--- USS Hawking, Brücke
Es war dunkel auf der Brücke, die Nachtperiode hatte schon lange begonnen, als die warme und tragende Stimme des Schotten erklang: "Sternzeit 73359.3, erster Offizier McCrillis. Es ist nun drei Stunden her, seit wir die letzten Funksignale des Außenteams aufgefangen haben.
Dem Befehl des Captains gehorchend, haben wir nach dem Absetzen des Außenteams in Shuttle vier 1.8 Lichtjahre Distanz zwischen uns und die Anomalie gebracht. An diesem Punkt werden wir nun weitere drei Stunden warten, ehe wir den Captain mit dem Shuttle und fünf Crewmitgliedern wieder an Bord holen werden.
Ich möchte noch einmal festhalten, daß der Captain entgegen meiner ausdrücklichen Warnung darauf bestanden hat, das Team selber zu führen. Die Notwendigkeit eines Außenteams habe ich niemals bestritten, aber in Anbetracht der Unwägbarkeit der Umstände hätte ich es vorgezogen, es selber zu führen.
Da die Schiffssensoren von der Anomalie außer Kraft gesetzt wurden, war es notwendig, passive Sensoren so nahe wie möglich an den Ort des Geschehens heranzubringen. Nachdem eine Sonde jedoch keine befriedigenden Ergebnisse geliefert hat, hat sich der Captain mit fünf Wissenschaftlern in einem Shuttle selber auf den Weg gemacht.
Die Hawking wurde zwischenzeitlich befehlsgemäß aus der potentiellen Gefahrenzone gebracht.
McCrillis Ende."
Schwer atmend wandte sich der hünenhaft gebaute Mann zu der Counselor neben ihm zu. Diese lächelte ihm zu und meinte: "Keine Angst, Thomas. Der Captain wußte schon, was er tat, als er mit hinausgegangen ist."
Den Mund verziehend entgegnete der Angesprochene: "Das bezweifele ich nicht, aber ich will dir etwas verraten. Du hast keine Ahnung, wie gerne ich selber gegangen wäre."
Leise auflachend wollte die junge Trill etwas erwidern, wurde jedoch von dem Piloten unterbrochen, einem etwa siebzehnjährigen jungen Mann in Kadettenuniform: "Sir, ich bitte um Entschuldigung, aber die Sensoren zeigen ein Ereignis, das Sie vielleicht interessieren wird."
McCrillis fragte instinktiv: "Eine Nachricht vom Shuttle?"
"Nein, Sir", lautete die Antwort. "Aber aus der entgegengesetzten Richtung. Vor ein paar Stunden wurden wir von einem ehemaligen Föderationsschiff passiert, was keine Besonderheit wäre. Aber dieses Schiff ist gerade unter Warp gefallen."
"Na und? Dürfen die nicht anhalten?", fragte die Trill.
"Sie dürfen schon, aber die Sensordaten zeigen eindeutige Fluktuationen im Warpfeld unmittelbar vor dem Stop. Meiner Meinung nach handelt es sich nicht um einen freiwilligen Halt. Ich tippe eher auf eine Fehlfunktion des Antriebes." Fragend schaute der junge Kadett sein Idol an.
Dieses antwortete ohne zu zögern: "Grußbotschaften senden und einen Kanal öffnen."
Nach ein paar Sekunden reagierte der Kadett mit den Worten: "Keine Reaktion, Sir. Möglicherweise handelt es sich um eine größere Fehlfunktion."
Als McCrillis nicht reagierte, sagte die Counselor eindringlich: "Tom, worauf wartest du? Wir müssen denen helfen!"
Das sich verhärtende Gesicht des ersten Offiziers antwortete: "Die Hawking bleibt hier. Der Captain hat angeordnet, daß wir genau hier warten. Vielleicht benötigt er Hilfe, dann können wir nicht rechtzeitig vor Ort sein. Oder er versucht mit dem Shuttle diesen Ort zu erreichen und findet uns nicht vor. Nein, wir bewegen uns nicht von der Stelle.
Das Einzige, was ich tun kann, ist ein weiteres Shuttle auf den Weg zu schicken. Ich will drei Techniker, zwei Männer von der Sicherheit und einen Arzt an Bord des Shuttles haben."
--- Privateer, Xiangs Quartier
Nachdem der kleine Asiat sein Quartier notdürftig wieder aufgeräumt hatte, bemerkte er, daß offenbar schon seit einiger Zeit eine Lampe auf seinem Terminal blinkte. Er wurde bleich. Eigentlich gab es nur eine Person, die ihn auf diesem Weg zu kontaktieren pflegte.
Schnell aktivierte er den Bildschirm, um gleich darauf in ein faltenreiches Gesicht zu blicken, das ihn mütterlich anlächelte.
"Hallo, mein Sohn!", begann sie mit sanfter Stimme zu reden. Xiang bekam eine Gänsehaut, als er bemerkte, daß der Unterton der computergenerierten Stimme ein paar Nuancen kälter war als beim letzten Mal. Oder bildete er sich das nur ein?
"Du hast dich immer noch nicht gemeldet, wie geht es dir? Ich hoffe, du hast auf deinem Schiff nicht zu viel zu tun. Du muß dich mehr ausruhen, das habe ich dir schon immer gesagt. Oder hast du Schwierigkeiten mit deinem Captain? Gibt er dir zuviel Arbeit?
Oder ist er unzufrieden mit dir? Arbeitest du zu langsam? Junge, was habe ich dir immer gesagt: Arbeite stets schnell und zuverlässig, sonst kommt eines Tages einer, der dich ersetzt.
Junge, wir vermissen dich hier alle! Auch dein Bruder, von dem ich dir herzliche Grüße ausrichten soll!"
Die letzten Worte klangen in Xiangs Kopf nach. Herzliche Grüße vom Bruder, also vom zweiten Agenten auf diesem Schiff! Narbo, wie er inzwischen wußte...
Die kaum verhüllten Drohungen hatten sich in ihm festgesetzt und drohten, sein klares Denken zu beeinträchtigen. Das klare Denken, das er gerade jetzt mehr als alles Andere brauchte.
Er zwang sich dazu, ruhig zu bleiben und seine Möglichkeiten zu überdenken: Einmal konnte er natürlich den Captain endgültig eliminieren, obwohl er diese Möglichkeit nun nicht mehr als die einfachste ansah - hatte sich diese Fellbündel doch als wesentlich widerstandsfähiger herausgestellt als er gedacht hatte.
Dann stand natürlich noch die Eliminierung Narbos im Raum, mit der er wenigstens Zeit gewinnen würde. Egal wofür er sich entschied, mußte er anschließend verschwinden, wofür er einen der Peregrine Raiders ins Auge gefaßt hatte.
Wenn alle Stricke reißen sollten, blieb eigentlich nur noch die Overkill-Variante: Flucht in Kombination mit der Vernichtung der Privateer.
Letztere Option würde er allerdings nur im absoluten Notfall in Betracht ziehen, denn er wollte nicht, daß noch mehr unschuldige Leute ihr Leben verloren. Bisher hatte er schon drei ungeplante Tote auf dem Gewissen - das war der schlechteste Schnitt überhaupt.
Sein bisheriges Negativergebnis war dieser klingonische General vor fünf Jahren, und bei dem war es fast unmöglich gewesen, die beiden Leibwächter zu verschonen. Trotzdem hatte nur einer der Beiden das Schicksal des Generals teilen müssen.
Und hier waren es schon drei Unbeteiligte - keine Leibwächter, Sicherheitler oder etwas in der Art. Nein, simple Techniker oder Ärzte, die einfach zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen waren.
Xiang überlegte sich ernsthaft, einen anderen Beruf zu ergreifen, sobald er erst einmal von diesem Schiff herunter war. Aber dazu mußte er seinen Auftrag erfüllt haben, sonst würden seine Auftraggeber ihn finden, wo auch immer er sich verstecken würde. Und ein Leben voller Angst war nicht gerade das, was er sich erträumte.
Nein, es half nichts, der Captain mußte sterben.
An diesem Punkt seiner Überlegungen schaltete sich wieder seine alte Routine ein. Zunächst sammelte er Fakten.
Fakt eins: Er hatte nicht mehr viel Zeit.
Nein, diesen Fakt strich er aus seinem Gedächtnis, da dieser Gedanke ihn in seiner Konzentration stören würde. Also noch einmal:
Fakt eins: Wo sich der Captain aufhielt, wußte er.
Fakt zwei: Aus eigener Kraft würde er sich in absehbarer Zeit nicht woanders hinbegeben.
Fakt drei: Die Sicherheitschefin war sicher nicht so dumm, an Unfälle zu glauben, was bedeutete, daß der Captain unter ständiger Beobachtung und / oder Sicherung stand. Diesen Punkt würde er noch verifizieren müssen.
Fakt vier: Möglicherweise stand er bereits auf der Liste der Verdächtigen. Sogar sehr wahrscheinlich, wenn man bedachte, wie dieser Sicherheitler ihn angesehen hatte.
Daraus zog Xiang den Schluß, daß er bereits im Raider sitzen mußte, wenn es dem Captain an den Kragen ging, wenn seine Flucht einigermaßen von Erfolg gekrönt sein sollte.
Die Privateer würde noch lange Zeit ohne Warpantrieb im Raum treiben, so daß man ihn nicht mehr einholen konnte, außer vielleicht mit den anderen Raiders. Diese verfügten allerdings einerseits nicht über so leistungsfähige Sensoren, daß sie ihn aufspüren konnten, und andererseits hatte Xiang schon vor einiger Zeit die Diliziumkristalle so modifiziert, daß der Computer spätestens nach einer Minute die Leistung des Warpantriebes deutlich herunterfahren mußte.
Dieser Effekt würde bei allen Raiders auftreten. Vorsichtshalber hatte Xiang alle Schiffe sabotiert, da er nicht wußte, ob sein Fluchtraider zu dem Zeitpunkt gerade greifbar war. Seit den Zwischenfall mit dem sich verpuppenden Weltraumlebewesen wußte er, daß immer etwas geschehen konnte, das ihn zwang, ein anderes Schiff zu nehmen.
Der Cheftechniker öffnete seine Reisetasche, in der nur unpersönliche Dinge zu finden waren. Wichtig war nur der Diliziumkristall, den er nun auf seinen Schreibtisch legte.
Er verzichtete darauf, die Lage auf der Krankenstation, wie er sie im Gedächtnis hatte, auf sein Terminal zu projizieren, da man den Computer einfach zu leicht abhören konnte. Statt dessen griff er nach einer Spezialfolie und zeichnete zunächst einen Grundriß darauf, den er mit all den Details versah, die er sich bei seinem Besuch eingeprägt hatte.
Nachdem Xiang dem Computer noch ein paar Details entlockt hatte, ergänzte er auf seinem Plan noch die Lage des Ebene-10-Kraftfeldes, die Anwesenheit Silvanas und den Holodoktor. Daß dieser dort ebenfalls hantierte, hatte er der Aktivität der Holoprojektoren entnommen.
Beifällig nickte er. Das sah ihr ähnlich, nicht einmal einem starken Energiefeld zu vertrauen, sondern noch persönlich vor Ort zu sein.
Seine erste Eingebung war das Kraftfeld selber gewesen. Wenn er es schaffen würde, es zu verkleinern, würde es den Captain einfach zerquetschen. Leider war es jedoch mit Silvanas persönlichem Autorisierungscode versehen, so daß er diesen Gedanken gleich wieder fallen ließ.
Eine Bombe, außerhalb des Kraftfeldes gezündet, würde wieder einige Unbeteiligte mit sich reißen, wobei es noch zweifelhaft war, daß sie das Kraftfeld durchdringen könnte. Würde jedoch eine Bombe im Kraftfeld detonieren, wäre das Ergebnis sehr sauber. Selbst Jean hätte nicht so viel aufzuwischen.
Leider legte Silvana ihre Kraftfelder standardmäßig so an, daß man nichts in sie hineinbeamen durfte, außer man hieß Farnside.
Dieses Kraftfeld war sein eigentliches Problem. Allerdings gedachte der Cheftechniker, es zu seinem Vorteil zu nutzen. Es hatte nämlich den einen unschätzbaren Vorteil, daß es ihm besser als alles andere zeigte, wo sich der Captain befand.
Ein Plan nahm in Xiangs Hinterkopf Gestalt an. Er würde zunächst die Türen der Krankenstation verriegeln, so daß die Zahl der Opfer nicht wieder durch zufällig vorbeikommende Leute steigen würde. Dann würde die Krankenstation sich mit extrem schnell wirkenden Giftgas füllen - er war ja kein Sadist. Das Kraftfeld würde den Captain zwar zunächst schützen, aber Silvana wäre damit schon einmal ausgeschaltet. Die einzigen anderen Personen zur Zeit waren der klingonische Arzt, der sich eindeutig außerhalb des Kraftfeldes aufhielt, der Pilot und noch ein anderer Patient.
Hm - vielleicht gar nicht schlecht, wenn es den Piloten ebenfalls erwischte, schließlich war er ein potentieller Verfolger bei Xiangs Flucht. Die Entenburg hatte eben die Krankenstation verlassen, was ihr das Leben retten würde. Also 'nur' drei weitere Opfer. Insgesamt sechs. Der miserabelste Schnitt überhaupt...
