--- Privateer, Holodeck 1, Gefechtsplatz
"Nun, meine Liebe, du sagst es, genau aus diesem Grund will ich nicht, daß mich jeder erkennt", antwortete der Grilmak ziemlich locker auf Silvanas Rede. "Das wird sich ändern, wenn ich mir meiner Sache sicher sein kann. Und wo wir schon mal von Aufmerksamkeit reden... du machst mir auch nicht gerade den Eindruck, als würde dir das etwas ausmachen. Aber ich war schon auf Risa und kenne solche Gepflogenheiten. Wenn ich also in die Situation kommen sollte, einen Teil meines Latinums für so etwas investieren zu wollen, werde ich mich sicher zuerst an dich wenden."
Oh ja, KWinh wollte den Job hier und er war sich auch dessen bewußt, daß diese Frau die Zusage von vorhin genauso schnell wieder zurücknehmen konnte, wie sie sie gegeben hatte. Aber er würde sich nicht als Feigling hinstellen lassen, zumal noch Nathalie und dieses Katzenwesen zuhörten.
In den Augen von Silvana loderte ein Feuer, das strahlender leuchtete als Narbos explodierende Bomben und es kostete sie all ihre Kraft sich nicht zu einer spontanen Handlung hinreißen zu lassen und dem Rot der Augen ihres Gegenübers das Rot seines Blutes hinzuzufügen. Soviel Unverschämtheit war ihr noch nie bei einem Vorstellungsgespräch begegnet.
"Mich duzt nicht jeder x-beliebige Techniker und schon gar niemand nennt mich 'meine Liebe' oder er wird nicht dazukommen seinen Irrtum zu bereuen. Außerdem bin ich niemandes... Leibwächter..." Ihre Pupillen waren beängstigend schmal geworden, ihre Stimme grollte drohend tief in ihrer Brust, wie ein Knurren und ihre Krallen waren automatisch ausgefahren. "Dem Letzten, der es mir an Respekt fehlen ließ, dem habe ich fast das Genick gebrochen. Ein angeborener Reflex.
Ich schreibe es dir gut, daß du neu an Bord bist und nicht die Gepflogenheiten dieses Schiffes kennst, auch will ich mich nicht wegen dir mit dem Captain nicht über den akuten Mangel an Technikern streiten, aber jeder hier an Bord nennt mich Silvana und siezt mich. Es gibt nur ganz wenige Ausnahmen denen ich gestatte mich zu duzen. Das kannst du auch gleich deiner Freundin hier sagen. Falls du und... Nathalie damit Probleme habt... die Ivory hat noch nicht abgelegt." Sie verzichtete darauf sich die Blöße zu geben ihn jetzt doch nicht in der Mannschaft aufzunehmen. Außerdem brauchten sie jeden Techniker, den sie bekommen konnten.
Bevor der Kapuzenträger noch eine Chance zu antworten hatte, drehte sich Silvana wortlos um und ging zu Narbo hinüber, der sich zwar angeblich interessiert an der technischen Einheit zu schaffen machte, aber dessen Blick trotzdem immer lauernd und abschätzend zu ihnen wanderte.
Slade hatte sie mal gebeten die Neuen nicht allzu hart anzupacken und darauf Rücksicht zu nehmen, daß sie nicht wußten mit wem sie sich anlegten. Die Sicherheitschefin war zufrieden mit sich, da sie dem Mönch nicht auch noch geraten hatte sich sein Latinum in den A...
--- Technikerecke
"Was gibt's denn hier so Großartiges zu sehen? Was interessanteres als einen Haufen verweichlichten Abschaums dem es an Benehmen fehlt und der bald von Jean-Luc aufgewischt wird?" Silvana und Narbo grinsten sich für einen Moment an. Teilweise verstanden sie sich ausgezeichnet...
"Der Test ist zu einfach. Sonst hätte _der_ ihn nicht bewältigt!", erwiderte Narbo mit funkelnden Augen, während er ihren neuen Techniker sorgfältig betrachtete. "Er hat mehr zu verbergen als seine roten Augen, und das könnte gefährlich werden. Wir sollten rausfinden was er verschweigt, bevor es zu spät ist..."
Zustimmend nickte Silvana. Wenn sie den Techniker nicht so dringend gebraucht hätten, wäre die Amazone wohl schon längst aktiv geworden. Der letzte Attentäter hatte sie alle gelehrt nicht zu lange zu warten. Der Preis für ihr Zögern war der Tod gewesen.
--- Gefechtsplatz
Verwundert sah Nathalie Silvana nach. Mit einer so heftigen Reaktion hatte sie nicht gerechnet. Und es gefiel ihr nicht, daß ihre Chefin auf dem förmlichen "Sie" bestand. Das von der neu eingestellten Sicherheitsfrau beliebte Duzen war hier also nicht gerne gesehen.
Wie bedauerlich. Schuf es doch stets eine freundlichere Atmosphäre und Vertrautheit. Wie sollte sie sonst die nächsten Monate auf diesem relativ kleinem Kahn aushalten, wo doch jeder jeden kannte? Vorrausgesetzt natürlich, sie behielt solange diesen Job.
Nathalie schüttelte verständnislos den Kopf. Dies war also bereits die erste Regel, die sie brechen würde...
"Nathalie Connor", ergriff das Katzenwesen mit seinem leicht zischenden Akzent das Wort, nachdem Silvana mit einer ihrer üblichen Tiraden fertig war, "ich bin Sternenlicht zu-Srallansre und würde Ihnen empfehlen, auf dem Weg zu Ihrem Quartier einen Umweg über Deck fünf, das ist ein Deck über uns, zu machen. Dort befindet sich eine Krankenstation. Der klingonische Arzt dort dürfte auch Ihren Ansprüchen genügen."
Ein Sivaoaner hätte vermutlich sofort die Ironie dieser Worte erkannt, Sternenlichts Geruch in dieser Hinsicht war eindeutig. Er haßte es, wenn sich andere Leute für die Krone der Schöpfung hielten und nun meinten ihre Umgebung als minderwertig deklassieren zu können. Die Spitze seines Schweifes machte seit wenigen Minuten mit unmißverständlichen Bewegungen deutlich, was er davon hielt.
Mit einer übertrieben langsamen Bewegung drehte Nathalie sich zu dem Fellbündel um, wobei ihre Augen mehrmals verwirrt blinzelten.
Hatte das Ding tatsächlich gerade gesprochen?!
Während Silvana sich mit ihr unterhalten hatte, hatte sich Nathalie ganz auf das Gespräch mit ihrer zukünftigen Chefin konzentriert. Dadurch war es ihr auch leichter gefallen, ihre schmerzenden Verletzungen zu ignorieren. Daß das Wesen sich bereits KWinh vorgestellt hatte, war ihr dadurch völlig entgangen.
"Du kannst ja sp... äh, du kennst dich hier ja gut aus!"
'Erst denken, dann sprechen!', schalt sie sich in Gedanken selbst und überlegte fieberhaft, wie man die peinliche Angelegenheit entschärfen könnte. Ihr Bauch protestierte bereits heftig. Eindeutig viel zu viel Streß heute.
"Dann bist du wohl keiner der Bewerber hier, stimmt's? Ich bin Nathalie Connor, nun für die Sicherheit hier zuständig, wie du vielleicht mitbekommen hast." Unbewußt fuhr sie mit einer Hand - der mit den wenigsten Blessuren - über ihre leicht zersauste Frisur und rang sich ein kleines Lächeln ab.
"Und danke für den Tipp. Ich denke, ich werde mir gleich noch die Krankenstation und den Arzt mal anschauen!" Nathalie wandte sich zum Gehen ab, jedoch nicht ohne KWinh noch einen fragenden Blick zuzuwerfen.
Und einen heimlichen kurzen Blick ließ sie über das behaarte Wesen schweifen. Schade, er hätte sich so gut als Betthupferl getan...
Sternenlichts Augen fingen Nathalies Blick kurz ein, seine Schnurrhaare bogen sich dabei nach vorne. "Ja, ich kann sprechen, als Leiter der Wissenschaftlichen Abteilung dieses Schiffes sollte man das. Mein Name ist Sternenlicht zu-Srallansre, ich heiße Sie willkommen an Bord der Privateer, Nathalie Connor."
KWinh hatte Nathalies fragenden Blick bemerkt, konnte damit allerdings wenig anfangen. Da sie allerdings ein Gespräch mit dem Katzenwesen angefangen hatte, fragte er nicht nach, sondern zog aus einem Ärmel seiner Robe ein Padd heraus und tippte einige Befehle ein, woraufhin sich einige Meter weiter seine beiden Kisten erhoben und ein paar Zentimeter über dem Boden, auf ihren Antigraveinheiten schwebend, auf ihn zu kamen.
Der Techniker wandte sich um und machte sich auf den Weg zu dem Androiden, der kurz vorher Natty als Ansprechstation genannt wurde. Wenn sie mit ihm sprechen wollte, würde sie ihn dort sicher antreffen können.
--- Shuttlerampe
Collins musterte das Förderationsshuttle. Drei der Sternenflottentechniker standen vor dem offenen Luk und unterhielten sich.
'Hm', dachte Jack. 'Jetzt brauche ich mal einen Grund, alle für eine kleine Weile wegzuschicken.'
"Collins an Maschinenraum!", sprach der Psychologe leise in seinen Communicator. Sofort meldete sich ein Mann namens Wilson.
"Hören Sie Wilson, Sie müssen mir da mal einen Gefallen tun und ein paar Techniker von unseren föderativen Freunden ordern", sagte Jack. "Ich kann hier auf der Shuttlerampe ein paar Minuten Ruhe gebrauchen."
Wilson willigte ein und nach ein paar Sekunden kam ein Klingone hinter dem Shuttle hervor, den Collins noch gar nicht bemerkt hatte. Es war einer von Silvanas Sicherheitsleuten, die immer ein Auge auf die Techniker haben sollten.
Der Klingone ging zu den Technikern und herrschte sie an, zum Ausgang zu gehen. Jack ging auf die Gruppe zu. "Hey, das sind doch keine Sklaven!", sagte er zu dem Klingonen.
"Misch dich nicht ein, Collins! Ich habe meine Befehle. Und wie ich die auszuführen habe, überläßt du mir. Ist das klar?" Der Klang der Stimme ließ keinen Widerspruch zu und Collins würde einen Teufel tun jetzt eine Diskussion anzufangen.
"Ok, schon gut mein Freund", sagte Jack grinsend. "Habe nichts gesagt!"
Verächtlich sah der Klingone ihn an. "Weichei!", zischte er leise und trieb die Techniker dann zum Ausgang.
"Dir auch einen schönen Tag!", sagte Collins als sich die Tür hinter der Gruppe schloß. Dann rannte er die Shuttlerampe hoch.
--- im Föderationsshuttle
Der Psychologe sah sich kurz um und setzte sich dann vor die Steuerkonsole. "Computer! Erbitte Zugang zur Schiffsdatenbank!"
"Identifizieren Sie sich!", kam es prompt zurück.
"Ich wußte, daß du das sagen würdest!", sagte Collins und holte seinen Tricorder und den Paßwortknacker heraus. Er verband beide Geräte mit einem Schnittstellenkabel, das er sich selber mal gebaut hatte. Dann aktivierte er den Tricorder.
"Also, Computer, ich bin der Weihnachtsmann!" Jack sah auf seinen Tricorder der fleißig am Arbeiten war.
"Zugriff verweigert!", kam es nach einer merklichen Pause.
"Ok, ich habe gelogen" Collins fingerte am Tricorder herum und änderte ein paar Einstellungen, was dieser mit einem hektischen Lichterspiel quittierte.
"Ich bin ja nicht der Weihnachtsmann, ich bin..." der Tricorder gab einen Warnton ab und Collins staunte. Man hatte sich reichlich Mühe gegeben, dieses System abzusichern. Sein Paßwortknacker hatte einige Schwierigkeiten, was entweder bedeutete, die Sicherheitsvorkehrungen auf Sternenflottenschiffen waren drastisch heraufgesetzt worden, oder hier hatte jemand was zu verbergen.
Wieder änderte der Psychologe die Einstellungen. 'Komm schon Collins! Früher war das doch wirklich kein Problem', dachte er und startete das Hackprogramm erneut.
