--- Privateer, Shuttlerampe
"Silvana an Kal'chi, wie lautet dein Bericht?", ertönte es plötzlich aus dem Communicator des Klingonen und dieser wurde kreidebleich im Angesicht seines Versagens: Er war bereits seit einer halben Stunde auf der Jagd gewesen, hatte aber keinen Beweis oder einen Grund für die schmerzhafte Hinrichtung des Ferengi gefunden.
Er grollte leise, besann sich dann aber wieder auf die geöffnete Comm-Verbindung. Gerade wollte er zu einer beschwichtigenden Antwort ansetzen, als die dominante Stimme seiner Chefin wieder erklang:
"Egal, wir beide haben nun andere Prioritäten", unterbrach sie ihn und ihre Stimme klang jetzt viel lustvoller, "grrrr, wie wäre es wenn du mich besuchen kommst?! Das war ein Befehl!"
Kal'chis Lippen vibrierten leise als auch er anfing zu knurren und Silvana mit einem herausfordernden Kommentar die Verbindung beendete. 'Sie ist an mir, Kal'chi Sohn des Chi'par, interessiert und will meine Gefährtin werden!', atmete er den Ruhm stolz ein.
Ein großer Tag für seine Familie und keine dreißig Sekunden später, hatte er die Shuttlerampe verlassen, um zu seiner Geliebten zu eilen...
--- zeitgleich im Raum 85, Deck 8
Vor Schadenfreude grinsend sah Narbo mit Genugtuung, wie sich das Signal des Klingonen auf seinem Tricorderdisplay immer weiter von der Shuttlerampe entfernte. Sein Plan hatte funktioniert und es würde nie Beweise für die von ihm inszenierte Comm-Unterhaltung zwischen den beiden Turteltäubchen geben.
Begierig rieb er sich die Hände und verließ das unbewohnte Quartier direkt neben dem Hangar und betrat das große Landedeck...
--- Shuttlehangar
Schnell schaute sich Narbo um und stellte zufrieden fest, daß er allein war - wahrscheinlich hätte auch keine Lebensform jemals so leise sein können, daß er sie nicht hörte. Andererseits war Vorsicht nie verkehrt und hatte ihn schon vor so machen Problemen bewahrt.
--- Shuttle Gint
Während er sein Shuttle entriegelte und die gut verstaute Ladung sofort inspizierte, war er in Gedanken bereits bei dem nächsten Schritt seines Plans: Dem Anlegen neuer Subroutinen für den Personentransporter seines kleinen Schiffes. Seine Erfahrung hier an Bord würde ihm ungemein helfen und so würde es ihm möglich sein, ständig auf den Inhalt seines Shuttles zuzugreifen. Gleichzeitig wurde aber auch ein Beamen von Humanoiden über den Transporter des Shuttles unmöglich.
'Ein kleiner Preis!', dachte er abschätzend und kurze Zeit später war auch dieser Teil seines Plans gelöst und er begann eine automatische Botschaft aufzuzeichnen, die jeder, der auch nur ansatzweise versuchte an seinem Shuttle herumzufingern, hören würde:
"Achtung: Unterlassen Sie Ihre dummen Versuche die Sicherheitsmaßnahmen zu überbrücken, oder die gesamte Ladung des Shuttles wird in 10 Sekunden detonieren!"
--- Deck 8, Gänge, Weg zum Shuttlehangar
"Im Übrigen verlange ich von meinen Leuten vollen Einsatz. Das bedeutet auch in Situationen die dringendes Eingreifen erfordern , daß gehandelt wird und Befehle befolgt werden, statt lange Rückfragen zu halten. Da kann ich nämlich ziemlich wütend wer..." Der Communicator unterbrach Silvanas Ausführungen, bevor Pormas und sie den Hangar erreichten.
"Automatische Nachricht des Notfallsystems 2664. Wortlaut: technischer Defekt in Turboliftschacht 1. Bitte weitergehende Maßnahmen ergreifen. Informiert wurden Raoul Severin, Captain Slade, Lin Xiang, Silvana Farnside und Dr. Kargan."
"Verdammt", fluchte Silvana und führte ihr Selbstgespräch weiter. "Was interessiert mich ein technischer Defekt eines Turbolifts? Bin ich Techniker? Gefahr erkannt, Gefahr gebannt heißt es doch so schön. Also was hat da noch die Sicherheit damit zu tun, außer herauszufinden, daß es an unfähigen Technikern lag?"
Ungehalten seufzte die raubtierhafte Frau auf. Sie haßte es, wenn ihre Pläne durchkreuzt wurden und sie wieder umdisponieren mußte.
"Pormas, du kommst mit mir mit", meinte sie und wandte sich dann zum Gehen. Anschließend hielt sie wieder an. "Warte mal...
Computer, wo befindet sich zur Zeit Crewmitglied Narbo?"
"Crewmitglied Narbo befindet sich zur Zeit in dem Hangar", gab der Computer monoton zur Antwort.
Silvanas Pupillen wurden schmal. Legte es dieser kleine Ferengi doch tatsächlich wieder darauf an, Ärger zu machen. Sie glaubte nicht daran, daß er nur dort war um zu fragen, wann er wieder sein Shuttle betreten durfte. Sein Shuttle der Sonderklasse, das mehr als nur Katzenschwänze anbrennen konnte.
Wenn er nicht irgend etwas geplant hätte, dann wäre er kaum in den Hangar gegangen, statt sich bei ihr persönlich aufzuregen, warum ein armer Ferengi daran gehindert wurde sein Eigentum zu betreten und mit dem klingonischen Wächter würde er kaum ein interessantes Pläuschchen führen.
"Ich hab es mir überlegt, Pormas. Narbos Shuttle steht noch immer unter Bewachung, da ich ihm nach dem Vorfall von gestern noch immer nicht ganz traue. Außerdem ist sein Shuttle strengstens von ihm gesichert und wohl vollgestopft mit solchem Zeug, das Dimensionslöcher öffnen könnte." Süffisant verzog sie den Mund bei dem Gedanken, was für Schätze er wohl noch vor ihr verbergen würde. Sicher hätte sie alles beschlagnahmen können, aber sie war eine Jägerin und es lag ihr nicht, Beute kampfunfähig zu machen.
"Du kannst ja mal dein Können unter Beweis stellen und dich unbemerkt heranschleichen. Ich möchte wissen, was der Ferengi vorhat. Wenn er Dummheiten macht, dann klopf ihm ruhig gehörig auf die Finger und hüte dich davor den Inhalt seiner Stiefel zu unterschätzen. Inzwischen seh ich mir die Sache mit Lift an." Damit verschwand Silvana fast lautlos und mit ziemlichen Tempo um die nächste Ecke.
Noch während des Laufens befahl sie: "Computer spezifiziere den Defekt an Turbolift 1."
"Jean Luc an Miss Farnside: Bei dem Defekt an Turbolift 1 handelt es sich im weiteren Sinne nur um einen Defekt. Eigentlich haben wir die ganze Kapsel verloren und der Captain und ich sitzen hier auf der Brücke gefangen. Ein Attentäter muß sich am Turbolift zu schaffen gemacht haben. Eine andere Erklärung gibt es nicht für das einheitliche Versagen aller Notsysteme. Die Kapsel dürfte ungesichert von der Brücke in freiem Fall nach unten gefallen sein, samt den beiden Passagieren Selmak Tabo und Helen Ramirez.
Und falls Pormas noch immer bei Ihnen ist, dann richten Sie ihm doch bitte schöne Grüße von mir aus und er soll nicht böse sein, daß..."
"Silvana Ende", raunte die Sicherheitschefin und beschleunigte ihr Tempo. Ziel: Turbolift 1.
Mürrisch schaute Pormas Silvana hinterher. Einen Ferengi von hinten überraschen! Was noch? Die Privateer an einem Seil zur Erde ziehen? Zwei Sachen hatte der große Südländer in seiner Zeit als Berufs-Attentäter gelernt:
Nichts ist schwieriger zu schnappen, als ein paranoider Ferengi.
Und:
Alle Ferengi sind paranoid.
Auf dem Schiff ist ein Notfall und er durfte den Kammerjäger spielen... 'Hilft nix', resignierte der Südländer und ging über zu seiner üblichen Aufklärungsroutine.
Als Erstes rief Pormas eine Karte des Hangars an der Korridorwand auf und ließ sich die Gegebenheiten, wie Luftschächte und Regale aufzeigen. Sehr aufschlußreich war diese Skizze nicht gerade, aber zumindest erkannte er ein paar Schlupfwinkel für sich versteckende Ferengi.
"Computer, befinden sich noch weitere Personen im Shuttlehangar?", fragte Pormas beinahe gleichgültig.
"Es befindet sich keine weiteren Personen auf dem Shuttlehangar", antwortete der Computer.
"Ist sonst irgend etwas Anormales zu registrieren?"
"Negativ", war die Antwort.
'War ja klar...', dachte sich der Südländer ohne Verwunderung.
--- Deck 8, Gänge, Weg zum Turbolift 1
"Sicherheitsteam Delta zum Turboliftschacht 1. Sofort!", bellte Silvana in ihren Communicator, während sie im Geist eine Liste möglicher Attentäter durchging. An oberster Stelle Narbo, dessen gestriger Angriff nichts weiter als ein Ablenkungsmanöver gewesen sein konnte. Außerdem waren alle Neuen an Bord besonders verdächtig. Gleich danach kam der Rest.
Außer ihr und Slade.
Korrektur: Außer ihr.
Denn Slade hatte die Nachricht wie immer zuerst an seinen Versicherungsagenten geschickt. Hatte er nicht mal etwas davon verlauten lassen, daß Turbolift 1 ständig Probleme machte und nicht mal eine Wartung ihn mehr so richtig in Gang brachte...?
Na, der konnte etwas erleben, wenn er damit zu tun hatte. Wenn es hier an der Sache etwas zu verdienen gab, dann hatte sie als seine rechte Hand und Sicherheitschefin auch ein Stück von dem Kuchen zu bekommen.
--- Krankenstation
"Automatische Nachricht des Notfallsystems 2664. Wortlaut: technischer Defekt in Turboliftschacht 1. Bitte weitergehende Maßnahmen ergreifen. Informiert wurden Raoul Severin, Captain Slade, Lin Xiang, Silvana Farnside und Dr. Kargan."
