--- Privateer, Deck 4, Marcs Quartier
Marc lag mit einem schmerzverzerrten Gesicht auf seinem Bett und hielt sich den Bauch. Ganze 17 Pfannkuchen hatte er verdrückt. Jetzt spürte er die Nachwirkungen davon am eigenen Leib.
Mühsam rollte er sich auf die Seite, schwang die Beine aus dem Bett und schlich zurück zum Replikator, wo er sich irgendwas gegen Völlegefühl replizieren ließ. Das Ergebnis davon war eine bräunliche Flüssigkeit, die sehr seltsam roch und noch viel schlimmer schmeckte. Aber schon nach ein paar Minuten spürte er, wie sich die Schmerzen verringerten. Mit einem triumphierenden Lächeln schritt er rüber zu dem Schreibtisch mit dem Terminal und ließ sich auf den Stuhl fallen.
"So, dann wollen wir uns mal das Schiff anschauen." Schnell öffnete er die einzelnen Pläne der Privateer und studierte die dort verzeichneten Werte und Skizzen.
--- Deck 5, Gänge vor den Quartieren
Jack begann dieses Schiff zu mögen, es war verhältnismäßig groß und bot von den Quartieren her einen Hauch von Luxus, den man auch hier auf den Gängen spürte.
Der Psychologe bewegte sich auf den Turbolift zu, während sich seine Gedanken um seinen ersten Arbeitstag am nächsten Morgen kreisten. 'Möglicherweise sind das alles wieder gestählte Geister, die mit ihrer Psyche keine Probleme haben, aber eigentlich alle ins Irrenhaus gehören', dachte er und grinste. 'Na ja, schließlich hat man noch andere Qualitäten!'
--- Deck 5, vor dem Turbolift
Collins war immer noch in Gedanken, als sich die Tür des Turbolifts öffnete. "Oh....", kam es erstaunt klingend aus Jean-Lucs Mund oder Lautsprecher und Jack konnte nur noch mit einem verbissenen "NEIN!" antworten.
--- Turbolift
"Das ist gut, daß ich Sie treffe, Mr. Collins! Sie mö....", Jean wurde sofort von Jack unterbrochen. "Nein! Hör zu, ich mag keine Androiden! Und schon gar nicht solche, die geschwätzig sind wie alte Waschweiber! Auf dem letzten Schiff war auch so ein Blecheimer, der ständig nur irgendeinen Blödsinn von sich gab! Wenn du etwas von mir willst, dann in kurzen knappen Sätzen, klar?"
Der Androide schien zu überlegen, was in Jacks Augen unmöglich war.
"Aber ich wollte doch....", begann Jean erneut.
"Tröt!", kommentierte Collins. "Falsche Antwort! Aber du hast noch eine Chance!" Langsam fing der Psychologe an, sich genervt zu fühlen. Er hatte einfach keine Lust auf diesen Blödsinn.
Jean-Luc besann sich. "Kurze, knappe Sätze?"
"Richtig!", antwortete Collins überrascht. Er schien den Androiden unterschätzt zu haben.
"Sir?" Jean zögerte, doch der blonde Mann schien ihn nicht wieder unterbrechen zu wollen. "Darf ich etwas sagen, kurz und knapp?"
Abschätzend sah der Psychologe den Androiden an. "Und?"
"Sie möchten bitte zu Miss Farnside in Narbos Bar kommen, sie möchte mit Ihnen reden." Jean wartete auf eine Reaktion.
"Miss Farnside, in Narbos Bar, hm" Jack überlegte. Den Namen von der Bar hatte er vom Computer bekommen, aber diese Miss Farnside kannte er nicht, jedenfalls nicht vom Namen her.
Der Psychologe lächelte freundlich. "Warum hast du das denn nicht gleich gesagt? Dann bring mich mal hin", sagte er und als der Androide dem Computer den Namen des Decks gab, glaubte Jack eine kleine Qualmwolke aus dem linken Ohr Jean-Lucs kommen zu sehen. Aber das war wohl nur eine Sinnestäuschung.
--- Narbos Bar, Eingangsbereich
Der Psychologe und der Androide betraten die Bar und sahen sich um. Jean deutete wortlos zum Tresen.
Collins sah eine Frau an der Theke sitzen, die ihn den Rücken zuwandte. Dem schwarzen Catsuit nach, mußte dies die Frau sein, welche die Männer in der Trainingshalle reihenweise aufs Kreuz gelegt hatte. In einem kleinen Lagerraum hinter der Theke saß außerdem noch ein Ferengi.
--- Thekenbereich
Der Psychologe setzte sich auf einen freien Barhocker neben Silvana, während Jean sich ohne ein Wort zu verlieren, wieder entfernte. Er schien es plötzlich sehr eilig zu haben.
Jack sah fasziniert in die gelben Augen der Frau. 'Wenn man so aussieht', dachte Jack, 'muß man schon gut kämpfen können, um sich die ganzen Männer vom Hals zu halten.'..."Ich bin Jack Collins, was kann ich für Sie tun, Miss Farnside?"
Silvana hatte inzwischen aufgehört Narbo zu fixieren. Ein ohnehin hoffnungsloses Unterfangen, da es ihr trotz größter Bemühungen auch in den letzten Tagen nicht gelungen war seine harte Schale zu brechen und den weichen Kern zum Vorschein zu bringen.
Den verletzlichen Kern.
Ein raubtierhaftes Grinsen huschte bei dem Gedanken an alte Zeiten über ihr Gesicht, dann betrachtete sie den blonden Mann neben sich genauer. Er war ganz in den Anblick ihrer gelben Raubtieraugen versunken und Silvana konnte es ihm nicht verdenken. Auf den ersten Blick sah man ihr nicht an, daß sie kein richtiger Mensch war.
Aber dann war es schon für viele zu spät ihren Fehler noch zu korrigieren...
"Ich identifiziere mich nicht mit dem Namen Farnside. Was immer dir Jean Luc auch gesagt haben mag... Man sollte nie vergessen, daß er mich auch ständig Sir nennt. Ich fürchte Slade hat ihm den Kopf einmal zu oft gerade gerückt.
Mein Name ist Silvana. Einfach Silvana."
Der Psychologe schien zu stutzen, weil sie ihn einfach duzte, doch Silvana ging nicht gar nicht erst darauf ein. Es gab im Moment wichtigere Dinge zu besprechen, als ihre Leidenschaft immer das zu tun, was sie für richtig hielt und wozu sie Lust hatte. Wer Respekt von ihr wollte, der mußte ihn sich erst erkämpfen.
"Dieser Ferengi da hinten ist nicht normal - nicht daß mich das sonderlich stören würde, das war er eigentlich noch nie - aber jetzt ist er kein lohnender Ansprechpartner mehr für mich." Ihre gelben Augen funkelten belustigt. "Er benimmt sich wie ein ferngesteuerter Roboter ohne jede Emotion. Nichts bringt ihn aus der Ruhe. Eigentlich sogar noch schlimmer.
Er benimmt sich wie ein... Vulkanier." Silvana spuckte das Wort regelrecht voller Abscheu aus. Ihr Haß gegen diese Rasse stand ihr ins Gesicht geschrieben und ihre Pupillen wurden schmal.
Wieder einmal kratzten ihre langen Krallen über die Theke der Bar und verursachten dabei ein Geräusch, das jedem eine Gänsehaut über den Rücken laufen ließ. Nur nicht dem Besitzer der Bar, der mit stoischer Gelassenheit in seinem kleinen Lagerraum saß. Dabei hätte er mit seinen großen Ohren, den Lärm noch lauter empfinden müssen.
Nichts.
Nicht die kleinste Reaktion.
"Weißt du jetzt war ich meine?", fragte Silvana rein rhetorisch und ballte instinktiv ihre Hand zu einer Faust, bevor sie fortfuhr. "Ich habe erst vor kurzem einen dieser Würmer getötet und sein grünes Blut von Jean Luc aufwischen lassen.
Nun habe ich es wieder mit einem zu tun.
Nur war Narbo niemals auch nur annähernd so wie jetzt. Er war ein Kriecher. Ein Schleimer. Niemals hätte er sich einfach hingesetzt und darauf gewartet, daß jemand etwas von ihm will, sondern er wäre ständig von einem zum anderen gelaufen immer darauf bedacht einen möglichst hohen Profit zu erzielen. Der scheint ihm aber plötzlich nebensächlich zu sein. Ein Ferengi, der sich nicht um Profit schert."
Silvana schwieg einen Moment und betrachtete Narbo, dann sah sie dem Psychologen direkt in die blauen Augen. "Ich muß zugeben, daß ich nicht viel von dem ganzen Psychokram halte, aber es gibt einfach keinen anderen Weg zu ihm vorzudringen. Glaub mir, ich habe alle versucht. Die legalen und die illegalen.
Deshalb lautet dein erster Auftrag hier an Bord: Hol Narbo da raus, Jack."
Etwas leiser und mit einer unterschwelligen Drohung fügte sie hinzu: "Oder du wirst dir wünschen mir nie begegnet zu sein..."
"Manchmal wünschte ich mir, nie in diesem verdammten Universum gelandet zu sein!", erwiderte Jack lakonisch auf diese Drohung und musterte dabei Narbo, der scheinbar ängstlich zu ihnen herüberstarrte.
"Er hat Angst!", stellte Collins fest. "Hey, Narbo! Bring mir einen Alderbaran Whisky!", fuhr er fort und beobachtete den Ferengi, der seinem Wunsch scheinbar widerwillig nachkam.
Narbo stellte das Glas mechanisch auf die Theke und Jack konnte für einen Bruchteil einer Sekunde ein flehenden Blick vom Ferengi wahrnehmen, oder hatte er sich getäuscht?
"Also gut! Ich brauche alle Daten die Narbo betreffen", sagte der Psychologe nach einer geraumen Weile nachdenklich und blickte wieder zu Silvana. "Außerdem muß ich wissen, seit wann er in diesem Zustand ist, was er zu der Zeit gemacht hat und so weiter. Was eigentlich heißt, ich brauche Zugang zu einigen Daten. Auch solchen, die vielleicht 'sensibel' sind."
