--- Shuttle drei der USS Hawking, im freien Raum
"Verdammt!", fluchte Rawlings, als das Shuttle jäh zu bocken anfing. Die Insassen und etliche nicht befestigte Teile fielen übereinander und aus dem Gewühl an Körpern, Armen und Beinen, das sich daraufhin am Boden des Shuttles wiederfand, war unterdrücktes Fluchen in verschiedenen Sprachen zu hören.
Nachdem Llewella sich wieder aufgerappelt hatte, warf sie als erstes den anderen einen kurzen Blick zu, stellte aber sofort fest, daß es außer Beulen und blauen Flecken wohl keine schwerwiegenderen Verletzungen gegeben hatte. Dann ging sie wieder vor zu Rawlings und fragte diesen: "Was war denn das für ein Witzbold?!"
Rawlings saß angespannt auf seinem Pilotensitz, er wartete, ob ein weiterer Angriff stattfand. Doch der kam nicht. "Dieser Irre im Raider hat uns eine verpaßt. Zum Glück waren wir so weit entfernt, daß die Schilde den Schuß komplett abfangen konnten. Noch einmal hätte ich das aber nicht so gern..."
--- USS Hawking, Brücke
Auf der Brücke der Hawking herrschte atemloses Schweigen. Alle hatten mit Entsetzen beobachtet, wie das Shuttle getroffen worden war. McCrillis schluckte, dann wies er den Kommunikationsoffzier an: "Einen Kanal zum Shuttle öffnen!"
"Kanal steht, Sir!"
McCrillis holte tief Luft, dann fragte er: "Rawlings, ist bei Ihnen alles in Ordnung?"
Leicht verzerrt kam die prompte Antwort vom Shuttle: "Ja, Sir, hier ist alles okay. Die Schilde konnten die Energie ableiten, wir waren glücklicherweise weit genug entfernt. Verletzt ist auch niemand, wir sind nur ein wenig durcheinandergeschüttelt worden."
McCrillis atmete auf. Er bedankte sich, wies den Piloten an, sich noch ein wenig mehr vom Ort des Geschehens zu entfernen und ließ den Kanal schließen.
Unter dem prüfenden Blick der Counselor überlegte er in gewohnter Schnelligkeit, was zu tun sei. Er konnte mit der Hawking an dieser Stelle warten, das Shuttle zurückpfeifen und die Privateer ihrem Schicksal überlassen. Nachdem ja nicht einmal klar war, _wem_ er helfen würde, wenn er in diesen Kampf eingriff...
Oder er konnte die Befehle seines Captains ignorieren und diesem ferengischen Ding helfen, welches noch immer Gift und Galle auf den Raider spuckte, ohne zu einem nennenswerten Ergebnis zu kommen.
"Was wissen wir über die Mannschaft der Privateer?", fragte er in den Raum, in der Erwartung, daß seine Brückencrew so gut funktionierte, wie sie es in der Regel tat. Und auch heute bestätigte sich wieder einmal, daß sie ein gut eingespieltes Team war, in dem der eine die Gedanken des anderen vorausahnen konnte.
"Sir, nicht allzuviel. Allerdings gibt es einige Hinweise darauf, daß ein Ferengi zur regulären Besatzung des Schiffes gehört. Es..."
"Danke, Madlows", schnitt McCrillis dem jungen Mann das Wort ab. Er hatte seine Entscheidung getroffen. "Versuchen Sie, einen Kanal zu dem ferengischen Shuttle zu öffnen!"
--- Shuttle Gint, zur selben Zeit
Grinsend hatte Narbo beobachtet, wie der unkontrollierte Schuß des Raiders das Föderationsshuttle durchgeschüttelt hatte und der Ferengi hoffte, einen neuen Verbündeten gefunden zu haben. Zwar waren seine Mini-Bomben sehr stark, aber im Kampf selbst noch nie ausprobiert worden. Zudem verbrauchten die Schilde wegen seiner "Ladung" mehr Energie, die von den Disruptoren abgezogen werden mußte.
Während die beiden Feinde weiterhin wilde Manöver flogen und Xiang scheinbar die Kontrolle wieder errang, hatten die MenSCHen es sich wohl endgültig überlegt. Keine zwei Minuten nach dem Begrüßungstreffer leuchtete ein Licht auf Narbos Terminal rot auf und wies so auf einen eingehenden Ruf hin.
"Computer, lege die Audio-Spur auf Kanal B, stell die Musik um 85% leiser! Und kein Video...", befahl er augenblicklich dem Elektronengehirn, daß zu dem Shuttle gehörte und einen Moment später zeigte eine grüne Leuchte den geöffneten Kommunikationskanal an.
"Was kann ich für euch tun? Ich bin gerade beschäftigt; einem Dieb müssen wieder mal ein paar Gliedmassen gebrochen werden...", begrüßte er die Fremden freundlich.
--- Privateer, Brücke, zur selben Zeit
Als Silvana auf der Brücke rematerialisierte, bemerkte sie die angespannten Gesichter der restlichen Brückenbesatzung. Wie gebannt beobachteten sie die beiden Shuttles auf dem Bildschirm.
Auch die Ellora, die bisher ihre Stelle an der taktischen Station vertreten hatte, hielt sich krampfhaft an ihrer Konsole fest und schien sich in einer unterlegenen Position zu befinden.
Noch bevor die Sicherheitschefin eine Frage stellen konnte, bekam sie schon Meldung von ihr erstattet: "Waffensysteme negativ. Warpantrieb negativ. Anzeigen arbeiten nicht einwandfrei. Durch einen Computervirus können wir nicht mal feststellen, ob der Traktorstrahl Wirkung gezeigt hat. Jean-Luc... Gottseidank negativ..." Sadaja entspannte sich wieder nachdem sie Bericht erstattet hatte und erwartete eine Lösung von ihrer Vorgesetzten.
Doch diese mußte erst die schlechten Meldungen verdauen, die sie eben gehört hatte. Xiang hatte also auch noch einen Virus ins System eingeschleust, als letzte Lebensversicherung. Mit anderen Worten würde das Schiff alles abblocken, was es als Angriff erkannte.
So blieb nichts übrig um von hier aus in den Kampf, der scheinbar im Weltall tobte, eingreifen zu können. Sie waren zur Untätigkeit verdammt.
Das hieß FAST nichts. Etwas gab es doch.
Silvanas Gedanken rotierten und strebten auf einen Punkt zu, den bisher noch niemand bedacht hatte, weil wohl die meisten nicht so weit in der Sicherheit der Privateer bewandert waren.
Vielleicht gab es noch eine winzige Chance. Etwas das Xiang in der Eile übersehen haben konnte, da er auf dem privaten Handelsschiff mit höchster Wahrscheinlichkeit damit rechnete, daß die Privateer von der Technik und der Sicherheit her mit einem Föderationsschiff der gleichen Bauart gleichzusetzen war und nicht eine kleine Abweichung in den Sicherheitsstrukturen aufwies.
Ohne sich lange mit erklärenden Worten aufzuhalten, stieß Silvana Sadaja förmlich von der Konsole weg und versicherte sich nach zwei simplen Abfragen, daß sie noch eine Hintertür offen hatte.
Eine Hintertür, die einem kleinen Koreaner das Genick brechen konnte.
Ein diabolisches Leuchten glitzerte in ihren Augen, welches jeder der sie näher kannte, als pure Mordlust erkannt hätte, als sie ihren Communicator betätigte:
"Silvana an Narbo: Halt alles drauf was du hast. Jetzt oder nie!"
Damit schickte Silvana ihren noch immer funktionierenden Sicherheitscode zur Horniss und wies diese an ihre Schilde zu senken und die 30 sekündige Selbstzerstörungssequenz einzuleiten.
Jetzt lag es ganz allein an Narbo...
--- Shuttle Gint
Der föderierte Affe hatte noch nicht antworten können, als ein Prioritäts-Funkspruch von der Privateer den geöffneten Kanal überblendete und die ernste Stimme Silvanas zu hören war: "Silvana an Narbo: Halt alles drauf was du hast. Jetzt oder nie!"
Es dauerte eine Millisekunde bis die Information in Narbos Gehirn angekommen war und noch bevor er eine Gegenfrage stellen konnte, sah er auf dem blinkenden Terminal, daß die Schilde des Raiders gefallen waren und der miese kleine Sack organischen Abfalls nun nur noch eine hilflose Zielscheibe bot!
Ein breites Grinsen legte sich über das Gesicht des Ferengi und mit einem heiseren Lachen sah er, wie Xiang in Panik geraten, die wildesten Manöver flog. Aber Narbo würde sich nicht abschütteln lassen. Nicht von diesem Anfänger, der es gewagt hatte, mit IHM konkurrieren zu wollen!
Konzentriert zerrte Narbo das Shuttle auf einen Verfolgungskurs und belastete dabei die Maschinen noch mehr als zuvor. Aber von so etwas Trivialem würde er nicht aufgehalten werden. Geduldig hängte er sich wie eine blutdürstige Zecke an das Heck seines Opfers,...
...um schließlich zuzubeißen!
