Chronik 19

--- Privateer, Büro der Krankenstation

Nachdem sie ungefähr zehn Krankenblätter studiert hatte, setzte sich die Indianerin aufrecht hin und streckte sich. Ein kurzer Blick auf das Chronometer an der Wand des Büros zeigte ihr, daß sie gar nicht so lange für diese zehn Akten benötigt hatte, wie es ihr vorgekommen war. Die Indianerin liebte solche Arbeit nicht. überhaupt nicht. Aber es war sicherlich kein Fehler, die Schwachstellen ihrer möglichen Patienten zu kennen...

Die Lakota wies den Computer an, das Programm zu beenden, erhob sich dann von ihrem Stuhl, öffnete die Türe und blickte vorsichtig in den Raum hinaus. Er war leer, Schwester Entenburg war anscheinend gegangen. Tayeya atmete erleichtert auf. Diese massige Frau war nicht ihr Ding. Die Indianerin trat in den Behandlungsraum und zog leise die Türe des Büros hinter sich zu. Dann verließ sie lautlos, wie sie es auf Ankantu gelernt hatte und wozu sich ihre Mokassins natürlich besonders gut eigneten, die Krankenstation.

--- Deck 5, Gänge

Ein wenig ziellos bewegte sich die Indianerin durch die Gänge. Eigentlich verspürte sie keinerlei Motivation, weiterhin die Krankenblätter durchzugehen, auch wenn ihr ihr Verstand sagte, daß sie das wohl besser tun sollte...

Wenige Minuten später stand sie vor einer Türe und stellte fest, daß ihre Füße automatisch den Weg zu ihrem Quartier eingeschlagen hatten.

--- Maschinenraum

Es herrschte wenig Betrieb. Jack konnte nur drei Besatzungsmitglieder sehen, die sich um ihn aber nicht kümmerten.

'Attentäter haben es hier aber einfach!', dachte Collins und begab sich zu einer der Konsolen. Bevor er diese jedoch erreichte, sprach ihn jemand an. "Kann ich Ihnen irgendwie helfen?"

Der Psychologe drehte sich um und sah einen Mann auf sich zukommen, den er am gestrigen Abend schon einmal in der Bar gesehen hatte. Er war auffällig klein und war asiatischer Abstammung.

"Ich bin Jack Collins, der neue Psychologe. Eigentlich wollte ich mich nur ein wenig umsehen." Jack sah den Asiaten freundlich an.

"Lin Xiang", entgegnete der Asiat. "Ich habe Ihre Nachricht gelesen, wußte aber nicht, daß Sie auch Hausbesuche machen." Er grinste Collins an.

Die offene Art gefiel dem Psychologen. Und meist konnte er sich auf den ersten Eindruck verlassen. "Hausbesuch ist gut", antwortete er.

"Was kann ich denn für Sie tun?", fragte Xiang. "Es ist eigentlich ungewöhnlich, daß Leute wie Sie sich ohne Grund hierher verirren."

Jack vernahm ein wenig Ironie in der Stimme des Asiaten. "Ich habe wirklich keinen Grund. Wollte mir nur mal das Schiff und die Besatzungsmitglieder ansehen."

"Hm, das ist natürlich Ihr gutes Recht", sagte Lin, um dann plötzlich das Thema zu wechseln. "Sie haben von dem Unfall gehört?"

"Ja, habe ich", antwortete Collins vorsichtig. Er wußte nicht, in wie weit Xiang über den Vorfall informiert war. "Sie haben zwei Ihrer Leute verloren und ich eine gute Freundin. Manchmal passiert so etwas.

Die Sicherheit stellt noch Untersuchungen an. Man glaubt, irgendein Teil am Lift war defekt, aber sicher ist es noch nicht." Er hatte nicht direkt gelogen.

"So, so", sagte der Techniker. "Glauben Sie das?"

Collins stutzte. "Sie scheinen mehr darüber zu wissen."

"Vielleicht nicht mehr wie Sie." Lin sah auf seine Uhr. "Entschuldigen Sie mich, ich habe noch ein wenig zu tun. Sehen Sie sich ruhig um und wenn Sie Fragen haben, kommen Sie zu mir."

Der Psychologe sah den Asiaten nach und runzelte die Stirn. 'Merkwürdig!', dachte er.

Collins beschloß seinen Rundgang fortzusetzen, obwohl er nicht mehr so sehr das Bedürfnis hatte, sich mit den Sorgen anderer Leute auseinanderzusetzen.

--- Deck 5, Tayeyas Quartier

Die Indianerin betrat ihr Quartier und fühlte sich auf der Stelle wohler. Zufrieden sah sie sich um. Ein achteckiger Grundriß, den sie mittels verschiedener indianischer Utensilien erreicht hatte, erinnerte so leidlich an das Innere eines Tipis. Den Schrank, das einzige Möbelstück der Geister, das hatte bleiben dürfen, hatte Tayeya so gut verkleidet, daß man ihn nicht sehen konnte. An einer Seitenwand befand sich eine indianische Bettstatt mit einem Dreifuß zum Anlehnen und jeder Menge Fellen - Felle, die die Indianerin in ihrem Dorf noch selbst nach altüberlieferten Methoden gegerbt hatte. Sie waren weicher als alles, was terranische Fabriken zu fertigen imstande waren.

Die Indianerin schritt in ihre Küche, die sie sich ebenfalls ein wenig verändert hatte. Anstelle der üblichen Kochstellen hatte sie nun die Möglichkeit, über einem offenen Feuer zu kochen, ohne daß der Computer Alarm schlug. Ein befreundeteter Techniker hatte ihr einmal verraten, wie sie diese Sicherheitsfunktion des Schiffes umgehen konnte und sie hatte dieses Wissen nun das erste Mal eingesetzt. Die Indianerin war gespannt, wie es sich auswirken würde.

Tayeya setzte eine kurze Nachricht an die Krankenstation ab, daß sie in ihrem Quartier zu finden sei, dann replizierte sie sich ein Stück Wild und begann, ihr Mittagessen zuzubereiten...

--- Kargans Quartier

Kargan schaltete sein Terminal aus und erhob sich von seinem Schreibtisch. Die letzte Zeit hatte er in seinem Quartier verbracht, um in Ruhe Angehörige der beiden Verstorbenen zu suchen.

Mit dem Betazoiden hatte er keine größeren Schwierigkeiten gehabt, die nächsten Angehörigen waren sein Vater und seine Mutter auf Betazed.

Mit der Menschenfrau hatte er mehr Arbeit gehabt, offenbar hatte sie eine sehr bewegte Vergangenheit aufzuweisen.

Ihre Spuren verwischten sich dann bei einer schwer faßbaren Untergrundorganisation. Kargan baute nun darauf, daß er ihre Freundin, welche sich irgendwann von der Ivory auf ein föderatives Schiff abgesetzt hatte, ausfindig machen konnte. Vielleicht wußte sie etwas von Ramirez' Verwandten.

Immerhin hatte er erfahren, daß die Tote zwei Kinder zurückgelassen hatte, welche informiert gehörten.

Der Chefarzt wünschte sich, daß er diese schwere Pflicht schon hinter sich gehabt hätte, aber leider stand ihm diese Aufgabe noch bevor.

--- Gänge, Deck 5

Kaum hatte er seine Kabine verlassen, informierte Kargan sich auch schon über Schwester Entenburgs Aufenthaltsort.

Die Nachricht, die er daraufhin erhielt, stimmte ihn schon ein wenig heiterer, war sie doch der Grund dafür gewesen, warum er diese Nachforschungen von seinem Quartier aus begonnen hatte.

--- Krankenstation

Kargan betrat den Raum und schaute sich um. Ja, der Computer hatte ihn nicht angelogen, Schwester Entenburg war wirklich nicht mehr hier.

Nicht, daß er sich vor ihr gefürchtet hätte, aber ab und zu zog er nun einmal vor, ihre Gesellschaft möglichst zu meiden.

Aufatmend ließ er sich in seinen Sessel sinken.

---Deck 6, Gang vor den Holodecks

Gedankenverloren sah Jack auf das Terminal vor Holodeck 1. Das Deck war frei und kurzentschlossen trat der Psychologe ein.

--- Holodeck 1

"Computer, ich hätte gerne eine Landschaft. Erde, Küstenregion Schottland oder Irland. Wo ist mir egal." Collins wartete einen Augenblick und stand dann am Rande einer Steilküste auf einer grasbewachsenen Ebene. Unten peitschte die Brandung gegen die scharfen Felsen.

Eine frische Brise wehte durch Jacks Haare. Er schloß die Augen und genoß einen Augenblick die würzige Luft. 'Nicht schlecht!', dachte er. Einige schmerzhaft schöne Erinnerungen tauchten vor seinem geistigen Auge auf.

Der Psychologe sah sich um und setzte sich dann auf einen Felsen. "Computer, generiere ein paar Gegenstände und plaziere sie in einen Abstand von zwanzig Metern um mich herum."

Nachdem Collins die Gegenstände spezifiziert hatte, lagen nun einige Haushaltsgeräte, Kleinmöbel und auch verschiedene Waffen um ihn herum verstreut.

Normalerweise mußte ein Telekinet die Dinge sehen, die er bewegen wollte, aber Jack hatte auf dem cardassianischen Frachter festgestellt, das er auch Sachen 'fühlen' konnte, die sich hinter Verkleidungen befanden.

Collins schloß wieder die Augen und konzentrierte sich. Seine telekinetischen Fühler streckten sich aus und begannen die Gegend abzutasten.

'Nichts!', der Psychologe stutzte. Alles was er ertastete, waren die Wände des Holodecks und die Emitter. 'Hologramme!', dachte er. 'Hologramme sind keine Dinge, die man fassen kann."

Er hob ein Messer auf, das neben ihn lag. 'Aber ich kann es anfassen und ich fühle es.' Wieder konzentrierte Jack sich. Er spürte die Holoemitter und dann spürte er die Energie, die von diesen Emitter ausging, sehr gering, kaum fühlbar, aber es war etwas da.

Mit seiner Hand tastete er über das Messer und versuchte dann es telekinetisch zu erfassen. Das Hologramm des Messers fing an sich zu verbiegen und die Darstellung hatte ein paar Aussetzer, aber sonst tat sich wenig. 'Üben, Collins!', dachte Jack, warf das Messer aber wieder zu Boden.

