--- Privateer, Krankenstation
Nachdem Edwina Entenburg das Geräusch des Transporters gehört hatte, war sie zunächst verwundert, daß keinerlei Anweisung folgte, nach dem Motto: "Krankenstation, ihr hattet unserer Meinung nach zu wenig Arbeit, deshalb hier noch eine schnelle Geschenkpackung."
In Gedanken wetternd begann sie, die Schulterwunde des Ferengi zu untersuchen, zu desinfizieren und zu verbinden: 'Sicher, klar. Gerade jetzt, wo der Chef mich hier allein gelassen hat, beamen sie einfach die Verwundeten zu mir.
Los, noch ein paar, ich bin noch lange nicht ausgelastet! Ich wollte schon immer einmal den föderativen Rekord im Simultanoperieren gewinnen.'
Die weiteren Verwundeten blieben zwar aus, aber das bedeutete noch lange nicht, daß ihre Gedanken sich beruhigten.
Als sie nach ein paar Minuten Narbo soweit stabilisiert hatte, daß er wenigstens kein weiteres Blut mehr verlor, wollte sie gerade den Computer fragen, woher der Ferengi kam, damit sie eventuell Zurückgebliebenen einen Lagebericht zukommen lassen und sich bei dieser Gelegenheit ein klein wenig - nicht sonderlich viel - darüber auslassen könnte, was offenbar bestimmte Leute sich unter der Benutzung der Krankenstation vorstellten, als ES geschah.
Die Realität faltete sich zusammen und auseinander, und Edwina stürzte in ihren eigenen Nabel, während ihr der Boden aus dem Hirn fiel.
Nach ein paar Sekunden oder Jahrzehnten war es schon wieder vorbei.
Die Krankenschwester blinzelte ein paar Mal, und danach beschloß sie, sich einmal gründlich durchzuchecken. Aber als sie schon den Tricorder in der Hand hatte, überlegte sie es sich noch einmal anders: Wenn man schon wortlos Verwundete auf die Krankenstation beamte, sprach eigentlich nichts dafür, daß man die Besatzung über wichtige Dinge außerhalb des Schiffes informieren würde.
Edwina setzte sich und begann mit den Fingern auf ihrem Knie zu trommeln. Ihrem Gesichtsausdruck nach würde sie dem Captain oder sonstwem Verantwortlichen eine ganz spezielle Erste Hilfe zukommen lassen...
Dann fiel ihr Blick auf Narbos flatternde Augenlider. In diesem Moment schlug er die Augen auf...
Langsam wurde Narbos Wahrnehmung wieder schärfer und seine Augen taten ihren gewohnten Dienst. Noch etwas benommen starrte er gegen die Beleuchtung unter der Decke, die in einem gedämpften Weiß die Krankenstation in eine düstere Stimmung versetzte.
'Und Menschen halten sowas für beruhigend....', dachte er angewidert. Wie konnte man sich bei dieser Beleuchtung sicher fühlen, wenn man jederzeit hinterrücks angegriffen werden konnte? Die Gedanken weilten aber nur kurz; genauer gesagt bis ein fettes Monster in sein Sichtfeld trat. Erschreckend war nicht nur ihre Visage, sondern auch der Umstand, daß sein Gehör versagt hatte. War dies ein Effekt der Betäubung?
Verwirrt fixierte er die zusammengekniffenen Züge der Terranerin. Während ihn normalerweise Sexualität schon anekelte, ekelte er sich jetzt bereits vor der Vorstellung, sich zu ekeln, da er weder an Ekel noch an Sexualität in Zusammenhang mit IHR denken wollte, da dies nur ekelig und pervers gewesen wäre, was einen tiefen Ekel erzeugen würde, der zu einem.......
Während die Welt sich anfing zu drehen, und das Monster dominant schrie: "Ich habe doch gesagt, daß du dich noch nicht bewegen sollst!", nahm die Verwirrung in seinem Schädel Dimensionen an, die sich nicht mit dem Computer des Schiffes erfassen ließen.
Schließlich befreite sich sein Geist, durch eine uralte, von Generation an Generation weitergegebene Zeremonie, die jeden Ferengigeist befreien sollte.....
Er verteilte den Inhalt seines Magens über den grünliche Teppich der Krankenstationen und fiel in Bewältigung seines Traumas wieder auf die harte Unterlage des Biobettes.
Dann....
....Stille.
Plötzlich....
....ein Schrei, so klar, wie eine Opernstimme und so unterdrückend wie eine Peitsche: "Du kleine Made wirst das selbst wieder aufwischen! Haben wir uns verstanden? Was erlaubst du dir eigentlich? Ich wache hier über dein Leben und du kotzt mir vor die Schuhe? Na warte, dir werde ich es zeigen.....!"
Von dem Gedanken an einen schmerzfreien Tod fasziniert, bettete Narbo zu den Göttern des Profits! Hätte er doch nur seine Kirchensteuer bezahlt.....
--- Brücke
Slade war fast schon versucht gewesen, zu jubeln, weil sie es endlich wieder zurück in ihre Zeit geschafft hatten. Dies war eine typische Das-Ende-Der-Folge-Situation gewesen, eigentlich hätte jetzt der Abspann folgen müssen, weil die Helden siegreich alle Aufgaben erledigt hatten.
Aber dies war nun mal kein Holoroman, sondern die rauhe Wirklichkeit. Und in dieser existierten nun einmal noch die beiden föderativen Schiffe, wegen denen Slade damals - wenn Jean die Bordchronometer korrekt justiert hatte, war es gerade einmal 2 Minuten und 8 Sekunden her - die Tarnvorrichtung aktiviert hatte.
Der Anticaner stellte sich vor, wie ihre Situation für die föderativen Schiffe ausgesehen haben mochte:
Da kam ein privates Händlerschiff, dessen Kurs darauf hindeutete, daß es in der neutralen Zone gewesen war.
Verdächtig.
Statt auf Com-Signale zu reagieren, schuf es eine Raum-Zeit-Anomalie und verschwand darin. Natürlich versuchten die Schiffe anschließend, die Anomalie zu untersuchen. Als man sie nach zwei Minuten gerade erreicht hatte, erschien das Schiff, das man vergeblich gerufen hatte, erneut.
Nur hatte es plötzlich ein Leck in der Außenhülle und befand sich auf Kollisionskurs.
'Öhm - was würde ich an deren Stelle tun und denken?', überlegte sich Slade, und kam zu keinen sehr erfreulichen Ergebnissen.
Diese wurden sehr schnell bestätigt, denn Jean meldete sich: "Sir, eine Dringlichkeitsmeldung von einem der föderativen Schiffe kommt soeben herein. Jawohl, auf den Schirm."
Diesmal hatte der Captain nicht einmal etwas dagegen, daß Jean eigenmächtig handelte.
Auf dem Hauptschirm erschien das Bild einer menschlichen Frau in Captainsuniform. Sie schien leicht erregt zu sein, was ihr unter normalen Umständen sehr gut gestanden hätte. Ihre Stimme erklang: "Captain Perka vom Föderationsschiff USS Aries ruft das private Schiff. Dies ist unsere letzte Warnung. Melden Sie sich und reduzieren Sie Ihre Fahrt, sonst sind wir gezwungen, unsere Waffen zu aktivieren."
Obwohl Slade nicht die Absicht hatte, sich mit seinen angeschlagenen Maschinen auf ein Duell mit den beiden Schiffen einzulassen - schließlich war er Händler und kein Verbrecher - studierte er die taktischen Anzeigen.
Sie hatten es mit zwei Miranda-Klasse-Schiffen zu tun, die sich mittlerweile so postiert hatten, dass die Privateer von ihnen bequem in die Zange genommen werden konnte. Im Fall einer bewaffneten Auseinandersetzung könnten so alle Schilde der Privateer hübsch gleichmäßig von den Angreifern bestrichen werden.
Mit einem Kopfnicken beantwortete Slade Raschkralles unausgesprochene Frage, welche daraufhin ein paar Schaltungen unternahm und meldete: "Relative Geschwindigkeit Null."
Anschließend gab Slade seiner vollbusigen Kommunikationsbeauftragten einen Wink, woraufhin sie fast sofort meldete: "Verbindung steht, Sir."
Nach seinem Verständnis gab es verschiedene Typen von Wahrheit: Die reine Wahrheit, die volle Wahrheit, die halbe Wahrheit und die Un-Wahrheit.
Der Anticaner schaute die Frau Captain an und beschloß, ihr die Wahrheit zu sagen.
Jedenfalls irgendeinen Typ davon...
"Captain Slade vom privaten Händlerschiff Privateer. Wir hatten ein paar Probleme, nachdem überraschend diese Anomalie aufgetaucht ist. Beinahe hätten wir nicht mehr zurückgefunden, zumal wir heftige Probleme im Maschinenraum hatten. Aber dank meiner hervorragenden Mannschaft haben wir es dann doch noch geschafft."
Überrascht stellte Slade fest, daß er diesmal wirklich nicht gelogen hatte.
Captain Perka sah auf ihre Anzeigen und antwortete freundlich auf Slades Ausführungen. Allerdings war etwas in ihren Augen, das der Anticaner nicht auf Anhieb deuten konnte.
"Wir freuen uns, daß sie es geschafft haben, wieder heraus zu kommen. Darf ich fragen, was Sie geladen haben?"
Slade stutzte etwas. Händlerschiffen gegenüber war das durchaus eine Standardfrage, und er hatte sie schon unzählige Male gehört. Aber ... was transportiere er eigentlich wirklich gerade? Da fiel es ihm ein. Der Händler in ihm wollte sich ohrfeigen, aber in dieser Situation kam ihm ihre momentane Ladung gerade recht. Deshalb antwortete er absolut wahrheitsgemäß: "Nichts. Wir sind absolut leer."
Die Frau Captain schaute ihn abschätzend an. "Ja, das stimmt mit unseren Messungen überein. Nun hätte ich noch gerne, daß Sie mir etwas erklären, dann dürfen Sie sofort weiterfliegen."
Sie legte eine kleine Pause ein, die Slade wie ein halbes Leben vorkam. Perka hingegen studierte ein PADD, daß ihr gereicht wurde.
"Warum fliegt ein so erfahrener Händler, wie Sie es nach meinen Informationen sind, leer aus der neutralen Zone...mit einer klingonischen Warpsignatur?"
Slade wollte gerade auf den ersten Teil der Frage antworten, als ihm siedendheiß einfiel, daß er noch nicht den Befehl gegeben hatte, die Tarnung der Signatur aufzuheben.
Was sollte er sagen? Die Verantwortung auf einen potentiell alkoholsüchtigen Maschinisten abschieben? Nein, das lag ihm nicht. Ausnahmsweise die reine Wahrheit? Nein, die würde ihm niemand glauben.
Der Anticaner erhob sich von seinem Sessel, streckte sich, damit er imponierender wirkte und entgegnete: "Es gibt Raumgegenden, in denen es vorteilhaft ist, eine solche Signatur zu benutzen. Und meines Wissens ist dies auch nicht illegal. Deswegen werden wir sie solange beibehalten, bis Sie mir beweisen, dass ich mich irre. Dann schalte ich sie gerne ab."
Slade schielte auf die Anzeigen. Etwa fünf Minuten sollte die Signatur noch durchhalten. Danach mußte er sich einen plausiblen Grund ausdenken, aus dem er sie abschaltete. Aber entweder waren sie dann schon außerhalb der Sensorenreichweite der Föderationsschiffe, oder er konnte es als Zeichen des guten Willens befehlen. Dann fuhr er fort:
"Und es ist einzig und alleine meine Sache, warum ich leer fliege. Es könnte zum Beispiel sein, daß ich auf dem Weg zu einem Ort bin, an dem alle Preise im Keller sind. Warum sollte ich in so einem Fall meinen Lagerraum mit Waren voll stopfen, die ich dort nur mit Verlust verkaufen kann?"
Als er sah, daß sie Luft holte, um etwas zu entgegnen, schnitt er ihr das Wort ab, wie er es von Jean gewohnt war: "Nein, diesen Ort werden Ich Ihnen ganz sicher nicht nennen. Es handelt sich hierbei um eine Information, für die ich teuer genug bezahlt habe, und ich werde sie garantiert nicht leichtfertig ausposaunen!
Und was die neutrale Zone betrifft: Ich bin Händler. Mein Schiff ist kein offizielles Föderationsschiff, und schon gar kein Militärschiff. Das war es einmal, ist es jetzt aber nicht mehr. Können Sie mir sagen, wie ich mit einer Rasse, deren Territorium hinter einer neutralen Zone liegt, Handel treiben soll, wenn ich nicht durchfliege? Soll ich außen herum fliegen? Tut mir leid, aber so viel Zeit habe ich einfach nicht.
Wissen Sie - wenn Sie die Grenzen verletzen, ist das ein militärischer Akt. Bei mir hingegen ist es Handel, und das war in allen Epochen ein Akt der Völkerverständigung.
Und nun beantworten Sie mir eine Frage, Captain Perka: Sind Sie gegen Völkerverständigung?"
Mit einer solchen Rede hatte sie offenbar nicht gerechnet, denn sie zögerte etwas mit der Antwort. Diese Gelegenheit ließ sich Slade nicht entgehen und fuhr fort: "Wir werden jetzt weiterfliegen. Jede Minute, in der ich hier mit Ihnen plaudere, kostet mich ein Vermögen. Wenn Sie noch etwas von mir wollen, hinterlassen Sie mir eine Nachricht.
Guten Flug.
Verbindung trennen.
Raschkralle, Abmarsch."
Slade fiel auf, daß er, wenn sich die Frau Captain nicht schnell zu einer Antwort hinreißen ließ, nun einen Passierschein für alle neutralen Zonen, die es noch geben mochte, in Händen hielt.
Jedenfalls von Föderationsseite aus...
Sichtlich enttäuscht lümmelte sich Silvana gelangweilt auf der Waffenkonsole. Anscheinend gab es momentan nichts mehr für sie zu tun. Die von der Föderation schienen ebenso dumm wie Romulaner aus der Vergangenheit zu sein und sich mit schönen Worten hereinlegen zu lassen. Was konnte man auch anderes von einem Weib als Captain erwarten? Sollten diese Hausmütterchen doch hinter ihren Töpfen bleiben und schön brav weiter Kinder machen.
Mit einem Seufzen stellte Silvana zum zweiten Male nacheinander fest, daß sie wirklich nicht verfolgt wurden und legte ihr Augenmerk auf die blutende Navigatorin.
