Chronik 8

--- Shuttle Gint

Slade fühlte einen warmen Strom sich von seiner Schulter aus auf seinen ganzen Körper ausbreiten. Dort, wo das Messer ihn verletzt hatte, intensivierte sich die Wärme und erzeugte ein regelrechtes Glücksgefühl.

Erstaunt schaute er den Kleinen an und notierte ihn geistig schon einmal als festes Mitglied seiner Krankenstation, wenn nicht sogar als deren Leiter.

Er murmelte ein erstauntes "Danke", und bemerkte gar nicht, daß sie sich derweil schon im Landeanflug auf die Shuttlerampe der Privateer befanden. Als Slade das kleine Schiff verließ, bemerkte er, daß Jean offenbar bereits die Nachtwache eingeläutet hatte: Das Licht war stark gedämpft und in einigen Bereichen bereits ausgeschaltet.

--- Privateer; Shuttlerampe

Als alle das kleine Schiff verlassen hatten, wies Slade ihnen ihre Quartiere zu, und wies sie an, sich am nächsten Tag um 0800 in ihren Abteilungen zu melden und sich zusammen mit den bis dahin noch ankommenden Leuten etwas einzuleben.

Slade hatte allerdings noch nicht vergessen, daß Narbo ihm noch etwas über die Geschichte mit den Selay erzählen 'wollte'. Den Shuttleflug hatte Slade durch die Behandlung des Mediziners ja fast verschlafen. Und da er sowieso die Bar noch nicht gesehen hatte, beschloß er, das Gespräch dorthin zu verlegen.

--- Maroks Quartier

Erst jetzt wo Maroks Tränen flossen, löste sich Silvana aus ihrer Erstarrung. Sie bedeckte sein Gesicht mit Küssen und der salzige Geschmack brannte auf ihren Lippen.

Es fiel ihr schwer zu glauben, was sie gerade aus seinem Mund vernommen hatte. Es war wie ein Traum. Ein zu schöner Traum um auch wahr zu sein. Und trotzdem hatte sie es gehört. Mit ihren Ohren,... ihrer Seele... und ihrem Herzen.

Marok hatte ihr seine tiefe und aufrichtige Liebe gestanden. Nach dieser kurzen Zeit, die sie sich erst kannten, empfand er ebenso tief für sie, wie sie für ihn. Ohne die Tränen noch länger verbergen zu wollen, liefen die salzigen Bäche über ihre Wangen und benetzen ihr Gesicht und ihren Körper mit den Tautropfen einer großen Liebe.

Zitternd preßte Silvana sich an ihn und schlang ihre Arme um ihn. Ihre nackten Körper verschmolzen zu einem einzigen. Ihre Hände streichelten seinen Rücken, sein Haar und seine Seele.

Einen Moment lang sog sie nur seine Gefühle tief in sich auf, bevor sie endlich das aussprechen durfte, das ihr schon seit so langer Zeit auf der Seele brannte und sie mindestens ebenso schmerzte wie die Ungewißheit. Sie machte sich von ihm los um ihm dabei tief in die Augen sehen zu können.

Als ihre Blicke sich trafen, bedurfte er es eigentlich keiner Worte, da ihre Gefühle zum Greifen nah waren. Sie spiegelten sich in den Tiefen ihrer Augen und ihrer Herzen.

"Ich liebe dich wie ich noch niemals einen Mann zuvor geliebt habe", sagte Silvana und es fiel ihr schwer sich jemand so schutzlos auszuliefern. Doch nun nach dieser Nacht war es ohnehin zu spät um es aufzuhalten, deshalb fuhr sie fort. "Ich will ohne dich nicht mehr leben."

Trotz des Wissens um seine Gefühle sah sie ihn fast furchtsam an, weil er nun die einzige Macht in Händen hielt, die sie vernichten konnte. Eine Macht, die stärker war als jede Klinge. Sogar stärker noch als der Tod. Ihre Liebe.

--- Bar

Narbo konnte im Gesicht des Anticaners sehen, daß er ihn nicht zum Spaß in die Bar gelotst hatte. Slades Gesichtszüge spiegelten zwar nur die übliche Mischung von Mißtrauen und Ärger wieder, aber Narbo sah es in seinen Augen. Ein Funkeln, das dem Ferengi sagte: "Sei auf der Hut!"

Während der Anticaner sich auf einen viel zu kleinen Stuhl setzte, schenkte Narbo ihm ein Glas von dem Brandy ein. Die neuen Vorräte waren noch nicht ausgepackt.

Der Ferengi wußte: Jeder Mann hatte seinen Preis und bei diesem Anticaner war das sicher nicht anders. Aber Narbo bezweifelte, daß ein Becher billigen Brandys ihn ruhig stimmen würde.

Als der Anticaner das Gefäß an seinen Mund setzte, nahm er einen kräftigen Schluck und starrte Narbo dann an. Er starrte und starrte. Beinahe zwei Minuten nichts als Starren.

Schließlich begann Narbo zu erzählen, es hatte ja eh keinen Sinn zu schweigen und dieses Starren machte ihm Angst! "Ich hatte mal einen Deal mit ein paar Selay. Ich weiß nicht, ob die es waren, aber diese Echsenviecher sehen alle gleich aus!", antwortete er achselzuckend. "Auf jeden Fall sollten sie bei einem Raub ein mit starken Sensoren ausgerüstetes Schiff ablenken, solange ich einen Auftrag erfüllte", sprach Narbo weiter und nahm ebenfalls einen Schluck aus seinem Becher. 'Ein Auftrag', überlegte der Ferengi. Es war wage genug. Auftraggeber haßten es, wenn man plauderte und verloren dann schnell die Kontrolle. Und Auftraggeber ohne Kontrolle drückten schnell auf den Abzug.

Es gehörte zu Narbos goldenen Regeln nichts niemanden niemals zu erzählen. Das bewahrte einen vor Ärger. Und Narbo haßte Ärger!

"Nun, später wurde es leider nötig, die Selay zurückzulassen. Aber die Sicherheitsleute waren mir einfach zu nahe auf den Fersen. Ich bin dann ohne Probleme entkommen", grinste er. Seitdem hatte er immer alles selbst gemacht. Komplizen wollten nur Geld und waren zudem unfähig.

Mehr zu sich selbst, als zu Slade, murmelte der Ferengi dann: "Und ich dachte, die Hobi töten Verbrecher - Merkwürdig". In der Tat hatte er nie damit gerechnet, die Selay wieder zu sehen. Ihre Gedärme sollten längst auf irgendeiner Müllhalde verrotten. Also, wie waren sie entkommen?

"Deswegen werden sie mich wohl jagen, schätze ich", beendete er sein Geständnis mit einem sehr unschuldigen Ton. 'Was kann ich auch dafür, daß die Hobi zu blöd sind ein paar Selay zu töten und dann zu häuten?!' Im Geist dachte er an einen Händler, der einen Stuhl mit Echsenleder bezogen hatte. Und es sah wirklich nicht schlecht aus!

Slade reagierte nicht. Er hörte zwar mit dem Starren auf, aber sein Gesicht verriet nichts. 'Was geht wohl in seinem Kopf vor?', sinnierte Narbo.

--- Shuttlerampe

Ruiq sah dem Ferengi und dem Anticaner nach, als sie sich rasch vom Shuttle entfernten, bis sie aus seiner Sichtweite verschwanden. Nachdem man ihnen die Quartiere zugewiesen hatte, waren sie wieder auf sich alleine gestellt. Er und das seltsame Wesen neben sich.

Nachdenklich musterte der Kalconier seinen Begleiter. Noch nie hatte er einen Vertreter dieser Rasse gesehen. Vergeblich hielt er bei ihm nach einem Gesicht Ausschau. Es hatte entfernte Ähnlichkeit mit einem Gewächs, doch es war im Gegensatz zu einem Baum biegsam und geschmeidig. Trotz scheinbar fehlender Hörorgane mußte es hören können, sonst könnte sich niemand am Schiff mit ihm verständigen.

Ruiq fragte sich, wie das Wesen mit anderen kommunizieren konnte. Aber scheinbar hatte diese Rasse eine Form der Kommunikation für sich entwickelt um sich anderen sprechenden Lebensformen mitzuteilen. Wahrscheinlich sogar Telepathie, wie Ruiq vermutete.

"Mein Name ist Ruiq. Ich bin ein Kalconier vom Planeten Kalcon. Wenn alles gut geht werde ich nicht nur auf der Medizinischen Station arbeiten dürfen, sondern mich auch um das Wohl der Besatzung kümmern dürfen", schloß er seine Rede und wartete auf Antwort.

Anturios fixierte den Kalconier mit mehreren Augen. Das Wesen schien freundlich zu sein. Es wirkte allerdings auch noch recht jung, selbst nach humanoiden Maßstäben.