"Also gut!" Collins sah eine Minute später mit Genugtuung auf die grüne Anzeige des Tricorders. "Ich habe es mir überlegt, ich bin doch der Weihnachtsmann!"
"Zugriff erlaubt!", schnarrte die Computerstimme und Jack rieb sich die Hände.
"Und ich dachte schon, ich werde alt!", sagte er leise und begann eine Reihe von Suchbegriffen in den Computer einzugeben. Viel Zeit hatte er nicht und so speicherte er alle Ergebnisse zur späteren Auswertung in seinen Tricorder.
Wenn Collins die richtigen Begriffe eingegeben hatte, würde er auch die richtigen Antworten finden, hoffentlich!
--- Krankenstation, bei Pormas Biobett
Pormas schlug die Augen auf.
Und kniff sie sofort wieder zu. Das grelle Licht, was seit mehr als einer Woche die Netzhaut des Südländers nicht bestrahlt hatte, brannte wie Feuer. Statt dessen versuchte er sich auf seine anderen Sinne zu konzentrieren.
Seine Finger betasteten seine Unterlage. Er lag auf einem Polster, vermutlich das Biobett in der Krankenstation. Auch merkte er, daß seine Haut kalt vor Schweiß war, vermutlich die Folgen seines inneren Kampfes mit dem Tode, an den er nun keine Erinnerung mehr hatte.
Während Pormas seine Augenlider langsam entspannte, um immer ein bißchen mehr Licht Zugang zu seinen Augen zu gewähren, hörte er Geräusche. Anscheinend versuchte jemand mit ihm zu reden.... eine Frau.
Der Südländer fragte sich wo er war und wie er in diese hilflose Lage kam. Langsam rekonstruierte Pormas Unterbewußtsein seine letzten 'gewünschten' Erinnerungen, bis er eine erste Antwort fand. 'Ich war auf der Flucht... auf Gontrium VII... diese verflixte Plasmaleitung....'
Nach und nach kamen auch vorherige Erinnerungsfragmente zum Vorschein, 'Ich bin auf der Flucht... vor einem Insider, der meine Arbeit sabotiert hatte... er hatte mich mit dieser Leitung gekriegt... aber warum bin ich jetzt noch am Leben?' Was der hünenhafte Mann in seinen Gedanken salopp als Arbeit titulierte, wäre jedem anderen grauenhaft erschienen.
Bevor Pormas auf der Ivory angeheuert hatte, lautete seine Berufsbezeichnung im allgemeinen Profikiller. Aus irgendeinem Grunde aber, liefen seine letzten Aktionen schief, bzw. er entkam nur mühevoll. Auf der Flucht vor diesem anonymen Saboteur, hatte er sein Heil auf dem bajoranischen Frachter gesucht....
Daran erinnerte er sich aber nicht mehr. Für den Südländer war dieses Schiff, auf dem er Helen damals kennengelernt hatte, aus dem Gedächtnis gestrichen... genau wie die Privateer, wo er auch mit ihr zusammen war... soweit es Pormas betraf, befand er sich immer noch auf Gontrium VII bei seinem letzten 'Arbeitsplatz'.
Langsam öffnete Pormas wieder seine Augen und schaute in das eigentlich wohlvertraute Gesicht von Llewella Campbell, der Frau, die ihm auf der Ivory einmal das Leben gerettet hatte. Der Südländer blinzelte die lächelnde Frau an, die sich zu freuen schien, daß er wieder wach war.
In diesem Moment fiel Pormas nur eine Frage ein, "Wer zum Teufel sind Sie???"
'Mist,' fluchte Llewella innerlich, während sie flugs ihren Tricorder zur Hand nahm und Pormas noch einmal untersuchte.
"Willkommen unter den Lebenden, Mr. Theocrates", lächelte sie dabei den Südländer an, der immer noch erschreckend blaß im Gesicht war.
"Nachdem Sie sich momentan nicht an mich erinnern können: Ich bin Llewella Campbell und eigentlich kennen wir uns schon eine ganze Weile. Sie haben bei einer Explosion vor ein paar Tagen eine schwerwiegende Kopfverletzung erlitten. Was ist denn das Letzte, an das Sie sich erinnern können?", fragte sie den Hünen anschließend.
Während Pormas, der mit einem verwirrten Gesichtsausdruck in seinem Bett lag, versuchte, seine Erinnerung zusammenzukratzen, studierte die Schottin ihren Tricorder. 'Aye, wie ich es mir gedacht habe, das riecht nach einer retrograden Amnesie', dachte Llewella. Dann beobachtete sie weiterhin Pormas und wartete auf dessen Antwort.
Verdutzt schaute sich der Südländer um. Nicht nur, daß er sich an so eine Frau erinnern würde, ihre Größe und ihre wilden roten Haare hätten sich ihm sicher eingeprägt, er befand sich augenscheinlich auf einem Starfleet-Schiff.
Verwirrt blickte Pormas sich nach allen Seiten um. Hatten sie ihn tatsächlich doch noch geschnappt? Aber die Wirtschaftskonferenz fiel doch gar nicht unter die Sternenflottenzuständigkeit. Fragen über Fragen drohten seinen Verstand zu überfluten, aber der Südländer besann sich eines Besseren. Erst einmal mußte er schnell feststellen, wie seine Lage ausschaute.
Wie es schien, betrachteten sie ihn als keine Bedrohung. Zumindest waren keine Sicherheitler zu sehen. Außerdem... hier trug eigentlich niemand eine Uniform. 'Also ein Händler oder Piratenschiff... aber was mache ich hier? Wenn sie wüßten wer und was ich wäre, wäre ich niemals ohne Stasisfeld oder Wachen auf der Krankenstation!"
Weiter konnte er nichts entdecken, bis auf die Tatsache, daß hier ein recht buntes Völkchen aller möglicher Rassen versammelt war. Also blickte der Südländer weiter durch die Runde, auf der Suche nach Anhaltspunkten.
Wie es auf den Schiffen der Sternenflotte üblich war, prangte überall der Name und das aktuelle Stardate auf den Wanddisplays. 'Privateer?', dachte er verblüfft, 'Das Schiff war doch niemals im Orbit gewesen... und Stardate...'
"Ach du heilige Scheiße!", entfuhr es Pormas und er fuhr, trotz Llewellas Bemühungen hoch. Der sonst so selbstbewußte Halbgrieche wurde noch blasser, als er ohnehin schon war. Die Schottin schaute schon besorgt auf seinen Blutdruck, der rapide in die Höhe schoß.
Entsetzt starrte Pormas Llewella direkt in die Augen, "Bitte sagen Sie mir.... wo bin ich die letzten Monate gewesen... wir sind hier doch nie und nimmer auf Gontrium VII!!!!"
--- Holodeck 1, am Rand bei Jean-Luc
Bei dem Androiden angekommen stellte der Grilmak fest, daß er diesen von der Größe her überragte. Trotz der Versuche, ihn menschlich aussehen zu lassen, war der Androide doch eindeutig als solcher erkennbar.
"Mein Name ist KWinh und ich wurde soeben als Techniker eingestellt. Mir wurde gesagt, daß Sie Communicatoren ausgeben, ich brauche einen."
--- Technikerecke
"Du hast recht. Der Kerl gefällt mir auch nicht", bemerkte Silvana zu dem verschlagendsten Barmann, den ein Schiff je gesehen hatte. "Wir sollten ständig ein Auge auf ihn haben. Vielleicht ist er ja Alkohol nicht abgeneigt und du bekommst in der Bar etwas aus ihm heraus. Einen Versuch wäre es auf jeden Fall wert. Ich denke, ein Ferengi wie du kennt Mittel um Wege um eine Zunge zu lösen." Silvana musterte Narbo und sein breites Grinsen bestätigte ihre Annahme, daß er wußte wovon sie sprach. Dann glitt ihr Blick wieder zu dem Techniker.
Dieser KWinh war entweder sehr dreist oder er legte es auf einen Kampf an. Wobei sie sich sicher war, daß er ihren raubtierhaften Reflexen, Instinkten und ihrem durchtrainierten Körper nicht wirklich etwas entgegenzusetzen hatte. Dr. Farnside hatte gewußt was er tat, als er den perfekten Krieger schaffen wollte, auch wenn es ihm das Leben gekostet hatte.
Unwillkürlich spannten sich ihre Muskeln an und ihr ganzer Körper ähnelte einer angespannten Sehne. Ihre Herkunft war immer noch etwas ???????
"Mach dich am Besten schon mal mit ihm bekannt. Es ist immer gut, wenn man die Schwachpunkte seiner Feinde kennt..."
Zustimmend nickte Narbo, während er diese wandelnde Kutte weiter beobachtete: Ja, jeder hatte einen Schwachpunkt und es würde nur eine Frage der Zeit sein, bis der Ferengi diesen gefunden hatte. Dann würde es ein Leichtes sein, KWinh zu vernichten.
Gierig erwartete Narbo diesen Moment des Triumphes und machte sich sofort grinsend auf den Weg zu dem geheimnisvollen Fremden. Daß er dabei seine diebische Vorfreude nicht verbergen konnte, war egal...
--- am Rand bei Jean-Luc
Nachdem der Androide ihm einen Communicator ausgehändigt hatte, und ihm auf Anfrage Quartier Nummer 270 zugewiesen hatte, schaute sich KWinh wieder um. Diese seltsame Frau und der Ferengi hatten gerade ihre Unterhaltung beendet und der Kerl kam nun, mühsam ein Lächeln bekämpfend auf ihn zu. Wenn Ferengi lächelten, bedeutete das meistens Ärger. Mit dieser Vorahnung wartete der Grilmak, auf das, was auf ihn zukam.
"Da du neu auf dem Schiff bist, dachte ich mir in meiner berühmten Güte, daß eine kleine Führung sehr informativ sein würde. Sicher bist du gespannt z.B. die Arresträume zu sehen oder die Stasiskammer, in der wir die zu Tode gefolterten Verräter hinbringen...", begrüßte Narbo mit einer unverkennbaren Drohung in der Stimme diesen KWinh und wartete dämonisch auf eine Reaktion.
Diese Spezies, die immer nur am Geschäft und an persönlichen Vorteilen interessiert war, war dem Grilmakpriester sowieso schon nicht geheuer, aber in dieser Weise wurde er noch von keinem dieser kleinen Wesen begrüßt, die Drohung war unverkennbar. Nur aufgrund jahrelanger Übung, gelang es KWinh ein Lächeln zustande zu bringen. Das war zwar wegen der Kapuze wohl kaum zu erkennen, aber auch am Tonfall konnte man sowas erkennen.
"Vielen Dank, mein Freund. Mir ist die sprichwörtliche Güte der Ferengi wohlbekannt. Ich fühle mich geehrt." Eine kleine Verbeugung andeutend legte der Techniker dem Ferengi eine Hand auf die Schulter. "Ich wurde jedoch als Techniker angeheuert, nicht als Sicherheitsmann. Deshalb werde ich diese Bereiche des Schiffes wohl erst in Augenschein nehmen müssen, wenn dort ein Defekt auftritt. Das wird früh genug sein."
--- Gefechtsplatz
Ein kurzes Nicken gefolgt von einem kleinen Lächeln war Nathalies einzige Antwort auf Sternenlichts Willkommensgruß, dann wandte sie sich ab. In Gedanken war sie vielmehr schon längst im Quartier beziehungsweise auf der Krankenstation. Sie hoffte, daß sie dort auf Anhieb den Arzt erkennen würde - sollte er ebenfalls so kauzig ausschauen wie die meisten Crewmitglieder hier.
Aus den Augenwinkeln hatte sie KWinh gesehen, wie er zum Androiden hinübergegangen war. Doch sie selbst wollte erst noch ihre Tasche aus dem achtlosen Haufen diverser Gepäckstücke fischen.
Calus mit seinen düster blickenden Augen beobachtete Natty schweigend, als sie ihre Tasche grob abstaubte und schulterte.
"Na mein Kleiner", neckte sie den stummen Hünen. "Gratuliere zum Job! Mal schauen, wie lange du durchhältst. Übrigens, deine Schweigetechnik ist echt unschlagbar - diese Silvana hat morgen bestimmt ein blaues Auge davon!"
Calus quittierte mit einem schlagfertigen Schweigen und wandte sich mit noch düsterem Blick zum Gehen. Nathalie sah ihm noch grinsend nach, wie er aus der Türe schlurfte und ging dann zum Androiden hinüber.
