Chronik 17

--- Privateer, Narbos Bar, mitten im Raum

Die verschwommene Welt war langsam in Narbos Schädel zurückgekehrt und begann langsam aber sicher in ihren Rotationen um ihn abzubremsen, bis er schließlich wieder etwas Klares erkennen konnte und er die leicht schmutzige Deckenfarbe bemerkte und sich an ein paar aufgeschnappte Worte erinnerte.

'Ja, was starren mich alle so an? Und wieso verdammt liege ich auf diesem eklig grünen Boden? Und was macht dieser kleine windige Mensch hinter meiner Theke?', schossen ihm die Fragen in den Kopf und er wollte gerade aufspringen, um diesen Terraner zu vertreiben, als zwei starke Hände ihn wieder auf den Boden knallten und der warnende Gesichtsausdruck eines Klingonen in sein Blickfeld glitt.

"Was zum Teufel mache ich hier?!", spuckte er schließlich hervor und der Ferengi wurde sich bewußt, daß ihm eine sehr große Lücke fehlte...

Kargan hatte inzwischen seinen Tricorder befragt, welcher ihm angezeigt hatte, daß der Blutdruck des Ferengi noch bedrohlich niedrig war. Deshalb hielt er ihn immer noch am Boden fest, denn ein zu schnelles Aufrichten würde möglicherweise ein Zurückgleiten in die Ohnmacht nach sich ziehen.

Dann beantwortete er dessen Frage: "Zur Zeit liegen Sie auf dem Boden und stellen ziemlich dumme Fragen, nachdem Sie versucht haben, Ihre Fähigkeiten als Messerwerfer unter Beweis zu stellen. Glücklicherweise mit sehr mäßigem Erfolg, sonst wäre Captain Slade vielleicht auf die Idee gekommen, Sie zum Essen einzuladen."

Langsam half der Klingone dem Ferengi wieder auf die Füße und schaute dabei nachdenklich die Indianerin an. Dann sagte er anerkennend: "Gute Arbeit. Willkommen im Team!"

--- Theke, inzwischen

"Du bist ja auch noch da!", grinste Jack und füllte ein neues Glas und schob es Marc hinüber. "Aber nicht so viel, sonst werden die Sternchen auch nicht weniger!"

Mit seinen Gedanken war der Psychologe aber immer noch bei dem Ferengi. Leider bekam er nicht alles mit, was in der Mitte der Bar passierte, aber scheinbar hatte sich am Verhalten des Ferengi etwas verändert, er redete.

"Ich denke, es interessiert mich schon, was auf der Brücke passiert ist!" Jack blickte wieder zu Silvana. "Wie ich vorhin in die Bar kam, sagtest du etwas von einem Vulkanier, den du getötet hast und dessen grünes Blut der komische Androide aufwischen mußte. Dieser Vulkanier hieß also Raven und Narbo war dabei, wie du ihn getötet hast, stimmts?"

Collins Gehirnzellen arbeiteten fieberhaft. "Narbo benahm sich also seit dem wie ein Vulkanier... Hatte der Vulkanier vor seinem Tod die Möglichkeit eine Geistesverschmelzung mit Narbo vorzunehmen?"

Silvana zog die Schultern hoch und wandte sich dann wieder ihrem Whisky zu. "Keine Ahnung, Jack. Beide waren zur gleichen Zeit auf der Brücke, Raven und er, wenn es das ist, was du wissen willst. Aber es gab keinen Augenblick einen direkten Körperkontakt zwischen ihnen. Wenn ich jemand erledige, dann geschieht das schnell...

Und fast immer schmerzlos", fügte sie mit einem Grinsen hinzu, daß ihre letzten Worte sofort widerlegte. Ein großer Schluck Whisky rann ihre Kehle hinunter und schärfte ihre Sinne. Nachdenklich drehte sie das Glas in der Hand herum. "Dann willst du mir also sagen, daß dieser Wurm nicht Herr seiner Sinne war? Daß dieser Raven hinter allem steckte, den ich noch nicht mal töten kann, weil ich mir das Vergnügen schon vorweg genommen habe?"

Ihr Blick wandte in die Mitte des Raumes, wo Narbo inzwischen sehr lebendig zu werden schien. "Wenn es so ist... Vergiß es, Jack. Er kann sich ebensogut die ganze Zeit verstellt haben. Ich sagte ja bereits, daß Narbo es so getan hätte, daß die Tat ihm nicht angerechnet werden kann. Seine Hand geführt von einer vulkanischen Seele, die sich rächen will, wäre DIE Ausrede überhaupt. - Und nun wo der Anschlag fehlgeschlagen ist, verflüchtigt sich Raven also ins Nichts? Weshalb?"

Die gelben Augen von Silvana hefteten sich wieder fragend an Collins, dessen grauen Zellen sich durch den Whisky arbeiteten. Anscheinend hatten auch Psychologen eine blühende Phantasie, wenn nur der passende Treibstoff stimmte...

"Du hast recht, es klingt ziemlich dünn. Ich müßte wirklich erst mal die Berichte lesen." Collins schüttelte den Kopf. "Manchmal passiert es aber auch, daß ein automatischer Mechanismus den Geist eines Ferengi vor etwas Gefährlichem bewahren will, so ähnlich wie ein Schock bei Menschen. Ich habe mal davon gehört, aber erlebt habe ich so etwas noch nie." Jack stellte die Flasche auf die Theke.

"Wenn das der Fall war, konnte er wirklich nichts für seine Taten", fuhr der Psychologe fort. "Der Geist wird unterdrückt und etwas anderes tritt an seine Stelle. Mal sehen, wie er jetzt drauf ist!", sagte er und verließ die Theke.

--- mitten im Raum

Inzwischen stand der Ferengi wieder auf den Beinen, gestützt von der Indianerin und dem Klingonen. Jack sah ihn an. "Na, weilt unser Barkeeper wieder unter den Lebenden oder benimmt er sich immer noch wie ein Zombie?"

Verblüfft sah die Indianerin zu Kargan. Gute Arbeit? Was war denn bitte so schwer daran, ein Wesen aus einer Ohnmacht zu erwecken? Innerlich schüttelte sie den Kopf, jedoch antwortete sie höflich: "Vielen Dank, Doktor Kargan."

Dann warf sie einen Blick auf den Ferengi, kam zu dem Schluß, daß es wohl reichte, wenn der Klingone ihn stützte - insofern er diese Art der Hilfe noch benötigte. Also nickte sie den beiden und dem hinzugekommenen Psychologen zu und trat wieder zu 'ihrem' Tisch, wo sie sich setzte.

--- Tisch 3

Ohne ein Wort zu sagen, griff Tayeya zu ihrem Glas Mineralwasser und trank es auf einmal leer. Dabei überlegte sie, was sie jetzt tun sollte. Auf der einen Seite würde sie gerne noch ein wenig bleiben und Helen Ramirez, die ihr jetzt wieder gegenübersaß, kennenlernen - aber auf der anderen Seite wartete ja auch noch das Quartier auf sie, welches noch eingeräumt werden sollte. Und das würde noch ein gutes Stück Arbeit werden.

Die Indianerin warf einen Blick auf die Uhr an der Wand der Bar und entschloß sich, noch ein wenig zu bleiben. Sie kam mit relativ wenig Schlaf aus, also konnte sie auch noch ein halbes Stündchen oder so bleiben...

Sie wandte sich an Helen und fragte: "Wissen Sie, ob man hier etwas Brauchbares zu Essen bekommt?"

--- mitten im Raum

"Ja, der Barkeeper ist wieder unter den Lebenden und wird Ihnen alle ausgeschenkten Getränke in Rechnung stellen!", antwortete Narbo undankbar, während er sich wieder auf den Füßen zurechtfand und schüttelte den Kopf über die Ignoranz des Terraners!

Schnuppernd hob er die Nase und fragte sich, wo dieses ausgeprägte modrige Aroma herkam, als er den Klingonen an seiner Seite entdeckte und sich sofort unter einem angewidertem Zischen losriß. Wie konnte dieses dumme Riesenbaby es wagen ihn festzuhalten.

Mit einer schnellen Bewegung hatte er sich von dem überraschten Klingonen befreit und sofort kehrte ein Schwindelgefühl zurück, daß enorme Kopfschmerzen verursachte, während die anderen ihn immer noch dämlich anstarrten.

"Was?", gab er drohend zurück und die Anwesenden rollten erschöpft mit den Augen. In der Tat, der alte Narbo war zurückgekehrt!

--- Theke

Silvana erhob sich von ihrem Sitz und würdigte keinen der Anwesenden mehr eines Blickes. Alles was sie sah war ein kleiner vor Wut geifernder Ferengi, der kein bißchen Respekt hatte und dem es nicht reute, was er eben getan hatte. Der so tat, als wäre es nichts gewesen.

Vielleicht war er nicht Herr seiner Sinne, aber das war ihr herzlich egal. Die Gründe warum sie jemand töten wollte waren ihr immer schon herzlich egal gewesen. Hauptsache derjenige hatte keine Gelegenheit mehr es noch einmal zu versuchen. Sie mußte sich wieder einmal Respekt verschaffen und ihm zeigen, wer hier das Sagen hatte.

Langsam bahnte sie sich ihren Weg durch einige Schaulustige, die inzwischen aufgestanden waren um besser sehen zu können. Die raubtierhafte Frau stieß sie einfach beiseite.

--- mitten im Raum

"Willkommen in der grausamen Gegenwart, Narbo. - Ich hätte dich vorhin vielleicht doch einfach töten sollen, aber du hattest einen Schutzengel", sagte sie trocken und ihre gelben Augen fixierten dabei Narbo, der sie anstarrte, als würde er langsam wieder zu denken beginnen.

"Das nächste Mal wird das nicht mehr funktionieren. Die Flasche echten schottischen Whiskys an der Bar geht auf Kosten des Hauses. Dafür hab ich schon bezahlt, oder ist dir dein Leben das nicht wert? Dann nehme ich gerne den Kaufpreis zurück..."

Tief aus ihrem Inneren schien ein leises Grollen zu kommen, daß wütende Raubkatzen manchmal machten.

"Silvana, schön dich zu sehen und ich dachte schon, daß du etwas von deinem Charme verloren haben könntest", antwortete Narbo ohne jede Spur von Respekt oder Anerkennung ihrer Autorität. Wie sollte er auch, immerhin hatte er einen Black-Out von über drei Wochen.

"Aber genug der Schmeicheleien, was hast du eben gesagt? Was soll ich gemacht haben?", fügte er in echter Sorge hinzu, denn wenn seine Kopfschmerzen ihn nicht allzusehr täuschten war eine Menge passiert!

"Eurer netten Konversation nach zu urteilen, scheint Narbo ja genau so zu funktionieren, wie vor seiner - 'Abwesenheit'." Jack war zufrieden, vielleicht war nun doch noch mit einem ruhigen Feierabend zu rechnen.

"Du kannst morgen mal in mein Büro kommen, ich bin Collins, der neue Psychologe. Mal sehen ob wir die Zeit, die du verpaßt hast, wieder zusammen bekommen. Ich muß sowieso noch mal mit dir reden, ich habe da so eine Idee." Collins überlegte. "Aber nicht mehr heute!"

Der Psychologe musterte Kargan. Der schien ein Klingone von der Sorte 'sehr ruhig' zu sein. Die ganze Zeit hatte er sich nicht einmal zu Wort gemeldet. Jack kam das ziemlich merkwürdig vor. Aber dumme Fragen wollte er nun auch nicht stellen. "Ich denke, das war's denn erst einmal."

Jacks Blick ging zur Theke, wo Tegger sich noch immer den Kopf hielt, während einige andere Gäste scheinbar immer noch darauf hofften, gleich ein wenig Ferengiblut zu sehen. Collins seufzte leise und ging dann wieder zur Theke zurück.

--- Theke

Der Psychologe setzte sich auf den freien Platz neben Tegger. "Ich glaube", sagte Jack zum Navigator, "das wird noch ganz lustig hier."

--- mitten im Raum

Für einen Moment sah Silvana Collins nach und war versucht ihm wieder an die Theke zu folgen. Immerhin hatte er es geschafft sie neugierig auf sich zu machen und das wo sie nicht von Leuten begeistert war, die in Körper und Seele stocherten. Außerdem stand neben ihm noch immer eine fast volle Flasche guten alten Whiskys...

