Chronik 30

--- Planet, nördlicher Stadtrand, großer runder Raum

'So, genug gespielt', waren Pormas einzige Gedanken. Langsam wurde es dem Südländer zu langweilig. Durch Gebäude zu stöbern und sehr rätselhafte und betäubende Gegenstände zu finden, war einfach nicht der Stil des Südländers.

Mit einer kurzen kaum wahrnehmbaren Justierung seiner Helmoptik, durch eine bestimmten Reihenfolge von Finger- und Gesichtsbewegungen, erhöhte er die Empfindlichkeit der Sensoren für Energiesignaturen.

Es war eine in allen bekannten Rassen des Universums weit verbreitete Angewohnheit, Wichtiges unterirdisch zu verstecken. Und so ein großes und früher sicher eindrucksvolles Gebäude durfte sicher einen interessanten Keller haben.

Natty war ihm unbeirrt zur Bodenluke gefolgt, was ihrer, für ihn, unwiderstehlichen Anziehungskraft auch noch fachliche Kompetenz hinzufügte. Fast fühlte er sich wie in alten Starfleet Zeiten, als ihm ein ganzer Sicherheitstrupp ohne ein überflüssiges Wort bedingungslos gefolgt war.

Hier aber war er aber in der nüchternen Wirklichkeit und nach seinem Koma, von dem er immer noch nicht wußte, wie es zustande gekommen war, brannte er auf eine vernünftige Schießerei. Natürlich nur, wenn es sein mußte.

Vorsichtig näherte er sich der Luke, dicht hinter ihm Nathalie und etwas weiter KWinh und Llewella. Ein kurzer Scan mit seinem Helm ließ keine Signaturen oder sonstige Anzeichen für eine Falle erkennen. Mit einem plötzlichen Ruck schleuderte er die nach all den Jahren morsche Holzluke fort und richtete seinen Blaster in das freigelegte Loch.

'Nichts', seufzte Pormas innerlich enttäuscht. 'Man kann halt nicht alles haben. Aber was soll's.'

Einen kurzen Check und eine Überlegung später teilte er der Gruppe seine Entscheidung mit.

"Meine Sensoren können nicht viel mit Gewißheit sagen, nur, daß dieser Schacht nach drei Metern senkrecht in die Tiefe wieder waagerecht verläuft. Wohl nur nach Süden, aber mehr kann ich von hier auch nicht sagen. Eine Leiter gab es wohl, aber die wurde von der Zeit nicht gerade mit Samthandschuhen angepackt", erklärte der Hüne kurz.

"Da es aber unser bisher erfolgsversprechender Versuch ist der Sache auf den Grund zu gehen, geh ich mal vor", beendete Pormas seinen Monolog, drückte noch einmal kurz Nattys Hand, als er die Helmscheinwerfer abschaltete, und wie ein Schatten in das Loch sprang.

--- im Norden, Katakomben

Mit einem gedämpften "Klong" kam der Halbgrieche auf seinen Füßen auf. Der Anzug hatte die größte Wucht aufgrund seiner Beschaffenheit aufgefangen. Seine Vorsicht war aber unbegründet. Hier waren weder Selbstschußvorrichtungen, die auf Lichtquellen schossen, noch sonstige Sicherheitsinstallationen.

Trotzdem untersuchte er seine Umgebung gründlich, bis er sich meldete: "Theocrates an Connor. Hier unten ist alles soweit in Ordnung. Der Gang geht tatsächlich nur in eine Richtung, ist aber ca. 2,40m hoch und 2m breit. Recht modrig hier.

Was aber interessant ist: Hier steht eine Kontrollkonsole, die soweit unbeschadet ist.

Wenn ich mich nicht irre, dürfte das eine Art Aufzug sein", deswegen auch 'Klong' und nicht 'Plumps', fuhr es Pormas durch den Sinn. "Ich aktiviere ihn mal." Mit einem kurzen Tastendruck, hob sich der Boden, auf dem der Südländer eben noch gestanden hatte nach oben.

Während er auf seine Fahrgäste wartete, schaltete er das Licht an seinem Helm wieder ein und beobachtete den Gang vor sich, bevor noch ungebetene Besucher kamen. Keine Minute später war das Außenteam wieder versammelt. Halt nur drei Meter tiefer.

Kaum hatte der Aufzug angehalten, als Nathalie auch schon von der Plattform sprang und den Tunnel inspizierte. Hier unten war es noch etwas dunkler und die Sicht endete nach einigen Metern. Da sich ihre Augen wieder an die Dunkelheit gewöhnen mußten, nahm die Sicherheitlerin ihren Tricorder zu Hilfe.

"Ok, ich kann nichts Aufregendes erkennen, aber wir sollten trotzdem sehr vorsichtig sein!", murmelte sie, während sie wenige Schritte probeweise vorging. 'Besonders, da auf die Tricorder nicht allzuviel Verlaß zu sein scheint!'

Es war seltsam. Der Aufzug hatte kaum Abnutzungserscheinungen vorgewiesen und doch war der Zugang lediglich mit einer simplen Holzplatte verschlossen gewesen. Auch die rostige Leiter und der restliche Zustand des Ganges wirkten eher verwahrlost und wie lange nicht mehr gebraucht. Die Luft war sehr stickig und als Natty den Gang betreten hatte, war ihr die Feuchtigkeit aufgefallen. Hin und wieder tropfte es von der Decke und einige Pfützen zierten den Boden. Die Wände waren ebenso bröckelig wie schon die Gebäudewände.

Und dazu stand die Aufzugsplattform verdächtig im Gegensatz.

Die junge Frau drehte sich zum restlichen Team um. Pormas stand bereits dicht hinter ihr. Sie war überrascht, daß er auf einmal doch recht viel Initiative zeigte. Bislang hatte er nicht nur das Team gegen mögliche Angriffe von hinten geschützt, sondern sich auch sonst eher im Hintergrund gehalten. Doch nun sprühte er förmlich vor Energie.

'Vielleicht hat er sich jetzt endlich vollständig von der letzten Nacht erholt', dachte Nathalie und mußte grinsen. Sie räusperte sich und blickte verlegen auf das Display ihres Tricorders, bevor sie wieder sprechen konnte ohne zu lachen.

"Ich würde vorschlagen, du mit deinem Helm gehst vor. Ich übernehme diesmal die Rückendeckung. Aber paß auf, irgendwas stimmt hier nicht. Ich vermute, der verfallene Eindruck soll uns täuschen oder von irgend etwas ablenken. Hier könnte es von Fallen nur so wimmeln!"

KWinh war stehen geblieben und scannte mit seinem Tricorder weiter die Umgebung. Er ließ die restlichen Mitglieder der Gruppe passieren und übernahm selbst die Nachhut. Im Gehen setzte er wieder seinen Visor auf und blickte sich um.

Nun, da er besser sehen konnte, bewegte er sich sicherer und folgte der Gruppe. Keine Anzeige, die irgend etwas Interessantes zu Tage gebracht hätte, war zu erkennen. Diese Tatsache machte den Techniker stutzig. Das war alles einfach ZU unauffällig.

Ein kurzes Blitzen in seinem Augenwinkel ließ ihn den Kopf drehen... nichts... Mit einem kurzen Fingerdruck auf die Seite des Visors änderte der Grilmak das Lichtspektrum, das dieser anzeigte. Überall um ihn herum leuchteten einzelne Flecken an Wänden und Boden im ultravioletten Spektrum.

Überrascht schaute er sich um, fluchte innerlich, daß er nicht eher auf diese Idee gekommen war. Direkt vor Pormas auf dem Boden leuchtete es taghell durch den Visor.

"STOP! Falle!", schrie der Grilmakpriester und war sich sicher, daß diese Lautstärke jeder der Gruppe vernommen hatte. Der Grieche reagierte sofort und wandte sich instinktiv zur Seite, als dort, wo er gerade noch gestanden hatte eine lautlose Explosion stattfand.

Ein kurzer Schrei kam aus KWinhs Mund, als es explodierte, denn der Visor erhellte seine Sicht so stark, daß es schmerzte. Schützend hielt er die Hände vor seine Augen und taumelte gegen eine Wand.

--- südlich der Stadt, außerhalb des alten Gebäudes

Die Sonne war schon aufgegangen, und Kargan sah mit einem Blick, welches Gebäude Rogers mit "Kuppelbau" gemeint hatte. Mit einer Hand am Phaser und einem Auge auf seinem Tricorder ging der Klingone auf das Gebäude zu.

Als er es erreicht hatte, erkannte er, daß erst vor kurzer Zeit jemand diesen Eingang passiert haben mußte, denn die Bruchspuren an den Pflanzen waren noch sehr frisch. Mal von den Bruchspuren an der Tür ganz zu schweigen.

--- im alten Gebäude, Obergeschoß

Etwas gelangweilt zuckte Silvana mit den Schultern. Wenn Jack vorschlug den Schauplatz zu wechseln, konnten sie es ja tun, auch wenn sie sich nicht vor ein paar Androiden oder Robotern flüchten würde. Auch Metall schmolz, wenn es nur heiß genug behandelt wurde.

Ihr Blick fiel auf das bewußtlose fremde Wesen und erst dann kam sie auf die Frage des Psychologen zu sprechen: "Falls du damit andeuten willst, daß sie Telepathie benutzen, so muß ich leider verneinen. Nein, ich habe nichts gehört. Nicht das Geringste. Das ist aber auch kein Wunder. Zum einen habe ich eine sehr starke Barriere in meinem Kopf, die man erst überwinden müßte und zum anderen war ich ihnen vielleicht nicht... intellektuell genug um sich mit mir abzugeben..."

Dr. Farnsides perfekter Krieger war nicht nur immun gegen alle schädlichen Auswirkungen des Alkohols, sondern Silvanas Geist war so gut es einem terranischen genialverrückten Wissenschaftler möglich war gegen telepathische Einflüsse von außen geschützt. Aber nicht um seiner Schöpfung etwas Gutes zu tun, sondern nur um zu verhindern, daß sich seine Schöpfung eines Tages gegen ihrer eigenen Schöpfer erhob und die ultimative Waffe sich gegen ihn selbst richtete.

Aber wie Silvana sich mit einem heimlichen Lächeln eingestehen mußte, war dazu keine feindliche Telepathie nötig gewesen, sondern einfach nur genug Intelligenz und ein freier Wille, der es niemand erlaubte sie als sein Eigentum zu betrachten.

Sie wirkte ziemlich gelangweilt, während sie den kleinen Mann schulterte, als wäre er ein Leichtgewicht. Dabei sah man Silvana äußerlich nicht an über welche Kräfte sie wirklich verfügte und sie war sich selbst darüber nicht im Klaren, da ihre bisherigen Kämpfe sie nie gefordert hatten.

Das betäubte Wesen beeinträchtigte ihre Bewegungsfreiheit nicht im Mindesten und sie schien auch nicht gewillt zu sein, darüber zu diskutieren, ob es besser hier blieb. "Der kommt jedenfalls mit. Wenn nicht anders, behalte ich ihn als Haustier. Ich mag bernsteinfarbene Augen."

--- Erdgeschoß, zur gleichen Zeit

Die Sonnenstrahlen fielen durch eine teilweise eingestürzte Decke und tauchten den Raum in ein malerisches Licht. Kargan hatte den Eindruck, daß Silvana am Zustand der Decke nicht ganz unschuldig war. Außer ihm war der Raum leer.

Aus dem oberen Stockwerk waren Stimmen zu hören. Kargan konnte die Worte nicht verstehen, aber er identifizierte Silvana und Collins. Langsam ging er die Treppe hoch und machte sich vorsichtshalber bemerkbar - er ging davon aus, daß Silvas Jagdreflexe schneller auf ihn schießen würden als ihr Gehirn sein Bild verarbeiten konnte.

Und wenn man Silva länger kannte, rechnete man nicht mit auf Betäubung gestellten Phasern.

Gerade als er "He, ihr zwei, ist die Luft da oben gut?" gerufen hatte, spürte er einen Stoß, der ihn von der Treppe warf. Es hatte sich zwar wie eine Berührung angefühlt, aber wer konnte schon wissen, wie sich die Waffen dieser Welt anfühlten?

Geschickt rollte er sich ab und zog seinen Phaser.

--- Obergeschoß

Nachdem Silvana leise Schritte gehört hatten, die von unten kamen, war auch schon eine Stimme ertönt, die sie eindeutig einer gewissen Person ihres Außenteams zuordnete, die sich bis vor kurzem hatte nicht vom Shuttle trennen können. Dann folgte ein Poltern.

"Jack, am Besten gehen wir runter zu Kargan, eher die elektronische Putzkolonne kommt um hier sauber zu machen und wir uns wieder einen seiner trockenen Witze anhören müssen, die er selbst so brillant findet. Sein 'Es ist ein guter Tag zum Sterben', könnte ihn eines Tages wirklich sein Leben kosten." Sie bleckte ihre Zähne und Jack war sich nicht sicher, ob sie Spaß machte oder es ernst meinte.

"Geh schon mal vor und laß dich nicht von Kargan erschießen", meinte sie zu Jack. Dann bückte sie sich und hob ein winziges Gerät auf, daß sie vor ihrem seltsamen Besuch nicht hier gesehen hatte.

