--- Privateer, Brücke
Kargan hatte entsetzt mitbekommen, wie Silva die einzige Chance zunichte gemacht hatte, die Zukunft zu reparieren.
Die einzige?
Vielleicht nicht, aber zu dem Zweck war es nötig, die Tarnung aufrechtzuerhalten. Deshalb sprach er zum romulanischen Captain: "Ein kleiner Zwischenfall. Meine erste Offizierin hat soeben einen vulkanischen Kriegsgefangenen exekutiert. Leider muß ich mich jetzt entschuldigen, vielleicht sprechen wir uns noch einmal. Mein Geschenk bekommen Sie später, es eilt ja nicht. Guten Flug. Verbindung trennen."
Anschließend erhob sich Kargan und sein Blick pendelte zwischen dem grünen Blutfleck auf der Erde und Silva hin und her.
Silvana wischte angewidert das Blut von ihrer Hand in ihre spärliche Kleidung und murmelte ärgerlich: "Schon wieder eine neu replizierte Kleidung im Arsch. Grün steht mir doch überhaupt nicht..."
Dann wandte sie sich den anderen zu und ihre Augen leuchteten auf, als sie Kargan wahrnahm. Die alte Captainsuniform stand ihm erschreckend gut, vielleicht gerade weil sie ihm etwas zu eng war, und sie hatte Lust, ein Treffen in der Bar mit ihm zu vereinbaren, doch ein Blick in Slades Gesicht, der irgendwo zwischen Unglauben und Wutausbruch stand, gab ihr schnell zu verstehen, daß sie vorher allen noch einige Erklärungen schuldete.
Sonst landete sie womöglich noch bei der Insektenlady im Zwinger. Und sie hatte vor, den heutigen Abend interessanter zu gestalten.
"Bevor ihr mich jetzt als gänzlich verrückt abstempelt, solltet ihr hören, was ich zu sagen habe..."
Niemand schien ihr widersprechen zu wollen, was auch sehr ungewöhnlich gewesen wäre, nach ihrem heutigem Auftritt. Sie grinste und war sich sicher, daß durch Narbos ungewollte Mithilfe ihr Ansehen bei der Besatzung weiter steigen würden. Niemand griff jemanden an, den er wie den Tod fürchtete.
"Raven Novk hat nur seine verdiente Strafe erhalten. Raven Novk war auch nicht sein richtiger Name. Bei einer Überprüfung seiner Daten habe ich festgestellt, daß es eine Person dieses Namens gar nicht gibt." Silvana seufzte und richtete sich den Schaft ihrer Stiefel. Die Ultraschalldusche war schon wieder fällig.
"Wenn er nicht Raven Novk, der Wissenschaftler war, wer war er dann?", fragte Kargan dazwischen, der scheinbar ihre Erklärung gar nicht abwarten konnte. Immerhin hatte er ein denkbar schlechtes Bild vor dem romulanischen Captain abgegeben und das verlangte natürlich nach einer Erklärung.
"Gute Frage. Wer er nun wirklich war, werden wir wohl nicht mehr klären können, aber ich weiß, warum er hier war und was er an Bord getan hat", spann Silvana ihren Handlungsfaden weiter und freute sich, daß alle begierig an ihren Lippen hingen.
"Unser falscher Raven war in gewisser Weise der Saboteur, der die Explosion unseres Tarnfeldgenerators auf dem Gewissen hat. Natürlich war er dazu nicht selbst in der Nähe des Teils, sondern er hat nach seiner Aufnahme auf Drema III bereits unter dem festen Vorsatz der Sabotage in der Technik gearbeitet und sich so auch Zutritt zu ihm sonst verschlossenen Bereichen der Technik verschafft. Dadurch war es ihm ein leichtes, interne Informationen zu erfahren und das Vertrauen der anderen Techniker zu erringen. So war es für ihn kein Problem mit einem der zuständigen Techniker des Tarnfeldgenerators eine geistige Verschmelzung einzugehen und ihn zu beauftragen den Generator nach seinen Anweisungen zu manipulieren."
Im Moment fühlte sich Silvana wie eine zufriedene Katze und hätte sich schnurrend die Pfoten lecken können, wenn sie grünes Blut nicht so sehr gehaßt hätte wie ihre Besitzer. Dennoch machte der Captain ihr einen Strich durch die Rechnung.
"Okay, du hast deinen Saboteur endlich zur Strecke gebracht, wozu sicher auch ein auf Betäubung gestellter Phaser genügt hätte. - Aber weshalb zum Teufel hast du unsere ... Transaktion gestört?!", brüllte Slade, und es war allen klar, daß er sich in der Zwischenzeit gefangen hatte und beim Wutausbruch gelandet war.
Narbo sah sich unsicher mit einem ziemlichen Brummschädel um. Ein Fellbündel war ihm schon genug, aber ein ganzer Zoo davon war ganz und gar nicht nach seinem Geschmack.
Zwar hatte Silvana ihre kleine Meinungsverschiedenheit mit Slade in der Krankenstation gefallen, die ihr noch wie gestern vorkam, aber dennoch hatte sie momentan ihren Trieb zu kämpfen einigermaßen befriedigt und sie hatte mehr Lust auf ein weiches Bett oder einen Drink in der Bar mit passender Gesellschaft.
Ihr Blick streifte kurz Kargan, bevor sie sich weiter rechtfertigte.
"Aus dem einfachen Grund weshalb ich auch Ravens falschem Spiel auf die Schliche gekommen bin." Entweder lag es an Silvanas Sinn für dramatische Pausen oder die Sekunden vergingen zur Zeit wie Stunden.
Niemand im Raum schien mehr zu atmen, so ruhig war es geworden.
"Aus dem einfach Grund, weil wir die Romulaner zu früh zu einem Angriff provoziert hätten. Genau ein ganzes Jahr zu früh..."
Narbo starrte das Weib ungläubig an! Sollte das wahr sein? Sollten ihre Bemühungen umsonst gewesen sein, nur weil ein stinkender Vulkanier sich zum großen Hacho machen wollte? Und wieso hatte Narbo sich deshalb ein halbes Dutzend Anzüge versaut??!!
"Diese Kröte hat uns von Anfang an verschaukelt? Schade, daß er nicht viiiiel langsamer gestorben ist!", spuckte der Ferengi die Worte förmlich aus. Bitterer Hass und Ekel war ihn seinen Augen. Aber auch den anderen Brückenoffizieren waren ähnliche Gefühle anzusehen.
Alle bis auf die sichtlich unberührte Silvana starrten weiter auf den langsam ausblutenden Leichnam des Wissenschaftsoffiziers. Schließlich war es auch Silvana die diese dämonische Ruhe unterbrach: "Was glotzt ihr den Verräter so an. Tod ist tot! Was haltet ihr von einem Besuch der Bar? Mein Blutdurst ist im Gegensatz zu meinem Hunger gestillt! Vorerst!" Bei dem letzten Wort ließen ihre funkelnden Augen keine Zweifel an ihrer Entschlossenheit.
Narbo seufzte innerlich. Die Amazone war und blieb eine Gefahr. Und das mittlerweile zurückgekehrte Mißtrauen ließ Narbo an ihrer Ehrlichkeit zweifeln: 'Wieso hat sie Raven für ein Verhör nicht am Leben gelassen? Sollte er sich nicht äußern? War er ein unliebsamer Zeuge? War er ihr bei ihren finsteren Aktionen im Weg gewesen?'
Vor solch grenzenloser Verschlagenheit fühlte Narbo Ehrfurcht und Respekt, und wäre Silvana keine Weibliche gewesen, hätte sie beinahe ein Ferengi sein können. Trotzdem sollte er ihr nicht zu nahe kommen! Wer wußte schon, wer noch auf ihrer Abschußliste stand!
Und so wollte Narbo sich gerade aufmachen, um die Bar wieder zu öffnen, als er Slade im Hintergrund in alter Normalität grollen hörte: "Jetzt müssen wir nur noch durch den Spalt zurückkehren! Anturios, wie ist der Durchmesser der Öffnung?"
Der Amarilianer war versucht gewesen, die Antwort herauszuzögern, aber er wußte, das einzige was ihnen fehlte, war Zeit. So bestand seine telepathische Antwort nur aus zwei Worten: "Zu klein!"
Man hörte Kargan bitter schlucken und Slade erkundigte sich sofort nach weiteren Optionen, als Narbo den Turbolift erreichte. Die Elektronik spielte immer noch verrückt- oder schon wieder - und so hieb er auf das Terminal mehrmals ein, bis sich die Tür endlich widerwillig schloß.
In diesem Moment hörte er ein bekanntes Wort.
DEATH!
Sein Arm schnellte durch den winzigen Spalt und einen Moment später öffnete ein Sicherheitssystem die Tür wieder. Aber Narbos Arm war schon abgequetscht und mit einem leisen Ferengi-Fluchen quittierte er die Situation.
Alle schauten ihn mißbilligend an, bis er etwas leise sagte: "Ich glaube es ist noch nicht zu spät!"
Slade schaute den Ferengi an, der sich den gequetschten Arm hielt. Er fragte: "Du hast eine Idee? Gut, bleib hier. Kargan wird sich jetzt erst einmal deinen Arm ansehen."
Nach einem Nicken des Captains begab sich Kargan zum Ferengi. Der Klingone fragte: "Wollen wir auf die Krankenstation gehen, oder soll ich Ihnen den Arm gleich hier abnehmen?"
Der Ferengi, der früher den Klingonen schon kennengelernt hatte, lächelte nur säuerlich: "Ich denke, ich soll hier bleiben. Aber die Jacke zieh ich mir selber aus, sonst reißen Sie mir noch den Ärmel ab."
Kargan wirkte erstaunt: "Aber nein, auf die Idee wäre ich nie gekommen."
Er holte ein Messer hervor, das etwa so lang wie Narbos Arm war. "Ich hätte ihn abgeschnitten."
Nun wurde Narbo doch deutlich bleicher, entledigte sich schleunigst seiner Kleidung, und Kargan verarztete den Arm, während er murmelte: "Na, ob die Nerven wieder zusammenwachsen...den Knochen kriege ich schon hin, die Muskeln auch, obwohl die Sehnen noch eine kleine Operation nötig machen werden..."
Aber noch ehe Narbo registrieren konnte, was Kargan dort vor sich hinbrummelte, meinte dieser schon: "So, das sollte es tun. Ist fast besser wie neu."
Slade hatte inzwischen seine Sicherheitschefin angeredet: "Silva, wieso sagst du, wir wären ein Jahr zu früh dran? Sind wir nicht im Jahr 2343?"
Eiskalt lächelnd antwortete Silvana: "Doch, unser Saboteur war weder ein Stümper noch ein blutiger Anfänger. Er hat frei nach dem Motto 'Kleine Wahrheiten verschleiern große Lügen' gehandelt. Könnte glatt eine deiner heißgeliebten Ferengi-Erwerbsregeln sein, nicht wahr Narbo?"
Erfreut stellte sie bei einem Blick auf den Ferengi fest, der ziemlich verbissen die Verarztung des klingonischen Arztes ertrug, daß sie bei ihm in der Bewunderungsskala scheinbar um zwei Punkte gestiegen, dafür aber in der "Leute, denen man nicht den Rücken zuwenden sollte"-Skala volle drei Punkte zugelegt hatte. Dann wandte sie sich wieder Slade zu.
"Ja, es hat uns in das Jahr 2343 verschlagen. Was auch für jeden Laien auf dem Schiff leicht herauszufinden wäre, wenn er fähig ist, den Funkverkehr zu überwachen. Und ich war auch nahe daran, ihm bei allen geschichtlichen Daten blind zu vertrauen, doch ich hatte ständig das Gefühl im Hinterkopf, ein wichtiges Detail bei der ganzen Sache übersehen zu haben. Deshalb habe ich die schiffsinterne Datenbank dazu befragt. - Ja, es gab diesen Zwischenfall bei Narendra III, den er beschrieben hat und den einige von uns kennen", dabei streifte ihr Blick den Doc, "aber er wird erst im Jahre 2344 stattfinden. Also in einem Jahr.
Unser... Freund hier...", und sie tippte verächtlich mit der Spitze ihres rechten Stiefels gegen die Leiche, so daß sie zur Seite fiel, "hat uns mit seinen Zeitlinietheorien und seinen Quantenweisheiten so eingelullt, daß wir entweder dieses winzige Detail alle verschlafen haben oder aber in der Schule gefehlt haben. - Es würde mich auch nicht im Geringsten wundern, wenn sich herausstellen würde, daß er es war, der unsere Freundin frühzeitig aus dem Arrest entlassen hatte um zusätzlich für Ablenkung zu sorgen. Er wußte, daß ich ihm nicht über den Weg traue."
"Aber wenn...", begann der Captain und schien über die Konsequenzen nachzudenken, wenn Silvana den Transfer nicht im letzten Moment gestoppt hätte.
"Dann wäre wir in eine Zeit zurückgekehrt in der noch immer Krieg zwischen der Föderation und den Klingonen herrscht und wahrscheinlich auch Krieg zwischen den Klingonen und den Romulanern...", vollendete Silvana seine Worte und richtete den Sitz ihrer blutverschmierten Kleidung.
