Chronik 10

--- Gesellschaftsraum der Go'Tschnargh

Oly war sich jetzt sicher, seinen Freund umgebracht zu haben.

--- Brücke der Privateer

Noch immer hüpfte die Welt um Slade herum. Was zur Hölle war passiert?

Die Instrumente waren alle tot.

'Toll. Die gute alte Zeit.'

Slade war sauer.

Als er gerade eine Verbindung zur Technik herstellen wollte, erklang Anturios' Stimme in seinem Kopf. Was sie ihm mitteilte, trug nicht dazu bei, seine Stimmung zu heben.

Offenbar hatte es eine Explosion gegeben, in deren Mittelpunkt der neue Tarnfeldgenerator gestanden hatte. Dort, wo er sich befunden hatte, gähnte nun ein klaffendes Loch in der Bordwand.

Neun Techniker, die sich in unmittelbarer Nähe des Generators gefunden hatten, waren entweder durch die Explosion ums Leben gekommen, oder direkt danach in das absolute Vakuum gerissen worden, ehe die automatische Raumversiegelung den Raum vom Rest des Schiffes abgeschottet hatte.

Aber sie hatten offenbar Glück im Unglück, weil die Explosion kein anderes System des Schiffes in Mitleidenschaft gezogen hatte.

Die Bildschirme erhellten sich wieder.

Slade fauchte den Navigator an: "Sofort zurück in die neutrale Zone! Maximumwarp! Diesen Halsabschneider kaufen wir uns!"

Zögerlich kam die Antwort: "Sir, ich bitte um Entschuldigung, aber... Sir.. ich habe keine Ahnung, wo wir sind. Die Explosion muß uns weit fortgerissen haben. Im Moment kann ich nicht bestimmen, wo wir sind, Sir."

--- Maschinenraum

Einen Moment hatte die Privateer geschlingert, aber mittlerweile war sie wieder unter Kontrolle. Slade hatte gemeldet, daß es Probleme mit der Navigation gab, und das konnte, so wußte Anturios, sehr böse Folgen haben.

Während um ihn mehrere Techniker herumwirbelten, checkte er weiterhin seine Anzeigen. Schließlich konnten Folgeschäden jederzeit auftreten. Bisher war aber außer der eigentlichen Explosion und ein paar geplatzten Leitungen jedoch nichts passiert.

Anturios hatte schon ein paar Techniker geschickt, um diese Defekte zu beheben, aber noch keiner hatte sich zurückgemeldet. Außerdem gab es immer noch keine Totenliste.

Er war an seinem Terminal gewesen, als die Probleme begannen. Ein Anstieg der Temperatur konnte von der Feldmatrix der Tarnvorrichtung nicht ausgeglichen werden und führte zur Katastrophe. Insgeheim machte sich der Amarilianer Vorwürfe, daß er Slade nicht davon abgehalten hatte, die fremde Hardware zu installieren. Die Systeme waren einfach zu verschieden. Die Konflikte vorprogrammiert.

Von einer Seite kam ein kleiner Koreaner, namens Lin Xiang, angerannt und meldete eine weitere defekte EPS-Leitung. "Gut nehmen Sie Ramirez mit und beheben Sie das Problem, Mr Xiang", hatte er übermittelt, während er sich weiter um seine Displays kümmerte, als die niederschmetternde Antwort von Xiang kam: "Sir,... Ramirez ist unter den Toten." Diese Antwort traf Anturios ins Herz. Bei der ganzen Aufregung hatte er nicht daran gedacht. Nun telepathierte er etwas leiser: "Oh ja,....nehmen Sie einen anderen Crewman." Xiang bestätigte den Befehl und lief, genauso schnell wie er gekommen war, wieder fort.

Er hatte die Tür beinahe erreicht, als Anturios hinzufügte: "Und passen Sie auf sich auf." Der Asiat nickte ihm nur stumm zu und verschwand dann Richtung Deck 7. Anturios wußte: Die letzten Berichte von Deck 7 erzählten von offenem Feuer und Rauch in der Luft. Zwar nichts Ernstes, aber dennoch bedrohlich. Aber die technische Crew
würde es schaffen, da war sich Anturios ganz sicher!

Und so wandte er sich wieder seinen Anzeigen zu und simulierte die Explosion wieder und wieder. Bis - plötzlich - eine Zahlenfolge. Eine Zahlenfolge auf dem Display. Anturios wies den Computer an, die Stelle zu wiederholen und sah, was er nicht glauben konnte.

'324% über kritischem Niveau bei 15% Interdependenz!', staunte er. Das konnte nur eins bedeuten. "Anturios an Slade. Ich glaube, wir haben ein Problem, aber kein technisches....."

--- Brücke

Slade war genervt. Die Brückenbesatzung war ein wenig durcheinandergeschüttelt worden, aber niemand war ernstlich verletzt. Außer Silva, die mit dem Kopf heftig gegen ihre Konsole geprallt war und noch ein wenig benommen herumstand.

Aus allen Teilen des Schiffes kamen Schadensberichte. Langsam bekam er einen Überblick über die Lage auf dem Schiff. Offenbar war alles nicht so katastrophal, es gab überall leicht verletzte und kleinere technische Probleme, aber nichts Gravierendes.

Vom Maschinenraum natürlich mal abgesehen.

Von dort kam schon wieder eine Hiobsbotschaft: "Anturios an Slade. Ich glaube, wir haben ein Problem, aber kein technisches....."

Slade wollte es eigentlich gar nicht wissen, aber er traute sich dennoch zu fragen: "Erzähl. Worum gehts?"

--- Maschinenraum

"Nun, ich habe eine Wertkombination von 324% überkritischer Matrixtemperatur bei der Tarnvorrichtung und 15% Interdependenz festgestellt. Für diese Kombination kann es nur eine Ursache geben: Sabotage! Jemand hat die Explosion künstlich hervorgerufen und ich bin mir ziemlich sicher, daß dieser jemand, die Katastrophe vom Schiff aus ausgelöst hat. Sir, ich vermute, wir haben einen Saboteur an Bord."

Anturios hörte die Gedanken des Captains rattern und rattern....

--- Brücke

Slade schloß die Augen und massierte seine Stirn. Ein Saboteur? Hier auf dem Schiff? Warum nicht, schließlich kannte er praktisch niemanden von der Mannschaft.

Aber warum? Wer war wem so sehr auf den Fuß getreten?

Und wo waren sie jetzt überhaupt?

Slade haßte es, gleichzeitig über zwei Probleme nachzudenken. Glücklicherweise erinnerte er sich noch rechtzeitig daran, daß er nicht alleine auf dem Schiff war. Deshalb beschloß er, diese Probleme weiterzugeben.

"Silva, du hast es gehört. Ein neuer Fall für dich. Sieh zu, daß du herausbekommst, wer dafür verantwortlich ist. Aber laß mir was von ihm übrig."

Die Sicherheitschefin zog einen Mundwinkel nach oben, ließ einen Fingerknöchel knacken und marschierte wortlos von der Brücke.

"Gut. Raven, du stellst mal eben fest, wohin es uns verschlagen hat, und vor allem, wie wir wieder zurückfinden. Ich habe dort noch einiges vor."

Vor Slades geistigem Auge manifestierten sich einige höchst erfreuliche Bilder frisch gefolterter Saboteure.

--- Turbolift

Erst hier, wo sie niemand sehen konnte, erlaubte sich Silvana eine Schwäche zu zeigen. Sie hielt ihren Kopf und taumelte gegen die Wand des Lifts. Für ein paar Sekunden war ihr schwindelig und übel, dann legte sich das Gefühl wieder.

Die kleine Platzwunde an der Stirn war nicht weiter schlimm. Falls sie irgendwann zwischen ihren Ermittlungen Zeit haben würde, dann würde sie Dr. Kargan einen Besuch abstatten, aber der hatte sicher im Moment alle Hände voll mit wirklich schweren Fällen zu tun. Ihr letztes Training mit der Sicherheitscrew lag gerade mal zwei Stunden zurück.

Die Tür den Turbolifts öffnete sich und sie trat hinaus auf den Gang.

--- Gänge

Zuerst sah sich Silvana das Gebiet rund um den nun hermetisch abgeriegelten Sitz, der nun nicht mehr vorhandenen Tarnanlage an. Ihr fiel niemand besonders auf. Sie unterhielt sich auch mit ein paar Leuten, deren Aufmachung sie als Techniker auswies, doch sie bekam nur das zu hören was sie bereits wußte.

Die Tarnvorrichtung hatte nicht nur eine volle Ladung Dilithium verschwendet, sondern auch 9 Leute gekostet. Leute, die in mühevollen Tests gerade vor kurzem durch ihre Qualifikation den Mannschaftsstatus erreicht hatten.

Silvana biß sich ärgerlich auf die Lippen. So etwas durfte einfach nicht passieren. Nicht auf diesem Schiff. Nicht auf einem Schiff auf dem sie die Sicherheit leitete.