Sorgfältig steckte sie es ein, nachdem sie sich mit ihrem Tricorder vergewissert hatte, daß es keine Art Signal von sich gab.

--- auf der Treppe

Jack ging vorsichtig den Aufgang hinunter. Silvana schien nicht sehr fasziniert von der Idee, hier zu verschwinden. Sie machte sich scheinbar keine Gedanken, was auf sie zukommen konnte. 'Immer mit dem Kopf durch die Wand!', dachte der Psychologe. Aber irgendwann konnte eine Wand auch härter als der Kopf sein.

Collins Gedanken hatten jetzt aber keine Zeit, sich mit solchen Problemen auseinanderzusetzen. Er feilte fieberhaft an einer Theorie, wie diese ganzen Puzzelsteine zusammenpaßten. Er kam zu dem Schluß, daß von diesem Wesen nicht die Gefahr ausging.

Sie hatten wahrscheinlich irgendwann einmal diese alten Schutzanzüge gefunden und festgestellt, daß diese Roboter sie nicht orten konnten, wenn sie diese trugen, genau so, wie die Tricorder sie nicht orten konnten.

Plötzlich wurde der Psychologe aus seinen Gedanken gerissen, als etwas versuchte sich ganz vorsichtig an ihm vorbei zu schleichen. Jack griff sofort zu. Doch was man nicht sehen kann, kann man auch schlecht greifen. Und so erwischte Collins nur irgendeinen Stoffetzen, hielt sich aber mit aller Gewalt daran fest, strauchelte und fiel dann mit dem unsichtbarem Etwas die Treppe hinunter.

--- Untergeschoß

Der Aufschlag war hart und Collins Steißbein schmerzte höllisch, aber er hatte nicht losgelassen. "Verdammt nochmal! Jetzt zeig dich! Wir können euch helfen, wenn ihr uns helft!", sagte und dachte er. Doch bevor er weiterreden konnte, spürte er die harte Berührung eines Phasers in seinem Genick und plötzlich fiel ihm Silvanas Warnung, sich nicht von Kargan abschießen zu lassen.

"Hallo Doktore! Schön Sie zu sehen, sparen Sie aber die Munition für ein paar Blechkameraden, die eigentlich gleich hier erscheinen müßten und sehr wahrscheinlich nicht sehr höflich sein werden." Jack wandte sich wieder an seinen unsichtbaren Gast: 'Was ist nun, die Zeit wird knapp! Ich vermute, du weißt, was da im Anmarsch ist. Allein wirst du deinen Freund dort oben nicht mehr retten können, also?'

Der Fremde hatte sich scheinbar entschieden. Es schaltete seinen Tarnschirm aus und Jack sah in ein ängstliches Gesicht, das eindeutig weibliche Züge hatte. Der Psychologe lockerte seinen mentalen Block und spürte sofort die Angst, die von dem Wesen ausging.

"Schon gut, sagte er leise. "Ich fürchte nur, daß wir hier nicht ganz unbehelligt herauskommen, aber wenn, mußt du uns zeigen, wo ihr diese Anzüge her habt, ja?"

'Habe ich eine Wahl?', spürte Jack einen Gedanken und schüttelte kurz den Kopf. Dann stand er auf und sah zu Kargan. Der Klingone hatte seine Waffe gesenkt, nachdem er Collins wohl erkannt hatte. "Wir sollten uns eine gute Deckung suchen", sagte der Psychologe. Kaum hatte er ausgesprochen, polterte der erste Androide auch schon durch den Eingang und ein fingerdicker Energiestahl schoß an Jacks Nase vorbei.

"Showtime!", rief er laut und machte einen Satz hinter der nächst möglichen Deckung. Dabei zog er etwas unsanft die kleinwüchsige Fremde mit.

Noch immer stand Silvana auf der Treppe, als Jack schon in Deckung hechtete. Weiter war sie noch nicht gekommen.

"Männer", seufzte sie und schüttelte den Kopf, da Jack trotz Warnung unachtsam war und Kargan ihn nicht gleich erkannt hatte. Wäre es nicht schon sehr viel heller geworden, hätten sich die beiden wohl noch gegenseitig erschossen. Aber Jack kannte wohl keine Gnade, wenn er in den Besitz eines munteren Exemplars kommen konnte.

Anstatt die Treppe hektisch nach unten zu laufen oder wie Jack auf dem Hintern zu landen, stieß sich Silvana von der Wand ab und sprang einfach nach unten.

--- im Norden, Katakomben

Zum Glück für die Schottin waren Nathalie und Pormas an der Spitze der Gruppe gegangen, so daß sie nicht mehr die ganze Wucht der Explosion zu spüren bekam. Trotzdem genügte die Druckwelle, die sie abbekam, immer noch. Kurzfristig blieb Llewella die Luft weg.

"Ifrinn!", fluchte sie halblaut, als sie wieder zu Atem kam. Schnell ergriff sie ihren Tricorder, eilte zu den beiden Sicherheitlern und scannte die beiden. Im Normalfall verließ sie sich zwar lieber auf ihren Tastsinn und ihre Augen, aber wo es so dunkel war wie hier, mußte sie sich eben auf die Technik verlassen.

"Pormas, bei Ihnen ist alles heil geblieben", meinte sie dann zu dem Südländer, der breit grinste. 'Muß wohl an diesem verrückten Anzug liegen', dachte Llewella, dann untersuchte sie schnell Nathalie und KWinh. Erstaunlicherweise waren auch diese beiden ohne größere Blessuren davongekommen, etliche blaue Flecken würden wohl bald an diese Katakomben erinnern.

Die Schottin selber fühlte sich auch recht wohl. Allerdings machte ihr der Gestank, der sich nun langsam in dem Tunnel ausbreitete, schwer zu schaffen. Anscheinend hatte diese Explosion ihn hervorgerufen, außerdem war die Luft, die sowieso schon abgestanden war, nun gefüllt mit einem widerlichen Staub, der entsetzlich bitter schmeckte.

Dann wandte sie sich an KWinh: "Vielen Dank für die Warnung! Nachdem Sie dieses Ding hier tragen, wäre es wohl sinnvoll, wenn Sie den Weg, der vor uns liegt, untersuchen. Zumindest, wenn wir weitergehen wollen..."

"Wartet!", rief Nathalie, nachdem sie ihren Schreck und einen heftigen Hustenanfall überwunden hatte. "Was zum Geier war das?"

Ihre Augen schmerzten noch von dem plötzlichen grellen Licht und machten die Suche nach einem Auslöser der Explosion nahezu unmöglich. Obwohl sie sehr vorsichtig gewesen waren und auch mit Fallen gerechnet hatten, waren sie völlig überrascht worden. Auch jetzt deutete nichts auf den Hinterhalt hin. Entweder waren die Konstrukteure dieser Falle genial oder die Technik zu fortgeschritten, als daß sie sie entlarven konnten.

Erneut mußte sie husten. Der Staub und der zunehmende Gestank setzten ihr schwer zu und ließen ihre Augen tränen. Eine weitere Untersuchung war nicht mehr möglich - zumal auch Nattys Tricorder langsam den Dienst verweigerte. Er hatte wohl ein wenig zu viel Staub abbekommen. Achselzuckend rieb sie ihn ein wenig am Ärmel ab und steckte ihn dann weg.

Die Lust war der jungen Frau ohnehin gründlich vergangen und sie wünschte sich nichts sehnlicher, als endlich wieder an der frischen Luft zu sein und sich den ekligen Staub aus den Haaren zu schütteln.

'Nee, schütteln ist keine gute Idee...', dachte sie, als in ihr eine heftige Übelkeit aufstieg. Kam es ihr nur so vor, oder wurde es tatsächlich immer unerträglicher hier?

"Ich denke...", begann Nathalie langsam und wandte sich zu den anderen, "die Sache ist ziemlich faul! Was sollte denn das ganze? Eine Explosion, die scheinbar lediglich einen Lichtblitz erzeugt und keinen richtigen Schaden? Ergibt keinen Sinn. Abgesehen von - ist euch eigentlich auch so schlecht? Ich hab das Gefühl, ich krieg hier keine Luft und ich will nur noch hier raus!"

Ein Blick in die Runde zeigte ihr, daß es den anderen ähnlich erging. Irgendwie hatte sie auch das Gefühl, daß da noch mehr in der Luft war als nur der Geruch und der Staub. Der Drang, nach oben zu gehen, wurde immer stärker.

Waren da etwa auch bewußtseinsbeeinflussende Stoffe? Etwa Halluzinogene? Oder Psychopharmaka?

War DAS die Falle?

"Darum denke ich, wir sollten weitergehen!", setzte die Sicherheitlerin mit Nachdruck hinterher und hörte verblüffte, grummelnde Geräusche - sehen konnte sie nicht mehr allzuviel mit ihren tränenden, brennenden Augen.

"Nun, die Falle war nicht dazu da, jemanden zu verletzen. Wohl aber, jemanden davon abzuhalten, sich noch weiter hier unten herumzutreiben..."

--- südlich der Stadt, altes Gebäude, Erdgeschoß

Silvana federte ihren Aufprall gekonnt wie ein Raubtier in den Knien ab, da sie mit ihrer Last keine Rolle machen konnte um den Schwung abzufangen, warf ihre Last wie ein nutzloses Bündel in den Schutz des Treppenaufgangs und rollte sich selbst ab. Noch während des Abrollens glitt ihre Hand zu ihrem Stiefelschaft und Sekunden später flog ein glänzender Blitz zum Hals des Androiden, wo er federnd stecken blieb.

"Das wird dem Typen wohl einige Halsschmerzen bescheren", prophezeite Silvana, bevor sie endlich Zeit fand ihren Phaser wieder auf Maximum Stärke zu stellen. Schnell genug um zu sehen, daß der eine Androide nur die Vorhut gewesen war.

Kargan schoß auf den zweiten eindringenden Androiden, was er dabei rief, ging glücklicherweise im Kampflärm unter.

Ein greller Strahl aus Silvanas Phaser brachte schließlich einen Teil der Decke zum Einsturz, der die ersten drei der Androiden unter sich begrub und die herannahende Verstärkung etwas an ihrem raschen Vormarsch behinderte. Trotzdem hielt es sie nicht sonderlich auf.

"Ich denke nicht, daß die uns zum Essen einladen wollen", murmelte sie und betätigte dann ihren Communicator: "Silvana an Rogers. Wir haben hier unerwartet Besuch bekommen. Falls ihr nachkommt, dann bringt etwas Getriebeöl als Gastgeschenk mit. Die Typen scheinen überaus sauer zu reagieren, wenn man ungefragt in ihre Hütten eindringt. Silvana Ende."

Zum Glück kannte Rogers seine Vorgesetzte gut genug um die Warnung in ihren Worten zu kennen und ihre sarkastischen Andeutungen richtig auszulegen.

"Na, Jack, du bist doch hier unser Technikfreak... möchtest du von denen auch ein Exemplar mitnehmen oder ziehen wir uns vorerst zurück?"

Collins blickte etwas verwirrt drein und verstand den Witz überhaupt erst einmal nicht. Nach seinem Hechtsprung hinter die Deckung und während des kurzen Feuergefechtes, strömten zig Bilder in seinem Gehirn. Er sah riesige Hallen, Androiden, Maschinen und andere technische Sachen.

"Ich würde sagen wir ziehen uns dorthin zurück, wo unsere kleine Freundin uns führen will", er blickte in die bernsteinfarbenen Augen, die ihn abwartend ansahen. "Hier scheint es doch noch Dinge zu geben, die uns interessieren könnten."

Das Wesen ging unbeholfen zu dem Bündel, das Silvana bei dem Angriff so achtlos weggeworfen hatte und Jack empfing ein Gefühl der Trauer. 'Er ist nicht tot, nur betäubt', dachte er und ging dann zu einem der Androiden. "Nicht schlecht, jeder Borg würde neidisch werden. Aber mitnehmen? Nein Danke."

Der Psychologe sah auf seinem Tricorder ein paar Zahlenkolonnen über das Display huschen. "Basiert zum Teil auf replizierte organische Substanzen... Hm, sieht nicht grade appetitlich aus, diese Zusammenstellung der Extremitäten."

Das Ding vor ihm sah eher aus wie ein Transmitterunfall, den er vor langer Zeit mal gesehen hatte.

"Wir sollten verschwinden. Kargan, ich hoffe Sie können den Kleinen wieder auf die Beine bringen. Dann können die uns den Weg zeigen und Silvana könnte mich mal tragen", grinste Collins.

Kargan schaute etwas überrascht auf. Dieser Psychologe schien die Gefahr, die in Form von weiteren Robotern immer näher kam, gar nicht richtig einschätzen zu können.

Deshalb entgegnete er: "Eine gute Idee. Am besten verwickeln Sie die nächsten Androiden in ein freud'sches Streitgespräch, das wird sie sicher so lange aufhalten, wie ich brauche, um die Physiologie Ihres kleinen Freundes zu erforschen und ihm dann die richtige Dosis Aufputschmittel zu geben."

Kargan wußte nicht, wie viele Roboterkämpfer draußen auf sie warteten, und er hatte auch nicht die geringste Lust, eben mal kurz einen Sprung in den ersten Stock zu unternehmen, wo man möglicherweise nicht vergessen hatte, Fensteröffnungen in den Räumen zu lassen.

