--- Stationsbar, Theke
"Auf dein Wohl, Sternenlicht. Normalerweise lasse ich mich nicht von Fremden auf einen Drink einladen, aber bei dir mach ich mal eine Ausnahme, weil du anders bist, als die meisten Männer", meinte Silvana, als sich ihr Communicator zu Wort meldete und das Gespräch versiegen ließ. Sie hatte nicht mal Zeit einen Schluck vom Milchshake zu kosten.
Sadaja erstattete ihr Bericht, daß sie wie befohlen mit dem Captain gesprochen und sein Quartier durchsuchen ließ.
Nachdenklich biß sich Silvana auf die Lippen und starrte in den noch immer unberührten Milchshake. Seit der Sivaoaner aufgetaucht war, hatte sie den hinterhältigen Anschlag auf den Captain fast vergessen. Dabei lief der Täter immer noch frei rum. Bereit ein zweites Mal zuzuschlagen. In ihren Augen eine ziemliche Nachlässigkeit. Immerhin hatte sie die Daten auf das Padd überspielt, um hier in Ruhe nachdenken zu können.
Aber sie war schon sehr lange alleine und schien männliche Gesellschaft mehr zu genießen, als sie selbst angenommen hätte. Ärgerlich verengten sich ihre Pupillen bei dem Gedanken und das Raubtier übernahm wieder die Oberhand über die Frau.
Auch wenn es das Raubtier in ihr war, das sich sehr für Sternenlicht interessierte. Zu sehr für ihren Geschmack.
Ein Pfauchen drängte sich in ihr hoch, gefolgt von der Erinnerung an den Sabotageakt. Sie wurde das unbestimmte Gefühl nicht los, daß sie wieder auf das Schiff zurückkehren sollte um der Sache selbst auf den Grund zu gehen. Sadaja mochte gut sein, aber Narbo und Pormas war nicht zu trauen und auch der Klingone, den sie ihnen nachgeschickt hatte, war nicht grad der Hellste, wie sie vorhin bemerkt hatte.
Der einzig schöne Gedanke war der, daß wenn Narbo und Pormas sich ihrem Befehl widersetzten und den Attentäter töteten, sie zusammen in der Arrestzelle in nächster Zeit viel Spaß haben würden...
Dann wurde sie sich wieder bewußt, daß Sternenlicht sie noch immer abwartend ansah und aus ihrer Reaktion wohl nicht ganz klug wurde. Auch er hatte den Funkspruch von Sadaja gehört und sich wohl seine Gedanken darüber gemacht.
"Ich weiß zwar nicht, von welcher Wanderung du da sprichst, aber ich werde wieder aufs Schiff zurückkehren. Auch wenn ich wirklich froh bin mal von dem Kahn runterzukommen, ist es das Klügste, wenn ich mit den Nachforschungen weiter mache. Wie gesagt, waren da zwei Leichen vor meinem Frühstück. Und ich würde gerne wissen, wer sie auf dem Gewissen hat. Als Leiterin der Sicherheit kann ich mich nur auf mich selbst wirklich verlassen.
Kommst du gleich mit mir mit oder bleibst du noch etwas in der Bar? So wie es im Moment aussieht, werden wir heute wohl nicht mehr ablegen können. Zuerst muß die Liftkapsel zur Brücke ersetzt werden.
Aber ich könnte eine Anweisung hinterlassen, daß man dich aufs Schiff läßt, falls du nachkommen willst. Viele Sivaoaner wird es hier auf der Station kaum geben." Fragend sah die raubtierhafte Frau den Kater an und bedauerte, daß sie nicht mehr Zeit für ihn übrig hatte, aber langsam machte sich die Unruhe in ihr breit, die sie immer befiel, wenn alles ohne sie lief.
'Leichen vor dem Frühstück' fuhr es Sternenlicht durch den Kopf. Dieser Kahn schien ja einige Probleme zu haben. Wobei er dieser Frau durchaus zutraute, den Verantwortlichen in kürzester Zeit ausfindig zu machen. Er hatte in seiner Vergangenheit schon schlimmeres erlebt, Schiffe, an denen Schlägereien an der Tagesordnung waren - Schiffe, in denen der Stärkste das Sagen hatte. Nicht das der Sivaoaner Probleme hätte, sich selbst zu verteidigen. Das hatte schon mehr als einer schmerzhaft erfahren müssen.
Trotzdem war es dem Katzenwesen zuwider, gegen jemanden zu kämpfen. Gewalt war etwas unnötiges, insbesondere, wenn dadurch intelligentes Leben verletzt oder gar getötet wurde.
Nein, er würde sich von diesem kleinen Zwischenfall an Bord dieses Schiffes nicht abhalten lassen. Er hatte Vertrauen zu Silvana gewonnen, und das war genug für ihn.
Sternenlicht zu-Srallansre nahm noch einen Schluck von seinem Shake, dann beantwortete er mit zitternden Schnurrhaaren Silvanas Frage: "Ich werde gleich mitkommen, hier habe ich keinerlei Verpflichtungen. Je früher ich hier weg bin, desto weniger Latinum werfe ich den hiesigen Halsabschneidern in den Rachen. Mein Gepäck ist gleich um die Ecke in einem Schließfach, das ist alles was ich mit mir führe."
--- Brücke
Der Ferengi hatte gerade das Kom-Gespräch beendet, als er die Neuankömmlinge auf der Brücke entdeckte und sogleich von oben bis unten musterte: Zum einen der unehrenhafte Waschlappenklingone, der sich feige auf der Krankenstation verkroch, während seine gesamte Spezies, zwar dämlich aber unterhaltsam, die Galaxie in Atem hielt und eine Terranerin, die offenbar einem merkwürdigen Verein entsprungen war.
Dank dieser Artenvielfalt auf dem Kommandodeck wurde es ihm langsam zu bunt und er raunte Pormas nicht gerade höflich an: "Wenn du nicht bald zum Punkt kommst, gehe ich zurück in die Bar und passe auf den Psychologen auf. Das sichert dem Captain wenigstens den Profit, wenn die Sicherheit schon zu inkompetent ist, um sein Leben zu garantieren!"
Diese Ellora funkelte ihn grimmig an und Narbo freute sich diebisch ihren Erwartungen gerecht geworden zu sein. Währenddessen sammelte sich beträchtliche Wut im Gesicht des Südländers, aber Slade schien auch weiterhin in einer fernen Welt zu schweben...
"Wenn mich also niemand mehr braucht, werde ICH jetzt arbeiten gehen! Sollten einige hier vielleicht auch mal probieren; soll Wunder wirken!", fügte er sarkastisch hinzu und schob sich an dem Klingonen in Richtung der Jeffriesröhre vorbei...
Marc überlegte kurz, was er noch auf der Brücke machen konnte, und entschied dann dafür, die Brücke zu verlassen. Schließlich wollte er nicht bis morgen auf seine Konsole warten. Auf jeden Fall konnte er seine Zeit besser wo anders verbringen.
"Captain, da ich hier ja nicht mehr gebraucht werde, würde ich gerne die Brücke verlassen. Wenn Sie mich brauchen, rufen Sie mich einfach."
Mit einem Nicken, drehte er sich um und schritt auf die offene Jeffries-Röhre zu, durch die gerade der Ferengi klettern wollte. Gerade wollte er sich auf die Knie begeben, als er einen eisigen Blick im Rücken spürte. Vorsichtig drehte er sich um und sah diese Sicherheitsamazone, die ihn grimmig anschaute.
"Gibt es irgend ein Problem", fragte er Sadaja.
--- in der Mitte der Brücke, inzwischen
'Wakantanka, das ist ja das reinste Powwow hier!' dachte die Indianerin, während sie sich umblickte. Die Jeffriesröhre, durch die Kargan und sie die Brücke erreicht hatte, wurde nun in umgekehrter Richtung beansprucht. 'Hoffentlich gibt das keinen Stau', dachte Tayeya voller Sarkasmus. Dann richtete sie ihren Blick auf den Captain.
Von dieser - wenn auch kurzen - Entfernung aus konnte sie nichts feststellen. Abgesehen mal davon, daß sie sowieso nichts würde feststellen können. Für eine umfassende Untersuchung nach ihrer indianischen Art fehlte hier einfach die Ruhe und außerdem hatte sie nicht die geringste Ahnung, wie sich Slade im Normalfall verhalten würde.
Wie sollte sie also feststellen, was in dessen Psyche nun gerade verkehrt lief? Abgesehen von einem ordentlichen Schock, der in einer solchen Situation wohl nur zu verständlich war. Immerhin war er gerade erst einem Mordanschlag entronnen... 'Ich hätte eben doch die Akten fertig lesen sollen anstatt zu kochen', dachte sie mit einem Hauch von Selbstironie.
Tayeyas Blick fiel auf den Klingonen, der nur wenige Schritte von ihr entfernt stand. An seinem Gürtel hing ein medizinischer Tricorder. Kurzentschlossen ging die Indianerin auf ihren Vorgesetzten zu und nahm ihm den Tricorder ab.
Verblüfft und gleichzeitig mißtrauisch blickte der Arzt zu ihr hin. "Keine Sorge, ich weiß durchaus mit einem solchen Gerät umzugehen, auch wenn ich im Normalfall meine Art der Untersuchung vorziehe. Aber diese Situation " - mit einer weitausladenden Armbewegung deutete sie auf all die Leute, die inzwischen auf der Brücke standen beziehungsweise im Begriff standen, sie zu verlassen - "kann ja wohl kaum als normal gelten."
Mit diesen Worten wandte sie sich von dem Klingonen ab und schritt zu Slade, wobei sie den Tricorder aktivierte.
--- Brücke, beim Eingang der Jeffriesröhre
Schnaubend ging der Südländer hinter Narbo her. Pormas hatte sich noch alle Einzelheiten des Computerprotokolls angeschaut und hatte den Ablauf, wie von Slade dargestellt, auch so gefunden.
Nun war der Ferengi angehalten und erwartete wohl Sadajas Reaktion auf Marcs saloppe Frage. Pormas interessierte diese allerdings nicht. Er packte Narbo an Hüfte und Nacken und beförderte den resignierend seufzenden Barmann in die Jeffriesröhre.
--- Deck 1, in den Jeffriesröhren
Als sie ein paar Meter weit gerobbt waren und hinter der ersten Biegung verschwunden waren. hielt Pormas Narbo an. Mit einem wilden Blick musterte er den Ferengi, bevor er ihn förmlich anzischte.
"Narbo hör gut zu: Alles was ich mache hat seinen Sinn. Und ich liebe es überhaupt nicht bei meiner Arbeit gestört zu werden. Und wenn dir dein Leben lieb ist", mit einem Mal wurde er laut, "SEI RUHIG!"