Gleißendes Disruptorfeuer durchschnitt das All und gleichzeitig flogen zwei Dutzend von Narbos selbst gebauten Minen durch den Raum, um auf allen Seiten der Horniss wie kleine Novas zu explodieren und Xiang so keinen Platz zum Ausweichen zu lassen.
Die ersten Strahlen bestrichen die Hülle des fliehenden Raiders und ließen die Schildgeneratoren endgültig zerbersten: Ein Heben der Schilde war ohne Reparatur so schnell nicht mehr möglich. Aber irgendwie bezweifelte Narbo grinsend, daß der Koreaner diese Zeit noch haben würde...
--- Raider Horniss, zur gleichen Zeit
Wie war das möglich? Xiang hatte auf seine Konsole gestarrt und ungläubig gesehen, wie seine Schilde sich gesenkt hatten! Aber das "Wie" spielte auch keine große Rolle mehr: Xiang blieb nun nichts anderes möglich, als vor dem großohrigen Dreckskerl zu fliehen und gleichzeitig irgendwie die Schilde wieder zu deaktivieren...
Nach ein paar Sekunden hatte er die Ursache entdeckt: Silvana hatte ihre Kommandocodes benutzt, um ihn Matt zu setzen. Ein geschickter Plan, aber in einer halben Minute würden die Schilde wieder stehen. Und in dem Moment würde die letzte Stunde der Privateer gekommen sein!
Doch zunächst mußte er dem Ferengi ausweichen und ihn dann vernichten. Unter normalen Umständen kein Problem, aber er hatte gleichzeitig drei Aufgaben zu bewältigen: Während er die Systemstruktur Stück für Stück neu erstellte und so wieder Zugang zu der Schildkontrolle bekam und gleichzeitig die Selbstzerstörungssequenz deaktivierte, nutzte Narbo alle seinen verbliebenen Waffen!
Eine nahe Explosion steuerbord hätte ihn beinahe aus dem Sitz geworfen und mit Schweiß auf der Stirn überlegte er, wie er dem Sperrfeuer entkommen sollte, als Disruptorstrahlen das Heck trafen und er hörte, wie die Schaltkreise des Schildgenerators zischend verschmorten.
Das Gesicht des Koreaner verzog sich zu einer eisernen Mine.
"Ich habe verloren!", gestand er sich wispernd ein und senkte dabei den Kopf. Er hatte versagt und das Universum war Zeuge dessen geworden. Er hatte sich nicht gegen diesen Haufen von Irren und perversem Gesocks durchsetzen können.
Seine Ehre war verloren...
...außer...
Ja, es gab noch einen Weg, wie er ehrenhaft sterben konnte und gleichzeitig seinen Auftrag erfüllte. Einen Weg, um es ihnen heimzuzahlen!
Immer noch ließen die Explosionen von irgendwelchen Sprengladungen das Schiff erzittern und weitere Schüsse trafen die schon leicht zerbeulte Hülle, als er für das letzte Manöver aufbrach und steil nach Steuerbord abdrehte, um todesmutig durch die zerberstenden Minen zu fliegen.
Mehrmals bebte die Horniss, aber das Schiff hielt dank der hervorragenden Wartung, die Xiang ihm hatte zukommen lassen, dem Angriff stand. Er hatte seine Rolle gut gespielt und jetzt zahlte es sich aus. Aus den Augenwinkeln sah er wie das Shuttle des Ferengi ihm kurz darauf folgte, aber durch die unerwartete Wende hatte Xiang wertvolle Sekunden gewonnen.
Die Sekunden die er brauchte!
--- Shuttle Gint
"Dieser räudige Köter hat gerade sein Todesurteil unterschrieben!", fluchte Narbo lauthals und riß das Shuttle wütend herum, aber er würde Xiang nicht mehr einholen können...
Zudem war der auf dem Terminal dargestellte Vektor eindeutig: Direkter Kollisionskurs mit der Privateer und Narbo zweifelte keinen Augenblick daran, daß der Koreaner zu diesem letzten Angriff nicht fähig war.
Was, konnte er jetzt noch tun?
--- Raider Horniss
Wie gebannt starrte Xiang auf den Abstandsmesser und sah, wie die Zahlen immer kleiner wurden und die Privateer immer größer. Jetzt konnte er schon wieder die Warpgondeln erkennen; und von dem Ferengi fehlte weiterhin jede Spur. Zumindest würde Narbo ihn nicht besiegen können, dies war sein einziger Trost!
'Noch 7 Sekunden', dachte er vergnügt und lehnte sich auf seinem Stuhl weit zurück. Das Spiel war vorbei und einige Figuren würden gleich für immer das Feld verlassen! Das klassische Bauernopfer...
Unvermittelt blitzte es seitlich vor ihm auf und die langgedehnte Shilouette des Ferengi-Shuttles erschien funkelnd im Licht der nächsten Sonne; wie ein Rache-Gott!
'Verflucht, welcher Idiot versucht einen Warp-Sprung innerhalb des Sonnensystems, obwohl die gewaltigen Kräfte das Schiff mit allergrößter Wahrscheinlichkeit zerreisen würden?', dachte Xiang schockiert, aber wußte die Antwort bereits!
Während er sich ungläubig aus dem Sessel erhob und sein Blick vor ihm verschwamm, zerfetzten Disruptorschüsse den linken Flügel des Raiders und ein pfeifender Ton wies auf entweichende Luft und Kühlplasma hin, das in der ewigen Leere sofort gefror.
Aufbebend wurde die Horniss aus der Bahn geworfen und schoß nur wenige Meter an der Privateer vorbei; immer noch von der eigenen Trägheit weitergetragen, bis schließlich die Hülle knirschend zerbrach.
Der reglose Körper des Koreaners lag unnatürlich verkrümmt um eine Metallstrebe gedreht und in den glasigen Augen war kein Leben mehr.
--- Shuttle drei der USS Hawking
Rawlings war baff. Er hätte nicht damit gerechnet, eine solche Antwort zu bekommen. Als er sich gerade gefangen hatte, und zu einer Antwort hatte ansetzen wollen, hatten sich die Ereignisse überschlagen und der Raider trudelte zusammengeschossen durchs All.
Pflichtbewußt gab er einen kurzen Bericht am McCrillis durch, dessen Stimme ohne Verzögerung antwortete: "Untersuchen Sie den Fall. Begeben Sie sich an Bord des Schiffes, versuchen Sie denen bei der Reparatur und eventuellen Verletzten zu helfen - und versuchen Sie zuallererst herauszufinden, was da passiert ist. McCrillis Ende."
--- USS Hawking
Nach Beendigung der Kommunikation fügte McCrillis hinzu: "Sobald wir eine Meldung vom Captain haben, werden wir uns diese Sache persönlich anschauen. Schließlich befinden wir uns noch im Föderationsgebiet, und da können wir nicht zulassen, daß einfach irgendwelche Raumschiffe abgeschossen werden. Ich sage Ihnen..."
Eine von statischem Rauschen überlagerte Funknachricht unterbrach seine Ausführungen.
"kkzzrrzz---wiederhole - Dies ist ein Notfall. ...kzzzrrzzz... Hawking, kommen Sie und holen Sie uns ..hrrrschrrr..., für Sie besteht keine Ge...krrzttrr..., aber das Shuttle wird bald auseinanderbrechen ...kkrrgggrr"
McCrillis war ein Mann der Tat und der schnellen Entschlüsse, deshalb überlegte er nicht lange und befahl: "Steuermann, bringen Sie uns zur Anomalie, Maximumwarp. Benachrichtigen Sie Shuttle drei, daß wir unterwegs sind. Wir melden uns, wenn wir zurück sind. Ausführung."
--- Shuttle drei der USS Hawking
Rawlings verzog mißmutig das Gesicht und stellte einen Kontakt zur Privateer her.
Nach einem mehr oder weniger heftigen Wortwechsel mit dem kommandierenden Offizier, einer extrem resolut auftretenden und mindestens ebenso reizvoll aussehenden Frau, aktivierte er die Triebwerke und flog in einem eleganten Bogen in Richtung Privateer.
--- Brücke
Irgendwie wollte sich bei Silvana kein rechter Triumph einstellen. Es war nach so langen aufreibenden Stunden einfach viel zu schnell gegangen. Xiang war tot, aber hatte er auch eine gerechte Strafe für all den Ärger erhalten, den sie mit ihm gehabt hatten?
Nein, entschied die Sicherheitschefin bei sich und ihre scharfen Fingernägel bohrten sich in ihre Handballen. Der Tod war noch eine viel zu milde Strafe dafür gewesen sie zu hintergehen.
Nun tauchte auch noch zu allem Überfluß ein vereinsamtes Föderationsshuttle auf, das ihnen helfen wollte. Ihnen. Helfen. Was für eine grandiose Vorstellung.
Aus ihrer Kehle löste sich ein heiseres krankhaftes Lachen, während sie mitverfolgte wie das kleine Shuttle mit ihrer Zustimmung auf die Privateer zuhielt um von ihrem Shuttlehangar aufgenommen zu werden. Dazu hatte sie bereits zwei Mann aus der Sicherheit auf den Hangar geschickt um ihn vor Ort zu bedienen, da eine andere Steuerung immer noch nicht möglich war.