Wenn sie alle tot waren, würde eine kleine Explosion an einem Verteiler reichen, um zumindest für kurze Zeit die Energie des Kraftfeldes zu unterbrechen. Noch bevor der Notstrom die Arbeit wieder aufnahm, würde sich genug des Gases innerhalb des Kraftfeldes befinden, um Slade den Rest zu geben.
Noch einmal alles durchdenkend, steckte der Attentäter eine kleine fernzündbare Haftladung und eine kleine Gasflasche ein und machte sich auf den Weg.
Vorher zerknüllte er noch die Spezialfolie, auf die er den Grundriß der Krankenstation gezeichnet hatte. In dem Moment, wo sie derart stark mechanisch belastet wurde, setzte eine kleine Kettenreaktion ein, die sie praktisch sofort zu feinstem Staub zerfallen ließ.
Keine Spuren zu hinterlassen war ihm schon immer extrem wichtig gewesen.
--- Kargans Büro, zur gleichen Zeit
Schnell rief die Sicherheitschefin alle Daten über den neuen 'Unfall' ab. Nach kurzer Durchsicht biß sie sich auf die Lippen und gab einige Anweisungen an den Computer:
"Computer informiere mich laufend über den jeweiligen Aufenthaltsort von Xiang. Sollte er außerdem Anfragen an den Computer stellen, dann möchte ich wissen welche. Sollte er irgendwelche Eingaben machen, möchte ich sie sehen, bevor sie noch verarbeitet werden. Trotzdem soll er den Eindruck bekommen, daß sie verarbeitet wurden. Sollte er sich mit jemand in Verbindung setzen, bin ich ebenfalls sofort zu informieren."
Ihre Anweisungen beruhigten sie etwas, trotzdem gefiel ihr das Ganze ganz und gar nicht. Slade lag hier auf der Servierplattform und wenn Xiang sich in die Enge getrieben fühlte, dann würde er nicht mehr so umsichtig handeln wie bisher, sondern lieber auf Nummer sicher gehen.
Das hieß, daß er versuchen könnte die ganze Krankenstation in die Luft zu jagen oder sogar das ganze Schiff. Letzteres traute sie ihm eigentlich nicht zu, da er sich nur von Anschlag zu Anschlag etwas gesteigert hatte, doch es beunruhigte sie maßlos ihn draußen auf freiem Fuß zu wissen, während sie hier Slades Leibgarde stellte.
Einzig allein Pormas und Narbo konnten ihn aufhalten.
Was für eine Vorstellung!
Plötzlich kam ihr eine geniale und zugleich auch verrückte Idee. Sie hielt nicht viel von Holografie, sondern mehr von der Realität und die vertraute dem Computer nicht bedingungslos. Doch war es ihre einzige Chance wirklich auf Nummer sicher zu gehen und den Captain vor einem weiteren Anschlag zu bewahren.
Sie durchstöberte eilig die Datenbank des Computers und fand in einem kleinen unscheinbaren Archiv wonach sie gesucht hatte und verwischte danach wieder ihre Spuren. Ein kleiner Trick, den sie bei einem Freund gelernt hatte.
Mit ihrem Sicherheitscode verschaffte sie sich einen direkten Zugang zu dem Computer um ihm einige ungewöhnliche Befehle anzuschaffen: "Computer stelle fest welches Holodeck zur Zeit nicht benutzt wird. Spiele dort die Simulation 'Medizinisches Personal Schulung 11' ein. Danach Transfer von drei Personen auf mein Kommando. Sollte jemand eine Anfrage an den Computer stellen wo ich, Dr. Kargan oder Captain Slade sich aufhalten dann hat die Auskunft bis auf meinen Widerruf 'in der Krankenstation' zu lauten. Verstanden?"
"Positiv", meinte der Computer nur und Silvana war froh, daß er sie verstanden hatte. Nicht immer hatte sie ein solches Glück bei ihren Wünschen.
Nun, wo sie fühlte, daß ihr Xiang mit seinen Überlegungen diesmal nicht würde folgen können, beruhigte sie sich wieder etwas, trotzdem beeilte sie sich zu Kargan zurückzukommen und die Sache hinter sich zu bringen. Sie hatte schon zuviel Zeit verloren. Vielleicht war Xiang gerade in diesem Augenblick dabei zu seinem größten Schlag auszuholen...
--- Krankenstation, beim echten Captain
Silvana sah Kargan fest in die Augen, der zu merken schien, daß etwas im Gange war. Doch noch bevor er sie danach fragen konnte, fragte sie den Computer: "Computer, alles zum Transfer bereit?"
"Positiv", bestätigte der Computer prompt.
"Transfer von drei Personen... JETZT."
Kargans verblüfftes Gesicht war das Letzte was sie sah, bevor er und sein Patient sich ebenfalls entmaterialisierten.
--- Büro des Psychologen, inzwischen
Noch bevor Narbo auf die beißende Unterstellung Pormas näher eingehen konnte, versuchte Collins die Situation zu entspannen: "Was wohl bedeutet, daß wir jetzt mindestens zwei Personen suchen. Zwei Personen und wahrscheinlich eine Rückversicherung eines Attentäters in Form eines netten kleinen Sprengsatzes, der fast zu klein ist, um ihn zu finden, aber so wirkungsvoll, daß er das Schiff zerstören würde. Schöne Aussichten!"
Diese zweite Person war eigentlich noch gefährlicher, als der Attentäter selber. 'Was würde diese Person jetzt machen?' Jack kratzte sich am Kinn. Er verstand zwar nicht, warum der Auftraggeber eines Attentäters einen Überwacher mitschickte, denn spätestens jetzt kam dieser in eine Lage, in der er handeln mußte.
"Dieser Überwacher ...", Jack sah zu Narbo und grinste, "ich gehe mal davon aus, daß du es nicht bist", sagte er, obwohl er nicht so richtig davon überzeugt war. "Er wird sich ähnliche Gedanken machen wie wir. Er kann sich denken, daß der Attentäter den Boden unter den Füßen verliert. Also wird dieser Aufpasser jetzt etwas unternehmen!
Ich an seiner Stelle würde alle Fluchtwege versperren, bzw. unbrauchbar machen und dann versuchen diese letzte Möglichkeit, sprich diesen Sprengsatz zu finden. Schließlich wird er ja nicht hier sterben wollen."
Collins stand auf und nahm seinen Tricorder. "Ich denke, ich werde ihm dabei helfen. Die beste Möglichkeit so effektvoll ein Raumschiff zu zerlegen, sind unsere Antimaterieeindämmungsfelder. Ein kleiner Sprengsatz würde reichen und Xiang hatte die Möglichkeiten überall an den sensiblen Teilen ranzukommen.
Wir haben nicht viel Zeit, Xiang wird auf jeden Fall sein Glück noch einmal versuchen und er weiß, daß wir ihm auf den Fersen sind.
Ich werde zum Maschinenraum gehen und das 'Ei' suchen, vielleicht treffe ich ja noch jemanden, der auch etwas sucht..."
"DU könntest nicht mal einen Sprengsatz erkennen, wenn ich ihn dir auf den Bauch binde!", antwortete Narbo mies gelaunt. Collins Sachverstand hatte man ja in Narbos Bar gesehen...
"Aber leider muß ich, beziehungsweise müssen wir zu einem wichtigen Treffen mit diesem schmierigen kleinen Schlitzauge! Du mußt da also alleine durch...", setzte er hinzu, um sich dann dem immer noch anklagend starrenden Südländer zuzuwenden und diesen sarkastisch anzugiften:
"Was deine Frage von eben betrifft; Hast du fein geschlußfolgert. Willst du jetzt einen Keks zur Belohnung?! Zum letzten Mal: Ich habe nichts mit der Sache zu tun! Andernfalls würden wir hier ganz sicher nicht so nett miteinander plaudern, sondern zwei Drittel der Anwesenden würden in Kisten langsam verfaulen..."
Pormas Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. Seine Hände ballten sich drohend zu Fäusten und sein Blick brachte den Killer in ihm zum Vorschein, der er schon lange Zeit nicht mehr gewesen war, da seine Gefühle ihn ungewohnt sanftmütig gemacht hatten.
Nicht nur, daß er dem Ferengi nicht über den Weg traute - die Sache mit seiner Magenverstimmung war immer noch nicht geklärt - so schien dieser sich auch noch lustig über ihn zu machen und ihn nicht im Mindesten ernst zu nehmen. Ihn Pormas Theocrates, den alle nur ehrfürchtig den 'Killing Cook' nannten.
Langsam wurde es Zeit für "Ferengisches Fleisch alla Pormas"...
110 kg Lebendgewicht auf 1,96 m verteilt zitterten innerlich vor Wut. Wie ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch.
Lediglich Collins Anwesenheit und der zeitliche Druck sich endlich um Helens Mörder zu kümmern, der in der Zwischenzeit vielleicht schon wieder zu seinem nächsten Schlag ausholte, hielten ihn davor zurück den Ferengi sofort einer sehr schmerzhaften Behandlung zu unterziehen, nach der jede orionische Sklavin eine Sonderzahlung verlangt hätte, um Narbo überhaupt noch anzusehen, geschweige denn Oo-Mox mit ihm zu machen.
Zwar war die Zeit, die der Südländer dafür brauchte unwesentlich, gegen die Freude und die Genugtuung, die er dabei empfinden würde, aber er konnte sich noch gut an Collins Eingreifen beim Turbolift erinnern. Und wie er ihn einschätzte, würde Jack es wieder für seine Pflicht halten schlichtend einzugreifen.
"Wenn ich Zeit hätte würde ich dich gleich ins Gewölbe ewiger Mittellosigkeit schicken", er freute sich kurz über seinen Triumph, da Narbo ihm scheinbar dieses Wissen nicht zugetraut hatte, konzentrierte sich dann aber wieder auf den Auftrag, "aber leider sind mir die Hände gebunden und ich werde mich ein wenig gedulden. Zuerst Xiang und dann DU..." Damit packte er den Ferengi am Genick und stieß ihn sehr hart in Richtung Tür.
Das er dabei zufällig die Tür ein wenig verfehlte und sich der Ferengi den Kopf hart am Türrahmen stieß, quittierte der Südländer nur mit einem Lächeln und den Worten: "Meine Treffsicherheit scheint in letzter Zeit aus unerfindlichen Gründen etwas gelitten zu haben, du solltest mir also besser aus dem Weg gehen, wenn ich meinen Phaser ziehe..."
Dann warf er noch mal einen Blick zurück ins Büro. "Viel Glück bei deiner Suche, Jack." Und bevor Narbo noch ein Wort des Protests sagen konnte, fühlte er sich auch schon gepackt und war schneller aus dem Büro, als er eine seiner geliebten Erwerbsregeln aufsagen konnte.
--- Deck 5, Gänge
Mit den Zähnen knirschend ließ Narbo sich mitschleifen und verfluchte die Scheide seines kleinen Messers: Würde die Klinge aus irgendeinem unerfindlichen Grund jetzt nicht festhängen - der Mensch wäre reif für die Entsorgung...
Dennoch war die Gier des Ferengi auf Rache zu groß, als daß er sich die "Verhaftung" von Xiang entgehen lassen wollte. Das Schwein würde bluten und zwar sofort...
Und Pormas würde der Nachtisch sein!
Eine tiefe Befriedigung legte sich auf Narbos Lippen und er hörte innerlich schon den pfeifenden Ton einer perforierten Lunge...
Lächelnd beobachte Pormas Narbos Versuch eine scheinbar versteckte Klinge zu ziehen. Der Südländer hatte zuviel Erfahrung mit solcher Art Spielzeugen, als daß er die Bewegungen des Ferengi nicht richtig deuten könnte.
Ja.... es würde Spaß machen Narbo zu töten. Aber jetzt mußte erst einmal etwas Anderes erledigt werden....
--- USS Hawking, Mannschaftsmesse
Llewella Campbell saß mit Dr. Antares Uthrichsberg an einem Tisch. Die beiden hatten vor etwa zwei Stunden angefangen, sich über moderne Behandlungsmethoden an Bord von Föderationsschiffen zu streiten, und waren mittlerweile zum persönlichen Teil gewechselt. Gerade wollte die Schottin die Frage aussprechen, die ihr schon lange auf der Zunge lag: Wie war die Chefärztin zu ihrem Vornamen gekommen - als deren Communicator sich meldete.
"Brücke an Uthrichsberg. Wir brauchen einen Arzt für eine Außenmission."
"Außenmission?" Antares zog die Augenbrauen nach oben. "Wieso? Wir sind doch hier im freien Raum? Oder gibt es Neuigkeiten vom Shuttle?"
"Nein, es geht um ein privates Händlerschiff, das möglicherweise Hilfe benötigt. Die Privateer ist unter Warp gefallen und reagiert auf keine Funksprüche. Commander McCrillis meint, wir sollten einen Hilfstrupp losschicken."
