Chronik 7

--- Maquis-Stützpunkt, Bar

Elias hatte sich gerade verabschiedet, und Slade grübelte nun über einer sehr langen Liste mit Namen, Daten und Rassen, als Narbos Ruf ihn erreichte.

Ohne von der Liste aufzublicken, antwortete er: "Hab gerade keine Zeit. Worum gehts?"

Narbo gab nicht auf: "Ich habe hier jemanden für die Privateer."

Slade stöhnte. "249. Wie heißt er, was kann er, und was ist es für eine Rasse?"

Die Antwort kam zögerlich: "Er ...sie...es...äh...heißt Anturios. Die Qualifikation...öhm...ja. Und die Rasse...Moment, ich melde mich gleich wieder. Narbo Ende."

Slade schaute genervt auf seine Liste. Aber langsam bekam er wenigstens Übersicht.

74 Techniker, 52 Wissenschaftler, 65 für die Sicherheit, 44 mit medizinischen Kenntnissen, 12 ohne verwertbare Ausbildung, und sogar ein Counselor. Was um alles in der Welt sollte er bloß mit einem Counselor?

Insgesamt hatten sich sieben Selay gemeldet, die konnte er gleich streichen. Das bedeutete, sie hatten...72 Techniker ...49 Wissen...

"Narbo an Slade. Unser Freund ist ein Amarilianer und kann die technische Station übernehmen."

"Ein Amaliwas?"

"Ama...liri...Ja, wiederholen kann ich es nicht. Moment.
[Pause, Gemurmel]
Amarilianer. Komm einfach her und schau ihn dir an. Es lohnt sich."

Slade erhob sich.
Slade setzte sich und notierte sich Namen und Rasse unter der Rubrik 'Technik'.

"Und wo bist du gerade?"

Nachdem er eine Wegbeschreibung bekommen hatte, machte er sich auf den Weg.

--- Maquis-Stützpunkt, Handelszentrum

Slade sah Narbo schon von weitem unter einer großen Zierpflanze stehen. Er ärgerte sich, daß der angekündigte neue Gast nicht anwesend war und beschwerte sich gleich zur Begrüßung: "Also, wenn ich etwas hasse, dann ist es Unzuverlässigkeit. Mir erst sagen, daß du hier mit unserem neuen Gast..."

"Ich wünsche Ihnen einen guten Tag", erklang eine Stimme in seinem Kopf. Slade hatte schon öfter mit Telepathen zu tun gehabt und kannte sich mit derartiger Kommunikation ein wenig aus. Er bemühte sich, sich nur auf das Gespräch zu konzentrieren.

"Hallo. Ich bin Slade. Wo sind Sie?"

"Ich stehe direkt vor Ihnen", kam die überraschende Antwort. Slade dachte an jemand unsichtbaren, als ein Ast der vermeintlichen Zimmerpflanze sich auf ihn zu bewegte. Er begriff. Aber von so einer Lebensform hatte er noch nie gehört.

Langsam schaute er nach oben. Wo schaute man einem ... Baum beim Reden hin? In die Krone? Dann würde selbst der sicher nicht kleine Anticaner eine Genickstarre bekommen.

Aber sein Gegenüber half ihm, indem er einen seiner Äste - nein, Schlangen? Nein, Tentakel - direkt vor seinem Gesicht plazierte.

--- inzwischen Privateer, Krankenstation

Das MHN glitt mit einem rötlich leuchtenden Stift über seine Schnittverletzung.

"Es sind keine Gifte zu erkennen." Der holographische Doktor warf einen Blick auf die Kontrollen.

"Wird die Behandlung lange dauern?", fragte Marok.

"Nein", antwortete das MHN, "nicht mehr als 15 Minuten."

Marok war klar, daß er diese 15 Minuten ausharren mußte. Die Wunde wäre auch so geheilt, aber seine Regeneration hätte dazu mehr als einen Tag gebraucht.

In Gedanken konnte er sich mit einem Problem beschäftigen, das sich in den Gängen der Privateer ergeben hatte: Seine Gefühle für Silvana.

Als er diese Riesenspinne gesehen hatte, die drohte Silva anzugreifen, hatte er Todesängste ausgestanden. Er war bereit gewesen sein Leben für ihres zu geben und das beunruhigte ihn sehr. Sein Überlebenswille hatte ihn diesen Gefängnisplaneten überleben lassen und er war einer seiner stärksten Antriebe überhaupt.

Er hatte schon Frauen geliebt, aber er war sich immer bewußt gewesen, daß er eine größere Lebensspanne hatte. Trotzdem hatte er geliebt. Die berufliche Laufbahn seiner letzten Freundin hatte eine längere Beziehung unmöglich gemacht. Nach Kariima hatte er nur noch kurze Affären gehabt.

Der Zaldianer dachte über den Tod von Silvana nach. Wie er sie mit gebrochenem Genick hätte finden können. Der Gedanke schnürte ihm die Luft ab.

Wenn er doch nicht so ungeduldig wäre. Warum konnte man zu menschlichen Frauen nicht so ehrlich sein, wie zu zaldianischen? Menschen reagierten auf intensive Gefühle manchmal mit Rückzug. Das war das letzte, was Marok wollte. Dazu kam noch seine Phase. Er wußte, das sie ihm vielleicht unterstellen würde, er würde in einer Art "Trunkenheit" reden. Er war sich noch nicht mal selbst sicher, ob das nicht der Wahrheit entsprach.