Letzterer verzog leicht das Gesicht. Der Tag hatte recht gut angefangen, die neuen Leute waren allesamt keine Stümper und hatten sich bei dem erwarteten Massenansturm gut bewährt.
Aber "Technischer Defekt" konnte alles heißen, von einer simplen Funktionsstörung, bei der die Insassen nur ein wenig durchgeschüttelt worden waren, bis zu einem Absturz einer Kapsel.
"Computer, definiere die Schwere des Problems", sagte Kargan, während er seine Arzttasche öffnete.
"Jean Luc an Kargan." Dieser verdrehte die Augen. "Das gleiche hat mich schon Miss Farnside gefragt, und ich kann Ihnen nicht mehr sagen als ihr. Bei dem Defekt an Turbolift 1 handelt es sich im weiteren Sinne nur um einen Defekt. Eigentlich haben wir die ganze Kapsel verloren und der Captain und ich sitzen hier auf der Brücke gefangen. Immerhin hat sich bisher noch niemand die Mühe gemacht, uns hier herauszuholen. Ein Attentäter muß sich am Turbolift zu schaffen gemacht haben. Eine andere Erklärung gibt es nicht für das einheitliche Versagen aller Notsysteme. Die Kapsel dürfte ungesichert von der Brücke in freiem Fall nach unten gefallen sein, samt den beiden Passagieren Selmak Tabo und Helen Ramirez.
Ein Glück, daß Pormas nicht mit dabei war, so einen netten Menschen werde ich wohl so schnell nicht mehr kennenlernen, und..."
Hm. Kargan überlegte. Dann kam er zu dem Schluß, daß er zwar für die Beiden wohl zu spät kommen würde, aber die Bergungsmannschaften sich verletzen könnten. Deshalb packte er in seine Tasche zusätzliche Medikits.
Bevor er zum Lift ging, hatte er noch eine Idee. Wenn es dort drin wirklich so schlimm aussehen würde, wie er es sich vorstellte, dann würden bestimmt einige Leute des Sicherheitsteams psychologische Hilfe benötigen.
Deshalb machte er noch einen schnellen Abstecher zu dem neuen Psychologen.
--- Büro des Psychologen
"Mitkommen!" Kargans Stimme war unüberhörbar. "Es hat einen Unfall gegeben. Leute, die den Anblick einer Leiche nicht gewöhnt sind, könnten deine Hilfe brauchen!"
Collins schaute etwas verwundert von seinem Schreibtisch auf. Dann begriff er den Ernst der Lage und kam mit.
--- Deck 5, Gänge
"Seit wann duzen wir uns?", fragte der Psychologe den Chefarzt. "Und warum gehen wir zu diesem Turbolift? Der andere ist doch näher!"
Kargan antwortete: "Es ist momentan nicht ratsam, den anderen Turbolift zu nehmen. Und duzen tun wir uns seit jetzt."
--- Deck 5, vor Turbolift 2
"Deck 1", befahl Kargan, um daraufhin gleich den Lift wieder zu verlassen.
Den fragenden Blick des Psychologen beantwortete Kargan mit: "Ich will testen, ob dieser Lift noch funktioniert. Wenn einer schon defekt ist, können es auch mehrere sein. Bin ich Techniker oder Arzt?"
Mit einer Handbewegung rief er den Lift ein weiteres Mal.
--- Deck 8, Gänge
Nachdem Silvana sich davon überzeugt hatte, daß sie keiner belauschte und ihre Männer sie abschirmten, erzählte sie Jack alles.
"Es scheint ein Saboteur an Bord zu sein, aber bis wir alles geklärt haben, ist es ein gewöhnlicher technischer Defekt gewesen. Sonst haben wir hier bald eine Massenhysterie und jede Menge Chaos. Also bitte ich dich, darüber zu schweigen und die Leute weiter in Sicherheit zu wiegen. Die Techniker werden bald die Ursache herausgefunden haben und früher oder später wird der Saboteur sich verraten." Sie dachte einen Moment darüber nach, ob alles gesagt wurde, dann setzte sie hinzu: "Diese Ramirez... war sie die kleine Schwarzhaarige mit den Sommersprossen?"
Der Psychologe nickte nur wortlos. Ihm schien fiel im Kopf herumzugeistern. Vielleicht konnte er es auch nicht gutheißen, daß der Besatzung die drohende Gefahr einfach verschwiegen wurde. Aber mit Panik war niemand geholfen.
"Dann haben wir wohl ein kleines Problem. Sie war doch die Freundin von diesem... Pormas... oder?" Ihre gelben Augen fixierten Jack, der rein mechanisch bejahte. "Momentan hängt Pormas mit einem Auftrag ebenfalls auf diesem Deck bei den Shuttles herum. Es wäre vielleicht gut, wenn du ihm die Sache beibringen könntest. Ich glaube nicht, daß er meine Art Humor verstehen würde und dich kennt er."
'Ach, übrigens Pormas, der kleine Defekt war doch ein Totalverlust der Liftkapsel. Gute Nachricht, du bist seit eben wieder Single...'
--- Deck 5, Tayeyas Quartier
'So, das wäre auch geschafft', dachte Tayeya und sah zufrieden an sich hinunter. Sie hatte die blutverschmierte Tunika gewechselt und sich dann sofort daran gemacht, das Blut zu entfernen, denn wenn man so etwas nicht sofort aus dem Leder entfernte, würde es seine Geschmeidigkeit verlieren und wäre verdorben. Und Tayeya hatte keine Lust, sich hier an Bord dieses Schiffes neue Kleidung anzufertigen - womöglich auch noch aus repliziertem Leder. Dieser Gedanke ließ der Indianerin einen Schauer den Rücken hinunterrieseln.
Schließlich öffnete sie die Türe des Quartiers und trat auf den Gang hinaus, um wieder in die Krankenstation zurückzukehren.
--- Shuttle Gint
Zufrieden wollte der Ferengi sein Shuttle wieder verlassen und würde plötzlich auf ein schabendes Geräusch aufmerksam: Jemand versuchte durch einen Versorgungsschacht die Rampe zu erreichen!
Narbo rechnete sich sofort aus, was es bedeuten würde, wenn er in seinem Shuttle erwischt werden würde und biß seine scharfkantigen Zähne klirrend zusammen. Er mußte sofort verschwinden!
--- Deck 8, Shuttlehangar, im Luftschacht
'Aahh... da ist ja das Ferengi Shuttle...' Pormas überlegte fieberhaft, was er machen sollte. Der Klingone auf der Brücke, der Narbo überwachen sollte war wirklich nicht da und Narbo war auch nicht mehr zu sehen. Schnell robbte der Südländer weiter, als auch schon der Ferengi aus dem Shuttle stürzte.
Leider hatte Pormas nur eine Waffe mit, abgesehen von einem schmalen Nahkampfmesser im Stiefel. Einen Phaser Typ 1 der Sternenflotte, aus alten Zeiten. Das Einzige was er mit ihm anfangen konnte, war einen leichten Betäubungsschuß abzugeben.
Hätte dieser Phaser mehr Energie, würde er sofort von den internen Sensoren entdeckt worden. 'Ab Morgen nehme ich wieder meinen schönen alten Blaster mit', nahm Pormas sich fest vor.
Aber in dieser Situation, tat er das einzig Mögliche... der Südländer gab einen gezielten Schuß auf das Bein des eilenden Ferengi ab, trat das Schachtgitter aus der Verankerung und machte eine Rolle in die Richtung des Ferengi.
"Ok, Narbo. Es ist aus! Gib mir das Padd und beweg dich nicht von der Stelle!"
Gelassen trat Pormas auf den am Boden liegenden Ferengi zu. Sein unerwarteter Schuß hatte ihn unverhofft aus der Bahn geworfen. Ruhig zielte der Sicherheitsmann immer noch mit dem Phaser auf Narbo, als die Beiden nur noch 5 Meter trennten.
Und dann erklang eine Stimme, die das metallische Klirren eines zu Boden gefallenen Gitters übertönte und von einem auf ihn gerichteten Phaser in ihrer Wichtigkeit noch unterstrichen wurde...
"Ich sagte PADD her!"
--- Deck 8, bei Turbolift 1
Als Silvana ankam, standen schon eine Menge Schaulustiger am Ort des Geschehens. Warum war eigentlich immer jemand in der Nähe, wenn so etwas passierte, der die Sache zusätzlich aufbauschte und dafür sorgte, daß eine Massenhysterie an eifrig durcheinander gackernden Hühnern ausbrach?
Während die raubtierhafte Frau sich einen Weg durch die Menge der gaffenden und aufgeregt diskutierenden Zuschauer bahnte und dabei nicht gerade zimperlich zu Werke ging, trafen auch schon ihre drei Sicherheitsleute, die sie als "Team Delta" eingeteilt hatte, am Ort des Geschehens ein.
"DU machst den Technikern Beine, daß sie mir Bericht erstatten, wenn sie herausgefunden haben, warum die Sicherheitsprogramme versagt haben und besorgst mir alle Wartungsberichte des Turbolifts, die Akte von den beiden Opfern Helen Ramirez und Selmak Tabo... und die Höhe, mit der wir versichert sind", fügte Silvana nach einer kurzen Pause hinzu. "Bring alles in mein Quartier. Danach überwache die Untersuchungen der Techniker.
DU und DU, ihr sorgt dafür, daß die Leute wieder an die Arbeit gehen und mir niemand auf den Kopf fällt, wenn ich da runtergehe. Das hab ich nämlich überhaupt nicht gerne. Habt ihr alle verstanden was eure Aufgabe ist?"
Die drei Männer nickten zustimmend und während einer sich auf den Weg machte um dem Maschinenraum einen Besuch abzustatten und danach den Computer zu durchforsten, nahmen die beiden anderen ihre Arbeit auf und machten die Umstehenden ziemlich handgreiflich darauf aufmerksam, daß sie hier nichts zu suchen hatten und sie einen Monatslohn an Slade zahlen müßten, falls sie dafür nicht an ihrem Arbeitsplatz erschienen.
Die Masche, die Silvana ihnen beigebracht hatte, zog und langsam löste sich die Menge auf. Inzwischen hatte Silvana ihren Sicherheitscode am Terminal des Turbolifts eingegeben, der zischend die Türen öffnete.
Vorsichtig lugte Silvana hinunter und konnte dabei nichts weiter entdecken, als den oberen Teil einer total deformierten Turboliftkapsel. Es war vorauszusehen, daß niemand den Aufprall lebend überstanden hatte. Daß Kargan gerufen wurde, empfand sie nur als Annehmlichkeit, weil dadurch er in das Kapsel Innere würde sehen müssen, auch wenn danach wohl wieder eine Arbeit für Jean Luc anfiel.