"Ich werde jemanden schicken. Uthrichsberg Ende." Wütend schlug die Frau auf ihren Communicator. Zu Campbell gewandt sagte sie: "Jetzt rat mal, an wem dieser Job hängen bleiben wird. Natürlich. An mir. Um diese Zeit hetze ich sicher keinen meiner Ärzte auf eine Mission, die wahrscheinlich sowieso im Sande verlaufen wird. Ich höre schon die Funksprüche, die uns genau dann erreichen werden, wenn wir das Schiff fast erreicht haben werden. 'Oh, das ist aber nett, daß ihr uns helfen wolltet, aber wir sind schon selber klar gekommen', wobei das Schiff mit voller Warpgeschwindigkeit losbraust. Manchmal hasse ich meinen Beruf!"
Llewella hatte aufmerksam zugehört und fragte nun: "Habe ich das richtig gehört? Das Schiff heißt Privateer? Auf dem Schiff sind ein paar Freunde von mir, von denen ich mich wegen meiner Ghoulhon-Grippe nicht verabschieden konnte! Läßt du mich mitfliegen? Bitte! Immerhin bin ich auch Ärztin. Und der Befehl lautete lediglich, einen Arzt mitzuschicken. Davon, daß er auch hier angestellt sein muß, war nie die Rede!"
Uthrichsberg sah die aufgeregte Frau an und dachte nach. Sicher, dem Wortlaut des Befehles gehorchend, würde ein Passagier, der zufällig Arzt war, auch reichen. Die Chefärztin hatte nicht in Erfahrung bringen können, wie Llewella es geschafft hatte, eine Passage auf diesem Schiff zu bekommen, aber es mußte genau die gleiche Überzeugungskraft gewesen sein, wie die, die sie gerade jetzt einsetzte.
Und immerhin würde die medizinische Abteilung dieses Schiffes durch eine derartig nutzlose Aktion nicht ausgedünnt werden.
Deshalb schaute sie die Schottin an und sagte: "Schnapp dir einen Medizinkoffer aus der Krankenstation und mach dich auf den Weg. Aber beeil dich, ehe ich es mir noch einmal überlege!"
Noch ehe die Chefärztin ausgeredet hatte, saß sie auch schon alleine am Tisch.
--- Privateer, Deck 6, Holodeck 2
Dieser Klingone war aber auch durch gar nichts aus der Ruhe zu bringen, ärgerte sich Silvana zum wiederholten Male an diesem Tage. Sie hätte sich nackt ausziehen können und er hätte immer noch umständlich am verbliebenen Fell des Anticaners herumgedoktert und so getan, als wäre dessen Zustand immer noch kritisch, dabei lebte er doch nun schon seit geraumer Zeit und war somit nach Silvanas bisherigen Erfahrungen über den Berg.
Sogar den Umzug hatte Kargan sehr ruhig quittiert, fast als hätte er damit gerechnet, weil es die einzige sinnvolle Lösung in seinen Augen war und sie es von Anbeginn an hätten machen sollen.
Zähneknirschend überwachte Silvana Kargans Arbeit, da sie ja sonst nichts zu tun hatte in dieser künstlichen sterilen Umgebung in der nur Schwester Entenburg fehlte um richtig authentisch zu wirken. Aber die hatte man scheinbar absichtlich weggelassen, da es Pfleger sonst nie in die Krankenstation schafften und schon vorher wegliefen.
Alles was die Sicherheitschefin von hier aus tun konnte, war Anweisungen zu geben und zu warten. Zu warten bis irgend etwas geschah.
Und dieses Warten zermürbte sie.
Immerhin hatte sie die Energieversorgung des Schiffes inzwischen so umprogrammiert, daß das Holodeck erst dann den Saft verlieren würde, wenn es die Privateer als solche nicht mehr gab und sie hatte dafür gesorgt, daß bei dem kleinsten ungewöhnlichen Vorfall auf der Krankenstation der Sicherheitsalarm ausgelöst wurde.
"Lin Xiang hat sein Quartier auf Deck 3 verlassen und ist mit unbekannten Ziel durchs Schiff unterwegs. Möchten Sie detaillierte Angaben wo er sich gerade aufhält, Sir?", fragte plötzlich Jean-Lucs Stimme in Silvanas Communicator, der sich anscheinend wieder mal in die Angelegenheiten des Computers einmischte.
Im Grunde ihres Herzens wollte Silvana bejahen, da sie über jeden Schritt des kleinen Technikers informiert sein wollte, aber sie wußte worauf das bei Jean-Luc hinauslaufen würde. Jeden Meter, den der Koreaner zurücklegte würde er ihr melden. "Nein. Ich möchte nur wissen, wenn er einen Raum betritt oder länger irgendwo verweilt. Aber dann sofort! Oder du findest dich im Ersatzteillager der Technik wieder!" Dann hielt sie den Kanal offen.
Die Zeit verging quälend langsam, bis plötzlich wieder eine Meldung hereinkam: "Lin Xiang hat sich bisher im Durchschnitt mit 7,359 km/h fortbewegt und hat in Gang 2A, Deck 5 angehalten."
Gespannt hielt Silvana den Atem an und besah sich die ganze Deckaufteilung inzwischen auf dem Terminal. Gang 2A befand sich unweit der Krankenstation. Würde er jetzt zuschlagen? Möglicherweise...
"Nach einem Zwischenstopp von 6,378 Sekunden, hat der Techniker Lin Xiang sich wieder mit der für ihn normalen Durchschnittsgeschwindigkeit weiterbewegt", knarrte Jean-Luc weiter. "Ziel unbekannt."
Silvanas Gedanken rasten. Xiangs Quartier befand sich auf Deck 3, er machte einen kurzen Zwischenstopp auf Deck 5 und ging dann einfach weiter. Er würde nichts ohne Sinn machen. Allein seine Anwesenheit in der Nähe der Krankenstation würde einen etwaigen Verdacht gegen ihn nur noch erhärten...
Vielleicht war jetzt der Moment da auf den sie gewartet hatte. Der Augenblick in dem er zuschlagen würde. Instinktiv wollte sie selbst auf Deck 5 und zu dem Punkt wo er angehalten hatte, dann aber schaltete sich ihre logische Überlegung ein. Etwas, das sie auch ihren Lebenserhaltungssinn nannte.
Wenn Xiang in dieser kurzen Zeit wirklich eine Falle vorbereitet hatte, brachte sie sich selbst in Gefahr, wenn sie prüfte was er dort getan hatte. Dieses Risiko war die Sache nicht wert.
Vor allem wenn sie bedachte, daß er in einem kleinen Umkreis zuschlug und weder das Schiff selbst noch der Captain sich direkt in Gefahr befanden. Wozu mußte er sonst direkt in einen Gang bei der Krankenstation? Es war eine Aktion in einem kleinen Rahmen, wenn er nicht nur etwas überprüft oder vorbereitet hatte.
"Lin Xiang betritt den Maschinenraum auf Deck 8. 2,435 Meter vom Eingang hält er an. Korrigiere: Unwesentliche Bewegung von 0,283 Meter registriert."
Nur im Unterbewußtsein hörte Silvana die Stimme des Androiden. Sie spielte mit dem Gedanken einen ihrer Leute in den Gang zu schicken und ihn nach Spuren suchen zu lassen. Aber Xiang war ein Profi und bevor jemand etwas entdecken würde, war es sicher zu spät. Und sie verlor ungern einen ihrer Leute. Wozu steckte sie sonst soviel Zeit und Energie in ihre Ausbildung?
Aber sie mußte etwas tun! Sie fühlte genau, daß Xiang in diesem Moment seinen Plan ausführte, daß er das Finale eingeleitet hatte. Mit jeder Faser ihrer raubtierhaften Instinkte spürte sie seinen stillen Triumph. Erregt sprang sie auf und lief hin und her.
Sie mußte etwas übersehen haben, etwas sehr Wichtiges.
--- Sternenlichts Quartier, inzwischen
Sternenlicht löschte gerade die letzte Kerze, die sein Ritual begleitet hatte. In seinem Verstand klangen noch immer die Melodien, die eine Seele in den nächsten Lebensabschnitt geleiten würden.
Seinen Schweif hinter sich herziehend, verließ Sternenlicht seine Kabine und machte sich auf den Weg zur Brücke. Das war momentan der beste Punkt, an dem er etwas tun konnte.
--- Maschinenraum, am Hauptterminal
'Mühsam nährt sich das Eichhörnchen', dachte Jack, als er sich die Eintragungen auf dem Hauptterminal des Maschinenraumes ansah.
Nachdem Pormas und Narbo sein Büro verlassen hatten, hatte der Psychologe sich noch ein paar Personaldaten auf seinen Tricorder geladen. Anschließend hatte er sich auf das Maschinendeck begeben.
Collins suchte hauptsächlich nach Einträgen von Arbeiten, die Xiang selber gemacht hatte, oder welche, von denen es unklar war, wer dabei war.
Er hatte nicht sehr viel Zeit und mußte sich ein bißchen auf seinen Instinkt und sein Glück verlassen. Hilfe konnte er von keinem erwarten. Es ging hier zur Zeit zu wie in einem Taubenstall. Die Techniker hatten alle Hände voll zu tun. Collins hatte allerdings das Gefühl, beobachtet zu werden.
'Na sieh mal an!', dachte der Psychologe. 'Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn!' Der Eintrag war sehr wage gehalten. Standardmäßig wurden die Antimaterievorratstanks in regelmäßigen Abständen untersucht. Die Zeiträume waren eigentlich definiert und wurden auch eingehalten.
Das nun jemand einen Behälter zweimal in einem Monat geprüft hatte, war auffällig. Beim ersten Termin war alles in Ordnung, beim zweiten Mal mußte etwas ausgetauscht werden, obwohl es keinen Hinweis auf eine Störung gab.
'Also gut', dachte Jack. 'Entweder oder!' Er drehte sich um und ging dann auf einen der Techniker zu.
"Wo finde ich die Antimaterievorratstanks?", fragte Collins.
Der Mann sah ihn durchdringend an. "Warum? Wer sind Sie?"
Jack sog ein wenig die Luft ein. "Okay, Sie sind gestreßt, ich bin gestreßt, aber wie wäre es, wenn Sie es mir einfach sagen würden, hm?"
"Fragen Sie den Chef!", antwortete der Mann barsch. "Der war doch gerade hier. Aber anstatt mal mit anzupacken, macht er sich gleich wieder aus dem Staub. Wir wissen nicht, wo uns der Kopf steht und der haut einfach wieder ab. Dringende Arbeiten... bla bla!"
Der Psychologe versuchte zu lächeln. "Tja, so sind Vorgesetzte, immer auf der Flucht, wenn es um Verantwortung geht!" Innerlich strich Jack die Sache mit der Verantwortung, das kam dann schon eher hin. Xiang war also gerade hiergewesen, aber Jack mußte das Narbo und Pormas überlassen. Und er hoffte, daß das in dieser Kombination auch gut gehen würde.
"Ich will Ihnen ja helfen", fuhr Collins dann fort. "Ich habe da so ein paar verworrene Messungen", er deutete auf seinen Tricorder und auf das Terminal. "Kann ja nicht schaden, wenn ich mal nachsehe, oder haben Sie gerade Zeit?"
Der Mann wehrte ab. "Ich? Nee! Okay, gehen Sie den Gang dort runter, ganz hinten am Heck, steht dann auch dran!", sagte der Mann und verschwand.
--- Deck 8, Gänge
Xiang war schlau, er sabotierte nicht den Antimateriehauptlagertank sondern die Vorratskapseln. Jack beschleunigte seinen Schritt und blieb dann vor einer Tür mit der Aufschrift 'Zutritt nur für Befugte' stehen.
Die Tür öffnete sich nicht automatisch.
--- Deck 8, vor dem Antimaterielager
"Computer! Öffne die Tür!", sagte Jack genervt.
"Identifizieren Sie sich!", kam die monotone Stimme zurück.
"Jack Collins, Bordpsychologe, mach hin!", antwortete er.
"Zutritt verweigert!", sagte die Computerstimme kalt und bestimmt. Collins kühlte seine Stirn an dem kalten Metall der Tür.
"Natürlich, was auch sonst!", sagte er und fing an in seinen Taschen zu graben. Das letzte noch funktionierende Teil seiner Ausrüstung, außer seinem Thermostrahler, aus seinem alten Universum hatte er immer dabei.
Jack zog das kleine Gerät behutsam aus der Tasche. "Universalschlüssel" hatte man bei der USO immer gesagt und Collins hatte festgestellt, daß Siganesentechnik der hiesigen Technik weit überlegen war, wie überhaupt mit einigen anderen Sachen auch.
Dort wo Jack herkam, flog man schließlich schon zum Andromedanebel, während man hier noch Probleme hatte von einem Teil der Galaxis zum nächsten zu kommen.
Collins positionierte das Gerät an dem Panel der Tür und aktivierte es. "Sesam öffne dich!", sagte er und kaum hatte er ausgesprochen, öffnete sich die Tür einen Spalt.
Das Gerät suchte nach mehreren Möglichkeiten eine Tür, einen Eingang oder sonst etwas anderes zu öffnen. In diesem Fall hatte es eine Notfallsituation simuliert und den Computer veranlaßt die Tür zu öffnen.