Schließlich antwortete er telepathisch: "Ich heiße Anturios und stamme von Deltos, einem Planeten im Gamma Quadranten. Ich freue mich Dich kennenzulernen! Ich bewerbe mich übrigens um einen Platz in der technischen Crew."

Anturios sah in Ruiqs Augen, daß es ihn verstanden hatte. "Nun, wollen wir uns etwas umsehen?", fragte Anturios nach, um die Unterhaltung nicht abbrechen zu lassen. Das fremde Wesen schien ihm ein angenehmer Gesprächspartner zu sein. "Ich würde vorschlagen, wir besichtigen unsere zukünftigen Arbeitsplätze. Was meinst du?"

Ein strahlendes Lächeln breitete sich über Ruiqs Gesicht aus. Telepathie macht ihm nicht Angst. Sie war fast so, als wären seine Bilder Worte.

Das riesige baumartige Wesen schien sehr freundlich zu sein. In Gedanken machte sich Ruiq schon darauf gefaßt, daß er längere Zeit mit Anturios verbringen würde um mehr über dieses Volk zu erfahren.

"Gerne. Zwar haben wir jetzt scheinbar schon Ruhezeit auf dem Schiff, doch ich könnte ohnehin noch nicht schlafen. Die Krankenstation interessiert mich zu sehr, aber ich würde mir auch gerne den Maschinenraum ansehen", antwortete Ruiq deshalb mit einem Nicken, während die zahlreichen Tentakel des Baumes ihn ein wenig umkreisten. So war ihm schnell klar, daß einige von Anturios Sinnen wohl an diesen Tentakel lagen. Jedenfalls der Sehsinn und der Tastsinn schloß Ruiq seine ersten Beobachtungen.

Anturios setzte sich in Bewegung und Ruiq folgte ihm.

--- Gänge

Ruiq hatte zwar kurze Beine, doch zum Glück kam Anturios auch nicht so schnell voran, so daß er sich nicht gehindert fühlte.

"Ich nehme an, du bist sehr nahe verwandt mit den Pflanzen und Bäumen auf eurem Planeten", bemühte sich Ruiq das Gespräch wieder anzukurbeln. "Wir auf dem Planet Kalcon haben keine Sonne, aber eine Art riesiges Gewächs, ohne das wir nicht leben könnten. Es ist überall auf unserem Planeten. Es strahlt die Wärme aus, die wir brauchen, versorgt uns mit Licht, ernährt uns und eine Vielzahl anderer Lebewesen. Wir haben sehr viel Ehrfurcht vor der Natur, aus der alles Leben kommt."

Er wartete noch immer auf eine Antwort, als er über etwas stolperte. Zum Glück bewahrte ihn sein neuer Freund mit einigen seiner Tentakel vor einem Sturz. Dankbar lächelte er ihn an. Die Berührung der Tentakel auf seiner Haut war angenehm gewesen und hatte ihn an Zuhause erinnert.

--- Bar

Slade schaute Narbo nur an. Wie hätte er an seiner Stelle reagiert? Hätte er jemanden, den er gerade mal ein paar Stunden kannte, in die Geheimnisse seiner vergangenen Geschäfte eingeweiht? Nein, nie. Narbo hatte genau so viel erzählt, wie Slade es selber getan hätte.

Slade freute sich, daß er keine Klatschbase an Bord hatte und grinste. Für Narbo mußte es so ausgesehen haben, als ob Slade sich gerade eine ganz besonders schlimme Strafe für ihn ausgedacht hatte. Der Captain erhob sich mit den Worten: "Guter Stoff. Ich hoffe, du hast noch mehr davon auf Lager, ich werde öfter kommen."

Damit drehte er sich um und verließ die Bar, um sich zur Brücke zu begeben.

--- Brücke

Als er die Brücke erreicht hatte, war nur Jean-Luc anwesend. "Wo ist Raschkralle?", fragte er den Androiden. Dieser antwortete: "Sie hilft den Ladearbeitern in der Shuttlerampe."

Slade setzte sich in seinen Sessel und zählte langsam bis zehn. So gut diese Pilotin auch war, so wenig konnte man sich auf sie verlassen. Er mußte mal schauen, ob sich nicht doch noch ein Pilot gemeldet hatte. Langsam hatte er diese Frau satt.

Oh, nein - da fiel ihm noch etwas viel Besseres ein...er kicherte in sich hinein. Er würde sicher seinen Spaß haben, aber sie eher nicht.

Aber nun war es erst einmal wichtiger, seine zukünftige Mannschaft an Bord zu holen. Da er seine Liste schon auf Drema weitgehend durchgearbeitet hatte, gab er gleich einmal durch, wen er zuerst an Bord holen wollte.

Danach wies er Jean an, gut auf die Brücke aufzupassen. Er würde erst einmal seine Kabine aufsuchen um frisch zu sein, wenn die ersten Probanden einträfen.

--- Slades Quartier

Seine Kabine hatte er schon von Weitem gerochen. Was Slade nicht gerochen hatte war, daß der Blutwein offenbar einen Teil des Bodenbelages aufgelöst hatte. Seltsam - es sah fast so aus, als ob jemand daran genagt hätte. Aber wer fraß schon Bodenbeläge?

Als er sich gerade hinlegen wollte, bemerkte er, daß seine Wunde wieder zu bluten anfing. Also machte er sich seufzend auf den Weg zur Krankenstation.

Unterwegs erreichte ihn Jeans Meldung, daß die ersten zukünftigen Besatzungsmitglieder bereits an Bord waren. 'Na, die haben sich aber beeilt..."

--- Krankenstation

Dort angekommen, ließ Slade sich von Kargan verarzten. Der Klingone hatte eine Fleißarbeit hingelegt, und nun sah die Krankenstation schon fast professionell sauber aus. Nicht schlecht.

Er legte sich etwas hin und stellte dabei eine Verbindung zu seiner Sicherheitsabteilung her. Seit er wieder an Bord war, hatte sich keiner der beiden blicken lassen. Ob sie wohl noch auf der Jagd waren?

"Slade an Sicherheit. Wart ihr erfolgreich? Habt ihr etwas gefunden?"

Stille.

--- Ravens Quartier

Raven war erschöpft. Er hatte 32 Stunden durchgearbeitet. Die Schilde funktionierten wieder zu 95%, das Holodeck zu 100%.

Die Privateer gefiel ihm. Er hatte nur ein Pad bekommen und war zum Dienst im Maschinenraum eingeteilt worden.

Seine Aufgabenliste war noch lang, aber selbst Raven mußte schlafen.

Morgen würde er den Captain persönlich aufsuchen und ihn fragen, wie seine Zukunft aussehen sollte.

--- Gänge

Interessiert hatte Anturios den Erzählungen des Kalconiers gelauscht. Die Worte klangen immer noch in seinem Gehirn nach. Diese Pflanze, von der Ruiq geredet hatte, machte ihn neugierig.

Plötzlich war Ruiq aber gestolpert und Anturios konnte ihn nur noch knapp retten. Der dankbare Blick des Wesens neben ihm, machte ihn fröhlich, auch ohne Worte. Über die Tentakel spürte er eine Art leichter Energiebindung, die zwischen ihnen herrschte.

In Ruiqs großen Augen war dessen Persönlichkeit zu sehen. Eine nette, freundliche Person, auf die man immer zählen konnte. Anturios war zwar kein Empath, aber seine Lebenserfahrung sprach eine eigene intensive Sprache. Er betrachtete Ruiq. Der Kalconier strahlte Freude und Lebenskraft aus. Dieses Gefühl bannte Anturios und er konnte sich nur schwer lösen. Ruiq ging es wohl nicht anders und erst nach einer halben Minute schauten beide nach unten, um herauszufinden über was Ruiq gefallen war.

Auf dem Boden lag ein Stück Deckenverkleidung, das wegen Reparaturen entfernt worden war. Anturios mußte über solche Unvorsicht den "Kopf schütteln". Als er den Weg langschaute, entdeckte er, daß der ganze Gang mit Teilen übersät war. Ein Wunder, daß sie nicht schon früher gefallen waren. 'Wo habe ich nur meine Augen gehabt?', fragte sich Anturios verblüfft.

"Wo habe ich nur meine Augen gehabt?", fragte Ruiq verwundert, während er sich nun vorsichtiger auf dem Gang fortbewegte und mehr auf den Boden, als auf Anturios achtete. Da hörte er in seinem Kopf das Lachen von Anturios, das ihn noch mehr verwirrte. Gerade wollte er fragen was ihn so erheiterte, als sie auch schon beim Maschinenraum des Schiffes angekommen waren.