--- am Rand bei Jean-Luc
Mit einem innerlichen Lächeln beschloß KWinh, es diesem Kerl ein wenig mit dessen eigener Münze heimzuzahlen. "Aber ich will dich natürlich nicht beleidigen. Deshalb werde ich sehr gerne dein Angebot annehmen, wenn du mich zu meinem Quartier und dem Maschinenraum des Schiffes führen würdest... Und wenn du ein Page oder so sein solltest, darfst du natürlich auch meine Kisten tragen, ein Trinkgeld wäre da natürlich drin."
Nathalie hatte schon beim Herantreten ein wenig von dem Gespräch mitbekommen und drängte sich sogleich vor. "Meine Tasche natürlich auch! Nur den Weg, den find ich noch alleine, danke!
Übrigens KWinh, ich denke, du findest den Weg auch noch selbst, nicht wahr? Oder war der letzte Abend wieder so feuchtfröhlich?" Die junge Frau grinste und zwinkerte dem Techniker zu. Sie hatte eigentlich vorgehabt, sich bei ihm einzuhaken und mit ihm gemeinsam ihre Quartiere aufzusuchen. Doch ihren fragenden Blick war er vorhin schon ausgewichen.
Mit einem Mal zirpte Narbos Communicator und eine piepsige Stimme erklang: "Terjana Szolnok an Narbo. Ihr Vertreter hier in der Bar hat mir gesagt, daß er mich nicht einarbeiten kann, solange Sie nicht dabei sind. Soll ich hier warten, bis Sie kommen, oder rufen Sie mich, wenn Sie hier sind? Ich wollte nämlich eigentlich noch..."
Narbo unterbrach die Frau unwirsch: "Warten Sie, ich komme. Narbo Ende.
MenSCHen..."
Zu KWinh gewandt fuhr er fort: "Nein, ich bin kein Page, und Kisten habe ich mit acht Jahren das letzte Mal selber geschleppt. Wenn Sie mir ein Trinkgeld geben wollen, dann können Sie jederzeit in MEINE Bar kommen. Falls Sie überhaupt das nötige Geld dazu haben. Bitte Entschuldigen Sie mich jetzt, ich werde dort gebraucht!"
Mit diesen Worten drehte er sich um und watschelte davon.
Der Androide händigte Nathalie den gewünschten Communicator aus, nachdem sie kurz ihre Bitte formuliert hatte und dann sah sie sich bereits aufbruchsbereit zu den beiden Männern um. Doch ihr Gepäckträger war nicht mehr zu sehen...
Verwundert schaute KWinh dem Ferengi nach, der gerade durch die Ausgangstür verschwand. DAS hätte er nicht erwartet, eher eine weitere Stichelei. Aber das würde sicher noch kommen, hatte der Grilmak doch nicht vor, die Schiffsbar zu meiden. An Nathalie gewandt meinte er schließlich: "Du weißt doch selbst, wie der gestrige Abend verlaufen ist. Aber egal, ich denke, wir sollten wirklich unsere Quartiere aufsuchen."
Ein genauerer Blick auf die Haltung der kleinen Frau bestätigte das, was der Grilmakpriester schon vermutet hatte... die Krankenstation würden sie auch aufsuchen müssen. Er zeigte auf die immer noch hinter ihm schwebenden Kisten und nickte Nathalie zu: "Ich schlage vor, du legst deine Tasche auf eine meiner Kisten, dann brauchst du sie nicht zu schleppen. Wenn wir die Quartiere gefunden haben, schlage ich vor, wir werfen einen Blick in die Krankenstation. Okay?"
Da seine Begleiterin auf dem Weg zu Ausgang noch keine Antwort gegeben hatte, beschloß KWinh, sich wieder in einem terranischen Scherz versuchen, um das Schweigen zu brechen: "Zu mir, oder zu dir?"
Nathalies Gesichtsausdruck schwankte zwischen Aggressivität und Belustigung, als sie ihre Tasche auf die vordere Kiste donnerte und KWinh mit einem lauten "HAH!" passierte und vor ihm durch die Ausgangstür ging.
--- Krankenstation, bei Pormas Biobett
"Nay, wir sind nicht auf Gontrium VII", bestätigte Llewella die Annahme des Griechen. Kurz sah sie etwas wie Panik in seinen Augen aufflackern, aber schnell hatte er sich wieder unter Kontrolle.
Die Schottin beschloß, daß es nicht schaden würde, Pormas einen kleinen Abriß der vergangenen Zeit zu geben. Allerdings wollte sie zunächst darauf verzichten, Helen zu erwähnen, denn das könnte den Südländer zusätzlich zu seinem Gedächtnisschwund auch noch in eine tiefe Depression stürzen. Schließlich hatte Jack ihr erzählt, daß es ihm nach dem Tod der Spanierin sowieso schon psychisch schlecht gegangen war.
"Sie befinden sich an Bord der Privateer, einem privaten Schiff. Davor waren Sie einige Zeit auf dem Händlerschiff Ivory, wo wir uns auch kennengelernt haben." Die schottische Ärztin bemerkte, daß die Verwirrung des Südländers sich nicht verringerte, sondern im Gegenteil sogar verstärkt wurde.
Sie entschloß sich, ihn ein wenig zu beruhigen. "Im Moment können Sie sich nicht daran erinnern, was in den letzten Wochen, möglicherweise sogar Monaten passiert ist. Aufgrund Ihrer Kopfverletzung leiden Sie an einer Amnesie. Sie sollten sich aber darüber keine zu großen Gedanken machen, es kann sein, daß Ihre Erinnerungen mit der Zeit zurückkommen."
Was Helen anging, war es wohl besser, sie kämen nicht wieder, dachte Llewella bei sich. Viel lieber hatte sie den überheblichen, selbstbewußten (sich selbst überschätzenden?) Pormas, der eine Gefahr für sich und seine Umwelt war, als den, von dem Jack ihr erzählt hatte.
"Am Besten wäre es, Sie würden sich jetzt noch ein wenig ausruhen und eine Mütze voll Schlaf bekommen, bevor Sie dann Ihre Arbeit wieder aufnehmen. Ach ja, wenn ich richtig informiert bin, arbeiten Sie in der Sicherheitsabteilung der Privateer."
Interessiert blickte Llewella Pormas an und wartete auf seine Reaktion auf das Gesagte.
"J... ja, Sie haben wohl recht....", brachte Pormas nur stammelnd heraus. 'Monate??!??', dachte er bei sich. 'Das darf doch nicht wahr sein!'
Fieberhaft versuchte er sich an irgend etwas zu erinnern.... aber alles was ihm einfiel waren seine letzten Augenblicke auf Gontrium. Danach nichts. Angestrengt, mit Schweiß auf der Stirn dachte er nach, bis sein Kopf so schmerzte, daß er es aufgab.
'Wenn ich mich wieder erhole, kommen die Erinnerungen von alleine wieder!', beruhigte sich der Südländer selber. 'Wenn das hier nicht alles ein abgekartetes Spiel ist... ich spiele lieber mit und verhalte mich normal, bis ich ein paar Anhaltspunkte finde...'
Trotz seiner Vorsicht rechnete sich Pormas nur sehr wenig Chancen aus, irgendwelche Ungereimtheiten zu finden. Niemand hätte ein solches Interesse an ihm, ein derartiges Schauspiel zu inszenieren, wenn man anderweitig Informationen betreffs seiner Arbeitgeber oder vergangener Aufträge, durch Folter oder Ähnliches von dem Südländer bekommen konnte.
Langsam legte sich der große Halbgrieche wieder hin, während die stets wachsamen Augen von Llewella ihn aufmerksam verfolgten. Die Schottin war eine schöne und reizvolle Frau, und wenn er wirklich Monate vergessen haben sollte... das brachte Pormas auf einen anderen Punkt.
"Doktor", begann er immer noch verwirrt, "waren wir befreundet, oder habe ich andere Freunde?" Früher oder später würde er es zwar sowieso erfahren, aber dieser Punkt brannte sich wie ein Dolch in seine Seele. Seit dem Tod seiner Eltern hatte er, bedingt durch seinen Beruf, niemanden durch seinen psychischen Schutzpanzer gelassen.
Freunde, richtige Freunde, machte er sich nicht so schnell. Aber wenn er nicht wußte, was in MONATEN vorgefallen war.... wer weiß, vielleicht hatte er mehr als nur platonische Freunde gehabt...
Llewella hatte diese Frage befürchtet. Befürchtet deswegen, weil sie es haßte, zu lügen, es sich in diesem Fall aber fürs Erste nicht vermeiden lassen würde.
Denn schließlich hatte der Südländer Freunde gehabt... Eine ganz spezielle Freundin, Helen nämlich. Die die Schottin ihm verschweigen wollte, ja sogar mußte, um seine Heilung zu unterstützen.
"Es sind etliche Menschen an Bord, die für Sie Freunde sein könnten, Mr. Theocrates", antwortete sie ihm daher, ohne jegliches nach außen sichtbares Zögern. Wenn es sein mußte, konnte die Schottin auch etwas härter sein. "Zum Beispiel Jack Collins, der war mit Ihnen - mit uns - auch auf der Ivory, und ist jetzt ebenfalls mit auf der Privateer. Vielleicht mögen Sie sich ein wenig mit Jack unterhalten?", schloß Llewella dann.
'Collins?...', kramte Pormas wieder in seinem Gedächtnis, 'Nie gehört...' Verzweifelt seufzte der große Südländer. Hoffentlich konnte dieser Jack ein bißchen mehr Licht in die Angelegenheit bringen. Llewella schien zwar sehr nett und hilfsbereit sein, aber sie schien sich hauptsächlich darauf zu konzentrieren ihn zu beschwichtigen und zu beruhigen.
Als ob Pormas plötzlich aufspringen, wild schreien und sich eine Rippe in die Lunge rammen würde..... sowas Dämliches!!!
"Ja, ich würde gerne mit ihm sprechen.... könnten Sie ihn vielleicht rufen?", fragte der Südländer immer noch leicht benommen. Gerade wollte sich die Schottin abwenden, um den Psychologen zu holen, als Pormas sie am Arm festhielt.
"Wann kann ich von hier weg? Ich würde gerne in mein Quartier...", innerlich brannte der Halbgrieche, als er sich an seinen Koffer erinnerte, den er seit Jahren mitnahm. Zwar war er mit allen möglichen Sicherheitsvorkehrungen ausgerüstet, aber wer weiß....
Einen gedankenverlorenen Moment später blickte Pormas Llewella in die Augen, und fragte sie noch: "Und wann haben Sie, oder du(?), Dienstschluß?" Der Halbgrieche setzte sein charmantestes Lächeln auf. "Ich habe das Gefühl, daß ich Ihnen nicht nur einen Drink schulde..."
Llewella konnte das kurze Grinsen, das über ihr Gesicht huschte, nicht ganz unterdrücken. Auch wenn er einen Gutteil seiner Erinnerungen eingebüßt hatte, war er doch immer noch der alte Schwerenöter Pormas.
Eigentlich konnte es ihm ja nicht so schlecht in den Kram passen, daß Helen nicht mehr da war, dachte die Rothaarige in einem Anflug von Zynismus. Konnte er doch nun wieder jederzeit nach Herzenslust mit allem flirten, was weiblichen Geschlechts war.
"Eigentlich waren wir noch nicht beim 'Du' angelangt, Mr. Theocrates", antwortete die Schottin dann auf die Frage des Südländers. 'Und wann ich Dienstschluß habe, ist eine gute Frage', dachte sie bei sich, immerhin hatte sie die letzten Tage mehr gearbeitet als Pausen gemacht.
Ein weiteres Mal scannte sie Pormas mit ihrem Tricorder, dann meinte sie: "Falls Sie mir versprechen, sich in der nächsten Zeit noch zu schonen, und jeden Tag zur Nachuntersuchung zu kommen, dürfen Sie aufstehen", beschied sie dem Patienten anschließend. "Allerdings rufe ich jetzt erst mal Jack, so lange, bis er hier ist, bleiben Sie mir auch noch im Bett!"
Llewella aktivierte kurzerhand ihren Tricorder und sprach: "Campbell an Collins! Unser Grieche ist wieder unter den Lebenden und würde gerne mit dir sprechen. Wäre schön, wenn du mal auf der Krankenstation vorbeischauen könntest! Campbell Ende."
