--- Privateer, Captains Quartier
Slade schlug die Augen auf.
Dunkelheit.
"Wo bin ich?", murmelte er. "Computer, Licht! - AHHHRGH!!"
Normalerweise gehörten diese Worte bei dem Anticaner immer dann zusammen, wenn der Abend zuvor sowohl lang als auch synthoholarm und dafür alkoholreich gewesen war.
Als er sich aufrichtete, bestätigte sich sein Verdacht. Slade konnte deutlich spüren, wie sich sein Schiff drehte. (Oder war es die Planetenrotation? Eine Raumstation?? Wo um alles in der Welt war er nur?)
Leider war diese Erfahrung recht schmerzhaft, aber er wußte aus früheren Erlebnissen dieser Art, daß ein Zurücksinken in die weichen Kissen die Symptome nur verstärken würde.
Was war gestern abend geschehen?
Auf den kurvenreichen Weg ins Bad glaubte er, sich dunkel an das Gesicht seines alten Freundes Monserat erinnern zu können. Und an ein wunderhübsches Frauengesicht, das neben dem Franzosen, gegenüber Slade, gesessen hatte. Der Name Shania leuchtete kurz vor seinem inneren Auge auf.
<Dramatischer Zoom auf die plötzlich schreckhaft geweiteten Augen>
Er hatte doch nicht...?
Sich langsam umdrehend, schielte er auf die zweite Hälfte seines Bettes, auf welcher sich die Bettdecke verdächtig türmte...
Slades Mund wurde trocken, als er an die Nacht auf Brakaron 7 dachte. Eine ganz ähnliche Situation. Die betreffende Person hatte sich am nächsten Morgen ohne Make-Up, gepolsterte Kleidung und Perücke als spindeldürre und mindestens sechzig Jahre alte Schabracke entpuppt.
Ihm wurde schlecht. Er zog die Bettdecke mit einem Ruck zur Seite.
Darunter lag...
Niemand.
Tief aufatmend machte er sich auf den Weg ins Bad. Kurz nachdem er es betreten hatte, wackelten auch schon die Wände.
"WAAAAAAAAAAAAAAAAAAS?????"
Völlig nüchtern stürmte ein großes Fellbündel aus dem Bad, riß diverse Schubladen auf, und fand schließlich einen kleinen Handspiegel.
Die angstvoll geweiteten Augen starrten in den Spiegel, in dem sehr wenig zu sehen war.
Und das war genau der Grund für Slades Panik, denn normalerweise leuchtete ihm aus einem Spiegel ein braunweißer Haarwust entgegen. Und nun fehlte auf der linken Seite seines Gesichtes fast die Hälfte seines Felles.
Wenn er noch einen Beweis gebraucht hatte, daß er am Vorabend übermäßig gezecht hatte, dann hatte er nun einen. Welcher Teufel hatte ihn eigentlich geritten, seine Alkoholallergie zu ignorieren und einfach draufloszusaufen?
Mit zitternden Händen langte er nach einer Bürste und versuchte, seine Fellhaare in eine Position zu bringen, in welcher der Haarverlust nicht allzusehr auffiel. Nach ein paar Minuten war er relativ zufrieden mit dem Ergebnis, feuerte Spiegel und Bürste in eine Ecke und ging unter die Dusche.
--- später
"...la, li, la, lo..."
--- viel später
Ein tropfnasser Slade trat aus dem Bad und räkelte sich. Das kalte Wasser hatte seine Lebensgeister wieder geweckt.
Unter der Dusche war ihm ein weiteres Detail des gestrigen Abends eingefallen. Offenbar trennte sich Monserat wieder einmal von seiner Mannschaft, und für Slade würden dabei einige gute Leute abfallen.
Am Liebsten hätte er ja gleich die gesamte Mannschaft in seine Dienste genommen, aber Monserat hatte ihm ein kleines Spielchen angeboten: Sollte Slade gewinnen, würde der Franzose ihm detaillierte Informationen über die Vorzüge und Nachteile seiner Leute zukommen lassen.
Was hatten sie dann eigentlich gespielt? Poker? Schach? Par'chan?
Der Anticaner schüttelte den Kopf, was er besser nicht getan hätte.
Stöhnend versuchte er sich zu erinnern, gab aber nach ein paar Sekunden auf, als sein Terminal fiepte.
"Eine Nachricht für Slade Szelesem", röhrte die Computerstimme.
"Auf den Schirm", brummte Slade zurück, und setzte hinzu: "Aber nicht vorlesen. Ab sofort will ich komplette Ruhe haben, verstanden?"
"Verstanden", blinkte auf der Konsole auf.
'Endlich mal ein Computer, der gleich versteht, was man von ihm will', dachte er und begann zu lesen.
Auf dem Schirm fand er eine Nachricht von seinem Freund Monserat vor. Offenbar hatte Slade bei dem Spiel gewonnen, denn sein Freund hatte sich die Mühe gemacht, die Fähigkeiten jedes einzelnen Mannschaftsmitgliedes zu beschreiben - wann war der eigentlich schlafen gegangen??
--- eine halbe Stunde später
Slade war gerade mit dem umfangreichen Studium der Fähigleiten seiner zukünftigen Mannschaftsmitglieder fertig, als ihm die Uhrzeit ins Auge sprang.
14:50.
Da war doch etwas gewesen?
Dumpf erinnerte sich der Anticaner daran, daß er mit Monserat zusammen den heutigen Tagesablauf verplant hatte. Schnell blätterte er in seinem Terminkalenderpadd, wo er verschiedene Einträge für den heutigen Nachmittag vorfand.
Hm.
Offenbar waren sie übereingekommen, die Privateer zwischen fünfzehn und siebzehn Uhr zu jeder vollen Stunde für Jobsuchende zu öffnen. Den größten Schwung erwartete der Captain zehn Minuten. Um 16 Uhr würden wohl noch ein paar Nachzügler kommen, so daß der Termin um 17 Uhr recht überschaubar werden würde.
Aus dem Grunde hatte Monserat seinen besten Leuten gesagt, sie sollten erst um 17 Uhr vorbeischauen. Schließlich wollte Slade sich das "Sahnestück" bis zum Ende aufheben.
Ein schneller Blick zur Kamera bei Schleuse 1 bestätigte ihn in seiner Taktik. Etwa 20 Leute warteten bereits auf Einlaß, allen voran ein sehr kriegerisch aussehender Gorn.
Schnell beorderte Slade seine Abteilungsleiter in die Trainingshalle auf Deck 6, die Silvana fast schon ständig in Beschlag genommen hatte. Außer den Lagerräumen und den Shuttlehangars erschien ihm dies als der einzige Raum, dessen Größe es mit der Anzahl der Neuankömmlinge aufnehmen konnte.
Danach beorderte er Jean-Luc zur Schleuse, befahl ihm, sie um Punkt 15 Uhr zu öffnen und die draußen Wartenden zur Trainingshalle zu führen.
Anschließend begab er sich selber dorthin.
--- Weg zur Trainingshalle
Unterwegs wurde er von Dr. Kargan im Laufschritt überholt, dessen Arzttasche deutlich machte, daß er offenbar vorher noch zu einem Notfall unterwegs war.
In dem Moment fiel Slade ein, daß er seinen Leuten nicht erzählt hatte, warum sie in die Trainingshalle kommen sollten. Wahrscheinlich war Dr. Kargan davon ausgegangen, daß wieder einmal einer von Silvas Schützlingen Hilfe brauchte.
Unschuldig schauend betrat der Captain die Trainingshalle.
--- Trainingshalle
In dem großen Raum traf Slade auf Kargan, der gerade sehr verwundert schaute, als ihm Silva erklärte, daß zur Zeit ausnahmsweise niemand ernsthaft verletzt wäre. Anschließend schickte die Sicherheitschefin ihre trainierenden Leute in den Feierabend.
Der Captain hatte spontan den Eindruck, daß diese Leute ihm fürchterlich dankbar waren. Schließlich war er der Grund, daß die Trainingseinheit heute deutlich kürzer ausgefallen war als sonst.
Wieder einmal bewunderte er die katzenhafte Geschmeidigkeit seiner Sicherheitschefin, von deren Gefährlichkeit er sich am eigenen Leib hatte überzeugen können. Statt ihrer üblichen Kleidung trug sie heute einen hautengen schwarzen Catsuit, der wie eine zweite Haut an ihr saß und zum Kämpfen perfekt geeignet war. Auch wenn es ihm schien, als wäre es eines jener unfairen Mitteln, die sie einsetzte um ihren Gegner noch schneller zu überwältigen.
Ein paar Minuten später betrat Xiang den Trainingsraum. Er sah etwas verschwitzt aus - offenbar steckte er mitten in der Arbeit, den Maschinenraum wieder auf Vordermann zu bringen.
Inzwischen hatte Slade den anderen bereits erklärt, um was es ging. Für den kleinen Erdling lieferte er nur noch einmal eine Kurzversion:
"Hallo. Gleich tanzen hier einige Leute an, die auf diesem Kahn anheuern möchten. Wir werden sie nach Fachgebieten trennen und ihr werdet sie testen. Eine Stunde habt ihr Zeit, dann kommen die Nächsten. Bereitet euch auf insgesamt drei Gruppen vor.
Heute Abend möchte ich von jedem eine Liste, aus der ich ersehen kann, wen ich einstellen soll und wen nicht. Wie ihr das macht, ist mir egal."
Mit einem mißtrauischen Seitenblick in Richtung Silvana fügte er hinzu: "Aber ich will keine Leichen sehen. Verstanden?"
Die katzenartige Menschin lächelte nur. Ein sehr hintergründiges Lächeln.
Dann öffnete sich schon die Tür und die ersten Leute strömten in den Raum.
--- zwei Stunden später
Zum dritten Mal füllte sich der Raum, und es wurden immer weniger, die den großen Raum bevölkerten. Um 15 Uhr waren es noch fast fünfzig Leute gewesen, eine Stunde später gute zwanzig, und nun gerade einmal elf.
Aber unter diesen elf Kandidaten befanden sich die Vier, welche Monserat Slade ganz besonders ans Herz gelegt hatte.
Als sich die Bewerber nach Fachgebieten sortiert hatten, kümmerte sich Slade zuerst um die Brückenbesatzungsbewerber. Nachdem sie sich vorgestellt hatten, stellte er fest, daß er unter anderem tatsächlich ein Ex-Ivory-Mannschaftsmitglied vor sich hatte.
