--- Privateer, Shuttlerampe, Shuttle 1
"Gut, fliegen sollte nicht das Hindernis sein", erwiderte der Sivaoaner, während er lautlos zum Pilotensitz ging. "Es ist noch gar nicht solange her, da bin ich regelmäßig ein heruntergekommenes Föderationsshuttle geflogen. Dagegen ist dieses Ding schon fast eine Yacht.
In einer fließenden Bewegung setzte er sich in den Pilotensitz des Shuttles. Seine Augen überflogen kurz die Kontrollen des Shuttles. 'Föderation Standard', dachte er.
Sternenlicht freute sich auf den bevorstehenden, wenn auch kurzen Flug. Besagtes heruntergekommenes Shuttle war wirklich die reinste Klapperkiste gewesen, dagegen dürfte sich dieses Gefährt vergleichsweise "gut" anfühlen. Sein Schweif berührte zwei Sensorflächen auf dem Bedienfeld, worauf sich die Leistungsdaten des Antriebs- und des Deflektorsubsystems auf den Monitoren einfanden.
Überrascht stellte das Katzenwesen fest, daß die Innereien dieses Shuttles hielten, was sein Äußeres versprach. Alles war bei weitem innerhalb normaler Parameter. Verglichen mit den Sensoren der Privateer war dies ein echter Fortschritt.
Er wandte sich Silvana zu: "Hast du irgendwelche besonderen Wünsche was den Anflug betrifft oder soll ich einfach auf direktem Wege zu unseren Landekoordinaten fliegen?"
--- Shuttle 2
KWinh beschloß, es darauf beruhen zu lassen, daß der Grieche das Shuttle steuerte. Zwar war er in der Lage, das Shuttle selbst zu fliegen, aber wohl auch nicht besser als Pormas. Also verstaute er seinen Stab hinter den Sitzen und setzte sich neben Nathalie, die inzwischen auch Platz genommen hatte.
Die Tür des Shuttles schloß sich, als alle saßen und bereit für den Flug waren. Durch das vordere Fenster konnte der Grilmak erkennen, wie die Hangartore sich langsam öffneten, während der Pilot sich mit der Steuerung beschäftigte und einige Tasten drückte.
Ein leichtes Rucken war spürbar als das Shuttle abhob. Nun waren sie unterwegs. Wieder in Richtung eines Planeten, von dem KWinh nichts bekannt war. Weniger sogar noch, als auf der letzten Mission dieser Art. Lächelnd wandte er sich an Natty: "Irgendwie kommt mir das bekannt vor..."
Als sie nur nickte und irgendwie gequält lächelte, fügte er hinzu: "Du hast bis jetzt noch nicht auf meine Nachricht geantwortet, die ich dir gestern Abend schickte. Hast du sie nicht bekommen?"
Nachdem KWinh sie schon zum zweiten Male darauf hinwies, drehte Nathalie sich zu ihm hin. Zumindest gab er ihr diesmal die Gelegenheit zu antworten. "Öhm, nee!"
Ein Hauch zartrosener Farbe kroch auf ihre Wangen, als sie daran dachte, WAS sie gestern davon abgehalten hatte, die Nachricht zu empfangen. Sie warf einen verstohlenen Blick auf Pormas, der gerade mit der Steuerung kämpfte.
Ruckelnd setzte sich das Gefährt in Bewegung. Hektisch bediente Pormas die vor ihm liegenden Kontrollen und dankte dem Erfinder der idiotensicheren Befehlskonsole. Allerdings war der Südländer kein Idiot, was die Steuerung wieder kompliziert machte.
Im Shuttle nicht spürbar, da die Andrucksabsorber tadellos funktionierten, aber von außen mußte das Shuttle schwanken wie ein Betrunkener nach einer Zechtour. Glücklicherweise waren die Scheiben des Schiffs verdunkelt, so daß man seine Handbewegungen an diesem Machwerk von Shuttleflug nicht nachvollziehen konnte.
--- Shuttle 1
Silvana schüttelte entschlossen den Kopf und meinte zu Sternenlicht, als sie hinter ihn trat und ihm die Hand auf die pelzige Schulter legte: "Nein, keine besonderen Wünsche, Sternenlicht. Ich bin mir sicher, daß du schon weißt, was du zu tun hast. Für Vorschläge habe ich immer ein offenes Ohr."
Dann drehte sie sich wieder um, um zu sehen, ob sie langsam startklar wurden und die Mannschaft sich an Bord versammelt hatte. Kargan stand aber noch immer bei der Rothaarigen vor der Ausstiegsluke, dafür schien Jack die Aussicht auf den Ausflug richtig zu genießen, als befände er sich im Urlaub.
Es hätte alles in schönster Ordnung sein können, wenn nicht...
Das zweite Shuttle schien nicht nur die Technik zu testen indem es die Maschine warm laufen ließ, sondern es hob einfach ab und machte sich auf den Weg nach draußen.
Einfach so.
Ungläubig sah Silvana ihm nach.
Es startete ohne einen Befehl ihrerseits...
In der Sicherheitschefin begann es zu kochen und zu brodeln. Ihre Pupillen wurden zu schmalen Schlitzen und das Blut rauschte in ihren Ohren. Sie war kurz davor die Kontrolle über den Schiffscomputer zu übernehmen und dem Shuttle zum Abflug eine kleinen Ehrenschuß aus dem Waffensystem direkt in den Bug zukommen zu lassen, als sich eine Stimme am Eingang des Shuttles zu Wort meldete und ihren Gedankengang unterbrach:
"Silvana, unsere Miss Campbell sollte eigentlich mit dem anderen Shuttle fliegen, aber ich glaube nicht, daß sie während der Fahrt sonderlich gerne zusteigen möchte..." Kargans klingonische Gesichtszüge, die in der Tür zum Cockpit aufgetaucht waren, formten sich zu einem breiten Grinsen. In seinen Augen hatte er sicher einen tollen Witz gemacht. Aber Silvana war ganz und gar nicht zum Lachen zumute.
Wie sollte man eine Gruppe führen, die schon gegen ihren ersten Befehl verstieß an Bord jedes Shuttles einen Arzt mitzunehmen?
Nur ungern folgte Silvana nicht ihrem ersten Impuls, aber das hätte die Stimmung wohl erheblich beeinträchtigt, abgesehen davon, daß Sternenlicht ihr hätte vielleicht eine Lektion in Sachen Menschlichkeit (wie nannten das eigentlich Katzen?) hätte zukommen lassen wollen und Jack sie die ganze Reise darüber aufgeklärt hätte, daß so ein Vorgehen psychologischerweise nicht ganz korrekt war.
Noch immer wütend wie eine gereizte Kobra, betätigte sie die Kontrollen über die Kommunikation des Shuttles und öffnete einen Kanal zum anderen Shuttle. Ihre Stimme war dabei so eisig und schneidend wie die Klinge eines klingonischen Bat'leths. Selbst wer ihr in diesem Augenblick nicht in die Augen sehen konnte, mußte die Gefahr erkennen, die darin aufblitzte:
"Shuttle 1 an Shuttle 2. Kehrt auf der Stelle um und holt eure Ärztin an Bord. Und zwar blitzschnell oder ich blase eure Eingeweide ins Weltall hinaus zur Warnung für alle, die ohne meinen ausdrücklichen Startbefehl ein Shuttle unbefugt aus dem Schiffshangar entfernen..."
Der Psychologe hatte einige Mühe damit, ernst zu bleiben. Eigentlich konnte nur einer im Pilotensessel des zweiten Shuttles sitzen, Pormas! Es war klar, er war wieder der Alte. Ob das nun ausgerechnet gut für diese Mission war, war eine andere Sache.
Mit Schaudern erinnerte er sich an die Aktion mit den Cardassianern während der Zeit auf der Ivory. 'Hoffentlich geht es diesmal gut', dachte Collins und zog seinen Tricorder aus der Tasche.
Die Missionsdaten waren knapp dosiert worden vom Captain. Fast schon zu knapp um einen Ausflug zu wagen. Collins aktivierte das Gerät und sah sich die Daten an. Es würde ein Ausflug ins Blaue werden.
--- im freien Raum, Shuttle 2
"Weißt du, ich hatte wohl keine Zeit gehabt", fügte Natty erklärend hinzu, daß sie KWinhs Nachricht nicht erhalten hatte, als das Shuttle gerade einen Looping im Raum durchführte. Bei Pormas Flugkünsten fühlte sie sich erleichtert, daß sie keine Zeit für ein ausgiebiges Frühstück gehabt hatte. "War es denn was Wichtiges gewesen?"
Ein Ruck durchfuhr das Shuttle und Nathalie, die sich ein wenig zu KWinh hinübergebeugt hatte, stieß beinahe mit ihrem Kopf gegen sein Kinn.
"Verflucht! Hätt' nicht gedacht, daß jemand noch schlechter wild gewordene Shuttles zähmen kann als ich!" Lauter fügte sie hinzu:" Hey Pormas! Halt das Ding ruhig oder du erfährst gleich, was ich zum Frühstück hatte!"
Röte schoß in Pormas Gesicht. Irgendwie fiel so etwas immer auf. Aber bevor der Südländer eine ausflüchtende Bemerkung von sich geben konnte, durchbrach eine andere, wesentlich sauere Stimme, die kurze Stille des Cockpits:
"Shuttle 1 an Shuttle 2. Kehrt auf der Stelle um und holt eure Ärztin an Bord. Und zwar blitzschnell oder ich blase eure Eingeweide ins Weltall hinaus zur Warnung für alle, die ohne meinen ausdrücklichen Startbefehl ein Shuttle unbefugt aus dem Schiffshangar entfernen..."
"Shuttle 2 an Shuttle 1. Verzeihung, aber das war ein Mißverständnis unserer Seite. Shuttle 2 Ende.", antwortete der Grieche sofort darauf und unterbrach die Verbindung gleich wieder, bevor er sich noch weiter in dummen Antworten verstrickte.
'Ich bin so gut wie tot', schoß es Pormas durch den Kopf. Vor lauter Aufregung das Shuttle durch eine turbulente Atmosphäre steuern zu müssen waren ihm die simpelsten Startprozeduren entfallen. Was aber jetzt noch wichtiger war: Wie sollte dieses große Shuttle in den soooo kleinen Shuttlehangar bringen?
Plötzlich sprang es ihn an. Zunächst die Erkenntnis, daß er selber entweder blind oder immer noch im Koma sein mußte, wenn er sowas übersah. Dann der Ärger, daß Starfleet Konstrukteure ihre Kontrollen so entwarfen, daß alles groß aber irgendwie nicht zu finden war.
Mit einem nüchternen Druck auf die Steuerungskonsole aktivierte Pormas den Autopiloten und gab das Ziel ein. Dann drehte er sich auf die doch eher erheiterte Passagiermenge, ausgenommen Voltak natürlich, und würdigte sie nur eines Kommentars.
"Kein Wort."
--- Privateer, Shuttle 1, vorderer Teil
Silvanas Krallen glitten knirschend über die metallene Oberfläche der Wandverkleidung, in die sie sich wütend verkeilt hatten, als eine Meldung aus Shuttle 1 eintraf, die sich stark nach einer fadenscheinigen Erklärung anhörte.
Ein Mißverständnis also. Ihrerseits.
Sie fragte sich, ob es die anderen Passagiere auch so sahen. Ihr waren Leute ein Greuel, die ihre eigene Unfähigkeit auf andere abwälzten. Wahrscheinlich zog eben in diesem Moment Voltak die Augenbraue hoch und fragte sich instinktiv, mit was für einer Finte sie ihn diesmal loswerden wollte. Einem Sicherheitler, der ihn aus "Versehen" in den Rücken schoß?
Die Sicherheitschefin wußte, daß der Vulkanier Pormas jetzt nicht mehr aus den Augen lassen würde und jede seiner Verfehlungen ahnden würde. Im Grunde gönnte sie dem Südländer dieses Vergnügen. Auch wenn sie bei dieser Verfehlungen an andere Vergnügen wie gebrochene Beine oder Rippen dachte, die so angenehm krachten als würden Steinen aufeinander schlagen.
Wäre da nicht Slades Anweisung im Hinterkopf, daß sie die Sache diesmal nicht in den Sand setzen sollte und wirklich jede Menge Profit für ihn abfallen sollte, hätte sie sich die Zeit genommen Pormas eindrücklich zu lehren, was es hieß ihrem Befehl nicht zu gehorchen.
Doch hier war nicht der geeignete Ort und auch nicht der richtige Zeitpunkt. Auch wenn es ihr in der Seele brannte und sie gegen sämtliche ihrer Instinkte arbeitete. Aber auch in ihrer Abteilung wuchsen gute Leute nicht auf den Bäumen und auch keine, die sie gerne auf diesen Ausflug begleiten würden.