--- im Föderationsshuttle
Zunächst dachte Jack, er hätte sich verhört. Konnte es tatsächlich sein, daß man einen Psychologen brauchte und dann ausgerechnet für Pormas. Er runzelte die Stirn und wollte gerade bei Llewella nachhaken, als er das Schott zur Shuttlerampe hörte, das sich öffnete.
In aller Eile deaktivierte der Psychologe seinen Tricorder und stopfte sich alle Instrumente in die Tasche. Er ging zum Shuttleschott und blickte vorsichtig um die Ecke. Ein Mann und eine Frau bewegten sich auf das Shuttle zu.
Lautlos sprang Collins aus dem Schott und rollte sich so ab, daß er hinter dem Shuttle wieder zum Stehen kam. Mußte ja nicht jeder wissen, daß er hier herumschnüffelte. Es war ohnehin nicht genug Zeit gewesen, um alle Daten herunterzuladen.
"Ich hoffe, ich kann mich alleine umziehen. Oder wollen Sie auch das noch kontrollieren?", hörte Jack die männliche Stimme mürrisch sagen, die er Weber zuordnete.
'Also ist die Frau von der Sicherheit', dachte Jack und riskierte einen Blick. Es war Wanda, die ihn sofort bemerkte und fragend die Stirn runzelte.
Collins legte einen Zeigefinger auf die Lippen und gab der Frau zu verstehen, daß er gerne unbemerkt von hier verschwinden würde. Sie nickte kurz und wandte sich dann an Weber. "Ich habe meine Befehle", sagte sie. "Sie kennen unsere Chefin, ich komme mit rein. Ich werde Ihnen schon nichts weggucken!"
Webers Antwort war ein noch mürrischeres Stöhnen und Jack konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Nach ein paar Sekunden schlich er leise aus der Shuttlerampe.
--- Narbos Bar
Genervt betrachtete Narbo das heulende Stück Elend, das zusammengekrümmt in der dunkelsten Ecke der Bar auf dem Boden saß, während er ihr die Grundregeln in seiner Bar beizubringen versucht hatte. Arbeiten in der Erlebnis-Gastronomie war schließlich kein Kinderspiel...
Gegenüber den Heulsusen, die er sonst abbekam, war diese Rothaarige aber ein kleines Juwel. Soweit man niedere Menschen-Frauen mit funkelnden Edelsteinen vergleichen wollte. Ihr Äußeres würde seinen Profit gewaltig steigen lassen, auch wenn Slade offiziell etwas gegen Prostitution an Bord hatte.
Nun, jeder Mann hatte seinen Preis - auch Slade.
Aber vor den Profit hatte das göttliche Kontinuum des materiellen Flusses die Arbeit gesetzt. Bis diese Terjana ihn bereichern konnte, mußte sie noch eine Menge lernen. Scheinbar stand Narbo ein längerer Abend bevor...
--- Holodeck 1, Gefechtsplatz
Nachdem Silvana eine Weile unschlüssig herumgestanden hatte und nur Narbos "Einsatz" beobachtet hatte, bis er nach einem kurzem Wortwechsel das Holodeck mit watschelnden Gang verließ, gesellte sie sich zu Sternenlicht, der ebenfalls nicht zu wissen schien, was er tun sollte. Gemeinsam beobachteten sie den Abgang der neuen Sicherheitlerin, die sich sehr gut mit dem Techniker zu verstehen schien.
Nun war das Holodeck bis auf die beiden Piloten, die Jean-Luc eher unterhielt als prüfte, was aber auch auf eine Art Geduldsprobe hinauslief, leer. Nichts wies mehr darauf hin, daß es vor kurzem hier noch einige Leute gegeben hatte, die auf einen Job gehofft hatten.
Die Sicherheitschefin seufzte, da die kleine Abwechslung wohl vorüber war. Irgendwie war schon länger nichts mehr los an Bord und das Gefühl des Kribbelns am ganzen Körper stellte sich bei ihr ein. Eine Unruhe, die ihr durch und durch ging.
"Das war's dann wohl auch schon. Ich nehme an, du hast du auch etwas mehr Abwechslung von den neuen Bewerbern versprochen. Aber man muß nehmen was kommt. Nächstes Mal schickt uns der Franzose vielleicht auch eine süße kleine Sivaoanerin." Sie konnte ein Grinsen nicht verbergen. "Was hast du noch vor? Aufräumen oder kommst du mit in die Bar?"
Sternenlichts Schnurrhaare waren bei Silvanas Worten ein wenig nach unten gesackt, kaum merklich, aber genug für die wachsamen Augen seines Gesprächspartners. Sein Blick ging an Silvana vorbei, als er ihr antwortete:
"Bar? ..... Bar klingt nicht schlecht. Ist ziemlich sicher weniger langweilig als hier." Jetzt begann sein Schweif die leichte Andeutung einer Helix zu bilden, während sein Blick sich wieder auf Silvana fixierte. "Und Aufräumen kann Jean-Luc, wofür haben wir denn diesen Blechhaufen sonst..."
Sternenlichts in Richtung des Ausgangs zeigender Schweif bedeutete Silvana ein 'nach dir'.
"Blechhaufen?" Silvanas Stimme klang amüsiert, als sie sich anschickte Sternenlichts Aufforderung zu folgen und das Holodeck zu verlassen. "Wie ich sehe paßt du dich den Sitten und Gebräuchen an Bord schneller an, als ich gedacht habe. Alle Achtung."
--- Krankenstation, bei Pormas Biobett
Kargan grinste. Offenbar waren Pormas' Reflexe noch in Ordnung, wenn er nach einer recht langen Stillhaltepause gleich damit begann, seine Ärztin auf einen Drink einzuladen.
"Willkommen unter den Lebenden, Mr. Theocrates", mischte er sich dann in das Gespräch ein und stellte sich anschließend vor: "Dr. Kargan, Chefarzt auf diesem lausigen Kahn. Ich nehme an, an mich können Sie sich auch nicht erinnern. Sie haben aber vollkommen recht, wenn Sie annehmen, daß Sie Llewella Dank schulden. Sie hat niemanden anderen an Sie herangelassen.
Wenn Mr. Collins mit Ihnen geredet hat, werden Sie in Ihr Quartier überstellt. Ihre Biowerte sehen schon wieder recht gut aus, so daß ich das einigermaßen verantworten kann.
Trotzdem wird in Ihrem Quartier der Computer ständig Ihre Werte an die Krankenstation übermitteln, so daß wir ständig über Ihren Gesundheitszustand informiert sein werden."
An Llewella gewandt fuhr er fort: "Nein, keine Angst, ich werde Ihnen IHREN Patienten nicht wegnehmen. Sobald er die Krankenstation verlassen hat, haben Sie aber erst einmal dienstfrei und können etwas ausspannen. Sobald sich an seinem Zustand etwas ändert, informiere ich Sie."
'Meinen Patienten, und das auch noch betont, so so...', dachte die Schottin bei sich, als Reaktion auf die Worte des Klingonen. Sie hatte noch nicht wirklich entschieden, ob sie diesen so kriegerisch aussehenden Arzt nun mochte oder nicht.
Wie auch immer, er war sicherlich ein fähiger Mediziner. Und das war schließlich das Ausschlaggebende.
"Danke, Dr. Kargan, ein wenig Pause wäre mir sehr willkommen", antwortete Llewella dem Klingonen. "Und wenn sich Mr. Theocrates nicht wieder einmal selbst verstümmelt, sollten sich mit seiner Genesung keine allzu großen Probleme ergeben. Er ist eine zähe Natur."
"Hey, was heißt das SELBST VERSTÜMMELT?", unterbrach Pormas das Gespräch, über ihn. "Wollen Sie mir erzählen, daß ich die letzten Monate die ganze Zeit über gegen Shuttles gelaufen bin, oder was?"
Der Südländer wurde langsam vollkommen klar. Auch seine Emotionen beherrschte er wieder einigermaßen. Bis auf seine Erbostheit an sich... Aber eines wurde ihm aber dabei klar. 'Die steht auf mich!', fuhr es dem Halbgriechen durch den Kopf.
Warum sonst sollte die große Schottin ihn für sich ganz allein beanspruchen?
Aber Pormas einsetzende Beruhigung hatte noch einen anderen Grund. Die Gewißheit wieder in sein Quartier zu dürfen... Dieser schmalbrüstige Klingone.... 'Ein klingonischer Schiffsarzt?', überkam es den Südländer. 'Merkwürdige Sitten', dachte er, während er sich ein bißchen umschaute und das Schild über seinem Bett entdeckte. 'Ich hab mein eigenes Biobett????'
Langsam kam eine schleichende Befürchtung in dem Südländer hoch, daß es doch ziemlich VIEL gab, was er nicht wußte. Resignierend wandte er sich wieder der Ärztin zu, die mit ihren Warnhinweis irgendwie gar nicht mal so unrecht hatte....
--- Deck 8, Gänge
KWinh war überrascht, wie schnell die Lifte in diesem Schiff waren. Es war zwar noch recht neu, aber der allgemeine Zustand war nicht sehr gut. Immerhin schien dieses System gut zu funktionieren. Nachdem er und Nathalie deren Tasche in ihrem Quartier abgeliefert hatten, waren sie nun auf dem Weg zu Quartier 270, das dem Grilmak zugewiesen worden war.
Er bestand darauf, daß die kleine Frau ihn begleitete, da er sichergehen wollte, daß sie auf jeden Fall zur Krankenstation ging. Nachdem das recht ungleiche Paar auf den Gängen ein paar Crewmitgliedern begegnet war, die hauptsächlich KWinhs Kapuze schief ansahen, kamen sie endlich bei dessen Quartier an.
--- KWinhs Quartier
Nachdem die Kisten in zwei Schränken untergebracht waren, schaute sich der Techniker noch mal kurz in dem Raum um. Das Quartier war recht groß, da es am Rand der Sektion lag und teilweise über Eck ging. Es war zwar nicht luxuriös, aber in jedem Falle angemessen. Es gab sogar einige Quadratmeter zusammenhängende freie Fläche, was KWinh freute. Er würde seine Meditationen also hier abhalten können und nicht in ein Holodeck ausweichen müssen.
"Nun, das wäre erledigt, gehen wir nun zur Krankenstation?", fragte er Nathalie, doch deren Körperhaltung und ihr Gesichtsausdruck sagten deutlich "Ja" noch bevor sie antworten konnte. Den als Stütze angebotenen Arm des Grilmak lehnte sie jedoch wie erwartet ab, als sie den Raum verließen.
--- Deck 8, Gänge
Den Rückweg zum Lift legte die Beiden wegen Nattys Verletzung langsamer zurück und der Grilmakpriester fing langsam an, sich Vorwürfe zu machen, nicht sofort zur Krankenstation gegangen zu sein, aber die Sicherheitlerin hatte ihren eigenen Kopf und hatte das nicht zugelassen. Besorgt fragte er sie deshalb: "Geht's dir gut oder soll ich dich nicht doch stützen?"
"Mir geht's gut!", stieß Nathalie mit zusammengebissenen Zähnen hervor und stampfte demonstrativ weiter. Dabei beschleunigte sie sogar noch und lief den Gang mit halbwegs energischen Schritten und einem ziemlich verkniffenen Gesicht hinunter.
Mit der Folge, daß sie vor Anstrengung schnaufend und etwas aus der Puste beim nicht weit entfernten Lift ankam. Mit stolz erhobenem Kopf betrat sie die kleine Kabine, gefolgt von ihrem Begleiter. Und noch bevor sich die Türen schlossen, lehnte sie sich schon keuchend gegen die Wand und schloß die Augen.
"Kein Kommentar!", knurrte sie warnend. KWinhs vielsagende Blicke hatte die dickköpfige Frau trotz nicht vorhandener empathischer Kräfte deutlich gespürt.
--- Büro des Psychologen
Jack überflog kurz die Daten aus dem Tricorder. Dann replizierte er sich einen Kaffee. Die ganzen Daten auszuwerten würde eine Zeit lang dauern. Er überlegte, da war doch noch was! "Ach ja, Pormas!", er schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn.
"Man wird nicht jünger", sagte Collins zu sich selbst und aktivierte den Communicator. "Hey Llewella, hier ist Jack. Tut mir leid, das ich mich nicht gleich gemeldet habe. Hatte noch etwas zu tun. Bin gleich auf dem Weg zur Krankenstation und ich hoffe, das war kein Scherz mit Pormas, oder?"