Sich so viele Gedanken zu machen war so gar nicht seine Art.

'Was mache ich jetzt bloß?'

--- irgendwo auf dem Planeten

Einige der Männer und Frauen waren begierig darauf, mit der Arbeit auf der Privateer zu beginnen. Die Nachricht, daß die Privateer im Orbit war, hatte schnell die Runde gemacht.

Zwei Männer tranken irgendein billig schmeckendes Bier. Sie beobachteten den Vulkanier mißtrauisch, der in einer Lotusstellung meditierte.

"Es ist gut möglich, daß es auf der Privateer ein Holodeck gibt", sagte John.

"Ich weiß schon, was du als erstes für ein Programm ausprobierst ..." Markell grinste.

"Ach, wenn ich Risa einprogrammiere, dann bist du doch der erste, der sich einen Horgan neben seine Liegematte stellt."

"Sowas traust du mir zu?"

"Wie war das noch mit der Kellnerin vor zwei Monaten?"

"Ja, ja ... hör schon auf."

"Weißt du eigentlich, daß dieser komische Vulkanier auch mit auf die Privateer will?"

"Wieso ist er denn komisch?"

"Wenn die normalen schon steif sind, dann hat dieser die Steifheit erfunden."

"Du weißt doch, Vulkanier hassen das Chaos und lieben die Logik."

"Ja, aber der ist richtig penibel."

Der Vulkanier lauschte dem Gespräch. Er bekam nicht alles mit, aber innerlich schüttelte er den Kopf. 'Warum neigen Menschen immer dazu Schlußfolgerungen aufgrund der eigenen Phantasie zu treffen?'

--- Cockpit des Maquis-Shuttles

Kargan hatte es sich neben dem Piloten bequem gemacht. Sein Angebot, auf der Privateer nach der Verletzten zu sehen, war nicht ganz frei von Hintergedanken gewesen. Nachdem er aus der Sternenflotte ausgetreten war, hatte er sich schnell überreden lassen, dem Maquis beizutreten.

Allerdings gefiel es ihm dort nicht besonders, und so suchte er ständig nach einer Gelegenheit, wieder auf ein Schiff zu wechseln. Das war ein schwierigeres Unterfangen, als er es sich vorgestellt hatte, weil Drema kein großer Weltraumbahnhof war, und nur alle heiligen Zeiten mal ein respektables Schiff vorbeikam.

Deshalb war er froh, daß er schon bei der Ankündigung der Privateer den Entschluß gefaßt hatte, auf dieses Schiff zu gehen. Da er sich vorstellen konnte, daß sehr viele Leute so dachten wie er, hatte er rechtzeitig den Plan geschmiedet, sich schon bei der ersten Begegnung mit dem Captain der Privateer als guter Arzt zu erkennen zu geben.

Das hatte auch alles wunderbar geklappt, und daß sich auf dem Schiff eine Verletzte befand, war ein sehr willkommener Zufall.

Aber was ihm dieser David erzählt hatte, hätte ihn fast an seinem Plan unsicher werden lassen. Nein, er konnte nicht glauben, daß ein normal denkendes Wesen mit so einem Schrotthaufen durchs All flog. Es mußte eine bodenlose Übertreibung sein.

Es mußte.

Aber warum?

Ihm fiel kein Grund dafür ein. Aber schließlich würde er gleich selber sehen, wie es dort aussah. Der Flug hatte gerade einmal zehn Minuten gedauert.

Das Shuttle glitt die geöffnete Shuttlerampe hinein und senkte sich sanft auf den Boden. Kargan stieg aus und schaute sich mißtrauisch um. Es sah fast so aus, als ob hier vor kurzem noch gekämpft worden wäre. Aber nach Davids Bericht hatte er es sich wesentlich schlimmer vorgestellt.

Ihm fiel eine kleingewachsene Gestalt auf, die sich dem Shuttle näherte. Sie wollte Kargan gerade zum Kistenschleppen einteilen, als sie seinen Arztkoffer bemerkte. Nachdem sie ihm den Weg zur Krankenstation beschrieben hatte, schielte sie vorsichtig in das Shuttle hinein, in der Hoffnung ein paar kräftige Arbeiter zu sehen. Was sie sah, ließ ihr Herz hüpfen: Mehrere Antigravtransporter waren vorhanden.

--- Privateer, Gänge

Kargan hielt sich an die Beschreibung des kleinen pelzigen Wesens. Er wußte nicht, warum er bestimmte Lifte meiden sollte, aber er vermutete, daß das mit Davids Erzählung zusammenhing. Aber wenn die Krankenstation einigermaßen gut aussah, könnte man es eigentlich hier aushalten.

--- Krankenstation

Als Kargan die Krankenstation betrat, sah er, daß der holographische Doktor gerade seine Behandlung eines Oberschenkels beendet hatte. Er ging auf den Patienten zu: "Dr. Kargan. Ich sehe, daß das MHN Sie schon einigermaßen wiederhergestellt hat. Wie geht es Ihnen? Eigentlich hatte ich eine schwer verletzte Patientin erwartet. Wahrscheinlich eine Falschmeldung. Aber ich freue mich, daß Ihre Wunde schon wieder so gut aussieht."

--- inzwischen, Brücke

Silvana blickte für einen Moment auf das fremde Wesen, das sich inzwischen erstaunlich ruhig verhielt. Es hatte begriffen, daß es den unsichtbaren Mauern, die es gefangen hielten nicht entkommen konnte und schien auf eine Gelegenheit zu warten, bis diese Mauern nicht mehr existent waren. Seine großen Facettenaugen waren starr auf Silvana gerichtet und seine Beißzangen klappten hungrig auf und zu.

