--- Planet, unter der Stadt, in einem Wohnblock
Die Träume hatten wieder angefangen. Träume von Gewalt, Zerstörung und Vernichtung. Gestaltlos schwebte der Mann über dem Geschehen und beobachtete, wie die Kristallstadt Karissa von vier Bomben getroffen wurde. Als nach sehr langer Zeit die Sicht wieder klar wurde, zeugten nur noch vier ineinandergreifende Riesenkrater davon, daß hier einmal Endori gelebt, geliebt und gelitten hatten.
Eine freundliche Stimme sagte nur folgende Worte: "Anzahl der ehemaligen Einwohner: Sechs Millionen dreihundertachtundvierzigtausend."
Schweißgebadet wachte er auf.
Wieder dieser Traum. er wußte genau, wie er weiterging. Er kannte die Namen der Städte inzwischen auswendig. Karissa, Marfira, Jularongh, Lhareth, Optra, Shira mit allen sechs Vorstädten, die selber jeweils mindestens eine Million Einwohner - nun ehemalige Einwohner - gehabt hatten. Und so weiter. Die Liste nahm nie ein Ende, begann aber immer mit Karissa, der Wunderbaren, der Kristallstadt.
In guten Nächten schaffte er es, nach der ersten Stadt aufzuwachen. Manchmal erlöste ihn erst der Weckruf des Vorarbeiters nach mindestens zwanzig Städten.
Dies war eine der guten Nächten.
Er wußte, daß seine Träume mehr Wahrheit beinhalteten als alle überlieferten Geschichtsbücher zusammen.
In den Geschichtsbüchern war zu lesen, daß sein Volk vor sehr langer Zeit einmal an der Oberfläche gelebt hatte. Dort waren sie glücklich gewesen, bis die von Magiern gerufenen Dämonen rebellierten und alle Endori töteten.
Alle, bis auf Dharuk und Sernia, die ihren Weg unter die Oberfläche fanden, sich dort versteckten, und ein neues Geschlecht gründeten.
So lernten es die Endori jedenfalls in der Schule.
Aber er wußte, daß das nicht stimmte. Er wußte es, weil er jede Nacht in seinen Träumen sah, was damals wirklich passiert war. Er war hautnah dabei.
Es schien, daß er der Einzige heute lebende Endori war, der über diese Dinge informiert war. Alle Lehrer, Historiker und Professoren, die er befragt hatte, zuckten nur mit den Schultern, wenn sie diese Namen hörten. Er hatte nicht den Eindruck, daß er auf ein gut gehütetes Geheimnis gestoßen war, sondern um ein inzwischen komplett vergessenes.
Als die Träume vor drei Jahren nach einer fast mißglückten Aneignungsaktion in der Oberwelt begonnen hatten, hatte er zunächst darüber gelächelt, ständig so wirres Zeug, das gar nicht zu den friedlichen Lehren der Alten paßte, zu träumen. Das Wissen um diese Träume hatte er instinktiv im nicht öffentlichen Teil seines Gehirns abgespeichert, damit bei einem telepathischen Kontakt nicht der Gesprächspartner aus Versehen Einblick in diese Bilder bekam.
Als sie Monate später immer noch nicht aufhörten, sondern im Gegenteil immer realistischer wurden, hatte er kurz über einen Besuch bei einem Mentalisten nachgedacht. Aber dieser Gedanke brachte beinahe körperliches Unwohlsein mit sich, und so hatte er diesen Besuch immer vor sich hergeschoben.
Aber er hatte angefangen, die Geschichte, die ihm seine Träume erzählten, aufzuschreiben.
Demnach hatte vor fast tausend Jahren sein Volk wirklich auf der Oberfläche gelebt. Soweit stimmten die Geschichtsbücher.
Das war aber auch alles.
Damals beherrschten die Endori das, was die Alten Meister heute "Magie" nannten, nahezu in Perfektion. Sie nannten es "Technik", und jeder konnte sich "technische Geräte" zulegen, und diese "Technik" arbeitete ohne jede Magie für die Endori.
Sie arbeitete so perfekt, daß im Laufe der Zeit die Verwaltung des Planeten in die Hände der unfehlbaren "Technik" gelegt wurde. Ein zentrales Elektronengehirn - liebevoll ZEG genannt - übernahm die Aufgabe, für das Wohl des Planeten zu sorgen.
ZEG übernahm die Verkehrs- und Bevölkerungsplanung, agrartechnische und handelsspezifische Aufgaben, sowie die gesamte Exekutive des Planeten.
Der Planet blühte.
In dieser Zeit bildeten sich mehrere politische Gruppen: Die Weltformer traten dafür ein, Polkappen und Wüsten zu gemäßigten Zonen umzuwandeln.
Die Konventionalisten vertraten die Meinung, ein derart großer Eingriff in das Klima des Planeten könne verheerende Folgen haben. Sie waren sich nicht darüber einig, wie die Folgen aussähen - fürchterliche Orkane oder absolute Windstille. Für beide Optionen gab es glaubhafte Computermodelle, was die Weltformer dazu bewog, Computermodelle zu erstellen, die bewiesen, daß eine Umwandlung des Klimas in ihrem Sinne für alle Endori nur Vorteile brachte.
Die Siedler, eine kleine aber mächtige Gruppe, trat dafür ein, andere Planeten zu besiedeln, was sowohl von den heimattreuen Weltformern als auch von den noch heimattreueren Konventionalisten aufs schärfste kritisiert wurde.
Nach Jahren des Streites hatten die Konventionalisten glaubhafte Beweise dafür, daß die Siedler eine Technik entwickelt hatten, die es erlaubte, ohne wesentliche Zeitverzögerung nach anderen Planeten zu reisen - und dort eine Siedlung aufzubauen.
Dieser kleine Funke genügte, um dieses hochexplosive politische Pulverfaß zum explodieren zu bringen. Mittlerweile hatten alle drei Gruppen sehr wirksame Waffen entwickelt, die sie weidlich einsetzten.
Karissa. 6 348 000.
Marfira. 5 775 000.
Jularongh. 5 798 000.
Und wie sie alle hießen.
Jede Vernichtung einer Stadt wurde durch die gegnerische Propaganda als großer Sieg gefeiert und für die Nachwelt archiviert.
Nach ein paar Wochen war der Krieg vorbei. Die Konventionalisten hatten alle Städte der beiden anderen Gruppen, und zur Sicherheit auch alle Neutralen, zerstört. Anzahl der Überlebenden: Unbedeutend.
An diesem Punkt schaltete sich ZEG ein und erinnerte sich an seine Aufgabe: "Sorge für das Wohl des Planeten."
Ausnahmsweise fehlerlose Computersimulationen zeigten mit 99,8% Wahrscheinlichkeit, daß sich in spätestens 300 Jahren, wenn die Bevölkerung des Planeten sich einigermaßen erholt hätte, dieses Szenario wiederholen würde. Ob es sich diesmal um Religion, politische Ansichten, Gebietsansprüche, oder sonst etwas drehen würde, war irrelevant.
ZEG vertrat die Ansicht, daß dem Wohl des Planeten in erster Linie die Vernichtung auch der restlichen Endori dienen würde.
ZEG rüstete seine Agrarroboter mit den Polizeiwaffen aus seinem Exekutivfundus (der zuvor durch unauffällige Handelsmanipulationen um 2000 Prozent vergrößert wurde, und von nun an auch Massenvernichtungswaffen enthielt), aus, und löschte in einem gut geplanten, 846 Minuten dauernden Schlag - drei Minuten länger als geplant, die Restbevölkerung des Planeten aus.
Erst Jahre später bemerkte ZEG, daß es doch Überlebende gegeben hatte. Im Krieg der drei Fronten mußte es Tiefbunker gegeben haben, denn in unregelmäßigen Abständen fielen in bestimmten Gebieten besonders gehäuft Androiden unerklärlichen Betriebsunfällen zum Opfer, woraufhin regelmäßig Teile der Ausrüstung verschwanden.
Trotz intensiven Bemühungen fand ZEG nie die Basis der potentiellen Gegner des Wohles des Planetens. Heute stand die Erfolgaussicht einer oberirdischen Aneignungsaktion bei fünfzig Prozent.
Der Weckruf des Vorarbeiters rüttelte ihn aus seinen düsteren Gedanken. Als er seine Schlafstätte verließ, war es draußen schon fast hell. Da die Beleuchtung, ohne die es hier unter der Oberfläche ständig stockfinster gewesen wäre, vom Magier der Nachtschicht und seinen magischen Geräten kontrolliert wurde, konnte ein geübtes Auge aus der Helligkeit leicht die genaue Uhrzeit ablesen.
Noch hatte er genug Zeit um eine Kleinigkeit zu essen, und dann gemütlich zur Arbeit zu gehen.
Und dort nebenbei seinem Spezialauftrag nachzugehen.
Nur für diesen Auftrag hatte er sich vor drei Jahren zum geschmähten Magier der Tagschicht versetzen lassen.
Alles, was mit Magie - oder Technik, wie sie wohl ganz früher geheißen hatte - war heute nicht mehr gut angesehen. Lag das vielleicht am kollektiven Gedächtnis der Endori? Irgendwie schienen alle zu wissen, daß die Technik ihnen letztendlich den Untergang gebracht hatte.
Was niemand so recht wahrhaben wollte war, daß sie ohne die "Magier" verloren waren. Keine Luftaustauscher, kein Licht, kein Unterbodenackerbau, kein Leben.
Die Arbeit beim Magier war interessant. Nach einem Jahr hatte er seine eigene magische Werkzeugtasche bekommen, und konnte sich frei im Archiv bewegen.
Das Archiv war es, worum es sich in seinem Spezialauftrag drehte. Der Auftrag war einfach. Er hatte nur ein Bauteil zu finden und an seinem ursprünglichen Platz zu montieren.
Ein kleines, aber sehr wichtiges Bauteil.
Da vor tausend Jahren zu befürchten war, daß alle Androiden auf dem Planeten miteinander kommunizierten, waren die Teleporter von der Oberfläche nach hier unten anfangs für den Transport von Androiden gesperrt gewesen. Die Erbauer hatten einfach eine Schaltung eingebaut, die nur den Transport von Wesen, die zu mindestens 75% aus lebender organischer Masse bestanden waren erlaubt, was bedeutete, daß ein Endori etwa ein Viertel seiner Masse an Elektronikteilen mit sich führen konnte.
Kurze Zeit später - als richtig große Teile für das Weltentor transportiert werden mußten - wurde jedoch durch ein kleines Bauteil diese Sicherheitsschaltung kurzfristig außer Kraft gesetzt, was den Bau des Tores erst ermöglichte.
Nach Beginn der ZEG-Säuberungsaktion wurde dieses Bauteil natürlich schnell entfernt.
Warum war es jetzt eigentlich so wichtig, daß sie nun wieder montiert würde?
Ach ja: Die Chancen, daß die Unterirdische Kultur eines Tages durch den Umweg über einen anderen Planeten die Herrschaft ZEGs beendete, und damit die primäre Aufgabe "Wohl für den Planeten" unmöglich machte, standen mit zunehmender Zeit unangenehm hoch.
--- ZEG, HQ
Statusbericht kontrollierter Agent Nummer 488: Arbeitsbeginn. Prognostizierte Suchmenge bis Arbeitsende: 0.03% des Gesamtarchivs.
Statusbericht kontrollierter Agent Nummer 489: Arbeitsbeginn. Prognostizierte Suchmenge bis Arbeitsende: 0.03% des Gesamtarchivs.
Statusbericht kontrollierter Agent Nummer 490: Arbeitsbeginn. Prognostizierte Suchmenge bis Arbeitsende: 0.03% des Gesamtarchivs.
Statusbericht kontrollierter Agent Nummer 491: Krankheit. Prognostizierte Suchmenge bis Arbeitsende: 0.00% des Gesamtarchivs.
Statusbericht kontrollierter Agent Nummer 492: Arbeitsbeginn. Prognostizierte Suchmenge bis Arbeitsende: 0.03% des Gesamtarchivs.
