--- Privateer, Maschinenraum
Der Cheftechniker war erschöpft. Zuerst eine Nachtschicht, um den vermaledeiten Lift wieder an Ort und Stelle zu bringen, während er sich ganz nebenbei eine neue Navigationsconsole aus den Rippen schneiden durfte, und dann - als er sich gerade auf ein wenig Ruhe gefreut hatte, bestand das Wollknäuel, das sich Captain nannte, noch darauf, daß er ein paar neue Techniker einwies.
Techniker, die er persönlich als zweite Wahl abgestempelt hatte, und die deshalb zuerst gar nicht eingestellt worden waren. Einer der beiden, ein Araber mit einem unaussprechlich langen Namen - sie hatten sich schnell darauf geeinigt, ihn lediglich 'Ben' zu nennen - hatte Xiangs Meinung nach so wenig Ahnung von Physik wie ein Cjhera von moderner Kunst.
Wahrscheinlich war er auf der Flucht vor irgendwem und hätte jede Stelle angenommen. Xiang war aufgefallen, daß er nicht einmal simpelste Fachbegriffe korrekt aussprechen konnte. Zum Beispiel sagte er ständig 'Tachilonen' statt 'Tachyonen'. Beim ersten Versprecher dieser Art hatte der Cheftechniker sich direkt angesprochen gefühlt, schließlich war sein zweiter Vorname Tachilon.
Xiang haßte seine Eltern dafür.
Als die beiden Neuen so weit Bescheid wußten, daß sie nicht aus Versehen den Warpkern abwerfen würden, trottete der total übermüdete kleine Koreaner in sein Quartier.
--- Xiangs Quartier, kurze Zeit später
Nach beinahe 22 Stunden Dauerstreß warf sich Xiang angezogen auf sein Bett und schlief augenblicklich ein.
--- Deck 5, Wartungskabine 11c
Grummelnd war Narbo dem Menschen hierher gefolgt und hatte sein zugegebenermaßen recht einleuchtendes Argument durchdacht: Ein Attentäter konnte tatsächlich so gut sein, daß er den Trick bemerkte und umging - die Chance dafür war aber recht klein.
Und so fragte er sich, ob er dem putzigen Kerlchen wirklich Auskunft geben sollte. Immerhin hatte er sich keinen Tag zuvor noch wie ein Pyscho-Wrack im Selbstmitleid gesuhlt.
'Wie ein Schwein...', dachte der Ferengi grinsend und entdeckte enorme Ähnlichkeiten zu solch einem Nutztier in Pormas Gesicht. Vielleicht war dies Zufall, aber die verschlagenen Augen des Barmanns wurden bei dem Gedanken dennoch viel heller.
"MenSCH!", zischte er ihm entgegen und konnte sich gerade noch so einen Kommentar über seine Entdeckung verkneifen, "ich hoffe, daß du diskret und professionell mit den Daten umgehen kannst, die ich dir jetzt gebe. Nichts hasse ich so sehr, wie inkompetente Untergebene!"
Der Südländer kniff die Augen wütend zusammen und forcierte den wesentlich kleineren Ferengi grimmig, doch war er wohl viel zu neugierig, als daß er schwere Verletzungen bei Narbo zulassen wollte.
Vielleicht war er auch einfach nur weich geworden...
Was auch immer zutraf, Pormas beherrschte sich wieder und versuchte ruhig zu wirken und so rezitierte Narbo die als auffällig, oder eben NICHT auffällig, identifizierten Crewmitglieder. Den Ferengi überraschte es nicht, daß vier von sieben Namen zu Vulkaniern gehörten: Diese elenden Fehlgeburten waren so spannend wie ein Quadratmeter Teppich!
"Solvok, Salnak, Sparak, Schweizerk, Samuel Hiller, Demian Sylbieeem und Martina Pfefferbeisser", las Narbo im monotonen Tonfall eines Pakled vor und wartete schief lächelnd auf eine Reaktion...
Nach kurzem Überlegen entgegnete Pormas: "Samuel Hiller und Demian Sylbieeem hatte ich auch auf meiner eigenen Liste. Die Vulkanier hingegen verdächtige ich nicht, wie auch Martina Pfefferbeisser."
Narbo schaute ihn darauf skeptisch an, was der Südländer aber geflissentlich ignorierte. "Aber es wird sich zeigen, wer Recht behalten wird. Momentan sollten wir uns überlegen, ob wir vielleicht noch die ein oder andere Spur übersehen haben könnten, falls es mit deinem... Present nichts wird."
Lässig lehnte sich Pormas zurück und wartete auf die Reaktion des Ferengi.
In dem Moment grummelte etwas in Pormas Magen, und er fragte sich, was er als Letztes gegessen hatte. Je größer das Grummeln allerdings wurde, desto mehr Denkkapazität verwandte der Sicherheitler darauf, sich zu überlegen, wo auf diesem Schiff sich die nächsten Toiletten befanden.
Narbos nächste Worte drangen gar nicht mehr in Pormas Bewußtsein vor, und er brauchte jedes bißchen Selbstbeherrschung, um nur zwischen den Zähnen herauszupressen: "Ich muß etwas Dringendes erledigen. Warte hier auf mich!"
Eilig ging der Mensch von dannen.
--- Brücke, taktische Konsole
Mit zitternden Schnurrhaaren und schlagender Schweifspitze stand Sternenlicht vor Silvana. Nur mit Mühe konnte er sich beherrschen, seine Stimme bebte, als er antwortete: "Erzähl mir nichts über die Grausamkeit der Natur. Ich bezweifle, daß du viel in der Natur gelebt hast. Die Natur ist nicht grausam, sie ist gerecht." Ein kurzes Grollen drang aus seinen Brustkorb, als er die aufkeimenden Erinnerungen an Sonnenstrahl sofort wieder unterdrückte. "Meistens jedenfalls."
Sein jetzt etwas stärker vibrierender Schweif deutete an die Stelle an der Tegger eben noch gelegen hatte: "Richtig, man muß sich Respekt erkämpfen. Und ja, das hier ist kein Föderationsschiff. Mit solchen Kähnen geb ich mich nicht ab. Glaub nicht, daß ich nicht weiß, wie es auf Schiffen wie diesen zugeht. Aber deine Maßnahmen handeln dir höchstens Leute ein, die Angst vor dir haben, keinen Respekt. Und Angst kann dir auch ein Messer in den Rücken jagen - vielleicht ohne, daß du es erwarten würdest."
Er zögerte einen Moment, dann zuckten seine Ohren schlagartig nach hinten: Und nenne Sivao nie wieder einen Katzenplaneten." Diese letzten Worte zischte er mehr, als daß er sie sprach. Mit angelegten Ohren stand Sternenlicht zu-Srallansre Silvana gegenüber. In diesem Moment hatte er nicht mehr viel Ähnlichkeit mit dem sanften Wesen, das er bisher nach außen gezeigt hatte.
Die Sicherheitschefin gab nicht viel auf Sternenlichts Gerede. Immerhin war er nur ein kleiner unerfahrener Kater, der die meiste Zeit seines Lebens mit anderen Sivaoanern Milch schlürfte, zuhörte, wenn andere Barden Geschichten erzählten und der davon träumte selbst einmal ein großer Barde zu sein, der seiner Welt Geschichten von da draußen erzählte, während sein Blick den nächtlichen Himmel betrachtete.
So ging sie nicht näher auf Sternenlichts Bemerkungen ein, immerhin hatte sie selbst ihn an Bord gebracht und es hatte keinen Sinn ihm etwas zu erklären, das er nie verstehen würde.
Außerdem war er lächerlich pingelig was seine Herkunft betraf. Sivao wurde von vielen der "Katzenplanet" genannt und es würde für Sternenlicht schwer werden sich mit jedem anzulegen. Aber das war ihr egal, sie hatte andere Sorgen.
'Sivaoaner sind doch immer die selben störrischen kleinen Biester', dachte Silvana und statt sich wieder ihrer Liste zuzuwenden, schweiften ihre Gedanken kurz zu ihrem ersten Kampf mit einem Wesen dieser Art ab. Er war ein ebenbürtiger Gegner gewesen, doch es war ein Leichtes für sie gewesen ihn aus der Reserve zu locken und zu provozieren, danach hatte er sich so in seine Wut hineingesteigert, daß er Fehler in seiner Verteidigung gemacht hatte.
Ein Pech für ihn und ein weiterer Sieg für sie.
"Hmmm...", meinte Silvana in Richtung des Sivaoaners und wandte sich dann bereits ihrer Konsole zu, während sie ruhig weitersprach. "Aber du scheinst nicht zu wissen, daß Sivao bei sehr vielen Leuten diesen Namen trägt. Also bereite dich schon mal geistig darauf vor, wenn du nicht aufs Kämpfen aus bist. Und du solltest eines nie vergessen... Katzen sind wundervolle Wesen und ich bin stolz darauf auch ihre Gene in mir zu wissen."
Danach arbeitete sie weiter ohne Sternenlicht in die Verlegenheit zu bringen zu dieser Sache noch etwas sagen zu müssen.
--- Deck 5, Wartungskabine 11c
Zischend sah Narbo dem Menschen nach. Wie hatte diese Spezies es geschafft, jemals ihren Heimatplaneten zu verlassen? Oder waren sie einfach nur von ihrem jetzigen Leben verweichlicht worden?
Der Ferengi wußte es nicht, aber es scherte ihn ehrlich gesagt auch nicht sonderlich, denn wenigstens hatte er jetzt die eine oder andere Minute Zeit, um die neuesten Daten einzuholen:
Nur noch 2 der 7 Bomben meldeten sich ihrem Schöpfer und das hieß gleichzeitig, daß in diesem Augenblick 5 Quartiere, mit wertvollen privaten Dingen eingerichtet und für den Bewohner unbezahlbar, einem Kriegsgebiet glichen. Die Farbkapsel würde reichen, um den gesamten Raum mit einem ätzenden Rot zu markieren.
All diese erinnerungsreichen Gegenstände waren zerstört...
Narbo senkte kurz seinen Kopf und überlegte, ob dies wirklich die korrekte Vorgehensweise gewesen war... spürte er da etwa so was wie Reue? Er, der gewissenlose Ferengi, der schon ganz andere Dinge getan hatte?
Der bucklige Kopf des Ferengi erhob sich wieder und machte den Blick auf tränengefüllte Augen frei...Ein wahnwitziges Lachen entfuhr seiner Kehle und gegenüber seiner üblichen recht hohen Stimme, echote es durch das ganze Deck und klang wie ein dumpfer Baß.
Eine tiefsteckende Schadenfreude hatte sich in ihm gelöst und er konnte sein diebisches Grinsen gar nicht mehr unterdrücken. Weitere Tränen der schamlosen Freude stiegen ihm in die Augen und vernebelten seinen Blick, aber das war ihm jetzt egal.
'Diese armen Idioten...', grollte er schließlich innerlich und schüttelte seinen Kopf leicht hin und her. 'Sie hatten es einfach nicht besser verdient!'
Sein wahnsinniges Gelache wurde zu Gekreische und setzte sich ununterbrochen fort. Es wollte gar nicht mehr enden, obwohl die ersten verstörten Besatzungsmitglieder schon kurz stehenblieben, um diesen seltsamen Augenblick mitzuerleben...
Eine Minute verging.
Dann noch eine.
Eine weitere...
--- Krankenstation
Sofort nach der Rematerialisierung aktivierte Kargan die Anzeigen des Biobettes, welche wesentlich genauer als jeder Tricorder anzeigten, woran der Mensch litt. Zu der Indianerin und dem Psychologen gewandt, meinte er:
"Schaut euch diese Anzeigen einmal an. Was haltet ihr davon?"
Jack ging zu dem Biobett, wo Kargan eben mit Tegger materialisiert war. 'Er spricht mit mir!', dachte er. 'Er nimmt mich wahr!'
"Hm", der Psychologe musterte die Anzeigen. "Ich bin kein Arzt, aber nach den Anzeigen blockiert irgendwas die Nerven in der Wirbelsäule. Mit was hast du dich denn angelegt, Marc? Mit einem Klingonen?"
Jack grinste Kargan an, der diesen Witz wohl nicht besonders lustig fand und auch Tegger schien nicht wirklich amüsiert zu sein. "Okay, ist ja gut. Einfach ausgedrückt würde ich sagen: Wenn wir nicht schleunigst die Ursache der Blockade finden, wird er sich nicht mehr viel bewegen können, oder?"