Sie wollte Kontakt mit dem Leiter der Technik aufnehmen, aber als sie darüber nachdachte wie er hieß, bekam sie wieder heftige Kopfschmerzen wie bei allem woran sie sich zu erinnern versuchte.

'Verdammt, ich sollte die Konsole in Zukunft besser nicht mehr mit meinem Schädel bedienen', murrte Silvana in Gedanken und atmete erleichtert auf, als ihr der Leiter doch noch einfiel. Sie erinnerte sich plötzlich wieder an den Amarilianer, den sie bereits mehrmals gesehen und mit dem sie sich auch schon in der Bar unterhalten hatte. Für ihren Geschmack war er viel zu nett um echt zu sein. Außerdem sah sie ihrem Gegenüber gerne in die Augen und nicht in die Tentakel.

--- Maschinenraum

Kaum hatte Silvana den Raum betreten, als ihr schon das große baumartige Wesen ins Auge stach, dessen Tentakel sich präzise bewegten und einige Arbeiten gleichzeitig verrichteten. Silvana hielt sich nicht lange damit auf die arbeitenden Techniker zu beobachten, sondern sprach direkt Anturios an.

"Anturios, es gibt einige Fragen, die es noch zu klären gilt... Doch zuvor... Ist jemand von deinen Leuten hier im Maschinenraum ein Telepath?"

Der Amarilianer verneinte und Silvana begann die Unterhaltung mit dem Amararilianer auf geistiger Ebene. Um das Gespräch jetzt noch zu belauschen, mußte der Saboteur schon Telepath sein.

'Ich möchte mit der Untersuchung nicht allzuviel Aufsehen erregen. Noch weiß niemand, daß wir es mit Sabotage zu tun haben und meine Fragen sind zu allgemein gehalten um näher darüber Aufschluß zu geben', dachte Silvana erklärend und der Amarilianer gab sich verständig. Deshalb kam sie gleich zu ihrem Anliegen und ihren Fragen.

'Ich benötige innerhalb der nächsten Stunde eine vollständige Liste aller deiner Leute, die mit der Tarnvorrichtung in Kontakt gekommen sind, um sie befragen zu können, welche Beobachtungen sie gemacht haben und zu untersuchen, ob die Möglichkeit bestanden hat, daß sich eine Person unbefugter Weise Zutritt zur Tarnvorrichtung hätte verschaffen können ohne dabei gesehen zu werden bzw. ob sich jemand ohne Befugnis dort aufgehalten hat. Diese Liste sollte auch den Einsatzort deiner Leute aufzeigen, von dem Zeitpunkt an, an dem die Tarnvorrichtung auf unser Schiff gebeamt wurde.

Weiters benötige ich eine Totenliste, um die Akte dieser Leute einsehen zu können. Es ist nicht ausgeschlossen, daß wir unseren Saboteur unter den Toten finden werden.

Abschließend habe ich einige Fragen an dich: Welchem deiner Techniker traust du die Kenntnisse für eine solche Sabotage zu? Bzw. wem würdest du eine solche Aktion zutrauen? Ist dir an einem deiner Arbeiter etwas Seltsames aufgefallen? Oder hast du irgendeine Beobachtung gemacht, die für diese Untersuchung von Bedeutung sein könnte?' Fragend blickte Silvana auf den Tentakel vor sich.

Anturios zuckte innerlich zusammen: Er hatte zwar gewußt, was seine Vermutungen auslösen würden, aber daß jemand, den er selbst ausgesucht hatte, der Saboteur sein sollte, bedrückte ihn schwer. Vor allem, weil Anturios nicht Unschuldige in Verdacht bringen wollte.

Aber schließlich mußte er doch auf die Qualitäten von Silvana und ihren Hang zur Gerechtigkeit vertrauen.

Also antwortete Anturios: "Nun, ich denke die Auskünfte kann ich Ihnen sofort geben: Außer mir hatten nur noch sechs Techniker meiner Stammcrew Zugang zu der Vorrichtung. Ortega, Blimes, Ramirez, Sorak und Thaal sind bei der Explosion gestorben. Lediglich Xiang war während der Katastrophe bei mir in ausreichender Entfernung. Außerdem war natürlich noch die klingonische Crew an der Montage beteiligt. Seit der Installation war die Tarnvorrichtung dann ständig von einem Kraftfeld umgeben. Haben Sie noch irgendwelche Fragen, bei denen ich Ihnen helfen könnte?"

Silvana schaute ihm kühl auf die Tentakel und fragte, nach dem Sinn des Kraftfeldes. Nachdem Anturios den rein technischen Nutzen erklärt hatte, überzeugte sich Silvana nochmals selbst von den Schaltbildern des Feldes. Es war stark genug gewesen, um jedem bei Kontakt schwere Verbrennungen zuzufügen und eine Aktivierung hätte sofort einen Sicherheitsalarm ausgelöst und die Tarnvorrichtung wäre deaktiviert worden. Aber nichts dergleichen war kurz vor der Explosion geschehen.

Da Silvana offensichtlich bei Anturios nicht mehr weiter kam, verabschiedete sie sich wortkarg und verschwand, um Xiang zu befragen. Der Amarilianer hatte gemerkt, daß Silvana ihm mißtraute und ihre leichte Abneigung war offensichtlich. Trotzdem nahm Anturios sich vor, ihr weiterhin offen gegenüberzustehen, um ihre Zweifel zu zerstreuen.

Daß sie jetzt Xiang befragen wollte, konnte er verstehen, aber gleichzeitig hatte er Mitleid mit dem Koreaner: Als einziger hatte er die Explosion überlebt und Anturios wußte, daß Ramirez und Sorak seine Freunde gewesen waren. Nachdenklich schaute er der Terranerin nach...

--- Gänge

Anturios Aussagen hatten Silvana bei ihren Nachforschungen ein kleines Stück weitergebracht und gleichzeitig die Täter auf ein Minimum beschränkt. Leider war ihr immer noch nicht klar, was jemand mit diesem Anschlag bezweckt haben sollte.

Laut Computer lagen die Jeffriesröhren, in denen der einzige Überlebende der verdächtigen Techniker an Bord gerade arbeitete, ein Deck höher in Deck 7. Während sie den nächsten Turbolift ansteuerte rekapitulierte sie im Geist alle ihr zur Verfügung stehenden Daten.

Slade hatte die Tarnanlage gegen eine Ladung Dilithium an einen alten klingonischen Freund verkauft. Dieser Oly war Silvana nicht im Geringsten verdächtig vorgekommen und sie hatte keinen Verdacht gehegt. Immerhin schien er ein guter Geschäftsmann zu sein und Slade zählte zu seinen Freunden. Nach dem Einbau der Anlage, den sie selbst überwacht hatte, hatte sie sich auch von der einwandfreien Funktionionalität derselben überzeugt. Der Generator hatte einwandfrei funktioniert. Doch als sie dann auf Warp 8 gegangen waren, war es passiert...

Warp 8...

Silvana wurde das Gefühl nicht los, daß die Explosion und der Sprung durch Raum oder Zeit in direktem Zusammenhang standen. Warum sollte dann noch jemand den Tarnfeldgenerator manipuliert haben? Und wieso genau, wenn sie auf Warp 8 gingen? Und vor allem, wer hätte etwas davon gehabt? Es war klar, daß die Explosion der Privateer nicht viel anhaben konnte.

Also wozu das alles?

--- Deck 7

Als Silvana wenig später aus einer der zahlreichen Jeffriesröhren stieg, galt ihre erste Aktion dem Griff nach dem Kommunikator.

"Silvana an Ruiq: Wenn ich mich nicht irre, hast du mal verlauten lassen, daß du gut mit Menschen umgehen kannst. Da wir keinen Counselor an Bord haben, übergebe ich den Koreaner Xiang deiner Obhut. Er scheint etwas indisponiert zu sein. Kümmer dich um ihn. Silvana Ende."

Danach machte sich Silvana auf den Weg in ihr Quartier um noch einmal mit dem Computer alle Fakten auszuwerten und auch die Akte der Toten durchzusehen.

--- Silvanas Quartier, längere Zeit später

Nach einer Dusche, drei Gläsern angulanischen Sabanektars und langwierigen Recherchen durch die Schiffsdatenbank, kam Silvana endlich zu einem brauchbaren Ergebnis. Lächelnd betätigte sie ihren Kommunikator.

"Silvana an Slade: Ich habe meine Untersuchungen abgeschlossen. Ich würde vorschlagen, daß wir uns alle zu einer Einsatzbesprechung treffen. Dann können wir erörtern, wie groß der Schaden am Schiff ist, was meine Untersuchung ergeben hat, wohin es uns verschlagen hat und wie wir weiter vorgehen. Man muß nicht noch mehr Unruhe auf dem Schiff verbreiten, als ohnehin schon zustande gekommen ist. In Anbetracht dessen, daß wir hier an Bord nicht mal einen Counselor haben, würde ich es nicht zu weiteren Unruhen kommen lassen oder es kann hier ziemlich ungemütlich werden....