Slade fiel etwas ein, und seine Augen waren schmale Schlitze, als er sich Jean zuwandte. Gefährlich ruhig sagte er: "Jean-Luc. Blechbauch. Wenn ich mich recht erinnere, hast du dich extra in unsere Besprechung eingeschaltet, um uns mitzuteilen, daß niemand angreifen wird. Du hast uns sogar die momentanen Standorte der Schiffe erzählt."
Der Captain holte tief Luft, um dann sehr viel lauter fortzufahren: "UND WARUM HAST DU UNS NICHT ERZÄHLT, DASS WIR EIN JAHR VOR DEM ANGRIFF ANGEKOMMEN SIND?"
Jean wirkte verwundert: "Niemand hat mich gefragt. Ich bin davon ausgegangen, daß Sie darüber informiert sind, nachdem Mr Raven mich beauftragt hat, die Standorte der Schiffe herauszufinden und eine Angriffswahrscheinlichkeit für diesen Zeitpunkt zu extrapolieren. Mittlerweile habe ich sogar herausgefunden, wo sich das letzte Schiff befindet. Klar, daß ich es in der kurzen Zeit, die ich für diese Aufgabe bekommen habe, nicht herausfinden konnte, da das Schiff noch nicht existiert. Es läuft erst in zwei Monaten vom Stapel. Das war wirklich keine leichte Aufgabe, aber..."
Slade unterbrach den Androiden, was ihm immer Spaß machte. Zu den anderen gewandt sagte er: "Ich glaube, langsam wird das Bild sehr klar, oder? Die Auftraggeber dieses Vulkaniers, wie immer er auch geheißen haben mag, haben alles verdammt schlau eingefädelt.
Nebenbei: Jean, du kannst schon mal anfangen, die Sauerei da wegzuräumen.
Hmmm, Jedenfalls werde ich zu Hause ein ernstes Wort mit Oly reden. A propo zu Hause. Narbo, du hast gesagt, du hättest eine Idee, wie wir es schaffen können?"
Langsam drehte Narbo seinen Arm und fühlte wieder Leben in ihm. Der klingonische Quacksalber schien geistig etwas aus der Art zu schlagen, was ein gewisser Sicherheitsmann jedoch wieder ausglich.
Dann schaute er Slade in die Augen und sagte: "Ja, ich weiß, wie wir die dimensionale Öffnung weiten können. Anturios hat eben mehrere Möglichkeiten aufgelistet und zufälligerweise werde ich eine ermöglichen!"
Seine Augen funkelten bei dem Gedanken an diese neue, große Herausforderung. Er hatte in seinem Leben schon viele Sprengungen durchgeführt, aber diese Aktion würde unglaublich genaue Berechnungen und viel Erfahrung voraussetzen. Schließlich schwieg er noch einige Sekunden weiter und auf Slades Stirn bildete sich ein Runzeln, das dessen Unbehagen zum Ausdruck brachte.
Endlich öffnete Narbo den Mund und sprach Anturios direkt an: "Anturios, du hast erwähnt, daß durch eine Explosion im Subraum eine kontrollierte Weitung möglich wäre, oder?!"
Alle lauschten in sich hinein, bis dieser schließlich in ihren Köpfen antwortete: "Ja, aber die Option wird nur durch bestimmte Sprengstoffsorten möglich, die im ganzen Quadranten wegen ihrer Gefährlichkeit verboten sind."
Slade wechselte den Blick auf Narbo und seine Augen gaben Mißbilligung über die vergeudete Zeit zum Ausdruck bis er begriff, was Narbo meinte: "Du hast dieses Zeug bei dir? Auf meinem Schiff? Bist du wahnsinnig???"
Silvana grinste leise und beobachtete das Spektakel. Endlich wurde Slade aus der Ruhe gebracht, was ein wahrlich seltenes Schauspiel war. Slade ging es immer noch nicht besser und Narbos Blick signalisierte mittlerweile Wut über die irrationale Reaktion von Slade. Immerhin würde diese Gefahr sie zurückbringen - wenn alles funktionierte.
"Verdammt, ich weiß wie man damit umgeht! Sonst wäre dieses Schiff schon lange nicht mehr existent! Denk lieber an unsere neuen Möglichkeiten!", keifte er den Captain an, worauf der Anticaner grimmig antwortete: "Gut, aber wenn es nicht funktioniert, werde ich unsere letzten Sekunden für deine Bestrafung reservieren!"
Narbo ließ sich aber durch diese Drohung nicht irritieren und konzentrierte sich lieber auf die große Aufgabe, die vor ihm lag. Bald würde es sich entscheiden....
Silvana verharrte noch einen Moment und dachte dann, daß eigentlich alles Wichtiges gesagt worden war und Narbo wohl jetzt am Zuge war, die Vorbereitungen zu treffen.
"Also Leute, da wir ein ganzes Jahr zu früh dran sind und nicht in die Geschichte eingreifen müssen, sondern alles auch ohne uns seinen geregelten Gang gehen wird, auch wenn wir von hier in Kürze wieder verschwinden, würde ich vorschlagen, daß jeder wieder seiner geregelten Arbeit nachgeht.
Ich werd mich mal umziehen und danach wieder auf die Brücke kommen. Falls Narbo es nicht schafft den Zeitriß zu vergrößern, damit wir reinpassen und etwas mit seiner Zündung falsch läuft, kann ich ja noch immer etwas nachhelfen." Silvana bleckte ihre Zähne und es war an ihrem Gesicht abzulesen, daß sie liebend gerne noch mal die Photonentorpedos testen würde. Vielleicht sogar besonders gerne, wenn es darum ging Narbos Shuttle zu treffen.
Dann wandte sie sich Kargan zu. "Was ist mir dir, Häschen? Möchtest du dich nicht auch endlich umziehen. - Mein Quartier liegt näher..." Frech grinste sie den Klingonen an.
Der Klingone mit dem etwas komischen Outfit, starrte sie nur mit großen Augen ziemlich verwundert an und ziemlich starr an.
Einen Moment zögerte sie, ob er ihr doch noch eine Antwort geben wollte oder die Kinnlade wohl endgültig ihren Dienst aufgab und runterklappte, dann entschied sie sich anders.
"War nur ein kleiner Scherz, Dokterchen. Ich finde mein Quartier schon noch alleine...." Damit drehte sich Silvana um und verschwand von der Brücke.
Mißmutig schüttelte Narbo den Kopf. Konnte dieses verdammte Weib es denn nicht lassen? Leichtes Mitleid keimte in Narbo auf. Mitleid für einen Klingonen. Angeekelt fragte er sich, wie weit ihn diese Amazone noch bringen würde und wandte sich dem Terminal hinter seinem Rücken zu.
Ein paar Sekunden später zierte das aufgezeichnete Bild der inzwischen vertrauten Anomalie das Display. Bis die Privateer sich wieder in Reichweite der genaueren Kurzstreckensensoren befand, mußte man mit den gespeicherten Daten arbeiten, was zwar nicht 100% korrekt war, aber immerhin genug Daten für eine Grundlage lieferte.
Mit wissenschaftlichen Anzeigen dieser Art war er nicht allzu sehr vertraut, hatte er doch für seine Berechnungen immer richtiges Papier benutzt. Dies wies zwar nicht die Möglichkeit einer multidimensionalen Bearbeitung auf, aber die Konzentration und die Präzision des Ferengi wurden durch die Spartanität geschliffen.
Jetzt aber brauchte er die Hilfe eines Fachmanns und nach Ravens plötzlichem Ableben, gab es keinen, der besser geeignet war, als Anturios. Mißmutig seine eigene Schwäche zuzugeben, kontaktierte er den Chefingenieur erneut, der freundlichst versprach sich sofort auf den Weg zu machen. Langsam ging dem Ferengi das schleimerische Getue dieser übergroßen Topfpflanze auf den Geist.
Slade hatte sich mittlerweile wieder in den Stuhl des Kommandanten gesetzt, da er nur wenig Sinn für solch wissenschaftliches "Gebabbel" hatte. Statt dessen überprüfte er Kurs und Status aller Bordsysteme und stellte zufrieden fest, daß die Schäden durch die Invasion der Jumper geringer ausgefallen waren, als vermutet. Insgesamt war das Schiff durchaus in der Lage den einen oder anderen Kampf auszutragen. Bei dem Gedanken daran bleckte er die Zähne und gab dem Navigator den Befehl mit maximaler Geschwindigkeit zu dem Bruch in Raum und Zeit zurückzukehren.
Narbo fluchte noch immer vor sich hin, als drei Tentakel über dem Terminal schwebten. Telepathisch erklärte Narbo die Problematik und Anturios betätigte einige Kontrollen, um die Darstellung anzupassen.
Nach einiger Zeit arbeiteten Narbo und Anturios in immer besser wirkender Symbiose an der Aufgabe weiter und das Grundgerüst der Berechnungen stand. Aber an einem gewissen Punkt kapitulierte der Amarilianer, da die Daten und Eigenschaften des DEATH streng geheim waren.
Ohne die fehlenden Daten konnte er nur wenig zum Gelingen beitragen und erklärte daher freundlich, daß er sich wieder auf das Maschinendeck zurückziehen wolle, um das Schiff auf den anstrengenden Eintritt in die Verzerrung vorzubereiten. Slade nickte und entließ den hünenhaften Baum, der kurze Zeit später die Brücke Richtung Maschinenraum verließ.
Geistesabwesend hatte Slade registriert, wie Silva von der Brücke gegangen war. Einige Zeit später war ihr Kargan gefolgt.
Der Captain grübelte. Wer steckte hinter diesem Plan? War es Raven gewesen? Nein, der Plan war zwar perfekt durchdacht gewesen, aber irgendwie traute er ihm dieses Kaliber nicht zu. Raven war nur ein Werkzeug gewesen, vielleicht an der Planung beteiligt, aber ganz sicher nicht der eigentliche Urheber.
Ihr Gegner hatte 'um die Ecke gedacht', hatte mit ihrer Schlauheit gerechnet. Raven hingegen hatte immer durchblicken lassen, wie wenig er von ihrer Intelligenz hielt.
Zuerst waren sie davon ausgegangen, daß sie sich einfach nur verstecken mußten.
Dann hatte ihnen der Vulkanier, dessen grünes Blut gerade von Jean-Luc murrend beseitigt wurde, eingeredet, daß sie die Romulaner reizen mußten, worauf sie auch beinahe hereingefallen wären.
Wenn Silva nicht gewesen wäre, hätten sie bei ihrer Rückkehr wohl sehr dumm aus der Wäsche geschaut. Oder tot. Oder beides.
Slade kam ein Gedanke. Was, wenn ihr Gegner auch damit gerechnet hatte, daß sie den Plan durchschauten?
Nein. Man hatte extra Raven in die Mannschaft eingeschleust, damit sie den Krieg auch ganz sicher anzettelten. Und Silva hatte den Plan erst dann vereitelt, als es fast schon zu spät war. Das bedeutete, sie hatten jetzt nur noch eines zu tun: So schnell wie möglich von hier zu verschwinden.
Hmmm...Vielleicht vorher noch ein paar Aktien kaufen? Grundstücke auf frisch besiedelten Planeten, die sich in vierzig Jahren als reine Latinumgrube herausstellten?
"Jean, nicht so laut. Ich weiß, was du von deiner Aufgabe hältst, und es ist mir egal."
Wetten auf die Sportereignisse der nächsten Jahre? Patente anmelden?...
--- Silvanas Quartier
Kaum in ihrem Quartier angekommen, riß sich Silvana die Kleider vom Leib, die mit den Überresten des verräterischen Vulkaniers durchtränkt waren. Nachdem diese samt Kleidung den Weg alles nicht mehr Brauchbaren gegangen waren, nahm sie eine lange ausgiebige Dusche. Silvana liebte es, mit Wasser zu duschen und vergönnte sich diesen Luxus so oft sie nur konnte. Ultraschallduschen waren für sie weder Fisch noch Fleisch.
Endlich wieder ein Gefühl zu leben, sagte sich Silvana, als sie aus dem Bad kam und räkelte sich genüßlich auf dem Bett. Im Grunde mußte sie bald wieder auf die Brücke und ihre Anwesenheit dort war sehr wichtig, doch im Moment wollte sie den Augenblick noch etwas in die Länge ziehen. Immerhin hatte sie ihre Arbeit gut gemacht und Slade würde sich das zu schätzen wissen. Außerdem war Narbo sicher noch mit seinen Vorbereitungen beschäftigt.
Sie schloß die Augen um sich kurz auszuruhen, als plötzlich von allen Seiten ihres Geistes Bilder auf sie einstürmten. Dazwischen immer wieder graue Augen, in denen sie fast zu ertrinken drohte und ein Gefühl, als würde etwas ihr Innerstes sprengen und eine bisherige Blockade aufbrechen. Mit einem Aufschrei setzte sie sich auf. Ihr Atem ging hastig und ihr Herzschlag war beschleunigt.
Hastig replizierte sie sich neue Kleidung, zog sich an und verließ dann ihr Quartier. Es zog sie in eine bestimmte Richtung, doch sie konnte nicht sagen wohin oder weswegen.
--- Brücke, eine Stunde später
Slade war noch immer eifrig am Überlegen.
...Martenghs Eltern vor dem Mordanschlag warnen? Den Slade der Zukunft vor dem Kauf dieses Schiffes warnen?...