Collins nahm einen Schluck aus dem Glas. Scheinbar war seine Mutmaßung von vorhin richtig. "Auf dem letzten Schiff war die Mannschaft voller Mißtrauen! Das fing beim Captain an und hörte auch bei der Mannschaft nicht auf. Jeder meinte er wäre einzigartig, was sich in einer Mission spiegelte, die voller Pannen war und beinahe in einem Fiasko endete. Ich möchte so etwas nicht noch einmal erleben."
Zwar spürte Jack eine gefährliche Unruhe bei Silvana, allerdings klang ihm ihre leise Drohung noch im Ohr und er haßte derartige Drohungen. " Weißt du, ich bin kein Wunderheiler und auch ich halte diesen Psychokram manchmal für überflüssig. Aber selbst für dich gibt es einen Punkt, wo du nicht weiter weißt, dann holst du den Psychologen. Und wenn der nicht weiter weiß, willst du ihn terrorisieren oder sogar töten? Dann fang erst bei dir an!"
Collins stand auf und nahm sein Glas. "Ich habe keine Angst vor dem Tod oder der Folter", sagte er leise und klang ein wenig resigniert. "Ich will nur manchmal ein wenig Unterstützung oder Hilfe und keine sinnlosen Drohungen. Nur in einem Team kann man stark sein... Ich werde versuchen Narbo zu helfen, auf jeden Fall."
Jack ging zu einem nahen Tisch und setzte sich. "Narbo, bring mir noch einen Whisky."
--- Deck 5, Tayeyas Quartier, beim Eingang
Als Tayeya eine halbe Stunde nachdem sie ihr Quartier verlassen hatte, wieder über dessen Schwelle trat, bot sich ihr ein merkwürdiges Bild: Ein Roboter, der mittels einer Antigravitationstransporteinheit ein Bett aus dem Raum bringen wollte. Und das tat er unter Fluchen.
"Wer hat denn so etwas schon gehört?", murrte der Androide vor sich hin. "Normale Menschen wollen ein Bett, Tische und Stühle in ihren Räumen und jetzt soll ich plötzlich alles da rausräumen! Für was hält diese Frau mich eigentlich? Für einen Möbelpacker?"
In diesem Augenblick wollte der Roboter die Transporteinheit aus der Türe auf den Gang fahren, wobei er die Indianerin glatt übersah. Tayeya konnte gerade noch rechtzeitig zur Seit springen, bevor ihr die Kanten 'ihres' Bettes in die Schienbeine krachten.
"Wakantanka, kannst du denn nicht aufpassen!", rief sie auf, ziemlich empört über das Verhalten des Androiden. Dieser blickte auf und unterbrach sein ständiges Lamentieren.
"Huchje, haben Sie mich aber erschreckt!" ('Also ob ein Roboter erschrecken könnte', dachte Tayeya sarkastisch.) "Aber was stehen Sie auch im Weg herum, Sie sehen doch, daß ich am Arbeiten bin." Mit diesen Worten steuerten Jean-Luc und das Bett auf den Gang hinaus. Und dann, ohne ein weiteres Wort zu verlieren, verschwand er um eine Ecke.
Tayeya war verblüfft. 'Der war ja direkt ruhig jetzt gerade...' Sie betrat ihr Quartier, ihre Antigraveinheit mit ihren Habseligkeiten, die sie auf der Station abgeholt hatte, hinter sich herziehend.
--- Deck 5, in Tayeyas Quartier
Das sah ja schon viel besser aus. Das Bett war verschwunden, einer der Tische - der kleinere - ebenfalls. Nur noch ein Tisch sowie mehrere Stühle standen herum. Und natürlich der Schrank. Tayeya zog ihre Sachen in das Badezimmer. Dort sollten sie vor dem Androiden in Sicherheit sein.
Was sollte sie jetzt tun? Sie wollte sicherlich nicht bleiben, und dem arbeitenden Roboter wieder über den Weg laufen. Vielleicht - oder wahrscheinlicherweise - war dessen 'Sprachverlust' nur von kurzer Dauer...
'Am Besten mache ich mich mal auf den Weg zur Bar', dachte die Indianerin. 'Dort kann ich am ehesten andere aus der Mannschaft kennenlernen.' Tayeya warf einen letzten zufriedenen Blick auf den etwas geleerten Raum und verließ dann ihr Quartier, um Narbos Bar aufzusuchen.
--- Krankenstation
Der Klingone legte sein Laserskalpell auf den Instrumentenwagen. Die Operation war fast planmäßig vor sich gegangen. Nur zu Anfang hatte Pormas etwas erhöhte Blutdruckwerte gehabt, weil er sich von dem klingonischen Zähnefletschen auf dem Gesicht des Arztes hatte täuschen lassen.
Danach jedoch hatte er die Prozedur mit stoischer Ruhe über sich ergehen lassen. Lediglich gegen Ende stieg sein Blutdruck wieder rapide an, als Kargan ihm nicht glauben wollte, daß seine Nase immer schon so ausgesehen hatte, und ihm statt dessen eine weitergehende plastische Behandlung nahelegte.
Als Pormas sich wieder angekleidet hatte, verließen die beiden Männer den Sichtschutz. Offenbar hatte dessen Freundin wirklich die ganze Zeit gewartet.
Edwina übergab bei dieser Gelegenheit Kargan ein Padd über das Untersuchungsergebnis der Frau, nach dessen Durchsicht der Chefarzt die Technikerin fragte: "Sagen Sie, Miss Ramirez, kommen Zwillingsgeburten in Ihrer Familie eigentlich häufiger vor?"
Ein medizinischer Computer in der Nähe ließ ein alarmierendes Fiepen ertönen. Offenbar stand dieses Fiepen in direktem Zusammenhang mit Helens plötzlich kalkweißer Gesichtsfarbe.
Die Krankenschwester sagte: "Entschuldigung, Chef. Ich habe den Diagnosecomputer aus Versehen nicht ausgeschaltet. Kommen Sie denn weiter mit Ihrer Statistik über höhere Mehrlingsgeburtenwahrscheinlichkeiten bei partiell höherer Strahlung ausgesetzten weiblichen humanoiden Personen?"
Kargan antwortete: "Leider nein. Momentan sieht es so aus, als ob die Abweichungen sich nicht signifikant von anderen Personengruppen unterscheiden. Wahrscheinlich werde ich diese Statistik aufgeben."
Zu den beiden Patienten gewandt meinte er: "Wie ich sehe, sind Sie beide so gesund, daß ich dem Captain nicht empfehlen werde, Sie wieder vom Schiff zu weisen.
Mr Pormas, was mich bei Ihnen wundert ist, daß Ihre Verletzungen so aussehen, als hätten Sie vor ein paar Tagen eine Trainingseinheit mit unserer Sicherheitschefin durchgemacht. Allerdings haben Sie sich schon recht gut erholt, so daß ich Sie nicht gleich am ersten Tag krank schreiben muß, so etwas sieht unser Captain nämlich gar nicht gerne.
Aber bitte schonen Sie sich noch ein wenig, der Lungenflügel ist noch nicht hundertprozentig verheilt. Und wenn Silvana trotzdem mit Ihnen trainieren will, dann verweisen Sie sie auf mich. Die drei Rippen sind allerdings schon wieder recht gut aneinandergewachsen, und gegen die Schmerzen in Ihrer Schulter kann ich Ihnen einen Placebo geben.
Aber Ihr Bein müssen Sie unter allen Umständen noch ein paar Tage schonen. Die Heilung der Muskelfasern in Ihrem Oberschenkel macht zwar schon gute Fortschritte, aber trotzdem müßten die Schmerzen alleine Ihnen schon sagen, daß Sie im Moment ein wenig kürzer treten sollten.
Im wahrsten Sinne des Wortes.
Leider weiß ich jetzt schon, daß sich niemand an diese Anweisungen hält. Aber ich muß es ja immer sagen, sonst bin ich hinterher noch schuld. Also nochmal: Extreme körperliche Anstrengungen auf eigene Gefahr!
So, und nun schlage ich vor, daß ich Ihnen Narbos Bar zeige. Schließlich schätze ich, daß Sie einen guten Teil Ihrer Freizeit dort verbringen werden."
'Extreme körperliche Anstrengungen auf eigene Gefahr? Verdammt, wieder eine Nacht in der ich mich von Pormas fernhalten muß. Bestimmt geht das noch eine Weile so. Ich hasse es', dachte sich Helen offensichtlich enttäuscht und ergriff die Hand ihres Partners.
"Doktor, ich muß Ihnen ein Kompliment machen. Pormas hat nie besser ausgesehen." Lächelnd zwinkerte sie dem Südländer zu und schmiegte sich haltsuchend an ihn.
"Was Ihre Frage über Zwillingsgeburten betrifft, so kann ich dazu sagen, daß ich die einzige in meiner Familie bin die Zwillinge hat. Aber jetzt habe ich auch eine Frage an Sie: Liegt es nur an der Statistik, die Sie gerade erstellen oder fragen Sie aus einem anderen Grund?" Unbewußt quetschte die Spanierin Pormas Hand und blickte den Klingonen besorgt an.
'Was wenn mehr dahinter steckt....?'
In Pormas Gehirn machte es plötzlich 'Klick'. Die Hände des Südländers wurden mit einem Male schweißnaß. 'Das kann doch nicht sein...'
Fragend schaute er Helen an, als er die nächsten Worte eher schleppend formulierte: "Du meinst... du bist schwanger?" Wie ein Leuchtfeuer erklärte diese Erkenntnis, die morgendliche leichte Übelkeit seiner Freundin und die leichten Stimmungsschwankungen. 'Obwohl... die waren vorher auch nicht anders...'
Pormas drückte Helen ein bißchen enger an sich, als er weiter in ihre wunderschönen Augen schaute, eine Antwort erwartend. Fast gleichzeitig blickten sie beide Kargan an, der schon wieder wölfisch seine Zähne fletschte...
... und zur Sicherheit noch einmal in seinem Padd nachschaute.