Tropf, tropf, tropf...
"Plüschohr, du ekelst mich an.- Computer: Nottransport der Sivaoanerin von der Brücke auf die Krankenstation", befahl die raubtierhafte Frau und übernahm die Navigationskonsole. Aber erst als sich Raschkralle zugleich mit ihrem stinkenden Atem und ihrer Flucherei in Luft aufgelöst hatte.
"Ich denke, ich weiß, wo du hinwillst, Slade", grinste Silvana boshaft und schlug nach einem kurzen Scan einen neuen Kurs ein. "Ziel auf die Go'Tschnargh. Aye, aye, Sir!" Ihre gelben Augen funkelten freudig.
--- Krankenstation
Die wütend fauchende Navigatorin materialisierte sich just dort wo der scheußliche grüne Teppich der Krankenstation mit einer übelriechenden schleimigen Flüssigkeit überzogen war. Raschkralle sprang miauend hoch und krallte sich an das erstbeste, daß ihr unter die Krallen kam.
Leider war ihr "Kratzbaum" nicht ganz einverstanden und so erhielt sie einen dumpfen Schlag gegen den Kopf, der sie auch tatsächlich abschüttelte. Er würde begleitet von einer energischen weiblichen Stimme:
"Katzenviecher und Ferengi sind so ziemlich das Schlimmste, was wir je hier hatten. Einer kotzt mir auf die Schuhe und der andere krallt sich in meinem Arm. Ihr beide werdet euch wünschen nie die Krankenstation von innen gesehen zu haben, wenn ihr hier wieder rauskommt."
Damit packten ein paar Pranken, die noch immer etwas verwirrte Katze am Nacken und verfrachteten sie wie eine Feder auf ein Bio-Bett, daß neben dem des letzten Neuankömmlings lag. Dann versorgte die große wie auch breite Frau die Wunde der Sivaoanerin, welche die Folgen der örtlichen Narkose noch immer nicht ganz überwunden hatte und sich deshalb nicht groß wehrte. Immerhin hatte sie noch mit dem Asteroidenfeld zu kämpfen, das in ihrem Kopf gerade ein Fest zu feiern schien.
"So, daß hätten wir. Mehr kann ich ohne den Doc auch nicht tun. Keine Ahnung, wann der wieder mal vorhat seiner Arbeit nachzugehen. Ich geh mal nach hinten, wehe einer rührt sich von euch beiden", sagte Edwina und stampfte resolut nach hinten zu dem Klingonen, der noch immer bei ihnen auf der Station lag.
Benommen schüttelte Raschkralle den Kopf und wurde langsam wieder klar. Das Asteroidenfeld lichtete sich zu einem passierbaren Tunnel für sie und ihre Gedanken.
Ihr wurde bewußt, wer sie in dieses Schlamassel gebracht hatte und wer diese Schweinerei am Boden veranstaltet hatte in die man sie gegen ihren Willen gebeamt hatte.
Langsam drehte sie den Kopf zu Seite und ihre grauen Augen fixierten das Bio-Bett neben ihr und seinen Inhalt. Ihre Pupillen wurden groß und ihre Augen dadurch fast schwarz. Die Schmerzen, die schon diese kleine Bewegung ihr verursachte, ließen sie wütend pfauchen. Ohne auf ihre gefährliche Verletzung zu achten, machte sie sich los und sprang auf das Nebenbett. Oder besser gesagt seinen Insassen.
"Dafür töte ich dich", zischte die Katze, die nun auf der Brust des Ferengi hockte und holte mit ihrer Pfote zu einem tödlichen Schlag aus. Ihre Krallen waren besonders scharf. Sie hatte sie vor ihrem Besuch in der Bar noch zusätzlich geschärft gehabt.
In den aufgerissenen Augen des Ferengi spiegelte sich ihre verzerrte Fratze und der Schatten ihrer langen gebogenen messersichelscharfen Krallen...
Seit dieser Teufel von Oberschwester verschwunden war, hatte Narbo gewußt, was passieren würde. Die Konfrontation war unausweichlich und endgültig, aber er hatte einen Vorteil: Er konnte nichts mehr verlieren; außer seinem Leben.
Als der faulige Gestank um seine Nase zog, verzog er seine Mine zu einer erstarrten Fratze. Er hatte es gewußt, aber der tropfende Speichel und dieser elende Mundgeruch verschlugen ihm doch die Sprache.
Dann - formte sein Gesicht ein Grinsen.
Ein Lächeln.
Eine völlig fremde Mimik.
Raschkralle hielt inne und betrachte ihn irritiert; ihre Krallen schwebten immer noch über seinem Kopf und in ihren Augen sah er genug Verwirrung, um die Chance zu ergreifen. Und dann.....
...war alles wahnsinnig schnell vorbei. Narbos Kopf war nach oben geschnellt und mit den massiven Schädelknochen schlug dieser ins Gesicht der Katze. Einen Moment fixierten sich die beiden, ungläubig, voll Hass und mit Resignation. Aber ihre Augen waren leer und tot. Wie in Zeitlupe glitt Raschkralle von dem Biobett und schlug auf den Boden auf.
Während Narbo sich den Schädel hielt und verdrossen die dritte Beule zählte, quoll Blut aus der Nase des Katzenwesens. Oder dem, was von ihr übrig war. Der Ferengi brachte noch immer kein Wort hervor, während Edwina schreiend und wütend das Unglück entdeckte.
Aber Narbo hörte dies nur wie durch einen Nebel der Benommenheit. Es war vorbei und er sollte zufrieden sein, aber irgendwie fehlte etwas. Es war nicht befriedigend! Das Nasenbein ins Gehirn einer Katze zu rammen; aus Zufall. Oder war es doch Schicksal? Narbo war sich nicht sicher; sicher war nur, daß er mit Edwina großen Ärger bekommen würde. Und nicht nur mit ihr....
--- Brücke
Kargan schaute die Sicherheitschefin verwundert an. Glaubte sie, mehr medizinischen Sachverstand als er als Chefarzt zu haben? Er hatte schnell erkannt, daß diese kleine Stichwunde die Pilotin zwar stark behinderte und recht eklig aussah, aber auf keinen Fall lebensgefährlich war.
Seiner Schätzung und den Tricorderdaten nach hätte sie ruhig noch ein paar Minuten lang Blut verlieren können, ohne daß es kritisch geworden wäre. Gut, Jean hätte dann etwas mehr mit dem Boden zu tun gehabt, aber wer scherte sich schon um die 'Gefühle' eines Roboters?
Der Klingone hatte schon oft die Erfahrung gemacht, daß es nie gut war, Leute ohne ihre Erlaubnis zu behandeln. Die schlechtesten Erfahrungen hatte er mit anderen Klingonen gemacht. Ihr Ehrgefühl ließ es nicht zu, daß man kleinere Wunden verband, und sie waren verdammt schnell beleidigt.
Zwar war ihm nie aufgefallen, daß Sivaoaner ähnlich reagierten, aber in diesem Fall konnte er die Katze gut verstehen. Zum ersten Mal seit langer Zeit am Ruder, und schon wieder ließ sich Doc Klingon blicken. Wahrscheinlich befürchtete er gleich einen Rückfall und steckte sie wieder in die Krankenstation.
Deshalb war er auf Warteposition gegangen, hatte sie beobachtet, und hätte sofort eingegriffen, wenn es kritisch geworden wäre.
Aber diese Entscheidung hatte ihm Silva jetzt abgenommen.
Seine Tasche packend verließ er die Brücke und machte sich auf den Weg zur Krankenstation.
--- Krankenstation
Als er die Krankenstation betrat, bot sich Kargan ein Bild wie aus einem Horrorholo.
Neben Narbos Krankenbett lag eine Lache Erbrochenes, und darin Raschkralles lebloser Körper. Für die musikalische Untermalung sorgte Edwina Entenburg, deren kreischende Stimme er schon von draußen gehört hatte.
Dabei hatte er sich allerdings noch nichts gedacht, solche Aussetzer hatte sie öfter...
"RUHE!", donnerte seine Klingonenstimme. Sein Bruder hatte ihm beigebracht, daß eine laute und grollende Stimme zu einem gewissen Teil eine geringe Körpergröße wettmachen konnte.
Edwina verstummte erschrocken. Der Chefarzt eilte zu Raschkralle, hievte sie auf einen benachbarten Tisch und leitete Erste-Hilfe-Maßnahmen ein.
Er hatte es gewußt: Leute zu einer medizinischen Behandlung zu zwingen brachte nur Probleme...
--- Brücke, etwas später
"Kargan an Slade"
Der Captain schlug auf seinen Communicator. "Slade hier. Was gibt's? Blutet Raschkralle immer noch? Wie lange muß Silva noch steuern?"
Kargan antwortete in einem viel zu langsamen Ton: "Nun ja, um das Positive einmal hervorzuheben: Der Konflikt zwischen Narbo und Raschkralle ist endgültig beigelegt.
Allerdings dürft ihr selber solange steuern, bis wir neues Personal an Bord holen, falls wir nicht jetzt schon ein paar Navigatoren in Reserve haben."
"Soll das heißen...", begann Slade.
"Ja", antwortete Chefmediziner. "Narbo hat gewonnen. Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Nein, Raschkralle blutet nicht mehr. Bevorzugen Sie für sie eine bestimmte Bestattungsart?"
Slade war wie vor den Kopf geschlagen. Bestattungsart? Raschkralle? Aber wieso? War sie doch schwerer verletzt gewesen? Hatte sie innere Verletzungen gehabt?
Kargan nutzte die Pause und fuhr fort: "Sie können sich bei Ihrer Sicherheitschefin bedanken. Nachdem sie sie völlig überflüssigerweise in Narbos Nachbarbett gebeamt hat, kam es zu einem Handgemenge, aus dem Ihre Pilotin ein durch ihr Nasenbein etwas ... zweigeteiltes Hirn zurückbehalten hat.
Die Überlebenschancen hierfür sind recht gering, aber ich glaube nicht, daß Ihnen im Moment mit statistischen Daten gedient ist.
Aber ich habe eine ganz andere Frage: Brauchen Sie im Moment Jean auf der Brücke? Ich hätte hier eine Aufgabe für ihn, die er schon einmal zur vollsten Zufriedenheit ausgeführt hat..."
Slade fühlte sich wie in Trance und mit schwerem Kopf gab er dem Roboter einen Wink, den dieser erfreut zur Kenntnis nahm. Schließlich wußte dieser noch nicht, daß er nun seine Programmierung als Putzroboter verfeinern konnte.
Mit leiser Stimme bestellte Slade den Piloten, den er erst vor Kurzem für "mindestens vierzig Stunden" vom Dienst befreit hatte, auf die Brücke.
"Und?", fragte Silvana etwas zynisch den Anticaner und ihre Augen leuchteten wie zwei Sterne in der Nacht. "Sieh mich nicht so vorwurfsvoll an. Raschkralle war alt und sie mußte damit rechnen, daß mal jemand schneller als sie reagieren würde, wenn sie sich ständig auf Kämpfe mit anderen einließ. - Ich wußte ehrlich nicht, daß du so schrecklich sentimental bist und dich der Tod eines Crewmitglieds so fürchterlich mitnimmt.
Du wirst doch nicht alt, Slade...", meinte sie spöttisch.
Ärgerlich wandte sie sich wieder ihrer Konsole zu, an der sie bleiben würde, bis der Pilot die Brücke erreicht hatte.
"Wir haben neun Techniker verloren, die mich viel mehr schmerzen, da ich im Gegenteil zu dir weiß, daß diese Kiste hier nur Schrott ist und wir froh sein können, wenn sie uns nicht unterm Hintern zusammenbricht. Und wozu das Ganze? Weil du eine Tarnanlage zum Spielen wolltest.
Ich finde den direkten Kampf immer noch besser als die Flucht oder das... Verstecken...
Sollte ich vielleicht warten, bis Raschkralle an der Steuerung das Zeitliche segnet, während unser lieber Doc daneben steht und pennt? Männer..." Wütend knurrend und gereizt, beschäftigte sie sich wieder mit den Anzeigen bei denen man sich mehr auf seinen Instinkt, als auf seine Augen verlassen mußte.
Sie murrte jetzt nur mehr unhörbar vor sich hin. "Und dieser Doc schimpft sich doch tatsächlich Klingone. Der ist nicht mal ein guter Doc. Nichts als ein Schlappschwanz und Muttersöhnchen. Wenn ich das gewußt hätte..."
Plötzlich stockte sie und ihr fiel etwas ein. "Verfluchte Scheiße... daran hab ich gar nicht gedacht."
Hastig betätigte sie ihren Communicator, während sie auf den Anzeigen die Entfernung zur Go'Tschnargh ablas: "Silvana an Anturios. Wir treffen gleich auf einen Bird of Prey. Er wird bei unserer Ankunft zur Begrüßung sicher die Schilde hochfahren. Du mußt dafür sorgen, daß sie wieder nach unten fahren und dort bleiben, bis wir eine Person hinübergebeamt haben. Danach können sie ruhig wieder hoch.
Was ist? Kriegst du das hin?"
---Maschinenraum
Anturios löste sich schwermütig von Ruiq, der die letzte Stunde bei ihm gewesen war und nun ziemlich erschöpft aussah. "Geh ruhig in dein Quartier und ruhe dich ein wenig aus", gab er an seinen Freund weiter.
In seinem Hinterkopf braute sich nebenbei ein ungutes Gefühl zusammen. Ein Enterkommando zog meistens militärische Handlungen nach sich und der Maschinenraum mit den explodierenden Terminals und zentraler Bedeutung für jeden Gegner war kein guter Ort für seinen kleinen Freund.
Außerdem wäre Anturios viel zu sehr in Sorge gewesen, um seine Arbeit ordnungsgemäß machen zu können. Glücklicherweise verstand Ruiq seine Bedenken und verabschiedete sich, zwar nicht, um ins Bett, sondern in die Krankenstation zu gehen, aber immerhin war er dort sicherer.
Als sich die Tür des Maschinenraums hinter ihm geschlossen hatte, seufzte Anturios innerlich. Obwohl er Silvana ohne Zögern jede Hilfe zugesichert hatte, war die Zeit doch knapp. Glücklicherweise war die klingonische Technologie eines Bird of Prey nicht sehr komplex, was das Vorhaben erleichtern sollte.
Mittlerweile wieder 100 Prozent auf seine Aufgabe konzentriert, winkte Anturios einige seiner Stellvertreter herbei; das konnte ein langer Nachmittag werden...