--- Kontrollraum vor dem Antimaterielagerraum
Jack öffnete die Tür bis er durchpaßte und stand in einem Raum. Vor ihm war eine gepanzerte Tür, links neben im ein Terminal mit den Statusanzeigen der einzelnen Antimaterievorratskapseln. Er beugte sich über das Terminal.
"Hm, mal sehen, Kapsel 14... ah, Magnetfeldabschwächung um 5%! Na sieh einer an, wie kommt denn das?", er grinste.
--- Antimaterielagerraum
Das Öffnen der Panzertür stellte sich als kleineres Problem dar, die Manipulation der Kapsel 14 eher schon als schwierig. Jack sah den kleinen schwarzen Kasten an der Unterseite der Kapsel an. Keine Drähte, keine Möglichkeit an das Innere des Kastens zu kommen, ohne ihn zu beschädigen, oder wohlmöglich in die Luft zu jagen.
"Gute Arbeit, Xiang!", sagte Collins zu sich, "Verdammt gute Arbeit!" Das Magnetfeld im Inneren der Kapsel wurde zusehends schlechter. Das würde solange gehen, bis die darin lagernde Antimaterie mit der Kapselwandung in Berührung kam. Und dann....!!! Die Zeit wurde verdammt knapp!
'Also gut, mechanisch lösen wird nicht klappen, dagegen hat er sie bestimmt abgesichert', dachte der Psychologe. Auf seiner Stirn begannen sich Schweißperlen zu bilden. 'Das Ding braucht Energie um zu funktionieren. Energie, die nicht von außen beeinflußt werden kann. Energie, die niemand abschalten kann, ohne daß das Ding geöffnet wird. Außer ... ein Telekinet!'
Damit war klar, daß Xiang einen Fehler gemacht hatte. Er hatte Collins Akte nicht gelesen, oder er war nicht auf so etwas vorbereitet gewesen. Wie auch immer, es gab noch ein Problem...
"Verdammt!", fluchte Collins. Normalerweise konnte ein Telekinet nur Dinge bewegen, die er sah. Aber aus einigen Erfahrungen der letzten Zeit, wußte er, daß er die Möglichkeit hatte auch versteckte Dinge zu 'ertasten'.
"Magnetfeldintegrität bei 85%! Achtung, Fehlfunktion an Kapsel 14!" Die Stimme des Computers riß Jack aus seinen Gedanken. "Na denn!", sagte er und fing an sich zu konzentrieren.
"Achtung Fehlfunktion! Magnetfeld Kapsel 14 bei 80 %!" Die Stimme nervte. Jack 'fühlte' die Schaltungen in dem schwarzen Kasten. Aber was zum Teufel war die Energieversorgung?
"Achtung Fehlfunktion! Magnetfeld Kapsel 14 bei 60 %!", Collins ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Er wußte, bei 50% würde es kritisch werden, die Chance, daß ein Antimaterieteilchen die Metallwandung der Kapsel traf war sehr groß. Inzwischen war sicherlich im Maschinenraum ein Alarm aufgelaufen.
"Achtung Fehlfunktion...!" Dort war es! Jack war sich zwar nicht ganz sicher, aber auf seinen Instinkt konnte er sich meist verlassen.
"...Magnetfeld Kapsel 14..." Collins spürte die Energie, zumindest glaubte er es. Und er spürte die Verbindungen zwischen der Energie und dem Rest des Kastens.
"...bei 50 ..." Der Psychologe 'riß' an der Verbindung zwischen der vermeintlichen Energiequelle und der Kapsel. Der Schweiß ran an seinem Gesicht herunter.
Die Computerstimme erlosch schlagartig, alles wurde ruhig. Jack drehte sich um und lehnte sich schweißüberströmt an die Kapsel. "Computer! Status von Kapsel 14?", fragte er leise und erschöpft.
"Kapsel 14 ist in den vorgegebenen Parametern!" Collins grinste. "Na also, wer sagt es denn!", sagte er und stieß sich von der Kapselwand ab.
"Gute Arbeit, Mr. Collins! Wirklich, ich bin beeindruckt!" Die Stimme war warm und dunkel. Männlich, etwa einsachtzig groß, schätzte Jack. Leider stand die Person im Halbdunkel.
"Xiang hat seine Hausaufgaben scheinbar nicht ordentlich gemacht, was mich im Moment natürlich freut!", sagte die Stimme. "Ich habe Ihre Akte gelesen, Collins, wirklich faszinierend! Sie wären eine Bereicherung unserer Organisation. Aber leider, leider ... ich habe da so meine Prinzipien."
"Schade", sagte Collins. "Eigentlich hatte ich mir schon überlegt, den Job zu wechseln! Ist einfach zu stressig hier an Bord!" Fieberhaft überlegte Jack nach einem Ausweg aus dieser Situation.
--- Deck 6, Holodeck 2
Jean-Lucs Worte klangen in ihrem Kopf nach. Immer wieder. Als würde sie sich im Kreis drehen.
Mann, warum war es so verdammt ruhig hier! Weder Kargan noch Slade schienen zu atmen. Die Stille blockierte ihr Denken und sie hatte Probleme überhaupt einen klaren Gedanken zu fassen. Wütend schlug sie mit der Faust gegen einen der simulierten Schränke. Das Glas brach und als die Splitter sich fast in ihre Hand bohrten, war der Bann gebrochen.
"Jean-Luc, gibt es eine Änderung? Und faß dich kurz", knurrte sie ungehalten und ihr Puls beschleunigte sich rapide, als sie auf seine Antwort wartete.
"Nein, Sir. Negativ."
"Unwesentliche Bewegung!! Verdammt!! Ich hätte es wissen müssen...", fluchte sie und hockte sich wieder vor den Terminal. Ihre Hände zitterten vor Adrenalin, das momentan durch ihre Adern floß. "Jean-Luc gib mir sofort einen Plan vom Maschinenraum auf den Monitor. Und jetzt setze den Communicator von Lin Xiang als roten Punkt ein. Ja, genau. Und jetzt... setze für jede Lebensform, die größer ist als ein Jumper ist einen blauen Kreis...
VERDAMMT!!!! Er hat es getan!!!"
Silvana war so wütend, daß sie mit einer einzigen Armbewegung den ganzen Tisch abräumte. Der Terminal fiel zu Boden und explodierte in einem wahren Funkenregen. Doch sie betätigte nur ihren Communicator: "Silvana an Narbo und Pormas! Schwingt eure verdammten Ärsche sofort zur Shuttlerampe! Xiang ist nicht mehr im Maschinenraum, dort ist nur mehr sein Communicator! Er hat erneut zugeschlagen oder schlägt im Augenblick zu!"
Plötzlich ertönte der Sicherheitsalarm.
Ihre Stimme klang dunkel und kalt: "Fangt ihn! Lebend oder tot... ich will sein Herz!"
--- Raider "Horniss", zur gleichen Zeit
An Bord des Raiders angekommen, ersetzte Xiang als Erstes den fehlerhaften Diliziumkristall durch den fehlerfrei funktionierenden. Er hatte sich sehr beeilt, die Haftladung und den Gaszylinder anzubringen, war sich aber trotzdem sicher, keine Fehler begangen zu haben.
Das Timing war nun von entscheidender Bedeutung. Er hatte sich ausgerechnet, daß es etwa dreißig Sekunden dauerte, bis die Konzentration des Giftes in der Krankenstation die tödliche Schwelle überschritten hätte. Weitere zwanzig Sekunden später mußte das Gas von der Umwälzanlage bereits wieder entfernt worden sein.
Nach einem kurzen, aber sehr intensiven Systemcheck ließ er mittels einer Fernsteuerung das Gas austreten.
Anschließend aktivierte er die Maschinen des Raiders, welche einwandfrei funktionierten.
32 Sekunden nach Beginn des Austrittes des Gases aktivierte er die Haftladung.
Nun hatte niemand in der Krankenstation mehr auch nur den Hauch einer Chance, zu überleben.
Wenn jetzt noch seine Flucht gelang...
--- Deck 8, Gänge
Grinsend zog Narbo eine dämonische Grimasse, die selbst einem Klingonen Angst eingeflößt hätte.
"Fangt ihn! Lebend oder tot... ich will sein Herz!" Das waren die Zauberworte gewesen, die Worte nach denen seine Seele schon so lange verlangt hatte.
"Ich werde es heute abend in der Bar als Abendessen servieren!", gab er teuflisch lachend zurück, und war in Gedanken schon bei der Zubereitung: Die frische Petersilie fiel über das noch schlagende Fleisch, der Duft des langsam angebratenen Herzens stieg ihm süßlich in die Nase...
Von der Aussicht zur Ekstase gebracht, liefen die beiden so unterschiedlichen Typen im Hass auf einen gemeinsamen Feind vereint blitzschnell durch die Gänge und verzichteten auf jede Vorsicht:
Die Zeit drängte und jede Sekunde war kostbar...
--- Deck 6, Holodeck 2, zur gleichen Zeit
Silvana war sehr wütend. Zum einen, weil dieser Mistkerl Xiang seinen Anschlag in Ruhe durchziehen zu schien und noch immer frei auf dem Schiff herumlief und zum anderen, weil sie nicht auf dem Monitor der holografischen Krankenstation nachsehen konnte was auf der echten Krankenstation passiert war, weil sie ihn in ihrem Zorn vernichtet hatte.
Jetzt einen neuen generieren zu lassen konnte aber auffällig sein, also blieb ihr nichts weiter übrig, als den Computer nach den näheren Umständen des Alarms zu befragen: "Computer, was ist der Grund für den Sicherheitsalarm?"
"Bloß zwei weitere Todesfälle, Sir. Um präzise zu sein, zwei Todesfälle, die sich in Bälde ereignen werden und nicht mehr verhindert werden können. In genau 4,873 Sekunden", meldetet sich die nervige Stimme Jean-Lucs zu Worte und hatte auch noch die Unverfrorenheit die Sekunden in einer Art Countdown herunterzuzählen.
Instinktiv verdrehte die Sicherheitschefin die Augen und unterdrückte den Wunsch sich auch den Communicator runterzureißen und darauf herumzutrampeln. "Was ist genau passiert?", wiederholte sie eine ganze Spur schärfer.
Das bedenkliche Knacken in der Leitung stammte nicht wie Silvana vermutete von einer kleinen Raumanomalie oder einem Problem mit dem Computer, sondern davon, daß Jean-Luc seinen Kopf ziemlich heftig herumdrehte und tatsächlich mit dem Gedanken spielte den Maschinenraum aufzusuchen um sich "behandeln" zu lassen. Von Ärzten hielt er nicht viel. In dieser Hinsicht sah er sich lieber als Maschine.
"Nachdem die Krankenstation hermetisch abgeriegelt wurde - übrigens sehr geschickt getarnt- flutete Giftgas in den Raum und tötete Marc Tegger sowie den ebenfalls dort anwesenden Dave Kreml. Der Tod muß schnell eingetreten sein, wobei Mr. Kreml 2,348 Sekunden länger am Leben war, was sich vermutlich auf die enorme Größe seiner..."
"Kurz und präzise!", ermahnte ihn Silvanas eisige Stimme und sie ballte die Hände zu Fäusten.
"Türverriegelung aktiv, Giftgaseintritt in die Krankenstation, zwei Personen segneten das Zeitliche..." Für einen Moment fragte sich Silva wirklich woher Jean-Luc sein Vokabular hernahm, bevor er wieder die Aufmerksamkeit auf sich zog. "Moment... Explosion an einem Verteiler 32,064 Sekunden nach dem Fluten durch Giftgas, Energieversorgung kurz unterbrochen. Aber ich nehme nicht an, daß das etwas mit dem...."
Abrupt blieb Silvana stehen, nachdem sie die ganze Zeit wie ein Raubtier hinter Gittern ständig auf und ab gelaufen war. Sie hatte gehört was sie wissen wollte und ihre eigenen Rückschlüsse gezogen. Die Explosion schwächte das Ebene 10 Kraftfeld und ließ Giftgas zum Captain vordringen - so nahm der Täter jedenfalls an - was Xiangs Problem ein für allemal aus der Welt schaffte.
"Jean-Luc, alle ankommenden Anfragen... Nein, ich hab es mir überlegt. Vergiß es. Schließe den Hangar für abgehende Flüge und öffne ihn unter gar keinen Umständen." Sie war über sich selbst verwundert, das nicht schon viel eher getan zu haben. Wo war sie nur die ganze Zeit über mit ihren Gedanken gewesen?
Wenn sie wütend wurde, schien irgend etwas bei ihr auszusetzen. Etwas das Teil ihres logischen Denkens darstellte. Ein Grund für sie noch wütender zu sein. Doch es kam noch ein weiterer hinzu.
"Ich kann Ihren Befehl nicht ausführen, Sir. Die Steuerung des Hangars läßt sich von mir nicht mehr bedienen. Sie scheint jetzt direkt mit den Kontrollen des Hangars verbunden zu sein und kann ausschließlich von dort aus bedient werden. Außerdem registriere ich Schwankungen in der Energiestruktur von Deck 8, die möglicherweise von Kraftfeldern stammen, dir mir ebenfalls entgangen sind... ich verstehe nicht wie..."
