Chronik 25

--- Privateer, Krankenstation, separates Erholungszimmer

Slade schlug die Augen auf.

Dunkelheit.

"Wo bin ich?", murmelte er. "Computer, Licht! - AHHHRGH!!"

Normalerweise gehörten diese Worte bei dem Anticaner immer dann zusammen, wenn der Abend zuvor sowohl lang als auch syntheholarm und dafür alkoholreich gewesen war.

Als er sich aufzurichten versuchte, bemerkte er im Gegensatz zu früheren Situationen einige Unterschiede. Zum Einen befand er sich eindeutig nicht in seinem Quartier, was er schnell daran merkte, daß jemand den Weg zum Bad zugemauert hatte. Und zum Anderen hatte er irgendwie das Gefühl, für eine Sauftour zu klar denken zu können.

Eigentlich waren es nur Nuancen, in denen sich sein Allgemeinbefinden von den Nachwirkungen einer Sauftour unterschied. Der Unterschied war etwa so groß, als wäre er nicht von einem Elefanten, sondern nur von einem Nashorn niedergetrampelt worden.

Zu allem Überfluß konnte er sich nicht an irgendwelche Einzelheiten des vergangenen Abends erinnern. Eigentlich konnte er sich an den letzten Abend gar nicht erinnern.

Als er die Hände vor das Maul legte, um sich anzuhauchen, roch er auch nicht die Rückstände seiner Lieblingsgetränke, sondern nur einen abgestandenen Geruch, als hätte er sich schon seit einer Woche nicht mehr die Fänge geputzt.

...

Schnell hob er wieder die Hände, und besah sich nun die Handrücken.

Der Anticaner wurde bleich, als er nun bewußt registrierte, was er eben nur andeutungsweise mitbekommen hatte: Er hatte kein Fell mehr an den Händen...und an den Armen...!

Also doch eine Sauftour - offenbar die Heftigste seit Bestehen seiner Alkoholallergie. Wahrscheinlich war er einfach ins Koma gefallen, als sein Alkoholspiegel die Ein-Prozent-Marke überschritten hatte.

Der Gedanke gefiel ihm...

Die Tür des Einzelzimmers der Krankenstation öffnete sich mit einem Zischen und ein müde aussehender Dr. Kargan betrat das Zimmer. "Guten Morgen, Captain. Wie geht es dir?"

Instinktiv hielt sich Slade den Kopf, weil er mit dem typischen Nicht-So-Laut-Gefühl rechnete.

Nichts.

Sein Kopf schien nicht zu explodieren.

Seltsam.

Und das sagte er dem Doktor dann auch: "Ich fühle mich seltsam. Was genau ist passiert?"

"Viel", entgegnete Kargan. "Was ist das Letzte, an das du dich erinnern kannst? Ich frage nur aus reiner Faulheit. Ich hasse es, wenn ich Leuten Sachen erzähle, die sie schon wissen."

Slade kniff die Augen zusammen. "Gute Frage." Doch dann fielen ihm ein paar Details ein. "Irgend so ein Techniker hat mich kontaktiert, weil er meinte, jemand aus der Sicherheit wäre der Attentäter. Daraufhin bin ich in die Technik runter, diese seltsame Ärztin hat eine Bemerkung über deine Behandlungsmethoden gemacht, und...und...hm, da setzt's aus."

Kargan nickte nur. "Um es kurz zu machen: Der Attentäter hat dich anschließend geröstet."

Auf den fragenden Blick seines Captains antwortete der Klingone: "Ich setze mich erst einmal, du hast schließlich einiges verpaßt, ich würde sagen, das Beste."

Und er setzte sich und erzählte von dem Attentat, dem Tayeya zum Opfer gefallen war, und bei dem Slade einen Arm verloren hatte - hier betrachtete der Anticaner erstaunt seinen linken Arm und merkte nun erst, daß er in der Schulter ein leichtes Ziehen verspürte.

Dann erzählte der Klingone von der erfolgreichen Jagd auf den Attentäter, von den zahlreichen Opfern, die Slade geistig nur als schlimmes Technikerdefizit verzeichnete. Glücklicherweise hatte er so etwas schon vorausgeplant, und mehr Techniker eingestellt als er eigentlich brauchen konnte.

Aber trotzdem sah die Lage nicht sonderlich rosig aus. Auf Anhieb wußte er nicht einmal, durch wen er den Cheftechniker ersetzen sollte.

"Und wie geht es diesem Sicherheitler, der das Kraftfeld deaktiviert hat?", erkundigte sich Slade. "Pormas heißt er doch, oder? Ich kann mir seinen Nachnamen einfach nicht merken."

"Theocrates", murmelte Kargan. "Er liegt immer noch im künstlichen Tiefschlaf, und sein EEG gefällt mir gar nicht. Llewella Campbell kümmert sich rund um die Uhr um ihn", fügte Kargan hinzu.

Nach einer kurzen Pause fragte Slade: "Campbell? Der Name kommt mir irgendwie bekannt vor. Wer war das doch gleich?"

Leise auflachend antwortete der Klingone: "Oh, das habe ich ganz vergessen. In der heißen Phase des Kampfes zwischen Narbo und Xiang ist ein föderatives Shuttle vorbeigekommen, um uns zu helfen. Das Mutterschiff, die USS Hawking, hat sich durch die Anomalie, an der wir vorbeigeflogen sind, verabschiedet, und bis heute haben wir von ihnen nichts mehr gehört. Campbell war an Bord dieses Shuttles, und würde sich uns gerne anschließen. Anfangs hat es zwar ein paar Reibereien zwischen ihr und Schwester Entenburg gegeben, aber mittlerweile kommen die beiden ganz gut miteinander aus. Silvana hat sie mal bis auf Weiteres eingestellt, wenigstens so lange bis du wieder das Kommando übernimmst.

Ich bin jedenfalls stark dafür, daß du sie behältst. Ich habe selten jemanden gesehen, der die Krankenstation über eine Woche kaum verläßt, weil er sich um die Kranken kümmert."

Slade nickte nur, woraufhin Kargan mit der Erzählung fortfuhr: Übrigens haben wir dadurch auch zwangsläufig ihre Mitbesatzung vom Shuttle auf dem Hals. Die scheinen auch keine besondere Lust zu haben nach Hause zurück zu kehren. Immerhin haben sie uns nicht geholfen, sondern sich in Narbos Bar vollaufen lassen."

Dann betätigte der Doktor seinen Communicator: "Kargan an Silvana. Der Captain ist wach. Kannst du kurz in die Krankenstation kommen?"

Die Stimme der Katzenfrau war so kühl wie immer: "Willkommen unter den Lebenden. Ich habe schon befürchtet, morgen auf der Brücke die Stellung halten zu müssen, wenn sich das Außenteam auf Slades geheimnisvollem Planeten alleine vergnügen darf. Aber momentan kann ich gerade schlecht hier weg. Ich sehe ihn dann später. Silva Ende."

Slade schaute Kargan an und fragte: "Was hat sie denn so dringendes zu tun?"

Dieser antwortete grinsend: "Das Beste habe ich mir bis zum Schluß aufgehoben. Gestern hat sich Monserat per Intercom gemeldet, und als er von deiner momentanen Lage gehört hat, hat er sich gleich auf den Weg zu uns gemacht.

Als Gastgeschenk hat er ein paar seiner Leute mitgebracht, die sich Silva gerade anschaut. Und ich frage gar nicht erst, ob du dich schon fit fühlst, dein Bett zu verlassen. In Gedanken hüpfst du doch schon wieder deinem Quartier entgegen, wo Monserat seit einer Stunde auf dich wartet."

Slade war bei diesen Worten schon aufgestanden. Im ersten Moment drehte sich alles ein wenig, aber dies zu ignorieren hatte er mittlerweile gelernt. Schnell zog er sich an und verließ sein Zimmer.

--- Deck 6, Gänge

Gemäßigten Schrittes ging Silvana zu den Holodecks. Auf einem von Ihnen befanden sich bereits die Leute, die Monserat ihnen zukommen lassen wollte. Ihre Aufgabe war es nun wohl sie zu testen, zumindest Slade die Auswahl zu erleichtern, indem sie ihm Testergebnisse vorweisen konnte nach denen er seine Entscheidung würde treffen können.

Diesmal würde sie ganz allein zu den Neuen gehen. Harvester hatte sich geweigert sich das Können von jemand anzusehen, da er ohnehin in letzter Zeit durch Teggers kleinen Unfall öfter Dienst hatte als ihm lieb war. Ein Leiter der Technik existierte nicht mehr. Und Kargan hatte ohnehin schon mit dieser Llewella Campbell ausgesorgt. Silvana hatte sie einfach eingestellt und auf sein Urteil vertraut. Dabei hatte sie die Ärztin noch nicht mal gesehen. Krankenbesuche lagen Silvana nicht und sie sah auch keinen Grund das zu ändern.

Für Sternenlicht gab es auch niemand zu beurteilen. Außerdem vergrub er sich, seit es nichts Wichtiges mehr auf der Brücke für ihn zu tun gab, in der wissenschaftlichen Station auf Deck 5. Kein Wunder wenn man bedachte was für ein Chaos ihm Raven hinterlassen haben mußte. Der Vulkanier hatte seinen Job sicher nicht ernst genommen, nachdem er sich schon in seinem Job als Attentäter so einen bedauernswerten Schnitzer erlaubt hatte...

Mit wesentlich besserer Laune plante Silvana ihren Tagesablauf. Sie würde sich jetzt die Neuen ansehen, ihre Wahl unter den Sicherheitsleuten treffen, die sich unter ihnen befanden und die restliche Bewertung den Computerergebnissen überlassen. Und natürlich Slade, der es sich nicht nehmen lassen würde zu zeigen, daß er wieder auf dem Posten war.

Slade... hatte der harte Knochen doch tatsächlich überlebt. Über ihr Gesicht zog ein Lächeln, das bei ihr wieder einen leicht verschlagenen Eindruck hinterließ, dabei freute sie sich wirklich, daß Slade endlich wieder auf den Beinen war. Denn daß er kaum munter in keinem Biobett zu halten war, war ihr klar. Wahrscheinlich stolzierte er schon in dieser Minute irgendwo auf den Gängen herum ohne sich der Tatsache bewußt zu sein, daß er ohne den Großteil seines Fells ziemlich nackt aussah.

Silvanas heiseres Lachen als sie sich vorstellte, was wohl die neue Ärztin zu seinem neuen provokanten Freiluft-"Outfit" sagen würde, klang über den Gang und sie erntete ungläubige Blicke von einigen Crewmitgliedern, die ihr begegneten. Aber das kümmerte sie nicht weiter.

Somit waren auch ihre Tage als Captain der Privateer gezählt. Nun, der Crew würde es bis auf wenige Ausnahmen nicht mal auffallen. Sie hatte einfach alles was die Angelegenheiten des Captains betraf zu sich umleiten lassen. Wozu Leute verunsichern und informieren, die Slade ohnehin nur vom Hören und Sagen kannten und nie mit ihm Kontakt hatten? Auf die Tatsache sich mal Captain nennen zu können, hatte sie gut verzichten können.

Ebenso wie auf diese ständigen Einstellungsgespräche mit Monserats menschlicher Ware.