'Eigentlich ein schöner Ort, um sich mal zu erholen', dachte Collins. "Computer! Ein kleines Blockhaus etwa dreißig Meter vor der Klippe!", sagte er und sofort stand an der Stelle eine kleine gemütliche Hütte mit einem Kamin.

"Das ist ja fast wie bei Alice im Wunderland!", schmunzelte der Psychologe. "Und ausbaufähig. Computer, Programm speichern unter Collins eins." Dann setzte er sich wieder auf den Felsen und genoß noch einen Augenblick den herrlichen Ausblick.

--- Brücke

Marc schaute erschrocken zu Slade auf. Dieser hatte die Klappe mit einer solchen Wucht aufgerissen, daß Marc beinahe vor Schreck die Stufen in der Jeffries-Röhre herab gefallen wäre. Schnell sammelte er seine Gedanken und verrenkte sich fast den Hals, als er versuchte, dem Captain in die Augen zu schauen.

"Ja, hallo erst mal. Ich weiß ja nicht ob Sie's wußten, aber der Turbolift ist defekt. Und da ich nicht gerade ein Fan von Transportern bin, da dachte ich mir, ich komme auf diesem Weg hier auf die Brücke."

Mühsam kroch er aus der Röhre und stellte sich hin. Er warf noch kurz einen Blick auf die herausgerissene Klappe und schritt dann zu seiner Konsole und blieb überrascht stehen.

Da wo eigentlich die Navigationskonsole sein sollte, befand sich nichts mehr. Nur das Grundgerüst befand sich noch an seinem Platz und ein paar Kabel schauten heraus. Verwirrt schaute er sich das Dilemma an und drehte sich dann zum Captain um, der sich inzwischen wieder auf seinen Platz begeben hatte.

"Ähm, Sir. Soll das ein schlechter Scherz sein oder wie muß ich das hier verstehen?", sagte er und zeigte auf die Überreste seines Arbeitsplatzes.

Slade entging nicht die Komik der Situation, und mit dem ihm eigenen Humor antwortete er: "Rationalisierungsmaßnahmen. Ich mußte mich zwischen einem Piloten und der Steuerkonsole entscheiden.

Jean war zwar für die Konsole, aber er als Roboter ist natürlich voreingenommen. Und überhaupt bin ich hier immer noch der Captain, und ich lege mehr Wert auf ... wie sagt man so schön: Menschliche Wärme."

Mit diesen Worten klopfte der Captain dem Navigator freundschaftlich auf die Schulter. "Oder haben Sie ein Problem damit, ohne Konsole zu fliegen?

Schließlich sind Sie auch ohne Turbolift auf die Brücke gekommen. Sie finden schon einen Weg, ich vertraue da ganz Ihrem Intellekt, mein Sohn."

Zufrieden fläzte sich Slade in seinen Sessel, mit einer Handbewegung Jeans hektische Versuche ihn zu korrigieren, beiseite wischend.

--- Stationsbar

Als Silvana die Bar betrat, erstarben langsam die Gespräche um sie herum, um nach ihrem Rundblick sofort umso schneller wieder zu entfachen. Dabei folgen sehr viele Augenpaare ihrem Weg. Teils bewundernd, teils neugierig, teils voll Haß. Silvana hatte im Laufe der Zeit so vielen Leuten auf die Füße getreten, daß sie überall Feinde hatte.

Unbeirrt ging sie lautlos und geschmeidig wie eine große Katze auf die Theke zu und ließ sich dort nieder.

--- Stationsbar, Theke

Absichtlich vermied sie Blicke zur Seite, die doch nur wieder dazu führten, daß sie angesprochen wurde oder jemandem die Nase einschlagen mußte. Ihre gelben Augen schienen in der Hinsicht ein Signal zu setzen.

"Bring mir ein cyrtonisches Eiswasser, aber spar nicht mit dem Alkohol", befahl sie dem Ferengi hinter der Theke, der mit einer angedeuteten Verbeugung, bei der er sie nicht aus den Augen ließ, wieselflink mit ihrer Bestellung wiederkam. Zu seinem Glück schmeckte das Zeug besser, als bei Narbo...

Während der ganzen Zeit ging ihr nicht aus dem Kopf, was sie eben auf ihrem Terminal gelesen hatte und was Fazit dieses Anschlages war. Jemand trachtete Slade nach dem Leben. Das bedeutete sein Todesurteil.

--- Stationsbar, Balkon Tisch 9

Sternenlicht zu-Srallansre saß nun schon eine ganze Weile an seinem Tisch auf dem Balkon der Bar. Der kleine Tisch stand direkt am Rande dieses Balkons, wodurch der Sivaoaner eine recht gute Übersicht über die Bar hatte. Aufmerksam beobachtete er das bunte Treiben einige Meter unter ihm.

Sein Aufenthalt auf der Ivory war nur von kurzer Dauer gewesen, nach dem Drama auf dem Holodeck des Schiffes hatte er sich noch am nächsten Tag wieder unter einigen zynischen Kommentaren von Monserat aus dem Staub gemacht. Dieser alte Kahn war wohl ein Fehlgriff gewesen. Es war ja auch kein Wunder, war doch alles eine recht spontane Aktion gewesen.

Sternenlichts Schweif, der träge über einen halben Meter vom Balkon runterbaumelte, durchlief beim Gedanken an das alte Händlerschiff eine kurze Zuckung, dann hatte er diesen Gedanken auch schon wieder aus seinem Kopf verbannt. Sich darüber noch größere Gedanken zu machen, hatte keinen Sinn.

Heute würde er sich ein wenig entspannen, noch mehr Hektik war das letzte, was er heute wollte. Er nahm einen weiteren Schluck von dem leicht gelblich schimmernden Getränk, daß die Terraner "Milchshake" nannten. Geschmacksrichtung Banane hatte er dieses Mal versucht. 'Gar nicht so übel', dachte er sich dabei.

Wie üblich zog Sternenlicht auch in dieser Bar immer wieder Blicke auf sich. Die Sivaoaner waren in der Föderation kaum bekannt, zu selten verließen sie dazu ihre Heimatwelt. Auch jetzt, als Sternenlichts Zunge über seine beiden Schnurrhaarhälften fuhr und dabei einige Schaumspuren des Shakes beseitigte, warfen wieder einige andere Barbesucher neugierige Blicke zu ihm hinüber.

Unruhestiftern war er bisher keinen begegnet. Ohnehin wagten es nur wenige, gegen die nicht ganz ungefährlich wirkenden Katzenwesen Ärger anzuzetteln. Nicht, daß das für alle ein ausreichender Grund wäre... Nun, er konnte sich verteidigen, sollte es notwendig werden.

In diesem Moment fiel sein Blick auf die Terranerin in dem hautengen, schwarzen Anzug, die gerade zur Türe hereinkam. Überrascht blinzelte Sternenlicht mehrmals, als müßte er sich davon überzeugen, daß seine Augen noch funktionierten. Selten hatte er einen Menschen gesehen, der sich so graziös bewegte, wie es diese Frau tat. Fast wie eine Sivaoanerin.

Erstaunt verfolgte Sternenlichts Blick die Schwarzgekleidete auf ihrem Weg zur Theke. Die verschiedenen Reaktionen die sie begleiteten blieben ihm nicht verborgen. Diese Frau war zur Abwechslung einmal etwas, worüber sich ein Lied wirklich lohnen würde, schoß es Sternenlicht durch den Kopf.

Er stand auf und ging Richtung Treppe.

--- Privateer, Brücke

Marc stand da. Mitten auf der Brücke.

Mit offenem Mund und einem total verwirrten Gesichtsausdruck. Er brauchte ein paar Sekunden, um wieder einen klaren Gedanken zu fassen und um zu verstehen, daß Slade ihn da wohl ziemlich auf den Arm genommen hatte. Immer noch ziemlich verdattert schaute er zwischen Slade und Jean-Luc hin und her.

Was sollte er jetzt tun? An den Kabeln ziehen, die da aus den Resten der Konsole herausschauten und hoffen, daß sich das Schiff dadurch fliegen ließ? Ob Witz oder nicht, so konnte er das Schiff auf keinen Fall fliegen. Fieberhaft überlegte er weiter, was für Möglichkeiten ihm blieben.

Jean-Luc als Navigationskonsole mißbrauchen? Nein, das war unmöglich. Mit einer sprechenden Konsole zu arbeiten war einfach undenkbar.

Mit Padds steuern? Na ja, es war ein Versuch wert. Schnell fischte er ein Padd aus seiner Tasche und fing an, dieses mit den herausstehenden Kabeln zu verbinden. Nach kurzer Zeit hatte er die wichtigsten Kabel verbunden und so ließ er sich mit dem Padd in der Hand in seinen Sessel fallen; was er besser nicht gemacht hätte. Denn die Kabel waren zu kurz und so rissen die eben so mühsam angebrachten Strippen einfach ab und Marc hatte wieder nur das Padd zwischen den Fingern.

Ärgerlich schaute er auf den Fuß des Sessels, und mußte enttäuscht feststellen, das dieser nicht zu verschieben war. Mißmutig steckte er das Padd wieder in die Tasche und suchte weiter nach einer Lösung für diese Misere.

Plötzlich kam ihm DIE Idee. Er konnte doch einfach das Schiff vom Holodeck aus steuern. Er mußte nur sämtliche Kommandobefehle von der holografischen Konsole auf die "echte" übertragen.

'Das juckt doch den Computer nicht, von wo aus ich das Schiff steuere', überlegte er und stand von seinem Sessel auf.

"Sir, mir ist da eine Idee gekommen. Solange die Techniker es nicht geschafft haben, mir eine neue Konsole hier hin zu stellen, werde ich das Schiff vom Holodeck aus steuern. Ich generiere einfach die Brücke, diesmal mit vorhandener Steuerkonsole und fliege dann von dort aus. Außerdem kann ich ja sämtliche, auf der realen Brücke existierenden Personen, bei mir auf dem Holodeck einfügen.

Dann wäre es für mich so, als wäre ich wirklich hier. Nur Sie könnten mich dann nicht sehen.

Was halten Sie davon?", fragte er und unterdrückte ein Grinsen, als er den hünenhaften Captain ansah.

--- Stationsbar, Theke

Unten angekommen hielt Sternenlicht direkt auf die Frau zu, deren Bewegungen ihn so an seine Heimatwelt erinnerten. Mit einem Räuspern, daß eher Ähnlichkeit mit einem Knurren hatte, wandte er sich an die Terranerin: "Ist dieser Stuhl noch frei?" Instinktiv deutete Sternenlichts Schweif bereits auf den Stuhl links neben ihr.