Vielleicht kehrte Pormas ja gar nicht von dem Landgang zurück, da er einen kleinen Unfall erlitt. Das wäre dann natürlich besonderes Pech. Nicht für ihn, wenn es schnell ging, sondern für sie, weil sie ihm dann nicht mehr beibringen konnte "Mißverständnisse" in Zukunft zu vermeiden und sich ihre Befehle bis ins kleinste Detail einzuprägen.
--- Shuttle 1, hinterer Teil
Kargan schaute Campbell an, die offenbar unschlüssig war, für welches Shuttle sie sich entscheiden sollte. Bisher hatte sie sich noch nicht für eines entschieden, vielleicht wartete sie darauf, daß man es ihr befahl.
Für den Chefarzt war allerdings klar, daß er bei Silvana bleiben würde. Sie kannte er mittlerweile wesentlich besser als Pormas, und auch wenn diese Frau vollkommen unberechenbar war, konnte er inzwischen fast schon voraussagen, wann sie wieder zuschlagen würde. Ihre mit schöner Regelmäßigkeit eingelieferten Opfer sprachen Bände von ihrer Kampfeskunst - selten glichen sich einmal zwei Verletzungen. Offenbar besaß sie reichlich Phantasie, was ihre Hiebe betraf.
Und noch ein Punkt sprach für sein Verbleiben auf diesem Shuttle: "Llewella, Sie übernehmen die andere Gruppe. Sie kennen Pormas besser und länger als irgend jemand sonst hier. Sehen Sie zu, daß er seinen Kopf behält."
"Aye, Sir", antwortete die Schottin auf Kargans Befehl. Das war ja mal wieder typisch. Sie mußte mal wieder mit diesem Irren zusammenarbeiten.
Aber so ganz unrecht hatte der Klingone ja auch nicht, mußte sich Llewella allem Ärger zum Trotz eingestehen. Immerhin kannte sie den Griechen tatsächlich besser als er. Allerdings wußte sie auch, daß mit ihm zu fliegen einem Selbstmordkommando gleichkommen konnte.
Leise auf gälisch vor sich hin brummelnd stieg sie aus dem Shuttle.
Als die Schottin das Shuttle verlassen hatte, setzte sich Kargan auf einen der gepolsterten Sessel, nur um innerlich zu erstarren. Wo war eigentlich sein Medizinkoffer, den er so sorgfältig gepackt hatte?
Er schaute sich um, konnte ihn aber nirgends entdecken. Dann fiel es ihm ein: Als er den Menschenauflauf an Bord dieses Shuttles bemerkt hatte, hatte er sie im anderen Shuttle deponiert, wo sie wahrscheinlich bis jetzt unbemerkt ruhte.
Das bedeutete, daß beinahe ein Shuttle zwei Ärzte und das Andere dafür die dazugehörige Ausrüstung mit auf den Planeten genommen hätte. Und da die beiden Schiffe doch recht weit voneinander entfernt landen würden und man jetzt noch nicht wissen konnte, ob ein Beamvorgang auf dem Planeten möglich wäre, stand der Klingone wieder auf und begab sich zum Ausgang.
Zu Silvana sagte er: "Ich komme gleich wieder."
Nein, eine Blöße würde er sich nicht geben...
--- Shuttle 2
KWinh seufzte leise in sich hinein, was hätte er schon sagen sollen? Der Flug würde noch sehr "unterhaltsam" werden. Die Ungeduld dieses Menschen gefiel ihm nicht. Und weil dieser mit für die Sicherheit der Gruppe verantwortlich war, fing der Grilmak an sich Sorgen zu machen.
Allerdings war auch Nathalie noch da und er fühlte sich gleich etwas sicherer. 'Außer natürlich der Kerl war letzte Nacht genauso voreilig, DANN könnte es sein, daß auch Natty nervös ist...'
Geduldig wartete der Techniker ab, bis das Shuttle sanft aufsetzte und sich die Tür öffnete. Nun gut, beim ersten Mal hatten sie es heil "nach Hause" geschafft. Blieb das zweite Mal abzuwarten.
--- Shuttle 1
Amüsiert betrachtete Sternenlicht, wie sich das schwankende Shuttle stabilisierte und landete. Wenn alle Piloten an Bord der Privateer diese Qualität aufwiesen, dann wäre es vermutlich gesünder, entweder immer selbst zu fliegen, oder sich ein neues Schiff zu suchen... Pormas hatte sich dabei richtig in die Sackgasse manövriert. Er wollte eigentlich nicht so genau wissen, was Silvana da noch mit ihm anstellen würde. Vermutlich hatte er seinen festen Platz auf der Krankenstation zu Recht.
Er fütterte den Navigationscomputer mit einer weiteren Reihe von Befehlen, Anflugvektoren für den Atmosphäreneintritt und die Landung. Es würde ein möglichst unauffälliger Anflug werden, mit minimalen Energieverbrauch. Wenn jemand den Raum mit hochwertigen Sensoren betrachtete, würde ihm das Shuttle nicht entgehen. Wenn diese Welt aber tatsächlich nur noch aus den Ruinen ihrer Vorfahren bestand, sollten sie damit unbemerkt landen können.
Ein paar Tipper mit seiner Schweifspitze ersetzten die Maschinendaten des Shuttles mit den Sensordaten des Planeten, damit waren sie für alle Fälle gerüstet.
Er drehte sich zu Silvana um: "Silvana: Kurs ist berechnet, liegt an und das Shuttle ist startbereit. Es wird uns in einem recht steilen Winkel zu unserem Landeplatz führen. Mit bloßen Augen haben wir damit ziemlich Ähnlichkeit mit einem Meteoriten.
Ich denke nicht, daß da unten eine nennenswert fortgeschrittene Technik aktiv genutzt wird. Ich warte zwar immer noch auf den Detail-Scan des Planeten, aber die Sensorphalanx der Privateer wird dazu noch mindestens zwei Stunden brauchen, und ich denke, du willst nicht solange warten. Von mir aus können wir also."
Der Sivaoaner störte ihre Überlegungen und erst jetzt bemerkte sie, daß Shuttle 1 inzwischen wieder gelandet war. Also mußte nur mehr die Ärztin an Bord aufgenommen werden und dann konnte endlich die Reise - diesmal mit ihrem Befehl - für beide Shuttles losgehen.
"Von mir aus können wir auch", meinte sie zustimmend, warf aber dann einen Blick nach hinten. Kargan war ebenfalls aus dem Shuttle geklettert und schien auch zum anderen Shuttle zu wollen.
Waren denn hier alle verrückt geworden? Sollte jetzt ihr Shuttle ohne Arzt fliegen und zwei Ärzte das andere Team begleiten?
"Verdammt, wo ist Kargan jetzt wieder hin? Kann dieser dämliche Klingone nicht mal fünf Minuten auf seinem Hintern sitzen? Konnte er seine schwache Blase nicht auf später vertrösten?" Sie stieß ein wütendes Knurren aus und verfolgte durch das Fenster, was sich draußen tat.
--- Shuttlerampe
Nachdem das zweite Shuttle wieder gelandet war, vergewisserte sich Llewella noch einmal, daß sie alles dabei hatte, was sie benötigte. Immerhin waren die Shuttles einigermaßen gut medizinisch ausgerüstet - grundausgerüstet sozusagen...
Nachdem die Türe sich wieder geöffnet hatte, ging Llewella an Bord um sich gemütlich hinzusetzen und auf alles Weitere zu warten.
Kargan war seiner Kollegin gefolgt und hatte Silvanas Wutausbruch noch ansatzweise mitbekommen, was ihn allerdings nicht sonderlich beeindruckte. Nachdem er sich wortlos seine Tasche geschnappt hatte, verschloß er die Einstiegsluke von außen und ging zu seinem Shuttle zurück.
--- Shuttle 1
Der Arzt verstaute seine Tasche neben seinem Sitz und ließ sich nieder. Als er bemerkte, daß Silvas kalte Augen ihn immer noch anstarrten, meinte er nur: "Ich hätte die Tasche auch drüben lassen können, aber wenn ich hier schon euer Onkel Doktor sein soll, dann bitte richtig. Geht's jetzt los?"
Silvana verzog ihre Mine zu einer boshaft grinsenden Fratze: "Mein Onkel Doktor mußt du nicht sein. Keine Sorge. Sieh mal lieber zu, daß du dir selbst nichts passiert, wenn du auf dem Planeten auch so vergeßlich bist und allein Ausflüge unternimmst. Hast du schon mal daran gedacht, daß niemand dabei ist um DICH zu verarzten?"
Damit wandte sie sich, ohne eine Antwort von dem Klingonen zu erwarten, wieder Sternenlicht zu und stellte einen Kanal zum anderen Shuttle her: "Team 1 an Team 2. Wir werden gleich starten. Folgt uns in gemäßigtem Abstand und keine Experimente. Haben wir uns verstanden?" Sie atmete noch einmal tief ein, bevor sie weitersprach:
"Euer Kurs ist im Schiffscomputer eingespeichert, haltet euch daran und..." Sie wollte etwas von dem Steilflug sagen, den Sternenlicht unternehmen würde um für alle Beobachter ihrer Landung wie ein einschlagender Meteorit zu wirken, doch im letzten Moment schwieg sie. Wenn Shuttle 2 es anders machen wollte, umso besser, das würde noch mehr vom Eintreffen ihres eigenen Shuttles ablenken.
"Shuttle 1 Ende", unterbrach sie brüsk die Verbindung. Ihnen viel Glück zu wünschen, das entsprach so gar nicht ihrer Art.
Danach nahm sie ihren Platz hinter Sternenlicht ein und blickte über seine Schulter zu, wie er mit der Gewandtheit und Eleganz, die nur katzengleiche Wesen kannten, die Kontrolle über das kleine Shuttle übernahm und nahezu perfekt vom Boden wegkam. Sein Schweif entfaltete dabei die Nützlichkeit einer dritten Hand.
Seine Eleganz schien der Wissenschaftler auch dem Shuttle zu eigen zu machen. Die Sicherheitschefin mußte zugeben, sich trotz allem schon wieder auf die kleine Reise zu freuen. Das Tor des Hangars war noch immer geöffnet und man konnte bereits die Sterne erkennen, die in der Dunkelheit prangten.
Augenblicklich vergaß Silvana ihre Umgebung und hatte auch kein Auge für Collins oder Sternenlichts Arbeit.
Als das Shuttle nach draußen in das Weltall glitt und der Planet langsam Stück für Stück in ihr Gesichtsfeld rückte, wurde bei Silvana das alte Jagdfieber wieder wach, daß sie immer bei ihren Reisen und den Wettkämpfen verspürt hatte. Kämpfen auf Leben und Tod.
Abenteuer und Gefahren, das war ihre Welt. Erst jetzt wurde ihr schlagartig bewußt, wie sehr sie all das vermißt hatte...
--- Shuttle 2
KWinh nahm die Ansprache der Sicherheitschefin ungerührt zur Kenntnis. Also schien es nun doch loszugehen. Nachdem die Ärztin Platz genommen hatte, machte sich der Grieche auch wieder an den Kontrollen zu schaffen. Diesmal hob das Shuttle wesentlich eleganter und vor allem ruhiger ab.
--- im freien Raum, Shuttle 2
Es wurde recht still, als das Schiff dem Planeten näher kam, nur der Vulkanier beobachtete Pormas` Bewegungen und schüttelte ab und zu den Kopf. Der Grilmak drehte schließlich seinen Kopf wieder seiner Sitznachbarin zu, um das unterbrochene Gespräch fortzusetzen:
"Ich hatte dir eine Nachricht geschickt, daß ich etwas zu feiern hab und das gerne mit dir zusammen tun möchte. Nun wird das aber wohl heute eventuell nichts mehr werden. Trotzdem möchte ich meine Einladung erneuern für den Zeitpunkt, da wir wieder auf der Privateer zurück sind."
"Oh, etwas zu feiern?", rief Nathalie erfreut aus. Doch sogleich kehrte sich ihre Stimmung um. Hatte sie etwa irgendwas verpaßt? Hatte KWinh vielleicht sogar Geburtstag? Ihr fiel beschämend auf, wie wenig sie doch eigentlich über ihren Freund wußte.
"Wir können das gerne nachholen! Dafür bin ich immer gut! - Ähhm, welche Art von Feier schwebte dir so vor?", fragte Natty vorsichtig, als die Silhouette des Planeten am Sichtschirm größer wurde. "Ich meine, gibt's dafür einen besonderen Anlaß?"
"Ja, es gibt einen Anlaß. Ich wurde recht kurzfristig befördert und habe mich dazu entschlossen, das als etwas Positives zu sehen. Wenn wir von diesem Ausflug zurück sind, werden wir sicher Gelegenheit zum Feiern haben."
Während sich die beiden unterhielten, beobachtete Llewella den Griechen. Er bediente die Kontrollen des Shuttles, als hätte er das schon immer getan. Anfangs war der Flug etwas holperig gewesen, aber inzwischen völlig problemlos.
Die Schottin versank in ihren eigenen Gedanken und nahm das Gespräch der anderen nur noch am Rande wahr...