Prognostizierte gesamte durchsuchte Menge bis Arbeitsende: 22.9% des Gesamtarchivs.
Statusbericht Forschungsbericht organische Androiden: 7%.
Statusbericht Tests Androiden und Flugkörper mit lebender Außenhaut: Positiver Abschluß. 33% organische Masse konnten verbaut werden.
--- fremder Planet, Portal vor dem Lagerraum
"Danke, daß du mich nicht erschossen hast", sagte Collins mit einem sarkastischen Unterton zu Silvana, "aber es gibt einige Dinge, für die es sich lohnt hierzubleiben!" Er sah durch das Portal auf viele Kisten und Behälter. "Laß uns zur Ablenkung ein bißchen einkaufen gehen!"
"Keine Ursache", antwortete Silvana. "Aber es gibt Dinge, die ich mir gerne für ganz besondere Gelegenheiten aufspare." Dabei funkelten ihre Augen, daß man nicht recht sagen konnte, ob sie ihn lieben oder erschießen wollte.
"Solltest du noch einmal deinen zugegeben süßen Arsch ohne meine Erlaubnis und noch dazu vor mir durch eines dieser Tore stecken, dann hast du ein kleines Problem. Nämlich mich. - Und jetzt sollten wir uns hier etwas umsehen, bis wir das andere Tor erreicht haben. Ich hoffe mal, daß die uns wirklich was zu bieten haben. Slade wird nicht glücklich sein von solchen Toren zu hören und gerade mal ein wenig Schrott abzustauben.
Vielleicht könnten wir ihm ja eines dieser Dinger als Haustier mitbringen", meinte sie plötzlich mit einem Blick auf das weibliche der drei Wesen, schüttelte dann aber wieder den Kopf und zuckte mit den Schultern, "aber ich weiß nicht, ob das gut ist. Lebende Haustiere haben bei ihm nicht gerade ein langes Leben. Sein Magen scheint da einiges zu vertragen."
Kargan warf ein: "Wie wäre es mit Zweien? Man könnte eine kleine Zucht aufmachen..."
"Wenn wir ihm die Kleine mitbringen, dann genügt wohl schon Collins für den Beginn der Zucht", meinte Silvana heiser lachend und fing sich einen düsteren Blick von Jack ein, der den Scherz gar nicht lustig fand. Vielleicht auch deshalb, weil die Kleine wieder an seinem Bein klebte.
Damit kehrte sie den anderen den Rücken und übernahm die Führung der seltsam anmutenden Gruppe.
--- fremder Planet, Lichtung,
Der Wald mochte malerisch anmuten, doch Silvana mochte ihn nicht. Ihr Instinkt sagte ihr, daß dieser Wald nicht unbewohnt war.
'So kann man sich auch unbeliebt machen', dachte der Psychologe, erwiderte aber weiter nichts zu den letzten Worten Silvanas. Eigentlich sollten sie wieder zurück zur Stadt gehen, zu dem Lagerraum, aber Kargan und Silvana schienen andere Pläne zu haben.
Collins folgte den beiden ohne ein Wort zu sagen. Die Fremden schienen dies nur sehr widerwillig zu tun, immer wieder huschten Bilderfetzen durch das Hirn des Psychologen. Ohne ein Bild klar zu erkennen, fühlte er doch, daß eine gewisse Bedrohung hier auf sie zu warten schien.
"Tut mir leid Leute, ihr denkt zu undeutlich, ich kann euch nicht verstehen. Außerdem wurde dem Dolmetscher das Wort entzogen. Ihr müßt euch ab sofort direkt an das Führungspersonal wenden", er deutete auf den Doktor und die Sicherheitschefin.
Das eine männliche Wesen deutete auf seinen Anzug. "Ihr solltet sie aktivieren, dann können sie euch zumindest nicht mehr sehen. Das gibt euch die Chance zum Portal zurückzukommen. Aber bedenkt, sie können besser riechen wie sehen!"
Collins traute seinen Ohren nicht. Sie beherrschten seine Sprache jetzt perfekt. "Ihr seid äußerst lernfähig, was?", fragte er erstaunt.
"Und Ihr seid äußerst uneinsichtig", antwortete das weibliche Wesen. "Geht zum Portal zurück, alles was hier noch lebt ist ziemlich blutrünstig und gefährlicher als einer der mechanischen Wesen hinter dem Tor."
Silvana hörte, was die Wesen meinten, trotzdem befolgte sie nicht ihre Anweisung den Anzug zu aktivieren und stellte sich der Gefahr. Aus irgendeinem Grund traute sie diesen Wesen nicht besonders. Auch nicht ihren Warnhinweisen. Was war, wenn sie etwas zu verbergen hatten? Vielleicht waren sie ja gar nicht so gut wie sie vorgaben zu sein...
Es schien, als wollten sie plötzlich partout nicht mehr zum Portal auf der anderen Seite der Lichtung. Dabei war Silvana nur hierhergekommen um den zweiten Raum zu besichtigen. Dieser unverständliche Umschwung machte die Sicherheitschefin nur noch aufmerksamer gegenüber ihrer Umwelt.
"Wir wollten zum zweiten Raum nach oben. Ihr sagtet, er ist auf der anderen Seite der Lichtung zu erreichen und genau dorthin gehen wir auch. Ende der Diskussion." Ihre Worte ließen offen durchblicken, daß sie auf beiden Ohren taub sein würde, falls jemand ihrem Befehl widersprechen wollte. Aber irgendwie schien keiner lebensmüde genug zu sein.
Nur leise, aber für ihren empfindlichen Hörsinn laut genug knackten kleine Äste und raschelten Blätter abseits des Weges. Außerdem vernahm sie ein Flüstern und Tuscheln. Aber es klang nicht bedrohlich. Im Gegenteil. Leise und verängstig hörte es sich an. Fast wie ein Wimmern.
Kargan war gerade dabei eine Anekdote aus seiner Starfleet Zeit zum Besten zu geben, als Silvana lossprintete und mit einem gezielten Hechtsprung im Unterholz verschwand. Gefolgt von einigen ungläubigen Blicken.
--- Shuttle 1, ca. 20 km westlich der Stadt
Sternenlicht aktivierte er den Communicator, diesmal mit aller Sendeleistung, die das Schiff hergab: "Sternenlicht an alle, hört mich jemand? Ich wurde soeben mit unbekannten Waffen angegriffen und bewege mich gerade wieder mit hoher Geschwindigkeit auf die Stadt zu. Das Shuttle ist leicht beschädigt, nichts Dramatisches.
Ich habe aber das unbestimmte Gefühl, daß wir hier nicht willkommen sind..."
Was war inzwischen geschehen?
--- Rückblende, Shuttle 1, südlich der Stadt
Seit Sternenlicht dem Klingonen hinterhergesehen hatte, war bereits einige Zeit ins Land gegangen. Sogar die Sonne stand inzwischen am Himmel.
Aber der Sivaoaner hatte nichts davon bemerkt, zu sehr war er in die Untersuchungen seiner Umgebung vertieft gewesen, da ihn ein paar Unstimmigkeiten und Lücken bei den Scans aufgefallen waren und er nicht eher das Shuttle verlassen wollte, bis das alles zu seiner Zufriedenheit geklärt worden war. Rogers lag noch immer bewußtlos auf der Bank im Heck des Shuttles, wo Sternenlicht ihn hingehieft hatte.
Dabei hatte Sternenlicht die Art des Klingonen nicht verstehen können. Rogers einfach durch einen Schlag an die Schläfe bewußtlos zu schlagen entsprach nicht gerade dem sivaoanischen Sinn für Diplomatie. Gewiß, vergleichbare Schläge wurden mitunter als erzieherische Maßnahme verwendet. Aber Rogers war schließlich nach hiesigen Gesichtspunkten kein Kind mehr.
Nicht einmal Silvanas Ruf aus dem alten Gebäude hatte er bemerkt, der so nur den bewußtlosen Rogers erreicht hatte, der immer noch im Reich der Träume weilte.
Erst der nächste, der auch an ihn ging, erreichte sein Ohr: "Silvana an Rogers und Sternenlicht. Wir hatten einen unangenehmen Zusammenstoß mit ein paar Androiden und scheinen bald wieder die Glücklichen zu sein. Falls ihr zu uns stoßen wollt, dann peilt... Kargans Communicator an. Wie ich die Technik hier kenne werden wir gleich nicht zu orten sein. Sucht in den Trümmern nach uns. Silvana Ende."
Erneut begannen seine bepelzten Finger über die Tastatur des Shuttles zu huschen, denn bei seiner ersten Untersuchung der Umgebung hatte er eine Konsequenz nicht beachtet. Das Level der elektromagnetischen Emissionen war nicht gefährlich, sicherlich. Nur bestätigten die Sensoren das Bild in seinem Gedächtnis: Es gab mehrere Konzentrationen an Emissions-Quellen in der näheren Umgebung, die definitiv künstlichen Ursprungs waren.
Er sah sich diese Quellen ein wenig näher an, nicht nur die Stärke war interessant, sondern auch Ihre Verteilung. Insgesamt konnte er derzeit zehn Ballungen ausmachen, von denen sich nur noch drei bewegten. Sie schienen sich in zwei Hälften aufzuteilen, von denen sich jede ein Shuttle ausgesucht hatte.
In diesem Moment erregte ein warnendes Blinken auf einer Konsole zu seiner Linken seine Aufmerksamkeit. Irritiert blickte Sternenlicht auf die dort angezeigten Werte.
Die Steuerbord-Warpzelle verlor Energie, sie war in den letzten 5 Minuten auf unter 30 Prozent gesunken und hatte damit das untere Limit erreicht. Noch bevor er seinen Communicator aktivieren konnte, begann eine zweite Meldung neben der ersten aufzuleuchten - die Backbord-Warpzelle.
Nach einer halben Sekunde des Zögerns begannen seine Hände wieder über die Konsole vor Ihm zu fliegen. Sein Schweif machte immer hektischer hin-und-her-schlagend keinen Hehl aus seiner Stimmung.
Noch während er die verschiedensten Daten aus den Bordsystemen des Shuttles quetschte, sprach er in seinen Communicator:
"Sternenlicht an Silvana, das Shuttle wird von einem energiedämpfenden Feld angegriffen. Ursprung irgendwo in der Nähe des Shuttles.
Sternenlicht an Shuttle zwei: Eine Reihe von Energiequellen beginnen sich um Euer Shuttle zu formieren. Versucht Ihnen aus dem Weg zu gehen. Datendump folgt."
Ein statisches Rauschen antwortete ihm. Ein zischender Fluch, bei dem vermutlich jeglicher Translator kapitulieren würde, war seine einzige Antwort darauf.
Er wandte seinen Blick wieder auf die Anzeigen des Scanners. Die fünf Energiequellen hatten sich mittlerweile um sein Shuttle formiert, erstaunlich symmetrisch und alle in einem gleichen Abstand, so daß sie ein regelmäßiges Fünfeck um das Shuttle bildeten, alle 72° eine Quelle, mit der Spitze exakt 3.500 Meter Achtern gemessen vom Zentrum des Shuttles aus.
Ein Aufflackern lief durch das Bild der Sensoren. Ausgehend von der Energiequelle Achtern begann Energie rasant von einem Knoten zum nächsten kreuz und quer um das Shuttle herum zu fließen, bis sich ein ebenso regelmäßiges, sternförmiges Muster aufgebaut hatte.
Irgendwoher kannte Sternenlicht dieses Muster. Wieder einmal verfluchte er die Tatsache, daß sein Gedächtnis bei Bildern so schlecht war. Weiter kam er in seinen Gedanken nicht, denn ein Blick aus dem Fenster ließ in ungläubig erstarren, denn plötzlich wurde es dunkel um ihn herum.
Sternenlicht waren in den letzten Jahren viele Phänomene untergekommen, aber die völlige Schwärze, die sich bar jeglichen Lichtschimmers vor der Pilotenkanzel ausbreitete?
Die Sensoren zeigten ... nichts. Absolut gar nichts.