--- Krankenstation, bei Pormas Biobett
"Nay, Jack, tut mir leid, aber das ist kein Scherz", antwortete die Schottin auf Collins' Frage. Llewella warf einen kurzen Blick auf Pormas, der die Augen geschlossen hielt. Seinem angespannten Gesichtsausdruck nach zu urteilen, schien er zu versuchen, sich zu erinnern. Krampfhaft.
Die hochgewachsene Frau trat ein paar Meter von Pormas Bett fort, so daß sie sich besser mit dem Psychologen unterhalten konnte, ohne daß sie ihren Patienten noch mehr belastete als nötig.
"Tja, Jack, sieht nicht so toll aus mit unserem Supermann. Er leidet unter einer retrograden Amnesie, ich habe den Eindruck, daß sie ziemlich lange Zeit beinhaltet. Er wollte von mir wissen, ob er Freunde an Bord habe, und da dachte ich, es wäre gut, wenn du mal mit ihm reden würdest... "
--- beim Eingang
Den Weg zur Krankenstation hatten die Sicherheitlerin und der Techniker in wesentlich langsamerer Geschwindigkeit zurückgelegt. Dennoch keuchte Nathalie noch immer, als sie die Räume betreten hatten. Die Goldliebhaberin blieb am Eingangsbereich stehen und lehnte sich gegen die nächste Konsole. Die wenigen Personen im Raum drehten den Kopf, um die beiden Neuankömmlinge zu begutachten.
"Äh, hallo!" Nathalie bemühte sich um eine halbwegs normale Stimme. Ihre Beschwerden hatten in den letzten Minuten erheblich zugenommen, nun da die Aufregung um den neuen Job sich langsam gelegt hatte. "Wir sind die neuen Crewmitglieder und kommen zur Musterung!"
--- vor der Krankenstation
"Bin gleich da!", hatte der Psychologe geantwortet und anschließend die Daten auf seinem Tricorder noch gesichert. Nun stand er vor der Krankenstation und überlegte, was er mit Pormas machen sollte.
'Retrograde Amnesie!' Jack war kein Fachmann, aber er wußte, das so etwas lange dauern konnte. Aber vielleicht war es besser für Pormas, wenn er nichts über die vergangenen Ereignisse wußte.
Helen hatte aus den harten coolen Giganten einen sanften, sensiblen Riesen gemacht. Eigentlich das Beste was ihn passieren konnte. Und nun?
'Wir werden sehen', dachte Jack und betrat die Krankenstation.
--- Krankenstation, beim Eingang
Collins sah sich kurz um. Direkt vor ihm standen zwei Personen, die er bisher noch nicht gesehen hatte. Er ging an den beiden vorbei und musterte sie kurz.
Der Typ in der Kutte sah sehr merkwürdig aus. Der Psychologe konnte nur schwer erkennen, was für ein Gesicht sich unter der Kapuze befand. Nur zwei aufmerksame, leicht glühende Augen musterten Jack und er glaubte diesen Blick förmlich spüren zu können.
Collins löste sich von dem Blick und wandte sich dann der Frau zu. 'Hübsch', dachte er. Sie schien sehr auf Schmuck zu stehen. Außerdem war sie verletzt.
"Willkommen an Bord", sagte Jack. Die Tatsache, daß die Privateer sich mit der Ivory getroffen hatte, ließ ihn vermuten, daß dies zwei neue Besatzungsmitglieder waren. "Na, wie gefallen Ihnen Silvanas Einstellungsgespräche?"
KWinh deutete eine knappe Verbeugung an. "Ich grüße Sie, mein Name ist KWinh, ich bin Techniker und das neben mir ist Nathalie Connor. Ihr Einstellungsgespräch war etwas physischer als meines, aber beide waren interessant." Obwohl er Nathalie nicht ansah, konnte er ihren Blick fast spüren.
Da er hier eine Untersuchung durch das Sanitätspersonal erwartete und der Neuankömmling offenbar auch zur Mannschaft gehörte, entschloß der Grilmak sich, seine Kapuze zurückzuziehen, was zu Tage brachte, daß er seine Haare offen trug und diese seine spitzen Ohren bedeckten. Er musterte den ihm bisher unbekannten Mann und fragte: "Darf ich auch erfahren, wie IHR Name ist?"
'Romulaner?' Jack stutzte. 'Vulkanier?' Er war sich nicht sicher. Aber zu gegebener Zeit würde er sicherlich mal nachhaken.
"Mein Name ist Jack Collins. Ich bin hier eigentlich als Psychologe eingestellt, aber durch den bewundernswert stabilen psychischen Zustand der Mannschaft, habe ich auf dem Sektor zur Zeit wenig zu tun.
Sie sind Techniker? Das ist gut. Dann werden Sie sicher die Stelle von Xiang einnehmen, unseren Ex-Cheftechniker. Sehr schön, dann kann ich mich mal wieder in der Bar sehen lassen und Narbo ein wenig unter die Arme greifen. Seit dem plötzlichen Ableben unseres Cheftechnikers hatte ich mich ein wenig um die Technik gekümmert. Sie bekommen gute Leute."
--- Deck 6, Gänge
Die Sicherheitschefin warf einen nachdenklichen Seitenblick auf den Sivaoaner neben ihr. Dieser war vermutlich enttäuscht, daß es im Moment so wenig für ihn an Bord zu tun gab. Wahrscheinlich hatte er sich gerade das Leben auf einem privaten Schiff viel aufregender vorstellt, als das auf einem Föderationsschiff.
Aber morgen würde sich das alles ändern. Da erreichten sie den Planeten von dem Slade gesprochen hatte und somit auch endlich ihr eigentliches Ziel.
Und wie Silvana den Anticaner kannte, würde er Sternenlicht nur sehr wenig Zeit geben um genauere Daten zu liefern und sie am Liebsten sofort mit Shuttles auf die Planetenoberfläche schicken um alles hochzuholen was sich teuer verkaufen ließ.
Sicher war ihm in der Zeit des Komas sein Gespür für ein gutes Geschäft nicht abhanden gekommen.
Sternenlichts Schritten waren leise und fast unhörbar. Sein Gang war federnd und sein Aussehen war beeindruckend. Das erste Mal seit sie sich kannten, fragte sich Silvana, was er wohl früher erlebt hatte. Auf Sivao.
"Wer war sie?", fragte sie unvermittelt und beobachtete dabei gespannt seine Reaktion auf ihre Frage. "Hast du sie geliebt?"
Sternenlichts blieb ruckartig stehen, sein Nackenfell begann sich zu sträuben. Ihm war bis zu diesem Augenblick nicht bewußt gewesen, wie durchschaubar seine letzte Reaktion auf dem Holodeck gewesen sein mußte.
Silvana wich seinem Blick nicht aus, der sich in diesen Augenblicken auf ihre gelben Augen heftete. Ihm wurde bewußt, daß er diesem Raubtier - das ohne zu zögern töten würde, wenn es die Situation erforderte - vertraute. Er konnte nicht genau sagen wieso, aber er vertraute ihr.
Die Spitzen seiner Ohren bebten, als er ihr antwortete, seine Stimme so leise, daß Silvanas genetisch verbessertes Gehör Probleme hatte, ihn zu verstehen: "Wer sie war, fragst du?" Noch bevor sie antworten konnte, setzte er sich, langsamer und eine Spur unbeholfener als vorher, wieder in Bewegung.
So leise wie eben, fuhr der Sivaoaner fort: "Sie war Sonnenstrahl zu-Srallansre, wir lebten über fünf eurer Jahre zusammen." Erst jetzt fiel Silvana auf, daß sich Sternenlichts Schweif mittlerweile in seinen Pfoten befand, er schien ihn fast krankhaft festzuhalten, als er weitersprach: "Und ja, ich liebte sie, ich liebte sie über alles."
Sie blieben vor der Tür des Turboliftes stehen, der mit der Wartelampe die Anfahrt einer Kapsel signalisierte. Sternenlichts Blick war jetzt auf diese Lampe gerichtet, seine Augen schienen im Takt mit ihrem Blinken zu leuchten.
--- Narbos Bar
"Arrrrrrrrrrrrrrrrrrrggggggggggh!"
Laut bebte Narbos Stimme durch Mark und Bein und Terjana hielt sich verstört die Ohren zu: Was hatte sie denn jetzt schon wieder falsch gemacht?! Wenn der Ferengi immer so pingelig war, erklärte das die davonlaufenden Bedienungen...
"Ich hatte einen Silicon Surprise bestellt; keinen Silicon Sunrise!", schrie er sie an, um dann wieder seine Stimme zu senken, "beim dritten Versuch solltest du es doch unterscheiden können, oder?"
Seufzend atmete die Kellnerin aus und zog dann das leuchtende Glas wieder von der Theke. Würde doch eh jedem egal sein, der sowas orderte. Schließlich starrten die besoffenen Kerle doch bestimmt eh nur ständig auf ihre Brüste; was störte da so eine kleine Verwechslung?
"Hören Sie mal, Narbo. Kann es sein, daß wir ein kleines Kommunikationsproblem haben? Meine Großmutter hat immer gesagt, daß man sich nicht über sowas aufregen darf. Außerdem kann ich das ja noch nachher lernen, wenn ein wenig los ist, ok?", gab sie zurück und versuchte bestimmt zu wirken.
Leise fluchte der Ferengi vor sich hin, hob dann aber irgendwann seinen Kopf, nickte resignierend, um dann aufzustehen. Er brauchte jetzt etwas frische Luft...
--- Krankenstation, bei Pormas Biobett
Amüsiert blickte die große Schottin auf den Mann im Bett. Trotz seines Gedächtnisverlustes hatte er zumindest sein ätzendes Selbstvertrauen nicht verloren. Warum auch? Immerhin war es ein elementarer Bestandteil seiner Persönlichkeit.
Llewella unterdrückte eines ihrer breiten Grinsen, als sie dem Griechen antwortete: "Och, nay, gegen Shuttles sind Sie nicht gerade gerannt, das wäre dann ja auch zu dumm. Aber immerhin kann ich mich daran erinnern, daß Sie vor nicht allzulanger Zeit beinahe Ihrem Leben ein Ende gesetzt haben, weil Sie sich unbedingt eine gebrochene Rippe in die Lunge rammen mußten - obwohl ich Sie gewarnt hatte.
Ich bin zwar noch nicht so lange auf diesem Schiff, um alles mitbekommen zu haben, aber dieses Schild über Ihrem Bett wird dort auch nicht von ungefähr hängen..."
Aus dem Augenwinkel bekam die Schottin mit, daß Jack die Krankenstation betreten hatte und sich mit zwei Personen unterhielt - deren Eintreten war Llewella allerdings nicht aufgefallen, da sie so in das Gespräch mit Dr. Kargan und Pormas vertieft gewesen war.
"Nehmen Sie es nicht allzu tragisch", meinte die Rothaarige, an Pormas gewandt. "Ich überlasse Sie jetzt einmal dem Chef und hole Ihnen Jack Collins."
Mit diesen Worten wandte sie sich ab und schritt zu dem Psychologen hinüber.
--- am Eingang
Mit einem höflichen Nicken begrüßte Llewella die beiden Neuankömmlinge und stellte sich vor. Dann wandte sie sich an den Psychologen:
"Hallo Jack, danke daß du so schnell gekommen bist. Pormas liegt dort drüben. Er kann sich an nichts erinnern, was in den letzten Monaten passiert ist, nicht an die Ivory und schon gar nicht an die Privateer. Er fragte, ob er Freunde an Bord hätte, da habe ich gedacht, er soll mal mit dir reden. Aber er wäre gut, wenn du Helen erst mal nicht erwähnen würdest, denn das könnte ihn ziemlich aus der Bahn werfen."
"Gut, wollen mal sehen, was wir machen können", antwortete Jack und wandte sich dann wieder den beiden Neuen zu. "Sie entschuldigen mich, aber dies das erste Mal, daß ein Patient mit mir reden möchte. Diese Gelegenheit möchte ich mir nicht entgehen lassen. Ich lasse Sie in Obhut von Miss Campbell, sie wird sich sicher jetzt um Sie kümmern."