Würde die Privateer nicht so brachliegen mit einem kaputten Antrieb, dann hätte Silvana dem kleinen eingebildeten Föderationsshuttle, das sich so allein hierherwagte, für diese Unverschämtheit eine volle Breitseite geliefert, die dem Universum ein paar Trümmer mehr beschert hätten, als ohnehin schon durch das All geisterten.
Aber Silvana hatte die Verantwortung eines Captains gegenüber der Mannschaft. Des Captains eines Stück wertlosen Treibguts...
Wortlos, aber zähneknirschend, betätigte sie ihren Communicator, während ihr Blick auf Sternenlicht fiel. Sie fragte sich, ob er immer noch so begeistert von seiner Aufnahme auf diesem Schiff war wie beim Beginn der Reise. Jedenfalls konnte sie eine Kluft zwischen ihnen spüren.
"Silvana an Technik. Ab sofort ist euer Chef nicht mehr Xiang. Ihr untersteht direkt mir bis ich eine Entscheidung getroffen habe, wer der neue Chef der Technik wird. Diese Entscheidung wird sich auch danach richten wie schnell und gewissenhaft ihr bei der Behebung unseres Antriebsschadens arbeitet und wie schnell der Computervirus unsere Waffen wieder freigibt.
Antrieb und Waffensysteme haben oberste Priorität. Ihr werdet gleich etwas Unterstützung von außen bekommen. Nützt sie gut, sonst könnte es passieren, daß ihr Xiang bald Gesellschaft leistet... Und ich denke nicht, daß ihr so genau wissen wollt, wo das ist... Silvana Ende."
Kurz trommelte sie mit ihren Fingern unentschlossen auf der Konsole um dann einen neuen Kanal zu öffnen: "Silvana an Collins. Ein Föderationsshuttle beehrt uns gleich mit seinem Besuch. Hol sie vom Hangar ab und weiche nicht von ihrer Seite bis du sie anderer Aufsicht unterstellt hast, wo sie für ihr selbstloses Angebot auch schuften können. Dafür kannst du gerne auch jemand aus der Sicherheit mitnehmen. Zwei meiner Leute sind bereits dort.
Slade ist nämlich nicht begeistert, wenn solche Leute alleine durchs Schiff irren. Du kannst dir sicher denken warum..." Der Inhalt eines gewissen kleinen Lagerraums ging ihr dabei durch den Kopf. "Aber wie es aussieht können wir es uns im Moment nicht leisten technische Hilfe auszuschlagen. Immerhin haben wir keinen brauchbaren Antrieb und nach neuesten Erkenntnissen einen netten kleinen Virus im System, der uns ziemlich kampfunfähig macht.
Mach ihnen in der Technik etwas Dampf, Jack. Du kannst das. Ich zähle auf dich. Silvana Ende."
Sie wartete keine Reaktion von Seiten des Psychologen ab, sondern beendete einfach die Verbindung. Irgendwie gab es einfach nichts mehr zu sagen. Die Techniker würden auch nicht besser arbeiten, wenn sie ihnen noch mehr drohte. Jack schien aber einen guten Draht zu ihnen haben nach seiner vorigen Aktion.
Lediglich mit dem Ferengi würde sie ein Wörtchen sprechen müssen. Immerhin hatte er ihr Xiangs Herz versprochen...
--- Kontrollraum vor dem Antimaterielager
Jack konnte nicht vermeiden, daß die rothaarige Technikerin die letzten Worte mithörte. "Etwas Dampf machen, hm?", sagte sie leise. "Sie weiß wohl nicht, daß ein paar Leute von dieser besagten Technik gerade ihren Hintern gerettet haben, oder? Ich mag sie nicht, sie kann einem manchmal ganz schön demütigen."
"Sie kann eigentlich nichts dafür", antwortete der Psychologe. "Es ist ihre Natur. Aber ich kann euch sagen, daß ihr eure Arbeit verdammt gut gemacht habt und ich weiß genau, wer meinen Hintern gerettet hat."
"Ja, ist schon gut", antwortete Cindy mit fester Stimme. "Wenn wir hier fertig sind, gehen wir zum Maschinenraum. Wir haben noch Probleme mit den Leitungen zur Brücke und ich denke, das mit dem Virus bekommen wir auch hin."
"Ok, außerdem bekommt ihr ja noch ein wenig Hilfe", sagte Collins, zwinkerte noch mal mit dem Auge und verließ dann den Kontrollraum.
--- Deck 8, Gänge
Jack schritt eilig in Richtung Shuttlehangar. Das Shuttle der Förderation mußte eigentlich schon gelandet sein. Außerdem würde er zu gerne wissen, was nun aus Xiang geworden war. Silvana hatte diesbezüglich nichts weiter bemerkt. Die Sache wurde ohnehin langsam etwas heikel. Es war nicht unbedingt so gut, daß nun auch noch die Förderation ihre Finger ins Spiel bekam.
--- Brücke
Die Ereignisse der letzten Minuten hatten den Wissenschaftler förmlich überfahren. Es endete damit, daß die explodierende Horniss nur Meter an der Steuerbord-Warpgondel vorbeischoß. Ein paar dieser Menschen waren einfach völlig verrückt. Ein heftig zuckender Schweif unterstrich Sternenlichts Meinung von Xiang.
Während Silvana Ihre Anweisungen an die Technik abschoß - anders konnte man das fast nicht mehr nennen - und das Föderationsshuttle sich seinen Weg in den Hangar der Privateer bahnte, begannen sich erneut die Anzeigen auf Sternenlichts Konsolen zu verändern. Irritiert schlugen seine Ohren nach hinten, als er die sich klärenden Sensordaten zur Kenntnis nahm.
Kurz darauf bestätigte Jean-Luc Sternenlichts aufkeimende Vermutungen: "Es gelingt mir so langsam, den Computervirus aus einigen Systemen der Brücke heraus zu verdrängen. Navigation, Flugkontrolle und Sensorsysteme sind jetzt wieder unter Kontrolle. Etwas hartnäckiger hält sich dieses Ding in den Verbindungen runter zum Maschinenraum und zu den Waffensystemen. Es wird noch mindestens zwölf Minuten, 47 Sekunden und 22 Hundertstel...."
'Wenigstens etwas', dachte Sternenlicht. Auch wenn die Antriebskontrolle aus der Brücke heraus noch nicht wieder hergestellt war, so hatten sie zumindest die grundlegenden Funktionen des Schiffes wieder unter Kontrolle.
Er wandte sich zur taktischen Station um. Silvana stand noch immer dort. "Silvana, ich habe das Föderationsschiff mit den Sensoren erfaßt, es fliegt mit etwas über Warp neun zu der Anomalie, die wir vor kurzem passiert haben. Sie halten eine schwache Kommunikationsverbindung mit einem anderen Schiff in unmittelbarer Nähe der Anomalie. Vermutlich ein Shuttle oder so. Hoffentlich kommen die da wieder weg, sonst sitzen wir hier mit Föderationsleuten rum."
"Dein Wort in Gottes Ohr", meinte Silvana schief lächelnd. Sie konnte sich nichts besseres vorstellen, als jetzt auch noch auf ihre wohlverdiente Nachtruhe verzichten zu müssen, weil ein Haufen dieser Föderationsverrückten hier an Bord ihr Unwesen trieb und begann lästige Fragen zu stellen.
Sie fragte sich ohnehin bereits selbst wie sie Slade den Verlust eines Raiders beibringen sollte. Aber das war immerhin noch besser als ihm den Verlust eines Armes beibringen zu müssen, den dieser Kargan erst so spät bemerkt hatte.
Typisch Klingone...
"Bis sie wieder zurückkommen haben wir sie wohl am Hals... auch wenn ich kein Problem damit habe sie mit ihrem kleinen Shuttle auszusetzen, wenn wir wieder startklar sind. Unsere oberste Direktive lautet ja auch sich nicht einzumischen, wenn es keinen Profit abwirft..." Sie konnte selbst nicht recht über ihren Witz lachen, irgendwie war ihr der späte Abend gründlich verdorben.
"Jetzt wo der Virus schon fast unter Kontrolle ist und Xiang wohl Geschichte ist... was hältst du davon, wenn wir der Bar noch einen kleinen Besuch abstatten? Nach dem Tumult am Nachmittag wollte ich da abschließend noch mal vorbeisehen, ob alles in Ordnung ist. Dabei könnten wir vielleicht einen Abstecher zu Kargan aufs Holodeck machen und uns ansehen wie es dem Captain geht." Erst jetzt bemerkte sie Sternenlichts Gesichtsausdruck, der irgendwo zwischen Verwunderung und Verwirrung angesiedelt zu sein schien und sie begriff, daß er von dem Unfall des Captains noch gar nichts mitbekommen hatte.