Dann blickte er auf und sagte mit einem Ausdruck des Bedauerns in der Stimme: "Tja, ich habe da eine Nachricht für Sie, die Ihr Leben in nächster Zeit sehr verändern könnte.
Da Sie nämlich in keiner Weise schwanger sind, Sie es aber offenbar sehnlichst herbeisehnen, gehe ich davon aus, daß Sie recht intensiv versucht haben, ein Kind zu bekommen.
Da es bisher noch nicht funktioniert hat, kann ich Ihnen ein Präparat verschreiben, das in Fachkreisen als AAP bekannt ist. Es speichert das aufgenommene Sperma und verlängert dessen Lebensdauer. Gleichzeitig erhöht es Ihre Empfängnisbereitschaft, so daß Sie mit 99,5 prozentiger Wahrscheinlichkeit in spätestens einem Monat guter Hoffung sind.
Überlegen Sie es sich, Sie können jederzeit bei mir vorbeikommen, dann besprechen wir alles weitere."
Lächelnd schaute der Doktor das Pärchen an und fügte hinzu: "Sie können dann jetzt gehen. Ich empfehle einen Besuch in Narbos Bar, da werden Sie sicher mittlerweile die halbe Schiffsbesatzung finden, schließlich ist jetzt gerade Schichtwechsel."
--- Narbos Bar, Thekenbereich
Silvanas Mundwinkel verzogen sich zu einem schiefen Lächeln, das einem Zähnefletschen gleichkam, aber durchaus amüsiert aussah. So leicht war sie nicht zu erschüttern und aus der Fassung zu bringen, als daß die Worte des Psychologen sie abschreckten oder ihr gar ein schlechtes Gewissen bereiteten.
Ohne dazu aufgefordert worden zu sein, folgte sie ihm zu seinem Tisch und ließ sich ungefragt und ungeniert neben ihm nieder.
--- Tisch 3
Die Raubtierfrau gab dem blonden Mann gar nicht erst die Gelegenheit auf ihre Unverschämtheit entsprechend zu reagieren, sondern sah ihn eindringlich an, ohne Zweifel aufkommen zu lassen, daß sie ihm etwas zu sagen hatte, was er sich anhören würde müssen.
"Auch wenn mir deine unverschämte Art gefällt, so ist das lange noch kein Grund für dich einfach zu gehen, wenn ich noch nicht fertig mit dir bin. Immerhin gewährleiste ich hier an Bord die Sicherheit und mein Wort gilt ebensoviel wie das vom Captain. Du kannst ihn gerne fragen, wenn du möchtest." Mit einer Handbewegung schickte sie Narbo, der gerade völlig emotionslos mit Collins Drink angedackelt kam, weg um ihr noch ein Getränk zu bringen.
"Den Zugang zu den Daten werde ich dir nach meinem Barbesuch einrichten. Du wirst dann alle persönlichen Daten und das Krankenblatt der Crew einsehen können. Weiters werde ich dir Berichte der Vorgänge, die sich rund um Narbo abgespielt haben zukommen lassen. Möglich, daß etwas davon für deine Arbeit wichtig ist. Denn im Gegensatz zu deiner Meinung von mir bin ich sehr wohl bereit dir alles zur Verfügung zu stellen was in meiner Macht liegt und dich bei deiner Arbeit zu unterstützen.
Vieles was Narbo betrifft liegt im Dunkeln und er würde sich hüten es zu erzählen, wir sind hier nicht bei der Föderation..." Ihre Augen funkelten ihn an und es war zu sehen, daß sie weder von der Föderation viel hielt noch von Leuten die hinter einem herschnüffelten oder Details aus der Vergangenheit hervorkramten. Und schon gar nicht von Leuten, die in den Seelen anderer herumkramten.
"Mit Narbo stimmt etwas nicht und es gehört zu meiner Arbeit zu verhindern, daß ein durchgedrehter Ferengi auch nur einen einzigen hier an Bord killt. Ich könnte ihn zur Sicherheit umbringen, aber wer sich von einem kleinen Ferengi töten läßt, ist eigentlich selbst schuld.
Wie dem auch sei. Es fällt in meinen Verantwortungsbereich. Deswegen werde ich dir trotzdem genau auf die Finger sehen. Es war die Idee des Captains, einen Psychologen an Bord zu nehmen..." Die dunkelhaarige Frau erhob sich mit einem Mal und blickte sich von innerer Unruhe getrieben um. Etwas gefiel ihr nicht. Auch wenn es momentan nur ein unbestimmtes Gefühl war.
Doch statt zu gehen wandte sie sich noch einmal den Psychologen zu: "Trotz allem noch ein Hinweis für dich im Guten. Wie ich meinen Job mache, hat dich nicht zu kümmern. Du bist nicht der einzige der den Tod nicht fürchtet, nur bin ich der einzige hier, der ihn in jedem Kampf aufs Neue herausfordert... und vielleicht sogar sucht..."
Dann ging sie ohne sich noch einmal umzusehen zur Theke zurück, als hätte dieses Gespräch zwischen ihr und Collins nie stattgefunden. Der Psychologe interessierte sie nicht mehr.
--- Eingang der Bar, inzwischen
Als die Lakota den Raum betrat, war hier noch nicht viel los. Ein Ferengi - könnte das Narbo sein? - , ein Mensch und die Frau aus der Trainingshalle. Letztere beide sprachen leise miteinander, bevor die Frau sich plötzlich erhob. Tayeya steuerte einen Tisch am Rand an, von wo sie die gesamte Bar gut überblicken konnte und setzte sich.
--- Tisch 7
Nachdem die Indianerin sich gesetzt hatte, lehnte sie sich entspannt zurück und begann, ihre Umgebung aus halbgeöffneten Augen zu beobachten. An der Theke stand ein Ferengi, der sich seltsam untypisch für seine Spezies verhielt. Das konnte sogar Tayeya erkennen, die sich mit fremden Rassen nicht besonders gut auskannte. Aber auch sie hatte schon mit der kriecherischen, profitgierigen Mentalität einiger Ferengi Kontakt gehabt. Und dieser Ferengi, der gerade einen Drink eingoß, wirkte eindeutig nicht normal...
Dann diese Frau, relativ groß, mit einer unterschwellig spürbaren Aggressivität. Tayeya hatte sie schon in der Trainingshalle bemerkt, wo sie einige Crew-Kandidaten ziemlich unsanft durch die Mangel gedreht hatte. Im Augenblick ging sie zur Theke, wobei sie sich mit einer unglaublichen, fast katzenartigen Geschmeidigkeit bewegte.
Auch diese Frau war Tayeya eher unheimlich. Mit ihr wollte sie eigentlich nicht so gerne Kontakt knüpfen.. Nun ja, zumindest jetzt noch nicht. Sie wollte sie erst ein wenig weiter beobachten, vielleicht war sie ja doch nicht ganz so, wie sie auf den ersten Blick erschien...
Der Mann, der an dem anderen Tisch saß, wirkte da doch wesentlich offener auf die Indianerin. Er war hochgewachsen und sah eigentlich ganz ansprechend aus - für einen Geist. Wenn man blonde Haare mochte. Und blaue Augen...
Tayeya überlegte, ob sie sich zu dem blonden Geist setzen sollte. Er sah sympathisch aus. Und schließlich wäre es besser, an Bord dieses Schiffes ein paar Bekannte zu haben. Vielleicht konnte sie auch die eine oder andere Freundschaft schließen, was ihr bisher so gut wie nicht möglich gewesen war, da sie an keinem Ort längere Zeit verweilt hatte.
Aber vielleicht sollte sie hier einfach einen neuen Anfang wagen. Bereits seit eineinhalb Jahren war sie auf der Suche nach einem Lebenszeichen ihres Mannes, und bisher wollten sich keine Fortschritte einstellen. Vielleicht sollte sie die Suche wirklich einstellen und zu ihrem Sohn und dem friedlichen Leben auf Ankantu zurückkehren? Tayeya war sich nicht sicher....
Aber sicher war sie sich über eines: Sie wollte an Bord dieses Schiffes kein Einzelgänger sein. Wahrscheinlich würde sie schon genug Probleme mit diesem Arzt bekommen, er schien nicht gerade begeistert gewesen zu sein, daß sie eingestellt worden war. Und da wollte sie dann zumindest jemanden, mit dem sie reden konnte, um mal auf andere Gedanken zu kommen.
Geschmeidig stand sie auf und ging die paar Schritte zu dem blonden Geist.
--- Tisch 3
Collins machte kein besonders glückliches Gesicht, als er aufblickte, um festzustellen, wer da an seinen Tisch trat. "Guten Abend, ich hoffe, ich störe Sie nicht. Ich bin Tayeya-wakan und neu an Bord. Dürfte ich mich zu Ihnen setzen oder wollen Sie lieber allein bleiben?"
'Amen!', dachte Collins und sah zu Silvana. Eigentlich hatte er versucht Narbo an den Tisch zu locken und so irgendwie ins Gespräch mit ihn zu kommen, doch leider hatte Silvana dies durch ihren letzten Auftritt vermasselt. 'Pech!', dachte der Psychologe und widmete sich dann der Person, die an den Tisch gekommen war.
"Entschuldigen Sie, ich war in Gedanken. Natürlich dürfen Sie sich setzen." Jack wies auf einen freien Stuhl. "Ich denke wir kennen uns schon, Jack Collins, wir beide haben uns heute Nachmittag bei dem Klingonendoktor beworben, der uns zuerst gar nicht haben wollte."
Collins nahm einen Schluck aus seinem Glas und warf wieder einen kurzen Blick zu Narbo, der jetzt apathisch hinter der Theke stand und Silvana fixierte. "Sie sind doch auch in der medizinischen Abteilung, also quasi Kollegin. Du siehst doch den Ferengi dort. Er benimmt sich seit einiger Zeit überhaupt nicht mehr, wie es sich für seine Rasse gehört. Leider habe ich noch keine Daten über ihn und kann im Moment nur das verwerten, was ich sehe, aber es wäre ja mal interessant, wie du die Sache siehst."
Jack machte eine kurze Pause und erschrak. "Oh, Entschuldigung! Jetzt fange ich schon an Sie zu duzen, das war unhöflich. Genauso unhöflich wie dich hier verdursten zu lassen.... Sie verdursten zu lassen."