Statt dessen stellte er seinen Phaser auf einen breiten Streustrahl ein und richtete ihn auf die der Tür gegenüberliegende Wand. Nach einem kurzen "Deckung!" und einer längeren irrlichternden Phaseremission schnappte sich der Klingone den bewußtlosen Körper des Fremden und lief kurzerhand nach draußen.

Er war zu dem Schluß gekommen, daß sie hier wie in einer Mausefalle saßen. Der Gegner verfügte höchstwahrscheinlich über ein ganzes Heer dieser Kampfmaschinen, und zu dritt in einer Hütte war ihre Überlebenswahrscheinlichkeit ... nun ... halt unwahrscheinlich.

In der Eile fiel dem Klingonen kein Vergleich ein, der sarkastisch genug gewesen wäre.

--- hinter dem alten Gebäude

Als er draußen ankam, schaute Kargan sich zunächst kampfbereit um. Aber offenbar hatten die Androiden darauf verzichtet, das Haus zu umstellen. Er blickte zurück und hatte den Eindruck, daß die Ruine nun nicht mehr so gut erhalten war, und wohl kaum noch einmal so lange stehen würde wie sie es bisher wahrscheinlich geschafft hatte.

Außer der Ruinenstil war auf diesem Planeten gerade groß in Mode, und sie waren in ein funktionierendes Gesellschaftssystem geplatzt...

'Kein guter Erstkontakt', schoß es ihm durch den Kopf. Ungefragt auf einem Planeten zu landen, zwei Bewohner zu entführen und ein Haus in Schutt und Asche zu legen.

Aber solche Probleme hatte er ja schon seit der Akademie. Wenn er da an seinen ersten simulierten Erstkontakt dachte... damals auf dem Wüstenplaneten, der sich eigentlich auf dem Holodeck der Sternenflottenakademie befand, und er sich im Angesicht einer neuen Lebensform recht hemmungslos mit einer Kommilitonin gepaart hatte - was ihm einerseits einen Verweis und andererseits eine doch recht lange und intensive Beziehung mit ebendieser Frau eingebracht hatte...

--- im altem Gebäude, Erdgeschoß

Silvana grinste breit, als Kargan nach einer süffisanten Entgegnung eine derartige Zerstörung hinter sich gelassen und sich einfach aus dem Staub gemacht hatte. Damit hatte Jack sicher nicht gerechnet. Jedenfalls sah er ziemlich verblüfft aus.

"Um auf deine Frage zurückzukommen", erinnerte ihn Silvana, als ob nie etwas geschehen wäre, "ich würde dich ja gerne tragen - und glaub mir, ich bring das auch - aber zum einen trägt sich mein Haustier nicht von allein und Kargan hat ja bevorzugt seine armen Kräfte zu schonen. Zum anderen scheinst du ja bereits eine neue Freundin gefunden zu haben. Laß mich wissen, wenn Sie dir genug Zeit für eine... Meditation läßt..."

Als die Sicherheitschefin wieder ihre Last schulterte, konnte sie sich ein breites Grinsen nicht verkneifen, da das kleine Wesen, daß Jack eingefangen hatte und das anscheinend weiblicher Natur war, tatsächlich wie eine Klette an Jack hing.

Wahrscheinlich aus Furcht, als Kargan die Wand zerstört hatte und doch... sie waren so ein niedliches Paar.

"Dann wollen wir mal", meinte Silvana in dem Augenblick, als der erste Androide der Nachhut es schaffte sich seinen Weg zu bahnen und ein Lichtblitz nur wenig entfernt von ihr ein Stück Wand traf.

'Sehr witzig', dachte Collins und zog seinen Thermostrahler. Der Androide am Eingang hatte nicht das Bedürfnis Jack laufen zu lassen. Seine Treffer kamen immer dichter. Außerdem war es nicht einfach mit einer Klette zu laufen.

--- hinter dem alten Gebäude

Kaum draußen angekommen, ging Silvana auch schon in die Hocke ohne die Last von ihrer Schulter zu nehmen und gab Jack mit ihrem Phaser Rückendeckung um ihm den Rückzug zu erleichtern.

--- im alten Gebäude, Erdgeschoß

"Hey, kannst du auch allein laufen?", fragte der Psychologe. Rechts neben vaporisierte ein Energiestrahl gerade die Hälfte seiner Deckung. Collins mußte was unternehmen.

"Die sind nicht sehr höflich!", sagte er zynisch und drehte sich mit einer kurzen Bewegung aus der Deckung hinaus, um zu sehen wo sein Feind stand. "Vor allem sind die fürchterlich häßlich!", sagte Jack beim zurückdrehen.

Das Wesen sah den Psychologen aufmerksam zu. "Sie nehmen unser Fleisch!", sagte es plötzlich mit einer hellen klaren Stimme und Collins stutzte.

"Du kannst ja reden!", sagte er erstaunt.

Wieder schlug ein Stahl direkt neben ihnen ein. "Okay, später mehr! Wenn ich jetzt schieße, rennst du durch die Öffnung in der Wand, klar?" Ohne eine Antwort abzuwarten verließ der Psychologe die Deckung und schoß auf das erstbeste Ziel, das sich ihm bot.

Der erste Androide fiel in sich zusammen die beiden dahinter verloren nur ihr Fleisch von den Extremitäten. In dem Raum breitete sich ein ekelhafter Geruch verbrannten Fleisches aus und die Sicht wurde durch den Qualm stark behindert.

Collins hechtete zur Öffnung in der Wand. Im Sprung stellte er seine Waffe auf höchste Intensität und hoffte, daß Silvana verstand was er vor hatte und den Weg frei machte.

--- hinter dem altem Gebäude

Wie eine Katze drehte sich der Psychologe in der Luft um und schoß in die Öffnung hinein. Es war nur Theorie, aber vielleicht würden sie gleich ein wenig Ruhe haben.

Es gab einen ohrenbetäubenden Knall. Collins kam ein wenig aus seiner Flugbahn und nun zum zweiten Mal heute auf seinem Hintern zu liegen. Aus den Augenwinkeln bekam er mit, wie das Gebäude langsam auf die ihnen abgewandte Seite zusammensackte.

"Die Abschirmung ihrer Energieversorgungseinheiten ist für Phaser scheinbar zu stark, Da müssen manchmal konventionelle Sachen her." Jack tippte auf seinen Thermostrahler. "Hat allerdings manchmal üble Nebenwirkungen", rümpfte er die Nase. Das er nur Glück mit seiner Theorie hatte, verschwieg er.

Auch Silvana rümpfte die Nase beobachtete aber weiter die Gegend. Collins suchte und fand das fremde Wesen etwa zwei Meter neben sich. Es blickte ihn seltsam an. Der Psychologe stand langsam auf.

"Wieso kannst du auf einmal sprechen?", fragte er das kleine Wesen.

"Ich habe zugehört!", antwortete es.

"Na klar, was sonst." Der Psychologe rieb sich den Hintern. Sie hatten nicht die Zeit hier lange herumzudiskutieren. Man würde in kürzester Zeit nach ihnen suchen.

Jack erblickte Kargan. "Und woher weiß er, wo du uns hinführen willst?", fragte er weiter.

"Er weiß es nicht, aber sein Weg ist gut. Es gibt eine Möglichkeit." Das Wesen trottete in Richtung Kargan. "Folgt mir..."

Kargan hatte eigentlich beabsichtigt, in einem großen Bogen zum Shuttle zurückzukehren, aber das fremde Wesen schien sie zielstrebig tiefer in die Stadt zu führen. Und da seine beiden Mitstreiter dem Fremden offenbar vertrauten, nahm der Klingone seine Beine und das andere Wesen, das er gerettet hatte, unter den Arm und folgte Silvana, die ihn inzwischen überholt hatte.

--- im Norden, Katakomben

KWinh öffnete die Augen, oder zumindest wollte er das tun. Er stellte fest, daß es das wohl längst getan hatte, denn es stellte sich keine Veränderung in seinem Sehen ein. Das Kopfschütteln, das instinktiv darauf folgte, brachte auch nur grellbunte Farben zu Stande, die nur vor seinen Augen tanzten.

"Doktor, ich kann nichts sehen. Wahrscheinlich eine Überlastung der Sehnerven infolge der Explosion. Momentan erkenn ich nur viele Farben, aber keine Formen. In diesem Zustand werde ich ohne Hilfe nicht weitergehen können. Können Sie etwas für mich tun?"

Der Grilmak streckte seine Hand in die Richtung aus, in der er die Gruppe vermutete, was aber nicht wirklich die Richtung war, in der sie sich befand. Es mutete ein wenig grotesk an und weil sich niemand meldete, ließ er ein "Hallo?" folgen.

"Ifrinn", fluchte die Schottin vor sich hin, während sie versuchte, in aller Schnelligkeit ihren Tricorder von den herumfliegenden Staubpartikeln zu befreien. Im Normalfall benötigte sie solche technischen Hilfsmittel nicht, da sie eine Anhängerin der alten "Sehen-und-tasten"-Methode war - aber im Dunkeln eine Augenuntersuchung durchzuführen, ging einfach nicht ohne einen Tricorder.

Kurzerhand ergriff sie ihr über die Schulter geworfenes Plaid und suchte einige Stofflagen heraus, die weiter innen gelegen hatten und deswegen keinen Staub dieser merkwürdigen 'Explosion' abbekommen hatten. Damit wischte sie dann vorsichtig ihren Tricorder ab.

'Gute alte terranische Wolle', dachte sie dabei und mußte trotz der vertrackten Situation lächeln.

So, jetzt konnte sie die Anzeigen auf ihrem Gerät auch wieder erkennen. Sie wandte dem Grilmak zu, der ziemlich verloren im rieselnden Staub stand. Vorsichtig nahm sie ihm diese 'Sichtbrille' ab und richtete den Tricorder auf seine Augengegend.

"Das sollte nicht so schlimm sein, KWinh", meinte sie dann beruhigend. "Sie haben ein wenig viel Staub abbekommen, weil Sie wahrscheinlich Ihre Augen nicht rechtzeitig genug geschlossen hatten. Das haben wir gleich!"

Llewella steckte den Tricorder in ihren Sporran, dann kramte sie darin herum und brachte einen Bestandteil ihrer Standard-Abenteuer-Notversorgung zum Vorschein. "Legen Sie bitte den Kopf ein wenig in den Nacken und halten Sie die Augen unter allen Umständen geöffnet."

Daraufhin träufelte sie dem Grilmak ein paar Tropfen der öligen Flüssigkeit in jedes Auge und steckte dann die Tropfen wieder in den Sporran. "Es sollte Ihnen jetzt rasch besser gehen, die Tropfen wirken beruhigend auf die Augen und waschen außerdem die Staubpartikel hinaus."

Dann wandte sie sich an die anderen Mitglieder ihrer verstaubten Truppe. "Hat noch jemand ein Problem oder sollen wir weitergehen?"

Nathalie wandte sich in die Richtung, aus der die Stimme kam. "Ja, ich! Und außerdem hab ich da ein gewisses Problem mit meinem Magen!"

Die Ärztin verabreichte ihr daraufhin ebenfalls die Augentropfen und per Hypospray ein Mittel gegen Übelkeit und versorgte anschließend den noch immer recht schweigsamen Pormas. Irgendwie sah er recht bemitleidenswert aus, wie er so da stand ganz in Grau und sich hilflos die Augen rieb.

Llewellas Wundermittelchen entfalteten recht schnell ihre Wirkung und Nathalie spähte in den dunklen, staubverhängten Gang. "Ich bin jetzt echt neugierig geworden! Ich gehe schon mal vor, wenn ihr soweit seid, dann kommt nach!"

Sie vergewisserte sich, ob ihr Phaser trotz des Staubes noch funktionsfähig war und trat dann in die Dunkelheit. Diesmal allerdings wesentlich vorsichtiger. Diese Falle war sicher nicht die einzige gewesen...

Llewella verstaute ihre Medikamente wieder im Sporran und sorgte dafür, daß dieser auch gut verschlossen war. Immer noch war die Luft mit Staub gefüllt und das würde auch diesen sorgfältigst verpackten Materialien nicht besonders gut tun. Dann folgte sie der Sicherheitlerin, die schon vorsichtig den Gang weiter hinunter schritt.

Auch die anderen kamen mit. Vorsichtig, Schritt für Schritt, tastete sich die Gruppe voran, immer wieder nach neuen Fallen Ausschau haltend. Aber es kam keine. Noch nicht? Oder gingen die unbekannten 'Hersteller' davon aus, daß sich keiner weiter vorwagen würde?

Die Schottin überlegte, warum sie alle von einer solchen Übelkeit befallen worden waren und dem intensiven Wunsch, wieder zurück zu diesem Aufzug zu gelangen und aus den Gebäuden zu flüchten. Denn nichts anderes als Flucht hatten sie alle im Sinn gehabt, und wäre in Nathalie Connor nicht eine solche unübertroffene Abenteuerlust gesteckt, wären sie sicherlich alle Hals über Kopf davongestürmt.

Sie holte ihren Tricorder wieder aus dem Sporran und richtete ihn hinter sich, auf den Bereich, in dem sie sich noch vor kurzer Zeit befunden hatten. Hier, wo sie jetzt waren, war kaum noch Staub in der Luft, so daß sie es wagen konnte, das technische Gerät wieder einzusetzen.