--- Krankenstation
Erst als Silvana vor seinem Biobett stand und ihr Kopf zu schmerzen begann, begriff sie langsam die Zusammenhänge und die ganze Wahrheit. Der Aufprall ihres Schädels auf die Konsole hatte sie bei dem Unfall vergessen lassen, wovor sie lieber die Augen verschlossen hätte.
Marok Dudras, der einzige Mann, den sie je geliebt hatte lag im Sterben.
Seine Biowerte waren in den letzten Tagen verheerend gesunken und es gab keinen Grund dafür als eine allergische Reaktion. Dr. Kargan und Ruiq hatten alles unternommen was in ihrer Macht stand, doch sie konnten nichts tun, als ihn im künstlichen Tiefschlaf zu erhalten, die Zeit hinauszuzögern und auf ein Wunder zu warten.
Eine Träne rann über Silvanas Wangen, während sie über seine scheinbar leblose Hand streichelte. Eine Hand, die sie vor einigen Tagen noch sanft berührt hatte und ihr die süßesten Wonnen geschenkt hatte. Eine Hand, die dem Mann gehörte, der ihr Herz berührt hatte und sie das erste Mal in ihrem Leben verwundbar gemacht hatte.
Zärtlich streichelte sie sein Gesicht und strich das widerspenstige schwarze Haar aus seiner Stirn, wie sie es schon unzählige Male zuvor getan hatte. Doch die letzten Male konnte er darauf nicht reagieren. Sie nicht einfach in seine starken Arme ziehen und seine grauen Augen sie nicht verliebt anlächeln. Er konnte nur daliegen. Und sie konnte nichts für ihn tun.
Nein, sie hatte sogar die Krankenstation verlassen müssen, um für die Sicherheit der Mannschaft vor den Jumpern zu sorgen. Und bald würde sie wieder ihren Platz auf der Brücke einnehmen müssen, falls Narbos Plan einen Fehler hatte um ihnen endlich einen Weg aus der Vergangenheit in ihre Gegenwart zu ermöglichen und das Tor der Zeit zu öffnen.
Zeit...
Zeit war alles, was sie brauchte.
Dabei waren sie sogar in der Vergangenheit.
Vergangenheit...
In den letzten Minuten war in ihrem Gehirn ein unglaublicher Plan gereift. Ein Plan, von dessen Gelingen sie niemals erfahren würde. Ein Plan, der zugleich paradox wie auch genial einfach war und der auch ihre einzige Hoffnung darstellte.
Silvana holte sich einige Informationen durch den Computer und nahm eine Menge neuer Eintragungen vor. Danach gab sie dem Computer die alles entscheidende Anweisung, die ihr trotz allem so schwer fiel, daß sie Mühe mit dem Sprechen hatte:
"Computer, schicke diese Daten in an das angegebene Computersystem. Schleuse sie ein und verschleiere ihre wahre Herkunft. Sie müssen absolut echt wirken."
Ihr Herz wurde schwer.
Zusätzlich meldete sich plötzlich aus einem unerfindlichen Grund Jean-Luc, der ihre Konversation mit dem Computer verfolgt hatte:
"Sind Sie sich sicher, Sir? - Wenn diese Eingaben getätigt werden, dann werden Sie nachhaltig die Zukunft... sowie paradoxerweise auch unsere Gegenwart beeinflussen. Sind Sie sich wirklich sicher, daß Sie dieses hohe Risiko eingehen möchten?"
Silvana hatte gedankenverloren zwei Worte in geschnörkelten Buchstaben auf die Rückseite die Personalliste gemalt, die ihr Slade gegeben hatte. Marok Dudras...
"Ja, ich bin mir ganz sicher, Jean-Luc. Die Daten sind sofort an das System zu übermitteln und freizusetzen..." Tränen rannen über ihr Gesicht....
--- Krankenstation
Als Kargan die Krankenstation wieder betrat, fühlte er sich sofort heimisch. Zur Zeit waren nicht viele Betten belegt. Die meisten der durch die Explosion verletzten Crewmitglieder konnten ambulant behandelt werden und waren bereits wieder auf ihren Stationen.
Einige mittelschwere Fälle hatten seine Leute gut behandelt, auch diese Patienten waren bereits entlassen, durften sich aber in der nächsten Zeit die weiteren Ereignisse von ihrer Kabine anschauen.
Behandelt wurden momentan nur noch zwei Techniker, welche die Explosion schwer verletzt überstanden hatten. Die Vulkanierin T'Paku hatte eine Hand verloren, und Jan Daros Körper war durch ein herumfliegendes Metallteil von der rechten Schulter bis zur linken Hüfte aufgerissen worden, wobei auch die Wirbelsäule schwer in Mitleidenschaft gezogen worden war.
Und dann lag da noch Raschkralle, die Narbos 'Anschlag' überlebt hatte und sich mittlerweile auf dem Wege der Besserung befand. Sehr bald würde sie die Krankenstation wieder verlassen können.
Sehr bald? Kargan ging zu ihrem Bett und studierte die bionischen Anzeigen. Hm - Eigentlich konnte er es verantworten, sie jetzt schon zu entlassen. Arbeiten konnte sie sicher noch nicht, aber ein wenig Bewegung würde sicher den Heilungsprozeß beschleunigen.
Der Chefarzt machte sich eine gedankliche Notiz und begab sich zu seinem Schreibtisch. Dort wartete genau die Arbeit auf ihn, an die er nicht gedacht hatte, als er sich damals, in seinem vorigen Leben, bei der Sternenflotte meldete. Er hatte damals angegeben, daß er eine kommandierende Stellung anstrebte.
Isabel, seine langjährige Freundin und Lebensgefährtin, hatte ihn schon früh darauf aufmerksam gemacht, daß die Leitung einer Krankenstation bedeutete, nicht nur die interessantesten Fälle zu bekommen, sondern auch den gesamten bürokratischen Papierkram machen zu dürfen.
Als er seinen Schreibtisch sah, wußte er, daß sie recht gehabt hatte. Seufzend setzte er sich und gab der Krankenschwester die Anweisung, ihn zu informieren, sobald Raschkralle aufwachte. Dann vergrub er sich in die Akten der vielen Patienten, die heute die Krankenstation aufgesucht hatten.
--- Brücke, viel später
Narbo hatte hart getüftelt, aber langsam schien der Durchbruch gekommen zu sein. Vierdimensionale Berechnungen waren recht komplex und nur durch Erläuterungen des Computers für humanoide Gehirne überhaupt verständlich.
Eine echte Herausforderung eben. Narbo grinste und dachte an den großen Ruhm, den ihm diese Tat bringen würde. Und er dachte, an seine Fähigkeiten; die Genugtuung wieder über die eigenen Grenzen gegangen zu sein. Und er dachte an Silvanas Genugtuung, wenn sie ihm bei Mißlingen ein enormes Loch in die Brust schneiden würde...
'... Die Föderation vor dem Dominionkrieg warnen? Ihnen detaillierte Informationen über die Borg verkaufen? ...'
Narbos Grinsen rüttelte Slade aus seinen Gedanken heraus. Sich im Captainssessel aufrichtend fragte Slade: "Wie sieht's aus? Hast du was erreicht?"
Narbo schaute dem verdutzten Fellbrocken ins Gesicht. Durch die ruckartige Bewegung hätte er beinahe einen Krampf im Genick bekommen, aber mit großer Überwindung schaffte er es sich wieder zu entspannen. Nachdem er seinen Kopf mehrmals geschüttelt hatte, wandelte sich die Neugier des DaiMons langsam in Ungeduld.
"Nun, entweder kommen wir zurück oder vernichten den Subraum im Umkreis von 50 Lichtjahren!", scherzte der Ferengi grinsend. Slades Mine wurde schlagartig dunkler und Narbo löste das Geheimnis auf: "Ich denke, wenn nichts Unerwartetes passiert, ist unsere Erfolgs-Chance irgendwo zwischen 80% und 90%. Wenn ein weiterer Sabotageakt aber im falschen Moment geschieht, werden wir sehr viel Zeit haben, um den Schuldigen zu finden."
Der ihn um Haupteslänge überragende Captain schaute nun schon etwas zuversichtlicher und ließ sich von Narbo die genau Wirkungsweise erläutern. An manchen Stellen zeigten sich Schwächen, aber Narbo mußte in dem Zusammenhang an das alte irdische Sprichwort denken: 'No risk, no fun!'
Schließlich hatte der überforderte Anticaner alles begriffen und Narbo blieb ein Wutanfall über die Begriffsstutzigkeit des Captains erspart. Konzentriert ließ sich Slade wieder ihn seinen Sessel sinken, um die Vorbereitungen einzuleiten.
Der Ferengi dagegen entschloß sich, seine Materialien in den Abschußrampe zu bringen, damit ein sofortiger Beginn möglich wurde. Leider war das DEATH nicht stabil genug, um gebeamt zu werden, und nach einer kurzen Überzeugungsphase hatte Narbo den Captain so genervt, das Silvanas klingonischer Schoßhund als Träger engagiert war.
Grinsend verließ Narbo die Brücke, während Slade scheinbar noch etwas anderes vorhatte.
Dieser saß weiterhin grübelnd in seinem Captainssessel. In ihm rangen zwei Stimmen um die Vorherrschaft. Die eine versuchte ihn davon abzubringen, die Zukunft zu verändern, nur um mehr Profit herauszuschlagen.
Die andere Stimme jedoch schlug ihm immer gewagtere und komplexere Manöver vor, die ihm in der Zukunft Berge von Latinum versprachen.
Letzte Stimme war eindeutig lauter...
...als sich eine dritte Stimme einmischte. Sie flüsterte ihm dröhnend etwas zu, an das er bisher noch gar nicht gedacht hatte.
Warum wollte er eigentlich Berge von Latinum?
Geld war noch nie sein Problem gewesen. Er hatte sich sogar ein für private Verhältnisse riesiges Schiff kaufen können, weil er immer gute Tips für sehr lukrative Geschäfte bekommen hatte.
Er hatte mit Dingen gehandelt, bei denen andere Händler bleich geworden wären.
Hm - wo hatte er eigentlich diese Tips her? Die meisten kamen durch einen intergalaktischen Newsticker für Wirtschaftsdaten auf sein Display. Er hatte sich immer eingebildet, daß er diese Nachrichten besonders gut interpretieren konnte.
Lediglich die letzten beiden Nachrichten hatten sich auf den ersten Blick als Fehlschläge entpuppt: Zuerst die Privateer und dann die Tarnvorrichtung.
Aber wie es ihm jetzt klar wurde, waren das die wichtigsten Nachrichten überhaupt gewesen. Es waren die Nachrichten, welche die anderen erst ermöglichten.
Und Slade wußte nun, daß er die Nachrichten deshalb besonders gut interpretieren konnte, weil er sie selber geschrieben...und mit einer Zeitverzögerung von -zig Jahren versehen hatte.
...und er wußte, daß seine Glückssträhne mit dem heutigen Tag vorbei wäre.
Oder erst begann, denn schließlich konnte er zum ersten Mal wirklich frei entscheiden, was er zu tun hatte.
Zum ersten Mal? Wie oft war er wohl schon in dieser Situation gewesen?
Hundert Mal?
Tausend Mal?
Er würde niemals erfahren, wie oft er diese Schleife schon durchlaufen hatte.
Und er hatte viel zu tun...
--- Silvanas Quartier
"Verdammt, ich muß wieder auf die Brücke", fluchte Silvana, während sie aus dem Bad stürzte. Ihr Blick fiel dabei auf ein weißes Blatt Papier. Sie drehte es um. Es war die Liste mit Namen, die ihr Slade gegeben hatte um ihre Leute auszusuchen. Einige Namen waren durchgestrichen, andere angekreuzt. Aber die Auswahl hatte sich inzwischen erledigt. Sie knüllte das Papier zusammen und warf es achtlos auf den Boden.
Die Tage waren gezählt, wo sie allein durch Jeffriesröhren kriechen mußte und sich alleine zwei der großen Jumpern stellen mußte. Mit einem schiefen Grinsen betrachtete sie die lange Narbe auf ihrem linken Unterarm. Auch eine Art von Auszeichnung. Aber den beiden Viechern war es noch schlechter ergangen, auch wenn eines sich davon zur Zeit in der Arrestzelle regenerierte und auf seinen großen Augenblick wartete.
'Ich werde sie direkt vermissen', dachte Silvana und bleckte die Zähne. 'Sie war immer ein guter Gegner.' Danach verließ sie ihr Quartier um ihren Dienst auf der Brücke anzutreten. Vielleicht war ja auch Narbo inzwischen bereit für eine kleine Reise durch die Zeit.
--- Gänge, Deck 5
Geschmeidigen Gangs war Silvana zum Turbolift unterwegs. Die letzten Jumper waren laut Computer beseitigt, die Plage war endgültig besiegt und ihre Sicherheitsabeilung war jetzt wieder in wechselnde Dienstschichten eingeteilt. Wovon die momentan diensthabende gerade einen kleinen Aufstand vor der Bar regelte, da einige Crewmitglieder nicht einsehen wollten, daß diese im Moment geschlossen war.
Aber damit würden ihre Leute alleine klar kommen müssen. Die Anwesenheit auf der Brücke war Silvana momentan wichtiger.