--- Shuttle 1
Es war still während des Fluges. Collins beobachtete das bepelzte Wesen auf dem Pilotensitz. Die Großkatze schien gut mit dem Shuttle umgehen zu können.
Unauffällig scannte der Psychologe den Piloten. In der letzten Zeit waren ihm so viele unbekannte Rassen begegnet. Die dämlich Fragerei nach dem ' na, wo kommst du denn her?', hatte er satt. Es gab ja schließlich auch andere Methoden.
Die Datenbank seines Tricorders wies die Miezekatze als einen Sivaoaner aus. 'Na ja! Ein bißchen schlauer sind wir jetzt ja', dachte Jack und klappte den Tricorder zu. Dunkel erinnerte er sich, schon mal von dieser Rasse gehört zu haben, aber begegnet war er noch keinem Vertreter dieser Spezies.
Inzwischen tauchte das Shuttle in die Atmosphäre des Planeten ein, mit einem sehr steilen Winkel und einer hohen Geschwindigkeit. 'Wie ein Meteorit!', dachte Collins und hoffte, daß das Schiff nicht auch so einschlug. Aber die Ruhe und Gelassenheit des bepelzten Piloten, gab ihm ein Gefühl der Sicherheit.
Das Shuttle schien immer schneller zu werden, was natürlich nicht stimmte. Da die Andruckabsorber bei diesem Anflug an ihre Grenzwerte kamen, fing nun das Schiff an zu ruckeln und zu vibrieren.
Plötzlich durchbrachen sie die Wolkendecke und der Blick wurde frei auf eine im leichtem Dämmerlicht liegende Oberfläche, die sich in rasender Geschwindigkeit näherte. Einzelheiten konnte Collins nicht erkennen, dafür war das Shuttle zu unruhig. Außerdem glühte durch die Reibung die Atmosphäre um das Schiff, was die Sicht auch einschränkte.
Als die Oberfläche das ganze Frontfenster ausfüllte und man trotz der Vibrationen schon Einzelheiten dort unten erkennen konnte, kam dem Psychologen der Gedanke, daß es eigentlich langsam Zeit wurde, die Kiste abzufangen.
Jack hatte noch gar nicht zu Ende gedacht, als ein schrilles Kreischen der Andruckabsorber durch das Shuttle hallte, die nun kurzzeitig ihren Dienst quittierten. Das hatte die Folge das alle mal in den Genuß eines vielfachen ihres Körpergewichtes kamen.
Das dauerte alles nur ein paar Sekunden, es gab einen heftigen Ruck und plötzlich kehrte Ruhe ein. Das Shuttle stand.
Vor dem Frontfenster sah man noch eine riesige Staubwolke. An dem Seitenfenster konnte man zumindest schon ein Teil des Himmels sehen. Es schien ein wenig windig zu sein, der Staub verzog sich rasch und in einiger Entfernung glaubte Collins eine Sternschnuppe gesehen zu haben, eine große.
Oder vielleicht Shuttle 2?
--- Shuttle 2, nördlich der Stadt
Überraschend sanft setzte das Shuttle auf. Llewella stand auf, reckte sich und meinte zu dem Südländer: "Gar kein schlechter Flug, Mr. Theocrates!" Dann blickte sie auf den Bildschirm.
Draußen zeigte sich in geringer Entfernung die Stadt. Oder was von ihr übrig war. Teilweise wirkten die Gebäude so, als wären ihre Bewohner nur mal eben zum Picknick aufs Land gefahren, andere wiederum befanden sich deutlich im Verfall.
Llewella freute sich schon darauf, die Ruinen zu erkunden. Sie war sich zwar darüber im Klaren, daß hier in erster Linie der Profit zählen sollte, aber sie hatte sich fest vorgenommen, sich nicht davon unterkriegen zu lassen.
Schnell aktivierte sie einige Kontrollen am Shuttle, um festzustellen, ob die Außenluft für sie ungefährlich war. Schade, daß sie nicht mehr dazugekommen war, diesen Grilmak zu untersuchen, so wußte sie nicht sicher, was er für Besonderheiten hatte.
Nach ein paar Minuten waren die ersten Scans fertiggestellt. Sie zeigten nichts besonderes. Auch die befürchteten Sporen konnte sie nicht feststellen. Trotzdem gab sie noch einige Kontrollsequenzen ein, so daß das Shuttle in den nächsten vierzig Minuten damit beschäftigt war, weitere Analysen durchzuführen.
"So, das war es dann", meinte sie dann zufrieden. "Ich denke, wir können vorerst raus. Aber ich möchte Sie bitten, sich nicht allzuweit vom Shuttle zu entfernen, bis die endgültigen Analysen fertig sind."
Auf die Analyse der Ärztin vertrauend stand KWinh auf, nahm seinen Stab und betätigte die Türöffnung. Begierig sog er die Luft ein, die durch die sich öffnende Tür einströmte. Das war etwas ganz anderes als diese gefilterte Luft auf Raumschiffen.
Wegen der Dunkelheit war allerdings nicht viel zu erkennen, weshalb er seinen Visor herausnahm und aufsetzte. In der näheren Umgebung war nichts zu entdecken, nicht einmal Tiere.
Seine Kapuze tief ins Gesicht ziehend stieg der Grilmak aus.
--- Shuttle 1, südlich der Stadt
Mit vibrierenden Schnurrhaaren beobachtete das Katzenwesen noch einen Moment die Statusanzeigen des Shuttles. Die Trägheitsdämpfer hatten für einige Sekunden ausgesetzt, was auf eine Fehlkonfiguration schließen ließ. Seine Manöver waren alle innerhalb der Toleranzen, die ein Starfleet Shuttle eigentlich aushalten müßte.
Ansonsten war er sehr zufrieden, denn das kleine Schiff hatte gehalten, was es versprochen hatte. Wieder einmal stellte er fest, daß er viel zu selten Schiffe wie dieses flog.
Ein paar Kommandosequenzen später wandte Sternenlicht sich wieder Silvana zu: "Triebwerke und Deflektoren sind in Bereitschaft, Silvana, die Analyse der unmittelbaren Umgebung läuft. Ich denke, daß ich dir in rund fünf Minuten erste Meßergebnisse über die genauere Zusammensetzung der Atmosphäre liefern kann. Das sollte für einen ersten Ausflug reichen."
Er wandte sich wieder seiner Konsole zu, auf der gerade eine Reihe von kryptischem Text erschienen war. Über die Schulter sprach er zu Silvana weiter: "Ach ja, Transporter funktionieren hier unten begrenzt, die Energieemmissionen in der Atmosphäre sind hier nicht so stark. Geschätzte Reichweite: 500 Meter.
Funkverbindungen sind ebenfalls gestört, Kommunikation mit der Privateer oder dem anderen Team ist nur vom Shuttle aus und ohne Bildverbindung möglich. Die Reichweite unserer eigenen Communicatoren ist auf etwa 2.500 Meter reduziert.
Shuttle 2 habe ich erwartungsgemäß seit unserem Eintritt in die Atmosphäre nicht mehr auf den Sensoren."
Die Spitzen seiner Ohren sprachen Bände über die Anspannung, mit der der Sivaoaner auf weitere Meßergebnisse wartete.
Kargan hatte nach dem Ausfall der Trägheitsdämpfer seinen medizinischen Tricorder aktiviert und alle Anwesenden gründlich gescannt. Nun stellte er befriedigt fest, daß niemand zu Schaden gekommen war. Durch Sternenlichts Ausführungen aufmerksam gemacht, studierte er ebenfalls die Anzeigen.
"Lebensgefährlich ist die Strahlung da draußen sicher nicht", murmelte er. "Jedenfalls nicht in der kurzen Zeit, die wir dort verbringen werden. Aber ich persönlich würde nicht länger als, na, sagen wir mal eine Woche ohne Schutz draußen bleiben. Ich werde das noch genauer untersuchen.
Wenn ich an die verschwundenen Bewohner denke, gibt es rein theoretisch nun zwei Möglichkeiten: Entweder hatte diese Strahlung auf sie die gleichen Auswirkungen wie auf uns, und sie wußten nicht, wie man sich dagegen schützt, und sie sind deswegen ausgestorben.
Oder sie hat ihnen nicht geschadet, dann hatten sie einen völlig andersartigen Körperaufbau als wir. Möglicherweise benötigten sie sie sogar als Nahrung. Das wäre eine wissenschaftliche Sensation!"
Mit einem kleinen Rundblick setzte er augenverdrehend hinzu: "Auch wenn das hier niemanden interessiert. Ok, gefährliche Mikroben gibt es zwar sicher, ich habe noch keinen Planeten gesehen, auf dem das anders war, aber wir sollten in der Lage sein, Infektionen schnell zu heilen.
Silva, mein Fazit ist: Wir können raus."
"Schade, daß du mir schon die Überraschung verdorben hast, ob die Strahlung da draußen lebensgefährlich ist oder nicht. Ich liebe Glücksspiele, aber eine Woche hier unten zu verbringen habe ich eigentlich nicht vor. Zumindest noch nicht..", fügte Silvana nach kurzem Nachdenken hinzu, während sie sich schon erhob und ihren Körper bewegte um wieder geschmeidig zu werden. Flüge auf denen man sitzen mußte, lagen ihr nicht.
Dabei hatte sie den ganzen Flug über nur auf das Näherkommen des Planeten gestarrt und dabei gefühlt, als ob einige Seelen in ihrer Brust inbrünstig geschrieen hätten. Aber kein Ton war dabei über ihr Lippen gekommen. Der Planet zog sie magisch an. Er roch nach animalischer Wildheit und Unberührtheit.
Ihre Augen funkelten mit einem Mal ganz seltsam, während sie sich regelrecht in das was ihnen der Sichtbildschirm des Shuttles bot hineinfraßen. "Wetten, daß ich da draußen bin, noch bevor Sternenlicht seine Messungen beenden kann?"
Sie konnte es nicht erwarten nach draußen zu kommen. Endlich schnupperte sie wieder Freiheit und ein nicht zu unterschätzendes Risiko. Und sie war mehr als bereit es einzugehen. Das Tier in ihr witterte die sich ihr bietende Chance und nutze sie, noch bevor Sternenlicht sie vielleicht mit seltsamen Messungen davon abhalten konnte.
"Egal was diese Weichlinge von diesem Planeten vertrieben hat, wir sind nicht hier um Ahnenforschung zu betreiben, sondern ihn alles wegzustehlen, was sie vielleicht noch unter ihrem verrotteten Hintern haben." Damit war Silvana auch schon bei der Luke angekommen und öffnete sie ohne Umschweife.
Ein etwas schneidender, aber warmer Wind, wehte ihr entgegen, den sie sofort prüfend durch ihre Lungen atmete und auskostete. Er pfiff durch die Überbleibsel der Stadt. Ruinen, die schon lange von jenem Leben verlassen worden waren von dessen früherer Existenz sie zeugten. Die Natur hatte sich wieder genommen was ihr gehörte.
Alles war überwuchert und bewachsen mit üppigen Blattranken und teilweise wunderschönen Blüten, doch Silvana hatte keine Augen für solche banalen Dinge wie die Schönheit der Natur. Sie atmete ein weiteres Mal tief ein und nahm einen leichten Geruch von etwas wahr, daß ihr vertraut roch und doch unbekannt war.
"Wir sind hier unten sicher nicht allein mit Ruinen, Insekten und Pflanzen. Hier unten ist noch etwas anderes. Etwas.. lebendig atmendes..." Unwillkürlich ging sie in die Hocke, während ihre Augen jeden Zentimeter der Umgebung nach Anzeichen von intelligentem Leben absuchten. Da war nichts und doch fühlte sie sich beobachtet. Ein Instinkt, der sie noch nie betrogen hatte.
Leichtfüßig sprang sie aus dem Shuttle auf den Boden. Jederzeit bereit sich zu verteidigen, wenn es sein mußte.
Aber auch anzugreifen, wenn es ihr Spaß machte...
Der Psychologe erhob sich und ging zum Replikator, um sich ein Verpflegungspack und eine Ration Frischwasser zu replizieren.
"Na, haben wir unsere Ausrüstung vergessen?", fragte plötzlich jemand hinter Collins. Der drehte sich um und vor ihm stand dieser Typ, der keine Witze verstand.
"Wozu gibt es Replikatoren?", fragte Jack und studierte sein Gegenüber.
"Ein Replikator braucht Energie! Energie die wir eventuell noch brauchen", antwortete der Mann. "Darf ich fragen, wer Sie sind?"
'Na, doch noch ein wenig Anstand', dachte Collins. "Mein Name ist Jack Collins. Ich bin hier...", er zögerte, "sagen wir mal Mädchen für alles. Und wer sind Sie?"
"Ah, Collins der Seelenklempner, habe schon von Ihnen gehört. Ich bin Michael Rogers, Sicherheit", antwortete Rogers.
"Na, da können wir ja beruhigt diese Welt erobern, bei soviel Sicherheitsleuten", scherzte Collins.