Die Sicherheitschefin schwang sich in den Liftschacht und kletterte behende über die Leiter das Stück nach unten.
--- Deck 8, im Turboliftschacht
Mit dem Tricorder, den Silvana immer dabei hatte, scannte sie die Kapsel und zeichnete alle Daten auf, konnte aber weder Lebenszeichen noch sonst etwas Auffälliges entdecken.
Somit war ihre Arbeit hier eigentlich erledigt, da sie den Rest vom Computer aus erledigen würde, trotzdem wartete sie auf das Eintreffen des Klingonen. Sie liebte es ihm dabei zuzusehen, wie er seine Arbeit machte.
--- Deck 8, Gänge, kurze Zeit später
Als Turbolift 1 in Sicht kam, bemerkte Kargan zunächst ein paar Menschen, die sich vor den offenstehenden Türen des Liftes versammelt hatten. Sie diskutierten mit den Sicherheitsleuten, die offenbar den Auftrag hatten, sie an ihre Arbeit zurückzuscheuchen.
Allerdings handelte es sich offenbar bei diesen Leuten um dienstfreie Bewohner der hiesigen Mannschaftsquartiere, die durch den Lärm des Aufpralls aus ihren Betten gerüttelt worden waren.
Kargan bahnte sich einen Weg zu den Türen, wo ihm ein Blick nach unten verriet, daß die Sicherheitschefin bereits vor Ort war. 'Himmel, ist diese Frau schnell', fuhr es ihm durch den Kopf.
"Ich muß da runter", sagte er zu dem Psychologen. Beruhige hier die Leute.
Mit diesen Worten warf sich der Klingone die Medizintasche über die Schulter und kletterte nach unten.
--- Deck 8, in Turboliftschacht 1
Unten angekommen, fragte Kargan Silvana: "Und? Wie sieht es aus?"
Diese antwortete unwillig: "Schau doch selbst nach, du bist doch der Resteverwerter. Ich habe jedenfalls keine Lebenszeichen mehr registrieren können.
Kargan schaute etwas säuerlich drein. Nicht einmal die Luke in der Decke der Transportkapsel hatte Silva entfernt. Waren ihr die Insassen einfach egal, oder fürchtete sie sich vor dem Anblick der Leichen?
Wahrscheinlich beides.
Mit ein paar Handgriffen hatte er die durch den Aufprall etwas verklemmt sitzende Luke geöffnet und leuchtete mit dem Handstrahler in die Dunkelheit.
Mit einem resignierten Gesichtsausdruck schwang sich der Arzt in die dunkle Tiefe.
--- Krankenstation
"So, Dr. Kargan, ich....", begann die Lakota, als sie in die Krankenstation trat. Doch als sie bemerkte, daß die Station verwaist war, verstummte sie. Kein Klingone. Kein Jack - aber der war ja schon vorher gegangen... 'Totenstille herrschte in den Räumen.... Eine unangenehme Stille, fand Tayeya...
Plötzlich klapperten Absätze und die Assistentin des Klingonen trat aus dem Raum, in dem die Indianerin das Büro vermutete. "Oh hallo, da sind Sie ja wieder!" legte die Frau sofort los. "Wahrscheinlich wundern Sie sich, daß niemand hier ist, aber es hat wohl einen Notfall auf Deck 8 beim Turbolift gegeben, der Doktor wurde auf jeden Fall fortgerufen, kurz nachdem Sie verschwunden sind. Aber bis jetzt wurde noch kein Verletzter - halt, wo wollen Sie denn hin?"
Verblüfft starrte Entenburg der Indianerin hinterher, die sich blitzschnell umgedreht hatte und nun die Krankenstation wieder verließ, um sich auf den Weg zu Deck 8 zu machen.
--- Shuttlehangar
"Ich sagte PADD her!"
"Und ich habe es verstanden!", antwortete Narbo und betonte jede Silbe so scharf wie möglich. Warum mußte dieser Abschaum ihm gerade jetzt in den Weg geraten?
Leise schnaufte er und dachte an den prekären Inhalt seines Padds und an die unangenehmen Folgen, falls Silvana ihm dies jemals nachweisen konnte. Aber was sollte er machen? Dieser Typ richtete einen Phaser der Stufe 1 auf ihn und -
'Stufe 1?', überlegte der Ferengi verblüfft, 'was zum Teufel will er mir mit dem Spielzeug den antun?' Von dieser Erkenntnis gestärkt, lächelte er schief und rieb sich langsam sein betäubtes Bein von dem Oberschenkel abwärts.
Bis zum Knöchel.
"Also gut, wenn du es wirklich haben willst", gab er scheinbar nach und warf dem etwas häßlichem Sicherheitler "ungeschickt" seinen digitalen Notizblock zu...
Eine halbe Sekunde später mußte sich Pormas leicht nach vorne beugen, um das Padd nicht auf den Boden prallen zu lassen und diese Chance ließ sich der Ferengi nicht entgehen: Mit der Hand griff er in seinen Stiefel und fischte routiniert sein Wurfmesser heraus, um es ohne Verzögerung in der Luft rotieren zu lassen.
Und während Pormas wieder mit dem Phaser auf ihn zielte, bohrte sich das Messer zischend in die Polytanium-Legierung des Padds und ließ es funkensprühend in kleine Flammen aufgehen, als die Energiezelle getroffen wurde.
Fluchend warf Pormas das Padd zur Seite und folgte dem humpelnden Ferengi, der mittlerweile schon beinahe den Ausgang erreicht hatte und nahm Narbo erneut ins Visier.
Keinen Moment später lag Narbo bewußtlos auf dem Boden...
Stumm stellte sich Pormas vor den am Boden liegenden Ferengi. 'Mist, die hatte doch gesagt, paß auf seine Stiefel auf!', dachte er an die Worte von Silvana. Und was jetzt?'
Das Shuttle war augenscheinlich versiegelt und der Ferengi lag bewußtlos am Boden. 'Ein leichter Betäubungsphaser hat halt doch gute Wirkung auf Kleingeister!', dachte der Südländer verschmitzt an die Worte seiner Ausbilderin bei Starfleet.
Naja, ein Kopftreffer von hinten hätte so gut wie jeden umgehauen, aber das war nicht sein Problem. Jetzt wollte Pormas erst einmal zu Silvana. Schließlich sollte er Narbo schnappen und ihr bringen.
Mit einer routinierten Bewegung nahm er den leichten Ferengi auf seine linke Schulter und machte sich auf den Weg zu Silvana. Diese schien sogar noch auf dem selben Deck zu sein, laut dem Computer, was die Sache vereinfachte.
--- Deck 8, in Turboliftschacht 1
Kargan kletterte wieder aus der Kapsel heraus. Silvana hatte sich bereits wieder zu ihren Leuten gesellt und wartete nun offensichtlich nur noch auf ihn.
--- Deck 8, bei Turbolift 1
"Sie sind beide tot, man konnte auch nichts anderes annehmen", eröffnete Kargan seine Meldung. "Einzelheiten möchte ich hier nicht verbreiten, jedoch habe ich die beiden identifiziert. Es handelt sich wirklich, wie Jean mir schon gesagt hat, um die beiden Techniker Selmak Tabo und Helen Ramirez."
Inzwischen konnte Jack die meisten Schaulustigen mit Hilfe von Silvanas Leuten davon überzeugen, ihrer Arbeit wieder nachzugehen. Die Betroffenheit über den Unfall hielt sich aber in Grenzen, die meisten von den Leuten waren solche Situationen gewohnt und nun einfach nur neugierig.
"Helen?", fragte der Psychologe erschüttert. 'Das kann doch nicht war sein!', dachte er. Gut, kaum einer hier an Bord kannte Helen, sie war schließlich neu, aber er kannte sie. Und Pormas! Ob er schon davon wußte?
"Wie konnte das passieren?", fragte er leise.
Silvana bemerkte, daß Jack sich ziemlich betroffen zeigte. Dabei fiel ihr ein, daß sie wohl bei den Leuten dabei gewesen sein mußte, die Slade von Monserat vermittelt wurde. Die Technikerin schien einen ungünstigen Zeitpunkt für ihren Dienstantritt gewählt zu haben.
'Ihr Dienstanfang hat ja bombig eingeschlagen', dachte die raubtierhafte Frau und verzog das Gesicht. Sie vermied es diesmal sogar die Worte laut auszusprechen. Irgendwie mochte sie Jack und wollte keinen wunden Punkt treffen. Immerhin schienen sich beide näher gekannt zu haben. Vielleicht sogar viel näher...
"Bis später Dokterchen", meinte Silvana kurzangebunden zu Kargan, der wie sie bereits gedacht hatte, nichts Neues zu vermelden hatte, gab ihren Männern eine kurze Anweisung und zog Jack einfach hinter sich her in einen ruhigeren Gang.
Als Tayeya um die Ecke bog, gewahrte sie gerade noch die Sicherheitschefin und Jack, die um eine andere Ecke verschwanden. Der Klingone war da, ziemlich betroffen aussehend, weiterhin ein paar Männer aus der Sicherheit. Tayeya ging zum Doktor und fragte: "Was ist hier passiert?"
--- Deck 8, bei Turbolifttür 1
Nach einem Fußmarsch später war Pormas mit seiner lebenden Last an der Unfallstelle angelangt. Verdutzt blieb er stehen. Den Gang runter erkannte er Silvana und Jack, der wie erstarrt in seine Richtung sah.
Bei den Lifttüren standen Kargan und Tayeya und starrten ihn auch an, als ob er ein Beil im Kopf hätte. Nur Silvana schien absolut unbeeindruckt von der Situation.
Jetzt erst erkannte Pormas, was für eine Art Unfall hier geschehen sein mußte. Und die Art, wie sie ihn alle fixierten... Plötzlich spürte der kräftige Halbspanier eine sanfte Berührung an seinem rechten Arm.
Es war Jack.
"Pormas...", stammelte er, aber dieser ahnte schon, daß irgend etwas gewaltig schief gelaufen sein mußte.
Er fing an zu zittern, als mit einem lauten Plumps Narbo von seiner Schulter glitt...
"Komm bitte kurz mit", sagte der Psychologe ruhig zu dem Südländer und ging mit ihm zu der Stelle, wo er gerade mit Silvana gestanden hatte.