Silvana bog gerade um eine Ecke, als sie mit einem Mann zusammenstieß und sich einen Moment an ihm festhielt um ihren Schwung aufzufangen. Auch er legte seine Arme für einen Moment um sie. Eine Geste, die normalerweise bei Silvana leicht tödlich enden konnte.
Aber trotz ihrer Eile bemerkte sie seinen gut gebauten Körper, der unter einem Arbeitsoverall versteckt war und ihr normalerweise gar nicht weiter aufgefallen wäre. Er war ein Stück größer als sie, hatte eine gebräunte Hautfarbe und seine Augen waren sehr dunkel, fast schwarz. Hastig entschuldigte er bei ihr sich und lief weiter.
Für einen Moment sah Silvana ihm unentschlossen nach, dann sagte sie laut: "Computer, wie hieß der Mann, der eben mit mir zusammengestoßen ist und in welcher Abteilung arbeitet er?"
"Es handelt sich dabei um Stormy Clouds", meldete der Computer unverzüglich. "Er arbeitet zur Zeit auf Deck 8 in Frachtraum 2."
"Stormy Clouds", murmelte Silvana und versuchte sich den Namen einzuprägen. Sie war sich sicher, daß sie bald auf seine 'Dienste' zurückkommen würde...
--- Brücke
Kaum auf der Brücke angekommen, nahm sie ihren Platz hinter der Waffensteuerung ein, dann drehte Silvana sich zu Slade um, der ziemlich nachdenklich wirkte.
"Ist was? Wo ist Narbo? Geht die Show bald los? - Ich hab in der Gegenwart noch etwas vor..." Sie grinste den Captain an und ihre Augen funkelten dabei besonders gelb.
Slade, der gerade die letzte seiner Transaktionen abgeschlossen hatte, drehte seinen Captainssessel zu ihr um und antwortete: "Gute Frage. Ich habe seit einiger Zeit nichts mehr von ihm gehört. Ich will auch langsam wieder nach Hause...."
--- Krankenstation, Kargans Büro
Auch Kargan saß nachdenklich in seinem Sessel und dachte mit schmerzendem Schädel an die Zukunft - oder die Vergangenheit - als sich die Tür der Krankenstation öffnete und eine blutverschmierte und ziemlich angekokelte Person hereintaumelte.
Kargan konnte noch die Worte "...Shuttle...Fehlfunktion der Sicherheitssysteme...Hilfe..." verstehen, als Narbo auch schon zusammenbrach und sich nicht mehr rührte.
--- Krankenstation, bei den Betten
Mit einem Satz war er bei ihm, scannte den reglosen Körper und bedeutete zwei Helfern, den Ferengi auf ein Biobett zu legen.
Die Scans zeigten, daß es ihn ziemlich übel, aber nicht lebensgefährlich erwischt hatte. Die Ohren sahen zwar sehr mitgenommen aus, aber Kargans Fähigkeiten als plastischer Chirurg waren größer, als man es einem Klingonen zutrauen würde.
Aber darum mußte er sich später kümmern. Nachdem seine Leute die vielen Blutungen gestillt und die Brandwunden versorgt hatten, mußte der Patient erst einmal etwas schlafen.
--- Krankenstation, Kargans Büro
Beruhigt ging Kargan in sein Büro zurück, um die Sicherheit zu alarmieren. Immerhin hatte es Narbo doch ziemlich schlimm erwischt.
--- Krankenstation, bei den Betten
Zwei Augen, die bisher nur so getan hatten, als ob sie schliefen, öffneten sich.
Ein Kopf drehte sich zeitlupenhaft langsam zum Nachbarbett um.
Ein Raubtiergesicht grinste ein Raubtiergrinsen.
Viel schneller, als man es Raschkralle zugetraut hätte, schnellte sie hoch und warf sich auf die Person, der sie diesen langen Aufenthalt auf der Krankenstation zu verdanken hatte.
Narbo hatte keine Chance, als die rasiermesserscharfen Krallen seine Arterien zerfetzten und den Boden mit seinem Blut tränkten.
--- Krankenstation, Kargans Büro
Kargan, der sich gerade wieder gesetzt hatte, bemerkte beim Umdrehen einen schnellen Schatten, danach nur noch hektische Bewegungen und Blut. Viel zu viel Blut...
Er sprang auf...
...und verfluchte seine Kopfschmerzen.
Die Krankenstation lag so ruhig wie eh und je da, kein verletzter Ferengi war in Sicht. Offenbar hatte der Klingone noch nicht einmal in der Vergangenheit Ruhe vor seinen Halluzinationen...
--- Turbolift
Von Adrenalin durchströmt lenkte der Ferengi mit den merkwürdigen Hobbys den Lift Richtung Arsenal, wo er den Bastard von Klingonen das letzte Mal sehen mußte. Wenn Narbo an den begriffsstutzigen Handlanger und dessen kleinen Scherz mit den fehlenden Magazinen dachte, keimte Übelkeit in seinem Magen auf. Aber wenigstens wußte er nun, wie er es dem Klingonen heimzahlen konnte...
--- Arsenal
Als sich das Schott komplett geöffnet hatte, starrte Narbo direkt auf die dreckigen Sohlen klingonischer Stiefel. Mister IQ hatte es sich gemütlich gemacht und lag schlafend in einem Sessel. Seine Füße hatte er auf die Konsole gelegt und seine Arme hingen schlaff herunter. Ab und zu zuckte er ein wenig, und kratzte sich genüßlich im Schritt. Scheinbar hatte er ganz besonders schöne Träume. Am linken Mundwinkel seilte sich ein Speichelfaden ab, und der Ferengi staunte über die Konsistenz und Hartnäckigkeit, mit der die Lülle auch weiterhin über dem Boden baumelte.
'Aber jetzt ist genug geträumt!', dachte sich der Ferengi hinterhältig. Schließlich waren sie nicht auf einem Kreuzfahrtschiff! Räuspernd stellte er sich direkt neben den Stuhl und kippte selbigen ruckartig. Zwar stöhnte Narbo unter dem Gewicht des Klingonen, aber bevor der Fleischklumpen reagieren konnte, fiel er schon aus seiner Schlafposition und schlug mit dem Gesicht auf.
Innerlich zeriß die Freude Narbo beinahe, aber diese jetzt zu zeigen, wäre wohl sein Todesurteil gewesen. Mit erstaunlicher Schnelligkeit sprang der Klingone wieder auf und hob schon seine Faust zum Todesschlag, als Narbo mit kühler Mine den sabbernden Haufen anstarrte. Durch diese Reaktion verwirrt, ließ er die Faust sinken, und starrte Narbo fassungslos an.
Dieser antwortete nur schlicht: "Wir haben einen Auftrag!" Ein jäher Stimmungswechsel durchfuhr den Klingonen. Wie ein mit dem Schwanz wedelnder Hund ließ er seine Augen leuchten.
'Jaja, wenn man einen Knochen hinschmeißt, werden selbst die dümmsten Viecher gehorsam', dachte Narbo und erklärte dem großen Sicherheitsmann die Aufgabe...
--- Brücke
Silvana murrte etwas Unverständliches, das sich so anhörte, als wäre es nicht gerade freundlich gewesen und kontrollierte noch einmal alle Anzeigen. Sie war zufrieden, das Schlimmste verhindert zu haben, aber es war auf den letzten Drücker gewesen, so etwas durfte einfach nicht passieren. Und doch war es ihr passiert.
Sie nahm sich fest vor, in Zukunft selbst mehr trainieren zu gehen und ihrem Sicherheitsteam mehr zuzutrauen. Es war eben nicht leicht zu trainieren und das ganze Schiff überwachen zu wollen. Und hier von der Brücke, wo ihr eigentlicher Platz war, da waren ihr überhaupt die Hände gebunden.
Gedankenverloren stierte Silvana auf den Bildschirm und streckte entspannt ihre Krallen aus um sie wieder zur Faust zu ballen.
Dabei fiel ihr wieder dieser Stormy Clouds ein und ihre Augen funkelten. Wenn er schon früher am Schiff gewesen wäre, dann hätte sie sich eine Menge Probleme erspart, was die Nächte des Pragun betraf. Aber leider war er nicht an Bord der Privateer gewesen, als ihre Reise sie in die Nähe des Planeten der Sokraliziden geführt hatte.
So hatte ihr unkontrollierter Drang sich mit dem stärksten Männchen zu paaren sie fast übermannt. Dabei wollte sie gar nicht daran denken, für wen sie dann wohl gefährlich geworden wäre, wenn ihrem 'Wunsch' nicht ohne Widerrede entsprochen worden wäre. Wahrscheinlich Slade selbst und der letzte Kampf hatte gezeigt, daß sie absolut ebenbürtige Gegner waren und sich nichts geschenkt hätten.
Nur ungern erinnerte Silvana sich daran, als sie sich nur mit knapper Mühe
im letzten Moment in ihr Quartier begeben hatte und den Computer mit einem langen
binären Code angewiesen hatte, die Verriegelung der Tür des Quartiers
erst wieder mit Erreichen von Drema III aufzuheben.
Eine seltsam blinkende Anzeige riß Silvana aus den Gedanken. Das Fiepen
zeigte an, daß etwas nicht stimmte. Die Anzeige hatte einen kritischen
Wert bei einem der Waffensysteme errechnet, nach dem die ganze Energieversorgung
beim nächsten Abschuß zusammenbrechen würde.
Es war kritisch.
Sehr kritisch.
Aber für Silvana nichts Neues.
Sie holte aus und schlug mit ihrer Faust gegen die Konsole, daß es krachte. Danach war wieder alles ruhig.
"Ich hasse Techniker!", schimpfte sie ärgerlich und knurrte zornig. Der Navigator und die Kommunikationslady sahen zu ihr rüber. Auch Slade ließ sich vernehmen.
"Was ist los, Silva?", fragte der Captain und schien hinter ihrem Rücken zu grinsen. "Ist dir ein Filgo über die Leber gelaufen?" Sein wölfisches Lachen erinnerte sie daran, daß jemand viel zu viel ihrer kostbaren Zeit verschwendete.
"Was soll schon sein? Langsam wird's mir hier echt langweilig. Wo bleibt denn unser Schleimbeutel Nr. 1?" Kurzerhand betätigte sie ihren Kommunikator.
"Silvana an Narbo: Wie lange sollen wir noch auf dein Feuerwerk warten? Läßt du dir Zeit, bis das Loch selbst für deinen Arsch zu klein wäre oder kannst du dich nicht entscheiden, welches deiner Babys du unter deinem Kopfkissen hervorkramst? - Komm in die Gänge oder ich komme höchstpersönlich um dir zu helfen..."
--- Abschußrampe
Silvanas Worte schreckten den Ferengi aus seiner Konzentration hoch, während er gerade eine Portion des Sprengstoffes in einen Torpedo einsetze. Im letzten Moment konnte er das Paket noch in den Händen halten, und Rodgan stiegen die Schweißperlen auf die knorpelige Stirn.
"Muß dieses verdammte Weib immer im entscheidenden Augenblick stören??", fluchte Narbo leise, als er den Sprengkopf wieder fest in beiden Hände hielt. Die Anspannung entwich langsam, und Narbo konnte klare Worte fassen: "Ja, wir haben bereits vier Torpedos bestückt und dürften in einer halben Stunde bereit sein, sie abzufeuern. Das Schiff kann in Position gebracht werden!" Und mit etwas Spott fügte er hinzu: "Falls ihr das schafft! Narbo Ende."
Nachdem die Verbindung beendet war, schaute er zu dem Klingonen rüber, der in der vergangenen Stunde ziemlich ruhig gewesen war. Rodgan hatte sich den Schweiß von der Stirnplatte gewischt und starrte weiter auf Narbos Hände.
Am Anfang hatte der Klingone noch "kluge" Ratschläge gegeben, aber der Ferengi hatte nur abgewinkt. 'Ein Kraftfeld mit maximaler Stärke um den Raum errichten, um den Rest des Schiffes, bei einem Unfall und der folgenden Explosion zu retten', rezitierte er kopfschüttelnd in Gedanken.
Verärgert hatte der Ferengi dem Hornochsen mit der 62. Erwerbsregel geantwortet: "Je gefährlicher der Weg, um so größer der Profit!" Und nachdem der Schoßhund die Augen verdrehte und einige rituelle Verse aufsagte, um sich scheinbar auf den Tod vorzubereiten, hatte Narbo ironisch ergänzt: "Außerdem sind wir alle dann schnell im Sto'vo'kor!"
Rodgan hatte den Kopf leicht zur Seite geneigt und man hörte leise seine Gedanken in der Stille: "Sex, Blutwein, Töten, Sto'vo'kor *knirsch* *rumpel* *quietsch*" Der Ferengi hatte einen Moment den imaginären Gedanken des Fleischklumpens zugehört und sich dann wieder der Arbeit zugewandt.
--- Eine Stunde und viele *knirsch* *rumpel* *quietsch*'s später
Rodgan stand immer noch in der Denkerpose da, als Narbo triumphierend den Kopf hob, und den Kommunikator bestätigte: "Narbo an Brücke. Torpedos bereit zum Laden und Feuern. Maximale Reichweite aufgrund entfernter Navigationskontrollen 10 Millionen Kilometer. Manuelle Flugkontrolle. Wir sind hier soweit fertig und werden uns zur Brücke (und zur Hundehütte ;-) begeben. Narbo Ende."