Rogers verzog keine Miene. "Ihr Humor in Ehren, Collins, aber wir sind hauptsächlich hier um aufzupassen, daß niemand auf die Idee kommt sich selber zu bereichern."
Entweder hatte der Kerl gar keinen Humor, oder es war ein Androide. Der Psychologe verdrehte die Augen und ging dann wortlos zum Ausgang des Shuttles. Ein kurzer Sprung und er stand neben Silvana.
--- vor Shuttle 1
Die Sicherheitschefin stand unbeweglich neben Collins und schien ihre Sinne voll geöffnet zu haben. Jack sog die Luft ein und stutzte. Hier war ein Geruch in der Luft, den er kannte. Es war verdammt lange her, aber er erinnerte sich.
Auf den Agrarplaneten des Solaren Imperiums wurden diese Pflanzen angebaut, eine Getreideart, die während der Blütezeit einen betörenden würzigen Duft abgaben. Aber Collins wußte, das es sich um eine genetisch gezüchtete Pflanze handelte. Wie also sollte sie hierher kommen?
Der Psychologe löste sich von den Bildern in seinen Gedanken, die der Geruch auslöste. Erinnerungen, die eine sehnsüchtiges dumpfes Gefühl der Schwermut hinterließen.
Dieser Planet war voll von Rätseln und dieser so bekannte Geruch war eines von den Rätseln. Dieses wollte Collins auf jeden Fall lösen.
"Wir sollten aufbrechen!", sagte der Psychologe in Richtung Silvana. "Es wird bald hell, und bis dahin würde ich gerne in dieser Stadt sein. Was meinst du, wie sollen wir vorgehen? Wäre vielleicht nicht schlecht, wenn wir uns aufteilen."
Nur langsam konnte sich Silvana von ihren Beobachtungen und ersten Eindrücken lösen. Zu sehr war sie bereits in das alte Verhalten "Jäger und Beute" eingetaucht. Sie hatte bereits Witterung aufgenommen und ihr Instinkt kannte die nächste Umgebung wie ihre Westentasche. Zwar mochte sie Überraschungen, liebte es aber weder in einen Hinterhalt zu geraten noch selbst Opfer zu werden.
"Ich stimme dir zu, Jack. Jetzt haben wir die Dunkelheit auf unserer Seite und ich hatte nicht vor artig hier rumzustehen, bis man uns mit Nachdruck auffordert den Planeten zu verlassen oder den früheren Bewohnern ins Nichts zu folgen." Ihre scharfen Augen wandten sich einem Punkt zu an dem sie ein leises Rascheln vernommen hatte. Gerade noch konnte sie sehen wie sich ein Schatten bewegt hatte, bevor er mit der Dunkelheit verschmolz und mit ihr eins wurde.
Aber sie verlor kein Wort darüber. Zum einen, weil eine übervorsichtige Gruppe nicht nur sehr viel Zeit verlor und zum anderen, weil ihr Gegner sich vielleicht unvorsichtig zu erkennen geben würde, wenn er meinte, daß niemand von ihm Notiz nahm.
"Zwar haben wir uns schon aufgeteilt, weshalb die andere Gruppe am anderen Ende der Stadt gelandet ist und je kleiner die Gruppen werden, desto leichter kann man sie auch überwältigen, aber da wir es scheinbar mit einer sehr langsamen Gruppe", ihr Blick schweifte unwillkürlich Richtung Shuttle und ihr war anzumerken, was sie von der Schnelligkeit der Insassen hielt, "zu tun haben, wäre ich auch für eine Teilung."
Dann fixierten ihre gelben Augen den Mann neben sich und ihr Blick fing den seinen ein. "Rogers wird schon auf die anderen aufpassen, außerdem ist Sternenlicht nicht gerade ein Kätzchen und Kargan ein Klingone. Was hältst du davon, wenn wir beide uns einfach aus dem Staub machen und uns die Ruinen aus der Nähe ansehen?
Das Gebäude dort drüben sieht mir sehr vielversprechend aus." Ihre Hand deutete auf ein Haus, das sich deutlich von den anderen unterschied. Es stand, wirkte aber so, als könnte es jederzeit einstürzen. Im Gegensatz zu den anderen Häusern war sein Stil völlig anderer Natur. Gerade so, als sollte dieses Haus etwas Besonderes darstellen.
Die runde Kuppel glänzte schon lange nicht mehr, sondern war mit Moos bewachsen und durch den Eingang war schon lange niemand mehr gegangen nach der üppigen Vegetation zu schließen. Trotzdem wirkte der Weg, als wurde er häufig benutzt. Ein Widerspruch in sich.
Silvanas Warnlämpchen schlugen an. Mit dem Erfolg, daß es sie genau dorthin zog. "Also... kommst du mit?"
--- Shuttle 2, nördlich der Stadt
Nachdem der Grilmak das Shuttle verlassen hatte, wandte sich Nathalie an die nächste Konsole, verfaßte einen kurzen Statusbericht mit ihrer aktuellen Position und dem Hinweis, daß ihr Team zur Erkundung der entdeckten Stadt bald aufbrach, und sandte die Botschaft an das andere Shuttle.
Voltak, der schweigsame Vulkanier, war gerade dabei, die wichtigsten Schiffssysteme zu überprüfen. Anscheinend traute er der erstaunlich weichen Landung Pormas' nicht ganz über den Weg. Zumindest mutmaßte Natty dies, da er die Vorliebe der Vulkanier, ihre Augenbrauen bis zum Haaransatz hochzuziehen, gerade ergiebig auslebte.
Während sie noch über diesen Gedanken lächelte, beschloß sie KWinh nach draußen zu folgen. Ihr war nicht ganz wohl dabei, jemanden, für den sie verantwortlich war, alleine zu lassen. Schließlich konnte man nicht wissen, ob nicht eine bösartige Kreatur ihre Landung beobachtet hatte und auf ein spätes Abendmahl lauerte.
--- vor Shuttle 2
Aufmerksam sich umschauend und mit einer Hand auf ihrem Phaser trat Natty an KWinh heran. Es wunderte sie ein wenig, daß er ein Sichtgerät benutzte. Nathalie verfügte zwar über ein ganz gutes Sehvermögen, doch auch ohne konnte man sich in der Dämmerung eigentlich noch gut zurechtfinden. 'Ob's an seinen Augen liegt? Herrgott, ich kenne ihn wirklich kaum...'
Sie stieß einen lauten Seufzer aus - der prompt von hohen Lauten beantwortet wurde. Anscheinend waren sie nicht allein...
Nur die Tatsache, daß die abklingenden Rufe aus einiger Entfernung kamen, beruhigte sie ein wenig. Wahrscheinlich war es nur Zufall, daß sie nach ihrem Seufzer auftraten. 'Oder das Vieh hat verdammt gute Ohren!', dachte Nathalie und schluckte. Sie hoffte bloß, daß es nicht auch noch verdammt hungrig war.
"Irgendwie gefällt's mir hier nicht!", flüsterte sie dem Grilmak zu. "Wir sollten die Sache schnell hinter uns bringen! Und wir sollten uns beeilen, wenn wir den Schutz der Dämmerung ausnutzen wollen."
Lächelnd drehte sich KWinh zu Natty um: "Ich denke, unsere Sicherheit ist in guten Händen." Dafür bekam er ein schiefes Grinsen zurück, was allerdings durch die Sicht des Visors noch schiefer wirkte.
Aus den Augenwinkeln bemerkte der Techniker, wie auch die anderen Mitglieder der Shuttlebesatzung zumindest am Ausgang erschienen. Der Pilot unterhielt sich dort heftig mit dem Vulkanier, wirkte jedoch nicht so ruhig wie dieser. 'Oder auch nicht', dachte KWinh bei sich.
Nachdem er sich mit einem letzten Blick in die Umgebung überzeugt hatte, daß keine unmittelbare Gefahr drohte, legte der Grilmak seinen Visor ab und aktivierte seinen Tricorder. "In dieser Richtung gibt es eindeutig Spuren elektromagnetischer Emissionen, zu regelmäßig um natürlichen Ursprungs zu sein... und auch Fauna."
Fragend schaute er zum Shuttle zurück. Es war wirklich Zeit zum Aufbrechen. Mit seinem Daumen aktivierte der Grilmakpriester seinen Stab, der dies durch ein kurzes Flackern anzeigte.
"Vergessen Sie es!", fuhr Pormas den Vulkanier sauer an. "Ich werde bestimmt nicht im Shuttle bleiben und simulierte Shuttleflüge absolvieren!" Was zuviel war, war zuviel. Nicht nur, daß dieses Spitzohr ihn mit einem zermürbenden Blick die ganze Zeit zu durchbohren versuchte, nun wollte Voltak ihn auch noch zu einem Flugschüler degradieren!
"Logisch wäre es aber, daß im Falle eines Notfalls jemand schon im Shuttle wäre, der auch ohne die Hilfe des Computers vom Planeten abheben kann", erwiderte der Vulkanier stoisch gelassen. Ihm war einfach nicht beizubringen, daß die Wahrscheinlichkeit eines Autopilotenausfalles verschwindend gering war.
"Also gut", räumte Pormas ein. Voltak hob schon erwartend die rechte Augenbraue, da dieser mit einem so leichten Sieg nicht gerechnet hatte. Zurecht. "In Anbetracht der Logik Ihrer Argumentation muß ich Ihnen zustimmen. Aber Sie haben recht, ich kann wirklich kein Shuttle fliegen. Daher bin ich froh, daß wir in Ihnen ein sehr zuverlässiges Crewmitglied gefunden haben, was diese Aufgabe übernimmt.
Danke im Namen Aller, Sie sind wirklich die beste Wahl."
Verblüfft erhoben sich nun beide Augenbrauen des Vulkaniers, der mit dieser Antwort wirklich nicht gerechnet hatte. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren zog Pormas seinen Helm auf und ging hinaus und bevor Voltak etwas erwidern konnte, schloß der Südländer von außen das ansonsten leere Shuttle.
"So Leute. Voltak hat sich netter Weise bereit erklärt das Shuttle zu bewachen und außerdem wollte er noch ein paar Simulationen testen. Also wären wir noch zu viert, also geht's los?"
"So Leute. Voltak hat sich netter Weise bereit erklärt das Shuttle zu bewachen und außerdem wollte er noch ein paar Simulationen testen. Also wären wir noch zu viert, also geht's los?"
Llewella schrak bei den Worten des Südländers aus ihren Gedanken hoch. Lange Zeit war sie nur dagestanden und hatte die Landschaft betrachtet und ihre Sinne schweifen lassen.
In nicht allzuweiter Entfernung erhoben sich schroffe, wildromantische Bergzüge aus weißem Gestein, auf deren Spitzen Schnee lag und die jetzt bereits als Vorahnung auf einen Sonnenaufgang begannen, leicht rot zu glühen. Ihr Feuer schien aus den Tiefen des Gesteins zu kommen.
Die Füße der Berge lagen jedoch noch im Schatten. Das Versprechen des Tageslichtes war bislang nicht mehr als eine Andeutung.
Die Ruinen der Stadt waren ebenfalls atemberaubend. Am äußeren Rand etliche Häuser, deren ursprünglich einfacher Bau noch zu erahnen war. Irgendwo im Zentrum der Stadt schien sich ein ausgesprochen hohes Gebäude zu befinden. Es hatte eine Art Turm, der die anderen Häuser um Längen überragte. Auch bei diesem Turm hatte die Schottin das Gefühl, daß er zu gut erhalten war im Verhältnis zum Zustand der restlichen Stadt.
Die hochgewachsene Frau ergriff ihren Tricorder, in dem sämtliche Daten der Expeditionsteilnehmer eingespeichert waren. Möglichst unauffällig scannte sie Pormas, den Grilmak und Nathalie, aber bislang schienen keine Veränderungen aufzutreten, auch nicht bei ihr.
Was Sternenlichts Scans wohl inzwischen herausgefunden hatten? Sie bedauerte sehr, nicht mit dem Wissenschaftler in einem Shuttle zu sein, denn trotz ihrer biochemischen Zusatzausbildung war sie eben Ärztin und keine Wissenschaftlerin.
"Also gut, dann würde ich vorschlagen, wir fangen mal mit dem Stadtteil hier an", meinte Llewella zu den anderen. "Aber ich denke, wir sollten ausgesprochen vorsichtig sein, da hier doch etliche Ungereimtheiten sind. Mich irritiert der stark unterschiedlicht Zustand der Gebäude sehr...", schloß sie ihre Ausführungen.
"In Ordnung, ich gehe vor!", murmelte Nathalie und widmete ihre Aufmerksamkeit bereits voll und ganz der Umgebung. Während sie mit den Augen die nicht weit entfernten ersten Häuser nach Ungewöhnlichem absuchte, konzentrierte sie sich gleichzeitig auf die Geräusche hinter ihr.
Den seltsamen Schrei von vorhin hatte sie nicht vergessen, doch nun war alles ruhig. Das einzige, was sie hörte, waren die leisen Schritte auf dem mit kurzem Gras bedeckten Boden von dem Rest des Teams.