--- Deck 8, Gänge
Jack überlegte, wie er es Pormas beibringen sollte. 'Am Besten ist wohl der direkte Weg', dachte der Psychologe. 'Obwohl wahrscheinlich auch immer noch Classics Tod an seinem Gewissen nagt.'
"Was ist da passiert?", fragte der Südländer ungeduldig.
'Er ahnt es!', dachte Collins. "Es gab einen Unfall mit dem Turbolift. Helen,..... sie ist......, sie war mit drin." Jack machte eine Pause.
"Es tut mir leid, Pormas, sie hat es nicht überlebt."
Ungläubig weiteten sich die Augen des Südländers. "Nein!... Nicht Helen,... nicht meine Helen! Du lügst!", schrie Pormas und versuchte zum Turbolift zurückzurennen.
"Warte!" Jack hat Mühe, den Hünen zu halten. "Pormas! Reiß dich zusammen!"
Der Südländer ignorierte Collins Worte und versetzte diesem einen schmerzhaften Schlag, der ihn mit voller Wucht gegen die Wand prallen ließ.
'Verdammt!', dachte der Psychologe und mußte seine telekinetischen Fähigkeiten einsetzen, um Pormas zu bremsen. Er drückte ihn mit den Rücken an die Wand. Pormas Augen sprühten vor Zorn und Verachtung, die langsam in Resignation überging.
Der Körper des Südländers entspannte sich ein wenig. "Tot!", sagte er abwesend.
Collins öffnete seine telekinetische Fessel.
"Komm.", sagte er und sie gingen beide zum Turbolift zurück.
---Deck 8, bei Turbolift 1
Als sie dort ankamen, standen Tayeya und Silvana noch am Lift. Kargan schien inzwischen schon gegangen zu sein. Immerhin konnte er hier auch nicht mehr tun und Tayeya war ja jetzt auch hier. Ein Arzt war mehr als genug.
Und der Ferengi lag immer noch bewußtlos am Boden.
Einige von Silvanas Leuten - oder waren es doch Techniker? - hatten den ersten Leichnam, einen Techniker, den Jack nicht kannte, geborgen und waren nun wahrscheinlich in Begriff Helens Körper zu bergen.
"Wartet!", sagte Collins und sah zu Pormas. Dieser ging wortlos an ihm vorbei und stieg dann zu der zertrümmerten Liftkapsel hinab.
Der Psychologe stellte sich neben Silvana. "Gib ihm heute Zeit zum Trauern. Vom Saboteur weiß er noch nichts. Wenn du Gewißheit hast, daß es ein Anschlag war, dann setze Pormas darauf an und glaube mir, in der Sache wird er gründlich sein", raunte er der Sicherheitschefin leise zu.
--- Deck 8, im Turboliftschacht
Fassungslos betrat Pormas die Überreste des Turbolifts. Wie gebannt stand er mitten im Schacht und starrte auf den noch zum Großteil verschütteten Körper von Helen.
'Das darf nicht wahr sein... nein...', wie benebelt wollte er sich neben sie hinknien, als einer der beiden Bergungstechniker den Fehler machte ihn aufzuhalten.
Mit einem markerschütternden "RAUS!!!", schnappte er sich den Tech. Dieser verschluckte die Worte "nicht autorisiert", während er, sich in der Luft noch überschlagend, mit den Rücken gegen die außerhalb des Schachtes liegende Korridorwand krachte.
Der zweite Techniker verschwand, mit einem panischen Gesichtsausdruck, umgehend aus dem Schacht. Nun war der große Südländer allein.
Allein...
Pormas konnte die Tränen nicht zurückhalten, als er die Hand seiner toten Freundin ergriff und sie immer und immer wieder bat aufzustehen.
Nach langen, harten Jahren hatte er endlich die Frau gefunden, die er gewillt war zu heiraten... und nicht nur das, sie war die erste Person, der er seit dem Tod seiner Eltern bedingungslos vertraut hatte.
Und nun war sie weg. Nur noch eine leblose Hülle war ihm von ihr geblieben. Mit zitternder Hand wischte er den Staub von ihrem Gesicht, daß er vor zwei Stunden noch liebevoll geküßt hatte.
Nach dem ersten Schock hielt er immer noch ihre Hand. "Das darf nicht wahr sein...", stammelte er immer wieder vor sich hin. Hier auf der Privateer wollten sie ein neues... gemeinsames Leben begründen, eventuell sogar doch noch heiraten.
Aber nach nicht mal einem ganzen Tag auf diesem Schiff und Pormas ganzes geplantes Leben lag in Trümmern. Verzweiflung tat sich in ihm auf, als er an all die schönen unbeschwerten Momente zusammen dachte, wie sie sich auf so obskure Weise kennen und lieben gelernt haben...
Alles war zerstört worden.
--- Deck 8, bei Turbolift 1, inzwischen
Für Silvana waren inzwischen drei Dinge klar.
Erstens: Pormas hatte eine sehr eigenwillige Auffassung davon ihre Aufträge zu erledigen. Immerhin hatte er den Ferengi nur bewachen sollen um herauszubekommen was dieser vorhatte und ihn nicht gleich bewußtlos zu ihr schleppen sollen. Auch wenn ihr diese Eigenintiative in diesem Fall natürlich ein Schmunzeln entlockt hatte.
Zweitens: Collins telekinetische Kräfte von denen sie in seiner Akte zwar gelesen hatte, aber die sich angeblich höchstens für Taschenspielertricks eigneten und sich auch nicht gezielt kontrollieren ließen, konnten anscheinend zumindest bei Gefahr gezielt angewandt werden und waren stark genug einen Mann wie Pormas gegen seinen Willen festzuhalten.
Drittens: Sie mochte keine indianischen Sängerinnen auch wenn sie vorgaben in der Medizin bewandert zu sein. Kargans klingonische Opern reichten ihr. Fehlte nur noch, daß die Krankenstation mit Schwester Entenburg als Walküre eine Oper aufführte.
Die raubtierhafte Frau knirschte ärgerlich mit den Zähnen.
Gerade als zu sprechen ansetzen wollten, segelte ein Techniker an ihr vorbei aus der offenen Tür zum Turboliftschacht. Ohne besonderes Interesse folgte sie mit ihrem Blick rein automatisch seiner Flugbahn, bis er an der gegenüberliegenden Wand landete.
"Ich denke nicht, daß er Zeit braucht um zu trauern", meinte Silvana trocken als Rückschluß auf ihre Beobachtung und fügte leise hinzu, daß nur Jack es hören konnte: "Gerade jetzt wird er einer der besten Spürhunde sein, um eine Fährte aufzunehmen."
Die Indianerin war sofort bei dem Techniker und beugte sich über ihn. Als die Sicherheitschefin merkte, daß die Indianerin sofort zu dem Techniker eilte und sich besorgt nach seiner Gesundheit erkundigte, ging ihr nur ein einziger Gedanke durch den Kopf: 'Hoffentlich singt sie nicht wieder, sonst vergesse ich mich.'
Der zweite der Techniker kam aus eigenem Antrieb in Höllentempo den Schacht hochgeklettert und schimpfte etwas vor sich hin von "idiotischer unzurechnungsfähiger Hornochse ohne Kinderstube" dessen Mutter er wohl irgendwelchen Amüsierbetrieben auf Risa zuordnete. "Noch Folgen haben", war auch zu hören, während er sich Richtung Maschinenraum davon machte. Anscheinend um seinen Chef einen sehr wortgewandten Bericht zu erstatten.
"Trauer vergißt man am Besten mit Arbeit, Jack", fuhr die Sicherheitschefin unberührt fort. "Was soll es auch bringen, einen Tag in seinem Quartier oder auf dem Holodeck herumzuhängen und sich den Kopf schwer zu machen über etwas, das tot und kalt in der Krankstation auf Eis liegt, bis man es aus der Luke in die kalte Finsternis des Weltalls wirft? Egal was man denkt, fühlt oder tut. Es bringt nichts. Überhaupt nichts." Ihre Stimme war ohne jedes Gefühl. Das Thema Tod hatte für sie keinerlei Bedeutung. Bis auf die Tage an denen sie sich geradezu nach ihm sehnte...
Wenn es einen erwischte, konnte man ohnehin nicht das Geringste dagegen tun. Ja, man merkte es meist nicht mal. Also brachte es auch nichts sich davor zu fürchten. Und es brachte ebensowenig einem Verstorbenen nachzutrauern, denn alles was man dann noch anbetete und mit dem Verstorbenen verband, war ein kaltes, totes Stück Fleisch. Die Hülle des Menschen, den man davor gemocht hatte. Doch dieser war längst nicht mehr da.
"Von mir aus, kann er sich den Rest des Tages mit verweichlichten Gefühlen beschäftigen, wenn er das möchte, aber ich denke er will arbeiten, und dann soll er das ruhig tun", meinte Silvana und sah dann Jack eindringlich und abschätzend an. "Und ich denke, wir sollten mal ein Wort über deine Fähigkeiten mit einander wechseln. Pormas kam wohl nicht ganz ohne dein Zutun nicht von der Stelle. Nach einer minimalen Kraft hat mir das nicht gerade ausgesehen. Ich bin kein Freund von Überraschungen, damit wir uns gleich richtig verstehen..." Ihr Augen funkelten.
'Verweichliche Gefühle! Überraschungen!', dachte Jack mürrisch und rieb sich die jetzt etwas heftiger schmerzende Stelle, wo Pormas ihn vorhin erwischt hatte.
Scheinbar schien Silvana nichts über den Vorfall auf der Ivory zu wissen. Collins Kräfte waren stärker als je zuvor, es gab nur ein Problem: Die Schwäche nach solchen Aktionen. Jedesmal wenn er seine Fähigkeit bei Dingen benutzte, die größer und schwerer waren wie er selber, setzte nachher diese Schwäche ein.
Bei Pormas war es nicht ganz so schlimm. Wenn Jack ihn allerdings länger hätte halten müssen, hätte er ein Problem gehabt. Aber das brauchte ja nicht jeder zu wissen.
"Minimale Kraft, hm... jetzt weiß ich wieder, was meine Eltern damals meinten: Vermeide es deine Kräfte vor anderen einzusetzen! Es ist eine Fähigkeit, die anderen Angst macht, weil sie mit einem Mal verwundbarer werden", sagte der Psychologe.