Die hochgewachsene Frau änderte ein paar Einstellungen, und beobachtete dann die stetig wechselnden Anzeigen des Gerätes. "Moment mal", bedeutete sie dem Rest der Gruppe, die auf der Stelle halt machten und sie interessiert anblickten.

Llewella wartete ab, bis sich die Anzeigen stabilisiert hatten. "Wir hatten da so eine Art auf die Psyche wirkendes Pheromon in der Luft. Deswegen wollten wir alle nur noch verschwinden."

Die Schottin trat einige Schritte auf die Stelle der Explosion zu. Auf der Stelle veränderten sich die Werte auf dem Display, spielten vollkommen verrückt.

"Außerdem habe ich das Gefühl, daß dieses Pheromon zusätzlich auch noch Sensoren jeglicher Art empfindlich stört. Es ist also eine recht gut funktionierende Abwehr gegenüber Lebewesen und Technik. Interessant", murmelte sie dann vor sich hin. "Am Liebsten würde ich davon eine Probe mitnehmen, aber das ist bei Pheromonen nicht so wirklich einfach..."

Dann steckte sie ihr Gerät wieder weg. Sie drehte sich wieder um und die Gruppe ging vorsichtig weiter.

Nach einiger Zeit kamen sie an eine Abzweigung. Keiner konnte wirklich abschätzen, wie lange oder wie weit sie gegangen waren. Es konnten einige Meter oder etliche Kilometer gewesen sein.

Unschlüssig stand die Gruppe an der Abzweigung. Jeder schien zu warten, daß ein anderer den ersten Schritt machen würde...

--- Süden, in der Stadt

Nach ein paar Haken durch ehemalige Straßen fiel Kargan etwas auf: Im Gebäude hatten sie es nur mit zwei Fremden zu tun gehabt, von denen einer bewußtlos gewesen war. Diesen trug der Arzt nun unter dem Arm.

Aber offenbar hatte Silvana noch eines von der Bewußtlosen-Serie gefunden. Wo kam es her? Vermehrten sich diese Wesen dermaßen schnell, oder hatte die Sicherheitschefin andere Quellen für ihr Handgepäck? Kargan nahm sich vor, sie bei passender Gelegenheit danach zu fragen.

Sie waren schnell vorangekommen und hatten ihre Verfolger offensichtlich abgeschüttelt wie Silvana sich immer wieder mit einem suchenden Blick vergewissert hatte, trotzdem war ihr Eindruck beobachtet zu werden zunehmend stärker geworden. Besonders jetzt, als das kleine Wesen vor einem besonders verfallenen Platz stehen geblieben war.

--- beim zentralen Platz

Das erste Mal hielt die Sicherheitschefin nicht nach möglichen Angreifern Ausschau, sondern schenkte der Umgebung vermehrte Aufmerksamkeit. Entgegen den meisten Ruinen dieser Stadt schien die unmittelbare Nachbarschaft dieses Platzes in viel besseren Zustand als der Rest zu sein. Fast so als hätte man sich in dieses Zentrum hier zurückgezogen, während die restliche Stadt immer mehr verfallen war.

Von dem Platz an dem sich ein in sich zusammengefallenes Gebäude befand von dem jetzt nichts mehr übrig war, als ein Haufen Schutt ging etwas eigenartiges aus. Es fiel ihr schwer herauszufinden was es war, konnten sich dort zumindest doch keine Feinde aufhalten, die ihren Blicken entgangen waren, weil es keine Möglichkeit gab sich dort zu verstecken, außer sich lebendig begraben zu lassen.

Fragend blickte sie zu Jack, der immer noch versucht war eine befriedigende Vereinbarung mit dem kleinen Wesen zu treffen, das schon wieder ziemlich anhänglich an ihm hing und es zumindest dazu bewegen wollte ihm zumindest ein wenig Freiraum zu lassen.

Noch immer grinsend blickte Silvana zu Kargan und stellte fest, daß das überdimensionale Gepäckstück scheinbar nicht zur Standardausrüstung eines Doktors gehörte, sondern zum Großteil aus einem Bewußtlosen bestand.

Sie wandte sich ihrem eigenen Fund zu und stellte fest, daß die Wesen bis auf ihr Geschlecht ziemlich identisch waren und Kargan wohl doch nicht so unfähig war auch mal mitanzupacken. Als sie ihren Fund zumindest mit Kargans vergleichen wollte, drang plötzlich ein hohes immer lauter werdendes Sirren an ihr Ohr.

"Sie kommen", sagte Jacks Freundin mit einem besorgten Unterton in der Stimme und einem suchenden Blick gegen den Himmel. Ihre bernsteinfarbenen Augen waren weit aufgerissen und in ihnen war deutlich Angst zu erkennen. Hastig ließ es das Bein des Psychologen los um das es bisher eisern gekämpft hatte und wirkte wie erstarrt.

Da begann sich der Himmel etwas verdunkeln und gleichzeitig und rannte das Wesen voller Panik auf das verfallene Gebäude zu.

"Wer kommt?!!", rief Silvana. Doch entweder hörte sie das Wesen nicht, oder es wollte sie nicht hören. Es rannte weiter bis es plötzlich von einem auf den anderen Moment verschwunden war, als hätte es sich in Luft aufgelöst.

"Ich glaub nicht, daß das was Gutes verheißt", meinte Silvana und betätigte dann ihren Communicator:

"Silvana an Rogers und Sternenlicht. Wir hatten einen unangenehmen Zusammenstoß mit ein paar Androiden und scheinen bald wieder die Glücklichen zu sein. Falls ihr zu uns stoßen wollt, dann ortet...", in diesem Moment riß sie Kargan seinen Communicator ab, der es mit einem sehr ärgerlichen Knurren quittieren und seine Zähne angriffslustig bleckte, "Kargans Communicator. Wie ich die Technik hier kenne werden wir gleich nicht zu orten sein. Sucht in den Trümmern nach uns. Silvana Ende.

Dann hoffen wir mal, daß die Kleine uns die Türe offen gelassen hat", meinte sie, bevor auch sie zu laufen anfing, da sie mitten auf diesem offenen Platz nicht herausfinden wollte, was dieses Surren in der Luft zu bedeuten hatte. "Folgt mir!"

Knapp bevor sie an dem Punkt ankam wo das Wesen von der Bildfläche verschwunden war, warf sie unweit davon Kargans Communicator zu Boden und wurde kurz darauf ebenso wie das Wesen verschluckt.

--- ???

Während die beiden anderen ihr Verschwinden mitverfolgen konnten, veränderte sich für Silvana schlagartig die Umgebung. Sie hatte mit allem gerechnet, daß sich hinter dieser optischen Täuschung einer eingestürzten Ruine verbarg, aber nicht damit...

--- beim zentralen Platz

"Was bei allen Planeten Wegas geht hier vor?" Collins blickte zum Himmel und dann zu der Stelle, wo Silvana und seine neue kleine Freundin verschwunden waren.

Sie hatten kaum eine Wahl. Am Himmel zeichneten sich langsam Objekte ab, die aussahen wie eine Mischung aus Heuschrecke und Fliege. Nur mit dem Unterschied, daß für die Hülle Fleisch verwendet wurde, das von humanoiden Lebewesen stammte. Dem Psychologen ging ein eiskalter Schauer über den Rücken.

"Nun, ich denke, auch für Klingonen ist heute kein guter Tag zum Sterben, jedenfalls nicht auf diese Art! Oder was meinen Sie?" Collins wartete keine Antwort ab, wahrscheinlich hätte er eh nur ein dunkles Grollen aus der Kehle Kargans als Antwort erhalten.

So spurtete der Psychologe in schnellen Schritten auf den Punkt zu, an dem Silvana verschwunden war.

--- ???

Die Umgebung veränderte sich und ein leichtes Ziehen ging durch Jacks Nacken. Hinter ihm kam nun auch Kargan zum Stehen und legte seine Last auf den Boden. Dieser war glatt und glänzte dunkel im Schein von künstlichem Licht.

--- Lagerraum, irgendwo unter der Stadt.

"Eine Luftschleuse?", fragte Collins und sah sich um. Die Feinde von draußen waren ihnen nicht gefolgt.

"Eher eine Art Lagerraum!", meinte eine Stimme, die Silvana gehörte.

An den Seiten des Raumes hingen hinter Glastüren einige Anzüge, die dem Psychologen sehr bekannt vorkamen. "Hier habt ihr euch also bedient, was?", sagte er und sah zu dem kleinem weiblichen Wesen, das rechts von Silvana stand.

Das Wesen nickte eifrig. "Anziehen!" sagte es aufgeregt. "Ist besser!"

Collins ignorierte ihre Worte. "Wie sind wir hierhergekommen und wo sind wir?", fragte er mit ernstem Blick das anhängliche Wesen.

"Magie!", wisperte es bedeutungsvoll und Jack fing eine Reihe mentaler Bilder auf.

"Augenblick mal, nicht so schnell." Unwillkürlich schüttelte er den Kopf. Die Bilder waren sehr schnell hintereinandergekommen und der Psychologe hatte Mühe alle zu deuten. In einem der Bilder konnte er eines der Wesen erkennen, wie es etwas in der Hand hielt, dieses irgendwie betätigte und wie es dann plötzlich verschwand.

"Magie!", sagte das Wesen noch einmal hingebungsvoll und deutete dann wieder auf die Anzüge. "Anziehen, schnell, sonst können sie uns finden."

Eins war klar, diese Androiden konnten die kleinen Wesen scheinbar nicht orten, wenn sie diese Anzüge trugen. Und sie schienen schon länger auf diese Art diese Stadt zu erkunden. Aber was oder wer waren sie?

Collins schüttelte den Kopf und öffnete einen der Schränke. "Wir haben wohl keine andere Wahl als ihnen zu vertrauen. Es scheint so, daß sie auch nur Besucher sind. Auf jeden Fall kennen sie sich besser hier aus als wir. Das sollten wir nutzen", sagte er und schlüpfte in einen der Anzüge.

Silvana und Kargan bedienten sich an den Schränken. Collins schloß seinen Anzug und aktivierte ihn nach den Anweisungen der kleinen Fremden. Als er fertig war, rieb er sich seinen Nacken und plötzlich fiel es ihm ein.

"Verdammt!", rief Jack. "Fiktivtransmitter! Ihr benutzt Fiktivtransmitter!" Das Wesen schreckte kurz zurück und sah den Psychologen ängstlich an.

"Wo sind wir?", fragte er das Wesen noch einmal mit sehr ernster Miene.

Die anderen beiden sahen ihn erstaunt und zugleich fragend an.

Collins wandte sich an die beiden, bevor das Wesen antworten konnte. "Das Ziehen im Nacken! Ich kenne das. Ist zwar schon lange her, aber diese Anzeichen sind eindeutig. Ein Materietransmitter, ähnlich einem Transporter, nur mit einigen Nebenwirkungen...", er stockte. "Diese Technik ist schon sehr alt. . .allerdings frage ich mich, wie die ausgerechnet hierher kommt!"

"Unter dem Keller des Kellers der Stadt!", sagte das Wesen plötzlich und alle blickten es an. "Viele tausend Meter von den Bösen dort oben weg! Aber auch hier müssen wir vorsichtig sein, viele böse Wesen sind hier."

Während Kargan den Metabolismus eines der Wesen untersuchte, redete er vor sich hin: "Es sieht also fast so aus, als wären die Roboter schon länger hier, vielleicht die Erzeugnisse der Rasse, die hier einmal gewohnt haben mag. Zellstruktur auf Kohlenstoffbasis. Keine Überraschung.

Unsere Freunde jedoch scheinen auf einer ähnlichen Mission zu sein wie wir, allerdings schon länger hier. Interessant wäre vielleicht herauszufinden, wie sie hergekommen sind. Wieso finde ich kein Herz? Wenn sie simple Tarnanzüge schon als Magie bezeichnen, kann ich kaum an Raumschiffe glauben. Zweifellos ein vorhandener Blutkreislauf, aber keine erkennbare Pumpe. Sehr interessant.

Also eigentlich müßte ihn ... das hier ... wieder auf die Beine bringen. Na bitte. Er schlägt die Augen auf. Nein, ihr braucht mich jetzt nicht zu bewundern. Ach so, ihr habt gar nichts gesagt. Also wie üblich."

Anschließend gab er dem zweiten Bewußtlosen die gleiche Injektion, woraufhin dieser ebenfalls recht schnell wieder zu sich kam.

Während Silvana nur kurz darüber nachdachte wann ein Lebewesen ohne Herz aufhörte zu leben und Kargans Selbstbeweihräucherung keinerlei Beachtung schenkte, knurrte sie bösartig auf, weil der Anzug unangenehm zu tragen war und sie ihn hinderlich fand. Aber sie war dem Beispiel der anderen gefolgt um nicht gerade durch Bequemlichkeit eine Fährte für ihre Verfolger zu legen.

Während Kargan ruhig auf die beiden vormals Bewußtlosen einredete, die nach dem Erwachen sehr verschreckt wirkten, untersuchte Silvana die Kommunikationsmöglichkeit die ihnen verblieben war. "Silvana an Sternenlicht: Bitte um Rückmeldung zwecks Test der Kommunikationsreichweite...."