"Wenn du könntest, würdest du mich wohl in Stücke reißen und zerfleischen", meinte Silvana sachlich und erwiderte den durchdringenden Blick des Wesens. "Aber das kann ich dir auch nicht verdenken. Immerhin habe ich euch beiden Turteltäubchen aufgescheucht und auch noch deinen Partner getötet. Ich weiß, wie das ist... Aber, du Arme wirst, im Gegensatz zu mir, lernen müssen ohne Sex zu leben..."

Wieder tauchten Silvanas Gedanken in Richtung Marok ab.

Er hatte sich bei der heutigen Jagd ungewöhnlich verhalten. Nicht nur, daß er sein Leben aufs Spiel gesetzt hatte um das insektenartige Tier von ihr abzulenken, nein, er hatte auch noch entgegen aller Vernunft das Kraftfeld deaktiviert und das Vieh zu einer Gefahr für die anderen werden lassen. Raschkralles Ausfall hätten sie ja ohne weiteres verschmerzen können, aber was, wenn es dabei die Steuerkonsole zerstört hätte?

[Anm.des GM: Du bist ja ganz schön gehässig...:-) ]

Gut, sie selbst hätte das Wesen auch in ein Kraftfeld sperren können, aber sie war zu dieser Zeit nicht fähig gewesen einen klaren Gedanken zu fassen. Sie hatte gewußt, daß sie nicht schießen durfte, doch das Wesen auch nicht in ihre Nähe kommen lassen durfte, weil es nicht wie sein Partner gezögert hätte, sie zu töten. Doch was hatte Marok daran gehindert klar zu denken? Sie?

Silvana seufzte und kontrollierte das Asteroidenfeld sowie die nähere Umgebung. Nichts Ungewöhnliches.

Raschkralle hatte sich nicht davon abhalten lassen, die Brücke zu verlassen und eigenständig zu handeln. Sie wollte die Ankunft der ersten Shuttles an der Shuttlerampe bewachen und für einen reibungslosen Ablauf sorgen. Statt auf ihre Rechte als Chefin der Sicherheit zu verweisen, hatte Silvana sie einfach gehenlassen.

"Was ist es, was mich so verrückt nach dir macht?", dachte Silvana laut nach und ihre Frage verhallte nicht ungehört.

"Sir, kann es an meiner diodengesteuerten frei integrierbar modullierten phasengesteuerten Prophylaxe liegen?"

Silvana verkniff sich ein Lachen. "Mit Phasen lagst du gar nicht so unrecht..."

"Oder an mei..." Jean-Luc schien die Unterhaltung fortsetzen zu wollen, unterbrach sich dann aber selbst. "Sir, ich melde, daß ein Shuttle soeben auf der Shuttlerampe gelandet is..."

"Raschkralle an Silvana: Der Doc ist an Bord. Raschkralle Ende", ertönte aus Silvanas Kommunikator. Die Pilotin war noch immer ziemlich kurz angebunden, doch sie schien mit irgend etwas, daß mit dem Shuttle an Bord gekommen war, versöhnt worden zu sein.

Das ein Arzt an Bord gekommen sein könnte, daran hatte Silvana gar nicht mehr gedacht, obwohl sie Slade zugetraut hatte, einen von den Maquis loszueisen.

"Slade, du bist doch ein wahrer Teufelskerl", murmelte sie bewundernd und wandte sich dann wieder Jean-Luc zu. "Traust du dir zu, unseren... Gast.. alleine zu bewachen?", fragte sie und deutete dabei auf den Inhalt des Kraftfeldes.

"Ja, Sir. Das tue ich."

"Gut, dann wirst du das auch tun. Sollten Komplikationen auftreten, die meine Anwesenheit hier erfordern, dann verständige mich augenblicklich. - Und teile Raschkralle mit, daß sie schleunigst ihren Platz auf der Brücke einzunehmen hat. Sollte etwas das Schiff beschädigen, während sich die Navigatorin ohne ausdrücklichen Befehl des Captains eigenmächtig von der Brücke entfernt hat, dann darf sie es nicht nur ganz alleine reparieren, ihre nächsten Gehälter in den Wind schreiben, sondern sich auch noch auf das Gespräch mit dem Captain unter vier Augen freuen. - Noch irgendwelche Fragen?"

Jean-Luc verneinte. Er schien sogar ihre Umgangssprache verstanden zu haben.

Silvanas Herz schlug mit einem Mal schneller und sie begriff auch gleich weshalb. Marok hielt sich wahrscheinlich noch immer auf der Krankenstation auf. Gleich würde sie ihn treffen. In seine unergründlichen hellgrauen Augen blicken und seine männlichen Lippen würden sich verlangend auf die ihren pressen, während der süße Schauer der Selbstvergessenheit sich über sie legte und sie ihm mit Leib und Seele noch mehr verfiel.

Selbst in dieser kurzen Zeit der Trennung vermißte sie ihn bereits mehr als sie zugeben wollte. Sehnte sich mehr als nach irgendeinem Lebewesen zuvor. Ihr war, als wäre ihr Platz an seiner Seite. Als müßte es einfach so sein und würde ihr jetzt, wo sie alleine war, plötzlich etwas fehlen was schon immer da war.