Silvana hatte sich bis jetzt nicht um die beiden gekümmert. Sie schien immer noch zu versuchen, den Ferengi irgendwie zu beeinflussen. "Vielleicht rufen Sie ihn mal her, um etwas zu bestellen. Ich werde versuchen ihn ein paar Fragen zu stellen, um zu sehen wie er reagiert", sagte der Psychologe an Tayeya-wakan gewandt.
--- Krankenstation
'Sie sind nicht schwanger!'
Diese Worte hallten in Helens Verstand wieder und lösten grenzenlose Erleichterung bei ihr aus.
"Gott sei Dank! Doktor Kargan, ich denke, Sie können das vorgeschlagene Medikament getrost vergessen. Mir liegt momentan nichts ferner als eine Schwangerschaft. Was die Bar betrifft vielen Dank für den Hinweis. Ich werde mich gleich mit Pormas auf den Weg machen. Vielleicht lernen wir ein paar neue Freunde kennen."
Mit einem Nicken verabschiedete sich die Spanierin von dem klingonischen Arzt, nahm ihren Freund an der Hand und steuerte auf die nächste Tür zu.
"Das ist die Besenkammer, Kindchen. Der Ausgang ist dort hinten", ertönte die amüsierte Stimme der Krankenschwester Edwina hinter ihnen und Helen verdrehte entnervt die Augen.
"Ich wollte nur überprüfen, ob Sie auch auf die Patienten achtgeben", entgegnete Helen schnippisch und verschwand mit Pormas die Krankenstation eiligst durch den offiziellen Ausgang.
--- Gang vor der Krankenstation
"Dieser alte Besen hat echt Nerven mich immer wieder Kindchen zu nennen", brummelte die Spanierin vor sich hin, lehnte sich gegen die Wand und betrachtete ihren Freund nachdenklich.
"Komm mal her, du. Ich wußte schon gar nicht mehr, wie du wirklich aussiehst. Nur gut, daß der Doktor dich wieder hinbekommen hat. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, daß etwas anders ist als sonst. War deine Nase schon immer so schief?"
Vorsichtig legte Helen die Arme um den Südländer und küßte ihn sanft. Lächelnd zerzauste sie ihm die Haare und ließ ihn dann wiederstrebend los.
"Was gibt es denn so besonderes zu sehen?", fauchte die Spanierin plötzlich völlig überraschend, als sie einen jungen Mann entdeckte, der Pormas und sie beobachtet hatte.
"Hören Sie mal! Ich kam grade den Gang entlang, weil ich in die Krankenstation wollte. Sie waren ja nicht zu übersehen. Soll ich Ihretwegen in die Luft starren?", konterte der Beschuldigte und verschwand dann kopfschüttelnd auf der Krankenstation.
"War das jetzt wieder einmal zu heftig reagiert? Komische Leute haben die hier an Bord. Na, mir kann heute nichts die Laune vermiesen", schulterzuckend sah Helen dem Mann nach und wandte sich dann wieder Pormas zu.
"Vielleicht sollten wir jetzt in die Bar gehen. Ich bin so froh, daß ich nicht schwanger bin. Du wärst davon auch nicht begeistert gewesen, oder?" Sichtlich zufrieden strahlte Helen ihren Freund an und wartete auf eine Antwort.
"Nein, das wäre wirklich nicht der richtige Zeitpunkt", erwiderte Pormas. Im Geiste dachte der Südländer allerdings schon gerne daran. Jetzt, wo der erste Schock vorüber war, konnte er sich eigentlich nichts Schöneres vorstellen.
'Aber ich kenn ihre anderen Kinder ja nicht mal!', fuhr es ihm dann in den Kopf. 'Kommt Zeit, kommt Rat...' Pormas ließ sich aber nichts anmerken, während er Helen lächelnd küßte, und dann leise zu ihr sprach:
"Jetzt wo ich mein richtiges Gesicht wiederhabe, könnten wir das heute Abend doch ein bißchen zusammen feiern, oder?!?" Schelmisch lächelte er Helen an, als er zärtlich über ihren Po streichelte. "Es sei denn, du nimmst mich zu hart ran, das würde der Arzt ja verbieten..."
Sanft küßte er ihre Nase, während ihr Lächeln verriet, daß sie sich nichts Schöneres vorstellen konnte. "Aber jetzt gehen wir erst zur Bar, ein paar neue Leute kennenlernen", sagte er verspielt, während Helen einen Schmollmund machte. "Dann auf!"
--- Narbos Bar, Tisch 3
Die Indianerin setzte sich auf den freien Stuhl Collins gegenüber. Sie bevorzugte es, ihren Gesprächspartnern ins Gesicht sehen zu können. Nach einem kurzen Blick auf den Ferengi meinte sie:
"Mir kommt dieser Mann auch merkwürdig vor. Ich kenne die Rasse der Ferengi zwar nicht gerade gut, aber dieser verhält sich zumindest völlig anders, als alle Ferengi, die mir schon begegnet sind. Mehr kann ich zumindest jetzt noch nicht dazu sagen.
Im Übrigen ist das Du schon in Ordnung. Bei meinem Volk gibt es die Unterscheidung zwischen Du und Sie sowieso nicht, Respekt kann man auch anders zeigen als durch das Siezen. Und daß man zu jemandem 'Sie' sagt, bedeutet nicht notwendigerweise, daß man denjenigen achtet... also sag ruhig Du zu mir."
Mit diesen Worten drehte sich Tayeya leicht in Richtung Theke und bat den Ferengi, ihr ein Glas Mineralwasser zu bringen...
Narbo schien das alles gar nicht so recht wahrzunehmen. Er bediente emotionslos ein paar andere Besatzungsmitglieder, die nun nach Schichtende hier aufgetaucht waren, trotz des schlechten Services.
Für Collins eigentlich ein Wunder. Narbo machte sich nicht die Mühe irgendein Getränk aus seinen Beständen zu servieren. Am Einfachsten war es, das Zeug zu replizieren. Dementsprechend schmeckten die Sachen auch manchmal, vor allem aber der Whisky, der vor Jack im Glas vor sich hin dümpelte.
"Ich denke, das mit den Fragen streichen wir", sagte der Psychologe. Viel konnte er heute nicht mehr ausrichten, außerdem kannte er die ganzen Hintergründe noch nicht, um sich ein Urteil zu erlauben. Er entschied zu warten, bis Silvana ihm die entsprechenden Daten zugänglich gemacht hatte.
"Du bist eine Indianerin, nicht war?", Collins musterte sein Gegenüber aufmerksam. "Ich finde es erstaunlich, daß die verschiedenen alten terranischen Volksstämme noch immer so vertreten sind. Mit der Besiedelung von fremden Planeten blühten die alten Traditionen wieder richtig auf." Er nippte an seinem Glas, stellte es dann aber angewidert weg.
Tayeya wollte gerade etwas erwidern, als Narbo den zweiten Whisky und das Glas Mineralwasser brachte, das er mit etwas Wucht auf den Tisch stellte, so das etwas Wasser über den Rand schwappte. Sein Blick war leer und langsam drehte er sich um und verschwand.
Jack meinte noch ein kurzes Zögern bemerkt zu haben. "Morgen", sagte er leise, "weiß ich vielleicht mehr."
--- Marcs Quartier
Marc schreckte hoch. Verwirrt schaute er um sich und stellte fest, daß er am Schreibtisch eingeschlafen war. Langsam ließ er sich vom Stuhl gleiten und spazierte gemütlich in den Waschbereich, verrichtete dort das Nötigste und machte dann beim Replikator halt.
"Computer, einen Wodka Martini, gerührt, mit einer Zwiebel", bestellte er und leckte sich dabei die Lippen. 'Hmm, darauf hab ich mich schon den ganzen Tag drauf gefreut', dachte er zufrieden und griff nach dem frisch replizierten Getränk.
Langsam setzte er das Glas an seine Lippen und ließ die durchsichtige Flüssigkeit vorsichtig in seinen Hals laufen. Er stockte, setzte das Glas ab, überlegte kurz und probierte noch einmal. Dann schüttelte er den Kopf, stellte das halb volle Glas zurück in den Replikator und verließ sein Quartier.
'Noch nicht einmal hier macht der Computer vernünftige Drinks. Dann muß ich wohl mal den Ferengi ausprobieren gehen', überlegte er.
--- Narbos Bar, Eingang
Die Tür öffnete sich und Marc betrat die Bar. Interessant sah sie ja aus. Vor allem aber nicht so bunt wie die auf der Ivory. Wenn er daran dachte, wurde ihm schon wieder übel.
Er schaute sich um und sah Collins mit dieser indianisch aussehenden Frau an einem Tisch sitzen. Langsam schlenderte er zu den beiden rüber.
--- Tisch 3
"Hallo, ich hoffe, ich störe nicht?", fragte er und streckte Tayeya die Hand hin. "Ich bin übrigens Marc Tegger."
Tayeya, die gerade dem Psychologen antworten wollte, blickte auf. "Hallo, Mr Tegger!" begrüßte sie den Neuankömmling und reichte ihm die Hand. "Also mich stören Sie nicht im geringsten, wenn Jack nichts dagegen hat, können Sie sich gerne zu uns setzen..."
Damit blickte die Indianerin fragend zu Collins.
--- Theke
Ärger.
Dieses Gefühl wuchs immer mehr, während das Fremde in Narbos Körper durch die sonst so verschlagen leuchtenden Augen die Ankunft der halben Besatzung bemerkte und es sich mit Arbeit überschüttet sah.
Arbeit, die seine Konzentration benötigte.
Arbeit, die es schwerer machte den Geist des Ferengi zu beherrschen.
Die Kontrolle kostete ihn große mentale Kraft und als Reaktion schwankte der Körper für einen Moment bedrohlich, während der Geist des Ferengi einen psychischen Ausbruchsversuch wagte.
Noch konnte er Narbo zurückschlagen.
Noch.