Wie erwartet kam keine Rückmeldung.

"Scheint so, als hätten wir ein lauschiges Plätzchen für uns alle gefunden an dem wir ungestört sind. Hoffen wir mal, daß Sternenlichts Instinkte ihn nicht in eine Falle führen und er unserer Fährte folgen kann." Damit schien für sie alles Nötige gesagt worden zu sein und nachdem sie alle durch diese Anzüge geschützt waren, folgte sie dem weiblichen Wesen nach "draußen" bzw. "drinnen" wo immer das auch sein mochte.

Kurz vor dem was anscheinend eine Tür war, übernahm Silvana die Führung und wollte als Erster sicher gehen, daß es sich um keine Falle handelte.

Doch statt daß sich die Schleuse vor ihr öffnete, prallte Silvana im Gehen dagegen. Erst als das Wesen eine Art Mechanismus händisch an dieser Tür bewegte, schwang diese nach draußen auf.

--- Tunnel, irgendwo unter der Stadt

Entgegen Silvanas Erwartungen jetzt in eine Art Raum oder nach draußen - falls es so etwas hier überhaupt gab - geführt zu werden, betrat Silvana lediglich einen Tunnel. Er wirkte wie von primitiven Werkzeugen gegraben. Trotzdem war er erstaunlich gut gegen Einsturz geschützt. Wie es schien mit einer Schicht, die auf das Erdreich aufgetragen worden war.

Nachdem hier scheinbar keine bösen Überraschungen auf sie warteten, gebot sie den anderen ihr zu folgen. Zu sechst machten sie sich auf den Weg. Bei dem niemand von ihrer Mannschaft wußte wo er endete.

Bald stellte sich heraus, daß es sich um ein sehr verwinkeltes Netz aus Tunnels handelte, das sie betreten hatten. Ohne zu wissen wohin man wollte, konnte man sich hier recht schnell verirren. Automatisch berührte Silvana nach Weggabelungen immer die Wand, als könnte Sternenlicht so ihrer Fährte folgen. Vielleicht konnte er es sogar. Sie wußte es nicht.

Sie schwiegen und bevor noch jemand das Wort ergreifen konnten, hatten sie ihr Ziel erreicht. Diesmal handelte es sich wirklich um eine Art Schleuse, die sich vor ihnen öffneten. Beherzt ging Silvana wieder vor, dicht gefolgt von Jack.

--- Norden, Katakomben

Im Gehen setzte KWinh seinen Visor wieder auf nachdem seine Augen ihn nicht mehr schmerzten und er wieder klar sehen konnte. Kurz darauf hatte er sich wieder der Sicht angepaßt.

Sicher schritt er voran, durch die Gruppe hindurch. Es machte keinen Sinn zu warten. Vorsicht war sicher angebracht aber sicher kein Zögern.

Wie selbstverständlich bog der Techniker rechts ab und ging vorsichtig weiter, mit seinem Visor die Umgebung absuchend. Schon nach wenigen Metern fiel ihm eine Veränderung an einer Wand auf.

Eine eingehende Untersuchung brachte ihn zu der Idee, daß es sich um eine Tür handeln könnte. Allerdings recht gut versteckt und wie er feststellte auch massiv.

Ohne großartig zu überlegen drehte er sich zu der Gruppe um und wandte sich an Natty. "Hinter dieser Wand ist eine Tür und ich schlage vor, wir gehen da rein, würdest du sie bitte öffnen?"

Verwirrt blickte Nathalie zur die Wand, dann zu dem Grilmak und schließlich wieder zur Wand. Sie hatte sich schon gewundert, warum er plötzlich diese unscheinbare Stelle untersuchte und hatte eher geglaubt, daß er eine zweite Falle entdeckt hatte.

Doch nun trat sie näher, gab jedoch den anderen ein Zeichen, sicherheitshalber etwas Abstand zu halten. Sie hielt sich an die Stelle, die KWinh ihr zeigte, doch sie konnte keinerlei Öffnungsmechanismus erkennen.

"Ich nehme nicht an, daß einer von euch den Schlüssel hat?", sagte sie mehr zu sich selbst und spürte die erwartungsvollen Blicke.

Die Neugierde kribbelte in ihr und sie bemerkte erleichtert, daß die Halluzinogene, die vorher die Luft verpestet hatten, verflogen waren. Entweder das oder sie verloren ihre Wirkung angesichts Nattys Abenteuerlust. "Und ich nehme nicht an, daß das Losungswort 'Sesam öffne dich' lautet..."

Kurzerhand zückte sie ihren Phaser, trat zurück und feuerte eine Salve ab. Nachdem der Rauch verflog, konnte man einige geschmolzene Abschnitte sehen, doch der Großteil hatte Risse abbekommen und Bruchstücke bröckelten hinab. Und dennoch hielt die 'Tür', auch wenn sie nun nicht mehr so stabil aussah.

Probeweise trat die Sicherheitlerin kräftig mit dem Fuß dagegen und einige größere Brocken fielen zu Boden. Pormas trat an ihre Seite, als er ihre Absichten erkannte und auf ein Zeichen hin rammten sie beide gleichzeitig die bröckelnde Fassade...

--- Kuppel, irgendwo unter der Stadt

Über der kleinen Gruppe spannte sich eine Kuppel gigantischen Ausmaßes, die selbständig zu fluoreszieren zu schien und alles in ein mildes Licht tauchte. Und vor ihnen lag ein gigantischer Haufen technischen Abfalls.

So zumindest erschien es Silvana, die auf Anhieb Techniken der Klingonen, Ferengi und Vulkanier darunter entdeckte. Wie es schien waren ihre "Freunde" entweder leidenschaftliche Sammler oder sie plünderten Besucher bis aufs letzte Hemd aus.

Wachsam ließ sie ihre Hand zu ihrem Phaser greifen und stieß knurrend hervor. "Was zum Teufel soll das?!"

"Tote Magie!" antwortete jetzt eines der männlichen Wesen, zumindest glaubte Collins das, da es mit einer deutlich tieferen Stimme sprach. Was aber natürlich überhaupt nichts zu bedeuten hatte.

"Tote Magie?", wiederholte der Psychologe. Er ging zu dem riesigen Haufen und wühlte darin herum. Es war ein heilloses Durcheinander von Technologien.

Jack zog ein Kompressionsgewehr aus dem Haufen. Äußerlich war es vollkommen in Ordnung, es hatte nur keine Energie mehr. Etwas weiter weg lag ein tragbarer Transportpuffer. Der Psychologe hob ihn auf und untersuchte ihn mit seinem Tricorder. "Nichts mit los, voll funktionsfähig!" Er aktivierte das Gerät und ließ das Kompressionsgewehr in den Puffer verschwinden.

Erschrocken wichen die drei Fremden zurück und rissen ängstlich ihre Augen auf. Undefinierte Bilder schossen kurz durch Collins Kopf. "Was ist?", fragte er und begriff langsam. "Das ist keine Magie! Das ist Standartausrüstung von Spezialeinheiten der Förderation. Ich frage mich nur, wie dies und die ganzen anderen Sachen hierherkommen."

Jack drehte sich zu Silvana und Kargan. "Ich denke, von ihnen haben wir nichts zu befürchten. Sie haben scheinbar diese Sachen irgendwo entwendet oder gefunden. Die Technik halten sie für Magie und wenn diese Technik nicht mehr funktionierte, oder sie nicht damit zurechtkamen, wurde sie einfach weggeworfen oder vielleicht irgendwohin ausgelagert, wo kein anderer hinkam. Zum Beispiel hierhin."

Mit einem Handgriff aktivierte Collins den Transportpuffer und im gleichem Augenblick materialisierte das Kompressionsgewehr in seiner Hand. "Praktisch!", sagte er. "Fehlt nur noch ein passender Energiepack und ein bißchen Munition", dann ließ er es wieder verschwinden.

"Sie müssen den ganzen Kram irgendwie hierhergeschafft haben. Der Krempel kommt nicht nur von hier, obwohl einigen der Vorbesitzer mit Sicherheit das Fell über die Ohren gezogen wurde von unseren Androidenfreunden dort oben. Und das im wahrsten Sinne des Wortes." Jacks Augen streiften bei seinen Worten über den Haufen.

Eines der Wesen war inzwischen auch zu dem Haufen getreten und hatte ein Teil eines Ausrüstungsgegenstandes aufgesammelt. Es ging auf Jack zu und hielt es ihm vor die Nase. Mit dem Finger deutete es auf Collins halb geöffnetem Schutzanzug und dann wieder auf das etwas lädierte Teil.

Der Psychologe begriff im ersten Moment nicht was das sollte.

"Die Zeichen!", sagte das Wesen plötzlich und zog am Verschluß von Collins Schutzanzug. Jack nahm das Teil. Es war scheinbar ein Stück eines Medipacks, man konnte die Anfangsbuchstaben erkennen.

"Ein Deckel eines Notfallpacks, steht doch drauf..." Collins mußte schlucken, erst jetzt nahm er wahr, was dieses Wesen ihm hatten sagen wollen. Er öffnete seinen Schutzanzug und sah auf das Namensschild seiner Jacke. Es war die gleiche Art Zeichen.

"Interkosmo! Zum Henker, das ist Interkosmo!"

Jack Collins verlor selten die Fassung, aber jetzt war er kurz davor. Seine Gedanken überschlugen sich. Das war jetzt das dritte Mal, daß er an seine Vergangenheit erinnert wurde, erst der Geruch dieser Getreideart, der seltsame Transport hier herunter und nun dieses Teil eines Medipacks der Solaren Flotte.

"Wo habt ihr das her?", fragte der Psychologe nach einer Minute. Das weibliche Wesen wies auf eine hohe schwarze Wand.

"Viele Welten!", sagte es erklärend. "Reisen mit großer Magie!"

"Eine Art Transportsystem." Langsam nickte Collins. "Ich verstehe! Wenn ich die ganzen Dinge richtig deute, stehen wir hier vor etwas, was man mit Geld nicht bezahlen kann. Und ich bin ehrlich gewillt, das Ding, was immer es auch ist, einmal auszuprobieren." Er sah auf das kaputte Teil.

Silvana warf dem Psychologen einen merkwürdigen Blick zu. "Findest du nicht, wir sollten uns auf unseren Auftrag konzentrieren? Du weißt ja nicht einmal, ob du wieder zurückfindest."

Collins schüttelte den Kopf. "Ja, unser Auftrag", murmelte er leise. Aber was wußte Silvana, Kargan oder irgend ein anderer hier von ihm. Dies war eine Chance wieder dahin zu gehen, wo er herkam. Zu seinen Wurzeln.

Seine Familie gab es nicht mehr. Und Silvana? Jack wußte, daß sie nie in der Lage wäre eine feste Beziehung einzugehen um dann irgendwann ein ruhiges Leben auf einen schönen Planeten zu leben. Sie war ein halbes Tier und brauchte die Jagd. Die manipulierten Gene waren und würden immer ihr größtes Problem bleiben.

Andererseits hatte er hier nun auch viele Freunde gefunden. Und auch wenn Collins es ungern zugab, so hatte er auch in diesem Universum eine Art Heimat gefunden. Aber der größte Teil dieser Heimat war von den Borg zerstört worden.

Der Psychologe seufzte und sein Blick strich über den Haufen in der Mitte der Kuppel und fand, was er suchte. Einen zweiten Transportpuffer. Dieser war etwas lädierter als der erste, aber auch er war noch voll funktionstüchtig.

Collins nahm sich den Puffer und aktivierte ihn. "Na wer sagt es denn, Kompressionsgewehr, Munition und Energiepacks!" Er überprüfte dieses Gewehr auf seine Funktionsfähigkeit und verstaute danach alles in den ersten Puffer.

Dann wandte sich Jack zu den Wesen, die ihn bis jetzt aufmerksam beobachtet hatten. "Wie aktiviert man das Ding?"

--- Norden, unbekannter Raum

Nathalie spürte einen heftigen Schmerz sowohl in ihrer Schulter als auch an der Hüfte, als sie durch die Öffnung stießen und unsanft auf dem Boden landeten. Noch bevor sie einen Gedanken fassen konnte - außer dem prickelnden, daß sie gerade halb auf Pormas lag - hielt sie bereits ihren Phaser in der Hand und besah sich die neue Umgebung aus der Bodenperspektive.

Erkennen konnte sie in ihrer Position nicht viel. Der Raum war spärlich beleuchtet und karge Schränke und große Kanister versperrten die Sicht.

Doch sie hörte etwas.

Schritte. Sie klangen relativ weit entfernt, als ob der Raum sehr groß wäre oder aber weite Gänge an ihm vorbeiführten. Und die Schritte kamen näher. Doch langsamer, als sie es erwartete nach dem Krach, den sie soeben veranstaltet hatten...

Der Rest der Gruppe war den beiden anderen sofort gefolgt. Der dämmrige Schein von KWinhs Stab erhellte den Raum ein wenig, so daß auch Llewella einen ersten Eindruck von ihm bekommen konnte.

Pormas und Nathalie rappelten sich inzwischen wieder auf und klopften sich den Staub von der Kleidung. Den beiden war scheinbar nichts weiter passiert.