Der Psychologe wandte sich zu Llewella. "Oder macht das Kargan selber?", fragte er mit einem leichten Grinsen.
--- Deck 6, Gänge
Silvana wußte aus der spärlichen Erfahrung, die sie mit Sivaoanern hatte, daß ihnen körperliche Berührung unangenehm war und leicht als Bedrohung wahr genommen wurde, dennoch hatte sie das Gefühl, daß er sich im Moment nach Zuspruch sehnte. Nach einem Zeichen des Verstehens ihrerseits.
So tat sie das einzige, daß sie für angebracht hielt.
Sanft aber bestimmt umschlang ihre Hand Sternenlichts Handgelenk und ihr Arm wand sich dabei so, als wäre er ein Schwanz und würde sich ideal zum Greifen eignen. Eine stumme Geste der Verbundenheit. Auch wenn sie verschieden waren, so waren sie im Herzen gleich.
Sicher machte Silvana ihre Scherze mit der Liebe, da es für sie nichts weiter war, als Verpflichtung, Ballast und Druckmittel, oft sogar dazu verdammt aus vernünftigen Leuten Narren zu machen. Pormas ging ihr dabei durch den Sinn. Er hatte geliebt und diese Liebe hatte ihn zum Schlechten verändert und einen weichen labilen Menschen aus ihm gemacht. Dabei hatte die kleine Spanierin schon beim Eintritt an Bord nur Augen für den klingonischen Arzt gehabt und er war so blind gewesen es nicht zu bemerken.
Aber bei Sternenlicht war das etwas anderes. Liebe war mehr als nur ein Wort der Entschuldigung, wenn man sich wie der letzte Idiot benahm. Da steckte keine Selbstaufgabe dahinter, sondern eine Einheit, die zerstört worden war. Etwas das plötzlich nicht mehr ganz war.
Wie sich Liebe anfühlte konnte Silvana mangels Erfahrung nicht nachvollziehen, wohl aber den Schmerz des Verlustes. Damals als sie das erste Mal auf die Privateer getroffen war, da hatte sie alles daran gesetzt sich für einen solchen Verlust zu rächen. Ohne zu zögern hatte sie ihr Leben eingesetzt. Hätte Slade nicht gegen ihren Willen darauf bestanden sie zu retten, wäre sie damals umgekommen.
Trotzdem dachte sie mit einer Zufriedenheit an den darauf folgenden Kampf mit Slade, der sie fast beide das Leben gekostet hätte. Schon lange hatte sie nichts so gefordert, wie der alte zähe Bursche. Zwar mochte er langsam in die Jahre kommen, doch man merkte ihm nichts davon an. Selbst Xiang hatte ihn nicht zur Strecke bringen können.
Die Sicherheitschefin zog etwas an seiner Hand und dirigierte ihn mit einem "hier entlang" weg vom Turbolift. Willenlos ließ er es mit sich geschehen.
Narbos Bar lag auf dem selben Deck wie die Holodecks. Sternenlicht war so von der Vergangenheit gefangen, daß er diesen Umstand nicht mal bemerkt hatte. Und Silvana wollte ihn nicht bloßstellen und schwieg was so gar nicht ihre Art war. Kein süffisanter Scherz kam über ihre Lippen.
Vielleicht hatte Narbo mit seiner Befürchtung recht und sie wurde wirklich weich im Umgang mit Collins...
Möglicherweise sollte sie nur mehr mit ihm schlafen, aber nicht mehr soviel mit ihm reden oder ihn gar auf eine seiner Touren begleiten.
"Ist sie...?", hub sie wieder zu reden an, verstummte dann aber. Nicht nur, weil sie nicht wußte, ob sie es aussprechen sollte, sondern vor allem, weil sie Probleme damit hatte, den Grund zu begreifen warum sie so verständnisvolle war. Es widersprach ihrem Wesen und doch konnte sie im Moment nicht anders.
Der Sivaoaner neigte als Antwort auf ihre Frage nur stumm die Schnurrbarthaare nach vorn. Eine Geste, die momentan auch sehr traurig wirkte.
Irritiert schwieg Silvana. Es schien Sternenlicht sehr schwer gefallen zu sein überhaupt ihren Namen auszusprechen und doch hatte er es getan. Er war als würde er sie als seines gleichen akzeptieren und achten.
"Ich kann mir vorstellen, daß du nicht über sie reden möchtest, falls du es aber mal doch tun willst, dann höre ich dir gerne zu." Ein Schauer lief ihr über den Rücken, weil sie an sich selbst diese Art von Sanftheit nicht kannte und auch nicht mochte.
Erleichtert stellte sie fest, daß sie inzwischen die Bar erreicht hatten.
Die Schnurrhaare des Sivaoaners neigten sich leicht nach vorne, ob es allerdings in Reaktion auf den Ersten oder auf den Zweiten Teil von Silvanas letztem Satz geschah
Vielleicht war Sternenlicht schon viel zu lange fort von Sivao, daß die bloße Erwähnung einer Sivaoanerin derartige Erinnerungen in ihm wachrief. Warum er diesen Teil seines Lebens Silvana anvertraute, war ihm allerdings ein wenig schleierhaft. Gewiß, ihre Gene hatten eine gewisse Verwandtschaft mit den seinen, aber sie kannten sich ja erst ein paar Tage. Manchmal war das Leben schon seltsam.
--- Narbos Bar, beim Eingang
Forsch sah sich die Sicherheitschefin ein wenig um und stellte fest, daß die Neue anscheinend gut bei den männlichen Barbesuchern ankam und Narbos leuchtende Augen wohl eher dem Profit zusprachen, als ihren üppigen Kurven. Wahrscheinlich lag sie jetzt auch nicht ganz falsch mit der Vermutung, daß Narbo nichts gegen einen kleinen Nebenerwerb hätte und vielleicht sogar schon mit dem Gedanken spielte Slade diesbezüglich mal zu fragen.
"Wenn ich mir vorstelle, daß die Frauen auf seinem Planeten nackt rumlaufen müssen, da kann einem echt schlecht von werden", meinte Silvana, ihre alte Form langsam wieder gewinnend, mit einem abschätzenden Blick auf Narbo. "Was für ein Glück, daß er wenigstens bekleidet sein muß."
Allein der Gedanke ihn nackt zu sehen, ließ eine Gänsehaut über ihren Rücken laufen. Auch wenn sie schon mit den verschiedensten Rassen sexuelle Kontakte gehabt hatte, ein Ferengi würde sich niemals darunter befinden.
"Willst du dich an einen Tisch setzen oder lieber an die Bar?", fragte sie den behaarten Wissenschaftler. "Mir ist beides recht."
Sternenlichts Stimmung verbesserte sich merklich, als er und Silvana die Bar betraten. Einerseits hatten sich die Gedanken an Sonnenstrahl in angenehme Erinnerungen verwandelt, an die er gerne zurückdachte und andererseits war er jetzt wieder in seinem Element, er war unter den Leuten, wie es Barden gerne waren.
Mit vibrierenden Schnurrhaaren schaute er sich in der recht gut gefüllten Bar um. Die wenigen Gesichter, die er noch nicht kannte, prägten sich dabei wie von selbst in sein Gedächtnis ein. Sein Blick wandte sich wieder zurück an Silvana: "Ein Tisch wäre mir lieber, den da drüben zum Beispiel. Da ist der Gestank des Alkohols nicht so schlimm."
Das ungleiche Paar setzte sich in Richtung des Tisches in Bewegung, und zog dabei mehr als nur einen verstohlenen, neugierigen Blick auf sich. Sternenlichts Schweif begann unterwegs, eine zusehends verknotetere Helix zu bilden...
--- Tisch 12
Sternenlicht bot, wie es sich gehörte, Silvana einen Stuhl an "Setz dich" bevor er sich selbst auf die andere Seite des Tisches setzte. "Nackte Ferengi... Du hast recht, darauf kann man wirklich verzichten. Wobei das sicher ein sehr lustiges Lied abgeben könnte."
"In meiner Bar wird weder schlecht gesungen, noch über den Wirt in einem unangemessenem Tonfall gesprochen, Flusenteppich!", schaltete sich der Ferengi zischend ein, nachdem er aus der anonymen Menge getreten war, um den Sivaoaner böse anzufunkeln.
"Wenigstens können Ferengi nackt sein; wenn man dir dein Fell über die Ohren gezogen hat, dürftest du jämmerlich verrecken!", setzte er herablassend fort und fand den Gedanken äußerst reizvoll: Immerhin paßte dieses Viech weder an Bord noch in seine Bar...
--- Krankenstation, am Eingang
Mit einem lauten, demonstrativen Husten brachte Nathalie sich in den Mittelpunkt. Es wurmte sie, daß es hier nicht voran ging. Untätig wartend herumzustehen, war nicht gerade das, wonach ihr gerade der Sinn stand. Zumal sich ihre Rippen protestierend mit immer stärker werdenden stechenden Schmerzen meldeten.
"Entschuldigen Sie bitte", mischte sie sich in das Gespräch ein. "Aber falls unser Besuch gerade ungelegen kommt, dann sagen Sie es. Dann kommen wir ein anderes Mal wieder. Andererseits würde sich sowohl mein Ohr, als auch meine blauen Flecken über eine geringfügige Aufmerksamkeit sehr freuen!"
Das süffisante Lächeln wollte ihr ob der Schmerzen nicht ganz gelingen und so blickte Natty ein wenig verkniffen in die Runde.
Am Liebsten hätte Llewella dem Neuankömmling den Rücken gekehrt. Immerhin hatte sie tagelang nahezu durchgearbeitet und sich nur wenig Ruhepausen gegönnt. Und dann kam diese Frau daher, die vor Kälte und Sarkasmus nur so troff, und meinte, sie könnte unverschämt werden.
Die Schottin schluckte eine diesbezügliche Bemerkung hinunter, die ihr schon auf der Zunge gelegen hatte. Sie wandte sich an Jack, meinte zu ihm: "Verschwinde schon, ich mache hier weiter", und wandte sich dann den beiden Neuen zu.
"Kommen Sie mit", richtete sie dann das Wort an die Frau, dirigierte sie zu einem Biobett und hieß sie, sich darauf zu setzen.
--- bei einem freien Biobett
Ohne ein weiteres Wort zu sagen, ergriff Llewella ihren Tricorder und scannte die Frau von oben bis unten.
"Die Verletzung am Ohr wird in wenigen Tagen geheilt sein, da ist nicht viel zu tun", meinte sie dann kühl. "Die Prellungen allerdings werden Sie noch einige Zeit spüren. Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen etwas mitgeben, falls die Schmerzen zu stark werden. Ansonsten sind Sie in Ordnung, keine Frakturen oder innerliche Verletzungen."
Unbewegt blickte die Rothaarige ihre Patientin an.
Ein wenig perplex starrte Nathalie die junge Medizinerin an. So schnell hatte sie nicht mit dem Ende der Untersuchung gerechnet. Auf anderen Schiffen war sie meistens genauer und länger durchgecheckt worden. Anscheinend hatte die Ärztin keine Zeit, doch so viele Patienten waren momentan nicht auf der Station. Genaugenommen sah sie nur einen.
Andererseits war ihr auch aufgefallen, wie kurz angebunden und kühl sie geantwortet hatte. Offensichtlich war mit dieser Campbell nicht zu spaßen. Nathalie versuchte es mit ein wenig mehr Taktgefühl, als sie antwortete.
"Ok, Sie können mir ja was mitgeben. Ich glaube zwar nicht, daß ich das brauchen werde, aber nur für alle Fälle, danke. Nun, wenn ich ansonsten in Ordnung bin und Sie nichts weiter mit mir vorhaben, dann kann ich ja gehen." Im letzten Satz ließ Natty einen fragenden Unterton anklingen, erhob sich aber dennoch bereits von der Liege, um KWinh Platz zu machen.
Wie so häufig verrauchte Llewellas Ärger über die Neue schnell, als sie bemerkte, daß diese doch nicht so uneben war, wie sie zunächst geschienen hatte. Möglicherweise war sie nur so angespannt gewesen, weil sie sich nicht wohl in ihrer Haut fühlte.
"Muß ja eine ordentliche Prügelei gewesen sein, in die Sie da hineingeraten sind", meinte sie zu der jungen Frau auf dem Biobett. Wenn die Gesichtszüge der Schottin auch immer noch recht kühl waren, hatten ihre blauen Augen jedoch schon wieder ein leicht belustigtes Funkeln angenommen.