Sternenlicht durchforstete sein sonst so unfehlbares Gedächtnis nach irgendeiner wissenschaftlichen Erklärung für dieses Phänomen, aber auch hier blieb es bei dem Versuch.
Egal was die Instrumente ihm zu erzählen vermochten, das Shuttle schwebte nicht ruhig in einem absolut leeren Raum. Im Gegensatz zu den Anzeigen des Trägheitsdämpfers glaubte sowohl sein siebter Sinn als auch seine Nackenhaare eher an ein immer schneller rotierendes Shuttle, das einem Schwerefeld entgegen fiel.
Ja, es war ganz eindeutig, was auch immer die Masseträgheit versuchte zu kompensieren, es war einen fast unmerklichen Augenblick zu spät dran, gerade genug, daß sich seine Schnurrhaare um den Bruchteil eines Millimeters bewegten. Wer auch immer sich diese raffinierte Falle ausgedacht hatte, er hatte nicht mit den feinfühligen Sinnen der Sivaoaner gerechnet.
Noch immer zeigte das linke Paneel die Warp-Triebwerke auf minimaler Energieabgabe, der Impuls-Antrieb tat es ihnen gleich. Theoretisch dürften also beide Antriebssysteme nicht reagieren. Nicht, daß Sternenlicht den Instrumenten noch vertraute.
Erneut huschten die Hände des Sivaoaners über die Tastatur, jetzt mit geschlossenen Augen, sich ganz auf das Gefühl in seinem inneren konzentrierend. Wenn er recht hatte, dann gab ihm das Schicksal nur diese eine Chance.
Energieversorgung auf Maximum, Impulsantrieb aktivieren, manuelle Steuerung setzten und jetzt dem Gefühl vertrauen.
Sekunden später war er davon überzeugt, daß sich das Shuttle wieder Richtung "oben" bewegte, was auch immer darunter zu verstehen war. Ein nervenaufreibender Warnton ließ ihn seine Augen wieder öffnen. Die Konsole des Flugleitsystems zeigte eine große, rote Warnung "Collision Warning -- Pull Up!!!". Hochziehen? Kann eigentlich nicht sein, vorausgesetzt man wollte Sternenlichts Orientierungssinn noch immer Zuverlässigkeit bescheinigen.
Die Probe aufs Exempel war einfach durchzuführen. Er nahm die Beschleunigung auf Null zurück, im gleichen Moment bescheinigte ihm sein Gefühl seine Vermutung: Das Shuttle wurde langsamer. Er machte sich eine mentale Notiz dem Maschinenraum mal für die schlecht eingestellten Trägheitsdämpfer zu danken und brachte den Impulsantrieb wieder auf Vollast.
Zum ersten Mal mit einigen Sekunden Ruhe versehen, begann der Wissenschaftler damit, die Ereignisse zu sortieren. Instrumente, die falsche Werte anzeigten, eine Umgebung, die physikalisch eigentlich nicht sein konnte. Eine Assoziation mit einem Holodeck war nicht von der Hand zu weisen.
Er begann auf der dunklen, nicht weiter reagierenden, Steuereinheit für die Deflektoren zu tippen. Aus dem Kopf justierte er die Schilde auf die genaue Energiefrequenz der unbekannten EM-Emissionen, die noch vor kurzem sein Shuttle umgeben hatten.
Im gleichen Moment brach eine ganze Reihe von Sinneseindrücken über ihn herein. Die Vibrationen eines Shuttles welches mit mehrfacher Schallgeschwindigkeit durch eine dichte Atmosphäre flog, Warntöne von einem halben Dutzend ausgefallener Subsysteme des Shuttles und - was dem Morgen die Krönung aufsetzte - die schrillen Töne des Gefahrenwarnsystems.
Vier unbekannte Flugobjekte klebten am Heck des Shuttles und hielten es unter Feuer.
Was zu viel war, war zu viel. Mit flach angelegten Ohren, heftig zuckendem Schweif und einem seiner sonstigen Höflichkeit trotzendem Gemurmel, legte er das Shuttle in eine enge Kurve und eröffnete das Feuer auf die Jäger. Überrascht von der plötzlichen Wendung des Schicksals reagierte der unbekannte Feind nicht schnell genug. Zwei der Jäger vergingen im gleißenden Phaserfeuer bevor sie auch nur eine Gelegenheit für ein Ausweichmanöver nutzen konnten.
Im gleichen Moment drehten die beiden anderen Jäger ab. Die nach vorne geneigten Schnurrhaare des Katzenwesens demonstrierten klar und deutlich, was er von dieser Entscheidung hielt.
--- Gegenwart, Shuttle 1, ca. 20 km westlich der Stadt
Gespannt richtete Sternenlicht seine Ohren nach vorne und wartete darauf, daß sich jemand auf seinen Ruf meldete.
"Sternenlicht an alle, hört mich jemand?", wiederholte er noch einmal...
--- Norden, im Grünen
Kurz nachdem die hochgewachsene Schottin Pormas Nachricht empfangen hatte, versuchte sie auch schon, sich in Richtung KWinh fortzubewegen. Was angesichts der erdrückenden Übermacht an Androiden und ihrer eigenen Fähigkeiten mit dem Phaser nicht gerade einfach war.
"Kaum geschützte Steuereinheit im Kopf, Ifrinn!", fluchte die Rothaarige im Stillen, während sie verzweifelt versuchte, eben diese zu treffen. Aber sie konnte von Glück sagen, wenn sie überhaupt etwas traf was dort in der Nähe lag. Für Feuergefechte war sie nicht wirklich ausgebildet.
Doch auch ein blindes Huhn findet auch einmal ein Korn - durch einen glücklichen Zufall schaffte es Llewella, den Kopf eines der Metallmonster mit einem Phaserstrahl zu treffen. Erstaunlicherweise schien sie sogar die richtige Stelle getroffen zu haben, denn der Roboter verging mit einer lauten Explosion, deren Druckwelle die Schottin beinahe umwarf.
"Ha! Cha robh sin dona!", frohlockte sie, als auch schon die nächste, von Pormas hervorgerufene Explosion den Raum - das Gewächshaus? - erschütterte.
Sekunden später erreichte sie keuchend den Grilmak, der auch schon einige Roboter "erlegt" zu haben schien. 'Wahrscheinlich mehr als ich', dachte die Schottin. Dann machte sie sich wieder an ihre Verteidigung. Es waren jetzt "nur" noch ungefähr sechs Androiden übrig...
Immer noch zu viele für ihren Geschmack. Und keiner wußte, ob da nicht noch mehr kommen würden...
"Ifrinn, KWinh, wir müssen hier weg!", keuchte sie, während sie den nächsten Robot anvisierte.
'Gut, nur noch fünf', dachte Nathalie grimmig, als sie erneut einen der Roboter in einem kleinen Feuerball in die elektronischen Jagdgründe schickte. Dann gab es eine minimale, aber merkliche Pause, als die Angreifer scheinbar irgendwas empfingen - ihr "Kommunikationszentrum" blinkte kurz auf.
Daraufhin machten zwei kehrt und folgten dem davon gepreschten Pormas, den sie zwar anfangs nach der Explosion in Augenschein genommen, aber dann doch nicht verfolgt hatten. Doch anscheinend hatte der oder das, was sie kontrollierte, eine andere Meinung.
Die übriggebliebenen drei kamen trotz Nattys Dauerfeuer immer näher. Ihre Körper waren erstaunlich gut gegen Phaserbeschuß geschützt und sie fürchtete, daß ihr Phaser bald seinen Geist aufgeben würde. Doch da erwischte die Ärztin die Waffe ihres nächsten Angreifers und durch die Hitze schmolz der Lauf.
Es war verrückt, aber Nathalie sprang in dem Moment kurz hoch und feuerte eine wilde Salve ab, die auch prompt heftigst beantwortet wurde. Doch schon als deren erste Schüsse fielen, verließ sie geduckt sprintend und dadurch unbemerkt die Stelle und kam hinter die Roboter, indem sie eine engstehende Baumgruppe als weitere Deckung nutzte.
Ohne zu stoppen sprintete sie vor und trat gegen die Waffe des nächsten Androiden, der weiterhin auf ihre vorherige Position feuerte. Obwohl sie nicht wirklich daran geglaubt hatte, funktionierte es tatsächlich und die Waffe schwang durch die Wucht herum und erwischte den Dritten. Und genau wie sie vermutet hatte, waren deren Waffen stark genug. Der Dritte fiel rauchend und funkenstobend zur Seite.
Nun war nur noch der mit der beschädigten Waffe übrig und der, der genau vor ihr stand. Grinsend ließ sie ihm noch die Zeit, herumzufahren, doch bevor er erkannte, daß sie bereits ihren Phaser auf seinen empfindlichsten Punkt gerichtet hatte, drückte sie ab.
"Und so schied er hin", murmelte sie zufrieden.
Der letzte der Angreifer kam noch immer näher. Obwohl seine Waffe funktionslos war, glaubte Nathalie nicht, daß er ihnen trotzdem keinen Schaden zufügen konnte. Doch sie hatte bereits einen anderen Plan gefaßt.
"KWinh, dieser Bursche hier hat als einziger ein noch funktionsfähiges Communicatorsystem. Es könnte uns zu seinem Herrn führen! Meinst du, wir können ihn überreden, es uns freiwillig zu geben?", fragte sie lakonisch.
Das war bisher die einzige Spur, die sie wenigstens halbwegs nutzen konnten. Und Nathalie war nicht bereit, sich diese entgehen zu lassen. Sie hatte allerdings nur Sorge, daß sie dafür zu lange brauchten - ob Pormas solange auch alleine mit den zwei Verfolgern klarkam?
Mit Schweiß auf der Stirn arbeitete KWinh an seinem Tricorder. Seit einiger Zeit hatte er seinen Phaser fallen lassen und war den Salven unbewußt ausgewichen. Die Anzeigen auf dem Display waren ermutigend und mit einem Handgriff lud er seinen Stab auf.
Der Grilmak spürte die fließenden Tropfen in seinem Gesicht als er lossprintete, alles um sich herum wie in Zeitlupe. Mit einigen Schritten lief er um den Androiden herum, stieß Natty zur Seite und kam hinter der Maschine zum Stehen. Eine kurze Berührung mit dem Stab an seinem "Hals" setzte die Energie des Stabes frei, nur ein Stromstoß, dessen Stärke vorher genau berechnet worden war.
Der Androide stieß kreischende Laute aus während er umfiel, vor KWinhs Füßen landete. Dieser fiel keuchend auf die Knie, stützte sich mit seiner freien Hand auf dem Boden ab.
--- Norden, im Grünen, zur gleichen Zeit
Keuchend ging Pormas hinter einem Baum in Deckung. Da die Androiden unerklärlicherweise abgedreht waren, hatte der Südländer sich gerade noch, hakenschlagend wie ein gescheuchtes Karnickel, über die Lichtung retten können.
Zwar war der hünenhafte Mann nicht ganz so flink wie ein Vierbeiner, aber gereicht hatte es zum Glück.
Ein kurzer Scan zeigte, daß die anderen anscheinend gut zurecht kamen. Seine Bombe hatte den gewünschten Erfolg gehabt und nur noch eine handvoll waren übrig. Von den wenigen drehten nun aber zwei in seine Richtung ab.
Kurz überlegte der Südländer. Diese Roboter waren der Schlüssel zu den Herrschern über den Planeten. Dies war aufgrund eines ziemlichen Informationsmangels eine sehr gewagte These, aber darauf lief es eigentlich immer hinaus.
Auf jeden Fall wäre ein intakter Androide ein guter Weg um diesen plötzlichen Angriff in irgendeiner Weise zu erklären. Aber wie sollte er das anstellen? Er sah die beiden Roboter in aller Hast die Meter zu ihm schlucken, als wären sie nichts.
Wenn er jetzt einen aus dieser Entfernung abschießen würde, wofür sein Blaster eigentlich nicht ausgelegt war, zumindest nicht für einen Kopfschuß, würde der andere ruhig weiter auf ihn zukommen? Oder abdrehen? Oder durch die Explosion seines Nebenmannes auch hochgehen?