Hat unser vulkanisches Spitzohr eigentlich schon herausgefunden, wo wir sind?"

--- Brücke

Raven tat wie ihm der Captain geheißen. Er ging an die Wissenschaftsstation im hinteren Teil der Brücke. Er konfigurierte die Kontrollen so, daß sie ihm die nächsten Planeten anzeigten bzw. das Sternensystem, in dem sie waren.

Die Ergebnisse verblüfften ihn. Sie waren noch in der Nähe der neutralen Zone, aber nicht an der Stelle, an der sie vorher gewesen waren. Er führte eine Ebene 1 Diagnose der Sensoren durch. Diese schlug fehl. Es waren nur einige Subroutinen, die nicht funktionierten, aber Raven mußte sicher sein, daß die Sensordaten in Ordnung waren.

Er drehte sich zu dem 2,11m Riesen um. "Captain, die Sensordaten müßten meiner Meinung nach in Ordnung sein, aber aufgrund von Fehlern bei einer Ebene 1 Diagnose kann ich nicht sicher sein."

"Aber Sie haben eine Theorie?", fragte der Captain.

Raven nickte. "Ich würde sie aber gerne ..."

"Wenn Sie eine Theorie haben, dann raus damit!", knurrte der Anticaner.

"Jawohl, Sir. Ich glaube, wir befinden uns im klingonischen Reich, in der Nähe der neutralen Zone. Diese Theorie könnten wir beweisen ...", Raven zeigte auf dem Hauptschirm eine Darstellung der Privateer und der Planeten ringsherum, "... indem wir diesen Planten dort anfliegen." Ein weißer Kreis bildete sich um eine der Kugeln auf der Karte. "Mit Ihrer Erlaubnis, würde ich dem Steuermann gerne die Koordinaten übermitteln."

Slade nickte.

Die Stimmung auf der Brücke war zum Reißen gespannt.

Slade schaute auf die Navigationskonsole als die Koordinaten eintrafen.

"Gut, beschleunigen, voller Impuls!", befahl er.

Der Steuermann zuckte etwas zusammen.

Die Privateer näherte sich dem Planeten bis auf Sensorreichweite. Die Minuten dehnten sich zu Stunden.

Raven war voll und ganz mit der Auswertung der Sensordaten beschäftigt. Die gesamte Brückencrew hatte ihre Augen auf ihn gerichtet.

Raven sah zu seinen Kollegen und dem Captain. "Wir haben ein Problem."

Die Darstellung des Sternensystems schwand und ein Planet der Klasse III erschien.

"Das ist Narendra III."

"Na und?", fragte Slade. "Wir sind ein paar Lichtjahre von unserer ursprünglichen Position entfernt. Wenn wir ..."

"Wir sind nicht nur ein paar Lichtjahre zurückgeschleudert worden", Raven unterbrach den Captain nur ungern, "wir sind auch ein paar JAHRE zurückgeschleudert worden."

Raven pausierte und sah die Anwesenden an. "Wenn die Funksprüche, die ich abgefangen habe, die richtige Zeit angeben, haben wir heute den 6. Juni 2343. Einen Tag, bevor der klingonische Außenposten auf Narendra III von vier romulanischen Warbirds angegriffen und völlig vernichtet wird."

2343. Diese Zahl schwirrte in Slades Kopf herum und suchte einen Platz um sich zu setzen. Als Slade endlich begriffen hatte, daß sie einen Zeitsprung gemacht hatten, traf ihn die nächste Erkenntnis.

Wer kannte die Geschichte des Beginns des klingonisch-menschlichen Friedens nicht? Genau hier, genau jetzt begann sie! Und sie würden Zeugen dieses Ereignisses werden!

Slade überlegte, wieviel mögliche Bildaufzeichnungen dieses Ereignisses aus erster Hand wert sein würden, wenn sie erst einmal zurückgekehrt wären.

WENN sie zurückkehren würden...

Und WENN sie dieses Ereignis überleben würden.

Und WENN das Schiff nicht zu sehr beschädigt worden war.

Slade begann gerade, sich auszumalen, wie er möglichst viel Geld in dieser Zeit anlegen konnte, um bei der Rückkehr einen möglichst hohen Profit zu erwirtschaften, als ihm das nächste WENN einfiel:

WENN sie in dieser Zeit nicht, ohne es zu wollen, irgendein wichtiges Detail der Geschichte veränderten.

Er versuchte gerade, gedanklich möglichst viel Abstand zwischen sich und seinem vorigen Gedanken zu bringen, als ihn die Stimme seiner Sicherheitschefin aus seinen Grübeleien riß:

"Silvana an Slade: Ich habe meine Untersuchungen abgeschlossen. Ich würde vorschlagen, daß wir uns alle zu einer Einsatzbesprechung treffen. Dann können wir erörtern, wie groß der Schaden am Schiff ist, was meine Untersuchung ergeben hat, wohin es uns verschlagen hat und wie wir weiter vorgehen. Man muß nicht noch mehr Unruhe auf dem Schiff verbreiten, als ohnehin schon zustande gekommen ist. In Anbetracht dessen, daß wir hier an Bord nicht mal einen Counselor haben, würde ich es nicht zu weiteren Unruhen kommen lassen oder es kann hier ziemlich ungemütlich werden....

Hat unser vulkanisches Spitzohr eigentlich schon herausgefunden, wo wir sind?"

Slade antwortete langsam und nachdenklich: "Ja, das hat er. Aber das WO ist eigentlich nicht das Problem. Die Idee mit der Einsatzbesprechung ist sehr gut. Slade Ende.

Slade an Si'Ta und Ma'Ya. Bitte sofort auf der Brücke melden.

Slade an Silvana, Dr. Kargan, Anturios und Ruiq. Ich erwarte euch in 5 Minuten zu einer Lagebesprechung in der Offiziersmesse. Aber hurtig. Momentan ist nichts so wichtig wie diese Besprechung. Slade Ende.

So, Raven, pack deine Ergebnisse ein und komm mit."

"Ich fürchte, aus dieser Situation ist überhaupt kein Profit zu schlagen", murmelte Slade noch, als die Tür sich öffnete und die zwei Vulkanier die Brücke betraten.

--- Silvanas Quartier

Ein gräßliches langgezogenes "GRRROOAAAGGHHH" ertönte und brach sich an den Wänden von Silvanas Quartier. Es klang abscheulich und unerbittlich.

Widerwillig beugte sich Silvana kampflos dem Feind und replizierte sich trotz des Zeitmangels ein andurianisches Katakasteak, das mehr roh als gar war. Sie verschlang es regelrecht und leckte sich danach genüßlich über die Lippen. Es war in letzter Zeit ziemlich selten gewesen, daß sie eine ordentliche Mahlzeit zu sich genommen hatte, aber dafür hatte sie jetzt ein Sicherheitsteam, das ohne zu zögern ihren Befehlen gehorchte.

Als bester Mann ihres Sicherheitsteams hatte sich eine Frau namens Sadaja Jo herausgestellt. Sie gehörte zu dem Volk der Ellora. Silvana mochte diese Frau. Ihr reptilienartiges Kopfstück und ihre dunkle Hautfarbe machten sie zu einer sehr attraktiven und angenehmen Kampfpartnerin, die ständig ihr Bestes gab.

"Silvana an Sadaja: Ich gehe jetzt zu einer Besprechung. Sollte in der Zwischenzeit ein sicherheitstechnisches Problem anfallen, dann regle es. Sollte es sich um etwas Wichtiges handeln, dann bin ich sofort zu verständigen. Silvana E... Ach ja und sorge dafür, daß die Leute ruhig bleiben. Nötigenfalls mit Gewalt. Silvana Ende."

Erleichtert verließ Silvana ihr Quartier. Für ihre Abwesenheit war nun ebenso Vorkehr getroffen wie für ihren Magen.

Gesättigt brach sie danach in Richtung Turbolift auf.

--- kurze Zeit später vor der Offiziersmesse

Silvana sah den großen Anticaner schon, als sie um die Ecke bog. Er war auffallend. Was auch der Grund dafür war, daß sie den Vulkanier an seiner Seite nicht gleich wahrnahm und noch kurze Zeit weiterlächelte, bevor sich ihr Gesicht verfinsterte.

Sie war kein Freund der Vulkanier. Die Unterdrückung und Beherrschung ihrer besonders ausgeprägten Gefühlswelt empfand Silvana nicht nur als Versklavung ihrer Selbst und somit als Verbrechen, sondern auch als Verstecken hinter einer falschen Maske. Es war nicht in Ordnung zu meditieren um seine Wut zu unterdrücken, statt offen den Kampf auszutragen.

So war Silvana nicht besonders glücklich gewesen, als sie festgestellt hatte, daß Slade die Brücke mit lauter "Robotern" besetzt hatte. Sie nahm sich vor ihn demnächst darauf anzusprechen um ihn zu bewegen wenigstens einen Teil seiner Brückenbesatzung zu erneuern. Vielleicht hatte sie sich gerade deshalb als Ziel gesetzt ihnen die falschen Masken herunterzureißen um ihr wahres Gesicht zu sehen.