--- Brücke
Ärgerlich hatte sich Silvana dabei ertappt, daß sie per Communicator mit dem Telephaten hatte sprechen wollen und war sich dabei ziemlich dämlich vorgekommen.
"Als wenn solche Grünpflanzen sich überhaupt einen Communicator anstecken könnten. Die tragen doch höchstens eine Sprinkleranlage mit sich", maulte die Frau mit den gelben Augen ungehalten über ihren eigenen Fehler.
Dieser Umstand und das amüsierte Kichern der vollbusigen Blondine, die ihr Malheur mitbekommen hatte, verstärkte ihren Ärger zusätzlich. Am Liebsten hätte sie sofort eine Trainingrunde für ihr Sicherheitsteam angeordnet und die ganze Bande dann dem Faulenzer von einem Doktor vorbeigebracht, aber noch war ja etwas zu erledigen.
Silvana wandte sich gerade Slade zu, als sich der Turbolift öffnete und der australische Navigator auf die Brücke kam um sie an der Steuerung abzulösen. Erleichtert machte sie ihm Platz und ging wieder zu ihrer Konsole zurück. "Slade, der Baum fährt uns die Schilde runter, damit wir genug Zeit zum Beamen bekommen."
Siedendheiß fiel ihr ein, daß sie zwar Slades Ziel kannte, da er sich sicher rächen würde, aber er noch nichts von ihrem Plan wußte. Also fügte sie erklärend hinzu: "Du weißt ja noch, daß wir die Romulaner mit dem Inhalt der Arrestzelle 3 beglücken wollten. Der Plan steht noch immer und ich muß endlich meinen Gast loswerden, oder die Probleme fangen erst richtig an."
Sie sah auf den Chronometer. "In genau 10 Minuten, falls Kalconier gut im Rechnen sind..."
Wie aufs Stichwort erschien der betreffende Bird of Prey auf dem Schirm und die Computerstimme meldete: "Fremdes Schiff in Sensorenreichweite."
"Fein gemacht, Silva", ertönte Sledes Stimme über die Brücke. Danach wurde seine Stimme deutlich dunkler, als er fortfuhr: "Aber was sollte das eben heißen - von wegen 'sentimental'? Diese Katze war so ziemlich die beste Pilotin, die ich kenne, und jetzt, wo sie endlich auf meinem Schiff arbeitet, kratzt sie ab! Hast du eine Ahnung, wie schwer es ist, fähige Piloten zu finden?
Techniker wachsen auf jeder Raumstation wie Sand am Meer, aber gute Piloten kannst du lange suchen! Klar ist es ihre eigene Schuld, wenn sie nicht einschätzen kann, wie gefährlich derjenige ist, mit dem sie sich anlegt. Aber das bedeutet noch lange nicht, daß ich deshalb nicht sauer werde!
Überhaupt - 'wirst du alt' ... Seit wann kontaktiert man einen reinen Telepathen per Communicator? Wirst DU alt?" Slade bellte ein wolfsartiges Lachen heraus.
Miss Kommunikation versuchte, den Anticaner so leise und unauffällig wie möglich darauf aufmerksam zu machen, daß ein Ruf von der Go'Tschnargh hereinkam.
Slade wirbelte herum und raunzte: "Was ist los? Drückeberger und Leisetreter kann ich hier an Bord nicht brauchen! Wenn ein Ruf reinkommt, dann will ich das in einer vernünftigen Form hören! Und jetzt wirf den Knilch auf den Schirm!"
Das Bild auf dem Hauptschirm wechselte von der Darstellung des Bird of Prey zu der Innenansicht. Ein schwarzhaariger Humanoid erschien und fragte:
"Marok Dudras, stellvertretender Kommandant der Go'Tschnargh an Privateer. Was können wir für Sie tun?"
Slade hatte diesen Mann noch nie gesehen und verlangte, seinen Freund Oly zu sprechen.
"Der Captain ruht zur Zeit und hat sich jegliche Störung verbeten. Kann ich ihm etwas ausrichten?"
Slade war immer noch sauer und beschloß, es diesem Kerl mit gleicher Münze heimzuzahlen: "Nein danke. Ich ruhe zur Zeit ebenfalls und gebe deshalb weiter an meine Sicherheitschefin."
Mit diesen Worten erhob er sich und ging ohne noch einmal auf den Schirm zu schauen, in seinen Bereitschaftsraum.
Mißgelaunt sah Silvana zu, wie Slade einfach bei offener Sichtverbindung die Brücke verließ und sich um nichts mehr kümmerte. Dabei hatte er sie erst vorhin vor den anderen angeschnauzt, als wäre sie eine dumme Blondine, die an der Kommunikation saß. Der konnte sich noch auf was gefaßt machen...
"Typisch, Männer...", knurrte Silvana ärgerlich und nahm elegant seinen Platz ein, als wäre dieser Tausch von langer Hand geplant gewesen.
'In der Sache ist das letzte Wort noch nicht gesprochen', dachte sie sauer.
"Wie meinen Sie?", fragte eine dunkle Stimme von der Go'Tschnargh und Silvana betrachtete das erste Mal eingehend das dazugehörige Gesicht auf dem Schirm. Ihre Blicke kreuzten sich und für Sekunden waren sie beide sprachlos.
Dann bekämpfte Silvana erfolgreich das komische Gefühl in ihrer Magengegend, das Gefühl der Vertrautheit und sie konzentrierte sich wieder ausschließlich auf ihre Arbeit. Trotzdem lenkten seine hellgrauen Augen sie immer wieder ab. Das machte sie nur noch wütender.
"Wie Sie sehen können, ist mein Captain nicht gerade begeistert über die Ausflüchte, daß niemand außer Ihnen zu sprechen ist. Wir waren vorhin erst hier..." War es wirklich erst vorhin gewesen oder schon Tage her? "Und da schien Ihr Captain noch ziemlich munter und ausgelassen zu sein. Zumindest hatte er keine Bedenken, sich mit unserer Ladung zu bereichern."
Der Mann mit den hellgrauen Augen sah sie erstaunt und nahm sich auch sonst kein Blatt vor den Mund: "Sie haben zum Austausch bekommen, was sie bestellt haben. Es war nur ein fairer Handel. Ob Ihnen das paßt oder nicht."
Silvana wußte nicht, ob er darüber informiert war, daß die Gegenleistung fast auch eine Reise in den Tod gewesen war, aber sie nahm an, daß ein uninformierter Strohmann die beste Alternative für diesen Oly war. Außerdem sah ihr dieser Dudras nicht aus, als ob er log.
"Die Scheiße, die wir zum Ausgleich bekommen haben, die können Sie sich gerne wieder einsammeln. Die war nicht das Schwarze unter Ihren Fingernägeln wert. Ich verlange unsere Ladung zurück oder mit Ihrem Captain persönlich zu sprechen. Sofort!", befahl Silvana um Zeit zu gewinnen, bis sie nah genug zum Beamen waren. Denn sie rechnete nicht wirklich damit, etwas auszurichten. Die Ladung Dilithium war ihr Lehrgeld.
Seltsamerweise schien ihre Art der Konversation diesem Menschen nichts auszumachen. Sie schien ihm eher sogar zu gefallen, denn er lächelte sie sogar unverschämt an. Ärgerlich fluchte sie und gewann damit immerhin wieder ihre Autorität unter dem Brückenpersonal.
"Schön, daß Sie mich nicht ernst nehmen, aber es wird Ihnen noch gewaltig leid tun. Ich mache keine Witze und ich habe auch keine Lust mich mit Ihrem blöden Grinsen abspeisen zu lassen. Frauen wie ich machen keine leeren Versprechungen..." Ihre Pupillen waren nur schmale Schlitze und diesmal schien er ehrlich beeindruckt. Doch Silvana hatte bereits mit einem Entgegenkommen abgeschlossen.
'Silvana an Anturios: Bist du bereit die gegnerischen Schilde runterzufahren? Wie lange werden sie unten bleiben?'
--- Maschinenraum
Nachdem Anturios den von seinem Team entwickelten Plan nochmals mit fünf Tentakeln betrachtete, antwortete er schließlich der gereizt klingenden Sicherheitschefin: 'Wir haben alles in Bereitschaft gebracht. Durch einen gezielten Tachyonenpuls können wir ihre Schilde für eine Minute senken. Danach hat sich die Strahlung verflüchtigt,', der Amarilianer zögerte einen Momente da er gerade Silvana nur sehr ungern schlechte Nachrichten überbrachte, 'allerdings werden unsere eigenen Schildgeneratoren in diesem Zeitraum auch ausfallen.'
Gespannt horchte Anturios im mentalen Äther nach einer Antwort.
--- Brücke
Bei der Eröffnung des Grünzeugs, daß ihr eigener Schild für eine Minute ausfallen würde, steigerte sich Silvanas Wut zusehends und ihre Krallen bohrten sich schmerzhaft in die Innenfläche ihrer Hände. So kurz vor dem Ziel erst kam der Baum mit wichtigen Fakten an, als seien es Nebensächlichkeiten.
Äußerlich ließ sie sich nichts anmerken, da sie immer noch Sichtkontakt zu dem unverschämten Aushilfscaptain der Go'Tschnargh hatte, der sie sichtlich amüsiert beobachtete. Anscheinend schien sie ihm zu gefallen, da er keine Anstalten machte, das Gespräch zu beschleunigen. Doch innerlich kochte sie und ließ ihren Gedanken freien Lauf. Egal, ob Anturios jedes Wort mental mithörte oder nicht.
Oder vor allem, weil der Baum mental zuhörte.
Nach ziemlich derben Flüchen, bei denen sich selbst die tote Raschkralle noch die Ohren zugehalten hätte, besann sie sich auf ihre eigentliche Aufgabe. Doch erst der Gedanke, daß sie danach endlich von der Brücke konnte, trieb sie zur Eile an.
'Wenn ich dir das Kommando gebe, dann gibst du den Tachyonenimpuls ab. Aber Gnade dir Gott, wenn du einen Fehler machst....'
Kühl lächelnd blickte Silvana wieder auf ihr Gegenüber, während ihr Hirn rasend schnell an einem neuen Plan arbeitete. Immerhin war es nicht ungefährlich, wenn sie die Schilde des anderen Schiffs runterfuhren um zu Beamen und in dieser Zeit ebenfalls schutzlos waren. Wenn dieser Dudras nicht ein ausgemachter Dummkopf war, dann würde er den Braten riechen und ohne zu Zögern den Angriff starten.
Dabei würde die Privateer in ihrem momentanen Zustand und mit der bereits übermüdeten Crew sicher den Kürzeren ziehen. Ein Treffer an der richtigen Stelle und.... Puufff...
Sie hatten nichts außer dem Überraschungsmoment und der Möglichkeit eines ausgefeilten Plans auf ihrer Seite. Plötzlich wurde aus Silvanas kaltem Lächeln ein sehr warmes. Der Trumpf lag in ihrer Hand.
"Ich warte noch immer auf eine positive Antwort, Mister Dudras. Ihr Captain hat uns betrogen und ich fordere augenblicklich unsere Ladung zurück. Ihren Tarngenerator können Sie gerne im weiten Umkreis wieder einsammeln, wenn Sie Wert darauf legen." Noch immer schien er sie mit den Augen zu verzehren, was nur gut für ihren Plan war. So dachte er nicht viel über den Sinn nach, als sie sich erhob und sich kurze Zeit etwas an einer anderen Konsole zu schaffen machte.
Silvana legte die Steuerung des Transporters so um, daß sie sie bequem vom Captainsstuhl aus bedienen konnte, danach setzte sie sich wieder auf Slades Stuhl, der es vorgezogen hatte, sich schmollend zu verziehen. Egal, ob ihm die Kiste um die Ohren flog oder nicht.
"Ich kann Ihnen nur sagen, was ich bereits gesagt habe. Der Captain ist nicht zu sprechen. Er ruht sich aus. Sie können warten, aber ich kann Ihnen jetzt schon sagen... es wird Ihnen nichts bringen. Ich kenne den Captain. Geschäft ist Geschäft. Es gibt keine Garantie", meinte er nüchtern und kniff dann die Augen etwas zusammen. "Was haben Sie da gerade getan?"
Nun schien er doch mißtrauisch zu werden. Höchste Zeit für Silvana ihr Manöver einzuleiten.
"Nichts, ich habe..."
'Anturios, jetzt!'
"..nur die Anzeigen kontrolliert und stabilisiert", log sie ohne mit der Wimper zu zucken. Dann registrierte sie auch schon den Abfall der eigenen Schilde und handelte blitzschnell. Ihre Finger wanderten mit der Schnelligkeit einer Raubkatze über die Tasten und leiteten zwei Transporte ein.
Auch ihrem Gegenüber wurde gerade gemeldet, daß die Schilde durch Fremdeinwirkung nach unten fuhren. Seine Miene verfinsterte sich zornig und er schlug mit der Faust auf seinen Stuhl. Sogleich traf er Anstalten das einzig Richtige zu tun. "Alarmstufe Rot. F...." Dann lösten sich seine Schemen auf und er verschwand plötzlich.
'Einer weniger', dachte Silvana zufrieden.
Gleichzeitig materialisierte sich eine Gestalt nur wenig entfernt von seinem ursprünglichen Platz. Eine sehr große Gestalt. Silvana hörte das hohe Fiepen und die entsetzen Schreie der Brückencrew. Für einen Moment spiegelte sie sich tausendfach in den Augen ihrer Erzfeindin wieder, bevor diese mit ihren riesigen Beißwerkzeugen dem Spuk ein Ende machte und die Verbindung abriß.
Es war nur mehr leichtes Kriseln am Monitor zu sehen.
"Ich kann die Verbindung nicht mehr herstellen", meinte die Blondine irritiert, die scheinbar noch eine Weile brauchen würde um zu begreifen worum es hier ging.
"Versuchen Sie es nicht weiter, das hat sich erledigt", meinte Silvana und lehnte sich zufrieden zurück, während sie feststellte, daß ihre Schilde wieder voll einsatztüchtig waren. "Schilde hoch. Navigator Kurs... Ach, was soll's, nehmen Sie Kurs auf die nächsten Raumstation. Wenn es Slade nicht paßt, dann soll er sich melden."
Für einen Moment überlegte sie, ob ihre Anwesenheit auf der Brücke noch notwendig war. Dann öffnete sich auch schon die Tür zum Bereitschaftsraum und Slade betrat die Brücke. Anscheinend hatte er die ganze Zeit die Kommunikation von dort aus überwacht. Sein wölfisches Grinsen, daß mehr an Zähneblecken erinnerte, zeugte von dem Triumph seiner Rache.