Wieder mal war Ruiq froh darüber, daß er sich in der letzten Zeit eingehend mit Schiffsbauplänen beschäftigt hatte, damit er sich auf Schiffen jeder Bauart sofort zurecht fand. Es hatte sich als sehr nützlich erwiesen, da er sehr oft das Schiff wechselte und sich dann aber voll auf die Rassen und ihre Eigenarten konzentrieren wollte.

Ruiq wollte Anturios vorgehen lassen, weil es doch sein Einsatzort sein würde, doch der überließ ihm den Vortritt. Entweder aus Höflichkeit oder weil er kleiner war. Lächelnd schob sich Ruiq an ihm vorbei in den Maschinenraum.

--- Maschinenraum

Ruiqs von Natur aus große Augen wurden noch eine Spur größer. Das Schiff hatte von außen gar keinen so schlechten Eindruck auf ihn gemacht, doch jetzt mußte er seine Meinung den Zustand der Privateer betreffend doch ein wenig revidieren. Nicht nur lose Deckenverkleidungen schienen hier an Bord ein Problem zu sein. Er schluckte und war froh, daß er sich nicht für eine technische Stelle an Bord beworben hatte.

Noch eine Spur blasser als sonst, hoffte er, daß es auf der Krankenstation nicht ähnlich schlimm aussehen würde.

Fragend sah Ruiq auf seinen großen Freund. Was er wohl bei diesem Anblick empfinden würde...?

Staunend musterte der Amarilianer den Raum. Die Maschinen sahen ziemlich mitgenommen aus und das Personal lief hektisch hin und her, arbeitete an mehreren Stellen, teilweise auch kontraproduktiv. Vor allem der Warpkern schien nur notdürftig zusammengeflickt zu sein.

Ihn erwartete also viel Arbeit. Eine große Herausforderung. Einige Techniker rempelten ihn in Gedanken versunken an und liefen ohne Entschuldigung weiter. Ein merkwürdiger Haufen.

Plötzlich piepte eine Kontrolleuchte. Schnell betrachtete Anturios die Anzeige von nahen und erkannte das Problem. Ein Ingenieur hatte eine Primärleitung umgeleitet, um an ihr arbeiten zu können. Gleichzeitig wurde aber der Antimaterie-Behälter geöffnet und das notwendige Kraftfeld würde über dieselbe Leitung ihre Energie beziehen.

In wenigen Sekunden würde der Arbeiter in der Röhre von 5 Terajoule gebraten werden.

Während Anturios versuchte die Aktivierung des Kraftfeldes zu verhindern, nahm er mit dem Ingenieur in der Röhre telepathisch Kontakt auf. Wäre er kein Betazoid gewesen, hätte er die Warnungen des grünen Riesen wohl ignoriert, aber glücklicherweise begann er sofort zu fliehen.

Mehrere Sicherheitsprotokolle arbeiteten gegen Anturios. Trotz seiner vielen Tentakel baute der Computer die umgangenen Sicherheitsvorkehrungen schnell wieder auf und Anturios konnte das Unvermeidliche nur hinauszögern. Der Amarilianer konzentrierte sich nun ganz auf das letzte Protokoll und setzte es wieder und wieder außer Kraft, aber der Computer brach seine Blockaden immer noch schneller als er neue aufbauen konnte. Schließlich hörte man ein leises Summen, das auf ein Kraftfeld hinwies. Im gleichen Moment rollte ein sichtlich panischer Batazoid aus der Röhre und lag zitternd am Boden. Ruiq lief sofort zu ihm und untersuchte ihn.

Diagnose: Starker Streß hatte ihn in einen schweren Schockzustand geworfen und einen epileptischen Anfall ausgelöst. "Der Betazoid muß sofort auf die Krankenstation!", rief Ruiq und wurde von der um ihn herumstehenden Masse angestarrt. Keiner wollte helfen und Ruiq war zu klein um den Kranken hochzuheben.

Vorsichtig bahnte Anturios sich mit seinen Tentakeln einen Weg und schlug mehrere Leute aus Versehen. Während Anturios sich noch bei den Leuten entschuldigte, hob er den Verletzten hoch und rannte zusammen mit dem Kalconier aus dem Maschinenraum.

--- Krankenstation

Als die beiden die Krankenstation betraten, kam ein Klingone sofort angelaufen und betrachtete den Betazoiden, der nun auf einem Biobett lag. Gespannt beobachtete Anturios das Ganze. Würde der Fremde überleben?

--- Maroks Quartier

Marok schaute Silvana ungläubig an. Er war sehr selbstbewußt, aber Silvana war doch unendlich schön - mit ihrem kastanienbraunem Haar, ihren straffen Brüsten und ihrer perfekten Figur. Noch dazu, konnte er ihr geistig fast nichts bieten. Immerhin konnte er nicht richtig lesen und sie war Sicherheitschefin. Sie konnte Computerdaten doch sicher nicht nur lesen, sondern auch auswerten.

Marok überkam Angst. Was, wenn sie kulturell viel anspruchsvoller war? Wenn er nicht wußte, welche Komposition von Mozart war und welche nicht?

Sie hatte Macht über ihn. Wenn sie nicht in seiner Nähe war, vermißte er sie. Aufgrund seiner zaldianischen Natur handelte er manchmal total nach seinen Gefühlen. Also überkam ihn oft der Impuls einfach zu ihr zu rennen
und sie in den Arm zu nehmen. Natürlich war das unmöglich. Aber er wollte nicht von ihr getrennt sein.

"Silva?"

Sie sah zu ihm hoch.

"Ich fühle mich nicht gut genug für dich."

"Warum glaubst du das?"

"Ich kann doch noch nicht mal richtig lesen. Und ich bin auch nicht gebildet."

Einmal mehr war Silvana von seiner Ehrlichkeit beeindruckt. "Das ist doch nicht schlimm, du Idiot."

Sie lächelte und es war für Marok, als würde die Sonne aufgehen.

"Ich liebe dich, Marok. Es ist doch total egal, ob du lesen kannst", fuhr Silvana fort. "Wenn du willst bringe ich es dir bei." Sofort merkte sie, daß sie einen wunden Punkt berührt hatte.

"Ich habe Krepnaak, Silva. Ihr nennt das, glaube ich, 'schwere Legasthenie'. Viele Leute haben versucht mir das Lesen und Schreiben beizubringen. Es ist einfach zu schwer für mich."

Silva küßte ihn kurz auf den Mund. "Ist doch kein Problem ... ist wirklich kein Problem."

Sie schliefen aneinandergekuschelt ein.

--- Bar

Schwitzend rannte Narbo von Tisch zu Tisch. Seit die Ladung Arbeiter an Bord gekommen war, herrschte Dauerbetrieb. Etwa 15 laut gröllende Minenarbeiter saßen an ihren Tischen und vertranken ihr letztes Geld.

Einer lag schon auf dem Boden und schnarchte. Inzwischen hatte die Lage sich zwar entspannt, aber Narbo mußte ja auch noch den gekauften Alkohol im Nebenraum verstauen!

'Wenigstens hat der DaiMon keinen Ärger gemacht', überlegte der Ferengi, während ein weiterer Gast nach ihm rief...

--- Krankenstation

Kargan hatte gerade den Captain versorgt und seine Blutung stillen können, als schon wieder ein Verletzter eingeliefert wurde. Seltsam - das Schiff war eben noch so leer gewesen, und nun wurden die Verletzten im 10-Minuten-Takt eingeliefert.

Slade hatte ihm sowohl erzählt, daß das letzte Shuttle einige Besatzungsmitglieder mitgebracht hatte, als auch daß sich zu viele Leute gemeldet hatten. Deshalb versuchten wohl viele ihre Fähigkeiten zu demonstrieren und darum war es klar, daß sich noch einige überschätzen würden.

Bislang ging es ja noch, aber wenn der Trend anhielt und zudem mit den nächsten Shuttles weiterhin Leute an Bord kamen, mußten dringend noch weitere Mediziner aufgenommen werden. Als Kargan dieses Slade mitteilte, antwortete er: "Das habe ich vorausgesehen und deshalb haben wir mit Ruiq schon den ersten, der dich bei der Leitung unterstützen wird."

Slade erhob sich bei diesen Worten nicht. Als er zu Beginn seines Satzes den Versuch unternommen hatte, genügte ein scharfer Blick und ein leichtes Knurren des Klingonen, daß sich der Captain wieder zurückfallen ließ.

"Ich darf euch übrigens den Leiter der Krankenstation vorstellen: Dr. Kargan, ehemaliges Mitglied der Sternenflotte, hat bereits auf drei Schiffen Dienst getan. Und was noch wichtiger ist: Er hat es geschafft mich zu überzeugen, daß ich bei meiner Verletzung liegen bleiben muß."