Gerade wollte sie eine zynische Bemerkung loslassen, daß Vulkanier wie 10 Tage Regen aussahen, als sie mit jemand zusammenstieß.

"Dokterchen, ist also auch mit von der Partie", sagte sie grinsend, während sie in Kargans blaue Augen sah. "Um so besser, dann hast du hoffentlich ein Mittel bei dir, das gegen Vulkanier wirkt."

--- Maschinenraum

Erschöpft, aber glücklich betrachtete Anturios seine Arbeitsstätte. Seine Mitarbeiter hatten es geschafft, die Reste der Tarnvorrichtung und auch der toten Ingenieure zu beseitigen. Nun sah alles wieder vorbildlich aus und Anturios betrachtete befriedigt seine Konsolen.

Fasziniert von dem sauberen Ionenfluß und der Harmonie der Gel-Packs träumte er leicht vor sich hin, dachte an sein Schichtende und den Holodeckbesuch mit Ruiq.

Ruiq. Seit er diesen kleinen Kalconier zum ersten Mal getroffen hatte, war etwas zwischen ihnen gewachsen und langsam hatte Anturios das Gefühl, daß es nach so kurzer Zeit bereits mehr war. Aber, das konnte nicht sein! Anturios konnte die Gefühle seines Freundes nicht verletzen! Niemals!

'Er soll es nicht erfahren, bevor ich ihn besser kenne", überlegte er erregt. Diese Verwirrung durch Gefühle hatte er selten, obwohl er laut seiner Vorgesetzten zur Träumerei neigte. Aber was wußten die schon....

Plötzlich hörte er eine Stimme in seinem Kopf. Anturios wunderte sich über den unerwarteten Befehl, war aber hocherfreut, endlich die Führungsoffiziere im Dienst zu treffen.

Nachdem Xiang eingewiesen war und alle Befehle entgegengenommen hatte, begab sich der Amarilianer Richtung Turbolift.

--- vor der Offiziersmesse

Gerade als Anturios den etwas zu kleinen Turbolift verlassen hatte, richtete er sich wieder zur gewöhnlichen Größe auf. 'Zum Glück habe ich keine Wirbel, die mir weh tun könnten', freute sich Anturios und bewegte sich mit seinen Tentakeln weiter voran. Vor der Tür standen bereits Silvana und Dr. Kargan und unterhielten sich.

Obwohl Anturios sicher war, vorher keine Reaktion seitens Silvana auf seine Anwesenheit bemerkt zu haben, wandte sie sich plötzlich zu ihm und sagte etwas spöttisch: "Da kommt ja auch schon unser Arboretum!"

Anturios begriff den Vergleich zwar sofort, ging aber nicht weiter auf diese Bemerkung ein und sandte ein allgemeines "Ich grüße Sie!" aus. Dr. Kargan nickte leicht, um seine Zustimmung zu zeigen, aber Silvana blieb weiterhin kühl.

Etwas nervös schlängelten seine Tentakeln umher und bildeten Muster, bis er sich beinahe verknotete. 'Wo bleibt Ruiq nur....?', fragte er sich ungeduldig.

--- Krankenstation

Hektisch lief Ruiq zwischen den Biobetten her und kontrollierte noch einmal genau, ob auch alle Anzeigen in Ordnung waren, bevor er sicher war, daß Edwina Entenburg auch alleine klarkommen konnte. Immerhin war es das erste Mal, daß sie ganz allein ohne Dr. Kargan oder ihn die Krankenstation zu führen hatte. Dr. Kargan vertraute ihr, warum sollte es Ruiq dann anders gehen?

"Ich werde schon mit den Leuten klarkommen. Worauf wartest du Bürschchen noch. Sollen sie etwa ohne dich anfangen?" Edwina lachte mit ihrer tiefen und rauhen Stimme und schob ihn fast zur Tür hinaus, als Ruiq Anstalten machte auch noch nach dem letzten Fall von "Silvanas Trainingseifer", wie er diese Fälle immer zu nennen pflegte, zu sehen bevor er ging.

--- Gang vor der Krankenstation

Ruiq hörte gerade noch ein "Nichts da", als er sich auch schon auf dem Gang wiederfand und die Tür sich hinter ihm schloß. Aber er nahm Edwina diese Behandlung nicht übel. Im Gegenteil war er froh, daß sie ihn rauswarf, da es auch in seinem eigenen Interesse geschah. Er wollte nicht zu spät oder gar als Letzter kommen. Aber das würde unweigerlich geschehen, wenn er sich jetzt nicht sehr beeilte. Dr. Kargan war schon längst aufgebrochen.

Während Ruiq sich durch die Gänge schlängelte, auf denen seit dem Unfall mehr als gewöhnlich los war und öfter eine Entschuldigung murmelte, weil er mit jemand zusammenstieß, dachte er an den Trubel in der letzten Stunde.

Zuerst waren Silvanas Leute eingeliefert worden, deren Behandlung noch nicht abgeschlossen war, als durch den Unfall Leute wegen kleinerer Verletzungen und auch Schockzuständen behandelt werden mußten. Und als wäre das nicht genug, hatte Ruiq seine Arbeit auch noch unterbrechen müssen um dem armen Xiang seelischen Beistand zu leisten, weil dieser ganz geknickt war von Silvanas Anschuldigungen, vielleicht etwas mit dem Tod seiner Freunde zu tun zu haben.

'Wenigstens Xiang ist jetzt wieder in Ordnung und kann seiner gewohnten Arbeit nachgehen', dachte Ruiq vergnügt und freute sich, daß er somit auch seinem Freund Anturios geholfen hatte, der große Stücke auf den kleinen Xiang hielt.

Anturios. Ruiq verdoppelte seine Schnelligkeit und hüpfte in den Turbolift, der gerade anhielt um einen Ferengi mitzunehmen.

--- vor der Offiziersmesse

Ruiq rannte fast in seinen großen Freund hinein, so beeilte er sich zu den anderen zukommen. Ohne die anderen mit einem Blick zu würden, strahlte er freudig das Tentakel an, daß sich vor ihm aufrichtete, und jubelte: "Hallo Anturios, lieber Freund, ich habe deine Gesellschaft schon sehr vermißt. Es ist schön dich wiederzusehen, auch wenn die Umstände dieses Treffens mehr als bedauerlich sind."

Zerknirscht mußte er an die Toten denken, die dieser Zwischenfall verursacht hatte und schlang dann spontan die Arme um Anturios Stamm, weil ihn der Gedanke deprimierte wie leicht sein Freund unter diesen Toten hätte sein können.

Fröhlich sah Anturios, daß Ruiq endlich da war! Nachdem der Kalconier sich um seinen Stamm geworfen und ihn fest gedrückt hatte, griff Anturios ihn sanft mit einigen Tentakeln und hüllte ihn vorsichtig ein.

Dann erinnerte sich der Amarilianer an die Worte von Ruiq '...auch wenn die Umstände dieses Treffens mehr als bedauerlich sind' "Ja, da hast du wohl recht!", antwortete er etwas leiser und schluckte mental, "Es waren gute Ingenieure, aber ich bin sicher, daß sie jetzt im Jenseits sind."

Ruiq erkannte, daß Anturios diese Thema vergessen wollte und blieb ruhig. Statt dessen fragte er den stämmigen Baum: "Was hältst du von einem gemeinsamen Holodeckbesuch heute nach Schichtende?" Auf diese Frage war Anturios nicht vorbereitet gewesen, aber er war froh, daß Ruiq den Tod außen vor ließ und ihm so Schmerz ersparte. "Eine sehr gute Idee! Aber was wollen wir machen? Ich fürchte, ich bin nicht besonders geeignet für Sportarten."

Bei den letzten Worten musterte er Silvana. Ihr Ruf, immer frischen Nachschub an die Krankenstation zu schicken, war allen im Schiff bekannt. 'Ob diese Gewalt wirklich nötig ist? Hat Sicherheit nicht auch viel mit Intelligenz und Spürsinn zu tun? ', fragte er sich und beschloß, Silvana nicht darauf anzusprechen. Wer wußte schon, wie sie auf Kritik reagierte. Vielleicht wurde sie gewalttätig und es lag Anturios fern irgend jemanden zu schädigen.

Als er wieder in das strahlende Gesicht seines Freundes schaute, grübelte dieser immer noch. Jedes Mal, wenn Anturios in Ruiqs Gesicht schaute entdeckte er diese kleinen Lachfalten um die Augen. Sie waren süß und machten Ruiq zu einer ansteckenden Quelle der Energie.

'Ach dieses Gesicht.....', überlegte Anturios träumerisch.

"Hmm....", dachte Ruiq laut nach um ein noch nachdenklicheres "Hmmmm..." nachzuschieben. Er dachte daran, was für Möglichkeiten sich ihnen anboten. Wie Anturios haßte auch er Gewalt und wegen seiner kleinen schwachen Gestalt war er auch ziemlich unsportlich.