Wieso kam er überhaupt so früh wieder? Und gerade hier wo weit und breit nichts war? Außer genau eine Tagesreise entfernt der Planet, den sie vorhatten zu plündern. Mehr war es nicht, auch wenn Slade es sicher anders genannt hätte.

Die Sache gefiel ihr nicht besonders. Möglicherweise plante Monserat etwas und sie mußte den Neuen ganz besonders auf die Finger sehen. Oder aber sie hatten ihre Mission in der Nähe schon erledigt und er wollte sie so schnell wie möglich los werden. Vielleicht wollte er sie aber nur loswerden. Selbst für seine Verhältnisse war es eine relativ kurze Reise gewesen.

Ärgerlich dachte Silvana an den Umstand, daß sie seit sie Xiang zur Strecke gebracht hatten selbst fast keine Freizeit gehabt hatte. So hatte sie nicht mal Collins zu Gesicht bekommen mit dem sie seit dem Vorfall im Turbolift noch immer nicht gesprochen hatte. Irgendwie schien ihnen die Kommunikation weniger gut zu gelingen, als die gemeinsame Meditation. Wenn sie daran dachte, dann fühlte sie sich schon wieder sehr unausgeglichen...

--- wissenschaftliche Station

Zufrieden blickte Sternenlicht sich in seinem neuen Domizil um. Er hatte Ordnung geschaffen, geputzt (putzen lassen) und fehlende Ausstattung ergänzt.

Seine Schnurrhaare ruckten noch ein Stück nach vorne. 'Ja, so langsam kann man das hier als Arbeitsplatz bezeichnen', ging es ihm durch den Kopf. Sein Vorgänger hatte hier wohl nur sehr selten gearbeitet, die Labors waren kaum benutzt worden, alles war eingestaubt.

Einige speziellere Dinge fehlten noch, die konnte Sternenlicht aber mangels Rohmaterialien nicht replizieren. Da mußte er mal mit dem Captain verhandeln, bevor sie an der nächsten Sternenbasis einliefen.

Er setzte sich an seinen Schreibtisch. Ein Schild mit der Aufschrift "Sternenlicht zu-Srallansre" stand darauf. Es war ein sehr alt aussehendes, messingfarbener Namensschild, dessen Art er sich in einem Holo-Roman aus der Erde des frühen 20. Jahrhunderts abgeschaut hatte. Vermutlich war es das Glänzen des Messings, das ihm damals so gefallen hatte.

Ein leichtes Tippen seines Schweifes aktivierte das Terminal auf dem Tisch. Das Logo der Privateer prangte wartend auf dem Schirm. Er begann damit, die zuletzt von ihm in Auftrag gegebenen technischen Änderungen an den Sensoren zu prüfen.

'Viel besser. Man sollte nicht glauben, wie sich einige Veränderungen in der Abstimmung der Sensoren bemerkbar machen können.' Auf dem Monitor vor ihm konnte man eine schematische Darstellung eines Planeten erkennen. Daten, die nach und nach am Rande eingeblendet wurden, identifizierten den Planeten als Sakkra III, das Ziel ihrer Reise.

Noch waren die Daten sehr grobkörnig, aber das würde sich in den nächsten Stunden legen, wenn die Langstreckensensoren ein wenig Zeit für detailliertere Untersuchungen hatten. Die beiden Pfoten des Katzenwesens huschten über die Tastatur, ab und zu war ein leises Klicken zu hören, wenn eine Kralle die Oberfläche der Tastatur berührte. Sternenlicht startete ein Standardprogramm, welches alle grundlegenden Scans auf den Planeten anwandten.

Der Sivaoaner überflog noch einmal kurz die Parameter des Programms und stand auf, während sich seine Schnurrhaare nach vorn reckten. Warten konnte er auch wo anders. Vor etwas über einer Stunde war doch die Ivory mit der Privateer zusammengetroffen. Das bedeutete, daß auf dem Holodeck wieder eine Menge Kandidaten versuchten, auf dem Schiff anzuheuern. Das versprach interessant zu werden. Die Spitzen seiner Ohren vibrierten ein wenig, als er sein Büro verließ.

--- Krankenstation

Die Leute auf der Krankenstation schauten zu ihm auf, als Slade aus seinem separaten Zimmer kam. Schwester Entenburg nickte nur kurz und widmete sich dann wieder ihrem Patienten.

Llewella Campbell, bei deren Anblick Slade klar wurde, warum ihr Name ihm schon die ganze Zeit so bekannt vorgekommen war, schaute ihn etwas skeptisch an. Er erinnerte sich, daß es sich bei ihr um die Frau handelte, die er schon gestern - nein, vor einer Woche - auf die Privateer eingeladen hatte. Und zwar mit recht eindeutigen Angeboten.

Aber entweder trug sie ihm diese Szene nun nicht mehr nach, oder sie hatte sich entschlossen, seine Angebote anzunehmen. Jedenfalls nickte er ihr zu und sagte: "Willkommen an Bord, Miss Campbell!"

Aber seine Gedanken waren schon bei dem Franzosen. Was führte ihn in diese Raumgegend? Slade hoffte, daß Monserat nicht auf dem Weg zum gleichen Planeten war wie er - oder noch schlimmer: Bereits auf dem Rückweg...

Ziemlich verblüfft blickte die Schottin auf Slade, der neben ihr stand und nicht wirklich geistig anwesend zu sein schien. Was allerdings auch nicht wirklich ein Wunder war, nach dem, was ihm vor kurzem passiert war.

Allerdings sah er gewaltig anders aus als noch vor einer Woche, als sie ihn kennengelernt hatte. Ziemlich viel Haar fehlte... Hätte Llewella nicht schon von Jack einiges über die Ereignisse der vergangenen Tage erfahren, hätte sie den Captain wahrscheinlich ausgesprochen unhöflich mit offenstehendem Mund angestarrt.

Die Rothaarige bedankte sich für die Begrüßung, wandte sich dann aber wieder ihrer Arbeit zu, nachdem Slade nicht wirklich den Eindruck auf sie machte, daß er sie in ein Gespräch verwickeln wollte.

Tatsächlich war Slade in Gedanken bereits auf dem Weg in sein Quartier, wo Monserat auf ihn wartete. Was würde der Franzose für Neuigkeiten bringen? Was hatte ihn überhaupt in diese Gegend verschlagen? Und vor allem: Hatte er wieder, wie beim letzten Zusammentreffen, ein paar dieser fürchterlich leckeren taralianischer Feldschweine mitgebracht?

Sich die nackten Hände reibend, stapfte das gar nicht mehr so fellig wirkende Fellbündel aus der Krankenstation hinaus.

Kargan, der ihm hinterher sah, wandte sich leicht amüsiert an Llewella: "Meiner Meinung nach geht es ihm schon wieder recht gut. Ob der Arm abfällt, wird sich in den nächsten Stunden herausstellen. Vielleicht hätte ich ihn doch auf sein neues Aussehen aufmerksam machen sollen - hat mich sowieso gewundert, daß ihm nicht aufgefallen ist, daß seine Kleidung jetzt etwas schlapper an ihm herunterhängt."

--- Holodeck 1

Die Raubtier-Frau betrat das Holodeck und sah sich zuerst mal unter den Leuten um. Sie hielt nach etwas Ausschau, das jemand bestimmten das Genick brechen würde.

Aber der Halb-Breen war nicht dabei. Monserats Glück...

Dann glitt ihr Blick weiter über die Reihen. Recht seltsam anmutende Gestalten wie ihr bei näherer Betrachtung schien. Kal'chi, Sohn des Chi'par, der die ganze Szene argwöhnisch beobachtete schien dabei keine Ausnahme zu machen.

Da waren zwei Piloten, die es sich bereits an ihrem Testarbeitsplatz gemütlich gemacht hatten und von denen sie nur die Rücken sehen konnte. Jean-Luc schien sie gerade mit den Geräten vertraut zu machen und sie wie befohlen auf den anschließenden Test vorzubereiten.

'Wie gut, einer in Reserve', schoß es Silvana bei ihrem Anblick durch den Kopf.

Ansonsten standen da noch ein wirklich hünenhafter und breitschultriger Mann einer ihr unbekannten Rasse neben einer kleinen zarten Frau mit olivbraunen Teint, deren Goldschmuck Silvana sofort ins Auge stach.

Seit wann stellten sie Damen für Narbos Amüsierbetrieb erst nach einem vorherigen Test ein? Und wie sollte sie diese bloß testen? Silva war kein Mann und ihre psychische Belastbarkeit auf die Zusammenarbeit mit einem der verschlagendsten Ferengi des Quadranten konnte auch kein Test wirklichkeitsnah simulieren.

Nach dieser Überlegung blieb ihr Blick auf den beiden restlichen Personen hängen. Männern, sofern man das auf Anhieb sagen konnte. Einer der beiden, ein dunkelhäutiger Terraner, schien bei ihrem Anblick große Augen zu bekommen und wischte gerade seine feuchten Handflächen an seiner Hose ab. Sie wußte nicht, ob seine Reaktion von ihrem lackartigen schwarzen Kampfanzug, der Aufregung oder doch von ihren gelben Augen herrührte.

Der andere trug eine schwarze Robe mit tief in die Stirn gezogener Kapuze, so daß man nicht sein Gesicht erkennen konnte. Er war sehr groß, wenn auch etwas kleiner als der Hüne nebenan, stämmig und in seiner Hand befand sich ein Kampfstab gleicher Größe. Trotz dieses etwas eigenartigen Aussehens befand er sich neben der technischen Plattform. Entweder war er Techniker wie der Mann neben ihm oder aber nicht sehr intelligent. Silvana schloß keine der beiden Möglichkeiten aus.

--- Holodeck 1, Technikerecke

Entschlossen trat Silvana auf die beiden Techniker zu. Doch der große Kapuzenträger schaffte es wieder sein Gesicht geschickt vor ihr zu verbergen und es leicht abzuwenden, wodurch sie es zwar wieder nicht sehen konnte, aber er auch nicht schaffte das ihre zu sehen.

'Hoffentlich gibt das mal kein böses Erwachen, mein Süßer', dachte Silvana bei sich und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. 'Er wird wahrscheinlich überraschter sein als ich...'

"Ihr wollt einen Job an Bord der Privateer? Dann beweist euer Können. Jeder von euch steht an einer großen technischen Anlage, die ich euch als Techniker wohl nicht weiter erklären muß. Irgendwo in dieser Anlage gibt es drei kleine unauffällige Veränderungen. Alle drei würden, wenn sie echt sind, bei Inbetriebnahme die ganze Anlage ins Weltall sprengen. Zwei der Veränderungen sind aber falsch und dienen nur zur Ablenkung. Wird eine von ihnen zuerst entfernt, dann explodiert die Anlage sofort. Zuerst muß die richtige Sabotage entschärft werden, dann können die beiden anderen entfernt werden. Ihr habt genau fünf Minuten Zeit ab Jetzt...

Computer: Sabotagelehrgang 8c aktivieren!

Achja, Fragen sind nicht drin, die könnt ihr normalerweise auch nicht stellen, wenn ihr hier arbeiten wollt. Wer da nicht schnell und unter Zeitdruck ordentlich handelt, landet leicht in der nächsten Sonne, falls er es bis dahin schafft. - Bei wem es kracht, der ist aus dem Rennen..."