In Gedanken setzte Slade hinzu: 'David hat mich nicht einmal bei einer aufgerissenen Halsschlagader zum Liegen gebracht - Respekt.'

Kargan schien gar nichts gehört zu haben und behandelte statt dessen inzwischen den Neuzugang. Nach einer Weile übergab er die Aufsicht an das MHN. Der virtuelle Doktor erschien, fragte nicht lange nach einer Aufgabe, und machte sich statt dessen direkt an die Pflege des Verletzten.

Auf Slades erstaunten Blick erwiderte Kargan schlicht: "Er war schlecht konfiguriert. Das habe ich inzwischen geändert."

Mit einem Blick auf Slades bionische Anzeigen setzte er hinzu: "Captain, ich sehe, daß die Heilung Ihrer Wunde gute Fortschritte macht. Sie können schon aufstehen. Aber belasten Sie die Hüfte nicht zu stark. Wenn die Wunde wieder aufbricht und Sie erneut bei mir landen, werde ich die letzten fünf Jahrhunderte medizinischer Forschung vergessen. Ich denke, daß die Replikatoren die erforderlichen Geräte erzeugen können."

Slade erhob sich seufzend und meinte nur: "Spricht etwas dagegen, wenn ich in die Bar gehe?"

"Keineswegs, Sir." Kargans Stimme war tief und dunkel.

"Dann kommt doch alle mit. Kargan auch, wenn das MHN alleine mit dem Verletzten fertig wird." Irgendwie war Slade froh, wieder unter Menschen zu sein, und wollte dieses Gefühl auskosten.

Kargan grinste nur. Die Einstellungen des MHN hatten viel Zeit in Anspruch genommen, aber dafür waren sie jetzt auch perfekt.

--- Maroks Quartier, am nächsten Morgen

Am nächsten Morgen gingen sie zusammen zur Arbeit. Silvana zog wieder etwas an, indem sie sich gut bewegen konnte und in der sie fast zwangsläufig auch sexy aussah. Ihre schlanke Figur war deutlich zu erkennen und ihr bauchfreies Top betonte ihren Busen.

Marok hatte jetzt seine Standardbewaffnung dabei: Zwei Katanas, einen normalen und einen Hand-Phaser.

--- Gang

Als die beiden zusammen auf dem Weg zu Narbos Bar waren, um ein Frühstück einzunehmen, wurden sie andauernd auf den Gängen begrüßt. Maroks Wut stieg. Dann kam ein gutgelauntes (männliches) Crewmitglied an ihnen vorbei. Ungeniert bestaunte er Silvanas Figur.

"Ein wunderschönen guten Morgen wünsche ich euch." Bei diesen Worten starrte er auf Silvanas Brüste.

Maroks Natur brach aus ihm heraus. "Scher dich zur Hölle mit deinem guten Morgen!", keifte er.

Das Crewmitglied wich sofort zurück.

Marok stürmte an ihm vorbei. Silvana eilte hinter ihrem eifersüchtigen Freund her, drehte sich aber noch mal kurz zu dem verdatterten Mann um.

"Er ist Zaldianer", sagte sie mit einem etwas schiefen Lächeln.

Als dieser andere wieder grinste und dabei frech ihre Oberweite bestaunte, vergewisserte sie sich, daß Marok einfach schon ohne sie in der Bar verschwunden war, bevor sie auf die nette Morgenbekundung zu sprechen kam.

"Übrigens,.. wenn du mir noch mal was zu sagen hast, dann schau mir gefälligst in die Augen wenn du mit mir sprichst, mein Süßer", sagte Silvana kühl lächelnd und der eiserne Griff in seine Weichteile verschaffte ihrer Bitte den nötigen Nachdruck.

Er nickte nur verständnisvoll und verschwand sehr schnell den Gang entlang, als sie ihn wieder los ließ.

Nachdenklich folgte sie schließlich Marok in die Bar.

--- inzwischen, Bar

Ruiq fiel es schwer die Augen offen zu halten. Mit einem etwas gläsernen Blick lag er halb auf der Theke um nicht unter ihr zu landen, wie vor kurzem, als Anturios seinen stützenden Tentakel für einen Moment von seinem Rücken entfernt hatte um dem Captain einzuschenken. Dieser saß auf dem Trockenen, da Narbo alle Hände voll zu tun hatte. Auch wenn er fast ständig in ihrer Nähe weilte, weil sie anscheinend die besten Kunden waren.

Langsam fragte Ruiq sich, wie er auf seine alten Tage immer noch so einfältig sein konnte, die Auswirkungen alkoholischer Getränke auf seinen gesamten Organismus zu unterschätzen. Es lag in der Natur der Kalconier, daß sie durch ihren zierlichen Körperbau und ihren Stoffwechsel nur ein Minimum an Alkohol zu sich nehmen durften. Ruiq hatte dieses Phänomen in Selbstversuchen gründlich und mit Enthusiasmus erforscht und diese höchst interessante Beobachtung seiner Langzeitstudie wollte er natürlich auch den anderen offenbaren.

"Ich verstehe nicht, wie die Ausiwikunen aho.. alo.. akololischer.." Bevor er noch zu seinem Organismus kommen konnte, sahen ihn alle verwirrt, aber ziemlich amüsiert an und so beschloß er eine ihnen zugänglichere Redensweise zu benutzen. "Warum bin ich so schnell grau? Hicks..." Bewundernd starrte er dabei auf den Klingonen neben sich, der noch immer dabei war Blutwein in sich hineinzuschütten. Es war das gleiche Bild wie in den Stunden davor.

Zuerst hatte Ruiq gedacht, daß der Klingone einer jenen war, deren kämpferischer Geist ihn so zutiefst erschüttert hatte, doch schnell hatte er im Lauf dieser Nacht seine Meinung über Klingonen, besonders über klingonische Mediziner revidieren müssen. Und das machte er gerne. Besonders angesichts der Tatsache, daß er in Zukunft eng mit diesem Kargan zusammenarbeiten würde. Slade hatte die Tatsache nicht verheimlicht, daß Ruiq schon so gut wie zur Mannschaft gehörte.

Im Moment bereute Ruiq aber, daß er es mit dem Feiern ein wenig übertrieben hatte. Die Zeit in der Bar war mit seinem ersten Drink ziemlich lang gewesen, aber dann hatte er Narbo selbstbewußt nach etwas Alkoholfreiem gefragt. Als dieser ihn nur seltsam angesehen hatte und seiner Bitte nicht nachkam, hatte er sie noch einmal langsam wiederholt: "Ich sagte: Ich möchte... einen Brandy..." Dieser hatte aber die Wirkung auf ihn, als hätte ihn jemand Dutzende Male über seinem Kopf im Kreis geschleudert.

Für einen Moment schwankte er bei dem Gedanken die Bar zu verlassen und sein Quartier aufzusuchen. Da aber auch die Bar um ihn herum schwankte, nahm er sich vor, gemeinsam mit Anturios auszuharren und zu hoffen, daß dieser ihm auch bis zu seinem Quartier Rückendeckung gab.

"Hicks...", sagte Ruiq und es hörte sich für einen Kalconier in diesem Zustand noch sehr intelligent an.

Sie hatten kaum bemerkt, wie die Zeit verging. Irgendwann tauchten dann Silvana und Marok auf.

Silvana sah sofort den Captain und den klingonischen Arzt an der Bar sitzen. Slade wirkte etwas angespannt, während der Mediziner sie sofort bemerkte und ihr Lächeln für einen Klingonen sehr charmant erwiderte. Zu ihrem Erstaunen knurrte Marok deswegen sofort an ihrer Seite. Er schien überhaupt in jedem männlichen Wesen einen potentiellen Feind zu sehen, seit... seit sie zusammen waren.

Da war ihr mit einem Mal klar, welches Problem sie mit Marok hatte. Niemand durfte sie als sein Eigentum betrachten. Das durfte nicht mal Dr. Farnside, der sie erschaffen hatte. Ihre Pupillen wurden zu schmalen Schlitzen. Trotzdem war sie bereit, mit Marok in aller Ruhe darüber zu reden, schon allein ihrer Liebe wegen, doch er steuerte schon auf den Captain zu.

Natürlich nicht in die Nähe des Klingonen, sondern an die andere Seite des Captains. Unwillen machte sich in Silvana breit. Es gefiel ihr nicht, daß Marok über sie und auch über die Art wie sie jemand anzusehen hatte bestimmte. Sie konnte sehr gut alleine auf sich aufpassen.

Gerade wollte sie ihm ihre Meinung sagen, als ihr auffiel, daß Slade nicht in der allerbesten körperlichen Verfassung war. Seine Kleidung, bzw. das was er davon noch am Körper trug war ebenso mit Blut durchtränkt wie sein Brustfell.