Marc Tegger. Monserats Bericht über ihn besagte, daß er Pilot war. Darüber hinaus hieß es wörtlich: "Er hat uns auf der letzten Reise bei wichtigen Nachforschungen sehr geholfen und verdient Anerkennung. Lediglich sein Kleidungsstil und seine Eßgewohnheiten, sowie sein Einsatz beim Computer sind sehr fragwürdig. Kleiner Tipp von mir: Halte ihn von deinen Computerkonfigurationen fern..."
Slade hatte sich eben schon über die Passage mit dem Computer gewundert, aber er würde sie wohl beherzigen. Umsonst hatte sein Freund es sicher nicht erwähnt.
Für die Kommunikation hatte sich ein staubtrockener Vulkanier gemeldet, der nicht den Hauch einer Chance hatte, Miß Fernsprecher zu ersetzen, was dieser mit stoischer Ruhe zur Kenntnis nahm und den Raum verließ.
Im Hinblick darauf, daß Slade Monserat vollkommen vertraute (und sich sowieso kein zweiter Navigator gemeldet hatte), nahm er Tegger gleich in seine Dienste.
Dem Ferengi, der sich für die Wissenschaft gemeldet hatte, konnte Slade allerdings nur geringe Chancen geben. Nicht nur, daß seine Kenntnisse noch geringer waren als selbst die des Captains, nein, der Anticaner hatte zudem noch den Eindruck, daß diesem Ferengi nicht zu trauen war. Er würde sicher versuchen, das erste wertvolle Ausgrabungsstück, das sie auf der nächsten Mission finden würden, an allen Kontrollen vorbeizuschmuggeln. Und da Slade nicht vorhatte, Martengh'sche Kontrollen einzuführen, strich er diesen Kandidaten im Geiste schon von der Liste.
Anschließend ging er die Reihen ab und begutachtete die Bewerber, mit denen es seine Leute es zu tun hatten.
Neben ihm hatte Kargan es mit zwei arbeitslosen Medizinern zu tun. Seinem Gesichtsausdruck nach zu schließen, war er mit den Beiden gar nicht zufrieden.
Slade ließ sich kurz informieren. Der Mann hieß Jack Collins und war von Monserat als Bordpsychologe vorgeschlagen worden. Was sagte dessen Akte noch einmal aus? Slade ließ sich den betreffenden Eintrag anzeigen:
"Jack Collins, unser Psychologe und Assistenzarzt hat einiges auf dem Kasten. Oft dreht sich mehr um ihn, als du dir in deinen kühnsten Träumen vorstellen kannst. In seiner Gesellschaft fühlt man sich sicher. Er durchschaut seine Mitmenschen spätestens dann, wenn sie vor ihm liegen."
Slade schaute Kargan an und sagte: "Einen Psychologen brauchen wir sicher. Stell ihn an. Kannst ihm Ruiqs altes Büro auf der Krankenstation geben. Ich weiß gar nicht, ob er das jemals betreten hat."
Dann dachte er über die Frau nach. Diese schaute für einen Mediziner oder eine Krankenschwester zumindest etwas unkonventionell aus. Klein, schlank, Lederoutfit, und ein Dolch an der Seite.
Aber das interessanteste an der Sache war, daß sie keine Medizin studiert hatte, und statt dessen indianische Naturheilkunde beherrschte. Es wäre sicher nicht schlecht, so jemanden an Bord zu haben, nur für den Fall, daß die Schulmedizin einmal an ihre Grenzen stieß. Der Captain nickte seinem Chefmediziner zu. Dieser verdrehte zwar die Augen und knirschte mit den Zähnen, schluckte aber die Entgegnung herunter, die ihm auf den Lippen gelegen hatte.
Slade, der sich der Disziplin des Klingonen sicher war, schritt weiter zu der Gruppe Techniker, welche sich um den kleinen Xiang geschart hatten. Es handelte sich um dabei um eine reine Gruppe Menschen, zwei Männer und eine Frau.
Auch hier ließ sich Slade zunächst die Personaldaten geben. Bei dem Namen Helen Ramirez winkte er den Cheftechniker zu sich und gab ihm den entsprechenden Abschnitt in Monserats Bericht zu lesen:
"Helen Ramirez unsere Technikamazone. Für alles was sie für wichtig erachtet setzt sie sich voll und ganz ohne Wenn und Aber ein. Da kennt sie gar nichts. Ihr Engagement ist dann wirklich bewundernswert. Sie ist eine sehr gesellige Person, die schnell Freundschaften schließt. Kann allerdings sehr resolut sein, wenn es um ihr Eigentum geht."
Xiang machte ein etwas erstauntes und verblüfftes Gesicht, woraufhin Slade die Menschenfrau genau wie die beiden Mediziner schon jetzt einstellte.
Verabschiedend nickend ging der Anticaner zur letzten Gruppe weiter. Er hatte die Brückenbesatzung wie bei den beiden Musterungen vorher absichtlich an das andere Ende des Raumes verlegt. Die Schmerzens- und Kampfschreie aus Silvas Gruppe störten einfach bei der Beurteilung der Leute.
Als Slade bei der Bewerbertruppe ankam, konnte er bereits einen der Bewerber streichen. Das Wesen schien Silva unterschätzt zu haben, da sie nur eine Frau war. Sie hatte diesen Umstand schamlos ausgenutzt um ihm klar zu machen, daß sie kein fairer und schon gar kein schwacher Gegner war. Sein linkes Knie umklammernd hockte der langhaarige Humanoid am Boden.
Für den Anticaner war es interessant zu erfahren, daß die prägnanten Geschlechtsmerkmale dieser Rasse an der gleichen Stelle wie bei Noridianern saßen. Mit einem leichten Schulterzucken ignorierte er das schmerzhafte Stöhnen, das in ihm selbst etwas Unbehagen und für eine Sekunde so etwas wie Mitleid in ihm aufkommen ließ und wandte sich Silvana zu, die mit einem anderen Bewerber ganz zufrieden zu sein schien.
Bevor sich Silva noch den letzten Bewerber vornehmen konnte, hielt Slade sie am Arm fest und zeigte ihr das Padd.
"Das solltest du lesen, Monserat empfiehlt ihn uns wärmstens. Er ist ein alter Freund von mir und ich vertraue seinem Urteil", meinte der Captain und sah seine Sicherheitschefin an. Doch die hatte nur Augen für die Information:
"Pormas Theocrates, der Mann, der den lieben guten alten Martengh hier so ziemlich ins Schwitzen gebracht hat. Über ihn wäre zu sagen, daß er zwar im Team arbeiten kann, aber sich doch im Laufe der Reise als Ein-Team-Mann herausgestellt hat. Eine echte Führungspersönlichkeit. Er liebt seine Gegner, ist aber oft nicht davon abzuhalten sie trotzdem kleinzuhacken. P.S. Er sah nicht schon immer so schlimm aus. Euer Bordarzt sollte was dagegen tun."
"Wenn du meinst", entgegnete Silva trocken und ziemlich desinteressiert und fixierte dabei Pormas, der sie durch das ganze Stimmengewirr nur sehen, aber nicht hören konnte. "Aber mit seiner Führungspersönlichkeit kann er hier an Bord ziemlich schnell einen gefährlichen Unfall erliegen... Ich habe noch nie einen derart häßlichen Cardassianer gesehen. Ich glaube nicht, daß Kargan da viel machen kann."
Seufzend hob Slade die Schultern hoch. "Laß ihn einfach leben, bis wir Nachschub haben. Okay?"
Silva nickte, schien ihm aber trotzdem wenig kooperativ zu sein. Ihr Verschleiß an Leuten erschien ihm manchmal so, als wollte sie Dr. Kargan absichtlich nicht zur Ruhe kommen lassen. Aber das gehörte eben zu ihren Eigenheiten dazu.
Slade wollte das Padd schon zuklappen, da er alle Bewerber durch war, da fielen ihm noch zwei Einträge auf:
"Campbell - ja, die Rothaarige - sie hat sich inzwischen dagegen ausgesprochen auf dein Schiff zu gehen. Du scheinst bei ihr nicht den besten Ruf zu haben. Kein Wunder so wie du dich gestern benommen hast...
Das gleiche gilt für Shania. Ich hab sie auf deinen Wunsch hin noch einmal gefragt, ob sie das Schiff wechseln möchte, aber sie hat mir die gleiche abweisende Antwort wie dir gegeben."
Slade fragte sich, wieso dieser unscheinbar aussehende Franzose so viel mehr als er selber vom gestrigen Abend wußte...schließlich hatten beide Freunde etwa die gleichen Mengen zu sich genommen.
Anschließend begab sich der Captain zu seiner Sprechposition - einem Haufen Matratzen, die er zu einem kleinen Podest aufgetürmt hatte. Silva benötigte nicht so viel Matratzen, sondern bevorzugte offenbar harte Tatsachen.
Unterwegs wies er Jean an, in den Trainingsraum zu kommen. Die neue Quartiernumerierung hatte Slade immer noch nicht im Kopf. Aber eine Neunumerierung war nötig gewesen, da seine damalige intuitive Nummernvergabe für mehr Konfusion gesorgt hatte als alles andere.
Deshalb hatte Slade den Androiden angewiesen, sowohl die Nummern der Quartiere neu zu vergeben, als auch diverse Umquartierungen zu koordinieren. Silva hatte sich schließlich schon beschwert, daß sie als Sicherheitschefin in einem Mannschaftsquartier untergebracht war.
--- Trainingsraum, Podest
Hier erhob der Captain seine Stimme: "Ich danke Ihnen allen, daß Sie gekommen sind. Sie werden morgen von uns hören. Dr. Kargan läßt Ihnen ausrichten, daß Sie sich unmittelbar nach Ihrem Dienstantritt zuallererst in der Krankenstation zu melden haben.
Schiffsangehörige können nach Belieben das Schiff betreten und verlassen. Ihnen steht unsere Bordbar zur Verfügung. Leider erlaubt uns die Föderation einen Barbetrieb nur für unsere Schiffsangehörige zu unterhalten, während wir angedockt sind. Deshalb sind wir leider gezwungen, den Barbetrieb für Schiffsfremde zu sperren."
'Und niemand bedauert das mehr als ich', dachte Slade für sich. 'Vielleicht noch Narbo, aber der zeigt es nicht. Ist immer noch ein wenig verändert seit der Sache mit Raschkralle. Bin mal gespannt, wann der sich wieder fängt.'