Immerhin war es ihre Devise, einen Menschen nicht gleich nach der ersten Begegnung als unsympathisch abzustempeln, und so wollte sie auch im Fall von Miss... wie hieß sie doch gleich??? verfahren.
"Könnten Sie mir noch einmal Ihren Namen sagen?" fragte sie die Frau daraufhin. "Ich hatte ihn vorhin nicht mitbekommen."
Genauer gesagt, hatte sich die Frau noch gar nicht vorgestellt, aber auf diese Unhöflichkeit wollte die Schottin sie nicht vor versammelter Mannschaft hinweisen...
--- beim Eingang
Gedankenverloren hatte KWinh nicht von Anfang an realisiert, was dieser Mann ihm überhaupt gesagt hatte. Erst jetzt, als er auf dem Weg zu einem der Biobetten war, dämmerte es dem Grilmak, daß er den Ansprechpartner nicht mehr suchen mußte, der ihm genannt worden war. Da dieser aber nun beschäftigt war, würde Warten die beste Lösung sein. Eine Gelegenheit würde sich finden.
Die Nachricht, daß Nathalie nichts Ernstes passiert war, nahm der Grilmakpriester erleichtert zur Kenntnis, als er sich weiter auf der Station umsah. Sie schien in einem überraschend guten Zustand zu sein, im Vergleich zum Rest des Schiffes, den er bis jetzt gesehen hatte. Nun gut, wo er schon mal hier war, konnte KWinh auch gleich die obligatorische Untersuchung über sich ergehen lassen, die ihm bisher auf keinem Schiff erspart geblieben war.
Da aber kein Mitglied des Personals frei zu sein schien, blieb wohl wirklich nur Warten übrig...
--- bei Pormas Biobett
Collins näherte sich dem Biobett. Das Schild mit Pormas Namen prangte über den Anzeigen und der Psychologe konnte sich das Grinsen gerade noch verkneifen.
Der Grieche machte den Eindruck, daß es ihm wieder besser ging. Seine dunklen Augen musterten Jack neugierig, aber ohne eine Spur des Erkennens.
'Dann wollen wir uns mal rantasten', dachte der Psychologe, schnappte sich einen Stuhl, der am Nachbarbett stand und setzte sich an Pormas Bett.
"Hallo Pormas! Ich sehe, es geht dir wieder einigermaßen gut, bis auf eine etwas größere Gedächtnislücke, wie mir Dr. Campbell sagte. Ich werde versuchen deinem Gedächtnis ein wenig auf die Sprünge zu helfen. Aber laß dir gesagt sein, nicht alle Dinge die passiert sind, werden dir gefallen."
Neugierig musterte der Grieche seinen Gegenüber. Körperlich machte er nicht viel her, was ihn auch verwundert hätte, da in Pormas Weltbild der Psychologe an sich nicht an körperlicher Fitneß interessiert war.
Verschmitzt dachte er an eine süße Mitstudentin bei Starfleet, die eine Ausbildung zum Counselor gemacht hatte... aber das tat jetzt nichts zur Sache. Vorsichtig streckte der Hüne seine Hand dem Psychologen entgegen, der diese freundlich ergriff.
"Ja, hi.... Jack, wenn ich Dr. Campbell glauben darf. Also gleich vorweg, selbst wenn mir die Sachen nicht ganz gefallen sollten, die du auf Lager hast, ist es auf jeden Fall besser es zu erzählen, als unwissend vor sich hinzuleben und einfach ein paar Monate vergessen zu haben!"
Nach kurzem Überlegen, zog Pormas seine Hand zurück und übernahm gleich die Initiative, bevor Collins mit irgendwelchem Starfleet-Psycho-Gewäsch anfing. Der Südländer wußte nicht genau warum, aber irgendwie hatte er eine Befürchtung in dieser Richtung, wenn er sein Gegenüber so anschaute....
"Dann fang bitte gleich mal an. Was ist die Ivory? Und warum glaubt hier jeder, ich hätte einen Drang mich selbst zu verstümmeln?" Der Grieche drehte kurz sich um. "Und warum zum Henker habe ich mein eigenes Biobett?"
--- Narbos Bar, Tisch 12
Sternenlichts Muskeln hatten sich innerhalb von Sekundenbruchteilen angespannt, die Ohren flach auf den Schädel gelegt, das Nackenfell gesträubt. Für einen kurzen Augenblick sah es so aus, als würde aus dem sonst so friedfertigen Sivaoaner die Kampfmaschine werden, die die Natur vor langer Zeit geschaffen hatte.
Doch nichts dergleichen geschah, denn den wachsamen Sinnen von Sternenlicht war die Annäherung des Ferengi nicht entgangen. Es dauerte nur ein paar Sekunden, bis das Katzenwesen seine Instinkte wieder unter Kontrolle hatte und die Anspannung in seinem Körper nachließ. Es hatte keinen Sinn sich mit diesen Wesen herumzuschlagen. Für die wenigen Sivaoaner, die sie kannten, rangierten sie ohnehin am unteren Ende der 'Nahrungskette'.
"Ich weiß nicht, wie ein Ferengi reagieren würde, wenn man dessen Haut abziehen würde. Vermutlich wäre außer Fett, zähem Fleisch und Knochen dann nichts mehr an ihm zu finden. Was dein Etablissement betrifft, ist das für einen Ferengi nicht erbärmlich, hier so dahinzuvegetieren? Ich kann mir nicht vorstellen, daß dieser heruntergekommene Laden hier nennenswert Profit abwerfen kann. Nicht, daß ich es von einem Kind anders erwarten würde..."
Sein Schweif machte keinen Hehl von seiner Meinung über den Ferengi. Innerlich mußte Narbo über den Flusenteppichs lachen: Abgesehen davon, daß der Ferengi nie nach Profit gestrebt, sondern diesen immer nur im Vorbeigehen mitgenommen hatte, sprach aus dem Fellball das personifizierte betriebswirtschaftliche Unwissen.
"Monopolstellung beim Ausschank alkoholhaltiger Getränke!", wies er Sternenlicht so nur schulterzuckend auf das Potential in seinen Händen hin. Außerdem lagen Narbos Bedürfnisse in einem ganz anderen Bereich...
"Was wollt ihr haben? Das hier ist eine Bar und kein Kinderheim...", sprach er äußerlich beruhigt weiter, während er sich geistig vornahm wieder öfters mit dem Stiefelmesser zu üben: Vielleicht würde der Sivaoaner bald in seine Statistiken eingehen...
Amüsiert hatte Silvana die Debatte zwischen dem Ferengi und dem Sivaoaner mitverfolgt. Während Sternenlicht sicher nicht der Typ Mann war, der sich gerne bei privaten Gesprächen belauschen ließ, war deutlich zu erkennen was Narbo seit seinem Zusammenstoß mit Raschkralles stinkigem Atem an seiner Gurgel von diesen Katzenwesen hielt. In seinen Augen waren wohl nur tote Sivaoaner gute Sivaoaner.
Da die Sicherheitschefin nicht hierher gekommen war um einen Kampf zu schlichten, der erst durch ihr Auftauchen entstanden war, wartete sie erst gar nicht darauf bis ihr der Sivaoaner seinem Charakter entsprechend den Vortritt bei der Bestellung ließ oder auf die unhöfliche Art des Ferengi zu sprechen kam, sondern orderte ihre Bestellung, als ginge sie das alles nichts an.
"Ich will einen Whiskey, aber einen von denen, die du unter der Bar versteckst, wenn dir dein Leben lieb ist", sagte sie mit einem breiten Grinsen und lehnte sich dann zurück um ihre Katzenaugen befriedigt über den Raum gleiten zu lassen.
Sicher mochte Sternenlicht den Geruch von Alkohol nicht wie alle Sivaoaner, aber sie hatte nicht die Absicht hier auf der Privateer je etwas zu trinken was ihrem schlechten Ruf schaden könnte oder wegen Sternenlicht ihre Gewohnheiten zu ändern. Milch wäre ein gefundenes Fressen für den Ferengi. Und sie konnte es sich leisten Alkohol zu trinken.
Wozu genetische Defekte nicht alles gut waren.
Sternenlicht schien Narbos verbalen Angriff bereits wieder vergessen zu haben. Selbst sein Nackenfell hatte sich wieder gelegt. Nun, vergessen hatte er es sicherlich nicht, das wußte sein Gedächtnis zu verhindern. Vielleicht sollte man da besser sagen, daß es ihn nicht weiter interessierte.
Dazu kam wohl, daß Schlägereien oder ähnliche Auseinandersetzungen dem Barden mehr als nur gegen den Strich gingen. Sivaoaner waren ein friedliches Volk, und da Narbo die Regeln eines fairen Kampfes sicher nicht kannte, hatte es auch keinen Sinn, diesen Gedanken weiter zu verfolgen. Er würde immer das Kind bleiben, das er war.
"Ich bekomme einen Orangensaft, pur." vervollständigte der Sivaoaner die Bestellung von Tisch 12, bevor er seinen Blick wieder auf Silvana wandte und den Ferengi im wahrsten Sinne des Wortes links liegen ließ.
"Silvana, was völlig anderes: In ein, zwei Stunden dürften die ersten Resultate der Langstreckensensoren eintrudeln. Ich hatte sie heute Morgen auf Sakkra gerichtet. Ich denke, daß sollte bereits als Grundlagen für eine vorläufige Missionsplanung ausreichen."
--- Krankenstation, bei Pormas Biobett
"Da du in der Zeit, seit du auf diesem Schiff bist, von einem Unfall in den nächsten läufst, hat sich wohl jemand gedacht, daß ein eigenes Biobett gar nicht schlecht wäre." Jack lachte. "Frag mich aber nicht, wer die Idee hatte."
"Was die Ivory betrifft", fuhr Collins dann fort. "Tja, dort habe ich dich das erste Mal getroffen." Er überlegte in welchen Happen er dem Griechen diese Geschichte geben sollte. Pormas war schwer zu durchschauen.
"Bevor dir hier jetzt stundenlange Geschichten erzähle, kann ich dir die Dinge, die ich kenne auch schriftlich geben." Collins stand auf und ging zum Computerterminal.
Unter dem Computer war eine Schublade in der einige Tricorder und Padds herumlagen. Der Psychologe schnappte sich ein Padd, stellte eine Verbindung mit dem Rechner in seinem Quartier her und öffnete ein paar Aufzeichnungen aus seinen persönlichen Dateien.
Darunter waren auch Dateien, die er in der Zeit auf der Ivory angelegt hatte, auch über die Mission die dort abgelaufen war. Er lud sich einige Berichte und Dateien auf das Padd und ging dann wieder zu Pormas.
Collins reichte Pormas das Padd. "Hier ist erstmal alles drauf, was auf der Ivory passiert ist, zumindest das was ich miterlebt habe. Lies es dir in Ruhe durch. Ich hoffe ein paar Namen oder Ereignisse kommen dir bekannt vor. Wenn du das durch hast, wenden wir uns den Dingen auf der Privateer zu.
Du bist hier an Bord in der Sicherheit tätig und hattest während eines Einsatzes einen Unfall auf der Shuttlerampe und seitdem liegst du hier." Jack machte eine kurze Pause. "Falls du dazu noch Fragen hast,", er deutete auf das Padd, "du kannst mich jederzeit rufen."
'Das soll erstmal reichen', dachte Jack. Die Aufzeichnungen waren objektiv und ziemlich detailliert, auch die mit Classics Tod und dem Ende der Mission aber Pormas Psyche war stark und gerade solche Ereignisse konnten vielleicht eine Amnesie beenden, obwohl die Geschichte mit Helens Tod ihn arg zurückwerfen würde.
Pormas ergriff das Padd und überflog es. Als er eine Stelle erreicht hatte, riß er die Augen auf und flüsterte: "Helen...ich erinnere mich an dich... an alles...", und die Tränen bahnten sich ihren Weg seine Wangen herunter. Der hünenhafte Mann brach zusammen und verkroch sich schluchzend unter der Bettdecke, geschüttelt von Weinkrämpfen.
Kargan schüttelte seinen schmerzenden Schädel, um diese Vision zu vertreiben. Mit einer blitzschnellen Bewegung pflückte er das Padd aus Collins Hand, gerade als Pormas zugreifen wollte.