'Seiner Rache... als wenn er großartig einen Beitrag daran gehabt hätte', dachte Silvana immer noch wütend, würdigte ihn provokativ keines Blickes, als sie sich erhob und die Brücke verließ.
--- Krankenstation
Als Ruiq die Krankenstation betrat, bot sich ihm ein Bild des Grauens. Es fehlte nicht viel und er hätte sich übergeben.
In einer Lache ekelhaft stinkenden Erbrochenem lag die Sivaoanerin, die vor kurzem noch hier gewesen war um ihre Vergiftung auszuheilen. Er hatte sie mit ihrer Pfaucherei, ihrem Mundgeruch und ihrer wütenden Art nicht gerade als freundliche Person empfunden, aber nun war sie nichts weiter als ein toter stinkender Kadaver um den sich keiner weiter zu scheren schien.
Die resolute Entenburg zeterte mit dem Ferengi, der ziemlich teilnahmslos in seinem Bett lag und sich ihrem Befehl die "Sauerei" wegzuputzen scheinbar nicht beugen wollte.
Dr. Kargan widmete sich einem anderen Patienten. Einem leichten Fall, der bald entlassen wurde. Wahrscheinlich hatte er bereits dem Captain Meldung über den Vorfall erstattet und Raschkralles Krankenakte endgültig abgeschlossen.
Es schien auf diesem Schiff nichts Ungewöhnliches zu sein, daß hier einfach jemand umgebracht wurde. Anders konnte Ruiq sich nicht erklären, wieso die Katze nicht in einem Bett gestorben war und ihr Gesicht derart verstümmelt war. Nicht einmal die Klingonen, auf dessen Schiff er lange Zeit gewesen war, waren so rauh und umbarmherzig gewesen.
Nachdem Ruiq sich aus seiner Versteinerung löste, wollte er etwas sagen um zu erfahren was passiert war, aber die schlechte Luft, der Anblick und das Gezeter schnürte ihm so den Atem ab, daß er sich einfach umdrehte und floh.
Ohne sich noch einmal umzublicken verließ er die Krankenstation und schwor sich, sie nie mehr in seinem Leben zu betreten.
--- Gang vor der Krankenstation
Erst vor der Krankenstation kehrte Ruhe in ihm ein. Ruhe, weil er sich für den einzig richtigen Weg entschieden hatte und ihn auch nichts davon abbringen würde ihn zu gehen.
In seinen ganzen 60 Jahren hatte er nie Zeuge einer solch barbarischen Grausamkeit werden müssen und jetzt wollte er nicht damit anfangen. Ihn verband nichts mit diesem Schiff und noch weniger mit den kalten rauhen Praktiken seiner Besatzung.
Er würde dieses Schiff verlassen. So rasch wie nur möglich.
--- Ruiqs Quartier
Wie schon so oft sehnte Ruiq sich beinahe schmerzlich nach der Ruhe und den unendlichen Weiten des Universums. Einmal mehr bedauerte er, daß er nicht einfach zu einem Planeten mutieren konnte. Aber immerhin gab es noch Tausende andere Möglichkeiten.
Und so fing er an sich in der Datenbank des Schiffes nach neuen Lebensformen umzusehen.
Er fand auch ein Energiewesen, das da draußen existieren konnte und kein Mittel zur Fortbewegung benötigte. Zuerst freute er sich über diesen Fund, dann wurde sein Herz mit einem Mal seltsam schwer und seine Empfindung trübte sich.
Wieder drängte sich der Gedanken an Anturios in ihm auf. Er wollte ihn nicht allein lassen. Schon gar nicht hier. Doch Anturios konnte sich nicht verwandeln. Er würde bleiben, was er schon jahrhundertelang gewesen war. Ein Amarilianer, der seine Heimat verloren hatte.
Rastlos suchte Ruiq weiter und wurde schließlich fündig. Er hinterließ eine Nachricht in seinem Computer, daß er für längere Zeit nicht zu erreichen sein würde und auch eine Nachricht für Anturios, daß er sich keine Sorgen zu machen brauchte und er sich in einiger Zeit bei ihm melden würde.
Dann ließ er alle seine Habseeligkeiten in seinem Quartier zurück und machte sich auf den Weg. Er würde sie nicht mehr brauchen, dorthin wo er ging...
--- bei den Arrestzellen
Obwohl Silvana die ganze Zeit über an nichts Anderes hatte denken können als ihre nächsten Mußestunden mit Stormy Clouds in ihrem Quartier zu verbringen, hatte es sie magisch zu den Arrestzellen gezogen.
Sie wollte zu ihrer Befriedigung einmal den Mann sehen, dem es am heutigen Tag noch schlechter ging als ihr. Marok Dudras.
"Na, scheint ja dein absoluter Pechtag zu sein, mein Lieber", spottete sie, kaum daß sie den Raum betreten hatte. Marok Dudras sah ihr aus Arrestzelle 2 haßerfüllt entgegen, machte aber nicht den Fehler, das Energiefeld prüfen zu wollen.
"Was willst du noch? Du hast bereits alles was du willst, also verschwinde!" Seine hellgrauen Augen sahen sie zornig an. Er wußte sehr genau, wem er diese Inhaftierung zu verdanken hatte und auch die Tatsache, daß er sich an Bord der Go'Tschnargh nicht mehr blicken lassen konnte.
"Wer linke Geschäfte macht, der muß auch bereit sein, dafür zu bezahlen, mein Süßer", meinte sie bloß und ihr Blick blieb einen Moment auf den Schwimmhäuten seiner Hände hängen. Ein Zaldianer also...
Normalerweise wäre sie bei dieser Art der Behandlung einfach gegangen, ohne sich noch einmal umzusehen, doch irgend etwas hielt sie davon ab. Nachdenklich ging sie zu seinem Gefängnis und sah ihn an. In ihrem Unterbewußtsein schien irgend etwas zu sein, daß auf ihn ansprach. Aber sie wußte es einfach nicht zu deuten. Seine Nähe schien ihn zu elektrisieren. Ihr ganzer Körper kribbelte plötzlich.
"Du weißt noch nicht alles..." Wie eine Raubkatze strich sie an seinem Gefängnis vorbei und ließ ihn dabei keinen Moment aus den Augen. "Ich hab dein Leben gerettet, als ich dich hierher beamte. Wir haben nämlich deinem Captain ein kleines Geschenk zukommen lassen. Im Ausgleich dafür, daß er uns mit der Tarnvorrichtung fast in die Luft gesprengt hat und uns in die Vergangenheit schickte.
Aber das tut jetzt nichts zur Sache", wehrte sie weitere Vorstöße von seiner Seite aus ab und blieb direkt vor seiner Zelle stehen. "Was würdest du tun, wenn ich dich jetzt frei lasse?"
--- Shuttle Braktor
Delmok saß am Steuer seines kleinen Shuttles und wußte nicht genau, was er denken sollte. Sein überaus komplexer Plan war eigentlich voll aufgegangen. Kein Wunder eigentlich, feilte er doch schon seit Jahren daran. Und nun endlich hatte alles gepaßt.
Vor nun vierzehn Jahren hatte er eine kleine Subraumbombe erworben, die ein instabiles Wurmloch im Raum/Zeit-Kontinuum erzeugen würde. Mit deren Hilfe wäre es möglich gewesen, ein mittelgroßes Raumschiff in die Vergangenheit zu schicken. Damals schon reifte in ihm der Plan, die Vergangenheit so zu modifizieren, daß es zwischen der Föderation und den Klingonen keinen Friedensvertrag geben würde.
In dem Fall rechnete er sich horrende Gewinne aus, denn jeder Krieg bedeutete für einen geschickten Händler eine Goldgrube, wenn er an beide Seiten Waren lieferte und dabei keiner Seite einen entscheidenden Vorteil einräumte.
Siehe Erwerbsregel 35.
Zuerst wollte er persönlich in die Vergangenheit reisen, um den Vertrag zu torpedieren. Aber die Aussicht, nicht mehr zurückkehren zu können, gefiel ihm nicht sonderlich.
Auch war sein Wissen um die Börsenkurse der nächsten Jahre nicht sonderlich wertvoll, denn wenn sein Plan aufging, würden sich die Börsen vollkommen anders verhalten. Aus diesen Gründen beschloß er schließlich, nicht selber zu gehen, sondern einen Strohmann einzuspannen.
Aber wie sollte er sicher gehen, daß dieser Strohmann sein Leben für seinen Plan riskierte? Nun, am Einfachsten war es, ihn davon zu überzeugen, daß er das Richtige tat. Am Besten wäre es dann noch, wenn der Strohmann glaubte, der ganze Plan stammte von ihm.
Dieses Vorhaben kostete ihn fast zehn Jahre seines Lebens. Vor vier Jahren hatte er den Vulkanier dann endlich durch subtile Manipulationen soweit gebracht, daß er felsenfest an einige Geschichtsdaten glaubte, die Delmok ihm vorgegaukelt hatte.
Danach mußte noch ein passendes Schiff für seinen Strohmann gefunden werden. Als ihm diese Norway angeboten wurde, war ihm sofort klar, daß sie genau das richtige Schiff für eine kleine Zeitreise wäre: Nicht zu groß, als daß sie bei der Reise auseinandergerissen werden würde.
Kampfstark genug, um eine bewaffnete Auseinandersetzung lange genug durchzuhalten, daß sie in die Annalen eingehen würde.
Und vor allem: Es war ein Föderationschiff!
Den passenden Käufer zu finden, hatte sich als wesentlich schwieriger erwiesen. Aber dieser Szelesem hatte alle seine Kriterien erfüllt: Er suchte ein Schiff, schaute nicht zu sehr auf die Gerechtigkeit, und war vor allem nicht zu intelligent.
Natürlich wäre er mißtrauisch geworden, wenn Delmok ihm ein komplett restauriertes Schiff zu einem derart günstigen Preis überlassen hätte, deshalb reparierte er es notdürftig, so daß immerhin die Chance bestand, daß der neue Besitzer die Reise zu seinem ersten Ziel schaffte: Zu einem Ort, wo er sowohl die Besatzung rekrutieren als auch das Schiff reparieren konnte.
Einem Ort, wo seit ein paar Monaten ein gewisser Vulkanier so hart arbeitete, daß er sicher jede Gelegenheit ergreifen würde, eine andere Arbeit anzunehmen.
Ein Ort, der in mehreren "geheimen" Nachrichten genannt wurde, die Delmok schon zu Zeiten abgeschickt hatte, als er den Anticaner noch nicht einmal gesehen hatte - Delmok hatte dutzende Nachrichten verfaßt, die sein Opfer so lenkten, daß er glauben mußte, selber alle Entscheidungen zu treffen.
Als der Anticaner anfing, sich tatsächlich für das Schiff zu interessieren, startete Delmok de zweite Stufe seines Planes: Er kontaktierte den Händler Oly, den Szelesem als zuverlässigen Geschäftspartner kannte. Diesem verkaufte er eine Tarnanlage, die mit einer gewissen kleinen Subraumbombe gekoppelt war. Sobald die Sensoren der Bombe meldeten, daß Warpgeschwindigkeit erreicht war, zündete die Bombe.
Und dieser komplexe Plan hatte tatsächlich funktioniert.
Bis auf die Tatsache, daß Delmok sich die Auswirkungen anders vorgestellt hatte. Die Privateer mußte schon lange auf Warp gegangen sein, aber es war noch keine Änderung zu sehen.
Wenn er logisch darüber nachdachte, kam er zu dem Schluß, daß er die Auswirkungen gar nicht bemerken würde. Er würde einfach als steinreicher Händler auf einem Berg Latinum sitzen und sich freuen, daß zwei galaktische Imperien so rückständig waren, daß sie gegeneinander Krieg führten und ihr Bruttosozialprodukt bei ihm ablieferten.
Aber er saß immer noch als nicht-ganz-so-steinreicher Händler in einem kleinen Shuttle und begann an seinem Marauder anzudocken.
Bedeutete das, daß dieser neunmalkluge theoretische Physiker, mit dem er vor einiger Zeit geredet hatte, mit seinem Geschwafel über Wahrscheinlichkeitsebenen und Zeitlinien wirklich recht hatte?
Hatte der Delmok einer anderen Dimension fürchterlich große Gewinne gemacht, während der Delmok dieser Dimension die ganze Arbeit hatte?
Der Ferengi wurde langsam wütend.
Hatte vielleicht der Vulkanier versagt?
Hatte man gar seinen Plan durchschaut?
Hm - das war sogar möglicherweise herauszubekommen. Sollte die Privateer den Weg zurück schaffen, hatte man seinen Plan wahrscheinlich durchschaut. Glücklicherweise würde es fast unmöglich sein, die Spuren zu ihm zurückzuverfolgen, da er nirgendwo offen aufgetreten war.
Delmok beschloß, die Augen offen zu halten und all seine Kontaktleute anzuweisen, ihn sofort zu benachrichtigen, wenn irgendwo eines der Mannschaftsmitglieder der Privateer oder gar dieses Schiff selber auftauchte...
--- Brücke
Slade setzte sich in seinen Sessel, und erkundigte sich bei seinem Navigator, welchen Kurs er gewählt hatte.
Hm - Starbase 10...
Dagegen war prinzipiell nichts einzuwenden, aber Slade bezweifelte, daß er dort genügend Leute anheuern konnte. Schließlich hatte er auf dieser Mission eine sehr gute Pilotin, einen Wissenschaftler und eine ganze Horde Techniker verloren.
Er erinnerte sich an seinen alten Freund Monserat und seine Gewohnheit, nach jeder Reise die komplette Mannschaft auszutauschen. Vielleicht würden dabei ein paar interessante Leute für ihn abfallen - Nieten nahm der Erdling schließlich nicht auf.
Und zudem trieb er sich meistens in dieser Ecke des Raumes herum. Zu Miss Kommunikation gewandt, sagte er deshalb: "He, Tussi. Ich brauche eine Subraumverbindung zu einem bajoranischen Frachter namens Ivory. Mir egal, wie du anstellst, ihn zu finden. Ich will nur die Verbindung."
Anschließend aktivierte er seinen Communicator: "Slade an Silva. He, das war gute Arbeit eben. Darfst dir was wünschen. Ich sehe, daß das Schiff sich nicht getarnt hat und immer noch am gleichen Fleck sitzt. Die scheinen arge Probleme zu haben.