Silvanas Instinkte waren bereits geweckt gewesen, als sich das Katzenwesen ihr genähert hatte. Ihr feiner raubtierhafter Geruchssinn hatte sie auf ein ihr verwandtes Wesen aufmerksam gemacht, das für ihren Geschmack sehr angenehm roch und ihre Ohren hatten seine sehr leisen Schritte vernommen.

So war sie auch nicht besonders überrascht oder erschrocken, als der Sivaoaner sie fast knurrend ansprach und ihre Muskeln waren auch nicht angespannt in Erwartung eines Kampfes. Im Gegenteil war sie sehr entspannt und gelassen, als sie sich ihm zuwandte.

"Hallo Plüschohr, du bist ja ziemlich gewachsen, seit ich dich das letzte Mal lebend gesehen habe", sagte sie trocken und ihre Miene hellte sich belustigt auf, ebenso schienen ihre gelben Augen freudig aufzufunkeln. Besonders da der Sivaoaner alle Anzeichen von Verwirrung zeigte. Ohren, Schnurrhaare und Schweif schnappten zurück.

Sie musterte ihr Gegenüber. Es schien ein sehr stattliches Exemplar seiner Gattung zu sein und es war schön eines dieser anmutig aussehenden Katzenwesen zu sehen, dessen Fell gepflegt war, seidig glänzte und dessen Atem nicht nur sämtliche Bakterien der Gegend als Nährboden anzog. Interesse an seiner Person stieg in ihr hoch. Die Sichtung der Daten konnte ruhig noch etwas länger warten.

So zeigte die raubtierhafte Frau ohne lange zu überlegen einladend auf den Sitz neben sich und setzte erklärend hinzu: "Och, ich besitze ab und an einen sehr eigenartigen Humor, besonders wenn ich zwei tote Menschen noch vor dem Frühstück serviert bekomme. Aber laß dich bitte nicht davon verschrecken. Ich habe gerne Gesellschaft, die... mir ähnlich ist." Wieder dachte sie daran, daß die meisten Wesen Angst vor ihr zeigten und sich entweder zurückzogen oder sich in Haß flüchteten.

Doch das Katzenwesen schien anders zu sein. Es schien außerdem ihre Nähe gesucht zu haben und zwar ohne sich aufzudrängen. "Was treibt jemand wie dich in eine Bar wie diese? Du siehst nicht gerade aus, als würdest du dich hier wohl fühlen. - Bevor ich es vergesse... mein Name ist Silvana."

Ihr Gesicht verzog sich zu einem Lächeln, als sie daran dachte, was Narbo zu diesem Prachtexemplar eines "Fellbündels" sagen würde.

Interessiert ruhte Sternenlicht zu-Srallansre's Blick auf dem merkwürdigen Wesen, das da vor ihm auf dem Barhocker saß. Es ... nein - Sie war auf den ersten Blick ein Mensch und doch hatte sie mehr Ähnlichkeit mit einem Sivaoaner, als sie vermutlich ahnte. Er schüttelte einige aufkeimende Erinnerungen an Sonnenstrahl - warum ausgerechnet jetzt? - ab, als er sich mit leicht vibrierenden Schnurrhaaren auf den freien Hocker setze.

"Ich bin Sternenlicht zu-Srallansre. Ein Wissenschaftler auf der Suche nach einer neuen Beschäftigung. Was auch der Grund ist, warum ich derzeit ein wenig ... sagen wir einmal 'nervös' bin. Meine finanziellen Mittel sind beschränkt und ich habe noch immer kein Schiff, auf dem ich anheuern kann."

Fasziniert war der Sivaoaner jeder noch so feinen Regung der geheimnisvollen Silvana gefolgt. Längst hatte er die katzenartigen Augen und die leicht gebogenen Fingernägel, die eine nicht zu verachtende Ähnlichkeit mit Krallen hatten, entdeckt. Er spürte, daß es von ihrer Art nicht viele geben dürfte.

"Ich muß ehrlich gestehen, daß Sie mich faszinieren, Silvana. Ich habe in den vergangenen Jahren viele Lebensformen kennengelernt, aber jemand wie Sie ist mir bisher nicht über den Weg gelaufen."

Mit einem Mal wurde Sternenlicht bewußt, daß das, was er da gesagt hatte, auf verschiedene Arten interpretiert werden konnte. Und mehr als einmal waren solch kleine Fehler in mittlere Tragödien aufgegangen. Ein wenig verlegen fand sein Schweif den Weg in seine Pfoten während er weitersprach:

"Verdammt, wo habe ich meine Manieren gelassen... Bitte entschuldigen Sie, ich wollte Ihnen nicht zu nahe treten. Wir Sivaoaner sind manchmal furchtbar neugierig."

Die Augen des Katzenwesens blickten Silvana mit einem vorsichtigen Blinzeln an. 'So wie ich mein Glück kenne, hab ich gerade wieder das größte zu findende Fettnäpfchen erwischt...'

--- Privateer, Exocompsschacht

Der Ferengi beeilte sich auch mühsam Pormas abzuhängen, was ihm allerdings nicht gelang. Die Schmerzen nicht beachtend, die seine wundgescheuerten Knie verursachten.

Ohne irgendwelche Worte zu verlieren fegten die Beiden wie Ratten durch die Schächte. Auch die zwischenzeitlichen Steigungen, bzw. Aufstiege, verlangsamten sie nicht sehr.

Allein die spärlichen Lichtverhältnisse bereiteten an einigen Stellen Probleme. Beschweren konnten sie sich allerdings nicht. Wer außer Starfleet hätte überhaupt in solchen Schächten Lampen angebracht?

Plötzlich hielt Narbo an. Der Mann hinter ihm stieß gegen ihn, als der Ferengi die Schachtöffnung zu öffnen versuchte. Er fand auch den Griff, gefolgt von einem Fluch.

"Hier müßten wir an der Brücke rauskommen, aber das Schott klemmt...", zischte Narbo. Im Hinterkopf fragte er sich, was Pormas machen würde, wenn sich rausstellte, daß das Schott nicht öffnen ließe. Feste zog der Ferengi noch einmal an dem Griff.

"Halt ihn so", sagte Pormas, kurz bevor er das Schott samt Ferengi mit einem gewaltigen Ruck auf die Brücke beförderte.

--- Brücke

Laut polternd tat sich ein Loch in der Wand der Brücke auf, als ein Ferengi wie ein Torpedo aus derselben geschossen kam. Direkt dahinter kam einen Moment später Pormas herausgeklettert, der für den am Boden liegenden nur ein kurzes "Gute Teamarbeit, Narbo", übrig hatte.

Ungerührt ging der große Südländer auf den Captain zu, den völlig verblüfften Tegger ignorierend. "Captain... bezüglich des... Vorfalls...", brachte Pormas gepreßt heraus, "hätte ich einige Fragen.

Trotz einer Rolle in der Luft war es Narbo nicht gelungen auf den Beinen aufzukommen. Der Flug war einfach zu kurz gewesen, um eine weichere Landung zu erlauben.

Grummelnd betrachtete er die herausgebrochene Luke und warf sie scheppernd in Richtung des in der Wand klaffenden Lochs. Erst jetzt stand er auf und zog sich sein Jackett gerade - wieder einmal!

Scheinbar wurde es zur Mode seine Kleidung zu zerrupfen und der Ferengi sinnierte schon über die Kosten eines neuen Anzugs. Der an der Navigations-Konsole stehende Mensch starrte währenddessen abwechselnd Narbo und dann wieder den Captain an, der mit den Augen rollend in seinem Kommando-Stuhl saß.

"Was, noch nie aus einem Schacht gekommen?!", warf er dem Navigator entgegen und dessen Augen weiteten sich geradezu beängstigend. Woher sollte er auch wissen, daß Tegger keine Stunde vorher auf ähnlichem Weg hierher gekommen war.

Kopfschüttelnd und zischend wandte sich dann auch Narbo Slade zu, der immer noch nicht der Frage des Sicherheitslers geantwortet hatte. Vielleicht hatte Pormas den falschen Anticaner gestört....

Als Sadaja sich auf der Brücke hinter der Sicherheitskonsole rematerialisierte, hatte sie das Augenmerk aller auf sich. Nach der Mitteilung von Silvana hatte sie damit gerechnet, daß jeder niedrige Wurm den Captain mit Fragen belästigen würde, selbst wenn dieser durch den Ausfall des Turbolifts auf der Brücke ziemlich abgeschottet lag.

Leider hatte Silvana es nicht für nötig befunden irgendwelche Maßnahmen zu treffen um den Captain zu schützen und so hatte es etwas gedauert um mit den Schiffsplänen alle Zugänge zur Brücke ausfindig zu machen um sie kontrollieren zu können. Zwar schien der Saboteur sich auf "technische Gebrechen" spezialisiert zu haben, aber die Ellora ging lieber auf Nummer sicher. Dies verlangte ihre Anschauung von Ehre.

Die Reaktionen auf ihr plötzliches Auftauchen waren recht unterschiedlicher Natur, besonders da die Personen auf der Brücke die Mündung ihres Phasers auf sich gerichtet sahen. Sie kannte zwei davon noch nicht, obwohl sie sehr oft Dienst auf der Brücke tat.

Aber gerade durch den Anblick des Dritten wurde sie noch mißtrauischer was den Aufenthalt dieser Leute auf der Brücke betraf. Es war Silvanas hassenswertestes Lieblingsobjekt. Der häßliche Ferengi aus der Bar, dessen Blutwein die am wenigsten berauschendste Wirkung von allen Bars hatte, die Sadaja kannte. Narbo, der Bombenleger.

"P'tach, ihr ehrlosen Hunde, ist das eine Art mit eurem Captain zu sprechen?! Dem Mann, der euer aller Leben in der Hand hält?!" Ihre Augen funkelten voller Zorn und sie hatte Lust ihnen eine Lektion zu erteilen. Waren sie doch nichts weiter als Abschaum in den Augen Kahless. "Ich Sadaja, Stellvertreterin von Silvana, bürge mit meinem Leben für sein Wohlergehen

Redet und tragt Captain Slade euer Anliegen vor. Einer nach dem anderen und höflich. Sollte der Captain es nicht für wichtig genug erachten, daß ihr ihn damit jetzt stört, dann werdet ihr euch noch wünschen nicht geboren zu sein..." Ihre Stirn zog Furchen und sie hoffte inständig, daß sie sich ihrem Befehl nicht beugen würden. Nur zu gerne würde sie beweisen, daß sie es ernst meinte.