Als ob er unter größter körperlicher Anspannung stünde, fing der Südländer an zu schwitzen und atmete heftig. Langsam fing er sich wieder und verdrängte die Bilder von Helen, die sich ihm immer und immer wieder aufdrängten.
Langsam und beherrscht sprach er wieder weiter, "Was ich meine ist... stör nicht bei meinen Nachforschungen und ich nerve dich nicht, wenn du arbeitest."
Ein zurückhaltendes Nicken des Ferengi später fuhr Pormas fort "Und damit solltest du am Besten direkt anfangen. Ich brauche alle Dateien der Crewmitglieder, die nicht länger drei Monate hier arbeiten und Zugriff auf alle ihre Subraum-Sendungen. Alle Daten müssen auf Unregelmäßigkeiten durchsucht werden."
--- Brücke
"Ja, es gibt ein Problem", antwortete Sadaja ruhig auf die Frage des Terraners eingehend, dessen Antwort ihren Kollegen so gar nicht interessiert hatte, während ihre imaginären Ohren scheinbar immer gespitzt blieben, als erwarte sie jeden Moment etwas zu hören.
"Aber dadurch, daß Sie angehalten haben, sind Sie davon nicht betroffen. Es war eine kluge und weise Entscheidung und spricht für Ihren Weitblick." Die Ellora war beeindruckt, daß ein nichtssagender terranischer Navigator nicht in die Falle gegangen war. Anscheinend hatte sie ihn doch verkannt. Der alte terranische Spruch "Stille Wasser sind tief" kam ihr in den Sinn.
"Es wird sich lediglich ein Problem für die beiden anderen ergeben, die bereits in den Röhren unterwegs sind und mich als wachhabendes Sicherheitsorgan ignoriert haben. Dieser Pormas ist höchst unprofessionell an die Arbeit gegangen, was unschwer zu sehen war und gerade er als Mitarbeiter der Sicherheit müßte wissen, daß die Röhren trotz des kurz passierbaren Durchganges für den Doc und seine Assistentin wieder dicht sind und niemand auf diesem Weg hierher oder von hier weg gelangen kann. Niemand würde den Zugang zum Captain jetzt so ohne weiteres gestatten."
Teggers Augen schienen gespannt auf sie gerichtet zu sein.
"Sie werden binnen kurzem auf ein Kraftfeld der Ebene 8 treffen und wenn Pormas den Ferengi weiter so vor sich herscheucht, dann wird es für Narbo ein ziemlich schmerzhaftes Erwachen geben und ihrer beider Freundschaft wird sich nicht grade verstärken. Aber vielleicht rüttelt ja das beide wach den Dienstweg einzuhalten und sich nicht wie eine Horde calvizischer Rinder zu benehmen."
Sadaja schloß ihre Ausführungen ab, sah aber in dem Blick des Navigators, daß er sie nicht besonders mochte. Aber das war sie gewohnt. Klingonische Methoden stießen nie auf viel Gegenliebe. "Es mag Ihnen als eine ziemlich bösartige Methode vorkommen, doch sollten Sie daran denken, daß von dem Attentäter keine zu unterschätzende Gefahr ausgeht und er durch eine solche Vorgehensweise gewarnt wird.
Übrigens, mein Name ist Sadaja und wir werden uns hier noch öfter begegnen, da ich ziemlich viel Dienst auf der Brücke mache."
--- in den Jeffriesröhren, inzwischen
Der Ferengi schaute den Terraner hinter sich wütend an und erwiderte dann mit einem Hauch von Ironie: "Hast du dabei nicht etwas vergessen, Mensch?"
Pormas Mine veränderte sich sofort in ein lebendes Fragezeichen, während Narbo den Weg bereits fortgesetzt hatte und den Weg bis zum Haupttunnel verblüffend schnell hinter sich brachte.
Der verwirrte Terraner folgte ihm, aber aufgrund seiner Größe konnte er kaum mit dem mühelos wirkenden Ferengi mithalten, bis dieser schließlich kurz vor dem großen Verbindungstunnel stoppte und anfing an einer in der Wand integrierten Konsole zu arbeiten.
Schließlich erreichte auch Pormas die Stelle und verharrte direkt neben dem wartenden Ferengi, der ihn mit einem Nicken aufforderte, den Weg als Erster fortzusetzen. Mißtrauisch musterte ihn der Terraner und ein drohender Funken lag in dem Blick des Südländers, aber Narbos Mine blieb unschuldig.
So unschuldig wie ein Ferengi eben wirken konnte.
Schließlich kroch Pormas mit eingezogenem Kopf und gesenkten Schultern ein paar Meter weiter, so daß er beinahe den Haupttunnel erreicht hatte. Dann fiel ihm wieder der Hinweis des Ferengi ein und unbeherrscht raunzte er Narbo hinter sich an: "Was habe ich vergessen?"
Nun konnte sich Narbo ein Grinsen nicht verkneifen und tippte einige Befehle auf dem kleinen Terminal ein. Das Gesicht des Südländers veränderte sich zu einer steinharten Mine und er grollte Narbo mit einer beinahe tödlichen Stimme: "WAS habe ich vergessen, elende Mißgeburt?"
"Finde es selbst heraus!", antworte Narbo dem Menschen schlicht und sein Grinsen nahm eine enorme Breite an, während er an das Kraftfeld vor sich dachte. Leider war es ihm nicht gelungen, das von Silvana installierte Feld so schnell zu deaktivieren, aber niemand konnte ihn hindern ein zweites zu errichten und den Menschen so einzuschließen.
Ohne Zugang zu einer Konsole.
Und "leider" war auch jede Kommunikationsverbindung aus dem Feld heraus unmöglich - außer jemand kontaktierte _ihn_, was allerdings noch ein bißchen dauern konnte.
Vielleicht sollte Pormas seinen Kollegen in Zukunft besser zuhören...
Mit einem zischenden Lachen kroch Narbo zurück und ließ den laut schimpfenden Sicherheitler hinter sich zurück - gefangen zwischen zwei Kraftfeldern, die er selbst mit einer Energiewaffe nicht überwinden konnte.
--- Brücke
Kurze Zeit später kehrte Narbo auf die Brücke zurück und mehrere Augenpaare fixierten ihn fragend und im Falle von Sadaja natürlich auch mit der typischen Mischung aus Mißtrauen und Abscheu, was der Ferengi nur mit einem Schulterzucken quittierte.
Marc schaute skeptisch Sadaja an. 'Seltsame Person. Zuerst giftet sie jeden an und jetzt..?'
Langsam schritt er auf die Frau zu und schaute ihr fest in die Augen. Er erkannte ein dumpfes Glitzern darin und überlegte, was es zu bedeuten hatte. Angst, Wut? Er wußte es nicht. Ehrlich gesagt war ihm das völlig egal. Schnell setzte er ein freundlicheres Gesicht auf, streckte Sadaja seine Hand hin und sagte: "Und ich bin Marc Tegger. Im Moment hier der Navigator. Auch wenn das jetzt nicht so aussieht. Schließlich kann selbst der beste Pilot ohne Konsole nicht fliegen."
Zögerlich nahm Sadaja die dargebotene Hand an und schüttelte sie kräftig. Marc kam es fast so vor, als hätte er seine Hand in einen Schraubstock gelegt. Schief grinsend versuchte er, seine Hand wieder frei zu bekommen, doch die Frau schüttelte und quetschte munter weiter.
Lautlos fluchte Marc über den Fehler, seine Hand in die Klauen dieses Monsters zu begeben, doch da ließ Sadaja schon die Hand los und er hätte beinahe vor Glück laut gejubelt. 'Es ist so toll, wenn der Schmerz nachläßt', dachte er und massierte vorsichtig seine Hand.
Anscheinend war Sadaja jetzt besser gelaunt, denn sie grinste von einem Ohr bis zum anderen. Hände zerquetschen war wohl ein Hobby von ihr.
Plötzlich fiel Marc wieder ein, was er eigentlich fragen wollte.
"Äh, mal eine kurze Frage. Wann darf man denn wieder die Brücke verlassen?"
--- in den Jeffriesröhren
Voller Wut schlug Pormas immer und immer wieder gegen das Kraftfeld, ohne daß es irgend etwas nützte. Auch sein Phaser erzielte keine Wirkung.
Nach minutenlangen Kampf gegen einen unbezwingbaren Feind brach der Südländer vollkommen erschöpft zusammen. Die Ereignisse der letzten Stunden waren zuviel für ihn gewesen.
Vergessen war die Wut über den Ferengi, vergessen der Haß über das feige Attentat, vergessen der unstillbare Rachedurst, der tief in seiner Seele brannte.
In Pormas machte sich nur noch eine schiere Verzweiflung breit. Völlig kraftlos ließ er sich gegen die Wand plumpsen, als stille Tränen über seine Wangen liefen.
Die Ausweglosigkeit seiner physischen Situation stand der seiner psychischen nichts nach. Was hielt ihn eigentlich davon ab, einfach für den Rest seiner Tage hier sitzen zu bleiben und darauf zu warten, daß seine Körperfunktionen aufhörten?
Er hatte einfach nur vor sich hingelebt, bis er Helen getroffen hatte. Mit einem Mal hatte sein Leben wieder einen Sinn gehabt, nachdem seine Eltern gestorben waren. Und nun?
Alles zerstört.
Hier in der Abgeschiedenheit in den Jeffriesröhren, nur die graue Wand um sich, kamen alle verdrängten Gefühle wieder hoch. Das Gesicht des Südländers zitterte unter der bleiernen Schwere seiner Tränen.
Pormas zog seine Beine an und weinte nur noch leise. Warum sollte er den Attentäter noch jagen? Was hatte das noch für einen Sinn? Der Mörder konnte ihm nichts mehr nehmen, was der Sicherheitsmann nicht schon verloren hatte.
Seine Hoffnungen, seine Wünsche, seine Zukunft. All das und viel mehr hatte er in der kleinen Südländerin, die er so lieben gelernt hatte festgemacht.
Nun war alles verloren. Unfähig irgend etwas von seiner Umwelt zu registrieren starrte er nur vor sich hin.
Vielleicht würde ihn jemand finden. Vielleicht aber auch nicht. Wie er es auch drehte und wendete....
Es war ihm alles egal.
Genauso egal wie das Piepen seines Communicators.
--- Brücke, am nächsten Mittag
Slade hatte durch den wieder funktionierenden Turbolift die Brücke betreten. Offenbar war Xiang gerade damit fertig geworden, eine neue Steuerkonsole einzurichten, und als dieser sich an Slade vorbei in den Turbolift drängte, bedachte er ihn mit einem Blick, der einen etwas sensibleren Anticaner hätte zu Asche zerfallen lassen.