"Silvana ENDE!°
Ohne sich länger mit dem einen Menschen nachempfundenen Schrotthaufen zu befassen oder Kargan eine Erklärung abzugeben, verließ Silvana das Holodeck. Sie war sich sicher, daß der Captain hier wohl aufgehoben war und niemand ihn auch nur ein Härchen krümmen würde.
Es sei denn, der Doktor leistete schlechte Arbeit...
--- Brücke, zur gleichen Zeit
Pünktlich mit dem Sicherheitsalarm betrat Sternenlicht die Brücke. Sadaja drehte kurz den Kopf nach hinten und nahm seine Anwesenheit zur Kenntnis. Auch Sternenlichts Aufmerksamkeit rückte sofort von ihr zu Jean-Luc ab, der gerade Silvana Bericht erstattete.
Mit zuckendem Schweif setzte sich Sternenlicht an die wissenschaftliche Konsole. Triargonidgas in der Krankenstation sagten seine Meßwerte. Das Zeug war wirklich gefährlich. Wo sollte das noch enden?
Silvanas abruptes Abbrechen der Konversation mit Jean weckte ihn aus seiner Starre. Er brachte die Sensorphalanx der Privateer online. Nach der zumindest teilweisen Neujustierung lieferte sie endlich vernünftige Ergebnisse.
--- Deck 6, Gänge
Eilig hetzte Silvana zum nächsten Turbolift und wies den Computer noch im Laufen an, den Sicherheitsalarm zu beenden. Wenn sie etwas haßte, dann waren es neugierige Zuschauer auf den Gängen. Sie wußte auf der Krankenstation nichts mehr verhindern zu können, aber sie hoffte, daß die körperliche Betätigung ihren Adrenalinspiegel wieder etwas in geordnetere Bahnen führen würde, wenn sie auch stark daran zweifelte. Zumindest konnte sie sich vor Ort versichern, daß nicht jeder die Leichen zu Gesicht bekam.
Wenn sich jetzt noch etwas zwischen Xiang und seine Flucht stellen konnte, dann waren es Narbo und Pormas. Denn spätestens jetzt würde der Koreaner alles daran setzen das Schiff zu verlassen und er hatte freie Bahn was den Hangar betraf. Selbst wenn sie jetzt den Weg auf Deck 8 einschlug kam sie längst zu spät um seinen Abflug noch verhindern zu können.
Für Xiang war sie laut Computer tot, der sie noch immer in der Krankenstation auswies, ebenso tot wie der Captain es sein würde, wenn sie nicht wenigstens die Idee gehabt hätte alles auf das Holodeck zu verlegen. Daß sie dabei die beiden Verletzten ihrem Schicksal überlassen hatte, daran dachte sie keine Sekunde. Sie waren nicht weiter wichtig. Allein der Schutz von Slade war wichtig.
Innerlich verfluchte sie ihre humane Art, sich Xiang erst dann zu greifen, wenn er versuchte zuzuschlagen und so seine Schuld eindeutig bewiesen war. Warum hatte sie ihn auf der Krankenstation nicht gleich erlegt und dann abgewartet, ob noch jemand einen Anschlag vorhatte? Nach dem was sie mit Xiang getan hätte, wäre ohnehin jedem anderen die Lust an einem solchen Vorhaben vergangen.
In Gedanken vertieft rempelte sie jemanden hart an, der das Glück hatte sich bei ihr dafür zu entschuldigen was seiner Gesundheit zugute kam. Sie zog ihre bereits ausgefahrenen Krallen wieder ein. Vor dem Turbolift zog sie noch einmal eine Bilanz.
Alle Anzeichen sprachen dafür, daß sie lieber ihrem Instinkt folgen sollte, statt sich je wieder in Sternenflottengepflogenheiten oder Geduld zu üben. Anscheinend verbrachte sie zu viel Zeit mit Collins, der die Liebenswürdigkeit in Person war. Wahrscheinlich war seinetwegen Narbo wie ein geprügelter Hund abgezogen um sich nicht von dieser Weichheit anstecken zu lassen.
Ärgerlich biß sie sich in die Lippe bis sie blutete. Ein süßer Geschmack der ihre Sinne aufpeitschte.
--- Shuttlehangar
Ohne Probleme erreichten Pormas und Narbo den Hangar. Eilig sahen sich die Beiden um, für welches Shuttle sich der Koreaner wohl entschieden hatte. Der Südländer zückte seinen Tricorder und scannte nach weiteren Lebenszeichen, während Narbo seinerseits die Fernbedienung für sein Shuttle auspackte und die Bilder der installierten Sicherheitskamera auswertete.
Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, stürzte das ungleiche Paar gleichzeitig auf den Raider zu. Beide warfen sich verdutzte Blicke zu. Jeder hatte gehofft einen Vorteil zu erhaschen, indem sie sofort losliefen ohne dem anderen Bescheid zu geben.
Zwar hatte jeder seine eigenen Methoden, aber diese waren gleichermaßen effektiv....
...und so waren sie schon in greifbare Nähe des richtigen Raiders, als plötzlich eine gnadenlose, unsichtbare Wand ihren Plan durchkreuzte und die beiden Helden wie Spielzeugpuppen an sich abprallen ließ.
Dank seines flinken Körpers landete der Ferengi halbwegs auf den Beinen, während der durch seine Größe etwas behinderte Südländer Probleme hatte, nicht auf dem Rücken zu landen.
"Verdammter Mist!", schrie Narbo heraus, was er in diesem Moment aus tiefster Seele dachte. Der Lumpenhund von Schlitzauge hatte wirklich eine feine Arbeit geleistet...
Aber als der Ferengi die Fernbedienung seines Shuttles betrachtete, hatte er schon eine Idee, wie sie zuerst das verfluchte Kraftfeld überwinden und dann die Flucht des Koreaners verhindern würden!
--- Brücke
Die Kraftfelder waren auf dem passiven Emmisions-Scan als haarfeine Linien zu sehen. Viel interessanter war der große, hell leuchtende Fleck in mitten des Hangars. Die Systeme der Horniss waren aktiv und warteten nur noch darauf, in Aktion zu treten.
Noch während Sternenlicht die aktiven Sensoren auf den Hangar richtete, aktivierte er den Communicator: "Pormas, Narbo, Achtung. Die Horniss steht voll unter Strom und kann jeden Moment abheben."
Jetzt hatte er eine saubere Erfassung des Raiders, die er auf den Hauptschirm legte, so daß Sadaja einen klareren Blick hatte. Sensordaten über die Horniss füllten mit einer Schematischen Zeichnung den Schirm. Warpkern aktiv, Sensoren, Schilde, Waffen in Bereitschaft.
Die Horniss konnte jeden Moment zum Leben erwachen...
--- eine versteckte Ecke des Speicherkerns
Hier war er also.
Eingebettet in Teraquod von Daten und unauffindbar getarnt als Sicherheitssubroutine; bereit seiner Programmierung zu folgen und seinem Erschaffer so zu dienen. Nicht viele Viren waren so hoch entwickelt wie X3/2 und nicht viele besaßen eine solch ehrgeizige Künstliche Intelligenz wie er.
Aber diese Überlegenheit war auch notwendig, denn sein Auftrag erforderte sämtliche Finesse und er durfte im entscheidenden Moment nicht versagen! Sollte eine biologische Einheit versuchen den Start seines Erschaffers zu verhindern, würde er jede nötige Gegenmaßnahme einleiten, um dies zu unterbinden...
--- Shuttlehangar, beim Energiefeld
Gerade wollte der Ferengi Pormas seine Idee erzählen, als beide Communicatoren gleichzeitig ansprachen. Mit einer simultanen Reflexbewegung aktivierten beide ihn und antworteten wie aus einem Mund: "Was gibt's?"
Sternenlichts Stimme informierte die Beiden: "Pormas, Narbo, Achtung. Die Horniss steht voll unter Strom und kann jeden Moment abheben."
"Sieht so aus, als hätten wir nicht mehr viel Zeit", analysierte Pormas mit gepreßter Stimme. "Wir schaffen es wahrscheinlich nicht mehr, das Kraftfeld zu deaktivieren, und ihn am Starten zu hindern. Wir haben nur noch eine Chance: Sieh zu, daß dir einen Raider schnappst. Ich deaktiviere das Kraftfeld und komme dann mit einem Anderen nach. Aber laß mir etwas übrig von ihm, verstanden?"
Narbo nickte, drehte sich um und entfernte sich im typisch ferengischen Eilwatschellauf, während er sich sicher war, keinen Raider zu besteigen. Der Barmann hatte ein ganz anderes Ziel...
Pormas hingegen hatte schon die Energieverteilung des Kraftfeldes gescannt, und den Energieverteiler des Shuttlehangars entdeckt, der das Kraftfeld mit Energie versorgte. Er brauchte ihn nur zu sabotieren, woraufhin das Kraftfeld schnell in sich zusammenbrechen würde.
Gerade als er seinen Phaser ausgerichtet hatte, und sein Daumen bereits dicht über dem Auslöser schwebte, fiel ihm etwas ein. Sein schnell gezückter Tricorder bestätigte ihn in diesem Verdacht. Dieser Energieverteiler steuerte gleichzeitig das Feld, welches die Luft in dem Shuttlehangar hielt und gleichzeitig feste Körper wie z.B. Shuttles durchließ.
Würde er diesen Verteiler zerstören, würde die Luft des Shuttlehangars rasch in den Weltraum gesogen werden. Das würde zwar die Funktionen von Xiangs Raider kaum beeinflussen, aber dafür Pormas und Narbo wesentlich größere Steine in den Weg legen - wenn sie es denn überhaupt überleben würden.
Nein, er mußte subtiler vorgehen.
--- Antimaterielagerraum, inzwischen
"Sie sind schon länger am Leben, als ich es normalerweise zulasse", sagte der Fremde leise. "Das zeugt von Bewunderung! Aber es geht nun mal nicht anders!" Er hob einen Gegenstand, den Collins nicht sofort identifizieren konnte. Wahrscheinlich handelte es sich um eine Waffe.
Für den Psychologen gab es nur die Möglichkeit, seine Fähigkeiten wieder einzusetzen. Was allerdings bedeutete, sich noch weiter zu schwächen. Es kostete ihn weit mehr Kraft, unsichtbare Dinge zu bewegen als er dachte. Aber hier hatte er keine Wahl.
Bevor Jack sich aber konzentrieren konnte, drangen Stimmen in den Lagerraum. 'Der Alarm!', dachte Collins. 'Das könnte eine Chance sein!'
"Ist hier jemand?", die Stimme gehörte dem Techniker, den Collins vorhin im Maschinenraum gesprochen hatte.
Der Fremde drehte sich schnell um und richtete die Waffe auf den Techniker, dessen Augen ungläubig auf die Waffe starrten, als er den Lagerraum betrat. Es war mit Sicherheit das Letzte, was der Techniker in seinem Leben sah.
Was dem einem das Leben kostete, wurde seinem Mörder zum Verhängnis. Zwei Personen gleichzeitig konnte der Mann nicht erwischen und Jack nutzte seine Chance.
Mit einem großen Schwung setzte Collins zu einem Sprung an. Sein Fuß traf den Fremden mit einer solchen Wucht auf dessen Brustkorb, daß man ein häßliches Knirschen von brechenden Knochen hörte. Der Mann flog mit einem gurgelnden Laut an die Wand des Raumes.
Die Waffe des Mannes flog bei dem Sturz in einem hohen Bogen davon. Jack setzte noch einmal nach und verpaßte diesem Kerl eine Rechts-Links Kombination ins Gesicht.
Allerdings war dieser Fremde ein geübter, trainierter Kämpfer. Trotz seiner Verletzung gelang es ihm Jack mit zwei gezielten Schlägen die Luft aus den Lungen zu treiben. Collins ging japsend zu Boden.
Der Fremde zückte nun ein Messer aus seinem Stiefelschaft. Die Eleganz seiner Bewegungen ließ aber langsam zu wünschen übrig. Es schien, daß er schwerer verletzt war, als Jack angenommen hatte.
Der Ton, in dem der Mann sprach, klang nun auch nicht mehr so warm und ruhig. "Zeit zum Sterben, mein Freund!", sagte er und stürzte sich auf den Psychologen.
Collins wehrte den Schlag routiniert ab. Die Luft zu einem Gegenschlag fehlte ihn aber noch. Er spürte das Messer des Fremden an seiner Kehle. "Wissen Sie, ich werde langsam zu alt für solche Spielchen!", preßte er mühsam heraus.
"Warum sterben Sie nicht einfach?", fragte der Fremde zurück und Jack bemerkte das Blut, daß aus dem Mund des Fremden lief und wie dieser Mühe hatte zu reden.
"Ich fürchte, meine Zeit ist noch nicht ganz gekommen!", antwortete Jack, der nun seine Chance witterte. Sein Gegner war schwer angeschlagen. Collins vermutete innere Verletzungen. Er machte eine kurze heftige Seitenbewegung und zog dann sein Knie mit einer solchen Wucht zwischen die Beinen des Fremden, daß dieser laut aufstöhnte und in sich zusammensackte.