Heute war ein guter Tag zum Sterben.

--- Tayeyas Quartier

Zufrieden löschte die Indianerin das kleine Feuer, über dem sie sich ihre Mahlzeit zubereitet hatte. Alles hatte wunderbar funktioniert. Der Computer hatte keinen Alarm geschlagen. Tayeya lächelte in sich hinein. Ein befreundeter Geist hatte einmal zu ihr gesagt: "Wenn du das machst, dann wirst du bestimmt das Schiff abbrennen!"

Aber dieser Geist hatte - wie alle Geister - natürlich keine Vorstellung davon, wie man ein vernünftiges Feuer unterhielt. Sie meinten immer alle, daß ein Feuer aus hohen, heißen Flammen bestehen müsse, damit man damit kochen könnte. Aber mit einem solchen Feuer würde man sich höchstens das Essen verbrennen, aber sicherlich nichts Genießbares fabrizieren. So wie das hier jetzt.

Die Lakota nahm ihre Schale, schaltete die Absauganlage ein und ging hinüber in ihren Wohnraum. Dort setzte sie sich mit untergeschlagenen Beinen auf den Boden und begann zu essen. Nach einigen Minuten jedoch hielt sie inne.

"Computer, starte bitte das Programm Ankantu eins," wies sie den Schiffscomputer an, den sie am vergangenen Abend noch mit den entsprechenden Daten 'gefüttert' hatte. Sofort füllte indianische Musik den Raum, Trommeln und Gesänge, die Andere immer als leicht monoton und leiernd empfanden, die aber für Tayeya Entspannung bedeuteten. Schweigend und sich in der Musik verlierend aß sie weiter...

--- Stationsbar, Theke

Das Lächeln, daß Silvana kurz zuvor dem katzenhaften Wesen entgegengebracht hatte, erstarb auf ihren Lippen und gefror zu Eis. Das Wesen neben ihr war noch immer der gleiche zuvorkommende und höfliche Sivaoaner, über dessen Gesellschaft sie sich gerade noch gefreut hatte, aber seine Worte brannten tief in ihrer Seele und lösten eine Lawine längst vergessen geglaubter Gefühle in ihr aus.

Seine Worte.

Ich muß ehrlich gestehen, daß Sie mich faszinieren..... mich faszinieren... faszinieren...

Augenblicklich verengten sich Silvanas Augen, ihre Mine wurde starr und ihre Pupillen schmal. Das Gelb ihrer Augen leuchtete warnend und zugleich tödlich. Ihre ganze Gestalt spannte sich an und bereitete sich auf einen Kampf vor.

Die raubtierhafte Frau konnte nur mit großer Mühe einen zornigen Anfall unterdrücken und zerdrückte statt dessen das Glas in ihrer Hand um ihre angestauten Emotionen wieder unter Kontrolle zu bringen. Erst von dem Schmerz, bei dem sie keine Miene verzog, schien sie aus ihrer Trance zu erwachen.

Aber sie beachtete ihre Hand nicht weiter, ebenso wenig wie die teils neugierigen, teils entsetzen Blicke der anderen Anwesenden, sondern schloß die Augen und fühlte sich in der Zeit zurück versetzt. An die Zeit mit Dr. Farnside dem verrückten Wissenschaftler. Er hatte sein Geschöpf über alles geliebt und sie hatte ihn gehaßt. Aus tiefstem Herzen gehaßt.

Hätte sie eine Möglichkeit gehabt ihn dadurch zu töten, indem sie sich selbst tötete, hätte sie nicht gezögert es zu tun. Dabei hatte er sich immer wie ein allmächtiger Gott gefühlt, daß er eine Kreatur wie sie hatte schaffen können. Ein Wesen mit vielen Seelen, eine todbringende Ausgeburt eines Verrückten, der nie hätte leben dürfen.

Silvana schlug plötzlich wieder die Augen auf. Hätte sie in diesem Moment jemand auf ihre Reaktion angesprochen oder sie gar berührt oder angegriffen, hätte er damit sein Todesurteil unterschrieben. Ganz allmählich beruhigte sich ihr rasender Puls wieder und sie fand in die Gegenwart zurück.

Nachdenklich sah sie den Sivaoaner neben sich an.

Ein Wesen, das nichts mit dem Wissenschaftler ihrer Vergangenheit zu tun hatte. Jemand, der nur offen seine Gedanken ausgesprochen hatte ohne Hintergedanken zu hegen. Sie fühlte es und auf ihr Gefühl konnte sie sich verlassen. Sternenlicht war jemand der niemand ausnutzte und dem man vertrauen konnte.

Nicht jeder Wissenschaftler war so skrupellos alles für die Wissenschaft zu tun und sich für ein allmächtiges Wesen zu halten für das es keinerlei moralischen Grenzen oder Hürden gab. Nicht jeder, der sie faszinierend fand, würde sie auch sezieren oder in Serie herstellen um alles über sie zu erfahren...

"Tut mir leid, aber ich habe manchmal ein kleines Problem mit Wissenschaftlern.... ", meinte sie trocken, während ihre Pupillen erst langsam ihrer ursprüngliche Form annahmen. "Manchen Wissenschaftlern", fügte sie erklärend hinzu. "Der letzte hat mir mit seinem grünen Blut die Kleidung versaut, bevor er auf der Brücke verreckt ist und sein vulkanischer Geist, gefangen in einem Ferengi, mich töten wollte."

Die raubtierhafte Frau lachte nüchtern auf. "Sein Posten ist übrigens immer noch frei an Bord der Privateer. Ist zwar kein Luxusschiff, sondern nur ein Handelsschiff, aber ein ganz ordentlicher Kahn. Norway-Class. Wenn du willst, stelle ich dich dem Captain vor. Ich denke, Slade wird sich freuen wieder etwas Pelziges um sich zu haben, das nicht so schrecklich haart wie er...."

--- Privateer, Brücke

Slade schaute verblüfft von einem zum anderen. Gerade hatte er noch friedlich und in Gedanken versunken auf seiner Brücke gesessen, und nun wimmelte es plötzlich von Leuten, die durch die Wände gepoltert oder einfach hereingebeamt waren.

Das Timing der Leute war interessant gewesen. Der Navigator hatte ihn etwas gefragt, indem er auf seinen Scherz eingegangen war. Gerade, als Slade etwas Geistreiches entgegnen wollte, regnete Narbo, gefolgt offenbar von einem von Silvas Männern, durch die Wand.

Und eben als er auf die Frage des Sicherheitsmannes etwas hatte sagen wollen, hatte sich Silvas rechte Hand materialisiert und verkündete, daß er von nun an unter ihrem Schutz stehen würde.

Irgendwie erwartete Slade nun noch weitere Steigerungen, etwa, daß der sich als Vorhang entpuppende Hauptschirm zur Seite glitt, und ein Q ihm eine Kopulation anbieten würde. Dann hätte der Wahnsinn wenigstens Methode.

Doch nichts dergleichen geschah.

Typisch.

Wahrscheinlich spielte sich das Ganze sowieso nur in seiner überreizten Phantasie ab. Entspannt lehnte sich Slade zurück und lächelte den Sicherheitsmann an, der ihn zuletzt angesprochen hatte. Er glaubte sich zu erinnern, daß es sich bei ihm um einen von Monserats Leuten handelte.

Ein weiterer Hinweis darauf, daß dies nicht real war: Der Mann sagte seinen Namen nicht. Natürlich, wie auch? Schließlich hatte Slade ihn schon wieder vergessen, und so konnte seine Phantasie ihn auch nicht hervorkramen.

"Was haben Sie denn auf dem Herzen, guter Mann?", erkundigte sich Slade vollkommen ruhig.

Pormas fing fast unmerklich an zu zittern, als er kurz davor war seine Wut herauszulassen. Schnell aber fing er sich wieder. Der Captain konnte schließlich nichts dafür.

Die Klingonin ignorierend begann der Südländer sich erst einmal vorzustellen, "Captain, mein Name lautet Pormas Theocrates. Silvana hat mich damit beauftragt den.... Gründen der Turboliftkatastrophe auf den Grund zu gehen."

Der Anticaner schaute Pormas forschend an, als dieser weitersprach, "Deshalb wäre es hilfreich, wenn Sie mir genau schildern könnten, was passiert ist, bevor Hel... die beiden Techniker abgestürzt sind."

Dieser 'Ausrutscher' entflammte erneut die Wut des großen Südländers. Mit feurigen Augen blickte er durch den Captain hindurch, so daß man meinen könnte der Sessel würde in Flammen aufgehen.

Innerlich hatte Narbo aufgelacht, als der Captain dem Jungspund eine Abfuhr verpaßte, wie er sie verdient hatte. Und der Auftritt der Klingonin war ein zusätzliches Highlight dieses Tages gewesen.

Der Ferengi überlegte kurz, ob er jemals seine Memoiren schreiben sollte. Wenn ja, dann wäre "15 Stockwerke in 2 Sekunden" einer der witzigsten Teile geworden. Allerdings war dieses Kapitel noch nicht beendet und Narbo fragte sich, ob ein Idiot wie Pormas, der aneckend durch das Schiff lief und so jeden noch so dämlichen Attentäter aufschreckte, eine Hilfe war.

'Vielleicht sollte ich mich doch selbständig auf die Suche begeben!', grübelte er über sein weiteres Vorgehen, als der Anticaner auf die Frage reagierte.

--- Stationsbar, Theke

Sternenlichts Gedanken überschlugen sich. Er war die sprichwörtlich zehn Zentimeter kleiner geworden, als Silvana den plötzlichen Ausbruch an Agressivität zu unterdrücken versuchte. Die Tatsache, daß sie sich wieder beruhigte, tat auch ein wenig zu seinem Seelenfrieden bei. Er war davon überzeugt, daß diese Frau bis zum Tode kämpfen würde, wie ein in die Enge getriebenes Tier...

Die Schnurrhaare des Sivaoaners hingen noch immer nach unten, während er mit einer möglichst ruhigen Stimme wieder das Wort ergriff: "Nein, es muß nicht Ihnen leid tun, Silvana. Ich war derjenige, der taktlos gehandelt hatte. Das einzige, was ich zu meiner Verteidigung sagen kann, ist eine der Schwächen, die viele Sivaoaner haben: Wir sagen, was wir denken. Ich wollte Sie weder beleidigen, noch Ihnen zu nahe treten.

