zu reinigen. Dafür benutzte er ein Taschentuch, das er Elaine vorher abgenommen hatte. Er mußte ja schließlich in Übung bleiben.

Elaine war genervt. Das war ja wieder typisch Mann! Kaum tauchte eine hübsche Frau auf, hatten sie nur noch Augen für die und alles andere war vergessen. Wie ein Kind, das ein neues Spielzeug entdeckte. Aber waren nicht alle Männer Kinder?

Bei diesen Gedanken, mußte sie an Gene denken, und sie merkte, wie sich ihr Herz vor Schmerz und Sehnsucht zusammenzog. Noch immer hatte sie den Verlust seiner Anwesenheit nicht überwunden, doch sie mußte sich eingestehen, daß es ihre Entscheidung war, die Beziehung zu beenden, da sie seiner Zukunft nicht im Wege stehen wollte.

Um ihre Gefühle, die sie zu übermannen drohten, keinen Weg zu bieten, wandte sie sich an den freien Tisch links neben dem Klingonen. Er sah sehr brüchig, außerdem nicht sehr stabil aus, trotzdem war es die einzige Möglichkeit in der Nähe dieser beiden Personen zu bleiben.

Elaine hatte das instinktive Gefühl, daß die Frau ihr gegenüber sehr gefährlich und daß mit ihr nicht sehr viel zu spaßen war, aber aus einem Instinkt heraus spürte sie, daß Silvana die Anführerin der beiden zu sein schien. Sie besaß eine ausdrucksstarke Autorität, gepaart mit bewundernswerter Selbstdisziplin.

Entschlossen wandte sie sich daher direkt an sie: "Gesetzt dem Fall, es kommt wirklich ein Schiff, um Sie abzuholen. Was müßten ich und der Andorianer tun, damit Sie uns mitnehmen?"

--- Privateer, Quartier des Captains

"Sir, der Captain der USS Calgary wünscht Sie zu sprechen." Die Stimme kam Slade jedesmal blonder vor.

"Was will er denn?", knurrte der Captain der Privateer, legte das klingonische Zwergwiesel zur Seite und wischte sich das Blut von der Schnauze.

"Sir, SIE, Captain Cynthia Sweep, möchte unter vier Augen auf einem abgesicherten Kanal mit Ihnen reden."

Das war mehr als ungewöhnlich. Slade hatte an alles Mögliche gedacht, von einer Routinekontrolle seines Laderaums bis hin zu einer offiziellen Beschlagnahme 'seiner' beiden Föderationsshuttles. Aber das rechtfertigte alles nicht ein Gespräch auf einem abgesicherten Kanal.

Neugierig geworden, befahl er, einen solchen Kanal einzurichten, und prompt erschien das harte Gesicht einer etwa fünfzigjährigen menschlichen Frau auf seinem Terminal. Die rote Captainsuniform saß perfekt, das graue Haar war militärisch knapp geschnitten, und der eisblaue Blick ihrer Augen ruhte auf einem Padd, das sie in der Hand hielt. Offenbar befand sie sich nicht auf der Brücke ihres Schiffes, sondern in ihrem Bereitschaftsraum.

Als sie Slade anschaute, fühlte er sich in seine Schulzeit zurückversetzt - sie hatte es geschafft, ihn mit einem einzigen Blick in die Defensive zu drängen. Er tat, was er immer in solchen Situationen tat: Er griff an.

"Was gibt es?", blaffte er die Frau an. "Sie halten uns auf, wir befinden uns zur Zeit auf einer Rettungsmission, und können uns keine Verzögerung erlauben!"

Die Konsistenz ihres Blickes wechselte von Wassereis zu Kolendioxyd-Schnee. "Wenn ich an Ihrer Stelle wäre, würde ich sehr vorsichtig sein, was ich sage. Es kostet mich buchstäblich nur einen Knopfdruck, und Ihre Handelslizenz wird genauso eingezogen wie die Lizenz zum Führen eines ehemaligen Föderationsschiffes, während Sie für die nächsten dreißig Jahre in eine föderative Strafkolonie wandern. Soll ich?" Ihr rechter Zeigefinger schwebte etwa drei Zentimeter über einer roten Kontaktfläche auf ihrem Schreibtisch.

Slade erstarrte. Was konnte man ihm vorwerfen? Er hatte (soweit er sich erinnerte), nichts getan, was solche Schritte rechtfertigte. Deshalb antwortete er: "Moment, Moment. Das muß ein Mißverständnis sein. Ich bin doch nur ein kleiner Händler, der..."