Er fuhr fort: "Diejenigen, die bereits eingestellt sind, machen sich bitte einen Termin in der Krankenstation aus. Dienstbeginn ist morgen um 08:00, Sie können aber gerne jetzt schon unsere Bar besuchen. Narbo freut sich sicher schon auf Ihren Besuch!
Hat noch jemand Fragen?"
--- weiter hinten
'Endlich ein Arzt', seufzte Pormas innerlich auf. Seine Verletzungen waren in den letzten Tagen zwar erstaunlich schnell verheilt, so daß er sich wieder normal bewegen konnte, aber es war ihm schon lieber, wenn da nochmal jemand nachgucken würde.
Was dem Südländer aber allmählich richtig wurmte, war die Tatsache, daß er endlich sein eigenes Gesicht wiederhaben wollte. Er gab einfach keinen guten Cardassianer ab.
Kurz schaute er zu Helen rüber, die sich mit einem anderen Techniker zu unterhalten schien. Ihr Einführungstest dürfte wesentlich schmerzloser ausfallen, als sein eigener.
Mit diesem Gedanken im Kopf, blickte er wieder zur Sicherheitschefin, die sich als Silvana vorgestellt hatte. 'Gute Güte', ging es ihm immer wieder durch den Kopf. Auch wenn Monserat schon Helen als Amazone genannt hatte... diese Frau traf den Nagel auf dem Kopf.
Und kämpfen konnte sie... Pormas war gespannt auf seinen ersten Kampf mit ihr, bezweifelte aber, ob er sie im waffenlosen Kampf besiegen könnte. Nach der Vorstellung mit den anderen Bewerbern unter denen auch ein, zwei wirklich gute gewesen waren, hatte Silvana eine Körperbeherrschung an den Tag gelegt, die selbst der große Karatemeister Hisaki in seinen besten Tagen nicht besessen haben konnte. [*scnr*]
Das hatte aber noch Zeit. Geduldig wartete der Südländer weiter, ob irgend jemand noch etwas zu sagen hatte, sonst würde er sich gleich erstmal einen Termin beim Doktor machen.
--- am Podest
'Ob, das wirklich die richtige Entscheidung war hier an Bord zu kommen', dachte sich Helen zweifelnd, während sie den Worten des Captains mit halbem Ohr lauschte.
'Wenigstens sieht er relativ umgänglich aus, aber Monserat habe ich auch niedlich gefunden, als ich Ihn zum ersten Mal gesehen habe. Und selten habe ich bei einem Mann so daneben gelegen wie bei diesem. Na, ich werde später bestimmt noch Gelegenheit genug haben Slade kennenzulernen. Im Moment interessieren mich nur zwei Dinge. Hoffentlich überlebt Pormas die Trainingseinheit und wo ist der Arzt?'
Mit gemischten Gefühlen blickte die Südländerin zu ihrem Freund und seiner neuen Chefin.
'Diese Frau sieht so aus, als würde sie die Leute, die Ihr in die Quere kommen, einfach in der Luft zerreißen. Hoffentlich benimmt sich Pormas ihr gegenüber vernünftig und spielt nicht wieder den supertollen, unbesiegbaren Supermann. Bestimmt wird er dann sein blaues Wunder erleben. Aber warum eigentlich nicht? Wenn er den Mund mal wieder zu voll nimmt, kann er auch ruhig leiden.'
Mit einem Grinsen wandte sie sich von den beiden ab und musterte die anderen Personen interessiert.
'Vielleicht schaffe ich es ja diesmal eine Freundin an Bord zu finden. B'Elar ist ja wieder verschwunden und weder T'Kara noch Llewella waren wirklich mein Fall. Vulkanier sind einfach zu langweilig und die Schottin... Wir haben einfach nicht zusammen gepaßt. Eventuell finde ich ja diesmal jemanden mit dem ich mich eher verstehe.'
Langsam setzte sich Helen in Bewegung und machte sich auf die Suche nach dem Doktor.
'Wie war jetzt nochmal der Name von dem Mann?', fragte sich die Spanierin, während sie in Gedanken versunken weiterlief.
'Klang irgendwie klingonisch, aber wer ist schon so verrückt und stellt einen klingonischen Arzt ein?', dachte sie sich.
In Gedanken versunken wanderte sie weiter und prallte schließlich gegen einen ihr noch unbekannten Mann.
--- irgendwo am Rand
"Oh verzeihen Sie bitte. Ich habe Sie gar nicht gesehen", entschuldigte sich Helen und löste ihren Blick vom Boden, den sie während ihrer Überlegungen fasziniert betrachtet hatte. Um so verblüffter war sie als sie bemerkte das sie gegen einen Klingonen gelaufen war.
"Sie müssen wissen, ich bin auf der Suche nach dem Arzt des Schiffs. Irgendwie habe ich das Gefühl, daß ich das Suchen jetzt aufgeben kann. Gehe ich recht in der Annahme, daß Sie der Doktor sind? Zu meiner Schande muß ich zugeben, daß ich Ihren Namen schon wieder vergessen habe." Lächelnd zeigte die dunkelhaarige Frau auf die Arzttasche, die der Mann bei sich trug.
"Ich bin übrigens Helen Ramirez und hier ab sofort als Technikerin angestellt. Slade sagte, wir sollen Termine bei Ihnen machen. Also wann soll ich kommen? Am Besten noch heute, ich fühle mich nicht wirklich gut." Abwartend blickte sie den Klingonen an und strich sich eine verirrte dunkle Locke aus dem Gesicht.
Kargan schaute auf die junge, zierliche Person herunter, die gerade in ihn hineingerannt war.
"Sie haben recht, ich bin der Bordarzt. Dr. Kargan", antwortete er mit einem nicht gerade vertrauenserweckenden Lächeln. "Mir ist es auch lieber, wenn ich die neuen Mannschaftsmitglieder heute noch untersuche, da kann ich mich jedem von Ihnen sehr viel intensiver widmen.
Aber Sie sagten, Ihnen geht es zur Zeit nicht gut?" Mit einer fließenden Bewegung zog er einen medizinischen Tricorder hervor. Nach ein paar Sekunden teilte der Klingone Helen mit: "Ihre Blutwerte sind in Ordnung, aber der Blutdruck macht mir Sorgen. Nehmen Sie irgendwelche bewußtseinsverändernde Drogen? Koffein? Nikotin? Alkohol? Holosimulationen?"
"Nein, nichts von den genannten Dingen und keine anderen bewußtseinsverändernden Drogen. Muß ich mir jetzt etwa Gedanken machen?", fragte Helen stirnrunzelnd und schüttelte dann ärgerlich den Kopf.
"Ach, kommen Sie, Doktor, Sie machen aus einer Mücke einen Elefanten. Mir ist nur ab und an etwas schwindelig und etwas übel. Na ja und ich bin ein wenig reizbarer als sonst. Ist sicher nur der ganze Streß gewesen und das wird sich auch wieder legen."
Unsicher betrachtete die Spanierin den Klingonen genauer und kam zu dem Schluß das offensichtlich nicht mit ihm zu spaßen war.
"Wissen Sie, ich habe ein wenig Angst vor Ärzten und ein klingonischer ist mir noch nie unter die Augen gekommen. Es wäre schön, wenn Sie mir bei der Untersuchung nicht gleich den Kopf abreißen oder den Arm amputieren. Ich habe nämlich für beides noch Verwendung. Wenn ich ehrlich bin, schüchtern Sie mich ziemlich ein, auch wenn Sie wundervolle blaue Augen haben."
'Das hättest du dir jetzt sparen können, Helen.' Schuldbewußt biß sich die Spanierin auf die Unterlippe und senkte verlegen den Blick.
--- an der Sprossenwand
Jack nahm seine Tasche, in der sich seine letzten Habseligkeiten befanden. Sein Blick schweifte zu dem Klingonen hinüber, der sich gerade mit Helen unterhielt. 'Eigentlich wollte er mich gar nicht!', dachte der Psychologe.
Es war kein so guter Beginn, der letzte Einsatz lag Collins noch auf den Magen, die freie Zeit am gestrigen Abend hatte er genutzt, um Zar'kons Tochter eine Nachricht zukommen zu lassen. Das war er seinem alten Freund schuldig. Dabei erwähnte Jack aber mit keinem Wort die Vorfälle, die zu Zar'kons Tod geführt hatten.
Collins sah sich um, und es kam ihn vor, als wäre er in einem Rekrutierungsbüro der Sternenflotte. Szelesem schien ein Captain zu sein, der Disziplin verlangte, was Collins begrüßte. 'Vielleicht klappt es hier ja mal mit der Teamfähigkeit!', dachte er.
Dann wandte sich der Psychologe der Frau zu, die mit ihm eingestellt worden war. Den Namen hatte er nicht ganz mitbekommen, nur, daß sie irgend etwas mit Naturheilkunde machte, oder so ähnlich. Ihre Haare waren tiefschwarz und sie trug einen Lederanzug mit einem Dolch an der Seite.
"Tja, dann wollen wir mal den Doktor konsultieren, was?" Jack sah die Frau an. "Ich bin Jack Collins!", stellte er sich vor. "Können Sie sich einen Klingonen als Arzt vorstellen? Bestimmt wird hier ohne Narkose operiert" Collins grinste ein wenig sarkastisch.
'Könnte ganz lustig werden!', dachte er.
--- weiter hinten
Da scheinbar niemand noch irgendeine Frage hatte und das anfangs verhaltene Stimmengewirr langsam anschwoll, schlenderte Pormas ein, zwei Meter weiter in Richtung des Podests, um Helen weiter im Auge zu behalten. Wohl darauf bedacht in direkter Ansprechweite Silvanas zu bleiben.
Helen hatte wohl prompt den Bordarzt gefunden, oder zumindest jemanden mit einem medizinischen Tricorder. 'Ein klingonischer Arzt? Das kann ja heiter werden!', dachte sich der Südländer, während er hoffte, daß dieser etwas von plastischer Chirurgie verstand.
Es würde sich zumindest als fatal herausstellen, wenn Kargan die unechte bzw. die echte Haut nicht auseinander halten könnte. Aber so etwas würde bei einem Captain wie Slade sicher nicht vorkommen. Die Besatzung schien doch ziemlich fähig zu sein.