Der Raum war sicherlich zweieinhalb Meter hoch, als wäre er für oder von einer Spezies gebaut, die größer als Terraner waren. Seine Wände bestanden aus Lehm, keinerlei Ziegel oder ähnliche Dinge waren zu erkennen. An etlichen Stellen sah man Abdrücke von Händen, mit denen wohl der Lehm verschmiert worden war. Llewella besah sich die Abdrücke näher... Hände mit sieben Fingern? Das war ihr nun auch noch nicht begegnet.

Vorsichtig bewegte sich die Schottin weiter geradeaus. Ihr Blick richtete sich über einige Kisten. Die Schritte, die vorher zu hören gewesen waren hatten kurze Zeit innegehalten und waren dann langsam verklungen.

Hatte man sie nicht bemerkt? Oder wollte man sie nur in Sicherheit wiegen?

Über die Kisten hinweg konnte die Rothaarige das Ende des Raumes erahnen. Vorsichtig bewegte sie sich um einige Schränke herum, wobei das gar nicht so einfach war. Denn anscheinend war dies hier eine Art Abstellkammer, so voll gestopft mit allem Möglichen war sie. Sich hierdurch einen Weg zu bahnen, stellte sich als ein erhebliches Problem dar. Vor allem, wenn man dabei auch noch lautlos sein sollte...

--- Kuppel, irgendwo unter der Stadt

"Jack, was soll das?", sagte Silvana bevor eines der Wesen antworten konnte. Sie stellte sich direkt vor Collins und sah ihn ernst an. "Du kannst nicht einfach so verschwinden hier! Nicht solange ich hier das Sagen habe."

Der Psychologe atmete tief durch. "Was weißt du über mich, Silvana? So gut wie nichts! Das ist eine Chance, die ich nie wieder bekommen werde. Weiß du, was das für mich bedeuten kann?", er deutete auf das Teil mit den Schriftzeichen, "dieses Teil kommt nicht aus diesem Universum! Es kommt dort her, wo auch ich herkomme. Außerdem, was habe ich zu verlieren...?", er brach ab.

"Du könntest dein Leben verlieren", zischte Silvana mit einem gefährlichen Unterton in der Stimme. "Wenn jemand meint, das er bei einem Einsatz unter meinem Kommando hier machen könnte, was er wollte, dann ist er bei mir an der völlig falschen Adresse! Und da gibt es keine Ausnahme!"

"Gibt zweiten Raum", mischte sich plötzlich eines der Lebewesen ein. "Weiter nach oben!" Jack empfing undeutliche Bilder von verschiedenen Orten. Darunter war auch das Bild eines Waldes. Er runzelte die Stirn.

"Ja und?", fragte Collins das Wesen mürrisch.

"Müßt gehen nach oben, dort ist noch mehr Magie, neue Magie! Ganze Hallen! Aber sehr gefährlich!", antwortete es.

"Und wie kommt man dahin?", fragte Silvana.

Das Wesen deutete auf die schwarze Wand. "Müssen kleinen Umweg nehmen", sagte es.

Die Wesen waren nicht dumm, sie hatten schon bemerkt, daß sich ein Konflikt anbahnte zwischen Jack und Silvana. Außerdem hatte Kargan auch schon einen Phaser gezogen. Und dem Psychologen wurde bewußt, daß er ohne zu zögern getötet werden würde, wenn er versuchen würde durch das Tor zu gehen.

Aber nun ergab sich eine völlig neue Situation, alle würden durch das Tor gehen müssen, obwohl... Jack stutzte. "Warum benutzen wir nicht diese Fiktivtransmitter, wie vorhin?"

Das weibliche der Wesen lächelte. "Es tut weh, verursacht Schmerzen. Schlecht zu bändigende Magie! Das ist sanfter", sie deutete auf die Wand.

Collins nickte. "Verstehe", sagte er und ein deutliches Bild baute sich in seinem Kopf auf. Ein Bild, auf dem er vor einem Portal stand und auf eine Wand sah. Und wieder nickte der Psychologe.

Das Wesen faßte Jack an den Arm. "Wenn du es siehst, wirst du vielleicht enttäuscht sein."

"Du wirst gleich ziemlich enttäuscht sein, meine Kleine, wenn du nicht endlich die Finger von Jack läßt. Wir haben hier eine Aufgabe zu erledigen und brauchen dein ständiges Herumgesülze nicht", meinte Silvana und zog ihre "Rivalin" von Collins weg, die dies sehr enttäuscht zur Kenntnis nahm und die Menschenfrau etwas furchtsam, aber auch trotzig mit großen Augen beobachtete.

Nur mit Mühe unterdrückte Silvana noch immer ihren ersten Impuls einfach durch die Wand zu schreiten um zu sehen was sich dahinter verbarg. Sie kannte kein Furchtempfinden, das sie hätte davon abhalten können. Aber es war nicht zu leugnen, daß sie die Verantwortung für die anderen beiden trug. Schon allein die Aussicht, daß Jack in seiner Welt landete, machte sie vorsichtig.

Silvanas graue Zellen waren in der Zwischenzeit heiß gelaufen. Ihr gefiel nicht worauf das Ganze hier hinauslaufen sollte. Hinter dieser schwarzen Wand lag ein unbekanntes Transportsystem, das nach Angaben dieses Volkes mit verschiedenen fremden Welten verbunden war. Nicht nur, daß es scheinbar mit Jacks Heimatplanet vernetzt war, kannten sich nur diese kleinen Wesen damit aus, die schon simple Technik für Magie hielten. Wer wußte schon wo sie landeten, wenn sie ihnen folgten?

Möglicherweise war es auch die Art der Wesen sich und ihr Reich so gegen mögliche Angreifer zu verteidigen. Immerhin waren sie zu klein und schwächlich um sich selbst körperlich zu verteidigen und sie verfügten auch nicht über das nötige Wissen um sich die technischen Errungenschaften ihres unterirdischen Schrottplatzes zu nutze zu machen, die hier einfach verkümmerten. Niemand, der klar bei Verstand war, hätte so etwas gemacht.

Dennoch überlebte diese Rasse auf einem feindlichen Planeten wie diesem. Auf dem sie von Androiden gejagt wurden, die entweder eine andere Art von Bewohner des Planeten darstellte oder in Besitz einer anderen fremden Rasse waren, welche dann offensichtlich feindlicher Natur war. Abgesehen von Plünderern die von Gerüchten getrieben sich öfter hierher verirren mochten.

Hatten die kleinen Wesen sie erstmal durch dieses Portal gebracht, dann war zumindest eines der Shuttles wieder frei verfügbar und sie konnten es in Ruhe in ihr Versteck befördern und ihrem "Fundus" fremder Technik einverleiben. Jedenfalls wenn Sternenlicht und Rogers ihrer Spur schon gefolgt waren und sich bereits auf den Weg gemacht hatten.

Langsam fragte sich Silvana ohnehin wo die beiden Nachzügler blieben. Sternenlichts Instinkte waren wie bei jedem Sivaoaner ausgezeichnet, trotzdem konnte auch sein Gespür mal trügen und ihn in eine Falle laufen lassen. Bei seiner Leichtgläubigkeit, die er sicher Gerechtigkeitssinn nennen würde, waren diese kleinen Wesen mit ihren bernsteinfarbenen Augen sicher ohnehin die Unschuld in Person.

Unwillkürlich schüttelte Silvana seufzend den Kopf und fixierte mißtrauisch die Gruppe kleiner Wesen, die daraufhin noch etwas näher zusammen rückten. Doch sie lebte schon lange genug um solchen Äußerlichkeiten und Banalitäten keine Bedeutung zu schenken und wachsam zu bleiben.

Während ihren Überlegungen hatte sie die ganze Zeit über Kargan beobachtet, der wieder seinen Tricorder gezogen hatte und die schwarze Wand zu studieren schien. Er gab sich auf dieser Reise überhaupt unnatürlich ruhig. So kannte sie ihn gar nicht. Irgend etwas schien ihn sehr zu beschäftigen.

Aber hier war nicht der richtige Ort und die richtige Zeit um sich mit dem komplexen Gefühlsleben von klingonischen Ärzten zu beschäftigen. Vielleicht später in Narbos Bar, wenn ihnen der Ferengi mit einem falschen Lächeln ihre Drinks servierte, als ob die Gläser mit Salzsäure gefüllt wären...

"Wie ich Kargan kenne, schickt er sich ohnehin in die Meinung der Mehrheit.... bzw. meiner. Todesgefahr ist für ihn ohnehin nur eine Art Sport bei dem selbst der Tod noch einen Gewinn darstellt", meinte Silvana plötzlich ohne sich darum zu scheren, daß sie in Kargans Gegenwart von ihm in dritter Person sprach. Selbst das Knurren des Klingonen schien sie nicht aus der Ruhe zu bringen.

"Abgesehen davon, Jack, drängt es dich sicher hindurch zu gehen und deiner Heimatwelt einen Besuch abzustatten. Aber das gehört nicht zu unserem Plan. Wenn Slade hat was er will, dann kannst du das gerne tun... Aber nur falls du ihn dazu bringst mit der Privateer noch länger unnütz in der Nähe dieses Planeten herumzuhängen und dir ein Shuttle für deinen Ausflug zu borgen.

Und da ich Slades Geschäftssinn kenne, hast du ziemlich schlechte Karten, mein Lieber..." Ihr Lächeln zeigte deutlich, daß ihr diese Aussicht mehr als behagte. Im Grunde war es fast ein Anflug eines menschlichen Gefühls ihn nicht in Gefahr wissen zu wollen und sich sicher zu sein, daß er nicht einfach verschwand und vielleicht nicht mehr zurückkam.

Ohne eine Antwort von Jack abzuwarten, wandte sie sich wieder Kargan zu: "Sieh zu, daß du überprüfst, ob man unbeschadet durch diese Mauer, dieses Portal, oder wie du es auch immer nennen willst, gehen kann und auch wieder heil auf der anderen Seite herauskommt.

Ich habe keine Lust mich im Nichts aufzulösen, gerade jetzt wo es interessant zu werden scheint. Außerdem wären alle Arten von Messungen von der anderen Seite von Vorteil. Aber bring dich nicht selbst unnütz in Gefahr. Slade wäre ziemlich sauer, wenn er keinen Chefarzt mehr hat... Wahrscheinlich dürfte ich dann nicht mal mehr die Bewerbungsgespräche mit den Neuen führen..."

"Ich habe keine Ahnung, wie ich mich hier in Gefahr bringen sollte", antwortete der Klingone ungerührt, "da ich dieses Gerät sicher nicht testen werde." Er hatte etwas Mühe, sich zu konzentrieren, da sein Schädel schon seit einer ganzen Weile zu explodieren drohte.

"Der Grund, weshalb mich Slade als Chefarzt eingestellt hat, ist sicher nicht der, daß ich ein begnadeter Techniker bin, der exoföderative Technologie aus dem Handgelenk verstehen und analysieren kann. Das traue ich höchstens unserem Cheftechniker zu. Aber da KWinh momentan nicht greifbar ist, gibt es noch eine andere Möglichkeit."

Während er einige Einstellungen an seinem medizinischen Tricorder änderte und anschließend einen normalen Tricorder ähnlich modifizierte, fragte er niemanden speziellen: "Was ist das eigentlich für eine bescheuerte Technologie, bei der ein Transport über ein paar Stockwerke komplizierter ist als über ein paar Lichtjahre hinweg? Ihr solltet mal gezielter euer Zeugs klauen. Aktiviert bitte euren Mega-Transporter. Danke. Hier. Schön festhalten."

Mit den letzten Worten drückte er einem der kleinen Wesen die beiden Tricorder in die Hand und warf ihn mit Schwung durch die eben noch schwarze Wand, die jetzt das Bild einer Waldlichtung unter grünem Himmel zeigte. Er beobachtete, wie das Wesen wie in Zeitlupe auf die Wand zuflog und dort in Sekundenbruchteilen in einer interessanten Leuchterscheinung verschwand.

Ein paar Sekunden später konnte man sehen, wie es auf der anderen Seite ankam. Es landete recht unsanft auf dem Bauch und verlor dabei die Tricorder. Dann rappelte es sich auf und schien ganz furchtbar zu schimpfen. Es stapfte auf die Wand zu und materialisierte diesmal ohne Zeitverzögerung bei ihnen in der Höhle.

Bevor es noch ein Wort sagen konnte, ging Kargan auf es zu, sagte: "Habe ich nicht gesagt, daß du die Geräte schön festhalten sollst? Zweiter Versuch!"

Und wieder flog es durch die Wand.

Als es diesmal zurückkam, verschossen seine Augen kleine goldgelbe Blitze, sagte aber vorsichtshalber nichts. Wortlos warf es dem Klingonen die Tricorder zu und gesellte sich murrend zu seinen Artgenossen.

Kargan schaute sich die Meßwerte an und begann in sich hineinzumurmeln.

--- Norden, unbekannter Raum

Etliche Minuten später hatte die Gruppe unter Pormas Führung es dann geschafft. Sie hatten den Haufen Schränke, Kisten und Kanister umgangen (umklettert wäre wohl der richtigere Ausdruck gewesen...) und standen vor einer Wand.