Ruiq folgte Anturios Blick - es war ihm nicht schwergefallen im Laufe der Zeit zu erkennen, wohin sein Freund blickte - und verstand ihn auch ohne Worte. Diese Silvana war ziemlich hart und ihre harte Schale schien undurchdringlich, doch Ruiq verurteilte sie nicht. Immerhin hatte sie eine weiche Seite, wie er in den letzten Tagen mit Freude festgestellt hatte, da sie seit dem Unfall des Zaldianers jeden Tag längere Zeit auf der Krankenstation zubrachte um sich über seinen Zustand und etwaige Fortschritte in seinem Fall zu erkundigen.

Leider hatte er ihr nichts Positives erzählen können. Die Lebensfunktionen des Zaldianers waren zwar stabil, trotzdem konnten sie ihn noch immer nicht aus dem künstlichen Komma holen, da ihnen ein Gegenmittel gegen die "Jumper"-Allergie fehlte. Die Mehrzahl an Bord hatte sich für den Spitznamen "Jumper" entschieden, da diese insektenartigen Wesen ohne Probleme drei Meter springen konnten. Das hatte die Ausrottung schwierig gemacht, weshalb noch immer nicht alle beseitigt waren.

Ruiq fühlte Anturios Blick auf sich und ihm wurde wunderbar warm. Lächelnd wandte er sich wieder seinem Freund zu. Da kam ihm auch schon eine Idee.

"Ich denke, wir hätten beide etwas Erholung nötig. Wir wärs, wenn ich den Computer anweise ein Programm von meiner Heimat zu erstellen? Dann könntest du meine Welt kennenlernen und auch die Pflanze sehen von der ich sprach." Hoffungsvoll sah Ruiq seinen Freund an und hoffe ihm mit dieser Idee eine Freude gemacht zu haben. Sicher würde auch Anturios die Ruhe des Planeten Kalcon zu schätzen wissen. "Aber wenn du etwas anderes weißt, dann schließe ich mich dir gerne an."

Fragend legte Ruiq den Kopf schief und wartete auf eine Reaktion.

Anturios überlegte über Ruiqs Worte und stellte sich diese Landschaft vor. Schließlich wurde er von der Neugier gepackt und er sagte nur: "Das wäre wunderschön!"

Ruiq strahlte ihn noch fröhlicher an und wollte gerade etwas erwidern, als Slade im Gang erschien. Er wirkte etwas nachdenklicher als sonst; als wenn eine schwere Entscheidung auf seinen Schultern läge. Deshalb grüßte er auch nur kurz und betrat die Offiziersmesse.

--- Offiziersmesse

Während Silvana und Kargan ihm ruhig folgten, fragte sich Anturios was geschehen war. In Ruiqs Augen erkannte er, daß auch sein kleiner Freund besorgt war. Um ihn ein wenig aufzumuntern, dachte er nur: "Ich freue mich schon riesig auf unseren Ausflug!"

Für einen Moment hob Ruiq die Mundwinkel, aber dann traf ihn wieder die Sorge um den Anlaß ihres Treffens. Zerknirscht ließ sich der Kalconier in einen Sessel fallen.

Ganz in Gedanken versunken stand Slade zusammen mit dem Vulkanier vor der Offiziersmesse.

Die normale Reihenfolge der Reaktionen auf eine unvorhergesehene Situation war: Angst, weil man nicht wissen konnte, welche Gefahren da draußen in der Finsternis des Ungewissen lagen.

Dann kam die Neugier, der Forscherdrang, der den Zauber des Geheimnisvollen zerstören wollte.

Als Letztes kam die Profitgier.

Bei Slade war es anders. Und, soweit er beurteilen konnte, bei allen anderen Händlern auch. Erfolgreiche Händler mußten schnell zuschlagen, sparten sich deshalb den Umweg über die ersten beiden Stationen, und waren in der Lage, Dinge zu verkaufen, die noch völlig unerforscht waren.

Wenn die Phase der Profitgier (aus welchen Gründen auch immer) abgeschlossen war, kam die Phase des Erforschens.

Wenn die Phase der Angst sich einstellen wollte, weilte der geschickte Händler schon lange nicht mehr in der Nähe, sondern schloß bereits das nächste Geschäft ab.

Slade war ein geschickter Händler und hatte die Phase der Profitgier schnell hinter sich gelassen, weil es hier einfach niemanden gab, dem er auf die Schnelle etwas hätte verkaufen können. Mal abgesehen von den hier lebenden Leuten, die sicher ein Vermögen für Zukunftstechnologie gegeben hätten.

Aber diese Option ließ er sich noch offen.

Nein, Slade war bereits mitten in der zweiten Phase. Er wollte erforschen.

Als er noch klein war, hatte seine Mutter eine Schublade. Sie nannte sie die 'geheimnisvolle Schublade'. Warum? Ganz einfach: Weil sie voll mit Geheimnissen gewesen war.

Ab und zu griff sie in diese Schublade und schenkte ihm etwas daraus. Leider richtete sich die Qualität der Geschenke immer nach seinem Benehmen der letzten Zeit. An sich waren es immer nur Kleinigkeiten, Glasmurmeln, kleine Geldstücke. Aber auch zerrissene Zettel, zerknülltes Papier, abgebrannte Streichhölzer, wenn die Schublade ihm zu verstehen geben wollte, daß er sich nicht gut benommen hatte.

Eines Tages, der kleine Slade war alleine zu Hause, nahm er seinen ganzen Mut zusammen, schlich in das Zimmer mit der geheimnisvollen Schublade, öffnete sie und schaute hinein.

Leer.

Er konnte es nicht glauben.

Hatte er den Zauber der Schublade gebrochen? Den Zauber der Schublade, die immer genau wußte, was er angestellt hatte?

Was würde seine Mutter tun, wenn sie feststellte, daß die Schublade leer war?

Er verbrachte den Rest des Tages ängstlich zusammengekauert in seinem Zimmer, wartete auf die Rückkehr seiner Mutter und fürchtete sich gleichzeitig davor.

Abends, er hatte stets ängstlich zur Schublade geschaut, geschah es dann: Seine Mutter öffnete sie und griff hinein.

Zu Slades übergroßem Erstaunen schien die Lade nicht leer zu sein. Seine Mutter hatte den häßlichsten Stoffetzen in der Hand, den Slade je gesehen hatte.

Klar, er war unartig gewesen. In die Schublade zu schauen war sicher ein Vergehen der schlimmeren Art. Normalerweise hätte es ihn sehr traurig gemacht, ein solches Geschenk zu bekommen.

Aber diesmal tanzte er fast mit dem Fetzen in sein Zimmer.

Lange starrte er den Stoff an. Vielleicht würde er ihm erzählen, wie er in die Schublade gekommen war, was er dort erlebt hatte und was für Geheimnisse er sonst noch bewahrte.

In genau dieser Stimmung fand Slade sich nun wieder, als die kleine Versammlung in den Raum tröpfelte und sich an den Konferenztisch setzte.

Als Ruhe eingekehrt war, erhob er die Stimme und sagte: "Danke, daß ihr alle erschienen seid. Eigentlich war diese Sitzung von unserer Sicherheitschefin geplant gewesen, die hier erörtern wollte, warum unsere Tarnvorrichtung sich verabschiedet hat.

Aber obwohl dieser Punkt sehr wichtig ist, denn es sieht so aus, als hätten wir einen Saboteur in unseren Reihen, gibt es zur Zeit noch etwas Wichtigeres. Raven, erzähl es uns."

Silva stöhnte gequält auf und murmelte etwas wie: "Ausgerechnet der..."

Raven schien nichts gehört zu haben, oder es machte ihm nichts aus, denn er schilderte in seiner emotionslosen Art die Situation:

"Wie wir alle wissen, ist unsere Tarnvorrichtung explodiert. Nach den Messungen des Computers hat diese Explosion allerdings erst genau 0.003 Sekunden nach der Aktivierung des Warpfeldes stattgefunden. Davor war die Tarnvorrichtung ganze 7 Sekunden problemlos aktiv.

Die Messungen zeigen, daß durch diese Explosion ein Riß im Raum/Zeit-Kontinuum entstanden ist. Wir sind durch diesen Riß geschleudert worden, und befinden uns zur Zeit in der Nähe von Narendra III.

Das wäre kein größeres Problem, mit vollem Warp wären wir in einiger Zeit wieder an unserem Ausgangspunkt.

Das eigentliche Problem ist der zweite Effekt, der bei unserem Sprung durch den Riß eingetreten ist. Wie ich schon sagte... es handelte sich um Raum/ZEIT-Kontinuum. Wir sind einige Jahre in der Vergangenheit gelandet. Genauer gesagt: Wir haben heute den 6. Juni 2343."

Erschrecktes Raunen und ungläubige Blicke huschten durch den Raum.