Nachdem er auch Collins und Tegger im Raum ausgemacht hatte, wandte Pormas sich wieder Silvana zu, die er genau musterte. Bei ihrem Gesicht stockte er. Was waren das für Augen? Wenn dies tatsächlich Katzenaugen waren, würde das wohl auch die unglaublich geschmeidigen Bewegungen der Sicherheitschefin erklären.
'Bin mal gespannt, was hier noch alles auf mich zukommt', grübelte Pormas weiter, während er die restlichen Neuankömmlinge nach ähnlichen Anomalien absuchte.
--- irgendwo am Rand
Der Arzt stutzte etwas. Wenige Leute achteten bei einem Klingonen auf die Augen. Aber offenbar handelte es sich bei dieser Aussage um eine Art Schutzfunktion. Schließlich hatte sie eben erst zugegeben, daß Kargan sie einschüchterte und ihr Angst machte, da wollte sie sich wahrscheinlich etwas bei ihm einschmeicheln.
Deshalb wiegelte er, seiner eigenen Psychologie entsprechend, etwas ab: "Nein, sicher werde ich Ihnen bei der ersten Untersuchung nichts amputieren. Ich könnte höchstens ein klein bißchen Quarantäne verhängen, schließlich haben Sie mir eben ein paar Symptome genannt, die entweder auf eine Schwangerschaft oder die halarungische Pest hindeuten. Ich werde mir ein kleines Blutbild von Ihnen machen müssen.
Aber keine Angst, wir Klingonen sind längst nicht so rückständig wie viele Leute vielleicht glauben mögen..."
Als Helen aufatmete, fuhr Kargan ungerührt fort: "...wir wissen sogar, wie man Injektionsnadeln desinfiziert!"
Daß er von dieser primitiven Technik in einer Vorlesung für medizinische Frühgeschichte gehört hatte, mußte sie ja nicht unbedingt wissen. Besser, die Patienten erwarteten nicht zuviel von einem Arzt, dann waren sie hinterher in den meisten Fällen begeistert von seinen Kenntnissen.
Scheinbar ohne auf ihre Reaktion zu achten, schaute sich der Chefarzt nach den anderen neuen Mannschaftsmitgliedern um. Ein Psychologe und eine Wunderheilerin, wie Kargan die Indianerin insgeheim nannte! Langsam drehte der Captain wirklich durch!
Die anderen Leute hatte der Doktor nicht so genau gesehen, aber wahrscheinlich waren sie vom gleichen Schlag. Wahrscheinlich würde der Captain nicht einmal davor zurückschrecken, Romulaner oder Cardassianer aufzunehmen...
--- etwas abseits
Interessiert hatte Marc der Ansprache des Captains gelauscht. Vor allem bei dem Namen Narbo klingelte es in seinen Ohren. Er war sich hundertprozentig sicher, daß Narbo ein Ferengi war. Und wenn er Glück hatte, konnte dieser Barmann vielleicht Tongo spielen. Wenn er es recht überlegte, gab es eigentlich nicht viele Ferengi, die Tongo nicht spielen konnte. Aber das Spiel machte eben nur Spaß, wenn die einzelnen Mitspieler etwa das gleiche Können an den Tag legten.
Er schulterte seine Reisetasche und machte ein paar Schritte Richtung Ausgang, als ihm noch ein Gedanke kam. Was für ein Quartier hatte er eigentlich? Er überlegte fieberhaft, ob ihm da irgendwas entgangen sei, doch nach ein paar Sekunden kam er zu dem Ergebnis, daß die Einteilung noch nicht stattgefunden hatte. Also drehte er wieder um und schritt auf den Captain zu, der gerade dabei war, seinen Mattenstapel zu verlassen.
--- beim Podest
"Äh Sir, ich hätte da noch eine Frage", rief Marc und stellte seine Tasche ab, als er beim Captain ankam. "Wann und wo wird denn die Quartierbelegung bekanntgegeben? Dann könnte ich nämlich meine schwere Tasche dort abliefern und ein wenig das Schiff erkunden. Schließlich muß ich wissen, was ich da fliege."
Ein leichtes Schmunzeln erschien auf seinem Gesicht, als er den Captain anschaute und auf die Antwort wartete.
Dieser wollte gerade genervt entgegnen, daß die Quartierbelegung Sache der Abteilungsleiter war - schließlich hatten ihn das die letzten vier Leute ebenfalls gefragt - als ihm einfiel, daß eigentlich der Captain der Vorgesetzte des Piloten war.
Vielleicht hätte er die Sache mit der Quartierbelegung doch schon bei seiner kleinen Rede erwähnen sollen?
Hatte er sich eigentlich vorgestellt?
Hum - was hatte er eigentlich noch alles vergessen zu sagen??
Aber zunächst einmal war da dieser Typ, der offenbar jetzt von ihm eine Auskunft erwartete. Wo blieb eigentlich Jean mit den Raumbelegungen?
"Einen Moment noch Geduld", erwiderte Slade deshalb, und aktivierte seinen Communicator: "Jean, wo bleibst du? Wir brauchen dich hier!", bellte er in das Gerät hinein.
Dieser meldete sich sofort und begann zu erzählen: "Sir, ich bitte um Entschuldigung, aber da war ein Wasserfleck direkt vor der Krankenstation, und den mußte ich doch erst wegmachen. Wer soll es denn sonst machen, wenn nicht ich? Schließlich rutscht jemand darauf aus, bricht sich ein Bein, und wem werden dann wieder die Vorwürfe gemacht? Natürlich mir! Genau wie damals, erinnern Sie sich? Ich sollte den Lagerraum aufräumen, und bin auch sofort dorthin gegangen, habe mich nicht weiter um die Blutflecken in Ihrer Kabine gekümmert, und Sie haben mich ganz schlimm dafür ausgeschimpft, Sir! Obwohl Sie gar nicht ausgerutscht sind!"
In dem Moment öffnete sich die Tür und der Roboter trat in den Trainingsraum hinein, ohne in seinem Redeschwall nachzulassen. In einer Pause, die Slade mittlerweile fast exakt vorausahnen konnte, unterbrach ihn der Captain und sagte: "Brav. Jetzt spuck die Communicatoren aus, und sag mir, welche Kabinen noch frei sind!"
Jean legte den Kopf leicht schief und schien sich zu wundern. "Communicatoren? Sir, ich habe ganz sicher keine in meinem Mund. Hatten Sie den Wunsch, daß ich Communicatoren esse, Sir?"
Slade verdrehte die Augen und ärgerte sich. Offenbar hatte er vergessen, den Roboter anzuweisen, Communicatoren für die neuen Besatzungsmitglieder mitzunehmen. "Vergiß es", sagte er deshalb. "Sag mir ein freies Mannschaftsquartier, das möglichst nah an der Brücke liegt."
Die Augen des Roboters blickten in die Ferne, als er eine Quartiernummer errechnete. Nach einer Sekunde kam die Antwort: "Quarter 118, Sir. Deck 5, Sir!"
Slade wollte gerade zu Tegger etwas in der Art wie "Sie haben es gehört" sagen, als er stutzte.
"Deck 5?", herrschte er den Androiden an. "ist Deck 4 denn schon komplett belegt?"
Siegessicher antwortete Jean: "Nein, Sir, aber Sie wollten das nichtbelegte Quartier, das der Brücke am Nächsten liegt. Quartier 118 liegt lotrecht unter der Brücke, hat also Luftlinie den kürzesten Abstand zur Brücke, Sir! Die anderen Quartiere auf Deck 4 liegen wesentlich weiter von der Brücke entfernt, Sir!"
Der Anticaner knirschte mit den Zähnen, was bei seinen Hauern recht eindrucksvoll wirkte. "Neue Anfrage: Sag mir ein freies Mannschaftsquartier, das möglichst nah an der Brücke liegt. Und zwar FUSSWEG!!"
Nachdem das letzte Wort in etwa der dreifachen Lautstärke den Mund des Captains verlassen hatte, zuckte selbst Jean etwas zusammen, als er seine akustischen Sensoren neu kalibrierte. Parallel dazu verarbeitete er die neue Anfrage.
Schließlich erwiderte er: "Quartier 98, Sir!"
Der Captain nickte Tegger zu und meinte nur: "An den werden Sie sich gewöhnen müssen."
--- bei der Sprossenwand
Die Indianerin blickte ruhig zu Collins auf. "Guten Tag, Mr Collins", antwortete sie. Sie sprach Standard mit einem seltsam kehligen Akzent. "Ich bin Tayeya-wakan." Kurz huschte ihr Blick zu dem Klingonen hinüber, der sich gerade mit einer kleinen dunkelhaarigen Weißen unterhielt.
Tayeya hatte bislang noch keinen Klingonen näher kennengelernt, aber was sie bisher von dieser Rasse gehört hatte, nahm sie nicht allzusehr für sie ein. Ein Krieger- und Ehrenkodex war zwar auch bei ihrem Volk vorhanden, aber man konnte auch die guten Dinge übertreiben. Und so schien es ihr bei den Klingonen zu sein.
Nun, sie würde sehen. Daß der Captain Tayeya tatsächlich eingestellt hatte, obwohl er bereits über einen Mediziner verfügte, hatte die Indianerin sowieso überrascht...
Tayeya wandte sich wieder ihrem Gegenüber zu. "Ein Klingone als Arzt erscheint mir ein wenig merkwürdig, da haben Sie schon recht. Aber wahrscheinlich haben auch die Klingonen Ärzte - oder meinen Sie, daß es sie sonst noch geben würde? Bei ihrer kriegerischen Ader?" Nach dieser eher rhetorischen Frage fuhr sie fort: "Ich gebe Ihnen Recht, wir sollten uns so schnell wie möglich um einen Termin bemühen - bevor die anderen uns zuvor kommen. Kommen Sie mit?"
Mit diesen Worten wandte Tayeya sich ab und schritt in Richtung des Klingonen.
--- irgendwo am Rand
"...wie man Injektionsnadeln desinfiziert", hörte Tayeya gerade noch den zynischen Kommentar des Klingonen, neben dem die zierliche Frau stand und nicht gerade glücklich dreinsah.
"Guten Tag, Doktor", begrüßte die Indianerin den Klingonen mit unbewegtem Gesicht. "Der Captain sagte, daß wir uns bei Ihnen zu melden hätten, um einen Untersuchungstermin abzumachen. Ich bin Tayeya-wakan, und der medizinischen Abteilung zugeteilt. Ich bitte Sie um einen Termin - wenn ich Ihnen auch bereits vorher sagen kann, daß Sie bei mir nichts finden werden!"