Collins schüttelte den Kopf. Das ganze widerte ihn an, es war wie damals auf Olymp, wo mit einem mal kein Kind mehr mit ihm spielen wollte, oder besser durfte. Man war halt anders wie die Norm. Und nun schien es, als wenn es hier genau so ablaufen würde. Erst das Mißtrauen, dann irgendwann die Verfolgung.
Jack sah Silvana in ihre gelben Augen und bevor er wieder dieses seltsame Gefühl des Versinkens bekam, sagte er: "Normalerweise ist es Angst, die eine solche Reaktion auf solche Fähigkeiten auslöst. Aber du bist bestimmt nicht jemand, der vor irgend etwas Angst hat. Angst ist ein Gefühl, ein Gefühl wie auch Trauer."
Der Psychologe deutete zum Turboliftschacht. "Ein Gefühl, das mit ziemlicher Sicherheit auch Pormas jetzt empfindet. Du empfindest keine Angst und bestimmt auch keine Trauer. Also, was stört dich an meiner Kraft?"
Collins wartete nicht auf eine Antwort, sondern drehte sich um. "Ich muß noch zu Krankenstation, wenn ich zu einem Sicherheitsrisiko auf diesem Schiff geworden bin, dann laß es mich wissen, bevor wir von der Raumstation abdocken."
"Warte, Jack", sagte Silvana und sie sagte es so bestimmt, daß Jack sich doch noch einmal umwandte und sie ansah. "Mich stört nichts an deiner Kraft und ich fühle mich deshalb auch nicht verwundbar. Im Gegenteil. Ich dachte eher daran, daß man sie gezielt einsetzen könnte, wenn sie doch nicht so schwach ist wie in deiner Akte steht. Es gibt Fälle, da könnte die Sicherheit einen Mann wie dich mehr als gut gebrauchen."
Der Psychologe schien sie verwundert anzusehen, da er nicht damit gerechnet zu haben schien. Dabei lag es doch auf der Hand, daß ein Mann mit seinen Fähigkeiten als Psychologe eindeutig verschwendet war.
"Ich denke nicht, daß sehr viele Leute freiwillig deine Dienste in Anspruch nehmen, aber du kannst jederzeit bei mir vorbeisehen. Ich denke, es gibt genug Außenmissionen bei denen jemand mit deinen Kräften das As im Ärmel wäre. Außerdem wäre mir deine Gesellschaft angenehm. Egal ob mit oder ohne Kräfte." Ihre gelben Augen funkelten belustigt auf.
--- Deck 8, Wand gegenüber dem Turbolift, zur gleichen Zeit
'Wakantanka, was ist denn das für ein Irrer?' ,wunderte sich die Indianerin, als der Techniker, scheinbar von dem vorher dazugekommenen Hünen aus dem Liftschacht geschleudert, unsanft gegen die Wand prallte. Bevor der Mann sich noch aufrichten konnte, war sie bei ihm.
"Alles in Ordnung?", fragte sie den Mann und erntete nur ein benommenes Kopfschütteln, als hätte der Techniker ihre Frage gar nicht wirklich wahrgenommen. Vorsichtig schob die Lakota ihren Arm unter die Schulter des Mannes, um ihn aufzurichten, was gar nicht so einfach war, denn der Mann war nicht gerade ein Federgewicht. Aber schließlich und endlich stand er doch auf seinen Füßen, zwar sehr unsicher und wackelig, aber er stand.
Auch sein Blick hatte sich geklärt, er schien seine Umgebung jetzt besser wahrzunehmen, denn er bedankte sich bei Tayeya für ihre Hilfe und brabbelte etwas von "... schon in Ordnung..." vor sich hin. Allerdings vermutete die Indianerin, daß er wohl doch nicht so ganz bei sich war, denn der Mann schüttelte ihren Arm ab und ging schnurstracks auf Silvana Farnside zu, die neben Jack stand und sich mit diesem unterhielt.
"Was für einen Irren haben Sie denn da in Ihr Team geh... " An dieser Stelle brach der Mann erschrocken ab, wahrscheinlich war ihm wohl gerade aufgegangen, WEN er da so anraunzte und daß dieser Anraunzer für ihn ziemlich gefährlich werden konnte.
Innerlich schüttelte die Indianerin den Kopf, beschloß, den Techniker auf die Krankenstation zu geleiten und ihn auf Verdacht einer Gehirnerschütterung ersten Grades zu behandeln. Sie ging auf die Sicherheitschefin zu, die sich gerade gefährlich langsam dem Techniker zuwandte...
--- Deck 8, im Turboliftschacht, inzwischen
Jetzt erst kam der große Südländer auf den Gedanken, wie es dazu kommen konnte. Aus eigener Erfahrung wußte Pormas, daß ein Turbolift eines der sichersten Fortbewegungsmittel der Föderation war. Und dies war ein ehemaliges Föderationsschiff...
Aber zuerst widmete er sich Helen. Mit einer Handbewegung fegte Pormas das technische Gerät beiseite und befreite ihren Körper mit seinen bloßen Händen.
Als er sie endlich von allem Schutt befreit hatte, hielt er inne. "Helen... ich habe dich geliebt und das weißt du... ich werde mich um alles kümmern und auch deinen Kindern... Bescheid sagen...", der Südländer schluckte, als er ihr durch das Haar strich, bevor er fortfuhr.
"Keine Angst, ich werde Ihnen auch die Videobotschaft übergeben...", mit Schmerz erinnerte sich Pormas an die Botschaften, die sie für solche Eventualitäten gemacht hatten. Nie hätte er gedacht, daß es wirklich soweit kommen würde.
"Ich hatte uns gewünscht, daß wir mehr Zeit hätten zusammen verbringen können.. vielleicht hätten wir es auch auf unser Landhaus auf Risa geschafft", der Hüne lächelte, als er an ihre Hirngespinste an eine eigene Finka auf dem Vergnügungsplaneten dachte.
"Aber das war es nun...", der Schmerz kehrte in Pormas Stimme zurück, als er Helens Arme überkreuzt auf ihren Körper legte und ihren Körper aus dem Turboliftschacht heraustrug.
--- Deck 8, vor Turbolift 1
Silvanas gelbe Augen waren nur schmale Pupillen, als sie die Augen ihres Gegenübers fixierte und jede Silbe einzeln betonte. "Ver-schwin-den Sie!" Dann fügte sie hinzu: "Oder Sie werden es bitter bereuen." Rein automatisch fuhren ihre Nägel aus und spannte sich jede Sehne in ihrem Körper an.
Der Techniker starrte sie an, wie ein Kaninchen eine Schlange anstarrte.
Genau in dem Augenblick kam Pormas wieder aus dem Liftschacht hoch. Dabei trug er seine tote Freundin. Bei seinem Anblick, drehte sich der Techniker entsetzt um seine eigene Achse und lief laut schreiend den Gang hinunter.
Bevor Silvanas Gedanken sich wieder mit ihrem Sicherheitsmann beschäftigte, meinte sie spöttisch zu Tayeya. "Was ist? Wollen Sie ihm nicht folgen? Sein Warpkern scheint augenscheinlich durchgebrannt zu sein..."
Vorsichtig legte der große Südländer Helens Leiche auf die bereitgestellte Bahre. Ein allerletztes Mal strich er mit seiner Hand über ihren Kopf und küßte sie sanft auf die Stirn, als er sie mit der Totendecke ganz verhüllte.
"Ich werde dich immer lieben Helen...", sprach er leise und mit einem letzten zarten Druck, hatte er Abschied von ihrem Körper genommen. Langsam richtete er sich auf, als er sich die Tränen vom Gesicht abwischte.
Mit einem festen Schritt, alle Annäherungsversuche anderer Personen ignorierend, ging er auf Silvana zu. Diese sah ihn forsch an, was Pormas nicht im Geringsten berührte. Die Sicherheitschefin hätte sich auch in einem Baum verwandeln können, er hätte es nicht einmal registriert.
Mit einem leeren Blick starrte er sie an, als er mit eisiger Stimme anfing zu sprechen, "Sir, Sie brauchen den Lift nicht untersuchen, es gibt nur eine mögliche Ursache für dieses... Unglück. Sabotage."
Jedem Anderen hätte die tödlich frostige Stimme und der leere Blick Angst eingejagt. Vielleicht fürchteten sich auch einige Zuhörer, aber gewiß nicht Silvana. Diese stand nur unbewegt dar, während er weiterredete.
"Bitte nehmen Sie mich in Ihr Ermittlungsteam auf...", die Gedanken überschlugen sich in Pormas Gehirn, als er plötzlich mit fast gleichgültiger Stimme das Ergebnis seiner Überlegungen verkündete.
"Ich werde ihn töten."
Nachdenklich musterte Silvana den Südländer. Einen Mann wie ihn weinen zu sehen hinterließ ihr immer ein flaues Gefühl im Magen. Sie würde Narbos Bar einer Besuch abstatten oder sich gleich in die Bar der Station begeben müssen.
"Das Spiel wird nach meinen Regeln laufen verstanden? Niemand wird hier einfach gekillt. Wir brauchen eine Spur, wir brauchen sichere Beweise, daß es der Saboteur ist und wir sicher vor neuen Anschlägen sind, bzw. keine schon in Vorbereitung sind. Ich will mit ihm... reden um ganz sicher zu gehen...
DANN kannst du ihn killen", sagte Silvana und ihre Stimme war so kalt wie vorher. "Team Delta arbeitet schon an dem Fall. Aber es ist immer gut verschiedene Spürhunde auf einen Fall anzusetzen. Deshalb werde ich dich allein ermitteln lassen. Du hast freie Hand. Liefere mir deine Berichte und ich schicke dir die neuesten Ergebnisse. Solltest du ihn früher schnappen, wirst du ihn mir abliefern.
Aber nach den Ermittlungen...
gehört er dir."
Ohne seine Lider zu öffnen, hatte der Ferengi dem Gespräch gefolgt, um ganz sicher zu sein, daß sein Aufwachen nicht das letzte in seinem Leben war. Doch scheinbar stand er nicht zu oberst auf der Liste der Verdächtigen und einerseits machte es ihn froh aber andererseits auch beleidigt.
Immerhin hätte die Idee ebenfalls von ihm stammen können und langsam verspannte sich sein Körper. Neid! Ja, er empfand Neid auf den Fremden, der eindrucksvoll seine Künste demonstriert hatte und sicher nicht leicht zu fassen war.