Pormas blieb nur eine Möglichkeit: Er mußte sie in eine Falle locken. Schnell spurtete er hinter einen Felsen, in der Hoffnung dort wäre er schlechter zu orten und bereitete sich vor. Hastig steckte er den kleinen Phaser wieder in seine Halterung an seinem Rücken, da dieser sowieso nicht viel ausrichten konnte und er eine freie Hand brauchte. Dann stellte er seinen Blaster auf volle Kraft.
Der Grieche wartete. Die Sekunden verstrichen und er hörte sie deutlich kommen. Gerade in dem Augenblick, als die Roboter kurz vor dem Stein sein mußten, sprang er aus seiner Deckung, schoß einen Androiden absichtlich auf die Brust und rollte sich ins Dickicht ab.
Wie erwartet schoß der unversehrte Roboter wild feuernd hinter ihm her, da der Getroffene durch die Wucht des Blasters zurückgetaumelt war. Das war sein Todesurteil. Als Pormas mit dem intakten Androiden im Schlepptau weit genug entfernt war, stoppte er in der Bewegung feuerte exakt zwischen die Augen des Metallwesens, und ließ sich fallen.
Die Wucht der Explosion stob über den Sicherheitler hinweg, die, ohne daß er es merkte, seinen kleinen Phaser auf Nimmerwiedersehen ins Dickicht verschleppte. Leicht benommen stand Pormas wieder auf.
Eilig faßte er sich aber wieder, als der lädierte Roboter, der durch die Explosion ebenfalls etwas abbekommen hatte, feuernd auf ihn zukam. Rasch sprang der Südländer in eine kleine Kuhle und feuerte noch einmal auf die Torsomitte seines Kontrahenten.
Zumindest hätte der Strahl dort getroffen, wenn der Blaster noch Energie gehabt hätte. Das Dauerfeuer und die beiden Schüsse mit voller Kraft waren zuviel gewesen. Stöhnend duckte sich Pormas wieder in seinen Graben. Mit einer Bewegung steckte den Blaster in die Halterung und stellte fest, daß der Phaser verschwunden war.
Mit der nächsten Bewegung stellte er weiteres fest, daß der zweite Phaser natürlich auch nicht da war, da ihn KWinh hatte, und er am Morgen keine Ersatzmagazine eingesteckt hatte.
'Wenn ich das nächste Mal am Abend vor einem Einsatz die Nacht mit einer Frau verbringe, packe ich meine Sachen vorher, oder stelle mir morgens den Wecker!', grummelte der Grieche vor sich hin.
Mit ein paar Zweifeln im Hinterkopf zog er sein Schwert. Zwar war das Katana aus unglaublich harten und gehärteten Metall, aber um den Waffenlauf eines dieser Roboter abzuhacken, würde es wohl nicht reichen. Den Plan eines dieser Dinger gefangen zu nehmen, oder in einem Stück zu bergen, konnte er vergessen.
Er konnte froh sein, wenn er lebend aus dieser Misere herauskam.
Der Roboter war auf fünf Meter an Pormas herangekommen, als dieser aufsprang und das Weite suchte. Der erste Blastertreffer mit voller Kraft hatte ihn wohl doch etwas mitgenommen, da er zumindest nicht mehr so gut schoß wie noch kurz zuvor.
Zwar hatte er ihn selbst dann nicht getroffen, aber da war er auch um einiges weiter entfernt gewesen.
Der Südländer bahnte sich mit wirbelnden Schwert einen Weg durchs Dickicht. Immer wieder schlug er Zickzackkurse ein, da die Zielschaltkreise des Androiden wohl hauptsächlich auf optische Reize ansprachen.
Verzweifelt überlegte Pormas was er jetzt am Besten machen sollte. Die Situation war mehr als schlecht für ihn. Auf die Hilfe der anderen konnte er nicht zählen, die waren sicher mit sich selber beschäftigt. Wie konnte er dem Roboter nahe genug kommen, um ihn auszuschalten, ohne das dieser ihn sofort erschoß?
Plötzlich schabte das Katana über eine metallische Oberfläche. Bevor der Grieche reagieren konnte, prallte er mit voller Wucht in den Rücken des Androiden. Sie stürzten beide zu Boden und kugelten übereinander her.
Instinktiv rollte sich der Sicherheitler ab und kam mit beiden Füßen auf den Boden schwankend zu stehen. Direkt vor ihm rappelte sich der mittlerweile arg mitgenommene Roboter mit dem Rücken zu ihm auf.
Ohne zu Überlegen nahm Pormas sein Schwert in beide Hände und schlug mit aller Kraft genau auf die Stelle, wo ein Mensch seinen Kopf gehabt hätte.
Eine Sekunde später lag der Kopf sauber abgetrennt vor seinen Füßen.
Eine üble Gewißheit packte den Griechen.
'Oh, oh....'
*wumm*
Zehn Meter entfernt kam der Südländer wieder zu sich. Er blinzelte schwach und erkannte auf der Innenseite seines Visiers sämtliche Symbole und Anzeigen. Sie alle blinkten in einem freundlichen Rot und Orange.
Die Botschaft, die sein Anzug Pormas damit sagen wollte war: Dir geht es schlecht, ohne mich wärst du tot, beim nächsten Mal kann ich dir nicht mehr helfen, da es mir selber auch schlecht geht.
Stöhnend stand er auf. Sein Kopf dröhnte und er war dankbar für den Schutz, den ihm seine Bekleidung gab. Wankend stand er vor den Trümmern des Roboters. Das Katana lose in der Hand, schlurfte er mehr als er ging in Richtung seines Teams.
Sein Anzug war ziemlich zerschlissen und an einigen Stellen zerrissen. Hier und da tröpfelte ein bißchen Blut, wo es ohne den Schutz tiefe Fleischwunden gegeben hätte. Aber der Hüne war einfach zu benommen um irgendwelche Schmerzsignale seines Körpers richtig zu verarbeiten.
Da die Sensoren seines Helms, bis auf die Information, daß sie nicht mehr richtig funktionierten, keine nennenswerten Daten preisgaben, stellte er sie kurzerhand ab. Von weitem erkannte er, daß es wohl keine Feuergefechte mehr zu geben schien. Zumindest für den Moment.
Als er an dem Felsen ankam, wo seine Teamkameraden hätten sein sollen, rief er in die Runde, da sein Communicator auch nicht mehr funktionierte.
"Hallo! Wo seid ihr? Natty? Geht's euch gut?"
--- fremder Planet, Lichtung
Ihren reflexartigen Instinkten hatte sie es schließlich auch zu verdanken, daß Silvanas Hände das zu greifen bekamen, was sie wollte.
Ein Tier. Oder war es doch etwas anderes?
Ohne sich weiter um das verängstigte Quieken zu scheren, stand sie auf und hielt es hoch genug, daß es auch die anderen sehen konnten.
Das Gesicht des Wesens erinnerte sie dabei sehr stark an jenes ihrer "Gastgeber". Die gleichen bernsteinfarbenen Augen. Lediglich war ihr Fang am ganzen Körper mit einem Fell überzogen. Und auch die Arme waren wesentlich länger, als bei den anderen.
"Abstammung von einer Art außerirdischer Primaten würde ich laut den Daten vermuten", hörte sie Kargan vor sich hinmurmeln, während er schon wieder seinen Tricorder mißhandelte. "Interessant sind auch die siebenfingrigen Hände. Slade würde sie sicher einstellen, weil sie dadurch fast eine Hand mehr zum Arbeiten haben...."
Verwundert blickte Silvana auf die Pfoten (Hände?) des gefangenen Wesens und stellte fest das Kargan doch nicht ganz so inkompetent war, wie sie gedacht hatte. Dabei fiel ihr etwas Ungewöhnliches auf.
Am Hals des Wesens schien ein seltsamer Haarwirbel zu verlaufen, der die Haare gerade an dieser Stelle etwas teilte und zwar nur in einer schmalen Linie. Entschlossen untersuchte Silvana die Stelle genauer und folgte einer Art Kette bis zu dem Punkt wo sie der "Haarwirbel" auf der Brust am Tiefsten zu liegen kam...
"Was zum Teu...?", murrte Silvana, als sie plötzlich einen runden Gegenstand erfühlte, wurde aber unterbrochen.
'Loslassen! Schmerz! Angst!', hörte sie.
Fragend blickte sie sich um, doch der Rest der Gruppe schien nichts gehört zu haben, während sie ständig weitere gleichartige Worte vernahm. Bis das runde Ding durch ihre Finger rutschte. Im gleichen Moment verstummte auch die Stimme in ihrem Kopf.
Prüfend nahm sie es wieder in die Hand und sofort hörte sie wieder diese ängstliche Stimme, die einzig und allein in ihrem Kopf zu hören war. Nach den Augen des Wesens zu beurteilen stammten sie direkt von ihm. Es hatte Angst. Es konnte sich verständlich machen.
Es war nicht gefährlich.
Und es war auf keinen Fall ein Tier.
Und an der Kette hing bei genauerer Betrachtung kein gewöhnlicher Anhänger, sondern ein roter ungeschliffener Stein. Ähnlich dem Stein, den sie am Kuppeldach des alten Gebäudes gefunden und zerstört hatte, da er Einfluß auf ihren Geist zu nehmen schien.
Gerade als sie versuchen wollte herauszufinden, ob dieser Kontakt nur einseitiger Natur war oder sie sich mit ihm unterhalten konnte, bekam sie plötzlich Besuch von den anderen drei Wesen, die sie umringten.
"Zurückgehen", "gefährlich", "wilde Tiere" waren einige der Worte, die sie bei deren wirren und aufgeregten Reden aufschnappen konnte. Aber entgegen den Worten ihrer Begleiter, empfand sie etwas ganz anderes.
Bodenlose Angst.
Etwas das Silvana nie zuvor gefühlt hatte und das eindeutig von dem Wesen in ihrer Hand auszugehen schien. Es fürchtete die kleinen Wesen mehr, als das große unbekannte Wesen, daß es fest im Griff hatte.
Kargan hingegen war verwirrt.
Die Wesen, die sie hierher gelotst hatten, schienen genausoviel Angst zu haben, wie das Geschöpf, das Silvana in der Hand hielt. Außer Silvana schien sich hier jeder vor jedem zu fürchten. Sein Tricorder zeigte darüber hinaus etwas an, das er besser Silvana mitteilte:
"Silva, wenn du dein neues Spielzeug noch behalten willst, solltest du den roten Stein loslassen. Bei jeder Berührung steigen einige Körperfunktionen des Wesens sprunghaft an, während andere fast erlöschen. Ist sicher eine gute Foltermethode, aber du solltest nicht zu weit gehen, zumal ich nicht glaube, daß unser Freund viel von Kommunikation hält."
Dann sah er die Wesen an, die offenbar einen Heidenrespekt vor Silvas neuer Eroberung hatten. Hatte eigentlich schon jemand gefragt, wie diese Rasse hieß? In der Datenbank des Tricorders war nicht einmal eine ähnliche verzeichnet. "Warum habt ihr so eine Angst vor diesem Tier? So richtig gefährlich scheint es doch gar nicht zu sein..."
--- Privateer, Brücke
Slade erwachte aus seinen Grübeleien. Seine Phantasie hatte ihn wieder einmal spazierengeführt und ihm latinische Berge vorgegaukelt, ehe ein Funkspruch ihn wieder in die Gegenwart holte:
"Sternenlicht an alle, hört mich jemand? Ich wurde soeben mit unbekannten Waffen angegriffen und bewege mich gerade wieder mit hoher Geschwindigkeit auf die Stadt zu. Das Shuttle ist leicht beschädigt, nichts Dramatisches.
Ich habe aber das unbestimmte Gefühl, daß wir hier nicht willkommen sind... - Sternenlicht an alle, hört mich jemand?"