"Ich weiß, das war unfair", sagte Collins und schob den Fremden beiseite. "Aber, es ist nun Zeit für dich!"
Mit großen Augen sah der Fremde den Psychologen an. Die Kraft war raus aus seinem Körper und Blut rann aus seinen Mundwinkeln. Die Verletzung forderte ihren letzten Tribut. "Ich verstehe das nicht....", röchelte er mühsam.
Collins richtete sich langsam auf und lehnte sich dann mit dem Rücken an die Kapsel. "Ich fürchte, du hast einen Fehler gemacht mein Freund. Und den habe ich genutzt. Man kann nicht immer gewinnen."
Die Augen des Fremden sahen Jack ungläubig an, bis sie brachen.
"Achtung Fehlfunktion! Magnetfeld Kapsel 2 ist instabil!", schnarrte die Computerstimme. "Voraussichtlicher Zusammenbruch in fünf Minuten!"
"Oh ja! Habe ich gewußt, daß das kommt! Auf dich kann man sich verlassen Xiang! In diesen Dingen bist du wirklich gründlich!", Collins kämpfte sich hoch und schleppte sich langsam zur Kapsel 2.
"Achtung Fehlfunktion! Magnetfeld Kapsel 2 ist instabil! Voraussichtlicher Zusammenbruch in vier Minuten dreißig Sekunden! Löse automatischen Evakuierungsalarm aus!", laut hämmerte die Computerstimme in Jacks Hirn.
Zweimal suchte der Psychologe die gesamte Kapsel nach einer schwarzen Box oder etwas Ähnlichem ab. 'Nichts! Absolut nichts!', dachte er. Irgendwas war nicht richtig.
'Der Kontrollraum!', dachte Collins und rannte zur Tür. Nichts! Sie öffnete sich nicht.
"Achtung Fehlfunktion! Magnetfeld Kapsel 2..."
"Ja! Verdammt, Computer, Warnmeldung im Lagerraum bis auf weiteres aussetzen!", unterbrach Collins den Computer. Nichts ahnend, daß weder Silvana noch die Brücke von irgendwelchen anderen Alarmen informiert wurden. Der kleine Koreaner hatte an alles gedacht.
"Und öffne die Tür!" Jack sah zur Uhr, vier Minuten.
"Störfall! Fehlfunktion! Keine Berechtigung zum Öffnen der Tür!" Die emotionslose Stimme des Computers brachte Jack zur Weißglut. Selbst bei einem Störfall mußte diese Tür aufgehen.
Der Psychologe starrte auf die Leiche des Fremden. Der 'Aufpasser'! Und plötzlich dämmerte es Jack. 'Die Box auf Kapsel 14 war nur eine Attrappe! Sie muß mit dem Computer gekoppelt gewesen sein und die Schwächung des Magnetfeldes nur simuliert haben, genau wie mein Universalschlüssel die Türen öffnet.'
Dieser Fremde hatte gewußt, daß er sterben wird, wenn Xiang versagen würde. Der Auftrag war auszuführen, egal wie! Was für eine mächtige Organisation! Was mochte Slade gemacht haben, daß man einen solchen Aufwand trieb um ihn zu beseitigen?
Allerdings wollte der 'Aufpasser' wohl in dem Inferno einer Antimaterie-Materiereaktion sterben und nicht von der Hand eines ahnungslosen Psychologen. Deswegen hatte sich der Mann auch die Zeit zu einem kleinen Smalltalk genommen, anstatt Collins gleich über den Haufen zu schießen.
Jack sah zur Leiche des Technikers. 'Wenn ich Kapsel 2 unter Kontrolle bekomme, hat das ganze Schiff dir eine ganze Menge zu verdanken', dachte er und setzte seinen Universalschlüssel an das Türpanel.
Nichts! Kein Öffnen! "Verdammt!", fluchte Collins. Es schien, daß er die letzten Minuten seines Lebens in einem verschlossenen Antimaterielagerraum verbringen sollte.
"Hallo, Sie dort im Lagerraum!" Laut kam die weibliche Stimme aus Jacks Communicator. Er sah auf die Uhr, noch drei Minuten.
"Ja?", antwortete er. "Ich bin Collins, können Sie die Tür öffnen?"
"Nein, wir haben einen schweren Systemfehler in der Überwachungssoftware für den Lagerraum und haben zur Zeit keinen Zugriff auf die Kapseln oder die Tür! Hören Sie jetzt gut zu, stellen Sie keine Fragen und machen Sie einfach das, was ich Ihnen sage!", sagte die Stimme sachlich und bestimmt.
"Unser Glück ist es, daß Sie im Lagerraum sind. Sie müssen jetzt die Kapsel 2 manuell zum Antimateriehauptlagertank pumpen, transferieren oder wie immer Sie es nennen wollen. Zwar wird dann soviel Antimaterie im Haupttank sein, daß das Niveau aus dem Anzeigenbereich ist, aber wie wir wissen, haben die Konstrukteure ja immer eine gewisse Toleranz für solche Fälle gelassen.
Noch was, die Automatik braucht eine Minute fünfundvierzig um eine Kapsel zu transferieren. Sie haben.. . jetzt noch zwei Minuten dreißig und leider keine Fragen mehr.
Also, bewegen Sie sich zur Kapsel 2. Links an der Wand ist ein kleiner Kontrollmechanismus. Schalten Sie von Automatik auf Hand!"
Collins hetzte zu diesem Mechanismus, orientierte sich kurz und schaltete dann auf Handbetrieb. "Sie haben vielleicht Humor! Okay, auf Hand!", sagte er knapp.
"Gut", antwortete die Frau. "Jetzt müßte eine Bedienungskonsole aus der Decke kommen. Die Kapsel ist auf einem Antigravschlitten mit dem Boden verankert. Öffnen Sie die vier Verschlüsse mit der Hand. Der Schlitten wird dann durch das Antigravfeld um zwanzig Zentimeter angehoben.
Anschließend schnappen Sie sich die Konsole und manövrieren die Kapsel mit dem Joystick zu der Schleuse am Ende des Raumes. Können Sie sie sehen?"
Jack hatte inzwischen den vierten Verschluß gelöst und die Kapsel glitt ein Stück in die Höhe. "Ja, ich sehe dort etwas, was eine Schleuse sein könnte!", er schwitzte und er wagte es nicht auf die Uhr zu sehen. "Was passiert, wenn eine andere Kapsel von der Automatik plötzlich zur Schleuse befördert werden soll?", fragte er.
"Ich habe doch gesagt, daß der Haupttank noch gut gefüllt ist und kein Bedarf zur Nachfüllung besteht, vertrauen Sie mir!"
Der Psychologe haßte es anderen zu vertrauen, aber in diesem Fall blieb ihm nichts anderes übrig. Er schnappte sich die Konsole und lenkte den Antigravschlitten mit der Kapsel zur Transferschleuse.
"Lassen Sie die Kapsel etwa zehn Zentimeter in die Schleuse hineingleiten. Dann stoppen Sie den Schlitten. Anschließend müssen Sie mit Hilfe eines Griffes an der Schleuse die Kapsel mit der Schleuse manuell verriegeln, okay?" Die Stimme wirkte nun schon etwas nervöser.
"Hier ist ein Griff, gut! Habe ihn betätigt! Jetzt leuchtet eine grüne Lampe auf meiner Konsole." Jack wartete.
"Sehr gut, aktivieren Sie jetzt direkt an der Schleuse das Display. Dort haben Sie die Möglichkeit, das Magnetfeld des Transfertunnels zu aktivieren, das machen Sie jetzt. Und gleich anschließend starten Sie die Antimateriepumpe mit dem kleinen Notschalter neben dem Display."
Collins arbeitete hochkonzentriert. Als sich das Magnetfeld im Transfertunnel aufgebaut hatte, aktivierte er die Pumpe, "Alles klar, Pumpe läuft! Und nun?"
"Es dauert normalerweise fünfundvierzig Sekunden um eine Kapsel zu verpumpen, Sie haben bei dreißig Sekunden die Pumpe angeschmissen. Also beten Sie, daß das Magnetfeld bis zum letzten Teilchen hält!", sagte die Stimme, die nun sehr angespannt klang.
Auf die Uhr sehend, beobachtete Jack gleichzeitig die Statusanzeige der Kapsel. Nach dreißig Sekunden fing das Magnetfeld an abzubauen, ohne Alarm und es war noch zehn Prozent Niveau in der Kapsel.
Der Psychologe drehte sich weg von der Kapsel. Er konnte nur noch warten. Es kam ihm vor wie Stunden, sein Gesicht hatte er in seinen Händen vergraben. Es gab kein Geräusch, keine Stimme und der Herzschlag wurde zum Sekundenzeiger.
"Jaaaa!", schrie plötzlich die Frau. "Sie haben es geschafft! Sie haben es tatsächlich geschafft!"
Augenblicklich wanderte Jacks Blick zur Statusanzeige der Kapsel. Das Magnetfeld der Kapsel war auf Null abgesunken, genau wie das Niveau. Die Pumpe hatte sich abgestellt und den Zugang zum Transfertunnel geschlossen. Keine Gefahr mehr.
Langsam ließ sich der Psychologe an der Wand der Kapsel zu Boden gleiten. Die Anspannung fiel langsam von ihn ab und er nahm sich fest vor, sich heute Nacht in der Bar mindestens die zwei Promille Grenze zu erreichen.
"Wäre nicht schlecht, wenn ihr jetzt auch noch die Tür aufbekommt!", sagte Collins leise in den Communicator
"Ist in Arbeit", sagte die Stimme als ein lautes Knirschen durch den Raum ging und die Tür zum Kontrollraum aufgeschoben wurde. Eine Frau mittleren Alters kam herein. Sie hatte rote kurze Haare und war nicht sehr groß. Jack schätzte sie auf einsfünfzig. Auf ihrer Stirn waren noch einige Schweißperlen zu sehen.
"Cindy Pepino", sagte die Frau und streckte Jack die Hand hin um ihn hochzuziehen. "Das war eine gute Arbeit Mr. Collins."
"Ich kann dieses Lob nur zurückgeben, aber nun bringen Sie mich bloß raus hier." Er stand auf und beide gingen in Richtung Ausgang. Jack sah noch mal zu der Leiche des Fremden, ob es Pormas und Narbo wohl gelungen war Xiang zu schnappen?
--- Shuttlehangar, beim Energieverteiler
Pormas öffnete die Abdeckung und fand sich sofort zurecht. Aus langjähriger Routine, und weil er es haßte, Gegner zu unterschätzen, scannte er die unmittelbare Umgebung nach Sprengstoffen - und wurde prompt fündig.
Natürlich. Xiang hatte seine Flucht gut und von langer Hand geplant. In der kurzen Zeit, die ihm blieb, versuchte er die Art des Auslösers zu verstehen, und da er selber vor nicht allzu langer Zeit eine ähnliche Schaltung verlegt hatte - mit bombastischem Erfolg - durchschaute er schnell deren Funktion.
Es dauerte nur ein paar Sekunden, bis er zwei Kabelverbindungen entdeckt hatte, die eindeutig hier nichts zu suchen hatten. Leise auflachend dachte er daran, in wie vielen Holoromanen Helden schon vor dieser Situation gestanden hatten: Ein Kabel deaktivierte das Energiefeld, das Andere zündete die Bombe.
Pormas schloß die Augen, ergriff mit einer Hand das rote Kabel und mit der Anderen das Grüne. In Holoromanen fanden die Hauptdarsteller grundsätzlich das richtige Kabel - vorzugsweise eine Sekunde, bevor die Bombe von sich aus zündete. Aber in der Realität lagen die Chancen bei fünfzig Prozent.
Das bedeutete, daß er durch simples Raten - und mehr stand ihm in der Kürze der Zeit nicht zur Verfügung - Helens Mörder eine fünfzigprozentige Entkommenschance geben würde.
Nein.
'Helen, ich tue es für dich', war sein letzter Gedanke, ehe er beide Kabel zugleich aus ihren Halterungen riß.
Die Explosion schleuderte ihn gegen ein paar herumstehende Container, aber als er mit dem Hinterkopf gegen das Metall prallte, war er schon ohnmächtig.
--- Shuttlehangar, Weg zu Shuttle Gint
'Diese kleine Mistfliege wird sterben - aber sehr langsam....', dachte der Ferengi abermals mit seinem teuflischen Grinsen, als er so schnell wie möglich zu seinem Shuttle rannte, daß ebenfalls in der riesigen Halle stand und im Vergleich zu den älteren Raidern recht klein wirkte.
"Computer: Deaktiviere die Sicherheitsmaßnahmen und beginne mit der Vorstartsequenz; Code Himmlische Schatzkammer 13-Gamma-Epsilon!", brüllte er dem Bordcomputer zu, während der Lärm durch den startbereiten Raider immer lauter wurde.