"Für alle die, die immer noch nicht die Tragweite dessen begriffen haben, was passiert ist: Wir sind nicht nur in der Vergangenheit gelandet, wo die kleinste Beeinflussung unsere eigene Existenz auslöschen kann. Wir sind auch genau HEUTE gelandet."

Einige nickende, plötzlich sehr nachdenklich gewordene Gesichter schauten Raven an. Einige andere schauten mehr wie Schulkinder, die auf keinen Fall aufgerufen werden wollten.

Raven atmete hörbar ein und wieder aus.

"Zur Erklärung. Die Föderation und das klingonische Imperium liegen noch in erbitterter Feindschaft. Morgen wird der klingonische Außenposten Narendra III von vier romulanischen Kriegsschiffen angegriffen und dabei komplett vernichtet.

Ein Föderationsschiff wird den Notruf hören und zu Hilfe kommen. Bei dieser Aktion wird es ebenfalls vernichtet werden.

Aber der heldenhafte Versuch, dem Außenposten zu Hilfe zu kommen und dabei mit dem Leben zu bezahlen, wird von den Klingonen sehr positiv aufgenommen, daraus ergeben sich die Friedensverhandlungen, die dann schlußendlich die Föderation, wie wir sie heute kennen, begründet haben.

Begründen werden.

Begründet haben werden.

Das Schiff von dem ich gesprochen habe, war die USS Enterprise. Das letzte Mal, daß man etwas von der Enterprise C gehört hat, war vor dem Außenposten von Narendra III. So steht es in den Geschichtsbüchern.

Was nicht in den Geschichtsbüchern steht: Gerüchten zufolge haben einige Crewmitglieder der Enterprise C überlebt.

Wie dem auch sei, die Frage, die wir uns stellen müssen: Werden wir eingreifen? Ich werde am Schluß meines Berichts zu dieser Frage meine persönliche Meinung sagen.

Die Zeit ist in zwei große Dinge aufgeteilt, wenn man so will: Quantenrealitäten und Zeitlinien."

Raven schaltete das Display ein. Der Begriff "Quantenrealitäten" erschien.

Raven nahm seinen Monolog wieder auf: "Für jedes Ereignis gibt es eine unendliche Anzahl möglicher Ausgänge. Eine bestätigte Theorie der Quantenphysik sagt, daß alle Möglichkeiten, die passieren können, auch wirklich passieren, in verschiedenen Quantenrealitäten.

Jede dieser Quantenrealitäten hat eine spezifische Quantensignatur.

Wenn es Quantenrealitäten gibt, dann muß es zwangsläufig auch mehrere Zeitlinien geben. Das heißt ..." Ein Schaubild erschien. "Wenn wir eingreifen, wird das Konsequenzen haben.

Auf jede unserer Aktionen folgt eine Reaktion. Eine neue Zeitlinie entsteht.

Nun ist die Frage: Kann der Sohn durch die Zeit reisen und seinen Vater töten? Wenn er jedoch nicht geboren wird, wie soll er dann durch die Zeit reisen, um ...

Sie sehen das Problem.

Was aber, wenn der Sohn durch seine Zeitreise eine neue Quantenrealität erschafft, er also seine eigene Quantensignatur behält? Dann könnte er in der Vergangenheit seinen Vater töten und würde trotzdem am Leben bleiben, aber seine Familie würde nie existieren."

Raven schaute in die Runde. Die meisten Gesichter zeigten einen verwirrten Ausdruck. Raven hatte sich in totale Begeisterung geredet. Er hatte vergessen, daß dieses hier keine Professoren der Quantenphysik oder Subraumspezialisten waren.

"Um es kurz zu machen: Wir können alles tun was wir wollen. Wir können vielleicht sogar unsere Eltern töten, weil die Chancen 50 zu 50 stehen, das wir trotzdem am Leben bleiben, aber ich für meinen Teil möchte das nicht ausprobieren.

Ich habe es auf dem Weg hierhin durchgerechnet ... mit unserer fortschrittlichen Technologie könnten wir den Angriff abwehren.

Aber wir würden ... je nachdem, wie der Kampf läuft ... beschädigt werden, vielleicht sogar stark beschädigt werden.

Wir können uns verkriechen und ich muß zugeben, daß dieser Zug für uns das Sicherste wäre, aber ich denke, daß wir den 273 Klingonen auf diesem Außenposten helfen sollten.

Es bleibt die Frage: Greifen wir in das Geschehen ein?"

Mit diesen Worten setzte sich der Vulkanier wieder.

Slade schaute in die Runde und fragte: "Sieht jemand Gefahren, die Raven übersehen hat? Irgendwelche Vorschläge, die sich nicht darum drehen, wie wir uns am besten verkriechen können?"

Slade schickte sich an, die Phase der Angst zu erreichen.

Silvana erhob sich und sagte nur ein Wort, aber das so laut, daß es die Stille wie ein Donnerschlag durchzuckte: "Humbug."

Als alle sie verwundert ansahen schickte sie sich an zu erklären, wie sie die Sache sah und das alle die sich von Ravens idiotischen Theorien ins Bockshorn jagen ließen ausgesprochene Schwachköpfe waren.

"Die Sache ist so. Wir sind durch die Explosion des Tarnfeldgenerators durch Raum und Zeit geschleudert worden. Eine Explosion, die sich hätte wahrscheinlich sogar verhindern lassen, wenn Raven seine Messungen besser vorgenommen oder Anturios bessere Kenntnisse gehabt hätte. Aber wie dem auch sei. Mein Rat ist, daß wir genau das tun werden. Nämlich uns zu verkriechen.

Nun werdet ihr euch wahrscheinlich wundern, da ich absolut keinem Kampf aus dem Wege gehe und diesmal doch kneife, aber das hat auch seinen guten Grund."

Alle Augenpaare hingen gespannt auf ihr. Man kannte sie als Raubtier und unberechenbare Kämpferin. Niemand hatte damit gerechnet, daß gerade von ihrer Seite der Vorschlag kommen würde sich absolut ruhig zu verhalten.

"Meine Untersuchung hat ergeben, daß wir... sabotiert worden sind." Silvana ließ ihrem Publikum Zeit verwundert aufzuraunen, bevor sie mit ihrem Vortrag fortsetze.

"Und zwar mit voller Absicht, damit wir da landen wo wir jetzt gelandet sind. Das wäre zwar nicht verwunderlich, da diese Veränderung jemand des klingonischen Schiffes vorgenommen haben muß. Und sich Klingonen wohl sicher für ihre eigene Leute einsetzen. Vielleicht hatte er ja sogar Verwandte auf Narendra III.

DOCH... so einfach ist das nicht.

Ich habe mir die Tonaufzeichnungen im Maschinenraum angehört, als die klingonischen Ingenieure den Tarnfeldgenerator eingebaut haben. Dabei habe ich einige Details erfahren, deren spätere Verfolgung mich auf eine Spur gebracht hat deren Fäden bei einem Ziel zusammenlaufen. Einem ferengischen Händler.

Und wer profitiert in Kriegszeiten besser als ein Händler, habe ich mich gefragt?" Wieder ging ein Raunen durch die Menge. Ihre Theorie stellte das ganze unter einen ganz anderen Gesichtspunkt.

"Wir sind hier... besser gesagt hierher geschickt worden - nicht um ein paar Klingonen zu retten, die sicher lieber einen heldenhaften Tod sterben würden, als uns ihr Leben zu verdanken - nein, sondern um dieses Ereignis zu verhindern und dadurch den Frieden zwischen der Föderation und den Klingonen niemals geschehen zu lassen."

Sie sah in ernste Gesichter und war sich durchaus der einschlagenden Kraft ihrer Worte bewußt, trotzdem konnte sie nicht umhin, ihnen etwas hinzuzufügen.

"Wer also den Lauf der Geschichte ändern möchte, weil er glaubt, daß wir hier sind um ein paar Klingonen zu retten, der sollte nicht vergessen, daß wir kein Föderationsraumschiff sind, unsere Photonentorpedos nicht mit Sicherheit funktionieren..." Ziemlich genau konnte sich Silvana noch daran erinnern, als sie das erste Mal zwei Photonentorpedos gezündet und sie in der Ferne verschwinden sah. Wahrscheinlich explodierten sie noch nicht mal, wenn sie auf ein Schiff trafen.

"Und diese Klingonen längst tot sind. Mit Sicherheit in unserer Zeit sogar als Helden verehrt werden. - Im Gegenteil fliegen wir ein Schiff, daß in dieser Zeit noch nicht mal gebaut worden ist und das deshalb, verdammt noch mal, gar nicht gesehen werden darf.

Jeder der diesem theoretisierenden Computerhirn mit seinem Denkfehler und dem Hang zur Selbstzerstörung folgen möchte, der kann in meinen Augen nur ein ausgesprochener Schwachkopf sein.

Wir setzen unser Schiff und das Leben aller aufs Spiel nur um zu ändern was längst geschehen ist . Slade, diese Rettung bringt dir keinen Profit ein und schon gar keinen Ruhm. Im Gegenteil werden wir ein paar ziemlich wütende Klingonen und Romulaner auf dem Hals haben. Vielleicht sogar die Enterprice C gegen uns haben.

