--- Privateer, Narbos Bar, Tisch 12
Silvanas Augen leuchteten freudig auf, als sie die gute Nachricht von dem Wissenschaftler erfuhr. Das erinnerte sie wieder daran, daß sie sehr bald das triste Schiffsleben an den Haken hängen konnte und das tun konnte, was sie am Liebsten tat. Sich auf ungewisse Situationen einzulassen und vielleicht sogar ins Lebensgefahr zu geraten. Sie liebte das Spiel mit dem Tod.
Eine Vorliebe, die Sternenlicht sicher nicht mit ihr teilen würde. Vielleicht noch Narbo, aber sie hatte bisher verzichtet darüber auch nur ein Wort zu verlieren. Es würde ihrer neu geschlossenen "Freundschaft", die nur aus dem Verfolgen gleicher Ziele bestand, eine Gemeinsamkeit hinzufügen, daß ihre alte Feindschaft zu sehr beeinflussen konnte.
Und Narbo gab als Feind viel mehr her, als er es je als Freund tun würde.
Freund. Was für eine irrsinnige Vorstellung.
Die Sicherheitschefin lachte rauh auf, bevor sie sich auf ihr Gegenüber besann, dessen Schnurrbarthaare leicht zuckten und dessen wache Augen sie aufmerksam beobachteten.
"Wenn du die Auswertungen gemacht hast, dann bring sie zu mir. Ich kann es gar nicht erwarten endlich wieder an die frische Luft zu kommen. Und da kann es nicht schaden ein wenig vorbereitet zu sein. Auch wenn ich hoffe, daß du uns nicht alle Überraschungen vorweg nimmst." Sie grinste ihn an und fügte, bevor er noch antworten konnte, hinzu:
"Ich denke, ich werde den Landetrupp noch um ein paar weitere Personen aufstocken. Ich hab da an die Neue aus der Sicherheit und... diesen Techniker gedacht..." Wer sie kannte, der entdeckte plötzlich einen sehr verschlagenen Ausdruck in ihrem Gesicht. Verschlagen um nicht zu sagen: gefährlich.
Ein Name ging ihr dabei durch den Kopf. KWinh.
Es war eine gute Möglichkeit herauszufinden was dieser arrogante Kerl wirklich auf dem Kasten hatte und ob hinter seiner großen Klappe nur ein weiterer Lebensmüder steckte oder ein nicht zu unterschätzender Gegner, der das Spiel mit dem Tod ebenso liebte wie sie.
Daß sich hinter ihm auch einfach nur ein guter Techniker verbergen konnte, daran dachte sie für keinen Moment. Xiang hatte sie gelehrt übervorsichtig zu sein. Und sie hatte ihr Lektion mehr als gelernt.
--- vor dem Büro des Chefarztes
Tief sog Jack die Luft ein. Hier war sie deutlich dünner als im Büro, fand er. Er bemerkte Pormas fragenden Blick.
"Tut mir leid, Pormas!", sagte der Psychologe. "Unsere Sitzung müssen wir erstmal unterbrechen. Das ist der Fluch, wenn man mehrere Jobs an Bord hat." Dann ging er in Richtung Ausgang.
--- Krankenstation, beim Eingang
KWinh hatte Collins aus dem Büro in seine Richtung kommen sehen. Also sollte das Kennenlernen seines Arbeitsplatzes vor der Routineuntersuchung stattfinden. Das war ihm ohnehin viel lieber. Entschuldigend sah er Nathalie an, die sich gerade mit einem hintergründigen Lächeln zu ihm umgedreht hatte und meinte: "Entschuldige... wir sehen uns später? Hoffentlich unverletzt!"
Mit einem kurzen Nicken in ihre Richtung trat er zwei Schritte zur Seite halb in den Weg des Psychologen.
"Entschuldigen Sie, Collins, mir wurde gesagt, ich soll mich an Sie wenden. Ich habe als Techniker angeheuert", sprach der Grilmak diesen an und ließ dabei nach kurzem Überlegen die förmliche Anrede einfach weg, etwas, das auf diesem Schiff besser zu passen schien.
Jack blieb stehen. "Wurde Ihnen gesagt, so so", antwortete er dem Mann vor ihm. Noch immer hatte er leichte Wut im Bauch und so klang seine Antwort auch.
Der Psychologe räusperte sich kurz. "Entschuldigen Sie meinen Ton", sagte er. "Diese kleine Konferenz eben", er deutete auf das Büro, " hat ein wenig an meinem Nervenkostüm gekratzt.
Aber gut, ich war sowieso auf dem Weg zum Maschinenraum." Collins sah sich um. "Diese Untersuchung können Sie auch ein anderes Mal machen."
Die Eingangstür öffnete sich und Entenburg kam hereingeschlurft. Sie musterte KWinh kurz und wandte sich dann an Collins. "Na Bübchen, wieder mal Frischfleisch angeliefert worden, was? Na dann wollen wir mal sehen, ob auch alle in einem tadellosen Zustand sind!"
Edwina knuffte Jack kurz in den Bauch und wollte sich dann KWinh schnappen. "Ähm, Edwina", Collins setzte sein freundlichstes Scheinlächeln auf. "Am Besten Sie machen erst mal dahinten weiter. Wir haben im Moment eigentlich gar keine Zeit und müssen dringend was erledigen."
Die Entenburg stemmte ihre Hände in die Hüfte und taxierte Collins einige Sekunden. Sie tapste dabei nervös mit dem Fuß auf dem Fußboden. "Ihr Burschen habt doch immer eine Ausrede, was? Aber gut, haut ab!"
Jack lächelte immer noch scheinheilig und schob KWinh langsam zur Tür. "Aber morgen werde ich mir Ihren rotäugigen Freund zur Untersuchung schnappen!", rief Edwina den beiden noch zu, bevor sie durch die Tür verschwanden.
--- Deck 5, Gänge
Der Psychologe atmete erleichtert durch. "Da haben Sie aber nochmal verdammtes Glück gehabt!", sagte er mit einem Grinsen im Gesicht und auch seine Wut verflog langsam wieder.
KWinh hatte durch den Vorfall mit dieser resoluten Person fast vergessen, sich über Nathalie zu wundern, deren Sprunghaftigkeit er wohl nie würde verstehen können. An Collins gewandt meinte er: "Warum war das Glück? Ist eine medizinische Untersuchung an Bord dieses Schiffes denn so unvorteilhaft?"
Auf dem Weg zum Lift begegneten die beiden einige Crewmitgliedern, die alle sehr geschäftig wirkten. Ein krasser Unterschied zum letzten Schiff, auf dem der Grilmak war. Vor einem Lift, dessen Tür sich vor ihnen öffnete, winkte KWinh Collins vor sich hinein, da dieser ihn ja führen wollte.
--- Turbolift
Jack trat in den Turbolift und stellte sich an die Wand. "Deck 8!", sagte er, nachdem KWinh ihm gefolgt war. Der Lift setzte sich in Bewegung.
"Unvorteilhaft wohl nicht", sagte der Psychologe und knüpfte an KWinhs Frage an. Anscheinend begriff dieser Romulaner, oder doch Vulkanier? Naja, scheinbar verstand er den Humor nicht oder aber Jacks Humor kam ein wenig flach herüber, was nach der Diskussion auf der Krankenstation ja durchaus sein konnte.
"Lassen Sie mich es mal so sagen, Schwester Entenburg geht manchmal ein bißchen rustikal mit ihren Patienten um. Aber ihren Job macht sie wirklich gut. Sie hat sogar einige Stammpatienten, die scheinen auf sowas zu stehen." Collins grinste. 'Ups! Der könnte wieder ein bißchen flach gewesen sein.'
"Verzeihen Sie mir meine Neugierde", lenkte Jack dann das Gespräch auf ein anderes Thema. "Sind Sie Romulaner oder Vulkanier?"
KWinh dachte kurz über Collins' Aussage zu Schwester Entenburg nach. Es schien für diesen seltsam zu sein, daß diese Handlungsweise anderen Vergnügen bereitete. Nach dieser Schlußfolgerung überging er die Frage, die ihm auf der Zunge lag und beschloß statt dessen, auf die Frage zu antworten:
"Weder noch... ich bin Grilmak. Verwandt mit beiden anderen Rassen, aber eben nur verwandt." Die Erwähnung der Romulaner ließ die Augen des Grilmak noch eine Spur roter funkeln.
--- Krankenstation, bei den Biobetten
Für einen kurzen Augenblick wandte Nathalie ihre Augen von dem charmantem jungen Mann neben ihr ab und nickte KWinh zu. Sie war auch froh, daß der Psychologe ohne die Ärztin herausgekommen war und sich entschuldigen ließ, hatte sie so etwas länger Gelegenheit für ein Gespräch mit Pormas.
Es war sehr schade, daß sich auf dem Schiff, auf dem sie vorher gewesen war, nichts ergeben hatte. Sie hatte zwar dort mit einigen bemerkenswerten Männern geliebäugelt - besonders mit einem netten Japaner - doch hatte sie dort leider einige gute Gelegenheiten ungenutzt verstreichen lassen bzw. einige auch vermasselt. Sollte Natty diesen Job hier auch nicht besonders lange ausüben, so mußte sie sich ein wenig beeilen und forscher rangehen, sonst würde sie wieder alleine bleiben.
Und dieser Pormas schien ein recht guter Kandidat zu sein. Zumindest dauerte es nicht lange, bis sie beide in einen kleinen Flirt verwickelt waren. Augenscheinlich wollte auch er keine Zeit verlieren. Nathalie hoffte nur, daß die Flirtphase nicht allzu lange dauern würde und sie gleich zum interessanteren Teil übergingen...
Die Sicherheitsfrau setzte ihr bezauberndstes Lächeln auf und fuhr sich mit der Hand durch die vom Kampf leicht zersausten Haare. "Ich würde auch so ganz gerne kommen, ohne daß du mich erst zu rufen hast!
Hast du übrigens Hunger? Ich glaube, wenn ich noch länger warte, würde ich sogar Gagh verspeisen! Mußt du noch hierbleiben oder können wir was essen gehen?"
Ihr Schmerzmittel war plötzlich nicht mehr so wichtig, genaugenommen hatte Nathalie ihre Verletzungen mittlerweile völlig vergessen.
Pormas überlegte nur kurz, bis er zu einem Schluß gekommen war: "Gehen wir einfach. Im Prinzip war ich ohnehin schon entlassen..." Denn was sollte der Südländer hier noch? Physisch ging es ihm wieder recht gut, auch wenn er noch nicht ganz bei Kräften war und dieser Collins hatte ihre "Sitzung" für beendet erklärt.
Den Halbgriechen wurmte es, daß ihm niemand genauer Bescheid sagen wollte, was mit ihm los war, bzw. was alles passiert war. Aber wenn er sich Nattys lächelndes Gesicht anschaute...
'Ein Aufwachen aus dem Koma habe ich mir schlimmer vorgestellt....', grinste er in sich hinein.
Beide standen auf, wobei Pormas sich ein bißchen ungeschickt anstellte und fast das Gleichgewicht verlor. Schnell war sein Gegenüber zur Stelle und stützte ihn sanft. Entschuldigend lächelte Pormas zurück "Ist wohl lang her..."
Während sie, gegenseitig mit dem Arm die Hüfte des Anderen haltend, die Krankenstation verließen, fiel dem Südländer noch was ein, "Ach Natty, bevor wir was Essen gehen... könnten wir vielleicht an meinem Quartier vorbeigehen? Ich würde doch noch gerne etwas Anderes anziehen, irgendwelche frischen Sachen... ginge das?"