"...genau weiß, wo interessante Waren zu günstigsten Preisen angeboten werden, richtig? Hm, vielleicht hilft Ihnen dies hier auf die Sprünge..." Mit diesen Worten hielt Captain Sweep einen kleinen Gegenstand hoch, der das Licht so reflektierte, daß Slade zuerst gar nicht erkennen konnte, um was es sich handelte.

Als er es dann erkannte, schaute er Sweep nur fragend an: "Und?"

Sie erklärte es ihm.

Ausführlich.

--- Brücke, viel später

Der Captain schlich auf die Brücke und ließ sich in seinen Sessel fallen. Seine Stimme klang heiser, als er fragte: "Wie lange noch, bis wir Silvana und Kargan erreichen?"

Der Steuermann erwiderte: "Drei Stunden und acht Minuten bei Warp fünf."

"Und bei Maximumwarp?"

"Zweiundzwanzig Minuten, S...Slade." Gerade noch rechtzeitig erinnerte sich der junge Mann daran, daß Slade es haßte, mit 'Sir' angesprochen zu werden.

"Wir gehen auf Maximumwarp."

Und vergaß es sofort wieder: "Sir, innerhalb der Föderationsgrenzen ist es nur mit Sondergenehmigung erlaubt, Warp 5 zu überschreiten!"

"Ich weiß." Slade machte den Eindruck, um Jahre gealtert zu sein. "Die Genehmigung haben wir. Abmarsch. Und wenn Kargan an Bord ist, will ich diesen Hurensohn SOFORT sehen. Ist das klar???"

--- Mizar Prime, Bar zum gelpen Gulb

Es war das erste Mal, daß Silvana den Kopf schwenkte und die Rothaarige eingehend aus der Nähe betrachtete. Ihre gelben Pupillen wirkten dabei wie die eines Raubtieres, das jeden Moment zuschlagen würde und ihr Blick war dabei ebenso undurchschaubar wie ihre Gedanken.

Vielleicht etwas, das jemand wie sie erst zu einer nicht zu unterschätzenden Gefahr machte.

Für einen Augenblick sah es so aus, als würde etwas sehr Böses von ihr ausgehen, dann verschwand der Eindruck wieder. Sie war auch eine Katze und wollte mit ihrer Beute spielen, statt sie töten.

Die beiden hatten Glück, in der Hinsicht war sie nicht hungrig.

Jedenfalls noch nicht...

"Es gibt einiges, was du tun könntest", meinte Silvana und bleckte ihre strahlend weißen Zähne. "Falls du an etwas wie an einen Gott glaubst, dann könntest du beten, daß wir überhaupt je abgeholt werden. Du könntest auch versuchen uns davon zu überzeugen, daß wir euch brauchen und ihr uns nicht ebenso lästig fallt, daß wir euch auf einem Schneckenplaneten im Nichts aussetzen."

Das Messer, das federnd im Tisch stecken blieb unterstrich ihre Worte auf seine eigene Weise und die letzte Option, die sicher niemand wirklich wissen wollte.

Zirt, der gerade noch drei weitere Gläser geputzt hatte, fuhr herum, als er den Aufschlag des Messers in der Tischplatte vernommen hatte.

Der Andorianer hatte sehr wohl die Worte der Irin vernommen. Sei es, daß er deren Art schon gewohnt war, aber eigentlich hatte er nichts Beleidigendes darin bemerkt.

'Auf wen haben wir uns denn da schon wieder eingelassen?', dachte der Blauhäutige besorgt als er die Exotin, der Irin gegenüber musterte.

Er hatte das unbestimmte Gefühl, daß ein Raum voller hungriger Kampfratten eine angenehmere Gesellschaft und vor allem leichter zu handhaben war.

'Ob Elaine weiß, auf was sie sich da eingelassen hat? Vielleicht kann ich die Situation entschärfen.' Mit diesen Gedanken schnappte er sich ein Tablett, stellte die jetzt gefüllten Gläser darauf und schlenderte damit zu der kleinen Gruppe.

Unterwegs fiel im auf, daß sich plötzlich alle Einheimischen auf dicken Schleimspuren verzogen hatten. 'Die Schnecken dürften einen guten Gefahrensinn haben', dachte Zirt noch belustigt, während er den Tisch erreichte.

"Ich mische mich mal in das Gespräch ein, nachdem es anscheinend auch um mich geht. Wenn das ein beginnendes Bewerbungsgespräch ist: Ich verstehe ein bißchen was von allem.