Dann wurde sie sich aber bewußt, daß ein ziemlich überheblicher Ferengi sie noch immer abwartend ansah und auf Erklärungen dafür hoffte, daß er seit einiger Zeit seltsam war und er versucht hatte sie umzubringen. Und leider schien er davon keine Ahnung mehr zu haben.

So drehte sie ihren Kopf wieder ihm zu. "Schon erstaunlich mit welchen Gegnern du es immer aufnimmst. Zuerst das kleine Plüschohr mit der Katzenräude und jetzt ein vulkanischer Geist ohne Körper. Bravo, du scheinst den Kampf wieder einmal gewonnen zu haben und das ohne den Boden mit deinem Innersten zu überschütten." Dann senkte sie ihre Stimme ein wenig.

"Aber denke ja nicht, daß ich dir den Vorfall vorhin nicht deinem Konto anrechne. Immerhin war es deinem schwachen Geist zuzuschreiben, daß er überhaupt die Kontrolle übernehmen konnte." Silvanas Augen funkelten noch immer, auch wenn da ein Fünkchen Zufriedenheit war, daß Narbo wieder ganz der alte war.

"Welcher Vorfall? Wer hat mich übernommen?", fragte Narbo mit großen Augen und vergaß darüber sogar mal ihre Feindschaft.

"Du warst seltsam, seit du Raschkralle auf der Krankenstation das Fell über die Ohren gezogen hast. Jack", sie deutete auf den blonden Psychologen, "meinte, daß dich Ravens Geist übernommen haben könnte und du nicht zurechnungsfähig warst. Jedenfalls warst du selbst wie einer dieser verdammten Vulkanier. Aber heute bist du zu weit gegangen und hast mir ein nettes Geschenk gemacht", nun deutete sie auf Narbos Messer, daß immer noch in der Theke steckte, "aber ich wollte es dir gerne zurückgeben... leider hattest du einen Schutzengel und eine indianische Sängerin auf deiner Seite."

Ihr Blick wanderte zu Tayeya-wakan und sie hoffte für die Indianerin, daß diese nicht vorhatte, sich künftig immer in ihre Angelegenheiten zu mischen. Sonst würde sie bald Dauerpatientin bei Dr. Kargan...

Verwundert wühlte Narbo in seinem Innersten und suchte auch weiterhin nach einem Beweis; einer winzigen Erinnerung oder einem Gefühl. Einem Ereignis, das während der letzten Tage stattgefunden hatte.

Aber da war nichts!

Zerknirscht und wütend über sich selbst, runzelte er die sonst so runde Stirn und ging auf die Theke zu um sein Messer wieder zu holen.

Nachdem Kargan seinen Tricorder weggesteckt hatte, schlenderte er zur Theke, auf die bereits der soeben genesene Ferengi zuhielt.

--- Thekenbereich

Als er es aber beinahe erreicht hatte, schnellte die Hand der Amazone nieder und hielt seinen Arm schmerzhaft fest.

Währenddessen unterbrach sie nicht eine Sekunde ihr Gespräch mit dem Terraner, der Narbo als Psychoklempner vorgestellt worden war und ihre Augen blinzelten ihn für eine Sekunde drohend an und der Ferengi verstand.

Er würde sich wohl ein neues Messer replizieren müssen, und auf sein altes konnte er sicher verzichten. Und da er kein Blut auf dem Boden sah, schien es ohnehin schlecht gewichtet gewesen zu sein.

'Auf die paar Meter hätte selbst ich jemanden treffen müssen...', grübelte er einen Moment über dieses Obstrudum und überließ es aber schließlich der Vergangenheit.

"Ich schätze du kannst es behalten!", sagte er schließlich mit einem grinsenden Unterton in der Stimme und nachdem Silvana ihn losgelassen hatte, ging er hinter die Theke, um seiner gewohnten Arbeit wieder nachzugehen.

Der Profit wartete wieder auf ihn...

--- Tisch 3, inzwischen

Interessiert hatte Helen die Geschehnisse in der Bar verfolgt und sich dabei entspannt auf ihrem Stuhl zurückgelehnt.

'Langweilig scheint es hier ganz gewiß nicht zu sein', dachte sie sich erfreut und vergaß dabei sogar den Groll auf Kargan, der ihren Freund Pormas auf die Krankenstation verfrachtet hatte.

Dann antwortete sie der Indianerin, die sie gerade angesprochen hatte: "Jetzt wo der Ferengi wieder hinter der Theke steht, besteht doch die Chance noch etwas Vernünftiges zu Essen zu bekommen.

Ich werde jedenfalls mal schauen, wie es Pormas geht. Die Action scheint ja vorbei zu sein."

Mit diesen Worten erhob sich die Frau und verließ die Bar.

--- Theke

Der Chefarzt steuerte auf seinen Platz zu und fand dort einen Zettel aus echtem Papier. Seltsam. Und der Inhalt erst: 'Küche wegen Krankheit geschlossen, nichts für ungut!'

Knurrend ließ er seinen Blick ganz langsam zu Narbo schweifen. Dann hielt er dem Ferengi diesen Zettel unter die Nase und flüsterte: "Was sollen diese Scherze? Zuerst dieser unfähige Vertreter, der offenbar nicht einmal wußte, was ich bestellt habe, dann eine Messerstecherei, und zu guter Letzt dieser lächerliche Wisch? Wenn ich nicht in einer Minute ein erstklassiges Vermicula habe, gehen wir beide wieder auf die Krankenstation. Ich wollte schon immer mal einen Ferengi sezieren..."

Dann kümmerte er sich nicht mehr um den kleinen Gnom und wandte sich statt dessen Silva zu. "Weißt du schon, welche Leute du aufnehmen willst? Slade will ja bis morgen eine Liste von uns haben. Ich finde, wenn er uns schon vorschreibt, wen wir nehmen sollen, dann soll er seine verdammten Listen doch selber machen."

Von Kargans Linken ertönte eine Stimme: "Also, ich habe meine Liste schon fertig."

Verwundert drehte der Klingone seinen Kopf und sah, daß sich Xiang, der Cheftechniker, unbemerkt zu ihnen gesellt hatte.

Marc zuckte zusammen, als ein Japaner durch den Raum rief.

"Geht das nicht leiser!", bemerkte er gereizt, als in seinem Kopf wieder die Schmerzen anfingen sich zu regen. "Langsam wird mir das hier echt zu laut", sagte er zu sich, schnappte sich seinen Drink und spazierte an den hintersten Tisch der Bar. Wenigstens hier war die Lautstärke zu ertragen.

--- Tisch 13

Langsam ließ er sich auf dem Stuhl nieder und hätte beinahe noch aus Angewohnheit die Füße auf den Tisch gelegt, doch schnell genug bemerkte er, daß er ja hier nicht alleine war. Aber gemütlich war es doch. Er schaute sich in der Bar um, blickte in die Gesichter der einzelnen Gäste und erfreute sich an seinem Drink.

Nachdem Marc seinen Drink ausgetrunken hatte, stand er auf, brachte das Glas zum Replikator und verließ dann die Bar, um sich in sein Quartier zurückzuziehen.

--- Thekenbereich

Jack faßte sich an den Kopf. 'Oh Mann! Der Kerl hat mich eingestellt! Hat der mich denn heute Nachmittag überhaupt nicht wahrgenommen?' Unfähiger Vertreter! Das war starker Tobak für Collins. Er nahm sich vor, sich am nächsten Morgen noch einmal richtig bei Kargan vorzustellen. Vielleicht glaubte er ja tatsächlich, Jack wäre als Barkeeper eingestellt worden.

Aber auch Tegger schien im Moment seine Gesellschaft nicht zu wollen. 'Okay', dachte Collins, 'dann nicht!' Seine Aufmerksamkeit wandte sich wieder zum Ferengi.

Narbo benahm sich nun wie ein echter Ferengi, Profitgier ohne Ende. Jack musterte die halbvolle Flasche, die noch vor seiner Nase auf der Theke stand. 'Wäre ja eine Sünde!', dachte er und goß sich das Glas voll.

Der Ferengi hatte das natürlich mitbekommen und seine Augen wanderten wütend zwischen Collins und Silvana hin und her.

"Keine Angst", sagte der Psychologe. "Das Zeug ist gut! Und ich bin auch bereit dafür zu zahlen. Sagen wir mal als Ausgleich für den Ärger mit dem Zettel. Den habe ich geschrieben", sagte er betont laut. Dann stand er auf und ging zu seinem Tisch zurück.

--- Tisch 3

Collins stellte sein Glas auf dem Tisch und setzte sich. Tayeya musterte ihn mit einem undefinierbaren Blick.

"Hat man dich auch einfach so sitzenlassen?" Jack lächelte sarkastisch, wechselte dann aber das Thema. "Soviel Streß macht Appetit. Eigentlich könnte man jetzt etwas essen, was meinst du?"

--- hinter der Theke

Mit großer Genugtuung hatte der Ferengi den Kommentar des Terraners aufgefaßt und Kargans Gesichtsausdruck darauf war Latinum wert: Erst andere Leute beschuldigen und dann den Schwanz einziehen - kein Wunder daß aus diesem stumpfsinnigen Vertreter seiner Art noch nicht einmal ein Krieger geworden war.

Mit gewohnter Routine begann er hinter der Theke aufzuräumen und beseitigte die Spuren der "Fremdherrschaft". Und damit meinte er keineswegs Raven; der Vulkanier hatte ihm Gegensatz zu dem Terraner einen ausgeprägten Sinn für Ordnung gehabt!

Mit einem sehr feinen Tuch polierte er einen kunstvoll geschliffenen Kristallbecher und betrachtete seine Kundschaft. Alle schienen nach der Krisensituation wieder beruhigt zu sein und nur noch wenige skeptische Blicke galten ihm, was die Chance auf hohe Gewinne viel wahrscheinlicher machte.

Mit einem verschlagenen Grinsen rieb Narbo sich die Hände und bediente die Leute an der Theke bis alle zufrieden schienen oder sie kein Geld mehr hatten, was Narbos weiteres Interesse an ihnen dann verschwinden ließ.

'Ein Kunde ohne Geld war nur Verschwendung von Platz!', überlegte er grimmig und fragte sich, wieso es diese Erwerbsregel noch nicht gab. Vielleicht sollte er an das offizielle Komitee schreiben und seinen Vorschlag bekanntmachen...

Silvana hatte immer noch keine weitere Reaktion gezeigt und so hakte der Ferengi das Thema endgültig ab, auch wenn er wußte, daß sie ihn beobachten würde und ein Teil von ihm freute sich schon auf diesen subtilen Kampf - eine Erweiterung seiner Sicherheitsvorkehrungen war auf jeden Fall notwendig und die genauen Pläne für heimtückische Fallen, schwirrten in seinem Schädel herum und erfüllten ihn mit großer Vorfreude. Es ging doch nichts über eine erfolgreiche Sprengstoff-Falle und den verbrannt riechenden Geruch zerstreuten Fleisches!

Während Narbo innerlich noch in der Planungsphase war, ging er von der Theke fort, nachdem er die Worte "Essen bestellen" an Tisch 3 vernommen hatte. 'Das Gehör eines Ferengi ist etwas Feines!', dachte er grinsend und ging in Richtung der Indianerin, die ihm vor nicht allzu langer Zeit wahrscheinlich das Fell gerettet hatte.

--- Marcs Quartier

Hinter Marc schloß sich die Tür seines Quartiers und er ließ sich erschöpft auf sein Bett fallen. Er ließ den Tag noch einmal in Gedanken Revue passieren und dachte an das, was heute geschehen war. Zuerst die Abreise von der Ivory. Er konnte Abschiede nicht ausstehen. Und doch mußte er jedes Mal diese Zeremonie über sich ergehen lassen. Und am Ende war sowieso alles sinnlos, weil ein Grossteil der Besatzung wie er auf die Privateer gewechselt war.

Na ja, jetzt war der fürchterliche Tag ja vorbei und es war Zeit, mal was für den Magen zu tun. Also stand er auf, tappte zum Replikator und ließ sich ein Abendessen zubereiten. Er hatte schon überlegt, in der Bar das Abendessen zu genießen, doch nach der Sache mit dem Ferengi war es ihm lieber, wenn er den eigenen Replikator in seinem Quartier benutzte. Mann konnte ja nie wissen.