'An Bord dieses Schiffes kann es nur einen Spezialisten geben - und das bin ganz klar ich', fauchte er innerlich und beschloß selbst den Fremden zu stellen. 'Ein Kampf um die Herrschaft!'
Der Gedanke gefiel ihm so sehr, daß er leicht grinste und einen Moment später rasch aufstand. Die Blicke der Anwesenden waren auf ihn gerichtet und scheinbar hatte man ihn total vergessen.
"Wassss?", zischte er schlicht und starrte demonstrativ in Richtung einiger Techniker, die immer noch mit der Begutachtung des Wracks beschäftigt waren - bei ihrem Arbeitstempo kein Wunder.
"Das hier war sauber ausgeführt und präzise eingefädelt - könnte von mir sein, aber leider bin ich ja zu friedfertig um Auftragskiller zu sein!", wandte er sich mit einem verzogenen Grinsen an Silvana, die mit undurchschaubarer Wut auf seine Störung reagierte.
"Vielleicht wäre mein Hilfe ganz nützlich, immerhin bin ich mit den Methoden bestens vertraut", fuhr er fort und hoffte, daß die Amazone ihn gewähren ließ. Er wollte den Kopf dieses Bastards mit oder ohne die Zustimmung der Sicherheitschefin...
'Zuviel Köche könnten den Brei verderben', dachte Jack und malte sich aus, wie Narbo diesen Saboteur durch das Schiff sprengte, wie einen räudigen Jumper.
"Falls noch irgendwas ist, ich gehe jetzt zur Krankenstation." Dabei dachte Collins nicht nur an die noch ausstehende Untersuchung, sondern auch an die jetzt doch penetrant schmerzende Stelle in seiner unteren Rippengegend.
Nachdenklich sah die Sicherheitschefin dem Psychologen nach, der zu ihren letzten Worten nichts gesagt hatte, bis ihre Gedanken wieder von der Gegenwart eingeholt wurden, wo Narbo immer noch auf eine Antwort wartete.
"Es wundert mich nicht im Geringsten, daß dir wirklich nichts an Bord dieses Schiffes entgeht. Nicht mal, wenn du angeblich bewußtlos bist. Also kann es nur mein Vorteil sein, wenn du mit auf Jagd gehst...", meinte Silvana während die Ferengiaugen aufglühten, setzte dann aber fort, "aber da ich dir aus verständlichen Gründen nicht vertrauen kann, wirst du mit Pormas zusammenarbeiten."
Der Gesichtsausdruck des Ferengi ließ Silvana warm ums Herz werden. Es war doch schön an Bord der Privateer, seit Narbo wieder ganz der Alte war.
"Immerhin könnte es genauso gut sein, daß du selbst der Attentäter bist und durch dieses kleinen geschickte Manöver noch mal - diesmal sogar mit meinem Einverständnis und meiner Unterstützung - an den Ort des Verbrechens zurückkehren kannst um Spuren zu vernichten oder zu erfahren wie weit wir bei unseren Nachforschungen sind. Aber da ich weiß, daß du dich durch ein schlichtes Nein nicht aufhalten läßt und du dein Können ja bei den Jumpern ja bereits bewiesen hast, nehme ich dein Angebot gerne an." Sie sah zwischen den beiden Männern hin und her, die nicht gerade wie ein Herz und eine Seele wirkten und sich kaum anfreunden würden.
Im Gegenteil schien keiner der beiden davon begeistert zu sein, in einem Team arbeiten zu müssen. Aber sie würden sich fügen müssen, wenn sie es nicht mit einer ziemlich wütenden Silvana zu tun bekommen wollten, die es haßte, wenn man ihre Befehle mißachtete.
"Ich traue dir nun mal nicht über den Weg, Narbo. Könnte sogar sein, daß du dich auf einen kleinen Wettstreit mit dem Attentäter einläßt und mir die Privateer in alle Einzelteile zerlegst. Deshalb wird Pormas während dieser ganzen Sache ein Auge auf dich haben. Im Gegenzug paßt du auf ihn auf, damit er in seiner Trauer und Wut nichts Unüberlegtes macht und mir den Saboteur in einem Stück und lebend bringt.
Ein gutes Arrangement würde ich das bezeichnen." Ein Schmunzeln glitt über ihre Lippen.
"Auch, wenn du, Narbo, dir jetzt sicher in den Hintern beißen wirst, daß du nicht gleich ohne meine Genehmigung und allein mit der Jagd begonnen hast. Aber herzlichen Dank, daß du mir Bescheid gesagt hast...." Ihre gelben Raubtieraugen waren erfüllt von einem ganz eigenen Leuchten und Strahlen...
Mißtrauisch musterte der Ferengi abermals Pormas. 'Und mit diesem elenden Haufen Abschaum soll ich zusammenarbeiten?!', fragte er sich selbst und runzelte die Stirn, 'als wenn ich nicht schon genug Probleme hätte, hängt jetzt auch noch dieser Idiot an mir.'
"Meinetwegen!", gab er schließlich leicht angewidert zurück und seine Augen verengten sich zu dünnen Schlitzen. "Ach und danke, daß ich auf der Liste der Verdächtigen stehe!", fügte er grinsend hinzu und bevor Silvana etwas antworten konnte, hatten er und Pormas sich schon in Bewegung gesetzt.
--- Krankenstation
Da Kargan nicht anwesend war und der Psychologe nicht noch einmal wiederkommen wollte, beschloß er, sich von Edwina Entenburg untersuchen zu lassen.
"Dann setzen Sie sich mal auf das Biobett, und machen sich frei!", flötete die Entenburg fröhlich. Jack, der sich in Gedanken immer noch am Turbolift befand, stutzte. "Warum muß ich mich denn frei machen? Benutzen Sie doch einfach einen medizinischen Tricorder, das geht doch viel schneller."
"Nu mal keine falsche Scham Doktorchen, jeder hat so seine Methoden!", erwiderte Edwina augenzwinkernd.
"Bitte Edwina!", sagte er bestimmt. "Erstens bin ich kein Doktor, zweitens habe ich heute noch einiges zu tun. Und drittens möchte ich Sie bitten, den Tricorder zu benutzen, ok?"
Beleidigt zückte die Krankenschwester das Gerät und begann Jack zu scannen. Nach ein paar Minuten mit einigen "Hm" und "Tja" legte sie den Tricorder beiseite und holte ein anderes Gerät.
Verwirrt sah Collins sie an. "Was...?", fragte er.
"Nun", antwortete sie kurz angebunden. "Mit einer gebrochenen Rippe kann ich Sie ja nicht arbeiten lassen!"
"Gebrochene Rippe?" Tief sog Jack die Luft ein, wobei er genau diese Rippe dann auch deutlich spürte. Hatte ihn dieser Südländer also doch so dermaßen blöd erwischt.
"Angebrochen!", sagte Edwina und behandelte den Psychologen dann. "So, heute mal nicht mehr so hart belasten und morgen sieht die Welt schon wieder ganz anders aus!"
Während der kurzen Behandlung schweiften Jacks Gedanken wieder zum Vorfall und dem Gespräch mit Silvana. 'Sie ist wie Feuer und Eis!', dachte er. 'Und wie sie die Aggregatzustände wechseln kann, ist beängstigend.
Und sie sieht verdammt gut a... '
"Autsch!" Collins sah die Krankenschwester anklagend an.
"Tschuldigung Bübchen. Kommt nicht wieder vor", antwortete sie gütig und tätschelte vorsichtig seine lädierte Rippe. "Bin nun auch fertig!"
'Na hoffentlich', dachte Jack, sagte aber höflich "Danke" und begab sich zum Ausgang.
---Deck 8, Gänge
Dem Menschen stand die Ungeduld ins Gesicht geschrieben und der Hass und der Blutdurst von Pormas war beinahe physisch fühlbar. Es würde sicher nicht langweilig werden, ihren Gegner zu jagen und zur Strecke zu bringen - und bei allen Befehlen von Silvana würden sie diesen Dreckssack wahrscheinlich gleich töten.
Die Frage war nur, wem der beiden diese Ehre zufiel...
Nach 20 Metern hielt Pormas in einem leeren Gang an und wartete, bis auch der Ferengi zum Stillstand kam. Nach einer kurzen Anfrage an den Bordcomputer hatte der Sicherheitsmann den Abfahrtsort des Turbolifts in Erfahrung gebracht.
Nun sah wieder mit leerem Gesicht Narbo an, als ihn plötzlich die Wut erneut überkam und den Ferengi mit den Händen an den Schultern an die Wand drückte und ihn mit eisigen Blicken durchbohrte.
"Hör zu Ferengi", fing Pormas zischend an, "wenn du noch einmal erwähnst, daß du hinter... dem Attentat stecken könntest, dann vergesse ich mich!" Mit stahlharten Augen durchlöcherte er Narbo fast buchstäblich.
"Mir ist auch klar, daß dies nur ein Profi gemacht habe kann, denn auch ICH habe Ahnung davon, wie man so etwas anstellt... und habe so etwas auch schon getan", kurz erinnerte sich der Südländer an den cardassianischen Gul, der vor langer Zeit seine letzte Fahrt unternommen hatte.
"Wenn ich mich aber nicht täusche, mußt du Ahnung von Computern haben, sonst wäre dein Shuttle nicht so gut abgeschirmt. Das erste was wir nachher machen werden, ist ein Computerterminal deiner Wahl aufzusuchen und nach Datenspuren zu suchen."
Dies war auch der einzige Grund, warum Pormas Narbo als Teammitglied akzeptierte. Seinen eigenen Fähigkeiten sich im Innern eines Computers zurechtzufinden und dort Datenspuren zu entdecken waren begrenzt.
Da der Mörder aber schon alles gelöscht haben wird, was er löschen wollte, können wir uns damit Zeit lassen. Zuerst suchen wir den Captain auf, da er der Einzige war, der noch auf der Brücke war. Noch Fragen?"
Mit eisernem Blick drang Pormas förmlich in den Kopf des Ferengi ein, der keine Chance hatte sich aus dem Griff des Südländers herauszuwinden, wenn dieser es nicht wollte.
Liebend gerne hätte Narbo dem Terraner einiges an den Kopf geworfen, aber wenn man ein paar Zentimeter über dem Boden schwebte, ließ man so manches über sich ergehen.