"WAS, WIE!???", schrie Marc auf und die nackte Panik erfaßte ihn. Wenn er Kontrolle über seinen Körper gehabt hätte, wäre er wahrscheinlich am Zittern gewesen wie eine Klapperschlange. Doch so blieb ihm nichts anderes übrig, als von einem zum anderen zu schauen; aus ihren Blicken zu lesen, wie ernst es wirklich um ihn stand.
"Sagt doch was! Was ist los? NA LOS, sagt mir endlich was mit ihr los ist!"
Wütend auf alles schrie er immer lauter, versuchte wieder die Kontrolle über seine Arme zu bekommen, um diesem dämlichen Klingonen eine zu verpassen oder sonst was zu machen. Doch anscheinend half das nicht viel, denn ruhig drehte sich der Arzt um, griff hinter sich und zog ein Hypospray hervor. Seelenruhig ließ er Marc weiter toben, setzte das Spray an seinem Oberarm an....
Das Letzte was Marc noch wahr nahm, war das ernste Gesicht von Collins, der ihn anschaute. Dann fing ihn die Dunkelheit ein, umgarnte ihn wohlig und ließ ihn alle Schmerz vergessen. Zumindest allen körperlichen.
Collins biß sich auf die Zunge. "Verdammt!", sagte er, das hatte nicht nötig getan! Ausgerechnet er als Psychologe mußte in Gegenwart des Patienten, seine schlimmsten Befürchtungen äußern. Nicht gerade sehr vorteilhaft.
Mißbilligend sah Kargan den Psychologen an, während er das Hypospray weglegte.
"Ja, ich weiß, das war Mist!", sagte Jack, bevor der Doktor etwas sagen konnte. "Aber nun erzähl mir, wie wir Marc helfen können."
"Das hast du wirklich gut hinbekommen", meinte die Indianerin mit einem Seitenblick auf den Psychologen. Ohne auf Kargan zu achten, der gerade das benutzte Hypospray fortgelegt hatte und jetzt die Anzeigen über dem Biobett studierte, trat sie zu Tegger hin und fuhr vorsichtig mit ihrer flachen Hand unter seinen Rücken.
Der Körper des Navigators hatte sich durch die Bewußtlosigkeit völlig entspannt, so daß Knochen und Muskeln gut tastbar waren. Zum Glück war der Mann schlank, wäre er dicker gewesen, so hätte sie einige Probleme bei der Untersuchung bekommen...
Äußerst vorsichtig tasteten ihre Finger Teggers Rückgrat ab. Nach einer Weile kam sie zu einem Entschluß, den sie dann auch gleich den beiden anderen mitteilte:
"Er hat eine Fraktur am Wirbelkörper des dritten und vierten Halswirbels. Konservative Therapie ist nicht zu empfehlen, Ihre moderne Technik dürfte hier eher geeignet sein - falls die Nervenbahnen nicht zu sehr gequetscht worden sind.
Ich weiß nicht, was passiert ist, aber es sieht so aus, als wäre er mit ziemlicher Wucht gegen etwas gefallen..."
--- Brücke, taktische Station
Nach längeren Überlegungen hatte Silvana ihren Sturmtrupp endlich beisammen. Sie bleckte zufrieden ihre Zähne bei dem Ergebnis, das sich ihren Augen bot. Der Trupp würde außer ihr und dem Piloten Tegger - falls er sich so schnell von den Folgen seiner unbedachten Äußerung und Gestik erholen würde - aus folgenden sieben Leuten bestehen:
Als Sicherheitsleute Michael Rogers, ein Terraner der ziemlich gut mit dem Phaser umgehen konnte, aber wußte, wann er zu schießen hatte, Voltak, der Vulkanier, ein wandelndes Lexikon, bei dem sie jedes Mal hoffte, daß ihr Sicherheitstrupp um eine Person schrumpfte und schließlich Pormas Theocrates, der allein an Bord mit Sicherheit dafür sorgen würde, daß der Attentäter einen tödlichen Unfall erleiden würde, was es im Nachhinein unmöglich machte ihn darüber auszufragen, ob er noch weitere Überraschungen deponiert hatte.
Dann kam Sternenlicht an die Reihe, um die wissenschaftlichen Belange der Expedition zu decken, da ihnen die Fauna und Flora durchaus gefährlich werden konnte und sie nicht im Geringsten wußten, was sie da unten erwartete. Oft waren die unscheinbarsten Dinge wertvoll, oder aber sehr, sehr gefährlich.
Für die medizinischen Belange würde wie immer Dr. Kargan mitkommen, da es immer noch besser war ihn, als seine bemutternde Walkürenschwester oder sogar seine Singdrossel mitzunehmen. Auf Männer mußte man zudem meist nicht so sehr achten wie auf Frauen.
Und zu ihrer persönlichen Freude gab es noch zwei weitere recht ungewöhnliche Mitglieder in der Gruppe. Collins, der eigentlich Psychologe war, aber von dessen telekinetischen Kräften sie sich selbst überzeugen konnte. Im Notfall konnte er also einiges 'bewegen' und Narbo, der ohne unzählige Bomben mehr Ballast als Hilfe war, den sie aber nicht ohne Beaufsichtigung an Bord lassen wollte.
Mit ihrer Auswahl zufrieden, setzte Silvana an alle eine Nachricht ab, damit sie schon mal damit beginnen konnten, sich auf die bevorstehende Mission vorzubereiten. Darin schrieb sie ihnen kurz und bündig, daß sie die Expedition begleiten würden und sendete ihnen gleichzeitig den Bericht, den auch sie vom Captain bekommen hatte. Er war ohnehin so wage, daß er niemand abschrecken konnte.
Unruhig tippten Silvanas Finger an den Rand ihrer Konsole. Irgend etwas gefiel ihr nicht. Es war ruhig. Zu ruhig für ihren Geschmack. Es war Zeit nach dem Rechten zu sehen und für alle Eventualitäten vorzusorgen. Immerhin konnte sie nicht an der Steuerkonsole und der Waffenkonsole zugleich sein, falls sie das Glück hatten angegriffen zu werden.
Etwas, das ohnehin viel zu selten geschah.
Automatisch betätigte sie ihren Communicator: "Silvana an Sadaja: Marsch auf die Brücke. Du darfst wieder mal meinen Platz einnehmen, während ich mich an Bord etwas umsehe. Und bring einen Navigator her... Ganz gleich, ob er gerade Nachtschicht hatte... aber keinen Vulkanier, hast du gehört?! Silvana Ende."
"Wenn ich mir zu bemerken erlauben darf, Sir", ertönte da eine Stimme, die schon viel zu lange geschwiegen hatte. "Ihr Weitwurf mit dem Navigator vorhin könnte uns in einen peinlichen Engpaß bringen, was Navigatoren betrifft. Sie sollten..."
"Was sollte ich?", fragte Silvana kalt und ließ ihre Raubtieraugen aufleuchten. Ein Signal, das auch der Androide bereits bestens kannte.
Er verstummte augenblicklich und ließ nur ein ganz leise Quietschen von sich hören, als sein Kopf wieder unkontrolliert zuckte. Wäre er kein Androide gewesen, hätte man meinen könnte, er würde schlucken und sich räuspern, bevor er ziemlich kleinlaut antwortete.
"Einen... übrig lassen?"
Der Captain lachte laut auf, wie man es sonst nur von Klingonen gewohnt war, was sich aber eher wie ein hustendes Knurren anhörte und schlug seinem Blecheimer auf den Rücken, daß dieser von Kopf bis Fuß durchgeschüttelt wurde. Immerhin schien Jean-Luc wenigstens seinen Geschmack in Sachen unfreiwilliger Komik getroffen zu haben. Aber auch über das Gesicht der Sicherheitschefin huschte ein Anflug eines Lächelns.
Dann wurde sie wieder schlagartig ernst, als sie die Anzeigen auf ihrer Konsole sah. Sekundenbruchteile später detonierte ihre Faust auf der Anzeigentafel, erntete aber das gleiche Ergebnis. Sämtliche Sensoren und Anzeigen schienen mit einem Mal verrückt zu spielen und selbst mit diesem altbewährten Trick nicht mehr unter Kontrolle zu bringen zu sein.
Da der Trick bisher jedes Mal funktioniert hatte, suchte sie für das Fehlverhalten der Konsole eine andere Erklärung als nur einen Fehler in der Technik.
Hastig versuchte sie die Konsole wieder unter Kontrolle zu bringen, doch die Lage blieb unverändert. Jemand schien sie etwas zu fragen und alle Blicke lagen auf ihr, doch sie war zu angespannt um es überhaupt zu merken. In ihrer jetzigen Lage waren sie jedem Angriff hilflos ausgeliefert.
Mit Mühe schaffte es Silvana den Raum vor ihnen ein wenig zu scannen, ob von ihm die Störungen ausgestrahlt werden konnten. Was sie dabei fand, verhieß nichts Gutes. Sie zögerte keinen Moment ihr Wissen auch den anderen zuteil werden zu lassen.
"Computer, Sektor 1.3.5.8, tausendfache Vergrößerung - auf den Schirm!", befahl sie und hielt gespannt den Atem an. Wenigstens das schien noch zu funktionieren.
Dann starrten alle gebannt auf den Bildschirm, während sie etwas leuchten und glitzern sahen. Es war als würde es leben und wäre ständig in Bewegung. Wäre aus Nebel oder Wasser. Es schien nicht besonders groß zu sein, aber die Anzeigen sagten in ihrem jetzigen Zustand so gut wie gar nichts aus. Es konnte alles sein. Gigantisch, winzig, lebendig oder nur ein Nebelphänomen.
In diesem Moment öffneten sich die Türen des Turbolifts und eine Person trat auf die Brücke. Unwillkürlich schraken alle in ihrer Betrachtung etwas zusammen.
"P'tach, was ist das!?", rief Sadaja verwundert aus und deutete mit ihrer Hand auf das Gebilde.
"Das würde ich auch gerne wissen", antwortete Silvana und sah dabei zu Sternenlicht. "Was ist es und vor allem... warum stört es die Anzeigen?"
Auch dem sivaoanischen Wissenschaftler waren die Störungen nicht entgangen. Eben noch hatte er einige naheliegende Sternensysteme gescannt um die Präzision des Sensorsystem zu testen, da begann plötzlich alles verrückt zu spielen. Frustriert schlug Sternenlichts Schweif einige Male hin und her, während er versuchte, die Instrumente zurückzusetzen und ein paar klare Messungen zu erhalten.
Als das nichts half, wandte er sich zu Silvana um: "Schwer zu sagen, ohne funktionierende Instrumente kann ich lediglich Vermutungen anstellen. Ich tippe auf eine Streustrahlung, die in den Datenleitungen des Schiffscomputers Störungen hervorruft. Je näher wir kommen, desto stärker dürften diese Störungen werden.
Ich würde daher dringendst empfehlen, die Distanz zu diesem Etwas zu erhöhen und die Schilde der Privateer hochzufahren. Vielleicht könnte auch eine passende Schildmodulation helfen, die Situation zu bessern. Die genauen Frequenzen müßten aber durch Probieren ermittelt werden."
Slade reagierte sofort: "Schilde hoch! Sternenlicht, das mit den Modulationen ist einen Versuch wert, mach das."
Nachdenklich schaute der Captain auf den Hauptschirm, auf dem das seltsame Phänomen glitzerte und pulsierte. Dann befahl er: "Sobald die Sensoren wieder brauchbare Daten liefern, will ich die üblichen Daten über dieses ... Ding haben: Größe, Entfernung, relative Geschwindigkeit, Bewegungsrichtung. Und natürlich auch, was es ist, wie gefährlich es ist und vor allem, wieviel Geld man damit verdienen kann."
Ohne zu zögern gehorchte Silvana Slades Befehl noch bevor er ihn ganz ausgesprochen hatte. Ihr war klar, daß sie im Moment keine andere Wahl hatten. Die Schilde fuhren hoch, noch bevor die Privateer die Distanz zu dem seltsamen Phänomen erhöht hatte.
"Schilde hochgefahren. Abstand auf das...", Silvana verzog das Gesicht als sie merkte, daß der Abstand nicht zu definieren war, "naja erhöht, halt", gab sie schließlich leicht knurrend von sich. "Wir sollten nah genug dran sein um das Ding noch erforschen zu können und weit genug um leider wieder um einen guten Kampf zu kommen." Letzteres hatte sie sich einfach nicht verkneifen können.
Die Reise mit Slade hatte in letzter Zeit einiges zu wünschen übrig gelassen. Sie begann sich zu langweilen. Auch der Kampf mit ihren Leuten hatte den Reiz inzwischen verloren. Ihre Reaktionen waren zu vorhersehbar, auch wenn sie einiges dazugelernt hatten. Und Hologramme waren ihr einfach zu... holografisch.