Bald, und das wußte es auch zu genau, würde das fremde Selbst die Kontrolle verlieren. Wenn der fremde Geist selbst zu zerrissen sein würde; geschwächt, durch ständige Angriffe und eine grausame Krankheit.
Bald.
Und wenn dieser Moment kam, wollte es nicht alleine sterben...
--- Tisch 3
"Bitte Marc, setz dich. Na, schon mal das Schiff unsicher gemacht?", grinste Jack, während der Navigator sich setzte.
Collins suchte den Ferengi. Inzwischen hatten doch einige Besatzungsmitglieder den Weg in die Bar gefunden. Wahrscheinlich wollte man sich mal die 'Neuen' ansehen. Narbo hatte also im Moment einiges zu tun.
"Der Ferengi ist einfach langsam", sagte der Psychologe zu seinen Tischnachbarn. "Bitte laßt euch nicht stören, mal sehen, ob wir im Lagerraum nicht noch was Schmackhafteres finden, als dieses replizierte Zeug. Bin gleich wieder da!" Mit diesen Worten stand er auf und ging zur Theke.
--- Thekenbereich
Collins ging hinter die Theke. 'Wollen doch mal sehen, wie er darauf reagiert!', dachte er.
Gegenüber dem Eingang zum Lagerraum stand immer noch Silvana und klammerte sich an ihrem Glas. "Es heißt doch, daß wenn man kein Wirt ist und hinter die Theke geht, einen ausgeben muß. Also, was möchtest du noch trinken?" Collins drohte erneut in den gelben Augen zu versinken.
'Nein! So nicht Jack Collins!' Der Psychologe drehte sich um und ging in den Lagerraum.
--- Lagerraum der Bar
"Oh, Brandy ohne Ende" Jack sah wieder hinaus zur Sicherheitschefin. "Was meinst du? Wenn in Narbo noch ein Fünkchen Ferengi ist, müßte ich doch jeden Moment achtkantig hier hinausfliegen, oder?"
--- Thekenbereich
"Du gefällst mir immer besser, Jack." Amüsiert blickte Silvana zu dem Psychologen und ihre Augen funkelten. "Deine Vorgangsweise kann sich echt sehen lassen. Du scheinst ein ganz anderer Typ von Mann zu sein, als alle anderen Psychologen, die ich bisher kannte."
Für einen Moment ging ihr noch etwas durch den Kopf, aber dann ging sie auf Collins Frage ein: "Aber du hast recht mit deiner Vermutung. Wenn noch etwas von dem alten Narbo in ihm steckt, dann würde er dich mit Gewalt hochkant aus seinem Lager werfen, wenn nicht gleich aus seiner Bar.... Aber dazu wär er wohl wieder zu profitgierig."
Silvana sah sich um, wo der Ferengi blieb und stellte fest, daß er wohl gleich wieder zur Theke zurückkehren mußte um eine neue Bestellung zu holen. Insgeheim konnte sie es gar nicht mehr erwarten seine Reaktion zu sehen und vielleicht schon bald ihren alten Narbo zurück zu haben.
Den Narbo, dessen Schiff man sicher gut als Waffenarsenal verwenden könnte.
Noch einmal wandte sie sich an Jack: "Wie war das nochmal mit meinem Drink?"
--- am Eingang von Narbos Bar
Interessiert blickte Helen sich in der Bar der Privateer um und stupste ihren Freund an.
"Sieht gut aus hier. Gefällt mir gut. Bestimmt werden wir hier viel Spaß haben. Schau mal da vorne sind Collins, Tegger und diese Indianerin. Laß uns einfach dazu setzen. So lernen wir sie besser kennen. Scheint eine interessante Frau zu sein. Ich mag sie jetzt schon."
Zielstrebig ließ sie Pormas einfach stehen, spazierte zu dem Tisch und nickte den Leuten zu.
--- Tisch 3
"Hallo. Darf ich mich zu euch setzen? Es ist nicht wirklich unterhaltsam allein an einem Tisch zu sitzen."
'Jetzt kommen sie aber aus allen Löchern', dachte Tayeya amüsiert, als die kleine Dunkelhaarige an den Tisch trat. Bevor Tegger noch antworten konnte, hatte die Indianerin schon den freien Stuhl, der neben ihrem stand, vom Tisch abgerückt und bot ihn der neu angekommenen Frau an.
"Natürlich können Sie sich zu uns setzen... Miss Ramirez, nicht wahr? Ich freue mich, ein paar Leute aus der Besatzung kennenzulernen, denn wir werden ja wohl in der nächsten Zeit miteinander auskommen müssen - gut auskommen, so hoffe ich zumindest."
Dann deutete Tayeya mit dem Kopf in Richtung des Südländers, der immer noch ein wenig unschlüssig - so schien es - an der Türe stand und die Leute in der Bar musterte.
Die Indianerin lächelte Helen an und fragte: "Ist der große Kerl dort an der Türe der Cardassianer von vorhin?"
--- Lagerraum der Bar
'Verdammt!', dachte Jack. 'Laß die Finger von ihr!' Er sah zu Silvana. "Ich hätte hier... Brandy,... Moment mal...", er wühlte zwischen zwei Kartons, "das glaube ich nicht! Der hat tatsächlich schottischen Whisky! Zwar nicht viel, aber immerhin. Ich fürchte, das wird teuer für mich heute Abend."
Jack nahm eine Flasche aus dem Karton und ging zur Theke.
--- Thekenbereich
"Irgendwie könnte mir dieser Job auch gefallen!" Collins lehnte sich gegen die Theke und sah Silvana an. "Ich hoffe, du magst schottischen Whisky?"
Silvana beugte sich nach vorne, bis sich ihre Gesichter ziemlich nah waren. Der ihm so eigene Geruch stieg ihr in die Nase und sie prägte ihn sich ein. Dann sagte sie leise und bestimmt: "Ich mag sogar... schottische Männer und Typen wie dich." Dann lehnte sie sich wieder zurück und schob ihm ihr leeres Glas zu ihm.
"Das könnte wirklich teuer für dich werden. Mein..." Sie zögerte einen Moment das Wort Vater in den Mund zu nehmen. "Mein Erzeuger meinte einmal zu mir, daß die Gesamtheit von Strukturen, die zwischen dem strömenden Blut des Körpers und dem Gewebe des Zentralnervensystems liegen, seltsamerweise auch einen Großteil des Alkohols den ich trinke rausfiltern.
Der ideale Gendefekt, wenn man in den Genuß von Alkohol kommen möchte, ohne je Einbußen davon zu tragen." Silvana lächelte ihm zu und fragte sich woher er wohl kommen mochte. Er roch irgendwie seltsam auch wenn er wie ein gewöhnlicher Terraner aussah.
"Wer bist du, Jack?"
--- Thekenbereich, inzwischen
Die Augen Silvanas färbten sich von Gelb zu einem tiefdunklen Braun. Und auch ihre Gesichtzüge wurden sehr viel weicher. 'Sinra!' Collins schüttelte unmerklich den Kopf und sah nun wieder in das Gesicht der Frau vor ihn. Er kannte sie nur ein paar Stunden, sie schien ihn eigentlich sehr aggressiv und selbstsüchtig zu sein. Und trotzdem, irgend etwas berührte diese Frau in ihm.
Der Psychologe löste sich von dem Lächeln Silvanas und nahm sich ein Glas aus dem Regal. "Wer ich bin? Sagen wir mal so, ein Geist aus einer fremden Welt, das dürfte es am ehesten treffen. Eis?" Silvana nickte und er öffnete eine Kühlbox in der ein paar Eiswürfel auf dem Wasser schwammen. "Das ist mager!", sagte er und replizierte kurzerhand einen halben Eimer.
Jack sah zu dem Tisch mit Marc und Tayeya hinüber. Inzwischen waren auch schon Helen und ein wie aus dem Ei gepellter Pormas angekommen. Marc trommelte schon nervös mit den Fingern auf den Tisch.
"Bin gleich da, einen Augenblick noch!" rief Collins hinüber, während er noch schnell einem Klingonen einen Blutwein replizierte.
Dann füllte er die Gläser mit Whisky und wandte er sich wieder Silvana zu. "Vielleicht erzähl ich dir bei Gelegenheit mal etwas über mich. Cheers", sagte er und hob sein Glas. Aus den Augenwinkel bemerkte er eine kleine Gestalt, die zielstrebig auf die Theke zuhielt.
"Wenn Narbo nicht mehr kann, werde ich diese Bar wohl übernehmen!" Jack sagte dies so laut, daß der Ferengi es mitbekommen mußte und zwinkerte dabei Silvana zu.
--- auf dem Weg zur Theke
Diese widerliche Überbewertung von Eigentum forderte die letzten Konzentrationsreserven von dem kontrollierendem Ich und er fühlte geradezu wie die Macht des Ferengi unter ihm durch dieses Gefühl immer mehr und mehr gestärkt wurde.
Der pure Kapitalismus sättigte den versklavten Geist und die psychische Aura wuchs von Sekunde zu Sekunde, während nach außen die Nasenflügel des Körpers immer mehr bebten und die Luft wie Feuer ausstießen. Wut erfüllte den Körper und das Blut kochte geradezu in Narbos Adern.
Nun gab es nur noch eins zu tun. Der Kampf war verloren, das hatte "es" mittlerweile begriffen, aber noch hatte "es" genug Macht, um die alle mit in den Tod zu reißen. "Es" wußte von Narbos Können und würde sich daran bereichern.
Tod der Privateer!
--- Tisch 3, inzwischen
Marc schaute langsam zwischen den beiden Damen am Tisch hin und her. Dann glitt sein Blick wieder zurück zur Theke und hoffte, daß dieser verflixte Ferengi mal bald auftauche. Doch schon nach kurzer Zeit wurde es ihm zu bunt.
Er erkundigte sich bei Helen und Tayeya nach ihren Getränkewünschen und schritt dann zur Theke rüber, wo Collins gerade dabei war, mit dieser Sicherheitsfrau zusammen Narbos Whiskyvorrat zu trinken.
Lächelnd schaute Helen Marc hinterher und wandte sich dann Tayeya zu.