Dann warf er einen Blick darauf und nach ein paar Augenblicken war ihm klar, daß Collins wirklich alle Geschehnisse der vergangenen Zeit aus dem Rechner transferiert hatte. Seine Augen wurden zu schmalen Schlitzen.
"Jack, bevor du den Patienten mit seiner Vergangenheit konfrontierst, würde ich es für angebracht halten, einen der behandelnden Ärzte zu konsultieren. Mr. Theocrates ist jetzt nicht einmal zehn Minuten wieder bei Bewußtsein, und deshalb ist es noch etwas zu früh für einen solchen Schritt."
An Campbell gewandt fuhr er fort: "Llewella, würden Sie bitte Jack und mich kurz in mein Büro begleiten? Es dauert nicht lange."
Verdattet schaute Pormas den verschwindenden ärztlichen Fachkräften nach. 'Sehr merkwürdig', dachte er. 'Warum will dieser schmächtige Klingone nicht, daß ich mit meiner Vergangenheit konfrontiert werde?' Bis jetzt hatte der Chefarzt der Privateer kein wirkliches Interesse an dem Südländer gezeigt und größtenteils nur schweigend und desinteressiert daneben gestanden.
Alle drei waren in einem Büro verschwunden und ließen den gerade aus dem Koma erwachten allein mit der Welt. Jetzt bemerkte Pormas auch die anderen Personen in der Krankenstation. Eine eher düstere Gestalt stand am Eingang und machte keine Anstalten irgendeine Reaktion zu zeigen.
Die andere Person im Raum saß ein Biobett weiter und schien auch ein wenig verdutzt über das plötzliche Verschwinden ihrer Ärztin. Der riesige Hüne fixierte kurz die scheinbar südländische - sehr hübsche - Frau und stellte an ihrer Haltung unwillkürlich fest, daß sie erst kürzlich mit irgend jemanden eine handfeste Bekanntschaft gemacht haben mußte...
Da der Ex-Sicherheitsbeamte von Starfleet nun nichts zu tun hatte und seine 'Bettnachbarin' doch recht ansprechend zu sein schien...
"Hi, ich heiße Pormas Theocrates. Ich weiß nicht, ob wir uns kennen, da... naja eigentlich fehlen mir ein paar Monate um genau zu sein....", der Südländer setzte sein charmantestes Lächeln auf, und hoffte nur, daß es sich bei dieser Frau um keine Ex-Freundin von ihm handelte, "wenn ich dich also auch ein zweites Mal kennenlerne freut es mich auf keinen Fall weniger..."
--- am Eingang
KWinh hatte verfolgt, wie offensichtlich alle anwesenden Mitglieder des medizinischen Personals in einem Büro verschwanden. Den Grund dafür hatte er nicht hören können. Jedoch schwand damit gleichzeitig die Chance für ihn selbst, diese Station schnell wieder verlassen zu können. Im Geist einen Seufzer ausstoßend beobachtete der Techniker nun diesen muskelbepackten Mann, der auf einer der Liegen lag und gerade Nathalie angesprochen hatte.
Nein, hier zu warten war nicht sehr befriedigend. Also beschloß der Grilmak, noch ein paar Minuten verstreichen zu lassen und sich dann später sowohl um Collins, als auch um seine Einstandsuntersuchung zu kümmern.
--- bei den Biobetten
Nathalie hatte noch ein wenig gewartet, ob die junge Ärztin wohl wieder zurückkommen würde. War Natty ihr doch noch eine Antwort schuldig. Und diese schuldete ihr noch das versprochene Analgetikum.
Doch die Türe blieb verschlossen und sie fragte sich kopfschüttelnd, ob hier immer so mit Patienten umgegangen würde bzw. man diese immer so lange warten ließ. Verdammt, sie hatte doch Schmerzen!
Daß ihr "Bettnachbar" sie ansprach, war ihr als Ablenkung gerade recht. Zumal KWinh momentan scheinbar nicht sehr kommunikativ war. Interessiert musterte sie den durchtrainierten Körper und blieb bei den braunen Augen hängen. Ein wenig länger als nötig...
"Du hast ein paar Monate verloren?", fragte sie den Mann auf dem Biobett schließlich. "Wie kann sowas geschehen? Darauf sollte man gut aufpassen! Ich verliere nur selten was und wenn, dann nur unwichtige Dinge wie meinen Phaser, den ich just in dem Moment dringend brauche, oder manchmal auch meine Geduld, wenn die behandelnde Ärztin plötzlich die Behandlung abbricht und einen alleine läßt.
Ich bin übrigens Nathalie Connor oder auch 'Natty'. Und kennen tun wir uns, zumindest ab jetzt!" Zwinkernd reichte sie ihm die Hand und plapperte weiter. Der tiefe Blick aus seinen schönen braunen Augen irritierte Nathalie ein wenig und sie fing an, nervös herumzuzappeln.
"Ich bin neu hier - gerade erst eingestellt worden. Bin in der Sicherheit. Falls es also mal Probleme geben sollte, ruf mich einfach! Jederzeit natürlich! Ach, und... äh, mein 'Begleiter'", sie betonte das Wort und vermied bewußt den Ausdruck 'Freund', "heißt KWinh. Er ist Techniker."
Die junge Frau übersah völlig, daß der Grilmak durchaus in der Lage war, sich selbst vorzustellen. Wenigstens war ihr seine Anwesenheit nicht vollständig entgangen. Aber dieser Pormas besaß die wundervolle Gabe, Natty fast gänzlich von ihren Beschwerden abzulenken und so schenkte sie ihm ihre Aufmerksamkeit.
"Was ist mit dir? Warum liegst du eigentlich hier?"
Lächelnd antwortete der Südländer, nachdem er dem schweigenden Kapuzengestalt einen flüchtiges Nicken hat zukommen lassen, "Das weiß ich eigentlich selber nicht... mir wurde nur gesagt, daß ich eine schwerere Kopfverletzung erlitten habe, aber warum und wieso sagte mir noch keiner."
Pormas legte sich selbst kurz seine Gedanken zurecht, da ihm auffiel, daß er auf Grund des Schocks, die letzte Monate "vergessen" zu haben, gar nicht nach den näheren Umständen gefragt hatte, die zu seinem Trauma geführt hatten.
Diese Gedanken stellte der Halbgrieche aber erst einmal hinten an, denn schließlich würde es ihm sicher irgendwann erzählt. Er wandte sich wieder zu Natty und schaute ihr noch einmal fasziniert in die Augen. In ihrem verlegenen Geplapper und Gebaren schien sie irgendwie eine magische Anziehungskraft auf ihn auszuüben.
"Übrigens bin ich selber wohl auch in der Sicherheit eingestellt, wenn ich mich nicht irre", zumindest wußte Pormas nicht, was er sonst auf diesem Kahn machen könnte. "Aber ich werde dich auch so gerne rufen...", fügte er mit einem verschmitzten Lächeln hinzu.
--- Büro des Chefarztes, inzwischen
Kargan reichte Llewella das Padd und meinte: "Pormas ist Ihr Patient. Wenn Sie der Meinung sind, daß er jetzt schon etwas über sein Verhältnis mit Ramirez und deren Tod erfahren soll, dann geben Sie ihm das Padd. Wenn nicht, dann sollten wir uns genau jetzt überlegen, was wir ihm wann sagen."
'Und was wir ihm vielleicht gar nicht sagen', fügte er in Gedanken hinzu.
Schnell überflog die Schottin das Padd, welches der Klingone ihr gereicht hatte. Entsetzt stellte sie fest, daß Helens Name darin auftauchte.
Llewellas Gesicht nahm schon fast die Farbe ihrer Haare an, als sie explodierte und Jack anfauchte: "Was bist du eigentlich für ein Idiot? Wo hast du dein Psychologieexamen abgelegt?"
Jack öffnete den Mund, als wolle er etwas entgegnen, aber die Schottin war gerade so richtig in Rage und ließ ihm keine Chance." Ich habe noch extra zu dir gesagt, du sollst ihm nichts von Helen erzählen! Das hätten wir immer noch tun können, wenn sich sein Zustand komplett stabilisiert gehabt hätte. Aber nein, du hast es ja anscheinend besser gewußt!"
Immer noch kochend wandte sich die Rothaarige an Kargan, wobei sie sich große Mühe gab, zumindest einigermaßen ruhig zu sprechen. "Dr. Kargan, ich habe Mr. Collins extra darauf hingewiesen, er solle Helen Ramirez nicht erwähnen. Abgesehen davon hat er sich bislang immer als fähig in seinem Fach erwiesen, ich habe nicht gedacht, daß er solch ein unfähiger Dummkopf sein könnte."
"Ihr scheint Pormas ja sehr gut zu kennen. Ihr wollt natürlich alles Böse von ihm abhalten, ja? Gut, bitte, meinetwegen!" Collins hatte sich das Gerede bis jetzt ruhig angehört. "Wenn er mitbekommt, daß ihr ihm irgendwas verheimlichen wollt, dann könnte das noch böser enden. Mag sein, daß er in seinem jetzigen Zustand labil ist, aber er ist kein Kind und er ist nicht dumm!" Jack drehte sich um und sah aus dem Bürofenster zu Pormas.
"Was wollt ihr? Daß er sich nur an die schönen Dinge seiner letzten Missionen erinnert? Bei allen Planeten, er ist ein Kämpfer, ein Krieger, vielleicht sogar ein Killer.
Barfrauen, die sich von ihrem Chef gedemütigt werden, wird gesagt, wenn sie das psychisch nicht durchhalten, haben sie hier nichts zu suchen. Leute die nicht tragbar sind werden aussortiert und nun wollt ihr mir erzählen, daß Pormas die erste Ausnahme sein soll? Ausgerechnet Pormas?" Jack lächelte spöttisch.
Der Psychologe drehte sich zu Kargan. "Meine Sitzung ist wegen Unfähigkeit damit zu Ende. Ich gebe diesen Fall hiermit an scheinbar kompetentere Hände ab! Wenn das alles war.. .? Im Maschinenraum gibt es noch einiges zu tun."
Collins war ziemlich angesäuert. Die Art wie hier gepokert wurde gefiel ihm nicht.
Die Schottin atmete tief durch und versuchte weiterhin, sich zu beruhigen. "Mann, Jack", fing sie dann an, "es war keine Rede davon, es ihm für alle Ewigkeit zu verschweigen. Und außerdem hättest du, wenn du anderer Meinung gewesen bist als ich, das ja wohl erst mal mit mir oder Dr. Kargan besprechen sollen, damit man einen Konsens findet und nicht einfach nach Wildwestmanier alles im Alleingang machen.
Abgesehen mal davon, wollen wir hier alle auch nur, daß er sich wieder erholt - und nach allem, was ich weiß, war er nach Helens Tod das heulende Elend und kam eben nicht darüber hinweg. Und ich war der Ansicht - und bin es immer noch - daß man einen Rückfall in dieses Verhalten einfach vermeiden sollte."
Jack nickte verkniffen. 'Also doch eine Ausnahme', dachte er. Kargan hatte sich zwar bis jetzt nicht weiter eingemischt, aber dem Gesichtsausdruck nach zu schließen, schien er mit Llewella einer Meinung zu sein.
"Schön", sagte der Psychologe und nahm das Padd an sich, das Kargan auf seinen Schreibtisch gelegt hatte und löschte die Aufzeichnungen.
"Ich bin zwar anderer Meinung, aber ich füge mich der Mehrheit. Wenn er dann eurer Meinung nach soweit ist, könnt ihr mir ja Bescheid geben!" Collins musterte die beiden während er das Padd zurücklegte. Llewella schien ein wenig brüskiert über seine Vorgehensweise in diesem Fall zu sein, während Kargan mit nun unbewegter Miene dastand.
Dem Psychologen war es egal. "Gut, dann ist das ja erst einmal geklärt, oder?", er blickte zu Kargan, der daraufhin nickte.
"Ich bin dann im Maschinenraum zu erreichen", sagte Collins und verließ das Büro.
Ein wenig enttäuscht blickte die Schottin dem Psychologen hinterher. Eigentlich hatte sie sich mehr von ihm erhofft. Nun ja, was passiert war, war nicht mehr zu ändern.
Die Rothaarige wandte sich an Kargan: "Wie sollen wir jetzt weiter vorgehen?"