Vorsichtshalber gab sie dem Computer ihren genauen Standort bekannt, bevor sie von ihm verlangte sie auf die Krankenstation zu beamen. Noch während alles um sie kurz flimmerte, freute sie sich darauf wieder bei ihrem Geliebten zu sein.

--- Maquis-Stützpunkt, Handelszentrum

"Hallo, ich freue mich Sie zu treffen", grüßte Anturios in seiner unverwechselbaren Art. Zuerst hatte er zwar sowohl bei dem Ferengi, als auch bei dem Anticaner Mißtrauen gespürt, aber da Anturios mittlerweile seit vielen Jahr unter Humanoiden lebte, wußte er, wie man ihre Ängste vor Telepathie zerstreuen konnte.

"Ich hoffe, meine Zweige haben Sie nicht erschreckt. Wenn Sie es gestatten, würde ich gerne auf Ihrem Schiff arbeiten", schwangen seine Worte in Slades Kopf. Er merkte immer noch eine Distanz zwischen sich und den beiden Fremden, war aber zuversichtlich diese Barriere abzubauen.

"Was macht Sie denn so wertvoll für mein Schiff?", fragte Slade ihn offen und versuchte, die ihm gegenüberstehende Lebensform zu begreifen. So etwas Ungewöhnliches war dem Anticaner nicht bekannt.

"Nun, wie ich von Ihrem Freund hörte, suchen Sie eine neue Maschinenraumbesatzung. Wie das Schicksal so will, verfüge ich über das benötigte Fachwissen. Außerdem könnte ich Ihnen meine gesamten Lagerbestände an Alkohol, wie bereits mit Ihrem Kameraden vereinbart, mit einem fairen Rabatt anbieten", ertönte die Stimme wieder, nun in den Köpfen von den beiden Fremden. Anturios bemühte sich immer, mit allen Betroffenen gleichzeitig zu kommunizieren, um nicht eine Person zu übervorteilen.

Slade schwieg eine Zeit und überlegte. Während dieser Phase verließ Anturios wieder den Geist des Anticaners. Nichts hätte er mehr bereut, als die Privatsphäre einer anderen Lebensform zu brechen. Anturios erinnerte sich an Geschichten, die er auf Deltos gehört hatte. Einige Amarilianer hatten versucht Profit aus der ihnen angeborenen Telepathie zu machen und so die heiligen Regeln verletzt.

Dem Großen Garten war es zwar nicht leicht gefallen, aber diese Individuen wurden aus dem Garten verstoßen und mußten den Planeten verlassen. Die Verurteilten flogen danach mit Schiffen und genug Proviant ins Exil.

Für den Großen Garten war damit die Schuld beglichen und jeden Tag fand um die selbe Zeit eine Gedenkminute für die Verlorenen statt, in der für sie gebetet wurde.

Anturios Gedanken wurden von der Antwort des Anticaners unterbrochen, der scheinbar Erfahrung mit Telepathie hatte. Er hatte weniger Schwierigkeiten, als der Ferengi, sich in Einklang mit dem Amarilianer zu bringen und so zu kommunizieren: "Gut, ich habe über Ihre Bitte nachgedacht und fordere Sie auf, an einem Test Ihrer Fähigkeiten teilzunehmen, den alle Anwärter machen müssen."

"Ich akzeptiere und danke Ihnen für Ihre Mühe mich aufzusuchen", antwortete er ehrlich. Innerlich dachte er schon an den Test, der ihn erwartete, hatte aber keine Zweifel an seinen Fähigkeiten.

'Und wenn ich unterliege hat der Bessere gewonnen. Das muß ich dann akzeptieren', schloß er seine Überlegungen, während er sich wieder dem Anticaner zuwandte: "Wenn es Ihnen recht wäre, würde ich Sie gerne sofort begleiten!"

Der Ferengi faßte sich an den Kopf. 'Warum konnte der Fremde nicht auf die Details mit ihrem kleinen Deal verzichten?!, fragte er sich und zählte seinen Verlust zusammen. Mittlerweile hatte er seinen Plan geändert, wollte den Rabatt selbst behalten und Slade eine gefälschte Rechnung präsentieren.

Aus den Augenwinkeln bemerkte er dann auch Slades beinahe tödlichen Blick. Sicherlich ahnte er Narbos Plan. Um den Verdacht sofort von sich zu weisen, klärte Narbo die Situation auf: "Ich habe mit Anturios einen 25%igen Rabatt ausgehandelt, dafür daß wir ihm die gesamten Lagerbestände abkaufen. Ähhh, ich wollte dich da eh noch auf deine Kostenbeteiligung hinweisen und einen kleinen Kredit halte ich auch für angemessen"

"Ist ja kein Problem!", antwortete Slade ihm, scheinbar um Anturios nicht zu verschrecken. Der Blick des Anticaners sprach aber eine andere Sprache. Narbo deutete es als ein "Wir reden uns noch!", war aber froh, dieser Konfrontation für den Augenblick entronnen zu sein.

--- Privateer, Krankenstation

"Es gibt eine schwer verletzte Patientin, aber sie verblutet lieber auf der Brücke, anstatt sich behandeln zu lassen", sagte Marok.

"Sie läßt sich nicht mit einer blutenden Wunde behandeln?", fragte Dr. Kargan.

"Nein, aber sie kann manchmal einfach etwas stur sein. Ich hatte selber allerdings zu große Schmerzen, um eine große Diskussion anzufangen."

Flirrend nahm eine Person in der Krankenstation Gestalt an. Es war Silvana. Sie hatte das Stück Metall immer noch in ihrer Hüfte.

