--- Privateer, Maschinenraum
Anturios war gerade in die letzte Phase seiner Planung gekommen. Schließlich kontaktierte er die Brücke und bat den derzeitigen Schichtführer, die Subraumspalte nochmals genau zu scannen und die Ergebnisse auf seine Konsole zu legen. Einige Sekunden später, sah Anturios die Auflistung der aktuellen Werte und ließ seine Tentakel schlagartig hängen.
Der Scan hatte eine deutliche Sprache gesprochen: Die Spalte schloß sich wieder und würde voraussichtlich bald zu klein für die Privateer sein. Dies bedeutete, daß es auf keinen Fall möglich war, sowohl den Vorfall auszulösen, als auch zurückzukehren, da die romulanischen Schiffe selbst bei max. Warp 3 Stunden länger gebraucht hätten.
Da der Amarilianer ahnte, daß Slade diese Antwort nie akzeptieren würde, befahl er dem Computer, sämtliche Methoden aufzulisten, um den Riß wieder zu öffnen bzw. ihn zu weiten.
Die Liste erschien und laß sich wie ein Gesangbuch: Mehr als dreißig Einträge sollten theoretisch zu dem selben Ergebnis führen. Angestrengt ließ sich der grüne Riese die Ideen durch den Kopf gehen: 'Multispektrale Anpassung der Konduktoren, Umjustierung der Bussard-Kollektoren, Modulation des Warpfeldes durch die sekundären EPS-Leitungen, die kontrollierte Explosion einer Subraumbombe,....'
--- Arsenal
Drei Sekunden später öffnete Narbo die Augen wieder und guckte der boshaften Fratze des Klingonen entgegen. Der Mund verzog sich langsam zu einem schiefen Grinsen und Narbo riß dem Komiker die Waffen aus den Händen. Dieser warf ihm nur zwei Energiezellen entgegen und lachte lauthals weiter.
Mit Grimm in den Augen verließ der Ferengi den Raum und nahm sich vor den nächsten, den er sah, zu töten!
--- Gang zur Krankenstation
Nachdem sich Ruiq abgesetzt hatte, erreichten Slade und Kargan recht schnell die Krankenstation. Leider hatte keiner der beiden eine Idee, wie sie es schaffen könnten, die Romulaner zu reizen.
Kargan hatte es sich gerade in seinem Sessel bequem gemacht, als ein Communicatorsignal die beiden unterbrach:
"Jean an Captain Slade. Die Langstreckensensoren haben soeben ein romulanisches Schiff geortet. Jawohl, Sir. Auf den Schirm. Sie sehen hier die Umrisse eines..."
Slade unterbrach den Androiden so unwillig, wie er es die letzten Male immer gemacht hatte. "Blechbauch, ich sehe hier gar nichts. Wir reden über eine Communicatorverbindung miteinander, falls dir das entgangen ist."
Mit diesen Worten erhob sich Slade, um zur Brücke zu gehen. Er nickte Kargan zu, bevor er die Krankenstation verließ.
--- Gang zur Brücke
Jean ließ sich allerdings durch solch fadenscheinige Argumente nicht aus der Fassung bringen. "Sir, ich könnte Ihnen beweisen, daß die Bandbreite eines handelsüblichen Communicatorsignals vollkommen ausreicht, um auch 3D-Videosignale zu übertragen.
Sie müßten lediglich mit einem der bekannten Komprimierungsverfahren, wie mp49b oder crouch behandelt werden, dann wäre es kein Problem..."
Wieder unterbrach Slade Jean, einfach weil er den Androiden nicht ausstehen konnte: "Wäre es doch. Ich habe schließlich keinen Holobildschirm bei mir."
--- Turbolift
"Deck 1, Brücke"
Jeans Stimme wurde noch ein klein wenig überheblicher als sie es sonst war. "Aber Sir, ein solches Gerät in einen Communicator einzubauen ist doch wirklich kein Problem. Es könnte die 3D-Information in einem Winkel von plus 40 Grad abstrahlen, wonach das Bild in einem Abstand von etwa 30cm vor dem Gesicht des Trägers entstehen würde. Ich versichere Ihnen, daß es rein technisch wirklich kein Problem ..."
--- Brücke
Slade ging langsam auf den vor sich hinplappernden Roboter zu und preßte zwischen seinen Zähnen hervor: "Es ist mir wurscht, was technisch möglich ist. Weißt du, wieviel Communikatoren ich aus dir machen kann? Nein? Ich denke, das werde ich sehr bald einmal austesten, wenn du mir nicht SOFORT erzählst, was du gescannt hast!"
Jean ruckte herum. Sein ausdrucksloses Gesicht war theoretisch nicht in der Lage, eine Regung zu zeigen. Praktisch aber schaffte er es, sowohl erschrocken als auch ängstlich auszusehen.
"Ähm, Sir, der Bordrechner hat inzwischen herausgefunden, daß es sich bei dem Schiff um einen romulanischen Frachter handelt. Trakal-Klasse. Distanz zur Privateer zur Zeit 1.3 Lichtjahre. Unsere Kurse schneiden sich nicht, maximale Annäherung bei beidseitiger Kursbeibehaltung: 0.8423 Lichtjahre, erreicht in 9 Minuten.
Bei dem Frachter handelt es sich um die Magden. Laut unserer Geschichtsdatenbank wurde sie im Jahre 2341 erbaut, im Jahre 2342 wechselte das Kommando von..."
Nur ein Wort unterbrach Jeans Redefluß:
"Klappe.
Computer, analysiere einen möglichen Kampf zwischen einem fast neuen romulanischen Frachter der Trakal-Klasse und der Privateer in ihrem momentanen Zustand."
Damit setzte sich Slade in seinen Captainssessel. Offenbar war der Computer zu einem recht eindeutigen Ergebnis gekommen, denn er verkündete es in rekordverdächtiger Zeit.
"Chance auf Totalverlust des Frachters liegt bei 100%.