Ich bin ein leidlicher Barmann, kenn mich etwas mit Technik und Transportern aus, bin ein echt großes Licht als Hausmeister, ich kann mich leidlich meiner Haut wehren, auf dem letzten Schiff begann ich eine glänzende Kariere als Kammerjäger für Ungeziefer der ganz großen Art und ach ja, ich bin ein wirklich guter Dieb", mit diesen Worten stellte er je ein Glas vor die Anwesenden, behielt sich eines selbst und sah erwartungsvoll mit einem leichten Schmunzeln in die Runde.

'Entweder stehen sie auf diese Art von Humor oder ich bin jetzt tot!', dachte er noch in einem Anflug von Sarkasmus.

Nach einem kurzen prüfenden Blick zog sich über Silvanas Gesicht ein breites Grinsen und schließlich lachte sie dunkel und rauh auf. Ein Lachen in das auch Kargan einfiel, der gerade dabei war ihren Bißabdruck von letzter Nacht wieder einmal zu behandeln, damit nicht jeder an Bord gleich erkannte wessen Eigentum er auf dem Planeten gewesen war.

"Du gefällst mir. Ich mag ehrliche Leute... zumindest wenn sie gelernt haben Respekt zu zeigen und mich nicht mit lebensmüden Handlungen zu belästigen." Noch einmal musterte sie den Andorianer eingehend und ließ sich dabei seine Worte durch den Kopf gehen.

Er war nahezu ideal. Fast schon zu ideal.

Barmann und Dieb.

Interessanterweise fiel ihr dabei sofort ein gewisser Ferengi ein, der über ein solches Mitbringsel sicher sehr erfreut sein würde. Haßte er es doch wie die Pest, wenn sich jemand an seinem Eigentum vergriff.

Und immerhin hatte er wieder etwas Abwechslung verdient, nachdem ihm jetzt eine regelmäßige Hilfe ausgefallen war.

Sofort verdrängte Silvana wieder jeglichen Gedanken an Collins.

"Ich denke, ich hab da sogar einen Job für dich, wenn ich erstmal wieder an Bord bin. Und es wird kein Problem sein, meinen Einfluß beim Captain geltend zu machen, damit du mitkommen kannst. Besonders, da du gelernt zu haben scheinst, wie man auf sich aufpaßt. Denn das kann auf einem Schiff wie der Privateer lebensrettend sein..." Ihr Blick fiel wieder auf die Rothaarige, die sich an ihrem Wasserglas festhielt.

"Falls sie auch auf sich aufpassen kann, dann nimmt Slade sie vielleicht als zahlender Passagier mit, falls sie nicht mehr kann, als sie uns bisher geschildert hat. Er hat immerhin nur eine Allergie auf Tribbles." Süffisant grinsend, wandte sie sich dann wieder Kargan zu, der bisher den großen Schweiger gemimt hatte.

"Oder was meinst du: Kennst du einen Job für den sie geeignet wäre? Narbo würde durchdrehen, wenn wir ihm noch so eine bringen..."

Kargan hatte geistesabwesend eine einigermaßen tiefe Wunde zum dritten Mal äußerlich desinfiziert - innerlich besorgten das die Drinks - als ihn Silvanas Frage aufrüttelte.

Er schaute Elaine an und erwiderte trocken: "In der Bar würde sie sicher eine gute Figur machen, aber ich glaube, Narbo hat was gegen Rot. Hm - Sicherheit? Nein, inzwischen habe ich einen Blick dafür, wer von dir genommen und wer verstümmelt wird. Sie fällt mehr in die zweite Kategorie."

An die Terranerin gewandt meinte er: "Aber ich glaube, Sie haben uns noch gar nicht gesagt, was Sie so können."

Elaine war noch immer von den auffallenden Augen, die einer Katze ähnelten und der totalen Selbstbeherrschung dieser hochgewachsenen Frau fasziniert, so daß sie die Frage von dem Klingonen zuerst gar nicht verstanden hatte.

Sie benötigte einige Sekunden um sich von dem Anblick zu lösen, und ihre Aufmerksamkeit bewußt auf den muskulösen Mann zu richten, der sie mit einem durchdringenden Blick fixierte.

"Ich bin eine ausgezeichnete Technikerin mit dem Spezialfach Holodeckdesign. Ich bin erfinderisch und sehr wißbegierig, daher ermögliche ich dem Holodeck laufend neue Möglichkeiten die vielen Leuten schon ihre kühnsten Phantasien und Begierden erfüllt haben. Dazu bin ich lernfähig, teamorientiert und entdeckungsfreudig.