Während die beiden Techniker unter Zeitdruck ihre Arbeit aufnahmen, hielt Silvana ihren Vortrag für beendet und wandte sich dem ungleichen Paar zu.

--- Holodeck 1, freier Platz

Die Sicherheitschefin hob den Kopf an und sah dem Hünen entgegen. Er hielt ihrem prüfenden Blick stand, sprach jedoch kein Wort. Dann begegneten sich ihre Blicke und eine Art kleiner Kampf entbrannte. Doch er ließ sich nicht von ihr einschüchtern. Beeindruckt nickte sie. Dann umrundete sie ihn und überzeugte sich davon, daß allein sein durchtrainierter Körper und seine große Gestalt seinem Gegenüber Respekte einjagten.

"Bist du immer so gesprächig", fragte sie ihn und erhielt ihre Antwort von der Frau:

"Calus spricht nicht. Niemals. Jedenfalls habe ich ihn noch nie sprechen gehört", meinte sie mit einem leicht süffisanten Grinsen.

"Der perfekte Mann", meinte daraufhin Silvana und nickte ihm zu. "Okay, Calus, wenn du einen Posten in der Sicherheit willst, du bist eingestellt. Allein als Pappkamerad wirst du deinen Dienst als Abschreckung tun. Für jeden anderen Job an Bord bist du leider etwas zu gesprächig."

Er nickte wortlos, ohne die Mine zu verziehen und trat zur Seite, wo er auf weitere Anweisungen wartete. Solche Mitarbeiter mochte Silvana.

Vor allem schienen sie kein intimes Verhältnis mit Schwester Entenburg zu unterhalten und sich aus den fadenscheinigsten Gründen immer auf der Krankenstation herumzutreiben, wo man ihnen bereits ein eigenes Biobett zu Verfügung stellte. Nein, die letzte Empfehlung für ihre Sicherheitsabteilung hatte sie Monserat noch immer nicht verziehen.

"Kommen wir zu dir", sagte Silvana und musterte die junge Frau mit der Vorliebe für schöne Kleidung und Schmuck. Sie würde sicher sehr beliebt bei den Männern in Narbos Bar werden, besonders, wenn sie nicht so prüde war wie diese - wie hieß sie doch gleich? - Salannn. "Hast du eine Ahnung wie man dich einem brauchbaren Test unterziehen sollte? Wenn wir dich zur Probe in Narbos Bar als Bedienung arbeiten lassen, dann mußt du so lange an Bord bleiben bis wir wieder anlegen. Auch wenn es dir nicht gefällt..."

"Hast du eine Ahnung, wie liebend gern ich das sogar machen würde?", entgegnete Nathalie nach einer kurzen Pause und ließ sich zu einem weiteren übertrieben süffisanten Lächeln hinreißen. "Allerdings vielmehr auf der anderen Seite der Theke!"

Und mit regem Besuch netter Männer...

Doch diesen Gedanken behielt sie für sich. Ebenso auch ein kleines, bezeichnendes Wörtchen, das sie beinahe an den Schluß des Satzes angefügt hätte. Statt dessen senkte sie den Kopf und verbarg den netten Ausdruck hinter einem gekünstelten Husten.

Ihr neuer Job in diesem Strafgefangenenlager fing ja schon prächtig an. Als was anderes konnte man diese 'Versetzung' auf die Privateer kaum bezeichnen. Nathalie brütete noch immer über Monserats Gründe, sie und den Grilmak so plötzlich loswerden zu wollen. Die letzte - und eigentlich auch einzige - Mission konnte ja nicht der Grund dafür gewesen sein. Schließlich war ja alles bestens gelaufen. Sie waren alle lebend wiedergekommen. Zwar ohne nennenswerte Beute, aber wen kümmerte sowas Unwichtiges schon?

Und nun mußte sie sich hier überflüssigen Tests unterziehen. Hatte die Frau mit den seltsamen Augen denn nichts Besseres zu tun?

"Aber Calus wäre für eine solche Arbeit sicher besser geeignet." Nathalie beugte sich ein wenig vor und fuhr leiser in einem verschwörerischen Ton fort: "Ich hörte, er soll sogar für ein kleines Trinkgeld in Spitzenhöschen für die Gäste tanzen!"

Krampfhaft unterdrückte sie ein breites Grinsen und warf zur Sicherheit einen Blick auf den Riesen. Doch der stand noch immer mit unbewegter Miene da.

"Wenn es aber unbedingt sein muß, bin ich durchaus bereit, meine Freizeit öfters in der Bar zu verbringen", fügte sie wieder lauter hinzu. "Aber eigentlich war ich dafür vorgesehen, die Leute aus der Bar zu werfen. Und wenn du mich schon netterweise nach einem Test fragst - ich könnte ja mit unserem schweigenden Freund hier anfangen!"

'Oder gleich mit dir!' Nathalie warf der Frau einen provozierenden Blick zu.

Sie war doch selbst schuld, wenn sie ihr Gegenüber nicht richtig einschätzen konnte. Und sowas wollte die neuen Leute auf ihre Brauchbarkeit hin testen? Die hatte doch gar nichts auf dem Kasten! Wahrscheinlich unterschätzte sie auch noch jeden Gegner. Da würde ihr Nathalie aber eine Lektion erteilen! Allerdings fragte sie sich schon länger, warum diese offensichtliche Menschenfrau so seltsame Augen hatte...

Silvana war irgendwie amüsiert über die Eingenommenheit von sich, die diese kleine Person vor ihr ausstrahlte. Sie schien es mit jedem ausnehmen zu können. Dabei wäre es der Raubtierlady eine Kleinigkeit gewesen ihr zu beweisen, daß sie damit einen verhängnisvollen Irrtum beging.

Aber sie war nicht hier um zu sehen wie jemand gegen einen Gegner verlor, den er eindeutig unterschätzte, sondern um zu sehen, was das neue Personal taugte. Und es auf die Krankenstation zu schleppen brachte nichts, außer eine langwierige Debatte über ihre Aktivitäten mit Kargan und seiner Walküre. Vielleicht sogar noch mit der Neuen, die sie bisher noch nicht gesehen hatte.

"Das soll wohl in deiner Sprache heißen, daß du einen Posten in der Sicherheit haben möchtest, nehme ich an. Nun, ich könnte ruhig noch jemand gebrauchen, der sich nicht einschüchtern läßt, aber der genug Hirn hat zu wissen wo seine Grenzen liegen und wann Alleingänge nicht angebracht sind..." Silva umrundete die Kleine, wobei es ihr doch vorkam, daß hinter dem zarten Aussehen ein durchtrainierter drahtiger Körper versteckt war. Das Schnauben, das sie dafür erntete, überhörte sie freundlicherweise.

"Du gefällst mir. Wenn du so kämpfen kannst wie dein Mundwerk es mich glauben lassen will, dann kannst du es hier weit bringen. Aber eines rate ich dir, traue nur dem was du siehst und nicht dem was du glaubst zu sehen." Ihre Stimme war eine Nuance leiser geworden, ihre Pupillen zu schmalen Schlitzen und waren dann plötzlich wieder ganz normal. So normal es gelben Augen sein konnten. "Wir holen einen würdigen Gegner für dich. Computer regeneriere Kampfprogramm 23..."

Silvana trat an die Wand zurück und streckte sich katzenhaft, während drei Gestalten die olivbraune Terranerin umkreisten. "Sagte ich eigentlich schon, daß ich sehr viel von meinen Männern verlange..?"

Und obwohl sie scheinbar desinteressiert wirkte, paßte sie genau auf jede der Bewegungen auf. Nicht, daß sie noch von einem geschulterten Gegner getroffen wurde...

'Nein, aber vielleicht sollte ich dich darauf hinweisen, daß ich kein Mann bin!', antwortete Nathalie im Stillen, kam jedoch nicht dazu den Gedanken auszusprechen. Die drei Holofiguren hatten sie bereits umrundet - einer stand angriffslustig vor ihr, während die anderen Beiden hinter ihrem Rücken herumlungerten.

Eine kluge Strategie, den Gegner abzulenken, damit er dann von einem Überraschungsangriff von hinten überwältigt werden konnte. Etwas zu klug für Chalnoths, für die sie ihre Gegner im ersten Moment gehalten hatte. Obwohl eine gewisse Ähnlichkeit bestand, abgesehen von der grüngrauen Hautfarbe und dem eher spärlichen Haarwuchs.

Nathalie lächelte anerkennend, schlug mit einer Hand gegen ihren Oberschenkel und nickte mit dem Kopf in eine andere Richtung. Die grotesken Gestalten verstanden den Wink und folgten ihr zu einer etwas weiter abseits gelegenen Stelle, die mehr Platz für einen Kampf bot.

--- Technikerecke

Seinen Stab zur Seite stellend trat der Grilmak auf diese willkürlich aussehende Sammlung technischer Bauteile zu. Solche Maschinen sahen immer sehr seltsam aus, wenn man sie losgelöst vom Rest der Apparate sah, mit denen sie sonst verbunden waren. Ein kurzer Seitenblick zu seinem "Konkurrenten zeigte, daß dieser bereits fieberhaft alle möglichen Drähte und Schläuche untersuchte. Dieses unüberlegte Vorgehen quittierte KWinh mit ein durch seine Kapuze unsichtbares Kopfschütteln.

Eine nähere Untersuchung zeigte, daß es sich um einen Teil einer Impulsreaktorkammer handelte, die von der Sternenflotte benutzt wurde. Passend zu diesem Schiffstyp. Sehr viele kritische Punkte gab es hier nicht, da der Großteil dieser Injektoren aus leerem Raum bestand.

"Aha, ein Deuteriuminjektor... interessant..."

Ein weiterer Blick auf den anderen Techniker bestätigte dem Grilmakpriester, daß dieser seine Aussage gehört hatte und seinem Gesichtsausdruck zufolge war es für ihn eine Neuheit. Wieder ein Kopfschütteln, denn es war KWinh unverständlich, wie man sich für etwas bewerben konnte, von dem man keine Ahnung hatte. Hoffentlich würde er nicht mit diesem Mann zusammenarbeiten müssen. Ein vom Computer replizierter Tricorder brachte als erstes eine verstopfte Leitung als Fehler zu Tage, genau wie der ca. 5 Meter weiter, der unmittelbar nach diesem repliziert worden war. Offensichtlich war sein Besitzer nicht sehr kreativ.

Ein kurzes Zusammendrücken der flexiblen Leitung an der von dem Tricorder angezeigten Stelle zeigte, daß es sich wohl um die eine der beiden Attrappen handelte. Nun, sie hätte zwar in Wirklichkeit nicht die Explosion der Anlage zur Folge, aber der Grilmak hatte keine Zweifel, daß es in dieser Simulation trotzdem geschehen würde. Mit einem Stirnrunzeln hakte er einen von drei Punkten ab und wandte sich wieder dem Tricorder zu, der allerdings nichts anzeigte, was auf einen Fehler hindeutete, nur eine kleine Unregelmäßigkeit in einem Fusionsinitiator.