Fragend sah sie zu Sternenlicht, der auf den Befehl des Captains hin sich seiner Arbeit zugewandt hatte und ganz in der Wissenschaft aufzugehen schien. Trotzdem ließ sie den Bildschirm nicht aus den Augen. Auf ihre Konsole konnte sie sich im Moment nicht verlassen. Bewußt vermied sie es die Technik zu informieren, da der Attentäter da durchaus seine Finger im Spiel haben konnte.
Zu einfach wollte sie es ihm auch nicht machen.
"Sadaja, du verstehst doch einiges von Technik. Sieh dir das mal an!" Damit trat sie einen Schritt zur Seite und ließ Sadaja an die Konsole, der sie mehr als jedem anderen vertraute. Diese untersuchte sie so gewissenhaft sie konnte und schüttelte anschließend den Kopf.
"Ich weiß zwar nicht worum es sich handelt, aber technisches Gebrechen würde ich ausschließen", meinte sie abschließend und versuchte mit einigen Einstellungen die Störung zu beheben, was nach ihrem Knurren zu urteilen aber zu keinem befriedigendem Ergebnis führte.
"Wo bleibt eigentlich der Navigator? Du solltest doch einen mitbringen", zischte Silvana zu Sadaja, die sich scheinbar nicht an ihre Anweisung gehalten hatte.
"Er zieht sich an. Nackt konnte ich ihn schlecht mitnehmen und ich wollte so schnell wie möglich auf die Brücke", entgegnete die Ellora ruhig. Sie gehörte zu den Personen, die sich von Silvanas Art nicht einschüchtern ließen und ihr auch mal die Stirn boten.
Silvana nickte, obwohl sie ein nackter Navigator nicht im mindesten gestört hätte und wandte dann ihre Aufmerksamkeit wieder Sternenlicht zu. "Kommst du voran? Denkst du, du schaffst es?"
--- Krankenstation, inzwischen
Kargan war erstaunt, weil die Indianerin sich anscheinend überhaupt nicht mit den Anzeigen vertraut gemacht hatte, sondern durch ein simlpes Abtasten eine absolut korrekte Diagnose gestellt hatte.
Ihre weiteren Ausführungen schürten darüber hinaus sogar etwas wie Respekt in ihm. Natürlich war es ohne moderne Technik kaum möglich, den Patienten zu heilen. Noch vor hundert Jahren hätte eine sehr hohe Chance bestanden, daß Tegger sich demnächst einen hübschen Rollstuhl hätte aussuchen dürfen.
Heutzutage jedoch lagen die Heilungschancen knapp unter hundert Prozent, und das auch nur, weil einige wenige Ärzte in Streßsituationen die falschen Knöpfe drückten.
Der Respekt des Klingonen wuchs, weil es einen guten Arzt nicht auszeichnete, alles heilen zu können - niemand konnte das. Nein, ein guter Arzt war der Arzt, der erkannte, wo seine Grenzen lagen. Und das hatte Tayeya gerade bravourös demonstriert.
Kargan nickte anerkennend - jedes Wort hätte oberlehrerhaft gewirkt - und machte sich daran, die Funktionen des Biobettes zu aktivieren.
--- Deck 5, Toiletten
Pormas war sich sicher, daß irgend etwas in seinem Essen kontaminiert gewesen war. Er nahm sich vor, Narbo zur Rechenschaft zu ziehen, denn er ging davon aus, daß dieser kriechende Ferengi seine Hände im Spiel hatte.
Oder der Attentäter?
Bei dem Gedanken fiel ihm wieder ein Name ein.
Helen.
Was mag sie in den letzten Sekunden ihres Lebens gedacht haben? War sein Name über ihre Lippen gekommen?
Ihr Bild vor den geschlossenen Augen, verließ er die Toilette.
--- Deck 5, Waschraum
Als Pormas die Augen wieder öffnete, stand vor ihm - Helen! Sie wusch ihre Hände und drehte ihm den Rücken zu. Der Anblick fuhr wie ein Blitz durch ihn hindurch und er rief laut: "Helen! Liebling! Du lebst noch??"
Langsam drehte sich die Frau um, musterte den Sicherheitler und sagte: "Jungchen, wer hat Sie denn von der Krankenstation entlassen? Und was machen Sie auf der Damentoilette? Na egal, kommen Sie erst mal mit, ich bringe Sie zu Ihrem Bett.
Und ich heiße nicht Helen, sondern Edwina", setzte Schwester Entenburg hinzu.
Geschockt sah Pormas die Frau vor sich an. 'Ach du heilige.... ich sollte mich wirklich ein bißchen ausspannen', dachte der Südländer. Wie konnte er DIESE Frau für Helen halten???
Woher kannte er sie noch mal? Ach ja, genau. Die Krankenschwester die Helen nicht leiden konnte. Oder vielmehr gelitten hat. Sein gestecktes Ziel und die recht produktive Zusammenarbeit mit Narbo hatten ihm keine Zeit gelassen weiter über dieses Thema nachzudenken.
Im Grunde war mit Narbo auch alles besprochen und es blieb der heutige Abend abzuwarten. Danach hatten sie, mehr oder weniger begeistert, abgemacht sich zu treffen und die Ergebnisse auszuwerten.
Er stand nun aber immer noch vor der recht... rustikalen Krankenschwester, die ihn weiter schief anlächelte. Der Südländer überlegte fieberhaft nach einer gut klingenden Ausrede, als ihn Edwina resolut am Arm faßte und mitschleifte.
--- Deck 5, Gänge
Mit hängenden Schultern trottete der große Südländer hinter der Krankenschwester hinterher. Leicht resignierend hing er seinen Gedanken nach, bis er unsanft an der Schulter gepackt wurde.
"Hören Sie mir eigentlich zu?", fragte Edwina ihn beinahe empört. Forschend sah sie ihm in die Augen. Bis sie plötzlich aufblitzten. "Ach, ich erinnere mich. Sie waren doch dieser verkappte Cardassianer. Und der Freund der kleinen Technikerin, die in dem Turbolift war!"
Diese feinfühlige Offenbarung war wie ein Schlag ins Gesicht für Pormas. Mit einem Seufzer ließ er sich gegen die Korridorwand plumpsen und versuchte in dem Wirrwarr seiner Gefühle die Realität wiederzufinden.
"Oh Mann, Sie kriegen erstmal eine Woche Bettruhe verordnet!" Der Südländer wollte halbherzig protestieren, aber Edwina ließ keinen Widerspruch zu.
Sie nahm den völlig benebelten Pormas bei der Hand und führte ihn zu einem Außenschott und öffnete dies, so daß er die dahinziehenden Sterne beobachten konnte.
Wie paralysiert starrte er die Vergänglichkeit der kleinen Sonnen an......
--- Brücke
Der Sivaoaner blickte schließlich von seiner Arbeit auf und sagte: "Ich habe durch eine rein optische Parallaxe Messung unseren Abstand zu dem Objekt bestimmt, woraufhin eine Größenberechnung recht einfach war.
Zur Zeit befinden wir uns etwa dreißig Lichtminuten von dem Objekt entfernt, die sichtbare Größe liegt zwischen einhundert und einhunderfünfzig Kilometern.
Die Rotverschiebung des Objekts zeigt mir, daß es sich relativ zu uns auf einer windschiefen Bahn bewegt, größte Annäherung in drei Minuten, bei etwa achtundzwanzig Lichtminuten - falls weder wir noch das Objekt seinen Kurs ändert. Diese Daten können allerdings extrem ungenau sein, da ich bei der Spektralanalyse von Standardwerten ausgegangen bin, die auf dieses Objekt nicht zutreffen müssen."
Slade hatte bei den Ausführungen ungeduldig genickt und meinte nun: "Das Teil ist also zu groß, als daß wir es in den Laderaum bekommen. Zudem stört es unsere sämtlichen Instrumente. Das bedeutet, daß ich hier viel Risiko, aber wenig Gewinnmöglichkeiten sehe. Nenne mir einen guten Grund, warum wir nicht sofort abdrehen sollten."
Sternenlicht schaute den Captain an: "Es könnte für die Wissenschaft sehr wichtig sein, wenn wir genauere Daten mitbringen würden. Wir sollten wenigstens herausfinden, worum es sich eigentlich handelt!"
Der Captain verzog den Mund und atmete tief durch. "Welche Daten? Die Instrumente werden doch so sehr gestört, daß wir auf optische Messungen angewiesen sind. Mit anderen Worten: Wenn wir den Flug dorthin überleben, können wir unsere Beobachtungen einem Professor erzählen, der uns daraufhin mit einem warmen Händedruck und einer Freikarte für den nächsten Universitätsball belohnt.
Und ich darf dann wohl nebenbei mein Schiff reparieren, denn bisher konnte mir niemand beweisen, daß uns diese Erscheinung nicht einfach eine Warpgondel abreißt. Naviga..." Slade verdrehte bei dem Anblick der leeren Konsole die Augen, fluchte, erhob sich und setzte sich selber an die Steuerkonsole.
Während er einen Kurs eingab, der das Schiff von dem Objekt fernhielt, sagte er zu Silva: "...und wenn du das nächste mal Navigatorweitwurf spielen willst, dann frag mich vorher. Ich habe jetzt Techniker in Reserve mitgenommen, aber keine Navigatoren!"
Leicht knurrend zog Silvana die linke Seite ihrer Oberlippe ein wenig hoch und wandte sich dann an Sadaja: "Übernimm du die taktische Station für mich. Wie es im Moment aussieht tut sich in nächster Zeit hier ohnehin nichts, wofür ich dringend bebraucht werde."
Sie würdigte niemand mehr auch nur eines Blickes und machte sie auf in Richtung Turbolift um die Brücke zu verlassen. Als er anhielt, kam eine Person hastig auf die Brücke gestürmt. Die Sicherheitschefin erkannte in ihm den Navigator der Nachschicht und mußte sich sehr beherrschen um ihn nicht noch ein wenig schneller auf seinen Platz zu helfen.
Aber irgendwie hatte sie keine Lust den Rest der Reise statt an der taktischen Station an der Navigationskontrolle zu verbringen.
"Die Reserve ist mir sowas von schei..."
Der Rest ihres Gemurmels ging im Zischen des sich schließenden Turbolifts unter.
--- Deck 5, Wartungskabine 11c
Und ohne, daß Narbo es gemerkt hatte, war eine Viertelstunde vorüber, in der sich seine ganzen aufgestauten Emotionen, die seit der Besetzung durch diesen grunblütigen Hund in ihm tief verborgen gewesen waren, sich selbst befreiten und seinen Körper verließen.
Langsam senkte sich sein Atem wieder, aber seine Lunge keuchte weiter und entzog ihm die Luft. Dann wurde auch das Keuchen leiser und schließlich verstummte er. Endlich war er wieder frei und konnte sein Leben genießen wie früher:
Intrigen.
Den Tod sehen; natürlich von anderen Personen.
Und grenzenlose Verachtung auf alles, was anders war als er selbst.
Er fühlte sich wie neugeboren...
Bis er plötzlich einen Gedanken hatte: 'Wo war dieser menschliche Abschaum geblieben?' In seinem Anfall hatte er die ausbleibende Rückkehr gar nicht bemerkt.
Grummelnd keimte schlechte Laune in ihm auf - ein gutes Zeichen - und er spielte mit dem Gedanken den Terraner zu rufen. Dann verwarf er seine Theorie aber wieder und entschied, vorher noch die Bar aufzusuchen...
--- Krankenstation
Ohne ihren eiligen Schritt zu bremsen, schneite Silvana in die Krankenstation, kümmerte sich weder um die beiden erstaunt dreinblickenden Ärzte, noch ihre Patienten, sondern packte den Psychologen im Vorbeigehen am Arm "Du kommst mit mir mit, Jack" und zog ihn mit sich in sein Büro.
--- Büro des Psychologen
Dort ließ er sich tatsächlich auf seinem angestammten Platz hinter seinem Schreibtisch nieder und musterte sie ungläubig und verwundert, während Silvana ihm gegenüber Platz nahm und die Beine auf seinen Tisch legte. Das Leder ihrer Stiefel verursachte dabei ein knackendes Geräusch.