Sofort löste sie sich von Maroks Seite und hielt auf die kleine Lücke zwischen Kargan und Slade zu. Das sich ihr Körper dabei durch den Platzmangel zufällig an dem des Klingonen rieb, entging Maroks wachem Blick nicht, doch Silvana ignorierte seinen fühlbaren Unwillen.

"Slade, was ist passiert? - Ich wußte, ich hätte dich nicht allein von Bord gehen lassen dürfen. Normalerweise..." Während sie sprach gerieten ein Romulaner und ein Mensch in Streit. Der Romulaner zog daraufhin seine Waffe. Silvana reagierte schneller. Das Wurfmesser, daß sie aus ihrem Stiefelschaft zauberte, verfehlte nicht ihr Ziel und
schleuderte die Waffe aus dessen Hand bis an die Wand. Schmerzhaft rieb sich der Romulaner das Handgelenk und schenkte ihr einen zornigen Blick. "Normalerweise hätte ich dich begleitet, wenn ich nicht nach unserem Gast gesucht hätte. Er befindet sich übrigens in Arrestzelle 1, nachdem Raschkralle sich nicht so gut mit seiner Anwesenheit auf der Brücke abfinden wollte."

Silvana wies Marok an, die Waffe an sich zu nehmen, bevor sie weiter sprach, als ob nichts geschehen wäre. "Eine Sicherheit sollte sich immer in deiner Nähe aufhalten. Besonders, wenn du an einem Ort wie diesem von Bord gehst. - Ich hoffe, du hast es diesen Hunden ordentlich heimgezahlt, sonst bringe ich dir gerne ihre Haut."

Marok hob das Messer des Romulaners auf. Es war von der Wand abgeprallt und lag ungefährlich in der Nähe eines unbesetzten Stuhls.

"Der Captain sollte in nächster Zeit seine Hüfte etwas schonen", schaltete sich Kargan ein, während Slade inzwischen sein Glas leerte. "Die Stichverletzung ist zwar nur eine Fleischwunde, aber..."

Silvana lächelte zurück und ihre gelben Augen funkelten belustigt. "Das ist wohl deine Standarddiagnose, Doc. Ich bin gespannt, was du sonst noch so auf dem Kasten hast."

Kargan antwortete: "Solange meine Patienten so einfallslos sind, sich immer an der gleichen Stelle zu verletzen, werde ich schwerlich plötzlich einen Haarspitzenkatarrh diagnostizieren. Oder wäre es dir lieber, wenn ich dich das nächste Mal ein wenig intensiver behandle?"

Silvana mußte grinsen, als sie bemerkte, daß Marok diese Antwort gehört haben mußte. Seine giftigen Blicke in Kargans Richtung wurden noch ein wenig galliger, schienen Kargan aber vollkommen kalt zu lassen.

"Mal sehen, womit ich das nächste Mal bei dir vorbeikomme", erwiderte Silvana anzüglich, bevor der Captain sich in Richtung Kargan einschaltete: "Jaja, ich schone mich." Sich an Silvana wendend, fragte er: "Gast? Arrestzelle 1? Wer ist es? Ein gesuchter Verbrecher?"

Slade überlegte, ob er ihn in dem Falle ausliefern oder in seine Mannschaft aufnehmen sollte. Na, diese Entscheidung würde er verschieben, bis er wußte wie hoch das Kopfgeld war und was derjenige konnte.

Silva antwortete schmunzelnd: "Schwer zu sagen. Du machst dir am besten selber ein Bild."

Slade war neugierig geworden. Bevor er sich erhob, übergab er Silva noch eine Liste mit Namen. "Das hier sind die Leute, die sich für die Sicherheitsabteilung gemeldet haben. Schau mal, wer etwas taugt. Wir können nicht alle mitnehmen. Ich möchte, daß du eine Art Rangliste daraus machst. Die, auf die du am ehesten verzichten kannst, kommen ans Ende.

Eine ähnliche Liste gab er Kargan. "Diese Leute sind zwar nicht vollendet ausgebildet, eignen sich aber am ehesten als Krankenpfleger oder etwas in der Art. Mache aus denen eine ähnliche Liste wie Silva. Dann erhob er sich.

Als er die Bar verlassen hatte, zerdrückte Marok sein Glas in der Hand.

--- Theke

Ein Blick durch die Bar erfreute den Ferengi in Narbo. Eine lustige Menge versoff gerade ihre letzten Hosen. Unter anderem auch die sogenannten Führungsoffziere. Narbo fragte sich ernsthaft, wie Kargan z.B. seinen Blutweinverbrauch bezahlen wollte, aber er hatte doch keine Zweifel, daß Slade als Teilhaber zur Not das Gehalt von Schuldnern pfänden würde.

Die Hauptcrew saß versammelt an zwei zusammengeschobenen Tischen und feierte lauthals. Am meisten fiel Narbo ein kleines Wesen auf. Auf einem Föderationsplaneten hätte er seine Lizenz dafür verloren, daß er Alkohol an Minderjährige ausschenkte, aber zum Glück scherte das hier keinen.

Neben dem kleinen Kind saß Anturios. Narbo hätte nicht gedacht, daß selbst Pflanzen Alkohol tranken, aber Anturios nahm seinen Sunrise durch Tentakel in Rekordzeit auf. Seine Farbe änderte sich in ein leichtes Türkis, sonst geschah aber nichts.

'Um so besser: Ein Kunde, der unbegrenzt trinken kann!', grinste er innerlich, als er bereits die 17. Runde an den Tisch brachte. Das Lachen verging ihm aber, als er den Zaldianer sah, der ziemlich mies gelaunt schien. Er war erst vor ein paar Minuten mit Silvana hereingekommen, aber seine Blicke töteten bereits zwei Drittel der männlichen Besatzung. Narbo erinnerte sich an Maroks Vorschlag, zusammen einen zu trinken, aber der Ferengi wollte nicht riskieren, wieder gewürgt zu werden.

'Pah, diese scheiß Sexualität!', dachte er bei sich, während er sah, wie Marok durch SIE verändert worden war. Sein Gehirn war scheinbar tiefer gerutscht. Wenigstens sorgte Silvana für Sicherheit in seinem Etablissement und Narbo überlegte, ihr einen 10%igen Rabatt im Tausch für ihre Türsteherdienste anzubieten.

Plötzlich wurde er wieder aus seinen Gedanken gerissen. Ein Kunde rief. "Ja, ich komme ja schon, also halt dein Maul!", schrie der Ferengi zurück. Solange er hier das Ausschankmonopol hatte, konnte er sich sowas schließlich erlauben. Narbo mußte sich jetzt aber beeilen; der Profit wartete!

--- hinterer Teil der Bar

Marok war sauer wegen der ganzen Höflichkeit. Aber er hatte auch schon wispern gehört, daß sein Zorn mit Eifersucht zu tun hatte.

'So ein Quatsch', dachte er. Das Glas hatte er zerquetscht, weil er hier mit einer Bande von Heuchlern unterwegs war.

Er würde irgendwo meditieren müssen. Er schaute zu Silvana, aber die war in ein Gespräch mit Kargan vertieft. Aus dem von ihm geplanten Frühstück wurde also nichts.

Wortlos verließ er die Bar.

--- Gänge

Slade freute sich. Langsam erwachte dieses Schiff zum Leben. Überall liefen Leute herum und verbesserten Eigenschaften seines Schiffes. Aufgrund der Qualifikationen hatte er provisorische Abteilungsleiter eingeteilt. Dieses System schien sich zu rentieren. Es sah zwar im ersten Moment chaotisch aus, aber das lag mehr an den vielen verschiedenen Aufgaben, die gleichzeitig erledigt wurden.

Verharrte man einen Moment, erkannte man meistens schnell, daß eine ordnende Hand hinter dem munteren Treiben steckte.

Gut so.

Er näherte sich den Arrestzellen...

--- In irgendeiner Jeffries-Röhre

Langsam kehrten seine Sinne in die Wirklichkeit zurück.

Was war eigentlich passiert?

Ach ja: Sein Zuhause hatte ein paar der schlimmsten Schlenker gemacht, die er jemals erlebt hatte. Dabei war er wohl hingefallen und hatte sich den Kopf gestoßen. Jedenfalls brummte dieser ganz schlimm.

Diese Fremden waren ja ganz nett, aber was sie hier anstellten, hatten nicht einmal die normalen Hastigen gemacht.

Hastige...

Mißtrauisch schaute er sich um.

Ihr Geruch lag in der Luft.

Er schnupperte.

Ja, ganz deutlich.

Es waren jetzt viel mehr Leute in der Nähe als vorher.

Er roch sie, spürte ihre Gegenwart beinahe körperlich.

Was, wenn er die letzten Erlebnisse nur geträumt hatte? Das kam ihm mit einem Mal sehr wahrscheinlich vor.