Hab ich das eben richtig mitbekommen, daß wir jetzt einen Gefangenen an Bord haben? Nein - falsch. DU hast einen Gefangenen. Laß mich bei Gelegenheit wissen, was du mit ihm angestellt hast, ja? Slade Ende."
Nach ein paar Minuten meldete die Kommunikation, daß die Verbindung zur Ivory hergestellt wäre.
Mit den Worten: "In meinen Bereitschaftsraum legen" ging der Captain von der Brücke.
--- Bereitschaftsraum des Captains
Monserat schien sich ehrlich zu freuen, Slade wiederzusehen, und die beiden kamen schnell überein, sich in einer Woche auf DS4 zu treffen. Diese Station lag etwa in der Mitte zwischen den momentanen Positionen der beiden Schiffe.
Slade freute sich: Zwei Fliegen mit einer Klappe: Qualifizierte Ergänzung seiner Besatzung und die Aussicht, nach intensiven Gesprächen mit seinem Freund einige Haarbüschel zu verlieren...
Zum ersten Mal, seit er die Privateer gekauft hatte, freute sich Slade wirklich.
--- bei den Arrestzellen
"Was ich tun würde, wenn du mich jetzt hier raus läßt?", fragte der Zaldianer sichtlich wütend zurück. "Rat mal... Ich kann dir schon jetzt sagen, daß es sehr ungemütlich für dich werden würde." Seine Augen funkelte sie an, als ob sein Blick allein sie töten sollte.
"Für mich? Das glaubst du doch selbst nicht." Silvana lachte hell auf. Der Gefangene war nicht nur wahnsinnig von sich eingenommen, sondern er schien sich eine reelle Chance auszurechnen einen Kampf gegen sie zu gewinnen. Daß sie keine gewöhnliche Frau war, schien ihm dabei völlig entgangen zu sein. Ihre gelben Augen kamen nicht von ungefähr. "Dein Glück, daß du dem Captain unterstehst...."
"Ich bin... Träger des Elp!", verkündete er ihr sichtlich stolz, hoch erhobenen Hauptes.
"Und? Mich würde es auch nicht beeindrucken, wenn du einen Caldonier mit dir rumträgst." Silvana sah ihn von oben bis unten an und stellte fest, daß ein Kampf mit ihm sie reizen würde. Er würde kein einfacher Gegner sein, doch sie hatte den Vorteil auf ihrer Seite. Katzenhafte Reflexe und keine Angst vor dem Tod.
"Slade an Silva. He, das war gute Arbeit eben. Darfst dir was wünschen. Ich sehe, daß das Schiff sich nicht getarnt hat und immer noch am gleichen Fleck sitzt. Die scheinen arge Probleme zu haben.
Hab ich das eben richtig mitbekommen, daß wir jetzt einen Gefangenen an Bord haben? Nein - falsch. DU hast einen Gefangenen. Laß mich bei Gelegenheit wissen, was du mit ihm angestellt hast, ja? Slade Ende."
Wäre Silvana auch nur annähernd dem Tier ähnlich gewesen, das in ihrem Inneren tobte, dann hätte man sagen können, daß sie nun die Lefzen hob und bleckte, als sie ihren Gefangenen anlächelte.
"Du hast gehört, was der Captain gesagt hat. Ich kann tun und lassen was auch immer ich mit dir möchte."
"Dann tu es doch", forderte er sie auf und zeigte sich nicht im Mindesten davon beeindruckt. Das gefiel Silvana mehr als sie zugeben wollte. Sie war noch nicht vielen Männer wie ihm begegnet. Eigentlich noch gar keinem.
"Computer deaktiviere das Sicherheitsfeld vor Zelle 2! Silvana Sicherheitscode....", befahl sie mit energischer Stimme dem Computer.
Als hätte er nur auf die Gelegenheit gewartet, hechtete Marok ins Freie auf Silvana zu. Nur hatte diese mit einem solch unüberlegten Angriff gerechnet und rollte sich zur Seite, während sie seinen Schwung benutze um ihn zu Fall zu bringen. Sofort sprangen beide wieder auf die Beine. Dann maßen sie sich wie zwei Kampfhähne. Jeder versuchte den ersten Schritt des anderen vorherzusehen und schneller zu reagieren.
Marok griff erneut an und verfehlte Silvana nur knapp, die plötzlich ziemlich abgelenkt war. Sein Angriff hinterließ einen kleinen blutigen Schnitt auf ihrem Brustansatz. Sofort wischte Silvana das Blut mit dem Zeigefinger weg und leckte sich danach den Finger.
"War das alles was du zu bieten hast?", forderte sie ihn offen heraus und provozierte einen weiteren Angriff.
Danach ging alles blitzschnell und Silvana wich ständig geschickt aus. Aber schließlich wurde ihr das Spielchen zu lästig und sie ging ihrerseits zum Angriff über. Dabei versetzte sie ihm in einem günstigen Augenblick einen Schlag gegen die Schläfe, der ihn taumeln ließ.
Sofort nutzte sie die günstige Chance und warf ihn zu Boden. Er versuchte sich noch auf sie zu rollen und die Kontrolle über sie zu bekommen, doch sie war schneller. Als sie über ihm war und über Leben und Tod zu entscheiden hatte, zögerte sie plötzlich. In seinen Augen glomm ein Feuer, das nicht allein von Wut oder Niederlage gezeichnet war.
"Du bist gut. Sehr gut sogar", meinte sie anerkennend zu seinem Kampfstil und ließ ihn dabei nicht mehr aus den Augen. "Aber bist du in allem so gut?" Dann folgte sie ihrer inneren Stimme und sie senkte ihre Lippen spontan auf die seinen. Er quittierte diesen Angriff mit einem gedrungenen Stöhnen, dem Worte wie "...nicht!... meine Phase..." folgten.
Dann entbrannte wieder ein Kampf zwischen den beiden ungleichen Kontrahenten. Diesmal aber ein Kampf, den beide nur verlieren konnten. Zwischen ihnen entstand plötzlich eine Hitze, als würde der ganze Raum in Flammen stehen. Dabei waren es nur ihre nach Liebe ausgehungerten Körper, die Funken schlagen zu schienen, wenn sie sich an einander rieben.
Silvana fuhr mit ihrer Hand in sein Haar, um dann seinen Kopf an den Haaren mit Gewalt in den Nacken zu zwingen und ihn erneut leidenschaftlich zu küssen. Ihre Zunge umtanzte dabei die seine und schien ihn unter Strom zu setzen. Sie wußte nicht warum, doch der Zaldianer schien plötzlich total wehrlos gegen den Ansturm ihrer Weiblichkeit zu sein.
Seine Hände glitten suchend und voll Verlangen über ihren weichen makellosen Körper. Den Körper der Frau, die er vor kurzem liebend gerne noch ohne zu zögern mit bloßen Händen getötet hätte. Doch nun war er ihr und ihrer Weiblichkeit auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Er hatte nicht den Hauch einer Chance. Seine Phase hatte begonnen und mit ihr würde ihn sein Trieb um den Verstand bringen, wenn er ihn nicht befriedigte.
Die Frau mit den gelben Augen war eine Tigerin und doch würde er sie bezwingen. Seine Phase machte ihn zu mehr Mann als jede Frau ertragen konnte. Was er nicht wußte war, daß die gelben Augen der Frau ein deutliches Anzeichen dafür waren, daß sie in jedem Sinne nicht gewöhnlich war. Die Paarungszyklen ihrer eingekreuzten Raubtier-Spezien ging fast nahtlos in einander. Und sie war nicht nur im Kampf eine Tigerin, sondern auch bei der Paarung.
Silvana wehrte sich nicht, als er ihre Brust aus ihrem engen Gefängnis befreite und ihr das Oberteil fast brutal vom Leib riß. Seine Kraft und Stärke, die nicht mehr seiner Kontrolle zu unterliegen schien, erregte sie mehr als sie je zugeben würde. Auch, daß er scheinbar nur mehr ein einziges Ziel kannte. Sie zu besitzen.
Wie zwei wilde Tiere rollten sie über den Boden und schürten das Feuer, bis es sie beinahe von innen verzehrte. Schon lange spürte Silvana, daß er mehr als nur erregt war. Die Biß- und Kratzwunden, die sie ihm zufügte, schienen ihn dabei nur noch mehr anzustacheln. Er schien bereits so erregt zu sein, daß seine Erregung ihn zu schmerzen begann. Sofort half sie ihm sich seiner Kleidung zu entledigen.
Er war gut gebaut. Braun gebrannt, durchtrainiert und muskulös. Sie bereute keinen Moment seine Gefangennahme, als ihr Blick sehnsüchtig über seinen nackten Körper glitt und bei seiner imposanten Männlichkeit verweilte.
"Ich will dich", stieß Silvana keuchend hervor, während sich auf seiner Stirn bereits kleine Schweißperlen gebildet hatten. Ohne Umschweife brachte sie ihn mit einer geschickten Rolle auf dem Rücken zu liegen und hockte selbst über ihm. "Und zwar jetzt!"
Der gurgelnde Schmerzenslaut, der sich seiner Kehle entrang, als sie dabei gegen seine Männlichkeit stieß, erregte sie noch mehr und stellte ihre Nackenhärchen auf. Hätte er in diesem Moment nicht ihren Slip gepackt und ihr vom Leib gerissen, hätte sie es ohne zu zögern selbst getan, nur um ihn noch näher als nah zu sein.
Ihre Blicke versanken in einander und es schien, als würden sich beide dafür hassen was sie taten und aber nicht für ihre Taten verantwortlich sein. Als würden sie von einer fremden Macht gesteuert und hätten keinerlei Einfluß auf ihren Trieb. Könnten sich nicht wehren und wären einfach nur mehr Sklaven ihrer Lust. Geboren, um sie in einem immerwährenden Kreislauf zu befriedigen.
Bald verloren sie jedes Gefühl für Zeit und Raum und tauchten ein in ein Meer aus Sinnlichkeit, Extase und grenzenloser Lust. Waren wie wilde Tiere. Verschmolzen zu einer Bewegung. Waren eine Einheit. Ein Gedanke.
Als sie das erste Mal explodierten, schlug eine in allen Farben schillernde Woge über ihnen zusammen, die ihnen den Atem raubte, aber erst der Anfang von dem sein sollte, was in den nächsten Stunden noch auf sie zukommen sollte.
--- Krankenstation
Kargan war gerade dabei, T'Pakus Fortschritte zu begutachten. Auf diesem Schiff hatte er einfach keine Möglichkeit, eine adäquate Prothese anzufertigen, aber auf einer Raumstation würde man das sicher nachholen.
Da die Wunde bereits zugeheilt war, bestand seine einzige Aufgabe zur Zeit darin, diese Tatsache der verstörten Vulkanierin beizubringen. Deshalb sprach er gerade mit ihr.
"Wissen Sie, bei uns Klingonen ist es in solchen Fällen üblich, den Patienten unauffällig sterben zu lassen."
Die weit aufgerissenen Augen der zart gebauten Frau übersah der Chefarzt und redete ungerührt weiter: "Da man mit nur einer Hand nicht mehr vernünftig kämpfen kann, ist man in dem Moment kein nützliches Mitglied der Gesellschaft mehr.
Würde man einen solchen Klingonen weiterleben lassen, hält er entweder den zuständigen Arzt davon ab, Leute zu behandeln, die im Kampf wesentlich größere Überlebenschancen haben, oder er fällt den Kriegern zur Last, die sich durch eine solche Schwächung in den eigenen Reihen nicht mehr voll auf das Kämpfen konzentrieren können.
Sie sind Vulkanierin und sehen sicher diese Logik ein. Haben Sie noch einen letzten Wunsch?"
Psychologie war noch nie die Stärke des Klingonen gewesen. Trotzdem kam er meistens mit seiner etwas brutalen Art durch.
Der Verstand der Vulkanierin lief auf Hochtouren, wie man an den feinen Schweißperlen an ihrem Haaransatz erkennen konnte. Dann erwiderte sie: "Rein logisch betrachtet, kämpft ein Krieger mit einer Prothese wesentlich besser als eine Leiche. Ihre Logik ist offenbar sehr auf Ihr eigenes Volk beschränkt. Zudem bin ich keine Kriegerin, sondern Technikerin."
"Ein Klingone mit einer Prothese ist ein Krüppel und kein Krieger mehr! Bei anderen Rassen sieht das schon anders aus, da werden solche Ersatzglieder eher akzeptiert, da haben Sie schon Recht.
Aber eine solche Prothese ist technologisch gesehen ein Wunderwerk, und Sie können nicht erwarten, daß ich den Replikator anwerfe, und eine für Sie maßgeschneiderte Hand erscheint.
Ja, wenn wir auf einer Raumstation wären..."
T'Paku warf ein: "Aber wir fliegen doch gerade zu einer Raumstation, oder? Warum kann ich denn dort keine Prothese bekommen?"
Kargan tat so, als ob er nachdenken müßte. Dann antwortete er: "Vielleicht haben Sie recht. Obwohl ich mit dem Captain reden muß, schließlich können Sie nicht verlangen, für Ihre Zeit auf der Krankenstation auch noch bezahlt zu werden. Aber ich denke, daß wir Ihre Exekution noch einmal aussetzen können.
Mit diesen Worten erhob sich der Klingone und schaute zum Eingang der Krankenstation. Ihm war, als hätte er die Tür gehört. Aber offenbar war niemand gekommen.
Kargan schaute auf Raschkralles Leiche und dachte: 'Hoffentlich kommt Jean-Luc bald. ICH will diese Sauerei jedenfalls nicht aufwischen!'
In diesem Moment öffnete sich wie auf ein Stichwort die Tür, der gewünschte Roboter trat ein und ging auf den Chefarzt zu. "Dr. Kargan! Ich bin so schnell gekommen wie es mir möglich war. Sie sagten, Sie hätten eine erfreuliche Überraschung für mich!
Was ist es? Bitte sagen Sie es mir! Ich bin schon ganz gespannt, was Sie sich für mich ausgedacht haben!"
Der Klingone grinste das Lächeln, das er sich von Slade abgeschaut hatte und schaute nach unten. Der Roboter folgte diesem Blick und registrierte Blut, eine Leiche und viele Haare.
Nach einer etwa zweisekündigen Pause ruckte der Kopf wieder nach oben und Jeans Stimme fragte beleidigt: "Und das soll eine erfreuliche Überraschung sein?"