"Kommen wir gleich zur Sache, Jack. Wie du vielleicht meiner Akte bereits entnommen hast bin ich kein gewöhnlicher Mensch, sondern eine Züchtung. Ich vereine mehr Raubtiere in mir, als du wahrscheinlich überhaupt kennst. Um mein Anliegen kurz zu machen:
All diese Geschöpfe in mir haben zu unterschiedlichen Zeiten Paarungszeit und so erleide ich öfter eine Art übersteigerter Sinne und Reflexe. Ähnlich dem Pon Far. Es fällt mir schwer mich zu beherrschen und im Moment scheint es besonders schlimm zu sein."
Ihr Blick schweifte leicht seufzend zur Tür ab. "Den Navigator hat es als ersten erwischt." Ihre Augen funkelten kurz gelb auf. Sie nahm die Beine wieder von seinem Tisch, beugte sich nach vorne und sah Collins tief in die Augen. "Also was rätst du mir, Jack?"
Collins spürte die unbändige Wildheit, die von Silvana ausging. Er konnte es förmlich riechen. Aber was sollte er einer Frau raten, die von einer Paarungszeit in die andere glitt?
"Deine Gene zerstören deinen Geist!", sagte der Psychologe leise ohne sich von Silvanas Blick zu lösen. "Was soll ich dir raten? Ich habe noch nie einen solchen Charakter wie dich kennengelernt. In einem Moment kann man ganz normal mit dir reden und im nächsten Moment kann man für eine kleine Bemerkung auf die Krankenstation kommen."
Gelangweilt lehnte sich Silvana zurück. "Es gibt im Moment drei Möglichkeiten", fuhr Jack fort. "Erstens, du lebst deine Gefühle aus. Das würde wahrscheinlich einen Großteil der Besatzung ins Unglück stürzen. Zweitens: Medikamente, damit würdest du aber wie ein Zombie durch die Welt gehen, ganz zu schweigen von den Nebenwirkungen. Bleibt also nur die dritte Möglichkeit: Meditation!
Ich weiß, wie sehr du Vulkanier haßt, aber sie haben eine Methode entwickelt ihre Gefühle zu kontrollieren. Meiner Meinung nach allerdings etwas zu viel. Aber es würde dir die Möglichkeit geben deine Emotionen und die damit verbundenen Reflexe bei gewissen Gelegenheiten zu bremsen."
Collins stand auf und ging um den Schreibtisch. Er erinnerte sich an eine Freundin, die damals mit ihm bei der Mutantenausbildung der USO war. Eine junge Terranerin, die sehr jähzornig war. Ständig zerstörte sie irgendwelche Sachen in ihrem Jähzorn und sie hatte keine Freunde unter den Schülern, außer Jack. Er hatte keine Angst vor ihr, auch wenn er ein paar mal wegen ihr ins Medo-Center mußte, im Gegenteil, er mochte sie. Und sie wurden gute Freunde.
Irgendwann mußte sie dann zu einem alten Arkoniden, der ihr helfen sollte, ihren Jähzorn zu bremsen. Natürlich schleifte sie Jack mit. Und dort lernten sie einige Übungen, die halfen Jähzorn und Wut zu bündeln und zu dämpfen. Ein paar Jahre später, als Jack schon lange bei der USO war, war diese Frau eine der besten Mutanten im Corps.
"Vielleicht können wir zusammen meditieren!", sagte der Psychologe nach seinem gedanklichen Ausflug. "Es gibt da eine Möglichkeit, die man auf jeden Fall mal versuchen sollte. Ein .. . . ."
"Jean-Luc an Mr. Collins!", quäkte die Stimme des Androiden plötzlich aus Jacks Communicator.
"Was gibt es?", fragte der Psychologe.
"Sir, ein Besatzungsmitglied wünscht Ihre Anwesenheit. Es geht dabei um. . .Mobbing, oder so", antwortete der Androide.
Jack runzelte die Stirn. "Mobbing?"
Jean Luc gab ihn noch Deck- und Quartiernummer, dann beendete er das Gespräch.
"Na Silvana, mal Lust den täglichen Wahnsinn an Bord dieses Schiffes kennenzulernen? Wir können uns ja unterwegs über meinen Vorschlag unterhalten."
"Mit dir immer", entgegnete Silvana grinsend und erhob sich. Sie hielt es ohnehin nie lange aus ohne sich zu bewegen. Deshalb war sie auch so ungern auf der Brücke. "Vielleicht fühlt sich ja jemand sogar von mir gemobbt und den würde ich nur zu gerne... kennenlernen..." Ihre Krallen fuhren sich selbständig ein wenig aus und wieder ein und ein leises Knurren kam aus ihrer Kehle.
Ihre gelben Augen funkelten belustigt auf, als sie Collins abschätzenden Gesichtausdruck wahrnahm, der auf ihr lag. "Keine Sorge, Jack, das war nur ein Scherz. Für heute habe ich mein Soll an bösen Taten erfüllt", meinte sie dann augenzwinkernd, als sie neben dem Psychologen zur Tür des Büros schritt und sich dabei fragte, was er wohl von ihr hielt. Immerhin war er ein ziemlich attraktiver Mann.
"Du meinst also, daß Meditation mir helfen soll?", nahm sie den Gesprächsfaden wieder auf, da ihre Weiblichkeit wieder die Oberhand gewinnen wollte. "Nun, ich fürchte, da versprichst du dir ein wenig zu viel von dem Zeug. Abgesehen davon, daß ich auf keinen Fall Medikamente schlucken würde, aber ich hasse Vulkanier gerade wegen ihrer Art Gefühle zu unterdrücken. Ich will sie nur ein wenig besser kontrollieren, aber nicht sie unterdrücken können."
--- Krankenstation
Als die beiden den Ort wechselten - Jack wollte nur noch kurz etwas aus der Krankenstation holen - sprach Silvana noch immer: "Wieso soll Meditation helfen, wenn auch Vulkanier ihr Pon Far ausleben müssen? Sex alle sieben Jahre ist ohnehin die zweittraurigstes Sache an Vulkaniern und viel zu wenig für meinen Geschmack."
Silvanas Blick glitt wieder zum Navigator an dem sich die beiden Ärzte inzwischen zu schaffen machten. Nach ihren Gesichtsausdrücken zu schließen und dem Blick den ihr der Doc zuwarf, schien es Tegger tatsächlich schlimmer erwischt zu haben, als sie beabsichtigt hatte. Auf der Brücke hatte sie noch gedacht, daß er angab. Aber ihren kleinen Denkzettel mit dem sie sich hatte Respekt verschaffen wollen, hatte sie ihm wohl mit ihrer ganzen geballten Weiblichkeit verpaßt.
Obwohl die Sicherheitschefin so etwas wie Reue oder ein schlechtes Gewissen nicht kannte, war sie doch ärgerlich auf sich selbst ihre Gefühle so wenig unter Kontrolle halten zu können. Es fehlte nicht viel und wenn ihr Blut kochte, würde sie sich den nächstbesten Kerl schnappen und ihn mit Haut und Haar auffressen.
Nachdenklich wandte sie sich wieder dem Psychologen zu, der auch für einen Moment neben den beiden Ärzten stehen geblieben war und erst jetzt wieder Richtung Ausgang ging: "Übrigens eine nette Aussage von wegen 'die Gene zerstören deinen Geist'."
Jack grinste. "Keine Angst, so weit ist deine Geisteszerstörung noch nicht fortgeschritten", sagte er, als sie die Krankenstation verließen.
Endlich wieder frei von Zuschauern, eröffnete Kargan Tayeya: "So, die Operation ist vorbereitet, und mit den technischen Möglichkeiten auf diesem Schiff dürfte Tegger in einer Viertelstunde wieder auf den Beinen sein. Gehen wir während der Operation etwas trinken?"
Als er den verständnislosen Blick der Indianerin bemerkte, sagte er nur: "Computer, Medizinisch-Holografisches Notprogramm aktivieren!" Tayeya verdrehte die Augen - auf diese Weise hätte sie Tegger wohl auch heilen können.
Das erscheinende Hologramm sagte resignierend: "Bitte spezifizieren Sie die Art des medizinischen Notfalles oder die Art der von mir zu beseitigenden Verschmutzung!"
Der Chefarzt stutzte, und erinnerte sich daran, daß die letzten Einsätze des MHN mehr raumpflegerische Tätigkeiten gewesen waren.
Mit etwas schlechtem Gewissen erläuterte Kargan Teggers Fall und führte Tayeya dann in sein Büro.
--- Krankenstation, Kargans Büro
"Nun?", fragte er die Indianerin, "was möchten Sie trinken?"
Mit einem Blick zurück meinte er nur: "Keine Angst, ich habe sein Programm persönlich überprüft. Er kann das."
--- Deck 5, Gänge
"Du bist eine faszinierende Frau, Silvana. Ich glaube, ich wäre längst ein Wrack, wenn ich diese schlagartigen und intensiven Gefühlsattacken bekommen würde, denen du ausgesetzt sein muß", sagte der Psychologe und schlug den Weg in Richtung Turbolift ein.
Collins musterte Silvana unauffällig. Sie wirkte im Moment ziemlich ausgeglichen, aber das konnte täuschen. Das hatte Jack allein aus den Aufzeichnungen der letzten Mission der Privateer herausgelesen.
Andererseits war sie auch sehr attraktiv und begehrenswert.
--- Turbolift
Beide betraten den Lift und standen sich gegenüber. Collins blickte in Silvanas Augen und sofort kam dieses Gefühl des Versinkens. Er wich dem Blick aber nicht aus. "Du muß unglaublich scharfe Sinne haben, nicht wahr? Und einen unheimlich ausgeprägten Instinkt, der dich oft zu einem sehr spontanen Handeln veranlaßt."
'Irgend etwas in ihr ist auf der Suche. Eine ewige Suche!', dachte er. "Deck sieben!", sagte Jack nach einer kleinen Pause. " Die Meditation könnte dir helfen manchmal etwas gezügelter aufzutreten. Ansonsten solltest du so bleiben wie du bist."
Der Lift setzte sich in Bewegung.
Silvana wartete einen Augenblick, dann löste sie sich von der Liftwand an der sie bisher gelehnt hatte und sagte: "Computer... anhalten!" Ihre Stimme war dabei etwas dunkler als sonst, was sie zugleich verführerischer und einschmeichelnder machte.
Ihre von Natur aus leicht schräg gestellten Augen wirkten jetzt besonders katzenhaft und das Gelb ihrer Augen wirkte sanft und zugleich wild. Sie trat einen Schritt auf den Psychologen zu, schmiegte sich an seine Brust und ihre Hand wanderte langsam über seinen Hals zu seinen Nacken noch, was ihm eine leichte Gänsehaut verursachte. Sie beugte sich zu ihm, fühlte das Blut in seinen Adern hämmern und roch seinen ureigenen Geruch.
"Ja, ich bin sehr spontan...", hauchte sie in sein Ohr, während ihre andere Hand über seinen Rücken strich und fügte ein kleines wohliges Knurren hinzu. Seinen Körper an dem ihren zu spüren, fühlte sich unheimlich gut an und weckte ihr Verlangen nach mehr.
Ihr Blut schien plötzlich zu kochen, ihre Brüste preßten sich verlangend gegen seinen Brustkorb. Die Frau in ihr gewann die Oberhand und vereinnahmte alle ihre Instinkte.
"Du hast recht was meine Sinne betrifft und sie alle sagen mir, daß du mich keineswegs nur mit den Augen eines Seelendoktors ansiehst. Dein Geruch spricht von..." Ihre Lippen preßten sich plötzlich hungrig wie die eines Tigers auf die seinen und ihr Feuer begann seinen Weg zu ihm zu suchen um auch sein Verlangen zu schüren.
Und das Feuer breitete sich nun auch in Jacks Körper aus. 'Nein! Es ist nicht richtig!', sagte sein Verstand.
Collins spürte ihre Hände, ihre Brüste, ihren heißen Körper. Ihre Berührungen weckten Gefühle, die er seit langer Zeit verdrängt hatte. Sein ureigenster Instinkt übernahm nun langsam die Kontrolle über seinen Körper und der Verstand wurde zurückgedrängt.
Erst zögernd, aber dann recht heftig erwiderte der Psychologe ihren Kuß. Während Silvana ihm die Jacke auszog, befreite er sie von dem ohnehin schon knappen Top und der Anblick ihre Brüste verursachte einen wohligen Schmerz in seinen Lenden.
Mit einer schnellen Bewegung entledigte sich Silvana dann vom Rest ihrer Kleidung. Sie preßte ihren Körper an Collins und ging dabei langsam in die Knie. Ihre Brüste drückten sanft in seinen Schritt und spürten die unerträgliche Erregung.