Er nahm den Teller aus der Ausgabe, trug ihn zum Tisch und schaltete gleichzeitig seinen Terminal ein. So konnte er essen und gleichzeitig ein wenig über das Schiff herausfinden.

--- Narbos Bar, Theke

Nachdem der Psychologe sie einfach an der Theke sitzen gelassen und sich lieber zur indianischen Sängerin begeben hatte, wandte sich Silvana wieder Kargan zu. Der war zwar alles andere als ein amüsanter Gesprächspartner, aber es war besser, als sich weiter über den schleimigen Ferengi zu ärgern.

Narbo war es einfach nicht wert auch nur mehr einen Gedanken an ihn zu verschwenden. Der vulkanische Narbo war eine nicht zu unterschätzende Gefahr gewesen, den schleimerischen hatte sie wieder völlig unter Kontrolle. Die raubtierhafte Frau wußte, daß er im Grunde ein Feigling war. Sie beschloß trotzdem das Sicherheitskraftfeld um sein Shuttle weiter aufrecht zu erhalten.

Vorher war es zum Schutz da, denn sie wußte noch sehr gut, was für Babys er aus dem Hut gezaubert hatte, als es darum ging die Jumper-Mutter außer Kraft zu setzen. Wahrscheinlich waren wahre Schätze an Sprengstoff an Bord seines Shuttles. Da wollte sie nichts dem Zufall überlassen. Jetzt erübrigte sich ihrem Instinkt nach die Überwachung und das Sicherheitskraftfeld. Doch es war eine gute Möglichkeit Narbo zu ärgern...

"Wozu soll ich schon eine Liste machen?" Silvanas Blick traf Lin Xiang, der darauf hin in sich zusammenschrumpfte und scheinbar erwog aus der Bar zu fliehen, dann sah sie Kargan an. "Die paar Leute hab ich im Kopf und werde sie Slade schon mitteilen. Irgendwann wird schon Zeit dazu sein." Dann wandte sie sich wieder ihrem Whisky zu.

Der Nachwuchs für die Sicherheit war ohnehin eine traurige Angelegenheit über die sie mal mit Slade würde ein paar Wörtchen reden müssen....

Mit diesen Gedanken verabschiedete sie sich bei Kargan, da sie noch die Daten über Narbo freigeben wollte.

--- Tisch 3

"Ja, Jack, essen hört sich wirklich verlockend an", beantwortete die Indianerin die Frage des Psychologen. "Ich war zwar schon am Überlegen, ob ich nicht doch lieber in mein Quartier gehen soll, das auch noch eingerichtet werden will - aber nachdem ich ja jetzt wieder Gesellschaft habe, ist gegen etwas zu essen wirklich nichts einzuwenden."

Jack Collins schien etwas antworten zu wollen, aber in genau diesem Moment trat der Ferengi mit einem abschätzenden Blick in seinen Augen an den Tisch. "Was darf ich Ihnen bringen?", fragte er eifrig und schaffte es nicht, den etwas lauernden Unterton in seiner Frage zu verbergen - Vielleicht wollte er es auch gar nicht.

Tayeya überlegte kurz, dann gab sie ihre Bestellung auf. Ob der Ferengi wohl einen Replikator hatte, der ein wirklich gutes Rumpsteak zustandebrachte? Na gut, sie würde es bald merken. Und wenn nicht, dann müßte sie sich eben zukünftig selbst versorgen, was ihr sicherlich keine großen Probleme machen würde. Dann blickte die Indianerin zu Collins. "Und, Jack, was nimmst du?"

"Tja", antwortete Collins. "Steak hört sich nicht schlecht an. Ich bekomme auch eins, Medium bitte!", sagte er zu Narbo.

"Medium, natürlich!", heuchelte der Ferengi und verschwand Richtung Theke. Dort unterhielten sich Silvana, Kargan und eine weitere Person, die Jack noch nicht kannte.

"Ja", sagte der Psychologe dann halblaut zur Indianerin. "Arbeiten muß ich nachher auch noch ein wenig. Ich hoffe nur, daß unsere Sicherheitschefin noch die Daten, die ich benötige, freigibt. Eigentlich würde ich auch lieber mein Quartier einrichten. Obwohl, so schlecht ist es gar nicht."

Erst jetzt stutzte Collins. "Die Quartiere sind doch eingerichtet. Okay, ein paar Kleinigkeiten könnte man ändern, aber sonst ist der Standard auf diesem Schiff doch sehr gut. Was gefällt dir nicht?"

"Genau der Standard ist es, der mir nicht zusagt", antwortete die Indianerin. Aber der Psychologe sah nun erst richtig verwirrt aus. Also begann Tayeya mit einer Erklärung: "In meinem Volk benutzt man keine Tische, keine Stühle oder anderes Mobiliar. Daher habe ich veranlaßt, daß dieses aus dem Quartier entfernt wird, damit ich mich wenigstens so einrichten kann, wie ich es daheim in meinem Tipi machen würde."

Sie schwieg eine Weile und starrte in die Luft vor ihrem Platz. Dann fuhr sie fort: "Weißt du, ich bin jetzt doch schon ziemlich lange fort von meinem Volk und die Lebensweise der Geis... Weißen sagt mir nicht wirklich zu. Und du als Psychologe solltest ja verstehen, daß man sich einen Platz erhalten muß, an dem man sich - wenn schon nicht 'daheim' - wenigstens zufrieden fühlt..."

--- Weg zur Theke

Ein weiteres Grinsen huschte über Narbos Gesicht, als er sich über die bereits entstehenden Konflikte zwischen der Mannschaft freute. Immerhin versprachen sie viel Spaß und die ein oder andere Intrige ließ sich bestimmt auch einbringen.

Doch vorerst hatte er andere Probleme und es waren sicherlich nicht die bestellten Steaks. Nein; so wie er Silvana kannte, war der Zugang zu seinem Schiff schon seit einigen Minuten gesperrt und selbst er würde beträchtlichen Schweiß in die Überwindung der Sicherheitssysteme stecken.

Andererseits war dies eine willkommen Ablenkung von dem sonst so tristen Alltag - die Übernahme durch den Vulkanier hatte er schon längst wieder verdrängt.

--- Thekenbereich

Mit Tausenden von gierigen, hinterhältigen kleinen Plänen im Kopf erreichte er die Theke und steuerte unterbewußt auf den Replikator zu, während Silvanas Blick souverän jede seiner Bewegungen wahrnahm.

"Zwei Steaks - irdisches Rind", befahl er dem Gerät und keine Sekunde später kam die erwartete Antwort des Computers: "Schwarz wie Kohle oder blutig?"

Die Nasenflügel des Ferengi hoben sich vor diebischer Freude als die Modifikationen an den Stimmprozessoren eine solch unkonventionelle Antwort lieferten - die Standardversion des Hauptcomputers wäre ihm viel zu "normal" gewesen.

"Normal, aber mit der Standardbeilage und zwar schnell!", gab er zurück und fragte sich, wie man nur ein Steak bestellen konnte - die lydianischen Schnecken schmeckten doch ganz hervorragend dazu!

--- Tisch 3

Collins nickte langsam. "Da hast du wohl recht!", sagte er und dachte darüber nach, was er wohl als Daheim bezeichnen sollte. Seine alte Heimat war wohl kaum mehr erreichbar.

Das letzte, was der Psychologe als Zuhause bezeichnen konnte, war der Förderationsaußenposten, auf dem er ein paar wunderbare Jahre verbracht hatte, bis die Borg kamen. Und nun schien das Leben wieder unstetig und unruhig zu werden. 'Das alte Nomadendasein', dachte er.

"Ich glaube, in den Jahren habe ich gelernt, mich an den jeweiligen Gegebenheiten anzupassen, manchmal leichter, manchmal schwerer. Aber irgendwie ging es immer." Jack trank einen Schluck aus seinem Glas.

"Es ist gut, daß man an seinen Traditionen hängt!", fuhr er dann fort. "Es ist etwas, wofür es sich lohnt zu leben und es gibt einem in manchen Situationen Kraft und manchmal beneide ich die Leute, die so etwas machen."

Bevor Tayeya darauf etwas sagen konnte, brachte Narbo die Steaks und natürlich auch gleich die Rechnung. Frei nach dem Motto 'Erst das Geld, dann die Ware'! Collins und Tayeya zahlten ihre Speisen und fingen wortlos an zu essen.

Das Steak war wirklich gut. 'Scheinbar gehört es sich bei Indianern auch nicht, während des Essens zu reden', dachte er schmunzelnd. 'Eine gute Tradition!'

Nachdem beide gesättigt waren, erhob sich Collins. "So, es wird Zeit! Ich habe noch ein wenig Arbeit und du willst ja noch dein Quartier einrichten. Also, wir sehen uns morgen", sagte er und verließ dann die Bar.

--- Collins Quartier, etwas später

"Computer! Erbitte Zugang zu den Personaldaten und den Bericht der letzten Mission!", sagte Jack und befürchtete, die schnulzige Stimme des Computers der Ivory könnte antworten.

Statt dessen kam nur ein schnorriges "Identifizieren Sie sich!" Der Psychologe grinste. "Jack Collins, Psychologe! Die Sicherheit müßte mittlerweile eine Genehmigung erteilt haben!", antwortete er.

"Genehmigung wurde erteilt, Sie haben Zugriff!", sagte der Bordcomputer. "Danke", antwortete Collins. "Dann kannst du auch gleich einen Kaffee replizieren. Heiß und schwarz."

--- Marcs Quartier

Satt und zufrieden schaltete er das Terminal aus und lehnte sich in dem Stuhl zurück. 'Das war ja nicht schlecht', dachte Marc und gähnte kurz.

"Computer, wie spät ist es?", fragte er und hoffte, daß der Computer auf diesem Schiff wenigstens eine normale Stimme hatte; und was das Wichtigste war, eine normale Persönlichkeit. Doch er hatte Glück. Blechern und mechanisch teilte ihm der Computer die aktuelle Uhrzeit mit.

"Was? Schon so spät?", rief er und räumte schnell das Geschirr zurück in den Replikator.

"Computer, bitte die Weckzeit von mir auf 7.00 Uhr einstellen", sagte er, während er schon auf dem Weg zum Bad war.

"Gespeichert!", kam trocken die Antwort zurück.

Schnell verrichtete er seine Badangelegenheiten und kroch in sein Bett, nachdem er sich seiner Klamotten entledigt hatte. Erschöpft zog er die Decke bis unters Kinn, machte das Licht in seinem Quartier aus und schloß die Augen.

--- Brücke

Gerne hätte Slade es sich in der Bar gemütlich gemacht, aber ihn hielten einige Dinge auf Trab, zum Einen die Einstellung der neuen Leute. Teilweise waren die Abteilungschefs mit deren Beurteilung sehr fleißig gewesen. Zum Beispiel der neue Cheftechniker, der zu jedem Bewerber eine ausführliche Begründungen geliefert hatte, welche Qualifikationen dieser besaß, und am Ende noch eine Art 'Rangliste' angehängt hatte.

Negativbeispiele waren Kargan und Silvana, die sich noch gar nicht gerührt hatten. Slade beschloß, den Beiden mal etwas auf die Füße zu treten.

Fünf Minuten und eine mittlere Standpauke später hatte er die gewünschten Informationen. Fünf Neuzugänge in der Sicherheit und Drei in der Medizin. Na bitte, warum nicht gleich so. Schließlich mußten ja noch die Zu- und Absagen verschickt werden. Diese heikle Aufgabe blieb natürlich an ihm hängen.

Und gewissenhaft wie immer erfüllte er sie: "Jean: An die erste Liste schickst du Absagen, und an die Zweite Zusagen. Verstanden?"

Nach ein paar Sekunden kam die Ausführungsmeldung, die Slade mit einem zufriedenen Knurren zur Kenntnis nahm.

--- etwas später, in Slades Quartier

Zufrieden ließ Slade sich in sein Bett sinken, nachdem er den Computer angewiesen hatte, ihn schon gegen 6 Uhr zu wecken. Er wollte bereits auf der Brücke sein, wenn die Neuen um 8 Uhr ihren Dienst antraten.

--- Egnars Kabine

Das faltenreiche Gesicht auf dem Terminal schien ihn mütterlich anzublicken, doch Egnar wußte, daß diese Frau zu keiner Empfindung fähig war. Regungslos und aufs äußerste gespannt hörte er sich die Aufzeichnung an.