Mit dem gleichen Lächeln wie zuvor antwortete Kargan: "Natürlich. Es ist eine Überraschung, weil du nie damit gerechnet hättest, hier eine weitere Leiche aufwischen zu dürfen. Und erfreulich ist es auch. Schließlich freut sich hier jeder, wenn es hier endlich sauber wird. Also halt dich ran!"
Damit wandte sich der Arzt ab und baute sich vor Narbos Krankenbett auf.
"So, und nun zu Ihnen! Wie möchten Sie weiter behandelt werden? Entweder Sie bleiben hier und lassen sich von Mama Entenburg füttern, oder Sie öffnen wieder Ihre Bar und lassen sich zwei mal täglich hier sehen.
Im Vertrauen: Ich an Ihrer Stelle würde nicht hier bleiben. Wenn der Captain mitbekommt, daß Sie seine Pilotin auf dem Gewissen haben, und er dafür von Ihnen noch nicht einmal ein Bier bekommt, könnte er etwas anderes von Ihnen wollen.
Sagen Sie, wußten Sie, daß Anticaner gerne lebende Tiere essen? Ich habe auch schon gehört, daß intelligentere Tiere verspeist worden sind..."
Immer noch geistig abwesend, starrte Narbo den Klingonen verständnislos an. Kein Silbe kam über seine Lippen, kein provokanter Blick war in seinen Augen. Nur Leere die aus ihm sprach. In seinem Inneren war ein Teil, der gerne geantwortet hätte: "Dann kann ihnen als Klingone ja nichts passieren!"
Aber dieser Teil hatte nicht die Oberhand. Statt dessen lag etwas wie ein Schleier über seiner Wahrnehmung und seinem Ausdruck. Wie ein Filter. Noch wußte Narbo nicht, was es war und wo es herkam, aber etwas war IN ihm. Etwas Fremdes und es wurde immer stärker, daß fühlte Narbo, während das Bewußtsein des Ferengi kühl und berechnend verdrängt wurde.
Langsam stand der Ferengi auf und ging, ohne irgendeine Reaktion auf Kargan gezeigt zu haben, zur Tür, aber es war nicht mehr Narbo, es war schon längst eine andere Macht....
Kargan sah dem Ferengi besorgt nach. Narbo war schließlich kein Profikiller und stand deshalb wahrscheinlich noch unter dem Einfluß des schockierenden Ereignisses, ein Leben ausgelöscht zu haben. Am Liebsten hätte der Arzt seinen Patienten noch unter Beobachtung behalten, aber er konnte es sich gut vorstellen, wie es in ihm gerade aussah.
Eine monotone Krankenstation, eine nur vom leisen rhythmischen Piepen diverser medizinischer Geräte unterbrochene Stille - da blieb es gar nicht aus, wenn man ständig seinen Gedanken nachhing. Wesentlich bessere Genesungschancen rechnete sich Kargan aus, wenn der Barmann wieder in der Bar stand, und er vor lauter Trubel kaum zum Nachdenken kam.
Diese Einschätzung gab er zu Protokoll und informierte danach umfassend den Captain. Anschließend begann er, die Krankenakten nachzutragen, die in der letzten Zeit liegengelieben waren.
Er mußte an Isabel, seine erste große Liebe denken. Sie hatte ihm damals auf der Sternenflottenakademie gesagt, daß sie niemals Leiterin der Krankenstation werden wollte, weil sie diesen ganzen Papierkrieg haßte. Er hingegen war der Ansicht gewesen, daß man sich als Leiter die wirklich interessanten Fälle herauspicken könnte, während man 'Standarderkrankungen' an die untergebenen Ärzte abgeben könnte.
Heute wußte er, daß sie vollkommen Recht gehabt hatte, und fragte sich, was sie wohl gerade machte, und ob sie mit ihrem neuen Partner wohl glücklich war...
--- Krankenstation, drei ereignislose Tage und unzählige Krankenakten später
Kargan hatte sich fest vorgenommen, in Zukunft die Akten sorgfältiger zu führen, denn einen solchen Marathon aus Im-Gedächnis-Kramen, Daten-Aufschreiben, Falsche-Daten-Löschen, Daten-Neu-Eingeben und so weiter wollte er kein weiteres Mal durchmachen.
Die einzige Person, die ihm jetzt noch Sorgen bereitete, war Narbo, der sich immer noch wie eine Marionette bewegte und bei dem Kargans' Freiheitskur' bisher kein bißchen angeschlagen hatte.
Es war eher noch schlimmer geworden, der Ferengi bewegte sich irgendwie ... ferngesteuert.
Der Doktor kam zu dem Entschluß, daß in diesem Fall ein Psychologe unabdingbar war. Aufseufzend betätigte er seinen Communicator: "Kargan an Ruiq!"
... (Stille)
"Kargan an Ruiq?"
... (noch mehr Stille)
"Computer, wo hält sich Ruiq zur Zeit auf?"
*tüdeldidüt* "Besatzungsmitglied Ruiq befindet sich auf Deck 8, Shuttlerampe"
"Hm", knurrte der Klingone, schnappte mit einer bösen Vorahnung vorsichtshalber seine Arzttasche und begab sich dorthin.
--- Shuttlerampe
"Ruiq?" Kargans laute Klingonenstimme schallte durch den ganzen menschenleeren Hangar. Eine Antwort bekam er nicht. Schnell griff er nach seinem medizinischen Tricorder und ging den dort angezeigten Lebenszeichen nach.
Als er um die Kyoto, einem der Peragine Raiders, herumgegangen war, bemerkte er ein großes, eiförmiges ... Ding, das sich genau zwischen der Kyoto und der Marseille auf dem Boden festgeklebt hatte.
Dieses Ding ähnelte einem Kokon, nur war dieser laut Tricorder genau 2 Meter 12 hoch.
Kargan überlegte, ob er nähere Untersuchungen vornehmen sollte. Seiner Meinung nach hatte dieses Ding Ruiq irgendwie geschluckt, vielleicht war es sehr gefährlich. Wenn der Arzt nun zu dicht heranging, würde es vielleicht auch ihn verschlucken, noch größer werden und nach und nach die gesamte Mannschaft verzehren. Das war zwar unwahrscheinlich, aber Kargan wollte auf Nummer Sicher gehen.
Deshalb errichtete er zunächst ein Quarantänefeld um die Shuttlerampe, und verständigte anschließend die Sicherheit. Diese durfte zwar wegen der Quarantäne die Rampe nicht betreten, konnte ihn so aber wenigstens per Video überwachen und im Falle eines Unfalles geeignete Maßnahmen ergreifen. Ihm würden diese Maßnahmen zwar wahrscheinlich nicht mehr helfen können, aber sein Nachfolger konnte damit auf seinen Erfahrungen aufbauen.
Danach ging der Arzt langsam auf den Kokon zu und behielt die Tricorderanzeigen im Auge. Es handelte sich eindeutig um eine Lebensform, jedoch war in der medizinischen Datenbank keine Information zu finden, welche Rasse sich auf diese Weise entwickelte.
Die beiden Rassen, deren Kokons eine gewisse Ähnlichkeit mit diesem aufwiesen, waren nicht dazu in der Lage, Kargan zu beruhigen. Er wollte weder einen naranischen Wasserdrachen, noch eine fligelianische Sarampa an Bord dieses Schiffes haben.
Trotzdem waren seine Nachforschungen teilweise von Erfolg gekrönt, denn offenbar gab es kein Wesen, das während seiner Verpuppungsphase zu aggressiven Handlungen fähig war. Deshalb würde die Sicherheit keine Probleme haben, diesen Kokon vom Schiff zu entfernen, wenn auch nur der geringste Verdacht bestand, es könnte sich daraus etwas Bedrohliches entwickeln.
Nachdem der Klingone ein paar DNS-Proben der steinharten Oberfläche abgekratzt, und der Tricorder keine ungewöhnlichen Mikroben in der Shuttlerampe entdeckt hatte, wies er den Computer an, das Quarantänefeld so zu verkleinern, daß lediglich die beiden Raiders und der Kokon damit eingeschlossen wurde.
Danach erst fiel den vom wissenschaftlichen Eifer getriebenen Arzt wieder ein, warum er eigentlich hier war. War Ruiq noch zu retten? Lebte er überhaupt noch? Kargan bezweifelte es, denn der Tricorder hatte keines der für Ruiq typischen Biosignale empfangen.
Der Klingone knurrte. Es war kein ehrenhafter Tod, von einer gefräßigen Raupe, die sich anschließend verpuppte, verspeist zu werden.
Wütend machte er sich auf den Weg in die Krankenstation, wo er die DNS untersuchen wollte. Vorher informierte er noch den Captain über den wahrscheinlichen Verlust des Bordpsychologen, was dieser mit einem ebenfalls wütenden Knurren zur Kenntnis nahm.
--- Krankenstation, eine Stunde später
Der Computer hatte die Untersuchung der Gensequenzen beendet, und in Teilen eine leichte Übereinstimmung mit einer weniger bekannten Rasse gefunden. Die DNS war zum Teil ... kalconisch. Wie konnte das sein? Kargan überlegte, was er eigentlich über Kalconier wußte und stellte fest, daß es viel zu wenig war.
--- Krankenstation, eine weitere Stunde später
Nach einem intensiven Studium des kalconischen Wesens war Kargan sich nun sicher, zu verstehen was gerade passierte. Ruiq machte offenbar seine Metamorphose durch. Nach dieser Phase würde nichts mehr an den kindlich kleinen Psychologen erinnern. Kargan war einerseits traurig, weil er Ruiq nun nie mehr wiedersehen würde, freute sich jedoch andererseits darauf, die neue Form des Psychologen kennenzulernen.
Schließlich würde das Wesen Ruiqs weiterleben, auch wenn sich seine äußere Form veränderte. Ruiq würde immer Ruiq bleiben - sanft, hilfsbereit und einfach nur nett.
Kargan war froh, dem Captain melden zu können, daß seiner Meinung nach von dem Kokon absolut keine Gefahr ausginge.
Danach spekulierte er noch ein wenig darüber, welche Rasse Ruiq als seine endgültige Form auserkoren hatte, gab aber schnell auf. Der einzige Anhaltspunkt war die Körpergröße, und nach der kamen etwa 17832 Rassen in Frage. 17832 Rassen, deren durchschnittliche Körpergröße mehr als 2,12m betrug.
Man konnte eigentlich gar nichts ausschließen, dafür wußte man einfach zu wenig über die Kalconier. Selbst Wesen, die unter Wasser lebten, waren nicht ausgeschlossen, da Kargan es Ruiq ohne weiteres zutraute, die Gene der Zielrasse zu verändern.
Vielleicht fand er deshalb keine Übereinstimmung in der Gendatenbank...
--- Shuttlerampe, 4 Tage später
Als Ruiq nach einer Woche, die ihm wie ein Moment schien, aus seiner Metamorphose erwachte, herrschte Stille und tiefe Einsicht in seinem Wesen. Er fühlte sich wohl und ausgeglichen, so als wäre er neugeboren worden. Als wäre jede Last im Laufe der Verwandlung vom ihm abgefallen und plötzlich nicht mehr Realität.
Da war kein Schmerz, keine unendliche Leere und Traurigkeit, keine Erinnerung an die schrecklichen Vorfälle auf der Krankenstation, sondern nur der tief verwurzelte Wunsch nach Freiheit und den Weiten des Weltalls. So als würde es ihn rufen und als würde sich sein Innerstes danach sehnen, diesem Ruf zu folgen.
Es kostete Ruiq viel Überwindung, diesem Ruf nicht gleich zu folgen, sondern zuerst alles abzuschließen, was in seinem letzten Leben noch offen war. Denn in Wirklichkeit verband ihn nichts mehr mit diesem Leben. Auch nichts mehr mit dem Kalconier, der er einst war.
Bis auf sein Wissen, daß er die Transformation überstanden hatte.
Und seinen Freund...
Der kleine Kalconier fühlte sich wie auf einer Wolke. Schwerelos, leicht schwebend und doch stark und voll Kraft. Nun sah und fühlte er alles ganz anders. Körperlicher. Tief in seinem Geiste.
Ruiq fühlte sich lebendiger als je zuvor in seinem Leben. Und er fühlte auch, daß es nun an der Zeit war, seinen Freund Anturios zu verständigen, der ihn sicher schon vermißt hatte und sich Sorgen um seinen Verbleib gemacht hatte, als er unauffindbar war.
Mit einem Anflug von Bedauern dachte er daran, daß er seinen Freund von seiner bevorstehenden Verwandlung nicht informiert hatte, doch dann dachte er nicht mehr daran. Zu groß und wundervoll war das Ereignis, das bereits geschehen war und die Zukunft, die nun vor ihnen lag.
Ein leichtes Rütteln und Vibrieren ging durch Ruiqs neuen Körper. Die harte Außenschale des Kokons zeigte bald leichte Risse. Binnen kurzer Zeit wurden die Risse größer und tiefer. Ruiq spürte, daß dieses Schauspiel beobachtet wurde und er große Aufmerksamkeit erregte, doch es war ihm egal.
Weiter bemühte er sich, sein Gefängnis zu sprengen um endlich ganz frei zu sein. Die Risse liefen zusammen und einige Stücke fielen einfach ab. Noch einmal nahm Ruiq alle seine Kraft zusammen und dehnte sich mit Gewalt aus. Es gab ein Ächzen und Krachen, als er die Außenhülle endlich absprengte und sie in tausend Stücke zersprang.
Die Zeit der Wende hatte begonnen....
'Anturios, hörst du mich? Ich bin wieder da. Komm bitte in die Shuttlerampe. Ich habe eine große... sehr große Überraschung für dich.' Innerlich lächelte Ruiq darüber, wie wohl Anturios bei seinem Anblick reagieren würde.
Und dann stand ihnen nichts mehr im Wege. Sie würden für immer zusammen sein...
--- Brücke, inzwischen
Mit einem undefinierbaren Gesichtsausdruck stand Silvana auf der Brücke und beobachtete ihre Instrumentenanzeigen. In letzter Zeit liefen die Dinge nicht so, wie sie laufen sollten. Deshalb stand sie auch wieder mal hier, statt das Schiff mit ihrer Anwesenheit zu verunsichern.
Marok Dudras war als Liebhaber ein Tier und durch seine Gefangenschaft völlig in ihrer Hand. Trotzdem hatte sie ihn nach der einen Nacht bei den Arrestzellen nicht mehr aufgesucht. Irgend etwas sträubte sich in ihr, ihn noch einmal wiederzusehen. Sie hatte bereits Anweisung gegeben, ihn auf DS4 freizusetzen und seines Weges gehen zu lassen. Er war ohne jede Bedeutung für sie.