Slade jedoch grinste und freute sich, daß er wenigstens eine gute Nachricht für den Cheftechniker hatte. Er wandte seinen Kopf und sagte:
"Eh, Lin, eines noch!"
Der im Vergleich zum Captain geradezu winzige Asiat drehte sich schwer atmend und resignierend um und schaute Slade aus rot umrandeten Augen an. Offenbar erwartete er eine weitere Aufgabe. Vielleicht waren die Lebendfutterkäfige des Captains falsch temperiert, oder Kargans klingonische Opern drangen bis zum Quartier des Captains vor?
Es überraschte Xiang, daß Slade ihm eröffnete, daß er daran gedacht hatte, anstelle der beiden Verunglückten zwei neue Techniker aufzunehmen. Es handelte sich dabei ganz einfach um die beiden Nächsten auf der Liste des Cheftechnikers.
Zuerst hatten die Beiden zwar eine Absage bekommen, aber die gestrige Zusage hatte ihnen gleich gezeigt, daß es auf der Privateer recht hart herging.
Xiang wollte angesichts dieser guten Nachricht schon erleichtert aufatmen, als er die ganze Tragweite erfaßte: Irgend jemand mußte die Beiden einweisen...ein Job, der so schnell wie möglich erledigt werden mußte, und der selbstverständlich wieder mal an ihm hängen bleiben würde.
Am Boden zerstört fuhr der Koreaner nach unten und etlichen weiteren Überstunden entgegen.
Slade jedoch musterte die weiteren Anwesenden auf der Brücke. Silva hatte er auf die Brücke befohlen, woraufhin sie Sadajas Platz an der taktischen Station eingenommen hatte.
Tegger hatte es sich hinter seiner neuen Konsole gemütlich gemacht, und Miss Communicator räkelte sich in ihrem Stuhl.
Erinnerungen an Raschkralle kamen in Slade hoch, als er seinen neuen Wissenschaftsoffizier betrachtete. Sivaoaner waren recht selten, und vor Raschkralle war er noch niemals einer solchen Katze begegnet. Aus diesem Grund war er davon ausgegangen, daß alle Vertreter dieser Rasse klein und räudig waren, und sich durch einen intensiven Mundgeruch auszeichneten.
Sternenlicht allerdings hatte sein Weltbild in sivaoanischer Hinsicht erschüttert. Er wirkte gepflegt, sauber und irgendwie...weise.
Slade freute sich auf diesen Flug.
Nachdem er es sich in seinem Sessel bequem gemacht hatte, gab er die erste Anweisung an seinen neuen Navigator: "Tegger, wir legen ab. Kurs Eins-Sieben-Acht zu drei-fünf, halber Impuls. Abmarsch."
Der Mensch an der Konsole reagierte schnell und sicher, und nach kurzer Zeit lag das Schiff auf Kurs.
Slade war zufrieden und entspannte sich.
Nach einer Weile begann er, die Mission zu umreißen: "Unsere Reise führt nach Sakkra III. Es handelt sich dabei um einen Planeten der Klasse M, der erst vor ein paar Wochen entdeckt wurde. Er liegt außerhalb der erforschten Zone, und meines Wissens wurde er erst einmal angeflogen und grob kartographiert.
Dabei wurde festgestellt, daß dort vor Jahrtausenden eine technische Hochkultur existiert hat. Wie und warum sie geendet hat, ist nicht bekannt, sicher ist nur, daß dort heute nur noch niedere Lebensformen leben.
Das einzige, was noch an die ehemaligen Herrscher auf dem Planeten erinnert, ist ihre Technik, die bis heute weiter existiert.
Glücklicherw...äh, leider hat die Föderation im Moment noch nicht entschieden, ob und wenn ja, wie das Wissen um diesen Planet verwertet werden soll.
Ich habe beschlossen, möglichst viel dieser Technik zu bergen und zu untersuchen.
Marc, die genauen Koordinaten müßten...", Slade betätigte eine Schaltung auf seiner Konsole, "... jetzt zu deiner Verfügung stehen. Bring uns so schnell und gefahrlos hin, wie du kannst.
Silva, du wirst das Einsatzteam leiten. Kannst dir schon mal überlegen, wen du alles mitnehmen willst.
Sternenlicht, dich brauche ich dazu, die Technik zu untersuchen. Ob du schon bei der ersten Mission mit runter willst, oder abwarten möchtest, bis Silva das Gelände gesichert hat, überlasse ich dir.
Marc, eine zweite Aufgabe wartet auf dich, wenn wir das Zielgebiet erreicht haben: Durch energetische Interferenzen ist Beamen auf diesem Planeten unmöglich. Du wirst das Einsatzteam entweder in einem Shuttle oder in einem unserer Raiders auf den Planeten bringen.
Die Berichte der USS Ramses habe ich jedem von euch schon zugestellt."
An seine Brückenbesatzung gewandt, fügte er hinzu: "Hat noch jemand Fragen? Aber fragt gar nicht erst, woher ich diese Berichte habe..."
--- Brücke, Navigation
Routiniert gab Marc die Koordinaten ein, die der Captain ihm gerade übermittelt hatte. Laut der vorhandenen Sternenkarten sollte es eigentlich ein ruhiger Flug werden.
Ruhig beschleunigte er die Privateer auf Warp, programmierte den Autopilot und schaltete ihn dann ein. Jetzt hatte er ein wenig Zeit, sich über die Transportschwierigkeiten auf dem Planeten sorgen zu machen. Raider oder Shuttle? Wenn man länger darüber nachdachte, blieb eigentlich nur eine Lösung übrig.
Raider.
Er hatte fast nur Vorteile gegenüber einem Shuttle. Er war schneller. Er war stärker bewaffnet und was das beinahe wichtigste war, er war viel größer. Das hieße, wenn sie etwas Interessantes auf diesem Planeten fanden, konnten sie auch größere Dinge zur Privateer transportieren.
Gut, jetzt mußte er sich nur noch für einen entscheiden. Von vorne herein fiel gleich mal die Horniss weg. Seid ihrem letzten Einsatz wurde schon an ihr herum geschraubt. Und immer wieder tauchten neue Fehler auf und bisher hatte es anscheinend niemand geschafft, sie wieder Flugtauglich zu machen.
Die Kyoto und die Marseille waren gerade in ihrer alljährlichen Wartung. Also auch die Zwei standen nicht zur Verfügung. Blieben nur noch die Sensonite und die Parachut.
'Gut, dann nehme ich mal die Sensonite. Die ist nämlich grad vor ein paar Wochen aus der Generalüberholung gekommen', überlegte er eifrig.
Er kontrollierte noch mal schnell den Kurs und setzte dann eine Meldung an die Crew im Shuttlehangar ab. Schließlich sollte die Sensonite in einigen Tagen startklar sein, wenn sie am Planeten ankamen. Das würde denen da unten wahrscheinlich überhaupt nicht schmecken; aber was soll's. Schließlich mußte er auch arbeiten.
Schnell korrigierte er ein wenig den Kurs der Privateer und ließ sich dann in den Sessel zurückfallen.
--- Gänge, Deck 6
Zufrieden marschierte Narbo den hellen Gang entlang und dachte an die Freilassung des Sicherheitlers aus seiner kleinen Falle. So wie er gehört hatte, war Pormas sehr "aufgewühlt" gewesen und deshalb war der Ferengi natürlich von einer umgehenden Rache Pormas ausgegangen, doch scheinbar war Pormas geläutert und nicht mehr an Narbo interessiert.
'Umso besser! Ohne diesen lebenden Ballast werde ich den Attentäter auch viel früher finden!', überlegte er und dachte an die recht aufwendige Suche in der Schiffsdatenbank, die ihn die letzten drei Stunden in seinem Quartier festgehalten hatte.
Zugegeben, die Vorgaben des Südländers waren angemessen gewesen und er hatte tatsächlich einige Unregelmäßigkeiten gefunden...
--- Narbos Bar
In diesem Moment betrat Narbo seine Bar und weidete sich einen Augenblick an diesem Anblick: Der Raum war restlos gefüllt und Collins schien ganz in seiner Arbeit aufzugehen. Es herrschte eine ausgiebige Atmosphäre wie schon lange nicht mehr und Narbo mußte anerkennen, daß dieser Psychologe ihm somit den Rücken für seine Aktionen frei hielt.
Zwar unfreiwillig, aber das war dem Ferengi auch egal.
Hauptsache er konnte die gewonnenen Informationen nutzen und diesen Wurm von Attentäter finden. Und das würde er! Mit einem Grinsen kam Narbo schließlich hinter die Bar und musterte den langsam erschöpft wirkenden Collins mit einem Anflug von Respekt:
"Hallo Mensch, wie ich sehe, bist du gut ohne mich zurechtgekommen. Ich hoffe, du hast auch alle Preise richtig berechnet und nichts verschüttet. Zwar bekommst du kein Gehalt von dem ich dir etwas abziehen könnte, aber der Captain maximiert gerne seinen Gewinn...."
--- Krankenstation
Nach einem wunderbaren Frühstück in der ruhigen Abgeschiedenheit ihres Quartiers hatte sich die Indianerin gutgelaunt an ihren Arbeitsplatz begeben. Bei ihrer Ankunft war noch niemand anwesend gewesen, so daß Tayeya sich als erstes ins Büro setzte und sich die am vergangenen Tag sträflich vernachlässigten Krankenakten vornahm.
Gerade hatte sie sich an die Akte des Captains gemacht, als sich die Türe zur Krankenstation öffnete. Die Indianerin erhob sich und blickte durch das Fenster der Bürotüre in den angrenzenden Raum. Zwei Männer betraten die Station, der eine, ein kleinwüchsiger Mann mit verknautschten Gesichtszügen, gab sich redliche Mühe, den anderen zu stützen.
Was sicherlich nicht gerade einfach war, denn bei dem Anderen handelte es sich um einen wahren Hünen von einem Mann, der sich mit schmerzverzerrtem Gesicht schwer auf seinen Gefährten stützte.
Tayeya öffnete schnell die Türe und trat aus dem Büro. Mit einigen Worten und Gesten dirigierte sie den kleineren Mann zu einer der Untersuchungsliegen, dann hievten sie den Riesen, der bei dieser Prozedur das Bewußtsein verlor, mit vereinten Kräften hinauf.
Mit einem einzigen Blick erfaßte die Lakota die Situation: Offensichtlich hatte der Mann einen offenen Bruch seines Oberschenkels erlitten. Während Tayeya mit der allgemeinen Untersuchung begann, fragte sie den Begleiter, der mit bleichem Gesicht neben ihr stand: "Wie in Wakantankas Namen hat er denn das geschafft?"