Ein geknurrtes 'Kanal öffnen' später, fragte der Captain zurück: "Jetzt noch mal langsam und zum Mitschreiben. Wo ist die Besatzung des Shuttles, was machst du alleine in der Luft, und was soll das Gequatsche von wegen Angriff?"
--- fremder Planet, Lichtung
Die Szene kam Collins ziemlich irreal vor. Silvana stand mit dem seltsamen Wesen halb im Unterholz. Ihre Hand ließ gerade diesen rotschimmernden Stein los.
Jack versuchte sich vergeblich einen Reim auf die Geschehnisse zu machen. Die drei Wesen schienen ihre Gedanken mit einem mal sehr gut abschirmen zu können. Er empfing nur noch sehr vage Bildfetzen, die nicht zu entziffern waren.
Irgendwie wurde dem Psychologen die ganze Sache langsam zu kompliziert. Er mußte einsehen, daß Kargan und Silvana recht hatten, auch wenn die Art, wie sie es ihm wissen ließen ihn nicht gefiel. Und er begann die Geduld zu verlieren.
Diese ganzen Aktionen bremsten langsam die Ausführung ihres Auftrages. Außerdem schienen diese Wesen sie zu benutzen, sie spielten mit ihnen, warum auch immer. Es war an der Zeit, daß Collins mal persönlich nachhakte.
"Leute, ich bekomme langsam ein Problem mit euch", begann er leise aber bestimmt auf eines der Wesen, die sie hierhergebracht hatten einzureden. "Ich bin eigentlich immer sehr gutmütig. Aber im Moment habe ich das Gefühl, ihr spielt ein Spiel mit uns."
Collins aktivierte seinen Transportpuffer und ließ das Kompressionsgewehr materialisieren. Gewissenhaft überprüfte er noch einmal betont langsam dessen Funktion, lud durch und hielt den Lauf eines der Wesen unter die Nase.
"Wißt ihr, solche Spiele mag ich nicht! Und ich habe die Faxen jetzt dicke..." Jack runzelte die Stirn. "Was auch immer ihr darunter versteht... wir wollen jetzt wissen, was hier Sache ist. Anschließend wollen wir mal sehen, was ihr so auf Lager habt und dann würde ich für meinen Teil nochmal 'nen Drink in Narbos Bar nehmen."
Fassungslos sah das Wesen ihn an und der Psychologe spürte eine Bilderfolge, die wohl leichte Ungläubigkeit ausdrücken sollte.
"Oh nein!", sagte Jack. "Ich bin den Umgang mit Telepathen gewohnt, ich kann einen Mentalblock aufbauen und ihr könnt nur das sehen, was ihr sollt!"
Und was sie sahen, schien ihnen nicht zu gefallen.
Silvana hatte gar nicht anders gekonnt, als ihr Gesicht zu einem breiten Grinsen zu verziehen. Die Gedanken, die ihr angesichts Jacks so gar nicht psychologischer Reaktion durch den Kopf gingen, lagen auf der Hand. 'Sieh mal einer an, Jack hat ja doch Haare auf den Zähnen. Ich muß sagen, soviel Entschlossenheit zum Durchgreifen hätte ich ihm gar nicht zugetraut.'
"Hey, Jack bläst einem von euch das Hirn raus, falls ihr überhaupt über welche verfügt", meinte die Sicherheitschefin kühl, da sie sich an das fehlende Herz erinnerte. Aber Kargan sah sich nicht verpflichtet ihre Vermutung zu bestätigen noch sie zu entkräftigen. Er sah lediglich weiter stirnrunzelnd auf die neue Spezies, ihre alte und seinen Tricorder. "Also rückt endlich raus mit der Sprache oder wir lassen hier die Magie so spielen, daß eure lieben Freunde da oben euer kleinstes Übel sind."
Die drei Wesen sahen von einem zum anderen und dann wieder einander gegenseitig an. Ihre Gesichter schienen starr, in den großen bernsteinfarbenen Augen spiegelten sich unterschiedliche Emotionen. Unmut, Angst, aber auch Trotz und etwas anderes...
Sie schienen sich zu beratschlagen ohne dabei Worte zu verlieren. Aber trotz allem hatte die katzenhafte Frau nicht das Gefühl, daß sie bei ihnen etwas erreichen würden und reagierte blitzschnell, als sie das Vorhaben durchschaute.
Der Phaser, der wie von selbst plötzlich in ihrer Hand lag, fand sein Ziel nur kurz nachdem es unsichtbar geworden war. Aber diesmal war es nicht der Erstkontakt mit einer Spezies von der man nur ein Exemplar zur Verfügung hatte, sondern eine Aufforderung an eine Dreiergruppe, naja Zweiergruppe, der man mit Gewalt etwas Nachdruck verlieh.
"Da waren's nur noch zwei...", knurrte Silvana drohend und blickte dann auf die verbliebenen beiden, die keine Anstalten machten sich auch zu tarnen und erschüttert stehenblieben. Mit weit aufgerissenen Augen sahen sie auf den Verblichenen.
Wahrscheinlich jenen Typ, den Kargan ohnehin als ihr Versuchskaninchen abgestempelt hatte.
Eines von ihnen hatte noch immer Collins Waffe an der Stirn. Interessanterweise das Weibliche, das sich immer so sehr von seiner Männlichkeit angezogen fühlte.
"Wir können dieses Spiel gerne noch eine Weile fortsetzen - jedenfalls weitere zwei Runden -", meinte Silvana angesichts der mangelnden Spielerzahl, "außer ihr zeigt etwas guten Willen und steht uns mal Rede und Antwort." Ihre Pupillen waren schmal geworden und das Gelb ihrer Augen strahlte bösartig.
"Weshalb fürchtet sich dieses... Ding vor euch? Weshalb lockt ihr uns hierher und wollt dann nicht, daß wir das Portal zum Raum nach oben nehmen? Was zum Teufel geht auf diesem Planeten noch vor von dem wir nicht wissen?"
"Nur zu deiner Information: Sie haben ein Gehirn", schob Kargan ein. "Beziehungsweise hatten." Sein Phaser befand sich schon längst in seiner Hand, da er sich ausrechnete, daß ihre Gegner sich wahrscheinlich an dem schwächsten Mitglied der Expedition rächen könnten. Und da seine Nahkampffähigkeiten deutlich schwächer ausgebildet waren als die am Phaser...
Zu den Wesen gewandt fuhr er fort: "Egal vor was ihr Angst habt - fürchtet euch mehr vor dieser Frau. Ich habe gesehen, was sie mit Mitgliedern ihrer Truppe anstellt. Keinen Feinden, sondern Freunden. Lest meine Gedanken, und ihr werdet wissen, was ich meine. Vielleicht könnt ihr euch dann vorstellen, daß ihr euren toten Freund in ein paar Minuten beneiden werdet, denn so leicht wird sie es euch sicher nicht mehr machen."
Die Bernsteinaugen starrten ihn ein paar Augenblicke an, und er fühlte, wie sie in seinem Hirn nach Bildern suchten. Er legte ihnen dabei keine Steine in den Weg, sondern führte sie direkt zu einigen besonders interessanten (aus der Sicht des Arztes) und unangenehmen (aus der Sicht des Patienten) Trainingsunfällen.
Zum Beispiel, der offene Splitterbruch am linken Unterarm - wie hieß die Frau noch? Keine Ahnung, aber sie hatte danach noch eine ganze Woche in ihrem Quartier verbracht.
Oder der Mann mit dem zerquetschten Kehlkopf. Das war eine richtig eklige Sache gewesen, Kargan hatte erst ein geeignetes Ersatzorgan züchten müssen.
Oder...nein, das schien schon zu reichen, denn in die Wesen kam plötzlich Bewegung.
"Ja, wir sagen alles", erklärte der Anführer. "Diese Wesen sind nahe Verwandte von uns. Unsere...Arbeiter. Manchmal mögen sie ihre Arbeit nicht, und sie haben vor einiger Zeit revoltiert. Es herrscht offener Kampf zwischen uns. Sie kämpfen immer in großen Rudeln, und es ist schon ein Wunder, daß wir noch nicht von ihnen angegriffen wurden."
Wie auf dieses Stichwort konnte man plötzlich ringsumher ein Rascheln von viel zu vielen Füßen hören...
--- Norden, im Grünen
Erleichtert hatte die Schottin ihren Phaser weggesteckt, als der letzte Roboter den Geist aufgegeben hatte. Sie haßte solche Feuergefechte, auch wenn sie froh war, daß hier nur auf Roboter geschossen worden war. Immerhin hatte sie den hippokratischen Eid als Ärztin abgelegt. Ihre Aufgabe war es, Leben zu bewahren, nicht zu vernichten.
Als sie schwach die Stimme des Griechen hinter dem Felsen, an dem die Gruppe vorher noch gestanden hatte, vernahm, regte sich ihr medizinischer Instinkt. Irgendwie klang Pormas nicht so forsch wie sonst, wahrscheinlich hatte er sich wieder mal durch seine irrsinnige Art übel zugerichtet.
Es wäre zumindest sehr gut möglich.
Die Rothaarige winkte Nathalie zu, die sich ebenfalls gerade erleichtert mit dem Ärmel den Schweiß von der Stirn gewischt hatte. "Ich werde mal schauen, was unser Superheld macht", rief sie ihr zu und machte sich auf den Weg Richtung der Felsengruppe.
--- Norden, vor der Felsengruppe
Als Llewella um den großen Stein bog, erblickte sie als erstes den Südländer, der sich so gar nicht heldenhaft auf sein großes Schwert stützte und anscheinend kurz davor war, in die Knie zu brechen. Sein Kampfanzug war an etlichen Stellen stark in Mitleidenschaft gezogen worden, der Helm deutlich verbeult.
Kurz bevor Pormas einfach umfallen konnte, war die hochgewachsene Frau zur Stelle und half ihm, sich hinzusetzen. Als der Hüne an der Felswand lehnte, ergriff Llewella ihren medizinischen Tricorder und begann, den Sicherheitler zu scannen.
"Na, diesmal haben Sie ja wenigstens mehr Glück gehabt als beim letzten Mal, Mr. Theocrates", brummte sie, als sie die Ergebnisse ablas. Er hatte eine leichte Gehirnerschütterung, bei der sie ihm im Normalfall einen Tag Ruhe verordnet hätte. Was hier natürlich vollkommen unmöglich war, wußte doch niemand, ob diese Metallmonster nicht bald wieder über sie herfallen würden...
Die Schottin steckte den Tricorder in den Sporran, ergriff Pormas' Helm mit beiden Händen und zog ihn vorsichtig vom Kopf des Hünen. Müde blickte der sie an, jedoch mit voller Aufmerksamkeit. Bevor er auch nur noch ein Wort sagen konnte, hatte sie schon eine kleine Lampe aus dem Sporran gezogen und seine Pupillarreflexe kontrolliert. Tricorder waren ja ganz gut und schön, aber im Zweifelsfall verließ Llewella sich doch lieber auf ihre eigenen Sinne.
Die Reflexe waren normal, was die Diagnose des Gerätes bestätigte. Die Schottin kramte in ihrer Notfallausrüstung. Nach einer kurzen Weile hatte sie ein Hypospray bereit, das sie dem Griechen an den Hals drückte.
"So, das sollte reichen, daß Sie sich bald wieder besser fühlen", meinte sie dann. "Ihr Anzug ist auf jeden Fall sein Gewicht in Gold wert, ohne den hätten Sie etliche Blessuren mehr abbekommen. So dürften es nur ein paar Prellungen und kleinere Schnittwunden sein..."
Irritiert hielt die Rothaarige inne. Irgendwie kam sie sich beobachtet vor. Sie richtete sich ein wenig auf und beobachtete die Umgebung. Aber sie konnte nichts entdecken.
Langsam richtete sie sich auf. "Ist da jemand?", fragte sie in den Dschungel hinein, an irgend jemand und niemand gewandt.
Eine Gestalt löste sich aus dem Gebüsch, als würde sie aus dem Nichts erscheinen. Aber wahrscheinlich kam ihr das nur so vor, denn das Unterholz war dicht, und die Gestalt kam immerhin aus dem Wald getreten.