Und das sollte auch in Zukunft so bleiben. Gefühlsdusselei konnte sie sich nicht leisten. Ein Mann wie er an ihrer Seite machte sie verwundbar und solche Schwachstellen merzte sie unerbittlich aus.
Nur ein Kämpfer ohne Schwäche konnte dem Tod ins Auge sehen und ihm entgegentreten.
Der kleine Kalconier Ruiq war seit einiger Zeit von der Bildfläche verschwunden und laut Kargan als eine Art Kokon kurz darauf wieder aufgetaucht. Zuerst hatte er die ganze Sicherheit des Schiffes mit seiner Vorsorge verrückt gemacht und nun wurde das eigenartige Ding auf der Shuttlerampe doch nur mehr beobachtet.
Aber immerhin war der Kokon bereits so gewachsen, daß sie die Peregrine Riders zur Seite hatten räumen müssen um eine Kollision zu vermeiden. Was immer auch aus dem Kalconier heranwuchs - es war riesig.
Seit der Entdeckung, daß es sich um den transformierenden Psychologen des Schiffes handelte, beobachteten sie nur mehr sein Wachstum und hielten jede Veränderung fest. Der Doktor schien sehr interessiert an den Fortschritten zu sein, auch wenn er nicht im Mindesten eine Ahnung zu haben schien, was der Kokon vor ihren Augen verbarg.
Doch außer zu Wachsen schien das Ding nichts zu tun. Laut Kargan war heute oder morgen der Tag, an dem die Metamorphose abgeschlossen sein sollte. Ohne Kenntnis vom genauen Beginn der Metamorphose hatte er keine Ahnung, wann sie enden sollte. Aber Silvana traute seinen Fähigkeiten als Arzt ebenso wenig, wie seinen Sinn für Humor und rasche Auffassungsgabe. Dennoch paßte ein Sicherheitsteam rund um die Uhr darauf auf.
Selbst Narbo war seltsam seit dem Vorfall mit Raschkralle auf der Krankenstation. Silvana hatte damit gerechnet, daß er sich an ihr rächen würde, wenn er erfuhr, wer ihm Raschkralle bereits zum zweiten Male auf den Hals gehetzt hatte, doch sie hatte nicht damit gerechnet, daß ihn so ein kleiner Mord aus Notwehr derartig verändern würde. Sie hatte ihn zur Rede gestellt um seinen Ärger und seine unterdrückte Wut aus reiner Selbsterhaltung zu genießen, doch er hatte sich in keinster Weise provozieren lassen. Es war, als wäre er plötzlich ein anderer.
Sie nahm sich vor ihn weiter zu beobachten, falls er doch noch plante sich an ihr zu rächen oder etwas Unüberlegtes zu tun und alles nur ein geschicktes Manöver war um sich in Sicherheit zu wiegen.
Da ohnehin in Narbos Bar nichts los war, seit sein Besitzer so in sich gekehrt war, genoß sie es auf der Brücke für schlechte Stimmung zu sorgen. Heute war sie in besonders schlechter Stimmung, da sie durch eine Unachtsamkeit einen Kampf verloren hatte. Ihre Gedanken waren bei diesem Dudras gewesen. Mit ein Grund, warum sie ihn möglichst schnell von Bord haben wollte.
Zu ihrer Erleichterung hatten sie schon fast DS4 erreicht.
Ein Lächeln zog sich über Silvanas Gesicht. Ein paar Tage Landurlaub und neue Leute. Das konnte noch durchaus interessant werden.
Kurze Zeit später ging die Meldung über ihre Lippen, auf die sie so lange Zeit gewartet hatte: "DS4 in Sensorreichweite, Slade. Ich kann es gar nicht mehr erwarten mal von dieser alten Kiste runterzukommen und mir die Beine zu vertreten. Im Gegensatz zu dir habe ich noch meine Bedürfni..."
In diesem Moment piepste Silvanas Communicator: "Sadaja an Silvana. Das mußt du dir unbedingt ansehen. Der Kokon... er bricht..."
"Shuttlerampe. Auf den Bildschirm", verlangte Silvana. Und sah wunschgemäß den Kokon vor sich. "Vergrößerung 1:3."
Nun sah auch Silvana die Risse, die sich in der Außenhülle des Kokons gebildet hatten. Gleichzeitig erschien von drinnen ein pulsierendes sanftes Leuchten. Plötzlich barst die Hülle gänzlich ab. Das Gebilde vor ihnen hatte nichts Bekanntes mehr an sich. Es hatte die Form eines Tropfens und schichtartig angebrachte ungleichmäßige Platten an den Seiten.
Auch jetzt ging noch ein Strahlen von ihm aus, daß von innen zu kommen schien.
Auch ohne Slades Anweisung hätte Silvana sofort die nötigen Scans durchgeführt und konnte trotzdem nicht glauben, was sie da sah. Es war zu unglaublich. Und doch war es geschehen. Auf ihrer Shuttlerampe stand...
"Es ist ein Raumschiff. Aber es lebt."
--- Maschinenraum, in der Zwischenzeit
Während Anturios seiner gewöhnlichen Routine-Arbeit nachging, empfing er plötzlich eine mentale Botschaft von Kargan: Ruiqs Metamorphose war in das letzte Stadium getreten und er würde sich bald in seiner neuen Gestalt enthüllen! Auf diesen Augenblick hatte Anturios mit wachsender Neugierde gewartet und er konnte es voller Vorfreude kaum erwarten, Ruiq zu empfangen.
Als ihm seine Assistenten noch nachschauten, hatte er den Ausgang des Maschinenraums schon erreicht und war gedanklich schon in der Shuttlerampe. 'Ruiq, ich komme und dann werden wir nie wieder getrennt sein!', wisperte er in den Äther...
--- Shuttlerampe
Das Schott hatte sich noch nicht richtig geöffnet, als der Amarilianer sich schon ungeduldig durch den Spalt zwängte. Sofort merkte er, daß viele Blicke auf ihm ruhten. Es waren Silvana und einige andere Schaulustige, die das Geschehen von außen zu beobachten schienen.
Hätte Anturios eine Stirn gehabt, wäre sie nun wohl von tiefen Furchen durchzogen gewesen, denn die Vorstellung, daß Ruiqs Privatsphäre so gestört werden würde, machte ihn....wütend.
Erschreckt pochte das Wasser unter seiner Schale: 'Ich empfinde Wut und Hass!' Anturios war von seinen Emotionen so schockiert, daß er beinahe umgefallen wäre. Glücklicherweise konnte er sich gerade noch halten und ein einziger Gedanke erfüllte ihn: 'Wie konnte es so weit kommen? Was ist mit mir passiert?'
Während sich die ersten Risse im Kokon zeigten, fühlte Anturios die Antwort: Es waren die Leute auf diesem Schiff. Ihr Hass und ihr Mißtrauen hatte ihn angesteckt. Soviel Negatives hatte er noch nie in der Luft gespürt und selbst während seiner Gefangenschaft hatte er es immer geschafft an das Gute zu glauben.
Aber hier...
...hier zerstörte ihn die Atmosphäre schleichend ohne das er es gemerkt hatte. Es gab weder Vertrauen noch Loyalität noch echte Freundschaften und mit der Zeit hatte er sich daran gewöhnt! Anturios konnte es kaum fassen und in diesem Moment bestätigte sich das, was er schon seit seiner Ankunft gefühlt hatte: Er mußte hier weg!
Etwa 5 Minuten später hatte sich der Kokon endgültig geöffnet und in den Resten der Schale stand eine große und leuchtende Figur. Ruiq! Mit allen Tentakeln betrachte Anturios diesen Augenblick, als ihn der mentale Ruf seines kleinen Freundes erreichte.
Anturios konnte es immer noch kaum fassen, daß Ruiq sich so verändert hatte und als seine Sehorgane sich langsam auf die strahlende Aura eingestellt hatte, konnte er es genau erkennen: Ruiq war zu einem Raumer geworden und....er hatte ihn ja gerufen!
'Ruiq, mein Freund, ich bin schon hier! Schön dich wiederzusehen!', schickte er voller Freude zu der neuen Gestalt des Kalconiers.
--- Bar
Wäre Narbos Ich Grundlage seines Handelns gewesen, hätte er wohl gelächelt. Schließlich entwickelte sich der Plan gut. Noch niemand hatte aufgrund seines Verhaltenswechsels Verdacht geschöpft und man schob die plötzliche Selbstisolation wohl immer noch auf den kleinen Unfall mit dem Katzenwesen.
Um so besser!
Aber der neue Geist in Narbo kannte weder Freude noch Angst. Vielmehr entfand er nur ein positives Feedback aufgrund der guten Entwicklung.
Nicht mehr.
Der kümmerliche, verdrängte Rest der Essenz des Ferengi schrie wegen dieser Entwicklung. Er war noch immer zu sehr geschwächt, um den Eindringling in seinem Geist erkennen zu können. Er wußte nur eins: Als er Raschkralle voller Genuß getötet hatte, war er verwundbar gewesen und...der Fremde hatte es ausgenutzt und sich wie eine Krankheit ausgebreitet. Wie ein Virus in seinem Kopf. Aber als Narbo dies erkannte hatte, war er schon unfähig gewesen dies zu äußern.
Das fremde Ich hatte seinen Verstand gelähmt, bis es stark genug war, um selbst die Kontrolle zu übernehmen.
Aber Narbo hatte nur oberflächlich verloren. Sein Ich war nicht ausgelöscht, sondern hatte sich in seiner äußeren Hirnrinde festgesetzt.
Nur mit größter Konzentration konnte er seine Persönlichkeit bewahren, während die Tage ohne Inhalt vergingen: "Erwerbsregel 9: Instinkt plus günstige Gelegenheit ergibt Profit! Erwerbsregel 21: Stelle nie Freundschaft über Profit! Erwerbsregel 61: Kaufe nie, was gestohlen werden kann! Erwerbsregel 115: Gier hat ewig Bestand...."
Dieses Erbe seines Volkes sicherte ihm vorerst die Existenz, aber er merkte, wie sein Geist schon langsam zerfaserte weil dieses Erbe ihm nicht entsprach. Die Erwerbsregeln waren eine Selbst-Lüge nach der Narbo nie gelebt hatte und die er auch nie zur Grundlage seines Denkens gemacht hatte.
Er hatte in einer anderen Welt gelebt und diese Welt war von Selbstbeweisung und dem Wunsch nach Macht geprägt gewesen. Nicht Macht über Geld oder Eigentum, sondern Macht über die Angst der Leute! Wenn er wieder einen erfolgreichen Einbruch zelebriert hatte und die Perfektion göttlich gewesen war, dann hatte er gelebt und er lebte immer noch für diese Momente!
Diese Gedanken, die Besinnung auf Mischungsverhältnisse von Sprengstoffsorten und der Wunsch nach weiterer Existenz die weitere Macht bedeuten würde stärkten ihn und für einen kurzen Augenblick stöhnte das fremde Bewußtsein unter ihm auf.
Narbo würde überleben
--- Shuttlerampe
Als der Kalconier die Gegenwart seines besten Freundes wahrnahm, schlug ihm eine Welle der Liebe und Freude entgegen. Doch auch einen kurzen Anflug von Zorn hatte er gespürt. Zorn, der vom Amarilianer gekommen sein mußte. Aber nun war er erloschen und sein Herz war voll schöner Gedanken.
Nun war Ruiq seinem Freund Anturios auch im Geiste verbunden. Er hörte seine Gedanken, fühlte sein Wesen dem seinen ganz nah. In ihm war seine Stimme und doch eine wunderbare Ruhe. Ihre Freundschaft hatte eine neue noch tiefere Dimension angenommen.
Spätestens jetzt wußte Ruiq, daß es richtig gewesen war, sich für diese Gestalt zu entscheiden um sich endgültig in eine neue Lebensform zu verwandeln. Eine Gestalt, die ihn für immer mit Anturios verbinden würde und zu einer Einheit machen würde.
'Anturios, oh Anturios, wie sehr habe ich auf den Moment gewartet, wo wir uns wiedersehen. Ich wollte dich nicht verlieren oder dich verletzen indem ich dich nicht von meinem Vorhaben unterrichtet habe, aber ich konnte nicht mehr länger warten. Ich mußte einfach...
Komm zur mir und laß dich umarmen mein Freund!'
Seitlich an Ruiqs neuer Form öffnete sich eine Art Schleuse. Sie öffnete sich so, als könnte Ruiq sich nach Belieben verformen.
Er sah aus wie ein Raumschiff, aber doch war er ein Wesen mit Gefühlen, Gedanken und Wünschen. Und momentan gab es nur den Wunsch in ihm Anturios bei sich zu haben und eins zu werden mit den unendlichen Weiten des Weltalls.
Zögernd ging Anturios auf die Schleuse zu und betrachtete sie einen Moment: Er konnte immer noch nicht glauben, was aus Ruiq geworden war! Ein lebendes Schiff! Unfaßbar!
Anturios war fasziniert und voller Freude zugleich, denn endlich konnten die beiden zusammen sein, ohne von der schrecklichen Realität der Privateer gefesselt zu sein.
"Endlich frei!", antwortete er Ruiq und stieg durch die Luke, die genau dem massigen Körper angepaßt schien. Eine Sekunde später schloß sich die Tür wieder und Anturios erblickte den strahlenden Innenraum.
--- Shuttlerampe, im Inneren des Bioraumschiffes
Zwischen einer eleganten Armatur war eine Art Gesicht auszumachen, das ihn anlächelte. Aber war es wirklich real? Einen Moment fixierte Anturios es mit allen Tentakeln die er hatte, bis er es schließlich erkannte: Ein holographischer Emitter gab Ruiqs Geist nach Wunsch auch eine Form.
'Es ist eine freundschaftliche Geste', das war dem Amarilianer sofort klar und er wußte, daß er bald ein solche "Geste" nicht mehr brauchen würde. Ruiq wählte dieses Erscheinungsbild eines Hologramms nur, um ihm den Übergang zu erleichtern!
Die projizierten Augen schauten ihn erfreut an und erkannten, daß Anturios es verstanden hatte! Eine Spur von Ruiqs altem Aussehen lag in diesem Bild, aber Anturios würde sich bald an die neue Form komplett gewöhnen, denn egal in welchem Körper Ruiqs Geist wohnte, er war immer noch der beste Freund, den er je gehabt hatte!