Alles was wir tun sollten ist einen Weg zurück zu finden und das möglichst schnell."

Silvana setzte sich wieder und wartete auf die Reaktionen der anderen. Doch im Grunde nur auf die von Slade.

Dieser saß in seinem Sessel und grübelte über das nach, was Raven und Silva ihnen eben erzählt hatten. Schließlich sah er auf und seine Stimme klang nachdenklich.

"Mit der Aussage, daß wir hier machen können was immer wir wollen, bin ich nicht ganz einverstanden.

Es ist doch so, daß wir, wenn ich mir deine Grafik anschaue, auf dem oberen Zeitstrahl in die Vergangenheit gereist sind. Hier und heute verändern wir bereits diese Vergangenheit, indem wir einfach den Lauf von ein paar Photonen verändern.

Kann ja sein, daß irgendwer dadurch in einem entscheidenden Moment etwas stärker geblendet wird als wir es aus unserer Vergangenheit kennen, dadurch ist er einen kleinen Moment unaufmerksam und daraus entsteht eine Katastrophe.

Ist zugegebenermaßen etwas weit hergeholt, aber immerhin möglich. Fakt ist, daß wir mit unserem Eindringen in diese Quantenrealität bereits eine neue geschaffen haben und dies in jeder Sekunde weiter tun. Und je mehr wir hier anstellen, desto mehr wird diese Quantenrealität von unserer abweichen.

Da unsere Quantenrealität mit dieser hier nur einen Berührungspunkt hat, nämlich den, wo wir eingetroffen sind, können wir von hier, bzw. JETZT aus gar nicht mehr in unsere Gegenwart zurückkehren, sondern nur in die Gegenwart DIESER Quantenrealität." Slade deutete hierbei auf die untere Linie von Ravens Diagramm.

"Das bedeutet, daß unsere Realität unverändert weiterexistieren wird. Zwar ohne uns, aber auch ohne irgendwelche Auswirkungen. Insofern hast du recht, Raven: Es kratzt in unserer Realität niemanden, ob wir hier die Hände in den Schoß legen oder gar selber Narendra III vernichten - nur um einmal zu schauen, was dann so passiert.

Aber es würde drastische Auswirkungen auf die Realität haben, in der wir uns jetzt befinden. Glauben wir Silva, würde es durch unser Eingreifen HIER keinen Frieden zwischen der Föderation und den Klingonen geben.

Das heißt weiter, daß wir zwar eventuell in die Zukunft zurückkehren könnten, aber halt nicht in unsere. Die Zukunft, in die wir fliegen würden, wäre die Zukunft DIESER Quantenrealität. Und die stelle ich mir recht düster vor.

Die einzige Möglichkeit wäre, zuerst in die Vergangenheit zurückzureisen, etwas vor den Zeitpunkt, an dem wir das erste Mal angekommen sind. Dann warten wir, bis 'wir' wieder ankommen, und fliegen durch den gleichen Riß wieder zurück.

Nein. Geht auch nicht.

Würden wir zurückfliegen, dann würden wir mit unserem Eindringen sofort wieder eine neue Realität aufbauen. Aber die Privateer aus der Zukunft kommt ja in DIESER Realität an, also nicht in der, die wir dadurch erschaffen hätten.

Wir müßten im gleichen Sekundenbruchteil ankommen, in dem wir damals hier gelandet sind, und zwar praktisch bereits in dem Riß, der uns dann in die Zukunft schleudert.

Ansonsten gelangen wir in die Zukunft dieser Realität. Und selbst, wenn wir nichts verändern, gibt es eine Katastrophe: Wir alle existieren dann doppelt, nämlich die Originale aus der hiesigen Realität und wir.

Ich glaube, unsere Lage ist noch verfahrener, als ich zuerst gedacht hatte.

Oder habe ich irgendwo einen Denkfehler drin, Herr Wissenschaftler?"

--- Bar

Nachdem auch der letzte Gast herausgeworfen war und da die neue Schicht noch nicht begonnen hatte, entschloß sich der Ferengi, die Bar für ein paar Stunden zu schließen und andere Prioritäten zu setzen.

Als die Eingangstür sicher verriegelt war, loggte sich Narbo in die zentrale Datenbank des Schiffes ein startete ein Diagnoseprogramm. Dieses war voll in die bestehende Computerstruktur integriert und fiel somit nicht als Fremdkörper auf.

Einige Sicherheitsprotokolle ließen sich zwar nur schwer umgehen, aber nach einer viertel Stunde hatte Narbo endlich Zugriff auf die interne Kommunikation. Er wies den Computer an einen Kanal zur Offiziersmesse zu öffnen, wo nach den Worten eines angetrunkenen Brikars eine Versammlung der Führungsoffiziere stattfinden sollte.

'Auf einem kleinen Schiff läßt sich eben nichts verheimlichen!', grinste er und lauschte gebannt der Diskussion. Mittlerweile wurde diese menschliche Amazone ziemlich aufbrausend und war kurz davor den Vulkanier in Stücke zu reißen. Narbo mußte ziemlich lachen, als er hörte, wie Silvana die halbe Besatzung beschimpfte.

Schließlich schaltete er den Kanal ab und löste sich widerwillig von der hitzigen Diskussion. Aber er nahm sich noch vor, Silvana nie den Rücken zuzukehren.

Nach einiger Zeit ließ das Lachen nach und Narbo konzentrierte sich auf den Inhalt der Versammlung. Wenn alles stimmte, drohte ihnen allen große Gefahr. Narbo war beunruhigt, weniger wegen den restlichen Besatzungsmitgliedern, als wegen sich selbst.

'Hmm, ich sollte einen Plan fassen, um mich im Notfall absetzen zu können. Schließlich will ich nicht mit diesem Abschaum verrecken!', grübelte er und kam zu _der_ Idee....

--- etwas später in der Shuttlerampe

Die Tür schloß sich zischend und Narbo öffnete sein Shuttle, das nach dem ersten Grossen Nagus Gint benannt war, und begab sich in den Frachtraum.

--- Frachtraum der Gint

Schnell fand er die gesuchten Objekte: Einen ausgemusterten klingonischen Disruptor, der ursprünglich zu einem Bird of Prey gehört hatte. Und nun war er in Narbos Besitz! Er mußte grinsen, wenn er daran dachte, wie es den vorigen Besitzern ergangen war. Der Klingonen-Raumer war ziemlich unschön explodiert, aber Narbo weinte diesen Idioten keine Träne nach. Statt dessen betrachtete er die Waffe, die demontiert in zwei Kisten lag. Eigentlich mußte sie zu dem Ferengishuttle kompatibel sein. Einen Versuch war es wert!

Die anderen gesuchten Objekte waren in einer anderen Kiste: 350 kg Sprengstoff! Darunter einige der besten Sorten die es gab und sogar einige Gramm bioelektrisches Sprengstoffes. Die paar Gramm würden reichen um eine kleinere Stadt auszuradieren, aber Narbo hatte etwas ganz anderes vor.

--- drei Stunden später

Die Montage des Disruptors hatte sich doch als leichter erwiesen, als der Ferengi vorher gedacht hatte. Die Waffe selbst war in den Schiffsrumpf eingebaut und an das Hauptenergienetz angeschlossen. Allerdings mußten noch mehrere Leitungen umgelegt werden. Aber die auffälligste Arbeit war getan! Ein Blick auf den Chronometer sagte ihm, daß er noch genug Zeit hatte, um auch den zweiten Teil seines Plans zu verwirklichen. Langsam schlich er zurück zu der Kiste mit dem Sprengstoff...

...und öffnete sie vorsichtig. Vor ihm lagen sorgfältig sortiert seine Schätze. Seit er ausgebildet worden war, hatte Narbo sich ohne Zweifel zu einem Experten im Umgang mit Sprengstoff entwickelt. Und mit seinen Kenntnissen waren auch seine Verbindungen, aber auch die Belohnung auf seinen Kopf, gewachsen.

Während er die verschiedenen Sorten betrachtete, fühlte er leichte Sehnsucht. Seit der Sprengung der Bar hatte er nichts mehr gemacht, um seine Fähigkeiten zu erweitern. Aber eine Möglichkeit würde sich wahrscheinlich bald offenbaren. Seine Zähne blitzten.

Vor Freude zitternd legte er ein Paket zurück und wandte sich IHM zu. Eine Substanz dessen Namen nur Vulkanier aussprechen konnten und die in seiner Branche häufig DEATH genannt wurde.

Niemand wußte genau wie sie aussah, da sie sich bei Kontakt mit Materie sofort destabilisierte und eine gewaltige Energiewelle in allen Spektralbereichen erzeugte. Seine Existenz war von allen Großmächten im Alpha- und Betquadranten verboten worden, da ab einer Menge von 30 Gramm eine gelenkte Kettenreaktion einen Riß im Raum/Zeit-Kontinuums erzeugen konnte. Häufig wurden solche Bomben auch als Subraumwaffen bezeichnet, was ihre Funktionsweise aber nicht genau beschrieb.