Pormas setzte sein unschuldigstes Lächeln auf, während er sie immer noch fasziniert anschaute, als ob sie ihn an irgend jemanden erinnern würde... auf jeden Fall war er immer noch von ihr verzaubert und wollte mehr als nur ihren Arm um seine Hüfte.
--- Narbos Bar, Theke
Während der Ferengi weiterhin der Unterhaltung zuhörte, begab er sich hinter die Theke und wies den Replikator an, ein Glas Orangensaft zu synthetisieren. Das Getränk erschien im Ausgabefach in dem üblichen leuchtenden Strahl und Narbo zog gleichzeitig vorsichtig eine Flasche besten Whiskys hinter einer Vertäfelung hervor.
Alle Fächer waren mit Sprengsätzen gesichert, was zuletzt diesem Collins zum Verhängnis geworden war. Aber bekanntlicherweise steckte man seine Finger nicht in fremde Angelegenheiten...
Dann setzte er sich langsam wieder in Gang, um die bestellten Getränke auszuliefern. Das Gespräch zwischen Silvana und Sternenlicht hatte gerade einen interessanten Themenwechsel erlebt!
--- Tisch 12
Sternenlichts Nase kannte Silvana noch nicht so gut, um ihre Gerüche genauer zuordnen zu können. Trotzdem war er sich sicher, daß Silvana mal wieder nur die Hälfte von dem gesagt hatte, was sie wirklich dachte. Vermutlich konnte dies sogar ein anderer Mensch an ihrer Mimik erkennen, die für den Sivaoaner ein wenig schwerer zu lesen war. Eine Mimik konnte man schauspielern, seinen Geruch nicht.
"Wenn du meinst, daß das gut ist, Personalmanagement war noch nie meine Stärke." Seine Schnurrhaare neigten sich nach vorne, "Aber je größer das Landungsteam ist, desto schneller dürften wir zu einem Ergebnis kommen.
Ich bin ja mal gespannt, wie das wird. Sakkra ist für mich der dritte, bisher unerforschte Planet den ich besuche." Die Ohren des Katzenwesens vibrierten bei diesem Gedanken. "In zivilisierten Gebieten gibt es davon nicht mehr allzu viele. Hast du schon viele neue Welten besucht?"
"Wie man es nimmt", antwortete Silvana und beobachtete Narbo dabei aus den Augenwinkeln heraus. Sie war sich sicher, daß sie seine volle Aufmerksamkeit hatten. "Alle Welten sind gewisserweise neue Welten, wenn du dorthin gehst wohin auch immer es dich treibt und es dich dabei wenig kümmert, was du dort vorfinden wirst. Es war noch nie meine Art mir den Spaß zu verderben, indem ich mich schon vorher genau über einen Planeten informiere.
In gewisser Weise ist es immer das gleiche. Wenn ein Planet eine für irgendeine Rasse bewohnbares Klima besitzt, dann kannst du deinen Arsch drauf verwetten, daß du nicht allein bist, wenn du runtergehst. Du verstehst was ich meine..." Wieder huschten ihre wachen Augen über die Gäste der Bar und suchten nach jemand, an dem sie ihre steigende Unruhe auslassen konnte. Doch sie fand niemand.
"Sakkra besitzt etwas das viele haben möchten und daß es noch immer dort ist und auf uns wartet, bedeutet nur eins: Nur ein Verrückter würde sein Leben riskieren um da runterzugehen um es sich zu holen. Was auch immer Slade bewog gerade diesen Planeten anzufliegen." Amüsiert verzog die Sicherheitschefin die Mundwinkel. Der Gedanke gefiel ihr von Mal zu Mal besser.
--- Deck 5, Gänge
Während er Nathalie mit seinen dunklen Augen tiefgründig anlächelte, kam ihr der Verdacht, daß Pormas mittlerweile auch ganz gut ohne ihre Hilfe würde laufen können. Dennoch beließ sie ihren Arm dort wo er war und genoß den engen Kontakt, während sie zurücklächelte.
"Klar kannst du vorher in dein Quartier!", antwortete sie ihm und führte ihn den Gang zum nächsten Lift hinunter. "Ich hätte auch nichts dagegen, mich vorher ein wenig frisch zu machen. Aber ich hab weder ausgepackt, noch mein Quartier eingerichtet - könnte ich dein Bad benutzen? Wo ist überhaupt dein Quartier?"
Pormas nannte ihr Deck und Quartiernummer, nachdem er sich vorher die entsprechenden Auskünfte vom nächstgelegenen Terminal besorgt hatte und Nathalie stellte erfreut fest, daß sie nicht allzuweit von einander entfernt wohnten. 'Na, da steht ja nächtlichen, heimlichen Besuchen nichts im Wege!'
Ein wolliger Schauer lief ihr über den Rücken und sie drückte sich ein wenig fester an ihr Gegenüber, als sie den Lift betraten. Die Türen schlossen sich, doch Nathalie machte keine Anstalten, das Ziel der Fahrt zu nennen. Statt dessen blickte sie zu Pormas auf.
"Wir könnten eigentlich auch gleich bei dir was essen. Auf allzu viel 'andere' Gesellschaft hab ich keine Lust. Ich könnte was Leckeres replizieren..."
--- Deck 5, Turbolift
"Computer, Deck 3", befahl Pormas und wandte sich wieder Nathalie zu. "Nein hab ich auch nicht. Ich will mich lieber mit frischen Kräften meiner Vergangenheit stellen...", und führte im Geiste hinzu, '...und ein bißchen Spaß kann dabei nicht schaden!'
--- Krankenstation, Büro des Chefarztes
"Normalerweise hätte ich Collins Vorgehen voll unterstützt, wenn er in seinem Bericht nicht auf die Beziehung zu Helen eingegangen wäre", erwiderte der Chefarzt. "Wenn wir ihm jetzt allerdings einfach seine Geschichte ohne belastendes Material zugänglich machen, wird er sicher mißtrauisch, denn dann wird er annehmen, daß wir Teile seiner Vergangenheit zensiert haben."
Kargan trommelte nachdenklich auf seiner Tischplatte. Während der Unterredung mit den Beiden hatte er sich zurückgehalten, weil er ständig nachgedacht hatte, wie ihre Alternativen aussahen. Und abgesehen davon, was sie mit Pormas weiter anstellten, bestand noch die Gefahr, daß dieser später in irgendwelchen Dateien einen Bezug zu Helen finden würde.
Das bedeutete, daß sämtliche gespeicherte Einträge nach entsprechenden Hinweisen durchforstet und anschließend manipuliert werden mußten, was ohne die Zustimmung des Captains oder Silvanas nicht möglich war. Darum würde er sich selber kümmern.
Er fuhr fort: "Zunächst einmal ist es wichtig, daß der Patient sich nicht vernachlässigt fühlt. Und natürlich will er etwas über seine Vergangenheit wissen. Am Besten erstellen Sie eine zurechtgestutzte Liste mit seinen Abenteuern, die Sie dann mit ihm durchgehen. Das ist nicht so unpersönlich, als ihm einfach ein Datenpadd in die Hand zu drücken. Wenn Sie wollen, können Sie ihm diesen Unterschied auch als den Grund unterjubeln, daß ich Collins zurückgepfiffen habe.
Oder haben Sie einen besseren Vorschlag?"
"Nay, Doktor, ich bin mit Ihrem Vorschlag völlig einverstanden!", antwortete die Schottin. Daraufhin verabschiedete sie sich von dem Klingonen und verließ das Büro.
--- Krankenstation, Hauptraum
Mit einem Blick erfaßte die Schottin, daß sich die Station inzwischen gewaltig geleert hatte. Die Frau, die sie vor einer Weile untersucht hatte - und von der sie immer noch keinen Namen wußte - war verschwunden, ebenso ihr merkwürdiger Begleiter mit der Kapuze.
Ebenso verschwunden war Pormas.
Schwester Entenburg stand an einem der Biobetten und räumte gewissenhaft diverse Gerätschaften fort. Llewella war diese Frau mit ihrer merkwürdigen Art zwar immer noch nicht besonders sympathisch, aber immerhin hatte sie festgestellt, daß ihr auf ihre Art das Wohl ihrer Patienten sehr am Herzen lag.
"Hallo, Edwina, haben Sie mitbekommen, wann Mr. Theocrates die Station verlassen hat?", wandte sie sich an die burschikose Frau.
"Aber natürlich, Kindchen", frohlockte diese. (Llewella haßte es, als 'Kindchen' bezeichnet zu werden, aber sie hatte schnell festgestellt, daß eine Beschwerde von Edwina überhaupt nicht wahrgenommen wurde.)
"Mr. Theocrates hat vor ein paar Minuten in Begleitung dieser Frau...", damit wies die Entenburg auf das Biobett, auf dem noch vorher die Frau mit den Prellungen gesessen hatte, ".. verlassen. Er sah mir mächtig aufgeplustert aus!", bemerkte Edwina noch.
"Vielen Dank für die Auskunft, Edwina. Ich bin in der Bar, falls mich jemand benötigt - aber nur, wenn er mit dem Kopf unter dem Arm hereinkommt!", verabschiedete sich die Rothaarige. Immerhin hatte sie sich jetzt auch einmal eine ordentliche Mahlzeit verdient!
Also verließ sie ihren Arbeitsplatz und machte sich auf den Weg in die Bar.
--- Gänge
Gedankenverloren wanderte Llewella durch die Gänge, schien anscheinend ohne nachzudenken den richtigen Weg einzuschlagen, denn sie nahm nicht wirklich wahr, wo sie entlangging. 'Pormas und diese Frau... Scheinbar läuft er wieder zur Hochform auf', dachte sie mit einem amüsierten Schmunzeln. 'Na, immerhin hat er jetzt nicht mehr mich als Opfer auserkoren.
Aber immerhin könnte das unsere Aufgabe etwas vereinfachen. Möglich, daß diese Frau ihm gewaltig bei seiner Regeneration unterstützt, so daß er bald stark genug ist und in ihr genügend Rückhalt findet, um die Wahrheit zu vertragen...', überlegte die Schottin bei sich. Sie beschloß, die Beiden ein wenig im Auge zu behalten.
--- Deck 8, Gänge
Nachdem KWinh den Rest der Fahrt über geschwiegen hatte und Collins das zu respektieren schien, gingen nun beide in Richtung des Maschinenraums.
Die Hektik auf den Gängen nahm zu und der Techniker überlegt kurz, seine Kapuze wieder ins Gesicht zu ziehen, ließ es aber dann bleiben und schüttelte nur mit einem kurzen Kopfnicken ein paar Haare mehr nach vorne.
"Es sieht aus, als gäbe es hier sehr viel zu tun!", meinte er zu dem Psychologen, als der Betrieb auf den Gängen noch mehr zunahm und eine Eingangstür des Maschinenraums am Ende des Ganges auftauchte.
"Ja, da haben Sie allerdings recht!", antwortete Collins. Die Frage nach seiner Herkunft schien KWinh nicht sonderlich gefallen zu haben. Aber Grilmak war dem Psychologen unbekannt, scheinbar schien da noch einiges mehr dahinterzustecken. Interessante Geschichte.
Die meisten Leute, die vorbeikamen, grüßten freundlich. Einige wenige allerdings sahen recht feindselig aus. Diese gehörten ausnahmslos der Föderation an, was sie demonstrativ mit dem Tragen ihrer dienstlich gelieferten Kleidung oder Uniformen zeigten. Es erinnerte Collins an ein Problem, das es noch zu lösen galt.
--- Maschinenraum
Nachdem sie den Maschinenraum betreten hatten, hielt Jack Ausschau nach einer bestimmten Person mit einer bestimmten Haarfarbe.