--- Brücke, inzwischen
Wortlos schaute Slade sich das Wesen an, das er in seinem Schiff quasi 'ausgebrütet' hatte. Ein wenig tat es ihm leid, den kleinen Ruiq zu verlieren.
Aber sicherlich war es besser für alle. Das Leben auf diesem Schiff war einfach nichts für jemanden, der so friedfertig war. Im Geiste wünschte er ihm viel Glück auf seiner Reise. Daß man sich einmal wiedersah, war zu unwahrscheinlich.
Ein Gefühl der Wehmut ergriff ihn, aber noch bevor er ein paar ergreifende Worte durch die Sprechanlage sagen konnte, sah er, wie sein erster Maschinist die Shuttlerampe betrat. Zuerst sah es so aus, als wollte sich der Baum nur von seinem Freund verabschieden - schließlich hatte selbst Slade bemerkt, daß die beiden mehr als nur Kollegen waren.
Dann aber öffnete sich etwas Lukenähnliches in Ruiqs Außenhülle, und der Amarilianer verschwand darin.
In dem Moment stritten sich mehrere Gefühle in Slades Herz, und es war noch nicht klar abzusehen, welches die Oberhand gewinnen würde.
Die wehmütige Trauer, Ruiq, den er eigentlich sehr gemocht hatte, zu verlieren, stritt mit der Freude, daß dieser kleine Kerl sich selbst gefunden hatte und in Zukunft wohl wesentlich glücklicher sein würde als alle Leute auf der Privateer zusammen.
Ein klein wenig Neid stand in der Ecke und ärgerte sich, daß nicht auch Anticaner diese Fähigkeit zur Verwandlung hatten. Einmal im Leben völlig frei selber zu bestimmen, was man sein wollte - eine wundervolle Gabe.
In dieses recht ausgewogene Gleichgewicht platzte zuerst der Ärger darüber hinein, daß nun offenbar auch der Cheftechniker das Schiff verlies. Slade würde schauen müssen, wieviel Techniker nun noch übrig waren. Zuerst die Explosion, und nun dies.
Der Captain fragte sich, ob die technische Station unter diesen Umständen überhaupt noch arbeitsfähig war.
Dieser Ärger dämpfte die positiven Gefühle, die ihn vorher beherrscht hatten. Da war es nur wenig Trost, daß er nun den Lohn für die beiden nicht auszubezahlen brauchte.
Aber da es nach Shanias Aussage nicht mehr weit zur nächsten Raumstation war, bestand zumindest ein wenig Hoffnung, sie in einem Stück zu erreichen.
Wenn alles gut ging, würde dort etwa zur gleichen Zeit sein alter Freund Monserat ankommen. Slade hoffte, daß dieser eine Wagenladung guter Techniker an Bord hatte, die er übernehmen konnte.
Gerade wollte er ein paar Abschiedsworte formulieren, als ihm einfiel, daß er die beiden über die Sprechanlage gar nicht mehr erreichen konnte. Deshalb ließ er seinem Abschiedsgruß in seinem Geist entstehen und sandte ihn durch den mentalen Äther, in der Hoffnung, Anturios würde seine Worte noch hören können.
Dann wandte er sich an Silvana: "Laß die beiden raus."
"Nichts lieber als das, Slade. Die beiden waren mir ohnehin zu niedlich und zu putzig. Da wird einem richtig schlecht von. Ich bin echt froh, daß die beiden bald zusammen auf Wolke 7 schweben und mich nicht mehr mit ihrer Anwesenheit beglücken." Silvana betätigte einige Kontrollen und verfolgte am Monitor mit, wie die Shuttlerampe sich langsam zu öffnen begann.
'Ich hätte auch nicht gedacht, daß mir Narbo einmal wegen seiner Durchtriebenheit richtig ans Herz wachsen wird. Nur schade, daß er in letzter Zeit nur mehr ein Schatten seiner selbst ist....' Fast wehmütig dachte sie daran, wie vielen guten Gelegenheiten zu streiten der Ferengi in letzter Zeit aus dem Weg gegangen war. Auch gab es nichts, das ihn zur Weißglut treiben konnte.
"Bahn frei für die Biofrühlingsrolle mit Gemüsefüllung. Hoffentlich finden sie den Weg hinaus", lästerte die Frau mit den gelben Augen und empfand bei dem bevorstehenden Abschied gar nichts. Weder Anturios noch Ruiq bedeuteten ihr etwas. Auch interessierte es sie nicht sonderlich, daß diese sich ihren Traum verwirklichten.
Silvana kannte nur einen Traum. Ihr Leben zu leben und dabei vor nichts halt zu machen.
Dann dachte Silvana daran, daß sie in Kürze auf DS4 anlegen würden und sie endlich mal wieder Zeit hatte ihrem alten Lebenserwerb nachzukommen. Es gab sicher noch genug Dumme, die ihre Stärke und ihre Fähigkeiten nicht kannten und bei einem Kampf gegen sie setzen würden. Eine gute Gelegenheit, ihre Finanzen erheblich aufzubessern.
Ihr Mund verzog sich zu einem Lächeln und sie bleckte erwartungsvoll ihre Zähne.
--- Shuttlerampe, im Inneren des Bioraumschiffes
'Anturios, mein Freund. Die Zeit des Abschieds ist gekommen. Sicher hast auch du die letzten Grüße des Captains vernommen. Es gibt hier nichts mehr das uns hält. Sie passen nicht zu uns. Sie sind eine andere Welt. So wie wir ab heute eine andere Welt sein werden.
Eine Welt, die erkunden wird, helfen, forschen und auch entdecken möchte. Ich werde dich nie verlassen. Wo du sein wirst, will auch ich sein. Untrennbar soll der Bund unserer Freundschaft sein.' Ruiq ließ sein Hologramm sprechen, spürte aber instinktiv, daß Anturios ihn auch so verstand. Im Grunde fühlten sie das gleiche.
Eine Sehnsucht, die sie immer mehr von den anderen entfernte. Zuerst hatte Ruiq sie nicht verstanden, doch dann war sie immer klarer für ihn geworden und er spürte, daß sein Platz fernab von Gefühlen wie Neid, Haß, Macht und Begierde war.
Wie auf ein Zeichen hin, öffnete sich die Shuttlerampe und zeigte ihnen die Weite des Weltalls, das von nun ab ihr Zuhause sein würde. Es war wunderschön und Ruiqs Herz jubelte laut. Zuhause... Endlich Zuhause...
'Laß uns aufbrechen, Anturios. Dir soll es an nichts fehlen. Alle Wünsche will ich dir erwünschen. Wünsche, die du dir hast nie träumen lassen.'
Langsam setzte sich das Raumschiff in Bewegung und glitt trotz seiner Größe schwerelos und anmutig aus der offenen Schleuse. Der Boden unter Anturios Wurzeln ;-) begann sich plötzlich zu verändern. Er wurde durchsichtig und klar. Zu Füssen des Amarilianers lag ein die Endlosigkeit der Weite...
--- im Inneren des Bioraumschiffs
Staunend berührten seine Tentakel den transparenten Boden und strichen über ihn. Es war, als könne er die Sterne und die Unendlichkeit des Weltalls nur durch Berührung erfahren.
Ein Kribbeln glitt durch Anturios Körper und zum ersten Mal in seinem Leben fühlte er sich frei. Mit Ruiq an seiner Seite würde er ein erfülltes Leben führen, das wusste er und seine mentalen Umarmungen galten nicht mehr einem kleinen Wesen sondern einem wundervollen Raumschiff, das sich immer weiter von der Privateer entfernte.
Der durch die Explosion des Tarngenerators angebrannte Bug des Norway-Schiffes war kaum noch zu sehen, als Ruiq sich leuchtend in Position brachte. Seine fürsorgliche Stimme erklang in Anturios Geist und der Amarilianer beneidete seinen Freund um dessen zauberhafte Kraft.
"Wo wollen wir zuerst hingehen, Anturios?", war die erste Frage, die Ruiq ihm stellte und sie drückte ihre Gefühle aus: Sie waren frei und glücklich - niemand würde sie jemals wieder mit Hass und Gewalt vergiften können!
Innerlich lächelte Anturios und sein Geist griff nach Ruiq. "Zu den Sternen!", antwortete er mit einem mentalen Leuchten und Sekunden später verschwand das Raumschiff in einem bunt sprühendem Feuerwerk der Farben - die Unendlichkeit erwartete sie!
--- Privateer, Brücke
Slade hatte sich zurückgelehnt und war fasziniert von Ruiqs Anblick. Dieser kleine Kerl war buchstäblich über sich hinausgewachsen. Ein Blick auf die Anzeigen bestätigte ihm den rein optischen Eindruck: Er schien immer noch zu wachsen.
Slade war gespannt, ob er jemals erfahren würde, wie groß er endgültig werden würde.
Die Wehmut abschüttelnd wandte er sich an den Navigator: "Kurs auf DS4. Sieh zu, daß wir schnell hinkommen. Aber verschwende keine Energie!"
Als die Privateer auf Kurs war, vertiefte sich Slade in ein Padd, das er schon seit einiger Zeit in Händen hielt. Es enthielt eine ganze Reihe von offenen Stellen, die er bei seinem Besuch auf DS4 zu besetzen plante.
Unter anderem benötigten sie dringend wieder einen Piloten und massenweise Techniker.
Nun fügte er zwei Einträge hinzu: Einen Counselor (diesen Eintrag markierte er rot, da er seine eigene Unfähigkeit in diesem Bereich eingesehen hatte).
Und einen Cheftechniker.
Aber den würde er aus den eigenen Reihen besetzen und dafür einen weiteren einfachen Techniker einstellen. Er bevorzugte es, Leute in tragenden Positionen zu wissen, die er bereits kannte.
Die bisherigen Abteilungschefs hatten ihre Sache schließlich schon recht gut gemacht. Aber wen sollte er zum Cheftechniker bestellen? Anturios hatte ihn da ganz schön im Regen stehen lassen.
Aber dann erinnerte er sich daran, daß der Amarilianer ihm einmal erzählt hatte, daß er große Stücke auf den Menschen Xiang hielt. Slade beschloß, es mit ihm zu versuchen. Die Generalsanierung des Maschinenraumes stand schließlich an, und bei der konnte er gleich einmal zeigen, was er so drauf hatte.
Gut, damit wäre die Technik wieder aufgepäppelt. Und wie sah es in den anderen Abteilungen aus, die bisher nicht so zu seinen Sorgenkindern gehört hatten?
Er beschloß, die Abteilungsleiter zu fragen. Silvana stand gleich hinter ihm, deshalb fing er mit ihr an:
"Silva", knurrte er, "brauchst du noch Leute in der Sicherheit oder kommst du mit denen aus, die du hast?"
Silvana lächelte hinter ihm ihr kaltes Raubtierlächeln und sagte dann süffisant: "Es können nie genug Leute in der Sicherheit sein. Es gehen immer wieder mal ein paar verloren, weil sie nicht hart genug für den Job waren. Sicherheitsleute kannst du ruhig noch dazu nehmen.
Diese Kleiderschränke ohne Hirn können dich ohnehin nicht viel Latinum kosten." Wieder einmal mußte sie an den Klingonen in ihren Reihen denken, der bisher noch jeden ihrer vielen Tests und Trainings bestanden hatte. Wahrscheinlich, weil er sogar zu dumm zum Sterben war.
"Ich wollte ohnehin noch einmal mit dir wegen Sadaja sprechen. Sie hat bisher ihre Sache sehr gut gemacht, ist zuverlässig und tut was man ihr sagt. Sie soll meine rechte Hand werden und die Waffenkonsole übernehmen, wenn ich nicht auf der Brücke bin. Das sollte auch für dich eine gute Vereinbarung sein. Immerhin ist sie auch was fürs Auge." Die Frau mit den gelben Augen lachte leise und wartete Slades Reaktion ab.
"Sadaja?" Slade erinnerte sich an diese dunkelhäutige Schönheit. "Wenn du ihr den Posten zutraust, kann sie gerne anfangen. Aber nicht wegen, sondern trotz ihres Aussehens!
Okay, also brauchst du noch ein paar Sicherheitsleute. Ich sehe zu, daß ich viele bekomme, denn deine Auswahlkriterien sind sicher wieder so, daß du nur jeden zehnten Bewerber nimmst.
Aber gut. Krankenstation.
Slade an Kargan. Brauchst du neue Leute, falls irgendwelche Mediziner sich für unser Schiff interessieren sollten?"
Der Chefarzt antwortete: "Kommt drauf an. Wenn du jemanden bekommen kannst, der mir hier den verdammten Papierkram abnehmen kann, dann ja. Ansonsten nicht, die gute Edwina macht das schon."
Slade knurrte und stellte eine Verbindung mit der Bar her.
"Slade an Narbo. Kannst du noch Hilfsarbeiter gebrauchen? Kellner? Köche?"
Über Narbos monoton ablehnende Antwort wunderte sich der Captain ein wenig, hatte dieser doch ständig fürchterlich viel in der Bar zu tun. Aber wahrscheinlich wollte er seinen Profit nicht teilen.
Das Sahnestück hatte er sich bis zum Schluß aufgehoben:
"Slade an Cheftechniker." Wenn dieser Xiang so tüchtig war, wie Anturios ihn beschrieben hatte, würde er sich bestimmt melden.
Und richtig: Nach ein paar Sekunden ertönte die Stimme des Menschen.
"Xiang hier. Unser Cheftechniker ist zur Zeit nicht im Dienst. Kann ich etwas für Sie tun, Captain?"
Slade lächelte. "Ja. Kannst du. Erstens bist du von nun an der Cheftechniker. Zweitens duzen wir uns ab sofort. Zwischen kommandierenden Besatzungsmitgliedern ist das hier so üblich.
Drittens erwarte ich, daß du innerhalb einer Stunde herausfindest, wieviel Leute du in der technischen Abteilung noch brauchst.
Und viertens will ich wissen, was du kannst. Bring den Maschinenraum auf Touren. ich komme zu einer Inspektion, noch bevor wir an DS4 anlegen. Ich rate dir: Sei gut. Ende."
Slade freute sich. Die Brückenbesatzung würde er unverändert lassen, in der Nachtschicht brauchte man keine Kommunikation, den Job könnte gut der Pilot übernehmen.
Aber einen zweiten Piloten für die Tagschicht brauchte er dringend.
Und einen Wissenschaftschef. Vielleicht wieder einen Vulkanier? Silvana würde sich bestimmt freuen...
Slade lachte heiser vor sich hin...