Im Gegenteil, ich würde mich geehrt fühlen, wenn Sie mir noch ein wenig Gesellschaft leisten würden - wie Sie schon sagten, es gibt hier in der Weite des Alls nicht viele Wesen wie uns."

Bewußt überging er die Bemerkung über den getöteten Wissenschaftler. Agressivität schien dieser Frau förmlich angeboren zu sein. Eine Agressivität, nur zum Teil kontrollierbar, wie sie nur wildlebenden Raubkatzen zu Teil war. Bei diesem Gedanken richten sich seine Schnurrhaare wieder ein wenig auf. Vielleicht war diese Frau das ausschlaggebende Element, daß er, ohne weiteres über das Schiff zu wissen, ihr Angebot annahm:

"Ich würde mich freuen, wenn Sie mich Ihrem Captain vorstellen würden. Einen neuen Posten kann ich sehr gut gebrauchen."

Hoffnungsvoll zitterten seine Schnurrhaare, als Sternenlicht zu-Srallansre Silvana mit seinen großen Katzenaugen ansah.

Ein wenig war Silvana noch immer aufgewühlt, doch die sympathische Art des Sivaoaners gefiel ihr, ebenso wie sein Geruch, seine klaren Augen und die schneeweiße Spitze seines Schweifs. Außerdem ging er über ihren Gefühlsausbruch hinweg, als hätte es nie einen gegeben und er zeigte sich auch nicht gerade eingeschüchtert oder abgeschreckt.

Viel zu oft hatte sie schon erleben müssen, wie Leute sie deswegen wie eine Aussätzige behandelten und sie mieden. Andere hingegen versuchten ihr Glück in einem Kampf mit ihr, was eine Art Mutprobe zu sein schien, sich mit einer verrückten Andersartigen zu messen, die alles andere als ein normaler Mensch zu sein schien. Mit ein Grund wie es dazu kam, daß sie mit Wettkämpfen lange Zeit ihren Lebensunterhalt bestritten hatte.

"Nein, es gibt wirklich viel zu wenige wie uns. Deshalb freue ich mich umso mehr, daß wir beide uns hier über den Weg gelaufen sind und wie es aussieht wohl noch länger zusammen sein werden." Sie lächelte, doch diesmal war ihr Lächeln schon gelöst und sie konnte die Aussicht darauf genießen, daß der Sivaoaner sie auf der nächsten Fahrt begleiten würde. Zum einen, da Slade dann nicht einen neuen Versager in der Wissenschaft einstellen konnte und zum anderen weil sie sich auf künftige Unterhaltungen mit Sternenlicht schon freute.

"Du darfst mich Silva nennen. Und bitte sieze mich nicht mehr. Ich empfinde Siezen als eine Art sich hinter einer Maske zu verstecken, während Duzen sehr ehrlich und offen ist.

Mich müssen nur Leute siezen, denen ich die Möglichkeit nehmen will ihnen durch ihre Unverschämtheit Knochen brechen zu müssen. Aber normalerweise erhalte ich auch so den nötigen Respekt." Nachdenklich betrachtete sie den Ferengi, der ihre Hand notdürftig verarztete. Weniger aus Menschenliebe, sondern damit sie ihm nicht weiter die Theke mit ihrem Blut besudelte und Gäste abschreckte.

"Sternenlicht, was verschlägt eigentlich einen Mann der Wissenschaft wie dich so weit weg von Sivao? Außerdem hätte ich dich rein vom Gefühl her für viel sensibler und musischer gehalten, als der Berufs eines Wissenschaftlers mit sich bringt...." Nachdenklich musterte sie das große sanfte Kuscheltier, daß doch gefährlich wie alle Raubkatzen sein konnte.

--- Privateer, Brücke

Offenbar war Slades Gedächtnis doch besser als er gedacht hatte. Wahrscheinlich hatte sich der Name des Sicherheitsmenschen einfach in seinem Unterbewußtsein eingebrannt. Ein weiteres Indiz dafür, daß das alles hier nicht real war, denn warum hätte sich dieser Theocrates genau jetzt vorstellen sollen?

Und die Frage, die dieser seiner Einbildung entsprungene Mensch ihm jetzt stellte, war genau die, die er sich dauernd stellte: Was war genau passiert?

"Das kann ich dir genau sagen, Theo", antwortete Slade - Gestalten in seiner Phantasie pflegte er immer zu duzen. "Die beiden Techniker haben hier einen solchen Lärm veranstaltet, daß ich in meiner Kabine weiterarbeiten wollte. Als ich den Turbolift betreten wollte, waren sie gerade mit ihrer Arbeit fertig, woraufhin ich natürlich hier geblieben bin.

Ein paar Sekunden später bin ich dann vom automatischen Nachrichtensystem über den Absturz unterrichtet worden."

Entspannt, wie beim Psychiater, wartete der Captain auf die nächste Frage, die aus seinem Unterbewußtsein an die Oberfläche sprudeln würde.

--- Deck 5, Tayeyas Quartier

"Computer, Programm beenden!", forderte die Indianerin und sofort herrschte wieder Ruhe im Raum. Mit einer geschmeidigen Bewegung stand Tayeya auf und brachte ihre Eßschale in die 'Küche', füllte sie mit Wasser und ließ sie stehen.

Dann verließ sie das Quartier und machte sich wieder auf den Weg zu ihrer Arbeitsstelle.

--- Krankenstation

Als die Lakota die Krankenstation betrat, sah sie mit Erleichterung, daß diese Frau Entenburg noch nicht wieder anwesend war. Dafür war der Klingone da... Na gut. Langsam schritt sie zu ihm hin und meinte: "So, da bin ich wieder!"

Kargan war beim Geräusch der sich öffnenden Tür zusammengezuckt, da er instinktiv mit dem Erscheinen seiner Oberschwester gerechnet hatte. Angst hatte er nicht vor ihr, es war nur so, daß er es zur Zeit vorzog, nicht in ihrer Nähe zu sein.

Er war etwas erstaunt, als er bemerkte, daß er beim Anblick seiner "Wunderheilerin" direkt erleichtert aufatmete und sich nicht einmal ein Lächeln verkneifen konnte.

"Schön, Sie zu sehen", begrüßte der Klingone die Frau. "Im Moment ist hier alles recht ruhig, aber das will nicht viel heißen, wenn man eine Sicherheitschefin wie Silva an Bord hat. Kann sich jederzeit ändern."

In dem Moment meldete sich Kargans Communicator.

--- Brücke, inzwischen

Nachdenklich beobachtete Sadaja sorgfältig die Situation. Noch war kein Einschreiten nötig, da niemand eine kriegerische Handlung gezeigt hatte, trotzdem war sie überzeugt davon, daß der riesige von den Affen abstammende Terraner zum Verhalten seiner Urahnen einige Schritte nach hinten auf der Evolutionsleiter kletterte. Fast dachte sie, daß er sich gleich auf die Brust trommeln würde um seiner Wut Luft zu machen.

Und was machte der Captain? Er blieb die Ruhe selbst, während dieser Affenmensch ihn mit Blicken durchbohrte und das obwohl die drei Gestalten ihn normalerweise hätten verrückt machen müssen. Denn er hatte sie kaum zu einer Unterredung eingeladen. Und Captain Slade liebte solche Überraschungen auf der Brücke gar nicht. Nicht, wenn er sie nicht fressen konnte.

Außerdem war er vorhin nur knapp dem Tod entkommen.

Die Ellora fixierte den Captain und dann wieder den Affennachkommen. Dann betätigte sie entschlossen ihren Communicator um leise und hinter vorgehaltener Hand hineinzureden: "Sadaja an Dr. Kargan. Sie sollten sich mal den Captain näher ansehen. Er scheint seit dem Vorfall unter einer Art Schock zu stehen. Sein Verhalten ist ziemlich verändert. Immerhin hätte es ihn ja erwischen sollen.

Und ein großer Terraner ist auf der Brücke, der anscheinend in der Sicherheit arbeitet, der aber einen Hypospray zur Beruhigung brauchen könnte. Sollte er inzwischen den Ansatz einer feindlichen Kampfhandlung zeigen, dann werde ich ihn eliminieren. daß ich nicht scherze, sollte selbst ein verweichlichter und unkriegerischer Klingone wie Sie wissen, Dr. Kargan. Sadaja Ende."

Nachdem sie sich vergewissert hatte, daß niemand von dem Gespräch etwas mitbekommen hatte, aktivierte sie eine Sicherheitsvorkehrung, die bewirkte, daß niemand ohne ihre Erlaubnis durch irgendeine Schleuse oder Röhre die Brücke wieder verlassen konnte.

--- Krankenstation

Der Arzt schnaubte verächtlich. Selbst ein Minihirn wie jemand aus Silvas Prüglerliga sollte erkennen, daß auch der beste Krieger ab und zu die Arbeit eines guten Arztes zu würdigen wußte. Kargan nahm sich vor, sie nächstens einmal auf eine sehr kriegerische Art - also ohne Betäubung - zu behandeln.

Zu Tayeya gewandt, sagte er:

"Hätte ich nicht gedacht, daß der Vorfall den Captain so sehr mitnimmt. Der hat nicht einmal einen Schock gehabt, als Silva ihm dem Wissenschaftsoffizier vor seinen Augen auf der Brücke zerlegt hat. Seine einzige Sorge war, wer das Blut wieder aufwischen würde.

Gut, da ging es nicht wie jetzt direkt um sein Leben. Schließlich hätte er es auch sein können, der den Lift als Nächster betritt. Aber damals, als Silva ihm die Halsschlagader zerfetzt hat, und die Krankenstation förmlich geschwommen ist, hätte es ihn auch erwischen können.

Liegt wahrscheinlich daran, daß er sich bei einem Kampf verteidigen kann. Bei einem Absturz einer Liftgondel kann man einfach nichts mehr tun. Ich glaube schon, daß einen das sehr mitnehmen kann.

Wissen Sie was?" Kargan sah auf. "Schauen Sie mal nach ihm. Dann lernen Sie ihn gleich kennen und können ihm zeigen, daß Sie gut sind. Machen Sie sich um den Affen keine Sorgen, ich kenne Sadaja. Entweder ist er friedlich oder tot."

Etwas verblüfft blickte die Indianerin zu Dr. Kargan. Sie hätte ja fast alles erwartet, aber kein freundliches Lächeln. Nicht, nachdem er sie in der Bar diesem 'Test' ausgesetzt hatte. Was kam da noch auf sie zu? Aber jetzt wollte sie sich darüber keine Gedanken mehr machen.