Minimal mögliche Schäden an der Privateer: Schildstärke reduziert auf 54%.
Maximal mögliche Schäden an der Privateer: Hüllenbruch im Frachtraum 1.
Bei einem Kampf wird das Bre'quel-Manöver empfohlen."
Slade lächelte wieder einmal wölfisch. Also hatte er doch ein gutes Schiff.
Naja, jedenfalls hatte es gegen einen total veralteten Frachter gute Chancen.
Gut, jetzt hatten sie ein Schiff der Romulaner, das sie gut reizen konnten, aber was sollten sie machen?
"Slade an alle: Wenn irgendwer eine Ahnung hat, wie wir die Romulaner reizen, dann wäre jetzt der geeignete Moment, es mir zu sagen..."
--- vor dem Antimaterielager
Einen Moment hielt Silvana inne. Der Weg bis hierher hatte sich als ziemlich mühsam erwiesen. Immer noch wimmelte es in Teilen des Schiffes von Jumpern, obwohl ihre Mannschaft schon ziemlich damit aufgeräumt hatte.
Es mutete an, als würden sich die letzten verbliebenen Jumper in Gruppen zusammenscharen um bessere Überlebenschancen zu haben.
Die Tür zum Lager wies deutliche Schäden auf. Ihr Verdacht bestätigte sich. Vorsichtig trat sie ein.
--- Antimaterielager
Als Silvana sich in den unzähligen Augen wiederspiegelte, fand sie, daß sie ziemlich bald eine Ultraschalldusche brauchte. Ihr Körper spannte sich. Ebenso wie der Körper der überdimensionalen Kreatur, die nichts menschliches an sich hatte.
Die Laute, die aus dem Maul der Jumpermutter drangen, klangen wie eine grugelnde Sprache zur Verständigung, die aus Lauten bestand, die Silvana noch nie vernommen hatte. Doch es war alles andere als eine Einladung zum Tee. Silvana verstand zwar nicht die Worte, aber doch den Sinn. Das fremdartige Wesen klagte sie für den Tod ihres Partners und den ihrer vielen Kinder an und sagte ihr einen baldigen und ziemlich scherzvollen Tod voraus. Eine Welle der Wut schlug Silvana entgegen.
"Daß du dich da nicht irrst", sagte Silvana und ihre Hand wanderte zu den Sprengladungen, die ihr Narbo freundlicherweise überlassen hatte. Doch noch bevor sie eine von ihnen berührte zuckte ihr Hand wieder zurück. Die Kraftfelder um die Antimaterie würden eine größere Explosion nicht überstehen. Das schien auch diese Wesen zu wissen. Es schnappte mit den Zangen um sein Maul und schien dabei belustigt auszusehen.
Silvana schüttelte unwillkürlich den Kopf. Nicht, daß sie jetzt auch noch durchdrehte. Dieses Tier konnte keine Mimik haben. Das ging einfach nicht.
Trotzdem schien sogar sein nächster Laut hämisch zu klingen, als es einen Schritt zu Seite wich und preisgab, was es hinter seinem Rücken verbarg.
"Sadaja!", rief Silvana erschrocken, machte einen Schritt in ihre Richtung und stockte mitten in der Bewegung, als das Vieh sofort wieder Sadaja näherrückte und seine Beißwerkzeuge knacken ließ. Es schien instinktiv zu wissen wie es Silvana treffen konnte.
So konnte Silvana im Moment nur verharren und abwarten. Dabei reifte langsam ein Plan in ihrem Kopf. Wenn sie es schaffte, die Jumpermutter zu überraschen und so Sadaja aus ihrer Reichweite zu bringen, würde sie es auch schaffen das Vieh endlich aus der Welt zu schaffen. Ein für alle Mal.
Immerhin war dieses Alien schon ziemlich angeschlagen. Das Loch in seiner Brust... Hmmm... war es nicht vor kurzem noch viel größer gewesen...?
Nachdenklich versuchte sich Silvana zu erinnern und dabei entdeckte sie, daß das Loch grün pulsierte und immer kleiner zu werden schien. 'Es regeneriert sich', dachte Silvana grimmig und biß die Zähne zu einem schmalen Strich zusammen. 'Das sind ja wieder tolle Neuigkeiten.' Dann wandte sie ihre Aufmerksamkeit wieder Sadaja zu.
"Geht es dir gut", rief Silvana ihrer Partnerin zu und atmete erleichtert auf, als diese nickte. Mehr konnte sie auch gar nicht, da eine Art grüne gallertartige Flüssigkeit sie zwischen Wand und Boden so festhielt, daß nur mehr Augen und Nase heraussahen und sie ihren Kopf bewegen konnte.
Erst jetzt fiel Silvana auf, daß fast der gesamte Raum mit diesem gallertartigen Zeug bedeckt war. Es schien fast so auszusehen, als ob... als ob... Nein... Sie schüttelte den Gedanken rasch wieder ab. Er war zu phantastisch und er brachte sie hier kein bißchen weiter.
"Du hinterhältiges Mistvieh", sagte Silvana laut und grinste kalt. "Du denkst doch wohl nicht, daß du mich einschüchtern kannst. Dich mach ich sowas von fertig, daß du dir noch wünschen wirst, wir hätten dich schon in der Shuttlerampe erledigt." Ihr Lachen schien das Vieh zu irritieren.
Unerschrocken hielt sie darauf zu. Das verwirrte das seltsame Geschöpf noch mehr. Damit schien es nicht im Geringsten gerechnet zu haben. Es kannte nur Wesen, die vor Furcht vor ihm zitterten, doch dieses schien alles andere als beeindruckt zu sein. Im Gegenteil benahm es sich, als wäre es noch viel tödlicher als sein Feind.
Mit einem hohen schrillen Laut wich die gepanzerte Bestie einen Schritt zurück und blieb dann abwartend stehen, scheinbar fest entschlossen keinen Schritt weiter zurückzuweichen. Aber Silvana ließ sich nicht beirren und verringerte weiter ihren Abstand.
