--- Privateer, Brücke
Slade schaute ungeduldig auf den Chronometer. "He, Baby, immer noch keine Reaktion vom Planeten?"
"Nein, Sir!", zwitscherte die vollbusige Miss Communicator.
Der Captain, der diesen militärischen Ton haßte, war inzwischen zu einem Entschluß gekommen. Er würde weder das Außenteam aufgeben, noch ein weiteres seiner Shuttles riskieren.
Statt dessen erhob er sich und sagte: "Wenn etwas ist, ich bin in der Bar und saufe mir einen an."
--- Narbos Bar, kurze Zeit später
Hier fühlte Slade sich zuhause. Und als er den Barbesitzer sah, fielen ihm gleich mehrere Dinge ein. Er setzte sich, zückte ein Padd, schrieb etwas auf, schaute es sich an, korrigierte etwas, fletschte die Zähne - ob aus Freude oder Unmut war schwer zu sagen - und bellte: "He, Narbo, komm mal her!"
Mißmutig schlurfte der Ferengi zu seinem Captain und überlegte insgeheim, ob dieser vielleicht gemerkt haben könnte, daß seine letzten Abrechnungen von etwas zu wenig Gästen sprachen.
"Ich habe dir ein Geschäft vorzuschlagen", raunzte Slade. "Bring mir was zu trinken, aber nicht zu stark, ich brauch einen klaren Kopf. Also Wodka oder so.
Ich habe folgendes Problem: Wie dir nicht entgangen sein dürfte, haben wir zwei Außenteams auf diesem Planeten sitzen. Die beiden Shuttles sind angegriffen worden, eines wahrscheinlich vernichtet. Ich brauche jetzt ein kampfstarkes Shuttle, das meine Leute und all das, was sie inzwischen hoffentlich gefunden haben, wieder hierherbringt. Da habe ich an deines gedacht. Während du mir meinen Doppelten bringst, lies dir einfach meinen Vorschlag durch."
Mit diesen Worten schob der Anticaner das Padd über den Tisch.
Während Narbo langsam davonging, las er:
"Für die Rettung der beiden Außenteams und die Bergung aller gefundenen Artefakte behält Narbo eine volle Ladung seines Shuttles, während der Rest in den Besitz von Slade Szelesem übergeht. Letztgenannter verpflichtet sich im Gegenzug, Narbos Anteil für sechs Monate kostenlos auf der Privateer zu transportieren, danach fallen Frachtgebühren an, die von Slade Szelesem festzulegen sind.
Sollte einer der Unterzeichneten eine Bedingung des Vertrages verletzen, hat der Betreffende 250 Barren Latinum an Slade Szelesem zu zahlen."
Sorgfältig las Narbo den kurzen aber prägnanten Vertrag, den sich nur ein elender Ausbeuter wie Slade überlegt haben konnte. Und während der Replikator noch das mit klarer Flüssigkeit gefüllte Glas materialisierte, änderte der Ferengi schon den Text ab.
Wortlos ging er, nun schneller, zurück und reichte dem Anticaner sowohl Padd als auch den Drink. Ein Grinsen konnte er nicht unterdrücken: Es war den Aufwand wert gewesen, sich über ein paar bestechliche Techniker in die Kommunikationsanlage des Schiffes einhacken zu lassen - die Informationen über die wahre Lage sollten den Preis erheblich steigen lassen.
Erfreut rieb er sich die Hände, angesichts des vielen Latinums, das ihn erwartete wenn er zurückkehrte. Und für diesen räudigen Fellklumpen hatte er sich etwas ganz Besonderes überlegt.
Befriedigt beobachtete Narbo, wie sich Slade den Vertrag durchlas und währenddessen seinen Wodka völlig vergessen hatte, freute sich schon auf seinen neuen "Einrichtungsgegenstand":
"Für die Rettung der beiden Außenteams und die Bergung aller transportablen Artefakte erhält Narbo 9.75% am Reingewinn der Verkäufe. Für die Mitnahme von Personen wird ein weiterer Prozentsatz von 0.25% Gewinnbeteiligung festgelegt. Vom Transport ausgenommen ist das niedere Katzenwesen "Sternenlicht", außer dieses unterzieht sich der interstellar üblichen achtwöchigen Quarantänefrist (inkl. aller schmerzhaften Untersuchungen) in einem sechs Kubikmeter großen Käfig, der als Attraktion in Narbos Bar ausgestellt wird, sowie einer Vollkörperrasur. Die Einhaltung dieser Bedingungen wird von Slade Szelesem, dem Weisen, sichergestellt.
Sollte einer der Unterzeichnenden eine Bedingung des Vertrages verletzen, hat der Betreffende 100 Barren Latinum Konventionalstrafe an den jeweiligen Vertragspartner zu zahlen..."
Slade las sich den Vertrag durch und knurrte. Ihm war klar gewesen, daß Narbo die meisten Fallen entdecken würde, die er zur Ablenkung gelegt hatte. Die Hauptsache war jedoch dermaßen subtil gewesen, daß Slade richtig stolz darauf gewesen war. Leider ließ sich diese Klausel in die veränderte Fassung nicht mehr einbringen.
Andererseits stach ihm das Wort 'Reingewinn' ins Auge. Was würde er voraussichtlich vom Gewinn abziehen? Zuerst einmal ganz sicher den Wert eines bereits vernichteten Shuttles. Dann eventuell die ganzen Reisekosten, die sie bisher gehabt hatten. Pormas Arbeitsausfall - Slade rechnete fest damit, daß dieser Mensch wieder einmal von Kargan zusammengeflickt werden müßte. Na, mal sehen, was sich sonst noch ergab. Daß die Rettung der Leute extra kosten sollte, ging in Ordnung - das sollten sie mal schön selber zahlen.
Und die Sache mit Sternenlicht...hmmm, zur Zeit benötigte er ja gar keine Rettung... He, das wäre doch überhaupt die Sache, wie Slade viel Geld sparen konnte!
"Slade an Sternenlicht! Du, ich stelle hier gerade ein Rettungsteam für euch zusammen. Das einzige, was ich momentan bieten kann, ist Narbo mit seinem Shuttle. Du verstehst, daß er das nicht umsonst macht? Ich wollte dich nur darüber informieren, was er für deine Rettung haben möchte - vielleicht auch als kleinen Anreiz, daß du dein Shuttle sorgfältig behandelst. Mach das am besten mit ihm selber aus."
Dann nahm er das Padd zur Hand und las dem Katzenwesen die ihn betreffende Passage vor.
--- Planet, Shuttle, über der Stadt
Ein Knurren war Sternenlichts erste Reaktion auf Narbos Vorstellungen über den Preis seiner "Rettung". Vielleicht hätte er doch eher bei der Sternenflotte anheuern sollen. Er beschloß, diese Alternative mal im Hinterkopf zu behalten.
Seine Stimme zischte ein wenig mehr als sonst, als er antwortete: "Sternenlicht an Slade. Ich habe nicht vor, dieses Shuttle auch noch zu verlieren, allerdings habe ich so meine Bedenken, daß Narbos Blechbüchse es überhaupt bis unter die Stratosphäre schafft, also dürfte sich das ganze ohnehin erledigen. Ist er sich eigentlich im Klaren darüber, daß ich, nachdem das Außenteam an Bord ist, keinen Platz mehr für Ferengi mit derart großer Klappe im Shuttle habe?
Ach ja, zwei Details dürften Sie noch interessieren: Rogers hat den Angriff auf das Shuttle nicht überlebt, irgendwas hat ihm nach der Lage seines Kopfes zu urteilen sein Genick gebrochen. Außerdem habe ich das Wrack des zweiten Shuttles gefunden, oder genauer, was nach der Detonation des Antriebskerns noch von ihm übrig ist, nämlich ein kleiner Krater.
Ich werde jetzt versuchen, daß Außenteam zu finden, Sternenlicht Ende."
Er ließ Slade und damit Narbo nicht die Möglichkeit für einen weiteren Kommentar, das Leben des restlichen Außenteams wog ihm dann doch wichtiger.
Er hatte das Shuttle inzwischen verlangsamt und kreiste über der Stadt. Erneut wandte er sich den Sensoren des Shuttles zu. Die ständigen Energie-Emissionen, die den ganzen Planeten unter sich begruben, mußten doch irgendwie zu überbrücken sein. Der fehlende Kontakt zum Außenteam ging ihm mittlerweile auf die Nerven.
Bis ihm eine bessere Lösung einfiel, war aber eine konventionelle Nachricht besser als nichts.
"Computer, Botschaft aufzeichnen und ständig mit maximaler Sendeleistung Richtung Planeten aussenden, Endlosschleife.
Sternenlicht an Außenteam: Ich kreise derzeit mit dem Shuttle über der Stadt, wir haben hier schwere Verluste hingenommen, das zweite Shuttle ist vernichtet, Rogers ist tot. Narbo wird demnächst mit seinem Shuttle hier eintreffen und das Transportproblem etwas entschärfen. Ich werde bis auf weiteres hier die Position halten und auf eine Nachricht warten.
Computer, ausführen."
Ein "Tüdelidüt" bestätigte die Ausführung des Befehls, und Sternenlicht widmete sich wieder den Sensordaten.
--- Privateer, Narbos Bar
"Also ich nehme das als ein Ok, du auch?" Slade grinste bei seinen Worten und hätte beinahe den von Narbo vorgeschlagenen Vertrag unterschrieben, wenn er nicht gerade noch rechtzeitig daran gedacht hätte, daß Narbo in Sachen Verträge mindestens so talentiert war wie er selber. Allerdings formulierte er nicht den ganzen Vertrag um, sondern ergänzte nur hier und da ein paar Dinge.
'Für die Rettung des Außenteams erhält Narbo... ha, was glaubt er, wen er vor sich hat? Da steht nicht, daß Narbo die Rettung durchführen muß, sondern nur dafür bezahlt wird. Machen wir daraus doch ein Für die von ihm durchzuführende Rettung.
Der Prozentsatz geht in Ordnung, allerdings hat mich Sternenlicht auf eine Idee gebracht: Für die Mitnahme von LEBENDEN Personen wird ein weiterer und so weiter und so weiter. Gut so.
Sternenlicht hat eben selber den Bedingungen zugestimmt, also geht das auch in Ordnung. Aber wenn Narbo denkt, ich stell mich hier rein und überwache seine Käfighaltung, dann ist er schief gewickelt. Schreiben wir also: Die Einhaltung dieser Bedingungen wird von Slade Szelesem oder einer von ihm beauftragten Person sichergestellt.' Slade dachte kurz daran, Pormas Krankenbett in die Bar zu verlegen...
Dann unterzeichnete er den Vertrag, und wartete darauf, daß Narbo seine Änderungen akzeptierte.
Zustimmend drückte der Ferengi seinen Daumen auf die dafür vorgesehen Stelle, unterzeichnete so mit seinem guten Namen...