Ein verzücktes Seufzen kam von ihren Lippen, als sie Jack von der nun quälenden Enge der Hose befreite. Es gab kein zurück mehr. Collins zog sie zu sich hoch und Silvana schlang ihre Beine um seine Hüften.
Mit wilden ekstatischen Bewegungen schritten beide den Gipfel der Lust entgegen. Als sie ihn zusammen erreichten, spürte Jack wie Silvanas Krallen unkontrolliert ausfuhren und durch sein T-Shirt in seine Haut drangen. Der Schmerz wurde aber von dem Gefühl der Lust total verdrängt.
--- Narbos Bar, inzwischen
Zischend öffnete sich die Tür und Narbo betrat seinen Tempel, um den herrlichen Anblick zu genießen: Alle Stühle waren belegt und der Laden wirkte glitzernd, als er an das viele Latinum dachte, das er mittlerweile verdient hatte...
'Einen Moment mal! Wo ist die Kellnerin, die ich erst vor drei Tagen eingestellt habe?', schoß ein Gedanke plötzlich durch seinen Kopf, als er entsetzt und fassungslos die beinahe plünderungsähnlichen Aktionen der Anwesenden betrachtete.
Eine gute Handvoll Crewmitglieder lag schon so dermaßen besoffen auf dem Boden, daß sie sich eine schwere Alkoholvergiftung zugezogen haben mußten.
"Sollen sie daran verrecken!", grummelte der Ferengi leise und starrte weiter auf dieses Szenario. Nein, das konnte einfach nicht wahr sein. Ein Trugbild oder eine außerirdische Macht, die ihn wieder heimsuchte.
Dem Ferengi schauderte es bei dem Gedanken und er schritt langsam drei Schritte zurück und hoffte, daß er den bösen Geistern nicht auffallen würde, die seine Bar gerade fröhlich zerstörten...
--- Deck 6, Gang vor der Bar
"Verdammt! Was denkt sich dieses Weib dabei, meine Bar einfach unbeaufsichtigt zu lassen!", schrie der Ferengi so laut, wie es ging und seine vormals gute Laune war endgültig verflogen, während sich das Schott zu seiner geliebten Bar komplett geschlossen hatte.
'Wenn ich dieses Flittchen erwische...', knirschte er mit den Zähnen und überlegte die Sicherheit in seine Bar zu schicken, aber das war wohl unnötig: Früher oder später würde einer der ehrlosen Diebe auf eine der Bomben treffen und dann konnte selbst Kargan, der Wunder-Klingone ohne Stolz, nur noch die Fetzen konservieren, die die Explosion übrigließ...
"Computer, wo befindet sich diese ekelhafte Verräterin gerade! Los sag es. Sofort!", schnauzte er in seinem bissigsten Ton eine Wandkonsole an, um ein ruhiges und emotionsloses "Bitte spezifizieren Sie ihre Anfrage neu" als Antwort zu erhalten.
Seine Faust traf knackend auf das Metall der Wandverkleidung und er war sich sicher, daß mindestens ein Knochen gebrochen war. Aber das war nichts im Vergleich zu den Höllenqualen, die er dieser Weiblichen bringen würde, die den Profit für eine Woche auch gleich aus dem Fenster hätte werfen können...
--- Turbolift
Jack saß mit dem Rücken zur Wand in der Kabine und Silvana lag mit dem Kopf auf seinen Knien. Mit entspanntem Blick sah sie ihn an. Es war, als würde er in diesem Moment tief in ihre Seele blicken können. "Du bist etwas ganz besonderes, weiß du das?", sagte Collins leise.
Bevor sie etwas erwidern konnte, setzte sich der Lift plötzlich in Bewegung. In Windeseile zogen sich die beiden an und waren auch gerade soweit fertig, als die Lifttür auffuhr.
--- Deck 8, Turbolift
"Oh!", der Typ, der wie ein Araber aussah, blickte zuerst zu seinen Kollegen und dann wieder zu Jack und Silvana. "Wir bekamen einen Alarm, der Lift streikte und nach dem Vorfall gestern, nun ja, man wird vorsichtig."
Die Augen des Technikers fixierten erst Silvana, die Wand des Turboliftes und dann Collins. "Braucht vielleicht irgend jemand Hilfe?", fragte er vorsichtig.
Jack drehte sich um und sah dann die roten Blutspuren an der Kabinenwand und seine Jacke, die auf dem Boden lag. "Nein, schon gut, alles okay!", sagte er, hob die Jacke auf und zog sie über seinen etwas lädierten Rücken.
--- Deck 5, Gänge
Pormas wußte nicht wie lange er beim geöffneten Außenschott gestanden und die dahinziehenden Sterne beobachtet hatte, als Edwina ihn mit den Worten "So das war jetzt aber genug, wir gehen jetzt erstmal zur Krankenstation und lassen uns krankschreiben" abführte.
Ohne Widerworte ging er mit.
--- Krankenstation
Licht.
Das erste was Marc wahrnahm war Licht. Und nicht irgend ein Licht. Sondern ein ziemlich grelles Licht. Und dieses Licht schien ihm direkt in die Augen. Geblendet kniff er die Augen zusammen und drehte den Kopf zur Seite.
"Wer immer das mit dem Licht auch ist, wären Sie vielleicht so freundlich und nehmen es mir aus dem Gesicht? Es ist nämlich nicht gerade angenehm", sagte Marc schwach und öffnete vorsichtig ein Auge. 'Prima, endlich hört mal jemand auf mich', dachte er, öffnete das andere Auge auch noch und schaute sich um.
Keiner da. Verwirrt blickte er durch die Krankenstation. Hatte er das Licht nur geträumt oder was war passiert? Irritiert rief er mit krächzender Stimme: "Hallo? Ist hier jemand?"
"Natürlich ist hier jemand. Glauben Sie, ich lasse Sie hier in dem Zustand alleine liegen", ertönte eine unbekannte Stimme direkt hinter ihm. Erschrocken drehte Marc den Kopf nach hinten und erblickte einen Mann mit Halbglatze und Starfleet-Uniform, der anscheinend gerade dabei war, ein paar Diagnose-Daten an der Konsole abzulesen.
"Wer sind Sie?", fragte der Navigator gerade heraus.
"Was denken Sie denn? Glauben Sie, ich bin hier der Aufpasser für Sie? Ich bin Arzt und kein Kindermädchen", antwortete der Mann grimmig und stellte sich neben Marc an das Biobett. "Wie fühlen Sie sich?"
"Ziemlich schwach. Und ich kann meine Beine immer noch nicht spüren", antwortete Tegger wahrheitsgemäß. Er hatte inzwischen schon genug Erfahrung mit Ärzten gesammelt um zu wissen, daß man ihnen besser immer die Wahrheit sagte.
"Das ist normal. Sie werden sehen, spätestens Morgen können Sie wieder Ihre Beine bewegen. Es wird nicht viel sein, aber so wie es aussieht, können Sie in etwa zwei Tagen wieder auf Ihren Beinen stehen", erklärte der Doktor. "Aber Sie brauchen ja nicht zu denken, daß Sie dann schon wieder alles machen können. Frühestens in einer Woche dürfen Sie wieder Ihren Dienst aufnehmen. Verstanden?!"
Marc nickte nur stumm. Ihm war inzwischen alles egal. Er hatte sich schon damit abgefunden, den Rest der Woche in seinem Quartier zu verbringen und sich zu Tode zu langweilen. Aber was blieb ihm anderes übrig? Nichts. Also was brachte eine Beschwerde? Auch nichts. Wenigstens war er froh, daß er überhaupt wieder laufen konnte. Die ersten Sprüche von Collins hatten ihn nicht gerade zuversichtlich gestimmt. Apropos Collins.
"Äh, ich möchte jetzt nicht unhöflich klingen, aber wo sind die anderen alle? Collins, der Klingone und diese dunkelhäutige Frau?", fragte er den Arzt.
Dieser setzte ein beleidigtes Gesicht auf und antwortete: "Das würde ich auch gerne wissen. Die haben mich aktiviert und sind dann zusammen weggegangen. Ich vermute mal in die Schiffsbar. Schließlich kann man das mit mir ja machen."
Verwirrt schaute Marc den Mann an. "Wie, aktiviert? Wie soll ich das denn jetzt verstehen?"
"Bitte? Sie wissen nicht wer ich bin?", fragte der Arzt. "Ich bin das MHN-Programm." Kopfschüttelnd wandte sich das Hologramm ab und grummelte irgend was von Ignoranten oder so.
'MHN?', überlegte Marc und ließ sich zurück auf das Biobett sinken. 'Was zum Henker ist ein MHN-Programm? Warum in Gottes Namen erzählt mir keiner was hier vor sich geht.'
Unwillig aber gefügig wurde Pormas in die Krankenstation geschubst. Dieser erblickte sofort Marc, der wie ein Brett auf dem Biobett lag.
Neben ihm stand ein MHN, welches der Südländer noch aus seiner Sternenflottenzeit her kannte und deshalb passend begrüßte: "MHN deaktivieren."
Der Navigator hatte sich während der Zeit auf der Ivory als wahrer Freund und lustiger Geselle entpuppt, zu dem Pormas als einen der wenigen Menschen Vertrauen gefaßt hatte.
Daher war Marc auch, jetzt, der Einzige, der über die Gefühle des Südländers Bescheid wußte und ihn auch recht gut verstand. Aber auf jeden Fall hörte er zu und das war es, was Pormas jetzt brauchte.
Ungläubig starrte Tegger auf den verschwimmenden Doktor, als er zu verstehen begann was es mit ihm auf sich hatte. Edwina hatte während der ganzen Zeit nicht aufgehört auf ihre unverblümte Weise Ratschläge für ein gefälligst(!) ruhiges Verhalten zu geben.
Seufzend ging Pormas zum Biobett. "Hi Marc, keine Ahnung was mit dir los ist, aber hast du Lust unseren Krankenurlaub zusammen zu verbringen?"
--- Krankenstation, Kargans Büro
Während das MHN Tegger behandelte, hatten Kargan und Tayeya es sich in dem Büro des Chefarztes gemütlich gemacht. Kargan hatte die Indianerin inzwischen als vollwertige Kollegin akzeptiert, und ihr inzwischen einiges aus seinem Leben erzählt, seine Anfänge bei der Sternenflotte, seine Zeit auf der USS Bellopherone und der USS Odyssee.
Von seiner damaligen Geliebten, Isabel Nero, dem eigentlichen Grund für sein Ausscheiden aus der Sternenflotte, erzählte er allerdings nichts - das ging niemanden etwas an.
Irgendwann hörte dann Kargan Tegger sich mit dem MHN unterhalten, offenbar war der Mensch aufgewacht. Der Chefarzt machte Anstalten, sich zu erheben, als er die Tür der Krankenstation zischen hörte. Wahrscheinlich war Schwester Entenburg zurückgekehrt.
Kargan verdrehte die Augen und zog es vor, noch etwas in seinem Büro zu bleiben.
Aber dann hörte er, wie einer der Neuen einfach das MHN deaktivierte und einen Smalltalk mit dem frisch operierten Tegger begann.
Der Klingone rief sich die Ratschläge, die sein Bruder ihm bei seinem Eintritt in die Sternenflotte gegeben hatte, ins Gedächtnis: Erstens: Die Menschen erwarten von einem Klingonen, daß er ein Krieger ist, also benimm dich auch so. Du brauchst zumindest eine tiefe und laute Stimme, um dir Respekt zu verschaffen. Zweitens: Zeige niemals eine Schwäche. Ein schwacher Klingone wird niemals mehr ernst genommen werden.
Kargan öffnete ein kleines Schränkchen, in dem er ein paar interessante Substanzen aufbewahrte - angefangen von simplen Drogen bis hin zu absolut tödlich wirkenden Giften. Eine Ampulle wanderte in ein Hypospray, eine Andere in seinen Gürtel, und der Klingone stapfte hinaus.
--- Krankenstation
Schwester Entenburg bedeutete Kargan bei seinem Eintritt in die Krankenstation, daß sie Pormas wieder eingeliefert hatte - die Gründe interessierten den Chefmediziner im Moment nicht, ihm reichte die Tatsache als Solches.
Mit auf den Rücken verschränkten Armen ging Kargan lässig auf die Beiden zu. Mit einem Blick erfaßte er die Anzeigen über Teggers Biobett. Offenbar war die Operation erfolgreich verlaufen und das MHN fast mit seiner Behandlung fertig gewesen.
FAST...