Leider muß ich gestehen, daß ich nicht mit dem Andorianer mithalten könnte, was das diebische und betrügerische Handwerk betrifft und auch kann ich Ihnen versichern, daß ich eine miserable Bardame abgeben würde, da ich in dem Balancieren von Gläsern nicht sehr geschickt agiere."

Mit einem kurzen prüfenden Blick zur Silvana hin, fuhr sie zu Kargan gewandt fort: "Selbst wenn ich mit Waffen und dergleichen umzugehen wüßte, würde ich eine Beschäftigung in der Sicherheit ablehnen, denn...", sie lächelte Silvana entschuldigend an, "ich spiele nicht gerne ein lebendiges Ziel. Das lehne ich konsequent aus gesundheitlichen Gründen ab."

Elaine überlegte kurz ob sie was vergessen hatte zu erwähnen doch sie fand nichts Erwähnendes mehr, daher begann sie in ihrer neben sich stehenden Tasche zu kramen, und fand nach wenigen Sekunden das, was sie wollte.

Es war ein Padd, welches sie der Frau mit einem warmen freundlichen Lächeln überreichte.

"Wenn Sie Interesse haben, hätte ich hier einige Referenzen vorzuweisen."

Silvana lächelte über die gesundheitlichen Bedenken der Rothaarigen und nahm das Padd an sich, aber nur um es an Kargan weiterzureichen, ohne überhaupt einen Blick darauf geworfen zu haben.

"Technik ist nicht mein Fall. Und Simulationen gefallen mir nur, wenn sie mich auch fordern. Abgesehen davon ist es mir natürlich oft lieber mit starken Hologrammen zu kämpfen, als schwachen realen Gegnern und ich hätte nichts dagegen, wenn mich eine Simulation mal überraschen würde und ich sie nicht immer selbst programmieren muß...

Was aber das betrügerische und diebische betrifft, so wirst du es auf der Privateer rasch von selbst lernen. - Und was die Erfüllung meiner Begierden betrifft, so halte ich mich da doch lieber an etwas aus Fleisch und Blut." Ihre Augen funkelten anzüglich, während sie Kargan einen Seitenblick zuwarf.

"Aber ich denke du hast Glück. Techniker können wir immer brauchen." Im Geist war sie auch davon überzeugt, daß es um die Technik an Bord schwach bestellt war, wenn Leute wie KWinh sofort den Posten eines Leiters bekamen.

An Bord zurück würde sie wirklich Narbo auf ihn ansetzen. Der Ferengi hatte schon wesentlich trägere Zungen gelöst. Wenn auch manche erst mit seinem Messer und einem heimtückischen Angriff von hinten.

"Dein Freund scheint echt gute Dienste als Kammerjäger zu leisten. Die Schnecken scheinen sich alle verzogen zu haben...", meinte sie nach einem Rundblick durch die Bar und beobachtete wie sich ein Grinsen über das Gesicht des Diebes ausbreitete.

Dann sagte sie plötzlich: "Ich hoffe, ihr beiden habt keinen Nachwuchs geplant. Ich hasse kleine Bälger..."

Elaine und Zirt sahen Silvana sprachlos vor Entsetzen an.

Langsam wanderten Ihre Blicke zu einander und sie begannen sich von oben bis unten zu mustern.

Vor Elaines Augen zogen noch einmal die Highlights ihrer gemeinsamen Zeit an Bord der Ivory vorbei: Zirt in seinem schrägbuntem Paradiesvogel Sommer-Outfit, Zirt, wie er sie zum Lachen brachte, wie sie zusammen die Riesenratten bekämpften... und wie er in der Mannschaftsmesse den Dreck nach einer allzu exzessiven Party wegräumte. Sie mußte sich eingestehen, daß sie den Kerl mochte, egal wie schräg und schlitzohrig er auch sein mochte, doch ihn lieben, das Leben mit ihm verbringen, das Bett mit ihm teilen und Kinder?

Bei diesem Gedanken erschauderte sie unwillkürlich. Nein! Nie und nimmer!

Auch der Andorianer dachte kurz über seine Gegenüber nach: Hübsch und attraktiv war sie ja. Zirt konnte sich auch durchaus ein sexuelles Abenteuer mit ihr vorstellen. Dann allerdings erinnerte er sich an die letzten Tage und wie anstrengend Elaine da gewesen war.

'Nein, kein Sex der Welt ist das wert!', dachte der Dieb und erschauderte ebenfalls heftig.

Fast synchron riefen beide überzeugt: "Nein, niemals!"