In dieser Wand war eine Türe. Sie wirkte unscheinbar, aus einem holzähnlichen Material gemacht - und sehr stabil. Auf der Höhe von Llewellas Schultern fand sie eine Art Klinke - falls man diesen Ausdruck verwenden konnte. Es handelte sich nämlich eher um einen merkwürdigen Mechanismus, der in der Mitte der Türe angebracht war.

Nach kurzer Beratung entschlossen die vier, daß sie versuchen wollten, diese Türe zu öffnen. Nachdem die Schottin ihr am Nächsten stand, beschloß sie, diesen Versuch zu wagen.

Sie drehte an einem der merkwürdigen Räder, die an dem Mechanismus angebracht waren. Ergebnislos. Also versuchte sie ein weiteres, dann ein drittes. Erst dieses brachte ihr einen Erfolg. Ein leises Klicken zeigte der hochgewachsenen Frau, daß sie etwas ausgelöst hatte. Ob das der 'Sesam-öffne-dich-Knopf' gewesen war oder eher die Selbstzerstörungsanlage, darüber wollte die Schottin nicht nachdenken.

Aber scheinbar hatte sie das Richtige getan. Die Türe öffnete sich einen Spaltbreit. Llewella drückte ihr Gesicht an die Wand und blickte vorsichtig durch den entstandenen Spalt hindurch.

Sie sah in eine Art Höhle. Ein Schwall warmer Luft kam ihr entgegen, warm und mit einem Aroma nach tropischen Früchten und den verschiedensten exotischen Pflanzen.

In der Höhle war es hell. Llewella konnte die Lichtquelle nicht erkennen, aber es war auf keinen Fall der Himmel bei Tageslicht, das sagte ihr ihre innere Stimme...

"Bist du verrückt geworden", schnauzte Pormas die großgewachsene Ärztin an und zog sie an den Schultern heftig von dem geöffneten Türspalt weg. "Es mag ja noch angehen, daß du die Tür öffnest, weil du zufällig daneben stehst, aber für alles andere ist hier einzig und allein die Sicherheit zuständig. Nathalie und ich. Verstanden?"

Aber wie immer wartete er eine Bestätigung seiner Worte erst gar nicht ab und sprach weiter wie mit einem kleinen Kind: "Wäre ja noch schöner, wenn der einzigen Ärztin in unserer Gruppe etwas passiert und wir es auszubaden haben. Außerdem ist diese Silvana ist ohnehin verrückt genug. Mit der möchte ich nicht mehr Ärger als unbedingt nötig."

Damit machte sich der Grieche den Weg frei und noch bevor er den neuen Raum betreten konnte - einem Mann wie Pormas lag es nicht, feige durch einen Türspalt zu lugen - war Nathalie auch schon hinter ihm. Er spürte ihre Hand auf seinem Oberarm und hörte ihre sanfte Stimme nahe seinem Nacken, daß sich ihm unwillkürlich alle seine Nackenhärchen aufstellten: "Ich gebe dir Feuerschutz. Das sollte dir genug Zeit geben dir einen sicheren Schutz zu suchen, falls du angegriffen wirst."

Er nickte zustimmend und stieß dann mit einem Fußtritt die Tür ein Stück weiter auf. Unerschrocken trat er in den Raum ein. Zum einen, weil er in seiner Laufbahn als Auftragskiller schon zuviel erlebt hatte um sich jetzt zu fürchten und zum anderen, weil er Nathalies bewundernden Blick noch immer auf sich fühlte. Wenn auch - so schätze er zumindest - er auf seinem verlängerten Rücken lag.

--- Norden, im Grünen

Der Raum wirkte wie eine Art künstliches Gewächshaus, auch wenn seine Dimension nicht abzuschätzen war. Ein Dschungel. Zumindest konnte man bei dem Pflanzenreichtum den Eindruck bekommen. Es war jedoch wahrscheinlicher, daß es sich um eine Art Plantage handelte, wo Früchte großgezogen und geerntet wurden. Was wiederum dafür sprach, daß sie hier bald auf Bewohner treffen würden.

Pormas fühlte sich unwillkürlich wie auf der Erde oder einer sehr realistischen Holosimulation davon und seine Vorsicht ließ einen Moment nach, als ihn der betörende Duft einer besonders faszinierenden Blüte für einen Augenblick in Anspruch nahm. Trotzdem schien er die Bewegung neben sich mehr zu ahnen als zu sehen, und federte herum.

Er fand sich nach einigen gesprinteten Schritten Auge in Auge mit einem kleinen Wesen wieder und ließ sein Phasergewehr langsam wieder sinken. Es war nahezu winzig im Vergleich zu dem Hünen und hatte ein kindliches Aussehen. Neugierig und ohne Furcht blickte es mit seinen bernsteinfarbenen Augen zu ihm auf.

Als von der Seite ein Schatten heranschoß, zögerte Pormas nicht das neue Ziel ins Visier zu nehmen. Aber dieser Schatten war nichts weiter als das Grün, das sich zielstrebig auf ihn zuzubewegen schien.

Besser gesagt etwas, daß sich in diesem Grün bewegte, aber das er nicht sehen konnte.

"Verdammt", fluchte Pormas, da war dieses Etwas auch schon bei ihm. Doch statt ihn anzugreifen verschwand das kleine Wesen einfach von seiner Seite, als hätte es sich in Luft aufgelöst und die Bewegung im Grün nahm in Windeseile den Weg zurück, den sie gekommen war.

'Verschwindet!. Gefahr!', hörte der Sicherheitler in seinem Kopf und drehte sich zu den anderen zu, von denen er nicht wußte wie weit sie die Situation gerade verfolgt hatten:

"Habt ihr das auch gehört, oder fange ich schon an zu spinnen?"

--- Kuppel, irgendwo unter der Stadt

Collins fluchte laut. "Verdammt Kargan! Sie haben uns geholfen, wenn nicht sogar unser Leben gerettet! Ich bin zwar kein Heiliger, aber das ist weiß Gott nicht die Art, wie man jemanden behandelt, der einen gerade das Leben gerettet hat!"

Die Wut raubte dem Psychologen die Sprache. Zwar war dies hier nicht seine Welt, aber unter der Ehre der Klingonen hatte er sich sicherlich etwas anderes vorgestellt. Die Wut in ihm kanalisierte seine telekinetischen Kräfte. Deutlich spürte er das Verlangen sie einzusetzen.

"Bei dem Leuchten des Andromedas!", sagte Jack und riß sich von dem Verlangen los. Langsam beruhigte er sich und sah dann zu Silvana. Ihr Gesichtsausdruck sprach eine deutliche Sprache. Er stand, wenn man von der Meinung der fremden Wesen einmal absah, auf ziemlich einsamen Posten.

"Ok", sagte der Psychologe in einem deutlich ruhigerem Ton. "Da durch müssen wir, so oder so. Und natürlich werde ich für Slade arbeiten, schließlich habe ich den Job angenommen!" 'Aber wenn ich die Möglichkeit habe, einen Blick in meine Welt zu nehmen, die ich seit Jahrzehnten nicht gesehen habe, werde ich mir diese nehmen!', dachte er in der Voraussicht, das jedes weitere Wort hier überflüssig war.

Bernsteinfarbende Augen sahen ihn fragend an und Collins nickte langsam. "Gut, wenn ihr uns den Weg zeigen wollt?"

Eine immense Bilderflut zog durch das Gehirn des Psychologen. "Leute, bitte nicht so schnell!", sagte er und prompt deutete das Wesen, das Kargan zuvor durch dieses Portal geworfen hatte, auf die Wand.

"Gehen wir!", sagte dieses mit einem merkwürdigem Unterton.

Silvana sah mit einem gelangweilten und leicht verwunderten Gesichtsausdruck nach wie Jack in die schwarze Oberfläche der Wand eintauchte und einfach darin verschwand. Mit ihm auch alle Wesen bis auf das zweite männliche. Jenes, das weder untrennbar an Jack hing, noch als klingonischer Wurfball mißbraucht worden war.

Wieder einmal erinnerte sie sich an die Anwesenheit des Arztes, der zu oft keine Notiz von ihr genommen hatte. Wer weiß, ob er ihr nicht die klingonische Beherrschtheit seiner Rasse gelehrt hätte...

Zumindest wie man es als kämpferischer Klingone zu einem Job als Leichenbeschauer und Sladezusammenflicker brachte, der meist hinter der Front Restpuzzeln betrieb, statt vorweg zu kämpfen.

"Kargan, sehe ich das richtig, daß du gerade alles tust um festzustellen, was uns hinter dieser Wand an medizinischen Aspekten erwartet und Jack einfach so durch sie hindurch gegangen ist ohne auf dein Okay als Chefmediziner zu warten?"

Der Klingone nickte nur, während er seine Messungen beendete.

"Und auch, daß der Psychologe, Aushilfskellner und Freizeittechniker der Privateer sich anschickt noch vor dem Sicherheitschef auf Erkundungsgang ins unbekanntes Terrain zu gehen und zwar ohne um Erlaubnis zu fragen?", setzte die katzenartige Frau mit ihrer Befragung fort.

Wieder nickte Kargan, diesmal bleckte er sogar belustigt seine Zähne und meinte: "Da er drei Posten bekleidet ist er ja vielleicht in der Mehrheit und hat uns einfach überstimmt."

Ein schiefes Lächeln von der raubtierhaften Frau quittierte seinen schlechten Scherz. "Dann hab ich also doch nichts versäumt. Laß wenigstens mich an deinen medizinischen Ergüssen teilhaben. Ich habe keine Lust, selbst auszuprobieren, ob Menschen nicht vielleicht doch etwas anders reagieren, als diese kleinen Zwerg-Haustiere."

"Dessen bin ich mir sicher", erwiderte der Klingone, während er eine Spritze aufzog. "Da hinten gibt es ein paar Mikroben, die nicht ganz ohne sind."

Nach einem leisen Zischen meinte er: "So, das sollte gegen alles helfen, was der Tricorder angezeigt hat. Von mir aus können wir hinterher."

"Ich könnte Jack für die nächste Zeit in meinem Quartier auf ... Eis legen, falls er sich eine ansteckende Krankheit eingefangen hat...", sagte Silvana mit einem hintergründigen Lächeln, das ihre aufreizenden Gedanken veranschaulichte und trat durch das Tor in die andere Welt.

--- Waldlichtung, auf irgendeinem fremden Planeten

Jack hatte keinen Moment gezögert und war durch die Wand getreten. Wider seine Erwartungen spürte er nichts, nicht mal das Ziehen im Nacken, wenn man in eine Transition geht, wie bei einem Fiktivtransmitter. Es mußte ein völlig fremdes Transportsystem sein.

Nun stand der Psychologe auf einer Waldlichtung, die Luft roch würzig und über ihm thronte eine türkisfarbene Sonne, die den Himmel giftgrün färbte. Hinter ihm war eine von jahrtausendenden Jahren Erosion zerfressene schwarze Wand, durch die er wohl durchgegangen war.

Der Anblick war faszinierend. Die Waldlichtung entpuppte sich als ein riesiger Raum, ähnlich der Kuppel, aus der Jack gerade kam. Allerdings existierte diese Kuppel hier nicht mehr. Man konnte lediglich nur noch erahnen, wo sich die Überreste dieser Kuppel befanden. Mit etwas Phantasie konnte man die Konturen unter der überwuchernden Vegetation erkennen.

Kargan und Silvana waren ihm nach kurzem gefolgt und die anderen beiden Fremden materialisierten nun auch mit einer Leuchterscheinung. Collins überlegte, warum wohl diese sichtlich alte Technologie noch funktionierte. Bei dem Verfall dieser Kuppel war es in der Tat höchst seltsam. Aber es fehlte ihnen die Zeit, sich um solche Fragen zu kümmern.

Die Luft war angenehm warm, aber die Tatsache, daß die Blätter von den Laubbäumen fielen, ließ vermuten, daß es hier langsam auf den Winter zuging.

"Wohin jetzt?", fragte Jack das weibliche Wesen.

Es lächelte sanft und sprach dann leise und mit einer erstaunlichen Sicherheit. "Zu dem Raum, wo ihr hinwollt ohne den anderen zu begegnen, müssen wir zur anderen Seite der Lichtung. Aber du solltest einen Blick in ein anderes Tor nehmen." Die Worte kamen ohne Akzent, ohne Fehler und man hatte den Eindruck, diese Wesen waren intelligenter als Collins glaubte.

Eines der Wesen zog Jack von der Gruppe weg. "Jack! Zwing mich nicht...!", hörte der Psychologe Silvana sagen und Collins drehte sich zu ihr um.

"Gönne mir wenigstens einen Blick, verdammt. Ich glaube nicht, daß du das Gefühl kennst, endlich etwas zu sehen, was du solange schon vermißt hast und du glaubtest es nie wieder zu sehen. Wenn du meinst, du müßtest mich dafür töten, bitte, tue dir keinen Zwang an."

Dann drehte sich der Psychologe um und folgte dem männlichen Wesen zu einem anderen großen schwarzen Stein.

Kaum, daß Jack verschwunden war, wandte sich Silvana auch schon an Kargan. "Er mag ein Meister der... Meditation sein und ein Gespür für echten schottischen Whisky haben, aber irgendwann wird ihn sein schlechtes Timing umbringen. Spätestens wenn er seine Finger unerlaubt in Narbos Eigentum steckt.