Eigentlich nicht mit seinem eigenen, da er noch immer von den grünblütigen Halunken gesucht wurde, aber Slade würde es sicher nicht stören, mit Rulfopilo Geschäfte zu machen. Eine Kopie des Vertrags wurde standardmäßig per Subraum an ein Inkassounternehmen geschickt, welches im Streitfall eine Gruppe nausicaanischer "Schlichter" schicken würde.
"Wann starte ich?", fügte Narbo noch grinsend hinzu. Er konnte es gar nicht erwarten, die Katze leiden zu sehen. Und wenn er persönlich das Shuttle abschießen mußte.
Erstaunt schaute Slade erst den Ferengi und dann seinen Chronometer an. "In genau vier Sekunden. Also beeil dich besser."
Dann widmete sich der Anticaner seinem Wodka und dachte daran, vielleicht in seiner Kabine eine kleine Mahlzeit zu sich zu nehmen. Er hatte jetzt Appetit auf etwas Kleines, Pelziges, sich Windendes...
Mit einer so kurzen Zeit hatte Narbo nicht gerechnet. Immerhin mußte jemand die Bar leiten und seine Bedienung hatte sich, typisch für eine Weibliche, als inkompetent erwiesen. Trotzdem wies er sie an ihn zu vertreten.
Den Verlust konnte er Slade ja immer noch in Rechnung stellen...
Rasch überlegte er, was für eine derartige Mission erforderlich war, stellte dann fest, daß sich alles in seinem Schiff befand: Mehr als ein mittelgroßer Krieg würde ja wohl nicht entstehen...
Allerdings verringerte sich dadurch sein Laderaum bedenklich, aber die Anzahl der Flüge war nebensächlich, wenn jegliche Bedrohung am Boden erst eliminiert war. Der Ferengi konnte sich geradezu vorstellen, wie das Katzenvieh seit Stunden im Shuttle saß, sinnlose Untersuchungen anstellte und sich anschließend von ein paar unterlegenen Feinden die Hose runterziehen ließ.
Er würde auf jeden Fall vorbereitet sein!
"Dann werde ich packen!", beschloß der Barbesitzer, verließ sein Etablissement und verschwand Richtung Shuttlehangar, wo er keine Minute später ankam.
--- Shuttlehangar
Prächtig wie immer glänzte die Gint in dem Licht der Halle, hob sich so von den schmutzigen Raidern deutlich ab. Schnell gab er den Code ein, der nötig war um die Sicherheitssysteme zu umgehen und stieg grinsend in sein Shuttle ein.
--- Gint
Die Konsolen schauten ihn erwartungsvoll an, erfreut endlich wieder für ihren Meister arbeiten zu dürfen. Die Vorstartsequenz aktivierte sich beinahe von selbst, der Schnelltest aller Systeme dauerte keine 10 Sekunden und nach Freigabe durch die Brücke verließ das Ferengishuttle die Privateer mit vollem Impuls...
--- Planet, Lazarett in der Höhle
"Das war also der Gehilfe des Magiers der Tagschicht", wiederholte Silvana bevor noch jemand anders etwas sagen konnte und man sah ihr dabei an, wie spöttisch es in Wirklichkeit gemeint war. Aber ihr Gegenüber schien es gar nicht zu bemerken.
Trotzdem nickte Aerfrag zustimmend und meinte: "Ja, das war er. Aber kümmert euch nicht um ihn. Er ist nur ein kleiner Stein im großen Ganzen. - Stellt nun eure Fragen."
Langsam hatte Silvana wirklich keine Lust mehr mit diesen kleinen Dingern Katz und Maus zu spielen. Dafür waren sie nicht hierher gekommen. Und um zu erfahren was hier vor sich ging, würde sie auch von Slade keinen Orden bekommen, sondern höchstens eine Rechnung, über die Leute und Zeit die sie hier ungenützt verschwendet hatte.
Sie brauchte einen Zugang nach draußen um den ganzen Technikschrott entweder an Bord der Privateer beamen lassen zu können oder zumindest ihre Shuttles damit zu füllen.
"Hey, wir sind nicht hier um uns an euren kleinen Spielchen zu beteiligen. Mich interessiert es nicht, ob ihr kleinen Affen euch mit den anderen streitet und ihr so dumm seid für sie zu arbeiten. Vielleicht hättet ihr mehr Grips gebraucht, statt zwei weiteren Fingern...
Mich interessiert nur eines: Wie bekomme ich diesen riesigen Berg Technologie an Bord unseres Schiffes?" Die anderen sahen sie erschrocken an, doch zum Glück verstand Aerfrag nicht das Geringste von dem was sie ihm gesagt hatte.
"Technologie? Affen? Schiff?", fragte er verwundert und versuchte eine Erklärung für die Worte des großen unbehaarten Wesens zu finden, daß nicht in ihre Welt gehörte. Dabei sah er auch Neale an, die jedoch ebenso ratlos war wie er.
"Ach, vergiß es. Es gibt hier nichts was mich interessieren würde", knurrte die Sicherheitschefin und trat einfach wieder nach draußen. Sie würde auch alleine einen Weg finden um einige interessante Stücke Technologie zur Privateer zu transportieren.
Kargan, der wie die anderen keine Ahnung hatte, daß Sternenlichts Rufe lediglich von einem einsamen Communicator empfangen wurde, den Silvana als Wegmarkierung hinterlegt hatte, stellte Aerfrag eine weitere Frage: "Wie meine Kollegin schon sagte, werden wir einiges an... Magie mitnehmen. Wo ist denn das nächste Portal - das, durch das ihr gekommen seid?"
Der Angesprochene erwiderte: "Wir helfen euch natürlich gerne mit den für uns nutzlosen Dingen aus. Dieses Portal ist ganz in der Nähe, aber es wird euch nicht viel nützen, da es gefährlich ist, magische Gegenstände mit durch das Portal zu nehmen. Das ist auch der Grund, warum wir hier vor unseren Gegnern sicher sind."
'Portal? Magische Gegenstände?' Mit tiefen Stirnfalten hatte Nathalie die Gespräche verfolgt. Jedoch kaum ein Wort verstanden. Stundenlang waren sie umhergeirrt, hatten gekämpft und sind einigen Hinweisen nachgegangen, ohne jedoch allzu viel herauszufinden.
'Wenigstens ist es wohl den Anderen ganz anders ergangen', dachte sie pikiert und warf einen Blick auf ihr eigenes, etwas lädiertes Team.
Pormas schaute sie dabei erwartungsvoll an und ihr fiel ein, daß seine Frage noch immer unbeantwortet war.
"Offensichtlich ist unsere Chefin nicht sonderlich daran interessiert, ihnen zu helfen. Andererseits...", murmelte sie grinsend, während sie Silvana nachschaute, "ist sie aber somit auch nicht auf der anderen Seite."
--- beim Eingang zur Höhle
Silvanas Augen wanderte über die Müllhalde, die Slade die Tränen der Freude in die Augen treiben würde, für die Affen nicht zu beherrschende Magie war und für sie einfach nur nach... Schrott aussah.
"Dann wollen wir mal..."
--- Lazarett in der Höhle
Natty überlegte noch lächelnd, ob es wirklich klug wäre, nicht im offensichtlichen Sinne ihrer Chefin zu handeln und sich doch einzumischen. Schließlich war sie schon vom ersten Tag an gespannt, ob sie sich mit ihr messen konnte. Denn erfreut wäre Silvana über die Nichtbefolgung ihrer unausgesprochenen Befehle mit Sicherheit nicht. Die Frage war nur, was weniger schmerzhaft ausgehen würde - ein Duell auf dem Holodeck oder ein offener Kampf hier...
Doch sie verwarf den albernen Gedanken wieder, zumal er nicht in diese Situation gehörte, welche sich aber sogleich ändern sollte.
Bevor ihr noch jemand antworten konnte, stürmte plötzlich einer der Arbeiter aufgeregt in den Raum. Er hastete auf Aerfrag zu und zerrte an seinem Ärmel mit vor Schreck geweiteten Augen. Nathalie verstand aus seinem Gestammel nicht viel, außer, daß sich etwas 'verändert' hatte und daß er ihm zum Portal folgen sollte.
Aerfrag wirkte besorgt, blieb jedoch ruhig und besonnen und entschuldigte sich erst bei ihnen, bevor er dem Arbeiter schnellen Schrittes folgte.
Grübelnd stand Pormas im Lazarett und überlegte kurz, bevor er den beiden folgte. Der Techniker war aus der Tür gekommen, aus der und in die Silvana aufgetaucht und wieder verschwunden war. Viel von dem Zeug, was über Portale und Magie geredet wurde hatte er nicht verstanden, aber der Grieche spürte instinktiv, wenn Ärger im Anflug war.
Da an Ort und Stelle keine Gefahr zu sein schien, fielen seine Befehle knapp aus, "Natty komm mit, da stimmt was nicht. Collins paß auf die Gefangenen auf, Llewella und Kargan können solange die Verletzten behandeln. Und KWinh... find endlich raus was wir mit dem Apparillo machen können, den du die ganze Zeit mit dir rumschleppst!"
Geistesabwesend nickte der Grilmak.
Eilig hastete Pormas mit der dunkelhaarigen Schönen im Schlepptau auf die Tür zu, hinter der die beiden "Magier"-Gehilfen, Gesellen, oder sonst irgend etwas , schon verschwunden waren. Er nahm den Phaser in die Linke, während er behutsam mit der Rechten das Katana zog.
'Irgend etwas ist hier faul... oberfaul!', schwirrte es dem Südländer durch den Kopf.
Sämtliche Gedanken an einen planetaren Sklavenaufstand waren vergessen. Nicht nur, daß es Silvana, respektive Slade, scheinbar egal war, sondern eine akute Bedrohung des Teams hatte eindeutig Vorrang. 'Die sprechen hier die ganze Zeit von Portalen... bedenkt man die Distanz in der die Shuttles voneinander gelandet sind und der schnellen Zeit, in der wir das andere Team trafen... Raumportale? Aber wer darf denn durch und was für eine Störung liegt hier vor?'
Die Gedanken im Kopf des Sicherheitlers rasten, während sie die Tür öffneten und die Höhle verließen.
Nachdem der Grilmak seine Auswertungen vervollständigt hatte, betrachtete er den Empfänger. Er wollte zu einer Erwiderung ansetzen, bemerkte aber erst dann, daß es keinen Zuhörer mehr gab, also folgte er den Sicherheitlern nach draußen.
--- Privateer, Narbos Bar
Slades Communicator meldete sich: "Brücke an Captain. Wir haben soeben einen Ruf vom Planeten bekommen. Man verlangt Sie zu sprechen, Sir."
Oh, wie er dieses Sternenflottengewäsch haßte. Irgendwann würde er diesem aufgetakelten weiblichen Communicator schon die richtigen Manieren beibringen...