Hastige, die sein Leben retteten. Pah!

Er mußte sich den Kopf ordentlich angehauen haben.

Er schlich langsam vorwärts zu einer Kreuzung.

Aus der Röhre kamen Laute eines kriechenden Hastigen. Schnell drückte er sich an die Wand.

Der Hastige kroch schnell herbei, riß eine Verkleidung ab, machte sich an der Wand zu schaffen, verschloß sie wieder und wuselte wieder zurück.

Was trieb diese Wesen zu solch sinnlosen Handlungen? Er hatte noch niemals einen Hastigen gesehen, der Nahrung zu sich nahm. Brauchten diese Wesen keine Nahrung?

Oder befand sich die Nahrung hinter den Verkleidungen?

Neugierig geworden, schaute er in eine der Lücken, von denen die Verkleidungen bereits abgefallen waren. Nein, das sah nicht nach Nahrung aus.

Im Gegenteil - er spürte Gefahr.

Er schlich sich in eine Gegend, in der er noch nie Hastige gesehen hatte.

--- Maroks Quartier

Marok setzte sich aufs Bett und meditierte für 15 Minuten. Danach fühlte er sich besser. Auch seine Phase war nicht mehr so ungewöhnlich stark wie gestern. Sie war aber auch noch nicht ganz weg.

Das war auch ungewöhnlich. Andererseits würden auf diesem Schiff wahrscheinlich noch viele ungewöhnliche Sachen passieren.

Langsam aber sicher packte ihn die Neugier. Wer war alles auf diesem Schiff? Funktionierte das Holodeck? Er machte sich auf den Weg in den Maschinenraum.

--- Maschinenraum

Marok beobachtete im Maschinenraum die vielen Leute. Er sah jemanden, der einige Leute delegierte.

"Hast du eine Übersicht über die Sachen, die schon funktionieren?"

Der Techniker sah ihn verdutzt an.

Als er keine Anstalten machte zu antworten, setzte Marok nach: "Hast du jetzt eine Liste oder nicht?"

"Ja, und zwar:
- die beiden Holodecks
- die privaten Computer-Terminals in jedem Quartier, also auch die persönlichen Logbücher
- die Replikatoren auf allen Decks
- die Transporter
und die Reparaturarbeiten intern, Wände, etc. sind auch so gut wie abgeschlossen."

"Sicherheitsprotokolle?"

"Noch nicht eingerichtet."

"Maximalwarp?"

"Weiß ich nicht so genau, aber auf jeden Fall irgendwas unter 9,6, denn ein Schiff der Galaxy-Klasse sind wir nunmal nicht."

"Gut. Ist Warp 7 denn drin?"

"Wieso, willst du irgendwo hin?" Der Techniker guckte mißtrauisch.

"Nein, Interesse halber."

"Ich glaube, Warp 7 wäre machbar."

"Waffensysteme?", fragte Marok.

"Die Jungs arbeiten daran."

"Ok, kann mir irgendein Techniker ein Gerät geben, das mir die Systemmeldung auf der Brücke vorliest. Dann kann ich gegebenenfalls reagieren." Marok war schon öfters so verfahren.

"Wende dich an Raven." Der Techniker zeigte in die hintere, rechte Ecke.

Marok sah einen Vulkanier. Freude erfaßte ihn. Vulkanier waren unkompliziert. Er ging zu dem Vulkanier.

"Raven?"

"Ja, wer will das wissen?" Raven drehte sich um.

"Marok Dudras vom Planeten Baruun möchte das wissen." Marok lächelte.

Der Vulkanier schaute ihn ausdruckslos an. Schaute auf sein Pad und rief Informationen über Baruun ab. Er ließ den bewaffneten Mann vor sich so lange warten.

"Und?", fragte Raven.

"Ich brauche ein Gerät, das Computerdaten vorlesen kann."

"Ich werde einen Tricorder entsprechend modifizieren."

"Sehr gut." Marok überprüfte noch mal seinen beiden Katanas und die Phaser. "Wann soll ich wieder hier sein?"

"In ca. 20 Minuten."

Marok nickte.

--- Irgendwo

Dunkel.

Feucht.

Warm.

Angenehm.

Nummer 357 zuckte.

Früher war ihre Welt größer gewesen.

Alles um sie herum verkleinerte sich.

Aber sie war nicht beunruhigt.

Im Gegenteil.

Ihre Instinkte sagten ihr, daß es so sein mußte.

--- Später

Es war soweit: Ihre Welt trocknete langsam aus, aber auch das war gut so.

Ihre Beißzangen begannen, die Grenzen einzureißen.

Licht fiel ein.

Als die Öffnung groß genug war, krabbelte sie hinaus.

Viele ihrer Artgenossinnen hatten den Weg bereits geschafft, aber sie war nicht die Letzte. Viele würden ihr noch folgen.

Nummer 357 orientierte sich kurz und lief dann zielstrebig einen Weg entlang.

--- Bar

Neben Anturios bewegte sich der kleine Kalconier schon in bedenklichen Ellipsen. Langsam kreiste dessen Körper um die Ruheposition und hätte ihn Anturios nicht alle paar Sekunden behutsam wieder gerade gesetzt, wäre Ruiq wohl umgefallen.

Das konnte Anturios aber nicht zulassen! Schließlich war Ruiq sein Freund und der sollte sich nicht gleich am ersten Abend zur Lachnummer des Schiffes machen. Seit etwa zwei Stunden beobachtete der Amarilianer bereits andere Gäste, die hinter vorgehaltener Hand tuschelten und lachten!

"Du, Ruiq", begann Anturios vorsichtig in Ruiqs Kopf zu tönen, "was hältst du davon, wenn wir uns auf unsere Quartiere zurückziehen? Ich denke, es ist besser, wenn wir noch ein bißchen schlafen. Natürlich nur, wenn du nichts dagegen hast!"

Zuerst schaute der Kalconier Anturios nur fragend an, stimmte dann aber lallend zu und versuchte aufzustehen. Anturios hob ihn vorsichtig hoch und hielt ihn fest, während er sich von den anderen verabschiedete. Kargan bot seine Hilfe an, aber Anturios lehnte dankend ab. Er wollte den Doktor nicht aus seiner Unterhaltung reißen.

--- Gänge

Und so schleppten sich die beiden Neuankömmlinge durch die Gänge. Plötzlich erinnerte sich Anturios daran, daß er gar nicht wußte, ob und wo er oder Ruiq ein Quartier hatte.

Zögernd rief er telepatisch den Captain, obwohl er sich nicht sicher war, ob die Frage ihn stören würde. Aber zuerst war ihm die Gesundheit von Ruiq wichtiger und Slade als kluger Mann würde das verstehen.

"Anturios an Mr. Slade! Könnten Sie mir sagen, wo sich mein und Ruiqs Quartier befinden?", fragte er und bemühte sich die telepathische Botschaft positiv klingen zu lassen.....

Die Welt um Ruiq drehte sich und erschien ihm in den prächtigsten Farben. Ganz anders, als die einzige Farbe, die Kalcon besaß. Er empfand es auch als sehr schön, daß Anturios sich seiner angenommen hatte und sich als wahrer Freund herausgestellt hatte, aber er wäre auch ohne Begleitung irgendwann in sein Quartier gekommen. Dessen war er sich ganz sicher.

Fast sicher.

Vielleicht sicher.

Umso erstaunter war er, als sein wundervoll türkisfarbener Freund, plötzlich anhielt, und das wo sie sich bereits in der Nähe ihrer Quartiere befinden mußten. Jedenfalls soweit sich Ruiq an die Quartierszuweisung des Captains erinnern konnte. Aber die Landung des Shuttles kam ihm schon wie vor unendlich langer Zeit vor.

Anturios stand nur da und schien in Gedanken vertieft, sofern Ruiq das in seinem augenblicklichen Zustand erkennen konnte. Anscheinend dachte er angestrengt über etwas nach oder er kommunizierte...

'Natürlich kommuniziert er, du Dummkopf', schalt sich Ruiq. Er wollte schon fragen, mit wem Anturios sprach und ob er ihm helfen konnte, da machte er eine ganz eigenartige Beobachtung.

Aus einer der Jeffriesröhren sah etwas heraus. Ziemlich groß und mit zwei riesigen glänzenden Augen. Es schabte mit zwei hartkantigen Teilen an der Abdeckung und verschwand, noch bevor Ruiqs Geist eine vernünftige Botschaft an Anturios formulieren konnte, damit dieser seine Beobachtung mit ihm teilte. Für einen Moment vermeinte Ruiq sogar ein schabendes Geräusch zu hören, doch dann schrieb er es seiner Einbildung zu. Es war nichts zu hören als der Lärm aus der Bar.