"Du wirst mich mehr brauchen, als dir lieb ist. Ich kenne jeden Winkel des Schiffes, habe umfangreichen Zugriff zum Computer und was am Wertvollsten ist: Ich habe ein untrügliches Gespür für solche Anschläge und deren Ausführung!", zischte er Pormas entgegen, der ihn zornig fallen ließ.
Wütend zog sich der Ferengi seinen Anzug wieder zurecht und funkelte den Menschen weiter an: "Punkt 1: Wer auch immer den Auftrag gegeben hat, er muß viel Geld haben. Punkt 2: Das eigentliche Ziel wurde sicher nicht getroffen, also wird ein neuer Anschlag bald folgen. Punkt 3: Spätestens dann wird er Fehler machen und da wir vorbereitet sind, werden wir ihn vorher kriegen!"
Genüßlich rieb Narbo sich die Hände und freute sich schon auf den Moment, in dem dieser Bastard schutzlos vor ihm stand und um sein Leben winselte.
--- Deck 8, bei Turbolift 1
Tayeya hatte dem Beginn des Wortwechsels zwischen der Sicherheitschefin und dem Ferengi zugehört, dann aber beschlossen, daß es für sie hier nichts mehr zu tun gab. Der Techniker war wankend und sich den Kopf haltend verschwunden - wahrscheinlich dankte er dem Wakantanka, daß er so glimpflich davongekommen war. Schließlich war es nicht gerade eine gute Idee, ausgerechnet Silvana Farnside dumm von der Seite anzusprechen...
Die Indianerin machte sich in gemütlichem Tempo auf den Weg zur Krankenstation.
--- Büro des Psychologen
Nachdem Collins sich einen Kaffee repliziert hatte, wuselte er sich gedanklich noch einmal durch die letzten Stunden. Helens Tod und Silvanas Vermutungen über einen Saboteur.
Der Psychologe durchforstete grob die Mannschaftsdateien, von denen die meisten wahrscheinlich manipuliert oder schlicht frei erfunden waren. Eigentlich hatte fast jeder das Zeug zu einem Attentäter. Und das Motiv? Wer hätte was davon, Helen umzubringen. Bleibt also nur noch dieser Techniker.
Collins seufzte. Er würde sich aus den laufenden Ermittlungen erst einmal raushalten. Schließlich konnte er sich vorstellen, wie Pormas dabei vorgehen würde und er erinnerte sich an die Ereignisse auf der Ivory und die auf Deck 8 vorhin.
'Also, erst einmal versuchen ein wenig Routine in den Laden bringen', dachte Jack und begann einen groben Sprechstundenplan auszuarbeiten. 'Eine Stunde morgens, falls doch mal einer das Bedürfnis hat hierher zu kommen", dachte er. 'Dann am besten jeden Tag mal durch das Schiff stöbern, für die, die sich nicht ins Büro trauen. Und dann ist da ja noch Narbos Bar.'
Als er fertig war schickte der Psychologe eine Nachricht mit den Sprechzeiten an alle Terminals. "So! Dann wollen wir uns mal ein wenig umsehen", sagte er zu sich und schaltete sein Terminal aus.
Bevor der Psychologe sein Büro verließ, aktivierte er noch einmal sein Computerterminal, um seinen Tricorder mit einigen wichtigen Daten zu laden. 'Sicher ist sicher!', dachte er und ging dann zur Tür.
--- Deck 5, Turbolift
Die Tür öffnete sich und Collins trat in die Liftkapsel, um gleich darauf wieder hinaus zu eilen. 'Angst Jack?', dachte er und zückte seinen Tricorder. 'Nö, ist nur der Überlebenswille', dachte er zu Ende und scannte die Liftkapsel.
'Nichts! Natürlich nicht! Wie kann man nur so ängstlich sein, Collins!' Der Psychologe schüttelte den Kopf und betrat dann den Lift. "Hm, Maschinenraum", sagte er und der Lift setzte sich in Bewegung.
--- Krankenstation
"Nun, ist alles in Ordnung hier?", wandte sich Tayeya an Edwina, die gerade einige Bandagen wieder in einen Schrank räumte. Die Frau lächelte kurz und meinte: "Aber sicher, Frau Doktor, hier ist alles in allerbester Ordnung. Unser Psychologe war vorhin auch schon hier und hat sich behandeln lassen, irgendwie hat er sich eine angebrochene Rippe geholt. Ich möchte wirklich wissen, wie er das an seinem ersten Tag auf der Privateer schon geschafft hat, erstaunlich...", murmelte sie vor sich hin.
Die Indianerin war ein wenig verblüfft. Mit wem war Jack denn da zusammengeraten? Na gut, er war ja auch einige Zeit vor ihr an der Unglücksstelle eingetroffen, da konnte einiges passiert sein.
"Ist schon gut, Edwina," meinte die Lakota. "Wo finde ich denn die Daten der Besatzungsmitglieder?", wollte sie dann wissen. Entenburg wies nur kurz mit dem Kopf in Richtung Büro, sagte aber sonst weiter nichts. Tayeya zog kurz die Augenbrauen hoch und öffnete dann die Türe zum Büro.
--- Krankenstation, Büro
Tayeya wies den Computer an, ihr die Daten der Besatzungsmitglieder anzuzeigen, die im vergangenen Vierteljahr bei Dr. Kargan in Behandlung gewesen waren. Nachdem der Computer ihrer Aufforderung gefolgt war, vertiefte sie sich in die Krankenakten...
--- Gänge, Deck 3
Da sich momentan alles auf die Suche nach dem Saboteur zu machen schien, hatte sich auch Silvana wieder dem normalen Alltag zugewandt. Dazu gehörte, sich in ihr Quartier zu begeben und sich anzusehen, was Team Delta inzwischen an Daten zusammen getragen und an ihren Terminal übermittelt hatte.
Vielleicht gab es ja gar keinen Saboteur an Bord und es war nur ein letzter schlampiger Gruß vom Freund der Biofrühlingsrolle. Sie hatte nie viel von diesem Arboretum gehalten. Bäume gehörten in den Wald, aber nicht in den Maschinenraum.
Vor ihrem Quartier stutzte Silvana. Da stand doch tatsächlich der Klingone, den sie heute morgen angesetzt hatte um Narbo und die Bar zu überwachen. Wütend und zugleich verlangend knurrte er seine Chefin an, als wäre plötzlich die Paarungszeit bei den Klingonen ausgebrochen. Er knurrte etwas von "Gefährtin" und "langes Warten entfacht" irgend etwas, bevor er sich ihr mit den Worten "Kal'chi, Sohn des Chi'par, wird seinem Namen alle Ehre machen" auf sie zubewegte.
Silvana brauchte nicht lange zu überlegen, was er vorhatte, sondern zog mit ziemlich viel Schwung und Kraft einmal ihr Knie hoch und mit der Ehre seiner Familie war es mehr gesagt, als getan. Jedenfalls erfuhr das Balzverhalten einen ziemlichen Knick nach unten.
"Hättest du nicht Narbo im Auge behalten sollen und verhindern, daß es wieder Probleme in seiner Bar gibt?", fragte Silvana beiläufig, während sie an dem in die Knie gesunkenen und noch immer stöhnenden Klingonen vorbei zu ihrer Quartierstür ging.
Er fluchte etwas auf klingonisch, das Silvana amüsierte, da es ihr die meisten Klingonen nach kurzer Zeit zur Begrüßung sagten, dann zischte er etwas durch die Zähne, was sich nach "reingelegt" und "toter Ferengi" anhörte, als sich auch schon die Tür vor ihr öffnete.
"Sorry, mein Junge. Du hast einen ziemlich ungünstigen Zeitpunkt für dein... Anliegen ausgesucht. Du kannst ja mal wieder nachfragen, wenn keine Arbeit ansteht und du wieder auf dem Damm bist." Dann schloß sich die Tür hinter sich.
--- Silvanas Quartier
Nachdem die raubtierhafte Frau sich eine richtige Dusche mit warmen Wasser vergönnt hatte, die ihre Lebensgeister weckte, ging sie nur mit einem Handtuch bekleidet zu ihrem Terminal und fragte sofort die neuen Daten ab.
"Ist ja interessant dem Computer zufolge... Silvana an Jean Luc: Wollte der Captain gerade die Brücke verlassen, als der Turbolift den Unfall hatte?", fragte sie ihrer weiblichen Intuition folgend.
"Gut, daß Sie danach fragen. Ich wollte mich mit dieser Information nicht bei Ihnen aufdrängen, weil ich wußte, daß ich Sie höchstwahrscheinlich bei Ihren Nachforschungen störe. Es war tatsächlich so, daß der Captain gerade bekundet hatte, daß er die Brücke verlassen wollte, weil die beiden Techniker ihm zuviel Lärm machten, aber einen Unfall würde ich das nicht..."
"Silvana Ende."
Also hatte der Anschlag Slade gegolten und sie machte sich nicht erst die Mühe ihn nach in Frage kommenden Tätern zu fragen. Dazu kannte sie ihn und seinen "Freundeskreis" bereits zu gut. Es brachte nichts eine ellenlange Liste zu studieren, wenn es sich wahrscheinlich um einen Auftragskiller handelte, dessen Spur sich ohnehin nicht zurück verfolgen ließ.
Sorgfältig lud sie alle Dateien die Untersuchung betreffend auf ihr Padd und hinterließ die Anweisung, neue Informationen an ihr Padd weiterzuleiten. Dann gab sie die Dateien für Pormas frei. Er würde auch erkennen, daß der Lift nicht von selbst abgestürzt sein konnte und die Wartung noch gar nicht so lange her war.
Der Türsummer machte sich bemerkbar. Anscheinend hatte sich der Klingone inzwischen erholt und dann war ihm - schnell wie es nur einem Klingonen gelingen konnte - eingefallen zu fragen, ob er noch immer den gleichen Auftrag hatte oder einen neuen bekam, weil er beim alten versagt hatte.
Vielleicht hatte er auch noch Lust auf einen Nachschlag bekommen...
Die raubtierhafte Frau öffnete die Tür ihre Quartiers und sah Kal'chi etwas genervt und fragend an. Aber der starrte sie nur aus großen Augen an, hatte den Mund halb geöffnet und erinnerte sie dabei an einen Bisak. Der gleiche dümmliche Blick.
"Ich gebe dir eine neue Aufgabe, die eigentlich deine alte ist. Du hängst dich weiter an Narbo dran. Er und Pormas - du hast den Südländer kurz auf der Brücke gesehen - sollen eine Sabotage des Turbolifts aufklären. Folge ihnen wie ein Schatten und sorg dafür, daß sie den Attentäter, falls sie ihn finden auch lebend und in einem Stück zu mir bringen. Ich möchte ihn noch ein wenig verhören..." Dann schloß sie die Tür wieder.