Der Techniker ließ eine Leiter replizieren, um zu dem sich in etwa vier Meter Höhe befindlichen Bauteil zu gelangen. Um bessere Sicht zu haben streifte er seine Kapuze zurück und hoffe, daß er nicht von allzu vielen Bewerbern gesehen wurde. Sein fast romulanisches Äußeres weckte in vielen Fällen sofort Mißtrauen und außerdem war es immer noch möglich, daß auf Mitglieder seiner Spezies ein Kopfgeld von eben diesen Romulanern ausgesetzt war.

--- Holodeck 1, am Gefechtsplatz

Ihre Angreifer verließen beim Ortswechsel ihre Positionen nicht, auch wenn Nathalie ihnen mit Seitenblicken zu verstehen gab, daß sie ihre Taktik längst durchschaut hatte. Sie lächelte erneut und bereitete sich mental vor. Insgeheim wünschte sie, sie hätte nach Waffen gefragt, aber sie wollte sich keine Blöße eingestehen und außerdem hätten die furcherregenden Hologestalten ebenfalls welche erhalten. Das hätte ihre Chancen auch nicht gerade gesteigert. Sie schüttelte den Gedanken ab und konzentrierte sich wieder auf den bevorstehenden Kampf.

'Ich werd' mit euch schon fertig werden! Irgendwie...', dachte Nathalie und sah sich schon stöhnend und ächzend auf der Krankenstation...

Ihr Gegenüber breitete gerade seine Arme kampfbereit aus und fletschte die braunen Zähne. Sein Harnisch knirschte, als er leicht in die Hocke ging und seinen muskelbepackten Körper anspannte.

Die junge Frau kam jedoch seinem Angriff zuvor. Ohne jede Vorwarnung stürmte sie plötzlich auf ihn zu, ergriff seinen Arm und wirbelte herum. Im nächsten Moment flog er bereits über ihre Schulter und landete unsanft zwischen den anderen beiden. Sein gerade angesetzter Schrei erstarb in einem überraschten Röcheln.

Doch Nathalie hatte nicht mit der Reaktionsfähigkeit ihrer Gegner gerechnet. Ein harter Faustschlag traf ihre Flanke und ließ sie straucheln - genau in die Richtung des nächsten Angreifers. Einem erneuten schmerzhaften Treffer entging sie nur knapp, als sie sich unter dem schwingenden Arm duckte. Der Schmerz trieb ihr die Tränen in die Augen, doch wenigstens erlangte sie kurz darauf ihr Gleichgewicht wieder.

Nachdem sie den letzten Angreifer inzwischen passiert hatte, setzte sie, ihren Schwung nutzend, zu einem Fußtritt in dessen Rücken an. Und obwohl sie auch diesen Gegner mit ihrer Schnelligkeit überraschte - er hatte wohl damit gerechnet, daß sie noch ein ganzes Stück weiter stolpern würde - verfehlte der Tritt seine übliche Wirkung. Ihre pochende Flanke behinderte sie.

Inzwischen war der Größere - vermutlich der 'Rudelführer' - auf die Beine gesprungen. Zusammen mit seinen Gefährten näherte er sich langsam. Anscheinend hatten sie mittlerweile mehr Respekt, denn wie schon zuvor schlichen sie um ihr Opfer herum, aber zunächst ohne Anstalten für einen zweiten Angriff.

'Aha! Die dräng-die-Beute-in-die-Ecke-und-dann-zerfleisch-sie-Taktik!', erkannte Nathalie folgerichtig, als sie mit dem Rücken gegen die Holowand stieß, und lobte sarkastisch ihren messerscharfen Verstand.

"Na kommt nur! Ich beiße schon nicht! Oder habt ihr schon genug? Ihr jämmerlichen Waschlappen!", höhnte sie laut, während sie unauffällig austestete, inwieweit sie sich wieder aufrichten konnte.

"Ihr werdet ja noch nicht mal mit einer schwachen Frau fertig! Ihr habt keine Chance - nicht die geringste!"

Die grünhäutigen Muskelberge ließen sich tatsächlich provozieren und gröhlten und grunzten wütend als Antwort. Der Anführer stieß daraufhin ein besonders tiefes Gebrüll aus und sie stürmten vor. Doch ihre 'Beute' schlief nicht, sondern setzte nach einem kurzen Anlauf zu einem Überschlag an - den Anführer 'mißbrauchte' sie dabei als Stütze für ihre Hände.

Nathalie fühlte sich erleichtert, als ihr Flankenschmerz langsam nachließ und sie aus der beinahe verhängnisvollen Ecke herausgekommen war, in die die drei sie gedrängt hatten. Ihrerseits nun stieß sie einen Schrei aus und griff an.

Die Muskelberge entpuppten sich als wirklich zähe und hinterlistige Kontrahenten. Erfahren in verschiedenen Kampftechniken änderten sie permanent ihre Strategie und überraschten Nathalie mehrmals. Doch auch sie hatte ihre Hausaufgaben gemacht und konterte geübt ihre Attacken.

Als bereits nach kurzer Zeit ihre Unterarme vom Abblocken schmerzten und eine ungesunde bläuliche Farbe annahmen, ging die junge Frau zu einer sanfteren Technik über. Anstatt die Schläge abzuwehren, wich sie ihnen geschickt aus und nutzte sowohl ihren als auch des Gegners Schwung, um ihrerseits anzugreifen.

So schonte sie ihre Kräfte, während ihre Widersacher zusehends träger wurden. Zwar büßte Nathalie mit der Zeit auch einiges an Schnelligkeit ein - auf die verließ sie sich am meisten - doch sie war noch immer flinker als die eher schwerfälligen Hologestalten. Langsam wandelte sich der ungleiche Kampf zu ihrem Vorteil. Immer häufiger erzielte sie Treffer, während die Hiebe, die sie einstecken mußte, weniger wurden.

Ihre Umgebung hatte sie dabei völlig vergessen. Sogar den Umstand, daß das Ganze nur ein Test war, so verbissen und konzentriert kämpfte sie.

--- Holodeck 1, Eingang

Leise zischend öffnete sich das Schott zum größten Holodeck der Privateer und Narbo betrachtete grinsend die bunte Mischung aus kühnen Helden und mittelmäßigen Versagern, die sich Silvanas Tests unterwerfen mußte. Mit Sicherheit kamen auf Kargan wieder einige nette Stunden Arbeit zu...

Silvana war eben eine Künstlerin - oder wie hatte sie es sonst so virtuos vollbringen können, beim Auswahlverfahren nie den selben Knochen zweimal zu brechen?!

Suchen überblickte er die Halle und registrierte nur nebenbei eine zierlich wirkende Weibliche, die gerade anfing ein paar Hologramme aufzumischen.

Entsetzt schluckte der Ferengi.

So etwas Ekliges hatte er selten zuvor gesehen!

Irgendein drittklassiger Holo-Autor hatte die Test-Gegner in einen der häßlichsten Grüntöne eingehüllt, die Narbos Augen je untergekommen waren!

Schnell schaute er erleichtert ausatmend an seinem wie gewohnt perfekt sitzenden und farblich genau auf seine Schuhe abgestimmten Anzug herab.

Die letzten Tage waren sehr erträglich für seinen Geldbeutel gewesen; aber auch sehr mühsam. Dieses Weichei von Collins hatte lieber am Bett von Sweetheart Pormas gesessen, anstatt wie abgemacht in der Bar zu arbeiten. Es wurde also dringend Zeit sich nach einem besseren Lohnsklaven umzusehen.

Schließlich entdeckte er Silvana an eine Wand gelehnt, während sie anscheinend die kämpfende Weibliche genauestens beobachtete. Die Kleine war wirklich nicht schlecht. Andererseits war eine weitere Amazone das Letzte was Narbo an Bord gebrauchen konnte...

--- freier Platz

Breit grinsend schlenderte der Ferengi der Raubkatze entgegen, bis er schließlich dicht neben ihr ankam. Ohne Zweifel hatte sie ihn schon bemerkt, als er das Holodeck betreten hatte. Aber seit dieser unterhaltsamen Sache mit Xiang waren sie ja beinahe Freunde geworden - wieso also sollte sie wegen ihm wachsam sein?

"Wie sieht es aus? Ist diesmal was für mich bei der Lieferung dabei gewesen?! Seit diese Heulsuse gekündigt hat, haben meine Kunden gar nichts mehr zum Anfassen!", warf er Silvana grinsend entgegen und würde dann für einen Moment leiser, "Übrigens tut es mir immer noch furchtbar leid, daß ich dir das Herz dieses kleinen Schlitzauges nicht mitbringen konnte..."

--- Technikerecke

Etwa in halber Höhe bemerkte KWinh etwas, was ihn große Augen bekommen ließ... sollte es so einfach sein?

Dort wo der Injektor in die Reaktorkammer mündete war einfach ein Deckel auf den Auslaß geschraubt. Dieser sollte beim Zusammenbauen eigentlich entfernt werden, weil sonst die Brennstofftabletten dagegen prallten und explodierten. Wenigstens DAS war in Wirklichkeit genauso.

Der Blick durch das gegenüberliegende Sichtfenster der Kammer ließ erkennen, daß der "Techniker" einige Meter weiter schon ganz nach oben geklettert war und sich dort recht ratlos umsah.

Hastig kletterte der Rotäugige auch ganz nach oben, wo sich einerseits die Wartungsluke der Kammer und andererseits die zweite Attrappe befand. Eine genauere Untersuchung der von dem Tricorder angezeigten Unregelmäßigkeit brachte ein kleines elektronisches Gerät zu Tage, das an einem Kühlschlauch befestigt war und sich bei näherer Betrachtung als unnötiger Sensor herausstellte.

"Wie einfallslos... einfach den Kühlschlauch zu sabotieren."

Sein für Grilmak typisches schlechtes Gehör machte es für KWinh einfach diese Worte so laut auszusprechen, daß sein "Kollege" es hören konnte. Während er nun den Sensor ignorierte und die Wartungsklappe öffnete hörte er die Explosion der Maschine, die neben seiner Simulation stand.

'Mögen die Götter dir deine Unfähigkeit verzeihen...'

Der Deckel ließ sich leicht abdrehen und war nicht schwer, weshalb ihn der Techniker an sich nahm und wieder ins Freie kletterte. Inzwischen machten sich auf seiner Stirn Schweißtropfen bemerkbar. Er hatte zwar Zeit genug, aber trotzdem war es anstrengend und mit einem lauten Ausatmen hievte er sich hoch auf die Plattform. Nun, da die wirkliche Sabotage entfernt war, sollte sich auch das als Sensor getarnte Bauteil problemlos entfernen lassen.

Das fünf Meter entfernt qualmende Chaos, das einmal eine Simulation einer Impulsreaktorkammer gewesen war, ließ ihn kurz innehalten. Es waren tatsächlich alle Sicherheitsprotokolle entfernt worden und eine Zusammenarbeit mit seinem "Konkurrenten" war nun nicht mehr möglich. Die Aussicht, genauso zu enden ließ KWinh noch mehr schwitzen und die diamantförmige Tätowierung auf seiner Stirn glänzen. Da er bemerkte, daß fast alle Anwesenden die Explosion registriert hatten und nun in ihre Richtung blickten, ließ ihn seine Kapuze sofort wieder hochziehen.