"Achja, das weißt du ja noch gar nicht. Den Captain hat's ziemlich schwer erwischt", fuhr sie erklärend fort. "Aber der wird wieder. Ist zäh wie altes Leder. - Also was ist? Kommst du mit?" Fragend blickte die Sicherheitschefin das Katzenwesen an.
--- Shuttlehangar
Das föderative Shuttle landete an dem Platz, der bis vor Kurzem noch der Horniss vorbehalten war. Die Tür öffnete sich, und die Insassen traten hinaus...
Neugierig blickte Llewella sich um, nachdem sie aus dem Shuttle getreten war. Irgendwie hatte sie erwartet, etwas in diesem Hangar müsse völlig anders sein als auf anderen Schiffen - aber alles sah völlig normal aus.
Nun ja, bis vielleicht auf die beiden grimmig dreinblickenden Sicherheitler, die gerade auf sie zukamen. Freundlich sahen sie nicht wirklich aus. Die Schottin bemerkte, wie Marcel Weber, der direkt neben ihr stehende Sicherheitsmann der Hawking, anfing, sauer zu werden.
Sie hatte sich sowieso schon gefragt, warum McCrillis eigentlich gerade diesen Mann mitgeschickt hatte - er galt als unberechenbar und schien eine extrem niedrige Hemmschwelle zu haben, was Aggressivität anging. Das bewies er auch in diesem Fall wieder einmal.
"Immer mit der Ruhe, Weber!", raunte sie dem Mann zu, der ihr daraufhin einen schiefen Blick zuwarf. Llewella ließ sich davon aber nicht beirren, sondern trat ein wenig auf die beiden Männer der Privateer zu, welche die Gruppe argwöhnisch musterten.
"Vielen Dank, daß wir an Bord kommen durften", begrüßte sie die beiden. "Mein Name ist Llewella Campbell, ich bin Ärztin. Darf ich Ihnen den Rest unserer Gruppe vorstellen?"
Die beiden Männer blickten jetzt nicht mehr argwöhnisch, sondern eher verblüfft. Schnell und freundlich stellte die Schottin die anderen Mitglieder ihrer Gruppe vor, dann meinte sie: "Unser Captain hatte das Gefühl, daß Sie in Problemen stecken. Wir würden gerne helfen, wenn Sie Hilfe benötigen. Abgesehen davon würde ich gerne mit jemandem an Bord sprechen, den ich..." Llewella unterbrach sich, als sie aus dem Augenwinkel bemerkte, wie sich das Schott öffnete.
Der Psychologe betrat die Rampe und näherte sich langsam der Gruppe von Leuten, die vor einem Shuttle mit Föderationskennung standen. Einen Mann in Sternenflottenuniform, der nervös an seinem Phaser herumnestelte betrachtete er nicht weiter. Aber die Frau, die neben ihm stand, kam Collins sehr bekannt vor.
"He, Jack, hallo! Schön dich zu sehen! Was ist eigentlich los hier bei euch?", begrüßte sie den Psychologen. Endlich ein bekanntes Gesicht!
"Llewella?" Jack traute seinen Augen nicht. "Llewella Campbell! Das ist ja eine Überraschung! Was bei allen Planeten Wegas hat dich hierher verschlagen?" Er gab ihr die Hand und sie erwiderte seinen festen Händedruck.
"Was hier los ist? Oh, das ist eine lange Geschichte." Collins sah zum Shuttle. "Ihr hattet Hilfe angeboten, habe ich gehört? Wir hatten in letzter Zeit einige Verluste zu beklagen und sind für jede Hilfe dankbar."
Jack überlegte. Er hatte Llewella als zuverlässige ehrliche Frau auf der Ivory kennengelernt und er wußte, er konnte ihr vertrauen. Vorsichtig zog er sie ein wenig beiseite.
"Wir hatten einen Attentäter hier an Bord!", begann er leise, ohne das jemand etwas mitbekam. "Und ich muß zugeben, daß er uns ganz schön aus dem Ruder gebracht hat. Wir brauchen dringend Hilfe in der Technik und auf der Krankenstation."
"Aye, Jack, wir hatten eigentlich vor, Euch zur Hilfe zu eilen wie die Helden eines Romans", grinste die Schottin ihren ehemaligen Kameraden an. "Allerdings sind wir hier, glaube ich, im Moment auch so etwas wie gestrandet, nachdem die Hawking davongesaust ist, um den Captain wieder aufzugabeln..."
Als sie sah, daß Jack aufgrund dieser Worte ein wenig verwirrt dreinsah, erklärte sie ihm: "Die Hawking ist gerade dabei, diese... naja, nennen wir es halt einfach Anomalie... da zu untersuchen und der Captain ist da mit einem Shuttle hingeflogen. Der erste Offizier hat jetzt aber scheinbar Weisung bekommen, ihn wieder abzuholen, also sitzen wir alle jetzt erst einmal an Bord der Privateer fest.
Tja... wenn ihr tatsächlich Hilfe in der Krankenstation braucht... Ich hätte momentan keinen Job... Tatsächlich hatte ich gehofft, daß die Hawking euch über den Weg läuft, deswegen war ich an Bord. Meinst du, ich kann hier Arbeit finden? Und mit wem muß ich da sprechen?", fragte sie dann.
--- Brücke
Der Captain verletzt? Wäre Sternenlicht ein Mensch gewesen, hätte er vermutlich verzweifelt den Kopf geschüttelt. So starrte er ein wenig ratlos auf seinen Schweif, der sich gerade in seinen Pfoten befand. Aber lieber ein Schiff wie dieses, wo auch etwas los war, als ein Schiff wie das letzte, wo er fast eingeschlafen wäre...
Er erhob sich: "Das klingt gut, Silvana. Ich denke, daß sich hier jetzt nicht mehr viel tun wird. Mit einem letzten Blick auf die Sensordaten, die noch immer eine davoneilende Hawking zum Besten gaben, erhob er sich und ging mit federnden Schritten zur taktischen Station. Sein Schweif machte eine einladende Bewegung in Richtung Turbolift: "Nach dir."
Die Sicherheitschefin grinste und schickte sich an ihm zu folgen. So kannte sie den sivaoanischen Barden. Höflich und zuvorkommend, egal was auch immer passierte.
Was für ein Glück, daß es keinen Streit mehr um Tegger geben würde. Immerhin gab es ja auch keinen Tegger mehr.
--- Turbolift
Im Turbolift angekommen, wandte sich die eine Katze zur anderen: "Sag mal Silvana, könntest du mir mal erzählen, wie es geschah? Da schläft man einmal ein paar Stunden zwischen seinen Schichten und schon wird das halbe Schiff zerlegt. Auf der Brücke hab ich nur das Grundsätzlichste erfahren, und das war alles so unpräzise..."
Silvana lachte. "Na, dann übertreib mal nicht. Du kannst keine Stunden geschlafen haben, dazu hatte heute niemand die Gelegenheit." Wenn sie daran zurückdachte, daß die Privateer erst heute Mittag die Station verlasen hatte, dann kam es ihr wie vor einer Ewigkeit vor. "Deck 6", befahl sie dem Computer, wandte ihre Aufmerksamkeit aber gleich wieder dem Sivaoaner zu.
"Aber du sollst deine Informationen bekommen, Sternenlicht, auch wenn sie dir sicher nicht gefallen werden...
Xiang der Sicherheitschef war ein Attentäter, der es auf den Captain abgesehen hatte. Auf sein Konto gingen auch die beiden Leichen von denen ich in der Stationsbar sprach. Zwei Techniker, die den Brückenlift benutzt haben, als sie es besser nicht getan hätten... Also stellte er Slade noch einmal eine Falle. Eine nette kleine Explosion auf Deck 8, die zum Glück die indianische Ärztin soweit abfing, daß Slade mit dem Leben davon kam.
Ich hoffe, du kannst mir bis hierhin folgen, denn es wird noch besser", meinte Silvana und sah Sternenlicht abwartend an.
Sternenlichts Ohren waren während Silvanas erstem Bericht langsam aber sicher immer flacher geworden. Obwohl er schon eine ganze Weile unter den Menschen verbracht hatte, waren ihm einige Dinge noch immer rätselhaft. Sein Schweif machte einige hektische Bewegungen.
"Ich kann dir folgen, Silvana, auch wenn ich bis heute manche Dinge der menschlichen Psyche nicht verstehe. Du mußt wissen, daß uns Sivaoanern Konzepte wie Auftragsmord fremd sind. Selbst ein 'normaler' Mord, beispielsweise aus Rache, kommt auf Sivao so gut wie nie vor. Und die wenigen ...", eine schnelles Zischen gefolgt von einigen schnalzenden Lauten mit eindeutig respektlosem Tonfall, "... die wir bisher hatten, sahen ihre Schuld ein und beschritten den anderen Weg zur Reife."
Die Türen des Turboliftes öffneten sich mit einem zufriedenen Zischen, sie hatten Deck 6 erreicht.
--- Shuttle Gint, inzwischen
"Friß meine Shorts, Schlitzauge!", schrie Narbo dem davondrifftenden Raider des Koreaners hinterher und grinste aus tiefster Seele, während die letzten Klänge eines bewegenden Rocksongs aus den Lautsprechern drangen. Es war tatsächlich erst drei Minuten her, daß er schon nicht an den Sieg geglaubt hatte...