--- beim Podest
Marc schluckte und antwortete dann: "Danke Sir, ich werde es versuchen." Aus seinen Gesicht war das Schmunzeln verschwunden. Er schulterte seine Tasche und verabschiedete sich vom Captain.
"Dann bis morgen um Punkt 08.00 Uhr auf der Brücke, Sir", sagte Marc, nickte Slade noch einmal zu und wandte sich ab.
'Meine Güte. Ich dachte, Charly wäre schon schlimm aber dieser Roboter da übertrifft die kleine Nervensäge ja um Längen. Ich will nur hoffen, daß der irgendwo die Jeffries-Röhren putzen muß. Nicht auszudenken, wenn man ihn den ganzen Tag ertragen müßte', dachte er griesgrämig und schlenderte dann langsam zu dem kleinen Grüppchen herüber, wo Collins und Ramirez mit einem Klingonen und einer menschlich aussehenden Frau zusammen standen.
--- irgendwo am Rand
"... wenn ich Ihnen auch bereits vorher sagen kann, daß sie bei mir nichts finden werden!", hörte Marc die dunkelhäutige Frau sagen, als er die vier erreichte. Er grüßte kurz und stellte sich dann neben Collins.
"Hallo Jack. Sag mal, weißt du zufällig, wer hier in dem Raum der Arzt ist?", fragte er leise, um die anderen in ihrer Unterhaltung nicht zu unterbrechen. "Ich hoffe mal nicht, daß das diese Frau da hinten ist, die eben die Leute über die Matten geschmissen hat. Da lasse ich mich doch lieber von einem Klingonen verarzten."
--- weiter hinten
Silvana war es nicht entgangen, daß der Sicherheitsmann, der Slade von Monserat so wärmstens ans Herz gelegt wurde, sie intensiv gemustert hatte. Sie war es gewöhnt angestarrt zu werden. Wegen ihrem Aussehen, ihrem Können und vor allem wegen ihrer - zugegeben etwas außergewöhnlichen - Augen.
Da machte dieser Schrank von Mann keine Ausnahme. Leider hatten es diese aufgeblasenen Typen an sich, daß sie sich durch ihre körperliche Kraft für unbesiegbar hielten und dadurch Fehler machten. Deshalb schätzte Silvana seinen Wert nicht besonders hoch ein. Ein weiterer Rogdan für ihre Sammlung...
Für einen Moment interessierte sie was sein Interesse geweckt haben mochte und sie überlegte ihn anzusprechen, dann verging der Moment wieder.
Ihr Blick streifte die Menge. "Eine Horde aufgeregt gackernder Hühner... Wie ich diese Versammlungen hasse..." Silvana liebte ihr Training und verbrachte die meiste Freizeit hier. Sie liebte den Geruch von frischem Schweiß und die animalische Kraft in diesen vier Wänden. Nun entweihte man ihr Heiligtum. Fehlte nur noch, daß Slade wieder einen Vulkanier einstellte nur um sie zu ärgern. Instinktiv knurrte sie.
Ihr Blick fiel auf zwei Frauen, die sich um Kargan scharten. Anscheinend hatten sie es besonders eilig von ihm untersucht zu werden und konnten es gar nicht erwarten einen Termin bei ihm zu bekommen. Unwillkürlich schüttelte sie leicht den Kopf.
"Denen wird auch noch ein Licht aufgehen, daß Klingonen nicht gerade die hellsten Typen sind. Die kennen doch nur Ehre, weil sie sich grade mal 4 Buchstaben merken können", murrte sie zu sich selbst ohne darauf zu achten, wer sie hören konnte
Langsam wurde die Traube um den Doc immer größer. Da es für Silvana hier im Moment keine weitere Arbeit gab und sie sich schlecht als Kindermädchen für neue Crewmitglieder machte, beendete sie ihr heutiges Trainingsprogramm mit ein paar Streckübungen.
Danach schritt sie auf den Doc zu um ein paar sarkastische Bemerkungen loszuwerden, als sie es sich plötzlich überlegte und auf den Ausgang zuhielt.
--- beim Ausgang
Silvana warf noch einmal einen Blick über ihre Schulter zurück in den Raum. Als sie den Captain in der Menge ausgemacht hatte, rief sie ihm zu: "Slade, ich bin in der Bar, wenn du mich brauchen solltest!"
Dann verließ sie die Trainingshalle.
--- irgendwo am Rand
"Das wird sich wohl auf diesem Schiff nicht vermeiden lassen!", grinste Jack und wies auf den Klingonen. "Das ist unser Bordarzt!"
Marcs Gesicht bekam einen seltsamen Ausdruck.
"Aber du hast recht", fuhr Collins fort. "Diese Frau ist in der Tat recht ungewöhnlich. Ich kenne die Rasse nicht, aber sie scheint schwer in Form zu sein. Du wolltest sicherlich auch einen Termin bei unserm Doktor, was?"
Dann wandte sich der Psychologe an Kargan und Tayeya-wakan, die gerade eine Gesprächspause hatten. "Tschuldigung, Doktor, wo Sie gerade dabei sind, hätten Sie für uns auch noch einen Termin?" Jack redete betont freundlich, um zu sehen wie der Klingone reagierte.
'Normalerweise würde er jetzt ein wenig hochnäsig und unhöflich werden', dachte der Psychologe und wartete.
--- unweit von Kargan
'Meine Güte der Doktor hat ja mehr Zulauf als eine Wasserstelle in der Wüste', dachte Helen ein wenig ungehalten und musterte die Frau die sich frecherweise in ihr Gespräch mit Kargan eingemischt hatte.
'Ziemlich unhöflich die gute Frau. Ich mag ja klein sein, aber zu übersehen bin ich kaum. Marc und Jack sind auch da, fehlt nur noch Pormas und ich habe alle hier die mir wichtig sind.'
"Hallo, ich bin Helen Ramirez", wandte sich die Spanierin an die fremde Frau und streckte ihr die Hand entgegen.
"Ich wurde grade eingestellt und bin Technikerin. Wie ich unschwer überhören konnte, wollen Sie auch einen Termin beim Doc. Das ist schön und gut, nur empfinde ich es als recht unhöflich sich in ein bestehendes Gespräch einzumischen und sich nicht einmal bei allen Personen vorzustellen. Mag sein das Sie das als normal empfinden. Ich tue es jedenfalls nicht."
Tayeya stutze kurz, dann lächelte sie die Technikerin zerknirscht an und ergriff die dargebotene Hand.
"Sie haben natürlich völlig Recht, Miss Ramirez. Ich hätte mich bei Ihnen ebenfalls vorstellen sollen. Ich entschuldige mich. Mein Name ist Tayeya-wakan."
Die Spanierin und die Indianerin tauschten einen festen Händedruck aus. Aber die zierliche Frau schien trotz allem noch ein wenig verstimmt. Also startete Tayeya einen Erklärungsversuch.
"Als normal empfinde ich es sicherlich nicht, andere Leute einfach so zu unterbrechen oder zu ignorieren. Allerdings unterlaufen mir manchmal noch Fehler, was die 'Benimmregeln' der Weißen angeht, da ich nicht mit ihnen aufgewachsen bin. Ich hoffe, Sie verzeihen mir meinen Fehler ich hoffe außerdem, daß wir deswegen nicht gleich ewige Feindschaft erklären müssen?"
Erwartungsvoll blickte die Indianerin Helen Ramirez an...
'Sie kennt sich nicht mit unseren Benimmregeln aus?', dachte Helen und konnte sich nur mit Mühe ein Grinsen verkneifen.
"Ich erkläre Ihnen ganz bestimmt keine ewige Feindschaft, oder etwas in der Art. Es kam mir nur so vor als wollten Sie mich aus der Unterhaltung ausschließen und deswegen war ich ein wenig gekränkt. Machen Sie sich nur keine Sorgen. Ich mag aufbrausend sein, aber ich bin keinesfalls nachtragend... Na gut ich bin in den seltensten Fällen nachtragend."
Freundlich lächelte sie die Indianerin an.
"Es freut mich wirklich Sie kennenzulernen. Wie ich gehört habe kennen Sie sich mit Pflanzenheilkunde aus. Ich würde mich freuen wenn wir einmal die Gelegenheit hätten uns ausführlicher darüber zu unterhalten. Das Thema klingt sehr interessant."
'Vielleicht ist Sie ja doch nicht so übel wie ich dachte...'
Mit einem raschen Blick vergewisserte sich Helen das Pormas in keine Unterhaltung verstrickt war und rief ihn dann nach Ihm.
"Pormas kommst du mal rüber zu uns? Ich möchte dir jemanden vorstellen."
Pormas hatte gerade noch verblüfft hinter Silvana hinterhergeschaut, 'Hat die keine Lust auf ein Kämpfchen mit mir?', als Helen ihn rief. Automatisch ging er festen Schrittes zu ihr, wenn auch ein bißchen gedankenverloren.
Seit Helen den Heiratsantrag des Südländers (auf Zeit?) abgelehnt hatte, kamen in ihm immer mal wieder ein paar Zweifel hoch. Sein Kopf verstand ihre Gründe, warum sie nein gesagt hatte, sein Herz aber nicht.
Seitdem hatten sie nicht mehr darüber gesprochen, dafür waren sie miteinander einfach zu glücklich, allein wegen der Tatsache, daß sie sich immer noch hatten.
Denn nicht jeder hatte die Mission auf der Ivory so "unversehrt" überstanden...
Seine cardassianische Maske erinnerte ihn jeden Morgen daran, wie Classic gestorben war. Zum Wohl des Schiffes, der Crew... ausgerechnet dieser ominöse Typ mit dem Chip im Kopf...
Auch wenn es ein bißchen unhöflich erscheinen würde, würde der Südländer Kargan direkt fragen, ob er ihm sein cardassianisches Gesicht entfernen könnte. Nicht nur wegen den unangenehmen Erinnerungen, sondern vor allem weil er keine unbegründeten Spannungen aufbauen wollte...
Cardassianer waren nicht gerade sehr beliebt...
--- am Rand
Bei der Gruppe angekommen, legte Pormas automatisch seinen Arm um Helens Hüfte und schenkte ihr ein Lächeln. Danach musterte er die Frau neben ihr, welche wohl die neue Bekanntschaft seiner Freundin darstellte.