Kalt lächelnd begrüßte Kargan den Südländer: "Willkommen zurück, Mr Theocrates. Schwester Entenburg sagte mir gerade, daß Sie noch einige Zeit hier auf der Krankenstation verbringen sollten. Würden Sie sich bitte auf dieses Biobett legen? Ja, Sie können gerne das neben Mr Tegger nehmen, dann können Sie sich ein wenig unterhalten. Brav. Nun wollen wir Sie einmal etwas ruhig stellen."
Mit einer schnellen Bewegung setzte der Chefarzt das Hypospray an. Zischend entlud sich der Inhalt in Pormas Vene, und ein erst eiskaltes und dann taubes Gefühl breitete sich langsam von Pormas rechtem Arm aus, während seine gesamten Muskeln praktisch sofort die Arbeit einstellten.
Dozierend fuhr Kargan fort: "Sie haben jetzt 10ml Kryoperophonin in ihrem Körper. Sie müßten bereits bemerkt haben, daß Sie Ihre Bewegungsmuskeln bereits nicht mehr benutzen können, während die Lebensnotwendigen, wie Herz und Lunge noch arbeiten. Erfahrungsgemäß werden diese allerdings in etwa zweieinhalb Minuten ebenfalls ihre Funktionen einstellen.
Wissen Sie, dabei fällt mir eine kleine Anekdote ein, die mir mein Bruder erzählt hat. Brakan, mein Bruder, ist Kommandant eines klingonischen Schlachtschiffes, müssen Sie wissen. Interessiert es Sie, wie er zu seinem Posten gekommen ist?" Als Pormas keine Reaktion zeigte, fuhr Kargan fort:
"Ja? Das dachte ich mir. Er war damals erster Offizier auf der Kung'Lu, als diese von einem feindlichen Clan geentert wurde. Er kämpfte allein gegen acht Gegner, hielt sie in Schach und schaffte es, sie zwischen zwei Kraftfeldemitter zu locken. Als er gerade ein Ebene 10-Kraftfeld um die Gruppe errichtet hatte, kam der Captain vorbei. Was meinen Sie, was er sagte? Er sagte: 'Ich hasse Energieverschwendung! Kraftfeld deaktivieren!'
Was glauben Sie, wen mein Bruder zuerst getötet hat? Na? Richtig! Seinen Captain, und anschließend erst die Invasoren!
Falls Sie nicht wissen, was ich Ihnen mit dieser kleinen Anekdote sagen möchte, dann lassen Sie mich Ihnen Ihre Situation etwas näher erläutern. Momentan haben Sie noch etwa einhundert Sekunden zu leben.
Das einzige bekannte Mittel gegen das Gift in Ihrem Blut befindet sich selbstverständlich in den Datenbanken der Replikatoren, so daß beispielsweise ein MHN darauf zugreifen kann.
Wollen wir einmal versuchen, ob unser MHN dieses Mittel kennt? MHN aktivieren!"
Nach dem obligatorischen Summen erklang eine Stimme, die bei ihrer Begrüßungsfrage diesmal die Standardform wählte: "Bitte spezifizieren Sie die Art des medizinischen Notfalles!"
Kargan deutete wortlos auf Pormas, woraufhin das MHN begann, den vergifteten Menschen zu scannen. Anschließend materialisierte in seiner Hand ein Hypospray. Als er es gerade ansetzen wollte, klang Kargans Stimme auf: "Einen Moment." Das MHN hielt in der Bewegung inne.
"Und nun wollen wir uns einmal vorstellen, daß irgend jemand aus der Technik, oder der Sicherheit..." - Kargans Stimme betonte dieses Wort sehr gründlich - "...zur Tür hereinkommt und sagt: MHN deaktivieren!"
Mit einem Brizzeln löste sich sowohl der künstliche Arzt als auch sein Hypospray auf.
"Wie würden Sie sich jetzt fühlen, wenn Sie der Patient wären? Ich möchte Sie etwas darüber nachdenken lassen..."
Pormas Herz raste, während das taube Gefühl bereits seine komplette rechte Seite erfüllt hatte und sich unaufhaltsam seinem Herzen näherte.
"MHN aktivieren!"
Kargans Stimme drang nur noch verschwommen an Pormas Ohr. "Bitte spezifizieren Sie die Art des medizinischen Notfalles!"
"MHN, bitte kümmere dich um die unterbrochene Rückenwirbeloperation."
Mit diesen Worten drehte sich Kargan um, warf Schwester Entenburg, die Kargan kannte und sich vorsichtshalber in der Nähe aufgehalten hatte, die Ampulle zu, die er in seinem Gürtel deponiert hatte, und sagte zu ihr: "Mr Theocrates steht zu Ihrer Verfügung. Ich möchte, daß Sie nicht von seiner Seite weichen. Er braucht ganz besonders liebevolle Betreuung..."
Die Worte hörte Pormas nicht mehr, spürte jedoch das heiße Zischen, als Schwester Entenburg das Gegenmittel injizierte.
Entsetzt war Marc dem Schauspiel gefolgt, was ihm da geboten wurde. War so was möglich? Waren inzwischen alle auf der Privateer verrückt? Da konnte er ja noch froh sein, von einem MHN behandelt worden zu sein.
Wo er gerade an das MHN dachte, bemerkte er, daß der holografische Doktor sich wieder an ihm zu schaffen machte. Er überprüfte irgendwelche medizinischen Daten, scannte Tegger noch mal von Kopf bis Fuß und nickte dann zufrieden.
"So, das sieht doch ganz gut aus. Ich werde Ihnen jetzt noch ein Hypospray geben und dann können Sie getrost etwas ausruhen. Ich denke, danach dürfen Sie dann auch wieder zurück in Ihr Quartier", sagte der Doktor.
Verwirrt überlegte Marc. Vorhin hieß es doch noch, daß er erst in 2 bis 3 Tagen in sein Quartier kommen sollte. Und jetzt in ein paar Stunden? Irgendwas stimmte da nicht. Sein Gehirn arbeitete fieberhaft. Was hatte er übersehen? Oder hatte sich der Doktor vertan? Eigentlich war das unmöglich. Schließlich war er ein Hologramm und Hologramme machten keine Fehler. Oder etwa doch?
"Doktor, kann es sein, daß Sie sich da vertan haben? Vorhin sagten Sie noch, ich komme erst in ein paar Tagen von der Krankenstation runter und jetzt erzählen Sie mir was von ein paar Stunden? Irgendwas stimmt doch da nicht", meinte der Navigator fragend und schaute das MHN an.
"Wieso Fehler? Der Fehler geht von Ihnen aus", antwortete dieser und zückte das Hypospray. "Sie denken wahrscheinlich, daß dieses Hypospray Sie nur für ein paar Stunden in Schlaf versetzt. Aber in Wirklichkeit wirkt es länger. Viel länger."
Grinsend setzte er das Spray an Marcs Oberarm und sagte: "Ich wünsche schöne Träume."
Zischend entlud sich das Hypospray und Marc konnte fühlen, wie sich die Wirkung in seinem Körper ausbreitete. Langsam aber sicher glitt er in den Schlaf über. Immer mehr verschwamm der Raum um ihn und er hörte nur noch verzerrt die Stimmen der anderen auf der Krankenstation.
Schon nach fast 10 Sekunden war er vollends in die großartige Traumwelt eingetreten.
--- Deck 8, beim Turbolift
Silvanas wohliges schnurrendes Miezekatzen-Dasein war schlagartig wie weggeblasen, als die Lifttüren sich geöffnet hatten. Es war, als hätte sich damit ein Portal in ihrer Seele geöffnet und ihr alter Charakter kam wieder zum Vorschein. Übergangslos wurde aus der sinnlich ausgehungerten Frau wieder die Tigerin, welche die ganze Sicherheit unter sich hatte.
Ihr ernster Blick musterte erst nachdenklich und abschätzend die beiden Männer, bevor er sich ihrem Chronometer zuwandte und eine Spur finsterer wurde. Leicht tadelnd schüttelte sie den Kopf.
"Schön, daß ihr es endlich geschafft habt, Jungs", sagte sie dann sarkastisch. "Aber beim nächsten Mal muß das viel schneller gehen, oder ihr werdet Ärger mit mir bekommen. Habt ihr auf dem Weg vom Maschinenraum geschlafen?! Oder habt ihr noch nie einen steckengebliebenen Lift geborgen?! Ich habe gerade zu tun, sonst würde ich ein ernstes Wort mir eurem Chef Xiang wechseln.
Aber das eine laßt euch gesagt sein: Irgendwann prüfe ich euch ein zweites Mal, aber rechnet nie damit, daß es sich wirklich bloß um einen Test handelt... denn für euch kann er ziemlich schnell ernst werden..." Ihre Miene verriet mit nichts, daß ihr Test eine bloße Erfindung war und sie sich innerlich köstlich über die verdutzten Mienen der Techniker amüsierte. Dabei fiel ihr gleich eine Anweisung ein, die noch von Nutzen sein konnte.
"Außerdem möchte ich, daß ihr in einem solchen Notfall sofort feststellt, ob der Captain davon betroffen ist und ihr ihn aus der Gefahrenzone beamt. - Haben wir uns verstanden?" Der Klang ihrer Stimme war fest und duldete keinen Widerspruch.
Den beiden Technikern blieb nichts weiter übrig blieb, als zu nicken. Mit dieser Reaktion hatten sie sicher nicht gerechnet. Ein wenig zweifelnd waren ihre Minen noch immer, als Silvana sich mit Jack den Gang hinunter entfernte, aber sie wagten nicht darüber nachzudenken. Schiffe konnten sehr gefährlich sein...
Noch während Silvana und Collins sich vom Lift entfernten, fragte die Sicherheitschefin leise den Psychologen: "Sag mal Jack... wollten wir nicht eigentlich auf Deck 7?"
--- Deck 7, Gänge, kurze Zeit später
Die beiden Techniker hatten ein ziemlich dämliches Gesicht aufgesetzt, als die Insassen des Turbolifts auf dem Absatz kehrt gemacht, sich vor ihren Augen wieder in den Turbolift begeben hatten und ihnen vor der Nase weggefahren waren.
Als der Lift schon längst auf Deck 7 angehalten hatte, grinsten beide immer noch über die betroffenen Gesichter der Techniker. Dabei mußte Silvana ein weiteres Mal feststellen, was für ein attraktiver Mann dieser Jack doch war. Er hatte gehalten, was sie sich von ihm versprochen hatte.
Die "Meditation" hatte ihr gut getan. Ihre aufgestauten Emotionen waren gesättigt worden und sie fühlte sich wie neugeboren. Jack hatte echt recht behalten. Sie nahm sich vor bald wieder mit ihm zu 'meditieren'...
Auf dem kurzen Weg zu den Quartieren hingen beide ihren eigenen Gedanken nach, während Collins automatisch den richtigen Weg einschlug.
--- Deck 7, Gang vor den Quartieren, zeitgleich
Wie Lava glühten Narbos Augen und der Hass und die Wut waren beinahe greifbar, als er den Turbolift verließ und den äußeren Weg zu Salannns Quartier zurücklegte und sich nebenbei über den Idioten ärgerte, der den anderen Lift seit einer Viertelstunde ohne Grund besetzt hielt.
"MenSCHen!", faßte er seine Gefühle in Worte und die einzelnen Silben hätten ein Feuer entzünden können, so heiß waren sie. DAS war heute wirklich nicht sein Tag und an diesem Schiff klebte wohl wie eine fettige Glasur das Pech und wartete täglich darauf, dem Ferengi ins Essen zu spucken!
Endlich hatte er das Quartier von Salannn erreicht und hieb mit seiner Hand auf den Klingelknopf der an jedem Eingang angebracht war. Einen Moment tat sich nichts und Narbo spielte schon mit dem Gedanken, das elektronische Schloß einfach zu überbrücken oder die ganze Tür wegzusprengen, aber dann hörte er von innen eine verzweifelt klingende Stimme:
"Sind Sie das, Mr. Collins? Gut, daß Sie kommen, ich glaube Narbo wird mich töten, wenn er das Chaos in seiner Bar sieht..."
Eine Sekunde später erklang eine andere, Narbo bekannte Stimme und er drehte irritiert und mit einer bösen Vorahnung seinen Kopf, um dann mit weit aufgerissenen Augen die Amazone und den Psycho-Futzi zu sehen.
'Heute ist wirklich nicht mein Tag...'
"Ich wußte gar nicht welche Überraschungen Liftfahrten mit dir mit sich bringen", meinte Silvana gerade leise an Jack gerichtet um wieder den Gesprächsfaden von vorhin aufzunehmen, bei dem sie zuletzt unterbrochen worden waren, als sie den Ferengi an einem der Quartiere herumlungern sah.