"Collins! Das ist ja schön, daß du dich auch mal wieder blicken läßt!" KWinh und Jack drehten sich um und standen vor einem kurzen roten Haarschopf.
Jack hatte diesen giftigen Unterton in ihrer Stimme wohl bemerkt. Cindy war zwar klein, aber die Art, wie sie Menschen führte und wie sie mit ihnen umging, verlieh ihr unheimlich Respekt. Seit Xiang weg war, hatte sie sich unheimlich gemausert. Collins hatte sie walten lassen und sie hatte das Beste daraus gemacht.
"Hi Cindy!" Jack grinste sie genauso sarkastisch an. "Tritt doch bitte ein Stück zurück, damit wir dich ganz sehen können", sagte er und machte wohlweislich schnell einen Schritt zurück. Zu spät, Cindys Tritt traf ihn am Schienbein.
"Witzbold!", grinste sie. Seit dem Vorfall im Antimaterielagerraum kamen sie gut miteinander zurecht. Solche kleinen Mobbereien gehörten auch dazu.
"Was treibt dich hier runter, Collins? Sag nicht, du willst hier helfen, wir haben gerade alles wieder im Lot. Und wer ist der Freak?" Cindy deutete auf KWinh.
Collins rieb sich sein Schienbein. "Dieser Freak ist mit größtmöglichster Wahrscheinlichkeit dein neuer Chef. Darf ich vorstellen, KWinh! KWinh, das ist Cindy Pepino, zur Zeit die Chefin im Maschinenraum."
Cindys Hautfarbe nahm kurz die ihrer Haare an und ihre Augen verschossen glühende Pfeile in Richtung Collins. "Hättest du mich nicht informieren können?", fragte sie betont freundlich.
"Tschuldigung, ich geb dafür nachher einen aus, ok?" Collins sah Cindy mit einem Dackelblick an. Sie schüttelte den Kopf langsam und ihre Wut verrauchte schnell. "Du bist vielleicht ein Chaot! Aber gut, ich nehme die Entschuldigung an."
Cindy wandte sich an KWinh. "Das mit dem Freak... ähm tut mir leid, ich habe das wirklich nicht so gemeint. Seien Sie willkommen."
--- Narbos Bar, Tisch 12
Leise hatte Narbo sich wieder dem Tisch angenähert, während Silvana dem Katzenvieh die Grundzüge der Mission erklärte. Anscheinend hatte das kleine Baby schon etwas Angst. Aber bei einem richtigen Kampf würde er sich nicht hinter Mama Silvana verstecken können.
Leicht grinsend ließ der Ferengi das Tablett auf dem Tisch nieder und reichte den beiden Kunden die gewünschten Getränke. Sternenlicht musterte sein Glas mißtrauisch und ein hinterhältiger Blick des Ferengi tat sein Übriges - wäre Narbo Buchhalter gewesen hätte er darauf gewettet, daß das Viech gleich seinen Tricorder ziehen und das Getränk analysieren würde.
Hämisch lachend entfernte sich der Bartender wieder und beschloß für den Rest des Abends hinter der Theke zu bleiben. Sollte doch die Neue ein wenig ihr angebliches Können beweisen!
Sternenlichts Nase war davon überzeugt, normalen Orangensaft vor sich zu haben. Trotzdem fragte er sich, ob er langsam paranoid wurde, war doch der Gedanke in ihm aufgekommen, daß es sich nicht um Orangensaft, sondern um irgend etwas anderes handeln könnte. Letzten Endes siegte seine Nase über sein Mißtrauen, und seine Zunge bestätigte den Eindruck seiner Nase. Es handelte sich wohl tatsächlich um Orangensaft...
Er wandte sich wieder Silvana zu: "Ich habe mir schon sowas gedacht." Jetzt begannen seine Schnurrhaare zu zittern. "Und es macht das gleich noch einmal spannender, das wird einige wirklich schöne Lieder geben."
Ein wenig ernster fuhr er fort: "Und ja, ich weiß, was du meinst. Auch wenn ich manchmal nicht den Eindruck mache, ich bin mir durchaus des Risikos im Klaren, das wir eingehen. Ich werde mich bemühen, dich nicht zu enttäuschen."
--- Theke
Mit einer antreibenden Geste scheuchte er das Mädchen von ihrem Stuhl, damit sie endlich mit der Arbeit begann.
"Das könnte eine lange Nacht werden...", murmelte sich der Ferengi noch selbst zu, bevor er anfing die gewaschenen Gläser zu polieren.
--- Pormas Quartier
In seinem Quartier angekommen durchfuhr den Griechen eine Welle der Erleichterung. Es war aufgeräumt und roch angenehm. Interessiert blickte er sich um. Sein Quartier war nüchtern eingerichtet nur hier und da ein bißchen, meistens durch Schwerter, oder andere antike Waffen verziert.
"Ich hoffe, du entschuldigst mich, Natty, ich gehe ganz schnell unter die Dusche...", verabschiedete sich Pormas von ihr und hauchte ihr, während er zärtlich ihren Arm abstreifte einen sanften Kuß auf die Lippen.
Was der Südländer allerdings nicht bemerkte war das Bild, welches auf seinem Nachttisch stand. Es zeigte ihn und Helen fröhlich auf einer Picknickdecke in einer wunderschönen, vom Holodeck erstellten, Umgebung.
--- Pormas Quartier, Naßzelle
Als der Hüne das Badezimmer betrat durchfuhr ihn wieder ein angenehmer Schock. Hier lag tatsächlich Damenunterwäsche rum. Verblüfft blickte er durch den Raum und kratzte sich nachdenklich am Kopf. War seine Zeit an Bord doch nicht so unspektakulär gewesen?
Schnell schüttelte er diese verwirrenden Gedanken beiseite. Zweifellos war dies eine Hinterlassenschaft einer früheren Bekanntschaft und wohl als Andenken gedacht. Nachdem Pormas sich ausgezogen hatte, legte er die Damenwäsche in seine und knüllte alles in den Waschkorb.
Danach vergewisserte er sich, daß die Badezimmertür nicht abgeschlossen war und genehmigte sich eine angenehme Dusche. Während des Duschens fielen ihm die neuen Narben auf. Neben seiner alten, auf seinem Oberarm, zierten ihn nun auch drei feine quer über die Brust.
'Was zum Henker hab ich denn da gemacht?', fragte der Südländer sich. 'Das sieht ja stark nach Kratzspuren aus. Ich muß diesen Jack doch nochmal nach meiner Vergangenheit löchern...'
--- Maschinenraum
KWinh schaute nachdenklich die kleine Frau an und versuchte, hinter den Zusammenhang von sich und dem Wort "Freak" zu kommen. Da er nicht dahinter kam und keine Beleidigung vermutete, nickte er ihr freundlich zu und wandte sich sofort an Collins: "Mir ist nicht bekannt, daß ich für den Posten des Cheftechnikers angeheuert wurde. Wäre das der Fall, hätte ich mit Sicherheit auf einen höheren Lohn bestanden."
Der Grilmak schüttelte den Kopf und sah noch kurz den verdutzten Collins an. Er würde schon herausfinden, was es mit seinem "Vorgänger" auf sich hatte. Zuerst allerdings würde er sich einen Überblick verschaffen wollen. Dem Psychologen zunickend, drehte er sich wieder zu Cindy: "Es freut mich, Sie kennenzulernen. Vielleicht können Sie etwas Zeit erübrigen und mich einweisen."
"Gute Idee, dann komm mal mit! Und du darfst auch mitkommen, wenn du willst!", meinte sie zu Collins, der ihnen wortlos folgte. KWinh fiel sofort auf, daß er wieder das "Du" zu hören bekam. Nun beschloß er endgültig, auf diesem Schiff das "Sie" zu vergessen. Der kurze Rundgang durch den Maschinenraum brachte zu Tage, daß der Antrieb und die Technik hier größtenteils in Ordnung war, im Rest des Schiffes allerdings noch sehr zu wünschen übrig ließ. Arbeit war also genug da.
Leider gab es hier zu viele Techniker, als daß der Grilmak einen Platz in einem der Büros gefunden hätte, um seine Werkzeugkiste unterzubringen, sie mußte vorerst in seinem Quartier bleiben. Es störte ihn allerdings, daß die meisten Techniker recht planlos durch die Gegend liefen und sich ihre Arbeit selbst suchten. Aber das war nicht sein Problem.
Nun, da er wußte, woran er war, spürte er Müdigkeit in sich aufkommen. Es wurde ihm bewußt, daß er seit mindestens 24 Stunden nicht mehr geschlafen hatte. "Wenn ich nicht sofort gebraucht werde, würde ich gerne etwas ausruhen und morgen dann mit der ersten Schicht anfangen", meinte er in Richtung Cindys.
Diese klopfte ihm auf den Arm und meinte: "Na klar, kein Problem, schlaf dich nur mal aus. Du hast ja schon ganz rote Augen!"
Zuerst wollte der Techniker protestieren und erklären, was es mit den Augen auf sich hatte, aber an dem Lächeln im Gesicht der Frau erkannte er, daß sie einen Scherz gemacht hatte, der diesmal wirklich zu ihm durchkam und mußte darüber lachen.
"Geh am Besten vorher noch in Narbos Bar und genehmige dir einen Schlummertrunk... es ist noch nicht mal Abend!", rief die Rothaarige ihm hinterher, als er sich mit einem Nicken in ihre und Collins' Richtung verabschiedete.
"Merkwürdiger Kerl!", bemerkte Cindy. "Irgendwie steif", sie drehte sich zu Jack und schlug ohne Vorwarnung mit ihrer Stiefelspitze gegen das noch nicht lädierte Schienbein des Psychologen.
"Au! Verdammt!", rief Collins mit schmerzverzerrtem Gesicht. "Was ist denn jetzt schon wieder?"
"Mein neuer Chef, wie? Das war wohl wieder ein kleiner Scherz, was? Ich hätte es wissen müssen!" Cindy holte eine kleines Padd aus ihrer Seitentasche und notierte sich etwas. "Das macht dann zwei!", sagte sie frech grinsend.
"Zwei was?", fragte Jack.
"Na zwei Drinks, zur Strafe!", antwortete die Technikerin.
"Hör zu Cindy, ich dachte wirklich, er ist dein neuer Chef. Ich wollte damit keinen Scherz machen, ehrlich!" Collins folgte der kleinen Frau zu einem der Terminals.
--- Deck 8, Gänge
Die Frage nach der Bar beantwortete der Computer sofort und ohne irgendwelche Mätzchen. KWinh atmete erleichtert auf. Wenigstens das schien hier kein Problem zu sein. Trotzdem nahm er nicht den direkten Weg dorthin, sondern schlenderte durch die Gänge und schaute sich um.
Leicht fröstelnd zog der Grilmak seine Kapuze tief in sein Gesicht. Weniger um sich zu verstecken, als vielmehr, um sich etwas abzuschotten, um mit seinen Gedanken alleine zu sein.
Das war es also, sein neues Zuhause auf Zeit. Er hoffte, diese Zeit würde nun länger sein, als die auf dem letzten Schiff. Das was er bisher mitbekommen hatte, deutete darauf hin, daß sie vielleicht sehr kurz werden würde, schien hier doch ein ziemlicher Verschleiß an Personal zu herrschen. Die teilweise notdürftig zusammengebauten Maschinen und Verkleidungen, die er auf seinem Weg sah, ließen allerdings auch den Schluß zu, daß Techniker hier ziemlich notwendig gebraucht wurden.
Die angetrunkenen Leute, die ihm entgegenkamen, zeigten dem Techniker, daß er sich der Bar näherte. Immerhin schien dort reger Betrieb zu herrschen. Er hoffte, daß das positiv auf die Qualität des Etablissements schließen ließ.