'Wie aufgekratzt Marc ist. Muß am neuen Schiff liegen. Oder es liegt an der umwerfenden Frau an der Theke', dachte sie sich amüsiert.
"Sie haben recht. Der große Kerl dort hinten ist der Cardassianer von vorhin. Glücklicherweise hat Doktor Kargan ganze Arbeit geleistet und ihm wieder sein ursprüngliches Aussehen verpaßt. Ich glaube auch nicht, daß ich mich mit der neuen Optik hätte anfreunden können. Cardassianer sind nicht unbedingt der Typ Mann, der meinem Geschmack entspricht. Haben Sie etwas dagegen wenn sich Pormas zu uns setzt?"
Tayeya schüttelte den Kopf und die Spanierin winkte ihren Freund an den Tisch heran. "Hey, Pormas komm schon rüber oder willst du dort hinten an der Tür Wurzeln schlagen?"
Besorgt blickte sie in seine Richtung und redete mehr zu sich selbst als zu Tayeya: "Ich weiß gar nicht, was heute mit ihm los ist. Irgendwie ist er völlig verändert. Ich mache mir Sorgen um ihn. Vielleicht liegt es daran, daß ich seinen Heiratantrag auf unbestimmte Zeit abgelehnt habe?"
Mit einem Kopfschütteln versuchte sie die düsteren Gedanken zu verdrängen und blickte der Indianerin forschend ins Gesicht.
"Wissen Sie eigentlich, daß Sie sehr hübsch sind?"
--- Thekenbereich
"Hallo Jack", rief Marc und nickte Silvana zu. "Ist hier die Selbstbedienung eingeführt worden oder wie läuft das hier? Die Damen da hinten an Tisch 3 verdursten nämlich so langsam. Und ich erst recht", bemerkte er und grinste. Oder bist du hier der neue Barmann??"
--- mitten im Raum
Für eine winzige Sekunde lag eine Schallwelle in der Luft, die sich mit bemerkenswerter Geschwindigkeit den Weg durch den Raum bewegte, als wäre sie eine talaktische Vogelmücke:
"...der neue Barmann??"
Diese Worte erreichten Narbos Verstand und dem selben Moment wand er sich mit dem puren Jähzorn in den Augen Richtung Theke um und das voll bepackte Tablett fiel ihm aus der Hand.
Für einen Augenblick bewegte sich alles wie in Zeitlupe und das Zersplittern der Gläser in Tausende von Scherben reflektierte das künstliche Licht der Deckenstrahler wie ein Prisma. Regenbogenfarbige Streifen schwenkten über die Wände, aber keiner der Gäste bemerkte diese subtile Schönheit...
Die Zeit beschleunigte sich wieder auf normales Tempo und eine routinierte Bewegung führte Narbos Hand zu seinem Stiefel, während die Besucher der Bar nur ein glitzerndes Etwas in seiner Hand erscheinen sahen, das schemenhaft davon geschleudert wurde.
Und mit ihm Narbos ganze Wut und in diesem Moment war die Wut von Narbo und die von Raven nicht mehr trennbar. Sie hatte sich aufgeladen und in dieser Millisekunde selbst gestillt, als Narbos Verstand stärker werdend die rotierende Titaniumklinge auf ihrem Weg zur Theke sah.
Augen. Silvanas gelbe Augen fixierten ihn und es stellte sich eine geradezu instinktive Verbundenheit durch den Blickkontakt zwischen ihnen her.
Silvana begriff sofort.
Das Messer war immer noch in der Luft, als der Ferengi-Teil des Bewußtseins sich darüber klar wurde, daß er das Ziel nicht kannte.
Der Fremde, der sich anmaßte Narbos Bar zu besetzen. Oder Silvana, die schuld war an Ravens ganzem Leid.
In wenigen Augenblicken würde er es wissen...
--- Thekenbereich
Plötzlich war eine deutliche Anspannung in der Luft gelegen und noch bevor Silvana den Kopf in Richtung Narbo gedreht hatte, roch sie förmlich die Gefahr in der sie schwebten.
Sie sah in Narbos Augen, die von einem unheimlichen Feuer erfüllt waren und leicht irr wirkten.
Und dann sah sie die Gefahr.
Eine Klinge teilte die Luft, wie zuvor die Blitze aus Narbos Augen und hielt direkt auf die Theke zu. Die Zeit verlief wie in Zeitlupe, als Silvana Jack an der Schulter von der Theke wegstieß. Dann erst bemerkte sie den eigentlichen Verlauf der Klinge und trat auch Tegger aus der Schußlinie.
Für den winzigen Bruchteil einer Sekunde verharrte sie still und genoß den kalten scharfen Tod vor Augen, der sich ihr näherte. Stück für Stück. Seine Berührung war der Kuß des Todes. Eine Auslöschung des Seins. Die unendliche Stille danach...
Rein mechanisch wie Silvana es in ihren Trainingseinheiten immer wieder übte, kam die Abwehr. Sie trat mit voller Wucht den Stuhl vor ihr nach oben, packte ihn und hielt ihn vor sich. Keine Sekunde zu früh. Schon bohrte sich die rasierklingenscharfe Klinge aus Sitzfläche des Sitzes und näherte sich ihrem Gesicht.
Erst der Schaft bremste das Messer und es blieb stecken. Die Ruhe in der Bar war unheimlich. Sie schien anzuschwellen und auf ihre Reaktion zu warten. Zu viele in der Bar kannten die Sicherheitschefin und wußten, wie wütend Silvana werden konnte.
Und Silvana war wütend...
Ihre Pupillen wurden zu schmalen Schlitzen, während sie den Stuhl senkte und das Messer mit einem Ruck aus der Sitzfläche zog. Ein raubtierhaftes Lächeln überzog ihr Gesicht, als sie mit einem Finger die Schärfe der Klinge überprüfte und sich zufrieden den Tropfen Blut vom Finger leckte. Dann legte sie die Klinge auf die Theke. Aufatmen machte sich breit.
Sie nahm ihr Glas Whisky prostete Narbo zu und sagte dann mit ruhiger, fast gleichmütig klingender Stimme:
"Auf das Wohl aller sich überschätzenden Ferengi und geisteskranken Vulkanier dieser Welt. Mögen Sie alle in Frieden ruhen.."
--- Krankenstation, inzwischen
Kargan war endlich mit allem fertig geworden. Neue Krankenakten schreiben, Alte kontrollieren, Krankenschwestern zurechtstauchen etc.
Kurz: Alles, wozu er tagsüber wegen den vielen neuen Bewerbern keine Zeit gehabt hatte. Aber nun war er endlich fertig, und er würde in die Bar gehen.
--- Narbos Bar
Nachdem er sich in seiner Kabine umgezogen hatte, betrat der Klingone in einem etwas bequemeren Anzug das Etablissement. Früher konnte man hier sehr viel mehr Leute sehen, aber seit Narbos Unfall bevorzugten die Meisten eine Stationsbar. Oder gar ihre eigenen vier Wände.
Was ihm zuallererst auffiel, als er die Bar betrat, war der Ex-Cardassianer, der im Eingang stand und einen etwas konsternierten Eindruck machte. Kargan schaute ihn an und befragte kurz seinen Tricorder.
Er kam zu dem Schluß, daß Pormas' Kreislauf den Eingriff doch nicht einwandfrei weggesteckt hatte, und schickte ihn für eine Nacht zur Beobachtung auf die Krankenstation.
Anschließend blickte er sich um und erspähte Silva, die sich offenbar köstlich amüsierte. Sie auszumachen war nicht sonderlich schwer, da sie das Ziel der gesammelten Aufmerksamkeit aller Barbesucher war.
--- Thekenbereich
Suchend schritt er auf die Sicherheitschefin zu und fragte sie: "Außer Mister Tegger sehe keine Verletzten, und dem scheint es schon besser zu gehen. Gibt es heute nichts für mich zu tun? Sind die Leichen schon weggeräumt?"
In Richtung Barmanns Brust gab er seine Bestellung auf: "Einen Blutwein, aber Besseren als den Letzten."
Als er sich wieder Silvana zuwandte, registrierte er, daß er eben keinem Ferengi ins Gesicht geschaut hatte. Wo war Narbo? Hatten sie jetzt einen neuen Barmann? Wahrscheinlich hatte sich Kargan nur verhört, als dieser Collins ihm als Psychologe vorgestellt wurde.
Es war auch viel logischer, einen neuen Barmann einzustellen, statt diesen ehemals geldgierigen Ferengi weiter zu bezahlen. Seit seiner Veränderung hatte die Stimmung und damit Slades Einnahmen sicher um die Hälfte abgenommen.
Collins anschauend revidierte er seine Bestellung: "Sorry, Mister, wenn ich Sie nicht gleich gesehen habe. Ich hatte meine Aufmerksamkeit zuerst auf Mister Tegger gerichtet. Aber da ihm offenbar nichts fehlt, möchte ich gleich mal Ihre Fähigkeiten ausprobieren.
Ich würde gerne Ihr Vermicula testen. Narbo war darin immer ganz besonders schlecht..."
Silvana hörte nicht, daß Kargan bei der Tür reingekommen war und sie bekam auch nicht mit, daß er sich neben sie gesetzt hatte. Ihr ganzes Gesichtsfeld nahm ein kleiner schäbiger Ferengi ein. Ein Ferengi, der sich bemüßigt gefunden hatte, das Ende ihres Lebens bestimmen zu wollen. Eines Lebens, daß keines natürlichen Ursprungs war.
Die Frau mit den gelben Augen stellte das Glas ab, daß sie eben auf einen einzigen Zug geleert hatte. Nun waren ihre Pupillen schmal und ihr ganzes Gesicht wirkte wie das eines Raubtieres, das zum Sprung bereit war.
Sie ließ den Ferengi, der mit einem Mal noch kleiner wirkte und noch fahler im Gesicht aussah, keinen Moment aus den Augen. Selbst als sie auf die Theke griff um das Wurfmesser zu packen. Daß sie sich dabei an der scharfen Schneide schnitte, bemerkte sie gar nicht. Sie fühlte schon lange keinen Schmerz mehr.