Bis sie sich gegenüber standen.
Auge in Auge.
Ihre Gesichter waren sich so nahe, daß Silvana bereits den stinkigen Atem der Bestie in ihrem Gesicht spüren konnte und den Geifer, der über ihren Hals zwischen ihre Brüste rann.
So starrten sie sich kräftemessend an. Einem Ritual gleich.
Bis Silvana ruhig sagte: "Computer, deaktiviere Sicherheitsvorkehrungen Arrestzelle 3 und beame zwei Personen hinein." Noch beim Dematerialisieren spannten sich alle ihre Muskeln und ihr Körper wurde eine stählerne Sehne, bereit abgefeuert zu werden.
--- Arrestzelle 3
Als sie sich wieder materialisierte, ging alles blitzschnell.
Sie registrierte den Ausgang der Zelle und rammte ihren Schädel mit voller Wucht vor die Brust des Viechs, das damit nicht gerechnet hatte und voll getroffen gegen die Wand der Zelle gestoßen wurde.
Zeit genug für Silvana um aus der Zelle zu hechten und noch im Fallen: "Computer, Zelle 3 aktivieren" zu rufen. Ein Sprung, der sich nicht als ganz einfach erwies, da sie auf keinem von Narbos kleinen "Aufmerksamkeiten" landen wollte. Keine drei Sekunden später warf sich das übertölpelte Vieh gegen das Sicherheitsfeld und wurde zurückgeworfen. Sein zorniges Brüllen war sicher in weitem Umkreis zu hören.
Sofort steckte jemand den Kopf bei der Tür rein.
"Kann ich helfen?", fragte die ruhige und betont leise Stimme des Kalconiers Ruiq. Dabei streifte sein besorgter Blick, die noch immer am Boden liegende Silvana. "Ich war gerade in der Nähe und da dachte ich..."
"Keine Sorge", sagte Silvana, erhob sich wieder und klopfte sich den Staub von der Kleidung. "Mir ist nichts passiert, aber... wo du nun mal schon da bist. Sieh dir doch mal unseren Gast in Zelle 3 an."
Ruiq bekam noch größere Augen als die, die er sonst immer machte und hätte er Haare gehabt, dann wären ihm die wohl auch noch zu Berge gestanden, egal welche Länge sie gehabt hätten.
"W-w-was soll ich?" Er schluckte erschrocken und seine Blässe bekam einen ängstlichen Ton.
Grinsend schüttelte Silvana den Kopf. "Nein, in die Zelle würd ich dich auch gar nicht hinein schicken. Du wärst nur ein Zahnstocher für unserer Freundin. - Aber sieh dir mal das Wesen von draußen an. Und keine Sorge, das Sicherheitsfeld für diese Zelle wurde extra auf Maximum verstärkt. Dir kann nichts passieren."
Als Ruiq trotzdem noch zögerte, setzte Silvana auf ihren Charme. "Bitte", setzte sie hinzu und der kleine Kalconier setzte sich tatsächlich in Bewegung.
'Warum muß ich auch überall meine Nase reinstecken', dachte sich Ruiq und tat wie ihm geheißen. Es war nicht einfach eine Untersuchung durch ein Gitter zu machen, doch er schaffte es und teilte Silvana seine Diagnose mit.
--- etwas später
Ruiq hatte den Arrestzellen kaum den Rücken gekehrt und war erleichtert verschwunden, als der Ruf des Captains Silvana erreichte. Der wünschte sich doch tatsächlich eine Idee für die Provokation eines romulanischen Schiffes. Silvana schüttelte den Kopf, ob dieses leicht zu erfüllenden Wunsches und grinste, während der Gast aus Zelle 3 sie mit Blicken zu töten versuchte.
"Silvana an Slade: Einen Angriff zu provozieren ist kein Problem, wenn du es schaffen kannst unser Schiff wie das von den Klingonen aussehen zu lassen und einen Transporterstrahl mit klingonischer Signatur basteln zu lassen."
Der Captain schien einen Moment darüber nachzudenken, ob es möglich war dies zu tun, entschied sich aber dann dafür, daß es an Bord einen Klingonen geben mußte, der imstande sein mußte den Transporter auf eine alte Klingonensignatur umzustellen.
"Okay. Angenommen, mit Hilfe von Anturios kann ich es schaffen deine Forderungen zu erfüllen. Was dann?"
"Dann beamt das klingonische Schiff so schnell du kannst den Inhalt aus Zelle 3 auf das Schiff der Romulaner. Sozusagen als Begrüßungssalut. Und ich bürge dir mit meinem Leben, daß die Romulaner ziemlich sauer auf die Klingonen sein werden. Danach sollten wir allerdings machen, daß wir von hier weg kommen. - Und wenn du dir zuviel Zeit mit dem beamen läßt, könnte es hier auch ziemlich ungemütlich werden", deutete Silvana an ohne zuviel verraten zu wollen.
"In Ordnung. Ich werde sehen, was ich hier tun kann, Silva. Slade Ende."
Lächelnd trat Silvana wieder an Zelle 3 heran um ihren Gast in die Augen zu sehen und andeutungsweise am Kinn zu kraulen. "Ja, bekommst ja bald wieder deine Freiheit, meine Kleine. Gutschi, gutschi, gutschi..."
--- Gang
Gemächlich joggte Narbo durch die Korridore und begegnete hin und wieder einzelnen Jumpern, was deren Zukunftsplanung leider zerstörte. Mit einem zornigen Glanz in den Augen ließ der Ferengi die Überreste der Bestien auf den Gängen hinter sich. Zum Glück schien aber die große Version ein Unikat zu sein. Drei oder vier der großen Mißviecher hätten wohl das Schiff in Schutt und Asche gelegt.