Anschließend replizierte sie sich neue Kleidung, wickelte ihre Haare aus dem nassen Handtuch und kleidete sich dann an. Diesmal trug sie Schwarz. Meist kam es zu Auseinandersetzungen, wenn sie das Schiff verließ und sie hatte keine Lust schmutzig zu werden. Es fühlte sich an wie Handschuhleder und war ebenso weich, doch es war fest und zäh wie es nur Leder war. Und doch glatt und glänzend.
Mit ihrem Padd und ihren Wurfmessern in den hohen Schäften ihrer Stiefel verließ sie das Schiff. Ziel: Die Bar der Station.
--- Holodeck 1
Marc hatte jetzt sämtliche zur Verfügung stehende Übungsmissionen und ein paar selbst programmierte Szenarien durchgespielt und hatte sich langsam an die Steuerung der Privateer gewöhnt. Ziemlich zufrieden mit sich selbst schwang er sich aus dem Pilotensessel, rief dem Computer noch ein "Programm beenden" zu und verließ dann das Holodeck.
--- Deck 6, Gänge
Ziellos schlenderte Tegger durch die fast leeren Flure des Schiffs. Bis kurz vor Mittag hatte er ja noch ziemlich viel Zeit. Aber vorher wollte er noch ein paar Einstellungen an der Navigationskonsole auf der Brücke vornehmen. Also schritt er gemütlichen Schrittes zum nächstgelegen Turbolift, von dem er die Brücke erreichen konnte, drückte auf die Ruftaste und wartete.
Und wartete. Und wartete.
Nach beinahe fünf Minuten wurde es ihm zu bunt.
"Computer, wo befindet sich die Turboliftkapsel?", fragte er ungeduldig.
"Die Transportkapsel von Turbolift 1 befindet sich knapp unter Deck 8", antwortete der Computer direkt.
Marc schlug die Stirn in Falten. 'Hat der Computer gerade gesagt, KNAPP unter Deck 8?' Das konnte nicht sein. Oder etwa doch?
"Computer, spezifiziere knapp unter Deck 8."
"Es hat einen Defekt gegeben. Die Kapsel hat nicht wie vorgeschrieben auf Deck 8 gehalten, sondern liegt nun auf dem Grund des Turboliftschachtes", antwortete der Computer ruhig und gelassen.
'Na prima', dachte der Navigator. 'Wie komme ich jetzt auf die Brücke?' Schnell schritt er zu einem nahegelegenen Terminal und rief sich eine Detailkarte des Schiffes auf. Soweit er erkennen konnte, gab es nur einen Lift, der direkt auf der Brücke endete. Und das war leider Lift Nummer 1. Sonst hatte er nicht viele Möglichkeiten. Er konnte mit Turbolift 2 bis auf Deck 3 fahren und mußte sich dann durch die Jeffries-Röhren bis auf die Brücke kämpfen.
"Na dann wollen wir mal", sagte er und schritt los zum Turbolift 2.
--- Deck 8, Gänge
Stumm schaute Pormas den Ferengi an, der sich über irgend etwas zu freuen schien. Aber das war dem Südländer egal. Jetzt wollte er erst einmal auf die Brücke.
Das Narbo seine Fähigkeiten so ins Rampenlicht stellte, war für den Sicherheitsmann nur von Vorteil. Denn hinter jeder Ferengi-Lüge steckte ein bißchen Wahrheit.
Und wenn der Barmann keinen Erfolg hatte, konnte Pormas ihn immer noch bestrafen...
Der Südländer wollte gerade einen Blick auf den Bauplan des Schiffes werfen, als ihn plötzlich eine Erkenntnis durchfuhr. Ein kleiner Test wie vertrauenswürdig (in Ferengi-Maßstäben!) Narbos Behauptungen waren.
"Ok, Narbo", sprach Pormas, der seine Stimme wieder im Griff hatte. Zumindest im Moment. "Dann zeig mal, was du drauf hast. Zeig mir den Weg zur Brücke."
Mit einer Mischung aus Erstarren und Belustigung musterte Narbo den Südländer: Wollte er ihn wirklich mit so einem banalem Test ködern? Da hatte er sich aber das falsche Opfer ausgesucht.
"Den schnellsten oder den kürzesten Weg?", gab der Ferengi zurück und seine Augen leuchteten. Pormas überlegte eine Sekunde, doch bevor er sich entschieden hatte, setzte Narbo hinzu: "Ich bezweifle zwar, daß du dich von deinem bequemen Turbolift entwöhnen kannst, aber wir haben wohl keine andere Wahl"
Mit einer spöttischen Verneigung zeugte er in Richtung der Wand und riß einen Moment später eine perfekt getarnte Platte aus der Verkleidung. Ein sehr enger und dunkler Schacht kam zum Vorschein, der überhaupt keine Ähnlichkeit mit den üblichen Jeffriesröhren zu haben schien - schließlich war es im eigentlichen Sinne auch kein für Humanoide gedachter Weg, sondern ein Wartungsschacht für Exocomps.
Diese kleinen Allzweck-Roboter waren während dem Bau der Privateer im experimentellen Stadium gewesen und sollte eigentlich mit dem Schiff in Dienst gestellt werden, aber das zufällige Entstehen von Intelligenz in ihnen und die anschließende Anerkennung als Lebensform hatte dies vereitelt.
Narbo grinste, als er an die Rücksicht der Menschen auf nichts weiter als einen Haufen Metall dachte und an den enormen Nutzen, den die Roboter bringen könnten.
'Jetzt wollen wir doch mal sehen, wer hier stecken bleibt!', grinste der Ferengi innerlich und seine Augen blitzten als er den nur 60 cm hohen Tunnel betrachtete.
Pormas funkelte den Ferengi mit den Augen an. Es war offensichtlich, daß der schmächtige Barkeeper es darauf anlegte, daß der Südländer einen Rückzug machte. Aber da hatte er die Rechnung ohne den Wirt gemacht.
Der Sicherheitsmann ließ sich von der Enge des Ganges nicht beeindrucken. Er war längst über den Punkt hinaus, wo er Schmerzen oder falsche Eitelkeit verspürte. Er kannte nur noch ein Ziel. Die Auslöschung des Attentäters.
Der Person, die ihm Helen genommen hatte.
Pormas zeigte auf das Loch in der Wand, "Geh vor... und gnade dir Gott Ferengi, wenn daß nicht der schnellste Weg ist!" Einen kleinen Schubser später befand sich Narbo schon vor dem breiten Südländer im Schacht.
--- Deck 3, Jeffries-Röhren
Nach ewiger Suche; besser gesagt kam Tegger das so vor, hatte er den Einstieg zu der Jeffries-Röhre gefunden, die ihn zu Brücke führen würde. Und nun kroch er auf allen vieren durch das Innere des Schiff, oder kletterte irgendwelche Leitern hoch - bis zu einer Klappe.
--- Deck 1, Jeffries-Röhren
Auf der Seite an der Wand stand in großer Schrift DECK 1. Er hatte es geschafft. Mit dem Ärmel wischte er sich den Schweiß aus dem Gesicht und fing dann an, von unten gegen die Klappe zu drücken.
Doch nichts geschah.
Also fing er an, noch fester zu drücken. Aber die Klappe bewegte sich keinen Millimeter. Hilflos fing er an nach einem Mechanismus zu suchen, mit dem man die Klappe entriegeln oder öffnen konnte. Doch nichts war da. Gar nichts.
Wütend fing er an, gegen die Klappe zu schlagen. Er war nicht zwei Decks weit durch diese bekloppten Röhren gekrabbelt um dann hier festzusitzen.
"Hallo, hört mich jemand!", brüllte er.
--- Brücke
Slade hatte sich schon vor einer geraumen Weile in den Sessel des Captains fallen lassen und versuchte immer noch, sein Glück zu fassen. Selten hatte sein Leben an einem derart seidenen Faden gehangen, denn ihm war absolut klar, daß sich niemand die Mühe machen würde, einen Turbolift zu sabotieren, nur um zwei Techniker samt Computerkonsole in die Tiefe zu schicken.
Nein, dieser Anschlag hatte ihm gegolten, da war er absolut sicher.
Aber wer konnte ein Interesse haben, ihn tot sehen zu wollen? Im Geiste ging er die Liste seiner Feinde durch, und kam zu keinem vernünftigem Ergebnis. Natürlich hatte er Feinde, wie alle Geschäftsleute - irgendwem schnappte man schließlich schon einmal ein dickes Geschäft vor der Nase weg. Aber so drastische Maßnahmen hatte er eigentlich niemandem zugetraut.
Den größten Konflikt in letzter Zeit hatte er eindeutig mit Oly, seinem alten Kumpel, ausgetragen, aber ob dieser inzwischen sein Schiff schon wieder flott bekommen hatte, ob er überhaupt noch lebte, entzog sich Slades Kenntnis. Aber auf keinen Falls hatte er die Mittel, einen solchen Anschlag zu planen und auszuführen.
Nun ja, die Mittel vielleicht schon, aber die Zeit hatte ihm sicher gefehlt.
Also wer blieb? Irgendein unbekannter Feind? War er in der Vergangenheit einer Organisation auf die Zehen getreten?
Der Anticaner grübelte. Nein, eigentlich nicht. Jedenfalls nicht bewußt.
Eine Stimme drang an sein Ohr. Slade registrierte, daß sie schon die ganze Zeit zu ihm sprach, er aber inzwischen gelernt hatte, sie zu ignorieren.
"...möchten Sie denn nicht wenigstens einmal nachschauen, warum Mr Tegger versucht, durch eine Jeffriesröhre mit uns Kontakt aufzunehmen, Sir? Vielleicht bringt er wichtige Nachrichten, aber dann hätte er sich auch per Funk melden können. Vielleicht führt er aber auch ein Rettungsteam an, das uns von der Brücke bringen soll, aber warum hat er dann kein Werkzeug dabei? Es könnte auch sein, daß..."
Slade war inzwischen zu der offenbar verkeilten Abdeckung getreten und riß sie mit einem Ruck heraus.
"Guten Tag, Mr Tegger, was kann ich für Sie tun?"
Slades seltsamer Sinn für Humor schien wieder zugeschlagen zu haben.