--- Maschinenraum, Warpkernkontollterminal
"Bla, bla!", sagte Cindy und überprüfte ein paar Einstellungen. "Wegen Meckerns gibt es dann auch noch ein Essen! Noch Fragen?"
Collins verzog das Gesicht und überlegte. Dann grinste er. "Na also!", sagte er. "Ist doch gar nicht so schwer eine Verabredung zum Essen mit dir zu bekommen." Er drehte sich um und ging raschen Schrittes zum Ausgang. Zwei Schienbeine hatte die Technikerin schon beschädigt, wer wußte schon, wo der nächste Tritt hinging.
--- beim Ausgang
Vorsichtig wagte der Psychologe einen Blick zur Warpkernkonsole, wo eine kleine rothaarige Frau wütend mit den Fingern auf der Konsole trommelte. "Darüber reden wir noch!" rief sie ihm zu.
Jack hob den Daumen und grinste. "Klar!", rief er. "Nachher beim Essen!" Er drehte sich um. 'Frauen!', dachte er und verließ den Maschinenraum.
--- Turbolift
Die Tür öffnete sich und der Psychologe trat in den leeren Lift. 'So, was machen wir jetzt?', dachte er.
Während er überlegte, wo er jetzt hin sollte, betraten zwei Techniker der Sternenflotte den Lift und beendeten schlagartig ihr bis dahin scheinbar intensives Gespräch. Außerdem folgte ihnen merkwürdigerweise kein Sicherheitsmensch.
Die beiden stellten sich neben Collins und sahen ihn mißtrauisch an. Nach dreißig Sekunden Schweigen blickte der Psychologe an sich herunter. "Ist meine Hose auf oder warum starrt ihr mich so an?"
Das schien zu wirken. "Äh, nein! Wir waren nur ein wenig in Gedanken und... ja...", der eine druckste herum.
"Und da habt ihr euch fürchterlich erschrocken, als ihr mich gesehen habt, was?", beendete Jack den Satz.
"Na ja, erschrocken nicht, wir dachten der Lift wäre leer und plötzlich standen Sie da", antwortete der eine Techniker.
Collins nickte. "Deck 6!", sagte er und der Lift setzte sich in Bewegung.
Der Psychologe beschloß die Gelegenheit zu nutzen. "Ich habe gehört, ihr fühlt euch hier an Bord nicht so wohl?"
Die beiden sahen sich an. "Was heißt nicht wohlfühlen?", begann der eine. "Eigentlich..."
"Sie haben kein Recht uns festzuhalten!", unterbrach der andere den Ersten. "Wir sind Bürger der Förderation! Wissen Sie eigentlich was Ihnen passiert, wenn die Sternenflotte das hier alles zu wissen bekommt?"
Der Turbolift stoppte. "Computer, Tür verriegeln!", sagte Collins und sah die beiden ernst an. "Hört zu Leute, ich habe das eurem Freund Weber schon mal erklärt. Ihr seid hier nicht auf einem Föderationsdampfer. Hier spielt man nach anderen Regeln und die unterscheiden sich gewaltig von denen der Sternenflotte.
Das einige von euch hier weg wollen, kann ich verstehen und ich persönlich habe auch nichts dagegen. Aber die letzte Entscheidung hat der Captain. Und hört auf mit diesem banalen Widerstand, ihr habt keine Chance. Wenn es zuviel wird, werdet ihr kurzerhand rausgeschmissen, meistens ohne Schutzanzug.
Das soll keine Drohung sein, aber stellt ihr euch bei jeder Gelegenheit quer, dann kann ich für nichts garantieren. Wenn ihr mit dem Strom schwimmt, habt ihr es einfacher und mit größter Wahrscheinlichkeit beim nächsten Stop auf einer Raumstation oder woanders, Gelegenheit das Schiff zu verlassen."
Der Lift war inzwischen an seinem Ziel angekommen. Jack ließ den Computer die Turbolifttür entriegeln und trat auf den Gang hinaus. "Noch was!", sagte er und blickte in den Lift. "Laßt euch bitte nicht von Weber aufhetzen."
--- Narbos Bar, Eingang
Ausgehungert betrat Llewella die Bar, in der es schon lebhaft zuging. Sie bemerkte Silvana und diese große Katze an einem der Tische, setzte sich in deren Nähe und begann endlich, sich zu entspannen...
--- Tisch 16
Nachdem die Schottin sich gesetzt hatte, dauerte es nicht lange und eine recht hübsche junge Frau erschien, um ihre Bestellung aufzunehmen. 'Zum Glück macht das nicht dieser elende Ferengi', brummte Llewella innerlich, denn diesen Narbo konnte sie bereits seit ihrer ersten Begegnung im Shuttlehangar nicht ausstehen.
"Ich hätte gerne", blitzschnell überlegte die Schottin, wonach ihr zu Mute war, "ein schönes Steak mit Backkartoffeln und einem Salat", bestellte sie dann. "Außerdem hätte ich gerne einen Whisky - und kommen Sie mir nicht mit irgendwas Billigem oder etwas Irischen. Ich komme aus Schottland, und ich weiß, wie Whisky schmecken muß!"
Die junge Frau warf einen mißmutigen Blick auf ihren Chef, der hinter der Bar stand und unermüdlich Gläser polierte. "Ist mir egal, was er dazu sagt!", erhob Llewella ihre Stimme ein kleines bißchen, woraufhin die Bedienung resigniert durchatmete und sich auf den Weg machte.
Die Rothaarige blickte sich ein wenig in der Bar um. Sie war recht gut besucht, ein gewisser Geräuschpegel war gegeben, auch wenn er noch nicht das Stadium erreicht hatte, wo er unangenehm werden würde.
Llewella lehnte sich zurück und streckte ihre langen Beine von sich. In aller Ruhe wartete sie auf ihre Mahlzeit. Während sie sich entspannte, drangen Gesprächsfetzen vom Nachbartisch an ihr Ohr, die sie jedoch nicht wirklich bewußt wahrnahm...
--- Tisch 12
Silvana beobachtete die klare bernsteinfarbene Flüssigkeit, die sich in ihrem Glas sanft schaukelnd bewegte, als sie es anhob und prüfend daran roch. Von Narbos feinstem Vorrat wie sie erfreut feststellte.
Bevor sie näher auf Sternenlichts Worte einging, nahm sie ein paar Schluck und die Flüssigkeit bahnte sich wie Feuer den Weg in ihre Kehle hinab, bis sie in ihrem Magen ein wahres Feuerwerk entfachte. Zufrieden stellte sie das Glas wieder auf den Tisch und lehnte sich zurück.
"Ich habe das Gefühl, daß du der fähigste Wissenschaftler bist, den die Privateer je hatte. Zum einen scheinst du ein heller Kopf zu sein und zum anderen bist du niemand auf den man groß aufpassen müßte." Ihr Blick glitt über seinen Körper und ihr gefiel was sie da sah. Hinter einem Haufen Haar schien sich der drahtige durchtrainierte Körper eines Raubtiers zu stecken.
"Wenn du lange leben willst solltest du einen gut gemeinten Rat von mir annehmen: Wenn dich jemand töten will, sei schneller und töte ihn zuerst. Denn mit der Einstellung erst den Grund heraus zu finden, warum er dich töten will und Fragen zu stellen, wirst du große Schwierigkeiten bekommen." Seine cyanfarbenen Augen verliehen ihm den Eindruck, als wäre sein Gerechtigkeitssinn stärker als sein Trieb zu überleben. Die Sicherheitschefin fragte sich, ob er es schaffen würde ihn zurückzustellen.
Sternenlichts Muskeln hatten sich langsam begonnen, anzuspannen. Und dies lag nicht nur an dem Geruch des Alkohols, der ihm mit jedem Atemzug Silvanas beißend in der Nase lag. Einerseits fühlte er sich zu dieser Menschenfrau hingezogen, war sie doch jemand, der - zumindest körperlich - seiner Art doch sehr viel näher war, als alles, was ihm in den letzten Jahren außerhalb von Sivao über den Weg gelaufen war.
Andererseits, und das war etwas, was dem Sivaoaner erst langsam wirklich bewußt wurde, andererseits war sie eines der kompromißlosesten Raubtiere, die er kannte. Sie kämpfte nicht weil sie mußte, sondern, weil sie sich dadurch Respekt verschaffen wollte, weil es in ihrer Natur lag und, das war für ihn am Unglaublichsten, weil sie Spaß am Spiel mit dem Tod hatte. Sie schien nicht das Leben zu verehren, sondern den Tod.
"Silvana, entgegen dem Eindruck, den ich vielleicht mache, weiß ich sehr gut, worauf ich mich einlasse. Wie ich schon einmal sagte, ich bin mir durchaus bewußt, worauf ich mich einlasse. Im Gegensatz zu dir lautet meine Devise aber nicht Erstschlag, das habe ich nicht notwendig. Meine Instinkte, mein Körper und mein Auge für die Umgebung und für Leute die mich nicht leiden können, ist besser geschult, als du vielleicht glauben magst.
Ich liebe meine Musik und meine Geschichten, ich verehre das Leben, ja gewiß, in deinen Augen muß ich furchtbar schwach aussehen. Glaube nur nicht, daß wir Sivaoaner unsere natürlichen Instinkte unterdrücken, daß können wir uns auf Sivao nicht leisten.
Ich bin dir für deinen Rat zu Dank verpflichtet. Mir ist klar, daß du es nur gut meinst. Aber laß dir gesagt sein, daß ich sehr gut auf mich alleine aufpassen kann. Ich habe bisher nur aus Selbstverteidigung getötet, aber was Verletzungen anderer betrifft - sagen wir einmal, ich verteile immer nur eine Warnung..."
Sternenlicht ließ den Rest des Satzes in der Luft hängen, er befand es nicht für notwendig zu erwähnen, daß Silvana ihre Warnung schon vor geraumer Zeit erhalten hatte...
--- Pormas Quartier
Etwas unschlüssig blickte sich Nathalie in dem Quartier um, nachdem Pormas im Bad verschwunden war. Doch mit den Gedanken war sie mit anderen Sachen beschäftigt, Sachen, die sie beide in wenigen Minuten tun würden. So fiel ihre Begutachtung eher oberflächlich aus. Nur die Waffen weckten kurz ihr Interesse.
Eines der Schwerter sah recht massiv und ungebraucht aus, die Klinge blankpoliert. In dem reflektierenden Metall konnte sie sogar ihr Spiegelbild sehen.
Mit dem Anblick verlor sie augenblicklich das Interesse und wandte sich abrupt dem nächsten Display zu. Mit einigen hektischen Handgriffen versuchte sie in dem provisorischen Spiegel, ihre Frisur einigermaßen wieder in Form zu bringen.
"Verdammt!", entfuhr es ihr. Ohne ordentlichen Spiegel und einem Kamm war es fast ein Ding der Unmöglichkeit, halbwegs vernünftig auszusehen. Natty wünschte, sie hätte als Erste im Bad verschwinden können. Vorwurfsvoll zog sie ihrem Spiegelbild eine Grimasse. Andererseits, würde Pormas was dagegen haben, wenn sie kurz rein ginge? Vielleicht würde er sie gar nicht erst bemerken, wenn er doch unter der Dusche stand...
Zögerlich näherte sie sich der Tür. Und wenn er sie bemerkte? Sie erinnerte sich an ein ähnliches Szenario vor nicht allzu langer Zeit, das leider in einem Fiasko geendet hatte.