Silvana lächelte, als sie Marok sah. Das allein reichte aus, um ihn zu erregen. Er lächelte ebenfalls. Sie wollte auf ihn zu gehen, aber Dr. Kargan hinderte sie daran.

"Sind sie wahnsinnig??!", rief der Klingone. "Sie hätten sich sofort auf der Krankenstation melden müssen. Partok g'nul!" ["Ich glaub' ich spinne!"]

Energisch schob er Silvana in Richtung Medo Bett. Sie sah Marok sehnsüchtig an. Dieser lachte und zuckte mit den Schultern.

"Ich bringe dieses Biest von einer Spinne in eine Zelle. Wenn nämlich der Strom mal ausfällt, hat Plüschohr Ärger am Hals", schlug Marok vor.

"Computer ... sind die Kraftfelder in der Arrestzelle aktiv?", fragte Silvana.

"Positiv", kam die Antwort.

"Gut, dann aktiviere das Kraftfeld für Zelle 1."

"Befehl ausgeführt."

"Beame die Kreatur in Zelle 1."

"Befehl ausgeführt."

"So geht's natürlich auch", sagte Marok. "Gut, ich seh mal nach dem Tier."

Marok wandte sich um zum Gang.

"Hey, krieg' ich keinen Kuß?", fragte Silvana.

"Später ... Tigerin ... später." Die Wahrheit war, daß Marok sie vor dem Doc nicht abknutschen wollte. So einen kurzen Abschiedskuß mußten beide noch üben. Er war zwar ein Zaldianer, aber Privatsphäre wußte er seit der Zeit beim Maquis doch zu schätzen.

Kargan hatte inzwischen die Wunde der Frau gescannt und freigelegt.

Während das MHN die Wunde säuberte, bekam Kargan den Eindruck, daß David nicht ganz so sehr übertrieben hatte wie er zuerst geglaubt hatte. Die Ausstattung der Krankenstation war mies.

Zu Akademiezeiten hatte er ständig mit den modernsten Apparaturen hantieren können. Danach mußte er auf jedem Schiff mehr oder weniger deutliche Abstriche machen. Aber so schlimm wie hier war es nirgends gewesen. Die Energiezellen der veralteten Tricorder waren fast leer, Hyposprays lagen zerbrochen auf dem nur notdürftig gesäuberten Boden. Sogar die Medikamente hatten ihre Haltbarkeitsdaten fast schon überschritten.

Sein Blick fiel zurück auf den Boden. Die riesige Blutlache sah noch recht frisch aus.

Hm.

Was sagten die Gerüchte? Das Schiff war mit 6 Personen erst vor Kurzem von der Raumbasis gestartet? In der kurzen Zeit hatte sich mindestens eine Person so schwer verletzt, daß sie fast verblutet war, einer hatte sich den Oberschenkel aufgerissen und eine Frau rammte sich einen Bolzen in die Hüfte.

Als Arzt auf diesem Schiff würde man sicher nicht an Arbeitsmangel eingehen.

Ein Räuspern riß ihn in die Wirklichkeit zurück. Offenbar hatte die Patientin seinen nachdenklichen Blick bemerkt. Er wollte sich gerade entschuldigen, als er bemerkte, daß sie seine Unaufmerksamkeit wohl anders gedeutet hatte.

Sie sah zu ihm auf und meinte: "Jetzt schauen Sie nicht so nachdenklich. Sagen Sie mir schon, daß irgendwelche Nerven durch sind. Ich hasse es, wenn Ärzte ihre Patienten mit Samthandschuhen anfassen und im Unklaren lassen. Hätte nicht gedacht, daß ein Klingone dermaßen zimperlich ist."

Kargan mußte grinsen. Die Frau gefiel ihm.

Mit einem Blick auf seinen Tricorder entgegnete er: "Der Bolzen steckt etwa 8 Zentimeter in Ihnen. Es war eine gute Entscheidung, ihn nicht wieder herauszuziehen. Er hat sich recht dicht an einigen Nervensträngen vorbei geschnitten, und beim Entfernen besteht die Chance, daß diese Nerven durchtrennt werden. Der zusätzliche Blutverlust wäre in diesem Fall sogar das geringere Übel gewesen.

Sie haben Glück, daß das obere Ende spitz ist. Ich habe schon ähnliche Teile gesehen, die oben nur ein wenig flacher waren. Die haben das Rückgrad regelrecht zerfetzt. Wenn Sie das Ding 4 cm weiter rechts hineinbekommen hätten, wüßte ich nicht, wie ich mit diesen Bordmitteln hier die Nerven wieder hätte zusammenflicken sollen. Und die Krankenstation auf Drema ist sogar noch schlechter ausgerüstet."

Kargan bereitete sich darauf vor, den Bolzen zu entfernen.

--- Drema, Handelszentrum

Slade begann zu überlegen, ob er nicht den gesamten Einkauf übernehmen und Narbo nach Slades Monatsabrechnung auszahlen sollte. Aber er hatte genug damit zu tun, den Sack Flöhe, den er Mannschaft nannte, zu koordinieren und sich nebenbei noch um seine Geschäfte zu kümmern. Vor allem, wo er in nächster Zeit viel damit zu tun hatte, die Mannschaft zu sichten und zu entscheiden, wer auf das Schiff kam und wer nicht.

Diesen Baum konnte er sich jedenfalls gut im Maschinenraum vorstellen. Wenn er mit seinen Tentakeln geschickt umzugehen verstand, konnte er an vielen Stellen zugleich eingreifen.