Seinem Gesichtsausdruck nach zu schließen war er nicht gerade erbaut darüber sie hier zu treffen. Sie fragte sich, was er hier wohl machte. Hier war weder die Bar noch sein Quartier. Und wenn er offiziell nach dem Attentäter suchte, weshalb fühlte er sich dann ertappt? Und wo zum Teufel war Kindermädchen Pormas abgeblieben?
In diesem Augenblick öffneten sich zischend die Türen des Quartiers, vor dem der Ferengi gerade stand, und man hörte eine weibliche Stimme die sagte: "Nur herein, Mr. Colli...", dann ertönte ein heiserer erstickter Schrei, der entfernt Ähnlichkeit mit dem Namen "Narbo" hatte und dann schloß sich die Tür hastig wieder und es klang, als würde jemand von innen Möbel vor die Türe rücken.
Es war klar, daß dieser Jemand ziemliche Angst haben mußte, wenn er dabei nicht einmal im Entferntesten daran dachte, daß sich die Türen zur Seite bewegten und Möbel kein wirkliches Hindernis darstellten.
Silvana erinnerte sich mit einem Mal wieder daran, daß Jack bei dem Fall den sie aufsuchten etwas von "Mobbing" erwähnt hatte, bevor ihre Gedanken in eine ganz andere Richtung abgeschweift waren und eben erst wieder zurückkehrten. Ihr gingen plötzlich eine ganze Reihe von Lichtern auf.
"Jack, deine Patientin scheint entweder einen sehr schlechten Geschmack in Sachen Haustiere entwickelt zu haben, die sie dann auch noch vor ihrem Quartier parkt, oder unsere kleine psychologische Ausbildungsgruppe hat unverhofft Zuwachs bekommen." An den Ferengi gewandt sagte sie:
"Schön dich zu sehen Narbo. Ich denke, es ist nur von Vorteil, wenn du einen kleinen Besuch mit uns machst..." Sie lächelte, doch es war jenes kalte Lächeln, das sie immer für ihren Freund Narbo bereit hatte. Es verhieß nichts Gutes...
--- Krankenstation, inzwischen
Gerade wollte Kargan Tayeyas Mund wieder schließen, als ihm die letzten Worte des MHN ins Bewußtsein drangen. Bei dem momentanen Stand der Behandlung war es ganz und gar unnötig, daß Tegger für lange Zeit betäubt wurde.
Zähneknirschend rollte der Klingone die Augen. Auf einem Display ließ er sich die letzten Diagnose- und Behandlungsdaten des MHN anzeigen. Mit den Fingern auf der Konsole trommelnd erfaßte er die Fakten: Zuerst hatte es einwandfrei gearbeitet und die Wirbelfraktur vorbildlich behandelt, wobei es kurz vor Ende der Behandlung deaktiviert wurde.
Dann hatte es ebenfalls vollkommen korrekt die Vergiftung erkannt, die richtige Behandlungsmethode gewählt und wurde erneut kurz vor Ende deaktiviert.
Der nächste Aufruf mußte es vollkommen durcheinander gebracht haben: Irgendwie mußte es die drei Diagnosen - die beiden Abgebrochenen und die Jetzige zu einer Phantasiekrankheit vermischt haben. Sie war als "doppelte Kryoperophoninfraktur der Lendenwirbel im venösen Bereich der Wirbelsäulensäule" bezeichnet. Als Behandlung hatte der Computer "Viel Ruhe und Betreuung durch ein Spezialistenteam aus Vinsalt IV" gewählt. Da ein solches Team nicht verfügbar war, hatte er kurzerhand die Ruhe intensiviert, indem er den Patienten einfach ein paar Tage schlafen legte.
Sich ein Hypospray schnappend trat er an Teggers Bett. Nach einem leisen Zischen schlug der Navigator die Augen auf. Der Klingone sagte: "So, Sie haben gehört, was das MHN gesagt hat. In 2-3 Tagen kommen Sie auf Ihr Quartier, wo Sie eine einsame Woche damit verbringen können, nicht vorhandene Fliegen an der Decke zu zählen. Das wäre die Standardföderationsbehandlungsmethode. Ich mache Ihnen einen anderen Vorschlag: Sie bleiben noch bis morgen früh hier, und dann dürfen Sie schon wieder arbeiten. Allerdings keine tragenden Tätigkeiten.
Und machen Sie sich keine Sorgen wegen Ihrer Beine. Gaspedale gibt es bei der Föderation schon länger nicht mehr..."
Total verdattert starrte Marc den Klingonen an. Hatte er irgendwas verpaßt? Das MHN hatte ihn doch für mehrere Tage schlafen gelegt. Waren die so schnell vorbei gewesen?
"Doktor, können Sie mir vielleicht sagen, was in den letzten 2-3 Tagen passiert ist? Ich bin da im Moment nicht so auf dem Laufenden", fragte er den Klingonen.
"Sie haben genau", Kargan schaute auf den Chronometer, "zweiundfünfzig Sekunden geschlafen, Mr Tegger. Wissen Sie, was das MHN bei Ihnen diagnostiziert hat?", antwortete Kargan, um dann fortzufahren: "Ich werde es Ihnen sagen: Doppelte Kryoperophoninfraktur der Lendenwirbel im venösen Bereich der Wirbelsäulensäule."
Mit einem anzüglichen Seitenblick auf Pormas meinte er: "Offenbar arbeitet es fehlerhaft, wenn es mehrfach hintereinander mitten in der Arbeit deaktiviert wird. Deshalb habe ich Sie wieder aufgeweckt, und Sie können morgen früh die Krankenstation verlassen. Aber wenn Sie wollen, können Sie auch noch länger hier bleiben, Schwester Entenburg kümmert sich sicher gerne um Sie..."
Entsetzt schaute Tegger zwischen Entenburg und Kargan hin und her und sagte dann leise: "Lieber nicht. Mich bringen keine 10 Pferde dazu, länger als nötig mit diesem Drachen zu verbringen."
"Sehr schön", antwortete der Klingone und fügte dann noch hinzu: "Also, Sie bleiben jetzt schön ruhig hier liegen. Und Morgen früh, wenn ich wiederkomme, dürfen Sie hier raus und wieder hinter Ihre Konsole. Aber seien Sie gewarnt; Ihr Rückgrad ist noch nicht ganz geheilt. Also schonen Sie sich. Und wenn ich Sie dabei erwische, wie Sie mit Silvana Kampftraining machen, schrubben Sie hier die nächsten Wochen den Boden, und wenn ich Ihnen dazu einen Spezialrollstuhl replizieren muß. Haben wir uns verstanden?"
Die Indianerin war dem Klingonen aus dem Büro wieder in die Station gefolgt und hatte ihm mit einiger Bewunderung, aber auch ein wenig Widerwillen zugesehen, wie er dem Südländer klarmachte, wie fatal sein Abschalten des MHN hätte enden können.
Tayeya billigte diese Ansprache des Klingonen nicht, da er mit den Gefühlen des Patienten auf ziemlich unschöne Art spielte - noch dazu mit einem äußerst labilen Patienten, denn als solcher war Pormas zur Zeit sicherlich einzustufen.
Dessen entsetzter Blick sprach sowieso Bände, was er von dem Klingonen hielt. Aber nichtsdestotrotz mußte die Lakota zähneknirschend eingestehen, daß der Doktor Erfolg hatte und so etwas dem Griechen sicherlich nicht noch einmal passieren würde...
Nachdem Kargan mit Tegger gesprochen hatte, nutzte Tayeya die kurze Gesprächspause, um den Klingonen etwas zur Seite zu ziehen und anzusprechen: "Doktor Kargan, was wollen Sie denn mit Mr Theocrates machen?
Ich bin der Ansicht, daß es ein Fehler wäre, ihn weiterhin auf der Krankenstation zu behalten. Ich glaube, daß er sein seelisches Gleichgewicht am ehesten wiederfindet, wenn man ihm die Möglichkeit gibt, seine Gedanken auf etwas anderes zu konzentrieren als auf seinen kürzlich erlittenen Verlust.
Und damit meine ich nicht die Zusammenarbeit mit einem Wesen wie diesem Ferengi, dessen ganzer Charakter nur aus Niedrigkeit besteht und der es ständig darauf anlegen würde, seinen 'Partner' weiterhin zu verärgern und zu erniedrigen.
Bliebe er andererseits hier auf der Station, hätte er nur jede Menge Zeit, sich in seinem Kummer zu ertränken, was ihn nur noch mehr unfähig machen würde, sich zu erholen.
Was meinen Sie dazu?"
"Nun, ich habe beim ersten Mal, als Sie ihn entlassen haben, nicht gesagt, daß diese Entscheidung falsch war", antwortete Kargan. "Und ich bin immer noch der Meinung, daß Sie damals recht hatten."
So leise die Beiden auch gesprochen hatten, Schwester Entenburg schien über ein sehr empfindliches Gehör zu verfügen, denn wie durch Zauberei stand sie plötzlich bei Tayeya und Kargan und raunzte: "So, Sie wollen also einen Mann, der mir eindeutig gezeigt hat, daß er sich 'draußen' nicht mehr zurecht findet, einfach so entlassen? Wissen Sie, wo ich ihn gefunden habe? Auf der Damentoilette, wo er beinahe über mich hergefallen wäre! Aber gut, wenn Sie meinen, dann lassen wir ihn doch einfach wieder auf die Leute auf dem Schiff los, ich bin schon gespannt, wen dieser Lüstling als nächstes vergewaltigt!"
"Aber...", setzte Tayeya an, wurde jedoch sofort von der resoluten Schwester niedergeredet:
"Kindchen, Sie sollten mal ganz still sein. Sie haben doch gar keine Ahnung, wie es bei uns hier zugeht. Mit Ihrer Angrapscherei vertun Sie doch viel zuviel Zeit, während die modernsten - naja, fast die modernsten - Geräte hier rumstehen, und Krankheiten schneller heilen können als Sie sie diagnostizieren können!"
"Aber...", versuchte es nun Kargan, aber auch er bekam sein Fett ab:
"LIEBER Doktor Kargan, wenn ich melde, wie Sie hier mit den Patienten umgehen, dann sind Sie aber ganz schnell Ihre Lizenz als Arzt los! Da werden einfach Patienten vergiftet, die es gewagt haben, das MHN zu deaktivieren! Aber natürlich, wenn man selber schwierige Operationen nicht schaffen kann, dann braucht man eben das MHN! Aber immer noch besser, als damals mit Crewman Baker, Gott hab ihn selig..."
"RUHE!!!", rief Kargan mit der vollen trainierten Stärke seiner Klingonenstimme. "Entweder Sie kümmern sich jetzt endlich um Ihre Patienten, oder ich werde heute noch Ihre Arthritis behandeln..."
Bleich werdend und ziemlich kleinlaut schlich Schwester Entenburg davon und säuselte einem Patienten mit einem ehemals offenen Oberschenkelbruch zu: "Nun, lieber Mr Kreml, wie geht es Ihnen?"
Zu Tayeya gewandt meinte Kargan: "Ich bin dafür, wir behalten Mr Theocrates heute noch zur Beobachtung hier, und morgen früh kann er dann zusammen mit Mr Tegger gehen.
Was seine Zusammenarbeit mit Narbo angeht - ich weiß nicht, ob ich ihm den allgemeinen Kontakt mit Ferengi verbieten kann. Überhaupt - wenn er mit Silvana zusammenarbeitet, dann wird sie ihren Teil dazu beitragen, ihn zu erniedrigen. Und wenn er hierbleibt - nun ja, lange wird sich Schwester Entenburg sicher nicht zurückhalten können, wie ich sie kenne.
Meiner Meinung nach sollte er sich entweder durchbeißen oder sich ein neues Schiff suchen, was meinen Sie?"
--- Krankenstation, bei den Biobetten
Mit einem leisen "Ja Sir" hatte Marc die Frage des Klingonen beantwortet, bevor dieser sich mit seiner indianischen Kollegin etwas abseits gestellt hatten. Angespannt ließ der Navigator sich zurück auf die Liege fallen. Soviel Streß wie heute war er nicht gewöhnt. Und am wenigsten hatte er erwartet, daß es gerade auf der Krankenstation so schlimm war.
Interessiert schaute er zu Kargan und Tayeya, die sich gerade über den Zustand von Pormas unterhielten. Er hatte nicht gedacht, daß es so schlimm um den Südländer stand. Beunruhigt drehte er den Kopf in Richtung Pormas Liege und flüsterte: "Hey, alles klar bei dir?"