Ab und zu traf Narbo andere Besatzungsmitglieder, die teilweise recht nervös ihren Aufgaben nachgingen. Er achtete aber nicht weiter auf sie, da ihr Wohlergehen für ihn nur untergeordnete Priorität hatte. Schließlich wurden die Kontakte mit anderen Humanoiden immer weniger und nach der nächsten Kreuzung erkannte er den Grund:
Etwa zehn Meter weiter lag ein Bolianer auf dem Boden, der gerade von drei Jumpern ausgeweidet wurde. Mit ihren krummen Freßwerkzeugen gruben sie sich in das Fleisch und eine Art Rüssel saugte schließlich das mittlerweile unbewegte Blut aus den Adern. Die Mißgeburten waren so in ihrer Orgie vertieft, daß sie den Ferengi nicht bemerkten.
Langsam und leise drehte er sich um und versuchte unbemerkt wieder abzuhauen, als er ein leises Fiepen hörte. Und es wurde lauter! Als er sich umguckte, fixierten die Wesen ihn schon mit ihren Köpfen und Narbo war sich sicher, daß ihre Aufmerksamkeit nun ganz ihm gehörte.
'Euch werd ich es zeigen! Ich mach euch fertig und schick euch zurück in die Hölle!', überlegte er grimmig und zückte eine seiner Granaten. Er wollte gerade die Bombe entsichern, als er seine Ohren sich in transparentem Metall spiegeln sah. Es war ein Fenster.
Schlagartig wurde ihm bewußt, daß er sich direkt an der Außenhülle befand und welchen Schaden eine Explosion verursacht hätte. Ganz zu schweigen davon, daß er ins endlose Vakuum gezogen worden wäre und sich dort wie ein Ballon aufgebläht hätte. Eine Hunderstel Sekunde später würden sich seine Zellen über die nächsten 100 Kubikmeter verteilen.
"Also gut, wie ihr wollt, dann machen wir das ganze eben anders!", flüsterte er und tastete nach seinen Disruptoren. Aufgrund seiner genetischen Koordinationsschwäche war sein Zielvermögen zwar eingeschränkt, aber bei Gott, auf diese geringe Entfernung würde nicht mal die kleinste Mikrobe im Gang überleben. Er richtete beide Disruptoren aus und betätigte den Auslöser. Doch statt todbringender Strahlen gaben die Geräte nur ein Knarren von sich.
"Dieser klingonische Bastard hat mir leere Energiezellen gegeben!", schrie er in den Raum und bereute, daß er sich für diese Nachlässigkeit nicht in den Arsch treten konnte. Traue niemals einem Klingonen, war eine der ersten Lehren die man als Ferengi lernte und ER hatte in seiner Wut vergessen, die Zellen zu überprüfen.
Die Jumper ließen sich von seiner Wut nicht beeindrucken und kamen immer näher. Narbo gingen langsam die Optionen aus und deshalb gab es nur noch eine letzte Möglichkeit. Die Möglichkeit, die ein normaler Ferengi als erste wählte, aber Narbo als letzte:
FLUCHT!
Rasch drehte er sich um die eigene Achse und rannte durch die Gänge. Dicht hinter ihm blieben die Kreaturen Satans und er konnte ihr hungriges Geifern schon hören, als er plötzlich bemerkte, daß die Geräusche immer lauter wurden. Trotzdem erreichten die Viecher ihn nicht, was nur einen Schluß zuließ: Es waren erheblich mehr geworden. Ein flüchtiger Blick bestätigte seine Annahme und fünf Sekunden später passierte Narbo eine Duranium-Tür.
Sofort lief er zurück und eine kleine Sekunde dachte er, daß die Automatik defekt war, bis sich das Schott zu beiden Seiten öffnete. Mit einem weiten Satz sprang er hinein und schrie voller Verzweiflung: "Computer, Tür sofort schließen und verriegeln!"
---Quartier 47 ;-)
Er hatte den Satz gerade beendet, als er auf den Boden aufschlug und hinter ihm das unüberhörbare Geräusch von auf Metall knallenden Chitinpanzern ertönte.
Er war gefangen.
--- Brücke
Slade überlegte, was Silvana wohl damit meinte - den Inhalt von Arrestzelle 1...
Egal. Silva würde schon wissen, was sie vorschlug. Aber die klingonische Signatur mußte er Anturios überlassen.
Klingonisch...da hatte er doch eine regelrecht geniale Idee. Er aktivierte seinen Kommunikator: "Slade an Kargan. Bitte sofort auf die Brücke."
Danach informierte er den Amarillianer: "Anturios, ich habe eine knifflige Aufgabe für dich: Wir müssen für die Scanner der Romulaner eine klingonische Signatur aussenden. Und zwar möglichst schnell, am besten gestern. Kriegst du das hin?"
--- Krankenstation
Kargan antwortete sofort: "Bin unterwegs", und ließ seinen Worten Taten folgen. Sein Team auf der Krankenstation hatte er mittlerweile so weit im Griff, daß sie auch ohne ihn alles im Griff hatten.
Und da Slade so geklungen hatte, als ob er keine Zeit zu verlieren hätte, machte sich der Doktor nach einem schnellen Kontrollblick auf den Weg.
--- Brücke
Auf der Brücke angekommen, schaute Kargan Slade fragend an. Dieser lächelte und erklärte ihm die Situation: "Um es kurz zu machen: Silva hat etwas in Arrestzelle 1, was wir den Romulanern schenken wollen. Sie meint, das Teil reicht als Provokation.
Dazu müssen wir natürlich so tun, als ob wir Klingonen wären. Die Signatur übernimmt Anturios. Aber wir müssen in Transporterreichweite, damit der Transfer klappt."
Noch bevor Kargan den Mund öffnen konnte, fuhr Slade fort: "Ja, ich weiß, was du sagen willst. Sie werden sofort sehen, daß wir ein Föderationsschiff sind. Und genau dafür brauche ich dich. Die Klingonen können problemlos dieses Föderationsschiff gekapert haben - Kampfspuren haben wir ja genug. Fehlt nur ein klingonischer Captain."