Mit Vorfreude verließ Narbo die Abschußrampe auf dem Weg zum Hauptdeck...
--- Brücke
Slade wollte sich gerade in das Gespräch einmischen, als Narbos letzter Satz ihn an etwas erinnerte.
Er betätigte nun seinerseits den Communicator und sagte: "Slade an Krankenstation."
Der klingonische Arzt meldete sich sofort: "Kargan hier. Was gibts?"
"Es könnte sein, daß wir in den nächsten Stunden wieder nach Hause kommen. Es wäre vielleicht vorteilhaft, wenn Raschkralle dann wieder auf dem Posten wäre. Kriegst Du das hin?"
--- Krankenstation
Kargan wollte gerade antworten, daß er sie eigentlich schon entlassen wollte, beschloß dann aber, ein wenig an seinem Nimbus zu arbeiten: "Hmmm - Das wird schwierig. Sofort geht das auf keinen Fall. Aber ich werde zusehen, daß sie in einer Stunde wieder auf den Beinen ist. Extreme körperliche Belastungen sind jedenfalls in der nächsten Zeit noch nicht angebracht."
Slade hörte sich sehr erfreut an, als er antwortete: "Sehr gut. Ich erwarte sie in einer Stunde auf der Brücke. Slade Ende."
Der Chefarzt rechnete damit, daß es reichen würde, wenn er die Pilotin in 30 Minuten weckte. Dann hätte sie eine halbe Stunde Zeit, sich beim Essen etwas zu stärken, sich zu säubern und ihren Dienst anzutreten.
--- Krankenstation, 30 Minuten später
Die bleierne Schwere fiel langsam von Raschkralles Gliedern ab. Anders als normal brauchte sie ein paar Minuten, bis sie vollkommen wach war.
Sie schlug die Augen auf und fauchte.
Offenbar hatte man sie in die Krankenstation gebracht.
Aber warum?
Der klingonische Arzt trat in ihr Blickfeld und fragte: "Wie fühlen Sie sich?"
Mit einem Schlag erwachte der Sarkasmus in ihrem Schädel: "Das frage ich Sie. Was ist überhaupt passiert?"
"Och, nichts weiter. Sie waren nur etwas krank, sind ein klein wenig ausgerastet und haben ein paar Leute fast zerfetzt. Ist in Ihrer Familie eigentlich schon öfter Tollwut aufgetreten?"
Die Augen der Katze weiteten sich vor Schreck und mit einem Satz war sie wieder auf den Beinen. Noch ehe sie etwas sagen konnte, fuhr Kargan fort: "Ah, wie ich sehe, geht es Ihnen schon wesentlich besser. Wir haben einen kleinen Imbiß für Sie vorbereitet, danach erwartet man Sie schon sehnsüchtig auf der Brücke."
Mit einem Mal bemerkte Raschkralle ihren knurrenden Magen und das sehr appetitlich riechende Fleisch, das offenbar ihrer harrte.
Nun, ihrer Ansicht nach war es unhöflich, Essen warten zu lassen, und so war der Berg schon nach ein paar Minuten verschwunden. Sie reckte und putzte sich, und schnurrte. Und dann ging ihr erst auf, was der Arzt als letztes zu ihr gesagt hatte.
Brücke!
Wirklich? Nicht zu fassen! Mißtrauisch beäugte sie den Klingonen.
"Ähm, Doktorchen, keine Erholungsphase? Kein Genesungsurlaub? Nicht mal zur Kur werde ich geschickt? Sagen Sie mal, was für ein Arzt sind Sie eigentlich?"
"Ein klingonischer", antwortete er. "Aber wenn Sie sich noch schwach fühlen, kann ich Ihnen gerne etwas Schonkost verordnen. Dr. Entenburg stillt Sie sicher gerne..."
Mit einem panischen Blick schaute Raschkralle sich um. "Bloß das nicht!"
Und mit einem Satz und einem gehetzten "Bin auf der Brücke!" huschte sie durch die Tür.
Grinsend setzte sich Kargan wieder in sein Büro und begann das Ende der Krankenakte "Raschkralle" zu schreiben.
--- Brücke, 7 Sekunden später
Raschkralle wartete nicht einmal, bis die Tür sich ganz geöffnet hatte, als sie auf die Brücke hechtete und den Piloten vom Dienst anfauchte: "Raus aus dem Sessel!"
Slade kommentierte ihren Auftritt mit einem: "Ich freue mich auch, dich zu sehen." Zum Piloten gewandt, fuhr er fort: "Harvester, Sie haben Dienstschluß. Wie ich Raschkralle kenne, wird man sie in den nächsten 40 Stunden nur noch mit Gewalt aus diesem Sessel bekommen."
Als Raschkralle den freigewordenen Pilotensessel in Beschlag genommen hatte, erläuterte ihr Slade die Situation.
--- Brücke, später
Raschkralle hatte die Misere zwar verinnerlicht, konnte den Zeitsprung aber immer noch nicht so recht glauben. Trotzdem hatte sie das Schiff auf Kurs in Richtung Riß gebracht. Eine Kommunikationsverbindung riß sie aus ihren Gedanken:
"Captain, das Schiff ist in 3 Minuten in Position: Wir sind dann 10 Millionen Kilometer vom Riß entfernt", meldete Raschkralle.
"Gut", brummte Slade. "Wenn die Position erreicht ist, voller Stop. Nachdem der Riß sich wieder geöffnet hat, sofort Beschleunigung auf Maximalwarp. Und wenn du den Riß nicht triffst, mach ich eigenhändig Hundefutter aus dir.
Oder ich biete dich Narbo als Leibsklavin an, der zahlt sicher gut für dich."
"Ach übrigens, willkommen zurück unter den Lebenden, Plüschohr", sagte Silvana süffisant und lümmelte sich gelangweilt auf die Waffenkontrolle.
"Verdammt nochmal", knurrte das Katzenwesen gereizt und legte die Ohren an. "Wie oft muß ich noch sagen, daß mein Name Raschkralle ist und nicht Plüschohr oder Miezekatze." Sie warf einen bösen Blick über ihre Schulter zur Waffenkontrolle, doch Silvana blieb unbeeindruckt.
Die Sivaoanerin war zu lange flach gelegen und hatte Mühe, mit ihren steifen Gliedern alle erforderlichen Kontrollen zu erreichen. Den Befehl des Captains zu erfüllen war gar nicht so einfach wie der es sich vorstellte, aber sie würde ihm zeigen, daß sie, Raschkralle zu Lorien, noch lange nicht zum alten Eisen gehörte.
"Ich habe dich nie Miezekatze genannt, Plüschohr", fuhr Silvana in ihrer Konversation fort und stellte mit Genugtuung fest, daß das räudige Pelzknäuel jetzt auch noch vor Ärger fauchte. Sie schien bester Laune zu sein. Gerade richtig.
"Ach, übrigens", fuhr Silvana fort, als hätte sie Raschkralles Ärger überhaupt nicht bemerkt. "Ich hoffe, du machst keine Dummheiten und rächst dich an Narbo für seinen kleinen.. Streich..."
"WAAAAAS", schrie Raschkralle wütend fauchend und spuckte dabei der blonden 'Telefonistin' ins Gesicht, die sich angewidert abwandte, um sich ihr Gesicht an ihrem rechten Ärmel zu säubern. Außerdem schien der Mundgeruch der Katze durch ihren langen Aufenthalt auf der Krankenstation sich eher zum Schlechten verbessert zu haben.
"Ups", sagte die Sicherheitschefin nur und konnte sich ein Lachen kaum verbeißen. "Das hätte ich jetzt wohl nicht sagen sollen." Dann arbeitete sie intensiv an einigen Einstellungen, die sie aus Spaß änderte, bis sie im roten Bereich waren und dann wieder sinken ließ.
Während Raschkralle tobte und Slade sie zu beruhigen versuchte, dachte Silvana an das Ende vom Dienst der Navigatorin. 'Freu dich schon mal auf deinen Besuch, Narbo. Vielleicht merkst du dir ja dann, daß nicht nur mein Verstand und meine Wurfmesser scharf sind, sondern auch mein Gehör mindestens ebenso scharf ist wie das eines Ferengi.' Beinahe zärtlich strich Silvana über die Feuerknöpfe...
--- Gänge
Jubilierend ging Narbo durch den Gang. Seine Berechnungen und seine Konstruktion waren perfekt gewesen, und bald würden sich die Früchte seiner harten Arbeit zeigen. In Gedanken sah er den winselnden Vulkanier vor sich, der versucht hatte, sie in dieser Zeit verrecken zu lassen, aber der Versuch - und der Vulkanier - bestanden mittlerweile nur noch aus blassen Erinnerungen...
--- Turbolift
Mit einem sehr breiten Grinsen und einer noch schärferen Klinge betrat er den Turbolift, wie ein Imperator seinen Thron. Der Weg zur Brücke erschien dem Ferengi, wie der Weg zur heiligen Schatzkammer, in der der Grosse Nagus Gint auf ihn wartete.
Verträumt starrte er vor sich hin, als das Schott in die Wand glitt und ein fauliger Geruch seine Lungenflügel füllte; Raschkralle war bereit Rache zu nehmen....
[Beginn NRPG:
Was bisher geschah.....
Unser Lieblingsferengi hatte gerade triumphal die Arbeit an den Subraumbomben beendet, die der Privateer die Rückkehr in ihre Zeit ermöglichen sollen. Währenddessen warten die schöne Silvana und der edle Slade aufgeregt und voller Ehrfurcht auf die glorreiche Rückkehr des Narbo. Aber es droht auch Unheil auf der Welt: Die rachsüchtige und äußerst gerissene Queen Raschkralle plant in ihren düsteren Visionen einen hinterhältigen Anschlag, der übler als ihr Mundgeruch sein wird!!!
Wird Narbo es schaffen? Wird Silvana dem Charme des Ferengi erliegen? Wird Slade Haarausfall bekommen? Oder wird Raschkralle die Herrschaft über die Welt übernehmen.........?
*dramatischepaukenschlägeunddasbildausderletztenfolgeblendetab.nunsehenwirdenglorreichenferengikriegerinderturbolifttürmutigaufseinschicksalwarten*
Und nun die Fortsetzung von ST-Privateer:
Ende NRPG]
--- Brücke
Angewidert kniff der Ferengi die Nasenflügel zusammen, als ihm der Fäulnisgeruch in die Atemwege stieg. Ein widerliches Fischaroma kratzte in seiner Kehle und der düstere Blick des Katzenwesens tauchte die ganze Brücke in Finsternis.
Langsam begriff auch Slade was sich anbahnte und er rutschte etwas höher in seinem Sessel und fixierte die Szene. Die beiden Feinde standen sich gegenüber, bereit den anderen bedingungslos zu töten oder ihn schwer zu verwunden. Gnade war ausgeschlossen, das wußten alle Anwesenden.
Die grauen Augen der alten Närrin funkelten bedrohlich und die Krallen blitzten in der passiven Beleuchtung des Kommandodecks. Das angegraute Fell richtete sich auf und die Schnurhaare zuckten, als wenn sie eigenhändig töten wollten.
Narbo starrte die Sivoanerin an, richtete dann den Fokus auf Silvana. Süffisant lächelnd stand die Terranerin an ihrer Konsole und streckte ihre Finger knackend aus; das einzige Geräusch auf der ganzen Brücke. Selbst die üblichen Piep- und Surrtöne der Computer und Maschinen schienen verschwunden zu sein und eine kleine Schweißperle stieg auf die buckelige Stirn des Ferengi. Vorsichtig bewegte er sein linkes Bein, und spürte den Schaft eines 10 Zentimeter langen Messers in seinem Stiefel sitzen.
'Ein Glück, ich bin noch nicht verloren!', stieß er in Gedanken erleichtert aus. Zwar war der Kampf noch nicht gewonnen, aber jetzt konnte er den rasiermesserscharfen Krallen des schmächtigen Katzenwesens wenigstens etwas entgegensetzen.
Das leichte Tappen von Pfoten auf dem Boden durchbrach die Stille, als Raschkralle einen Schritt auf ihn zumachte, sich dann blitzschnell zusammenzog und mit einem riesigen Satz auf ihn zugeschossen kam.
Von Instinkten geleitet schmiß sich der Ferengi in Richtung der taktischen Konsole, an der Silvana grinsend zuschaute. Raschkralle verfehlte Narbos Fuß nur um wenige Millimeter, aber dieser Fehler genügte Narbo, um die unzählige Male trainierte reflexartige Bewegung zu seinem Stiefel durchzuführen.
Das Messer lag gut ihn seiner Hand und Narbo dankte dem Profit für diese Investition. Etwas grobmotorisch sprang er auf und hielt das Messer vor sich, während Raschkralle längst zum nächsten Sprung angesetzt hatte. Diesmal unterlief ihr kein weiterer Fehler und sie flog an der gestreckten Hand vorbei und verfing sich mit ihren Krallen in Narbo Schultern.