Verblüfft kniff die Schottin die Augen zusammen. Das war - oder zumindest war sie ihm sehr ähnlich - das Wesen, das sie gesehen hatte, als sie in diesem großen Raum in eine Art Trance gefallen war.
Die Rothaarige beobachtete die Gestalt, als sie näher kam. Sie bewegte sich mit einer unglaublichen Grazie, die die Schottin an terranische Katzen denken ließ. Irgendwie fühlte sie sich an die alten Sagen über das Kleine Volk in ihrer Heimat im schottischen Hochland erinnert. Die fremde Frau trat zu Llewella, warf einen Blick auf den am Felsen kauernden Pormas, in den langsam das Leben zurückzukehren schien.
Graziös neigte die Frau den Kopf und meinte: "So habt Ihr es bis hierher geschafft? Das hätte ich kaum für möglich gehalten... Wer seid Ihr?"
Aufgrund des Erscheinungsbildes der zierlichen Frau und der Art, wie sie sprach, antwortete Llewella ihr auf Gälisch, dessen Formalität der Situation eher angemessen erschien. Der Translator würde sowieso übersetzen, abgesehen mal davon, daß diese Wesen wohl auch telepathisch talentiert waren, wenn sie sich richtig erinnerte.
"Wir kommen von einem Sternenschiff und wollten die aufgegebene Stadt auf der Oberfläche des Planeten erforschen. Mein Name ist Llewella Campbell, das hier" - mit diesen Worten deutete sie auf Pormas - "ist Pormas Theocrates, und die beiden dort hinter dem Felsen sind Nathalie Connor und KWinh. Könnt Ihr mir sagen, wo wir hier sind, und was dies für Roboter sind, die uns angegriffen haben?"
Die Fremde neigte bei Llewellas Worten den Kopf. Anscheinend war sie zufrieden über das, was sie gehört hatte. "Ich kann Euch einen großen Teil dessen, was Ihr hier gefunden habt, erklären, aber es wäre sicherer, wenn Ihr und Eure Begleiter mit mir kommen würdet. In unserer Gemeinschaft werdet Ihr sicher sein vor diesen... Robotern, wie Ihr sie nennt!"
Die Schottin war einverstanden. Vielleicht konnte auf diese Weise ein wenig Licht ins Dunkel kommen. Sie drehte sich in die Richtung, wo die beiden anderen geblieben waren, um und rief: "Miss Connor, KWinh, hier ist jemand, den Sie kennenlernen sollten!"
--- Norden, im Grünen
"Einen Moment noch!", rief die Sicherheitlerin zurück. Als die Gestalt aufgetaucht war, hatte sie bereits aufspringen und den beiden zur Hilfe eilen wollen. Doch der Gedanke an ihren Kollegen hielt sie zurück. Pormas war schließlich bei der Ärztin und sie selbst wollte KWinh nicht alleine lassen. Zumal sie auch erst noch ihre Beute holen wollte.
Da von der Frau offensichtlich keine Gefahr ausging, widmete Natty sich dem halb zerstörten Androiden zu ihren Füßen. Dessen Kommunikationseinheit schien größtenteils intakt zu sein und KWinh machte sich sogleich daran, das Ding abzumontieren. Natty half ihm so gut sie es vermochte, doch ihre Gedanken waren mal wieder bei Pormas. Sie hatte die Anspannung gar nicht bemerkt, die nun von ihr fiel, als sie ihn hörte und ihn noch immer unter den Lebenden weilend wußte.
KWinh arbeitete schnell und sicher, trotz der fremden Technik, und kurz darauf waren sie fertig. Prüfend schwenkte er das kleine Gerät in den Händen und setzte seinen Tricorder ein.
"Und? Kannst du das Signal zurückverfolgen?", fragte die junge Frau neugierig, während sie sich aufrichtete.
"Mal schauen...", murmelte der Techniker gedankenverloren und in die Displayanzeigen vertieft. Natty nickte und führte ihn zu den anderen.
--- Norden, hinter der Felsgruppe
"Ich grüße euch", hörte Nathalie sogleich die relativ kleine Gestalt sagen und es war ihr, als ob eine Art Echo des Gesagten in ihrem Kopf leise widerhallte. "Folgt mir! Ich bringe euch zu unserem Zufluchtsort."
Damit wandte sich die fremde Frau mit den seltsamen gelben Augen ab und verschwand durch das Dickicht. Sie bewegte sich so leichtfüßig und anmutig, daß sie kaum einen Fußabdruck in dem weichen Boden hinterließ oder andere Spuren. Fast so, als wäre sie nie hier gewesen. 'Oder wie jemand, der genau weiß, wie man nicht gefunden wird', dachte Natty stirnrunzelnd und schaute ihr nach.
Stöhnend richtete Pormas sich in dem Augenblick auf und blieb erst mal mit wackeligen Beinen an die Felswand gelehnt stehen. Erst jetzt bemerkte die Sicherheitlerin, wie es um ihn stand. Bisher hatte sie nur Augen und Ohren für die fremde Frau gehabt. Sie hatte die Ärztin zwar vorhin mit ihm reden gehört, doch kaum auf die Worte geachtet, während sie KWinh geholfen hatte.
Erschrocken lief sie hin und stütze ihn. Zunächst wollte er ihren Arm abschütteln, doch ohne Hilfe schien er ihr kaum in der Lage zu sein, eine längere Strecke zu laufen. "Nichts da! Spar deine Kräfte auf! Ich brauch dich noch!"
Nathalie zwinkerte ihm aufmunternd zu und folgte dem Weg des Wesens durch das Dickicht mit ihrem Kollegen an der Seite, der darüber nicht gerade unglücklich zu sein schien.
Zuerst vorsichtig und dann immer sicherer folgte Pormas mit Nathalie im Arm der zierlichen Frau, die geradezu über dem Boden zu schweben schien. Seinen Helm hatte er jetzt gar nicht mehr aufgesetzt, sondern an seinen Gürtel gehangen. Nicht nur, daß er eh nicht mehr viel brachte, so kaputt er jetzt war, sondern die frische Luft tat ihm gut.
Langsam wachten seine Lebensgeister wieder auf und er zog Natty ein bißchen näher zu sich und massierte ihre Hüfte leicht mit seiner Hand. Sie revangierte sich im gleichen Maße und sie genossen den Augenblick der (relativen) Zweisamkeit.
"Wenn du glaubst, du brauchst mich, warte bis nach der Mission, wie ich dich brauche", flüsterte der Hüne ihr zu und ließ seine Hand ein bißchen weiter tiefer sinken.
Danach schaute der Südländer kurz über die Schulter und erblickte KWinh und Llewella, die lächelnd seinem Blick auswich, die im kurzen Abstand folgten.
Schweigend folgten sie der zierlichen Frau immer weiter, bis sie vor einer Felswand halt machte. Sie wartete, bis alle Mitglieder des Teams aufgeschlossen hatten und sprach davor eindringlich auf sie ein.
"Wir werden jetzt diese Höhle betreten", begann sie zu sprechen, ignorierend, daß sie vor einer massiven Felswand stand, "die anderen werden euch nicht gerade freundlich empfangen, wenn sie euch jetzt sehen, also schweigt still und überlaßt mir das Wort..."
Unbemerkt nahm Pormas KWinh den Phaser ab, den er diesem geliehen hatte. Der Mönch blickte kurz zu ihm rüber und nickte kaum merklich. Der Südländer war immer noch verärgert über seinen entleerten Blaster und verlorenen Phaser. Aber ohne eine Schußwaffe würde er der merkwürdigen Frau aber auf keinen Fall folgen.
Diese drückte, zu schnell für das menschliche Auge, auf mehrere unscheinbare Stellen in der Mauer hintereinander und trat schnell in die sich plötzlich erscheinende Öffnung hinein. Verdutzt und ebenso schnell folgte die Gruppe der Frau und als der Letzte drin war, erschien hinter ihnen wieder die Wand.
--- Shuttle 1, kurz vor der Stadt
Sternenlicht sah das von Statik zerfetzte Bild des Captains in einem Kommunikationsfenster auf seiner Hauptkonsole. Er blickte nur kurz auf dieses Fenster, und widmete seine Sinne daraufhin wieder seiner Umgebung, als er dem Captain Bericht erstattete:
"Nun, ich war gerade dabei, einige verdächtige Energieemissionen rund um unsere beiden Shuttles zu analysieren, als es plötzlich finster um mein Shuttle wurde. Aktuell glaube ich, daß das Shuttle von einem leistungsfähigen Holo-Projektor umgeben wurde, der mir falsche Anzeigen und eine falsche Umwelt vorgaukelten.
Naja, sie konnten vielleicht meine Augen täuschen, aber nicht mein Orientierungsvermögen. Gerade rechtzeitig habe ich bemerkt, daß das Shuttle von irgend jemanden in die Höhe gehoben wurde und wieder auf den Boden zustürzte. Mit Hilfe der Deflektoren konnte ich dann die Holo-Felder abblocken und sah mich dem Angriff einiger Jagdflugzeuge ausgesetzt.
Letztendliche Bilanz: Kontakt zum zweiten Shuttle verloren, es steht nicht mehr an seinem Platz - ich vermute, es ist zerstört, dieses Shuttle leicht beschädigt, Kontakt zum gesamten Außenteam verloren. Einziger Anhaltspunkt: Kargans Communicator, der irgendwo in der Stadt liegt - ohne die Gruppe. Das wäre jetzt mein nächster Anhaltspunkt gewesen.
Irgendwelche besonderen Anweisungen?"
Noch immer zuckte Sternenlichts Schweif hin und her, zunächst noch wegen der Wut über den Angriff auf das Shuttle, jetzt wegen der Ungeduld.
--- Prviateer, Brücke
Slade hörte sich diese Hiobsbotschaften an und wunderte sich, daß ein sivaoanischer Wissenschaftler so viel von praktischer Technik verstand. Dann fragte sich, ob es wirklich eine gute Idee gewesen war, hierher zu kommen. Was sollte er nun tun? Den beiden Gruppen befehlen, wieder zurück zu kommen?
Nein, das war ganz schlecht. Zum Einen hatten sie in der kurzen Zeit sicher nicht viel wertvolles Material sammeln können, und zum Anderen würde es nach diesen Nachrichten sehr problematisch werden, beide Gruppen zu finden.
Eigentlich gab es jetzt nur zwei Möglichkeiten: Entweder er rüstete ein weiteres Shuttle aus, diesmal mit kampferprobten Männern aus Silvanas Garde - wobei er sich denken konnte, daß sie ihre besten Leute schon mitgenommen hatte.
Oder er startete die Raiders. Aber was sollten die tun? Die Bewohner des offenbar nicht ganz so toten Planeten hatten jedes Recht, sich gegen Eindringlinge zu wehren. Und wenn plötzlich ein fremdes Raumschiff kam und eine ganze Staffel Kampfschiffe startete, sollte dieses einiges an Nachschub in der Hinterhand haben.
Nein, Slade würde keinen Privatkrieg gegen den ganzen Planeten starten.
Also doch ein drittes Shuttle? Hm, damit dieses genauso vernichtet werden würde wie eines der beiden ersten? Nein, sicher nicht. Er wollte nicht noch mehr Material und Leute opfern. Schließlich waren Shuttles schwer zu bekommen.
Also doch Plan C.
"He, Schätzchen", bellte Slade zur Kommunikationskonsole. "Sende eine Nachricht in allen bekannten Sprachen auf allen bekannten Grußfrequenzen an den Planeten, daß wir in friedlicher Absicht kommen und uns als Handelspartner anbieten. Dann noch ein bißchen Höflichkeitsgeschwafel dazu, du kennst dich ja aus."
Zum Bildschirm gewandt fuhr er fort: "Sternenlicht, versuche, wieder mit den anderen Kontakt aufzunehmen. Wenn du nebenbei rausfindest, von wo du angegriffen wirst, schick uns die Koordinaten hoch. Ende."