Mit zittrigen Fingern entfernte der Grilmak das Bauteil und stellte mit einem erleichterten, fast unhörbaren Seufzer fest, daß er Recht behalten hatte. Ein Blick auf die Zeitanzeige brachte zu Tage, daß KWinh nur noch wenige Sekunden blieben, also ignorierte er die Leiter und sprang nach unten, wo der mit der Faust gegen die verstopfte Leitung schlug, die sich daraufhin kurz eindellte und die Verstopfung sich in Wohlgefallen auflöste.

Gerade, als er den Deckel aus seiner Robe ziehen wollte, löste sich dieser, genau wie der Rest der Simulation auf und der Computer meldete: "Simulation erfolgreich beendet". Außer Atem sprach der Grilmakpriester ein leises Dankesgebet und setzte sich vor seinen immer noch frei stehenden Kampstab.

Da diese Frau mit den für Menschen unüblichen Augen, die ihn einstellen sollte, mit Nathalie beschäftigt war, beschloß er zu meditieren, bis sie wiederkam. Das würde seinen Kreislauf wieder in normale Funktion versetzen.

Die auf diesem Schiff herrschenden Sitten überraschten den langhaarigen Grilmak. Wenn Techniker bei der Aufnahmeprüfung in die Luft gesprengt wurden, war die Prüfung für die Mitglieder der Sicherheit bestimmt nicht angenehm und er hoffte, daß Nathalie sind bestand, war sie doch die Einzige, die mit ihm von der Ivory hier herwechseln wollte und die auch an dieser seltsamen Außenmission teilgenommen hatte, nach der Monserat sie alle "weitervermittelt" hatte.

Vielleicht war es ja möglich, hier länger zu bleiben, denn die Fahrt mit der Ivory hatte für die Suche nach dem Heimatplaneten seiner Spezies keinerlei Fortschritte bedeutet. Inzwischen halb geistesabwesend beobachtete er die Szenerie der Neuankömmlinge.

Silvana hörte auf ihre Krallen spielerisch ein- und wieder ausfahren zu lassen und wandte sich beiläufig an den Ferengi, trotzdem entging ihr nichts von dem bereits tobenden Kampf. Narbo schien ihr bei aller Vertrautheit wieder etwas im Schilde zu führen. Es war einer der seltenen Momente im Leben, wenn Narbo freiwillig zugab, daß ihm etwas leid tat.

"Du brauchst nicht vor mir herumzurutschen. Das liegt dir nicht. Der verschlagene und hinterlistige Narbo dessen Hand ständig am Messer in seinem Stiefel liegt ist mir wesentlich lieber." Sie grinste. Jetzt einige Tage danach war Xiang für sie kein Thema mehr und ihre Laune hatte sich deutlich gehoben. Die Raubkatze in ihr freute sich zu sehr auf den kleinen Landausflug, der ihnen bevor stand. Niemand wußte womit sie es zu tun bekamen.

"Aber du hast recht, es wäre höchster Genuß gewesen mir den Geschmack seines Blutes auf der Zunge zergehen zu lassen, aber dein kleines Geschenk war eine gute Entschädigung..." Dann ließ sie ihren Blick über die paar Leute gleiten, die Monserat ihnen schenken wollte. Neben den sechs Leuten hatte es noch drei Lagerarbeiter gegeben. Sie waren stämmige Typen gewesen die zulangen konnte, also hatte sie sie einfach aufgenommen.

--- Holodeck 1, Eingang

Die Türe des Holodecks öffnete sich mit einem zufriedenen Zischen vor dem Katzenwesen. Sternenlicht trat in den großen Raum und blickte sich dann um. Die verschiedenen Abteilungen waren gerade dabei, die Kandidaten auszusortieren. Silvana stand am Rand der Halle und unterhielt sich mit dem Ferengi der Bar.

Sternenlicht zu-Srallansre ging zu dem ungleichen Paar hinüber. Die verstohlenen Blicke, die einige Anwärter zu ihm herüberwarfen, ignorierte er. Dieses Verhalten war durchaus normal für ihn, nur die wenigsten Bürger der Föderation hatten bis heute auch nur von Sivaoanern gehört.

In wenigen Schritt Respektabstand - schließlich wollte er die Konversation der beiden nicht stören - hielt Sternenlicht an und beobachtete die verschiedenen Personen im Raum. Vor allem einer der potentiellen Techniker hatte seine Aufmerksamkeit erregt. Unverholen musterte der Sivaoaner eine Person mit Kampfstab und tief in die Stirn gezogener Kapuze während er darauf wartete, daß Silvana und Narbo ihr Gespräch beendeten.

--- Büro des Psychologen

Es klickte einmal kurz, dann saß das Energiepack im Thermostrahler. "Na wer sagt es denn", murmelte Jack zufrieden. Er saß in seinem Büro und wartete mal wieder auf 'Kundschaft'. Doch auch mit seinen neuen Sprechzeiten schien sich nichts an der Tatsache zu ändern, daß alle hier an Bord bodenständige, nicht zu erschütternde Wesen waren.

Erst vor einem Tag war eine kleine Trauerfeier für die Verstorbenen abgehalten worden. Traurigerweise hielt es kaum jemand für nötig dort zu erscheinen. Na ja, der Captain konnte nicht, Silvana hielt es für überflüssig. Sie sagte es zwar nicht direkt, aber der Ton mit dem sie sprach, verriet sie. Und Narbo? Welch Frage!

Nur Llewella, die Entenburg und ein halbes Dutzend Leute, die Jack nur flüchtig mal gesehen hatte, waren gekommen. Es war eine beklemmende Zeremonie in der nur drei Worte gesprochen wurden: "Ruhet in Frieden!" Dann wurden die Körper dem All übergeben.

Collins schob seinen Strahler in ein Holster, das auf dem Tisch lag, als jemand den Türsummer betätigte. Gebannt starrte er auf die Tür. Kundschaft? Nein, wahrscheinlich war es Narbo, der auf seine bescheidene Art fragen wollte, wann sein Thekensklave gedachte mal wieder zu arbeiten.

Ein Grinsen zog sich über das Gesicht des Psychologen. Eigentlich war es gar keine schlechte Idee, mal wieder unter Leute zu gehen. Seit den Anschlägen hatte Jack die Bar nicht mehr betreten. Er war häufiger bei der Technik zu finden, hin und wieder hatte er auch mal zu Pormas gesehen. Und von Silvana hatte er seitdem nur die Stimme über den Communicator gehört.

Außerdem mußte er zugeben, daß er die zynischen Wortgefechte mit dem Ferengi vermißte und schließlich war da noch das Versprechen, daß er sich selber in dem Antimaterielagerraum gegeben hatte: 'Zwei Promille!'

Der Türsummer erklang ein zweites Mal.

"Herein!", sagte Collins knapp und die Tür öffnete sich. Doch kein Ferengi erschien, sondern ein Mann in einer exakt sitzenden Sternenflottenuniform eines Sicherheitsoffiziers kam herein.

Jack musterte den hochgewachsenen Mann kurz. Es war der Mann von der Shuttlerampe, dessen Hand immer nervös mit dem Phaser nestelte. Nun stand er vor Collins, ohne Waffe und sah diesen abschätzend an.

"Setzen Sie sich", sagte der Psychologe und wies auf den freien Stuhl vor dem Schreibtisch. "Was kann ich für Sie tun, Mr. ...?"

"Weber, Lieutenant Marcel Weber, USS Hawking!", die letzten Worte betonte er scharf. "Ich hoffe, Sie werden mir mal zuhören, Sie sind ja schließlich Counselor, also ist es ja Ihr Job zuzuhören, sehe ich das richtig?"

Die Art, wie der Mann sprach, gefiel Collins nicht. Er war voller Aggressivität. "Natürlich, legen Sie los Mr. Weber, wo drückt der Schuh?"

"Oh bitte!", antwortete Weber. "Nicht so! Ich bin kein Patient, klar."

"Klar!", erwiderte Jack. "Hier an Bord gibt es ohnehin keine Patienten."

"Also, ich möchte, daß Sie dem Captain klarmachen, daß wir wieder zurück wollen. Die Hawking wird sicher schon nach uns suchen und ich finde es eine Unverschämtheit mit welcher Art und Weise Sie uns behandeln.", Weber rückte näher an den Tisch und sah Collins wütend an. "Wir haben Ihnen geholfen, ohne unsere Techniker wären Sie jetzt wohl noch nicht in der Lage mit Warpantrieb zu fliegen.

Und was ist der Dank? Unser Shuttle wird beschlagnahmt und wir werden entführt. Ist das der Dank für die Hilfe?", fragte der Sicherheitsmann.

In einem gewissen Sinn hatte der Mann ja Recht, obwohl seine Leute sich am ersten Abend hatten vollaufen lassen. Alles in allem waren sie doch eine gewisse Hilfe gewesen. Jack überlegte, Slade würde sich nie darauf einlassen zurückzufliegen. Schon gar nicht jetzt so kurz vor Beginn der Mission.

Allerdings würden solche Leute wie Weber bei einem solchen Unternehmen ein sehr hohes Risiko darstellen. "Was schlagen Sie vor, Weber? Zurückfliegen werden wir nicht, das kann ich Ihnen sagen ohne den Captain zu fragen."

"Dann geben Sie das Shuttle wieder raus, damit wir damit zurück fliegen können", sagte Weber, der jetzt aufgestanden war. "Man wird uns suchen, entweder die Hawking, oder die Sternenflotte. Und glauben Sie mir, die werden nicht lockerlassen. Irgendwann werden sie auch die Signatur dieses Schiffes finden und dann...?"

"Ok!", sagte Collins, der nun auch aufgestanden war. "Ich verspreche Ihnen, ich rede mit dem Captain sobald er wieder einigermaßen fit ist. Aber tun Sie mir einen Gefallen, mir und sich. Fangen Sie nicht an die Leute auf diesem Schiff unter Druck zu setzten! Das wäre kein guter Einfall."

'Du ahnst ja gar nicht, was dir da alles passieren kann!', dachte er zu Ende.

"Noch bin ich mein eigener Herr. Und wie ich mich verhalte, ist immer noch mein Bier, klar?" Weber drehte sich um und ging zur Tür. "Ich gehe davon aus, daß Sie mich benachrichtigen", sagte er und verließ ohne eine Antwort abzuwarten das Büro.

"Ich mag dich auch nicht!", sagte Collins, als die Tür sich schloß.

--- Holodeck 1, freier Platz

Silvana hörte wie sich das Holodeck öffnete und sah eine sich sehr anmutig bewegende Gestalt den Raum betreten. Es war vorauszusehen gewesen, daß Sternenlicht neugierig war, wenn es darum ging, seine langweilige wissenschaftliche Station zu verlassen und gegen das Holodeck zu tauschen auf dem vielleicht ein paar neue Crewmitglieder zu bewundern waren.