Bedeutungsvoll schaute Slade Kargan an. Dieser begriff und nickte langsam. "Ich werde mir eine klingonische Militäruniform aus dieser Zeit replizieren. Der Focus der Aufnahmesensoren muß so eingestellt werden, daß nur ich zu sehen bin. Wann sind wir in Reichweite?"
Zufrieden lächelte Slade. "Sobald Anturios meldet, daß er fertig ist, beschleunigen wir. Bis dahin bleiben wir in maximaler Scannerentfernung."
---Maschinenraum
Der Amarilianer wollte sich gerade erneut den Kopf über das schwierige Unterfangen einer Rückkehr in ihre Quantenrealität machen, als der Befehl des Captains einging. Zwar fragte er sich, weshalb die Warpsignatur eines klingonischen Schiffes simuliert werden sollte, aber er ahnte, daß es mit der geplanten Provokation zusammenhängen mußte.
Widersprüchliche Gefühle plagten ihn, seit sie in dieser Welt waren: Obwohl er mittlerweile nicht mehr für die Vorbereitung der Provokation verantwortlich war, bereitete es ihm Unbehagen auch nur im Entferntesten daran beteiligt zu sein. Natürlich wußte er in seinem tiefsten Inneren, daß die Konfrontation unvermeidlich war, um in der Zukunft mehr Leben zu retten, aber die Ethik seines Volkes verbot es, Menschen aus mathematischen Gründen zu opfern.
Anturios seufzte leicht, als er eine andere Stimme in seinem Geist hörte: "Das Wohlergehen vieler wiegt schwerer als das Wohlergehen weniger oder eines Einzelnen. Suraks drittes Prinzip."
Hinter ihm war unbemerkt Raven aufgetaucht. Der vulkanische Telepath wölbte eine Augenbraue und übermittelte weitere Gedanken: "Ich wollte ihre Privatsphäre keinesfalls stören, aber Sie haben laut gedacht. ." Anturios überlegte noch, ob die Bemerkung des Vulkaniers ein Beispiel für deren Humor darstellte, als Raven sich schon dem Terminal zuwandte.
Nachdenklich studierte er Anturios Auflistung möglicher Methoden ihre Quantenrealität wieder zu erreichen. Das Gesicht des Logikers blieb zwar unbewegt, aber irgendwie erkannte Anturios doch eine Art Verbitterung gegen die Ergebnisse. Scheinbar war der steife Wissenschaftler zu dem gleichen Resultat gekommen:
Entweder flohen sie sofort, oder sie blieben für den Rest ihrer Existenz in einer fremden Parallelwelt. Eine Weitung des Wurmlochs war ausgeschlossen; ihre Ressourcen ermöglichten keine der Varianten.
"Ich habe versucht zu schlafen, aber der Fall ließ mir keine Ruhe.", erklärte Raven weiter. Anturios wußte aus einigen Texten, daß Neugier auf Vulkan als elementarer Trieb angesehen wurde, wie essen und schlafen, wobei für Emotionen kein Platz schien.
Mittlerweile war Anturios wieder an seinem neuen Problem zugange und es kristallisierte sich heraus, daß mit dem Warpantrieb ein Ionenfeld, ähnlich dem eines Bird of Prey erzeugt werden konnte. Weitaus schwieriger war die Veränderung ihres unmittelbaren Aussehens. Mit Hilfe des Deflektors war es außerdem möglich eine Projektion über die Privateer zu legen und somit die Täuschung perfekt zu machen. Allerdings ließ sich dies nur 15 Minuten realisieren, bis die ersten EPS-Leitungen versagen durften.
Nachdem die eigentliche Arbeit also verrichtet war und es wie immer nur darum ging dem Capatin die Neuigkeiten zu vermitteln, sah Anturios Raven an. Für den Vulkanier war es sicher irrelevant Hiob zu spielen. Ein Weg, sich an dieser ungemochten Situation vorbeizumogeln und zugleich noch niemandes Gefühle zu verletzen, drängte sich geradezu auf.
Gerade wollte er Raven fragen, als das Schiff erschüttert wurde.
Anturios schnellte mit seinem 8. Tentakel zu dem Display und ließ sich einen Schadensbericht anzeigen. Laut den internen Sensoren hatte auf Deck 8 in Quartier 47 eine Explosion stattgefunden, die die Inneneinrichtung komplett vernichtet hatte, nicht aber die angrenzenden Räumlichkeiten, was einem Wunder glich.
Raven und Anturios schauten sich fragend an....
--- über Quartier 47 in einer dreckigen Jeffriesröhre
Narbo zwängte sich durch die enge Jeffriesröhre und kletterte schwitzend weiter hoch. Eine enorme Hitzefront hatte sich durch die Explosion gebildet, die ihm auf seinem Fluchtweg gefolgt war. Zum Glück hatten Ferengi keine Haare, sonst hätte sein Kopf in Flammen gestanden.
Statt dessen war die Wand aus Hitze und Russ an ihm vorbeigezogen. Langsam zischte er. Es war nur eine Frage der Zeit gewesen, bis die Jumper die Tür geöffnet hatten und Narbo war heilfroh, daß eine Jeffriesröhre an dem Quartier entlang verlief. So hatte er sich hämisch grinsend in den Gang zurückgezogen, während die Jumper eine Ladung "Narbo Deluxe" erwartete!
Jetzt hing er zwischen Deck 7 und 8 an einer Leiter und versuchte sich einen weiteren Plan zu machen. Hier durfte er recht sicher sein, aber langfristig mußte er eh woanders hin. Schließlich rief er sich den Bauplan der Privateer ins Gedächtnis: Wenn er seinen Weg vertikal fortsetzte, würde er irgendwann auf die Brücke stoßen; die wahrscheinlich zur Zeit der sicherste Platz auf dem Schiff war. Außerdem mußte er Slade über die neueste Entwicklung informieren. Die Viecher wurden intelligenter und sammelten sich in Gebieten, die einen Waffeneinsatz undenkbar machten. (NRPG: Beziehe das jetzt ausschließlich auf Narbos Situation)
Also kletterte er weiter aufwärts bis er schließlich an den Ausgang auf Deck 1 gelangte. Die Verkleidung polterte laut auf den Boden des Kommandozentrums und als Narbo den Kopf aus dem Loch steckte, waren drei Phaser auf ihn gerichtet.