Verwundert öffnete und schloß er einmal die Augen, doch die Erscheinung war und blieb verschwunden. So schüttelte er nur ungläubig den Kopf und hielt sie für eine Halluzination. Eine Halluzination, deren Ursprung er sehr gut zu kennen glaubte. Anscheinend hatte er die Qualität des Brandys überschätzt, den dieser Narbo ausschenkte. Wahrscheinlich stammte dieser aus einer sehr zweifelhaften Quelle und verursachte sogar Trugbilder.

Ruiq nahm sich vor, dieser Sache so bald wir möglich auf den Grund zu gehen. Und bis dahin würde er sich an romulanisches Ale halten... oder klingonischen Blutwein... oder...

Mit einem seligen Grinsen nickte er an Anturios warmen Stamm ein.

--- Bar

Silvana war ziemlich wütend. Ihre gelben Augen funkelten wie zwei unruhige Flammen. Das und ihr beherztes Eingreifen bei dem Streit, verschafften ihr in der Bar den nötigen Respekt vor ihrer Person. Die Blicke, die sie jetzt streiften, galten nicht mehr ihrem Körper, sondern ihrer Kraft und Schnelligkeit. Bald würde sich herumsprechen, wer hier an Bord die Sicherheit führte.

Was bildete sich dieser Zaldianer überhaupt ein? Er schien nicht zu respektieren, wer hier das Sagen hatte. Zuerst mußte sie unbedingt mit ihm in die Bar, wobei sie hinter ihm herlaufen mußte wie ein dummes kleines Ding und dann ließ er sie einfach ohne ein Wort sitzen und verschwand, ohne ihr auch nur im entferntesten mitzuteilen wohin er ging.

Es war nicht das erste Mal, daß er sich über sie hinwegsetze und sie ignorierte. Er nahm sie nicht ernst. Als Frau im Bett vielleicht, aber nicht als Chefin der Sicherheit und seine direkte Vorgesetzte. Und immerhin war sie für alles verantwortlich was Marok nicht ordnungsgemäß erledigte. Sie brauchte Leute, auf die sie sich verlassen konnte und keine, die ihre Befehlsgewalt ignorierten. Aber es würde bald das letzte Mal sein.

Liebe war ein schönes, befriedigendes Gefühl, doch es betraf nur die Frau in ihr. Die Frau stellte aber den kleinsten Teil ihrer Persönlichkeit da. Das Tier in ihr war viel stärker und es war ein gnadenloser Killer.

Silvana warf einen Blick auf die Liste, die ihr Slade anvertraut hatte. Ihre Hände zitterten verräterisch. Sie zählte 65 Personen, die sich für einen Posten in der Sicherheit beworben hatten. Nach der Größe des Schiffes und Slades Sparsamkeit zu urteilen, würde er sicher höchstens ein Viertel davon behalten wollen. Da kam einiges an Arbeit auf sie zu. Denn sie nahm ihren Job ernst. Im Gegensatz zu Marok. Marok...

Silvana wandte sich entschuldigend von Kargan ab und betätigte den Kommunikator: "Silvana an Marok: Ich gab dir gestern den Auftrag dich darum zu kümmern, ob eine Brut der gefangenen Spezies an Bord existiert, aber du hattest es eilig, dein Quartier aufzusuchen und zu duschen, statt meinem Befehl folge zu leisten. Ich verlange von dir in Zukunft absoluten Gehorsam. Erledige das mit oberster Priorität. Und erstatte mir dann Bericht, wenn du fertig bist. Silvana Ende." Ihre Stimme war eisig gewesen und sie hoffte, daß Marok sie dieses Mal ernst nahm. Dann wandte sie sich wieder dem Doktor zu.

"Tut mir leid, Doc, aber mir ist gründlich der Appetit vergangen. Ich werde eine Trainingseinheit im Holodeck verbringen. Ich hoffe, daß du dann wieder auf der Krankenstation bist, falls ich deine Hilfe brauche." Damit rutschte sie vom Stuhl und ging aus der Bar. Unter ihrem unterkühlten Blick duckten sich einige der Barbesucher.

Kargan sah ihr mit einem leicht erstaunten Blick nach.

--- vor Holodeck 1

Nachdem Silvana Slade mitgeteilt hatte, daß sie sich in der nächsten Zeit im Holdeck 1 aufhalten würde um intensiv zu trainieren, programmierte Silvana mit geübten Fingern die Computereinheit. Danach betrat sie das aktivierte Holodeck.

--- Vor Arrestzelle 1

Instinktiv schlug Slade auf seinen Kommunikator, aber dann fiel ihm ein, daß Anturios Telepath war und als solcher keinen Kommunikator nötig hatte.

Slade dachte zwar, daß er Anturios und Ruiq bereits Quartiere zugewiesen hatte, war sich aber nicht sicher. Deshalb schaute er noch einmal auf sein Padd und gab durch: "Ihr habt auf Deck 6 die Kabinen 18 und 19."

Bevor er endlich die Arrestzelle betrat, fiel ihm ein, daß die beiden nicht die einzigen waren, denen noch kein Quartier zugewiesen worden war. Er benutzte seinen Kommunikator:

"Jean, weise jedem Besatzungsmitglied seine Kabine zu."

Die Antwort kam prompt: "Jawohl, Sir. Sie haben das Quartier des Captains auf Deck 3."

Slade verzichtete auf eine Antwort.

--- Brücke

Jean hatte im Bruchteil einer Sekunde jedem Besatzungsmitglied eine Kabine zugeordnet und begann nun, jeden einzeln anzusprechen:

"Jean an Silvana. Sie haben Kabine 33 auf Deck 5."

"Jean an Marok. Sie haben Kabine 38 auf Deck 6."

"Jean an Kargan. Sie haben Kabine 20 auf Deck 6."

"Jean an Narbo. Sie haben Kabine 22 auf Deck 5."

"Jean an Raschkralle. Sie haben Kabine 21 auf Deck 6."

"Jean an Raven. Sie haben Kabine 15 auf Deck 5."

Knappe 5 Minuten später war er fertig und setzte die Unterhaltung mit dem Schiffscomputer fort.

--- inzwischen, Gänge

Während Anturios von Slade erfuhr, wo sich ihre Quartiere befanden, war der Kalconier an seinem Stamm eingenickt. Ein seliges Pfeifen glitt durch den Raum.

Nachdem sich Anturios bei Slade wegen der Störung entschuldigt hatte, starrte er auf sein Chronometer. Mit einem Schrecken erkannte er, daß es bereits 4.15 Uhr Schiffszeit war.

Und dann kamen ihm die Worte des Captains wieder in Erinnerung: "Schichtbeginn um 0800!" Gerade mal 3.5 Stunden zum regenerieren. Der Amarilianer verspürte noch kein großes Bedürfnis nach Schlaf und schließlich existierte für Amarilianer nur eine leichte Form der Meditation, während der die Kräfte wiedergewonnen wurden.

Der Kalconier dagegen als Humanoid würde diesen Schlaf nach dem anstrengenden Tag bitter brauchen! Und 3.5 Stunden waren sicher nicht genug.

Behutsam wickelte er Ruiq mit Tentakeln ein und trug ihn zu dessen Quartier. Dort angekommen betrat Anturios Ruiqs Quartier. Glücklicherweise war das Schloß noch nicht aktiv, da sein kleiner Freund den Raum noch nicht aufgesucht hatte. So blieb dem ehrlichen Amarilianer die Aufgabe erspart, den Mechanismus zu überwinden. Eine moralische Zwickmühle, die er umgangen hatte.

--- Holodeck 1

Silvana wußte nicht, ob das Holodeck mit Sicherheit funktionierte, doch das war ihr egal. Sie fand alles vor wie sie es sich gewünscht hatte. Dichte üppige Dschungelvegetation umgab sie. Bewohnt von gefährlichen nicht zu unterschätzenden Kreaturen für die sie nichts weiter als eine Beute war. Die Stimme des Dschungels war gewaltig und ohrenbetäubend. Trotzdem konnte Silvana schon jetzt den Aufenthaltsort einiger Gegner lokalisieren. Ihre Ohren waren besonders empfindsam. Ebenso wie ihr ausgeprägter Geruchssinn.

Es sollte wie immer keine Simulation werden, sondern ein Kampf ums nackte Überleben, nur so konnte sie trainieren und lernen im Notfall hundertprozentig auf ihre Instinkte zu vertrauen. Fehler würden hier gnadenlos bestraft werden. Die Trainingsstunde mit Marok war für sie nichts weiter als ein Spiel gewesen.

Dr. Farnside hatte einmal zu ihr gesagt: "Du sollst nicht lernen wie man kämpft, du sollst nur tief in dir fühlen, daß du den Tod deines Gegners willst. Mehr noch als dein eigenes Leben. Das macht dich unbezwingbar und zu einer perfekten Maschine."