Beißender Schmerz durchflutete ihn, als er panisch mit dem Messer um sich hieb und schließlich etwas traf. Warmes Blut rann über seine Hände und er konnte nicht genau unterscheiden, ob es aus seiner Schulter oder Raschkralles Bauch kam. Laut jammernd fauchte das Fellbündel auf, und Narbo erkannte, daß auch er sie stark verletzt hatte. Erschöpft fiel er auf den Rücken, seine ganze Energie in das Festhalten des Messers verbrauchend.
Langsam verlor er aber auch seine letzte Kraft und eine Sekunde bevor er das Messer in Raschkralles Bauch steckend losließ, ertönten laute, warnende Geräusch aus allen Richtungen. Das Licht senkte sich und wurde dunkelrot; Silvana nahm eine einsatzbereite Haltung an, während Jean-Lucs Stimme aus der internen Kommunikation ertönte: "Captain, soeben hat sich ein romulanischer Warbird auf Position 168 zu 004 (also direkt hinter dem Schiff) enttarnt und beginnt einen feindlichen Anflug."
Slade starrte jetzt von dem allgemeinen Chaos des kurzen Kampfes hoch und guckte in Silvanas Augen. Diese hatte schon kurz vorher reagiert und überprüfte die Angaben des Androiden. Schließlich nickte sie dem Captain zu, verärgert, daß sie ihre Aufgaben nur einen Augenblick vernachlässigt hatte. Gleichzeitig reagierte sie auf die bevorstehende Katastrophe und hob die Schilde und aktivierte die Waffen. Der Anticaner war mittlerweile zur Navigationskontrolle gesprintet und hatte ein enges Ausweichmanöver um die Z-Achse eingeleitet, welches das Schiff aus der Waffenreichweite der Romulaner bringen würde.
Raschkralle löste sich langsam von Narbo, und trotz ihrer Verletzungen fauchte sie ihn noch grimmig an und flüsterte: "Rache!"
Narbo sah ihr nach, als sie sich zur Navigation schleppte, um das Steuer wieder zu übernehmen. Auch in diesem Zustand war sie noch ein besserer Pilot als Slade und so setzte sich der hünenhafte Anticaner wieder in seinen Sessel und aktivierte seinen Kommunikator: "Slade an Kargan: Kommen Sie sofort zur Brücke; es gibt Verletzte."
Nach einer kurzen Sekunde der Überwältigung spürte der Captain es in sich: Das Schiff flog in den Kampf und es gab vielleicht kein Zurück....
--- Zukunft, "Zur Erholung"
Zeit.
Raum.
Realität.
Für einen Moment hatte sich ein Flashback in Narbos Gehirn eingebrannt und entwich nun langsam wieder. Der greise Ferengi öffnete den Mund und brachte keinen Laut hervor. Alle anderen Mithäftlinge fixierten Narbo und starrten gebannt auf ihn.
"57 Jahre", flüsterte er matt. Seine Erinnerungen waren schon beinahe verblaßt, aber in dem Moment des Flashbacks war das Geschehene wieder einmal real geworden. Die letzten Minuten der Privateer!
Eine Träne formte sich in seinem Auge, während der Ferengi zu dem Stock griff, der seit Jahren sein ständiger Begleiter war. Das edle Holz schimmerte in der grellen Beleuchtung ihres Gefängnisses. 'Altersheim, Gefängnis, Tod', dachte er angewidert und fragte sich ob es einen Unterschied dazwischen gab.
--- Narbos Zimmer
Langsam schleppte er sich in sein Zimmer, das karg möbliert war und nach Desinfektionsmittel roch. Der Geruch war dem Ferengi vertraut und er nahm ihn nur noch selten war. Wenn er nachts wachlag und seinen Verstand beinahe verlor, weil er ES nicht ändern konnte. Noch nicht.
Es war ein schicksalsträchtiger Tag gewesen; die Zukunft hatte in den Händen
weniger Leute gelegen. Ein paar Händler, auf einem Schiff namens Privateer.
Sie waren in der Vergangenheit gefangen gewesen und es hatte bei dem Ferengi
gelegen sie zurückzuholen. Aber....er hatte etwas übersehen.
Als Narbo die Explosion, die die Öffnung im Raum-Zeit-Kontinuum weiten sollte, geplant hatte, war der Computer von der Subraumschädigung ihrer Gegenwart ausgegangen. Doch in der Vergangenheit war sie nicht annähernd so stark gewesen. Und die Explosion.....
....Narbo schloß die Augen und drückte den Stab fest, bis seine Hand rot anlief. Dann schaute er an seinem Körper herab, sah das kühle Metall, das ihn am Leben hielt. Abwärts des Beckens war sein Körper durch Implantate ersetzt worden und kein Tag verging, ohne daß Narbo nicht sterben wollte. Nur ein Gedanke hatte ihn am Leben erhalten: 'Ich kann es ändern, aber der Moment zum Sterben ist noch nicht gekommen!'
Seine Gedanken kehrten zu der Explosion zurück. Sie war so gewaltig gewesen, daß eine riesige Welle durch den gesamten Subraum ihres Quadranten gelaufen war und ihn auf ewig unbrauchbar gemacht hatte. Der Warpflug war wie eine Seifenblase verschwunden. Die Wirtschaft mit ihm untergegangen. Regierungen waren gestürzt worden und Piraten hatten die Herrschaft übernommen. Die Föderation war schließlich 9 Jahre nach der Katastrophe zerbrochen und seither gab es keine Sicherheit mehr.
In der Mythologie gab es einen Namen dafür: Ragnarök, der Untergang der Götter und der Erde. Narbo hatte diese Götter im Moment seines Todes gesehen und alle 10 Jahre kamen sie wieder; versucht ihn zu holen, um ihn auf ewig in der Unterwelt verrotten zu lassen.
Seit diesem Tag, wo er sich selbst und alles andere vernichtet hatte, war er damit beschäftigt gewesen eine Lösung zu finden. Und es war ihm gelungen: Wenn der Tod und die Götter zu ihm kamen, vereinigten sich Zeit und Raum. Er war nicht allein. Er sah sein Ebenbild in der Vergangenheit; im Moment jedes Todes, den er erlitten hatte. Und auch zu dem Moment, wo er blutend auf dem Boden der Brücke lag und das Jenseits nur kurz berührte. Wenn sein Ende kam, würde er in der letzten Sekunde, die ihn vom Jenseits trennte und sich auf ewig und nichts dehnte, sein anderes Ich berühren und warnen können.
Lange Jahre hatte Narbo auf den Moment seines Todes gewartet; Selbstmord war nicht rein genug, um diese Aufgabe zu erfüllen. Man konnte sich den Göttern nicht aufzwingen und erst wenn sie ihn holten, konnte sein Plan gelingen.
Im Grunde war der Fehler gering gewesen, die Torpedos mußten nur zwei Kilometer vor der Öffnung statt in ihr explodieren. Aber genau diese Einfachheit erschien Narbo, wie ein Scherz des Schicksals; sein unmögliches Überleben, wie eine Strafe, die härter war als jedes erdenkliche Verbrechen.
Erschöpft legte der Ferengi sich auf sein Bett und atmete schwer. Er fühlte es in seinem schwachen Herzen; die Zeit des erlösenden Todes war da. Und mit ihm der Moment der alles ändern würde. Lächelnd schloß Narbo die Augen und sein Herz tat den letzten Schlag....
--- Privateer, jetzt, Brücke
....Als Narbo hinter der taktischen Konsole liegend wieder die Augen öffnete, spürte er ein neues Wissen in sich. Jemand hatte ihn berührt, jemand der ihn gut kannte. Und dieser jemand hatte viel auf sich genommen, um ihm etwas mitzuteilen. Mit schmerzverzerrten Gesicht hob er den Kopf und starrte Silvana an. Leise zischte er und sie sah ihn verärgert an; zuerst hatte er sie von ihren Aufgaben abgelenkt und nun versuchte er es wieder.
In diesem Moment öffnete sich die Tür des Turbolifts und Kargan betrat das Hauptdeck. Sofort sah er den verletzten Ferengi und bückte sich zu ihm. Ein Gerät kreiste über Narbos Brust und dann aktivierte Kargan mit grimmiger Mine seinen Kommunikator: "Kargan an Transporterraum 1, beamen sie meinen Kommunikator auf die Krankenstation. Sofort!"
Dann klebte er das silberne Emblem auf die Brust des Ferengi, der gerade seinen Kopf zu Silvana gedreht hatte und mühevoll weitersprach: "Die Torpedos müssen 2 Kilometer vor der Anomalie explodieren." Silvana nickte ihm bestätigend zu, als ein Flimmern den Ferengi umgab. Lächelnd schloß er wieder seine Augen. Die Mission war erfüllt.
--- Krankenstation, inzwischen
Nachdenklich überprüfte Ruiq einen der Werte auf dem Biobett eines Klingonen. Ein besonders heimtückischer Jumper war ihm auf den Rücken gesprungen und hatte ihn in das Genick gebissen. Der Klingone konnte das Biest abschütteln und vernichten, aber es schien ihm etwas in die Blutbahn gespritzt zu haben, das seinen Organismus bis an die Grenzen belastete. Aber wie es schien war er aus der Gefahr, wenn er die Nacht überlebte.
Stumm verlor sich der Blick des Kalconiers in der Ferne ohne dabei wirklich etwas zu sehen. Er fühlte sich nicht ganz wohl in seiner Haut. Irgend etwas ging auf dem Schiff vor, von dem er keine Kenntnis hatte und sich auch nicht sicher war, ob er wissen wollte, worum es dabei ging.
Vor kurzem noch war eine wahre Invasion an Jumpern über das Schiff hereingebrochen und hatte Spuren der Verwüstung und des Krieges hinterlassen, während die Sicherheit des Schiffes sich mühsam Schritt für Schritt die Oberhand in diesem ungleichen Kampf verschafft hatte. Das ganze Schiff war von unheimlichen Leben erfüllt gewesen und auf der Krankenstation hatte es vor leichten und schweren Fällen nur so gewimmelt, dann war es plötzlich still gewesen.
Verdächtig still sogar.
Totenstill.
Lediglich der Doc war einmal vom Captain auf die Brücke gerufen worden und bisher nicht wiedergekommen. Langsam machte sich Ruiq Sorgen, daß man ihnen allen etwas verheimlichte und es schlecht mit ihrer Zukunft aussah. Scheinbar ging die Rückreise nicht so einfach vonstatten, wie sie es sich alle ausgemalt hatten.
Bald würden die ersten der Mannschaft auftauchen, die er beruhigt hatte und ihn der Lüge bezichtigen. Ein zweites Mal würden sie ihm keinen Glauben schenken und es würde eine Meuterei losbrechen, die in ihrer augenblicklichen Situation das Ende der Zukunft bedeuten konnte, die sie als ihre Gegenwart kannten.
Hastig verließ Ruiq die Krankenstation in Richtung Turbolift.
--- Maschinenraum
Atemlos kam Ruiq am Arbeitsplatz seines großen Freundes an. Sofort sah er Anturios, den Amarilianer, der scheinbar damit beschäftigt war einigen seiner Leuten Aufgaben zuzuweisen. Mit großen Augen wartete der Kalconier ab, bis sein Freund Zeit für ihn und seine Sorgen hatte. Er war der einzige an Bord zu dem er wirklich Vertrauen hatte.
Ruiqs Gedanken formten nur eine Frage: 'Was geht hier vor?'
Innerlich von der Anspannung der letzten Stunden förmlich pulsierend, drehte sich Anturios zu seinem Freund um. In den Augen des Kalconiers sah er Angst; Angst vor dem was zur Zeit auf der Privateer passierte, und dem was passieren würde.
Sanft legte Anturios seine Tentakel von der Konsole weg und in eine Höhe zu dem schmächtigen Wesen. Ein paar Sekunden lang vergingen bis er seine eigene Nervosität und seine Furcht genug unter Kontrolle hatte, um seinem Freund zu antworten.
Anturios wußte wie wichtig es für Ruiq war, jetzt eine aufmunternde Antwort zu bekommen und mit seiner ganzen Konzentration verdrängte Anturios jede Sorge in entfernte Stellen seines Geistes und sendete so positive Gedanken zu dem Kalconier wie möglich: "Wir sind in der letzten Phase unserer Rückkehr angekommen und Narbo wird uns mittels einer Explosion wieder in unsere Realität bringen. Hab keine Angst, es wird alles gut gehen, mein kleiner Freund!"
Selten war der Amarilianer gezwungen gewesen zu lügen, aber nun sah er keine andere Möglichkeit. Er konnte doch nicht seinem besten Freund alle Risiken des Unternehmens und die Schwachpunkte nennen, und bei dem Grossen Garten, Schwachpunkte gab es genug!
Seine Tentakel hatten sich verhärtet und waren steif geworden, die gewohnte Geschmeidigkeit fehlte und Ruiq bemerkte die Anspannung sofort. 'Der Kleine ist wirklich ein Goldstück, ich kann ihn nicht enttäuschen!', dachte Anturios bestärkt und lockerte sich wieder und senkte dann seine Tentakel über Ruiq. Vorsichtig streichelte er ihn und flüsterte dann in einer Welle von positiven Gefühlen: "Es wird alles gut werden, das verspreche ich Dir! Wenn du willst, kannst du bis dann an meiner Seite bleiben."