"Tja, ich weiß auch nicht wirklich. Wir waren auf dem Holodeck, hatten eine Amazonas-Simulation laufen. Ich habe Dave kurz aus den Augen verloren, dann höre ich ihn schreien. Weiß auch nicht genau, was los war, ich habe ihn dann so gefunden."
Die Indianerin schüttelte den Kopf. Als der Mann sich ein wenig entfernen wollte, forderte sie ihn auf: "Halt, Sie können ruhig hierbleiben, ich brauche Ihre Hilfe beim Einrichten des Beines!" Der kleine Mann wurde eine Spur bleicher, als er es ohnehin schon war, dann verdrehte er die Augen und sank mit der Anmut eines gefällten Baumes zu Boden.
"Verd...", schimpfte die Indianerin, dann aktivierte sie den Communicator. "Tayeya-wakan an Dr. Kargan: Ich benötige Ihre Hilfe auf der Krankenstation!"
--- Narbos Bar, Theke, inzwischen
'Na sieh mal einer an!', dachte Collins mürrisch. 'Der Herr bemüht sich auch mal wieder her!'
Jack hatte gleich am Morgen die Bar wieder geöffnet und aus den vorhandenen Mitteln ein Frühstück gezaubert, das scheinbar gut ankam.
"Es ist gut, daß du kommst!", sagte der Psychologe. "Die meisten Vorräte hier sind verbraucht und die Tür zum Lager ist auch noch verschlossen. Und da ich nicht im Traum daran denke mich in die Luft zu jagen, habe ich diese Tür geschlossen gelassen.
Außerdem muß ich jetzt auch mal wieder nach meinen Kunden sehen, wenn denn welche da sind." Collins musterte den Ferengi, der ihm eine Spur zu gute Laune hatte.
"Ach ja", fuhr er fort und deutete zum Ende der Theke. "Ein paar deiner deaktivierten Knallfrösche,... die irgendwie doch nicht deaktiviert waren, liegen dort. Leider mußte ich dazu ein paar Verkleidungen demontieren.
Die eine oder andere hat ein paar Kratzer abbekommen. Ich dagegen nicht!" Collins grinste und wußte genau, daß dies noch nicht alles war, was Narbo zu bieten hatte.
Jack reichte dem Ferengi ein Padd, auf dem alle Einnahmen notiert waren. Und die konnten sich sehen lassen, was nicht allein Hawk zu verdanken war, der am gestrigen Abend noch ein wenig Geburtstag gefeiert hatte.
"So eine Bar ist doch eine richtige Fundgrube für Informationen, nicht wahr? Vor allem, wenn die Gäste so zufrieden sind!" Collins blickte in den vollbesetzten Raum. "So, jetzt will ich mich mal um das kümmern, weswegen ich eingestellt wurde, es sei denn, du möchtest dich mit mir über die Angewohnheit 'Andere Leute in die Luft jagen', unterhalten."
"Ach, das ist nicht erwähnenswert, Mensch. Außerdem würdest du es mit deinem beschränkten Geist wahrscheinlich gar nicht verstehen!", antwortete Narbo dem glücklich wirkenden Terraner, "Aber paß auf, daß deine Arbeit so 'gut' bleibt!"
Mit arroganter Mine wandte sich der Ferengi von Collins ab und ging zu der unschuldig aussehenden Metalltür, die ebenfalls hinter der Theke gelegen war.
Unschuldig aber nur auf den ersten Blick!
--- Narbos Bar, Vorratsraum
Nachdem Narbo das viele Ebenen umfassende Sicherheitssystem deaktiviert hatte, betrat er schließlich seinen Lagerraum. Es wirkte zwar etwas düster und der Staub türmte sich zentimeterhoch, aber dennoch fand der Ferengi sofort was er suchte:
Eine Kiste von vorbereiteten Mahlzeiten, die die Geschmäcker so ziemlich jedes Volkes in der Galaxie ansprachen und zudem das Regal mit dem alphabetisch sortierten...
Ja, wie konnte man es denn nett umschreiben?
Ach, nennen wir die Kuh beim Namen, es war billiger Fusel mit reichlichem Alkoholanteil - also genau das richtige für seine Kundschaft!
--- Brücke
Silvana überlegte nicht lange was sie von Slade noch erfahren wollte, während ihr Blick lächelnd auf Sternenlicht ruhte, der sichtlich erfreut war auf Abenteuer zu gehen. Denn Abenteuer bedeuteten auch neue Lieder und Geschichten für den Barden.
Insgeheim bedauerte Silvana, daß sie sich viel zu wenig hatte mit Sternenlicht beschäftigen können, seit er an Bord war und der Captain seiner Aufnahme zugestimmt hatte, aber irgendwie waren die Nachforschungen zu wichtig gewesen und hatten keinen Zeitaufschub geduldet.
Besonders die kleine Video-Aufzeichnung, welche die Kamera gemacht hatte, die noch immer die Shuttlerampe bewachte war sehr aufschlußreich gewesen, war sie doch noch detaillierter gewesen, als der Bericht von Pormas. Niemand hatte die Kamera deinstalliert, seit Ruiqs Verwandlung damit auf die Brücke übertragen worden war. Nun hatte sich diese "Vergeßlichkeit" sogar als sehr aufschlußreich herausgestellt.
Ein paar Daten, die Narbo direkt in Silvanas Hände spielten, doch es war die Eigenart einer Katze mit ihrer Beute zu spielen und sie immer wieder laufen zu lassen bevor sie zuschlug. Und die Sicherheitschefin hatte vor noch lange mit dem Ferengi zu spielen, der sich nicht scheute ihre Männer so aufs Glatteis zu schicken. Wieder einmal bereute sie, daß er ein nichtswürdiger Ferengi war und kein Mann.
Ein süffisantes Lächeln umspielte ihre Lippen, bevor ihr wieder die Frage einfiel, die noch immer auf ihrem Herzen brannte und die sie gerne vom Captain beantwortet gehabt hätte. Augenblicklich hielt ihre Hand inne die Waffenkontrolle liebevoll zu streicheln. Immerhin kannte sie Slade schon ziemlich gut und dachte sogar teilweise schon wie er. Da lag es auf der Hand, daß die Sache etwas interessanter war, als er zugeben würde.
"Wenn alles so einfach ist, hätten wohl andere schon diese sicher sehr fortschrittlichen und dadurch auch immens wertvollen Techniken 'geborgen'. Also was für kleine unwichtige Details verschweigst du mir sonst noch von deinen Bericht? Sind die niederen Lebensformen etwa gefährlich oder erwartet uns ein kleines Empfangskomitee?" Ihre gelben Augen versuchte jede seiner körpereigenen Gesten einzufangen und zu deuten, da sie nicht wirklich damit rechnete eine Antwort auf ihrer Frage zu bekommen.
An Slades Augenfunkeln und dem Zucken seiner Schnurrhaare erkannte sie deutlich, daß sie einen wunden Punkt getroffen hatte und ihre Vermutungen stimmten. Der Bericht war etwas frisiert. Vielleicht waren bei der Übertragung der Daten auch ein paar läppische Details verloren gegangen.
"Okay, also wieder mal eine Überraschung für mich. Ich nehme an, dann sollte ich wohl doch einen größeren Trupp mitnehmen, damit sich andere auch auf dem Planeten prächtig amüsieren können. Man gönnt sich ja sonst nichts." Silvana grinste raubtierhaft und konnte es gar nicht erwarten endlich auf den Planeten zu kommen. Es war lange her, seit sie das letzte Mal jagen war. Sie konnte sich schon gar nicht mehr an den Geschmack von frischen warmen Blut erinnern...
"Ich liebe deine Überraschungen", meinte sie zu Slade und leckte sich gedankenverloren leicht über die Lippen, während ihre Pupillen sich entspannt erweiterten.
'Und Narbo und Collins sie sicher auch', fügte sie im Stillen hinzu und war schon gespannt auf die Reaktionen der beiden, wenn sie von ihrem Landgang erfuhren.
--- Brücke, wissenschaftliche Station
Ein unerforschter Planet. Das war das erste Mal, daß Sternenlicht eine Chance dieser Art bekam. Dazu noch mit einer untergegangenen, hochtechnologisierten Kultur. Ein Zittern durchlief den Sivaoaner von den Schnurrhaaren bis zur Spitze des Schweifes. Das sollte ihm mal ein Sivaoanischer Barde nachmachen.
Direkt nachdem der Captain seine kleine Ansprache beendet hatte, huschten Sternenlichts Pfoten über die Tastatur der Konsole vor ihm. Er hatte noch nicht viel Zeit gehabt, sich mit dem Schiffsystemen auseinanderzusetzen, aber einige Dinge ähnelten dem letzten Schiff, auf dem er war. Es war aber nur eine Frage der Zeit, bis sich Sternenlicht das neue Schema eingeprägt haben würde.
Erneut warf er seiner Konsole eine Abfrage entgegen. Ein kurzer Überblick über die Berichte der Ramses erschien vor seinen Augen. 'Wow. Das ist ja einiges an Material...' Interessiert flogen die Katzenaugen des Sivaoaners über die ersten Zeilen des Gesamtberichtes. Diese Berichte würde er sich in Ruhe anschauen müssen.
Er blickte sich suchend auf der Brücke um. Die Privateer war inzwischen auf Warp gegangen. Kurz blieb sein Blick verträumt auf dem Hauptschirm hängen. Die Pracht der vorbeiziehenden Sterne weckte einmal mehr die Ehrfurcht des Barden. Mühevoll riß er sich von diesem Bild los.
Auf der anderen Seite der Brücke fanden seine Augen Silvana. Eine Frau, die ihn an Sivao erinnerte. Er war sich noch nicht so sicher, ob das nun gut oder schlecht war... Insgeheim freute er sich, daß er dem von ihr geleiteten Außenteam zugewiesen wurde.
Dieser Ausflug würde aber auch eine Menge Arbeit für ihn bedeuten. Er stand auf und lief zu Silvana hinüber.
--- Narbos Bar, Theke, etwas später
Die Antigravbahre war bis oben hin beladen und das kleine Energieaggregat summte schon verdächtig laut, als Narbo mit den Vorräten das Lager verließ und sich keine Sekunde später die Tür automatisch hinter ihm wieder verriegelte.
Collins war während des Bepackens der Bahre von Tisch zu Tisch gegangen und hatte die Bestellungen der hungrigen Crew entgegengenommen, um schließlich die Antigrav-Einheit betrachtend zur Theke zurückzukehren...
Jack musterte die verpackten Mahlzeiten und nahm sich dann eine von den Flaschen auf der Antigrav-Einheit.
"Was ist denn das für ein Zeug?" Angewidert wandte sich der Psychologe ab, als er die Flasche öffnete und daran roch.