Interessiert musterte er sie von oben bis unten. 'Auch nicht sonderlich groß', schmunzelte der Hüne in sich hinein. Aber die Erscheinung dieser, indianischen?, Frau ließ Pormas keinen Zweifel daran haben, daß mit ihr nicht sonderlich gut zu spaßen sein. Sein geschultes Auge hatte ihren Dolch sofort entdeckt.
"Guten Tag", der Südländer hielt es angebracht sich erst einmal vorzustellen. "Ich heiße Pormas Theocrates und bin bei der Sicherheit des Schiffes", grinsend fügte er noch hinzu, "und ich bin kein Cardassianer, auch wenn es so aussieht."
"Guten Tag, Mr Theocrates. Ich bin Tayeya-wakan", antwortete die Indianerin. "Und es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, die nicht das sind, wonach sie aussehen, als wir uns das vorstellen können!"
Dann wandte sie sich wieder Helen zu. "Wir können uns gerne einmal unterhalten, wenn Sie möchten. Ich fürchte allerdings, daß ich mich nicht gerade mit 'Pflanzenheilkunde' beschäftige. Zumindest tue ich das nur zu einem kleinen Teil."
Während Tayeya sich mit den anderen beiden unterhielt, blickte sie immer wieder kurz zu dem klingonischen Arzt hinüber, der neben den beiden anderen weißen Männern stand. jetzt war er von fünf Leuten angesprochen worden - und niemand hatte einen konkreten Termin bekommen.
Tayeya fing an, sich zu ärgern. Sie sah zu den beiden, die neben ihr standen. Der lange Mann hatte den Arm um die kleine Frau gelegt - ein nettes Paar. Die Indianerin schluckte. Dann meinte sie:
"Mir reicht es jetzt. Wenn dieser Klingone keine Antworten geben kann, suche ich jemanden, der mir mein Quartier zuweisen kann. Schließlich muß ich morgen bei Dienstantritt sowieso in die Krankenstation", murrte Tayeya. Dann verabschiedete sie sich von den beiden anderen und machte sich auf die Suche nach dem Captain.
--- auf dem Weg zum Ausgang
Bereits nach wenigen Schritten wurde Tayeya aufgehalten. Von einem Roboter. Noch bevor sie stehengeblieben war, quasselte dieser los: "Entschuldigen Sie, gehören Sie zu den Leuten, die von Captain Szelesem angestellt worden sind?"
Der Roboter wartete Tayeyas Antwort gar nicht erst ab, er schien die Frage gar nicht beantwortet zu haben wollen. "In diesem Fall bin nämlich ich für die Quartierbelegung zuständig. Es sind noch ziemlich viele Quartiere frei, so daß Sie eine gute Auswahl haben. Ich könnte Ihnen zum Beispiel das Quartier 111 anbieten, es liegt..."
An dieser Stelle beschloß die Indianerin, daß man den Redeschwall des Roboters nur stoppen konnte, wenn man ihn unterbrach. "Mein Quartier muß nahe bei der Krankenstation liegen", sagte sie. Der Roboter hielt nicht einmal inne, sondern fuhr sofort fort: "Das ist ja wunderbar, Miss. Dann ist da gleich einmal Quartier 101 auf Deck 5, das liegt eigentlich recht schön. Aber ich bräuchte dann noch Ihren Namen, damit ich das Quartier auf Sie eintragen kann."
Falls ein Roboter fragend blicken konnte, tat dieser es jetzt zweifellos. Dafür war er sogar mehrere Sekunden still. "Tayeya-wakan, medizinische Abteilung", sagte die Indianerin zum vierten Mal innerhalb kürzester Zeit. Ihr kehliger Akzent wurde deutlicher. Sie ärgerte sich. Kurzerhand ging sie an dem Roboter vorbei, auf die Türe zu und verließ den Raum, um ihr Quartier aufzusuchen.
--- Narbos Bar
Erleichtert dem Alptraum entkommen zu sein, steuerte Silvana sofort die Theke an. Dort flegelte sie sich auf einen Platz, bevor sie der ordnungshalber einen Rundblick durchs Lokal gleiten ließ. Hier war es auffallend ruhig, da die meisten der Besatzung auf DS4 waren.
Ihr fiel auf, daß der Ferengi nirgends zu sehen war. Früher konnte er sich nie genug bei seiner Kundschaft einschleimen, nun war er nachlässig geworden. Seit er von der Krankenstation kam, war er nicht mehr der Alte. Ärgerlich über diese Beobachtung schlug Silvana zornig mit der Faust auf die Theke.
"Narbo, du alter Schleicher! Wo treibst du dich wieder herum?! Wo bleibt dein Gespür für Profit?! Kundschaft!!"
--- Narbos Bar; Lagerraum
Langsam drehte sich der etwas buckelige Kopf in Richtung Schott.
Jemand hatte die Bar betreten.
'SILVANA!',
dieser Gedanke erfüllte "es" mit Furcht und Zorn und für einen kurzen Moment verlor das fremde Ich in Narbos Gehirn die disziplinierte Kontrolle über den Körper und das Selbst des Ferengi, versteckt im letzten Winkel der Synapsen, rang sich für einen Augenblick an die Oberfläche und verzog das früher so hinterhältig grinsende Gesicht zu einer mit Pein erfüllten Grimasse.
'...ein Schrei....nur ein Schrei...', überlegte der Ferengi-Geist fieberhaft aber selbst mit aller ihm verbliebenen Kraft schaffte er es nicht, "es" zu bezwingen.
Die Wut von "ihm" ließ nach und der Körper befand sich wieder unter der totalen Kontrolle des fremden Geistes. Narbo fiel weinend zurück in sein Exil...
--- Thekenbereich
Gerade wie ein Lot schob sich Narbos Körper aus dem Lagerraum und als er hinter die Theke trat, musterte er sofort unauffällig Silvana. Neuerlich brodelte Wut in "ihm" und nur mit größter Konzentration gelang es "ihm" nichts Auffälliges zu tun.
Zwei katzenartige Augen hafteten auf dem Körper des Ferengi und in seinem entfernten Gefängnis hoffte Narbo, daß Silvana "es" entdeckte und ihn befreite...
Ein oder zwei Sekunden später funkelten Silvanas Augen noch einmal bedrohlich, dann aber brach sie die, wie gewohnt, mißtrauischen Sondierung ab. Narbos Selbst vermißte die Amazone und seine Isolation zerfaserte langsam seine Struktur.
Bald würde "es" ihn endgültig vernichtet haben...
Wieder einmal hatte Silvanas durchdringender Blick keinerlei Veränderung an dem Ferengi feststellen können. Nichts was sie greifen konnte oder für das einen Anhaltspunkt fand. Trotzdem war da mehr als nur ein verändertes Verhalten infolge des Todes eines Crewmitglieds oder der Todesgefahr in der sich Narbo befunden hatte. Sie fühlte etwas, daß eigentlich gar nicht da sein konnte. Nicht da sein durfte.
Sie konnte gerade noch ein enttäuschtes und sehr gereiztes Fauchen verhindern und sich beherrschen. Ihre Krallen zogen sich wieder etwas zurück. Um nicht Aufsehen zu erwecken, wollte sie sich nicht anmerken lassen, daß sie mehr spürte und ihr Verdacht sich immer mehr erhärtete.
Etwas war eigenartig. Es begleitete den Ferengi. Eine Kombination an Gerüchen, die mehr als widersprüchlich war und doch konnte sie diese weder einordnen noch richtig in Zusammenhang bringen.
Der Katzenfrau fiel etwas auf, das sie im Trainingsraum gesehen hatte und dem sie bisher kein großes Augenmerk beigemessen hatte, bis es sich jetzt seinen Weg in ihr Denken bahnte. Das mürrische Gesicht eines Klingonen. Ein Mann. Groß, blond, blaue Augen.
Ihre Lippen verzogen sich zu einem breiten, sehr gehässigen Grinsen. Schadensfroh und begierig.
"Narbo, gute Nachrichten für dich. Dein Seelenklemptner ist endlich an Bord eingetroffen und wird dich komplett durchleuchten. Vom Tag an dem du aus deinem Ei gekrochen bist, bis hin zu deinem mickrigen Leben als Kriecher, Speichellecker und Fußabtreter. Was für ein Aufstieg... Slade befielt dir ihn aufzusuchen."
Die katzenhafte Frau suchte nach einem Anzeichen in Narbos Gesicht, daß darauf schließen ließ, was in ihm vorging, doch sie fand keines. Slade wußte zwar nichts von diesem Befehl, aber in solchen Dingen stand er immer hinter ihr. Außerdem hatte er im Moment Besseres zu tun.
Gespannt wartete sie auf seine Reaktion.
Drei oder vier Sekunden bewegten sich sie beiden so gegensätzlichen Personen nicht, aber dann...
...drehte sich Narbo einfach um und ging mit leeren Augen und völlig gleichgültiger Mine Richtung Lagerraum zurück. Silvana starrte ihm einen Augenblick in einer Mischung aus Wut und Verwirrung hinterher, bis sie schließlich in der Hoffnung eine Reaktion zu erhalten, einige der übelsten Worte hinterher warf, die selbst sie sich vorstellen konnte, aber dennoch geschah -
Nichts!
Knirschend bewegten sich die Zähne der Sicherheitschefin und sie kam zu dem Entschluß, daß es Zeit wurde zu handeln...
--- Trainingshalle, am Rand
Kargans Kopfschmerzen wurden immer schlimmer. Schließlich war das heute schon die dritte Gruppe, die er begutachtet hatte. Und statt das der Captain ihm einen kleinen Hinweis gab, daß heute schon fix Leute eingestellt wurden, die unter anderem in der medizinischen Abteilung - seiner Abteilung! - arbeiten würden, ordnete er es einfach an, nach dem Motto: "Mein alter Freund glaubt, daß die Leute in Ordnung sind, also sind sie es auch. Und diese Indianerin nehmen wir sowieso. Warum? Keine Ahnung."
Und nun liefen und redeten diese Leute wie aufgescheuchte Hühner umeinander, der Indianerin dauerte sowieso alles zu lange - seltsam, gerade bei ihr hätte er mehr Geduld erwartet. Aber wahrscheinlich hatte er nur in der Schule in Xenologie nicht richtig aufgepaßt.
Der Mediziner mußte sich schwer beherrschen, um nicht herumzubrüllen, damit hier endlich einmal Ordnung hereinkam. Eine laute Stimme hatte er ja schließlich...