Doch anscheinend hatte er zu leise geredet, denn Pormas zeigte keine Reaktion auf sein Geflüster. Vorsichtig schielte Tegger zu der Krankenschwester rüber, die sich an einem Mann mittleren Alters zu schaffen machte.
Was er jetzt am wenigsten wollte, war die nähere Anwesenheit von Edwina. Und er wußte es genau, wenn die mitkriegen würde, daß er mit Pormas redete, dann wäre sie sofort zur Stelle um dem Gespräch ein Ende zu bereiten.
Plötzlich kam ihm ein Gedanke. Langsam, damit es keiner merkte, tippte er auf seinen Communicator und flüsterte: "Tegger an Pormas. Kannst du mich hören?"
Von seinem Biobett konnte Marc sehen, wie der Sicherheitsmann sichtbar zusammenzuckte und dann den Kopf zu Tegger drehte. Ein kleines Lächeln erschien auf seinen Lippen. Unbemerkt tippte Pormas auf seinen eigenen Communicator und antwortete: "Ja, sicher kann ich dich hören. Was gibt's denn?"
"Wie hast du es eigentlich hier hin geschafft?", fragte Marc ihn.
Leise seufzte Pormas. Ja wie? "Sagen wir mal so... ich glaube ich bin nicht mehr ganz dicht...", sprach der Südländer leise in seinen Communicator. Als er den erschrockenen Gesichtsausdruck auf Marcs Gesicht sah, mußte er aber wieder lächeln.
"Nein keine Sorge. Nicht wie die restlichen Besatzungsmitglieder.... die irgendwie alle aus der Irrenanstalt entflohen zu sein scheinen", mit Schaudern erinnerte er sich an Kargan, der so leichtfertig mit Leben und Tod umging, wie ein kleines Kind mit seiner Spielzeugpuppe.
"Ich habe die Entenburg für Helen gehalten... als ich vor lauter Magenschmerzen aus Versehen auf die Damentoilette gerannt war..." Marcs Grinsen sprach Bände, wurde aber gleich wieder ernst, als Pormas weitersprach.
"Naja... Narbo wird dafür büßen... aber nach Helens.... Tod...", der Südländer schluckte wieder, "scheine ich sie fast überall zu sehen, wenn ich für ein paar Augenblicke allein bin und nichts zu tun habe. Ich vermiß sie so......."
Leer starrte Pormas zur Decke.
--- Krankenstation, bei der Tür zum Büro, zeitgleich
"Im Prinzip haben Sie völlig Recht," stimmte die Indianerin dem klingonischen Arzt zu. "Aber ich halte es trotzdem nicht für besonders geschickt, wenn er mit solchen... Individuen zusammenarbeiten muß." Mit einem kurzen Aufseufzer fuhr sie fort: "Allerdings ist er nun mal bei der Abteilung Sicherheit auf diesem Schiff, also sollte er wirklich besser die Zähne zusammenbeißen und zusehen, daß er wieder auf die Beine kommt."
Daraufhin schoß Tayeya einen unfreundlichen Blick in Richtung Schwester Entenburg ab, die gerade den Patienten mit dem Beinbruch belästigte. "Und ich hoffe für diese Frau, daß sie nie in die Notlage kommt, sich meiner 'Angrapscherei' unterwerfen zu müssen, denn dann könnte ich in Versuchung geraten, nicht gerade sanft bei der Untersuchung vorzugehen. Das Beste wäre es zweifelsohne, wenn sie sich auch gleich ein neues Schiff suchen würde!"
Mit diesen Worten wandte sich die Lakota von dem Klingonen ab und schritt zu Pormas' Biobett hinüber, wo sie gerade noch dessen letzte Worte mitbekam.
--- Krankenstation, bei den Biobetten
"So, Mr Theocrates, ich hoffe doch, daß Sie sich jetzt so langsam mal alles von der Seele geredet haben. Wenn nicht, dann bin ich gerne bereit, mit Ihnen die bereits vorgeschlagene Heilungszeremonie durchzuführen.
Wenn Sie allerdings der Ansicht sein sollten, daß Sie so eine 'komische Zeremonie' nicht benötigen, wie Ihre Reaktion auf meinen letzten diesbezüglichen Vorschlag implizierte, dann möchte ich Sie doch bitten, sich auch dementsprechend zu verhalten.
Es ist nur natürlich, daß Sie ihren Verlust betrauern, aber so langsam sollten Sie trotz allem wieder zu einem normalen Leben zurückkehren."
Als Tayeya den Blick des Hünen wahrnahm, kam sie gleich einem Einwand zuvor, den der Südländer möglicherweise anbringen würde: "Und glauben Sie nicht, ich wüßte nicht, wovon ich spreche. Sie sind nicht der Einzige auf der Welt, der einen geliebten Menschen verloren hat. Also reißen Sie sich zusammen und unterbrechen Sie nicht immer wieder die Ermittlungen nach der Ursache dieses Anschlages - sonst könnte es durchaus sein, daß noch andere zu Tode kommen - und das dürfte Ihnen dann auch nicht gerade gefallen."
Mit einiger Spannung wartete die Indianerin auf die Reaktion des Griechen, der sie immer noch mit einem undefinierbaren Blick anstarrte.
--- Deck 7, vor Salannns Quartier
Collins seufzte leise. "Laßt mich erst mal allein mit ihr reden, damit sie sich ein wenig beruhigt." Er ging an Narbo vorbei zur Tür und betätigte den Summer.
"Hallo? Ich bin Jack Collins, machen Sie bitte auf. Sie brauchen keine Angst zu haben!" In dem Quartier hörte man scharrende Geräusche, dann öffnete sich die Tür und ein dunkler Lockenkopf kam zögernd zum Vorschein.
Das Gesicht des Mädchens sah ziemlich verheult aus. "Darf ich reinkommen?", fragte der Psychologe ruhig ohne sie dabei aus den Augen zu lassen.
"Aber nur Sie!", erwiderte sie mit einem besorgten Blick auf die beiden anderen..
Collins winkte kurz Silvana zu und ging dann hinein.
"Okay, wie heißen Sie denn und wie kann ich Ihnen helfen?"
--- Deck 7, Salannns Quartier
"Salannn", schluchzte sie. "Ich heiße Salannn und arbeite in der Bar. Und dieser hundsgemeine Ausbeuter schikaniert mich seit dem ersten Tag. Er zahlt einen Hungerlohn und zieht davon grundlos noch etwas ab für Sachen, die ich nicht gemacht haben soll, oder weil angeblich die Kasse nicht stimmt." Wieder schüttelte sie ein Weinkrampf.
"Und dann diese miese Anmache von einigen Gästen. Aber Narbo sagt, ich soll mich nicht so anstellen. Das fördert den Profit. Und weil ich an dem Tag einen Kunden verprellt haben soll, hat er mich einfach nicht bezahlt.
Heute war dieser Typ wieder da und fing wieder an. Spaß wollte er haben, hat versucht hinter die Theke zu kommen. Ich habe ihn eine runtergehauen. Er wurde handgreiflich, da bin ich abgehauen!"
Jack nickte. "Gut, ich werde Narbo jetzt reinholen, keine Angst, Silvana ist auch dabei. Mal sehen, was der Ferengi dazu sagt." Er stand auf und öffnete die Tür.
"Kommt doch mal beide rein!", sagte Collins. Der Blick, den Narbo ihn beim Vorbeigehen zuwarf, sprach Bände. Doch bevor noch ein weiteres Wort gewechselt wurde, meldete sich Jean-Luc über Silvanas Communicator. "Soeben sind mir Meldungen über ein paar Explosionen in diversen Quartieren gemeldet worden. Es sollen... Farbbomben gewesen sein, keine Verletzten, keine großartigen Schäden. Jean-Luc, Ende!"
"Farbbomben? Was zum Henker ist hier auf dem Schiff eigentlich los?", fragte Jack als auch sein Communicator losging:
"Jean-Luc an Collins, bevor ich es vergesse, da wollte Sie noch jemand sprechen, eine gewisse Salannn, auch Deck 7..."
"Ich weiß! Collins Ende!"
'Bevor ich es vergesse??? Was ist das bloß für ein Androide?', dachte der Psychologe.
Grummelnd betrat Narbo das geschmacklos _menschlich_ eingerichtete Quartier seiner EX-Kellnerin und zeigte dabei leicht angeekelt seine Zähne.
Wirklich ein widerlicher Farbton an den Wänden...
Der Ferengi schüttelte sich bei dem Anblick leicht, bis ihm wieder die Meldung des blechernen Schiffssklaven in den Sinn kam. "Silvana, das mit den Bomben war eine Idee von Pormas und mir; wir denken, daß wir so den Attentäter schneller finden können!", log er dreist über die Urheberschaft und hoffte, daß er vorerst damit durchgehen würde.
"Ach und die Anschuldigungen von diesem Weibchen entsprechen größtenteils der Wahrheit. Ich weiß ja nicht mit was für Samthandschuhen Ihr eure Untergebenen anfaßt, aber bei mir bekommen die Leute nicht alles in den Hintern gepustet!", fügte er zischend hinzu und wußte, daß Silvana diese Meinung teilte...
Silvana, die Jacks Vorsichtsnahme, daß sie und Narbo erst später ins Quartier durften, reichlich übertrieben fand, sah Narbo von der Seite her skeptisch an. Wenn der Ferengi schon so bereitwillig gestand, daß Pormas und er seine Finger bei den Bomben im Spiel hatten, dann nur um etwas anderes zu verbergen.
Nur war ihr das im Moment eher nebensächlich, denn sie genoß noch immer die Nachwirkungen der Liftfahrt und fand, daß Narbos Anstrengungen den Attentäter so schnell wie möglich zu fangen eher unfreiwillig mithalfen, ihr mehr Zeit für sich zu verschaffen und das bedeutete wiederum...
"Hmmm...", meinte Silvana Narbo zustimmend. "Jack, daß hier ist nun wirklich kein Föderationsdampfer und Narbos Bar nicht der geeignete Ort für zartbesaitete Jungfrauen. Daß die Kleine vor allem dort ist um die männlichen Barbesucher zu animieren, hätte ihr gleich zu Beginn bewußt sein müssen, als sie gesehen hat, daß der Barbesitzer ein Ferengi ist. Das dünne Fähnchen, das sie anhat ist wohl auch kaum eine Uniform und was den miesen Lohn betrifft,... niemand hindert sie daran in der Bar aufzuhören und für ihr Geld zu arbeiten."
Ohne erst auf eine Einladung zu warten, setzte sich Silvana auf den Tisch des Quartiers, da es an Sitzgelegenheiten ohnehin mangelte und stellte einen Stiefel auf die Tischkante um sich auf ihr Bein zu stützen. Ohne die Augen von dem Ferengi zu nehmen, betätigte sie den Communicator: "Silvana an Jean-Luc. Wie war das nochmal mit den Farbbomben? Wie viele Quartiere sind betroffen?"
"Nur sehr wenige, Sir. Um genau zu sein, es handelt sich bei den bisher betroffenen Quartieren um sieben Stück. Aber da seit einiger Zeit niemand mehr Meldung erstattet hat, nehme ich an, daß... Möchten Sie noch die Namen von den betroffenen Personen oder soll ich Mr. Theocrates Meldung erstatten?", besann sich Lean-Luc eines Besseren, statt seinen kriminalistischen Spürsinn zum Besten zu geben.
Aber Silvana genügte der Gesichtsausdruck von Narbo und so beendete sie die Kommunikation einfach. Narbo würde schon dafür sorgen, daß Pormas von der Pleite erfuhr.
Noch einmal betätigte sie ihren Communicator: "Silvana an Voltak, Pormas, Wanda und Kal'chi, Sohn des Chi'par. Begebt euch auf schnellstem Wege zu Narbos Bar. Ich hab so im Gefühl, daß es dort einiges zum Aufräumen gibt. Die Verletzten vor und nach eurer Aufräumaktion bringt ihr auf die Krankenstation oder holt Kargan in die Bar. Alle die vor Alkohol nicht mehr stehen können, kommen in die Arrestzellen zum Ausnüchtern.
Außerdem paßt auf Narbos kleine Spielereien auf, wenn ihr nicht wollt, daß euch plötzlich ein Arm fehlt. Silvana Ende." Damit widmete sie sich wieder gelangweilt Jacks täglichem Brot. Dabei hatte er doch so viel mehr zu bieten, als nur seine psychologischen Fähigkeiten...
An Marok Dudras, der inzwischen nach einem neuen Schiff zum Anheuern suchte und der auf Rache sann, dachte sie mit keinem Gedanken mehr zurück.