"Hallo, mein Sohn!", begann sie mit einer sanften Stimme zu reden.

"Ich habe schon lange nichts mehr von dir gehört, warum meldest du dich nicht mal wieder? Hier tut sich so viel, stell dir vor, die McCrackens von nebenan haben einen kleinen Sohn bekommen! Also so süß, das kannst du dir gar nicht vorstellen!

Melde dich doch mal wieder, dann zeige ich dir ein paar Bilder von ihm!

Sag mal, was genau arbeitest du denn gerade? Das letzte Lebenszeichen von Dir war schließlich die kurze Mitteilung, daß du nun auf diesem Schiff 'Privateer' arbeitest.

Als was genau arbeitest du denn dort? Und was ist das für ein Schiff? Der Name klingt ja nicht sehr nach Sternenflotte! Dein Vater und ich, wir machen uns große Sorgen um dich! Wie ist denn dein Captain so? Erträglich? Oder bekommst du ihn kaum zu Gesicht?

Junge, wir vermissen dich hier alle!"

Mit diesen Worten verdunkelte sich das Display und Egnar grübelte über das nach, was er eben gehört hatte. Seit er hier an Bord der Privateer war, hatte er auf derartige Anweisungen gewartet, und doch - jetzt, als es soweit war, überkam ihn die Unruhe, die ihn bisher bei jedem Auftrag ergriffen hatte.

Wie würde er es diesmal anstellen?

Er überlegte, und während er die diversen Möglichkeiten durchdachte, wurde er zunehmend ruhiger. Seine Profession mochte gefährlich sein, aber je ruhiger er jetzt über alles nachdachte, desto geringer wäre später sein Risiko.

Er hatte völlig freie Hand für seinen Auftrag bekommen.

Natürlich. Wie immer. Schließlich war dies eine seiner Bedingungen gewesen, unter denen er diesen Auftrag überhaupt angenommen hatte.

Seine Auftraggeber neigten stets zu der gleichen Ansicht: "Damals, bei General XY haben Sie großartige Arbeit gezeigt. Genau so möchten wir es in diesem Fall ebenfalls."

Egnar lächelte über seine Angewohnheit, sogar in Gedanken Namen zu vermeiden. Er rechnete grundsätzlich immer mit allem, auch mit irgendwelchen Telepathen, die ihn gerade sondierten. Diese sollten wenigstens keine konkreten Hinweise auf seine Vergangenheit haben.

Dabei übersahen seine Auftraggeber immer, daß es wesentlich besser war, flexibel Situationen auszunutzen, als ständig die gleichen Angriffsmuster zu zeigen. Zum Einen war spätestens nach dem zweiten Mal die Methode abgegriffen, und zum anderen durfte man die Untersuchungsmethoden der Polizei nicht unterschätzen.

Schon die kleinste Kleinigkeit, die kleinste Wiederholung, würde einen Hinweis darauf liefern, daß in zwei Fällen der gleiche Täter am Werk gewesen war. Damit konnte man die kleinen Fehler, die immer passierten - niemand war fehlerlos - zu einem Puzzle zusammensetzen, das vielleicht letztendlich einen Hinweis auf ihn lieferte.

Und das durfte nicht sein.

Nur wenige Auftraggeber sahen ein, daß sie mit ihm keinen Killer, sondern einen Künstler engagiert hatten. Natürlich war sein Preis entsprechend hoch...

Da Egnar in der Zeit hier an Bord bereits vorausgesehen hatte, was sein momentaner Auftraggeber von ihm wünschte, hatte er sich schon für die möglichen Ziele verschiedene Strategien zurechtgelegt.

Die Sicherheitschefin würde durch einen bedauerlichen Unfall auf ihrem Lieblingsarbeitsplatz - der Trainingshalle - schwere Verletzungen erleiden, um dann auf der Krankenstation einem ebenso bedauerlichen technischen Versagen eines Biobettes zu erliegen.

Für das Ableben des Captains gab es diverse Möglichkeiten. Leider schieden Gift und ein explodierender Phaser oder Communicator aus, diese Arten des Ablebens hatte Egnar bereits in jüngster Vergangenheit schon einmal benutzt.

Nein, für diesen Anticaner hatte sich der Assasine etwas ganz Neues ausgedacht, und in seiner Freizeit bereits an den elektronischen Spielereien gebastelt. Sollte der Captain doch nicht das Ziel sein, würde er die Geräte bei seinem nächsten Auftrag benutzen.

Aber seit dem Gespräch eben wußte er, was er zu tun hatte. Die Geräte würden genau jetzt installiert werden...

Schließlich hatte die computergenerierte alte Frau zuerst von einem neuen Kind, also einem neuen Auftrag gesprochen, dann das Codewort McCracken für eine Terminierung benutzt und sich zu guter Letzt nach dem Captain erkundigt. Die Nachricht war eindeutig.

Und sie enthielt keinerlei Zeitangaben, was bedeutete, daß er sich laut Absprache bis zu zwei Tagen Zeit lassen konnte, die er allerdings aufgrund seiner Vorarbeiten nicht brauchen würde.

--- Narbos Bar; mehrere Stunden später

"Get your motor running Head out on the highway Lookin' for adventure In whatever comes our way....",

dröhnte es mit einer elektrisierenden Stimme aus den mehreren KW starken Boxen, die der Ferengi erst vor kurzem von einem mittellosen Crewman erworben hatte und Narbos Kopf war mit ekstatischem Head-Banging vertieft, während der Ferengi die Tür zur Bar endgültig vom Computer verriegeln ließ.

"Yheaaaaaaaa darlinnnng gonna make it happen", gröllte er mit seiner schrillen in den Ohren schmerzenden Stimme mit und nur die schalldichten Wände verhinderten einen Gewaltausbruch seiner Nachbarn!

Der letzte Gast war vor wenigen Minuten gegangen und Narbo hatte vor sich nun seine verdiente Freizeit zu gönnen und genau vor 30 Sekunden hatte sie angefangen. Der vulkanische Geist hatte in Askese gelebt und Narbo beabsichtigte sämtliche verpaßten Sünden der letzten Wochen an einem Morgen nachzuholen - laute Rockmusik und Headbanging ohne Haare schienen da genau der richtige Anfang zu sein.

Im Rhythmus schwang er mit einem Ionenbesen durch die Bar und beseitigte die Überreste einer kleineren Schlägerei, die nur einige Minuten nach Silvanas Verschwinden angefangen hatte und durch eine sehr brutale Richtigstellung der wütend zurückkehrenden Sicherheitschefin beendet gewesen war.

Trotzdem waren einige der Tische zu Bruch gegangen und in der Krankenstation würde es heute morgen sicher nicht an Patienten fehlen. Narbos Mund formte ein freudiges Grinsen und als er an die Schadensersatzforderungen dachte, wurde ihm noch wärmer ums Herz - falls er eins hatte oder er es jemals zugeben würde.

Und mit einem Funkeln in den Augen setzte er auch dem ersten Versuch eines Eindringens in sein Shuttle auf die Liste seiner morgendlichen Unternehmungen. Zweifelsohne hatte Silvana es sichern lassen, aber in Anbetracht ihres unfähigen Stabes - und in diesem Moment sah er das große häßliche Gesicht Rogdans vor sich - würde es sich sicher nicht als unmöglich herausstellen.

'Außerdem kann so eine kleine Herausforderung mir sicher nicht schaden!', fügte er mit einem leicht bitterem Beigeschmack hinzu, 'auf diesem Kahn rosten meine Fähigkeiten ein und das wollen wir doch nicht!'

Aber zunächst war dies alles egal. Die Musik hämmerte ohrenbetäubend laut weiter aus den Boxen und die wahnsinnige Freude des Ferengi ging weiter; über sich selbst und über sein Leben!

"Like a true nature's child We were born, born to be wild We can climb so high I never want to die Born to be wild Born to be wild..."

--- morgens, 7:30 Uhr, Brücke

Slade betrat die Brücke, setzte sich auf seinen Platz und wartete.

Alleine, wenn man von Jean-Lucs Gegenwart absah.

Da öffnete die Tür des Turbolifts sich zischend und heraus kam eine gut gelaunte Silvana. Slade wandte ihr seinen Kopf zu und kannte sie schon gut genug um zu wissen, was los war.

"Na, wieder eine Nachtschicht mit der Ausbildung eingelegt?", fragte er mit einem raubtierhaftem Grinsen auf den Lippen, während er zusah, wie sie geschmeidigen Ganges zur Sicherheitsstation ging.

"Natürlich, der Abend war einfach zu schön um nicht mehr zu trainieren und auf der faulen Haut in meinem Quartier zu liegen. Narbo ist wieder ganz der alte und ich freue mich schon darauf ihm mal den Laden wegen eines nichtigen Grundes für einen Tag zu schließen. Er macht sich sicher gut, wenn er vor Wut an der Decke klebt... Mit seinen großen Ohren sieht er glatt so aus, als sei er selbst raufgeflogen." Süffisant grinsend nahm Silvana ihren Platz ein und kontrollierte mit geübten Blick alle Anzeigen. Aber es war nichts ungewöhnlich.

Kein Wunder, standen sie auch noch immer angelegt an SB 185 und warteten darauf, daß es endlich wieder auf Reise ging. Eigentlich schade, wenn man bedachte, daß sie die meiste Zeit mitten im Weltall unterwegs sein würden und sie noch nicht mal einmal festen Boden unter den Füssen gehabt hatte. Sie nahm sich spontan vor, sich mal die Station näher anzusehen.

Naja, vielleicht nicht die ganze Station. Denn was interessierten sie schon Händler, wo sie ständig Händler besuchten.

Es konnte auch gut sein, daß sie bei ihrer Erkundung mit der Bar begann und es dann dabei beließ, wenn die Getränke besser waren als die von Narbos Bar.

Narbo, da war doch noch etwas...

"Slade, du hast ja sicher meinen kleinen Bericht gelesen, den ich dir gestern Nacht geschickt habe. Sicher scheint die Gefahr gebahnt zu sein, daß Narbo sich wieder in einen vulkanischen Attentäter verwandelt, aber du solltest trotzdem Narbo befehlen in eine Langzeittherapie bei dem neuen Seelendoc zu gehen. Ich seh ihn doch so gern leiden...

Übrigens...", Silvana ging zur Navigation und lümmelte sich dort auf einen Stuhl, "könnte sein, daß der gute alte Doc heute keine Zeit für dich übrig hat. Es gab in Narbos Bar eine Rauferei und ein kleiner Teil deiner Crew testet nun die Funktionalität der Biobetten auf der Krankenstation aus. Und wie ich den Doc kenne läßt er jetzt schon seine neuen Stümper an ihnen herumpfuschen."

Ein Blick von Slade ließ sie verteidigend hinzufügen: "Aber die meisten hätten schon 'vor' meinem beherzten Eingreifen zum Doc gemußt. Und es schadet diesem aus der Art geschlagenen Klingonen auch nicht im Geringsten an der Crew zu trainieren, falls dir oder mir mal etwas zustößt. Entenburg würde ich eher meine Leute zum Training überlassen, als meinen Körper zum Behandeln."

Der Captain schien etwas sagen zu wollen, was den gestrigen Vorfall in der Bar betraf, doch Silvana setzte hinzu: "Egal ob der Doc arbeitet oder nicht, er kostet dich doch den gleichen Lohn. - Ich repliziere mir jetzt einen Drink mit Proteinen und Aufbaustoffen, bevor sich die Neuen kurz bei dir melden. Nein, du willst gar nicht genau wissen, was da alles drin ist. - Soll ich dir etwas mitbringen?"

--- Collins Quartier

Jack schlürfte nun schon seinen dritten Kaffee, scheinbar gab es den beim Replikator nur ohne Koffein. Oder aber er wirkte überhaupt nicht. Nachdem er sich am gestrigen Abend von Tayeya verabschiedet hatte, war er gleich in sein Quartier gegangen.

Bis vier Uhr an diesem Morgen hatte er sich die Personal- und Missionsdaten angesehen. Irgendwie las sich alles wie ein Roman und man konnte kaum glauben, was sich alles abgespielt hatte.