--- Planet, Norden, Tunnel
In der Höhle, oder besser im Tunnel, selber war es sehr dämmrig, aber die zierliche Person vor ihnen setzte ihren Weg unbekümmert fort.
Der Sicherheitler schob Nathalie an das Ende der Gruppe um ihnen den Rücken zu decken. Diese zierte sich aber, worauf Pormas leise entgegnete, "Ich vertrau der Frau nicht. Außerdem geht es mir gut genug, um wieder alleine zu gehen." Skeptisch blickte Natty hoch. "Glaub mir. Und heute Abend mach ich dir noch ein schönes Bad..."
Linkisch zwinkerte der Grieche ihr noch zu, bevor er der fremden Führerin folgte. Der Tunnel war stark verzweigt und schien absichtlich so angelegt zu sein, daß man im Ernstfall ohne Führer einen "richtigen" Weg nicht finden konnte. Nach kurzer Zeit hatten alle die Orientierung verloren, bis sie plötzlich mitten in einer hell erleuchteten Höhle standen.
--- Höhle, irgendwo unten, halt, naja, irgendwo ;-)
Der plötzliche Ortswechsel warf Pormas aus dem Konzept. Er drehte sich um und blickte in die ebenfalls erstaunten Gesichter seiner Teamkameraden. Noch einen Meter weiter zuvor hätte er schwören können, daß der Tunnel mindestens 50 Meter weiter gehen würde.
Statt dessen standen sie in einem riesigen Lazarett, in dem sich vor ihnen eine kleine Menschentraube von mißtrauischen Gesichtern bildete.
--- fremder Planet, Lichtung
Collins beobachtete angespannt das Unterholz. "Na Klasse!", sagte er grimmig. Bilder von blutigen Massakern machten sich plötzlich in seinem Gehirn breit. Er hatte große Mühe seinen mentalen Block aufrechtzuerhalten.
Diese Bilder schienen aber nicht ihm zu gelten, denn die beiden verbliebenen Wesen zitterten wie Espenlaub neben dem Psychologen. "Ihr habt sie gefoltert und getötet, wenn sie nicht arbeiten wollten, nicht wahr?"
"Wir mußten sie anspornen!", warf das verbliebene männliche Wesen ein. "Sie sind teil..."
"Sie sind eure Sklaven? Klar, natürlich, was sonst", unterbrach Collins es barsch.
Inzwischen waren einige dieser Wesen nach und nach aus dem Dickicht des Unterholzes herausgetreten und hatten zwei Gruppen gebildet. Die eine Gruppe hatte Kargan und Sylvana eingekreist, während die anderen Collins und die beiden Wesen umringte. Die Waffe des Psychologen war immer noch auf das eine Wesen gerichtet.
Erhebliches Mißtrauen schlug Jack entgegen. Mit seinem Kompressionsgewehr wäre es ein leichtes gewesen, zumindest mit der ersten Salve, die Hälfte der Gruppe umzumähen. Und dann?
Collins lockerte seinen Mentalblock und versuchte etwas zu verstehen. Die Wesen schienen eine rege Diskussion zu führen, aber die Bilder waren so dermaßen abstrakt, das der Psychologe echte Mühe damit hatte, ihre Bedeutung zu interpretieren.
Es schien, als zögerten sie. Jack kniff die Augen zusammen. "Moment mal, der Typ...", er wandte sich zu Silvana, die halb im Unterholz stand und ihren Fang immer noch festhielt. "Könnte sein, daß der Kerl irgendwie wichtig für sie ist. Das wiederum könnte wichtig für uns werden. Eine Art Verhandlungsgrundlage, oder habt ihr eine andere Idee?"
Kargan schaute ziemlich mißmutig auf die aufgetretenen Wesen. "Ideen habe ich schon seit einiger Zeit keine mehr, außer daß es mir hier nicht gefällt", antwortete er auf die Frage des Psychologen. "Was ist schon ehrenhaft daran, Winzlinge, die noch an Magie glauben, zu metzeln?"
Jedenfalls verstand er, warum die Sklaven nicht angriffen. Immerhin hatte Silva ja gerade einen ihrer Peiniger getötet, und darüber hinaus laut Collins eine Geisel im Arm, die für sie wichtig war.
Das bedeutete wohl, daß sie jetzt in den Augen beider Parteien auf der Seite der Sklaven standen, und das obwohl sie bis vor ein paar Augenblicken nicht einmal etwas von dieser zweiten Seite gehört hatten.
Irritierend verlockende Visionen von einem langsam explodierenden Planeten, betrachtet von der privateer'schen Krankenstation, huschten durch Kargans Verstand.
"Hm", knurrte der Klingone Silvana an. "So wie ich das sehe, betrachten uns nun alle als auf der Seite der Unterdrückten stehend. Wenn du jetzt noch deinem neuen Spielzeug den Hals umdrehst, haben wir einen ausgeglichenen Status erreicht, weil uns dann nämlich alle jagen werden.
Wird dann sicher nicht ganz einfach, den Captain zufrieden zu stellen.
Silva, du hast den Schlüssel in der Hand: Die Chefs haben eine Heidenangst vor dir, und die Sklaven wahrscheinlich inzwischen ebenfalls. Also, mach was draus, du willst mir doch nicht erzählen, daß du nicht weißt, wie man mit der Angst von Leuten umgeht, oder?"
"Meinem neuen Spielzeug den Hals umdrehen...?" Grinsend musterte Silvana das Häuflein Elend, das sie noch immer gepackt hielt. Obwohl es scheinbar mit Hilfe seines Kristalls kommunizieren konnte, erinnerte es Silvana an ein kleines Häschen, das vor einer Schlange zitterte. "Führe mich nicht in Versuchung... Das könnte mir sogar Spaß machen."
Dann sah sich die Sicherheitschefin noch einmal um und schätzte die neue Situation ein. Es war denkbar langweilig alle diese kleinen Viecher zu töten und dabei nicht einmal zu wissen, was sie von ihnen wollten. Dazu waren sie noch nicht mal bewaffnet und leicht zu erlegen. Zumal ihr das süße Getue ihrer drei, nein zwei Freunde auch allmählich auf den Geist ging.
Vielleicht sollten sie ja einfach zur Abwechslung die Fronten wechseln und sich auf die Seite der Arbeiterklasse stellen...
Ärgerlich schüttelte Silvana den Kopf um diesen Gedanken zu vertreiben. Anscheinend ging das niedliche Gehabe der Bernsteinaugen jetzt auch noch auf sie über.
"Slade will Technik. Wir bringen ihm welche. So einfach ist unser Plan, also halten wir uns auch daran. Egal was für Probleme diese Pygmäen auch untereinander haben mögen", meinte sie bestimmt und nickte dem weiblichen Wesen zu, das erschrocken zusammenzuckte. "Welches Portal müssen wir nehmen, damit wir den Raum mit der Magie erreichen von dem ihr gesprochen habt? Dem unsicheren und gefährlichen..." Ihre Augen glitzerten bei ihren letzten Worten.
Das weibliche Wesen zeigte in die Richtung in die sie ohnehin unterwegs waren. Die andere Seite der Lichtung wo das Portal zum Lagerraum stand. Dort befand sich eine einzige dieser schwarzen Felswände durch die man gehen konnte.
"Damit wäre dann wohl alles geklärt", wandte sich Silvana an ihre beiden Begleiter. "Ich kenne den Rückweg und ich weiß wo wir hinwollen. Alles andere interessiert mich nicht." Damit wollte sich die braunhaarige Frau einfach zum Gehen wenden, aber Collins Gesichtsausdruck ließ sie stehen bleiben. Anscheinend sah er in der Bringt-mir-teure-Technik-Mission so etwas wie eine Missionarsarbeit im Tal der putzigen Gummibärchen.
"Okay, Jack. Du hast gewonnen. Ich weiß ja, daß dich immer alles und jeder kümmert. Selbst wenn du nur den Finger krumm machen mußt um ihm den Kopf wegzupusten. - Da hast du ein neues kleines Haustier. Zur Abwechslung mal männlich und nicht läufig. Nimm seinen Kristall in die Hand und du hörst seine Gedanken. Vielleicht hat es ja auch noch eine andere Sonderausstattung..." Damit warf sie das eigenartige Tierwesen einfach auf den Psychologen zu, der es mit sichtlicher Mühe und Zähneknirschen auffing.
Die geruhsame Meditation, die Silvana für das Ende der Mission ins Auge gefaßt hatte, konnte sie damit wohl endgültig streichen. Slade konnte sich schon auf seine monatliche Konditionsstunde freuen, nachdem ein fehlender Arm seine kleinste Sorge sein würde...
Unwirsch vor sich hinmurmelnd ging sie in Richtung Portal.
Mißmutig sah Collins Silvana hinterher. Die Art, wie sie die Wesen behandelte, gefiel ihm nicht sonderlich. Das war aber wieder mal ein Problem ihrer Gene. 'Ich weiß, warum ich früher lieber allein gearbeitet habe!', dachte er und setzte das zitternde Wesen vor sich ab.
Bernsteinfarbende Augen musterten den Psychologen von oben bis unten. "Welch heroisches Wesen Ihr seid! Die Anwesenheit Eueres Einflusses hat selbst Eindruck auf diese Bestie gemacht, die ein Freund zu sein scheint, weil sie hat getötet einen unserer ehemaligen Peiniger!"
Jack stutzte, es konnte ja sogar reden, aber in einer sehr merkwürdigen Art. "Was? Mit Bestie meinst du doch wohl nicht Silvana, oder?" Er sah der dunkelhaarigen Schönheit nach.
"Ich die Gedanken gesehen habe , von dem Wesen", es deutete auf Kargan, der nun auch Silvana folgte.
"Du sprichst den verbotenen Dialekt! Dafür kannst du sterben!", zischte das weibliche Wesen, an dessen Gesicht immer noch der Lauf von Collins Kompressionsgewehr klebte.
Der Psychologe atmete tief durch. "So, Freunde. Schluß mit lustig! Hört mir jetzt mal gut zu. Wir wollen jetzt in diesen Lagerraum oder was immer das ist. Was eure Probleme sind, geht mich nichts an. Wir haben einfach keine Zeit dafür, ok? Ich möchte jetzt, daß diese ganze Horde hier verschwindet und zwar auf leisen Sohlen, dann passiert dir auch nichts." Er sah den Primaten an.
"Ein Wesen des Guten Ihr seid!", antwortete der Primat ungerührt, während seine Gefolgschaft sich langsam ins Unterholz zurückzog. "Öffnen das Tor ich kann Euch, aber Gefahr wird über Euch kommen" krampfhaft umfaßte er seinen roten Kristall.
In Collins Schädel breiteten sich erschreckende Bilder von mordenden Androiden aus, die nach jedem Sieg ihre Opfer schlachteten und die Leichenteile für ihre Zwecke brauchten. Ihm wurde übel. "Das reicht!" Er schloß seinen mentalen Block gänzlich.
Jack war klar, daß er nicht alle mitnehmen konnte. Also suchte er sich die einfachste Variante aus. "Ok, ihr zwei", er deutete mit dem Lauf seines Gewehres auf das weibliche Wesen und dem verbliebenen Begleiter, "ihr zieht euch aus und legt alles was ihr habt dorthin" Er deutete neben sich.
Empört sah das weibliche Wesen ihn an. "Das wird unser Tod sein, das kannst du nicht wollen!"
"Stimmt, ich hasse töten, aber er wird dafür garantieren, daß ihr lebt. Denn ihn nehme ich mit!" Der Psychologe deutete auf den Primaten.
Widerwillig kamen die beiden Collins Befehl nach und legten ihre Anzüge und ihre Ausrüstung neben sich auf einen Haufen.
Jack zögerte kurz, dann gab er zwei gezielte Schüsse auf die Ausrüstung ab, die in einem hellen Blitz verdampften.
"Wie willst du nun das Tor öffnen?", fragte das weibliche Wesen pikiert den Primaten um gleich in ein ungläubiges Erstaunen zu versinken. "Bei den Gräbern unserer Vorfahren, es ist der Schlüssel, den alle suchen, der Schlüssel zu den Toren, der Weg den die Bösen gehen werden, um uns zu vernichten! Sein Stein, er ist der Schlüssel!"