--- vor Shuttle 1, südlich der Stadt
Jack musterte Silvana. "Ich bin immer für ein kleines Abenteuer bereit!", sagte er. "Aber es wäre unfair, wenn wir den anderen nicht Bescheid geben."
Der Psychologe hatte noch gar nicht ausgesprochen, als plötzlich Rogers hinter ihnen aus dem Shuttle stieg. "Worüber Bescheid geben?", fragte er neugierig.
"Wir wollen uns mal die architektonische Meisterleistung dort drüben ansehen", sagte Collins. "Allein!", fügte er grinsend hinzu. Rogers Augen wanderten zu Silvana, deren Kopf bestimmend nickte.
"Gut, wenn ihr meint!", sagte der Sicherheitsmann mit säuerlichem Gesicht. "Dann kümmere ich mich um die anderen beiden. Es wäre gut, wenn ihr euch in gewissen Abständen mal meldet, ok?"
Silvana stellte sich breitbeinig vor Rogers hin und fragte ihn: "Sonst noch etwas gefällig? Händchenhalten, eine Tüte Milch für den Kleinen oder muß man ihm noch die Brust geben?" Ihre Augen schienen Funken zu sprühen. "Natürlich melden wir uns von Zeit zu Zeit. Ich habe bereits länger im Weltraum überlebt, als du überhaupt auf der Welt bist."
Damit drehte sich sich um, ohne auf eine Reaktion zu warten und ging dann federnden Schrittes auf das Gebäude zu. Collins folgte ihr und nach ein paar Minuten standen sie vor dem Gebäude.
--- südlich der Stadt, vor einem Gebäude
Jack blickte zurück und konnte undeutlich das Shuttle erkennen. Man konnte fast meinen, es wäre ein Pfad, auf dem sie hierhergelaufen waren. Links und rechts wucherte die Vegetation und ausgerechnet ein schnurgrades Stück Boden wurde davon ausgelassen.
Nach den Messungen von Collins Tricorder befanden sich im Umkreis von hundert Metern keine größeren Lebewesen. Das Gerät zeigte auch keine großartigen Energieemissionen an, was natürlich nicht ausschloß, daß es welche gab, die aber gut abgeschirmt waren.
Silvana stand vor einem großem Loch, das mit sehr vielen Pflanzen fast dichtgewachsen war und wohl den Eingang darstellte. "Wollen wir rein?", fragte der Psychologe. "Klopf aber an, sonst denken die da drinnen noch wir sind unhöflich!", feixte er hinterher.
"Das will ich natürlich auf keinen Fall", grinste Silvana und trat mit voller Wucht gegen die Wand des Gebäudes. Drinnen hörte man daraufhin wie etwas umfiel oder ein Teil der Decke sich von seinem ursprünglichen Zweck entfremdet hatte.
"Nur für den Fall, daß die Hütte vorhat über unseren Köpfen einzustürzen, wenn wir drin sind. Die Hütte, die meinem Tritt standhält, die stürzt nicht ein. Jedenfalls nicht ohne fremde Hilfe...", fügte sie hinzu und schlängelte sich so durch die Pflanzen, daß sie fast unberührt blieben und als lästiges Hindernis für Jack zurückblieben.
--- nördlicher Stadtrand
Als Team 2 die ersten Gebäude erreicht hatte, zog Nathalie vorsichtshalber ihren Tricorder hervor und scannte die Umgebung. Eine breite, ungepflasterte Straße führte tiefer in die Stadt. Die Gebäude am Stadtrand waren zum Teil noch recht gut erhalten, doch an vielen Stellen bröckelten bereits die Wände. Insgesamt wirkte es sehr staubig. Auch die wenigen Pflanzen, die begonnen hatten, die Gebäude zu überwuchern und aus den Ritzen der Wände hervorquollen, änderten nicht viel an dem Bild.
Alles in allem wirkte es wie eine seit Jahrzehnten verlassene Geisterstadt auf Nathalie und sie schauderte. Sie warf einen Blick auf die restlichen Teammitglieder, doch die sahen sich völlig fasziniert um und beachteten sie nicht.
Dennoch fühlte Nathalie sich beobachtet, was zum Teil auch an den vielen Schatten lag, die die Dämmerung bot. Und an den Häuserruinen, deren glas- und vorhanglose Fenster wie dunkle Höhlen eines lauernden Monsters aussahen.
Etwas weiter die Straße hinab erkannte Natty in dem dämmrigen Licht, daß die Architekten die Stadt sehr verwoben gebaut hatten. Einige breite Steintreppen führten zu verschiedenen Terrassen und kleineren Plätzen, die einzelnen Gebäude standen teilweise so eng zusammen, daß sie kaum noch als einzelne zu erkennen waren.
Irgendwie weckte aber genau das den Entdeckungsdrang der jungen Frau, doch sie wandte sich zunächst an die anderen, die ebenfalls die Umgebung abscannten.
"Nun, scheint tatsächlich verlassen zu sein - zumindest hier. Wollt ihr euch noch weiter hier umschauen oder sollen wir weiter vordringen?", fragte Nathalie mit glühendem Eifer in den Augen.
"Wir sollten auf jeden Fall weiter in Richtung Stadtkern vorstoßen. Die Emissionen beginnen allerdings ein gutes Stück vor dem hohen Turm. Falls wir nichts sonst finden, können wir uns immer noch um die Ruinen kümmern."
Der Grilmak deutete vage in Richtung Stadtmitte und die Gruppe setzte sich wieder in Bewegung. Bald waren sie von tiefen Häuserschluchten umgeben, er schätzte ungefähr sieben oder acht Meter ab. Da es kaum Fenster gab, war es nicht möglich die Stockwerke zu zählen.
Als die Gruppe eine Kreuzung erreichte, stellte sich heraus, daß alle Wege außer dem, den sie gekommen waren durch Schutt zusammengefallener Gebäude versperrt waren. Wollten sie ihren geplante Weg fortsetzen, blieb wohl nur, durch die Häuser zu gehen. Da ihm das nicht besonders gefiel, fragte KWinh. "Hat jemand einen Vorschlag?"
Llewella blickte sich aufmerksam um. Immer wieder hatte sie die Umgebung, durch die sie sich vorsichtig vorwärts bewegten gescannt - und niemals Hinweise auf Lebewesen gefunden.
"Was mich gewaltig irritiert", fing sie nun zu sprechen an, "ist, daß es hier in diesen Ruinen nichts Lebendiges gibt. Die Natur hat sie sich zurückerobert - aber nur die Flora, nicht die Fauna. Ich kann nicht einmal Kleinsäuger oder Vögel feststellen! Das ist ausgesprochen unnatürlich, würde ich sagen!"
Wieder betrachtete sie die Daten der Crew. Noch keine Unregelmäßigkeiten außer einem leicht erhöhten Adrenalinspiegel, was angesichts der Situation völlig normal war.
Nichts deutete auf irgend etwas Ungewöhnliches in dieser verlassenen Stadt hin. Und trotzdem hatte sie ein da ein ganz mieses Gefühl...
Dann antwortete sie auf die Frage des Grilmak: "Durch die Straßen scheinen wir nicht zu kommen. Durch die Häuser zu gehen finde ich ziemlich leichtsinnig, da die Dinger recht baufällig sind und uns womöglich über unseren Köpfen zusammenbrechen, wenn unsere Schritte Echos werfen", bei diesen Worten huschte ein kurzes Grinsen über das Gesicht der Schottin.
"Vielleicht wäre es sinnvoll, ein wenig zurückzugehen und diesen Bereich weiträumig zu umgehen...?"
Nathalie schüttelte den Kopf. "Wir würden dann noch mehr Zeit verlieren." Ungeduldig spähte sie zu dem Trümmerhaufen hinüber. Sie selbst traute sich zu, darüber auf die andere Seite zu klettern, doch sie konnte es nicht riskieren, daß einer ihrer Kameraden auf dem losen Schutt ausrutschte und sich womöglich schwer verletzte. Und sich vom Team zu trennen, hielt sie auch für keine gute Idee.
"Ich finde, es wird Zeit, sich die Häuser näher anzusehen." Von Pormas kam kein Einwand und KWinh hatte den Vorschlag ja selbst gemacht. Nur Llewella schaute skeptisch.
"Ich gehe vor. Und wenn mir die Decke tatsächlich auf den Kopf fallen sollte - nun ja, du weißt wohl am besten, was dann zu tun ist!" Sie lächelte der jungen Frau aufmunternd zu. "Außerdem sind wir ja nicht für einen Spaziergang hier, sondern um etwas zu finden. Etwas Risiko gehört zum Job! Und ich gehe jetzt auf die Suche!"
Vorsichtshalber zog Natty ihren Phaser aus dem Halfter - ihr war ein wenig mulmig, in einen der dunklen Räume zu treten - wählte ein relativ großes Gebäude auf der rechten Seite aus, welches noch einigermaßen stabil aussah, und ging hinein.
--- südlich der Stadt, in einem alten Gebäude
Silvana grinste leicht, als der Psychologe sich seinen Weg hindurchbahnte, während ihre Augen aber sofort begannen die Umgebung zu durchsuchen. Ihre Katzenaugen sahen dabei weit mehr in der Dunkelheit, doch sie konnte für ihren Geschmack auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches entdecken, dazu hatte sie schon zu viele Planeten und Häuser gesehen.
Jedenfalls, wenn man von der Tatsache absah, daß in einer Ecke ein paar Knochen lagen, deren Ursprung nicht deutlich erkennbar waren. Sie lagen nicht dort, als hätte sie jemand nach einem Essen hingeworfen, sondern sie alle waren fein säuberlich gestapelt worden.
Ohne Zeit zu verlieren, ging Silvana zu dieser seltsamen Anrichte. Der einfache Tontopf vor dem Haufen interessierte sie erst jetzt. Tastend griff sie mit den Fingern hinein. Ihre Fingerkuppen tauchten in Feuchtigkeit. Hastig zog sie sie wieder hervor, rieb die Flüssigkeit zwischen zwei Fingern und roch daran.
Dann glitt ihr Blick prüfend nach oben. Doch die Decke gab keinen Blick auf den Himmel frei.
"Jack, was sagen deine Instinkte dazu, daß hier ein Gefäß mit Wasser steht? Nein, es ist nicht brackig..."
Der Psychologe roch an dem Wasser, es war in der Tat frisch. Und auch die Knochen sahen nicht aus, als wenn sie hier schon länger lagen.
"Ich würde mal sagen, wer so diniert wird nicht unbedingt primitiv sein!", kommentierte Jack und zog seinen Tricorder aus einer seiner Jackentaschen.
Prüfend drehte sich der Psychologe und sah abwechselnd in die Dunkelheit des Raumes und auf das Display des Tricorders. Nichts!
Collins ging vorsichtig um die Anrichte. Dahinter befand sich eine Art Sitzgelegenheit. Der Tricorder schwieg weiterhin.
"Irgendwas ist hier faul", sagt Jack und in ihm begann eine Alarmglocke zu läuten. Die Anzeige auf seinem Tricorder gab ihm Recht, er registrierte jetzt eine leichte Emissionsstrahlung einer Energiequelle. 'Wie von einem Schutzschild, oder...'
"...eine Tarnvorrichtung!", vollendete er laut seine Gedanken. "Und eine verdammt gute sogar!"
Silvana ging sofort in eine Angriffstellung und Collins zog seinen Thermostrahler. Irgend etwas polterte kurz und eine kleine Staubwolke formte sich in dem schwachen Dämmerlicht, das durch das marode Dach fiel. Dann war schlagartig Ruhe.
Der Tricorder zeigte nichts mehr an. "Da haben wir wohl jemanden aufgescheucht, hoffentlich holt der nicht noch seine Kumpels. Die Tarntechnologie ist effektiver, wie alle die ich bisher kannte." Collins klappte das Gerät zusammen. "Das wäre doch schon mal was für unseren Captain, oder?"
"Verdammt", fluchte Silvana und konnte sich sichtlich nur schwer dazu durchringen ihre Angriffsstellung wieder aufzugeben. Trotzdem rang sie sich schließlich dazu durch, was nach Außen den Anschein vermitteln sollte, daß sie noch immer arglos waren und die Anwesenheit dieser Person - oder was auch immer es auch gewesen sein sollte - nicht bemerkt hatten, sondern nur zufällig etwas beobachtet hatten, was sie nicht auswerten konnte.
Aber natürlich war es anders.
Ihre Nackenhaare waren noch immer gesträubt, ihre katzenartigen Augen durchsuchten unauffällig jeden Zentimeter Raum, während sie angespannt ins Dunkel lauschte und doch schien sie ganz gelassen zu sein, als sie zu Jack meinte: "Du kannst deinen süßen Hintern darauf verwetten, daß Slade uns die Füße küssen würde, wenn wir ihm diese Technologie beschaffen. Eine tolle Gelegenheit, selbst Großohr Narbo auszuspionieren.