Wenn alles so stimmte, was in dem Bericht stand, könnte er Narbos Gedächtnis ein wenig helfen. Und wenn nicht, na ja, man würde sehen. Collins packte ein paar Unterlagen zusammen, nahm sein Padd und verließ das Quartier.

--- Büro des Psychologen

'Wow, ne richtige Polsterecke!' Jack war begeistert. Man konnte schon sehen, daß dieses Schiff früher mal exklusive Aufgaben wahrgenommen hatte.

Lässig schwang sich Collins in den Stuhl hinter dem Schreibtisch und aktivierte das Display, wo auch prompt eine Nachricht erschien. 'Ups! Und auch noch für mich!?', dachte er und öffnete die Datei.

'Bla, bla. . . bla, ab sofort, bla. . . als Psychologe eingestellt . .bla . . usw, usw....', abgesendet am gestrigen Abend.

"Na, dann haben wir ja wenigstens nicht ganz umsonst gearbeitet heute Nacht!", sagte Jack und drehte sich mit seinem Stuhl, um die Füße auf dem Tisch zu legen. 'Da warten wir bis 7:45 und gehen dann zum Doc!"

In der Hoffnung, daß so früh am Morgen noch keine Patienten auftauchten, schloß der Psychologe einen Augenblick die Augen.

--- Marcs Quartier

Gerade hatte Marc die Reste des Frühstücks verputzt und die Überreste davon entsorgt, als ihm einfiel, daß er ja noch gar nicht auf der Krankenstation gewesen war, um die Einstandsuntersuchung machen zu lassen. Also schickte er noch eine Terminanfrage an Kargan mit der Bitte um Rückruf und machte sich dann auf den Weg zur Brücke.

--- Narbos Bar, inzwischen

Genau 3 Minuten und 27 Sekunden später war der letzte Ton des Liedes verklungen und Narbos Augen spiegelten die pure Energie in ihm wieder und seine Finger zuckten vor Unternehmungslust. Doch bevor er sich seinem Shuttle widmen konnte, mußte er sich "Die Erlösung" beschaffen, jene psycho-aktive Substanz, die ihn seit Jahren begleitete und emotionale Ausbrüche verhinderte.

Nun ja, die schlimmeren...

Während ihrer letzten Mission war es Narbo gelungen im allgemeinen Chaos relativ einfach und ohne viel Raffinesse an das Medikament zu gelangen, aber nun, nun war es schwieriger und er verfluchte den Vulkanier, der jedes Auffrischen der Vorräte in letzter Zeit vereitelt hatte.

'Dank dieses grünblütigen Hundes muß ich während des laufenden Betriebes an das Zeug kommen und zwar bald...', grummelte er innerlich weiter, während sich seine Finger endgültig zu einer Faust ballten und die scharfen Nägel in das Fleisch der Handballen schnitten, bis frisches Blut auf den Boden tropfte.

Zunächst würde es nötig werden, einen genauen Plan zu erarbeiten und hierfür war ein Grundriß der Krankenstation unentbehrlich und zusätzlich müßte er die Krankenstation persönlich aufsuchen, um die genaue Position "Der Erlösung" zu bestimmen.

Immerhin hatte der Arzt an Bord mittlerweile gewechselt und Klingonen waren nicht gerade für Ordnungsliebe bekannt, wobei Kargan meistens eine Ausnahme darstellte. Ein Klingone, der zu feige war um Krieger zu werden...

--- Brücke

Mit einem überraschten Gesicht betrat Marc die Brücke. Sie kam ihm kleiner vor, als auf den ganzen Bildern, die er am Abend zuvor studiert hatte. Aber auch irgendwie gemütlicher. Und mitten auf der Brücke saß der Captain. Aus den Augenwinkeln konnte er noch diesen Roboter erkennen, der irgendwas an einer Konsole arbeitete. Und auf dem Platz der Navigation; SEINEM PLATZ; saß diese Frau von der Sicherheit. Irgendwie kam es ihm so vor, als würde diese Frau diese ganzen Provokationen mit Absicht machen. Wie konnte man nur mit so jemanden arbeiten?

Marc versuchte seinen Ärger zu verdrängen und schritt langsam zu Slade und stellte sich vor ihn.

"Guten Morgen, Captain. Wie befohlen melde ich mich zum Dienst, Sir!", sagte er und schaute auf den Captain herunter.

Slade nahm noch einen herzhaften Schluck von dem erstklassigen takarianischen Wulnagger, das ihm Silva mitgebracht hatte. Dann bequemte er sich zu antworten: "Willkommen an Bord, Mr... äh...Tegger.

Sie sind der neue Pilot, richtig? Dann können Sie ab heute Mittag zeigen, was Sie können. Bis dahin sollten Sie sich mit der Steuerung schon ein wenig vertraut machen, falls Sie noch nie eine Norway geflogen haben, was ich fast annehme.

Den genauen Kurs bekommen Sie kurz vor dem Start. Sie können sich die reale Steuerung anschauen, oder ein Übungsprogramm auf dem Holodeck absolvieren. Ein Freund hat mir erzählt, daß er gute Erfahrungen mit Holodecks gemacht hat. Aber Sie müssen natürlich selber wissen, wie Sie sich am besten einarbeiten."

Zu Silvana meinte er: "Ich hoffe, du hast noch ein paar Sicherheitsleute am Leben gelassen. Und jetzt sag nicht wieder: 'Was die nicht umbringt, macht sie nur härter.'

Wie war das denn mit dem vielversprechenden Vulkanier, dem du beinahe den Schädel eingeschlagen hättest? Sabbernde Idioten kann ich nicht so gut brauchen. Sag mal, was hast du eigentlich gegen Vulkanier?"

--- Büro des Psychologen

Collins linkes Auge versuchte krampfhaft die Uhrzeit zu erkennen. Eigentlich waren seine Augen noch sehr gut, aber die Informationsübertragung vom Auge zum Gehirn war heute Morgen deutlich eingeschränkt.

Als diese Information nun endlich dort angelangt war, wo sie hin sollte, schrak der Psychologe mächtig zusammen. "So ein Mist! Erster Arbeitstag und zu spät zu Terminen erscheinen!" Er sprang auf und begab sich zum Ausgang.

--- Krankenstation

'Habe ich was verpaßt?', war der erste Gedanke, als Jack die Krankenstation betrat. Eigentlich hatte er der erste sein wollen. Aber mindestens ein halbes Dutzend Leute ließen sich von Kargan und einer Frau, die Jack bisher noch nicht kannte, die aber wahrscheinlich diese Entenburg war, behandeln.

Den Verletzungen nach zu urteilen, hatte es entweder eine Schlägerei gegeben, oder aber Silvana hatte mit ihren Leuten trainiert, das schien zumindest den Aufzeichnungen der letzten Mission nach ihr Hobby zu sein.

Überall gebrochene Nasen, Prellungen im Gesichts -und Rippenbereich und einen Fall, wo der Schlag ziemlich unfair in den Unterleib getroffen hatte.

"Na, wenigstens fällt es nicht auf, daß ich ein paar Minuten zu spät komme", murmelte Jack und begab sich zu einem noch unversorgten Patienten. "Ich werde mal ein wenig mit anpacken!", sagte er zu Kargan gewandt.

Der Psychologe nahm sich einen medizinischen Tricorder und fing an den Mann vor ihn zu scannen. "Hm, organisch alles klar, nur die Nase ein wenig eingedrückt. Das haben wir gleich!" Er legte den Tricorder weg und ließ an seinen Händen einmal die Fingerknochen knacken.

Mit einem merkwürdigen Gesichtsausdruck sah der Mann Collins an, der grinsen mußte. "Keine Angst, ich bin schließlich kein Klingone!", sagte er und begann die Verletzung zu behandeln.

--- Tayeyas Quartier, inzwischen

Bevor die Indianerin ihr Quartier verließ, um ihren Dienst anzutreten, blickte sie sich noch einmal zufrieden um. Sie hatte am vergangenen Abend doch noch so einiges geschafft, zumindest wirkte ihr Quartier jetzt einigermaßen wie ein Zuhause.

Sie hatte es sogar geschafft, dem Computer einen anderen 'Wecker' einzugeben, und das, obwohl sie aus einer Zivilisation stammte, die solche Geräte gar nicht kannte. Auf jeden Fall war sie, wie auf Ankantu, vom grauenden Morgen und den Geräuschen der Natur geweckt worden - ein plätschernder Bach, zwitschernde Vögel, das Wiehern eines Pferdes...

Aber nun wurde es Zeit, sich auf den Weg zu machen...

--- Krankenstation, kurze Zeit später

'Wakantanka, hier ist ja schon mächtig was los!', dachte Tayeya, als sie die Station betrat. Sechs oder acht Geister in mehr oder weniger stark angeschlagenem Zustand, dazu der Klingone, eine menschliche Frau und Jack, die sich um die Verletzten kümmerten.

'Na gut, dann mal los. Immerhin bist du hier als Medizinfrau eingestellt worden', sprach sich die Indianerin Mut zu. Dann schritt sie zu einer Frau, die zusammengekauert auf einem Stuhl saß. "Guten Morgen, ich bin Tayeya-wakan. Hat man sich um Sie schon gekümmert?"

Als die Frau leicht den Kopf schüttelte, begann die Indianerin, sie zu untersuchen. Auf die althergebrachte Art. Ohne medizinischen Tricorder. Mochte der Klingone doch an die Decke springen, sie zumindest war in der Lage, Krankheiten und Verletzungen noch ohne technische Unterstützung zu diagnostizieren...

Während Collins seinen Patienten behandelte, beobachtete er fasziniert die Behandlungsmethode Tayeyas. Sie schien ohne irgendwelche technische Diagnosegeräte auszukommen.

"So", sagte der Psychologe. "Sie ist zwar nicht mehr ganz so gerade wie vorher, aber ansonsten sieht es gar nicht so schlecht aus!" Ein schadenfrohes Grinsen stand auf seinem Gesicht, als er seinem Patienten auf die ehemalige Nase blickte.

"Und lassen Sie mich was sagen, reparieren können wir, chirurgische Korrekturen aber nur gegen Aufpreis! Merken Sie sich das, bevor Sie sich wieder mit jemanden anlegen. Sie können jetzt Ihren Dienst antreten!" Collins wandte sich von den Mann ab.

"Sie sollten nicht so grob mit den Leuten umgehen, Bübchen!", sagte eine resolute Frauenstimme hinter Jack. "Außerdem würde ich gerne wissen, wer Sie sind?"

"Ah, Edwina, nicht war? Mein Name ist Collins, der wohl neue Psychologe. Ich habe schon einiges über Sie gelesen!" Collins zog seine freundliche Maske auf, obwohl ihm eigentlich nicht danach zumute war. Er war müde und irgendwie mißgelaunt. Es gab nun mal solche Tage.

"Oh", entgegnete Edwina. "Was haben Sie denn gelesen, Mr. Collins?" Jack erkannte, das er den falschen Weg gewählt hatte. Die erröteten Wangen Edwinas ließen ihn darauf schließen.

"Es wäre schön, wenn jemand mal mit anfassen könnte!", sagte Tayeya plötzlich. "Wir müßten bei dieser Frau einen Bruch richten, vorher kann ich den Heilungsprozeß nicht aktivieren!"

"Natürlich! Entschuldigen Sie", sagte Jack zu Edwina und ging zu Tayeya.

"Danke", flüsterte der Psychologe der Indianerin zu.

--- Brücke

Silvana nahm einen Schluck von ihrem Energiedrink, der sich wie eine kalte feuchte Umarmung in ihrem Körper anfühlte und auch so schmeckte. Dann streckte und räkelte sich, bis knackend jeder einzelne Knochen in ihrem Körper seinen ursprünglichen Platz eingenommen hatte und sie sich wieder geschmeidig wie eine Katze fühlte.

"Was ich gegen Vulkanier habe? Das ist doch nicht dein Ernst, daß du mich das fragst..." Ein Blick versicherte sie, daß es sehr wohl sein Ernst war. "Vulkanier sind kalte und emotionslose Fische. Das bedeutet, daß man sie schwerer einschätzen kann und daß hinter der kalten glatten Oberfläche oft ein Vulkan ausbricht. Außerdem sind sie in der Sicherheit ziemlich unbrauchbar, da sie sich viel zu sehr auf ihre paar Griffe verlassen um einen Gegner außer Kraft zu setzen.