"Es gab da tatsächlich eine kleine Rothaarige mit einer guten Figur. Sie saß bei der Ivory an der Communicationskonsole. Hat eine angenehme Stimme, aber Geistesgröße ist sie wohl keine. Meinte, daß der Computer der Ivory sie total schlecht behandelt hätte, weil er eifersüchtig auf sie gewesen wäre." Silvana bleckte ihre Zähne und ließ offen, was sie von dieser Aussage hielt. "Aber für deine Bar dürfte es wohl reichen. Ihrer Kleidung nach zu schließen ist sie eine recht... offenherzige Persönlichkeit... Ich hab sie einfach gleich hingeschickt."

Während ihrer Worte hatte es laut gekracht, was Silvana ohne mit der Wimper zu zucken oder in ihren Worten auch nur zu Stocken zur Kenntnis nahm. Eine der technischen Prüfungseinheiten war in die Luft geflogen. Einer der Techniker schien nichts von seinem Handwerk zu verstehen. Die Explosion hatte ihn zwar nicht getötet, aber zumindest verletzt.

Sie gab Chi'par ein Zeichen, daß er ihn gleich wieder zur Ivory begleiten durfte. Schließlich hatten sie hier kein Herz für Schwächlinge und Jean-Luc hatte auch besseres zu tun, als sein Blut wegzuwischen.

Während Narbo sich noch die Hände zu reiben schien und die Explosion mit sichtlicher Genugtuung beobachtet hatte, meinte Silvana: "Es wird dich freuen zu hören, daß der Captain wieder auf den Beinen ist. Aber überfall ihn erst morgen mit den Schadensersatzforderungen wegen der Schlägerei in deiner Bar, heute muß ich ihm erst mal beibringen, daß wir einen der Raider verloren haben. Aber ich hab da schon eine Idee wie..."

Neugierig verfolgte der Ferengi Silvanas Antwort. Solchen Worte folgte meistens entweder ein Schlachtfest oder die Chance auf einen kleinen Profit. Beides konnte ihm nur recht sein und mit ein wenig Glück ließen sich die Möglichkeiten sogar verbinden.

--- am Gefechtsplatz, zur gleichen Zeit

Ein plötzlicher ohrenbetäubender Knall zerriß die Luft und für einen flüchtigen Moment verlor Nathalie ihre Aufmerksamkeit. Sie duckte sich instinktiv und schaute nur für Sekundenbruchteile in die entsprechende Richtung. Der Anführer nutzte diese kurze Unachtsamkeit und ließ seine zusammengeballte Faust mit aller Kraft zwischen ihre Rippen sausen.

Die Wucht des Aufpralls ließ die Luft aus ihren Lungen stoßartig mit einem seltsamen Geräusch entweichen und sorgte für einen 'näheren Bodenkontakt'. Verzweifelt rang die am Boden liegende Frau nach Luft.

Der Angreifer fletschte siegesgewiß seine Zähne und zog die Lefzen zu einer Grimasse hoch. Gerade wollte er sich herunterbeugen, um seine Beute endgültig zu bezwingen. Ein panikartiges Gefühl beschlich Nathalie und sie suchte fieberhaft nach einem Ausweg vor der scheinbar unvermeidlichen Niederlage.

Im letzten Augenblick riß sie ruckartig den angewinkelten Fuß vor und brachte mit einem gleichzeitigen Schlag gegen die Hüfte den Anführer damit zu Fall. Ohne abzuwarten rollte sie sich auf seine Brust und zog noch während der Bewegung ihren Ohrring ab.

Als sie auf seiner Brust stoppte, hielt sie den massiven Ohrring mit der Spitze bereits an seinem Hals. Ein drohender Blick genügte und die anderen Beiden wagten es nicht näherzukommen.

"Siehst du, hab' doch gesagt - keine Chance!", brachte sie unter angestrengtem Stöhnen hervor. Nathalie japste noch immer schwerfällig, während einige Blutstropfen auf den Körper unter ihr rannen.

Der solide Goldschmuck war zwar nur angeklipst gewesen, doch sie hatte im Eifer zu heftig gezogen und nun zierte ein breiter, blutiger Kratzer ihr linkes Ohrläppchen.

Doch wenigstens hatte sie ihre knurrenden Gegner nun in Schach. Sie stöhnte erleichtert. Nein, eigentlich vor Schmerz. Denn dieser kehrte heftiger zurück, nun da der Kampf vorbei war. Sie wünschte sich plötzlich sehnlichst eine Dusche und eine lindernde Behandlung auf der Krankenstation. Und ein ziehender und heftiger Druck über ihrem Brustkorb erinnerte sie an ihre Rippen, die hoffentlich nicht gebrochen waren...

Wie der Test nun ausging, war ihr mittlerweile völlig egal. Sie wollte nur noch, daß es endlich endet.

Etwas unsicher und mit schmerzverzerrtem Gesicht schaute sie zu der Frau, die ihr das Ganze eingebrockt hatte und die mittlerweile, wie Nathalie feststellte, nicht mehr alleine war.

--- freier Platz

"Die Rothaarige nehme ich. Hoffentlich ist die nicht so ein Sensibelchen wie die letzte. Bestimmt sitzt die Heulsuse jetzt noch in ihrem Quartier und weint sich die Seele aus dem Leib...", antwortete Narbo grinsend und wechselte dann das Thema, nachdem er sein Personalproblem vorerst gelöst sah. "Womit du den Verlust des Raiders ausgleichen willst, kann ich mir schon denken."

Vorsichtig näherte er sich ein Stück und sprach leise weiter: "Wenn du etwas kreative Hilfe beim Ausschalten der Föderationsmemmen brauchst, kann ich da sicher etwas machen..."

Silvana nickte grinsend. Auf Narbos Instinkt konnte man sich wirklich verlassen. Er wußte immer ganz genau worum es ging. "Danke. Ich denke, ich werde auf deine Hilfe zurückkommen", meinte sie hintersinnig lächelnd zurück und sein Angebot kam ihren Plänen sehr gelegen.

Dann trat Narbo wieder auf seine vorherige Position zurück und musterte das eben erschiene Katzenviech aus den Augenwinkeln. Sivaoaner hatten gute Ohren, aber ein Teil ihres weichlichen Ehrenkodex verbot sicherlich das Lauschen.

Glücklicherweise war Narbo aber ein Ferengi und diesem Fellball somit genetisch haushoch überlegen! Aufgesetzt grinste er Sternenlicht an und nickte provozierend. Zwar teilte ihr Wissenschaftsoffizier nicht Raschkralles fauligen Mundgeruch, aber trotzdem sollte das Katzenwesen ihm nicht zu nahe kommen.

Sein Messer war immer griffbereit!

"Wenn noch was ist, erreichst du mich wie üblich - ich schaue mir jetzt erstmal die Programmierung der simulierten Explosion an. Die Effekte waren nicht schlecht, aber an der Deformationswirkung kann man sicher noch das ein oder andere verändern...", verabschiedete der Ferengi sich und ging zu einer 15 Meter entfernten Konsole hinüber; nicht ohne auf dem Weg Sternenlicht giftig anzugrinsen.

Noch während Narbo sich verabschiedete, bemerkte Silvana, daß der Kampf sein Ende gefunden hatte und ihr Gesicht zog sich zu einem sehr zufriedenen Lächeln.

Die Kleine war gut. Sehr gut sogar. Und sie wußte zu improvisieren was die Wahl ihrer Waffen betraf. Ohne zu zögern ging sie zu ihr hin.

"Computer, Kampfprogramm 23 beenden", meinte Silvana zur Begrüßung und reichte der jungen Kämpferin zum Aufstehen die Hand. Diese lehnte sie aber verächtlich ab und erhob sich selbst, nachdem sie von ihrem sich auflösenden Gegner ziemlich unsanft auf dem Boden landete. "Ich muß zugeben, ich bin beeindruckt. Von zehn Kämpfern schafft es nur einer alle drei zu erledigen und das waren bisher nur selten Frauen."

Die Augen ihrer neuen Sicherheitlerin funkelten, doch das zeigte der Sicherheitschefin nur, daß sie die richtige Wahl traf und diese Temperament und Feuer besaß. Temperament genug sich mit jedem an Bord anzulegen und sich nicht abschrecken zulassen. "Ich bin Silvana, Chefin der Sicherheit auf diesem Kahn. Du kannst gerne in meiner Abteilung anfangen. Es ist schwer gute Leute zu finden. In diesem Job stirbt man sehr leicht, wenn man einen Fehler macht..." Ihr Blick fiel auf Calus und es war ihr anzusehen woran sie dabei dachte. Allein der Gedanke widerte sie an.

"Du hast Mut bewiesen und ich denke, daß du das Zeug hast dich durchzusetzen. Ich schenke meinen Leuten gerne möglichst viel Freiraum. Bei mir gibt es nur Sicherheitler die im Dienst sind und welche die es nicht sind.

Und die es sind, sitzen nicht hinter einem Schreibtisch oder einem Monitor, sondern sie sorgen aktiv für die Sicherheit an Bord. Dabei lasse ich ihnen gerne freie Hand wo sie sich auf dem Schiff aufhalten und umsehen. Nur wenn ich sie rufe dann haben sie meinem Befehl zu gehorchen.

Noch irgendwelche Fragen?" Sie warf Sternenlicht einen fragenden Blick zu, der noch etwas unschlüssig zu ihr hinüberblickte und nickte ihm zu. Dann wandte sie sich an die olivbraune Neue in ihrer Abteilung und wartete auf Antwort.

'Oh Gott! Das ist ja die Chefin!' Nathalie war schon während Silvanas Rede die Kinnlade heruntergeklappt.

Bravo! Auch hier behielt sie ihre Angewohnheit bei, direkt am ersten Tag schon in diverse Fettnäpfchen zu treten. Eigentlich war es ein Wunder, daß sie überhaupt einen Job fand. Sie fragte sich stirnrunzelnd, wie lange sie es hier wohl aushalten würde und ob sie schon auf Silvanas Abschußliste stand...

Während das heiße Prickeln langsam aus ihrem Gesicht verschwand, hob sie den Kopf und sah der Sicherheitsfrau mit festem Blick in die Augen. "Eigentlich nur eine. Wo geht's hier zur Krankenstation? Nur damit ich weiß, wo ich meine Gegner demnächst hinbringen soll, sollten sie überleben!"

Ihre Verärgerung über ihren dummen Fehler nagte noch immer an ihr. Und Fehler gestand die temperamentvolle Frau sich nur selten ein. Dafür bemühte sie sich jetzt um so mehr, ihre Umgebung im Auge zu behalten. Ein rascher Blick verriet ihr die Ursache des Knalls und zu ihrer Überraschung entdeckte sie einen alten Freund in der Nähe der Explosionsstelle. Anscheinend war bei seinem Test etwas schief gelaufen. Aber zumindest konnte KWinh noch aufrecht stehen, also schien ihm nicht viel passiert zu sein.

Ebenso entging Nathalie das Fellknäuel nicht, daß hinter Silvana herumstand und zu ihnen rübersah. Sie fragte sich, ob es sich dabei um eine intelligente Spezies handelte oder um Silvanas Haustier.

Doch da es keinerlei Anstalten machte, näherzutreten, beließ sie es auch dabei. Sie würde es schon früh genug erfahren.

Zu guter Letzt erfaßte sie die anderen Bewerber, die wie alle anderen auch gerade auf ihre Tauglichkeit geprüft wurden. Unter ihnen auch Calus, der inzwischen sein Gepäck wieder geschultert hatte. Ihr eigenes, eigentlich nur eine größere Tasche, lag achtlos nicht weit entfernt auf dem Boden.