Fragt sich nur, ob unsere Freunde sie freiwillig rausrücken werden, wenn wir sie nett darum bitten." Ihre Hand spielte demonstrativ am Schaft ihrer hohen Stiefel in denen ihre Wurfmesser steckten. "Ich habe da, ehrlich gesagt, so meine Zweifel."
Für einen Moment überlegte sie, ob sie den anderen Bescheid geben sollten, daß ihre Messungen ihnen falsche Ergebnisse bringen würden, doch dann verwarf sie den Gedanken wieder. Es hatte keinen Sinn die Pferde scheu zu machen und ihre "Besucher" stutzig zu machen, wenn ihre "Gäste" plötzlich übertrieben vorsichtig reagierten.
"Ich denke, wir sollten die anderen ihre eigenen Erfahrungen sammeln lassen. Wäre man uns feindlich gesinnt, wären wir sofort angegriffen worden. Einen Vorteil, den sie sich durch Unvorsichtigkeit vergeben haben. Egal womit wir es zu tun haben, sie scheinen ebenso neugierig auf uns zu sein, wie wir es auf sie sind." Silvana hockte sich wieder vor die Knochen und scannte sie, einer inneren Eingebung folgend.
"Hast du einen Plan, was wir als Nächstes machen? Wenn nicht, wäre ich dafür mal nach oben zu gehen..." Sie deutete auf eine schmale, durch die Dunkelheit fast unsichtbare Art Aufgang, der sich nahe der Wand nach oben schlängelte. Dann deutete ihr Kinn abwertend auf den Knochenhaufen. "Ich habe Verständnis für Essensreste, aber ich finde es reichlich abartig, Turmaufbauten aus falschen Knochen herumliegen zu lassen. Entweder sie haben keinen Sinn für Kunst oder haben einen seltsamen Sinn für Humor."
--- nördlicher Stadtrand, großes Gebäude
Während Nathalie noch an der Türschwelle stand, um ihre Augen an die Dunkelheit zu gewöhnen, fiel ihr auf, wie eine schwache Brise durch den Raum fuhr. Nathalie spähte angestrengt in die Finsternis, doch mit dem kurzen, seichten Windhauch verschwand auch gleichzeitig das Gefühl, beobachtet zu werden.
Irritiert flüsterte Nathalie über ihre Schulter hinweg: "Llewella, kannst du irgendwelche Lebenszeichen ausmachen?"
Sie hatte das seltsame Gefühl, als ob gerade jemand den Raum verlassen hatte, doch ihr Tricorder zeigte bis auf die Teammitglieder nichts und niemanden an.
Innerlich aufseufzend war die hochgewachsene Schottin der Sicherheitlerin gefolgt. Kaum zu glauben, daß jemand, der so naiv und risikofreudig war, in der Sicherheit arbeiten sollte. Immerhin brachte sie hier erst mal das Leben der gesamten Gruppe in Gefahr, ohne daß man vorher Alternativen gesucht hätte.
Aber alle waren der Sicherheitlerin gefolgt. Wie eine Herde Schafe, die in ihr Verderben rannte. Sie eingeschlossen. Immerhin hatte der Grilmak vorher auch nicht gerade begeistert aus der Wäsche geschaut, aber er war mitgegangen.
Aufmerksam scannte die Schottin die Umgegend. "Nein", wandte sie sich dann an Nathalie, "ich kann hier nichts Lebendes außer uns feststellen!"
KWinh betrachtete seinen Tricorder. Ungläubig prüfte er die Werte und stellte fest, daß die Ärztin Recht hatte. Es gab wirklich nichts Lebendes in der Nähe. Auch die Werte, die er von außerhalb der Stadt empfangen hatte, waren verschwunden.
Er nahm sich vor, der Sache auf den Grund zu gehen, sollte sich die Möglichkeit dazu ergeben. Die Wände waren nackt und trotzdem hallten ihre Schritte kaum wieder. Ein seltsames Phänomen, das durch nichts, was der Tricorder anzeigte, zu erklären war.
Die Kugel auf seinem Stab spendete dem Techniker etwas Licht, aber es war absolut nichts Ugewöhnliches zu erkennen. Einige Meter weiter war eine Tür sichtbar geworden.
Vorsichtig bewegte sich die Gruppe auf die Türe zu, die fast nur noch eine Öffnung in der Wand war. An der einen Seite konnte man noch die Überreste einer in den Angeln hängenden Türe erkennen. "Die verwenden ja hier denselben Mechanismus wie auf der Erde", schoß es Llewella durch den Kopf. Fast im selben Augenblick mußte sie schmunzeln, als sie erkannte, wie absurd dieser Gedanke war.
Die Schottin blickte vorsichtig in den angrenzenden Raum. Er war stockfinster, keinerlei Fenster oder Öffnungen im Dach erhellten ihn. Llewella bat KWinh, mit seinem Stab ein wenig in den Raum zu leuchten. Was sie dann sah, erschreckte sie nicht wenig: Der Raum hatte keinen Boden.
Ein Loch gähnte dort, wo eigentlich der Fußboden hätte sein sollen. Ein Loch von ungeahnten Ausmaßen, denn es schien, soweit man das im Dämmerlicht des Stabes erkennen konnte, den ganzen Raum auszufüllen - und dieser war groß. Zumindest konnte man nicht erkennen, wie groß, denn die gegenüberliegende Wand war nicht zu sehen.
Die hochgewachsene Frau richtete ihren Tricorder in den Raum hinein. Wie erwartet, zeigte er: Nichts. Einfach nichts. Überlegend betrachtete die Schottin die Anzeigen.
"Das hier ist merkwürdig", meinte sie dann. "Der Tricorder erkennt keine Unebenheiten am Boden. Er behauptet tatsächlich, dieser sei ziemlich eben..." Irritiert schüttelte sie den Kopf.
Erinnerungsfetzen kamen ihr in den Sinn. Ben Nevis, der Gipfel schneebedeckt. Vor ihr ein Abgrund, gerade breit genug, um darüberspringen zu können. Wenn man gut sprang und etwas Glück hatte. Hinter ihr ein Steilhang, den sie nach einem Fehltritt gerade heruntergerutscht war.
Wie durch ein Wunder hatte dieses schmale Plateau ihren Sturz aufgehalten, bei dem sie etliche Steine losgetreten hatte, die jetzt unaufhaltsam in die Tiefe rollten und erst nach einiger Zeit von ihrer Landung am Grund des Grabens kündigten...
Die Rothaarige schüttelte die Erinnerungen ab. Sie hatte damals überlebt, mehr zählte nicht. Sie sah sich um, bückte sich dann und ergriff einen herumliegenden Stein, den sie in den bodenlosen Raum warf.
Sofort hörte man das Geräusch seiner Landung. Auch dieser Stein deutete darauf hin, daß der Raum tatsächlich einen Boden hatte.
Llewella wandte sich an den Grilmak-Techniker: "Die scheinen hier eine Art Holo-Technologie einzusetzen. Können Sie da irgend etwas feststellen?"
--- Shuttle 1, südlich der Stadt
Kargan war mit seinen Untersuchungen fertig. Er hatte so schnell gearbeitet, daß die Fülle an Informationen, die die Sensoren ihm geliefert hatten, leichte Kopfschmerzen bei ihm zurückgelassen hatten. Irgendwann war es wohltuend ruhig um ihn herum geworden, was er als angenehm empfunden hatte.
Nun schaute er sich um und bemerkte den Grund für diese Ruhe. Sternenlicht arbeitete ähnlich konzentriert wie er, und der Sicherheitsmann - Kargan hatte seinen Namen vergessen - hatte sich niedergelassen und beschäftigte sich mit seinem Phaser.
Der klingonische Arzt schloß daraus, daß Silvana und Collins schon seit längerer Zeit draußen waren. Leider hatte er sich den Zeitpunkt nicht gemerkt, wann es so schön ruhig geworden war, deshalb fragte er den Sicherheitler: "Seit wann ist Ihre Chefin schon draußen?"
Dieser antwortete aufgeschreckt: "Schon eine ganze Weile, ich habe nicht auf die Uhr geschaut."
Leise fluchend blickte Kargan auf den Sivaoaner, der nicht einmal aufgeschaut hatte. Nein, Sternenlicht würde auch nicht wissen, wie lange die Beiden schon der fremden Umwelt ausgesetzt waren. Dummerweise hatte er sich zuerst viel zu sehr auf die Strahlung konzentriert, bis er sich ganz sicher war, daß diese wirklich erst nach ein paar Tagen oder Wochen - je nach Physiologie der betreffenden Person - schädigende Wirkungen zeigen würden.
Danach hatte er sich auf die Mikroben gestürzt - und schließlich eine spezielle Pilzform isoliert. Es handelte sich hier offenbar um eine recht aggressive Abart des ivorianischen Stroboliphasus Flavus, der offene Wunden zu befallen pflegte und von dort aus den befallenen Organismus zu zersetzen begann. Wie Kargan schnell herausfand, war der Impfstoff, den man vor ein paar Jahren auf Ivor entwickelt hatte, auch gegen die hiesige Form wirksam.
Kargan schnappte sich ein paar Ampullen und wollte das Shuttle verlassen, als der Sicherheitsmann ihn daran hinderte. "Silvana hat mir befohlen, auf Sie Beide aufzupassen. Das kann ich nur, wenn Sie zusammenbleiben. Entweder gehen wir alle Drei raus, oder keiner."
Der Chefarzt rollte mit den Augen und bedauerte, daß er sein Bat'Leth in seinem Quartier gelassen hatte. Dann setzte er ein Hypospray an seinem Hals an und impfte sich gegen diesen Pilz. Anschließend behandelte er Sternenlicht, der davon bei seiner Arbeit gestört wurde und aufsah. Kargan drückte ihm ein Hypospray in die Hand und murmelte ein paar Worte.
Als der Sivaoaner sich umdrehte und fragte: "Was meinst du damit - wenn er aufwacht, gib ihm die, dann lassen die Kopfschmerzen nach?", sah er nur noch, wie der Sicherheitsmann ohnmächtig auf die Erde schlug.
"Damit meinte ich, daß er nach diesem Schlag an die Schläfe ziemliche Kopfschmerzen bekommen wird", erwiderte Kargan trocken. "Ich muß raus und den Beiden dieses Mittel geben, sonst könnte es recht unangenehm werden. Und er wollte uns drei nur zusammen gehen lassen.
Wahrscheinlich habe ich ihm sowieso das Leben gerettet. Hast du jemals Captain Kirks Abenteuer gelesen? Sie waren Pflichtlektüre an der Sternenflottenakademie. Fast bei jedem Außeneinsatz ist ein namenloser Sicherheitsmann ums Leben gekommen. Oder weißt du seinen Namen?"
"Rogers. Michael Rogers."
Durch Sternenlichts simple Antwort ließ Kargan sich nicht aus der Ruhe bringen. "Sicherheitsmänner mit Namen sterben sehr viel dramatischer."
"Im Übrigen bin ich fertig, und würde jetzt gerne auch die anderen suchen gehen", sagte Sternenlicht, der sich nun sicher war, daß der Chefarzt genauso geistesgestört wie die Sicherheitschefin war.
Kargan verdrehte die Augen und schüttelte den Kopf. Katzen...
Ein weiteres Hypospray brachte Rogers schnell wieder auf die Beine.
Dieser schnappte nach Luft und wollte wutentbrannt aufbrausen, woraufhin Kargan mit ein paar trockenen Worten konterte: "Noch ein Wort, und ich erzähle Ihrer Chefin, daß Sie sich sogar von Ärzten mit einem Schlag außer Gefecht setzen lassen. Wenn Sie Glück haben, nimmt Silva Sie dann noch als Ballast mit zurück. Wenn nicht, dürfen Sie sich hier ein schönes kleines Häuschen bauen..."
Rogers schluckte, faßte sich dann aber. Schließlich war es durchaus möglich, daß dieser Dr. Klingon ihn einmal auf der Krankenstation in die Finger bekäme, und man hörte ja so allerhand in der Gerüchteküche. Nein, Rogers wollte ihn nicht unnötig reizen. Nein, das wollte er nicht. Deshalb sagte er: "Hm, ja. Die Chefin hat gesagt, daß sie den Kuppelbau untersuchen wollte. Ich denke, sie ist noch da drin."
Als Kargan und er sich gerade zum Gehen wenden wollten, bekam Sternenlicht einen leicht glasigen Blick. "Moment, da fällt mir gerade noch etwas ein. Geht ihr schon mal vor, ich komme dann nach", sagte er, während er seine ganze Aufmerksamkeit wieder seiner Konsole widmete.
Kargan verdrehte die Augen erneut und schickte den Sicherheitler wortlos mit einem gezielten Faustschlag - diesmal an die andere Schläfe - wieder ins Reich der Träume.
Anschließend begab er sich auf die Suche nach Silvana und Collins.