Aber es gibt auch persönliche Gründe für diesen Haß. Nämlich, daß Vulkanier ihre besonders ausgeprägte Gefühlswelt unterdrücken und dadurch beherrschen wollen, empfinde ich als Versklavung ihrer Selbst, ein Verbrechen gegen ihre wahre Natur", ihre Pupillen waren erneut schmal geworden, "und ich hasse, daß sie sich hinter diesen falschen Masken verstecken. Nicht immer führt die Logik auch zum Erfol....

Sag mal, mußt du mich so anstarren, Kleiner?" wandte sie sich mit einem Mal dem Navigator zu, der immer noch steif wie ein Brett auf der Brücke herumstand und sie fixierte. Anscheinend war sie ihm im Wege um seinen Platz hinter dem Steuer einnehmen zu können.

"Der Platz an der Navigation mag ja deiner sein, aber du bist zu früh hier. Dein Pech." Sie machte keine Anstalten sich zu erheben und ihr Blick sprach Bände. "Inzwischen zur Sicherheitsstation zu gehen, würd ich dir nicht anraten, das könnte deiner Gesundheit schlecht bekommen..."

Mit einem Räuspern meldete sich nun Jean-Luc zu Wort. Entweder wollte er einen aufkeimenden Streit schlichten, oder er hatte keine Lust wieder jemand von der Brücke abkratzen zu müssen. "Wenn ich bemerken darf ist genau in 7,34 Minuten 8 Uhr, Sir." Wieder wurde sein Kopf von einigen sehr abgehackten Zuckungen geschüttelt. Anscheinend war bei ihm jetzt wirklich eine Schraube locker. Das kam davon, weil Slade ihn zu würgen beinahe schon zu seinen liebsten Gewohnheiten zählte.

Bevor Silvana ihn wieder einmal daran erinnern konnte, daß sie kein "Sir" war, öffnete sich zischend die Turbolifttür und drei weitere Gestalten traten auf die Brücke. Offensichtlich ein Halbklingone, ein Romulaner und ein Humanoid.

"Melden uns zum Dienst, Sir!", riefen die drei wie aus der Pistole geschossen und nahmen augenblicklich straffe Haltung an. Besser konnten es die Offiziere auf einem Sternenflottenschiff auch nicht tun.

Das Training gestern hatte sich bereits bezahlt gemacht, auch wenn Silvana ihnen beibringen würde, daß Überpünktlichkeit nicht gerade zu ihren Vorlieben zählte. Anscheinend hatten sie Angst zu spät zu kommen. Angst vor ihrer Bestrafung...

Silvana war gespannt, wann die beiden anderen kommen würden.

Der Klingone und dieser Mensch namens Pormas, den sie nur deswegen genommen hatte, da ihr Slade so von seinem Können vorgeschwärmt hatte. Und dieser hatte seine Informationen ausschließlich von seinem Freund Captain Monserat erhalten, den sie bisher noch nicht kennengelernt hatte.

Da sie in einem Gespräch mit Kargan erfahren hatte, daß sie Pormas mit einem intensiven Training in nächster Zeit schonen mußte, würde sich erst später herausstellen, ob Monserat gelogen hatte oder der Mann wirklich etwas taugte.

Marc grinste Silvana an und machte einen Schritt auf sie zu.

"Ich weiß ja nicht wie deine fliegerischen Fähigkeiten sind, aber ich denke nicht, daß du meinen Job hier am Steuer übernehmen könntest", bemerkte er süffisant lächelnd. "Dann kämen ja andauernd Leute zu Kargan und würden sich beschweren, warum der Pilot es nicht schafft, mit dem Schiff eine gerade Linie zu fliegen."

Langsam drehte er sich um und schritt auf den Turbolift zu.

Über die Schulter rief er ihr noch zu: "Ach und außerdem bin ich jetzt bis um 11.00 Uhr auf dem Holodeck. Mach es dir ruhig gemütlich auf meinem Platz. Aber wenn ich zurück komme und du oder irgendwas anderes von dir belagert meinen Arbeitsplatz, dann zeig ich dir, was ein Pilot noch alles kann außer Schiffe zu fliegen."

Mit diesen Worten verließ er die Brücke und machte sich auf den Weg zum Holodeck.

"Was war den das für ein putziges Kerlchen?", fragte Silvana spöttisch, nachdem der Navigator die Brücke verlassen hatte. "War der in deiner heutigen Packung knackiger Frühstückstribbles als kleines Geschenk enthalten? Der hält sich wohl für oberschlau. Als wenn es das erste Mal wäre, daß ich diesen Kahn fliegen würde. Den fliege ich noch, wenn sie ihn mit den Füßen voran von der Brücke tragen, wenn er so weitermacht...

Falls er dann überhaupt noch mehr ist als ein kleines schleimiges Häufchen Etwas...

Ich frage mich, was ein Pilot noch alles kann außer Schiffe zu fliegen? Zu sterben ohne mich mit grünem Blut zu besudeln? Das wär doch mal ganz was Neues. Meinst du nicht auch, Slade?" Die gelben Augen leuchteten freudig auf, als sie sich vorstellte wieder mal ein wenig Abwechslung für Jean Luc zu besorgen.

Der Captain grinste sie wölfisch an und nickte zustimmend. Er wußte, daß halbe Sachen nicht ihr Ding waren. Naja, wenn sie den nächsten Hafen anliefen, würde er sich schon mal vorsichtshalber um einen neuen Navigator umsehen. Sicher war sicher.

Aber bis dahin, mußte er zusehen, daß seine Brückencrew mit einander klar kam. "Tu dir nur keinen Zwang an, Silva. Du weißt ja, daß wir noch die beiden vulkanischen Zwillinge zum Navigieren haben..."

Ärgerlich fuhr sie die drei Neuen an: "Na, worauf wartet ihr noch? Der Captain hat euch gesehen, er kennt eure Akte und jetzt habt ihr euch auch lang genug vorgestellt. Kontrolliert mal alle Frachträume auf Eindringlinge und erstattet mir dann Bericht. - Solltet ihr dabei jemand finden, bringt ihr ihn zu mir. Und behandelt ihn nicht wie einen Gast, habt ihr gehört?"

Diensteifrig nickten die drei. Besonders der Klingone schien sich über die Anweisung bei blinden Passagieren hart durchzugreifen zu freuen. Dann verließen sie mit dem Turbolift die Brücke.

"Es ist jetzt Punkt 8 Uhr, Sir", meldet Jean-Luc ohne gefragt zu sein.

"Danke, Blechdose", sagte Silvana und fixierte den Lift. Dieser öffnete sich zischend und ein weiterer Klingone kam auf die Brücke. Innerlich lachte Silvana. Narbo würde sich über die Aufstockung ihrer Sicherheitsmannschaft sicher freuen.

"Kal'chi, Sohn des Chi'par, meldet sich zum Dienst, Captain", erscholl eine mächtige Stimme auf der Brücke. Beeindruckt sah Silvana sich den Klingonen genauer an. Ein Prachtexemplar von einem Mann. Wieso war er ihr eigentlich nicht schon heute Nacht aufgefallen?

--- Narbos Bar

Nachdem der Ferengi Zugang zur internen Datenbank erlangt hatte, war alles so einfach gewesen. "Wie ein Spaziergang im Wald", grinste er und tippte weiter beständig auf seinem Terminal. Die Daten hatten eine niedrige Sicherheitseinstufung, waren aber dafür auch nicht sehr aufschlußreich:

Narbo hatte sich Details über die Sortierung der Medikamente erhofft, aber scheinbar war Kargan unfähig gewesen, selbst diesen Fitzel Datenmaterials abzuspeichern. Statt dessen fand er Hunderte von Krankenprotokollen, die der Klingone angelegt hatte.

Mit einem Lachen las er den pathologischen Bericht von Raschkralle und er stellte fest, daß er sich nie richtig darüber gefreut hatte. Wieder ein Punkt mehr, weshalb er Raven haßte.

Ein Besuch in der Krankenstation war auf jeden Fall unumgänglich und schnell schnappte der Ferengi sich seinen Tricorder aus einer Nische, die sich hinter einer Abdeckungsplatte in der Theke befand.

Das Gerät piepte bestätigend und während Narbo sich auf den Weg machte, deaktivierte er jedes Tonsignal. 'Das wird sicher ein Spaß!', überlegte er noch schnell und ein Glitzern lag in seinen Augen.

--- Deck 6, Holodeck 1

Schnaufend öffneten sich die Türen des Holodecks und Marc betrat den großen, noch leeren Raum.

"Computer!", rief er und schritt zu der in der Wand eingelassen Konsole. "Bitte eine Simulation der Brücke der Privateer starten, zwecks Navigationsübungen."

Es ertönte ein Bestätigungston und eine Sekunde später stand Marc mitten auf einer leeren Brücke. Schnell schritt er zur Navigationskonsole und ließ sich in den Sitz fallen.

"Ah, viel besser als wenn so eine Giftnudel wie Silvana darauf rumlungert", sagte er und lachte, während er noch einzelne Brückenmitglieder der Simulation hinzufügte und dann die erste Übungsmission startete.

--- Turbolift

Mit scherzverzerrtem Gesicht richtete sich Pormas kerzengerade auf, als er an der Anzeige sah, daß der Turbolift kurz vor der Brücke angelangt war.

Aber die Schmerzen nahm er gerne in Kauf. Zumindest waren sie besser als das enorme Schwindelgefühl, was ihm gestern in der Bar übermannt hatte. 'Zum Glück hat Silvana nichts mitgekriegt", dachte sich der riesige Südländer. Während seine Chefin eine super Show ihrer Fähigkeiten gezeigt hatte, stand er neben der Tür und war darum bemüht nicht umzufallen.

In genau diesem Moment kam natürlich der merkwürdige Bordarzt rein und verwies ihn in die Krankenstation. 'Zum Glück', dachte er aber nach wie vor. Wäre er umgefallen, hätte er sich sicher ein neues Schiff suchen können. Wie würde man ihn dann noch ernst nehmen? Vor allem bei dem Chef...

Nachdem Kargan ihn auf die Krankenstation verbannt hatte kam aber schon kurze Zeit später Helen zu ihm und hatte sich um ihn gekümmert. Da sie ihn medizinisch zumindest nicht versorgen konnte, Pormas hatte lediglich ein Medikament und Bettruhe verordnet bekommen, hatte sie zumindest indirekt seine Stimmung gehoben, als sie Dr. Entenburg "anordnete" sich von ihm fernzuhalten.

Als Folge davon waren er und Helen schließlich in sein Quartier gegangen.

Und als Folge davon hatte er nun ein paar Rückenprobleme......

--- Brücke

Zischend öffnete sich die Turbolifttür und Pormas trat ohne sich was in seinem Gesicht anmerken zu lassen, leicht humpelnd neben den bereits anwesenden Sicherheitsoffizier. 'Aha... Klingone...'

"Pormas Theocrates meldet sich wie befohlen zum Dienst Ma'am", kam ihm automatisch von den Lippen, als er vor Silvana zum Stillstand kam. Wie an der Akademie streckte er die Brust raus, Kopf hoch... nur auf das Zusammenschlagen der Hacken verzichtete er.

Als Pormas wieder eine leichte Schmerzwelle durchfuhr, die er erfolgreich ignorierte, verfluchte er seine Kleidung. Er hatte einen schwarzen Einzeiler an diesem Morgen gewählt, was seine muskulöse Statur unglaublich gut hervorhob, aber an der ein oder anderen Stelle doch ein bißchen zog.

Plötzlich erscholl eine merkwürdige Stimme von der Seite...

"Ach, Sie sind Pormas? Das freut mich aber sehr Sie endlich persönlich zu treffen! Charly hat mir schon soviel von Ihnen erzählt! Wie geht es Ihren denn? Charly meinte dieser Mutant hätte Ihnen arg zugesetzt...

Aber was mache ich denn? Ich habe mich Ihnen noch gar nicht vorgestellt! Ich bin Nummer B2/1437, aber nennen Sie mich einfach Jean-Luc!"

--- Deck 5, Gänge

Die kurze Fahrt mit dem Turbolift hatte Narbo für eine letzte Überprüfung seiner Ausrüstung genutzt und alles schien in perfektem Zustand zu sein und bereit, ihn bei seiner nicht ganz einfachen Mission zu unterstützen.