Seufzend wandte Nathalie sich wieder ab. Langsam kam sie sich recht albern vor. Wie ein junges, dummes Ding, das völlig verschüchtert vor seinem ersten Date stand. 'Mädchen, du machst das doch nicht zum ersten Mal! Nur dieses Mal bitte nicht vermasseln! Nicht schon wieder!'
Nur konnte sie doch nicht mit ihrer möglichen neuen Flamme essen, wenn sie 'so' aussah. Nein, das wirkte in der Tat nicht sehr appetitlich. Ein Spiegel mußte her und ein Kamm. Augenblicklich!
Erneut drehte sie sich zur Türe, diesmal jedoch entschlossen, straffte sich und betrat fast schleichend das Bad. Just in dem Moment hörte das Plätschern auf und die Türe der Naßzelle schwang auf.
Hastig zog Nathalie ihren Haarschmuck heraus und ihre Frisur wandelte sich von durcheinander hochgesteckt zur wallende Mähne. 'Problem gelöst!'
Dann sah sie Pormas - ein wenig mehr Pormas, als sie sich hätte wünschen können - und erstarrte zu einer Säule. 'Neues Problem!'
"Äh...", druckste Natty herum und suchte in ihrem Gehirn verzweifelt das Areal, in dem üblicherweise Worte abgespeichert waren, "ich wollte fragen, was du denn gerne... äh,... essen würdest?"
'Tolle Erklärung!', dachte sie lakonisch und biß sich auf die Zunge.
"Mmh... dann laß mich mal überlegen...", antwortete Pormas ungerührt, während er seinen Arm nach einem Handtuch streckte und sich abtrocknete. "Ich glaube ich laß mich einfach überraschen, ich wüßte zur Zeit sowieso nicht, was ich in letzter Zeit gerne gegessen habe..:", fügte er mit einem Lächeln hinzu.
Während Natty noch ein bißchen verlegen rumdruckste, band sich der Grieche das Handtuch um seine Hüfte, um seinem Gegenüber die Möglichkeit zu geben, sich wieder zu fangen.
"Aber warum entscheiden wir das nicht gleich zusammen? Wenn du fertig
bist, dürfte ich auch angezogen sein und dann können wir uns immer
noch entscheiden", fügte er mit einem Lächeln hinzu und ging
aus dem Bad
hinaus.
--- Deck 6, Gänge
Die Lifttüren schlossen sich wieder. Collins ging langsam den Gang in Richtung der Bar.
Die beiden Techniker würden mit ihren Kollegen sprechen. Vielleicht sogar die Mehrheit überzeugen, hoffentlich! Nur einen würden sie mit Sicherheit nicht überzeugen, Weber.
Er betätigte seinen Communicator: "Collins an Sicherheit, im Turbolift auf Deck 6 sind mir gerade zwei Föderationstechniker ohne Begleitung begegnet. Ich hoffe ihr habt das im Griff! Collins Ende."
Eigentlich war es noch zu früh für einen Drink, aber schließlich hatte Jack den beiden Technikern gerade erzählt, daß hier an Bord andere Regeln galten. Also sprach demnach nichts gegen einen Drink und er betrat die Bar.
--- Narbos Bar, Tisch 16
Amüsiert beobachtete die Schottin die Auseinandersetzung an der Theke, die ihre Bestellung hervorgerufen hatte. Anscheinend war Narbo nicht gerade begeistert, jemanden in seiner Bar vorzufinden, der in der Lage sein würde, echten Single Malt von einem gepanschten Whisky zu unterscheiden.
Schließlich jedoch schien er nachzugeben; er warf Llewella einen verärgerten Blick zu und verschwand 'unter' der Theke. Kurze Zeit später brachte Terjana die Bestellung der Schottin.
Llewella fing an, ihr Steak zu verspeisen, das gar nicht einmal schlecht war und nippte vorsichtig an ihrem Whisky. Genießerisch schmeckte sie das malzige, rauchige Aroma. Ja, das war ein wirklich guter Tropfen.
Aus den Augenwinkeln bemerkte sie, daß die Türe der Bar sich geöffnet hatte und drehte sich leicht in deren Richtung.
'Ah, Jack!' dachte sie, dann winkte sie dem Psychologen kurz freundlich zu. Immerhin mußte man sich durch eine unterschiedliche fachliche Meinung nicht gleich jede einigermaßen freundschaftliche Beziehung zu einem Kollegen versauen.
Fand Llewella jedenfalls.
'Eigentlich bin ich ja noch wütend', dachte Jack ein wenig sarkastisch, während er schon grüßte und die Bar durchquerte. 'Aber was soll es, Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps!'
"Guten Appetit!", sagte der Psychologe. Er roch das würzige Aroma eines ihm sehr bekannten Getränkes. Anerkennend nickte er. "Ich sehe, es gibt doch noch Dinge, wo wir einer Meinung sind, was?", sagte er lächelnd.
Collins winkte der Bedienung zu und deutete dabei auf Llewellas Glas. "Du erlaubst?", fragte er und deutete auf den freien Platz am Tisch. Sie nickte und der Psychologe setzte sich.
Erst jetzt bemerkte Jack Silvana, die sich ein paar Tische weiter mit einem... ja, hm. Collins tat sich ein wenig schwer mit den Rassen in diesem Universum, aber auch diese war ihm nicht bekannt. Auf jeden Fall unterhielten sich beide recht intensiv und es sah nicht so aus, daß Silvana ihn bemerkt hatte.
'Wollen mal lieber nicht stören', dachte der Psychologe und richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf Llewella, während die Bedienung den Single Malt brachte.
"Ich hoffe, es schmeckt!", sagte Collins prostete der Schottin zu.
Irgendwie erleichtert grinste die Schottin den Psychologen an. "Aye, es schmeckt sogar erstaunlich gut!" antwortete sie ihm, ergriff ihr Glas und blickte Collins direkt ins Gesicht. "Slainte mhath!" prostete sie ihm zu und nahm einen Schluck Whisky.
"Erstaunlicherweise hat dieser Ferengi sogar echten schottischen Whisky in seinem Repertoire. Allerdings rückt er ihn nicht sehr gerne raus, ich mußte ziemlich Druck machen. Wahrscheinlicht hat er jetzt ein Problem mit mir", lachte die Rothaarige.
"Ich hoffe, daß sie dir auch einen Guten gebracht hat, nachdem du dich ja zu mir gesetzt hast...?", wollte sie dann wissen.
Ohne jedoch die Antwort abzuwarten, griff sie dann das Thema auf, das ihr bezüglich Jack gerade am meisten am Herzen lag: "Ich glaube übrigens, daß Pormas sich gerade selber, ohne unser Zutun, die beste Therapie verschrieben hat, die es nur geben kann: Er ist mit der neuen was-auch-immer-sie-ist aus der Krankenstation verschwunden. Es sieht ganz so aus, als hätte er eine neue Eroberung gemacht!"
Collins nahm einen tiefen Schluck aus dem Glas. Es war eine wohlige Wärme, die in seiner Kehle runterrann. "Du meinst die mit dem Schmuck", sagte er und überlegte.
"Soviel ich weiß, hatten Pormas und Helen ein gemeinsames Quartier. Wollen wir hoffen, daß sie das Quartier nicht angesteuert haben, denn dort werden mit Sicherheit einige persönliche Dinge Helens sein, die Pormas seine Erinnerung zurückgeben könnten." Jack stellte das Glas zurück auf dem Tisch. "Ich glaube noch immer, er würde es verkraften, wenn er sich denn erinnert."
Llewella überlegte kurz, bevor sie ihrem Gegenüber antwortete. "Wahrscheinlich hast du sogar Recht, Jack, aber mir war es einfach zu unsicher, ihn gleich so kurz nach dem Aufwachen damit zu konfrontieren. Der Tricorder hat zwar gemeint, er sei soweit belastbar - aber was ich von dieser ganzen Gerätemedizin halte, weißt du ja."
Mit diesen Worten schenkte die Schottin Jack eines ihrer breiten Grinsen. "Naja, wahrscheinlich machen wir uns sowieso zu viel Gedanken. Ich hoffe jetzt einfach mal, daß diese Frau ihn so weit beschäftigt, daß es ihm hilft, über eine eventuell auftauchende Erinnerung an Helen wegzukommen."
Nachdenklich blickte Llewella in ihr Whiskyglas, in dem sie die bernsteinfarbene Flüssigkeit leise schwenkte. "Soll ich dir was sagen, Jack? Bevor diese Frau auftauchte, hatte ich das dumpfe Gefühl, Pormas hätte mich als sein nächstes 'Opfer' auserkoren - und dieses Gefühl hat mir nicht wirklich gefallen..."
--- Pormas Quartier
In dem Moment, als Pormas das Bad verließ, kam ein unwillkürliches Grinsen auf sein Gesicht, und er mußte es sich verkneifen nicht laut loszuprusten. 'Nett ist sie ja, aber doch ein bißchen unbedacht...', lächelte der Hüne in sich hinein, 'aber jetzt weiß sie, was sie nachher erwartet... und dürfte Lust auf mehr bekommen haben.'
Aber das war jetzt nebensächlich, schließlich wollte er sich jetzt was anziehen, bevor Natty wieder aus dem Bad kam. Schnell trocknete er sich ab und ging instinktiv zu einer schwarzen Kommode, in der er auch seine Unterwäsche fand. Auch seine Schwarze.
Danach führte sein Weg zum Kleiderschrank, nachdem er kurz seinen Koffer überprüft hatte, der, wie es Pormas Gewohnheit war, immer unter dem Bett lag. Eine kurze Überprüfung der Sicherheitsmechanismen ergab, daß sich tatsächlich niemand über ihn hergemacht hatte.
Als der Grieche nun seinen Kleiderschrank öffnete, traf ihn fast der Schlag. Gut ein Viertel der Garderobe waren Frauenkleider!
'Was zum Henker...', durchfuhr es den Hünen. 'Bin ich unter die Fetischisten gegangen, oder was?'
Aber nein, korrigierte er sich selbst. Es sah vielmehr so aus, als ob er eine feste Freundin gehabt haben mußte. Schnell eilte er wieder zur Kommode und fand eine Schublade weiter unten auch noch die entsprechende Unteräsche.
Mit den Initialen H.R. 'Wenn ich eine Freundin habe, warum spricht aber keiner von ihr, bzw. habe ich sie noch nicht gesehen?', rätselte Pormas rum. 'Hab mich wohl von ihr getrennt.... na egal, war wohl nichts Dolles gewesen, obwohl die Kleidergröße doch recht ansprechend ist.'
Schnell zog Pormas nun eine schwarze Hose und ein blaues Hemd mit einem dunkelblauen Muster an, mit einem schwarzen paar Schuhe und schloß alle Türen und Schubladen, als Natty schon aus dem Bad herauskam.
--- Narbos Bar
KWinh trat ein und sah sich um. Glücklicherweise waren nicht alle Tische besetzt und er suchte sich einen in der Ecke. Unterwegs erkannte er Collins, aber ihm war im Moment nicht danach zu Mute, neue Freunde zu finden.
--- Tisch in der Ecke
Leider war auch die einzige Person an Bord, die er kannte, nicht in der Nähe, also setzte er sich hin, stellte seinen Stab in die Ecke und wartete darauf, bedient zu werden.
Nachdem der Grilmakpriester bei einer ziemlich verdutzt dreinschauenden Bedienung eine Pfirsichlimonade bestellt hatte, erkannte er mehrere Gesichter an den anderen Tischen. Es schien sich hier wirklich um einen zentralen Anlaufpunkt zu handeln.
Wieder in Gedanken versunken, schrak er auf, als er einen heftigen Schlag auf die Schulter bekam. Ohne seinen Kopf wesentlich zu bewegen, erkannte er, daß es sich um einen Betrunkenen handelte, der ihm einen übertriebenen "Klaps" versetzt hatte. Bewußt schaute er nicht ganz zu ihm hoch, um eine Konfrontation zu verhindern.