--- südlich der Stadt, im alten Gebäude
"Falsche Knochen?", Collins schüttelte ungläubig den Kopf und sah sich nun auch die Knochen genauer an. Es stimmte, diese Knochen waren künstlich. Aber was bezweckte man damit?
Es war sehr verwirrend. "Es könnte ja sein, daß diese Knochen nur zur Abschreckung hier liegen. Vielleicht wird da jemanden suggeriert, daß in dieser Stadt böse Geister wohnen, die Menschen oder was auch immer fressen", überlegte der Psychologe laut.
"Okay!" Collins sah zu dem Aufgang. Inzwischen wurde es draußen langsam heller und die Sicht in diesem Raum langsam besser. "Wir können uns oben ja mal einen Überblick verschaffen, obwohl ich denke, daß die wahren Schätze eher weiter unter der Erde zu finden sind."
Die beiden näherten sich vorsichtig dem Aufstieg. Jack versuchte vergebens Spuren in dem auf dem Boden liegenden Staub zu finden.
Der Aufstieg ähnelte einer Treppe, allerdings ließen die Treppenstufen vermuten, das die Erbauer etwas größer waren als ein Mensch. Die Stufen gingen wie eine Wendeltreppe um eine dicke Säule nach oben.
Wie eine Katze schlich Silvana vor Collins den Aufstieg hinauf. Die Treppe endete in einem großen runden Raum. Ringsherum mußten früher Panoramascheiben gewesen sein, jetzt wehte nur noch eine kühle Morgenbrise durch die riesigen Öffnungen herein.
--- im alten Gebäude, Obergeschoß
Der erste Sonnenstrahl fiel in diesen riesigen runden Raum und tauchte ihn in ein orangefarbenes Licht. Über ihnen spannte sich eine Kuppel aus einem unbekannten Metall. Sie war sehr gut erhalten.
Der Fußboden allerdings sah sehr verwüstet aus. Überall waren Löcher, durch die man einen Blick nach unten in den Raum hatte, aus dem sie hochgekommen waren, allerdings war es unten noch zu dunkel um etwas zu erkennen.
Collins zückte wieder seinen Tricorder. "Die Löcher stammen von Energiewaffen. Ist aber schon lange her." Dann sah er hinaus und war für einen Moment überwältigt von den Anblick. Der Himmel war türkisfarben und am Horizont ging eine orangerote Sonne über den Dächern einer Geisterstadt auf.
"Wir müssen irgendwie versuchen die Spur dieses Wesens wieder aufzunehmen", sagte der Psychologe nach einer Weile. "Die Signatur seines Tarnschildes habe ich gespeichert, wenn diese Technologie häufig genutzt wird, sollte ich sie irgendwann orten können. Ich muß nur dicht genug an sie rankommen... oder sie an uns."
"Das sollte unser kleinstes Problem sein", meinte Silvana, die inzwischen eine bemerkenswerte Ähnlichkeit an ihrem Besuch und sich selbst bemerkt hatte. Beide waren gleich neugierig auf einander. Neugierig wie kleine Katzen. "Wenn die Energiewaffen nur so kleine Löcher in den Boden schießen können, sind sie wohl für Slade nicht von großem Interesse." Ihre Augen studierten den Raum, als würden sie nach etwas suchen.
"Die Neugier ist der Katze Tod", sagte sie mehr zu sich selbst, als zu Jack und schlängelte ihren Körper an dem des Psychologen vorbei, der sie scheinbar irritiert ansah. Doch statt ihm eine Erklärung zu liefern, trat sie an eines der Löcher in denen vor langer Zeit eine wunderschöne Scheibe geprangt haben mußte und lehnte sich weit hinaus, wobei sie sich nur mit ihrer rechten Hand am Rahmen abstützte.
Der Boden war weit entfernt, doch Silvana kannte keine Höhenangst und keine Furcht vor einem Sturz. Selbstsicher grinste sie in die verfallene Welt die den Morgen begrüßte. Dann trat sie ein paar Schritte zurück und nahm Anlauf.
Es knirschte, als sich ihre Fingernägel kurz nach dem Absprung in den oberen Teil des ehemaligen Fensterrahmens bohrten und sich ihr Gewicht um seine eigene Achse drehte. Durch den Schwung des Anlaufs katapultierte sie so ihren Körper auf das Kuppeldach, wo sie sofort mit gespreizten Beinen ihr Gleichgewicht stabilisierte, bevor ihre Krallen ihren Platz losließen.
--- nördlicher Stadtrand, großes Gebäude
KWinh hatte die Flugbahn des Steins mitverfolgt... zumindest bis zu dem Zeitpunkt, an dem er durch die Tür flog und verschwand. Auch den Aufschlag konnte er hören. Er runzelte seine Stirn, was den Diamanten in ein formloses Etwas verwandelte.
Der Tricorder lieferte sehr widersprüchliche Daten und der Grilmak änderte die Scan-Parameter durch einige Eingaben. Erstaunt schaute er seine Begleiter an und meinte: "Hinter dieser Tür werden ungefähr 20 Lebensformen angezeigt... zumindest ein paar Echos, die darauf hindeuten."
Noch während die anderen sich gegenseitig anschauten und Natty schon ihren Phaser gezückt hatte, steckte der Techniker das untere Ende seines Stabes durch die Tür. Es sah aus wie abgeschnitten. Als er ihn jedoch wieder zurückzog, konnte er feststellen, daß er keinerlei Schäden hatte. "Wir sollten hinein gehen..."
"20 Lebensformen?" wunderte sich die Schottin. "Mein Tricorder zeigt nach wie vor nichts an. 'Aber ich bin ja auch kein Techniker', dachte sie dann bei sich.
"Na gut, wenn du meinst, daß das hier ungefährlich ist...", murmelte sie in ihren nicht vorhandenen Bart, dann schritt sie auf die Öffnung in der Mauer zu.
--- großer runder Raum
Ein merkwürdiges Kribbeln bemächtigte sich der Rothaarigen, als sie in den Raum trat, gefolgt von den anderen. Sie ignorierte es und blickte sich um:
Der Raum war groß und rund angelegt. Das Loch im Boden, das sie vorher gesehen hatten, war tatsächlich nicht vorhanden. Obwohl es immer noch so aussah, als wäre es da. Llewella fühlte sich komisch dabei, über Nichts zu gehen.
Von den Lebensformen, die der Grilmak gescannt haben wollte, war nichts zu sehen. 'Will uns hier jemand zum Narren halten?', fragte sich die Schottin.
Auf einmal stolperte sie über eine Unebenheit am Boden, die natürlich - wie der ganze Boden auch - nicht zu sehen gewesen war und schlug der Länge nach hin. Instinktiv schaffte sie es gerade noch, den Tricorder unter sich herauszuziehen, damit dieser nicht beschädigt werden konnte.
"Verdammt", fluchte sie halblaut, dann richtete sie sich wieder auf. Vielmehr wollte sie sich aufrichten, aber sie merkte, wie ihr die Augen zufielen und sie schläfrig wurde...
--- ???
Llewella befand sich auf einer Wiese. Fremdartige Blumen blühten, verströmten einen starken Geruch. Einige Meter entfernt befand sich eine Hütte, dahinter ein Wald, der aus ausgesprochen kuriosen Bäumen zu bestehen schien. Es waren weder Nadelbäume, noch Laubbäume, sondern irgend etwas dazwischen. Aber sie wirkten... richtig.
Aus der Hütte trat eine Gestalt. Sie war klein, reichte der Schottin gerade bis zur Schulter. Die Gestalt schien weiblichen Geschlechts zu sein, aber so ganz sicher war sich Llewella da nicht. Klein, sehr schmal, fast schmächtig. Gleichzeitig strahlte sie eine Stärke aus, die ungewöhnlich war.
Sie besaß Ohren wie ein Vulkanier, lang und spitz. Aber sie wirkten wesentlich zierlicher und feiner. Die Nase war lang und schmal, die Augen bernsteingelb und blickten durchdringend. Llewella hatte das Gefühl, daß dieses Wesen bis in ihr Innerstes blicken konnte.
Plötzlich sprach das Wesen. Es bewegte seine Lippen dabei nicht, trotzdem hörte die Schottin eine Stimme in ihrem Kopf. Und war sich sicher, daß das die Stimme des Wesens war.
"Ihr seid sehr mutig, daß ihr in unser Refugium eintretet. Wer seid ihr und was wollt ihr von uns?"
Plötzlich verschwamm die Gegend vor Llewellas Augen und sie befand sich wieder auf dem Boden des runden Raumes. Sie fühlte sich extrem müde und konnte ein Gähnen kaum unterdrücken.
Die Rothaarige richtete sich auf und blickte auf die entsetzten Gesichter ihrer Gefährten...
--- südlich der Stadt, auf dem Kuppeldach
"Halt deinen Scanner bereit, Jack Collins. Ich nehme an, durch meine kleine Show die ich unseren unsichtbaren Publikum gleich geben werde, bekommen wir bald Besuch", rief Silvana nach unten, wobei sie mit einem Rundblick feststellte, daß die Aussicht wirklich fabelhaft war. "Gib mir Bescheid, wenn er da ist. Ich will auch meinen Spaß!"
Dann drehte sie sich um, ohne auf seine Antwort zu warten und blickte auf die höchste Spitze des Kuppeldachs. Ohne Umschweife machte sie sich daran ihren Beobachtern eine kleine Vorstellung auf dem Dach des Gebäudes zu geben, das sicher in einem weiten Areal sichtbar war.
Sie machte einige gymnastische Übungen, die beeindruckend waren, wenn man dabei im Auge behielt, daß ein Absturz von dem Dach fatale Folgen haben konnte. Doch ihre Genezusammenstellung ließ sie sich und ihren Körper eins werden und mit einander verschmelzen. Wie ein Virtuose, der einem Musikinstrument Klänge entlocken konnte wie sonst keiner. Ihre Überschläge saßen perfekt und ihre Schnelligkeit faszinierte das Auge des Betrachters, als würde er eine Katze beim Spiel beobachten.
Und im Grunde war es das auch für sie. Nichts weiter als ein Spiel.
Jetzt blieb zu hoffen, daß sie auch die Aufmerksamkeit derer gewann, die sie bisher zwar beobachtet hatten, aber selbst im Dunkeln bleiben wollten. Die Sicherheitschefin hatte das Gefühl beobachtet zu werden, war sich aber nicht ganz sicher, da sich ein eigenartiges Gefühl der Berauschtheit bei ihr einstellte. Sie versuchte sie abzuschütteln und reagierte dabei mit einem Kopfschütteln, doch es wurde immer stärker.
Stärker je näher sie der Spitze der Kuppel kam.
Dazu nahm sie plötzlich einen leisen Ton wahr, der gerade laut genug war um das scharfe Gehör eines Raubtiers zu erreichen, aber zu schwach um von Menschen gehört zu werden. Das Gen-Experiment ging in Abwehrhaltung und fauchte laut auf, da ihr das Geräusch zunehmend Schmerzen verursachte. Es dauerte einen schier endlosen Moment, bis sie feststellte woher das Geräusch kam.
Aus der Spitze des Stabes, der den Mittelpunkt der Kuppel darstellte und der in einer Art kunstvoll verzierter Kugel steckte. Auf ihm thronte ein roter Stein, der einen feinen Schliff aufwies. Er leuchtete nicht und wirkte auch sonst nicht auffällig, doch Silvana fühlte sich von ihm betäubt und das erweckte ihren Zorn.
Mit einer bis an die Grenzen gehenden psychischen Anstrengung trat sie der Quelle entgegen und konzentrierte all das Böse in sich auf eine Bewegung.
Sie hob ihren Arm.
Schweißperlen traten auf ihre Stirn und sie mußte sich auf die Unterlippe beißen, bis sie den süßen Geschmack ihres Blutes und den Schmerz fühlte, bis sie es endlich schaffte ihre Hand um den roten Kristall zu schließen, von dem all die Kraft auszugehen schien.
Dann leitete sie alle Energie, die noch gegen die Betäubung ankämpfte, in die Kraft in ihrer Hand...
Der rote Kristall zersprang durch den Druck wie ein Stück hohles Glas in viele winzige Scherben, doch als Silvana die Hand öffnete war da nur Staub. Nicht als Staub, der durch ihre Finger rieselte und von einem leichten Wind erfaßt wurde, der ihn mit sich trug.
Zitternd und schwer erschöpft lehnte sie sich Silvana gegen den jetzt leeren Stab und ließ sich langsam auf die Kugel niedersinken, auf der sie schließlich sitzen blieb.
--- im alten Gebäude, Obergeschoß
Nachdem Silvana aus dem Fensterrahmen verschwunden war, hatte der Psychologe plötzlich einen Druck in seinem Gehirn wahrgenommen. Auch das war eine Erinnerung an alte Zeiten. So etwas spürte man nur, wenn ein Telepath versuchte sich Zugang zu seinem Bewußtsein zu verschaffen.