Und jetzt war er hier - im Cockpit seines Shuttle - und hatte den finalen Sieg errungen. Er ganz allein; ohne dieses Weichei von Südländer, der sicher schon wieder auf seinem zugeschwitzten Bett in der Krankenstation lag und sich von Mama Entenburg die Brust geben ließ.
Zeit zurückzukehren; rechtzeitig zur Parade, die ihm zweifellos zustand und bei der er alle Maden an Bord verhöhnen konnte! Lässig ließ er seinen Shuttle eine Linkskurve fliegen und schnellte mit vollem Impuls auf die geöffnete Shuttlerampe zu, in der kurz zuvor das Föderationsschiffchen verschwunden war...
--- Privateer, Shuttlerampe
"Tja, daß es eine gute Frage", sagte Jack. "Eigentlich ist dafür unser Captain zuständig, aber der wird zur Zeit von unserem klingonischen Schiffsarzt wieder zusammengeflickt. Und ehrlich gesagt, weiß ich im Moment nicht, wer sein offizieller Vertreter ist."
Jack wußte genau, daß in diesem Fall mit einer fast hundertprozentigen Wahrscheinlichkeit Silvana diesen Posten übernahm. Aber die würde mit genau der gleichen Wahrscheinlichkeit nicht mit der Einstellung neuer Leute einverstanden sein. Llewella würde Silvana nur mit ihrem Können überzeugen können.
Das einige, was Collins stutzig machte, war die Tatsache, daß Llewella die Privateer scheinbar gesucht hatte. Eigentlich wußte niemand außer dem Captain und ein paar Eingeweihten, wohin das Schiff unterwegs war.
Schließlich war die Mission nicht ganz legal. Und nun tauchte die Schottin hier mit einem Mal auf und ausgerechnet auch noch mit einem Schiff der Förderation. Merkwürdige Umstände. Andererseits... gab es eigentlich normale Umstände hier an Bord?
Irgend etwas stimmte hier nicht! Forschend drehte Llewella den Kopf und blickte in Richtung Kraftfeld. Eine Vorahnung erfaßte sie und als sie gerade Collins fragen wollte, ertönte eine schrille Warn-Sirene, die keinesfalls unwichtig klang.
Und dann passierte es...
--- Shuttle Gint
Knallend durchbrach der Ferengi-Shuttle das äußere Kraftfeld und schwebte drohend in die Shuttlerampe. Beim nächsten Landeanflug würde er noch etwas später abbremsen um das Limit abzustecken, nahm Narbo sich fest vor und plazierte sein Schiff dann an der angestammten Stelle.
Surrend fuhren die Triebwerke herunter und der Ferengi erhob sich schnell aus seinem Sessel, um sogleich die Quittung der Himmlischen Buchhaltung zu bekommen: Seine Wirbel knackten wie zerbrechende Nüsse und seine Augen drangen weit aus den Augenhöhlen.
"Verdammte Hartschalensitze!", fluchte er lauthals heraus, und stützte sich auf einer Konsole auf, bis der stechende Schmerz nachließ und er sich wieder weiterbewegen konnte. Gleich würde es wieder besser sein...
--- Deck 6, Gänge
"Ihr auf Sivao habt halt eine ganz eigene Art mit euren... Problemen umzugehen", meinte Silvana leicht lächelnd, während sie den Gang betrat und den Weg in Richtung Holodecks einschlug. "Bei euch gibt es noch Richtig und Falsch so wie es Schwarz und Weiß gibt, aber hier draußen... ist nicht immer alles so einfach und gibt es unzählige Farbvariationen von Grau bei denen du nicht mehr zu sagen vermagst, ob sie näher bei Schwarz oder näher bei Weiß liegen.
Hätte ich Xiang sofort getötet, als sich der Verdacht gegen ihn verdichtet hatte, aber wir noch immer nicht ganz sicher waren, ob er der Attentäter war, so wäre das in deinen Augen sicher unverzeihlich und ein Mord gewesen, da er auch unschuldig hätte sein können.
Hätte ich es aber getan - und ich wünschte mir, ich hätte ihm einfach die Kehle aufgerissen, als ich die Möglichkeit dazu hatte", ihre Mine verdüsterte sich schlagartig, "dann hätte ich zwei weiteren Menschen das Leben gerettet und wir hätten noch immer fünf Raider und nicht nur vier.
Aber ich bin nicht meinem Instinkt gefolgt wie ich es sonst tue." Eine Tatsache, die wohl damit zusammenhing, daß der Umgang mit Collins sich schlecht auf ihrer Arbeitsweise auswirkte und sie sich Fragen stellte, statt einfach zu handeln. "Ein Fehler, der mir nicht noch einmal unterlaufen wird."
Man sah ihr an, daß sie meinte was sie sagte.
Erneut wurde Sternenlicht bewußt, daß er mit einem Raubtier sprach. Ein Raubtier, das sich seiner Umgebung angepaßt hatte. Genau wie es die Sivaoaner getan hatten. Mit dem Unterschied, daß Silvana wohl die einzige ihrer Art war. Betrachtete man es unter diesem Gesichtspunkt, war Silvanas Verhaltensweise gar nicht so weit von der eines Sivaoaners mitten in der Wildnis entfernt. Langsam glaubte er, dieses seltsame Wesen zumindest ein wenig zu verstehen.
Sternenlichts Ohren waren während Silvanas letzten Worten nach vorne geruckt: "Das glaube ich dir. Ein Tier muß sich seiner Umgebung anpassen und sich zur Wehr setzten können, wenn es überleben will. Das ist auch auf Sivao so. Mit dem Unterschied, daß wir nicht uns gegenseitig umbringen. Wir hatten in unserer Geschichte genügend negative Erfahrungen in dieser Hinsicht, das muß nicht sein."
"Eine Indianerin sagtest du...", Sternenlichts Schnurrhaare sackten ein wenig nach unten. "Die hätte ich gerne kennen gelernt. Indianer sind ein sehr interessantes Volk, auf dem letzten Schiff habe ich mal einen kennengelernt.
Entschuldige, daß ich dich unterbrach. Erzähl weiter!"
--- Shuttlerampe
Zufrieden hörte Narbo, wie die Schließmechanismen sein Schiff gegen jeden Einbruch immun machten und er somit beruhigt schlafen konnte. Erst jetzt fielen ihm die langen Gesichter der anwesenden Föderationsfutzis auf - Collins schien überhaupt nicht überrascht zu sein.
"Und, hattet ihr auch so einen ereignislosen Abend?", sprach er den Psychologen scheinheilig an, nachdem er sich zu ihnen begeben hatte und grinste über das ganze Gesicht.
Der Psychologe hatte dem waghalsigen Manöver gelassen zugesehen, da er zwar Narbos Shuttle nicht kannte, aber sich sicher war, daß es sich hierbei nur um den Ferengi handeln konnte. Auch schien dieser besonders gut gelaunt zu sein.
"Nun, es scheint, du hattest Erfolg auf der ganzen Linie", gab Collins zurück. Er sah Narbo an, der aussah, als warte er auf eine überaus lange Dankesrede und den üblichen 'du bist ein Held, Dank dir oh Narbo' Kram. Okay, er hatte wahrscheinlich den Attentäter erledigt, aber Jack ließ sich nicht zu irgendwelchen rühmlichen Worten hinreißen.
"Nach so einer Tat und so einem Erfolg gibt es bestimmt noch ein freies Getränk heute Nacht in der Bar", fuhr Jack fort. Doch bis dahin mußte er noch das Personal einteilen. "Augenblick mal..."
Er ging kurz zu den beiden Sicherheitsbeamten und wies diese an, das Technikerpersonal der Förderation zu Cindy Pepino zu bringen. Die hatte zur Zeit nach Collins Meinung noch den besten Überblick in der Technik.
Forschend und mit einem nach Jacks Meinung arroganten Gesichtsausdruck beobachtete der Sicherheitsmann der Förderation das Gespräch. Immer noch lag eine Hand des Mannes auf dessen Phaser. "Gibt es irgendein Problem?", fragte Collins in seine Richtung.
"Nein, keinesfalls! Überhaupt nicht!", antwortete der Mann schnell.
"Das ist ja sehr gut", sagte der Psychologe. "Dann spricht ja auch nichts dagegen, daß Sie die Waffe jetzt abgeben. Es wird hier manchmal mißverstanden, wenn eine Förderationsuniform bewaffnet auf dem Schiff herumirrt."
Er wandte sich zu Silvanas Leuten: "Und immer schön im Auge behalten, besonders den da. Ich kümmere mich um die Frau, alles klar?" Sie nickten und Jack ging wieder zur Schottin und dem Ferengi.
"Oh! Entschuldigt, ich vergaß euch miteinander bekannt zu machen." Collins sah zu Campbell. "Llewella, das ist Narbo, Retter der Privateer, Sprengstoffspezialist, Ausbeuter der Barfrauen. Ich hoffe, ich habe nichts vergessen!" Jack mußte lachen, als er Narbos angewiderten Gesichtsaudruck sah. "War nicht so gemeint. Narbo, das ist Llewella Campbell, sie ist Ärztin.