Der Betrunkene jedoch schien es genau darauf angelegt zu haben. "HEY! Sag mal, Kapuzenmann! Hihi! Sach ma bist du ein Priester oder sowas?", spuckte ihm der Mann förmlich entgegen und lachte dabei in die Richtung eines Tisches, an dem wohl seine Kumpane saßen. Leicht schwankend erwartete er eine Antwort.
KWinh hob nun doch den Kopf und schaute zu ihm hoch, fixierte seine Augen. Der Betrunkene schaute ihn an, blinzelte zu oft und schaute wieder zu seinen Freunden. "Ja.... brauchst du meine Hilfe?", war die Antwort des Grilmak, sie kam ruhig und bedächtig.
Das Lachen im Gesicht des Mannes verstarb augenblicklich. "Äh, nein... danke." Als der Kerl wieder ging, widmete KWinh sich wieder der Bedienung, die ein paar Schritte entfernt gewartet hatte und ihm nun ein großes Glas brachte.
Sie brachte ein Lächeln zu Stande, als sie es abstellte und flüsterte ihm fast zu: "Wir haben das selten, daß so was keine Schlägerei gibt. Danke!" Schon hatte sie sich umgedreht und ging wieder zur Theke.
Wieder alleine, schaute KWinh sich in der Bar um. Diese Einrichtungen waren immer der beste Platz, um etwas über die Stimmung an Bord eines Schiffes zu erfahren. Die Stimmung in dieser Bar war etwas chaotisch, aber grundsätzlich gut. Das deutete auf ein recht gutes Klima an Bord hin. Der Betrunkene war nicht unbedingt ein Zeichen in die gegenteilige Richtung.
Während er seine Pfirsichlimonade trank, streifte der Blick des Grilmak wieder die beiden Tische, an denen Personen saßen, die er zumindest schon mal persönlich getroffen hatte. Er überlegte kurz, ob er nicht zu einem der Tische gehen sollte. Er suchte zwar nicht unbedingt Freundschaften, aber ein Gespräch war auf jeden Fall dem vorzuziehen, alleine an diesem Tisch zu sitzen.
Kurzentschlossen stand er auf und ging zu dem Tisch hinüber, an dem Collins und die Medizinerin saßen. Der Techniker nickte den Beiden freundlich zu und grüßte: "Darf ich mich zu Ihnen setzen? Ich hoffe, ich störe nicht..."
--- Tisch 12
Mit einem amüsierten Grinsen hatte Silvana die Ausführungen des Sivaoaners verfolgt. Sie konnte nicht umhin, aber sie nahm Sternenlicht nicht ganz ernst. Sonst hätte sie ihn auch gelehrt was es bedeutete ihr durch die Blume den Erstschlag zu unterstellen, weil sie ihn "notwendig" hatte.
Aber diese Katze wußte es nicht besser. Kam frisch von ihrem unterentwickelten Planeten, dessen Evolution nichts weiter als sprechende Katzen hervorgebracht hatte, die primitiv lebten wie in der Frühgeschichte der Erde und ohne fremde Hilfe nicht mal ihren Planeten hätten verlassen können. Dazu benahm er sich wie ein Kadett frisch auf der Akademie der Sternenflotte. Blauäugig und mit einem Stolz, der zeigen sollte, daß er wußte worauf es ankam und bereit war alles zum Guten zu führen.
Allein der Gedanke daran entlockte ihr ein süffisantes Lachen.
Aber Sternenlicht war eben Wissenschaftler und singender Geschichtenerzähler mit Leib und Seele und diese benahmen sich immer ziemlich weltfremd und lebten in ihrer eigenen Welt nach ihren eigenen Regeln. Wenn sie nicht gerade unter Silvanas Krallen endeten...
"Es hat nichts damit zu tun, ob du schwach 'aussiehst', was ich nicht denke, sonst hätte ich nicht vorhin gesagt, daß du auf dich selbst aufpassen kannst und mir keine Last bist." Für einen Moment fragte sich die Sicherheitschefin, ob sie überhaupt von diesem Tier verstanden wurde, das sich zu fein für gute Ratschläge war. Doch verfolgte sie den Gedanken nicht weiter. Sie hatte ihn in einer zwielichtigen Stationsbar aufgegabelt und konnte nicht erwarten, daß er überhaupt mehr taugte, als die Scanner abzulesen.
"Es hat aber sehr wohl damit zu tun, daß Fragen dich dein Leben kosten können, wenn du immer nach Antworten suchst, statt zu handeln. Entgegen deiner Annahme habe ich keinen Erstschlag nötig, doch ich warte nicht erst, bis mein Gegner mir keine Chance für einen Zweitschlag gibt." Sie winkte der Bedienung und deutete auf ihr Glas. Sternenlichts Ausführungen zu folgen und dabei auf dem Trockenen zu sitzen kam schon einer Tierquälerei gleich.
Dann wandte sie sich wieder der Katze zu ohne ihm Gelegenheit zu antworten zu geben. "Du verteilst also immer nur Warnungen. Klappst deine plüschigen Öhrchen zurück, stellst deine Nackenhärchen auf um an Größe zu gewinnen, peitscht wütend mit deinem zugegeben beeindruckenden Schwanz, fährst deine Krallen aus und knurrst und fauchst dabei warnend.
Ja, sicher sehr beeindruckend, wenn man ebenfalls Sivaoaner ist, aber die Masche zieht bei vielen anderen Rassen nicht. Auf dem Planeten Xandis bekommt man allein für das Fell eines deiner Freunde drei Sklavinnen, sogar fünf wenn man gut handeln kann. Dafür stellen viele Fragen zurück und..."
Ihre Augen waren dem neuen Techniker gefolgt, der an einem der Tische Platz genommen hatte. Sie fragte sich, ob er schon genug vom Schiff gesehen hatte um sich gleich hier häuslich nieder zu lassen. Aber anscheinend fiel er in seiner lächerlichen Aufmachung nicht nur ihr auf, sondern auch anderen Leute. Sie sprach weiter, doch ihre Augen waren bei dem Techniker:
"Instinkte können oft nur warnen, wenn derjenige auch ein Motiv hat und du seine Emotionen spüren kannst. Doch ich habe schon einen Haufen Leute kennengelernt, die über etwas wie 'Emotion' gar nicht verfügen und die einfach nur töten. Töten, weil es Geschäft ist. Töten, weil es ihnen Spaß macht. Töten, weil sie nichts anderes gelernt haben.
Eine automatische Reaktion, wenn du es so willst. Ihre Art von Reflex. - Ein wenig Katzenbuckeln und Gepfauche wird die nicht wesentlich beeindrucken."
Sie lächelte, doch ihr Lächeln war kalt wie Eis.
--- Tisch 16
Llewella blickte auf, als der Neue sie ansprach. Kurz zuckte sie mit den Schultern, dann meinte sie: "Aye, ich habe nichts dagegen. Was ist mit dir, Jack?"
"Nein, ich habe bestimmt nichts dagegen, setzen Sie sich KWinh!" Collins schrak ein wenig aus seinen Gedanken, in denen er sich gerade ausmalte wie Pormas Llewella anbaggerte. Wenn sich Pormas wirklich an nichts mehr erinnern würde, wäre kaum eine Frau noch sicher vor ihm... außer vielleicht Edwina.
Der Psychologe trank noch einen Schluck und musterte den Grilmak. " Ich bin mal wieder neugierig, vorhin im Maschinenraum habe ich bemerkt, daß Sie ein paar Probleme mit unserem Humor haben. Sie scheinen entweder nach einem strengen Glauben erzogen zu sein, oder aber Sie verstehen keinen Spaß und ich sollte jetzt lieber meinen Mund halten.
Ich kenne die Sitten und Gebräuche Ihrer Rasse nicht, falls diese Frage unhöflich ist, sagen Sie es mir. Die Neugierde gehört zu dem Beruf, nur so kann man dazulernen." Collins stellte sein Glas auf dem Tisch.
--- Pormas Quartier
Erleichtert, aber auch ein wenig enttäuscht, nahm Nathalie zur Kenntnis, daß Pormas inzwischen angezogen war, als sie fertig war. Sie selbst hatte im Bad nicht allzu lange gebraucht, nachdem sich ihr Haarproblem so schnell und überraschend gelöst hatte. Sie war jetzt lediglich einige häßliche Blut- und Staubflecken los. Und ein weiterer Knopf ihrer Bluse war geöffnet...
Sie setzte ein charmantes Lächeln auf und musterte ihr Gegenüber. So frisch geduscht mit noch etwas feuchtem Haar sah er noch appetitlicher aus. Obwohl ihr sein Anblick vorhin weitaus besser gefallen hatte.
Sein Gesichtsausdruck beruhigte Natty. Sie hatte sich schon Sorgen gemacht, daß Pormas ihren Besuch im Bad übelnehmen würde. Doch anscheinend war dem nicht so und Nathalie beschloß, darüber keine Bemerkung zu verlieren. Statt dessen ging sie wortlos zum Replikator. Dumm nur, daß er genau in dessen Nähe stand.
Ihre Schulter streifte ihn sacht, als sie sich der manuellen Bedienung widmete, doch sie wich nicht zur Seite. Die Berührung ließ sie schaudern und sie genoß das Gefühl, daß sie so lange vermißt hatte.
"Wie wär's denn", setzte Natty mit samtweicher Stimme an, bevor sie noch in Versuchung kommen konnte, sich noch enger an seine Brust zu schmiegen, "wenn du schon mal den Tisch deckst und ich suche uns was Leckeres aus?"
Der elektrisierende Körperkontakt brach plötzlich ab, als Pormas ihrer Bitte nachkam. Nathalie atmete kurz tief durch und wählte aus dem Menüangebot ein Gericht von Betazoid - mit wenig Fleisch und einer großen Gemüsepfanne. Gemüse, dem eine bestimmte Wirkung beim Verzehr nachgesagt wurde. Nicht umsonst erfreute es sich großer Beliebtheit vor allem bei jungen Leuten und frisch Verliebten.
Als das Summen und Flirren des Replikators erstarb, ergriff Nathalie die beiden Teller und ging zum Tisch, an dem Pormas bereits saß. Sie ließ es sich nicht nehmen, beim Servieren noch einmal wie durch Zufall seinen Körper zu streifen. "Ich hoffe, es schmeckt dir!", raunte sie ihm ins Ohr und setzte sich gegenüber.
"Ich habe es schon lange nicht mehr gegessen. Einige der Zutaten sind schwer zu bekommen - besonders auf Risa." Eigentlich war Natty nicht der Sinn nach reden, besonders, weil ihr einfach kein vernünftiges Thema für eine Unterhaltung einfallen wollte. Doch genauso unangenehm erschien ihr peinliches Anschweigen und so verfiel sie wieder in ein altes Laster: Sie fing an, sinnloses Zeug zu plappern. "Und auf den meisten Planeten, wenn gerade Frühlingszeit ist.
Zugegeben, nicht jeder mag es. Ich glaube, Klingonen oder Cardassianer kann man dafür nicht gerade begeistern. Aber ich esse es für mein Leben gerne. Nur leider viel zu selten. Denn meistens ißt man das nicht alleine. Und in letzter Zeit hatte ich nicht die Gelegenheit, mit jemand anderem zu essen. Ich meine, mit 'einem' anderen. Wie schaut es da bei dir aus?"