--- Brücke
Verlegen grinsend stieg er aus dem Schacht und verschloß die Öffnung wieder. Währenddessen knurrte Slade und steckte und den Phaser an den Gürtel zurück.
Nachdem Narbo von der negativen Entwicklung berichtet hatte, verzog Slade sein Gesicht zu einem gewaltigen seelischen Abgrund. Auch ein Anticaner war nur bedingt aufnahmefähig für schlechte Nachrichten.
Eine Sekunde später piepte der Kommunikator des Captains und eine vulkanische Stimme meldete sich....
"Raven an Captain Slade. Sir, ich habe Ihnen eine Meldung zu machen. Ich bin auf dem Weg zur Brücke, weil ich der Ansicht bin, daß ich diese Nachricht am besten persönlich überbringe. Raven Ende."
'Und warum kommst du dann nicht einfach? Was soll denn an so einer Aktion logisch sein?' Slades Nerven waren noch etwas angeknackst, weil Narbo plötzlich wie einer der Jumper aufgetaucht war.
Aber gut, dadurch hatte Slade Zeit, sich um den Ferengi zu kümmern. Er sah ihn an, steckte erst einmal den Phaser weg, den er seit den Jumpern immer bei sich trug, und meinte: "Du hast ein verdammtes Glück, daß wir hier keine nervösen Daumen haben. Daß Ferengi Kriecher sind, wußte ich immer schon. Nicht aber, daß sie Jeffriesröhren Turboliften vorziehen."
Narbos Stimme war giftig, als er ihnen seine Erlebnisse erzählte und nicht mit Seitenhieben auf die bordinterne Sicherheit sparte.
--- bei den Arrestzellen
Noch einmal überprüfte Silvana die Sicherheitsvorkehrungen der Zellen, dann traf auch schon der angeforderte Sicherheitsmann ein. Der Vulkanier Voltak machte den verläßlichsten Eindruck auf sie, ihren Fang zu bewachen, bis er in Geschenkspapier verpackt den Romulanern zugestellt wurde.
"Laß sie keinen Moment aus den Augen, Voltak. Falls es wieder einen Ausfall der Sperreinrichtung gibt, dann bring dich in Sicherheit und laß den Computer die Tür versiegeln. Wir können uns keinen weiteren Ausbruch unserer Kleinen mehr leisten. - Aber sie sollte in Kürze planmäßig durch einen Beamvorgang abtransportiert werden. Erstatte mir Bericht, wenn es soweit ist."
Der Vulkanier nickte ihr nur schweigend zu und nahm dann seinen Platz ein. Silvana nahm sein Schweigen seufzend auf und sagte dann: "Computer: Nottransport in das Antimaterielager.
--- Antimaterielager
Kaum hatte sie sich rematerialisiert, als sie auch schon auf Sadaja zustürzte. Diese war inzwischen auf ihre Anweisung hin aus ihrem schleimigen Gefängnis befreit worden und stand ziemlich mitgenommen neben Rogdan. Wenn Silvana es nicht besser gewußt hätte, dann hätte sie in Rogdans Gesichtsausdruck direkt Mitleid herausgelesen. Aber solche Gefühle waren starken Klingonen natürlich fremd.
"Sadaja, wie geht es dir? Ich hab mir schon Sorgen um dich gemacht", sagte Silvana und legte Sadaja eine Hand freundschaftlich auf den Rücken. Andere Menschen wären sich vielleicht erleichtert in die Arme gefallen, doch Silvana und Sadaja zeigten auch in ihrer Schwäche immer noch Stärke.
"Danke, es geht schon. Tut mir leid, daß ich dir nicht mehr Bescheid geben konnte, aber dieses Riesenbiest hat etwas verspritzt, das mich irgendwie gelähmt hat. Ich konnte dich nicht mehr warnen." Sadaja schlotterte. Aber es war nicht Angst, sondern die Anspannung, die langsam von ihr abfiel und die Kälte ihrer noch immer feuchten Kleidung.
"Am Besten, du gehst dich umziehen und dann sehen wir weiter", meinte Silvana und wies Rogdan an, sie auf ihr Quartier zu begleiten. Sadajas Zustand war immer noch nicht stabil genug, sie alleine gehen zu lassen. Es waren immer noch zu viele Jumper unterwegs.
Gerade als Silvana nachdachte, was jetzt auf ihrem Tagesplan stand, meldete sich ihr Kommunikator:
"Finch an Silvana: Es gab eine Explosion am Schiff. Um genau zu sein in Quartier 47. Es gehört einem gewissen Narbo..."
--- vor Quartier 47
Silvana bahnte sich einen Weg zu Narbos Quartier, und Leichen pflasterten ihren Weg. Irgendwie hatte sie Angst jemand zu verlieren, den sie nicht ausstehen konnte und deshalb schwer vermissen würde. Es stank überall eklig wie nach verbrannten Horn. Sie mußte husten bis ihre Lungen schmerzten.
Dennoch kämpfte sie sich durch und fand nichts weiter vor als ein vollkommen ausgebranntes Quartier, wie nach einer Explosion... Da überzog ein breites Grinsen ihr Gesicht.
"Silvana an Narbo: Verdammt, du Mistkerl. Wenn du nochmal so eine Party in deinem Quartier veranstaltest, dann dreh ich dich so lange durch den Fleischwolf, bis deine Ohren so spitz wie die von Raven sind. Das schwör ich dir. Silvana Ende."
Dann lachte sie befreit auf, tief und rauh, und drehte sich um.