In diese Überlegungen platzte die Nachricht des Captains: "Slade an die Abteilungsleiter. Für die Quartierbelegung eurer Leute seid ihr zuständig. Die freien Quartiere sagt euch Jean. Slade Ende."
Tief holte der Klingone Luft. Das fiel dem Captain aber früh ein. Schließlich hatte sich eine seiner neuen Angestellten bereits selbständig gemacht.
Die hämmernden Schmerzen in seinem Schädel gaben Kargan den Tip, genau das zu tun, was er jetzt tat: Seine donnernde, von klingonischen Opern gestählte Stimme formte einen Kriegsschrei, der durch die Trainingshalle fuhr und sich an den Wänden brach.
Noch ehe der letzte Ton verklungen war, riß der Arzt seinen Phaser heraus und begann, sich den Weg zum Captain freizuschießen.
Als er den Anticaner mit den schreckhaft geweiteten Augen erreicht hatte, warf er den Phaser weg und zog das kleine Mek'Leth, das er immer bei sich trug, aus seiner Rückenscheide, und ließ es mit voller Wucht auf den behaarten Schädel niedersausen.
Als Slade zu Boden ging, zückte Kargan seinen medizinischen Tricorder, beobachtete die verklingenden Lebenszeichen...
...und bemerkte, daß die neu angestellten Mannschaftsmitglieder inzwischen etwas ruhiger geworden waren und ihn offenbar fragend anschauten.
Kargan hatte immer noch den Tricorder in der Hand, mit dem er unaufhörlich Helens Körper scannte.
'Irgendwann bringen mich diese Halluzinationen noch einmal um', dachte der Chefarzt, ehe er sich erinnerte, daß man offenbar noch einen Termin für die Einstiegsuntersuchung von ihm wollte.
Deshalb blickte er in die Runde und sagte: "Wenn Sie mögen, kommen Sie heute Abend noch in der Krankenstation vorbei, dann können wir die Untersuchung schnell hinter uns bringen. Ich habe noch bis etwa 20 Uhr zu tun, bis dahin können Sie kommen.
Sie können sich natürlich auch in die Horde derjenigen einreihen, die morgen die Krankenstation bevölkern werden, was immer Ihnen lieber ist..."
Kargan schaute die Neuankömmlinge fragend an.
Ohne zu Zögern antwortete Pormas dem Doktor, nachdem Tayeya-wakan so abrupt von dannen gegangen war. Denn von den hier Anwesenden hatte er es wahrscheinlich am Nötigsten.
"Doktor", sprach der Südländer den kaum kleineren Klingonen an, "mein Name ist Pormas Theocrates. Wenn Sie nichts dagegen hätten, würde ich am Liebsten direkt mit Ihnen mitkommen, da Sie für mich ein bißchen mehr Zeit benötigen werden, vermute ich."
Unbeirrt redete Pormas weiter auf den ihn anblickenden Arzt. "Denn eigentlich bin ich ein Mensch und kein Cardassianer. Meine letzte Mission verlangte es allerdings, daß ich mich maskierte."
"Unglückliche Umstände", kurz dachte der Südländer an den Haufen Bio-Masse auf dem Boden der Krankenstation auf der Ivory, "ermöglichten es mir allerdings nicht mein normales Aussehen wieder herstellen zu lassen. Daher würde ich mich freuen, wenn Sie sich sofort für mich Zeit nehmen könnten."
Gespannt wartete Pormas auf die Antwort von Kargan. Normalerweise war es nicht seine Art solche Reden zu schwingen, aber in diesem Falle blieb dem Südländer nichts anderes übrig, wenn er heute Abend beim Einstand nicht als Cardassianer auftreten wollte.
--- Deck 5, Tayeyas Quartier
Als die Indianerin das ihr zugewiesene Quartier betrat, war sie nicht überrascht. 'Typisch für die Geister', dachte sie nur. 'Symmetrie, Ecken und Kanten und Sterilität. Wie schrecklich...'
Tayeya überlegte, wie sie ihr Quartier am Besten ihren Bedürfnissen anpassen konnte. Dies war das erste Mal, daß sie für längere Zeit auf einem Schiff bleiben und ein eigenes Quartier für sich beanspruchen durfte. Vorher hatte sie ihre Suche nur von einem Planeten zum nächsten geführt, und Raumschiffe waren nur kurze Wegbegleiter gewesen. Aber dieses Mal würde es anders sein. Dieses Mal konnte sie sich vielleicht so etwas wie eine Heimat aufbauen...
Allerdings... Wie sollte sie all diese unnützen Dinge aus ihren Räumen entfernen?
Zunächst wollte sie das gesamte Quartier begutachten. Es bestand aus einem relativ großen Wohnraum, einem Badezimmer und einer kleinen Küche. 'Wozu die Geister wohl eine Küche brauchen?', dachte die Indianerin amüsiert. 'Schließlich benutzen sie ja ständig diese.... Replikatoren.' Tayeya allerdings benötigte die Küche auch nicht. Zumindest nicht in der Form, wie sie hier zur Verfügung stand...
"Computer?", fragte Tayeya zögernd in den Raum.
Eine neutrale Stimme antwortete sofort: "Bereit."
"Ich möchte, daß sämtliche Möbel bis auf den Schrank aus diesem Quartier entfernt werden. Wer ist dafür zuständig?", fragte die Indianerin.
Einige Sekunden lang tat sich nichts. Wahrscheinlich war dem Computer eine solche Anfrage auch noch nicht begegnet, so daß er erst einige Zeit in seinen Datenbänken nach der richtigen Antwort suchen mußte. Aber die Antwort kam. "Für diese Aufgabe ist der Roboter Jean zuständig. Er befindet sich zur Zeit in der Trainingshalle."
'Wakantanka, das ist dieser gesprächige Roboter mit den Quartieren!', stöhnte Tayeya innerlich. 'Dem möchte ich lieber nicht noch einmal begegnen!' Laut sagte sie: "Computer, bitte übermittle Jean die Nachricht, er möchte die Möbel aus meinem Quartier entfernen, sobald er dazu Zeit hat. Bis auf den Schrank, der bleibt drin."
"Auftrag ausgeführt", bestätigte der Computer.
Tayeya sah auf die Uhr. Es würde sicherlich einige Zeit dauern, bis der Roboter dazu kam, den Möbelpacker zu spielen. Was sollte sie während dieser Zeit unternehmen? Schließlich wollte sie dieser Maschine nicht noch einmal begegnen.
'Soll ich in die Trainingshalle zurückgehen? Oder soll ich mir das Schiff ansehen, damit ich mich möglichst schnell auskenne?', überlegte die Indianerin.
"Schiff ansehen", entschied sie sich dann, und verließ ihr Quartier.
--- Trainingshalle, am Rand
Collins wandte sich von der Gruppe ab. "Ich werde morgen zu ihm gehen", sagte er zu Tegger. "Wenn der Doc Pormas heute noch das cardassianische Fell abziehen will, dann stören wir ihn lieber nicht dabei. Scheinbar ist er sowieso schon ein wenig überarbeitet.
Ich werde mir mal meine Quartiernummer von dem Blechkasten holen", er deutete zu Jean. Als er vorhin der Indianerin nachgesehen hatte, war ihm aufgefallen, daß diese scheinbar die Quartiernummer von ihm zugeteilt bekommen hatte.
--- auf dem Weg zum Ausgang
"Es kam mir so vor, als würdest du hier die Quartiere verteilen...", sprach der Psychologe den Androiden an, der sofort antwortete.
"Oh, ja natürlich, das mache ich. Und eigentlich noch vielmehr, ich kann zum Beispiel noch...!"
"Den Mund halten bitte!", unterbrach ihn Jack etwas lauter. "Ich hätte gerne ein Quartier in der Nähe der Krankenstation. Am Besten direkt neben dem Büro des Psychologen."
Und Jean reagierte sofort. "Eigentlich sind die Mannschaftsquartiere von der Krankenstation ein wenig getrennt, ich meine damit, Sie müßten dann schon ein paar Meter laufen, wenn es dann keine Umstände macht. Ich hätte da auf Deck 5 , ungefähr 20 Meter neben..."
Jacks Gesicht nahm langsam eine rötliche Farbe an. Er war nun nicht mehr ganz soweit davon entfernt diesem Ding den Saft abzudrehen. "Die Nummer!", zischte er. "Einfach nur die Nummer! Wenn es mir nicht gefällt, werde ich es dir wissen lassen, ok?"
Der Androide schien zu stutzen. "Gut, wenn Sie meinen, 105!", sagte er und schwieg dann.
Der Psychologe wartete noch auf einen Kommentar, der kam aber nicht. "Sehr gut, danke!", sagte er lächelnd zu Jean und machte sich daran die Trainingshalle zu verlassen.
--- Ausgang
"Und wenn Sie noch irgendwelche Wünsche haben, oder Informationen über das Schiff brauchen, die Funktion der Holodecks, einfach nach mir rufen!", hörte Collins den Androiden noch hinterher rufen. Er blieb stehen sog hörbar die Luft ein und zählte in Gedanken bis zehn. Dann verließ er die Trainingshalle.
--- Deck 5, Gänge
Mit einem leisen Zischen schloß sich die Türe ihres Quartiers hinter ihr, als Tayeya auf den Gang hinaustrat. Unschlüssig blieb sie stehen. 'Was soll ich denn jetzt tun?', fragte sie sich. Im Schiff herumstreifen, um es besser kennenzulernen? Wenn sie ehrlich war, interessierte sie das Schiff an sich überhaupt nicht. Es war nur ein weiteres Fortbewegungsmittel auf ihrer Suche.
Tayeya ging ein paar Schritte nach links, hielt dann wieder an. Was sie brauchte, war die Atmosphäre ihrer Heimat. Wieso war sie nur so hirnverbrannt gewesen und hatte Ankantu verlassen, ihr Dorf, ihre Familie, in der sie Halt fand - und vor allem ihren Sohn. Falls - nein, nicht falls, sondern WENN - sie Tschetan wiederfand, wäre ihr Sohn dann ein Fremder für sie geworden...
Die Indianerin fühlte sich verloren. Vielleicht würde eine Reinigungszeremonie ihr guttun, ihr das verlorene Gleichgewicht wiederbringen? Aber solch eine Zeremonie konnte sie unmöglich in ihrem Quartier durchführen, nicht so, wie es im Augenblick beschaffen war. Erst mußte sie einiges daran ändern.