--- Narbos Bar, Tisch 16
KWinh verbeugte sich knapp, legte seine Kapuze zurück und wandte sich Llewella zu: "Wir haben uns zwar schon gesehen, aber ich hatte noch nicht die Gelegenheit mich vorzustellen. Mein Name ist KWinh und ich bin Grilmak, kein Romulaner." Bei den letzten Worten lächelte er Collins an. Die Schottin stellte sich ebenfalls vor und beide gaben sich die Hände.
Dann setzte der Grilmakpriester sich und stellte seinen Stab neben dem Tisch ab. Da es keine Ecke gab, in die er ihn hätte stellen können, aktivierte er die darin enthaltene Mechanik, die den Stab in der Senkrechten hielt.
"Aber um auf Ihre Frage zurückzukommen, Mr. Collins, ich habe in der Tat ab und zu Probleme mit dem Verständnis des terranischen Humors. Ich mache jedoch Fortschritte, denke ich. Ich weiß nicht, ob das mit meinem Glauben zu tun hat, glaube aber nicht. Daß er allerdings streng ist, bestätige ich, ich bin, wie Sie es nennen würden, ein Priester meiner Religion, wie Sie an der Tätowierung auf meiner Stirn erkennen können. Da ich allerdings nur sehr geringe Chancen sehe, jemals wieder mit Mitgliedern meiner Rasse zusammenzutreffen, werde ich diese Berufung eher nicht mehr ausüben können."
Um jedoch nicht weiter auf das "warum" eingehen zu müssen, hob der Techniker sein Glas und prostete den beiden anderen zu. "Auf gute Zusammenarbeit!"
--- Quartier des Captains
Slade war glücklich. Die letzten Stunden hatte er zusammen mit seinem Freund Monserat damit verbracht, den Alkoholspiegel seines Blutes wieder auf ein normales Maß heraufzuschrauben.
Im Verlauf des Gelages hatten auch einige garillianische Meermäuse ihr Leben lassen müssen. Von ihnen waren nur noch etliche triefende hellblaue Blutspuren und ein leerer Käfig übrig. Der gesamte Rest von Monserats Genesungsgeschenk war im schier bodenlosen Magen des Anticaners verschwunden.
Der Captain der Privateer hielt ein Kristallglas mit einem dunklen Rotwein in der Hand, schaukelte etwas in seinem bequemen Ledersessel und mußte sich zusammenreißen, den Wein nicht in einem Zug hinunterzustürzen. Schließlich wußte er, wie der Franzose auf eine - in seinen Augen - Entweihung eines edlen Getränks reagierte.
Statt dessen nahm er nur ab und zu einen mittelgroßen Schluck. Er hatte schon vor Jahren aufgegeben, Monserats Gestik, der den Wein mehr zu kauen als zu trinken schien, zu imitieren.
"Ich finde, Charly sollte es tun", erklang Slades Stimme.
Monserat erwiderte: "Wie ich aus sicherer Quelle weiß, hat Jean hat inzwischen wesentlich mehr Erfahrung in solchen Dingen."
Slade schüttelte den Kopf und ergänzte den Satz des Menschen: "... ist aber fest in die Kommunikationsstruktur des Schiffes eingebunden, während Charly praktisch nichts anderes macht." Bei dem langen und schweren Wort in der Mitte des Satzes brauchte Slade etwa drei Anläufe, was Monserat aber nicht zu stören schien.
Dieser schluckt den Wein herunter, nahm noch ein Stück Salzgebäck und gestikulierte damit: "Aber es geht um die Privateer, und nicht um die Ivory!"
"Warum lassen wir es nicht beide zusammen tun? Dann werden sie in der halben Zeit fertig." Slade hielt das für einen guten Kompromiß.
"...wenn sie sich nicht gegenseitig auf die Füße treten. Und jetzt sag bitte nicht, daß Charly keine hat!"
"Jaja, ist ja schon gut." Slade gab sich geschlagen. "Slade an Jean-Luc. Räum bitte mein Quartier auf. Und mach dich damit vertraut, wie man garillianisches Meermausblut rückstandsfrei entfernt."
Nach ein paar Sekunden, in denen der Androide seine Datenbank befragte, antwortete er: "Aber Sir, auf Garillia III wird Meermausblut als besonders widerstandsfähiger Farbstoff verwendet! Das bekomme ich nie ab! Warum lassen Sie sich eigentlich Ihr Essen nicht replizieren, wie jeder andere hier an Bord auch? Dann hätte ich nach Ihren Gelagen wesentlich weniger zu tun, und könnte mich auf wichtigere Dinge konzentrieren!"
Der Anticaner schüttelte den Kopf, und entgegnete lediglich: "Im Maschinenraum ist noch eine Stelle als Ersatzteillager frei. Ende.
Diese Drohung hat bei ihm noch immer gewirkt", kicherte Slade in sein Glas, so daß kleine Bläschen aufstiegen.
Auch Monserat konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Dann gingen die Beiden die Liste der neuen Mitarbeiter weiter durch.
"Da wären dann noch die Piloten Areemis und Zardion. Ein Brüderpaar. Nix Besonderes, aber es ist immer witzig, sie zwei Shuttles steuern zu sehen. Sie sind eineiige Zwillinge und verhalten sich selbst in der Luft total gleich ohne sich vorher mit einander absprechen zu müssen." Monserat grinste, als er daran dachte, wie die beiden beim Betrachter den Eindruck erweckten betrunken zu sein und doppelt zu sehen.
"Und schließlich KWinh, den Techniker. Ein etwas eigenartiger Kerl was seine Aufmachung betrifft, aber im Gegensatz zu seinen anderen Technikerkollegen kann er sogar arbeiten und man trifft ihn vorzugsweise an seinem Arbeitsplatz." Der Gedanke an den kleinen Japaner ließ ihn erschauern. Die Normalität seines Schiffes hatte noch Wochen gebraucht, bis sie sich wieder eingepegelt hatte.
Er beugte sich plötzlich nach vorne, als wollte er, daß seine nächsten Worte nur Slades haarige Ohren erreichten: "Du wirst es nicht glauben, aber er kann seine Geschwindigkeit für kurze Zeit vervielfachen... Eine absolute Perle im Maschinenraum, wenn du mich fragst. In Notsituationen kannst du dich 100%ig auf ihn verlassen..."
Slade hatte den Ausführungen interessiert zugehört, und da sich nach den letzten Vorkommnissen kaum noch Techniker an Bord aufhielten, die gleichzeitig genug Organisationstalent aufwiesen, um die ganze Abteilung in Schuß zu halten, aktivierte der Captain kurzerhand seinen Communicator: "Slade an KWinh. Willkommen an Bord. Hiermit wirst du aufgrund deiner besonderen Leistungen blah blah blah in den Offiziersstand erhoben und bekommst die Leitung der technischen Abteilung übertragen. Und jetzt schlaf weiter, morgen wirst du deinen gesamten Verstand brauchen. Ende."
Als Slade den Eintrag in der Personalliste aktualisiert hatte - inklusive einer Anpassung des Honorars - stutzte er und blätterte noch einmal ein paar Seiten zurück.
Richtig, Kargan hatte so etwas angedeutet, daß sich noch ein paar föderative Lakaien an Bord befanden. Offenbar hatten sie sich nicht sonderlich viele Freunde gemacht, was diverse Beschwerden bewiesen.
Die Finger des Captains trommelten einen unheilverkündenden Rhythmus auf die Tischplatte. Uniformierte Affenmännchen pöbelten SEINE Leute an?
Mit einem einzelnen Finger tippte er bedächtig auf seinen Communicator und begann ausgesprochen höflich eine kleine spontane Rede.
"Captain Szelesem an unsere hochverehrten Gäste der Sternenflotte. Ich bedauere zutiefst, daß ich Sie nicht schon früher willkommen heißen konnte, und führe Ihre Unzufriedenheit an Bord meines Schiffes alleine auf meine bisherige Unpäßlichkeit zurück.
Da meine Mannschaft recht aufgebracht zu sein scheint, möchte ich Sie zu Ihrem eigenen Schutz bitten, in Zukunft die Ihnen zugeteilten Quartiere nicht mehr zu verlassen. Sie stehen selbstverständlich nicht unter Arrest, jedoch würde ich ein Nichtbefolgen meiner Bitte als Wunsch deuten, so schnell wie möglich dieses Schiff verlassen zu wollen.
Wie mir mein Cheftechniker soeben mitteilte, ist leider Ihr Shuttle zur Zeit nicht flugfähig, was bedeutet, daß ich dieses kleine Raumschiff zu einem späteren Zeitpunkt ohne Ihre gütige Mitwirkung einer föderativen Station übergeben müßte. Haben Sie eigentlich Ihre Raumanzüge dabei? Szelesem Ende."
Slade machte sich eine geistige Notiz, nach der er die Uniformaffen bei der nächsten Annäherung an einen bewohnbaren Planeten darauf vergessen würde.
Monserat hatte schweigend zugehört. Sein Tonfall war genauso trocken wie der Wein, der gerade in seinem Glas atmete, als er sagte: "Merde. Der Wein ist alle."
--- Narbos Bar, Tisch 16
Gerade hatte KWinh sein Glas angesetzt, als sich der Communicator meldete und Slades Meldung hören ließ. Die Folge war, daß der Grilmak sich verschluckte und die Limonade in sein Glas zurückhustete. Der Captain hatte ihn noch nicht einmal gesehen und schon wurde er befördert. Ein wirklich seltsames Schiff war das hier. Etwas verdutzt schaute er in die beiden lächelnden Gesichter am Tisch und erinnerte sich, daß Menschen eine solche Gelegenheit wohl dazu nutzten "einen auszugeben" wie sie es nannten.
Also gab der Grilmak der Bedienung ein Zeichen, noch eine Runde an den Tisch zu bringen. Seine Gedanken allerdings gingen in eine andere Richtung, er wollte lieber dem Vorschlag des Captains nachkommen und sich auf den morgigen Tag vorbereiten, an dem offensichtlich irgend etwas Besonderes sein sollte. Nachdem alle ihre Getränke hatten, stießen sie auf den neuen Posten an und KWinh leerte sein Glas in einem Zug.
"Nun, ich muß Sie wohl leider wieder verlassen. Ich habe im Gegensatz zu Mr. Collins nicht damit gerechnet Chef der Technik zu werden. So wie es aussieht, habe ich noch Einiges an Daten zu studieren, bevor ich morgen früh meinen Dienst antrete. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend und hoffe, daß wir unser Gespräch demnächst wieder fortsetzten können." Mit dem letzten Satz stand KWinh auf, verbeugte sich wieder kurz und verließ die Bar.
--- Deck 6, Gänge
Während KWinh zum Turbolift ging, stellte er fest, daß diese Beförderung wirklich ein Anlaß zum Feiern gewesen wäre. Leider war er zu kurz an Bord, um jemand einladen zu können. Außer Natty und die war nicht anwesend. Deshalb beschloß er, ihr eine Nachricht zu schicken. Sicher würde sich das nachholen lassen.
Er aktivierte seinen Communicator und sprach: "KWinh an Connor: Hallo Natty, ich habe soeben einen Grund zum Feiern bekommen. Ich würde dich dazu gerne einladen, melde dich doch bitte, sobald du etwas Zeit hast. KWinh Ende."
--- Narbos Bar, Tisch 12
Für einige Sekunden betrachtete Sternenlicht die kalten Augen seines Gegenübers. Ihre letzten Worte hatten seine Meinung von Ihr unterstrichen.
"Wenn du denkst, daß ich immer nur Warnungen verteile, dann überleg dir bitte folgendes: Wie konnte ich dann über 10 Jahre auf Kähnen wie diesem überleben, wenn ich immer nur Warnungen verteilen würde? Ja, ich bin ein Barde, Silvana. Und ja, ich liebe den Frieden. Aber dies sind Dinge, die keineswegs meine Instinkte verändern können.