Widerspruchslos öffnete sich die Zugangsluke und im Inneren des Ferengischiffes begann der Bordcomputer damit, sämtliche Systeme für den bevorstehenden Start zu aktivieren, als der Knall einer Explosion an Narbos empfindliche Ohren drang und ihn herumwirbeln ließ:
Pormas lag hinter einer Kontrollkonsole blutend auf dem Boden und bewegte sich nicht mehr.
Aber für Mitleidsorgien blieb keine Zeit und der Ferengi war sich auch sicher, daß dieser Versager von einem Menschen keine verdient hatte. Dennoch, man könnte es einen sentimentalen Anfall nennen, setzte der Ferengi einen schnellen Funkspruch an die Krankenstation ab.
'Irgendwer muß mich ja belustigen, wenn ich wiederkomme!', dachte Narbo betrübt und erreichte endlich das Cockpit seines kleinen Heiligtums, nachdem er die vielen mit Sprengstoff gefüllten Kisten überwunden hatte.
Sofort sah Narbo auf den Anzeigen am Kommandoterminal, wie der Raider mit diesem kleinen verlogenen Bastard an Bord vorsichtig abhob und sich in Richtung des Kraftfelds drehte. Ohne Zweifel würde der Raider in wenigen Sekunden im All verschwinden.
"ARRRRRRRRRRRRRRRRRGHHHHHHHHH", grummelte der Ferengi vor sich hin und sprang in den federnden Sitz des Navigators, von dem aus "Gint" gänzlich kontrolliert werden konnte.
Gelblich glühten die Triebwerke des Shuttle auf und leicht vibrierend schwebte es wenige Sekunden später über dem Boden des Hangars. Jetzt fehlte nur noch ein Detail für den Feldzugs des Ferengi: "Computer, intoniere 'Paranoid'."
Einen Augenblick später durchbrach die "Gint" das äußere Kraftfeld des Hangars und ein Gitarrensolo drang betörend aus den Lautsprechern im Cockpit des kleinen Schiffes.
Jetzt konnte wirklich nichts mehr schiefgehen...
--- vor der Krankenstation, inzwischen
Schon als Silvana um die Ecke bog, sah sie drei ihrer Sicherheitsleute umringt von einem Rudel Neugieriger, die gerade dabei waren die Türen der Krankenstation, die offensichtlich noch immer verriegelt war mit Gewalt zu öffnen. Es fehlte nicht viel und sie hätten versucht, das Schaltpult des Türöffners mittels eines Phasers zu "überreden".
"Seid ihr des Teufels!", brüllte die Sicherheitschefin über den Gang, daß ihre Männer erschrocken zusammenfuhren und herumwirbelten. Der Klingone zog sogar automatisch einen Phaser und ging in Kampfstellung. Er starrte sie wie einen Geist an und für einen Moment hatte sie ernste Bedenken, daß er feuern wollte.
Da wurde ihr bewußt, daß der Computer noch immer die irrige Meinung vertrat, daß sie sich auf der Krankenstation aufhielt. Einem vor kurzem noch ungesunden Aufenthaltsort.
"Ja, ich lebe noch", versicherte sie atemlos und nicht minder grimmig, da ihre Wut auf Xiang noch immer ihr Blut in Wallung brachte, "falls ihr mir nicht glaubt, dann könnt ihr gerne einen Gegenbeweis haben." Ihre gelben Augen funkelten zornig. Sie hatte für diese Art von Scherzen im Moment so gar keine Zeit und auch keinen Sinn. "Habt ihr euch versichert, daß die Luft da drinnen wieder atembar ist? Warum frage ich eigentlich...?"
Wütend betätigte sie ihren Communicator ohne länger in die dummen Gesichter ihrer nichtsnutzigen Leute zu starren: "Silvana an Jean Luc: Ist die Luft auf der Krankenstation bereits wieder atembar? Und ich rate dir überlege dir deine Antwort gut...", fügte sie bedrohlich leise hinzu. "Meine Anweisungen gelten über meinen Tod hinaus..."
--- Krankenstation
Jean Luc schien die Wahrheit gesprochen zu haben. Die Vorsichtsmaßnahme, einen Mann mit der Anweisung vor der Tür stehen gelassen zu haben, dem Androiden genüßlich alle Schrauben aus seinem Körper zu drehen, wenn ihr etwas passierte, hätte sie sich schenken können.
Ohne eine Spur von Mitgefühl sah sich die braunhaarige Frau auf der Krankenstation um. Ihr Blick schweifte über die vor kurzem noch mit Tod gefüllte Luft. Dann blieb ihr Blick auf dem reglosen Körper des toten Navigators hängen, der scheinbar noch mit letzter Kraft versucht hatte zu entkommen und sie schüttelte den Kopf. "Nein, Slade, den hängst du mir nicht an. Den nicht."
Sie fletschte die Zähne, als sie an Xiangs Triumph dachte und blickte auf das flackernde aber immer noch funktionierende Hologramm der Operation. Der Ort, der auch ihr um ein Haar zum Verhängnis geworden wäre. Doch ihre Gedanken wurden jäh gestört.
"Was..?", weiter kam die Person nicht, die gerade den Raum betrat und mit einer ungewohnten Menschenansammlung konfrontiert wurde, als Silvana instinktiv schon ihr Opfer angefallen hatte und ihre Krallen an seiner Kehle lagen. Sie mußte sich beherrschen um sich nicht noch mehr gehen zu lassen. Edwina Entenburg sah sie für einen Moment erschrocken und entsetzt an. Dann hatte sie sich auch schon wieder gefangen und wetterte ärgerlich los.
"Da verständigt mich Dr. Kargan, daß ich meine wohlverdiente Pause beenden soll, weil es einen Notfall gibt - er scheint ja nur mehr Captains zu behandeln - und dann fällt mich dieses Teufelsweib auch noch an und verhindert den Nottransport. Auf meiner eigenen Krankenstation. Wo gibt es denn sowas? Wie kommen Sie überhaupt dazu...?"
Mit einer hastigen Armbewegung wies Silvana die Frau an zu schweigen. Und Edwina schwieg. Aber mehr aus Verwunderung, was man sich ihr gegenüber herausnahm, denn aus Angst oder gar Respekt. "Notfall? Nottransport?", fragte die Sicherheitschefin plötzlich hellhörig geworden nach.
"Eigentlich kein richtiger Notfall. Dieser Pormas. Wieder einmal." Edwina seufzte entnervt auf. "Er hat seit kurzem hier sein eigenes Biobett bekommen, so oft, wie er sich hier aufhält. Wie ein Boomerang..." Mehr hörte Silvana schon nicht mehr, als sich die Tür hinter ihr zischend schloß.
So entgingen ihr auch zwei kurze spitze Schreie...
--- Turbolift
Ohne zu zögern war Silvana zum nächsten Turbolift gespurtet und wollte auf den Shuttlehangar. Denn dort war Xiang. Die Person, die sie im Moment am meisten haßte...
Und scheinbar hatte er es bereits geschafft Pormas auszuschalten. Jetzt stand nur mehr Narbo ihm bei seiner geplante Abreise im Weg. Es sei denn, ihn hatte er auch bereits ausgeschaltet. Narbo war zwar ein genialer Bombenleger und schien das Wort Heimtücke erfunden zu haben, aber so klein und unscheinbar dieser Koreaner auch war, desto gewiefter und schlauer ging er ans Werk. Als wäre er auf alle Eventualitäten vorbereitet gewesen.
Aber kaum, daß Silvana den Turbolift betrat und ihren Wunsch äußern wollte, kam auch schon die Nachricht von der Brücke auf die sie schon seit längerem instinktiv gewartet hatte: "Jean Luc an Silvana: Zwei Shuttles haben den Hangar verlassen. Ziel unbekannt..."
Daß Jean Luc ihr auch mitteilte, daß bisher die Funkverbindungen unterbrochen waren und ein Techniker sie gerade repariert hatte, hörte Silvana nicht mehr.
Wütend so untätig sein zu müssen und der Flucht nichts mehr in den Weg legen zu können, brüllte Silvana ihren Zorn einfach heraus. Es war ein Schrei, der nichts Menschliches mehr an sich hatte und tief aus ihrem Inneren kam. Dann hämmerte sie voller Wut auf die Wand des Turbolifts, bis sie kraftlos in einer Ecke des Turbolifts in sich zusammensank.
Es dauerte einen Moment bis ihre Gedanken wieder klar genug waren Anweisungen zu treffen: "Silvana an Brücke: Haltet mit allen Mitteln das Shuttle mit Xiang auf. Es ist... der Raider. Silvana Ende.
Computer, deaktiviere meine letzte Anweisung bezüglich des Aufenthaltsorts von Slade, Kargan und Silvana. Sicherheitscode Silvana..." Es hatte keinen Sinn mehr Xiang auf eine falsche Fährte locken zu wollen, er war sich längst seines Sieges bewußt.
Silvana zitterte am ganzen Leib und konnte sich nicht mehr kontrollieren. Sie hatte verloren. So etwas durfte nicht geschehen. Das war ihr noch nie passiert.
Das erste Mal im Leben spürte sie so etwas wie Angst...
"Silvana an Collins... wo bist du? Tegger und Kreml sind tot, Pormas ist wahrscheinlich schwer verletzt. Und Xiang ist auf der Flucht..."
--- Shuttle Gint, im freien Raum
Konzentriert lagen Narbos Hände auf den Kontrollen des kleinen Schiffes. Natürlich war er kein Navigator, aber als "Freiberufler" benötigte man viele Qualitäten. Qualitäten über die sein Gegenspieler aber auch verfügen würde!
Es war ein Spiel unter Kollegen; unter Konkurrenten. Beide wußten, daß ihr Feind gerissen war, beide glaubten an den sicheren Sieg.
Aber...
Es konnte nur Einen geben!
--- Raider Horniss
Wütend entfernte sich der Koreaner mit dem gestohlenen Schiff von der Privateer, als er das kleine, ihn verfolgende Schiff bemerkte. Eine Variable mit der er nicht gerechnet hatte. Aber letztlich doch nur ein kleines Hindernis auf seinem Weg zum Erfolg.
Was sollte dieser kleine, runzlige Ferengi schon machen...? Verächtlich zischte Xiang und riß den Raider abermals zu einem Zickzack-Kurs herum und zählte die Sekunden, die der Privateer vor der totalen Zerstörung noch blieben. Vielleicht 100?!
Danach würde das jämmerliche Ferengischiff auf sich allein gestellt sein und Xiang konnte sich genüßlich auf ein kleines Katz und Maus Spiel einlassen.
Ja, die Zeit war sein Verbündeter in diesem Spiel...
--- Shuttle Gint, gleichzeitig
Abermals folgte Narbo einem Ausweichmanöver seines Feindes und tastete sich langsam aber sicher in Waffenreichweite heran. Es würde noch ein oder zwei Minuten dauern, aber letztlich war sein Schiff schneller und in der Verfolgerrolle. Der Raider - ohne rückwärtige Waffen - schutzlos!
Ja, die Zeit war sein Verbündeter in diesem Spiel...
Weitere Manöver verdrängten den Gedanken in Narbos Hinterkopf und er fragte sich, was die letzten Gedanken dieses elenden Bastards sein würden? Würde er in dem Moment um Gnade winseln, wenn der Finger des Ferengi über dem Feuerknopf schwebte?
--- Kontrollraum des Antimaterielagerraumes
"Wir fahren die Kontrollsoftware gerade wieder hoch", sagte die rothaarige Technikerin zu Jack als Silvanas Ruf ihn erreichte. Und ihre Stimme klang seltsam verloren.
So viele Todesfälle, nun also auch noch Tegger. Es kam Collins vor, als wenn ein Fluch über dem Schiff lag. Er sah durch die aufgebrannte Tür auf die beiden Leichen und in ihm kochte die Wut.
"Ich bin in dem Überwachungsraum der Antimateriekapseln auf Deck 8", antwortete er der Sicherheitschefin. "Der schlitzäugige Bastard hat versucht das Schiff zu pulverisieren, indem er die Überwachungssoftware der Magnetfeldeindämmung manipuliert hatte.
Wir haben hier zwei Tote, ein Techniker dem wir wohl alle unser Leben zu verdanken haben und wie es scheint Xiangs Überwacher. Ansonsten haben wir dank eines verdammt guten Technikerteams alles unter Kontrolle hier."
Collins zeigte einen erhobenen Daumen in Richtung Cindy und zwei Männern, die dabei waren, das Überwachungssystem wieder zu starten und nun ein wenig stolz lächelten.
Der Psychologe drehte sich nun mit dem Rücken zu den Leuten. Er konnte sich denken, daß noch lange nicht alles gut war. Wenn der Koreaner merkte, daß sein Plan mit der Sprengung nicht klappte, würde er es sicher anders versuchen. Und wenn Xiang überleben wollte, konnte er es nur von außen, also mit einem Shuttle machen.
Pormas war ausgeschaltet, fehlte also nur noch Narbo. "Bis jetzt hat der Koreaner uns ganz schön zugesetzt", sagte er nun etwas leiser zu Silvana, "aber er hat es noch nicht geschafft den Captain zu töten, er hat es auch nicht geschafft das Schiff zu zerstören und zu allen Überfluß hat er jetzt wahrscheinlich einen hochmotivierten Ferengi auf seinen Fersen.