Narbo lachte leise und grinste. Der Behälter vor ihm schien beinahe wie reines Latinum zu leuchten und Narbo war fasziniert von dem Gedanken, den Sprengstoff einzusetzen. Die meisten Humanoiden sahen Sprengstoff immer als brutale Keule, die alles zerstörte, aber in den Händen eines Fachmanns, eines Künstlers, wurde es zu einem Skalpell. Millimetergenau ließen sich Explosionen berechnen und die saubere, perfekte Vernichtung erfüllte Narbo stets mit Freude. Wenn der Sauerstoff in der Atmosphäre verbrannte, sich bunte Effekte bildeten und hinterher das Ziel komplett ausradiert war.

Vor Freude glühend legte Narbo den Behälter zurück. Seine Zeit war noch nicht gekommen! Er glaubte fast zu spüren, wie der Sprengstoff sich hinter der Abschirmung und dem Kraftfeld auf seine Aufgabe vorbereitete. 217 Gramm reiner DEATH.....

--- Offiziersmesse

Raven wollte gerade seinen Mund öffnen, als Kargan seine grollende Stimme erhob.

"Ich bin Klingone. Und ich kenne die Geschichte des hinterhältigen Massakers von Narendra III sehr genau. Mein ganzes Leben lang habe ich mich gefragt, wie ich reagiert hätte, wenn ich die Möglichkeit gehabt hätte, dagegen etwas zu tun.

Sicher würde ich nicht die Hände in den Schoß legen und zusehen, wie auch nur ein Klingone ehrlos abgeschlachtet wird!"

Kargans Blick schweifte über die Anwesenden. "Wer hier ist ein solcher Feigling, daß er sich nicht traut, gegen die Romulaner zu kämpfen? Sie sind in der Überzahl, wir haben die bessere Technik. Der Kampf wäre fair!"

Slade sah auf und entgegnete scharf: "Das mit dem Feigling habe ich überhört. Aber ich überhöre solche Sachen immer nur einmal. Verstanden? Ansonsten kannst du gerne auf Narendra III gegen die Romulaner kämpfen, nachdem wir dich eine Minute vor dem Kampf dort abgesetzt haben.

Des weiteren hast du wohl nicht gut zugehört. Gehört es zur klingonischen Mentalität, daß sie heldenhaft in jede Falle stolpern, die ihnen aufgestellt wird? Wenn wir den Angriff verhindern, wird es keinen Frieden zwischen der Föderation und den Klingonen geben. Der Krieg wird weitergehen.

Ich kann Jean gerne anweisen zu extrapolieren, wie zwei Machtblöcke, die durch einen solchen aufreibenden Krieg sehr geschwächt sind, auf den Angriff der Borg und des Dominion reagiert hätten. In diesen Kriegen würden sicher weit mehr Individuen sinnlos abgeschlachtet als hier auf Narendra III.

Und... ich kenne das klingonische Heldenempfinden ja nicht so genau, aber werden die Toten von Narendra nicht als Märtyrer für den Frieden verehrt?"

Kargan starrte vor sich hin. Noch war es nicht abzusehen, ob er sich den Argumenten beugen, oder ob er auf eigene Faust eine unlogische Entscheidung treffen würde.

Nun erhob sich auch Ruiq von seinem Sitz, was er mit einem lauten Räuspern unterstrich, da er sich auch im Stehen nicht wesentlich von den um ihn Sitzenden abhob und neben Anturios ohnehin leicht übersehen wurde. Bisher hatte er zu dem Problem geschwiegen, doch nun war es an der Zeit zu sprechen. Das Problem war wesentlich größer, als die Frage, ob man die Geschichte verändern sollte oder nicht.

"Wenn ich mir auch etwas vorzubringen erlauben darf", warf er höflich in die Runde ein. Kargans entschlossenes Auftreten hatte ihm Mut gemacht, daß hier jeder gefragt war und es nicht nur die Wissenschaft und die Sicherheit anging. Erst als Slade zustimmend nickte und eine einladende Handbewegung zu sprechen machte, wagte Ruiq seinen Teil beizusteuern.

"Bei allem, das bisher erwähnt wurde, fehlt mir ein ganz wichtiger Punkt. Ein Punkt, der in der Prioritätenliste unbedingt an erster Stelle stehen müßte. Wir wissen nun, wie wir hierhergekommen sind und was in den nächsten Stunden geschehen wird. Aber was viel wichtiger ist: Wie kommen wir wieder nach Hause?" Nun raunten alle Anwesenden auf, da ihnen dieser Punkt im Trubel bisher wirklich entgangen war.

"Bevor wir überhaupt Überlegungen anstellen sollten, den Klingonen zu helfen, sollten wir an uns denken. Da ich annehme, nicht in meiner Funktion als Mediziner in diese Besprechung geladen zu sein, möchte ich in der Funktion als Counselor, die ich in letzter Zeit leider häufig ausüben mußte, für die breite Allgemeinheit der Mannschaft sprechen. Immerhin geht es auch bei unserem Schiff um fast 200 Leute, für die wir die Verantwortung tragen, die aber heute nicht hier sprechen können.

Da wir nicht mehr über den Tarnfeldgenerator verfügen, sehe ich augenblicklich unsere einzige Chance darin, daß dieses Phänomen sich auf natürliche Weise noch einmal aktiviert oder sich durch ein Hilfsmittel dazu stimulieren läßt. Und das wird voraussichtlich in den nächsten Stunden oder gar nicht geschehen. Deshalb sollten wir unsere Forschungen dort ansetzen, wenn wir nicht für immer in dieser Zeit gefangen sein wollten.

Auch ich würde gerne die Opfer dieses geschichtlichen Zwischenfalls retten, aber das liegt bereits in der Vergangenheit auch wenn es uns hier noch einmal vor Augen geführt wird. Doch wir sollten darüber nicht vergessen, daß unser Platz in der Zukunft liegt. Ebenso wie der Platz der Crew, die ihr Vertrauen und ihre Hoffnungen in unsere Hand gelegt haben und in etwas hineingezogen wurden, wofür sie keinerlei Schuld trifft.

Danke für ihre Aufmerksamkeit", schloß Ruiq höflich seine Ansprache und setzte sich wieder. Es fiel ihm ein Stein vom Herzen, daß niemand ihn unterbrochen hatte und man ihn hatte frei reden lassen. Er machte sich große Sorgen um die Leute, die durch die Toten in der Technik ohnehin schon verstört waren und er machte sich Sorgen um Anturios.

Fragend blickte er seinen großen Freund von der Seite her an. Er wirkte gefaßt, trotzdem fühlte Ruiq eine innere Anspannung von ihm ausgehen.

'Ich hoffe, er nimmt keinen seelischen Schaden, wenn wir in diesen Krieg, der nicht unserer ist, verwickelt werden. Er hat schon zuviel Leid ertragen müssen um schon wieder dem Tod so nah zu sein.' Leise und traurig seufzte Ruiq auf. Der Besuch am Holodeck war vergessen.

Slades Kommunikator zirpte. Unwillig schlug er darauf und schnauzte ein "Computer hatte ich nicht gesagt, daß ich jetzt nicht gestört werden will? Diese Besprechung ist wichtig!" hinein.

Jeans viel zu ruhige und immer höfliche Stimme, die Slade immer zur Weißglut brachte, antwortete: "Ja, Sir, aber ich habe einen nicht unwesentlichen Beitrag zu der Diskussion zu leisten, Sir."

Alle, die bereits Erfahrungen mit diesem Androiden gesammelt hatten, verdrehten die Augen.

Mit resignierender Stimme antwortete Slade: "Schieß los. Aber wenn es nicht wichtig ist, wirst du in Zukunft Anturios bei der Wartung des Maschinenraumes assistieren. Und zwar als Ersatzteillager."

Jean schien von dieser Drohung nicht sonderlich beeindruckt zu sein, denn er antwortete ungerührt: "Aus der schiffsinternen Datenbank ist mir bekannt, welche romulanischen Schiffe den Angriff auf Narendra III geflogen haben.

Aus zufällig aufgefangenen Funksprüchen habe ich entnommen, daß zwei dieser Schiffe gerade den Befehl bekommen haben, einen aufständischen Romulanerplaneten zur Räson zu bringen, während die Crew des dritten Schiffes nach einem sechsmonatigen Einsatz eine Woche Landurlaub auf Romulus bekommen hat. Das Schiff selbst ist zum Überholen auf dem Weg zur Werft.

Den Standort des vierten Schiffes konnte ich noch nicht bestimmen, aber ich vermute, daß es ebenfalls noch nicht nach Narendra III beordert wurde.

Die Chance, daß die Romulaner keinen Angriff planen, beträgt meinen Berechnungen nach 95,3%. Sir.

Jean Ende."

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