Wir Sivaoaner verabscheuen Gewalt. Nichtsdestotrotz sind wir bereit, uns zu wehren, wenn es der Situation angebracht ist. Und du wärst nicht der erste, der glaubt, daß daran", seine beiden Pfoten drehten sich und zentimeterlange, rasiermesserscharfe Krallen verließen ihre Höhlen, "kein Blut klebte. Menschliches, Klingonisches oder Cardassianisches, wenn du es genau wissen willst."
Silvana erwiderte nichts darauf. Wozu auch? Der Sivaoaner war sehr von seiner Lebensweise überzeugt, aber bei ihr zählten nur Taten und kein leeres Gerede.
An Sternenlichts Pfoten klebte also Blut. Menschliches, Klingonisches oder Cardassianisches. Anscheinend hatte er größere Probleme damit die verschiedenen Rassen auseinander zu halten. Zwar war er Wissenschaftler, aber wohl nicht Naturwissenschaftler.
"10 Jahre auf Kähnen wie diesen?", fragte Silvana und beantwortete gleich selbst ihre Frage. "Kein Kahn ist wie... dieser..."
--- KWinhs Quartier
Der Grilmak legte seine Robe ab und setzte sich an den kleinen Tisch auf dem sein Terminal stand. Er aktivierte es und rief nacheinander die Dateien auf, die er durchgehen wollte. Die Mannschaftsliste wies weit weniger Techniker auf, als er es angenommen hatte, bei der Größe des Schiffs.
Die Mängellisten hingegen zeigten das Ergebnis davon recht deutlich. Mit einem Seufzer replizierte der Techniker sich einen Tee und begann, sich Notizen zu machen.
--- Pormas Quartier
'Ich weiß schon was das ist', schmunzelte Pormas in sich hinein, während er aß. Nathalie übte eine ungewöhnlich starke Anziehungskraft auf den großen Griechen aus. Ihr weiter geöffnetes Hemd umschmeichelte sanft ihre Brüste und wurde automatisch zu einem Blickfang.
Während er sich bemühte sie nicht anzustieren, zusätzlich durch ihre Berührungen und Gebaren erregt, fiel ihm aber ihre scheinbare Angewohnheit einfach drauf loszuplappern, wenn sie nervös war. Was aber durchaus ein ansprechender Wesenszug war. Aber außerdem sie vergeßlich.
"Naja, ich weiß nicht wie es in letzter Zeit war...", antwortete Pormas lächelnd und benutzte eine kleine Pause, um sie ein bißchen verlegen zu machen, "aber in der Zeit vor meinem Blackout gab es lange keine 'Eine'."
'Nicht zuletzt, da ich niemanden trauen konnte...', führte er im Geiste fort. In seinem Leben als Auftragskiller hatte er sich auch schon selbst einer Mittelsfrau bedient, um sein Opfer in die Falle zu locken. Und da zum Schluß die Schlinge um seinen Hals immer enger wurde, hatte der Ex-Sternenflottensicherheitsmann kein Verlangen nach einer Frau empfunden.
Im Gegensatz zu jetzt. Wäre wirklich jemand noch auf seinen Fersen, wäre der Halbgrieche aus seinem Koma nicht wieder aufgewacht. Aber wie es schien, hatte er in der Zeit, an die er sich nicht mehr erinnerte, sehr gute Arbeit bei der Verwischung seiner Spuren geleistet.
Etwas Anderes hatte er aber auch eigentlich gar nicht von sich erwartet. Daher konnte er sich erst einmal in vollen Zügen den angenehmen Seiten des Lebens widmen. Und Natty schien diese alle gerade in sich zu vereinen. Ein wohliges Kribbeln durchfuhr ihn, als er an die bevorstehende Nacht dachte.
'Aber da fehlt ja noch was....', kam es dem Hünen durch den Sinn. "Warte mal kurz Natty, wir müssen mein Aufwachen und unsere Begegnung doch ein bißchen stilechter feiern!" Mit einer geschmeidigen Bewegung stand Pormas auf und ging zu seinem Nachttisch, in der Hoffnung, daß er seine Angewohnheit, seine aromatische Kerzen von Risa in dem Tischchen aufzubewahren, nicht abgelegt hatte.
Er ging an der zierlichen Frau vorbei, nicht ohne mit seiner Hand über ihren Oberarm zu streichen und ihr ein vielversprechendes Lächeln zu schenken. Der Grieche kniete sich vor den Nachttisch um ihn zu öffnen, als sein Blick von dem Bild neben seinem Bett gefangen wurde.
Mit einem Mal traf ihn die volle Wucht aller Gefühle und Erinnerungen, der vergangenen Monate. Er wankte leicht durch den Schock, der aber entgegen aller Prognosen seiner Ärzte, so schnell verging, wie er gekommen war. Denn diesmal war es anders. Die Gefühle die in seinem Bewußtsein hochkamen, hatten nicht mehr die Intensität, wie vor seinem Koma. Anstelle dessen betrachtete Pormas sie aus der Distanz einer halben Ewigkeit.
Ihm wurden alle Emotionen bewußt und alle Ereignisse, fast zuviel um sie zu begreifen. Er erinnerte sich an alles im Zusammenhang an Helen und grobe an die Geschehnisse um ihre Beziehung. Es war wie ein Rückblick auf eine andere Zeit, einer Liebe zweier Holodeck-Figuren, die einen bewegte und mitnahm, aber nicht in seinen Innersten bewegte.
"Pormas?", hörte er plötzlich von hinten. Verlegen drehte er sich zu Natty um und lächelte sie an. So sehr er auch davon mitgenommen wurde, er wußte, daß er jetzt ein anderes Leben lebte. Er wußte, er hatte mit Helen abgeschlossen und er wußte, daß sie es gewollt hätte.
"Iß ruhig weiter, ich habe nur gerade in Gedanken geschwelgt..." Ihr besorgtes Gesicht hellte sich wieder auf und sie schnitt sich ein kleines Stück vom Fleisch ab, steckte es sich in den Mund und zog ganz langsam und genüßlich die Gabel wieder heraus.
Die Körpertemperatur des Südländers schoß augenblicklich in die Höhe. Sein Blut floß wie Lava durch seine Adern und weckte den Drang aufzuspringen und sich mit der verführerischen Frau vor sich direkt zu vereinen.
Aber sein Verstand hielt ihn zurück Und sein Konkurrenzdenken. 'Ich werde nicht der sein, den die Lust übermannt. In einer fließenden Bewegung holte er die Kerzen aus der Schublade und ließ das Bild darin verschwinden, ohne das Natty, die sich wieder ihrem Essen zugewandt hatte, davon Kenntnis nahm.
Dann ging der Grieche wieder zum Tisch und stellte die Kerzen links und rechts neben seinen Gast auf. "Computer, Licht dämpfen", befahl er, während er ein Streichholz aus der Packung vom Tisch nahm. Augenblicklich wurde es angenehm schummrig in dem Zimmer. Dann beugte er sich zu Natty runter und legte den linken Arm auf ihre Lehne.
"Und es werde Licht", flüsterte er ihr zu, während er das Streichholz in seiner Rechten hielt und über die Kuppe des Hölzchen mit dem Daumen schnippte, welches sofort Feuer fing. Er zündete beide Kerzen an, welche sofort einen wohligen Geruch verbreiteten, der, wie das Essen, einen stimulierenden Nebeneffekt besaß.
In der Bewegung in der er sich aufrichtete und zu seinem Stuhl ging, strich er mit seinem Lippen sanft über ihre Wange. Diese Berührung elektrisierte ihn geradezu, aber er riß sich zusammen und ging auf seinen Platz und aß weiter und gönnte den Kerzen, die sie einrahmten, Zeit ihre Wirkung auf Natty zu entfalten.
"Das sind übrigens die Kerzen, die traditionell zu diesem Mal gegessen werden. Ich hatte sie bei einem Kurzbesuch auf Risa erstattet. Gefallen sie dir?", fragte Pormas mit einem Lächeln auf dem Gesicht. 'Ja, das wird wohl ein schöner Anfang meines neuen Lebens..."
Ungläubig schüttelte Natty den Kopf. Die letzte Verabredung dieser Art war schon so lange her, daß sie das dazugehörige Ambiente einfach vergessen hatte. Eigentlich war es auch nicht dringend nötig. Zumal sich dadurch die Vorbereitungszeit noch mehr in die Länge zog - und bekanntlich wollte niemand, besonders auf Risa, die Sache allzu lange hinauszögern.
"Oh, und ich dachte...", murmelte Pormas und ein leichter Anflug von Enttäuschung huschte über sein Gesicht.
"Nein, nein." Rasch griff sie nach seiner Hand, als er die Kerzen wieder löschen wollte. Er hatte wohl ihr Kopfschütteln mißverstanden. "Sie gefallen mir! Ich wußte nur nicht, daß du bereits Erfahrungen mit diesem... Gericht hast."
Sie senkte leicht den Kopf und lächelte schüchtern, während ihre Wangen eine zartrosa Farbe annahmen. Als Mahl der Liebenden, der Paare war es bekannt, ja. Aber nicht als ein Umwerbungsritual. Auf Risa wurde es mehr wegen seiner aphrodisierenden Wirkung geschätzt und galt dort als eindeutiges Signal für, nunja...
Natty empfand es als ein wenig peinlich, daß der junge Mann nun denken mußte, sie hätte die Gemüseplatte mit gewissen Hintergedanken ausgewählt. Dumm nur, daß diese gewissen Hintergedanken durchaus in ihrem Kopf herumschwirrten.
Noch immer hielt Natty seine Hand fest und ohne sich dessen recht bewußt zu sein, strich ihr Finger dabei sanft über seinen Handrücken. Pormas lächelte nicht, statt dessen blickte er auf die umschlungenen Hände und ließ dann seine Augen langsam höher wandern, bis sich ihre Blicke trafen. Sein tiefer und fast schon ernster Blick enthielt ein Versprechen. Eines, welches seine Hand bereits zu erfüllen begann.
Mit einer Behutsamkeit, wie man sie nur selten bei einem Mann fand, erkundete er wortlos jeden Zentimeter ihrer Handinnenfläche und strich sanft über die Stelle an ihrem Handgelenk, wo ihr Blut heftig unter der Haut pulsierte.
Die Berührung hatte einen stärkeren Effekt auf Nathalie, als es das Essen jemals hätte haben können. Und daß Pormas trotz seines Wissens um die anregende Wirkung sie nicht abwies, ließ sie beherzt den ersten Schritt tun.
Seine Hand weiterhin festhaltend, erhob sie sich langsam. Mit der anderen Hand öffnete sie einen weiteren Knopf ihrer Bluse. Dann ließ sie ihre Finger durch sein braunes Haar fahren, spielte kurz mit einer Haarlocke und zog dann forsch seinen Kopf näher. Zu ihren Lippen.
Doch bevor sie sich berühren konnten, piepste Nathalies Communicator. In einer instinktiven Bewegung griff sie nach dem kleinen Gerät und nur eine Millisekunde später lag auch Pormas Hand an derselben Stelle.
"Ich habe nicht vor, mich jetzt stören zu lassen!", flüsterte Natty ihm zärtlich ins Ohr und deaktivierte den Communicator noch bevor die Verbindung zustande kam.
"Und später auch nicht", fügte Pormas hinzu und nahm ihr das kleine Gerät ab. Kurz darauf lag auch sein eigenes deaktiviert neben den Tellern.
Diesmal war Pormas derjenige, der ihren Kopf heranzog, und endlich berührten sich ihre Lippen...