Erst als der Schaft in ihrer Hand lag, huschte ein Lächeln über ihr Gesicht. Ein sehr kaltes berechnendes Lächeln. Ein Lächeln jenseits des Mensch seins...
Unendlich langsam erhob sich Silvana von ihrem Sitz. Die Leute in der Bar, welche die ganze Zeit auf eine Gegenreaktion von ihrer Seite gewartet hatten und fast schon enttäuscht waren, als sie nur einen Schluck auf sein Wohl trank, raunten auf und es war mit einem Mal totenstill in der sonst so lauten Bar.
Silvana würde Narbo das Messer zurückgeben, auch wenn er es dann nicht mehr brauchen würde. Ein toter Ferengi brauchte keine Messer mehr.
--- auf dem Weg zu Narbo
Lautlos bewegte sie sich auf ihr Opfer zu, das starr vor Angst zu sein schien und ihr entgegenstarrte. Er konnte den Blick nicht von seinem Todbringer abwenden. Seine Augen waren entsetzt aufgerissen.
Kurz darauf spiegelte sich in ihnen der kalte Stahl, der ihm das Verderben bringen sollte und gleichzeitig Exempel für alle sein würde, es ihm nicht gleich zu tun.
--- mitten im Raum
Eine Unendlichkeit schien zu vergehen, während Narbo wie angewurzelt auf der Stelle stand und sich seine Pupillen immer mehr weiteten. Aber hinter seiner Stirn kämpften weiterhin zwei Geister um die Vorherrschaft über den so fragilen Körper.
Und keiner hatte die Macht den Körper jetzt zu befehligen.
Ein Umstand der sich bald als fatal erweisen würde - in dem Moment, wo Silvana dem Körper jede einzelne Ader durchtrennen und ein silbrig glänzenden See aus frischem Blut entstehen würde. Es würde etwas unwirkliches haben und Narbo fragte sich für einen Augenblick, ob er es selbst noch sehen würde.
Aber der Kampf war noch nicht zu Ende und Narbo hatte weiß Gott nicht vor zu sterben, bevor er sich von diesem vulkanischen Parasiten befreit hatte und dieser Gedanke gab ihm alle Macht des Universums, während die undiszipliniert gewordene Aura des Vulkaniers weiter zerfaserte und der fremde Geist immer mehr zurückweichen mußte.
"Stirb, du hast es nicht verdient zu leben!", schrie das Fremde in ihm verzweifelt und die Panik in der Stimme schmerzte in Narbos mentalen Ohren, aber er ließ nicht ab und umklammerte Ravens Verstand auch weiterhin, als wenn er ihn erwürgen wollte.
Noch rangen sie, aber Narbo war sich sicher, daß er bald gewinnen würde.
Außer.
Außer Silvana würde den schutzlosen Körper eher erreichen und den Kampf vorzeitig beenden. Narbos Geist schluckte bei diesem Gedanken, verlor aber nicht die Hoffnung den Kampf vorher noch zu gewinnen.
Alles andere war egal - Hauptsache der Vulkanier starb vor ihm und so schloß es seine metaphorischen Hände immer mehr um Ravens Hals, während dieser verzweifelt versuchte sie mit aller verbliebenen Kraft zu lösen.
Schmerzerfüllt fing Ravens Geist an zu schreien; versuchte das unvermeidbare noch zu verhindern und selbst die Hände um seinen Hals ließen ihn nicht leiser werden:
"Neeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinnnnnnnnnnnnnnnnn........................................................................................................................................................................................................................"
-
Dann kam Stille.
Sowohl in Narbo als auch um seinen, nun endlich wieder befreiten, Körper herum und mühsam gelang es ihm sich wieder auf die äußere Welt zu konzentrieren, nachdem er so lange in einer Art innerem Koma gelegen hatte. Surreal leuchteten die Farben um ihn herum und er erinnerte sich erst jetzt wieder an alle Einzelheiten und vor allem an
Das Messer!
Vor Panik quollen seine Augen hervor und der Glanz seiner eigenen Klinge reflektierte sich für einen Moment in seinen Augen, während er die plötzlich so reale Gefahr ungläubig betrachtete und verzweifelt versuchte seinen Körper auch nur einen Zentimeter zu bewegen.
Aber es gelang ihm einfach nicht und sein Herzschlag beschleunigte wie ein Raumschiff ins Unendliche bis die Welt um ihn herum verschwamm und er nur noch einen schwarzen Schleier sah.
Erschöpft von dem inneren Kampf schlug Narbos Leib auf den harten Boden der Bar und im letzten Winkel seines Seins, hoffte der Ferengi, daß es ein Erwachen geben würde...
--- Tisch 3, zeitgleich
'Ich - hübsch?' Tayeya blickte ein wenig verlegen auf den Tisch hinunter. Sie hatte sich eigentlich nie als hübsch gesehen... Na gut, Tschetan hatte sie hübsch gefunden - aber er war ja schließlich auch ihr Mann gewesen...
Bevor die Indianerin zu einer Antwort ansetzen konnte, überschlugen sich die Ereignisse in der Bar. Die Atmosphäre war spannungsgeladen. Aus dem Augenwinkel nahm Tayeya das fliegende Messer wahr. Schockiert drehte sie sich um, sprang auf, wollte den drei Menschen an der Theke eine Warnung zurufen - doch ihr Mund blieb offen stehen, nur ein Krächzen entkam ihren Lippen.
Die Frau aus der Trainingshalle hatte jedoch verdammt schnelle Reaktionen - 'fast wie eine Katze,' dachte die Indianerin. Die Frau stieß mit einer geschmeidigen Bewegung Collins und Tegger zur Seite, bevor sie nur Bruchteile von Sekunden später einen Stuhl hochriß und ihn als Schutzschild verwendete. Und das keine Sekunde zu früh, denn der Dolch bohrte sich in das Holz.
Tayeya bemerkte, daß sich ihre Hand wie von selbst auf den Dolch, der an ihrem Gürtel hing, gelegt hatte. Ihr ganzer Körper stand unter Spannung.
Plötzlich war der Klingone da. Wie aus dem Nichts aufgetaucht, Tayeya hatte nicht bemerkt, daß er die Bar betreten hatte. Aber der Klingone tat... nichts. In aller Seelenruhe bestellte er etwas zu trinken. Er schien zu denken, daß diese Frau die Situation im Griff hatte. Nun gut. Er kannte diese Frau besser als Tayeya...
Die Indianerin entspannte sich unmerklich. Wie in Zeitlupe nahm sie wahr, daß die Frau das Messer ergriff und sich zielstrebig auf dessen Werfer zubewegte... einen Ferengi, der unbeweglich, wie paralysiert, mitten im Raum stand, ein leeres Tablett und jede Menge Scherben zu Füßen.
Es herrschte Totenstille in der Bar. Das allgemeine Geraune und Gemurmel, das noch vor wenigen Minuten den Raum erfüllt hatte, war verstummt. Alle saßen wie erstarrt auf ihren Stühlen, einige waren, wie die Indianerin, aufgesprungen und warteten, ob ihr Eingreifen benötigt werden würde - oder ob es in den nächsten Sekunden opportun sein würde, die Bar schnellstens zu verlassen...
Auch Tayeya wußte nicht, wie sie sich verhalten sollte. Sie lockerte ihr Messer ein wenig in seiner Scheide. Sollte sie versuchen, den Angriff der Frau abzublocken oder zu unterbrechen? Allerdings verspürte sie auch keine große Motivation, ihre Gesundheit für jemanden aufs Spiel zu setzen, der hinterrücks ein Messer auf jemanden warf...
Plötzlich kippte der Ferengi um. Einfach so. Ohne Vorwarnung fiel er wie ein gefällter Baum hintenüber. Und blieb regungslos liegen. Ohne nachzudenken eilte die Indianerin zu dem inmitten von Scherben liegenden Ferengi.
--- mitten im Raum
Die Indianerin bückte sich - und nahm plötzlich einen Schatten über sich wahr. 'Wakantanka, die Frau!!!' Entsetzt blickte Tayeya in ein vor Angriffswut verzerrtes Gesicht, sah die Hand, die das Messer hielt. Wie von selbst öffnete sich ihr Mund und sie brüllte der Frau entgegen: "STOP!!!" und hoffte....
Silvanas Augen funkelten todbringend und die Lust zu töten, stand ihr ins Gesicht geschrieben. Ihre Fingerknöchel waren inzwischen weiß hervorgetreten und mit dem Griff der Waffe zu einer unzertrennbaren Einheit verschmolzen. So als würden Hand und Waffe seit jeher zusammengehören.
Dieser Ferengi hatte es eindeutig zu weit getrieben und nun fiel er einfach um wie ein Stück Holz und dachte seiner Strafe einfach so zu entkommen.
'Niemals!' Schon wollte Silvana sich ihr abgestammtes Recht holen, als plötzlich und wie aus dem Nichts diese Indianerin aufgetaucht war und sie anbrüllte. Es war genau wie damals.
Alles um Silvana herum versank...
Es war kalt. Nackte Kinderfüße tappten über die kalten Fliesen ohne die Kälte zu spüren. Es trug nichts am Leibe, aber es fror nicht. Die Kälte kam nicht von außen, sondern von innen. Ohne Mühe verließ es den abgesperrten Trakt und ließ auch die Sicherheitssperren hinter sich.
Sehr oft hatte es Dr. Farnside dabei beobachtet wie er die Kontrollen passierte und sich alles gemerkt. Es hatte genug Zeit gehabt um sich auszudenken wie es schaffte die Kontrollen zu umgehen. Nun waren sie hinter ihm und mit ihnen auch sein bisheriges Leben, als Tochter von dem ehrenwerten und allseits angesehenen Dr. Farnside.
Das Geräusch ihrer tappenden Füße hielt an, als sie vor einer Tür stehen blieb. Diese trug die Aufschrift "Labor 4". Ohne zu zögern öffnete sie die Tür und trat ein. Der Doktor saß mit dem Rücken zur Tür. Wie immer arbeitete er an neuen Experimenten. Wieder manipulierte er Gene und erzeugte künstlich Leben. Leben, daß sich nicht einschätzen und kontrollieren ließ. Unberechenbares Leben aus dem Nichts.