"Wenn Sie meinen, daß das sinnvoll ist, werde ich selbstverständlich auf die Brücke gehen. Allerdings weiß ich nicht, wie ich dorthin gelangen sollte, denn soweit ich weiß, ist der Turbolift kaputt und einen anderen Weg gibt es wahrscheinlich nicht."

Als Tayeya merkte, daß der Klingone sie ziemlich verblüfft ansah, fuhr sie fort: "Na, so wie Sie aussehen, gibt es wohl doch noch eine andere Möglichkeit, die mir nur nicht bekannt ist. Ich bin schließlich Ärztin, kein Techniker....

Abgesehen davon könnte ich mir vorstellen, daß im Augenblick sowieso niemand Zugang zur Brücke hat, ausgenommen Leute von der Sicherheit, denn dieser Mordversuch könnte ja auch wiederholt werden. Ich schlage also vor, daß Sie selber den Captain aufsuchen, denn Sie sind ja sicherlich allen von der Sicherheit bekannt - oder daß Sie mich zumindest anmelden!"

Abwartend blickte die Lakota zu Dr. Kargan.

"Hm, eigentlich haben Sie recht", entgegnete dieser. "Wenn jetzt irgendwer, den Sadaja noch nicht kennt, plötzlich auf der Brücke auftaucht und behauptet, den Captain behandeln zu wollen, dann wird Ihr Tod zwar kurz und schmerzlos, allerdings recht ehrlos sein.

Am besten, wir gehen zusammen."

Mit diesen Worten erhob Kargan sich und ging vor.

--- vor der Tür der Krankenstation

"Kargan an Entenburg. Die Krankenstation benötigt etwas Aufsicht, ich bin mit Tayeya Wakan auf der Brücke. Kargan Ende."

Der Chefarzt gratulierte sich zu seiner Idee, die Oberschwester erst zu informieren, als die Beiden bereits die Krankenstation verlassen hatten...

Innerlich kopfschüttelnd folgte Tayeya dem Klingonen, der den Gängen scheinbar ohne Sinn und Verstand folgte. 'Ich hoffe, er weiß, was er tut!', dachte sie verwundert.

--- Holodeck 1

Nach einer geraumen Weile stand der Psychologe auf und ging Richtung Ausgang.

"Programm beenden!", sagte er knapp und verließ das Holodeck.

--- Deck 6, Gänge

Collins ging gemütlich in Richtung Bar. Seine Gedanken waren jetzt wieder bei dem Vorfall im Turbolift. 'Vielleicht sollte ich mich mal mit einigen Besatzungsmitgliedern unterhalten', dachte er und betrat die Bar.

--- Narbos Bar, Eingang

Es war schon einiges los hier. Das lag wohl auch daran, daß die Privateer zur Zeit noch an der Station lag und somit einige der Besatzungsmitglieder noch nicht viel zu tun hatten.

Die Theke war nicht besetzt, man bediente sich aus den Replikatoren. Jack schritt zu einem der Terminals, replizierte sich einen Kaffee und setzte sich an einen freien Tisch.

--- Brücke

'THEO?!?', schoß es Pormas durch den Kopf. 'Was glaubt der, wer ich bin? Ein beknackter Terrorist von einem Bajoraner?'

Der Sicherheitsmann verzieh dem Volk von Bajor immer noch nicht den Tod seiner Eltern, die bei einem Bombenattentat ums Leben gekommen waren.

Das hieß also, daß das Attentat wahrscheinlich auf den Captain gerichtet war. Ein kurze Nachfrage später und Pormas war über den genauen Ablauf informiert.

Die Tatsache ignorierend, daß Slade ihn weiter so vertraut anredete, entschuldigte er sich und ging zum nächsten Computerterminal, um ein paar Daten abzufragen.

Slade schaute den Sicherheitsmann an, der immer noch aussah, als hätte er auf eine Aglomanische Haruna gebissen. Dann fiel ihm etwas ein.

Brüllend lachte er los und wandte sich an seinen Piloten: "Guter Witz übrigens, das mit dem Holodeck. Eigentlich sollte da schon lange eine neue Konsole stehen, aber ich habe den Verdacht, daß die Technik im Moment andere Dinge zu tun hat, als sich darum zu kümmern.

Und schließlich werde ich sicher nicht losfliegen, bevor der Turbolift wieder intakt ist. Unser Cheftechniker hat mir versichert, daß man morgen wieder damit fahren kann. Ich weiß nicht, warum der eigentlich immer noch Leiter der Technik ist, so langsam hat ja noch keiner gearbeitet.

Ich denke, es ist an der Zeit, daß wir die Brücke verlassen, ich hasse dieses Gefühl, eingesperrt zu sein. Ihr nicht auch?"

Zu Sadaja gewandt, sagte der Captain: "Oder besteht aus sicherheitstechnischen Überlegungen die Notwendigkeit, daß wir hier herumsitzen?"

Sadaja schüttelte entschieden den Kopf und steckte ihren Phaser wieder an seinen gewohnten Platz in den Gürtel zurück, jedoch ohne die anderen aus den Augen zu lassen. Es war ein Zeichen, daß selbst sie die augenblickliche Situation nicht lebensbedrohlich fand. Außerdem würde sie auch so den Phaser schnell genug wieder ziehen können, wenn es notwendig war.

"Nein, aus sicherheitstechnischen Überlegungen ist das hier eher ein sehr geeigneter Ort um Ziel für einen weiteren hinterhältigen Anschlag des Saboteurs zu werden. Auch wenn weder Silvana noch ich nicht damit rechnen, daß der Saboteur ein zweites Mal binnen so kurzer Zeit zuschlagen wird. Sonst wäre Silvana auch gar nicht von Bord gegangen und hätte die Überwachung persönlich übernommen. Immerhin wird der Unbekannte sich darauf verlassen haben, daß sein Plan aufgeht.

Und wäre der Aufzug im Falle eines Fehlers doch von einem der Sicherheitssysteme aufgefangen und gebremst worden, dann würde der Captain kaum wieder auf die Brücke gehen, sondern sich eher in sein Quartier zurückziehen oder sich die Bar begeben.

Im Grunde sollte also die Brücke so lange vollkommen sicher sein, wie der Saboteur Zeit für die Planung und Durchführung eines neuen Anschlages hat. Aber bei den vielen Sicherheitsvorkehrungen wäre das im Moment mehr als gefährlich für ihn und das weiß er. Denn von der Planung und Durchführung auf den Attentäter zu schließen, handelt es sich um einen absoluten Profi. Meiner Erfahrung zufolge wird er heute keinen neuen Anschlag mehr wagen, aber geistig wohl schon planen.

Trotzdem sollte man auf Nummer sicher gehen, daß er kein As im Ärmel hat, Sir. Silvana hält es deshalb für angebracht, daß ein Team Ihr Quartier zur Sicherheit untersucht. Mit Ihrer Erlaubnis, Sir...."

Der Captain nickte nur kurz zustimmend aber mit sichtlichem Zähneknirschen, da ihre Ausführungen ihn überzeugt zu haben schienen und sie betätigte daraufhin den Communicator:

"Sadaja an Silvana. Ich habe mit dem Captain gesprochen und schicke jetzt wie befohlen das Sicherheitsteam in das Quartier des Captains um es zu durchsuchen. Sadaja Ende.

Sadaja an Sicherheitsteam Beta. Untersuchen Sie das Quartier des Captains sorgfältig auf jede Art von Sabotage oder Falle. Dieser Auftrag hat Priorität über all Ihren sonstigen Aufgaben." Nach einem Blick auf den Captain, der ziemlich ungehalten aussah, fügte sie hinzu: "Und wehe, das Quartier ist in Unordnung, wenn ihr es verlaßt. Dafür haftet ihr mit eurem Kopf. Sadaja Ende."

Die Ellora nahm nach der Anweisung die gleiche straffe Körperhaltung ein wie zuvor und ihre wachen Augen verfolgten jeden Ansatz einer Bewegung aus den Augenwinkeln. "Da Sie jetzt ohnehin nicht in ihr Quartier können, Sir, würde ich Sie bitten noch kurz zu warten, da Dr. Kargan auf dem Weg hierher ist."

Dann setzte sie ihre gewohnt schweigende Miene auf und ihr mißtrauischer Blick wanderte über die anderen. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach, wovon einige sicher nicht nett waren.

Die Minuten vergingen.

Marc schaute grimmig zu der Sicherheitsoffizierin rüber. 'Warum müssen auf diesem Schiff nur Irre in der Sicherheit arbeiten; abgesehen von Pormas', überlegte er und ließ sich in einer fließenden Bewegung in seinen Pilotensessel fallen.

'Silvana ist ja schon die Krönung. Aber diese ,... wie auch immer die heißt, ist ja noch viel schlimmer. Die ist mit ziemlicher Sicherheit so ein Typ, die morgens zum Frühstück ein paar Nausicaner verspeist.'

Gelangweilt fing Marc an, sich in seinem Sessel im Kreis zu drehen. 360 Grad rechts herum. 360 links herum. Und das gleiche noch einmal. Bis ihm plötzlich eine Idee kam. Schnell stoppte er sein Karussell, sprang auf tippte auf seinen Communikator.

"Tegger an Maschinenraum. Wie sieht es mit einer neuen Navigationskonsole für die Brücke aus? Ohne fliegt sich so schlecht", meinte er und wartete gespannt auf eine Antwort.

Die kam dann auch prompt, aber man hörte gleich, das niemand über diesen Anruf erfreut war. "Hier ist der Maschinenraum. Sorry, aber im Moment haben wir absolut keine Zeit, um uns darum zu kümmern. Oberste Priorität hat der Turbolift. Das verstehen Sie doch sicher?"

"Natürlich. Aber ich hätte trotzdem eine Bitte. Könnten Sie, solange noch nicht die Möglichkeit besteht, eine neue Konsole zu bekommen, mir einfach einen tragbaren Holoemitter hochbeamen? Dann könnte ich so lange wenigstens damit das Schiff steuern. Wäre das machbar?"

Im Hintergrund hörte man plötzlich ein lautes Geklapper und eine Menge Flüche. Dann meldete sich auch wieder die Stimme: "Sobald ich etwas Zeit erübrigen kann, werde ich Ihnen den Holoemitter hoch schicken. Aber ich kann noch keine Zeit nennen. Ist das in Ordnung?"