Ich denke sie wird Tayeyas Stelle einnehmen. Kargan wird sicher Hilfe gebrauchen können. Wir werden wohl jetzt zur Krankenstation gehen, vielleicht willst du uns ja begleiten, schließlich liegt dein Partner Pormas ja dort."
"Du hast vergessen zu erwähnen, daß du mein niederster Sklave geworden bist und dein Hintern ganz schnell seine rosige Farbe verliert, falls du mir nochmal in meinen Sache rumwühlst!", antwortete Narbo und setzte ein künstliches Lächeln auf, um bei den folgenden Worten bedrohlich mit den Augen zu funkeln.
"Wir sind gute Freunde und scherzen ab und zu ein wenig, oder was sagst du mein Bruder?!" Narbos knirschende Zähne untermalten die Worte mit einem grausigen Geräusch und drang tief in Mark und Bein der Anwesenden ein, was dem Föderationsfutzi ein mißbilligendes Grummeln entlockte...
'Na, das ist ja einmal ein liebenswerter Zeitgenosse', dachte Llewella ironisch, als ihr der Ferengi vorgestellt wurde und sie beschloß sofort, diesen ... Mann?... ausgesprochen unsympathisch zu finden.
Brüsk wandte sie sich von ihm ab, was ihm nicht zu gefallen schien. Hatte er irgend etwas Besonderes vollbracht, daß er erwartete, wie ein Prinz irgendeines obskuren Königreiches gehuldigt zu werden? Nun gut, er hatte die Privateer anscheinend gerettet, aber trotzdem... nicht mit ihr, beschloß die Schottin.
Daher wandte sie sich wieder an den Psychologen: "Was hat Pormas denn dieses Mal angestellt, daß er mal wieder in der Krankenstation liegen muß? Hat er in einer seiner heldenhaften ich-kann-das-allein-und-ohne-Hilfe-Anwandlungen wieder einmal sein Glück zu sehr strapaziert?" Mit einer Mischung aus Schaudern und Erheiterung, dachte die Schottin an jene Sekunden im Shuttle der Ivory, als Pormas sich beinahe selbst umgebracht hätte.
"Dann laß uns gehen, Jack, denn wenn Pormas verletzt ist und der Chefarzt operiert, ist meine Hilfe wahrscheinlich von Nöten!", forderte sie den Psychologen auf.
"Du sagst es!", sagte Collins zu Llewella und sah anschließend zu Narbo, dessen Augen immer noch funkelten. Jack konnte sich immer noch nicht recht mit dem Ton des Ferengi anfreunden. Manchmal fragte er sich, warum irgendein Gott solche Wesen erschaffen konnte und warum die Evolution es erlaubte, daß sich eine solche Rasse weiterentwickelte.
Nach diesem langen strapaziösen Tag, hatte der Psychologe keine Lust mehr mit Narbo herumzudiskutieren und schon gar nicht irgendwelche 'Nettigkeiten' auszutauschen.
"Wenn niederster Sklave bedeutet, daß ich bei dir ab und zu mal aushelfe, hast du wohl recht. In deinen Sachen wühle ich auch nicht rum und was meinen Hintern betrifft..." Jack machte einen ungläubigen Gesichtsausdruck. "Woher weiß du denn, daß der rosa ist??"
Mit diesen Worten ging Jack mit Llewella langsam zum Ausgang.
-- Deck 6, Gänge
Silvana nickte auf die Aufforderung weiterzuerzählen, war aber ganz in Gedanken versunken. Irgendwie hatte sie mit diesem Sieg über Xiang wieder eine Aufgabe verloren und sie begann das Gefühl der Jagd und den damit verbundenen Rausch an Adrenalin bereits schmerzhaft zu vermissen. Mit ihrer Truppe zu üben ersetzte ihr nicht im Mindesten die Kämpfe mit denen sie früher ihr Überleben gesichert hatte. Oft schon stand sie nahe davor den Tod in ihrem Nacken zu spüren.
Da war keine Angst da, sondern eine Neugierde noch einen Schritt weiterzugehen um zu wissen wovor die meisten Wesen im Universum vor Angst zitterten. Den größten Feind alles Lebens kennen zu lernen, dem niemand entrinnen konnte. Aber gleichzeitig war auch der Wunsch da, selbst über den Tod zu triumphieren und ihm keine Chance zu geben sie zu bekommen.
Nachdem Silvana und Sternenlicht schon in den Gang zu den Holodecks einbogen, wurde sich die Sicherheitschefin erst der Aufforderung von Sternenlicht bewußt und sie fuhr fort ihm zu berichten:
"Kaum war Slade auf der Krankenstation angekommen, als Xiang auch schon zum letzten Schlag ausholte und sich vergewisserte wo sein Opfer war und wie es ihm ging. Zwar ließ ich ihn dank der Hologramm-Technik in dem Glauben, daß Slade sich auf einem anderen Biobett befand und schützte es mit einem Kraftfeld um uns vor einem größeren Anschlag zu bewahren, aber er war nicht so dumm offen zuzuschlagen, sondern zog sich wieder zurück." Sie knirschte laut mit den Zähnen und war zwei Leuten, die ihnen begegneten einen Blick zu, der sie zur Wand weichen ließ.
"Wäre mir nicht eingefallen den Captain und Kargan auf eine simulierte Krankenstation auf dem Holodeck zu beamen und mich gleich dazu, könntest du jetzt nicht mit mir reden. Das Giftgas mit dem Xiang die Krankenstation flutete, wirst du wahrscheinlich an deiner Station bemerkt haben und die kleine Energieschwankung, die durch eine Explosion an einem der Verteiler ausgelöst wurde, die diente dazu, das Kraftfeld um den Captain so zu schwächen, daß es das Gas einließ. Bei dieser Aktion kamen zwei weitere Leute auf der Krankenstation um."
Die Hände der braunhaarigen Frau, ballten sich instinktiv zu Fäusten und ihre Fingernägel ritzten ihre Haut. Aber sie war für solche Schmerzen schon lange taub geworden.
"Den Rest kennst du ja selbst", sagte Silvana genau in dem Moment, als sie vor Holodeck 2 ankamen. "Übrigens hat mir unser Bordpsychologe erzählt, daß Xiang noch einen Komplizen hatte und das Schiff hochjagen wollte, was Collins mit den Technikern wohl gerade noch verhindern konnte.
Wie du siehst, war es im Großen und Ganzen ein ganz gewöhnlicher Tag", meinte sie abschließend mit einem sarkastischem Unterton in der Stimme, während sie das Holodeck anwies sich zu öffnen. "Bereite dich schon mal darauf vor, daß der Captain nicht gerade gut aussieht. Aber der Arm sollte inzwischen dran sein..."
---Shuttlerampe, Ausgang
"Ach so!", rief Collins noch zum Ferengi. "Du kannst ja schon mal zur Bar sehen. Heute Nacht könnte man vielleicht noch ein bißchen Profit aus ein paar durstigen Förderationskehlen erzielen, gelle?"
"Natürlich, und nicht zu knapp!", antwortete Narbo zischend und schaute der kleinen Gruppe nach. Dann bemerkte er die merkwürdigen Blicke dieser Soldaten, die auf einem verquerten Humanitätstrip waren. Und die Föderation behauptete immer noch, daß keine Manipulation dahintersteckte...
"Sooo, was machen wir Süßen denn jetzt?", zwitscherte er dem Sicherheitskerl zynisch zu und dieser verengte seine Augen sofort zu kleinen Schlitzen und ballte seine Hand zu einer Faust, "Oh, schlecht geschlafen?! Wie wäre es, wenn wir uns ein Bierchen genehmigen?"
Der Sack ließ sein Gehirn kurz über den Vorschlag rattern und die offensichtliche Abneigung gegen den kleinen Ferengi kämpfte mit dem Verlangen nach einem kühlen, blonden, deutschen Bier, das Narbo in seiner Bar ausschenken konnte.
Dann ein leichtes Nicken, das wohl als Antwort reichte. Wider des besseren Wissens hatten die niederen Triebe gesiegt! Wie erbärmlich...Trotzdem lebte Narbo von diesem Pack und so ging er voran, um den Föderierten seine Bar zu zeigen...
--- Deck 8, Gänge
Bevor Llewella etwas sagen konnte, hob der Psychologe die Hand. "Glaub mir, manchmal könnte ich diesen Kerl in den Hintern treten. Aber er hat auch seine guten Seiten. Habe bloß noch keine gefunden." Er rieb sich sein Kinn. "Vielleicht sollte ich intensiver suchen!"
"Wo der gute Seiten haben soll, frage ich mich beim ersten Kennenlernen ebenfalls, Jack", lachte die Schottin. "Mir ist er auf Anhieb herzlich unsympathisch. Aber man kann ja nicht alle Typen auf einem Schiff mögen, das wäre dann doch zu unwahrscheinlich."