"Babe, leg das Gespräch in meine Kabine. Ich komme gleich." Dann schnappte er sich die Flasche Wodka, die Narbos Gehilfin inzwischen bei ihm abgestellt hatte und machte sich auf den Weg.
--- Shuttle Gint
Glühend drang das käferförmige Ferengischiff in die Stratosphäre ein, um dann in den sanften Atmosphärenflug überzugehen. Leider hatte man ihm nur die Koordinaten von Sternenlichts Shuttle geben können, während das Außenteam verschollen blieb.
So beschloß Narbo den direkten Weg zu gehen - wie die Menschen sagten: "Mit der Tür ins Haus fallen" - als sein Plan sich plötzlich von ganz allein erfüllte: Vier wendig erscheinende Flugobjekte näherten sich schnell von einem unscheinbaren Komplex nahe der Stadt - scheinbar ein Hangar, wie der Ferengi vermutete.
An ihrem Ziel konnte kein Zweifel bestehen und grinsend begann Narbo, entsprechend der von Sternenlicht an die Privateer übersandten Anleitung die Deflektoren zu modulieren: 'Sollen Sie doch ihre Taschenspielertricks probieren, ich werde ihnen die flinken Finger abhacken und mit Sauce Hollandaise garniert Slade servieren!'
Der Barmann grinste breit und wählte mit der rechten Hand eines seiner neusten Musikprogramme auf. Ein Klassiker der irdischen Kultur erklang, von der postmortem zu Ruhm gekommen Band "Nargaroth".
Lauthals grölte der Ferengi mit, sicher daß es auch hier bald so weit sein würde: "Vom Traum, die Menschheit zu töten..."
--- Shuttle Gint, etwas später
Rauchend hatten sich seine Feinde aufgelöst, die Suche konnte beginnen. Vielleicht brachten ihn hierbei die Signale weiter, die seit seiner Ankunft von einem zentralen Bunker aus in die Stadt ausgestrahlt wurden und ebenso seine teuer erstandene Sensoranlage erreichten.
Ein Teil der Empfänger hatte ihn angegriffen.
Irgendwie bezweifelte er nicht, daß nur Silvana und dieser Narr Pormas das Ziel der zweiten Angreifergruppe sein konnten. Er würde sich an die Bastarde hängen, bis sie das Außenteam erreichten, oder nicht. In jedem Fall stand ein interessanter Kampf bevor...
--- Shuttle 1, hoch über der Stadt
Sternenlichts Shuttle, umgeben von fünf Energiekonzentrationen in exakt kreisförmiger Formation, flog mittlerweile recht hoch über der Stadt. Mit dem etwas halsbrecherischen Auftauchen des Ferengi in seiner Klapperkiste, ebenfalls von fünf Energiekonzentrationen umgeben, hatte er sich aus der Schußlinie zurückgezogen. Vermutlich kannte er nicht alle Erwerbsregeln, hieß es dort doch, daß ein Krieg keinen Profit bringt.
Von diesem kurzen Gedanken einmal abgesehen, schenkte er Narbo keine weitere Beachtung, denn er hatte etwas wesentlich Interessanteres festgestellt. Die Strahlung, die sowohl Kommunikation als auch Transportvorgänge behinderte, war eindeutig künstlicher Natur. Erst eine Beobachtung über mehrere Stunden konnte das aufzeigen.
In letzter Konsequenz war eigentlich alles ganz einfach. Jede elektronische Störmaßnahme besaß eine Gegenmaßnahme. Sternenlichts Gegenmaßnahme war nicht perfekt, aber sie müßte eigentlich reichen, um zumindest in Richtung Landungsteam eine Nachricht abzusetzen. Sein Schweif strich über einige Sensorflächen, und ein "Düdldong" bestätigte den offenen Kommunikationskanal. Mit zitternden Schnurrhaaren begann er zu sprechen:
"Sternenlicht an Außenteam, ich hoffe, ihr hört mich jetzt. Ich habe einen Weg gefunden, die Störstrahlung des Planeten teilweise zu neutralisieren. Es handelt sich eindeutig um ein groß angelegtes, künstlich erzeugtes Störfeld. Auf dem üblichen Datenkanal findet ihr Informationen, mit denen Ihr das Störfeld teilweise umgehen könnt."
Einzig seine Schweifspitze, die sich langsam hin und her bewegte zeugte davon, daß ein lebendes Wesen an der Steuerkonsole dieses Schiffes saß, daß sehnlichst auf eine Antwort der Verschollenen wartete.
--- Lagerraum
Flüchtig erblickte Pormas die beiden Gestalten, die ihnen voraus gegangen waren, bevor sie um eine Ecke verschwanden. Der Raum war riesig, sehr hoch und vor allem verwinkelt. Trotz der Unübersichtlichkeit folgte der Sicherheitler den Beiden hastig.
Mehrmals wäre er fast in eine Sackgasse gelaufen, aber die immer lauter werdenden, höflichen und wohlformulierten Flüche und Verwünschungen Aerfrags konnten seinen Ohren nicht entgehen. Und so standen sie kurze Zeit später direkt neben Silvana, die Ihrerseits die Aushilfsmagier nachdenklich beobachtete, wie diese am Portal rumbastelten.
KWinh schaute sich "draußen" kurz um und staunte über all die technischen Teile die dort herumlagen, die meisten konnte er nicht ansatzweise identifizieren. Sich daran erinnernd was er eigentlich hier wollte, schloß er rasch zu seinen beiden Vorgängern auf.
"Was geschieht hier?", fragte der Südländer sie, auch wenn sie nicht den Eindruck machte, bereits eine fundierte Aussage machen zu können. Aber sie war die Chefin, also müßte sie ja zumindest eine Richtung vorgeben...
Bevor Silvana jedoch Pormas antworten konnte, platzte KWinh dazwischen: "Diese Roboter gegen die wir gekämpft haben werden von einer zentralen Intelligenz gesteuert. Ich habe ihre Frequenzen und auch ihren Aufenthaltsort gefunden.
Wenn ich mir die Bauteile hier so ansehe, denke ich, ich könnte diese Kommunikationseinheit so umbauen um daraus einen Störsender zu machen. Wenn er stark genug wäre, könnte er vielleicht den Ursprung der Signale ernsthaft beschädigen... falls das in unserem Sinn wäre."
"Es wäre auf jeden Fall in 'unserem' Sinn!", antwortete Aerfrag plötzlich. Er wechselte einen undeutbaren Blick mit seinem Arbeiter. "Ich weiß noch nicht genau, was es zu bedeuten hat, aber offensichtlich wurde soeben die Konfiguration der Portale geändert. Was auch immer dies für Auswirkungen haben wird, es wird sicher nicht positiv für uns ausfallen..." Er brach nachdenklich ab.
"Was heißt das?", fragte Nathalie, als nichts weiter von ihm kam. Doch Aerfrag reagierte nicht, statt dessen antwortete der Arbeiter.
"Die alten Geschichten. Manche erzählen sie heute noch, aber es ist nirgendwo niedergeschrieben. Vermutlich sind sie wirklich nur erfunden oder im Laufe der Zeit verändert. Aber eine davon erzählt, daß sich damals auch die Roboter durch die Portale bewegten und viel Schrecken verursachten."
"Kindergeschichten!", mischte Aerfrag sich barsch ein. "Doch vielleicht auch mit einem Körnchen Wahrheit. Immerhin ist uns aufgefallen, daß die Roboter seit dieser Nacht verstärkt aktiv waren. Eure Ankunft könnte die Ursache dafür sein. Wäre das ein Grund, um diese Angelegenheit zu 'eurem Sinne' zu machen?"
Nathalie wechselte einen betroffenen Blick mit den anderen. Das warf natürlich die Sache in ein ganz anderes Licht. "Wenn es so ist, dann - vorausgesetzt, ihr seht es genauso - geht uns die Angelegenheit doch was an. Ich denke, wir kommen hier sowieso nicht so schnell weg; uns bleibt wohl nichts anderes übrig, als euch zu helfen.
KWinh, wir könnten diesen Störsender momentan sehr gut gebrauchen. Laß uns anfangen!"
In dem Moment piepste nach langer Zeit der Stille ihr Communicator.
"Sternenlicht... Außenteam, ich hoffe,... hört... Ich habe einen Weg gefunden, die Störstrahlung... teilweise zu neutral... eindeutig um... groß angelegtes, künstlich... Störfeld. Auf dem üblichen Datenkanal... Informationen,... Störfeld teilweise umgehen könnt."
Die Verbindung war schlecht und Natty hörte mehr knackende Geräusche als Sternlichts Stimme. Sie versuchte zu antworten, doch die Sendeleistung ihres Communicators reichte unter den Umständen nicht aus. Doch anscheinend hatten auch die anderen genug verstanden, um mit der Information was anfangen zu können.
--- Lazarett in der Höhle
Es schien, als wenn hier langsam alles aus dem Ruder lief. 'Auf die Gefangenen aufpassen!', dachte Collins auf den letzten Befehl des Südländers und fragte sich ob er nun die gesamten Wesen dieser Höhle in Schach halten sollte. Er machte sich langsam ernste Sorgen um Pormas Gesundheitszustand.
Außerdem hatte der Psychologe arge Probleme, seinen mentalen Block aufrecht zu erhalten. Zur Zeit schienen diese Wesen sehr intensiv miteinander zu kommunizieren. Außerdem versuchten viele von den Patienten ihre Betten oder Liegen zu verlassen, was ihm zu dem Schluß brachte, daß hier irgendwas im Busch war.
Der kleine Primat stand immer noch neben Jack und sah ihm mit einem merkwürdigen Blick an.
"Was geht hier vor?", fragte der Psychologe leise.
"Das Böse wird siegen! Sterben wir alle werden!", sagte der Primat mit einer zitternden Stimme.
"Warum?" Collins runzelte die Stirn.
Das Wesen umfaßte seinen Kristall und hielt ihn Jack hin. "Sieh selber!"
Vorsichtig griff Collins nach dem Stein. Er fühlte sich warm an und sofort öffneten sich groteske Bilder in seinem Gehirn. 'Öffne dich', spürte er nun eine Stimme in seinem Kopf.
Widerwillig öffnete Collins seinen mentalen Block und die Bilder wurden deutlicher. Sie erzählten eine komplexe Geschichte und der Psychologe begann zu begreifen. Am Ende ging es nicht anders und er mußte den Fluch über seine Lippen bringen. "Sch...e!", sagte er laut.
"Wenn das alles stimmt, brauchen wir dringend einen Plan", sagte Jack und ließ dabei trotzdem nicht ihren Auftrag außer acht. Und plötzlich fiel ihm was ein.
"KWinhs Idee mit dem Störsignal ist verdammt gut, ich hoffe, er bekommt das hin", meinte Collins und grinste in sich hinein, "und hoffentlich schnell genug!"
Zu Kargan und Llewella, die inständig darum bemüht waren die Wesen zu beruhigen und zu verarzten rief er, "Ich habe in einem Raum der... ähm...", er überlegte kurz, "sagen wir mal etwas entfernt ist, ein paar Transportverstärker gesehen.