Immer noch etwas zitternd umarmte Ruiq, sein Freund mit den sonst so strahlenden Augen, ihn und blieb an den grünen Stamm gelehnt stehen....
"Ich habe Angst", sagte Ruiq mit einem leichten Beben in der Stimme und blieb weiter dicht an den Stamm seines Freundes gedrängt, der Wärme und Geborgenheit ausstrahlte.
Trotz seines Alters und seiner Weisheit fühlte der Kalconier plötzlich, daß er noch nichts in seinem Leben erlebt hatte. Viele Wunder hatten sich ihm noch nicht erschlossen und er zweifelte mit einem Mal daran, daß er sie überhaupt je erleben würde. Das Wunder der Liebe der Geschlechter war eines davon. Er sah sie, aber er konnte sie nicht verstehen.
'Es besteht die Möglichkeit, daß wir es nicht schaffen, auch wenn du mir Mut machen möchtest, damit ich stark bleibe', dachte Ruiq, damit nur Anturios ihn verstehen konnte und um Panik im Maschinenraum zu verhindern. "Aber ich möchte, daß du meine Heimat siehst, auch wenn wir es nicht schaffen sollten."
Anturios wußte noch nichts von Ruiqs Fähigkeiten, doch es war an der Zeit diese Geheimnis zu lüften. Der Kalconier schloß die Augen und konzentrierte sich auf das Bild in seinem Geist. Es entstand jetzt auch deutlich sichtbar für seinen Freund Anturios.
Auf einmal waren sie eins im Geiste, verbunden durch ein Band, daß nur sie fühlen konnten und das auf ewig bestehen würde.
--- Brücke
Silvana war froh, daß der Ferengi endlich von der Brücke weggeschafft wurde. Dieser Narbo schien ständig nur Schwierigkeiten zu machen. Zwar wußte sie nicht so recht, was sie sich von dem Kampf zwischen Raschkralle und ihm versprochen hatte, aber das Ende des Kampfes war ziemlich ernüchternd und unbefriedigend verlaufen.
Nun hatte sie selbst den Ärger mit der Zündung von Narbos Kinkerlitzchen am Hut und somit auch einen großen Teil der Verantwortung. Außerdem zielten sie mit einer verletzten räudigen Navigationsmieze auf ein Loch, das bald nur mehr ein Nadelöhr sein würde. Und es war auch nicht ganz ohne jegliches Interesse, daß dieses romulanische Schiffchen ihrem Abgang noch im Wege stand.
"Scheiße", fluchte die Sicherheitschefin und biß ihre Zähne zusammen, daß sie knirschten. Sie hatte für den Bruchteil eines Gedanken damit gespielt, ihrem ersten Impuls zu folgen und auf die Romulaner zu schießen. Aber sich mit dieser schrottreifen Kiste mit einem Warbird anzulegen wäre wie mit einem Wurm einen Vogel erschlagen zu wollen. Narbos Babys waren zu wertvoll um sich damit den Arsch freizuschießen. Denn sie waren die Rückfahrkarten in ihre Gegenwart und damit auch in ihre Zukunft.
Silvana ballte ihre Hand zu einer Faust, bis ihre Fingernägel sich schmerzhaft in ihr Fleisch eingruben und sie wieder einigermaßen vernünftig denken ließen.
"Jean, was für eine Rolle spielt das romulanische Schiff hinter uns in unserer Vergangenheit? Und keine..."
"Eine sehr witzige..."
"... Wortspielereien, sonst nimmst du ein Bad, nachdem ich dir deine Eingeweide rausgerissen habe, damit du nicht mehr wassertauglich bist", beendete Silvana ihre Rede ohne sich im Mindesten davon beeindrucken zu lassen, daß Jean sie unterbrochen hatte. Nun schien er aber zu schlucken und schlagartig ernst zu werden.
"Nach den mir zur Verfügung stehenden Informationen, spielt diese Schiff im Grunde keine wichtige Rolle für unsere Vergangenheit..."
"Aber..?"
"Nun, dieses Schiff wird in zehn Jahren eine Gruppe Wissenschaftler aus einem navigationsunfähigen Raumschiff vor dem Erstickungstod retten. Unter ihnen befindet sich auch die Archäologin Edwina McKey."
Ärgerlich schnaubte Slade auf und man sah ihm an, daß nicht mehr viel fehlte und er Hackmetall aus seiner Konservendose gemacht hätte. Nur mühsam krallte er sich in den Armlehnen seines Stuhles fest und wartete ab, was bei Silvanas Unterredung heraus kam.
Silvanas gelbe Augen waren nur mehr Schlitze, als sie den Androiden böse anfunkelten. "Wir haben hier keine Zeit für deine langen Geschichten. Komm endlich zur Sache, sonst..." Ihre Stimme war gefährlich leise geworden, das Gurgeln, in dem das Ende ihres Satzes endete, ähnelte einen Knurren, das aus der Tiefen ihrer Seele für einen Moment ans Tageslicht kam und all die Raubtiere verkörperte, die in ihr steckten. Selbst der Androide schien das zu bemerken und er fuhr rasch und ohne Unterbrechung mit seinen Ausführungen fort.
"Edwina McKey kehrt aufgrund dieses Erlebnisses der Hilflosigkeit der Wissenschaft den Rücken und wird fahrende Händlerin. Sie kaufte meine Wenigkeit, hat mich so programmiert, daß ich selbständig am Holodeck lernen konnte und..."
Als nächstes hörte man ein Brüllen Slades, daß sicher noch auf den angrenzenden Decks zu hören war. "FEUER!!!"
"... und verursachte durch einen Zwischenfall, daß die U.S.S. Cochrane schwer beschädigt wurde", vollendete der Androide seine Ansprache und tat dann sehr uninteressiert am weiteren Gesprächsverlauf, nachdem man seine Nackenmechanik ausreichend knacken gehört hatte.
Instinktiv lag Silvanas Hand über der Abschußvorrichtung, als sie den Befehl dazu erhielt, da die Romulaner Anstalten machten sich ihnen wieder zu nähern und bald in Waffenreichweite sein würden. Doch sie zögerte und führte Slades spontanen Befehl nicht aus.
"Worauf wartest du, Silva?", bellte der große Anticaner ärgerlich, weil sie wieder mal tat was sie für richtig hielt. "Es ist mir egal, ob Jean in unserer Gegenwart existiert oder nicht. Dann hätte ich eben ein anderes Update bekommen, das mir die fehlende Mannschaft ersetzt hätte."
"U.S.S. Cochrane", wiederholte Silvana eisig und drehte sich Slade zu. Sie hatte vor kurzer Zeit die Schiffsdatenbank durchsucht um nach einem Fehler zu finden. Was sie gefunden hatte, war eine falsche Jahreszahl und... "Wie hieß die Privateer bevor du sie erworben hast, Slade?"
Silvanas Frage stand wie ein Damoklesschwert über ihnen. Jeder wußte, worauf diese Frage hinauszielte, auch wenn mancher keine Ahnung hatte, worum es hier überhaupt ging. Wenn der Zwischenfall nicht zustande kam, mit dem die U.S.S. Cochrane außer Dienst gestellt würde, dann würde die Privateer nie existiert haben...
"Fassen wir noch einmal zusammen", meinte Silvana trocken, die dem Tod schon einige Male ins Auge geblickt hatte und lediglich bereute, daß sie Stormy Clouds so spät vor ihrem Einsatz über den Weg gelaufen war.
"Die Romulaner sind ein Bissen für uns, an dem wir sicher ersticken werden, weil er eine Spur zu groß für unseren Hals ist. Außerdem dürften wir nichts an ihnen verändern um unsere eigene Gegenwart nicht zu gefährden. Somit dürften wir sie nicht mal fluguntüchtig machen. Wenn wir jedoch fliehen, werden sie uns in unsere Gegenwart folgen und es hätte die gleichen Auswirkungen, als ob wir den Warbird in die Luft gejagt hätten. - Außerdem brauche ich diesen Spaß hier nicht, da in unserer Zeit jemand sehnlichst auf unsere Rückkehr wartet.
Also was machen wir, Slade. Irgendwelche Vorschläge außer Jean unter Starkstrom zu setzen und ihn eine Weile tanzen zu lassen?"
Als Slade klar wurde, daß sie das romulanische Schiff nicht zerstören durften, war klar, daß sie einen anderen Weg finden mußten, wie sie es daran hindern konnten, mit durch die Anomalie zu kommen.
Aber wie? Konnten sie es schaffen, in einer bewaffneten Auseinandersetzung das Schiff manövrierunfähig zu schießen? Nach ein paar Computerberechnungen wußte der Captain, daß die Chancen hierfür zum Heulen schlecht standen. Außerdem würden sie vielleicht damit schon die Vergangenheit zu sehr beeinflussen.
Leider hatten sie keine Geschosse oder Minen an Bord, welche lediglich die Elektrik eines Schiffes für ein paar Sekunden lahmlegten. Slade wunderte sich, warum er daran nicht gedacht hatte. Damit würden sie jedem Polizeischiff wesentlich leichter entkommen.
Der Anticaner machte sich eine gedankliche Notiz, im Moment hatte er etwas geringfügig Wichtigeres zu tun.
'Also zurück zum Thema', ermunterte Slade sich selber. Und in dem Moment fiel ihm eine Strategie ein, die - vielleicht - von Erfolg gekrönt sein könnte. Aber dazu brauchte er... Seine Stimme erklang:
"Silva, ich brauche einen Romulaner. Möglichst einen heilen, also keinen aus deiner Sicherheitstruppe. Und ich brauche ihn genau jetzt."
Silvana fragte nicht, worauf Slade hinaus wollte, weil ihnen langsam der Boden unter den Füssen brannte. Einen Moment überlegte sie, ehe sie antwortete: "Es gibt da einen Romulaner in der Technik. Ich hatte schon einmal das Vergnügen, ihn in Narbos Bar zu treffen und seinen Ärmel an die Wand zu nageln. Seitdem meidet er mich wie die Pest und auch alle Zwischenfälle, die dazu führen können, daß ich ihn mir noch einmal zur Brust nehme."
Danach betätigte sie den Communicator und machte ihm Beine, auf dem schnellsten Wege auf die Brücke zu kommen, wenn er auch nur ein kleines bißchen an seinem Leben hing.
Als der Romulaner die Brücke betrat, sprach der Captain ihn sofort an: "Willkommen auf der Brücke. Du bist ab sofort zum romulanischen Botschafter befördert. Als solcher hast du nichts weiter zu tun, als im richtigen Augenblick zu nicken. Schaffst du das?"
Der romulanische Techniker schaute sich etwas verdattert um. Dann nickte er, worauf Slade meinte: "Sehr gut! Genau so brauche ich dich in ein paar Minuten. Dann noch ein etwas intelligenteres Gesicht, und wir kommen hier vielleicht lebend raus.
So, jetzt stellt euch mal alle so auf, daß die Aufnahmekamera euch nicht erfaßt. Alle bis auf unseren Herrn Botschafter natürlich."
Nachdem sich Slade noch ein paar Informationen über die momentanen Machtverhältnisse des derzeitigen romulanischen Imperiums abgerufen hatte und sich alle in Positur gestellt hatten, stellte er einen Kontakt zum Warbird her.
Als das Bild des Kommandanten des Warbird erschien, begrüßte Slade ihn in salbungsvollem Tonfall: "Wir grüßen Sie und bedanken uns bei Ihnen, daß Sie uns zu dem Übergangspunkt in unser Reich begleiten. Bitte richten Sie Kartolak, dem Chef Ihres Geheimdienstes, unseren Dank für diese Aufmerksamkeit aus."
Der romulanische Captain sah sehr verwundert aus, als er entgegnete: "Ich bin Ti'Ram, Captain des romulanischen Schlachtschiffes Tar'Na'Rok. Erklären Sie mir, wie ein romulanischer Staatsbürger an Bord dieses Föderationsschiffes kommt. Halten Sie ihn als Geisel?"
Man konnte sehen, wie die Mannschaft des romulanischen Schiffes die Computer befragte. Als Slade wieder zu sprechen begann, intensivierte sich Ti'Rams verwunderte Mine. Offenbar hatte man ihm gerade mitgeteilt, daß man über die Rasse des Föderationscaptains - ohne Uniform - genau nichts wußte.
Kein Wunder, schließlich fand der erste Kontakt der Anticaner mit der Außenwelt - die Selay mal ausgenommen -wesentlich später statt.
Slade zeigte sich nun ebenfalls erstaunt: "Wie - wurden Sie nicht informiert? Wo waren Sie denn die letzten Wochen? Leider habe ich jetzt keine Zeit, Ihnen ausführlich alles zu erklären, deshalb müssen Sie sich wohl oder übel mit der Kurzfassung begnügen.
Entweder Sie fragen anschließend bei Kartolak nach, oder Sie verfolgen in der kommenden Zeit die Nachrichten etwas genauer.
Ich bin Prahono'Vor, Abgesandter des Iglivanischen Imperiums. Wir waren auf einer diplomatischen Mission im Bereich der terranischen Föderation, als wir in einem Akt der Barbarei von diesem föderativen Schiff angegriffen wurden, auf dem wir uns nun befinden. Wir waren zwar in der Lage, die Besatzung zu eliminieren, verloren in der Schlacht jedoch unser Schiff.