"Ich hoffe nur, daß nicht nachher die Hälfte der Besatzung ausfällt wegen Blindheit!" Grinsend legte Collins das Padd mit den Bestellungen auf den Tresen. "So, ich muß jetzt wirklich!", sagte er dann und begab sich zum Ausgang.
Zischend sah der Ferengi Collins hinterher: 'Ist mir doch egal, ob schwächliche Menschen erblinden, weil sie nichts vertragen. Bin ja nicht die Heilsarmee, sondern die örtliche Quelle für harten Stoff!'
Dann wandte er sich wieder der Meute zu, die seine Bar besetzte und ihm genug Profit für eine ganze Woche sicherte. Gier funkelte in seinen Augen und wenn er an sein Konto dachte wurde ihm ganz warm ums Herz.
Aber nichts desto trotz hatte er etwas Wichtigeres zu tun: Seine Ehre wieder herzustellen. Seine Ehre als Dieb und Spezialist, die durch die Dreistigkeit dieses Attentäters so schmählich verletzt wurde und jetzt Genugtuung forderte.
--- Deck 6, Gänge
Collins sortierte gedanklich die Fülle an Informationen, die er an diesem Tag schon bekommen hatte. Die meisten Sachen waren natürlich Gerüchte, die kaum einer Überprüfung standhalten würden. Aber ein paar Sachen waren doch sehr interessant.
--- Deck 6, Turbolift
Nicht ohne die Liftkapsel vorher zu scannen, betrat Jack den Lift. "Deck 5!", sagte er und der Lift setzte sich in Bewegung.
Die auf diesem Schiff arbeitende Besatzung bestand aus ziemlich finsteren und dubiosen Charakteren. Irgendwie hatte jeder von ihnen Dreck am Stecken. Aber nicht jeder hatte das Zeug dazu, ein solches Attentat auszuführen, da konnte man eventuell ansetzen.
Gedankenverloren setzte er seinen Weg fort.
--- Büro des Psychologen
An seinem Arbeitsplatz angekommen aktivierte Collins Terminal und fing an in den Personaldaten herumzuwühlen. "So, dann wollen wir doch mal ein paar von euch abchecken!", murmelte er und gab ein paar Namen ein, die in der Bar in dem Zusammenhang mit dem Anschlag gefallen war.
--- Krankenstation
Nachdem die Indianerin einige Zeit gewartet hatte, daß der klingonische Doktor sich meldete, verlor sie die Geduld. Der Hüne auf dem Biobett hatte inzwischen schon wieder das Bewußtsein erlangt und begann zu stöhnen.
Sein kleiner Begleiter regte sich ebenfalls, jedoch wollte die Indianerin ihn nicht noch einmal um Hilfe bitten.
Plötzlich kam ihr ein Gedanke. Sie betätigte ihren Communicator. "Tayeya-wakan an Collins. Mr. Collins, haben Sie gerade einen Moment Zeit? Ich benötige Hilfe auf der Krankenstation und unsere feinfühlige Frau Entenburg möchte ich damit nicht unbedingt 'belasten'."
Während die Indianerin wartete, daß sich der Psychologe, von dem sie hoffte, daß er zumindest genügend medizinisches Grundwissen mitbringen würde, um ihr helfen zu können _ohne_ umzukippen, antwortete, ging sie zum Schrank mit den Betäubungsmitteln, um den Hünen zunächst einmal wieder schlafen zu legen, bevor man mit der schmerzhaften Prozedur des Bein-Einrichtens beginnen konnte.
--- Büro des Psychologen
Tayeyas Ruf brachte den Psychologen aus seiner Konzentration. Es war nicht einfach, anhand von Personaldaten etwas über die Besatzung herauszufinden. Allerdings hatte er inzwischen drei Personen herausgefiltert, deren Vergangenheit einfach zu plausibel und nachvollziehbar war.
Diese Leute hatten Angaben gemacht, die zum heutigen Zeitpunkt nicht mehr nachprüfbar waren. 'Ihr habt zwar alle Dreck am Stecken, aber bei einem von euch stinkt der Dreck zum Himmel!', dachte Collins und meistens konnte er sich auf seinen Instinkt verlassen.
"Tayeya, ich komme sofort!", antwortete Jack der Indianerin, während er ein Memo zur Sicherheit schickte, sich doch mal mit den Akten der drei bis jetzt gefundenen Leute zu beschäftigen, alles basierend auf den Aussagen einiger Besatzungsmitglieder.
Dann verließ er sein Büro.
--- Krankenstation
Jack stutzte, eigentlich war heute wenig los hier, scheinbar hatte Silvana auf das Training mit ihren Leuten heute morgen verzichtet.
Ein eher kleinwüchsiger Mensch kam Collins entgegen. "Tut mir leid, aber ich kann so etwas einfach nicht sehen!", sagte dieser zitterig, mit kreidebleichem Gesicht und setzte sich am Ausgang auf einen Stuhl.
Jack ging zu dem Biobett, auf dem ein Zweimeterhüne lag, dem die Indianerin gerade eine Injektion verpaßte. In seinem Oberschenkel klaffte eine Wunde, aus welcher der Teil eines Knochens ein wenig herausragte.
"Uh!", sagte der Psychologe mit einem verzogenem Gesicht. "Das sieht aber nicht so gesund aus! Wie kann ich dir helfen Tayeya?"
"Oh, hallo Jack!" begrüßte Tayeya den Psychologen, während sie die Kanüle aus der Armvene des Hünen zog. "Schön, daß du gekommen bist. Leider ist der Doktor nicht aufzutreiben und Edwina ist mir einfach zu grob für solche Arbeiten."
Die Lakota beobachtete ihren Patienten scharf. Nach einiger Zeit begann sich dessen angestrengte Atmung zu verlangsamen, seine verkrampften Muskeln erschlafften. Tayeya hob ein Augenlid des Mannes an. Die Pupille zeigte genau die richtige Weite, ein Pupillarreflex war nicht mehr festzustellen.
"Okay, jetzt ist er soweit", meinte die Indianerin. "Jack, ich möchte dich bitten, seinen Fuß zu nehmen und zu ziehen, damit ich die beiden Knochenstücke einrichten kann. Und nicht lockerlassen, bis ich Bescheid sage..."
Der Psychologe ergriff das Bein des Hünen und begann zu ziehen, während die Indianerin die Augen schloß, ihre Hände auf die Wunde legte und zu tasten begann.
Wenige Minuten später lief den beiden der Schweiß von der Stirn. Collins von der Anstrengung des Am-Bein-Ziehens, Tayeya aufgrund ihrer Konzentration.
Aber dann war es geschafft. Mit einem leisen reibenden Geräusch glitten die beiden Knochenfragmente wieder an ihren Platz zurück. Die Indianerin atmete erleichtert auf. "Jetzt ganz langsam nachlassen", forderte sie den Psychologen auf.
Danach betrachteten sie zufrieden ihr Werk. Tayeya warf einen kurzen Blick auf den Psychologen, der zwar ein weinig blaß um die Nase schien, aber sonst in Ordnung wirkte. "Vielen Dank, Jack. Alles okay bei dir?", erkundigte sie sich dann.
--- Brücke, taktische Station
"Silvana, ich würde es bevorzugen, beim ersten Ausflug gleich mitzukommen. Letzten Endes ist es aber deine Entscheidung, denn du leitest das Einsatzteam." Sternenlichts Ohren zitterten hoffnungsvoll, als er auf Silvanas Antwort wartete.
Silvana hatte schon am geschmeidigen und doch eiligen Gang des Sivaoaners bemerkt, daß er unruhig und zugleich aufgeregt war. Anscheinend konnte er es gar nicht erwarten ein Abenteuer dieser Art zu erleben. Wahrscheinlich würde es sogar das erste dieser Art in seinem gesamten Leben sein.
Und was war schon ein größeres Abenteuer, als einen Planeten aufzusuchen, der zwar hoch technologisiert war und somit einen ungeheuren Wert in Sachen Profit und auch Forschung darstellte, aber den bisher noch niemand ausgebeutet hatte. Kein profitgieriger Ferengi und auch keiner der Piraten, die sie sonst kannte.
Allein den Grund dafür herauszufinden würde ein Abenteuer werden.
"Nun, warum soll ich dich lange auf die Folter spannen", sagte die genetisch veränderte Frau und registrierte ein erwartungsvolles Beben in Sternenlichts Schnurrbarthaaren. Sie mochte die Farbe seiner Augen. "Natürlich kommst du gleich beim ersten Erkundungsgang mit mir mit. Ich habe sogar erwartet, daß du einer der ersten sein willst, der diesen Planeten erkundet. Ein Mann der Tat, der keine Furcht zeigt.
Und ich muß zugeben, daß ich deine Anwesenheit nicht nur in Bezug auf die Wissenschaft zu schätzen weiß. Sicher magst du kein Kämpfer sein, aber ich bin mir sicher, daß ich auf dich nicht aufpassen muß und du sehr gut allein zurecht kommst. Ein Vorteil, wenn man bedenkt, wen ich alles auf diese Mission mitnehmen werde." Sie schloß den Bericht auf ihrem Terminal, der ihr zwar einige Details offenbart, aber noch mehr neue Fragen aufgeworfen hatte.
So fragte sie sich plötzlich wieso diese hoch technologisierte Kultur überhaupt untergegangen war. Was war es, daß sie ausgerottet hatte? Hatte ihre Technologie sich gegen sie gestellt oder war das Grauen natürlicher Art und lauerte da unten immer noch auf sie?
Unwillkürlich fuhren Silvanas Nägel etwas aus und ihre Gedanken begannen mit den Plänen um Sicherheitslücken notdürftig zu schließen. Notdürftig, da sie keine Ahnung hatte, worauf sie sich einlassen würde.
Am Besten würde sein, wenn sie so bald wie möglich eine Liste mit denjenigen Leuten aufstellte, die sie auf diesen Ausflug begleiten würden und ihnen schon mal den Bericht zugänglich machte. Das war besser, als wenn einige Feiglinge später in Panik ausbrachen.
"Ich möchte, daß du den Planeten so gut wie möglich scannst. Denn ich habe keine Lust am eigenen Leib herauszufinden was diese Kultur zum Aussterben gebracht hat. Man weiß nie worauf man stößt, also mach dich in der Zwischenzeit schlau. Die Fauna und Flora wirst du kaum mit dem Schiffscomputer bestimmen können, aber die Luftzusammensetzung und die sonstige Beschaffenheit des Planeten. - Denkst du, du schaffst das,ohne das wir später allzu viel Zeit verlieren?" Fragend sah sie den Sivaoaner an.