Nun ja, er würde genau wie alle anderen auch die Gelegenheit bekommen, seine Fähigkeiten zu beweisen.

--- Privateer, Krankenstation

Silvana zuckte zusammen, noch bevor der Arzt sie berührt hatte. Verwundert blickte er zu ihr auf. Mit einer solchen Reaktion hatte er nun gar nicht gerechnet.

"Ich habe mich ja noch gar nicht vorgestellt... mein Name ist Silvana Farnside... aber du kannst mich Silva nennen." Ihre gelben Augen blitzten lächelnd auf, als der Blick seiner blauen sie einfing.

Kargan bemerkte erst jetzt, daß sie ihn unverschämterweise geduzt hatte und konnte sich ein Grinsen gerade noch verkneifen. Sie schien eine ziemlich ungewöhnliche Person zu sein. Nicht nur von ihren Augen her zu schließen. Er hatte sich also doch nicht in ihr getäuscht.

"Kargan, Sohn des Gorkan", fügte er stolz hinzu und seine Schultern strafften sich unwillkürlich. Er griff nach einem Hypospray um die Stelle ordnungsgemäß zu betäuben, doch sie winkte ab.

"Nicht nötig. Für so einen kleinen Kratzer werd ich doch nicht gleich eine Betäubung brauchen." Sie saß ziemlich unberührt da und schien eher gelangweilt darüber zu sein, daß sie hier still ausharren mußte, während ihr zaldianischer Freund irgendwo auf dem Schiff unterwegs war. Gelangweilt und doch wie eine schlafende Katze.

"Es wird aber ziemlich wehtun...", versuchte er es noch einmal um sie von der Notwendigkeit der Betäubung zu überzeugen. Bisher hatten sie nicht mal die größten Kämpfer verweigert.

"Ich sagte doch: Nicht nötig", wiederholte sie. "Ich hätte es ja auch selbst gemacht, aber ich bin kein Arzt und die Stelle ist auch nicht einfach um da eine ruhige Hand zu haben. Außerdem möchte ich so schnell wie möglich wieder fit sein..." Bei dem Gedanken an ihr nächsten Treffen mit Marok lief ihr ein wohliger Schauer über den Rücken. Dieses Mal war er ihr entkommen, weil ihre Gesundheit vorzugehen hatte. Das nächste Mal würde er lernen, daß man ihre Angebote besser annahm.

Was hatte er gesagt? Tigerin? Nun, bald würde er sich eingestehen müssen, daß er sie unterschätzt hatte...

"Was verschlägt einen guten Arzt in so eine Einöde wie Drema?", fragte Silvana plötzlich, die versuchte sich krampfhaft davon abzulenken wie muskulös Maroks Körper unter seinem Kampfanzug wirklich war und wie durchtrainiert bis ins letzte Detail.

"Es war eine Sache der Ehre", antwortete Kargan. Als er bemerkte, daß sie gleich nachhaken wollte, fügte er hinzu: "Und es wäre nicht ehrenhaft, darüber zu reden!"

Während er den Bolzen fachmännisch entfernte, fragte er sich, ob seine Antwort richtig gewesen war. Er hatte zwar gelernt, daß Menschen nicht immer positiv auf eine starke Sprache reagierten, fühlte jedoch, daß er es hier mit einer Kämpferin zu tun hatte.

Einer Kämpferin, die es bestimmt mit den Männern seines Volkes aufnehmen konnte. Eine solche Frau würde ihn für einen Schwächling halten, wenn sie erführe, daß er sich aus Liebeskummer von der Föderation abgewandt hatte. Das würde bedeuten, daß sie ihn als Arzt nicht ernst nehmen konnte, was wiederum hieß, daß seine Chancen hier an Bord geringer würden.

Und er wollte nicht auf Drema bleiben. Um keinen Preis. Er wollte zu den Sternen fliegen und Wesen kurieren, die noch niemals zuvor ein Mensch gesehen hatte...

Nein, er würde niemanden etwas von seiner Vergangenheit erzählen.

--- Maquis-Stützpunkt; Handelszentrum

"Ich werde bald mit unserem Shuttle auf die Privateer zurückkehren. Ddort bin ich nützlicher als hier. Schließlich will ich an Bord sein, wenn die Lawine der zukünftigen Mannschaftsmitglieder eintrifft. Du kannst uns gerne begleiten."

Slade wandte sich ab, kehrte aber nach ein paar Schritten wieder um.

"Eine Frage noch: Wie bewegst du dich fort? Müssen wir dich beamen?"

"Danke, der Nachfrage, aber ich denke, daß ich auch per Shuttle reisen kann", antwortete Anturios höflich und fügte, während er die beiden Humanoiden aus mehreren Perspektiven betrachtete und sich ihrer Größe bewußt wurde, hinzu: "Auch wenn es etwas eng werden wird! Meine Vorräte beamen Sie aber besser, weil der Transport per Shuttle zu aufwendig wäre. Wenn Sie sich einen Moment gedulden, werde ich kurz meine Sachen zusammenpacken. Es ist nicht viel!"