"Äh, und noch was", wandte sie sich Silvana wieder zu. "Ich würde gerne mein Gepäck in mein Quartier bringen. Danach könnte ich direkt anfangen. Welches wurde mir zugewiesen?"

--- Technikerecke

Nachdem er erfreut festgestellt hatte, daß Nathalie ihre Aufnahmeprüfung wohl erfolgreich hinter sich gebracht hatte, erhob sich KWinh und machte sich auf den Weg zu ihr und ihrer "Auftraggeberin".

Sie hatte sich in der Zwischenzeit mit einem Ferengi unterhalten, mit dem sie sehr vertraut zu sein schien und auch dieses seltsame Katzenwesen schien zur Mannschaft zu gehören. Das deutete darauf hin, daß man ihn zumindest nicht ablehnen würde, weil er kein Mensch war.

--- Gefechtsplatz

Silvana war die Verwunderung der Kleinen nicht entgangen. Sie schien so verwirrt zu sein ihre Chefin vor sich zu haben, daß sie rot angelaufen war und sogar vergessen hatte sich selbst vorzustellen. Doch binnen kurzem kam ihr altes Selbstbewußtsein zu Tage, daß ihre Gegner schon auf der Krankenstation sah... vielleicht wollte sie auch bloß selbst hin um ihr blutendes Ohrläppchen zu versorgen.

Aber immerhin schien sie ihre Umgebung im Auge zu behalten, was ein gutes Zeichen war. Gute Sicherheitler mußten ständig wachsam sein und mit dem Unerwarteten rechnen. Sie fragte sich was die Schmucklady wohl von Sternenlicht hielt. Ihr Blick war sehr nachdenklich. Sie folgte ihm und winkte dem Sivaoaner zu doch ruhig zu ihnen zu kommen. Dann wandte sie sich wieder Nathalie zu.

"Du bekommst...", Silvana zückte ihr Padd aus einem ihrer Stiefel und tippte etwas ein, "Deck 6, Quartier 223. Es wird dir gefallen. Es liegt gleich in der Nähe der Bar." Dann steckte sie es wieder weg und bemerkte dabei, daß der verbliebene Techniker auf sie zutrat.

Der große Grilmak stellte sich hinter Nathalie, die ihn sofort bemerkte und legte ihr seine Hand auf die Schulter: "Guter Kampf mit einer sehr... individuellen Taktik!"

Dann sah er zu der Frau hinüber, die ihm vor einigen Minuten seine Aufgabe gestellt hatte, allerdings ohne seinen Kopf wesentlich zu drehen und damit mehr von seinem Gesicht zu zeigen, als er es zu diesem Zeitpunkt wollte. Sie schien irgendwie amüsiert zu sein, aber da sie schon diese seltsamen Augen hatte, konnte dieser Eindruck auch täuschen.

"Ich habe Ihre Aufgabe gelöst. Wie geht es nun weiter? Eine weitere Aufgabe von Ihnen, oder eine neue von jemand anders?"

Dem darauf folgenden Blick aus gelben Augen wurde von einem genauso energischen aus roten Augen standgehalten. Sie mußte das schwache Leuchten unter der Kapuze wahrnehmen...

Der Typ war reichlich seltsam und Shania fragte sich woher er wohl kam, daß er glaubte sein Gesicht vor ihr verbergen zu müssen und sich damit eine deutliche Blöße zu geben. Besonders, da sie seine Maskerade durchschaute. Ihre gelben Raubtieraugen hatten auch alle Vorteile der diversen Raubkatzengene, die ihr unter anderem einen besseren Blick ins Dunkel erlaubte.

Was sollte das besondere an einem Romulaner bzw. einer romulanerähnlichen Rasse mit roten Augen sein?

Ohne auf sein Auftauchen näher einzugehen, sagte sie zu der Frau bei ihm:

"Die Krankenstation liegt auf Deck 5. Jean-Luc, der Android da hinten, wird dir einen Communicator aushändigen, damit du erreichbar bist. Und wenn du nach diesem Kampf auch noch deinen Namen weißt und mir sagen kannst, dann hättest du den Aufnahmetest bestanden." Mit einem süffisanten Lächeln wartete sie auf Antwort.

--- Holodeck 1, am Rande, inzwischen

Sternenlicht zu-Srallansre setzte sich auf Silvanas Einladung hin in Bewegung. Er war von der Kampfart der kleinen Frau erstaunt gewesen. Er hätte nicht gedacht, daß sie gegen Silvanas Trainingsprogramme eine reelle Chance gehabt hätte.

Mit federnden Schritten durchmaß er das Holodeck, die Muster auf seinem Fell bildeten ein wogendes Muster, fast wie hohes Steppen-Gras, daß vom Wind durchstreift wurde. Seine fast anmutigen Bewegungen erzeugten keine Geräusche auf dem glatten Boden des Holodecks.

In seinen Bewegungen schien er eins mit seiner Umwelt zu sein, denn obwohl er sich durch das übliche Chaos der Neuankömmlinge bewegte, berührte er nicht einen von ihnen, während er zwischen ihnen durch ging.

Seine Augen musterten den Mann - war es überhaupt ein Mann? - mit der Kapuze aufmerksam. Er war ihm nicht ganz geheuer. Wieso versteckte er seine spitzen Ohren und die leicht rotglühenden Augen unter einer Kapuze? Was hatte er zu verbergen?

Nun, er würde es beizeiten herausfinden, sollte er an Bord blieben. In Anbetracht der Tatsache, was mit seinem Konkurrenten geschehen war, war das gar nicht so unwahrscheinlich.

--- Krankenstation

Mit einem leichten Seitenblick auf den Patienten, den Llewella gerade versorgte, entschloß sich Kargan spontan zu einer Runde guter Doc - böser Doc. Mit diesem effektiven System hatte er in der Vergangenheit gleich mehrere Probleme gelöst. Zum Einen konnte er Llewellas fallweise auftretende Stimmungsschwankungen in den Griff bekommen, da sie sich immer so schön aufregen konnte, wenn er ihrer Meinung nach die Patienten verunsicherte.

Auf der anderen Seite unterstrich eine solche Verhaltensweise seiner Meinung nach seinen Status als Chefklingone.

Und die Patienten ... nun ja, die freuten sich darüber, wenn eine Ärztin auf ihrer Seite stand, und sie nicht von Kargan behandelt wurden. Was ihm wiederum wenigstens die Lapalien, für die Silvana ständig sorgte, vom Hals hielt.

Deshalb schaute er sich nachdenklich die Anzeigen des Biobettes an, klopfte dem Patienten auf die Schulter und murmelte: "Heute ist ein guter Tag zum Sterben..."

--- Gefechtsplatz

Das Katzenwesen erreichte die kleine Gruppe inmitten des Holodecks und blieb neben Silvana stehen. Er hob seine beiden Pfoten auf Schulterhöhe, die "Hände" dicht hintereinander und fuhr die Krallen der vorderen Hand kurz aus, gleichzeitig deutete sein Kopf - in einer an dem Sivaoaner etwas fehl am platze wirkenden Geste - eine kleine Verbeugung an.

Bewundernd schaute KWinh dem Ein- und Ausfahren der Krallen zu und dachte kurz darüber nach, so einen Mechanismus in seine Kampfhandschuhe einzubauen. Aber dafür würde genug Zeit bleiben, er hatte nicht vor, in nächster Zeit mit irgend jemanden zu kämpfen.

Also erwiderte er einfach die Verbeugung, tiefer als sein Gegenüber, aber immer noch nicht tief genug, mit ihm auf eine Höhe zu kommen. "Ich grüße Sie! Mein Name ist KWinh."

Seine Schnurrhaare ruckten nach vorne, während er dem Menschen antwortete: "Mein Name ist Sternenlicht zu-Srallansre", war da eine leichte Betonung auf dem zweiten Teil seines Namens? "Ich bin Wissenschaftler hier an Bord der Privateer. Lassen Sie sich nicht von mir stören, ich bin aus reiner Neugierde hier." Sein Schweif hatte bei den letzten Worten auf Silvana gedeutet, die sich gerade weiter mit der anderen Menschenfrau unterhielt.

"Mein Name sollte eigentlich auf deiner Liste stehen!", antwortete Nathalie inzwischen Silvana kopfschüttelnd. Das Fellbündel mit den zyanfarbenen Augen beachtete sie dabei zunächst kaum. Zumindest schien Silvanas Haustier recht gut dressiert zu sein. Er kam auf Rufen seiner Herrin und konnte sogar grüßen!

Genauso wie KWinh. Bei dem Gedanken konnte sie ein Grinsen kaum unterdrücken.

Gleichzeitig war sie ein wenig verwundert, daß die Sicherheitschefin ihr unbekannte Leute an Bord ließ. Jeder, der von diesem Handwerk etwas verstand, holte sich Informationen über die Besucher beziehungsweise Bewerber. Der Name war dabei doch das Mindeste. Wie konnte man nur so unvorsichtig sein?

Silvanas süffisantes Lächeln verstärkte sich noch, woraufhin Nathalie schnell noch hinzufügte: "Ich bin die, die unter C steht. C wie Connor, Nathalie Connor. Meine Freunde nennen mich allerdings Natty" Sie ließ sich nun zu einem etwas freundlicheren Lächeln hinreißen. Einem ganz kleinen.

Ihre noch immer pochenden Rippen erinnerten sie daran, so schnell wie möglich die Krankenstation zu besuchen. "Ich denke, ich werfe jetzt mal einen Blick in mein Quartier. Danach kann ich sofort anfangen, falls du Arbeit für mich hast."

Während sie sprach, warf sie erneut einen Blick auf Silvanas Haustier. Ihr gefiel sein glänzendes Fell und besonders sein langer Schweif faszinierte sie. Das war ihr vorher aus den Augenwinkeln gar nicht so aufgefallen. Nathalie mußte sich beherrschen, um nicht die Hand nach seinem weich ausschauenden Fell auszustrecken.

Er weckte Erinnerungen an Tigerpfote in ihr, der heißgeliebte Teddy, mit dem sie früher viele kuschelige Stunden verbracht hatte. Allerdings hatte er keine scharfen Krallen gehabt.

Nathalie mußte unbedingt bei Gelegenheit mal fragen, ob sie nicht auch so ein Ding haben könnte.

"Du scheinst etwas zuviel von den Sitten und Gebräuchen der Föderation zu halten", meinte Silvana beiläufig zu Nathalie, während sie sich fragte warum diese Sternenlicht so fasziniert ansah. "Aber ich hätte viel zu tun, wenn ich mir die Akte aller Personen ansehen würde, die sich bei uns bewerben. Ich gebe immer nur etwas auf das, was ich mit eigenen Augen sehe, und das ist Leistung. Akten können auch leicht gefälscht werden und ein Spezialist kann ein wertvolles Crewmitglied, als auch ein professioneller Attentäter sein. Namen spielen keine Rolle, wenn ich dich nicht auch rufen müßte."