Sternenlicht überlegte einen Moment, denn noch war er mit den Möglichkeiten des Schiffes nicht richtig vertraut. Das Föderationsschiff hatte eine sehr umfangreiche, wissenschaftliche Ausstattung zur Verfügung. Es schien ihm nur, daß diese Ausstattung nicht wirklich regelmäßig gewartet wurde. Mit einen Murren nahm er zur Kenntnis, daß er damit wohl leben mußte. Immerhin waren die schlecht gewarteten Sensoren der Privateer besser, als die Navigationsausstattung eines billigen Frachters.
"Ich denke, das ist kein Problem. Die grundlegende Analyse kann ich dir innerhalb von zehn bis fünfzehn Minuten liefern, das geht sehr schnell. Alles weitere kommt darauf an. Die wissenschaftlichen Systeme der Privateer müßten ein wenig gewartet werden, sie sind teilweise sehr schlecht justiert. Die wenigen Test-Scans, die ich bisher durchführen konnte, waren alle sehr viel schwammiger, als ich es erwartet habe. Ich denke aber, daß ein halbwegs erfahrener Techniker die Sensor-Phalanx innerhalb weniger Stunden auf ein akzeptables Niveau bringen kann.
Was die Situation auf dem Planeten betrifft, werde ich mich heute noch in die Berichte der USS Ramses einlesen. Über alles weitere kann ich jetzt nur Spekulationen abliefern. Ich denke, daß ich dir bis Morgen früh eine erste Einschätzung der Situation liefern kann. Ist das in Ordnung?"
--- Narbos Bar
Mittlerweile hatte sich die Bar ein wenig geleert, denn die Tagesschicht begann endgültig und viele der Besatzungsmitglieder wurden auf ihren Posten gebraucht oder glaubten dies zumindest. Dies schenkte ihm endlich die Gelegenheit seine Nachforschungen zu vervollkommnen...
Wie Narbo bereits herausgefunden hatte, waren in der letzten Zeit zu viele Neuzugänge an Bord gekommen, als daß ihn dies großartig weiterbrachte. Statt dessen hatte er den Computer beauftragt jedes neue Crewmitglied auf seine Vergangenheit prüfen zu lassen und Erstaunliches hatte sich ergeben:
Nur sieben Personen an Bord konnten keine kriminelle Vergangenheit oder gar Auffälligkeiten aufweisen, die es wert waren von der Sternenflotte archiviert zu werden.
Und die Flotte zeichnetet ALLES auf.
Überzeugt von der eigenen Genialität schaute Narbo auf sein PADD hinab, daß unter anderem den Namen "Tachilon" enthielt - eine Person die eigentlich Egnar hieß...
--- Krankenstation, Hinterzimmer, inzwischen
Langsam öffnete Pormas seine Augen. Nur schwer konnte er sich von der lähmenden Wirkung der Beruhigungsmittel befreien. Aber es war nicht so, als ob er dies herbeisehnte. Eigentlich hätte er ebensogut für immer schlafen können, dachte der große Südländer. Was sollte dies schon ausmachen?
Die Beruhigungsmittel verhinderten einen weiteren Nervenzusammenbruch, was ihm die Möglichkeit gab "ruhig" über seine derzeitige Situation nachzudenken.
Alle seine Zweifel kamen wieder hoch. Die einengende Hoffnungslosigkeit. Betäubt starrte Pormas zur Decke. Was sollte er noch machen?
Kurz bevor er wieder in eine Depression verfiel, kam ihm wieder etwas in den Sinn, was seine Gedanken von der Einbildung seiner gleichgültigen Existenz abbrachte.
In ihm kroch eine schon fast vergessene Erinnerung hoch. Als Pormas ein Kind gewesen war, verlor er seine Katze, die bei einem Unfall ums Leben gekommen war. Als er die Tage nur noch weinend verbracht hatte, kam eines Tages sein Vater in sein Zimmer und sagte zu ihm, nach einem langem Gespräch, schließlich,
"Vergiß nie, so sehr du auch an Jemanden hängst, den du verlierst, verschließe dein Herz nicht. Leb dein Leben für die weiter, die du verlierst und für die, die du noch kennenlernen wirst."
Damals hatte der junge Pormas die Worte nicht ganz verstanden, aber dennoch hatte er sie nicht vergessen.
Und eines würde er nie machen. Seinen Vater enttäuschen.
Er dachte nun an seine Eltern. Nicht aber an den schmerzlichen Verlust, sondern an die schönen Zeiten. Und für diese wollte er weiterleben.
Auch kamen die schönen Stunden mit Helen wieder in seinen Kopf und verdrängten den Hass, die Wut und Verzweiflung endgültig aus seinem Herzen.
Was nun in ihm heranwuchs war der Wille zu leben und den Schuldigen für Helens Tod zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen.
Dieser Wille war nicht auf negativen Gefühlen begründet. Denn diese waren vergänglich. Nein, mit der Kraft seiner ganzen Liebe würde er dieses Ziel verfolgen.
Mit dieser positiven Kraft im Kopf schüttelte er die lähmende Wirkung der Drogen ab und stand vom Biobett auf. Wackelig und langsam ging er auf die Tür zu.
--- Krankenstation, inzwischen
"Danke, mir geht es gut", sagte der Psychologe und wischte sich den Schweiß von der Stirn. "Es ist wirklich interessant, dir bei der Arbeit zuzusehen."
Collins war beeindruckt von der Souveränität, mit der Tayeya ans Werk ging. "Es scheint, daß du in der Vergangenheit nur so etwas gemacht hast." Er grinste. Es gab schließlich medizinische Geräte, die bei einer solchen Knochenfixierung zur Anwendung kamen und eine enorme Hilfe bei der Wiederherstellung der eigentlichen Knochenposition waren.
Aber da kam eine Indianerin, legte sozusagen die Hand auf und der Knochen rutschte artig in seine Position zurück. Jack nickte anerkennend mit dem Kopf und ging dann zum Replikator.
"Zwei Mineralwasser, kühl, nicht zu kalt!", sagte der Psychologe.
"Bitte spezifizieren Sie die Temperatur!", antwortete der Computer monoton.
Collins schnaubte kurz. "Siebenkommafünf Grad Celsius, bitte!", sagte er mißbilligend und prompt materialisierten zwei Gläser im Ausgabeschacht.
Ein Glas reichte Jack Tayeya, welches sie dankend annahm. "Ich hasse diese Computer, sie können einen zwar fast alle Wünsche erfüllen, wissen aber im Grunde doch nicht, was wir wollen. Na ja, egal." Er nahm einen Schluck.
"Wir sollten die Wunde schließen", sagte er dann, nachdem er das Glas weggestellt hatte. "Ein wenig den Knochenaufbau anregen und in drei Tagen ist er fast wieder fit, was meinst du?"
"Das ist nun etwas, an das ich mich immer noch nicht gewöhnt habe", meinte Tayeya nachdenklich, während sie mit einem leicht zweifelnden Gesichtsausdruck zu dem Hünen blickte, der immer noch regungslos auf seinem Biobett lag.
Auf Collins' fragenden Gesichtsausdruck hin, erläuterte sie: "Ich frage mich manchmal, ob eure Ärzte noch in der Lage sind, solche Dinge wie eben ohne ihre Gerätschaften zu richten. Ich befürchte manchmal, daß sie von ihren Tricordern und Hyposprays und was nicht sonst noch alles, zu abhängig geworden sind.
Sag mir eines, Jack: Können die Ärzte der Föderation noch Heilkräuter ohne technische Hilfsmittel bestimmen und wissen sie um ihre speziellen Wirkungen und Zusammenwirkungen? Sind sie in der Lage, heilende Zeremonien durchzuführen, bei denen der Patient nicht nur am Körper, sondern auch an der Seele genesen kann?"
Die Lakota schwieg einige Sekunden, dann fuhr sie fort: "Dieser Mann dort oben wird dank der modernen Föderationstechnik innerhalb weniger Stunden keine Schmerzen mehr verspüren und in wenigen Tagen sein Bein wieder benutzen können wie früher. Aber, Jack: Was wäre passiert, wenn er sich diese üble Verletzung in einer Situation zugezogen hätte, in der keinerlei Schmerzmittel und Gerätschaften zur Verfügung gestanden hätten? Auf einem fremden Planeten zum Beispiel? Abgeschnitten vom Schiff? Hätte er dann eine ebensolche Chance gefunden?"
Mit einer geschmeidigen Bewegung stand die schwarzhaarige Frau auf. "Vielleicht grüble ich auch nur zu viel. Laß uns lieber weitermachen."
Mit diesen Worten trat sie an das Biobett heran und betrachtete das eingerichtete Bein. Es war schön gerade. Zufrieden nickte sie, dann machte sie sich daran, die Wunde zu verschließen.
--- Krankenstation, kurze Zeit später
Zischend öffnete sich die Tür und Pormas betrat, sich an dem Türrahmen abstützend, die Krankenstation. Mit schwerfälliger aber entschlossener Stimme sprach er die Indianerin an: "Ich bin wieder fit. Tayeya-wakan, bitte geben Sie mir meine Sachen zurück und schreiben Sie mich diensttauglich, ich habe eine Aufgabe zu erfüllen."
Nachdenklich wandte sich die Indianerin zu dem Hünen um, der jetzt hinter ihr stand. Ein wenig zweifelnd ob seiner Bitte, wiegte sie das Gerät in der Hand, mit dem sie vorher ihren Patienten behandelt hatte.
Genauestens beobachtete sie den Griechen. Sein Gesicht war unter der Sonnenbräune blaß und seine Statur hatte sich noch nicht wieder völlig gestreckt. In seinen Augen stand immer noch der traurige Ausdruck, der jetzt jedoch von etwas anderem, undefinierbaren begleitet wurde.
Tayeya hoffte, daß dies eine Veränderung zum Guten bedeutete. Zumindest schien der Mann sich wieder einigermaßen von seinem Kollaps erholt zu haben.
"Gut, wenn Sie unbedingt wollen, Mr Theocrates, dann machen Sie sich wieder an die Arbeit. Ihre Sachen finden sie auf dem Tisch dort drüben", sagte sie mit einem Kopfnicken in die entsprechende Richtung.
Als der Südländer zu dem Tisch schritt, beobachtete die Indianerin seine Bewegungen ganz genau. Der Grieche ging gerade, ohne zu schwanken, mit sicheren, energischen Schritten. Gut.
"Ich möchte Sie jedoch bitten, sich bei mir zu melden, wenn es Ihnen wieder schlechter geht, spätestens jedoch morgen früh noch einmal. Wenn Sie möchten, kann ich auch eine indianische Zeremonie mit Ihnen abhalten, die Ihnen hilft, Ihr Gleichgewicht wiederzufinden." Mit einem innerlichen Seufzer betrachtete Tayeya das Gesicht des Sicherheitsmannes, der auf dieses Angebot doch ein kleines bißchen skeptisch zu reagieren schien. Aber vielleicht dachte er wenigstens darüber nach.