Der Anticaner ließ ihn gewähren und eine Viertel Stunde später hatte Anturios seine persönlichen Dinge zusammen. Es war sehr wenig. Die Cardassianer hatten ihm nicht viel gelassen und Erinnerungen aus seinem neuen Leben hatte er kaum. Genauso wie Freunde. Er vermißte sein Volk sehr und dachte daran, wie viele sinnlos gestorben waren. Noch immer in Gedanken versunken, kontaktierte er den Vermieter seines Ladens und erklärte seine Absichten kurz, aber dennoch freundlich. Das Geld für den Monat hatte er, wie üblich, im Voraus bezahlt und der Amarilianer sah nun nichts mehr, was ihn an diesen Ort band.

Schließlich ging er mit den beiden anderen Richtung Shuttlerampe und freute sich schon auf die Reise. Er gehörte zu den wenigen Amarilianern, die der Raumfahrt etwas abgewinnen konnten. Seit dem Krieg gegen das Dominion hatte er sich nicht mehr auf einem Schiff befunden. 'Zumindest nicht als freier Baum', fügte er bitter hinzu. Er mochte sich gar nicht an die vielen Vorstellungen für Guls und Legaten erinnern, die sich von den grauen Kriegstagen erholen wollten.

---Maquis-Stützpunkt; Shuttlerampe; eine Stunde später

Von seinen Tentakeln getragen, betrat der große Amarilianer die Shuttlerampe und schaute sich um. Mehrere Schiffe standen umher. Darunter auch ein Selay-Raumer. Die echsenartige Besatzung des Schiffes starrte Slade verblüfft an und beriet sich dann. Schließlich kamen sie näher und sprachen den Anticaner an: "Was machst du hier? Drema ist eine Tabuzone für dich und deine verkrüppelten Artgenossen!"

Ein Selay war aus der Menge hervorgetreten und hatte auf den Boden gespuckt. Verachtung war in seinen Augen sichtbar, aber auch Haß. Blanker Haß. Anturios kannte diesen Blick. Die Cardassianer hatten ihn gehabt. Bevor sie folterten. Bevor sie quälten. Bevor sie töteten.

Der Selay sprach weiter: "Du hast 10 Minuten Zeit um zu verschwinden oder du wirst den Tag deiner Geburt verteufeln!" Johlend stimmten die anderen ihm zu und stellten sich demonstrativ hinter ihren Wortführer.

Anturios verfolgte die Szene aus mehreren Positionen. Seine Tentakel hatten sich im Raum ausgebreitet und so sah er sowohl den Willen in den Augen des Anticaners, als auch das kleine Messer, das Narbo unbemerkt aus seinem Stiefel gezogen hatte.

'Wie soll ich mich verhalten?', überlegte Anturios. Gewalt lag ihm fern und eine Konfrontation zu vermeiden war ihm immer am Liebsten gewesen, aber die Selay waren scheinbar geradezu besessen davon. Der Amarilianer beschloß, Slade zu unterstützen. Ein kleines Band der Sympathie verband sie schon miteinander, außerdem waren die Selay in der Überzahl. Zehn zu zwei wäre stark unfair gewesen und so konnte Anturios keinen Grund erkennen, nicht Partei zu ergreifen.

Aber zuerst wollte er es mit Worten versuchen: "Meine Herren, ich bitte Sie, seien Sie einsichtig. Wir wollen Sie weder kränken noch angreifen. Sobald wir unsere Geschäfte erledigt haben, werden wir Ihnen Ihre Zone lassen."

--- Privateer; in einer Jeffries-Röhre

Er hatte sich in Sicherheit gebracht.

Aber er war verwirrt.

Es wurden immer mehr Hastige, aber sie jagten ihn nicht. Im Gegenteil: Er rettete ihr Leben, sie retteten seines.

Die Frau hatte zuerst er gerettet, dann sie ihn.

Dann hatte er diesen Mann gerettet. Den Hastigen mit den Händen. Er war dabei fast übermütig geworden, war dem Ungeheuer einfach auf den Kopf gesprungen.

Das war sehr gefährlich gewesen, aber es war gut gegangen. Der Hastige war entkommen. Das Ungeheuer war weggelaufen. Wo war es?

Er mußte vorsichtig sein.

Das Leben vor dem Vibrieren war einfach gewesen: Einsamkeit war gut, Gesellschaft war schlecht.

Tödlich.

Früher mußte er nur auf der Hut vor allem sein, was sich bewegte.

Und zusehen, daß er immer etwas zu fressen fand.

Aber nun war alles anders.

Nun, da sich die Hastigen wie die Rohruks vermehrten, mußte er ständig damit rechnen, einem über den Weg zu laufen.

Woran sollte er erkennen, daß er davonlaufen sollte? Waren plötzlich alle Hastigen nicht mehr seine Feinde?

Nein, wenn er damit rechnete, würde er schnell sterben.

Er wollte nicht sterben.

Er wollte leben.

Um zu leben, mußte er essen. Er hatte Hunger.

Seine Nase wies ihm den Weg. Jemand mußte etwas sehr Schmackhaftes liegen gelassen haben.

--- Vor einem Gitter

Die Röhre endete vor einem Gitter.

Er schaute hindurch.

Es lag dort auf der Erde.

Es roch phantastisch.

Niemals hatte er etwas Besseres gerochen.

Er begann die Halterungen des Gitters zu untersuchen.

Wenig später hatte er das Gitter abmontiert. Das war auch etwas, das sein Überleben so lange gesichert hatte. Er war der einzige seiner Rasse, der so etwas schaffte.

--- Quartier des Captains

Er sprang in den Raum hinein. Er roch das Essen genau. Es roch frisch, stark, überwältigend, außergewöhnlich , ergreifend , unvergeßlich, einmalig, wunderbar, betörend.