Und bei allen Sonnen Arkons, hoffe ich, daß dieser großohrige Ferengi den Hintern dieses gelben Möchtegernattentäters aus diesem Universum bläst!" Collins hörte ein aufmunterndes Klatschen hinter sich und stellte fest, daß er doch wieder etwas lauter geworden war.
"Es ist schön, deine Stimme zu hören", fuhr er leise fort. "Wir sollten versuchen Narbo auf jede nur erdenkliche Art zu unterstützen. Ich wüßte im Moment nur nicht wie, hast du vielleicht eine Ahnung?"
--- Raider Horniss, wenig später
Ein kleiner Schweißtropfen glitzerte auf Xiangs Stirn und langsam fing der Ferengi an verdammt lästig zu werden. Sicher, es hatte immer diese Gerüchte gegeben...Aber der Koreaner hatte sie nie ernst genommen. Ein Ferengi in seiner Branche? Unmöglich!
Und vor allem: Wieso schwebte die Privateer noch immer im All? Eine derartige Fehlfunktion mußte zur Ausradierung des ganzen Schiffes führen und war nicht aufhaltbar. Niemand gelangte nach Sabotage der Sicherheitssysteme noch an die Antimateriebehälter heran...
Ein Adrenalinstoss durchfuhr seinen Körper und sein Blut kochte in den Adern! Wenn Slade überlebte, würde er sterben. Früher oder später würde ein Kopfgeldjäger ihn finden. Diese Aussicht war so erfüllend wie ein Nagel im Auge und einen Moment später tippte Xiang heftig auf die Kontrollkonsole ein und das Schiff drehte sich um 180°
'Zuerst der Ferengi, dann die Privateer!', dachte der Asiat grimmig.
--- Shuttle drei der USS Hawking
Die Schottin saß auf dem Copilotensitz und betrachtete die Privateer, die bisher auf kein Funksignal reagiert hatte. Still und ruhig hing sie im Raum, und Llewella beschlich ein seltsames, ungutes Gefühl. Irgend etwas war nicht richtig.
In dem Moment aktivierte der Pilot Schilde und Waffen. Erst danach meldete er: "Ein Peregrine Raider hat das Schiff verlassen. Solange wir nicht wissen, was er vorhat, haben wir roten Alarm."
Die beiden Sicherheitsleute nickten beifällig. Ein paar Sekunden später fügte der Pilot hinzu: "Ein Shuttle verläßt das Schiff. Bauart ist ferengisch. Ist das der Beginn einer Evakuierung? Dafür haben die bei weitem nicht genug Shuttles. Es sei denn, es sind kaum noch Leute am Leben..."
Während alle auf weitere Evakuierungsschiffe warteten, wurde das All plötzlich lebendig...
--- Shuttle Gint, zur gleichen Zeit
Grinsend beobachtete Narbo, wie sich das feindliche Schiff um die X-Achse drehte und wie ein Vogel im Sturzflug auf ihn zueilte! Die Schilde waren auf Maximum, die Disruptoren geladen und ein paar der kleinen selbstgebauten Minen einsatzbereit.
Er wußte, daß sein Hintern auf 200 kg tödlichstem Sprengstoff saß und eine Explosion an Bord der Anfang eines gigantischen Feuerwerks sein würde, aber...
Wer sprach hier überhaupt von feindlichen Treffern?!
Ein Kribbeln durchfuhr Narbos Hände und seine Pupillen weiteten sich, als er die Abstandsanzeige rasant herunterzählen sah, während die Schiffe auf Kollisionskurs aufeinander zueilten: 50 km, 40 km, 30 km, 20 km...
Selbst als die beiden Schiffe schon längst in Waffenreichweite gekommen waren, drückte keiner der Beiden auf den Auslöser. Beide wollten auf den glorreichen Moment warten, in dem sie die Angst im Auge des Feindes sehen konnten.
...300 m, 250 m, 200 m, 150 m, 100 m, 50 m, 25 m, 10 m...
Die Anzeige blieb eine Millisekunde bei 2.37 Metern stehen, als beide Schiffe sich entlang der Z-Achse kreuzten und in entgegengesetzte Richtungen steil hochgezogen wurden, während sich die Pilotenkanzeln nach einem Rollmanöver zueinandergedreht hatten. Gleichzeitig lösten auch beide die Strahler aus und ein wildes Meer von gelben Pfeilen zuckte durch die ewige Leere...
--- Privateer, Brücke
Mit vibrierenden Schnurrhaaren betrachtete Sternenlicht zu-Srallansre die Anzeigen seiner Station. In den letzten Minuten überschlugen sich die Ereignisse.
Die Langstrecken-Sensoren machten ein Föderations-Shuttle aus, das soeben in Ihrer Nähe unter Warp gefallen war. Hochfrequente Subraum-Emmissionen zeugten von Kommunikationsversuchen, die sich am defekten Kommunikationssystem der Privateer die Zähne ausbissen. Jetzt eröffneten der Raider und das Ferengi-Shuttle das Feuer aufeinander.
Der Sivaoaner kannte sich mit der Mechanik des Raumkampfes nur begrenzt aus, aber eines war selbst ihm klar: Wenn der Ferengi in seinem Shuttle nicht einige wirklich gute Tricks auf Lager hatte, war dies sein Ende.
Er überflog kurz die Anzeigen über den Status der Privateer. Der MAM-Reaktor ausgefallen, was das KO-Kriterium für alle relevanten schweren Waffen war. Aber eines war mit der Energie des Fusionsreaktors vielleicht möglich...
Er wandte sich zu Sadaja um: "Sadaja, ich empfehle den Einsatz des Traktorstrahles. Es wird zwar den Raider nicht aufhalten können da wir zu weit weg sind, aber er dürfte dadurch wesentlich schwerfälliger werden. Wir müssen dem Ferengi jede noch so kleine Lücke öffnen."
Ärgerlich hatte Sadaja inzwischen die Schlappe einstecken müssen, daß ihre Waffenkontrolle total unbrauchbar war um den Raider aufzuhalten. Nichts reagierte. Ihr Stirnwulst kam stärker als sonst hervor und in ihren dunklen Augen glomm auf kämpferisches Feuer. Dennoch waren ihr die Hände gebunden.
Die Spitzfindigkeiten, die Jean-Luc ständig in Bezug auf das Fehlverhalten des Computer machte, halfen nicht im Mindesten Silvanas Befehl nachzukommen. Der Androide meinte etwas wie einen Virus im System ausgemacht zu haben und schien gerade damit zu kämpfen einen Übergriff auf sein eigenes System zu verhindern.
Dankbar nickte Sadaja dem Wissenschaftler zu, der scheinbar auch die Hoffnungslosigkeit der Situation eingesehen hatte und jetzt nach Strohhalmen griff um den Kampf zu ihren Gunsten zu entscheiden. Immerhin war es ein ziemlich ungleicher Kampf. "Gute Idee", meinte die Ellora, die an die Möglichkeit einer passiven Handlung noch gar nicht gedacht hatte und aktivierte den Traktorstrahl um den Raider aufzuhalten.
Aber entweder schien auch er nicht die gewünschte Wirkung zu erzielen oder es kam Sadaja, die das Shuttle unbedingt aufhalten einfach nur so vor. Hoffnungsvoll sah sie zu dem Sivaoaner an der Wissenschaftskonsole hinüber: "Und? Schaffen wir es den Raider zu bremsen? Wir müssen doch etwas tun können..."
Ihre Wangenknochen traten noch stärker als zuvor heraus.
--- Turbolift
Es war als hätte Silvana genau auf diese Auskunft von Collins gewartet um ihr kleines seelisches Tief zu überwinden und ihre Reserven zu mobilisieren. Sie war sofort wieder auf den Beinen. Wieder staute sich Ärger und Wut in ihr auf und schien sie wie eine innere Antriebsquelle zu speisen.
"Daß der Captain noch lebt haben wir nur einer spontanen Idee von mir zu verdanken. Sonst würde ich jetzt nicht mit dir reden und du hättest erhebliche Probleme eine Krankenstation ohne Arzt zu führen", zischte die Sicherheitschefin und ihre Gedanken überschlugen sich förmlich, womit sie Narbo unterstützen konnte.
Xiangs Vorteil lag darin, daß er im Gegensatz zu den meisten diensthabenden Crewmitgliedern an Bord sicher ausgeschlafen und munter war, während alle anderen ihm stundenlang ohne Unterlaß auf der Spur gewesen waren, während er ihnen immer einen Schritt voraus war. Nun war es bereits spät in der Nacht und seine Verfolger mit den Kräften ziemlich am Ende.
"Hast deinen Job gut gemacht, Jack", meinte Silvana rein mechanisch auf Collins Frage. "Ich habe momentan auch keine Idee, aber ich werde selbst auf die Brücke gehen um vor Ort zu sein. Wenn ich eines sicher bin, dann, daß keiner der anderen Raider funktionieren wird. Wir sehen uns später. Silvana Ende."
Die Zeit floß ihr davon und sie versuchte dem Strom entgegenzuhalten um einen Vorteil herauszuschinden. Doch je länger es dauerte, desto eher würden sie versagen. Auch ein ferengisches Shuttle hatte seine Grenzen.
"Computer. Stopp! Ein Personen Transport auf die Brücke!"
--- Shuttle drei der USS Hawking, im freien Raum
"Ich würde meinen, die haben ein ausgewachsenes Problem," bemerkte Llewella, als sie beobachtete, wie sich die beiden kleinen Schiffe in Kamikazemanier bekämpften und Phaserstrahlen die Schwärze des Alls durchschnitten. "Allerdings - wenn ich daran denke, was für Leute sich auf diesem Schiff befinden, sollte ich mich eigentlich nicht darüber wundern...", ergänzte sie dann mit einem Schmunzeln im Gesicht.
Mit Belustigung dachte sie an ihre Kollegen dieser verrückten Ivory-Mission, den überheblichen Südländer Pormas zum Beispiel, der sich ständig einbildete, ein Genie auf seinem Gebiet zu sein. Nun, die Schottin mußte zugeben, daß er auch nicht gerade schlecht war.
Wenn Llewella ehrlich zu sich selbst war, mußte sie sich eingestehen, daß sie bereits ihre ehemaligen Kollegen ein wenig vermißte. Alles in allem waren sie doch ein gutes Team gewesen - auch wenn manche den Begriff 'Team' immer reichlich merkwürdig ausgelegt hatten...
Noch während Llewella diese Gedanken durch den Kopf gingen, ergriff der Pilot, Rawlings war sein Name, wieder das Wort: "Seltsam... Der Raider wird von einem vom Schiff ausgehenden Traktorstrahl festgehalten...."
Die hochgewachsene Frau blickte auf und stellte fest, daß Rawlings Recht hatte. Der Raider, der immer noch wie wild um sich schoß, schien tatsächlich in einem Strahl festzuhängen, was seine Beweglichkeit nicht allzusehr einzudämmen schien. Zumindest kam es der Schottin so vor, aber schließlich hatte sie mit solchen Dingen auch nicht die geringste Erfahrung.
"Mr. Rawlings, ich halte es für eine ziemlich gute Idee, wenn wir uns hier ein wenig entfernt halten, bis dieser Kampf entschieden ist. Hoffentlich zugunsten der richtigen Seite, welches der beiden Schiffchen diese auch vertritt...", riet die Schottin, woraufhin der Pilot zustimmend nickte.
Gespannt verfolgten die beiden aus sicherer Entfernung den Kampf...
--- Shuttle Gint
Die Anzeigen auf Narbos Konsolen überschlugen sich und die quäkende Computerstimme wies immer wieder auf Beinahetreffer und den geringen Abstand zu Xiang hin.
Seit wenigen Sekunden war der Raider in einem blau schimmernden Traktorstrahl gefangen und kämpfte mit aller Kraft gegen den neuen Verbündeten des Ferengi an. Die Horniss wandte sich im Weltall und zeigte ihr ganzes energetische Potential, wodurch sich das Peregrine-Schiff immer wieder losreißen konnte.
Hochenergetische Strahlen zischten durch das luftleere All und Narbo versuchte so gut wie möglich den Schüssen auszuweichen, als er auf den Anzeigen ein neues Schiff wahrnahm: Ein kleines Föderationsshuttle.
Wie lange war es wohl schon da? Und, was wollten dieser verweichlichte Haufen Dreck von ihnen? Bestimmt nicht nur einfach "Hallo"-sagen...
--- Raider Horniss
Verärgert knirschte der Koreaner mit den Zähnen und belastete das Schiff abermals bis zur Grenze des Machbaren. Sein Computervirus war eingeschleust und würde bald einen Weg finden, zuzuschlagen! Er war genauso komplex wie der Geist seines Schöpfers...
Und dann passierte es.
Der Traktorstrahl ließ die Horniss unvermittelt wie einen nassen Sack los! Die plötzlich wegfallenden Kräfte destabilisierten das Schiff und Xiang flog fluchend aus dem Steuersessel und traf die Hauptkonsole...
...ein Phaserstrahl löste sich...
...und traf donnernd das Shuttle der Hawking...