Jack grinste Llewella an, die beiden waren sich einig. Inzwischen waren sie vor der Türe des Turboliftes angekommen, die sich zischend vor ihnen öffneten.
---Turbolift
"Deck 5", befahl Collins und der Lift setzte sich auf der Stelle in Bewegung. Llewella war in Gedanken versunken stehen geblieben, dann fragte sie: "He, Jack, was ist denn mit dem Rest der ehemaligen Ivory-Besatzung? Pormas ist mal wieder verletzt, das weiß ich ja, aber was ist mit Helen? Geht es ihr gut?"
"Helen ist..., Jack druckste herum. Dann sah er der Schottin ins Gesicht. "Sie ist tot Llewella. Sie kam bei einem der Anschläge auf den Captain ums Leben", sagte er leise. "Genau wie Marc Tegger."
Collins musterte die Frau, die ihn nun mit großen Augen ansah. "Wie bitte?", fragte sie stockend.
"Sie und einige andere", fuhr der Psychologe fort und dachte kurz an Tayeya, "befanden sich zu einer falschen Zeit an einem falschen Ort!" Er rieb sich seine brennenden Augen. Trotz seiner jetzt langsam stärker werdenden Müdigkeit, keimte wieder die Glut der Wut in ihn hoch.
Er schlug mit dem Fuß gegen die Liftverkleidung und die Schottin zuckte zusammen. "Ihr Tod war unnütz!", sagte Collins wütend, hatte sich dann aber sofort wieder unter Kontrolle. "Tut mir leid", sagte er leise.
"Pormas lebt zwar noch", begann Jack nach einem kleinen Moment des Schweigens. "Er ist aber verletzt und im Moment sehr labil, auch seelisch. Das mit Helen hat ihn ganz schön kaputt gemacht."
Die Türen des Lifts öffneten sich. Die Ärztin und der Psychologe blieben noch einen Augenblick im Lift stehen. "Du siehst, es sieht nicht sehr rosig aus im Moment. Kargan unser Schiffarzt hat zur Zeit wahrscheinlich genug mit dem Captain zu tun. Wir könnten deine Hilfe wirklich gut gebrauchen!", sagte Jack.
--- Deck 5, Gänge
Schweigend traten Jack und Llewella auf den Gang hinaus, der in schummeriges Licht getaucht war, was die Schottin daran erinnerte, daß ja eigentlich Abend, im Grunde sogar Nacht war. Aber irgendwie war sie nicht im Geringsten müde, dazu hatte sie das eben Gehörte zu sehr aufgewühlt.
"Die Privateer ist ja das reinste Unglücksschiff", murmelte sie, während sie Collins folgte, der gleich den Weg in Richtung Krankenstation eingeschlagen hatte. Tief in ihre eigenen Gedanken versunken gingen die Ärztin und der Psychologe weiter, bis Jack nach einer Weile vor den Schiebetüren der Krankenstation stehenblieb.
"Hier wären wir also", meinte er und schenkte Llewella ein kleines aufmunterndes Lächeln.
Die Schottin atmete tief durch - und betrat die Krankenstation.
--- Holodeck 2, inzwischen
Kargan legte den Tricorder weg und überprüfte ein letztes Mal die Anzeigen des Medobettes. Offenbar machte die Heilung nun gute Fortschritte. Die Knochen würden noch ein paar Stunden brauchen, bis sie annehmbar zusammengewachsen wären, und dann könnte der Captain eigentlich schon die Krankenstation verlassen.
Wenn er sich denn auf ihr befände.
Kargan hatte sich die Holo-Krankenstation so zusammengestellt, daß sie weitestgehend der echten Station entsprach, aber letztendlich war es doch kein Ersatz.
Obwohl er es vermissen würde, einfach nur in die Luft sprechen zu müssen, und in seiner Hand materialisierte sich der gewünschte Impfstoff. Er hatte sich schon überlegt, zeitkritische Operationen jetzt öfter hier durchzuführen, war aber wieder davon abgekommen, als ihm klar wurde, daß ein kleiner technischer Defekt oder eine fehlerhafte Energieversorgung jemanden töten konnte.
Er mußte lächeln. Zu Anfang der Operation, als er mit einem Holo-Skalpell Slades verbranntes Gewebe entfernen wollte, hatte er ein paar panische Sekunden darüber nachgedacht, warum dieses Gerät einfach nicht funktionieren wollte. Dann war er darauf gekommen, daß die Sicherheitsprotokolle eine Verletzung durch holografierte Gegenstände nicht zuließen.
"Computer, Sicherheitsprotokolle wieder aktivieren", befahl der Chefarzt nun, was von einem bestätigenden Zirpen beantwortet wurde.
Silva hatte ihm zwar versichert, daß die Energie des Holodecks erst dann versagen würde, wenn das ganze andere Schiff auf dem Trockenen saß, aber Kargan hielt das für übertrieben. Schließlich hatten sie es mit einem raffinierten Gegner zu tun. Ein paar Sprengladungen an der richtigen Stelle, und das Holodeck würde sehr lange im Dunklen liegen.
Richtig, der Attentäter...
Hatte die Sicherheit ihn schon zur Strecke gebracht, oder jagten sie ihn noch? Kargen meinte, im Unterbewußtsein etwas mitbekommen zu haben, aber er war so sehr auf seine Arbeit konzentriert gewesen, daß er nichts anderes registriert hatte.
"Kargan an Silva. Ich bin soweit fertig. Ist die Krankenstation so weit sicher, oder muß S... äh, mein Patient heute in meiner Kabine übernachten?" Im letzten Moment hatte er sich daran erinnert, daß Silva ihn nur deshalb auf das Holodeck geschafft hatte, damit mögliche Anschläge auf die Krankenstation nicht den Captain treffen könnten. Und beinahe hätte er verraten, daß Slade sich nicht dort befand.
Hoffentlich hatte sie auch daran gedacht, daß sich auf der Krankenstation noch mehr Leute aufgehalten hatten...
Die Tür öffnete sich, und die Angesprochene trat zusammen mit dem Psychologen ein.
"Nanu? Habt ihr vor der Tür Wache gestanden? Dann habt ihr den Attentäter wohl noch nicht erwischt, oder?"
Silvana hatte sich eine Antwort auf Kargans Commruf erspart, nachdem sie ohnehin gerade dabei waren ihn zu besuchen. Statt dessen trat sie nun mit einem gelangweilten Gesicht neben ihn und ließ ihren Blick über Slade wandern. Dieser sah wieder einigermaßen brauchbar aus.
Zwar würde er beim Erwachen nicht sehr darüber erfreut sein, in welchem Zustand sich sein Fell befand (welches Fell überhaupt?), aber das hieß auch, daß er mal nach Herzenslust dem Alkohol frönen konnte ohne sich um lästige Nebenwirkungen zu scheren.
"Nein, wir hatten Besseres zu tun, als mit unserer Anwesenheit vor dem Holodeck alle Vorbeikommenden darauf aufmerksam zu machen, wo sich mit ziemlicher Sicherheit der Captain befindet", bemerkte sie süffisant um Kargan darauf aufmerksam zu machen, was für einen schlechten Sicherheitler er abgeben würde.
"Natürlich haben wir den Attentäter erwischt. Wir verstehen schließlich unser Handwerk. Ich hoffe, du verstehst deines auch..." Man hörte ihren Worten heraus, daß sie sich da nicht so ganz sicher war.
--- Krankenstation
Sofort beim Betreten der Station bemerkte die rothaarige Frau, daß es unangenehm roch, nach Krankheit und Tod. Und irgendeine andere merkwürdige, scharfe Geruchskomponente hing auch noch in der Luft.
Als Llewella auf das Biobett zutrat, auf welchem ein bewegungsloser Pormas Theocrates lag, wurde ihr schlagartig klar, was für ein Geruch das war. Er ging von der vierschrötigen Frau aus, welche sich neben dem Bett des Südländers zu schaffen machte.
'Pfui Teufel', dachte die Schottin, laut aber sagte sie: "Vielen Dank, daß Sie die Erstversorgung von Mr. Theocrates übernommen haben, aber Sie dürfen sich jetzt zurückziehen. Alles Weitere übernehme ich."
Die Frau - natürlich war es niemand anders als Edwina Entenburg - schaute entrüstet zu der hochgewachsenen Schottin auf und setzte schon zu einer Erwiderung an, als Llewella, die schon einen medizinischen Tricorder ergriffen hatte, ihr kurz und bündig erklärte: "Ich bin Dr. Campbell und habe die volle Befähigung, mich um den Patienten zu kümmern - was man von Ihnen ja wohl nicht behaupten kann, denn sonst wüßten Sie wenigstens, was Hygiene bedeutet. Ich lege Ihnen dringend nahe, eine Dusche aufzusuchen und frische Kleidung anzuziehen."
Mit diesen Worten drängte sie sich resolut an Edwina vorbei, die fassungslos stehenblieb, und begann, Pormas zu scannen.