"Schlüssel hin, Schlüssel her! Erstmal gehen wir durch das Tor, dann sehen wir weiter", Collins hatte nichts verstanden. Fahrlässigerweise hatte er auch nicht seinen mentalen Block gelockert, sonst hätte er sicherlich mitbekommen, was eigentlich gemeint war.
Und so schritten die beiden ungleichen Wesen direkt vor das Portal, wo Kargan und Silvana bereits warteten.
--- fremder Planet, direkt vor dem Lagerraumportal
"Was ist, Schlüssel vergessen?" Collins grinste sarkastisch. "Ich kenne da jemand, der hier wohnt." Er sah zu den Primaten.
"Öffnet Eure Barriere!", sagte der Primat plötzlich zu Jack. "Ihr wolltet etwas sehen..."
Der Psychologe stutzte, lockerte aber dann seine mentale Blockade. Bilder stürzten auf ihn ein, Bilder, die er kannte, ein Raumschiff... eine Spacejet. Schriftzeichen auf Interkosmo...! Und über allem das Gefühl, endlich wieder etwas von seiner Heimat zu sehen.
"Woher wißt ihr das alles...?", fragte Collins tonlos.
"Sieh...!", antwortete das Wesen und steckte seinen roten Kristall in einen unscheinbare Ausbuchtung in einem großen Stein direkt vor dem Portal.
Langsam formte sich ein Bild auf der großen schwarzen Felswand. Er erkannte einen sandigen Platz, der in einem wilden grünen Urwald mündete. Über der ganzen Szene ergoß sich ein azurblauer Himmel. Collins sog hörbar Luft ein. "Wega", sagte er leise. "Die Ruinen von N'aora. Die Vorfahren der Ferronen erbauten sie. Nun weiß ich woher sie kamen..."
Viele Gedanken tummelten sich im Gehirn des Psychologen vermischt mit den Bildern seiner Frau, seines Kindes und den Geschehnissen der letzten Stunden. Plötzlich nahm er seine Waffe und zielte auf den Primaten. "Versuche das nicht noch einmal", zischte er leise. "Ich kann zwar deine Gedankenbilder sehen, aber beeinflussen lasse ich mich nicht!"
"Es wird Zeit, öffne den Weg zum Lagerraum." Jacks Stimme ließ keinen Widerspruch zu und das Wesen veränderte etwas die Position des Kristalls. Das Bild eines schwach beleuchteten riesigen Lagerraumes löste das Landschaftsbild ab.
"Kämpfen Ihr werdet müssen!", sagte der Primat.
Collins sah zu Kargan und Silvana. "Wird vielleicht einigen von uns gefallen!", sagte er leise und schob das kleine Wesen inklusive Kristall durch das Tor.
--- Lagerraum, irgendwo unter der Stadt
Ein süßlicher Geruch schlug dem Psychologen entgegen, ein Geruch der Verwesung. Der Raum war riesig. Unmengen von Behältern mit allen möglichen technischen Geräten standen in Palettenregalen, die bis zu drei Stockwerken hoch waren herum.
Silvana und Kargan waren ebenfalls durch das Portal getreten und hatten wie Collins erst einmal hinter einem Container Deckung gesucht.
"Vierzehnter Stock, Damenunterwäsche und Miederwaren, bitte bedienen sie sich..." Jack grinste. "Habe ich aus irgendeinem alten Holostreifen.
--- Norden, Lazarett in der Höhle
"Ifrinn!"
Mit einem Schaudern gewahrte die Schottin die vielen verletzten Wesen, die sich in der Höhle befanden. Sie drehte sich zu der Frau um und fragte: "Was ist hier passiert? Woher kommen all diese Verletzten?"
Die Frau antwortete nicht. Mit einem Bitten, fast schon Flehen in den Augen sah sie erst die Ärztin, dann ihre kranken und verwundeten Kameraden an. Llewella verstand.
Sie bewegte sich auf die erste Gruppe zu. Mißtrauische Blicke wurden ihr zugeworfen. Als sie sich gerade zu den dreien hinunterbeugen wollte, spürte sie eine federleichte Berührung an der Schulter. Sie drehte sich um und gewahrte die Fremde.
"Ich werde Aerfrag holen - mit ihm könnt Ihr Euch dann unterhalten. Er kann Euch eher Antworten geben als ich..." Damit wandte sie sich ab und wollte gehen. Doch ein "Halt" der Rothaarigen gebot ihr Einhalt. Fragend blickte sie die Schottin an.
"Bevor Ihr verschwindet.. Wie ist Euer Name?", wollte Llewella wissen.
Ein Lächeln huschte über das so fremdartige und doch so vertraute Gesicht. "Mein Name ist Neale", antwortete die Frau, dann nickte sie der hochgewachsenen Frau zu und ging fort.
Llewella beugte sich wieder über die drei Verwundeten und begann mit ihrer Untersuchung...
Leichtfüßig verschwand Neale im hinteren Teil der Höhle, während Pormas mit Nathalie und KWinh mißtrauisch am Anfang der Höhle weiter beobachtet wurden. Die Ärztin in ihrem Team konzentrierte sich voll auf ihren Tricorder, und wurde dabei zwar auch argwöhnisch beäugt, aber man ließ sie gewähren.
Der Südländer schaute sich noch einmal genauer um. Der kleine Trupp der Fremden war nicht wirklich angsteinflößend, aber man konnte nie sagen, über was für Fähigkeiten sie verfügen konnten. Im Großen und Ganzen war es hier angenehmer als draußen in einer Schar von Androiden.
Aber was wollten sie hier?
"Hey Leute...", sprach der Grieche ihre 'Aufpasser' an, "ich will ja nicht unhöflich wirken, aber was wollt ihr eigentlich von uns? Ihr habt uns hierhin gelotst und jetzt sitzen wir hier. Wenn ihr nur ärztliche Hilfe wollt, hättet ihr..."
"Nein, nicht wegen des Heilkundigen habe ich euch mit mir genommen", entgegnete Neale, die wie aus dem Nichts wieder auftauchte, scheinbar den gesuchten Arzt im Schlepptau, der direkt auf Llewella zuging und sie ansprach. "Ich habe euch kämpfen gesehen. Und ich habe gesehen, wie ihr einen von ihnen enthauptet habt."
Die Frau schaute begierig auf den Metallkörper, den KWinh in der Hand hielt und nun etwas fester umklammerte.
'Ach die kamen also doch auf dieselbe Idee wie ich...', schoß es Pormas durch den Kopf und lächelte in sich hinein. 'Doch recht produktiver Haufen...'
"Was wollt ihr aber nun konkret von uns? Und worum geht es euch eigentlich? Bevor ihr uns nicht gesagt habt, was hier eigentlich los ist, machen wir gar nichts!" In der Stimme des Südländers lag nun eine gewisse Schärfe, da er das förmliche Gerede satt hatte. Nachdem er auch noch entdeckt hatte, daß die fremden Leute um ihn herum eigentlich zwei Finger an jeder Hand zuviel hatten...
Sie wußten schließlich wirklich nicht, mit wem sie mitgegangen waren. Im Zweifelsfall könnten sie im Lager des Feindes stehen und diese ärztlich versorgen. Welche Partei eigentlich gut und welche böse war, darauf wollte er sich jetzt sowieso noch nicht festlegen.
"Ihr habt natürlich ein Recht es zu erfahren, denn es ist unser Wunsch das ihr uns helft. Denn wir sind nicht wie unsere Peiniger. Wir beachten den Willen ALLER Lebewesen", stolz richteten sich alle in Hörweite stehenden Wesen auf. "Wir sind die Befreier dieses Planeten, wir kämpfen für die Befreiung aus der Sklaverei."
Bevor Pormas irgend etwas erwidern konnte fuhr Neale enthusiastisch fort: "Wir, das ist unser Volk und alle anderen, ob telepatisch oder nicht! Ob aufrecht oder nicht! Und wir", beschwörend wurde der Hüne nun von seinem Gegenüber gemustert, "wir erbeten eure Hilfe."
Ein bißchen verdattert stand der Südländer nun vor diesen zierlichen Humanoiden, die etwas von der Befreiung des Planeten redeten und um ihre im Kampf erbeutete Technologie baten. Früher hätte Pormas ohne weiter nachzudenken sich in deren Dienst zu stellen, denn es war scheinbar für eine gute Sache.
Aber sie standen unter dem Zeichen des Profits und Silvana war es glatt zuzutrauen, daß sie auf der Seite der Unterdrücker stand. Schnell erbat sich der Sicherheitler ein bißchen Geduld von seinen Gastgebern und zog KWinh und Nathalie zur Seite. Llewella würde sowieso nicht von ihren Patienten weichen.
"Okay Leute... was machen wir nun? Ich würde diesen Leuten gerne helfen, die scheinen von ihrer Sache überzeugt zu sein, aber wer sagt uns, daß das andere Team nicht auf der anderen Seite steht? Ich will das nicht alleine entscheiden, schließlich geht es hier auch um eure Haut..."
Fragend schaute Pormas in die Runde.
--- Lagerraum, irgendwo unter der Stadt
"Bingo!", entfuhr es Kargans Mund. "Das sieht ja alles richtig schön technisch aus. Ich hoffe, jemand von euch kann in etwa den Wert der Einzelteile hier einschätzen. Denn auf das Shuttle bekommen wir maximal ein Promille von den Schätzen, die hier lagern.
Wie viele Shuttles hat eigentlich die Privateer insgesamt?", fragte er dann in die Runde, aber Silvana schien gar nicht richtig zuzuhören.
"Da ist jemand", knurrte sie mit verengten Augen. " Ich kann ihn deutlich hören..." Vorsichtig schlich die Gruppe weiter in Richtung der Geräusche. Zuerst hatten sie ein metallisches Klicken vernommen, nun waren es Schritte.
Als sie in Sichtweite kamen, entspannten sie sich. Offenbar handelte es sich um eine Art Lagerarbeiter, der ein Ersatzteil geholt hatte. Als er die Gruppe sah, stutzte er zunächst, ergriff dann seinen Werkzeugkoffer und schien sich dann nicht weiter um sie zu kümmern.
Silvana folgte ihm, und Kargan und Collins folgten Silvana.
--- Norden, Lazarett in der Höhle
Der Arbeiter verschwand durch eine versteckte kleine Tür, hinter der man unterdrücktes Murmeln hören konnte, und als Silvana die Tür aufstieß und mit ihrem Phaser herumfuchtelte, stockte die Unterhaltung des anderen Außenteams, während Pormas sich gleich auf den Boden warf und seinerseits eine Waffe zückte.
"Gute Reaktion", erklang Silvas kühler Kommentar, worauf sich alle Anwesenden etwas entspannten. "Fehlen nur noch Sternenlicht und Rogers und wir können eine Party veranstalten." Ihre Stimme tropfte nur so vor Sarkasmus.
Kein Wunder, schien dieser Pormas doch schon wieder regelrecht nach seinem Biobett zu dürsten.
Kargan sah dem Techniker noch nach, wie er hinter einer Wartungsluke verschwand. Dann erst ging ihm auf, was er da gerade gesehen hatte. Zu Collins gewandt sagte er: "Habe ich das eben alles falsch verstanden? Ich hatte den Eindruck, die Leute hier haben keinen blassen Dunst von Technik, sondern halten das alles für eine Art Magie."
"Es ist Magie", schaltete sich eine Stimme ein, die Kargan noch nie gehört hatte. "Ich bin Aerfrag, und Ihr habt gerade den Gehilfen des Magiers der Tagschicht gesehen. Beachtet ihn nicht weiter. Willkommen auf Endora. Es geschieht selten, daß Fremde uns besuchen. Ihr müßt viele Fragen haben. Bitte, stellt sie. Wir haben keine Geheimnisse vor Euch."
--- ZEG, HQ
Statusbericht kontrollierter Agent 490: Erfolg. Gerät montiert.
Beginn Phase 2...