Zur Information, in Kürze wird hier die Hölle los sein. Diese Androiden, die ihr ja vielleicht schon kennengelernt habt, haben jetzt die Möglichkeit überall hinzukommen, also auch hierher, deswegen sind unsere Freunde auch so nervös. Wir sind nirgends mehr sicher, was natürlich im Moment nicht so vorteilhaft ist. Ich hoffe unser Freund, der Grilmak, verschafft uns mit seiner Idee ein wenig Zeit, die wir dringend brauchen.
Damit wir nicht ganz leer ausgehen, würde ich gerne diese Verstärker in den Lagerraum nebenan bringen, um wenigstens ein paar Sachen zu bekommen. In der Hoffnung, daß eines von den Shuttles oder vielleicht sogar die Privateer das Signal empfangen kann, natürlich auch um uns rauszuholen.
Also, wer hat Lust mitzukommen?" Collins sah in die Runde. "Ich denke, du meldest dich freiwillig, denn wir brauchen deinen Kristall um das Portal zu öffnen", sagte er leise zu dem nun ein wenig sorgvoll dreinblickenden Primaten.
--- Lagerraum
Der Grilmak hatte die Nachricht Sternenlichts ebenfalls gehört und machte sich auf Nathalies Aussage hin sofort an die Arbeit, die Bauteile, die überall verstreut lagen, zu scannen und hier und da eins aufzuheben und auf einen Haufen zu legen.
Geistesabwesend murmelte er eher zu sich selbst: "Ich kann natürlich nur auf die Daten zurückgreifen, die ich gespeichert habe, dieses andere Störfeld kann ich von hier aus nicht scannen, aber vielleicht könnte ich den Sender ja variabel...."
Irgendwo im Hinterkopf hatte er registriert, daß Silvana ihn ignoriert hatte. KWinh nahm sich vor, sie später darauf anzusprechen, sollte es ein später geben.
"Parabol... ich brauche eine Parabolantenne... möglichst groß, aber transportierbar!" Seinen Wunsch richtete er an niemand Bestimmtes, aber er war laut genug, daß ihn alle Anwesenden hören konnten.
Silvana hatte eine zeitlang nachdenklich die kleinen Wesen dabei beobachtet wie aufgeregt sie darüber waren, daß die Portale sich in irgendeiner Form verändert hatten, danach hatte sie auch noch wahrgenommen, daß Pormas und die neue Sicherheitlerin angekommen waren, bevor ihre Sinne von etwas ganz anderem gefangen genommen worden waren.
Selbst Sternenlichts verstümmelten Funkspruch hatte sie nicht gehört. Vielleicht sogar ein Glück für ihn, hätte sie dadurch doch feststellen können, daß er ihren letzten direkten Befehl ignoriert hatte und sich nicht mal die Mühe gemacht hatte ihren Spuren zu folgen.
Aber Silvana spürte die Gefahr schon lange, bevor sie sie sehen konnte. Sie war stark und sie war ganz in der Nähe.
Und sie kam nicht von außen.
Zuerst hatte sie angenommen, daß diese Gefahr mit den veränderten Portalen ausging, doch dann - vielleicht sogar etwas zu spät - bemerkte sie, daß diese Gefahr bereits bei ihnen war und sie wie eine Woge zu überrollen drohte.
Wütend verengten sich die katzenhaften gelben Pupillen und sie stieß Pormas einfach zur Seite, der ihr die Sicht auf ihre Umgebung versperrte.
Das was sie insgeheim als "Schrott" bezeichnet hatte, schien sich plötzlich mit einem seltsamen Eigenleben zu füllen. Alle ihre inneren Warnsysteme schlugen sofort an. Zumindest teilweise konnte sie bereits Vibrationen unter ihren Füssen fühlen, als würde etwas direkt aus der Erde kommen, doch es rührte von etwas ganz anderem her.
Noch bevor sich der erste entsorgte Roboter aus seiner (fast) letzten Ruhestätte ans künstliche Licht arbeitete, sprang Silvana schon mit einem Satz hinter einen der Berge um zum einen eine gute Deckung und zum anderen Schutz vor einem Angriff zu erhalten.
Der Gruppe, die noch immer wie vom Schlag getroffen dastand und fassungslos hinter ihr her starrte, rief sie zu: "Verdammt, geht in Deckung. Seht ihr denn nicht, was hier los ist?"
Der Arm eines Roboters, der vor Jahren, wenn nicht Jahrzehnten ausgedient hatte und als technisches Gerät ebenfalls in einem der Berge von Magie gelagert worden war, drang als erster aus einem Haufen Schrott hervor und es würde nicht lange dauern, bis andere seinem Beispiel folgen würden.
Und es gab hier sehr viele diese Schrotthaufen...
"Silvana an Collins: Hier ist gleich der Teufel los! Wenn du etwas Spaß willst, dann schnapp dir Kargan und kommt raus!"
--- Lazarett in der Höhle
Kargan, dessen Communicator immer noch friedlich in der Stadt vor sich hinschlummerte und bisher weder einen einzigen Sternenlicht noch einen einzigen Rogers hatte anlocken können, griff sich Collins und raunzte in Collins Communicator: "Ich hatte in letzter Zeit so wenig Spaß, daß es schon etwas mehr braucht, um mich zufriedenzustellen. Ich hoffe, du hast nicht übertrieben, Silva!"
Ohne das der Psychologe ihn daran hindern konnte, wurde er auch schon vom Klingonen mitgeschleift.
--- Lagerraum
Als Kargan und Collins, letzterer sehr widerwillig, das Lazarett verließen, wußte der Doktor sofort, daß Silvana nicht übertrieben hatte und er in der nächsten Zeit seine beiden Talente - Fernkampf und Nahchirurgie gut brauchen würde.
Überall bewegte es sich, und es sah so aus, als wäre der gesamte Schrott lebendig geworden.
--- Lagerraum, beim Portal
Schweigend beobachtete Pormas die sich erhebenden Robotermassen. Das Geräusch des knirschenden Metalls kreischte durch den gesamten Raum. Als er registrierte was um ihn herum geschah, war seine kurze Empörung über Silvanas Schubser schon vergessen. Nicht zuletzt aber auch deswegen da nicht viele Menschen den Hünen einfach so schubsen konnten.
Jetzt aber suchte er den Raum mit den Augen nach einer Parabolantenne ab. Denn diesen Kampf konnten sie auf Dauer nicht wirklich gewinnen, dafür waren es einfach zu viele von denen und zu wenige von ihnen selbst, die richtig kämpfen zu vermochten.
Plötzlich fixierte er ein kleines Stück Metall drei Berge Schrott voraus. Es schien eine Art altmodische Funkanlage zu sein, die munter vor sich hin zu oxidieren schien. Schnell faßte er einen Plan, nachdem er einen kurzen Blick auf das kleine humanoide Grüppchen geworfen hatte.
Silvana schien begierig nach diesen Kampf zu lechzen und der Südländer vermochte nicht zu sagen, ob sie bedachte, daß nicht alle Anwesenden ihre Fähigkeiten besaßen und diesen Kampf tatsächlich nicht überleben könnten. Schnellentschlossen gab er ein paar Kommandos, in der Hoffnung sie würden Gehör finden.
"Ok, KWinh, dann bastel mal an dem Apparat rum, ich besorg dir die Antenne. Natty, bitte paß auf ihn auf, ich glaube er dürfte unsere einzige wirkliche Überlebenschance sein, denn mit einer Hundertschaft plus noch mehr können wir es nicht aufnehmen." Nervös blickte Pormas sich nochmal erneut um, um die beste Route zu seinem Ziel zu finden.
"Silvana, wenn es Ihnen nichts ausmacht halten Sie mir den Rücken frei, ich habe gefunden was wir suchen...", und mit diesen Worten sprintete der Grieche los. 'Entweder jetzt oder nie', war sein einziger Gedanke. Im Augenblick schienen die Roboter noch nicht koordiniert zu agieren und der elementare Vorteil bestand darin, daß diese nicht wußten wohin der Sicherheitler wollte.
Mit einem süffisanten Lächeln sah Silvana dem Mann nach, der auf der Krankenstation der Privateer sein zu Hause gefunden hatte und für den sie bei Slade bei nächster Gelegenheit ein gutes Wort einlegen wollte, damit er ganz in Kargans Abteilung arbeiten konnte.
Sicher machte er in der Kluft einer Krankenschwester eine sehr gute Figur und Schwester Entenburg würde sich freuen, wenn sie ihr "Jungchen" endlich gänzlich unter ihre Fittiche nehmen konnte.
Im Spurt wechselte Pormas sein Katana in die Rechte und den Phaser in die andere Hand, denn jetzt würde er kaum gezielte Schüsse von sich geben, sondern sich mit dem Schwert wie durch einen Urwald schlagen.
Der Südländer rannte in einem leichten Linksbogen um den ersten Hügel, ungeachtet der sich aufraffenden Schrottwesen. Zwei stellten sich direkt in den Weg und erhoben ihre Arme, an deren Enden Keulen und eine Art Äxte zu hingen schienen. Aber sie waren zu schwerfällig, so daß Pormas mit dem ersten Hieb ihre geschwungenen Waffen abhackte und sie mit dem Zweiten enthauptete.
Erfreut, daß es so einfach zu sein schien, lief er weiter, als er plötzlich von hinten von etwas getroffen wurde und vornüber fiel. Der Schmerz brannte heiß den Rücken hinunter, aber der Sicherheitler rollte sich nach vorne ab, machte eine halbe Drehung und suchte instinktiv nach dem Schützen.
Es war ein Roboter, der 10 Meter entfernt um eine Kurve kam und ruckelnd eine antik aussehende Laserkanone auf ihn richtete. Bevor er diese aber noch einmal abfeuern konnte, schoß Pormas selber und erwischte den Roboter an der linken Seite, worauf dieser sich nach hinten überschlug und liegenblieb wie eine umgeworfene Schildkröte.
Das alles passierte innerhalb weniger Sekundenbruchteile und erst jetzt befühlte er kurz die getroffene Stelle am Rücken. Sie schien etwas verbrannt zu sein, aber nichts Ernstes. Bevor er sich aber irgendwelche anderen Gedanken machen konnte, sprang er ohne die Beweggründe geistig zu verfolgen nach rechts, bevor ihn ein massiver Stahlträger erfassen konnte.
Keuchend erblickte der Grieche auf dem Hügel einen neuen massiveren Robot, der munter nach einem neuen Gegenstand suchte, den er dem Stahlträger hinterherschicken konnte. Schnell entschied sich der Sicherheitler zu einem Standortwechsel und da Pormas sich nicht mit jedem Roboter aufhalten konnte, da er sonst nie ans Ziel kommen würde, spurtete er einfach weiter in Richtung des dritten Hügels.