'Hoffentlich beeilt sich dieser Roboter', dachte sie.
Dann setzte sie sich wieder in Bewegung, ging auf den nächsten Turbolift zu. Sie betrat den Lift, die Türen schlossen sich fast lautlos hinter ihr.
"Andockschleuse," murmelte sie. Der Computer hatte gute 'Ohren', denn der Turbolift setzte sich in Bewegung.
--- Schleuse 1
Als Tayeya aus dem Lift trat, war der Raum vor der Schleuse leer bis auf zwei Mannschaftsmitglieder der Sicherheit. Noch vor wenigen Stunden hatten sich hier die Bewerber gedrängt, welche an Bord des Schiffes eine Anstellung finden wollten.
Die Indianerin wandte sich an den schwarzhaarigen Mann, der rechts von der Türe stand, erklärte ihm, daß sie ein neues Mitglied der Mannschaft sei und daß sie noch ihre Habseligkeiten von der Raumstation an Bord des Schiffes holen wollte.
Danach verließ sie die Privateer.
--- Trainingshalle, am Rand
Marc blickte Jack hinterher. So langsam verteilte sich das Grüppchen in alle Richtungen. Einzig und allein Pormas und Helen waren noch da und redeten mit dem Klingonen.
Er überlegte, was er als Nächstes tun könnte und entschied sich dafür, sein Quartier zu besichtigen. Also schnappte er sich seine Tasche, verabschiedete sich bei den anderen und verließ die Trainingshalle.
Kargan hatte inzwischen schon befürchtet, daß seine dunkelsten Gedanken Wahrheit werden würden. Aber offenbar war Slade nun doch nicht so weit gegangen, daß er Cardassianer an Bord nahm.
Zu dem offensichtlichen Paar gewandt, sagte er deshalb: "Da Sie beide die Einzigen sind, die sich noch für einen Termin interessieren, schlage ich vor, daß Sie gleich mitkommen."
Im Gehen an Helen gewandt fügte er hinzu: "Ich denke doch mal, daß Sie nach Ihrer Untersuchung Ihren Freund gleich wieder mitnehmen wollen, oder?"
Das Pärchen schaute sich vielsagend an und folgte dann dem Chefarzt zur Krankenstation.
--- Gang zur Krankenstation
Kargan wunderte sich, daß sich erst hier und heute zum ersten Mal in seiner medizinischen Laufbahn das bewahrheitete, was er an seinem ersten Tag auf der Sternenflottenakademie seiner späteren großen Liebe, Isabel Nero, erzählt hatte.
Sogar den genauen Wortlaut hatte er noch im Ohr: "Man kann sich als Chefarzt einfach viel besser auf die wirklich schweren oder interessanten Dinge konzentrieren und hat seine Leute, die die Routinearbeit - Knochenbrüche und Schürfwunden - übernehmen"
Der Klingone grinste und setzte im Geiste hinzu: "...oder Einstellungsuntersuchungen..."
--- Deck 4, Marcs Quartier
Mit einem Zischen öffnete sich die Quartiertür und Marc betrat sein zukünftiges Zuhause. Interessiert schaute er sich um und stellte erstaunt fest, wie gemütlich es aussah. Im Gegensatz zu seinem Quartier auf der Ivory war das hier ein Königspalast. Mit großen Augen schlenderte er durch den Raum und blieb schließlich im Waschraum stehen.
"Hey, nicht schlecht. Hier kann man es sich ja richtig gut gehen lassen", sagte er zu sich und ging zurück ins Schlafzimmer, wo er anfing, seine Besitztümer in die einzelnen Schränke zu sortieren.
Nach kurzer Zeit war er damit fertig, packte die leere Tasche weg und schritt dann zum Replikator. 'Ich bin mal gespannt, ob der hier besser ist, als der von der Ivory', überlegte er und bestellte sich fünf dicke Pfannkuchen mit viel Puderzucker drauf und ein großes Glas Orangensaft.
Er schnitt vorsichtig ein Stück aus dem ersten Pfannkuchen heraus und steckte ihn in den Mund. Beinahe hätte er sich daran verschluckt, denn er schmeckte so verdammt gut, das es eigentlich kein Wort dafür gab. In Windeseile hatte er die fünf verdrückt und rannte wieder zum Replikator um sich die nächste Portion zu holen.
--- Deck 5, Collins Quartier
Collins stand in seinem Quartier und sah sich um. Er war angenehm überrascht, wie großzügig ausgestattet hier alles war. Es war sehr gemütlich hier, Jack fühlte sich sofort wohl.
Seine Tasche hatte der Psychologe in den Wandschrank gestellt. Er überlegte nun, was er noch machen könnte. In den letzten Tagen hatte er sich ein wenig erholen können und war nun voller Tatendrang.
'Vielleicht sollte ich noch mal zur Krankenstation gehen, oder besser in mein Büro!' Jack grinste still. Ein eigenes Büro hatte er in dieser Form noch nie. 'Ausgerechnet als Psychologe!' Er schüttete den Kopf und kam zu der Erkenntnis, lieber einen Schlummertrunk zu sich zu nehmen.
Nachdem er vom Computer in Erfahrung gebracht hatte, wo er die Mannschaftsmesse, oder etwas ähnliches finden könnte, machte er sich auf den Weg.
--- Krankenstation
Mit einer Geste, die Dr. Entenburg schon von ihm kannte - und die IMMER Arbeit bedeutete - winkte der Chefarzt seine Assistentin zu sich.
"Mrs. Entenburg, hier stelle ich Ihnen zwei neue Mitglieder der Besatzung vor", ertönte Kargans Stimme. "Zum Einen haben wir hier Mrs. Ramirez, meines Wissens in der Technik tätig. Kümmern Sie sich bitte um sie. Sie wissen schon - Einstellungsuntersuchung und so. Erstellen Sie eine Krankenakte.
Ich muß mich leider um Mr. Theocrates kümmern, der die Tatsache, daß er KEIN Cardassianer ist, bisher erfolgreich vertuschen konnte. Um es ihm in Zukunft in dieser Hinsicht etwas schwerer zu machen, werde ich mich die nächste halbe Stunde intensiv um ihn kümmern. Sein Einsatzgebiet hat er mir noch nicht verraten."
Pormas warf ein: "Ich werde in der Sicherheit arbeiten."
Der Doktor schaute ihn etwas mitleidig an und entgegnete: "Dann wird er uns wahrscheinlich noch häufiger besuchen, mit Silvana als Chefin...
Aber gut, Edwina. Ab an die Arbeit."
Die Angesprochene schaute Helen geringschätzig an und sagte nur: "Na, dann kommen Sie mal mit, Kindchen..."
Kargan hingegen dirigierte Pormas zu einem Biobett mit Sichtschutz, auf dem sich der Cardassianer ausstreckte, nachdem er seine Kleidung abgelegt hatte.
"Mr. Theocrates, darf ich Sie vor der Behandlung fragen, ob Sie nicht doch zufällig unter Ihrer Verkleidung ein Vulkanier sind? Sie hätten damit zwar bei Ihrer Chefin extrem schlechte Karten, aber immerhin würde sich mit einem solchen Geständnis die Chance erhöhen, daß Ihre Ohren in Zukunft noch genauso aussehen wir vorher."
Den genervten Blick des Sicherheitsmannes nahm Kargan als 'Nein', zückte den Phaser aus seinem Gürtel und begann mit seiner Arbeit...
...nachdem er den Phaser beiseite gelegt hatte. Diese Aktion kommentierte er mit den Worten: "Diese Föderationsphaser behindern meine Feinmotorik immer ein wenig."
--- Narbos Bar, Thekenbereich
Silvana war sauer. Ziemlich sauer. Dieser neue Narbo gefiel ihr ganz und gar nicht. Besonders was seine Widerstandfähigkeit in Sachen silvanischer Unterdrückung und Machtbezeugung betraf.
Wo war bloß der heuchlerische händereibende Profitjäger von früher geblieben? Der kleine speichelleckende Ferengi, den sie so gerne vor sich kriechen sah?
Eine Zeitlang beachtete sie Narbo stillschweigend und fast mit einer Art Wehmut, als er wie ein Schlafwandler irgendwelche Flaschen aus dem Lagerraum hinter die Theke holte, dann war es ihr zu bunt.
"Computer, wo befindet sich unser neuer Psychiater?"
"Mr. Collins pflegt in Zukunft in Quartier Nr. 105 zu nächtigen, Sir", schaltete sich eine ihr wohlbekannte Stimme ein. Sie kannte Jean Luc gut genug um zu wissen, daß er im Moment gerade leicht eingeschnappt war. Anscheinend war ihm ein Virus über die Platine gelaufen. Irgendeiner mit zwei Beinen...
"Sieh zu, daß du ihn in die Bar schafft, ich will mit ihm reden. Silvana Ende." Die Katzenfrau kratzte mit ihren Krallen so über die Theke wie es das feine Gehör des Ferengi abgrundtief haßte. Sie konnte spüren wie sich etwas in ihm regte und freute sich innerlich. Es war ihr ein Genuß und schließlich gab sie endlich ihre Bestellung auf.
"Bring mir ein Black Hole, aber mit Eis."
Langsam regte sich der fremde Geist in Narbos Körper, denn mit einer solchen Hartnäckigkeit der Sicherheitschefin hätte "es" nicht gerechnet. Obwohl "es" Silvana recht gut kannte. Es war noch keine zwei Monate her seit...
"Hier ist das Getränk", antwortete "es" passiv, nachdem der Körper des Ferengi sich wieder zur Theke bewegt hatte. Die Beine bewegten sich in einem absolut gleichmäßigen Takt und jeder Musiker der Galaxie hätte den Ferengi als Metronom benutzen können.
Innerlich wußte "es", daß die Aufmerksamkeit Silvanas stieg und daß ihr Versuch mit Hilfe eines Psychologen das Rätsel zu lüften möglicherweise funktionieren würde. Und dann würde Silvana auch den letzten Rest von "ihm" töten...
Dieser Gedanke brachte Zorn und Wut in den früher so diszipliniert gewesenen Geist und "es" wußte, daß schon lange etwas nicht mehr stimmte. Daß "es" sich selbst belogen hatte und daß "es" in Wirklichkeit krank war. Ein Alptraum der nur einen Namen kannte:
Bendii-Syndrom...