Der Tricorder wanderte mit einer geschickten Handbewegung wieder zurück in den Ärmel seines grünen Jacketts und wenige Sekunden später öffnete sich die Tür der Krankenstation...

--- Krankenstation

Unauffällig beobachte Narbo das allgemeine Chaos und freute sich über die Ablenkung, die er zweifelsohne Silvana zu verdanken hatte. In Gedanken verbeugte er sich vor ihr und stellte sich ihre Reaktion vor, wenn sie von diesem unfreiwilligen Gefallen gewußt hätte. Ein Grinsen legte sich über sein Gesicht und er begann mit dem Spiel:

Nach und nach scannte er sorgfältig jedes Regal in der Krankenstation und wunderte sich nicht über den Mangel an Schmerzmitteln - immerhin sorgte Silvana für genug Pein an Bord!

Sein Ziel allerdings war viel zu speziell um es für normale Patienten zu verschwenden - immerhin war es eines der stärksten und gefährlichsten Mittel überhaupt. Und so registrierte der Tricorder die komplexe Distanz erst nach genauesten Scans, denn offensichtlich waren die gefährlicheren Mittel mit einem Kraftfeld gesichert. Aber in geübten Händen war es nur eine Frage von Minuten, bis jede Sicherheitsmaßnahme sinnlos wurde...

Der Ferengi wollte sich mit seinen neu erworbenen Erkenntnissen gerade auf den Rückweg machen, als dieser Mensch sich abrupt von einem Biobett aufrichtete und in seine Richtung schaute. Schlagartig erinnerte sich Narbo an Silvanas Androhung, ihm Stunden bei diesem Psychofutzi zu verschreiben.

Mit Panik in den Augen steuerte er an einem humpelnden Andorianer vorbei und hatte die Tür schon beinahe erreicht, aber dennoch war es schon längst zu spät: Eine Stimme rief seinen Namen.

"Narbo!?" Collins folgte dem Ferengi, der auf dem besten Wege war, die Krankenstation verlassen zu wollen.

Vor dem Ausgang hatte der Psychologe den Ferengi eingeholt. "Ehrlich gesagt habe ich nicht so recht geglaubt, daß du heute kommst!", sagte er zu Narbo.

Nachdem was Jack in der Nacht über den Ferengi gelesen hatte, war ihm klar, daß Narbo sicher nicht die Absicht hatte einen Psychologen zu besuchen, selbst wenn Silvana es wollte. Er hatte sicher etwas anderes vor.

Im Moment aber war es Collins egal. "Du hast dich doch sicher in der Tür geirrt, nicht wahr? Kann ja mal passieren!" Jack grinste den Ferengi an. "Komm mit in mein Büro, ich habe etwas mit dir zu bereden."

Narbo folgte Collins sichtlich widerwillig.

--- Büro des Psychologen

"Deine Akte ist sehr interessant!", sagte der Psychologe, nachdem er Narbo einen Platz angeboten hatte. "Ich bin auch beeindruckt, wie du in der letzten Mission agiert hast, vor allem, wie du diese Katze getötet hast, nicht schlecht für einen Ferengi! Manchmal neigt man dazu, euch zu unterschätzen.

Es ist allerdings die Frage, ob du es bewußt gemacht hast. Denn etwa ab dort schienst du für alle verändert." Collins gab Narbo ein Padd mit einigen Aufzeichnungen der letzten Mission. "Vielleicht hilft es dir!"

Der Ferengi nahm das Padd und begann zu lesen.

"Und nun zu der Sache, die ich mit dir bereden wollte!", fuhr der Psychologe nach einer Pause fort und Narbo sah ihn lauernd an.

"Du kannst dir denken, daß es Psychologen auf Schiffen mit einer solchen Besatzung recht schwierig haben können", fing Jack an. "Da die meisten Besatzungsmitglieder nie freiwillig in diesen Raum kommen wollen, habe ich mir gedacht, gehe ich zu ihnen.

Die meisten Probleme werden nicht mit einem Psychologen beredet, sondern mit einem Barkeeper!" Collins beobachtete den Ferengi, der jetzt merkte, worauf Jack hinauswollte.

"Ich werde, wenn ich Zeit und nichts Wichtiges vorhabe, bei dir als Barkeeper aushelfen. Du brauchst nichts dafür zu bezahlen und du brauchst auch keine Angst zu haben, daß ich dir die Gäste vergraule. Ich habe früher selber eine Kneipe besessen!" Wehmütig dachte Jack an die alten Zeiten zurück. "Ich weiß, wie so etwas läuft", sagte er trocken.

Narbo schien es nicht zu schmecken. Bevor er aber irgend etwas erwidern konnte, schnitt Collins ihm das Wort ab. "Falls du Probleme mit dem Vorschlag hast, kannst du das mit Silvana diskutieren. Aus meiner Sicht machst du sicher keinen schlechten Schnitt. Also, was meinst du?"

Erleichterung machte sich in dem Ferengi breit, immerhin hatte er mit einer Analyse seines Verhaltens gerechnet und nicht mit einer geschäftlichen Unterhaltung, bei der sich sein Ferengi-Instinkt sofort einschaltete.

Das Angebot schien für alle Seiten vorteilhaft zu sein, aber im Kern wußte Narbo, daß es Ärger bringen würde. Und Profit. Nachdenklich rieb er sich über das Kinn und wägte zwischen den beiden Dingen ab und kam schließlich zu dem Schluß, daß eine Aushilfe ihm viel Zeit für sonstige Aktivitäten schaffen würde.

Sein Shuttle...

"Ok, Mensch!", zischte er mit etwas Abscheu in den Augen, "ich werde dich auf Probe einstellen, aber paß auf, daß du nichts falsch machst. Slade bekommt 50% des Gewinns und wird stinksauer wenn seine Einnahmen sinken!"

--- Brücke, inzwischen

Silvana hatte Mühe nicht breit zu grinsen und aufzulachen, als sie das Gesicht des Kleiderschrankes sah, der sich selbst Pormas Theocrates nannte. Trotz seiner straffen Haltung und dem selbstsicheren Auftritt schien er bei Jean-Lucs liebevoller Begrüßung ziemlich bleich geworden zu sein.

Wenn sie es nicht besser gewußt hätte, hätte sie sogar schwören können, so etwas wie Panik in seinen Augen erblicken zu können. Doch so furchteinflößend war Jean-Luc nicht und außerdem war doch dieser Pormas ein Mann der Sicherheit. Ihrer Sicherheit. Als dieser sollte er eigentlich mit auch mit Computern, Androiden und Robotern aller Art umgehen können, ganz zu schweigen von Attentätern aller Rassen und Größen.

"Auf die Minute pünktlich, das habe ich von meiner Mannschaft gerne", meinte Silvana versöhnlich, nachdem Jean-Luc sich damit begnügte seinen neuen Freund freundlich und wohlwollend anzusehen Dann besah sie sich noch mal ihre beiden Neuen. Beide waren augenscheinlich gut gebaut und schienen direkt danach zu dürsten mal ihre Handschrift am eigenen Leib zu spüren.

Da fiel ihr ein, daß der Südländer ja wegen seiner angeschlagenen Konstitution gar nicht trainieren durfte. Außerdem störte sie etwas...

Die raubtierhafte Frau wandte sich dem Terraner zu: "Das Ma'am, kannst du ganz schnell wieder vergessen, Pormas. Spätestens nach der ersten Trainingsstunde würdest du mich ohnehin Sir nennen. Außerdem..."

Weiter kam sie nicht, weil Jean-Luc sie einfach unterbrach: "Sir, ich könnte Mister Pormas doch zu seiner neuen Arbeitsstelle bringen. Sicher konnte er noch gar nicht ausreichend die Schiffspläne studieren um zu wissen wie er zu seinem neuen Aufgabengebiet, das Sie ihm gleich erteilen werden, gelangen kann. Immerhin war er doch gestern längere Zeit auf der Krankenstation, da er sich von Dr. Kargan umoperieren lassen mußte und dann mußte er laut Biobett 983245756 noch mal dort hin, weil...."

"Was wohl geschieht, wenn ich deinen Kopf dreimal im Kreis drehe?", fragte sich Silvana laut und Jean-Luc schwieg augenblicklich, während sein Kopf unkontrolliert einige Male zuckte. Er wußte inzwischen sehr gut, wie solche rein rhetorischen Fragen in der Regel endeten.

"Kal'chi, Sohn des Chi'par, deine Aufgabe wird es sein, den Barferengi Narbo zu überwachen. Ich möchte stets einen Bericht haben, wo er sich gerade aufhält und was sich in seiner Bar tut. Noch einmal will ich nicht wie gestern überrascht werden. Also erledige deine Sache gut." Silvana sah zu wie der Klingone kurz nickte und dann die Brücke verließ.

Ein Blick auf Slade zeigte ihr, daß die Neuen ihn langweilten. Er beobachtete die Vorstellung ziemlich desinteressiert und studierte dafür umso aufmerksamer irgend etwas auf einem Padd. Anscheinend handelte es sich dabei wohl wieder um irgendein windiges Geschäft, das ihm jemand von der Raumstation unter der Hand anbot und das eine Menge Profit abwerfen würde.

Seufzend wandte sie sich wieder dem letzten Neuen zu: "Dann zu dir, Pormas. Du hast dich umoperieren lassen? Wozu? Cardassianische Männer haben das gewisse Etwas. Oder steht da deine kleine Freundin nicht drauf? Sie ist doch deine Freundin oder? Diese kleine Technikerin mit den Sommersprossen." Noch bevor Pormas antworten konnte, hob sie die Hand und brachte ihn zum Schweigen.

"Bevor du antwortest, solltest du wissen, daß ich gar nichts von festen Beziehungen meiner Sicherheitsleute halte. Es macht sie angreifbar und lenkt ihre Gedanken in brenzligen Situationen auf sekundäre Dinge. Du bist hier nur mit einer verheiratet und das ist die Privateer. Das solltest du nie vergessen..."

Pormas brauchte nicht lange zu überlegen, bevor er antwortete. Situationen, in denen die Wahl zwischen Schiffssicherheit und Helen zur Debatte stand, hatte er mit ihr schon durchgesprochen... und er hoffte so etwas würde nie zur Debatte stehen.

"Wenn ich meine Arbeit mache, dann mach ich sie richtig", begann Pormas, "Was ich aber in meiner Freizeit mache, oder ob und mit wem ich eine Beziehung habe steht im Dienst nicht zur Debatte."

Mit einem ungutem Gefühl im Bauch, dachte der Südländer an seinen Kampf gegen den cardassianischen Mutanten. Hätte er dort einen Gedanken an Helen "verschwendet", wäre die Geschichte nicht ganz so gut ausgegangen...

"Also seien Sie versichert... zwar mögen einige Menschen abfällig über die Föderation denken, aber eines bringen die Ausbilder einem bei: Die Mission und die Sicherheit des Schiffes geht über alles." Diese Worte meinte Pormas nach all der Zeit immer noch ehrlich. Zwar war er aus der Föderation entlassen worden, aber an deren Prinzipien hielt er immer noch fest.

Auch wenn seine zwischenzeitliche Beschäftigung, als Berufskiller, nicht ganz den Vorstellungen der Föderation entsprachen...

"Und nebenbei, Sir", fügte der große Südländer noch hinzu, "ja meine Freundin steht tatsächlich auf mein richtiges Aussehen."

"Na, dann scheint wenigstens etwas an der Föderation gut zu sein. Denn ich kann ziemlich ungehalten reagieren, wenn jemand das Schiff oder seine Crew für das Leben einer einzigen Person aufs Spiel setzt. Besonders, wenn es sich dabei um eine Frau mit schlechtem Geschmack handelt." Silvana verzog grinsend ihr Gesicht. Als Cardassianer hatte ihr dieser Pormas wesentlich besser gefallen. Nun sah er brav und bieder aus.

Da er ohnehin der letzte der neu eingestellten war, der ihre Anwesenheit auf der Brücke rechtfertigte, erhob sie sich von dem Platz des Navigators. Dabei klopfte sie ihren weißen Lederanzug ab, dessen Beschaffenheit so geschmeidig wie weiches Handschuhleder war.