"Ja, vielen Dank. Sie haben was ...", sagte er, als ihn der andere unterbrach

"Maschinenraum Ende".

'Na ja, die scheinen gerade wenig Zeit zu haben', dachte er und machte es sich wieder im Sessel gemütlich.

--- Stationsbar, Theke

Sternenlicht zu-Srallansre betrachtete Silvana mit seinen runden, türkisfarbenen Augen. Diese Frau hatte ihm, trotz seines Ausrutschers, Freundschaft angeboten, das war außergewöhnlich. Und ihre Aussagen ließen darauf schließen, daß sie bereits mit Sivaoanern Kontakt gehabt hatte. Die Schnurrhaare des Katzenwesens begannen leicht zu zittern, als es wieder das Wort ergriff:

"Ich danke dir für diese Ehre, Silva. Es freut mich, endlich wieder einmal jemanden zu treffen, der schon einmal etwas mit Sivaoanern zu tun hatte. In einem hast du recht: In der Regel versuche ich nicht so ... direkt zu sein. Als Barde sollte ein wenig Diplomatie zu meinen Fähigkeiten gehören. Aber manchmal geht einfach meine Neugier mit mir durch.

Du fragst was ich hier suche, so weit weg von Sivao? Nun," Sternenlichts Blick ging in die Ferne, vorbei an Silvana und den anderen Gästen an der Bar, "zum einen ist da natürlich die Faszination des Alls. Wir auf Sivao wissen einiges über das Weltall und seine Zusammenhänge, aber da wir keine Raumfahrt beitreiben, sind unseren Möglichkeiten Grenzen gesetzt. So finden sich immer mal wieder einzelne Sivaoaner, die für einige Zeit unseren Planeten verlassen.

Dann gibt es noch einige, die Sivao aus anderen Gründen für eine Weile verlassen wollen. Zum Beispiel, um zu vergessen..." Sternenlichts Schnurrhaare hatten aufgehört zu vibrierten, ihre Spitzen waren in den letzten Sekunden mehrere Zentimeter nach unten gerutscht. Für ein paar Sekunden blieb sein Blick in der Ferne auf einem unbekannten Ziel hängen, dann schüttelte er den Kopf und sah Silvana wieder an.

"Wieder andere sind auf der Suche nach neuen Geschichten, die man auf Sivao erzählen kann. Dies ist der Grund, warum ich versuche, an privaten Schiffen anzuheuern. Nur suchen die wenigsten Händler einen Wissenschaftler. Ich bin schon gespannt auf das Schiff, Silva. Mit jemandem wie dir an Bord wird es sicher niemals langweilig."

Erwartungsvoll blickte Sternenlicht Silvana jetzt wieder direkt in die Augen: "Erzähl mir doch bitte ein wenig über dieses Schiff, die Privateer. Du sagtest, ihr hättet schon einmal einen Sivaoaner an Bord gehabt?"

Die Reaktion von Sternenlicht, als er davon sprach, daß manche von Sivao weggingen um zu vergessen, war für Silvana eindeutig gewesen. Ihr raubtierhafter Instinkt sagte ihr, daß genau das sein Antrieb gewesen sein mußte um seiner Heimat den Rücken zu kehren. Es schien ein sehr tragischer Vorfall gewesen zu sein, wenn er immer noch traurig wurde, wenn er bloß daran dachte.

Trotzdem hatte er sie in dem Glauben gelassen, daß sein Antrieb lediglich daraus bestand neue Geschichten als Barde zu suchen, die man auf Sivao erzählen konnte. Dabei hatte sie das untrügliche Gefühl, daß er Sivao für immer den Rücken gekehrt hatte und gar nicht mehr zurück konnte.

"Barde?", fragte Silvana deshalb zurück, bevor sie auf seine eigentliche Frage einging und lächelte um ihn auf andere Gedanken zu bringen. "Dachte ich es mir doch, daß du keiner dieser trockenen Wissenschaftler bist. Schade, daß deine Dienste als Barde wohl auf keinem Schiff gebraucht werden. Ich denke auch mit einem Mann wie dir an Bord kann einem gar nicht langweilig werden. Wahrscheinlich kennst du viele Geschichten."

An Sternenlichts Reaktion erkannte sie, daß es tatsächlich so war. Er schien sogar schon darauf zu brennen, bis er ihr die erste würde erzählen können. Seine Schnurrbarthaare zitterten schon erwartungsvoll und doch ließ er sie weitersprechen. Höflichkeit schien ihm angeboren zu sein.

"Über die Privateer gibt es eigentlich gar nicht so viel zu erzählen. Slade, der Captain, ist voll in Ordnung und einer der wenigen den ich wirklich respektiere. Immerhin habe ich mit ihm gekämpft und konnte keinen Sieg erringen. Um ein Haar wären wir wohl beide drauf gegangen. Das war vielleicht ein Spaß." Beim Gedanken daran mußte sie lächeln. Es war etwas woran sie noch immer gerne zurück dachte. Slade teilte ihren Humor in dieser Hinsicht nicht so ganz, auch wenn er ihn mit zunehmenden Abstand immer mehr teilte.

"Die Geschäfte, die Slade macht, lassen sich nicht immer mit dem Gesetz vereinbaren, aber dafür erlebt man wirklich wahnsinnig viel an Bord seines Schiffes. Bei Gelegenheit muß ich dir mal erzählen, wie wir eine Art Insektenplage an Bord hatten, das größte Teil davon war mannshoch, durch einen defekten Tarnfeldgenerator in die Vergangenheit geschleudert wurden, wo wir fast einen Krieg entfacht hätten und ein Bioschiff ausgebrütet haben, daß unseren Cheftechniker mit auf Reise genommen hat. Das ergäbe sicher einige gute Geschichten für dich als Barde.

Aber du wolltest ja etwas über den Sivaoaner der Privateer wissen", fand sie zum eigentlichen Thema zurück. "Plüschohr oder Raschkralle zu Lorien, wie sie sich nannte. Nun es war eine alte äußerst kleine räudige Katze, die überhaupt nichts auf Fellpflege hielt und unheimlich schlecht aus dem Maul roch. Sie war eine hervorragende Pilotin, aber sehr überzeugt von sich, ihrem Können und ihren messerscharfen Krallen.

Zu sehr. Weswegen sie jetzt auch tot ist." Als wäre das Thema damit für sie beendet, wandte sich Silvana abrupt an den Ferengi, der sie mit seinen kleinen Augen profitsüchtig fixierte.

"Einen Milchshake für mich und meinen Freund. Für mich mit dem Geschmack tropischer Ananas." Dann wandte sie sich an Sternenlicht. "Und für dich auch mit Ananas oder darf es etwas anderes sein?"

"Ananas habe ich bisher noch nicht versucht. Warum eigentlich nicht," erwiderte Sternenlicht auf Silvanas Frage. Der Ferengi murmelte etwas Unverständliches in seiner eigenen Sprache und bewegte sich in Richtung Replikator.

Der Sivaoaner betrachtete Silvana nachdenklich. Diese Frau war voller Überraschungen. Was ihn innerlich ein wenig schockiert hatte, war die Gewaltbereitschaft, die sie an den Tag zu legen schien. Er war jetzt mehr denn je davon überzeugt, daß sich hinter der menschlichen Hülle nur sehr wenig Mensch, aber dafür sehr viel Raubtier versteckte. Eine ungewöhnliche Mischung in seinen Augen, und dazu gefährlich.

"Bei dem was du erzählst, kann ich mir vorstellen, warum Raschkralle zu-Lorien Sivao verlassen hat. Sivaoaner dieser Sorte haben es in der Regel schwierig, sich auf Sivao zurechtzufinden. Wer seinen Platz in der Gesellschaft nicht sucht und findet, hat ein Problem." Nachdenklich blickte Sternenlicht auf die Tischplatte vor ihm. "Mich würde interessieren, ob sie gewandert ist."

In diesem Moment brachte der Ferengi die beiden Milchshakes. Gierig beobachtete er Sternenlicht, der aus einer gut verborgenen Tasche aus Fell an seiner Taille einen Streifen Latinum herauszog. Sternenlicht hielt ihm den Streifen hin und sagte fauchend: "Die gehen zusammen. Und denk ja nicht daran, Trinkgeld abzuziehen." Irgend etwas von einer Profitregel murrend gab er der Raubkatze sein Wechselgeld zurück.

Prüfend sog Sternenlicht den Geruch des Getränkes ein. Sekunden später neigten sich seine Schnurrhaare nach vorne: "Das riecht doch schon mal nicht schlecht. Auf dein Wohl, Silvana."

--- Privateer, vor der Tür der Krankenstation

Nach einiger Zeit kamen die beiden Mediziner zu der Türe eines Turboliftes, die Dr. Kargan jedoch im wahrsten Sinne des Wortes links liegen ließ, um weiter dem Gang zu folgen.

'Richtig, der Lift zur Brücke ist ja nicht funktionsfähig", dachte die Indianerin dann um sofort zu fragen: "Wie wollen Sie eigentlich auf die Brücke gelangen, wenn der Lift nicht funktioniert? Sie hatten zwar vorhin schon angedeutet, daß es eine weitere Möglichkeit gibt, diese zu erreichen, aber ich bin deswegen nicht wirklich schlauer..."

Der Klingone warf keinen einzigen Blick zu ihr hin, während er beim Weitergehen erklärte: "Es gibt ein System aus Röhren, die eigentlich für Wartung und Reparaturen konzipiert wurde, welches man aber auch gleichermaßen als Fortbewegungsmittel der unbequemeren Art verwenden kann: Die Jeffries- Röhren. "

Eigentlich wollte der Doktor noch weitersprechen, aber er verhielt plötzlich den Schritt und machte sich an der Wand zu schaffen. Kurze Zeit später zeigte sich eine Öffnung in der Wand. "Hier zum Beispiel haben wir solch eine Röhre..."

Nachdem er sich hineingeschwungen hatte, kroch Kargan etwas in die Röhre hinein und wartete, daß Tayeya ihm folgte.

--- Brücke

Slade drehte sich überrascht zu seinem Piloten um. Nun ja, er besaß offenbar Initiative und Einfallsreichtum, denn auf die Idee mit dem Holoemmitter wären nicht viele Leute gekommen.

Zuerst hatte der Captain einwenden wollen, daß bei einem Energieausfall des Generators das Schiff steuerlos wäre. Allerdings fiel ihm noch rechtzeitig ein, daß im Falle eines Energieausfalles das Schiff sowieso in ernsten Schwierigkeiten wäre.