'Na, dann wollen wir mal. Zeit für ein wenig Entspannung.'
"Computer, analysiere jede Jumperlebensform an Bord, die du feststellen kannst. Ich habe heute Lust mich etwas zu amüsieren...."
--- Deck 8, Gänge
Silvana trug reichlich dazu bei, die Population der Jumper auf ein Minimum zu dezimieren. Deck 1-7 waren bereits gesäubert. Es dauerte nicht lange, und sie und ihr Sicherheitsteam hatten die Plage auch auf dem letzten Deck unter Kontrolle. Es hatte zwei Todesopfer und zahlreiche Verletzte gegeben.
Jeden Moment erwartete Silvana die Meldung, daß sich keine weiteren Jumper mehr auf dem Schiff befanden, die Sache mit der Provokation der Romulaner war auch perfekt gelöst und doch war sie unruhig wie eine Raubkatze, die jeden Moment Junge warf.
Im Grunde konnte jetzt gar nichts mehr schief gehen. Und doch...
Sie hatte das Gefühl, daß sich etwas über ihren Köpfen zusammenbraute, wie ein Sturm, der jeden Moment losbrechen würde. Ihr war, als befände sie sich im Auge eines Hurricanes und die Stille wiegte sie in trügerischer Sicherheit.
Etwas lief schief, und sie waren dabei in ein offenes Messer zu laufen. Silvanas 6.Sinn, der Sinn für Gefahr, schlug lauter denn je in ihr an.
"Finch, übernimm die Leitung dieser Gruppe", teilte sie den Mann an ihrer Seite ein und machte sich unverzüglich auf den Weg in ihr Quartier, um den Grund für ihr inneres Warnsignal herauszufinden.
--- Brücke
Gerade als Narbo mit seinem Bericht fertig war, betrat Raven die Brücke.
Zunächst war Slade sehr überrascht und hocherfreut, als dieser ihm die Möglichkeiten erklärte, die sie hatten. Als er dann aber hörte, daß sie diese Tarnung nur 15 Minuten aufrechterhalten konnten, blickte er in Ermangelung eines Himmels zur Deckenbeleuchtung.
"Und dafür kommst du extra auf die Brücke gedackelt? Na, macht nichts, Du kannst ja die Umgebung weiter scannen. 15 Minuten! Das ist verdammt wenig. Navigator, wie lange brauchen wir, um mit Maximalwarp den Frachter einzuholen?"
Nach ein paar Schaltungen kam das Ergebnis: "7 Minuten und 35 Sekunden. Nach oben aufgerundet, Sir. Und wenn unser Triebwerk so lange durchhält, Sir."
Slade überhörte den leichten Hieb und hoffte einfach das Beste. "Kargan, du hast es gehört. Meinst du, eine knappe Minute reicht dir?"
Der Klingone hatte sich mittlerweile komplett in die alte Uniform gezwängt - der Replikator hatte seine Größenangabe wohl nicht ganz korrekt interpretiert. Er schnallte sich das Modell eines zeitgenössischen Disruptors um und antwortete:
"Da wir schon früher eine Kommunikationsverbindung aufbauen können, müßte es gehen. Ich schlage allerdings als Rendevouskurs das Hanson-Manöver vor. Das wäre am unauffälligsten, und wir brauchen dann während des des beamens nicht abzubremsen."
Slade schaute irritiert. "Was für ein Manöver?"
Der Navigator kam ihm zu Hilfe. "Hanson, Sir. Es wird auf der Sternenflottenakademie gelehrt als das unauffälligste Annäherungsmanöver, weil es so aussieht, als ob die Flugbahn zweier Schiffe sich zufällig kreuzen würden. Die maximale Annäherung wird je nach gewählter Waffe, also Phaser oder Torpedos, berechnet. Aber man kann selbstverständlich auch in Transporterreichweite gehen."
Slade nickte zufrieden, und Kargan wies den Navigator an: "Ich möchte, daß auf meinem Terminal ein Countdown eingeblendet wird. Ich will immer darüber informiert sein, wann wir in Transporterreichweite kommen. Dann können wir den Kurs so wählen, daß wir etwa 10 Sekunden lang in Reichweite sind. Das müßte reichen."
Mit einem fragenden Blick auf den Captain fügte er hinzu: "Ich würde gerne testen, ob unser ausgestrahltes Videobild glaubwürdig ist."
Slade nickte, und Kargan setzte sich in den Captainssessel. Dann erklang seine Stimme, als er die erste Anweisung als Captain gab:
"Kommunikationsverbindung simulieren, Audio aus. Wiedergabe auf Hauptschirm."
Auf dem Hauptbildschirm erschien ein Bild der Brücke. Man konnte perfekt alle föderativen Instrumente sowie die Besatzung erkennen.
"Bildausschnitt auf meinen Oberkörper fokussieren, Beleuchtung dämpfen und den Rotanteil der Beleuchtung auf klingonisches Niveau erhöhen. - Ja. So ist es perfekt."
Kargan war zufrieden, und er nickte nun seinerseits dem Captain zu, der die Einstellungen seines Bordarztes befriedigt verfolgt hatte.
Slade wies den Computer an, diese Einstellung für die Kommunikation mit dem romulanischen Schiff zu speichern. Danach sprach er zu Narbo:
"He, Transporterchief! Gut, daß du hier bist. Ich habe einen Auftrag für dich. Ach ja, du kennst unseren Plan ja noch gar nicht. Wir werden den Kurs des Romulaners kreuzen und ihm ein kleines Geschenk herüberbeamen. Das wird nach Silvas Ansicht als Provokation genügen. Stell dich an die Transporterkonsole und mach dich bereit."
Mit einem Blick auf den Navigator setzte er hinzu: "Du wirst genau wie Kargan von der Navigation einen Countdown auf deiner Station sehen. Sobald er auf Null steht, hast du 10 Sekunden, um den Inhalt von Arrestzelle 1 auf die Brücke des romulanischen Frachters zu beamen. Vergiß nicht: Du hast nur einen Versuch, und wenn der schief geht, kannst du unsere Zukunft vergessen."