Erinnerst du dich eigentlich noch an diesen - wie hieß er doch noch mal? - der Navigator, der seine blauen Flecken auf der Krankenstation verarzten lassen wollte. Und dann war er tot.

Schlechtes Timing..." Gelangweilt kickte Silvana einen Stein gegen einen Baum und beobachtete einen Schatten, der über sie hinwegglitt und wieder verschwand. So unbewohnt wie er auf den ersten Blick aussah, schien dieser Planet nicht zu sein. Jedenfalls falls sie auf einem fremden gelandet waren und nicht einfach nur an einer anderen Stelle des Planeten.

Sie nahm sich vor ihre Augen offen zu halten und sich nicht von den verträumten Faseleien Jacks einlullen zu lassen, wenn er die Waldlichtung betrat und bis zu anderen Seite wanderte, als wären sie hier auf Landurlaub. Immerhin liebten Menschen wie er die Natur und wurden dann auch meist in ihr begraben...

"Der Pilot hieß übrigens Tegger und er war GELÄHMT...", meinte Kargan wie zu einem kleinen Kind, während er seinen Tricorder wieder mit seinem Phaser vertauschte. Auch er schien zu merken, daß hier etwas nicht in Ordnung war.

--- vor einem Portal

"Sei nicht enttäuscht, du wirst nicht das sehen, was du dir vielleicht erhofftest", sagte das Wesen und aktivierte das Portal.

Das Bild, was sich Jack bot war erschütternd. Die Welt hinter dem Tor war tot. Es sah aus, wie eine alte Raumstation. Die Außenhülle war völlig zerfetzt. Collins erkannte ein paar Schriftzeichen auf Interkosmo. "Die Luft ist nicht atembar, viele von uns, die es versuchten sind nicht zurückgekehrt. Du siehst es an den Skeletten dort und dort." Das Wesen deutete auf die Wand.

"Man müßte besser vorbereitet sein!", sagte Collins tonlos und nahm sich fest vor, irgendwann hierher zurückzukehren. Er rieb sich das Gesicht. "Ok, laß uns zurück zu den anderen."

--- Portal vor dem Lagerraum.

"Danke das du mich nicht erschossen hast", sagte Collins mit einem sarkastischen Unterton zu Silvana. "aber es gibt einige Dinge, für die es sich lohnt hierzubleiben!" Er sah durch das Portal auf viele Kisten und Behälter. "Laß uns zur Ablenkung ein bißchen einkaufen gehen!"

"Keine Ursache", antwortete Silvana. "Aber es gibt Dinge, die ich mir gerne für ganz besondere Gelegenheiten aufspare." Dabei funkelten ihre Augen, daß man nicht recht sagen konnte, ob sie ihn lieben oder erschießen wollte.

"Solltest du noch einmal deinen zugegeben süßen Arsch ohne meine Erlaubnis und noch dazu vor mir durch eines dieser Tore stecken, dann hast du ein kleines Problem. Nämlich mich. - Und jetzt sollten wir uns hier etwas umsehen, bis wir das andere Tor erreicht haben. Ich hoffe mal, daß die uns wirklich was zu bieten haben. Slade wird nicht glücklich sein von solchen Toren zu hören und gerade mal ein wenig Schrott abzustauben.

Vielleicht könnten wir ihm ja eines dieser Dinger als Haustier mitbringen", meinte sie plötzlich mit einem Blick auf das weibliche der drei Wesen, schüttelte dann aber wieder den Kopf und zuckte mit den Schultern, "aber ich weiß nicht, ob das gut ist. Lebende Haustiere haben bei ihm nicht gerade ein langes Leben. Sein Magen scheint da einiges zu vertragen."

Kargan warf ein: "Wie wäre es mit Zweien? Man könnte eine kleine Zucht aufmachen..."

"Wenn wir ihm die Kleine mitbringen, dann genügt wohl schon Collins für den Beginn der Zucht", meinte Silvana heiser lachend und fing sich einen düsteren Blick von Jack ein, der den Scherz gar nicht lustig fand. Vielleicht auch deshalb, weil die Kleine wieder an seinem Bein klebte.

Damit kehrte sie den anderen den Rücken und übernahm die Führung der seltsam anmutenden Gruppe. Der Wald mochte malerisch anmuten, doch Silvana mochte ihn nicht. Ihr Instinkt sagte ihr, daß dieser Wald nicht unbewohnt war.

--- Norden, im Grünen

Auch Nathalie war sofort bereit und zog ihren Phaser, noch eh sie richtig begriffen hatte, was vor sich ging. Doch anstatt Pormas helfen zu können, mühte sie sich damit ab, die anderen beiden daran zu hindern, ungestüm nach vorne zu sprinten. Es reichte schon, wenn Pormas alleine in scheinbarer Gefahr war. Und sie konnte ihm besser helfen, wenn nicht der Grilmak und die Ärztin in ihrem Schußfeld standen.

Llewella wollte gerade zu einem Protest ansetzen, verstummte aber plötzlich, genau wie KWinh, als Pomas sich nach seinem Geisteszustand erkundigte.

"Nein, du spinnst nicht", antwortete Natty langsam und ließ KWinhs Arm los. Näher an ihren Sicherheitskollegen herantretend scannte sie die Umgebung ab. Doch außer den Teammitgliedern und niederen Lebensformen (Insekten?) wurde nichts angezeigt. "Wenn das von einem der beiden Wesen kam, so sind sie nicht mehr in unserer Nähe.

Ich kann zwar nicht feststellen, wie groß dieses 'Gewächshaus' ist, doch es scheint riesig zu sein. Und wenn die beiden Lebensformen nicht mehr angezeigt werden, so bewegen sie sich entweder unglaublich schnell oder können nicht vom Tricorder erfaßt werden - aus welchen Gründen auch immer - oder meinem Tricorder ist die Staubdusche doch nicht so gut bekommen wie ich dachte."

"Mir macht eher der Inhalt der Botschaft Sorgen als die Umstände selbst", warf Pormas mit schiefem Blick ein.

"Auf einer Außenmission muß man immer mit Gefahr rechnen!", winkte Nathalie leichtfertig ab. "Und ich suche lieber nach der Gefahr, als vor ihr wegzulaufen. Sah so aus, als ob das grüne Dingens eine dieser Gefahren darstellt und diese werde ich nun stellen! Ihr könnt ja darüber beraten, was das Wesen meinte!"

Trotzig verschwand die junge Sicherheitlerin im Dickicht und folgte dem Weg, den das grüne Etwas hervorragend mittels abgebrochener Zweige markiert hatte. Fast genauso burschikos brach sie durchs Unterholz. Ihr wurmte es, daß sie von Pormas vor anderen so zurechtgewiesen worden war. Aber sie war eher eine Frau der Tat und wollte neue Informationen und nicht über alte grübeln.

Einige Meter weiter fing ihr noch immer eingeschalteter Tricorder an, leise Piepsgeräusche von sich zu geben, die sie allerdings zunächst kaum beachtete. Ein dorniger Zweig hatte gerade auf ihrer Wange einen häßlichen roten Streifen hinterlassen und mit einem zweiten kämpfte sie um die Freigabe ihres Jackensaums. Wütend zerrte sie daran, bis ihre Jacke einriß und sie durch den plötzlichen Schwung nach vorne stolperte.

Aufstöhnend blieb sie endlich stehen und warf einen Blick aufs Display. Gleich darauf aktivierte sie ihren Communikator. "Nathalie an Pormas. Hier wird was angezeigt. Künstliche Lebensformen oder Maschinen, die sich schnell nähern. Drei, nein vier, nein fü... es werden immer mehr!"

Auch der Techniker hatte die Signale auf seinem Display. Erst hatten ihn diese Signale verwirrt, aber schnell deutete er sie als das was sie waren. Androiden kamen auf sie zu. Ihre Formation kam ihm bekannt vor, sie war der einer Kampftruppe von Raumjägern ähnlich. Das verhieß nicht gerade eine freundliche Begegnung.

Mit schnellen Bewegungen gab KWinh einige Scanmuster in den Tricorder ein. Weitere Informationen fluteten über den kleinen Bildschirm. "Fast humanoid... körperliche Stärke... schnell... Steuersignale... Waffen", murmelte er vor sich hin. Die Gegner waren bereits auf Sichtweite herangekommen als er sich neben Nathalie stelle und seinen Stab aktivierte. Ein kurzes Flackern ließ erkennen daß der Schild aktiviert war.

"Sie sind bewaffnet, werden von Signalen gesteuert, wahrscheinlich keine eigene Intelligenz, Energieversorgung in der Mitte, Kommunikation oben.." Seine an die Sicherheitlerin gerichteten Ausführungen wurde von den ersten Einschlägen der Phasersalven unterbrochen. Diese handelte schnell, ging in Deckung und begann sofort zu feuern.

Ohne die Treffer auf dem Schild zu beachten begab sich KWinh selbst in Deckung, langsamer als Natty denn er beobachtete weiterhin die Anzeigen seines Tricorders. "Die Steuereinheit im Kopf ist kaum geschützt", brüllte er gleichzeitig zu Nathalie hinüber, als auch in seinen Communicator während er sich nun vollständig in Deckung begab, seinen Stab deaktivierte um ihn aufzuladen und darüber nachdachte was außer dieser relativ schwachen Waffe geeignet wäre, diese Maschinen aufzuhalten und sich auch noch in seiner Ausrüstung befand.

Geduckt lief Pormas hinter einen Baumstamm in Deckung. Seine Verärgerung über Nathalies Abgang verwandelte sich schnell in Sorge um sie. Einen flüchtigen Blick über die Gruppe machte ihm zu schaffen. KWinh schien zwar keine Probleme zu haben, da er über so etwas wie einen Personenschutzschild verfügen mußte, aber die Frauen in ihrer Gruppe hatten es da schlechter erwischt.

Llewella schien Probleme zu haben Deckung zu finden, da jede Deckung die sie sich aussuchte im nächsten Augenblick atomisiert wurde. Nathalie hatte es da zwar etwas besser, aber sie war in vorderster Front.

Schnell hatte er sich einen Plan überlegt. "KWinh!", rief er laut zu dem Techniker herüber, "geben Sie mir Feuerschutz!" Ein Achselzucken des Angesprochenen später, mit einem Fingerzeig auf dessen Stab warf den ganzen Plan über den Haufen, bevor er angefangen hatte.

Also Plan zwei.

Er schmiß einen von den beiden leichten Lasern zu dem Mönch rüber und zog selber den zweiten und seinen schweren Blaster. Zwar wünschte er sich jetzt nichts sehnlicher als ein handfestes Photonengewehr her, aber...

Für solche intelligenten Überlegungen hätte er lieber, im wahrsten Sinne des Wortes, früher aufstehen sollen.

"Pormas an Team zwo", der Gefechtslärm war mittlerweile so laut geworden, daß dem Griechen nichts anderes übrig blieb, als die Communicatoren zu benutzen, "sobald es kracht sofort zu den Felsen 10 Meter links von KWinh zurückziehen. Dort Stellung beziehen!"

Sämtliche Sinne des Hünen waren bis zum Zerreißen gespannt. Er wußte nicht wie lange so etwas her war, daß er sich mitten in der Schlacht gefunden hatte. Die ganze Zeit seines Komas, von dem er immer noch nicht wußte wie, warum und wie lange wirklich, war er untätig gewesen, aber der Grieche war sich sicher, daß sein Körper ihn nicht im Stich lassen würde!

Er wartete die nächste Salve ab und sprintete los.

Der Sicherheitler lief quer zur Marschrute der Roboter und feuerte aus allen Rohren. Wie erwartet schenkten sie ihm nicht viel mehr Beachtung als den anderen Teammitgliedern. Die mittlerweile auf gut 20 Androiden angewachsene Streitmacht, soweit es die Sensoren in seinem Helm zumindest behaupteten, setzte ihren Weg weiter fort.

Sie hatten noch 30 Meter bis zu Nathalie. Der Südländer keuchte. Er rannte so schnell er konnte, hatte sich allerdings wesentlich schneller in Erinnerung, als auch ausdauernder. Es kam jetzt auf jede Sekunde an.

Schnell steckte er den kleinen Phaser weg und zog die Sprengladung aus seiner Hosentasche. Zwar war sie eigentlich für Türen oder andere Hindernisse ausgelegt, aber unbeeindruckt dürften ihre Gegner auch nicht davon sein.

Er stellte den Timer auf 5 Sekunden.

Pormas war jetzt 30 Meter von den Robotern entfernt und ca. 20 von Nathalie. Die Entfernung von den Robotern zu der kleinen, äußerst niedlichen, Frau bedenklich gering. Schnell warf er die Ladung an die ihm zugewandte Flanke.

5...

4...

3...

2...

1...

*wumm*

Gut fünf Roboter waren zerstört oder angeschlagen, und der Rest reagierte wie erwartet. Augenblicklich schwenkten sämtliche Aggressoren zu ihm, der scheinbar ernsten Bedrohung. Die ernste Bedrohung allerdings sah sich jetzt einem Problem entgegengestellt.

Der Südländer blickte sich rennend um. Sein Sprint hatte ihn zur wahrscheinlich einzigen Lichtung in diesem Urwald geführt. Und an einen Rückweg war nicht zu denken. Er hoffte nur, die anderen konnten sich aus der Gefahrenzone bringen....

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