Trotzdem war er nicht mit Teggers Plan einverstanden, weil er einfach nicht genug Weitsicht zeigte und zudem noch zu kompliziert war. Slade dachte mehr ... geradlinig.

Deshalb schaute er Tegger an, lächelte, und stellte erneut eine Verbindung zum Maschinenraum her:

"Slade an Xiang. Wann ist der Lift wieder einsatzbereit? Ich möchte nämlich so schnell wie möglich wieder starten."

Die zarte Stimme des Asiaten meldete sich: "Captain, wir tun was wir können. Wenn wir eine Nachtschicht einlegen, haben wir morgen Mittag eine neue Gondel installiert."

Der Anticaner erinnerte sich an zu Hause. Es war ein wunderbares Gefühl, Beute in Sicherheit schweben zu lassen und dann überraschend zuzuschlagen.

"Mit anderen Worten, morgen um 12 Uhr können wir starten?" Slade lauerte direkt.

"Sicher, Sir, äh, Slade."

"Gut." Der Captain war zufrieden, die Beute geschlagen. "Da zu einem startklaren Schiff eine Steuerkonsole und kein Holoimitat gehört, gehe ich davon aus, daß spätestens morgens um 12 eine solche auf dem Pilotenplatz steht. Ich bedanke mich. Slade Ende."

Zähnefletschend blickte er Tegger an und meinte trocken: "So macht man das. Brauchst du deine Holokonsole noch? Starten werden wir sowieso erst dann, wenn der Lift wieder intakt ist."

Noch bevor Tegger antworten konnte, blinkte ein Licht auf Slades Konsole. Als dieser sah, wer ihn zu sprechen wünschte, rieb er sich die Hände.

"Einen kleinen Moment, ich brauche jetzt alle Konzentration für meinen Versicherungsmakler. Wenn ich gut bin, bedeutet das ein gehöriges Plus auf meinem Konto. Also Ruhe bitte."

--- Narbos Bar, Tisch 5

Der Kaffee schmeckte scheußlich, außerdem war Collins müde und ein wenig erschöpft.

"Willst du nicht mal die Bar aufmachen? Du bist doch der neue Barkeeper, nicht wahr? Hab dich doch gestern hier gesehen."

Jack hob den Kopf und sah zu den Mann auf, der ihn angesprochen hatte. Knappe zwei Zentner Terranerfleisch, gut durchtrainiert sahen den Psychologen abwartend an.

"Stimmt, ich helfe hier manchmal aus. Aber erst heute abend", sagte der Psychologe freundlich zu den Mann, den er heute schon einmal auf der Krankenstation gesehen hatte.

"Och nee! Hör zu, ich habe heute Geburtstag! Das Reinfeiern mußte ich ja heute Nacht abbrechen", er rieb sich seinen rechten Arm. "Nen kleinen Drink könnte ich schon jetzt vertragen. Also, mach schon!" Der Mann sah abwechselnd auf die Leute, die jetzt alle etwas ruhiger wurden und auf Jack.

Collins überlegte, atmete dann tief ein und stand auf. "Okay, einen Drink! Aber nur für dich und nur weil du Geburtstag hast, klar? Das Feiern kannst du heute Abend nochmal versuchen."

Obwohl der Psychologe stand, konnte ihn der Mann immer noch von oben anblicken. "Du bist nicht zufällig bei der Sicherheit?", fragte Jack, als sie in Richtung Theke gingen.

--- Theke

"Sicherheit? Nö! Ich gehöre zu Ladecrew, wir sind für die Ladung verantwortlich. Man nennt mich Hawk." Lässig lehnte er sich gegen die Theke, während Jack dahinter ging.

"Hawk, hm? Okay, Hawk, ein Problem gibt es. Ich komme nicht überall ran. Das bedeutet, du kannst nur das trinken, was ich finde." Collins taxierte den Hünen und entschied, daß dieser zur gutmütigen Sorte der Muskelprotze gehörte.

"Na gut, habe eh noch Schicht gleich. Was hast du denn anzubieten?" Neugierig blickte der Mann hinter die Theke.

Das Lager hinter der Theke war verschlossen, blieben also nur die Fächer und Schränke vom Tresen. In der dritten Tür standen ein paar Flaschen. Collins griff mit der linken Hand hinein und spürte dabei ein leichtes Kribbeln in der Hand.

"Du scheinst die Tricks dieses Halsabschneiders von Ferengi ja schon gut zu kennen!", sagte Hawk leicht grinsend. "Ich wäre mit Sicherheit schon in die Luft geflogen!"

Ein siedendheißes Gefühl des 'Etwasvergessenhabens' überkam Jack mit einem Mal. Dieses Kribbeln war eindeutig ein Kraftfeld, von sehr geringer Stärke.

"Verdammte Sch....!", fluchte der Psychologe. "Mußtest du jetzt Narbo erwähnen? Sieh zu, daß du den Laden leer bekommst. Ich bin in eine seiner dämlichen Fallen geraten!"

Hawks Augen wurden groß und er fing an zu lachen. "Bombenalarm!", schrie er und die Leute fingen an, panikartig die Bar zu verlassen. Aber immer noch so geordnet, als wenn sie es gewohnt wären.

Mit der rechten Hand fummelte Collins seinen Tricorder aus der Tasche und scannte den Schrank. "Ein bißchen diskreter wäre auch nicht schlecht gewesen!" , sagte er böse zu Hawk, der immer noch an der Theke stand und ihn scheinbar belustigt beobachtete.

"Mit dem Griff durch das Kraftfeld habe ich den Sprengsatz aktiviert, wenn ich sie rausziehe, egal wie schnell, ist sie weg!", murmelte Jack mehr zu sich selbst. Es war klar, daß der Ferengi nicht die ganze Bar in die Luft jagen würde, sondern nur denjenigen, der etwas stehlen wollte.

Widerwillig aktivierte Jack seinen Communicator. "Collins an Narbo! Ich würde gerne deinen Profit etwas erhöhen: Leider stecke ich in einer deiner sch... Fallen. Also, willst du Profit, dann sage mir wie ich hier rauskomme." Im Geiste konnte Collins sich vorstellen, welche Befriedigung der Ferengi jetzt empfinden würde.

"Raus hier komme ich bestimmt!", setzte Collins nach. "Da wird aber einiges bei kaputt gehen!"

--- Brücke, eine heftige Verhandlung später

Slade lächelte zufrieden und richtete seine Aufmerksamkeit auf Narbo, dessen Communicator sich meldete.

Grinsend wandte sich Narbo von dem Captain und diesem jungen Wilden ab, während eine Aura der Irritation in deren Gesichtern zu sehen war. Der Ferengi marschierte mit einer gewaltigen Freude und absichtlich so bedächtig wie möglich zu einer der hinteren Stationen und deaktivierte mit spielerischer Leichtigkeit die allzu offensichtliche Falle.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis Collins in wesentlich raffiniertere Situationen kam. 'Mir soll es egal sein!', dachte er immer noch grinsend und antwortete schließlich mit triefendem Spott in der Stimme:

"Mensch, du kannst jetzt deine Hand wieder zurückziehen, aber bitte frag doch nächstes Mal, bevor du so ungeschickt ins offene Messer läufst. Es gibt auch Fallen, die sofort zuschnappen könnten!"

Die Drohung in seiner Stimme war unüberhörbar und durch den Communikator hörte er eine lachende Stimme im Hintergrund, auf die Collins leicht grummelnd zu reagieren schien.

"Jedenfalls habe ich für heute Abend erstmal alle Sicherheitsmaßnahmen deaktiviert. Narbo Ende", schloß er schließlich die Verbindung und ging zu Slade zurück.

Ehe Slade noch eine Bemerkung machen konnte, öffnete sich erneut die Wand und Kargan hüpfte heraus. In seinem Schlepptau hatte er eine etwas ... seltsam aussehende Frau.

Slade war etwas enttäuscht: "Kargan, den Auftritt mit den Jeffriesröhren hatten wir doch schon. Ich hatte gehofft, daß du dir war Neues einfallen läßt. Was gibt's denn?"

Der Angesprochene ignorierte den Witz, den er ohnehin nicht verstand und antwortete: "Och, nichts Besonderes. Ich wollte Tayeya eigentlich nur einmal die Brücke zeigen, und ich dachte, es wäre ein guter Vorwand, wenn sie den Captain ein wenig untersuchen würde. Keine Angst, tut nicht weh, und sie singt bei weitem nicht so laut wie ich."

--- Narbos Bar, hinter der Theke

Das Kribbeln an seinem Arm war weg und Jack zog seine Hand vorsichtig aus dem Schrank, nicht ohne diesen vorher nochmal gescannt zu haben.

"Findest du nicht, du solltest jetzt aufhören zu lachen?", fragte der Psychologe, den immer noch breit grinsenden Menschen.

"Tschuldigung", antwortete Hawk. "Nicht schlecht, du bist meines Wissens erst der Zweite, der sich unverletzt aus einer dieser Fallen befreit hat, das soll schon was heißen."

Collins grinste schief und holte die Flasche aus den Schrank. Aus dem Regal nahm er zwei Gläser und machte sie mit der giftgrünen Flüssigkeit voll. "Dir ist klar, daß du den ausgibst, oder?"

"Wenn es sein muß! Also dann!" Hawk prostete dem Psychologen zu und beide leerten die Gläser in einem Zug.

"Nicht schlecht!" Jack blieb fast die Luft weg.

"Aldebaran Whisky", sagte Hawk. "Schmeckt wie selbstgebrannt, oder so."

"Oder so vergiftet!", setzte Collins nach und beide fingen laut an zu lachen, obwohl diese Vermutung ohne weiteres hätte zutreffen können. Narbo konnte man alles zutrauen.

"So, ich muß jetzt mal los!", sagte Hawk, nachdem er bezahlt hatte. "Heute abend geht es dann weiter! Und immer schön die Finger aus den Schränken raushalten!", laut lachend ging der Terraner zum Ausgang.

Ha..., Ha...!", grummelte Collins. "Sehr witzig."

Er sah sich um, ein paar von den vorhin Geflohenen waren inzwischen wieder hereingekommen. Jack spülte die Gläser und replizierte sich noch einen Kaffee. Ein paar Gespräche flammten auf und der Psychologe bemühte sich gut hinzuhören, vielleicht bekam man ja durch Zufall etwas mit, was man in einen Zusammenhang mit dem Anschlag bringen konnte.

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