Seitdem benutzen wir dieses Schiff, um wieder in unser Reich zu kommen. Ihre Rasse hat sich als sehr kooperativ erwiesen, deshalb haben wir einen der Ihren an Bord. Er wird als romulanischer Botschafter auf Igliva den Kontakt zu Ihrem Reich aufrechterhalten."
An dieser Stelle nickte der 'Botschafter'. Es sah sogar recht überzeugend aus.
Slade fuhr fort: "Wir werden bald wiederkehren, um eine Allianz mit Ihrem Volk aufzubauen. Aber für jetzt verabschieden wir uns von Ihnen. Bitte bleiben Sie zurück, da wir die Anomalie vor uns etwas vergrößern werden. Sie wird sich hinter uns schließen, aber keine Angst: Wir werden bald zurückkehren. Wie wir wissen, fehlt Ihnen noch die Technik, mit der man Wurmlöcher nach Belieben erschaffen kann. Es wird uns eine Freude sein, dieses Wissen mit Ihnen zu teilen.
Wir wünschen Ihnen viel Glück in Ihrem Kampf gegen die Föderation. Leben Sie wohl!"
Mit einem Tastendruck deaktivierte Slade den Kanal und schaute sich um. Alle sahen ihn an und er fragte: "Und? Hattet ihr eine bessere Idee? Silva, ab an deine Station und Feuer frei, sobald wir in Reichweite sind. Der Rest von euch kann hoffen und beten, daß ich erfolgreich war."
Geschmeidig glitt Silvana wieder an ihre Station zurück und bereitete alles für den Abschuß der rettenden Torpedos vor. Slades Lösung war zwar phantasievoll gewesen und der romulanische Captain des Warbird würde wahrscheinlich erst dann seine Verwirrung abschütteln, wenn sich das Tor in die Zukunft wieder hinter ihnen geschlossen hatte, trotzdem war diese Reise in die Vergangenheit, die bald wieder dort liegen würde, wo sie hingehörte, äußert unbefriedigend für Silvana gewesen.
Seufzend betrachtete sie die Anzeigen und machte sich auf ihren Einsatz bereit, bis sie feststellte, daß noch immer nicht alles geklärt war. Ärgerlich bedachte sie den Ferengi mit einem Fluch, bevor sie sich an Slade wandte:
"Sag mal hat unser Pyromanen- und Feuerwerksexperte vielleicht irgendwann mal... zufälligerweise... erwähnt, wie viele Torpedos er insgesamt bestückt hat?" Fragend lag der Blick ihrer gelben Augen auf dem Captain.
Wie erwartet war Slade sauer, daß er nicht selbst daran gedacht hatte danach zu fragen. Nun war Narbo auf der Krankenstation und nach seinem Abgang zu beurteilen nicht besonders aufnahmefähig. Falls er in geistiger Umnachtung etwas Falsches sagte, dann würden sie hier enden, bevor sie überhaupt geboren wurden.
Knurrend wollte er schon antworten, daß jemand nachsehen sollte wie viele Torpedos abgeschossen werden sollten, als ihm einfiel, daß Narbo diese Arbeit nicht allein verrichtet hatte.
Ein Glück...
für Narbo.
"Narbo hatte diesen Rogdan dabei, als er die Torpedos mit seinem Sprengstoff bestückt hat. Er wollte ihn unbedingt als Hilfe dabei haben. Es führte kein Weg vorbei."
Ärgerlich biß Silvana die Zähne zusammen und verkniff sich eine Antwort, daß auch der Captain kein Recht dazu hatte, einfach die Leute von ihrer Position abzuziehen ohne ihr eine Mitteilung davon zu machen. Immerhin war sie für die Sicherheit verantwortlich und nur durch seine Gutgläubigkeit waren sie überhaupt in der Vergangenheit gelandet.
"Silvana an Rogdan: Wie viele Torpedos wurden bestückt? Und ich rate dir deine Antwort gut zu überlegen, da ich dir bei einem Irrtum eigenhändig dein Bat'leth, dorthin stecken werde, wohin niemals die Sonne scheint..."
"6 Torpedos", kam es wie aus der Pistole geschossen zurück. "Rogdan Ende."
Noch immer sauer wandte sich die menschliche Katze an die Navigatorin: "Hör auf zu bluten und bring uns in maximale Schußweite! Die Dinger müssen zwei Kilometer vorm Nadelöhr explodieren."
Die Minuten, bis die Privateer die Abschußposition erreicht hatte, zogen sich wie Stunden. Eisiges Schweigen herrschte auf der Brücke. Alle Nerven waren bis zum Zerreißen gespannt. Gleich würde sich beweisen, ob sie auf ewig ihrem eigenen Schatten nachjagen würden oder den Absprung schafften.
Silvana nahm sich vor Narbo ganz langsam sterben zu lassen, wenn seine Berechnungen nicht 100%ig korrekt waren.
Und dann sahen sie die Anomalie vor sich. Sie schien kleiner zu sein als sie sein sollte. Silvana verstand nichts von den ganzen technischen Berechnungen, aber es war inzwischen viel Zeit ungenutzt verstrichen, was man deutlich sehen konnte. Und ständig nahm die Anomalie mehr ab. Sie schien immer schneller abzubauen.
Der Schwanz der Sivaoanerin peitschte gegen ihren Stuhl. Die Schmerzen machten sie halb wahnsinnig, doch sie war zu stolz um es sich ansehen zu lassen oder gar zu verlangen auf die Krankenstation zu kommen. Dr. Kargan hatte versucht an sie ranzukommen um sie zu untersuchen, aber sie hatte alle seine Versuche mit Krallenhieben vereitelt. Scheinbar resignierend stand er jetzt unweit von ihrem Stuhl, aber außerhalb ihrer unmittelbaren Reichweite.
Ihr Bauchfell war durchtränkt von Blut und sie sah ein Feld von Meteoriten vor sich, in denen die Privateer wie betrunken zu torkeln schien, doch es waren nur Sterne, die sie selbst fliegen sah. Ihr Kreislaufsystem war am Zusammenbrechen. Verräterisch begannen ihre Hände zu zittern, als sie nur mehr ein kleines Stück von der gewünschten Position entfernt waren.
Dennoch war ihr Wille eisern, die Privateer zurückzubringen.
"Erreicht!", schrie Raschkralle fauchend nach hinten und legte die zerfetzten Ohren an. Dann biß sie sich auf die Lippen, um nicht das Bewußtsein zu verlieren, das für sie alle tödlich sein würde.
Nach einem hastigen Vergewissern, ob die Position stimmte, feuerte Silvana die Torpedos ab und alle hielten gespannt die Luft an. Obwohl das Norway-Schiff 4 Torpedos in der Sekunde abfeuern konnte und sie wahnsinnig schnell flogen, schienen diese sich in Zeitlupe auf ihr Ziel zuzubewegen.
Silvanas Herz klopfte wie verrückt und sie genoß die Gefahr in der sie sich alle befanden. Wieder einmal standen sie dem Tod näher als dem Leben. Sie fühlte sich lebendiger als je zuvor und neue ungeahnte Energien durchströmten ihren Körper. Nach langer Zeit fühlte sie sich wieder wie eine Kampfmaschine, deren Todessehnsucht beinahe zum Greifen spürbar war.
Alle anderen teilten ihren Genuß der augenblicklichen Situation nicht, sondern waren eher zu Salzsäulen erstarrt. Alle Blicke hingen am Hauptbildschirm und flogen mit den Torpedos einer ungewissen Zukunft entgegen. Nur noch ein kleiner Augenblick bis zum Einschlag.
Drei...
Zwei...
Eins...
Mit einem grellen Blitz detonierten die Torpedos. Das Schiff wurde von den zahlreichen Detonationen erschüttert und wankte leicht. Geistesgegenwärtig hielten sich alle fest.
Als die Privateer wieder stillstand, sahen alle, daß die Anomalie gerade groß genug war um durchzukommen. Das Portal in die Gegenwart war plangemäß entstanden, doch ganz unplanmäßig war die Schnelligkeit, mit der sich das Portal wieder zu schließen begann. Es mußte einen Fehler in den Berechnungen gegeben haben, auf den niemand gekommen zu sein schien. Jede Sekunde war kostbar.
"Flieg, als wäre der Teufel hinter dir her, Plüschohr!", bellte Slade seinen Befehl, der sich scheinbar auch schon wieder von seinem Schrecken erholt hatte. Doch es sollte nicht der einzige Schrecken sein, der ihn jetzt ereilte.
Und doch hatte er daran nicht mehr im Geringsten gedacht.
Raschkralle fing an, den Gesang der Todgeweihten zu intonieren. "Aaaioooouaaaaauuuuuuuooooooooorrrrrrrrrm, tktktktkttkssssssst, Eeeeeiiiiieeeeiiiiieeeeeeiissssst, oooooooouuuuuuuuuuiiiiiiiiiii, Mrrrrrrrmrrrrrrrooooooooooaaaaarrrr."
Während sich alle außer Raschkralle die Ohren zuhielten, damit sich die Schmerzen in Grenzen hielten und die Privateer sich mit ihrer höchsten Geschwindigkeit der wieder kleiner werdenden Anomalie näherte, um in sie einzutauchen, als hätte es sie nie gegeben, gab es eine Fehlfunktion in der Steuereinheit, die das Raumschiff unsteuerbar machte.
Die Sivaoanerin unterbrach vor Schreck ihren Gesang. "Rrfffgkssssst!", fluchte sie. Gleichzeitig aktivierte sie in Windeseile alle Schilde. Alle hofften, daß ihr Kurs bereits der richtige war, da eine Kurskorrektur in der kurzen Zeit nicht mehr möglich war.
Stille.
Selbst die Zeit hielt ihren Atem an.
Dann berührte das Schiff die Anomalie und flog in sie hinein. Der Rumpf des Schiffes hörte sich an, als wollte er bersten. Ein Ächzen und Stöhnen ging durch das ganze Schiff. Es war als würde es sich im Todeskampf noch einmal aufbäumen...
Alles was von ihrer Anwesenheit in der Vergangenheit noch zeugte, waren ein paar verdutzte Romulaner, die ihre Aktion beobachtet hatten und auf das sich schließende Loch im Weltall starrten.
Und dann waren sie verschwunden...
--- Maschinenraum
Umhüllt von einer Aura der Intimität und des Wissens sah Anturios die Heimatwelt der Kalconier. Die Landschaft war bedeckt mit dem lebendigen Grün der Wälder, von deren Bedeutung für die Kalconier er wußte. Lachende Kinder, vielleicht schon steinalt, liefen durch die kilometerweiten Haine, ohne Sorge, ohne Leid.
Es war ein paradiesischer Ort und mit Wehmut dachte Anturios an den Grossen Garten und fragte sich, wie er heute aussah. Hatten die Jem'Hadar alles vernichtet? Immer wieder hatte er sich gefragt, ob er jemals einen seiner Verwandten oder ein Mitglied seines Volkes wiedersehen würde. Oder erfahren was nach seiner Gefangennahme geschah. Tausende Fragen, aber dieses unendliche Leid wurde überschattet von dem Frieden, den die Bilder in seinem Geist ihm brachten.
Die Welt um ihn herum versank in Bedeutungslosigkeit, ein Moment wurde zu einem Jahrtausend, aber Zeit wurde in Anbetracht ihrer Situation überflüssig.
Die beiden Freunde standen bewegungslos zusammen, abgeschirmt von Zeit und Raum, gefangen und doch geschützt in dem Mikrokosmos ihrer Gedanken. Die Minuten vergingen und ihre Verschmelzung hielt auch noch an, als die Privateer sich in die Strömung der Anomalie warf und die primäre Hülle sich unter dem Druck des Sogs verformte.
--- ???
Wie ein silberner Pfeil schoß die Privateer aus ihrem gleißendem Tunnel in die Frei...
das heißt nicht ganz...
Nicht in die Freiheit, sondern mit Kollisionskurs auf ein anderes Raumschiff zu. Auf eines der beiden Raumschiffe zu, die sie schon erwartet hatten und für die sie nie weggewesen waren. Die Förderationsraumschiffe, die sie erst dazu bewogen hatten, ihr defektes Tarnsystem anzuwerfen um in die Vergangenheit katapultiert zu werden.
Ohne Zeit zu verlieren schnellte Silvana wie eine gespannte Sehne zur Navigationskonsole, woran Raschkralle noch immer mit der Steuerung kämpfte. Mit aller Kraft hieb Silvane auf die Konsole, daß die Funken stoben. Fast gleichzeitig miaute Raschkralle erfreut auf, als sie wieder die Kontrolle über die Navigation erhielt und die Privateer auf neuen Kurs setzte.
Nur einem waghalsigen Ausweichmanöver von Raschkralle, das sie bei einem der Videospiele entwickelt hatte, verdankten sie es, daß sie nicht mit dem Föderationsschiff zusammenprallten oder sich wenigstens gegenseitig schwer rammten.
Das gegnerische Schiff, schien völlig aus der Bahn geworfen worden zu sein und unternahm gar nichts. Was auch nicht weiter verwunderlich war, da es bei seiner Verfolgung sicher nicht damit gerechnet hatte, daß verfolgte Raumschiff plötzlich um 180° gewendet direkt auf sie zuschoß.
Gespannt sah die Brückenbesatzung auf Slade.