Ihre Gedanken schweiften ab zu Xiang und ihre Mine verfinsterte sich schlagartig. "Wer mich hintergeht, den töte, ich und wer sich Schwachheiten mir gegenüber herausnimmt, der wird den Doktor näher kennenlernen, als ihm lieb ist. Vergiß nie, wenn du überleben willst, daß auf einem Kahn wie diesem das Gesetz soviel gilt wie Dreck unter meinen Absätzen und Fairneß ein Fremdwort für die meisten der Crew ist." Damit wandte sie sich dem Techniker zu.

"Was dich betrifft, so bin ich mit dir fertig. Du hast den Eignungstest bestanden und kannst in der Technik anfangen. Da wir momentan keinen Chef der Techniker haben, wendest du dich am Besten an unseren Schiffspsychologen Jack Collins. Er arbeitet eigentlich nebenbei in der Schiffsbar, kennt sich aber in der Technik bestens aus und weiß sicher jemand, der dich dort einweisen kann." Sie wollte sich schon abwenden, da fiel ihr noch etwas ein.

"Und von mir aus kannst du auch deine alberne Kapuze aufbehalten, wenn du bei deiner Größe und bei deinem Alter noch so schüchtern bist. Du wirst schon wissen, warum du dein romulanerähnliches Aussehen verbergen mußt. An deinen roten Augen wird es ja wohl nicht liegen. Aber ich sage dir gleich, daß du mit diesem Outfit mehr Aufmerksamkeit erregen wird, als dir lieb ist und manche in unserer Crew lieben es Außenseitern wie dir... beizubringen wie man sich zu verhalten hat..."

Sternenlicht waren die interessierten Seitenblicke von der Menschenfrau Nathalie Connor nicht entgangen, sie hatte ihn in den letzten Minuten mehrmals unverhohlen betrachtet. Nicht auf die Art, wie ihm die meisten Menschen begegneten, neugierig, sondern mehr wie etwas, was man kaufen wollte. Es paßte zu der Überheblichkeit, die sie durch ihren Geruch nur unterstrich.

Ihr Geruch... War da nicht auch eine Spur von Blut zu riechen? Ja, doch, tatsächlich. Seine Schnurrhaare zitterten ein wenig, während er Nathalie Connor eingehender betrachtete. Ihr Atem ging schwerer, als es für einen Menschen üblich war, und ihr Stand war eine Nuance anders als noch vor dem Kampf.

--- Büro des Psychologen

Nachdem Weber den Raum verlassen hatte, setzte sich der Psychologe an sein Computerterminal. Die ganze Sache gefiel ihm nicht. Was wollte die Föderation?

Llewella hatte bei ihrer Ankunft gesagt, daß sie gehofft hatte auf die Privateer zu treffen. Doch woher kannte sie oder die Hawking die Route, die die Privateer fliegen würde?

'Ich muß versuchen, ihren Computer anzuzapfen!', dachte Collins und begann vorsichtig sich in das Netzwerk des Förderationsshuttles reinzuhacken.

Nach ein paar Minuten mußte Jack aber einsehen, daß er von hier aus nicht viel erreichen konnte. Die Computersysteme des Shuttles waren hervorragend vor dem Zugriff von Außen geschützt.

"Hilft nichts!", sagte er mißmutig. "Da müssen wir wohl mal direkt im Shuttle versuchen." Collins stand auf, nahm seine Waffe und sein Tricorder und verließ sein Büro.

--- Deck 5, Gänge

Jack wußte, das heute neue Leute auf das Schiff kommen sollten. Die Ivory lag längsseits und hatte neues Blut mitgebracht. Nur zu gerne wäre er dabei, wenn Silvana die Neuen 'testete'. Aber irgendwie spukte die Sache mit der Förderation in seinem Schädel herum und schrie nach Auflösung.

--- Krankenstation, bei Browns Biobett

Fassungslos starrte Llewella den klingonischen Chefarzt an. Hatte der sie nicht alle? Der Patient auf dem Biobett, ein Mann im mittleren Alter, blickte mit weitaufgerissenen Augen von einem Arzt zum anderen.

Sein Bewußtsein war sowieso nicht so ganz funktionsfähig, da er ein schwaches Beruhigungsmittel erhalten hatte, um seine Tobsuchtsanfälle zu verhindern.

Die Schottin schluckte die in ihr aufsteigende Wut hinunter, ergriff Kargan am Ärmel und zog ihn beiseite. Dann meinte sie mit leiser Stimme und lächelndem Gesicht, um den Verletzten nicht weiter zu beunruhigen:

"A diobhail, Kargan, was soll denn so eine hirnrissige Bemerkung? Sind Sie Arzt oder Schlächter? Oder wollen Sie nur jemanden provozieren?"

Bevor Kargan in der Lage war zu antworten, fingen die Anzeigen über Pormas Liege wie wild an zu blinken und ein durchdringender Alarmton machte sich auf der Krankenstation breit. Die beiden Ärzte die eben noch kurz davor standen sich in die Haare zu kriegen, schauten sofort auf den großen Südländer der scheinbar sorglos auf dem Bio-Bett lag.

Kargan hatte gerade den Mund geöffnet, um seiner neuen Kollegin ein paar Dinge zu erklären, als die Alarmsirenen losschrillten. Welcher Idiot hatte den Alarm nur so laut eingestellt? Der Chefarzt nahm sich vor, einmal ein ernstes Wörtchen mit Jean-Luc zu reden.

Als er Llewella zu Pormas Bett stürzen sah - zu IHREM Patienten - hielt er sich etwas in der Geschwindigkeit zurück. Vielleicht war es besser, wenn der Südländer als erstes ein hübsches Gesicht sah, mit dem er angenehmere Erinnerungen verband als mit Doc Giftspritzer.

Aus den Augenwinkeln bemerkte Kargan, daß der von Llewella ruhig gestellte Peter Brown hektisch auf Schwester Entenburg einredete. Der Doktor verstand die Worte "entlassen" und "schon viel besser".

Aber so billig würde dieser Simulant, der mindestens zweimal monatlich auf der Krankenstation erschien - jedesmal mit einem anderen Leiden - diesmal nicht wegkommen. Das Sedativum würde noch einige Zeit wirken...

Kargan grinste sladisch und freute sich, daß Pormas ihn so nicht sehen konnte.

--- Jenseits, Traumwelt, Unterbewußtsein??!?!?

Ausgeglichen und ruhig stand Pormas auf der sattgrünen Wiese, mitten in seiner griechischen Heimat, in der er soviel schöne Zeit verbracht hatte. Verträumt blickte er sich um, als wenn er gerade aus einem wunderschönen Traum erwacht wäre.

Nur mit einem Lendenschurz bekleidet stand der hünenhafte muskelbepackte Mann mitten in der friedlichen Stille der Natur. Ein strahlendblauer Himmel lächelte in seiner totalen Friedfertigkeit zurück, und Pormas wünschte sich es würde immer so bleiben.

Vergessen seien seine Tage als 'Killing Cook', seine Tage seit dem Tod seiner Eltern.... Helen......

"NEEEEEEEEEEEIIIIIINN!!!!"

Schmerzgepeinigt schrie der Südländer auf, als ihm eine unglaubliche Pein durchfuhr als er wieder daran gedacht hatte. Ein Blitz zuckte aus dem sich plötzlich verdüsternden Himmel, der die gesamte Schwärze seiner Qualen wiederzuspiegeln schien. Ein Sturm zog heran und peitschte gegen Pormas gestählten Körper.

Hagel schlug in das schmerzverzerrte Gesicht des Mannes, als über ihm, mit aller Wucht, die grausame Realität hereinbrach. Um ihn herum erschienen alle Personen die er je geliebt hatte und hoben anklagend den Finger in seine Richtung, während sie sich in einem stummen Totentanz in einem Kreis um den Südländer bewegten.

Weinend brach der sonst so imposante Mann zusammen. Er versuchte immer wieder sich zu entschuldigen aber alle Worte gingen entweder im Donner oder in seinem eigenen Schluchzen unter.

Pormas erblickte seine Helen, wie auch sie um ihn herumschwebte und mit dem Finger auf ihn zeigte. Ihr sonst so schönes Gesicht, war zu einer eisigen Maske verzerrt, die ihn ohne Gnade niederstarrte. Mit tränenerfüllten Augen kroch er auf die Frau zu, die ihn nicht zu erkennen schien.

Er streckte seine Hand aus und versuchte die ihrige zu berühren. Nur noch ein Millimeter schien sie zu trennen..... Da zuckte ein weiterer Blitz vom Himmel herab und schlug in den breiten Rücken des Südländers ein.

Mit einem lauten, entsetzten Schreien brach Pormas auf dem jetzt kahlen Boden zusammen, während er, innerlich zerrissen, mit brennenden Augen mitverfolgte wie Helen sich auflöste.

Vor innerlicher, wie äußerlicher Pein zerrissen, erschlaffte sein Körper und kapitulierte vor den Schmerzen......

.....

.....

.....

Nein.

So durfte es nicht enden.

Tief in der Seele des Südländers bäumte sich der schier unbezwingbar scheinende Kampfes- und Siegeswille Pormas auf. Der zerschundene Körper bäumte sich auf. Mühsam setzte er einen Fuß hinter den anderen.

Alle Muskeln in dem Körper des Hünen zucken, ob dieser Kraftanstrengung, als der Halbgrieche sich aufrichtete. Mit offenen Augen blickte er dem Sturm entgegen und spannte seinen Körper an. Nein, er würde sich nicht bezwingen lassen. Er wollte leben.

Er würde sich nicht verraten. Er würde sich nicht seinen Schmerzen hingeben, er würde dagegen kämpfen.

Über ihm braute sich die gewaltigste Gewitterwolke zusammen, die er je gesehen hatte. Stumm blickte Pormas hinauf und wartete. Eine gigantisches Donnern, das Pormas beinahe die Trommelfelle zerplatzen ließ, erfüllte die Luft.

Zur selben Zeit entlud sich ein gigantischer Blitz und raste dem Südländer entgegen. Ohne irgendeine Chance überhaupt zu reagieren schlug er auf Pormas Brust auf.

Der Halbgrieche stemmte sich mit aller Gewalt gegen die Wucht des Aufpralls. Mit einem unnatürlichen Schrei versuchte er sich von seinen Schmerzen zu befreien, während er immer weiter seinen Kampf ausfocht....

Die gesamte Welt schien über ihm zusammenbrechen. Pormas glaubte der Kampf würde ewig dauern. Immer weitere Schmerzwellen schienen durch ihn hinweg zu fegen......

Plötzlich war es vorbei. Der Südländer schaute auf seinen verbrannten Körper hinab und fragte sich was er hier machte. Er wußte nur, daß er den Kampf gewonnen hatte. Den Kampf gegen etwas Schreckliches. Aber er wußte nicht mehr was es war.

Erschöpft fiel er wieder auf den Boden. Erschöpft aber glücklich. Er hatte gewonnen.

Pormas Theocrates hatte den Kampf gegen den Tod und seine schmerzvollen Erinnerungen gewonnen.

Aber er hatte gleichzeitig auch viel verloren. Er würde sich nie wieder an seine Zeit des vollkommen Glücks erinnern....

aber jeder Sieg hatte einen Preis.... sei er noch so hoch......

--- Krankenstation

Pormas schlug die Augen auf.

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