Leise öffnete sie die Kühleinheit. Ihre wachen gelben Augen brauchten nicht lange um zu finden, was sie suchte. Auf Zehenspitzen holte sie ein Präparat heraus. Eine Schale in der etwas schlummerte, was der Doktor ehrfurchtsvoll "Der letzte Tod" nannte und das er mehr als alles andere fürchtete. Als sie die Kühleinheit wieder schloß, verursachte sie ein leises quietschendes Geräusch. Aber dennoch laut genug um gehört zu werden.
Erschrocken wirbelte der Mann im dem weißen Kittel herum. Seine Augen waren furchtsam weit aufgerissen, als er die Schale in den Händen des Kindes sah. Seine Gesichtshaut wurde schlagartig fahl. Abwehrend hob er die Arme schützend vor den Kopf. "Halt! Tu es nicht."
Silvana hatte den Kopf schiefgelegt und sich den Mann in seiner Todesangst genau angesehen. Er wirkte mit einem Mal klein und zerbrechlich. Gar nicht mehr wie der große stolze Mann, der er immer sein wollte. Fast wie die Hasen aus Versuchsraum 8, wenn sie mit einer hungrigen Aleandrax in einen Käfig gesperrt wurden. Emotionslos beobachtete sie wie er um sein Leben bettelte. Dann drehte sie sich um und öffnete den Ausgang.
Ohne noch einmal zurückzuschauen, warf sie teilnahmslos die Schale über ihre Schulter in den Raum. Ein markerschütternder Schrei gellte durch die Gänge, als sich die Tür bereits wieder hinter ihr geschlossen hatte.
Kurz vor dem Ausgang stieß sie mit einer Wache zusammen, die den Schrei gehört hatte und daraufhin herbeigeeilt war. Sie hatte vor bis zum Letzten zu kämpfen nur um aus diesem verdammten Gefängnis zu entkommen. Wütend stützte sie sich auf ihn um ihn zu töten. Ihre Krallen waren nur mehr wenige Millimeter von seiner Kehle entfernt, als er rief:
"STOP!!!"
Seltsamerweise hatte sie wirklich aufgehört ihn anzugreifen, auch wenn jeder Faser ihres Körpers weiter angespannt blieb und zum Äußersten bereit war. Eine Tatsache, die sie bis zum heutigen Tag nicht verstand. Der Mann stand auf, zog seine Jacke aus und reichte sie ihr. "Und jetzt geh. Lauf! Schnell!"
Langsam nahm Silvana wieder ihre Umgebung wahr. Die Bar der Privateer.
Emotionslos, als ob nichts gewesen wäre, kehrte Silvana zur Theke zurück und würdigte weder die Indianerin noch den immer noch bewußtlosen Ferengi eines Blickes.
--- Theke
Es machte ein häßliches Geräusch, als Silvana das Messer auf einen Schlag bis zum Schaft in die Theke rammte. Ein Platz von dem niemand es so schnell wieder entfernen würde.
Dann hellte sich ihr Gesicht auf und sie wandte sich lächelnd wieder Collins zu: "Könnte ich noch einen Whisky haben?"
Kargan hatte die Szene beobachtet, und als der Ferengi nähere Bekanntschaft mit dem Boden machte, wollte er schon zu ihm stürzen. Aber da die sofort aufspringende Naturheilerin, die Slade unverständlicherweise aufgenommen hatte, wesentlich näher am Ort des Geschehens gesessen hatte, beschloß Kargan, ihr eine Chance zu geben.
Sie zu testen?
Ihr die Unzulänglichkeiten Nicht-Schulischer Medizin aufzuzeigen?
Hm. Irgendwas von dem.
Jedenfalls blieb Kargan sitzen und wartete. Der Impuls, Narbo zu helfen, war zwar sehr stark, aber der Chefarzt behalf sich mit seiner eigenen Logik: Wenn die Indianerin Narbo wieder auf die Beine brachte, war es nur ein kleiner Ohnmachtsanfall, den jeder Stümper heilen konnte.
Sah sie ein, daß ihre Fähigkeiten nicht ausreichten, würde sie Kargan um Hilfe bitten.
Starb der Ferengi, würde Slade einsehen, daß diese Frau untragbar war.
Der Klingone bevorzugte die zweite Möglichkeit. Die Dritte nur, wenn der Psychologe hinter der Theke ein besseres Vermicula machte als Narbo.
Kargan erhob sich und sagte zu Collins: "Wenn ich wiederkomme, will ich mein Essen haben."
Dann ging er ohne Hast zu Tayeya herüber und schaute sich ihre Behandlungsmethode an. Dabei fiel ihm auf, daß sie offenbar sehr erfolgreich an der ersten Möglichkeit arbeitete. Narbos Augenlider zuckten bereits.
Aber ... was um alles in der Welt stellte sie dort an?
--- mitten im Raum
'Was für eine merkwürdige Frau', dachte Tayeya, während sie sich über den am Boden liegenden Ferengi beugte. 'Tut gerade so, als wäre nichts passiert...'
Dann widmete sie sich dem Ferengi, hob seine Augenlider, um die Pupillen zu begutachten und fühlte den Puls, der etwas schnell, aber gleichmäßig schlug. Während sie diese kurze Untersuchung vornahm - und kurz war sie, denn der Ferengi kam bereits wieder zu sich - stimmte sie halblaut einen indianischen Gesang an.
Dann wurde sie gewahr, daß der klingonische Arzt neben ihr stand und irgendwie verblüfft auf sie heruntersah. Tayeya unterbrach ihren Gesang - er war ohnehin nicht mehr nötig, denn der Bewußtlose hatte die Augen wieder aufgeschlagen, wenn er auch noch einen recht glasigen Blick hatte. Sie sah zu dem Klingonen auf und fragte mit gelassenem Gesichtsausdruck:
"Was gibt es, Doktor? Was starren Sie denn so?"
--- Thekenbereich
Der Psychologe hatte sich das ganze Ereignis wortlos angesehen. Die Geschwindigkeit mit der Silvana agierte, hatte ihn durchaus fasziniert. Den Angriff des Ferengi hatte er erwartet, aber nicht mit solchen Methoden. Außerdem schien der Angriff nicht wirklich ihm gegolten zu haben.
"Eine interessante Vorstellung!", sagte Jack, während er Silvana das Glas wieder füllte. "Warum sollte das Messer dich treffen? Eigentlich hatte ich ihn gereizt. Dein Satz vorhin, mit den Vulkaniern und den Ferengi, war das nur ein Spruch, oder ist da ein Zusammenhang? Hatte Narbo vielleicht ein Problem mit einem Vulkanier?"
Nebenbei schrieb er noch einen kleinen Zettel und legte ihn an Kargans Platz. 'Küche wegen Krankheit geschlossen, nichts für ungut!'
Langsam rappelte Marc sich wieder vom Boden auf. Vor seinen Augen drehte sich alles. Als Silvana ihn auf die Seite geschubst hatte, war er ziemlich heftig mit dem Kopf an die Theke geschlagen und nur mühsam konnte er die Sterne aus seinem Blickfeld vertreiben.
Er zog sich an der Theke hoch und warf einen Blick auf die Anwesenden. 'Aha, zwei Ärzte sind bei diesem Messerwerfer und keiner bei mir. Ist ja wieder klar', dachte er bei sich und ließ sich schnaufend auf einem Barhocker nieder.
"Ey Barkeeper - wer auch immer das jetzt sein sollte - ich brauch dringend was, was mir die Sternchen aus dem Blick entfernt. Gibt es da nicht irgend ein hübsches Gebräu hier?", rief er und schaute dabei Collins an.
Die Frau mit den gelben Augen grinste seit der Mann neben ihr wieder seinen Barhocker erklommen hatte und dabei wirkte, als würde sich das ganze Universum sprichwörtlich um ihn drehen. Er hatte nicht mal bemerkt, daß er dabei ein Gespräch unterbrach.
Aber sie hatte keine Lust ihm zu erklären, daß sie ihn sanft getreten hatte, da er sonst auf der Krankenstation gelandet wäre. So wandte sie ihre Aufmerksamkeit wieder Jack zu, der noch immer auf Antworten hoffte.
"Narbo und ich stehen uns nicht besonders nahe, Jack, wenn du verstehst was ich meine. Aber es ist so gar nicht seine Art mit einem Messer nach mir zu werfen. Er ist hinterlistig, verschlagen und durchtrieben. Wenn er etwas gegen mich unternehmen würde, dann nur mit Erfolgsgarantie und wenn es ihm nicht nachgewiesen werden kann." Sie nahm einen tiefen Schluck Whisky und genoß den heißen Lebenssaft zu spüren, wie er sich seinen Weg in den Magen brannte. Dann fixierte sie Jack und wünschte sich seine Gedanken lesen zu können.
"Weil du ihn gereizt hast, deshalb stieß ich dich ja auch aus der Schußlinie. Außerdem ist er ein miserabler Schütze..." Da fiel Silvana ein, daß er sich zurecht fragte, wie sie von Ferengi auf Vulkanier kam.
"Das mit dem Spruch ist auch leicht erklärt", fügte sie hinzu. "Ich hasse Vulkanier. Und du mußt doch zugeben, daß sich Narbo wie einer verhalten hat. Mechanisch, emotionslos, fast als würde grünes Blut in seinen Adern fließen." Der Ekel vor selbigen stand ihr deutlich ins Gesicht geschrieben. "Es war, als hätte ich einen Vulkanier gekillt und einen anderen dafür bekommen."
Wieder dachte sie an Raven und ihre Pupillen wurden abermals schmal. Erst ein Schluck Whisky brachte sie in ihre ursprüngliche Form zurück. "Ich könnte dir das mit Raven auf der Brücke erzählen. Narbo war dabei, aber ich denke nicht, daß es dich sonderlich interessieren wird..."
Ihre Augen wanderten zu den noch immer am Boden liegenden Narbo und ein wundervolles Gefühl machte sich in ihr breit.
Vorfreude.
Ein raubtierhaftes Lächeln überzog ihre Gesichtszüge.