Dummerweise schienen mehr und mehr dieser Schrottkrieger nun mit Energiewaffen ausgerüstet zu sein, so daß sein Sprint an einen Spießrutenlauf erinnern zu schien. Haken- und Schwertschlagend kam er schnaufend hinter dem zweiten Hügel in einer kleinen Nische zum Stehen.
Hier war das Pflaster noch nicht ganz so belebt, da das restliche Team auch gute Arbeit zu leisten schien und den Großteil der kleinen Blecharmee auf Trab zu halten schien. Das ersehnte Teil lag nur fünfzehn Meter in der Horizontalen und fünf Meter in der Vertikalen entfernt, aber das war eine Ewigkeit und schien unerreichbar.
Sollte er mit dem Aufstieg beginnen, wäre er ein einfaches Ziel. Aber was sollte er machen. In der Nische, in der er jetzt stand, konnte er auch nicht bleiben, die bot für höchstens 30 Sekunden noch Schutz.
Tatsächlich hatte Silvana Pormas einige der zahlreichen Angreifer vom Leibe gehalten, wo er sie doch so nett darum gebeten hatte und verleibte sie wieder dem anderen Schrott ein, bis sie entdeckte, daß sich etwas Größeres aus einem der ganz hinteren Haufen nach oben arbeitete. Sofort war ihre katzenhafte Neugier geweckt und Pormas Sicherheit dem Glück und dem Einsatz seiner jungen Kollegin überlassen, die sich auch sonst hingebungsvoll um seine körperlichen Belange zu kümmern schien.
Mit einer gesprungenen Rolle rettete sich Silvana hinter den nächsten Haufen wo sie sofort nach neuen Angreifern Ausschau hielt. Keine Sekunde zu früh wie es schien, denn der Platz an dem sie eben noch gehockt hatte, gleich dem Aushub für einen kleinen Teich, wäre er nicht dunkel gewesen und hätte noch immer beißend geraucht.
Ein gezielter Phaserschuß holte ihren Angreifer von seinem Haufen herunter und ließ ihn auf einen Kollegen prallen, der sich gerade ebenfalls aus seinem Grab gearbeitet hatte.
Wo beide unter Beweis stellten warum sie irgendwann auf dem Schrott gelandet waren. Sofort brannten durch den heftigen Zusammenprall einige ihrer Schaltkreise durch und ein Funkenregen besprühte die Umgebung, wo tatsächlich einige Teile Feuer fingen und sich sofort dunkler qualmender Rauch bemerkbar machte, der die Atemwege zu reizen begann.
Kein guter Umstand, wenn man in Betracht zog, daß sie hier nicht unter freiem Himmel waren, sondern irgendwo weit unter der Oberfläche des Planeten. Und es war nicht vorherzusehen, ob die Luft noch lange atembar bleiben würde.
Doch die Sicherheitschefin verschwendete keinen Gedanken an diese schleichende Gefahr, gab es doch augenscheinlich genau jetzt viel mehr für sie zu tun. So verharrte sie am Boden geduckt wie ein Raubtier und sprang bei nächster Gelegenheit auf einen der Roboter, als er ihr gefährlich nah kam.
Gefährlich nah für ihn.
Ihre langen schlanken Beine umklammerten seinen metallenen Brustkorb und gaben ihm nicht die geringste Chance sie abzuschütteln oder mit seiner Waffe zu erreichen. Mit einer raschen geübten Bewegung packte sie seinen Kopf und drehte ihn so abrupt um seine eigene Achse, bis ein wütendes Zischen und Funkenprasseln folgte.
Dann rollte sie sich hinter die nächste Deckung ab und verharrte schon wieder in der Hocke, als der Körper des Androiden endlich den Boden berührte und bewegungslos liegen blieb.
"Langsam macht mir der Ausflug doch Spaß", meinte sie grinsend und ihre engen gelben Pupillen visierten zwei weitere Ziele an und eliminierten diese. Ihr Gesichtsausdruck war jener einer zufriedenen Katze, die hatte was sie wollte. Milch bis zum Abwinken.
Trotzdem wollte sie sehen, was sich da aus dem übrigen Schrott grub und sie setzte ihren Weg zu dem Mechanikungetüm fort, das immer mehr Gestalt annahm und nichts mit einem Androiden gemeinsam hatte.
Es war mechanisch, doch es schien statt einer Vernichtungsmaschine irgendwelche Arbeiten verrichtet zu haben. Landwirtschaftliche Arbeiten oder vielleicht Bauarbeiten für das Tunnelsystem.
Pormas Blick schweifte durch die nähere Umgebung auf der Suche nach günstigen Vorsprüngen oder nach dem einen oder anderen voll aufgeladenen Photonengewehr und blieb auf seiner linken Hand haften.
Um genauer zu sein auf seinem Phaser. Denn die Phaser des Sicherheitlers waren keine normalen Standardphaser. Sie besaßen noch einen Einweg-Zusatzmodus, der Phasergranate. Aber unter diesen Umständen hatte er keine Wahl, denn der Phaser würde auch nicht ewig Energie haben und bis dahin wollte er längst nicht mehr hier sein.
Er aktivierte den Modus und warf die Granate in die Richtung in der hoffentlich keiner aus seinem Team sein mochte und rannte soweit es sein vom langen Koma immer noch geschwächter Körper zuließ auf den Berg. Heftig schlug er auf alles ein was sich bewegte, während sein Phaser in einem mittelgroßen Feuerball detonierte.
Davon abgelenkt, oder aber auch von den restlichen Mitgliedern der Gruppe, feuerten keine weiteren mit Lasern oder anderen ähnlichen Waffen bestückten Roboter auf ihn und er erklomm, so gut es mit einer freien Hand ging, schnell den Berg aus Schrott.
Aber plötzlich kam er schlitternd auf dem Müll zum Stehen, als sich ein weiterer Roboter ihm in den Weg stellte.
"Shit!", entfuhr es Pormas, als er sah, was für einen Gegner er vor sich hatte. Nämlich einen mit einer Parabolantenne auf dem Kopf. Aber mit einem Mal hellte sich die Miene des Griechen auf und trennte mit dem Katana den Kopf vom Rumpf des Ungetüms und fing mit der freien Hand die Antennenschüssel auf.
Grinsend wandte sich der Südländer um. Aber als er sah, was für ein Anblick sich ihm bot erstarb es sofort. Nur 50 Meter von ihm entfernt schien ein Krieg stattzufinden überall blitzte und krachte es und er konnte nur ungefähr die Umrisse seiner Gefährten ausmachen.
Er hoffte nur, daß es jetzt noch nicht zu spät war. Er steckte das Katana in die Scheide auf dem Rücken, schnallte mit der dann freien Hand seinen Helm, den er immer noch bei sich trug vom Gürtel ab, stellte ihn ein paar Nummern größer und stopfte die Antenne hinein und versiegelte den Helm zum Schluß.
Pormas mobilisierte seine letzten Kraftreserven und setzte zum letzten Sprint an. Wie von der Tarantel gestochen preschte er den Berg hinunter und nahm den Schwung mit auf dem Weg den zweiten Hügel hinauf. Links wie rechts wurde sein Weg von Brandflecken gepflastert, die die gesamten Fehlschüsse der Roboter dokumentierten.
Das erinnerte Pormas unbewußt an seinen Wahlspruch, wenn es um Waffen ging. 'Nie Second-Hand!' Aber trotzdem glichen sich die Schützen langsam an ihr Ziel an und kamen immer näher. Der Südländer registrierte das und setzte auf der Spitze des Hügels zu einem Verzweiflungssprung an.
Mit aller Wucht warf er im Flug seinen Helm samt Inhalt auf die Stelle zu an der er das Team vermutete. Gerade als er den Helm losgelassen hatte, sah Pormas direkt vor seinem Gesicht einen Energiestrahl vor sich hin zischen.
'Schwein gehabt!", schoß es ihn durch den Kopf, bevor ihn der zweite Schuß in die Seite traf und ihn unkontrolliert in die Tiefe stürzen ließ...
Nur Sekundenbruchteile bevor Silvanas Phaser sich entladen konnte, war ihr einer der Androiden zuvor gekommen und hatte dem Griechen die Abreibung verpaßt, die er verdient hatte. Fast genußvoll verfolgte sie den Flug des Griechen bis zu seinem harten Aufprall.
Zähneknirschend blies sie dafür dem Androiden sein künstliches Lebenslicht aus, der ihr zuvor gekommen war, bis sie bemerkte, daß sie damit auch gleichzeitig Pormas rächte, was sie sicher nicht vorgehabt hatte und sich ihr Gesicht zu einer wütenden Grimasse verzog.
Als die Welle der Angreifer nachließ und die restlichen sich auf ihre Begleiter konzentrierten, stand Silvana auf und ging zu dem großen Roboter. Ärgerlich verzog sie das Gesicht, da ihre linke Seite höllisch schmerzte und es all ihre Konzentration brauchte gegen den Schmerz anzukommen.
Doch sie hatte keine Zeit auszuruhen oder neue Kraft zu schöpfen. Selbst wenn dieser Idiot Pormas es geschafft hatte, ihr mit seiner dilettantischen Ausrüstung, die aus den Tiefen eines Holodeck-Shooters zu stammen schien, einen bösen Streich zu spielen.
Die Detonation seines Wurfgeschosses, welches er treffsicher natürlich in ihre Richtung geschleudert hatte, hatte genügt sie von den Beinen zu reißen und sie war haltlos in die Trümmer gestürzt. Mit einem Angriff von eigener Seite hatte sie leichtsinnigerweise nicht gerechnet und hatte sich dadurch an einem Stück "Magie" aufgespießt, das scharf genug war, sich mit der Leichtigkeit eines Buttermessers in ihren Körper zu bohren.
Kargan hätte ihr den Kopf abgerissen, wenn er gesehen hätte, daß sie sich das Teil eigenmächtig mit einem wütenden Schrei aus der Wunde in der Seite gerissen hatte, worauf diese erst so richtig zu bluten begonnen hatte. Aber nicht für lange. Sie riß sich einfach den Ärmel von ihrem Anzug und preßte ihn gegen die Wunde.
Mit einer Hand den Behelfsverband auf ihre Wunde pressend, in der anderen den Phaser, trieb sie etwas immer weiter bis sie schließlich breitbeinig vor ihrem Ziel stand. Auge in Auge mit einem seltsamen metallenen Ungetüm, in dessen Chrom sie sich spiegelte.
Das Gefährt bewegte sich auf sie zu und sie hatte nicht die Chance noch auszuweichen, alles was sie tun konnte, war jetzt ihrem Instinkt zu vertrauen. So hob sie ihre Waffe und zielte auf etwas Kleines, Rotes, das sie dort entdeckt hatte, wo sie zwischen all dem Metall die zentrale Steuerung vermutete, mit der alles hier zum Leben erwacht war.
Ein Phaserschuß bahnte sich wie ein Blitz seinen Weg.