Es war eines der wenigen Male, in denen sie auf ihn gehört und ihn auch verstanden hatte. Zu töten hatte nie Reue oder ein schlechtes Gewissen in ihr geweckt. In all der langen Zeit nicht. Der Tod war etwas Natürliches für sie.

"Computer, Sicherheitsprotokoll deaktivieren", befahl sie dem Computer und machte Gebrauch von ihrem Sicherheitscode. Zusätzlich schützte sie den Raum hermetisch gegen Fremdzugriff. Sie mußte jetzt allein sein. Allein mit ihrem Zorn und ihren Gedanken.

Dann eroberte sie das ihr feindliche Land. Die Gedanken der Frau in ihr machten sie verwundbar. Der Schmerz, den ihr diese Unachtsamkeit einbrachte, verdrängte aber die Frau und brachte das Tier hervor. Als sie das erste Blut ihrer Gegner auf den Lippen spürte, widerlich süß und warm, hatte sie den inneren Kampf gewonnen.

--- Ruiqs Quartier

Anturios wies den Computer an, das Licht auf eine niedrige Stufe einzustellen und legte denn Kalconier dann vorsichtig auf das vorhandene Bett. Ruiq hatte mittlerweile mit dem Pfeifen aufgehört und ein leises Stöhnen [nicht was ihr denkt ;-)] war zu hören.

Scheinbar war der Alkoholkonsum ihm gar nicht bekommen. Als Alkoholhändler kannte Anturios sich natürlich mit den Nebenwirkungen der Getränke aus und replizierte schnell einen Tee, dessen Dampf die Betazoiden als Mittel gegen Kopfschmerzen einsetzten.

Die Tasse stellte er auf den Nachttisch und deckte Ruiq langsam zu. Der Tee dampfte wohltuend und als Anturios den Raum verließ, drehte sein kleiner Freund sich um und kuschelte sich ein...

--- Vor Arrestzelle 1

Slade wollte gerade die Arrestzelle betreten, als ihm einige wichtige Sachen durch den Kopf gingen. Es war ein absolut unhaltbarer Zustand, daß die Stammbesatzung, wie er Raschkralle, Silva und sich selbst inzwischen nannte, die einzige Schicht auf der Brücke dieses Schiffes war. Irgendwann mußten sie nun einmal auch schlafen - ein Bedürfnis, das er mittlerweile ganz besonders verspürte.

Deshalb schaute er sein Padd noch einmal durch, aber diesmal interessierten ihn nicht die Qualifizierungen, sondern mehr die Vertrauenswürdigkeit.

Er entschied sich für ein vulkanisches Zwillingspaar, das für seine Zwecke ideal zu sein schien. Auf ihrem letzten Schiff hatten sie in Eigenverantwortung das Kommando übernommen, nachdem der Captain schwer erkrankt war. Als er wieder gesund war, hatten sie aus seinen Waren mehr Profit geholt, als er in seinen kühnsten Träumen gehofft hatte.

"Slade an Si'Ta und Ma'Ya. Seid ihr noch wach?"

Nach einer Sekunde kam die Antwort: "Ma'Ya spricht. Ja, Sir, wir sind noch wach. Wir sind vor zehn Minuten angekommen und haben eben erst unsere Kabine aufgesucht."

"Seid ihr ausgeschlafen?"

"Ja, Sir, wir sind einsatzbereit. Haben Sie eine Aufgabe?"

"Ja, habe ich. Ihr übernehmt die nächste Wache auf der Brücke. Haltet die Augen offen und meldet mir sofort, falls etwas passiert."

Slade hoffte, daß sie seine Anweisungen nicht ganz so wörtlich nehmen würden wie Jean.

Slade fuhr fort: "Euer Dienst beginnt sofort. Sagt Raschkralle, daß sie sich schlafen legen kann. Slade Ende."

--- Kabine 22, Deck 6

Die beiden Vulkanier sahen sich an, und Ma'Ya zog eine Augenbraue in die Höhe. Si'Ta nickte und ging durch die Tür.

Zwischen den beiden war kaum noch eine verbale Kommunikation nötig.

Wortlos gingen sie durch die sich langsam füllenden Gänge.

--- Brücke

Als sie die Brücke erreicht hatten, wußten sie zunächst nicht, wen oder was Slade mit 'Raschkralle' gemeint hatte. Aber dann hörten sie ein leises Schnarchen, das offenbar aus dem Sessel der Steuerkonsole kam.

Sie näherten sich dem Sessel von zwei Seiten, um darin eine zusammengesunkene Katze zu entdecken.

Si'Ta schaute Ma'Ya fragend an, welcher nickte und mit formeller Stimme sagte: "Captain Slade hat uns befohlen, eine gewisse Raschkralle abzulösen. Da Sie die einzige Person auf der Brücke sind, gehe ich davon aus, daß hierbei Sie gemeint sind."

Raschkralle war schon bei den ersten Worten zusammengezuckt und nur ihre guten Reflexe verhinderten, daß sie nicht aus Versehen den Antrieb aktivierte.

Schlaftrunken taumelte sie von der Brücke und murmelte: "Hätte ihm auch schon früher einfallen können. Ich sitze jetzt schon seit neunzehn Stunden am Steuerpult und könnte langsam wirklich mal eine Pause gebrauchen. Ich werde..."

Die weiteren Worte wurden von der sich schließenden Tür abgeschnitten.

Die Vulkanier schauten sich an, ohne eine Regung zu zeigen. Dann nahmen sie die Plätze ein, die sie schon von vergangenen Einsätzen gewohnt waren: Si'Ta besetzte die Sensoren und Ma'Ya die Navigation.

Das Schweigen, in dem sie nun versanken, war ein behagliches.

--- Gänge

Raschkralle wollte sich eigentlich sofort irgendwo zum Schlafen hinlegen, aber zuerst mußte sie noch etwas trinken. Alle hatten schon die Bar besucht, nur sie nicht. Sie machte sich zwar nichts aus Alkohol, aber sie liebte die Atmosphäre.

--- Bar

Ja, so hatte Raschkralle es sich vorgestellt. Viele Leute, viel Lärm. Sie hievte sich auf einen Barhocker und murmelte dem Barferengi zu: "Das Übliche, aber hurtig."

Wütend starrte Narbo dieses elende Fellbündel an! 'Das Übliche!', äffte er sie leise nach, aber an ihrem Blick merkte er, daß sie es gehört hatte. "Ja verdammt, du bekommst deine Milch schon!", schrie er sie an, teils weil er so wütend war, teils wegen der randalierenden Menge!

Während er zu einem Replikator ging, fiel ihm wieder siedendheiß ihre kleine "Aktion" in der Jeffriesröhre ein. Und sein Plan.

'Vergeltung!', dachte er nur stumm.

Mit flinken Händen wies er den Replikator an, Zusatzmittel 236 in die Milch zu geben und dieser gab dann in einem Flimmern auch das Werkzeug seiner Rache frei.

Wortlos warf Narbo die Schale vor Raschkralles Pfoten und durch die Erschütterung schwappte ein bißchen über und ergoß sich auf die Theke; wie in Zeitlupe.

Das Mistvieh schaute ausdruckslos zurück, fauchte dann leise, aber bedrohlich. Der Ferengi überlegte, ob seine Anwesenheit während ihrer Bestrafung erforderlich war, entschied sich aber dagegen. Er würde ihre Schreie noch früh genug hören....

--- Nebenraum der Bar

So ging Narbo zurück in den kleinen Lagerraum nebenan, und öffnete einen Kanal zu Jean, dem launischen Schiffsandroiden: "Hier Narbo, ich gebe Dir drei Sekunden, um mir mein bisheriges Quartier wieder zuzuteilen oder ich werde deine Matrix auseinandernehmen und jeden Kontakt einzeln zerstören!" 'Auch im Sinne meines Nachbewohners!', fügte er leicht grinsend hinzu.

Auf der anderen Seite hörte man ein leises Röddern und schließlich gab der Roboter zur Antwort: "Ich habe Ihre Bitte überdacht und bin zu dem Ergebnis gekommen, daß Ihre jetzige Behausung ähhhhhh, .... angemessener für Ihren Charakter ist. Ähmmm, leben Sie lang und in Frieden!"

Schnell hatte der Roboter den Kanal geschlossen und trotz der Lärms in der Bar, hörte der Ferengi mit seinen Ohren doch ein lautes Lachen, das aus Richtung des ersten Decks kam.

Narbo beschloß Jean irgendwann seinen Humor auszutreiben, aber erfreut hörte er plötzlich ein Miauen aus der Bar! 'Endlich, das Mittel hat angefangen zu wirken!', grinste er triumphierend.

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