Auch Kargan hatte keinen Blick auf das Padd geworfen, und wollte es mit den Worten "Ich verstehe auch nichts von Technik" zurückgeben. Aber gerade noch rechtzeitig bemerkte er, daß diese Worte nun eine andere Bedeutung implizieren könnten. Deshalb sagte er nur:

"Als simple Technikerin kommen Sie sicher bei uns unter. Aber wieso Holodeckdesigner? Ich dachte, ein Holoprogramm könnte jeder technische Depp zusammenschrauben. Hab ich ja selber schon oft geschafft..."

--- Privateer, Narbos Bar, Hinterzimmer

Schon seit seiner Rückkehr an Bord hatte der Ferengi auf diesen Moment gewartet: Slades Spitzel waren ihm sicher im Nacken gewesen, hatten versucht jeden Millimeter seines Shuttles zu scannen, aber in einer rostigen Kiste in einem nicht abgeschirmten Raum suchte bestimmt niemand.

Nachdem dieses lebende Schamhaartoupet wie aus dem Nichts aufgetaucht war, um sofort alles hochzubeamen, war Narbo nichts anderes übriggeblieben, als ein klein wenig zu unterschlagen. Dank seiner Sensoren hatte er es gefunden: Klein, unscheinbar und schlicht, aber eine noch nicht bekannte Energie ging von dem Gegenstand aus, der wie die Sichel eines Mondes geformt war.

Zwar hatte der Ferengi noch keinen Schimmer wozu es gut war - hatte es ja auch ein ganz anderes Design, als der restliche Hightech-Schrott - aber jetzt würde er es herausfinden!

Verschwörerisch öffnete er den alten Kasten, dessen Scharniere laut quietschten und starrte hinein: Genau wie er es in Erinnerung hatte!

Rasch nahm er es heraus, begutachtete es aufmerksam von allen Seiten entdeckte aber nichts, was auf den Zweck oder gar die Benutzung hindeutete.

Bisher hatte er vermieden, den Gegenstand zu berühren, benutzte stets nur sensible Antigrav-Systeme. Eigentlich wäre es auch nun besser, das Gerät liegen zu lassen...

'Ach, Scheiß drauf!', zischte Narbo innerlich und löste es gierig vom roten Samtboden der Schatulle...

--- Hinterzimmer, 27 Sekunden später

Stöhnend stand der Ferengi vom Boden auf, um sich sofort an den glühend heißen Kopf zu fassen, der sich wie ein brennender Reaktor anfühlte. Ein rascher Blick in einen Spiegel zeigte ihm entsetzt, daß ein geheimnisvolles Zeichen sich in seine hohe Stirn eingebrannt hatte!

Eine Sichel, umgeben von einem Sternenkreis, der zu zerstrahlen schien - Narbo hatte dieses Symbol noch nie gesehen und in diesem Augenblick wurde er sich bewußt, daß er keine Erinnerung an die letzten -

'Verdammt, vielleicht sind es Tage oder gar Monate!', fluchte er plötzlich, als sich die schmerzende, ja spöttische Wahrheit aufdrängte, noch nicht einmal den Zeitraum der verlorenen Gedanken zu kennen.

Wie war er auf den Boden gekommen?

Und woher zum Henker stammte dieses Sichel-Dings auf seinem Schädel?

"Computer, identifiziere das Brandmal auf meiner Vorderschädel...und finde auch gleich raus, wie man die Wunde möglichst unauffällig wieder entfernen kann. Nicht auszudenken, was passiert, wenn Silvana davon erfährt...", wies er den Schiffsrechner an, um dann in einem undeutlichen Nuscheln bestehend aus innerem Zwiegespräch und Verwünschungen zu versinken.

"Analyse komplett; bei dem Symbol handelt es sich um das stilisierte Zeichen der Osgileath. Die Brandwunde kann aufgrund der unbekannten Ursache nicht entfernt werden", meldete der Blechhaufen kurze Zeit später emotionslos, während Narbo im Dreieck sprang.

"Wer im Namen der Ferengiallianz sind diese Osgileath?", schrie der Ferengi den Rechner an, wurde sich dann klar, daß seine Stimme durch die geringe Panzerung der Wände vielleicht noch in der Bar zu hören war und fügte so flüsternd hinzu, "ich möchte alles wissen!"

"Keine Eintragung vorhanden"

Zwei kleine Worte lösten eine Eruption im Innern des Barbesitzers aus, während die mit rotem Samt ausgepolsterte Schatulle mit ihrem mysteriösen Inhalt hinter drei Kisten cardassianischem Fischbier unbemerkt liegen blieb.

Aber ihre Herren waren schon auf dem Weg

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