'Nicht mit mir', hatte Collins gedacht und legte eine mentale Blockade um sein Gehirn. Schließlich hatte er zu seiner aktiven Dienstzeit häufiger Kontakt zu Telepathen gehabt und bei der USO wurde einem beigebracht, wie man sich dagegen wehren konnte.
Nun war der Druck plötzlich weg. Auf seinen Tricorder entdeckte Jack jetzt genau die schwache Signatur des Tarnfeldes, wie vorhin. Aber nicht nur die eine, scheinbar überlagerten sich mehrere Signaturen.
"Hallo mein Freund", Collins sah sich vorsichtig um. Er wußte nicht, was Silvana auf dem Dach machte, aber es schien tatsächlich zu wirken. "Wie wäre es, wenn du oder ihr euch mal zeigt?" Er aktivierte seinen Communicator, Silvana konnte jetzt mithören.
Etwas bewegte sich schemenhaft neben Jack. Er verhielt sich ganz ruhig. 'Warum zerstört ihr?', hörte er plötzlich jemanden sagen, oder Denken und sein Gehirn begann schmerzhaft zu dröhnen. Sofort baute der Psychologe seinen mentalen Block wieder auf.
"Verdammt!", fluchte er leise. "Könnt ihr nicht ein bißchen weniger Intensität in eure Gedanken legen?" Vorsichtig löste er den Block wieder. '... strafen!', spürte er grade noch.
"Was?", Collins sah sich um, konnte aber nichts erkennen, keine Bewegung und keine frischen Fußabdrücke im Staub. "Was meint ihr mit strafen?"
'Unsere Herren werden euch bestrafen!', tönte es nun merklich leiser in seinem Gehirn. Jack spürte immer noch den einen oder anderen Zugriff auf sein Bewußtsein. Sie versuchten immer wieder ihn mental zu scannen oder irgendwie Einfluß auf ihn auszuüben.
"Kommt schon, ich rede nicht gerne mit unsichtbaren Geistern. Wer seid ihr?" Der Psychologe drehte sich zum Fenster, aber Silvana war nicht zu sehen. Er fragte sich, ob sie diese mentale Attacke überstanden hatte, als plötzlich schemenhaft der Umriß eines Körpers zu sehen war.
Der Körper schien klein zu sein, kleiner als Collins. Allerdings war alles sehr undeutlich.
'Geht wieder!', spürte er. 'Geht bevor die anderen kommen!'
"Wer soll kommen?" Jack blinzelte kurz in die aufgehende Sonne. Und plötzlich war der Schemen weg. "Verdammt nochmal, wer soll kommen?" Er sah sich um. Nichts.
'..nach unten...', hörte bzw. spürte er in seinem Geist gerade noch ganz schwach, dann war der Spuk vorbei.
Auch der Tricorder zeigte nichts mehr an, fast nichts mehr.
--- nördlicher Stadtrand, großer runder Raum
"Alles klar?", fragte Nathalie, während KWinh und Pormas der jungen Ärztin aufhalfen. "Du warst gerade völlig weggetreten!"
Sie und die anderen hatten versucht, Llewella zu erwecken, die ganz benommen gewirkt hatte. Sie war nicht richtig bewußtlos gewesen, ihre körperlichen Werte hatten den Normwerten entsprochen. Und doch war es so gewesen, als ob ihr Geist vom Körper abgekoppelt war. Dieser hatte funktioniert, während Llewella auf nichts und niemanden reagierte - nicht einmal auf Schmerzreize. 'Hoffentlich gibt das keinen blauen Fleck!'
Doch nun wirkte Llewella wieder klarer. Ihre Augen fixierten die Anwesenden und starrten nicht mehr in die Ferne. Sie atmete noch ein paar Mal tief durch und schilderte dann in knappen Worten, was passiert war.
Noch während sie erzählte, fiel Nathalies Blick auf die paar Gegenstände, die Llewella beim Sturz mit zu Boden gerissen hatte. Zwei von ihnen, ein kleines Gerät unbekannter Bauart und ein tetraedischer Kristall, waren beim Aufprall anscheinend aktiviert worden. Das Gerät hatte zwei kurze Piepser von sich gegeben und dann war ein Lämpchen aufgeleuchtet. Und der Kristall hatte zunächst pulsiert und glühte nun in einem sanften Ton.
'Genaugenommen hatte er pulsiert, während das mit Llewella geschah...', dachte Nathalie und kräuselte die Stirn. Sie hatte das zwar vorher schon registriert, doch war sie wie auch die anderen zu sehr mit der halb benommenen Ärztin beschäftigt gewesen.
"Ähm, darf ich eins anmerken?" Die Frage war eigentlich keine, denn Nathalie wartete keine Antwort ab, sondern vergewisserte sich nur, die volle Aufmerksamkeit des übrigen Teams zu haben, und erklärte kurz ihren Verdacht, während sie die beiden Gegenstände aufhob.
"Seltsam. Darf ich mal? Ich will mir das mal genauer anschauen...", meinte Pormas und streckte die Hand nach dem Kristall aus. Doch genau in dem Augenblick fing dieser wieder zu pulsieren an.
Instinktiv zog Natty die Hand mit dem Kristall aus Pormas Reichweite und schmetterte ihn sogleich gegen die nächste Wand. Der Kristall zersprang mit einem lauten Klirren in mehrere Bestandteile - doch er glühte weiter. Kurzentschlossen zog die junge Sicherheitsfrau ihren Phaser und beendete das Glühen. Übrig blieb nur ein wenig Asche...
Und das unbekannte Gerät in ihrer anderen Hand.
Fasziniert hatte Llewella beobachtet, wie die Sicherheitlerin mit dem fremden Gerät umging. Ein wenig leichtfertig kam es ihr schon vor, wie die Frau mit einer möglicherweise wertvollen Technologie umging. Aber sie kannte sich wahrscheinlich besser mit Technik aus als die Schottin.
"Was bedeutet das?", wollte sie dann wissen. "Was ist das für ein Gerät?"
Fragend blickte sie zu KWinh, der bislang schweigend bei der Gruppe gestanden hatte und in Gedanken versunken schien. Auch der Südländer war - was selten vorkam - ziemlich schweigsam.
'Immerhin wissen wir jetzt, daß dieser Planet wahrscheinlich doch bewohnt ist...', dachte die Schottin.
Der Grilmak hatte das Geschehen beobachtet, immer halb seinen Tricorder im Auge behaltend. "Einen Moment bitte...", sagte er mehr zu sich selbst, als an jemand anderen gerichtet. Ein paar Eingaben in den Tricorder folgten.
"Ich vermute, es handelte sich bei diesem Kristall um eine Art Nachrichtensystem, oder auch ein Datenaufzeichnungssystem. Die Ausgabe erfolgte direkt auf telepatischem Weg. Die körperlichen Auswirkungen sind vermutlich auf eine teilweise Inkompatibilität zwischen Ihnen und dem Gerät zurückzuführen."
Der Techniker überprüfte einige Werte, konnte aber die Anzeigen der Lebensformen, die vor dem Ereignis angezeigt wurden hier nicht bestätigen. "Ich kann auch keine weiteren Lebenszeichen mehr orten, vielleicht war es eine falsche Anzeige..."
Da nichts weiter zu entdecken war, was mit dieser Technik zu tun hatte, fügte er noch einen kurzen Nachsatz hinzu: "... aber ich habe eine Luke entdeckt, dort hinten, im Boden." Noch während er seinen Finger in deren Richtung bewegte, ging Pormas darauf zu, seine Waffe gezückt, Natty im Schlepptau, die ihm Deckung gab.
Der Grilmakpriester konnte sich ein Kopfschütteln und ein Seufzen nicht verkneifen.
--- südlich der Stadt, am Kuppeldach
Aus der sehr einseitigen Konversation, die Jack zu führen schien, zog Silvana den Rückschluß, daß sie entweder über telepatische Fähigkeiten verfügten oder was noch besser war, eine Technik für die sie selbst einiges geben würde um sie in der Sicherheit der Privateer anwenden zu können. Was wäre wohl besser als Sturmtruppe geeignet, als ein Sicherheitsteam, daß sich ohne Worte miteinander verständigen konnte?
Außerdem waren ihre Besucher wohl wieder getarnt und schienen dem Psychologen zu drohen, sofern sie sein Gefasel mit "strafen" richtig verstanden hatte. Auch wenn sie Jack hatte Zeit geben wollen seine psychologischen Fähigkeiten zu erproben, so war sie doch für seine Sicherheit verantwortlich.
Ohne weiter zu lauschen, schoß sie ein Loch in das Dach. An einem Punkt der unweit von Jack lag. Wenn die Jungs, die so gerne mit Technik spielten, schon strafen sollte, dann sollten sie auch richtig was zu tun bekommen.
--- im alten Gebäude, Obergeschoß
Silvana sprang leichtfüßig mit gezückten Phaser durch das entstandene Loch im Dach und kam locker federnd auf ihren Beinen auf, trotz des enormen Höhenunterschieds des Bodens zur Dachspitze.
Mit einem Seitenblick auf Jack vergewisserte sie sich zum einen, daß ihm nichts fehlte und zum anderen, daß er etwas ratlos schien, was den genauen Aufenthaltsort der fremden Spezies betraf.
"Jack, du hattest deine Chance ihnen Vernunft einzutrichtern, mal sehen, was meine Worte bei ihnen bewirken", meinte die Katzenfrau noch immer in der Hocke und zog blitzschnell einen Phaserstrahl durch den Raum. Nicht lange genug auf einer Stelle verweilend um ihren Gästen die Chance zu geben sich wieder in Luft aufzulösen, sondern einzig und allein um ihre Ahnung zu bestätigen.
Und sie hatte auch Erfolg mit ihrem Plan. Sie fand einen Punkt im Raum der die Energie zu absorbieren schien. Die Oberfläche dieses unsichtbaren Punktes begann dabei zu flimmern und eigenartige Lichtreflexe zu erzeugen, während die Energie scheinbar ins Nichts abgeleitet wurde.
"Willst du nochmal mit ihm reden oder soll ich ihn zum Teufel jagen?", fragte Silvana deren Phaser noch immer auf Betäuben stand, bereit zumindest einen der Besucher auszulöschen. Wobei sie sich sicher war das Kraftfeld auf irgendeine Weise zu überwinden, wenn Collins die Ideen ausgingen.
Collins verzog das Gesicht. Frauen waren halt impulsiv und Silvana war es besonders jetzt. Natürlich würde die Sache jetzt etwas schwieriger, denn diese Wesen würden sicherlich nicht mehr so sehr kooperativ sein.
"Eigentlich wollte ich ihnen unauffällig folgen." Jack blickte zu dem Schemen. "Ich habe ihre Signatur, aber nun können wir ja mal versuchen, ob der hier mit uns spricht, oder denkt."
Der Psychologe näherte sich dem Wesen. Der Tarnschirm ließ infolge der hohen Energieabsorption langsam an Stärke nach. Immer mehr wurde das Wesen sichtbar. Es hatte einen Anzug an, der sehr befremdend aussah und scheinbar eine Nummer zu groß war.
Vorsichtig löste Jack seinen mentalen Block und sofort flossen die Gedanken des Wesens in sein Hirn. Sie waren voller Mißtrauen und Wut. 'Hey, beruhige dich! Wir werden dir nichts tun!', dachte Collins in der Hoffnung es würde seine Gedanken lesen.
Das Wesen schien aber keine Lust auf Kommunikation zu haben. Collins spürte zwar die Gedanken, aber außer Wut konnte er nichts Konkretes herausfiltern. 'Paß auf, lange wird dein Anzug die Energien nicht von deinem Körper abhalten können und dann...'
Plötzlich ordneten sich die Gedanken des Wesens, das inzwischen vollständig sichtbar war. Zwei bernsteinfarbene Augen leuchteten aus einem sehr fein geschnittenen Gesicht. 'Kooperation', spürte Collins.
"Es will kooperieren", sagte Jack zu Silvana. Diese zögerte. Der Blick aus ein paar gelben Augen wanderten von Collins zu Silvana und zurück.
Plötzlich brach das Wesen zusammen. Der Schutzschirm war überlastet und der Strahl von Silvanas Waffe traf den Körper des Fremden.
"Mist." Jack ging zu den am Boden liegenden Wesen und scannte ihn. "Es ist ein er und er lebt." Er sah sich den Anzug genauer an. Die technischen Geräte sahen nicht sehr neu aus. Alles zeigte erhebliche Verschleißspuren.
"Er wird ein wenig schlafen." Collins blickte zu Silvana. "Konntest du eigentlich ihre Gedanken spüren? Sie sagten etwas von irgendwelchen anderen, die kommen sollen." Er justierte etwas an seinem Tricorder und stellte einige Parameter um. In der Tat war da etwas im Anmarsch, aber nichts Lebendes.
"Androiden oder Roboter! Ich denke, wir sollten hier verschwinden! Vielleicht sollten wir seinen Freunden folgen." Jack deutete auf das Wesen. "Was dachten sie noch? Nach unten?"