Narbo ging ohne ein Wort zur Transporterkontrolle auf der Brücke, welche sich zwischen Turbolift und wissenschaftlicher Station befand, und begann zu schalten. Slade meinte so etwas zu hören wie: "Ich bin ja nicht blöd!", aber er ignorierte es.
Seit Ravens erstem Funkspruch waren etwa 15 Minuten vergangen.
Slade fragte bei Anturios nach: "Seid ihr da unten bereit für unsere klingonische Tarnung?"
Anturios' Stimme erklang in seinem Kopf. "Ja, wir sind eben fertig geworden. Es kann losgehen. "
Slade befahl: "Slade an alle. Ich will in den nächsten zwanzig Minuten auf der Brücke nicht gestört werden. Keine Kommunikation, keine Besuche, egal worum es geht. Verstanden? Slade Ende.
Slade an Anturios: Tarnung an. Ende.
Navigator: Voller Warp. Huson...äh, Hudson...äh, na, du weißt schon. Dieses Manöver halt. Abmarsch."
Der Navigator hatte schon bei den ersten Worten des Captains seine Schaltungen vorgenommen, so daß er ohne Zeitverzögerung seine Bestätigung geben konnte: "Erledigt, wir sind auf Kurs."
Langsam wurde der Frachter auf dem Schirm größer.
Nach längerer Zeit meldete Raven: "Sir, der Frachter ruft uns."
Kargan, der seine Position auf dem Captainssessel noch nicht aufgegeben hatte, befahl: "Auf den Schirm. Für Sendungen unsererseits die eben simulierten Einstellungen verwenden."
Auf dem Schirm erschien ein Romulaner. "Hier spricht Captain Salar vom romulanischen Frachter Magden. Klingonisches Schiff, identifizieren Sie sich!"
Kargan lebte sich in die Rolle des aggressiven klingonischen Captains ein: "Sie haben hier gar nichts zu verlangen. Sie befinden sich auf klingonischen Gebiet, und ich will genau wissen, was Sie hier zu suchen haben."
Der romulanische Captain schien nicht sehr beeindruckt zu sein. Jedenfalls zeigte er es nicht. Da ihm jedoch klar sein mußte, daß er einen Kampf mit einem Bird of Prey nicht gewinnen konnte, war er entweder ein extrem guter Pokerspieler, oder er hatte einfach nur ein reines Gewissen.
Warum auch nicht? Schließlich war der Klingone hier der einzige, der mit falschen Karten spielte.
Kargan blickte auf seinen Countdown. "Ich bin Captain Jhorg vom klingonischen Patroilliendienst. Behalten Sie Kurs und Geschwindigkeit bei, wir werden Sie scannen. Jegliche Kurs- oder Geschwindigkeitsänderung werde ich als Angriff werten. Ebenso ein Hochfahren der Schilde. Haben Sie verstanden?"
Captain Salar legte den Kopf etwas schief, erwiderte jedoch: "Auch wenn ich Ihre Aktion nicht verstehe, werde ich mich Ihren Anweisungen beugen."
Noch 20 Sekunden.
Kargan begann damit, die Scanner zu aktivieren. Ohne jedoch auf die Resultate zu achten...
Noch 15 Sekunden.
...erwiderte er: "Meine Messungen haben ergeben, daß Sie noch einige Transportkapazität frei haben."
Noch 10 Sekunden.
"Deshalb habe ich beschlossen, Ihnen ein kleines Geschenk zu machen..."
Noch 8 Sekunden...
--- Turbolift
Die Türen des Turbolifts glitten mit einem Zischen zur Seite. Gelbe Augen mit gefährlich schmalen Pupillen suchten ihr Ziel und sie fanden es.
--- Brücke
Mit zwei Sätzen war Silvana auf der Brücke und bei der Konsole, die anscheinend von Narbo bedient wurde. Die Krallen ihrer rechten Hand bohrten sich blitzschnell in die Kleidung vor seiner Brust... und mit einer übermenschlichen Kraftanstrengung schleuderte Silvana den völlig überraschten und zu Tode erschrockenen Ferengi gute drei Meter weit von seiner Konsole weg.
Dieser schlug hart mit dem Kopf auf, doch Silvana würdigte ihn keines Blickes mehr. Stöhnend blieb er liegen und rieb sich die Rippen, während Silvana bereits ihr nächstes Ziel anvisierte.
Raven Novk.
Mit einem gewaltigen Satz war sie bei ihm und ihr Aufprall stieß den Vulkanier hart mit dem Rücken gegen seine Konsole. Trotzdem verzog er keine Mine und blieb kühl und ausdruckslos. Er hob lediglich seinen Arm. Silvana brüllte wutentbrannt auf, was nichts menschliches mehr an sich hatte und holte aus.
Ihre rechte Hand traf ihn mit ausgefahrenen Krallen wie die Pranke eines Löwen. Raven hatte nicht die geringste Chance, noch einen seiner Griffe bei ihr anzuwenden. Seine linke Gesichtshälfte hatte nichts humanoides mehr an sich, als er röchelnd in die Knie sank und seine Hände auf seine offene Kehle drückte.
Eine riesige Blutlache breitete sich innerhalb von Sekunden um Raven aus. Silvana hatte seine Halsschlagader getroffen, als sie seine Kehle durchfetzt hatte.
Aber es war nur ein kurzer Todeskampf. Silvana wußte ihre Kraft gezielt einzusetzen und blitzschnell zu töten. Wortlos schaute sie auf den toten Wissenschaftler zu ihren Füßen, bis ihr bewußt wurde, daß alle auf der Brücke sie mehr oder weniger entsetzt anstarrten.
"Ich hasse Vulkanier", sagte Silvana, während die Magden sie passierte, sich langsam wieder entfernte, und sie außer Transporterreichweite war.