Nur wenige Zentimeter vor ihr kam das Gefährt zum Stehen...
Tief durchatmend stützte sie sich auf dem fahrbaren Untersatz ab, ließ ihre Hand hochwandern und hielt dann fluchend mitten in der Bewegung inne.
Hatte sie doch Kargans Communicator als Markierung im Zentrum der Stadt zurückgelassen. Und allem Anschein nach umsonst...
"Sternenlicht, du räudiger Fellsack!" Silvanas Mine verfinsterte sich zusehends. "Ich hoffe, dein Tod erklärt, warum du uns nicht wie befohlen gefolgt bist..."
--- Shuttle Gint
Möglichst unauffällig war Narbo den Robotern gefolgt, die scheinbar unterschiedlichsten Baureihen entstammten, bis sie schließlich alle durch ein Tor gingen und augenblicklich verschwanden. Verärgert hatte der Ferengi den Durchgang gescannt, aber auch mit höchster Energie ließen sich keine Daten von der anderen Seite erhalten.
Vielleicht war es eine Falle.
Vielleicht aber auch nicht!
Fluchend kalkulierte er seine Chancen, errechnete dies in Abhängigkeit mit dem Profit und entschied sich, daß die Sache es wert war auf das Wagnis zu setzen!
Außerdem brannte er darauf, die Roboter verglühen zu sehen!
Ein weiterer Blick auf die Sensoranzeige verriet, daß auf der anderen Seite des Dingens genug Platz sein mußte, um ein Shuttle zu steuern. Immerhin gingen auch die teils riesigen Blecheimer durch...
Zehn Sekunden später durchbrach das gesamte Shuttle das Tor, um in einem Tunnel wieder zu erscheinen.
--- Tunnel
So schnell wie möglich raste Narbo durch die Gänge, während links und rechts jeweils nur Zentimeter bleiben, die die Hülle von der Wand trennten. Grinsend betätigte er ab und zu die Phaser, um die sich verdutzt umdrehenden Roboter verdampfen zu lassen.
Sein fliegerisches Geschick sowie die Tatsache, daß er vollkommen auf den aktivierten Autopiloten vertraute ließen den Flitzer intakt durch die Passage kommen, bis er vor einem Lift anhielt, der scheinbar in die Tiefe führte:
Selbst beim besten Willen war hier nicht mit einem Durchkommen zu rechnen!
'Außer...', fiel es Narbo plötzlich ein und grinsend drehte er sich zu den unscheinbaren Boxen um, die seine Spezialmischung enthielten. Eine Messerspitze sollte eigentlich reichen...
--- Lagerraum
"Louder than hell" explodierte die ausgeschleuste Bombe, während Narbo die Schilde auf volle Leistung eingestellt hatte: Man konnte schließlich nie vorsichtig genug sein! Splitter der zerborstenen Wand regneten in die Höhle herab, bedeckten die gewaltigen Metallhaufen mit Staub, während die Gint langsam durch den vernebelten Zugang glitt.
Genau der richtige Zeitpunkt, um seine neueste Modifikation am Shuttle zu testen:
"Klack!", schnalzte der umgelegte Schalter herzhaft und Narbo lachte so breit, wie seit Wochen nicht mehr: Seine Nebelscheinwerfer warfen blendendweiße Lichtkegel in den Raum, während die Außenboxen die Höhle mit einem kräftigen Baß überströmten...
'That's Rock 'n Roll!'
--- Shuttle 1, hoch über der Stadt
Narbos waghalsige Manöver waren Sternenlicht nicht entgangen, aber das war nicht sein hauptsächliches Problem. Anscheinend war das Landungsteam nicht in der Lage, die vorhandenen Communicatoren so umzukonfigurieren, daß sie durch die Lücken im Störfeld sendeten, was er so gar nicht verstand.
Mittlerweile hatte er sogar eine recht genaue Idee von der Position des Außenteams, denn das gerade wieder deutlich aufflackernde Phaserfeuer entging den (jetzt entstörten) Sensoren seines Shuttles nicht. Von dort aus sollte ein Communicator des Landungsteams eigentlich in der Lage sein, mit ihm Kontakt aufzunehmen.
Sivaoanische Flüche vor sich hin zischend drückte er einige Tasten:
"Computer, Botschaft aufzeichnen und in Endlosschleife mit maximaler Leistung senden!
Sternenlicht an Landungsteam, neuer Versuch: Auf dem üblichen Datenkanal findet ihr die Daten zum Störfeld, damit könnt ihr eure Communicatoren so modifizieren, daß ihr mit mir Kontakt aufnehmen könnt. Ich habe eine Lücke im Störfeld isoliert, durch die sich auch ein Transportvorgang durchführen ließe.
Eure Communicatoren reichen als Signal aus, um euch selbst zu erfassen, wenn ich Fracht hochschicken soll, muß ich euch Musterverstärker runterschicken. Mein Shuttle würde dabei als Relais dienen, ihr würdet - aus Platzgründen - direkt auf der Privateer ankommen. Wenn ihr da raus wollt, sagt mir Bescheid. Diese Botschaft wird automatisch wiederholt.
Computer, Ausführen." -- didlidüt.
Zufrieden blickte er erneut auf die Sensordaten. Es waren wieder Jäger in der Luft. Noch hielten sie sich in respektvoller Distanz, aber das würde vermutlich nicht ewig so bleiben. Insbesondere, wenn er die Schilde zum Beamen fallen lassen würde. Was noch viel spannender war: Wie würden die fünf Energieballungen um sein Shuttle reagieren, wenn sein Schutz dagegen weg war...
Er öffnete einen Kanal zur Privateer, seine Schnurrhaare und Ohrenspitzen vibrierten jetzt deutlich sichtbar, so groß war seine Anspannung:
"Sternenlicht an Privateer: Ich habe einen Weg gefunden, einen Transport durch das Störfeld durchzuführen. Die Kurzversion: Das Shuttle agiert als Relais, der Transport findet direkt zur Privateer statt. Der Haken: Das Shuttle ist ohne Schilde und fällt vermutlich wieder den Holo-Feldern der planetaren Verteidigung zum Opfer. Ich brauche für die Zeit des Transportes Feuerschutz gegen die Jäger in der Luft. Ich warte jetzt nur noch auf die Antwort vom Landungsteam, da scheint es gerade wieder heiß herzugehen. Ach ja: Eventuell brauchen wir noch Transport-Musterverstärker. Soweit hier der Status."
--- Privateer, Quartier des Captains
Das eben Gehörte paßte Slade im ersten Moment gar nicht ins Konzept. Dann fiel ihm ein, daß dadurch die ganze Aktion sehr viel billiger werden würde. Deshalb erwiderte er: "In ein paar Minuten starten die Raiders, danach kannst du die Leute hochholen. Ende."
Nach ein paar Anweisungen wußte Slade, daß die Raiders zwar starten, aber ihre Waffen nur im absoluten Notfall benutzen würden.
Während nach und nach insgesamt vier rote Lichter grün wurden, und die betreffenden Schiffe sich auf den Weg machten, stellte er schnell eine ganz bestimmte Verbindung wieder her, die er eben nur kurz unterbrochen hatte.
--- Planet, Lagerraum
Kargan schaute verblüfft auf Collins Communicator. Diese Nachricht war genauso verstümmelt angekommen wie Sternenlichts letzte. Als der Psychologe keine Anstalten machte, den Anweisungen zu folgen, pflückte der Arzt dessen Communicator herunter und stellte ihn schnell korrekt ein. Das Verfahren war so simpel, daß sogar Wissenschaftler und Ärzte damit keine Schwierigkeiten hatten.
Anschließend aktivierte er ihn. "Kargan an Sternenlicht. Ich bin zwar kein Techniker, aber wenn die Beaminformation genauso verstümmelt oben ankommt wie deine Funksprüche, dann gründe ich hier lieber eine Familie. Wenn du das Problem in den Griff gekriegt hast, denk bitte dran, daß Collins keinen Communicator hat. Nicht, daß du ihn hier vergißt."
Anschließend kümmerte er sich wieder um Pormas, dessen Verletzungen SEHR interessant aussahen.
--- Shuttle 1, hoch über der Stadt
Überrascht flogen Sternenlichts Ohren zurück. Kargans Stimme drang klar aus dem Communicator, von keinerlei Interferenzen zersetzt. Nicht das Sternenlicht daran gezweifelt hätte, daß es funktionieren würde, aber daß sich jetzt ausgerechnet der Arzt zuerst meldete, war schon ein wenig seltsam. Das Echo von Collins' Communicator - warum auch immer er von Kargan bedient wurde - leuchtete einwandfrei auf Sternenlichts Sensoranzeigen, zusammen mit einer Lebensform, klingonisch.
"Sternenlicht an Kargan, wenn die Communicatoren alle angepaßt sind, habe ich alles was ich brauche. Das Störfeld behindert einen Beamvorgang erst über längere Strecken, wenn wir das Shuttle als Relais nehmen, haben wir keine Probleme. Dich kann ich seit du Collins Communicator modifiziert hast auch schon einwandfrei erfassen.
Collins fehlender Communicator ist nicht das Problem, wenn zwei andere Leute ihn zwischen sich nehmen, reicht das für einen Transport aus.
Ich kann euch ein sicheres Fenster von ca. dreißig Sekunden garantieren, das reicht für die gesamte Landegruppe und ca. 20 Kubikmeter Fracht. Die Fracht muß allerdings in Signalverstärker eingeschlossen werden.
Was diese Signalverstärker betrifft: Könnt ihr die da unten irgendwo herimprovisieren? Wenn nicht, wird das ziemlich spannend, ich kann euch nämlich nichts mit 100%iger Sicherheit runterbeamen - mal abgesehen von dem 30 Sekunden Limit."
--- Lagerraum
'Habe ich mir gleich gedacht, daß ihr die Dinger braucht!', dachte der Psychologe etwas angesäuert, als er den Funkspruch aus nun Kargans Communicator hörte und ließ seinen Phaser sinken. Immerhin hatte er gerade vorgehabt diese zu holen, als er vom Arzt als transportabler Communicator einfach mitgenommen worden war.
"Ich habe den Schlüssel vergessen!", sagte Collins knapp zu dem klingonischen Arzt, wie auch immer er es verstand. "Wenn was schiefgeht, wartet nicht auf mich. Mit diesen Worten lief der Psychologe in Richtung Tür zum Lazarett.
Kargan wunderte sich über zwei Dinge: Zum einen darüber, daß Sternenlichts Stimme nun wesentlich klarer zu hören war, und zum anderen, daß diese Katze offenbar plötzlich zum Techniker mutierte.
Und zum Dritten, daß ebenso plötzlich Llewella herangeschossen kam und ihn von 'ihrem' Patienten wegschubste, obwohl er sie vorhin gerade im Lazarett zurückgelassen hatte. Anscheinend hatte sie ein Talent dafür entwickelt zu wissen, wann sich ihr Schützling verletzte. Vielleicht empfand sie es aber als ratsam bei Kämpfen alle paar Minuten nach ihm zu sehen.