"Ansonsten viel Glück und finden Sie diesen Attentäter!", verabschiedete Tayeya den Griechen.
--- Gänge, Deck 5
Narbo folgte gerade einer heißen Spur auf die ihn seine Nachforschungen gebracht hatten und versuchte einen der Verdächtigen durch genaue Beobachtung ausschließen zu können. Der Ferengi hatte etwas, sagen wir arrangiert, und an der Reaktion des Objekts seiner Aufmerksamkeit würde er die Schuld erkennen können!
Oder die Unschuld...
Wobei der Test an sich schon sehr unangenehm war und Strafe genug. Vor allem für den nichtigen Tod von zwei Lakaien. Sein verletzter Stolz wog natürlich viel mehr und wäre nicht einmal durch Tausend Barren Latinum zu besänftigen gewesen. Nur Blut konnte ihm die Befriedigung bringen.
Fließendes, frisches Blut...
Mit einem erregten Zischen hatte sich Narbo in diese Vorstellung vertieft und bemerkte deshalb nicht das sich öffnende Schott der Krankenstation und den herauskommenden Pormas. Klatschend stießen die beiden zusammen und an dem unsicheren Schwanken des Südländers konnte Narbo erkennen, daß dessen kleiner Nervenzusammenbruch wohl noch nicht ganz überwunden war.
Ob der Idiot wohl noch wütend auf ihn war?
Ärgerlich beobachtete Narbo das folgende, zögernde Abwarten des Menschen und hoffte, daß dieser sich bald zu einer Reaktion herablassen würde. Immerhin hatte er nicht den ganzen Tag Zeit mit dem Burschen zu spielen. So niedlich er auch auf den Videoaufnahmen ausgesehen hatte, nachdem man ihn aus der Falle befreit hatte.
'Wie wehrlos Pormas in der Fötushaltung gewesen war...', überlegte er.
Die oberflächlich wieder normal und ruhig klingende Stimme des Menschen durchbrach seine Gedanken und holte ihn in die Gegenwart zurück. Sein Körper verkrampfte sich leicht, aber das war ihm vorläufig egal: Was hatte der Kerl ihm zu sagen?
--- Krankenstation, inzwischen
"Ich hoffe nur, daß er die Nerven behält!", sagte Collins leise und meinte gerade eben noch Narbo auf dem Gang gesehen zu haben, bevor sich das Schott schloß. "Die Sache mit Helen hat ihn ganz schön umgehauen."
Der Psychologe wandte sich wieder Tayeya und dem Patienten zu. "Tja, die Arbeit ist wohl getan und ich habe mal wieder dazugelernt."
"Ist er wieder fit?", fragte zaghaft eine Stimme. Jack drehte sich um und sah den Mann von vorhin vor sich stehen. Die Blässe war inzwischen aus seinem Gesicht verschwunden.
"Ich denke in ein paar Tagen wird er wieder voll belastbar sein", antwortete der Psychologe.
--- Brücke, Navigation
Gelangweilt tippte Marc ein paar Befehle in seine Konsole ein. Im Moment hatte er fast nichts zu tun. Wenn man es genau überlegte, hatte er überhaupt nichts zu tun. Die Privateer flog gerade durch absolut leeren Raum. Es waren weder Planeten, Asteroidenfelder oder sonstige Hindernisse vorhanden. Eigentlich war der Autopilot schon unterfordert. Das konnte sogar jedes Grundschulkind erledigen; geradeaus fliegen.
Mit einem Ruck schwang er die Beine aus dem Sessel und marschierte zum Replikator. Er hatte plötzlich eine riesige Lust auf einen schönen heißen Rakta-jino. Doch kaum hatte er auch nur die Hälfte des Weges hinter sich gebracht, da fiel ihm die übergroße Katze auf, die sich gerade mit Silvana unterhielt. Wie von selbst verlangsamten sich seine Schritte und er starrte mit offenem Mund zu Sternenlicht.
Er hatte ja schon viele verrückt aussehende Spezies gesehen, aber so was war ihm noch nie untergekommen. Sofort kamen ihm Erinnerungen von seiner Katze daheim in den Sinn. Schnell schüttelte er den Kopf, um die Gedanken zu vertreiben. Das war Vergangenheit. Er mußte sich auf das hier und jetzt konzentrieren. Und gerade jetzt stierte er zu der Katze rüber, das es schon fast lächerlich aussah. Schnell setzte er ein freundliches Lächeln auf und änderte dann seinen Zeitplan. Zuerst wollte er sich das fremde Wesen ansehen und danach seinen Rakta-jino trinken gehen.
Also drehte er auf der Stelle um und schritt hoch zur wissenschaftlichen Station.
--- Brücke, wissenschaftliche Station
Mit einem breiten Grinsen stellte sich Marc neben Sternenlicht und Silvana und sagte: "Darf man kurz stören?"
Silvana verdrehte kurz die Augen und setzte dann in einem giftigen Ton nach: "Was gibt es denn so Wichtiges? Du sollst doch das Schiff fliegen."
Marc tat das ganze mit einer Handbewegung ab und antwortete zu Silvana, während er interessiert die Katze beobachtete: "Ich glaube, wir hatten die Diskussion schon mal. Also mein Angebot steht noch, wenn du meinen Posten da vorne übernehmen willst; bitte, tu dir keinen Zwang an. Aber beschwer dich am Ende nicht bei mir."
Danach drehte er sich vollends zu Sternenlicht um. "Hallo, mein Name ist Marc Tegger." Vorsichtig streckte er seine Hand aus. Und zwar sehr vorsichtig. Schließlich hatten normale Katzen Krallen. Und er wollte nicht wissen, was für Krallen sein Gegenüber hatte.
"Bist du hier neu auf dem Schiff oder haben wir uns bisher einfach noch nicht getroffen?"
Silvana war schnell wie es nur Katzen waren die jederzeit ihr Leben verteidigen mußten. Sie packte den völlig ahnungslosen Tegger und schleuderte ihn mit voller Wucht quer über die Brücke. Wie ein Spielzeug in die Ecke geschleudert wurde, wenn man es nicht mehr brauchte. Er hatte genauso wie Sternenlicht nicht den Hauch einer Chance rechtzeitig auf ihren Angriff entsprechend zu reagieren.
"Niemand redet so mit mir, du kleiner Narr", zischte sie wütend und ihre Augen funkelten zornig. "Einmal noch eine Handbewegung, als würdest du mich nicht ernst nehmen und so ein loses Mundwerk und du wirst dir wünschen nie dieses Schiff betreten zu haben."
Etwas ruhiger sagte dann Richtung Sternenlicht: "Ist schon in Ordnung, wenn du mir morgen Früh Bescheid gibst. Die wirklich wichtigen Daten bekommst du ohnehin erst beim Erreichen des Planeten. Ich fürchte ohnehin, daß wir die größten Überraschungen mit keinem Scanner erkennen werden."
Einen Moment sah sie Sternenlicht fragend in die Augen und es sah so aus, als ob sie noch etwas hinzufügen wollte, aber dann besann sie sich eines besseren. Und auch, daß sie noch eine Arbeit zu machen hatte. "Ich denke, ich werde mal meine Leute zusammenstellen. Du entschuldigst..." Damit wandte sie sich den Terminal zu.
Während sie sich damit beschäftigte eine Gruppe Leute zusammenzustellen, lauschten ihre sensiblen Ohren wie immer auf jedes nur erdenkliche Geräusch um nicht überrascht werden zu können und behielt Tegger weiter aus den Augenwinkel im Auge. Man mußte nie auf was diese in der Entwicklung stehen gebliebenen Terraner alles kamen.
Doch im Stillen hoffte Silvana, daß der Navigator ihr nun den nötigen Respekt zollte und sie vielleicht sogar ein gutes Team wurden.
--- Mitte der Brücke
Schmerz.
Das einzige was Tegger wahrnahm war Schmerz.
Und das war das Letzte was er wollte. Er konnte sehr viel ertragen, aber Schmerzen gehörten eindeutig nicht dazu. Also versuchte er die letzten 10 Sekunden zu rekapitulieren. Was war passiert? Er wußte es nicht genau. Irgendwie hatte Silvana etwas damit zu tun, aber was bloß? Tausende von Bildern flackerten in seinem Kopf herum aber er konnte sie nicht zu einem Gedanken zusammenfassen, geschweige denn in die richtige Reihenfolge zu bringen.
Deprimiert schüttelte er den Kopf; und das hätte ihn beinahe wieder in die Schwärze zurück getrieben. Vor Pein stöhnte er auf, als ein wahres Schmerzfeuerwerk in seinem Kopf explodierte. Nur mit Mühe konnte er einen lauten Schrei unterdrücken. Auf jeden Fall versuchte er jetzt nicht mehr, irgendwelche Bewegungen zu machen.
Also ließ er sich ein paar Minuten Zeit, bis er versuchte, seine Augen auf zu machen. Und dann öffnete er sie auch nur ganz langsam. Vorsichtig schaute er sich auf der Brücke um. Seit seinem Freiflug hatte sich nicht viel getan. Silvana und die Katze standen immer noch bei der wissenschaftlichen Station.
'Das kann doch nicht wahr sein. Die wirft mich hier quer über die Brücke und läßt mich hier liegen. Ich könnte schwer verletzt sein. Moment!! Vielleicht bin ich das ja auch', dachte er und fing an innerlich zu zittern. Schlagartig wurde ihm bewußt, daß er gar nichts mehr spürte. Abgesehen von den Schmerzen im Kopf konnte er weder seine Arme noch seine Beine spüren.
Mit zitternden Lippen versuchte er um Hilfe zu rufen, doch ihm versagte die Stimme. Er versuchte es noch mal einmal und noch einmal. Doch jedes Mal kam er nicht weiter als ein geflüstertes Hilfe.
Von Panik ergriffen nahm er alle körperliche und geistige Kraft zusammen, ignorierte den Schmerz der hinter seiner Stirn pochte und rief: "...einen Arzt. Ich brauche einen Arzt!"
Emotionslos sah Silvana zu dem noch immer herumliegenden Tegger, dessen Hilfeschrei nichts weiter war, als ein wages, stöhnendes Keuchen und ihm dennoch vor Anstrengung fast den Schweiß auf die Stirn trieb. Den genauen Wortlaut konnten nur feine Ohren wie die ihren hören und verstehen.