"Hmmm..." meinte sie dann, halb zu sich selber und halb zu Collins, der ihr in die Station gefolgt war, gewandt, "die auf den ersten Blick ersichtlichen Verletzungen sind eigentlich gar nicht so schlimm, wie sie aussehen. Meist oberflächlich, ein paar tief, müßten aber problemlos heilen."
Daraufhin huschte ein schiefes Grinsen über ihr Gesicht, als sie feststellte: "Die Ivory-Rippe ist auch mal wieder hinüber!
Am meisten Sorgen macht mir eigentlich diese Kopfverletzung. Sie ist zwar gut versorgt worden, aber..." Bei diesen Worten veränderte Llewella einige Einstellungen sowohl am Tricorder, als auch am Biobett selbst, dann betrachtete sie gespannt die Anzeigen.
"Das habe ich befürchtet", murmelte sie dann. "Die Hirnströme verhalten sich nicht ganz so, wie sie es tun sollten...
Das muß nichts Schlimmes bedeuten", wandte sie sich beruhigend an die beiden anderen im Raum, "aber es kann sein, daß einige Dinge nicht mehr so ganz funktionieren, wenn er aufwacht. Schädel- Hirn-Trauma..."
Dann betätigte sie wiederum einige Schalter und leitete damit den Beginn der gezielten Regeneration ein.
"Ich denke, du kommst hier ganz gut ohne mich zurecht", meinte Jack. "Ich werde mich mal zurückziehen." Er nickte der Schottin freundlich zu und ging in Richtung Ausgang.
--- Krankenstation, Ausgang
"Hey, Bübchen! Können Sie mir mal sagen, wer das war? Muß ich mir von wildfremden Frauen sagen lassen, was ich zu machen habe und wann ich meine Kleidung wechseln soll? Weiß diese Person eigentlich, was ich den ganzen Tag fast ohne Pause gemacht habe?" Edwina hatte Tränen des Zorns in den Augen.
Auch die Entenburg war langsam aber sicher mit den Nerven am Ende, stellte Collins fest und die Konversation mit Llewella war natürlich dumm gelaufen.
"Nehmen Sie es nicht persönlich, Edwina!", sagte der Psychologe. "Sie haben heute sehr gute Arbeit geleistet und sollten nun ein wenig schlafen. Dr. Campbell wird es den Rest der Nacht sicherlich alleine schaffen."
"Meinen Sie?", argwöhnisch sah die resolute Schwester zu Llewella hinüber. Collins nickte wortlos.
"Na gut! Und wehe nicht! Ansonsten bekommt dieses Früchtchen morgen aber was zu hören!", sagte Edwina und trat durch die geöffnete Tür auf den Gang hinaus. Dort drehte sie sich noch mal zu Jack um. "Und Sie auch!", gab sie noch von sich und fuchtelte mit erhobenen Zeigefinger vor ihrer Nase herum.
--- Büro des Psychologen, ein paar Minuten später
Jack saß an seinem Schreibtisch. Er massierte sich die Schläfen und sah auf das Bild seiner Familie. Er atmete tief durch und überlegte. War es richtig mit Silvana eine Beziehung einzugehen, obwohl seine Frau noch lebte? Konnte man, wenn jemand ein Borg war, überhaupt noch von Leben sprechen?
Collins seufzte leise. Und was verstand Silvana unter einer Beziehung? Vielleicht die Lust auf Sex, wenn mal wieder ein Teil ihrer Gene verrückt spielte oder wenn 'Paarungszeit' war?
'Jack Collins! Warum machst du dir eigentlich nach so einem Tag und mitten in der Nacht über so etwas Gedanken?' Der Psychologe schüttelte den Kopf und sah dann zu der Polstergarnitur hinüber. Schlafen war eigentlich eine bessere Idee!
Bevor Collins sich hinlegte, wollte er noch kurz mit Cindy sprechen. Sie meldete sich sofort und teilte ihm mit, daß alle lebenswichtigen Systeme der Privateer wieder einsatzbereit waren. Cindy betonte, daß sie und ihre Leute alles ohne Hilfe der Förderationstechniker geschafft hatten. "Einer der Frachtcrew hat sie in der Bar gesehen, sturzbetrunken! Tolle Hilfe!", sagte sie giftig.
'Narbo!', dachte Jack. 'Natürlich! Dieser alte Profitgeier!'
"Gönnt euch ein bißchen Ruhe", sagte er dann zu der Technikerin. "Morgen... oder besser nachher geht's weiter." Dann beendete er die Verbindung und begab sich zum Sofa.
Collins legte sich hin. Sofort fiel er in einen tiefen traumlosen Schlaf.
--- Narbos Bar, einige Zeit später
Schlaff hingen die einstmals so brutal und kräftig wirkenden Föderationsmarionetten an durchschnittenen Fäden auf ihren Barhockern und grinsend rieb sich der Ferengi die Hände. Diese verweichlichten Küken vertrugen wirklich nichts mehr - ein Klingonenkrieger hätte noch nicht mal Verhaltensänderungen gezeigt...
Was eindeutig am Normalzustand dieser niederen Spezies lag!
Um sicherzugehen, daß diese ausgelaugten Muskelberge wirklich für die nächsten paar Tage ruhiggestellt waren, flößte er ihnen noch ein Gläschen mit dem hervorragenden Synthehol ein, das bedauerlicherweise mit starken Beruhigungsmitteln versetzt war.
Wenigstens blieben ihnen so die Kopfschmerzen vom morgendlichen Kater erspart - falls sie es überlebten. Immerhin konnte man sich nie sicher sein, wer so alles Intoleranzen gegen solche Medikamente aufwies. Aber wen sollte es stören, ob die Sternenflotte einen dummen Soldaten mehr oder weniger hatte...
Gähnend streckte Narbo abermals seinen Körper: Der Schmerz der Landung steckte noch in seinen Gliedern, aber ihm blieb wohl nichts außer dem Ignorieren übrig - oder sollte er etwa zu diesem Klingonen-Doktor gehen? Niemals!
Sich am Hinterkopf kratzend betrachtete er zunächst die Überreste der letzten Stunden und machte sich dann schließlich ans Aufräumen. Ein wenig Schlaf würde ihm gut tun, auch wenn es wahrscheinlich nicht länger als sechs Stunden werden würden...
Sorgsam wischte er über die Theke und versuchte alle Flecken zu beseitigen, die das menschliche Erbrochene wieder einmal hinterlassen hatte und fragte sich, was dieser Nichtsnutz von Collins wohl gerade machte.
Bestimmt tröstete er diese Neue über Pormas kleinen Unfall hinweg. Wirklich herzzerreißend, diese terranische Schwäche namens Mitleid. Hoffentlich infizierte Narbo sich nicht mit diesem Virus, der mittlerweile überall auf diesem Schiff verbreitet war.
"Ekelerregend!", zischte er leise, während er nebenbei die regungslos auf den Stühlen hängenden und für die nächsten paar Tage außer Gefecht gesetzten Offiziere der Sternenflotte betrachtete...
Leise fluchend rubbelte Narbo zum x-ten Mal auf einer Stelle herum, da sich ein hartnäckiger Fleck beharrlich weigerte zu verschwinden: "Dir werde ich es zeigen, du miese kleine Ausgeburt der Hölle!"
Aber der Fleck antwortete, natürlich, nicht.
Jetzt reicht es Narbo endgültig.
"Soll doch wer anders die Scheiße hier wegräumen - ICH gehe schlafen!", grummelte er und feuerte den Wischlappen wütend in die nächste Ecke. Morgen war immer noch genug Zeit...
--- ???
Ein leises Zirpen unterbrach die Stille des luxuriös eingerichteten Raumes. Eine Hand aktivierte das Terminal, woraufhin das Leuchten des Bildschirmes den Raum leicht erhellte, und ein faltenreiches Gesicht den Mann mütterlich anlächelte.
"Hallo, mein Schatz!", begann sie mit sanfter Stimme zu reden. Der Mann schaute gar nicht auf den Bildschirm, denn das computergenerierte Bild dieser Frau hatte er in den letzten Tagen schon zu oft gesehen.
"Ich glaube, unsere beiden Söhne haben Probleme mit ihrer Arbeit. Niemand kann sie leiden, sie schaffen ihre Aufträge nicht, und wenn ich die letzte Nachricht richtig verstanden habe, wurden sie sogar entlassen. Du mußt ihnen aber nicht böse sein, es sind ja noch Kinder..."
Der Mann beendete die Nachricht, ohne sie bis zu Ende angehört zu haben. Finstere Gedanken erfüllten den Raum. Viel Zeit blieb ihm nicht mehr, diesen Anticaner zu eliminieren.
Er merkte kaum, wie die Scherben des Glases, das er gerade zerdrückt hatte, sich in sein Fleisch gruben.
Ein einzelner roter Tropfen fiel langsam zu Boden...
--- sehr weit entfernt, Raider Horniss
Irgendwann war die gesamte Luft entwichen und das laute Zischen hatte aufgehört, während die Privateer in der Ferne als winziger Punkt verschwand. Die Horniss würde weitertreiben und eine lange Reise bestreiten.
Dorthin, wo noch nie zuvor jemand gewesen war.