"Ich verstehe nicht, daß die Katze schon lange Geschichte ist und ihre verfilzten Haare hier immer noch rumliegen. Na, meinetwegen soll der neue Pilot mit ihnen glücklich werden und Jean Luc, richte ihm aus, daß er mich nicht mehr duzen soll, wenn er an seinem Leben hängt. Wer mich duzt, den such ich mir selbst aus. Und untersteh dich und reinige seinen Platz. Das soll er schön selbst tun." Damit wandte sich die Mensch gewordene Raubkatze ihrem neuen Schützling zu.

"Da du ohnehin der Letzte für heute bist, kannst du gleich mit mir in den Shuttlehangar mitkommen." Damit ging sie Richtung Turbolift. "Hast du dir schon den Schiffsplan angesehen? Ich möchte, daß keiner meiner Männer sich erst lange nach dem Weg erkundigen muß, wenn er gerufen wird. Nötigenfalls ist es deine erste Aufgabe dir den Schiffsplan anzusehen. Deine Rechte habe ich jedenfalls frei geschalten." Bei diesen Worten gelangte sie beim Turbolift an, der sich zischend öffnete.

--- Büro des Psychologen

Collins mußte bei Narbos Warnung leise lachen. "Eins möchte ich dir sagen, der Gewinn deiner Bar interessiert mich nicht, das bleibt dein Problem! Fakt ist, du stehst unter Beobachtung! Oder glaubst du etwa allen Ernstes, daß du so einfach davonkommst?

Meinst du wirklich, alle Welt glaubt dir, einem Ferengi, daß du ein paar Wochen geistig abwesend warst und dir alles verziehen wird, was du während dieser Zeit gemacht hast? Bist du wirklich so naiv?"

Jack lehnte sich zurück. "Du stehst auf der Abschußliste einiger Leute hier an Bord. Und wenn du tausend mal behauptest, du weißt von nichts, sie glauben dir nicht und sie werden dich im Auge behalten.

Ich muß zugeben, seitdem ich den Missionsbericht gelesen habe, gehen mir diesbezüglich auch solche Gedanken durch den Kopf. Zu viele Ungereimtheiten!" Der Psychologe stand auf und ging zum Replikator. "Kaffee, schwarz und heiß, bitte!"

Der Psychologe drehte sich zum Ferengi um. "Bei deiner Vergangenheit, und damit gehe ich nur von der letzten Mission aus, würde ich dir alles zutrauen. Und trotzdem frage ich dich, was kannst du mir über die Zeit sagen, wo du angeblich geistig abwesend warst? Hast du irgend etwas von dem mitbekommen, was während dieser Zeit an Bord geschah?"

Collins setzte sich wieder." Verstehe mich nicht falsch, aber mit jedem Wort Wahrheit fällt ein Teil Mißtrauen ab!" Er trank ein Schluck und es tat seinem müden Geist gut. "Aber mit jeder Lüge kannst du dir einen neuen Gegner bauen und zu viele Gegner kannst auch du nicht vertragen!"

"Deine ethische Grundsatzrede kannst du dir sparen, Psychologe", warf der Ferengi dem Menschen nur entgegen und das letzte Wort war verbal mit Gift getränkt, "ich werde dir auch so alles erzählen!"

'Trotzdem solltest du mich nicht unterschätzen - der Stuhl auf dem du gerade sitzt, könnte irgendwann zu einer besonders ausgeklügelten Sprengfalle werden!', fügte er in Gedanken hinzu und seine Augen funkelten leicht.

"Kurz nachdem ich dieses stinkende Stück Fell ins Jenseits befördert hatte, spürte ich etwas Fremdes in mir und nach und nach dehnte es sich weiter aus - bis ich keine Kontrolle mehr über meinen Körper hatte. Ab diesem Zeitpunkt habe ich nur noch schemenhafte Erinnerungen und ehrlich gesagt, habe ich erst wieder klare Bilder vor Augen, als ich in der Bar auf dem Boden lag", ergänzte er seine durchaus wahren Aussagen - daß ein Teil von ihm ebenfalls das Messer geworfen hatte, mußte dieser Collins ja nicht unbedingt erfahren.

"Und die Überwachung", das letzte Wort entlockte ihm ein breites Grinsen, "ist nur ein kleines Hindernis für mich! Außerdem sollte man mich hier meinen Job machen lassen und meine Nützlichkeit habe ich wohl bei unserem Kampf gegen die Jumper bewiesen...

Aber da war Mister Neunmalklug ja noch gar nicht an Bord!", schloß er seinen Vortrag mit gespieltem Erstaunen und wartete auf die Reaktion seines Gegenüber.

Mit einer Mischung aus Verblüffung und Freude nahm der Ferengi die Defensivstellung des Psychologens zur Kenntnis, übersah aber gleichzeitig nicht die Ironie in den Augen des Menschen.

Aber was der Typ dachte, konnte ihm egal sein so lange Collins nicht versuchte ihm ans Bein zu pinkeln und zur Zeit schien es nicht darauf hinauszulaufen. Der Wunsch des Menschen auf Beschäftigung in der Bar bereitete ihm zwar noch immer Sorgen, aber scheinbar war Masochismus ein verbreitetes Charakterelement der Terraner!

'Es soll nicht mein Problem sein', dachte er schließlich, als er das Büro hinter sich ließ und durch das große breite Schott der Krankenstation trat, um endlich seinen Plan zu verwirklichen.

--- Gänge, Deck 8 - etwa 20 Minuten später

Leise war Narbo aus dem Turbolift getreten und nun für menschliche Ohren kaum noch zu hören - selbst ein Ferengi hätte Schwierigkeiten bekommen und diese ganz besondere Art der Fortbewegung sparte er sich für solche Momente auf - Momente die sehr wichtig waren und sehr aufregend.

Gierig zog er das Adrenalin tief in sich ein und spürte das bebende Verlangen seines Körpers, während er ein PADD aus seiner Seitentasche fischte. Auf dem Weg zur Shuttlerampe hatte er sich vom Computer Auskunft über die in der Shuttlerampe anwesenden Sicherheitswächter geben lassen und zur Zeit war nur ein 150 kg-schwerer Klingone, der dort wohl genau auf ihn lauerte, vorhanden (man beachte, daß dies das Wort für eine Sache ist :D).

Selbst eine Amöbe hätte diesen Schritt des Ferengi voraussehen können, aber die Kunst würde es sein ihn aufzuhalten...

'Wird wohl Zeit für meine kleine Ablenkung!', entschloß er grinsend und aktivierte über sein PADD ein geheimes Protokoll, daß er extra für diese Situation vorhin in seinem Quartier geschrieben hatte. Der kurze Zwischenstopp hatte ihm gut getan und außerdem hatte er sich eine Dosis "Erlösung" injizieren können.

Mittlerweile waren kaum 10 Minuten seitdem vergangen und mit einer diebischen Vorfreude startete er das Programm Silvana 1, daß dem Klingonen sicherlich genausoviel Spaß bringen würde wie ihm selbst...

--- Gänge Deck 4

Egnar war zufrieden. Die Geräte waren alle an ihrem Platz, und nun hieß es nur noch: Warten.

Das Abhörgerät auf der Brücke war so winzig, daß es sicher in den nächsten zwölf Stunden nicht gefunden werden konnte. Die Energieunterbrecher des Turboliftes waren etwas größer, aber nicht in der Personenkabine, sondern im Liftschacht angebracht.

Sein Empfangsgerät, das er versteckt am Körper trug, übermittelte ihm nur für ihn hörbar jedes auf der Brücke gesprochenes Wort. Und sobald der Captain den Turbolift betrat, reichte ein kleiner Funkimpuls, um ihn durch einen kompletten Energieverlust des Turboliftes und sämtlicher Sicherungssysteme acht Stockwerke in die Tiefe stürzen zu lassen.

--- Brücke

Slade saß in seinem Kommandosessel und studierte die diversen Börsenkurse. Er hatte aufs Geratewohl spekuliert und einen kleinen Teil seines Vermögens verloren, weil er seine Aktien etwas zu spät abgestoßen hatte.

Vielleicht sollte er aus der Privateer eine Aktiengesellschaft machen? Eine interessante Idee, aus deren Ausschmückung ihn nur von Zeit zu Zeit die Arbeitsgeräusche des Technikerteams schreckten, die gerade ein defektes Terminal austauschten.

Wahrscheinlich war Vulkanierblut in Spalten geronnen, in denen es nichts zu suchen gehabt hatte. Slade nahm sich vor, Silvana darauf hinzuweisen, daß sie in Zukunft etwas weniger blutig vorzugehen hatte. Schließlich sollte sie nicht sein ganzes Schiff ruinieren, wenn sie schon seine Leute umbrachte.

Dann nahm der Captain ein anderes Padd zur Hand und sah sich die Pläne der neuen Mission an. Dieser Flug versprach sehr großen Profit. Natürlich war das Risiko entsprechend hoch, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Slade war fest entschlossen, den Flug ins Niemandsland zu wagen. Schließlich hatte er nur deshalb hier, am Rande des erforschten Föderationsgebietes, einen letzten Aufenthalt eingeplant.

*klong*

Die beiden Techniker gingen ihm auf die Nerven. Ständig liefen sie hin und her, verursachten für seinen Geschmack zu laute Geräusche, und schienen dauernd etwas im Maschinenraum vergessen zu haben.

*klongdong*

Nein. Der Captain hatte es satt, auf einer Baustelle zu arbeiten. Er erhob sich von seinem Stuhl und sagte: "Ich bin in meinem Quartier. Sagen Sie mir Bescheid, wenn Sie hier fertig sind. Aber denken Sie daran, daß wir gegen Mittag ablegen werden."

Helen Ramirez sah auf und schnaufte. Für mehr fehlte ihr die Luft. Ihr Kollege, ein schmächtiger Betazoide, lag unter dem schweren Terminal, das Helen in die Höhe hielt, und demontierte zur Zeit eine der letzten Schrauben.

*dong*

Offenbar hatte es sich bei dieser um die letzte Schraube gehandelt, denn das Terminal ruckte in die Höhe, und der Betazoide kroch darunter weg. Mit vereinten Kräften trugen die beiden Techniker das defekte Teil zum Turbolift, welcher sich zischend vor ihnen und dem Captain öffnete.

Slade stockte im Schritt. Wenn die beiden mit ihrer Arbeit nun fertig waren, könnte er eigentlich genausogut hier bleiben.

Andererseits würden sie sicher gleich mit dem Ersatzgerät kommen und es mit ähnlich lauten Arbeitsgeräuschen einbauen.

Zischend schloß sich vor ihm die Turbolifttür, und er ärgerte sich, daß diese ungehobelten Techniker nicht auf ihn gewartet hatten. Jetzt mußte er auf den nächsten Lift warten. Gut, dieser würde in spätestens 5 Sekunden hier sein, aber trotzdem war Slade wütend.

Während er noch wartete, begann sein Communicator zu zirpen. "Automatische Nachricht des Notfallsystems 2664. Wortlaut: technischer Defekt in Turboliftschacht 1. Bitte weitergehende Maßnahmen ergreifen. Informiert wurden Raoul Severin, Captain Slade, Lin Xiang, Silvana Farnside und Dr. Kargan."

Ungläubig schaute sich Slade auf einem der verbliebenen Brückenterminals den automatisch erzeugten Text an:

"08:38:26.00: Vollständiger Energieausfall in Turbolift 1.

08:38:26.01: Notfallsystem Gamma 1 nicht aktiv.

08:38:26.01: Notfallsystem Gamma 2 nicht aktiv.

08:38:26.01: Notfallsystem Gamma 3 nicht aktiv.

08:38:26.02: Notfallsystem Gamma 4 nicht aktiv.

08:38:26.02: Notfallsystem Gamma 5 nicht aktiv.

08:38:26.02: Notfallsystem Gamma 6 nicht aktiv.

08:38:31: Totalverlust der Turboliftkapsel DG1527-3312WF06 registriert.

08:38:31: Vollautomatische Nachricht an Versicherungsunternehmen geschickt.

08:38:35: Vollautomatische Nachricht an den Captain geschickt.

08:38:37: Vollautomatische Nachricht an den Leiter der Technik geschickt.

08:38:39: Vollautomatische Nachricht an den Leiter der Sicherheit geschickt.

08:38:49: Vollautomatische Nachricht an den Leiter der medizinischen Abteilung geschickt."

Slade erstarrte...

zum nächsten Teil

zum Index