Aber immerhin hatte Kargan sie extra für dessen Betreuung mitgenommen, daher war es ihm ganz recht, daß sie ihm nun Luft für andere Verletzte gab. Daß es diese Verletzten in nicht allzulanger Zeit geben würde, war mehr als klar.
--- Lazarett in der Höhle
Jack hatte den Phaser wieder eingesteckt und verschaffte sich einen kurzen Überblick. Die meisten Wesen waren in irgendwelchen Gängen und Kammern verschwunden, vielleicht waren sie auch wieder durch irgendwelche Portale dorthin gegangen von woher sie einmal vor langer Zeit gekommen waren. Seine Suche galt vor allen Dingen einem... das er dann auch schließlich unter einer Trage fand.
Lässig setzte sich Collins neben die Trage auf dem Boden und hob das Laken ein wenig zur Seite. "Hallo mein Freund, ich hoffe es geht dir gut!" Gleichzeitig öffnete er seinen mentalen Block.
Das Wesen unter der Trage umfaßte seinen roten Kristall fest und eine Menge Bilder formierten sich im Gehirn des Psychologen. Bilder der Angst und des Grauens. "Es ist das Ende!", sagte es leise.
"Nein!", sagte Jack leise. "Noch lange nicht! Hör zu, ich brauche dich mit deinem Schlüssel."
Der Primat sah Collins in die Augen und las dessen Gedanken. "Wahnsinnig ihr Wesen seid!", sagte er und erhob sich langsam aus seinem Versteck. "Wahnsinnig, aber mutig!"
Jack stand auf und prüfte seine Ausrüstung. Die Munition, die er noch hatte, sollte für sein Vorhaben ausreichen. "Wenn wir die Musterpufferverstärker kriegen, werde ich hierbleiben und euch im Kampf gegen diese Blechdosen helfen. Ich habe hier so einige Mengen versteckter Magie gesehen. Wollen wir?"
Ohne eine Antwort abzuwarten, schritt Collins durch die Tür zum Lagerraum.
--- Lagerraum
Die Luft war beißend und erfüllt vom Kampflärm und vom Gestank brennender Androidenteile. Das ferengische Shuttle, das von Narbo recht geschickt in dem zum Glück sehr hohen Lagerraum gesteuert wurde, begann Feuer auf die Androiden zu spucken, und auf einmal war die Luft von grünen, gelben, blauen und roten Blitzen erfüllt.
"Komm!", sagte er zu dem Primaten hinter sich und dieser sprang ihm geschickt auf die Schulter.
Die Androiden hatten schnell in dem Shuttle den Hauptfeind erkannt und konzentrierten ihr Feuer auf dessen Schilde, die allerdings nicht so aussahen, als würden sie von schrottreifen Handphasern auch nur angekratzt.
Als Kargan es wieder riskierte, den Kopf über seine Deckung zu heben, sah er, wie eine offenbar schwerverletzte Silvana hinter einer Art Gefährt kniete, sich die Seite hielt und feuerte, was das Zeug hielt. Geduckt lief der Arzt zu ihr herüber, wobei zwei verschiedenfarbige Strahlen seine Montur am rechten Oberschenkel und am verlängerten Rücken streiften.
"Hi Kargan, schön, daß du dich hier draußen auch blicken läßt. Ich dachte schon, daß die primitive Art der kleinen Bälger auch dich in ihren Bann gezogen hat und du dir schon eine Freundin ausgesucht hast", konnte sich Silvana einen bissigen Kommentar nicht verkneifen. Auch wenn sie es war durch die Kargan keinen Communicator mehr besaß.
"Danke, ich freu mich auch dich zu sehen. Aber was soll ich mit einer Freundin, wenn Dauerpatienten wie du und deine Männer mich ständig auf Trab halten...", knurrte der Klingone und besann sich dann wieder auf seine eigentliche Arbeit.
Mit einem Blick erkannte er, daß es keine Schußwunde war, die Silva behinderte, sondern ein Blutfleck sich um ein Loch in ihrer Kampfuniform rasch größer wurde. Anscheinend war sie dabei ihren Landgang ausgiebig zu feiern und genoß es wieder mal mit echten Gegnern zu tun zu haben und nicht nur Holodecksimulationen.
Schnell riß er ihr die Kleidung entzwei, säuberte die Wunde fachmännisch und legte eine selbsthaftende Kompresse auf. Dies alles, ohne daß sie auch nur einen Augenblick in ihrem Beschuß inne hielt oder seine Arbeit gar wahrnahm.
Beide waren nun einmal Profis - jeder auf seine Art.
Inzwischen hatte sich auch Nathalie zu den Beiden gesellt und hielt Silvana den Rücken frei. Offensichtlich hatte Llewella sie weggeschickt, da sie Pormas nicht wieder zu irgendwelchen Heldenhandlungen ermuntern wollte, falls seine Angebetete in Gefahr kam.
Als Kargan sich umschaute, bemerkte er, daß sich ein Schrotteil etwa 20 Meter vor ihm dematerialisierte. Offenbar sorgte Narbo vom Shuttle dafür, daß der Nachschub an Robotern wegen Rohstoffnachschub ins Stocken kam.
Vielleicht hatte er aber ein lukratives Geschäft mit Slade vereinbart ihm einfach nur Material von unten zu bringen.
Kargan blieb nur zu hoffen, daß Slade bei seinem Angebot einkalkuliert hatte, auch einen guten Preis für ihren Heimtransport zu bieten. Ansonsten würde Narbo wohl eher sein Shuttle mit technischen Errungenschaften volladen und gleich wieder zurück fliegen.
Und ob man sich auf Sternenlichts Beamversuche verlassen konnte, das würde sich noch erweisen müssen.
--- Lagerraum, vor dem Portal
Der Psychologe war inzwischen geschickt den Kämpfen im Lagerraum ausgewichen. Er konzentrierte sich voll auf sein Vorhaben. Vor dem Portal ließ er den Primaten von seiner Schulter. "Wir müssen zu einem Raum auf der gegenüberliegenden Seite der Lichtung, ok?"
Das Wesen sah ihn mit aufgerissenen Augen an. Der Psychologe stutzte, nein, es fixierte mit seinen Augen einen Punkt hinter Collins.
"Oh", sagte der Psychologe und aktivierte im selben Atemzug seinen Transportpuffer.
Eigentlich war es eine Bewegung, die Aktivierung des Puffers, das Wegstoßen des Primaten und die 180 Grad Drehung von Collins Körper. Aber es war eine Zehntel Sekunde zu spät.
Brennend heiß erwischte der Energiestrahl des Androiden Jack an der Hüfte. Er wurde ein paar Meter zurück geschleudert und landete schmerzhaft auf dem Rücken. Der Schmerz raubte ihm fast den Atem. "Verdammt!", fluchte er laut.
"Aktiviere das Portal!", brüllte er den Primaten an und schoß gleichzeitig auf den Androiden, dessen Schaltkreise sich danach sofort in Wohlgefallen auflösten.
Die Hüfte brannte höllisch und Collins hatte kaum noch ein Gefühl im linken Bein. Außerdem blutete er stark. Trotzdem kam er mühsam wieder auf die Beine und humpelte zu dem nun aktivierten Portal.
"Gut gemacht", raunte er dem Primaten zu und ließ sich durch das Portal fallen.
--- fremder Planet, vor dem Lagerraumportal
Der Primat folgte dem Psychologen und hantierte anschließend mit seinem Kristall an dem Bedienpult des Portals herum. "Blockiert es ist erstmal", sagte es und sah Jack mit sorgenvollen Blick an.
Collins sah, wie sein Blut das Laub unter ihm langsam rot färbte und er wußte, daß er nicht mehr die Zeit hatte seine Tat zu vollenden. Er zog den Primaten zu sich herunter.
"Lies meine Gedanken!", sagte er rauh und konzentrierte sich auf das Aussehen der Musterpuffer. "Du und deine Freunde müßt diese Sachen von dort", er deutete auf die gegenüberliegende Seite der Lichtung, "zu dem Raum aus dem wir gekommen sind bringen." Das Reden fiel ihm schwer und so ließ er seine Gedanken sprechen.
Die Bilder zeigten dem Primaten, wie er mit Hilfe der restlichen Munition aus Collins Transportpuffer die Portale sprengen konnte und somit zumindest auf diesem Planeten sicher vor den Androiden sein konnte. Der Primat nickte langsam und stand auf.
Jack spürte, das inzwischen schon mehr von den Lebewesen anwesend waren und diese jetzt heftig mentale Bilder miteinander austauschten. Wahrscheinlich waren alle hierher geflohen, da sie im Lagerraum keine hohe Überlebenschance hatten.
Nach ein paar Minuten war die Konversation beendet und einige von ihnen bewegten sich auf das gegenüberliegende Portal zu.
Einige der verbliebenen Wesen kümmerten sich um den Psychologen und versuchten dessen Blutung zu stoppen. Collins nahm alles nur noch durch einen Schleier wahr, alles wirkte schemenhaft. Das Gefühl der Zeit entschwand ihm.
Jemand stopfte Jack etwas in den Mund und er begann zu kauen. Es schmeckte ekelig, hatte aber eine durchschlagende Wirkung. Seine Sinne wurden wieder klarer und er sah, wie einige Wesen gerade durch das Portal in Richtung Lagerraum verschwanden. Und sie trugen das mit sich, was Collins ihnen mit den mentalen Bildern erklärt hatte.
Jack fühlte sich gut, diese Pflanze, die man ihm zum Kauen gegeben hatte, wirkte sehr stimulierend. Langsam und unter großen Schmerzen stand er auf.
Er hatte eine Menge Blut verloren und sein Verstand sagte ihm, daß es einfach zuviel war. Collins streifte seine Ausrüstung ab und blickte zum Portal, neben dem der Primat mit dem Kristall stand.
'Wega!', dachte Collins und bewegte sich auf das Portal zu. Hinter dem Felsen konnte er genau diese Ruinen erkennen. Er spürte, wie eine starke mentale Kraft alle noch verbliebenden mentalen Sperren durchbrach, und nach ein paar Sekunden huschte das fremde Wesen zu dem Portal, wo es ein paar Einstellungen vornahm.
Die Ruinen verschwanden, und statt dessen blickte man auf eine lebendige Welt. Zwischen vollkommen intakten Gebäuden konnte man klare Bewegungen erkennen. In Collins Kopf erklangen die Worte: 'Du warst bereit, für uns zu sterben, du warst der einzige deiner Gruppe, der sich respektvoll zu uns verhalten hat. Deshalb schenken wir dir das, was du dir am meisten wünschst.