Ohne mit der Wimper zu zucken oder gar Bedauern zu zeigen, betätigte die Sicherheitschefin nur ihren Communicator: "Silvana an Dr. Kargan. Medizinischer Notfall auf der Brücke." Nach kurzer Pause fügte sie noch dazu: "Wie immer. Silvana Ende." Dann widmete sie ihr Augenmerk wieder der Liste um nicht zuviel Zeit zu verlieren.
Langsam kristallisierte sich der harte Kern heraus, den sie mitnehmen mußte, weil er entweder gut war, entbehrlich war oder weil sie ihn einfach nicht ohne ihre Anwesenheit auf der Privateer wissen wollte.
--- Gänge, Deck 5, inzwischen
"Gut das ich dich treffe, Narbo", begann Pormas betont ruhig, "Kein Angst, ich werde dich nicht töten, auch wenn mir der Gedanke durch den Kopf gegangen war...."
Der Südländer schaute ruhig auf den Ferengi hinab und sinnierte kurz über die Ausgeglichenheit, die sich seiner bemächtigt hatte. Sofort aber konzentrierte er sich wieder auf Narbo und sprach weiter.
"Nein. Wir Beide werden diesen Attentäter zur Rechenschaft ziehen. Das heißt, wenn wir ihn gefunden haben werde ich nicht darauf bestehen ihn zu töten."
Bevor der Ferengi irgend etwas entgegnen konnte setzte er noch ein Argument
hinzu, "Glaube mir, es ist besser mit mir zu arbeiten, als gegen mich.
Wir werden ihn zusammen finden, wie es Silvana befohlen hat, verstanden?",
Fügte Pormas lächelnd hinzu. Nun konnte Narbo nicht mehr nein sagen....
"Nein!", entgegnete Narbo dem Menschen strikt und zerstörte wohl dessen gesamte Vorstellungen. Zumindest verhärtete sich Pormas Mimik deutlich und seine mühsam aufrechterhaltene Ruhe bröckelte leicht. "Aber mir bleibt keine andere Wahl."
Und mit einem Funkeln in den Augen setzte er hinzu: "ICH will den Bastard bluten sehen! Und ich bin scheinbar ganz nah davor..."
Der fragende Blick des Südländers ließ seine Schweigsamkeit schwinden und jetzt, in der Stunde seines Erfolges, konnte er den Menschen ja einweihen, dachte der Ferengi erregt. 'Erfolg kann doch so erfüllend sein; besonders wenn das Adrenalin in den Adern anfängt zu kochen!'
"Ich habe sieben mögliche Täter identifizieren können und jedem einen sehr professionell aussehenden und unmöglich mit auf dem Schiff verfügbarer Ausrüstung entschärfbaren Sprengsatz ins Quartier gelegt, nachdem sie ihre Räume heute morgen verließen. Und laut der Lebensläufe aller Sieben, kann keiner ein solches Meisterwerk entschärfen - auch wenn es nur gefährlich aussehende Markierfarbe enthält.
Heute Abend, nach dem Ende ihrer Schichten, werden sechs Farbröhrchen sechs Quartiere mit sechs unschuldigen und ahnungslosen Idioten verwüsten - aber nur eine Bombe wird mir keine Explosion melden..."
--- Gänge, Deck 5
Seufzend lehnte sich Pormas an die Korridorwand. Nicht nur, daß sie dieses delikate Problem mitten im Gang besprachen, auch der offensichtliche Denkfehler des Ferengi enttäuschte den Südländer.
"Schön und gut Narbo", begann der Hüne, während er Narbo in Richtung eines Seitenkorridors zog, "aber es gibt mindestens drei Personen, die so etwas bewerkstelligen können. Der Attentäter, du und... ich."
Skeptisch blickte Narbo zu Pormas hoch, während dieser fortfuhr: "Du mußt mir nicht glauben, aber wer sagt, daß es nicht mehrere mit diesem, sagen wir, Hobby gibt? Und wenn es wirklich ein Profi auf den Captain abgesehen hat, wer sagt denn, daß er nicht hinter den Trick mit der Markierfarbe kommt und die Bombe deswegen hochgehen läßt?"
Das schien dem Ferengi einzuleuchten. Nach kurzem Schweigen waren sie in einer kleinen Wartungskabine angelangt, in der sie ungestört waren, als sich das Schott geschlossen hatte.
--- Holodeck 1
Bunte Punkte schwirrten um Kargan herum. Ab und zu zuckte sein Phaser nach oben und eliminierte einen der blauen Lichtflecke.
Nach einiger Zeit erloschen die Punkte und die Computerstimme flüsterte: "Heh, du bist gut...kein Fehlschuß heute. Allerdings hast du zwei Ziele übersehen, die sich hinter dir befunden haben, das muß noch besser werden..."
Der Arzt verdrehte die Augen. Er wußte genau, daß der föderative Durchschnittsdoktor nicht einmal halb so gut mit dem Phaser umgehen konnte wie er.
Vor dem Verlassen des Holodecks zog er seine Kampftracht, die sein Bruder ihm vor einiger Zeit geschenkt hatte, aus und vertauschte sie mit seiner üblichen Kleidung. Der Communicator meldete: "Ein unbeantworteter Anruf."
Gerade als er sich fragte, wer ihn hatte sprechen wollen, ertönte Silvas Stimme:
"Silvana an Dr. Kargan. Medizinischer Notfall auf der Brücke. - Wie immer. Silvana Ende."
Kargan beeilte sich, auf die Brücke zu kommen, und fluchte leise, daß er seinen Instrumentenkoffer auf der Krankenstation gelassen hatte.
--- Brücke
Der Klingone betrat die Brücke und sah, daß der neue Navigator kreidebleich und total verstört auf der Erde lag. Reflexartig griff er zu dem Notfall-Medi-Kit, das unter der Steuerkonsole verborgen lag, nahm den Tricorder zur Hand und begann, den Menschen zu scannen.
Erst jetzt fiel ihm auf, daß in dem Kit kein Tricorder vorhanden war, und er mit einer leeren Hand scannte. Ein Blick in die Tasche zeigte ihm, daß auch die Hyposprays nicht vollzählig waren.
Das wunderte ihn, denn er selbst hatte erst vor einer Woche sämtliche Medi-Kits auf dem Schiff überprüft und ergänzt - was eine sehr langwierige Aufgabe gewesen war, denn die meisten hatten ähnlich schlimm wie dieses hier ausgesehen.
Aber im Moment war es wichtiger, sich über den Zustand des Mannes auf der Erde im Klaren zu werden. Wie hatte Silvana gesagt? 'Medizinischer Notfall - wie IMMER'? Dann war sie wahrscheinlich - wie immer - für die Verletzungen des Navigators verantwortlich.
--- Brücke, taktische Station, zur gleichen Zeit
Selbst für Sternenlicht war Silvanas Reaktion überraschend gekommen. Ihr Geruch veränderte sich in Sekundenbruchteilen völlig, die Muskeln spannten sich und im gleichen Moment schossen auch schon ihre Hände vor. Mehr instinktiv riß er beide Pfoten in Abwehrhaltung nach oben, noch bevor der Verstand wirklich erfaßt hatte, was gerade geschah.
Jetzt stand der Sivaoaner fassungslos mit flach angelegten Ohren neben der Terranerin, die nicht die geringste Reaktion auf den verletzten Navigator zeigte. Einen Moment kämpfte er mit seinen Instinkten, jede Faser seines Körpers drängte es danach, Silvana eine kleine Retourkutsche zu verpassen. Aber das war keine Lösung. Gewalt war nie eine Lösung.
Statt dessen wandte er sich wieder an Silvana, die sich gerade wieder über ihre Konsole beugte. "Was sollte das? Du mußt ihn" - ein Deuten mit dem Schweif Richtung Tegger, der gerade vom hiesigen Arzt untersucht wurde - "nicht gleich umbringen um seinen Respekt zu erlangen!" Jetzt waren Sternenlichts Muskeln angespannt, jeder Teil seiner Aufmerksamkeit war auf die Terranerin fixiert.
Nur ungern ließ sich Silvana in ihrer Arbeit stören. Schon gar nicht, wenn ein Neuer sich in ihre Arbeitspraktiken einmischte und dachte, daß sie mit Sanftmut weiter kam. Egal, ob es sich um Sternenlicht handelte oder jemand anders der Mannschaft.
"Ich weiß nicht, ob es dir bereits aufgefallen ist, aber auf diesem Kahn herrschen andere Sitten, als auf einem Föderationsschiff oder eurem Katzenplaneten. Dies hier ist ein Handelsschiff, doch das Leben darauf ist wie das eines Piraten. Eines Freibeuters des Universums. Eines Gesetzlosen.
Entweder du schaffst dir deinen Platz in der Ranghierarchie an Bord oder du wirst gnadenlos untergehen. Diese Kerle verstehen keine andere Sprache als diese. Wäre ich zu weich für meinen Job und würde Respektlosigkeit durchgehen lassen, hätte ich schon längst ein Messer im Rücken.
Du kannst nur dir selbst trauen und sonst niemand. Aber das wirst du auch noch lernen, wenn du lange genug unterwegs bist." Ihre Stimme klang teilnahmslos und bevor Sternenlicht antworten konnte, fügte sie hinzu: "Ich mag dir grausam in meinen Methoden vorkommen, doch ist nicht auch die Natur grausam? Aber ist die Natur auch böse?"
Fragend blickte sie Sternenlicht an, dessen musische Bardenseite ihn fast zu weich für dieses harte Leben machte. Sie fragte sich, ob es ein Fehler gewesen war ihn auf diese Reise mitzunehmen. Zuviel Nächstenliebe konnte zwischen dieser Crew, die zum Großteil aus dem Abschaum des Universums bestand, tödlich sein.
--- Mitte der Brücke
Mit zitternder Stimme schilderte der Mann seinen Zustand, und Kargan hoffte, daß seine ersten Vermutungen über das Rückgrad seines Patienten nicht der Wahrheit entsprachen.
"Captain", sagte er zu dem Anticaner, "machen Sie sich schon einmal mit der Möglichkeit vertraut, daß Ihr Navigator für längere Zeit ausfällt. Ich hoffe nicht, daß der Liftattentäter hier wieder seine Finger im Spiel hat."
Bei diesen Worten schaute er Silvana definitiv nicht an und vollzog statt dessen einen Nottransport direkt zur Krankenstation.
--- Deck 5, Wartungskabine 11c
Pormas setzte sich auf einen kleinen Vorsprung, bevor er Narbo wieder ansprach. "Aber lassen wir die Bomben ruhig aktiviert, mit ein bißchen Glück kann sie uns einen Fingerzeig geben.
Aber jetzt sage mir bitte, welche Personen du im Verdacht hast. Schließlich war ich lange genug in der Sicherheit der Sternenflotte und habe da nicht nur Däumchen gedreht."