Du siehst hier, wie dieser Planet vor langer Zeit ausgesehen hat. Mit diesem Portal ist es einmalig möglich, durch die Zeit zu reisen. Wir wollen dir die Möglichkeit geben, nach Hause zu gehen und dich dort heilen zu lassen. Versuche die Katastrophe zu verhindern, die diesen Planeten einst heimsuchen wird. Gehe nun.'
Dankbar schaute der Mann, der nicht in dieses Universum gehörte, ein letztes Mal zurück und schleppte sich dann vorwärts. Er sah nicht, daß ein Strom von Primaten durch das Portal quoll, und er bemerkte auch nicht, daß sich hinter ihm das Portal in den Lagerraum in einer gewaltigen Explosion auflöste.
Er sah nur eines: Seine Heimat...
--- Lagerraum
Der Grilmak hatte von den Geschehnissen um ihn herum kaum etwas mitbekommen. Weder das Verschwinden Collins, noch der lange Marsch der Fremden in das gleiche Tor, noch dessen anschließendes Verlöschen konnten seinen Arbeitseifer dämpfen.
Mit fliegenden Fingern hatte er mit dem Inhalt aus Pormas jetzt gänzlich unbrauchbaren Helm, der nur einige Meter neben ihm eingeschlagen hatte, eine Art Störsender gebaut. Daß es sich bei einem Teil davon um einen Androidenkopf handelte, ahnte er nicht.
Erst als er fertig war, nahm er seine Umwelt wieder wahr. Auf den ersten Blick erschienen nach Einschalten seines Störsenders nun keine weiteren Androiden mehr. Allerdings waren mittlerweile so viele davon auf der Bildfläche vorhanden, daß die Handvoll Privateer-Leute alle Hände voll zu tun hatte, sich ihrer Haut zu wehren.
Silvana hatte offenbar eine Art fahrbaren Untersatz gefunden und brauste nun mit Kargan zusammen wild durch die Gegend, als bewegtes Ziel mit ständigen unvermittelten Kursänderungen waren sie kaum zu treffen. Da sie der Leiter der Expedition war, funkte KWinh sie an:
"KWinh an Silvana. Der Störsender arbeitet. Wo sind eigentlich die ganzen fremden Wesen hin, die wir damit beschützen wollten?"
Ohne daß man erkennen konnte, ob sie durch diesen Spruch abgelenkt wurde, zerblies sie einen besonders bösartig aussehenden Androiden, der sich fast schon auf Kargans Kurswechsel eingestellt hatte und antwortete dann: "Interessiert mich nicht, unsere Aufgabe ist es, so viel Technik wie möglich mitzunehmen. Narbos Shuttle ist schon fast voll beladen, und Nathalie hat ein paar Signalverstärker für Sternenlicht zusammengebastelt. Ich wollte sowieso gerade gehen. Wenn es am Schönsten ist, soll man aufhören.
Silvana an Sternenlicht: Beam die ganze Truppe nach oben, bevor wir ernsthafte Personalprobleme bekommen. Die Geschenke für Slade bei dem Signalverstärker nimmst du auch mit. Ende."
"Nein, nicht Ende!", erklang die Stimme des Sivaoaners. "Ich kann Collins nicht erfassen. Ich hatte gesagt, er muß zwischen zwei Communicatoren stehen. Ist er bei dir und Kargan?"
"Negativ", antwortete die Sicherheitschefin genervt. Ihr fiel ein, daß sie ihn eben gesehen hatte, wie er sich auf eines der Portale zugeschleppt hatte. War es das, das jetzt nur noch schwarz war? Sie war sich nicht ganz sicher. Und da sie ihn hier nirgends sehen konnte, antwortete sie kurzentschlossen: "Vergiß ihn und uns. Beam alle außer Kargan und mir hoch, wir fliegen mit Narbo zurück!"
Der klingonische Chefarzt, den Silvana zum Chauffeur degradiert hatte, raste um einen Schuttberg herum und dachte sich, daß heute wohl ein guter Tag zum Sterben war.
"Silvana an Narbo", erklang ihre Stimme durch das Phasergetöse, das nun von den typischen Beamgeräuschen unterbrochen wurde. "Warte mit dem Rückflug noch fünf Minuten. Wenn wir bis dahin noch nicht wieder zurück sind, flieg alleine zur Privateer und richte dem Chef aus, daß es eine schöne Zeit mit ihm war und er allein auf seinen pelzigen Arsch aufpassen soll. Ende."
Mit diesen Worten bedeutete sie Kargan, durch das mittlere der drei übriggebliebenen Tore zu fahren.
--- Samba Hydia 3
Es wurde schlagartig etwa dreißig Grad kälter, als der Wagen das Tor verließ. Er schlitterte über eine weiße Eiswüste, drehte sich, und als Kargan den Wagen wieder unter Kontrolle hatte, sah er etwa hundert Meter vor sich drei Portale.
Die beiden Äußeren zeigten ein sehr ähnliches Bild, nämlich eine Art Schrottplatz, während das Mittlere auf eine rostrote Blumenwiese führte, auf die er instinktiv zuhielt.
--- Falor 9
Die Luft schmeckte nach Eisen und irgendwie verbraucht.
Weder von Collins war eine Spur zu sehen, noch von irgendwelchen anderen bekannten Lebewesen. Im Gegenteil schien die Fauna hier beinahe bedrohliche Ausmaße angenommen zu haben.
Geschickt duckten sich beide tief in das Innere des Wagens und bretterten mit Höchstgeschwindigkeit weiter, als das Grün sich bewegte und allem Anschein nach die beiden Reisenden für eine Delikatesse zu halten schien.
Und da waren ja auch wieder einige Portale, die zum Testen direkt einluden...
--- Privateer, Quartier des Captains
"Sternenlicht an Captain. Transfer komplett. Silvana, Kargan und Collins kommen mit Narbo zurück. Ende."
'Na wunderbar', freute Slade sich. Die ganze Aktion würde sehr viel weniger kosten als erwartet. Und weeesentlich mehr Profit abwerfen. Ohne den Spruch zu bestätigen, schaltete er das Bild seiner vorherigen Unterhaltung wieder auf den Schirm.
Ein computeranimiertes lächelndes Gesicht erschien.
"Ja, viel besser, ZEGgie. Das letzte Gesicht war einfach zu unfreundlich. So macht das Verhandeln doch viel mehr Spaß. Also ich kann dich beruhigen, ich werde in die Kampfhandlungen nicht eingreifen, meine kleinen Schiffe sind bald wieder verschwunden, und meine Leute ebenfalls. Dann hast du wieder die volle Kontrolle.
Die bestellte Ladung Dilithiumkristalle ist unterwegs, die Bezahlung ist bereits eingetroffen. Die Liste der Dinge, die du noch brauchst, ist sehr lang, aber ich denke schon, daß ich dir das alles beschaffen kann. Wenn ich wiederkomme, bekommst du alles. Ich hoffe nur, du kannst auch soviel goldgepreßtes Latinum auftreiben, wie die Dinger wert sind. Bedenke: Schmierstoffe aus Erdöl sind schon seit Jahrhunderten nicht mehr in Gebrauch und dementsprechend teuer."
'...und gelobt sei der Erfinder des Replikators etcetcetc...'
ZEG antwortete: "Latinum hat für uns keinen besonderen Wert, für dich offenbar schon, sonst hättest du es nicht als Zahlungsmittel akzeptiert. Das ist ja das Wesen des Handels. Solange beide Seiten zufriedengestellt sind, ist alles in Ordnung."
Einträchtig lächelnd unterhielten die beiden sich noch eine Weile, bis Narbos Shuttle wieder aufgenommen war und die Privateer langsam Fahrt aufnahm...
--- Almak 2, eine halbe Stunde später
"Ich hab dir ja gleich gesagt, daß wir vor drei Portalen das Mittlere auf der rechten Seite hätten nehmen sollen, aber du und dein Klingoneninstinkt ihr wart ja wieder mal klüger und warum?
Wahrscheinlich, weil du keinen Affen bei dir hattest um ihn zum Testen der Atmosphäre durchs Portal zu werfen", schnaubte Silvana verächtlich und hielt sich am Wagen fest.
Ihre Kleidung war nicht gerade für eisige Gegenden brauchbar und schon gar nicht, nachdem Kargans Schlächterhände ihre Kleidung in die Arbeitskleidung einer orionischen Liebessklavin verwandelt hatten.
Dabei war es ohnehin schon schlimm genug mit einem Mann unterwegs zu sein, der zwar augenscheinlich Klingone war, aber Kämpfen lieber aus dem Weg ging.
"Dich konnte ich nun mal schlecht werfen, auch wenn du auch irgendwie ein Affenweibchen bist", schnappte Kargan gereizt zurück.
"Besser ein Affenweibchen als so asexueller Waschlappenklingone wie du!", gab sie zurück.
"Im Gegensatz zu dir habe ich meine Gefühle unter Kontrolle." Kargan war außerordentlich ruhig. "Einmal habe ich mich mit einer Kollegin eingelassen, und das wurde zu einer großen Katastrophe. Seitdem schalte ich auf Raumschiffen etwas zurück. Aber wenn man das nicht kann..."
"...das denke ich mir auch...'wenn man DAS nicht kann...'" Süffisant lächelte sie und schenkte dem Klingonen keine weitere Beachtung.
--- egal, irgendwo halt, viel später
"Glaubst du wirklich, daß wir Collins finden? Der könnte mit diesen Toren bereits die halbe Galaxis bereist haben und wir könnten immer eine Minute zu spät ankommen und es gar nicht merken." Silvanas Augen hielten gespannt nach etwas Bekanntem Ausschau, doch sie zweifelte sehr stark daran sich überhaupt in ihrer eigenen Galaxis zu befinden.
Zumindest die violetten Wasserfälle muteten bei genauerem Hinsehen etwas seltsam an.
"Hier ist eigentlich eine ziemlich interessante Gegend. Laß uns doch mal aussteigen und uns etwas näher umsehen. Ist doch eigentlich egal, wann wir unseren Portalpoker weiter fortsetzen. Allmählich zweifle ich ohnehin daran, daß wir je wieder den Weg zurück finden. Vielleicht gibt es in der Bar da hinten ja sogar so etwas wie Blutwein..."
. . .
--- Privateer, Brücke, viel viel später
"Sir, eine Textnachricht für Sie von Mizar Prime." Die Stimme der vollbusigen Miss Communicator war so warm und freundlich, wie es Slade im Moment überhaupt nicht ausstehen konnte.
"Textnachricht? Von wem? Ach was, lies einfach vor, Babe."
"Sternzeit..."
"Ich will die Nachricht hören, überspring einfach den uninteressanten Teil", schnauzte der Anticaner.
"Mh, mh, mh. Hallo, Slade, altes Haus. Wenn du deinen Hintern nach Mizar Prime bewegst, hätten wir von unseren Reisen durch mindestens sechs Universen ein paar sehr interessante Mitbringsel für dich. Kannst dir aber gerne Zeit lassen, uns geht es hier sehr gut. Silvana und Kargan.