Er stürzte sich auf das Essen, welches nicht die trockene Substanz seiner üblichen Nahrung hatte, sondern extrem saftig war. Und es schmeckte noch viel besser als es roch...

--- Später, wieder in einer Röhre

Er hatte sich extrem vollgefressen und mit viel Mühe den Weg zurück in die Röhre geschafft.

Das Essen war wunderbar gewesen. Schnell hatte er bemerkt, daß es sich um das gleiche handelte, was er sonst immer gegessen hatte, nur daß es diesmal mit einer Flüssigkeit getränkt war. Und diese Flüssigkeit war das Geheimnis.

Warum hatte man nur einen so kleinen Teil der Nahrung damit getränkt? Warum nicht alles?

Er würde wiederkommen, aber erst mußte er sich ausruhen, verdauen.

Er kroch vorwärts, er kannte eine Stelle, die sich gut zum Ausruhen eignete.

Aber was stellten die Hastigen nur mit seiner Wohnung an? Er hatte noch nie erlebt, daß sich alles dermaßen drehte, daß alles so schlimm schaukelte.

Er hielt sich am Bodengitter fest, als die Röhre wieder begann sich zu drehen.

Offenbar war jetzt unten oben.

Er versuchte sich an der Decke festzukrallen, fand aber keinen Halt und fiel wieder nach unten.

Als er gerade gelandet war, verwandelte sich die Röhre in eine Rutschbahn, und er bemerkte gar nicht, daß er nicht nach unten rutschte. Statt dessen schielte er auf die Decke, die sich in regelmäßigen Abständen auf ihn zu bewegte.

Sein Kopf ruckte zur Seite, weil er sehen wollte, ob die Seitenwände sich ähnlich verhielten, aber in dem Moment fing wieder die gesamte Röhre an, sich zu drehen. Sie trudelte so um ihn herum, daß ihm fast übel wurde.

Er schloß die Augen, und kauerte sich in eine dunkle Ecke.

Das war jedenfalls der Plan.

Leider fehlte in der Ecke ein Stück im Bodengitter, deshalb fiel er durch das Gitter hindurch, stieß sich böse den Kopf an und schlief fast sofort ein.

--- Maquis-Stützpunkt, Shuttlerampe

Die Selay lachten hinterhältig und verstellten Slade, Narbo und Anturios den Weg. Die telephatische Botschaft des Baumes hatte sie nicht gerührt und eher dazu ermuntert sich dieser seltsamen Gesellschaft anzunehmen. Die Hände in die Hüften gestützt, verzogen sie ihre echsenartigen Gesichter zu boshaften, rauflustigen Fratzen.

Anturios und den anderen wurde bald klar, daß die Echsen nur auf einen Kampf aus waren. Und da kam ihnen einer ihrer Erzfeinde gerade recht. Besonders, wo sie nur zu dritt waren und aus dem Selay-Raumer noch ein halbes Dutzend Selay nach draußen kamen.

Der Anticaner knurrte wütend und seine Mähne schien sich zu verdoppeln. Dumm gelaufen, daß er niemand seiner Sicherheitsleute bei sich hatte. Narbo spannte jeden Muskel an und hielt den Schaft seines Messers fest umklammert. Anturios wirkte noch unschlüssig, was vor allem daran lag, daß er einfach kein Gesicht hatte, an dem man seine augenblickliche Gemütsverfassung ablesen konnte.

Alles roch nach Konfrontation. Es war nur noch zu klären, wer den ersten Schritt machte.

Da kam plötzlich Leben in die Selay. Doch anders, als es die Mannschaft der Privateer erwartet hatte. Die Echsenaugen wurden größer, sie wirkten verstört. Teils schüttelten sie ungläubig und sogar furchtsam die Köpfe, teils waren sie wie erstarrt.

Dann fiel der Bann von ihnen ab und sie stolperten fast übereinander, als sie in einem ungeordneten Haufen wieder in ihren Raumer kletterten und sich zum Abflug bereit machten.

Aus dem Schatten des Schiffes trat ein helles Wesen hervor, das zuvor niemand beachtet hatte. Es war die ganze Zeit über an den Raumer gelehnt gewesen und hatte die Situation beobachtet.

Der Anticaner war dem Wesen sofort aufgefallen. Er war groß und eine solche Spezies hatte es noch niemals zuvor gesehen. Das mußte er sein. Der Captain Slade, von dem alle sprachen.

Das Wesen trat vor die noch immer etwas verwirrte Gruppe und lächelte. Es war klein, hellhäutig, nackt und schien über keinerlei Geschlechtsmerkmale oder Behaarung zu verfügen. Es wirkte kindlich, doch seine großen schwarzen, fast runden Augen sahen weise aus. So weise, als ob sie schon vieles gesehen hätten was den meisten Augen verschlossen bleiben würde.

"Jetzt wo wir dieses kleine Problem geklärt hätten... Ich bin Ruiq. Sie müssen der Anticanercaptain des Handelsschiffes Privateer sein. Mein Auftritt tut mir leid, auch daß ich ihre Kampfhandlung so jäh unterbrochen habe, aber es drängte mich, Sie persönlich zu sprechen. Ich möchte auf Ihr Schiff." Selbst seine Stimme war so unbestimmbar, daß keiner zu sagen wußte, ob es sich um einen er oder eine sie handelte.

Fragend starrte Ruiq mit großen Augen auf das riesige pelzige Wesen vor sich.

--- Privateer; Krankenstation

Kargan desinfizierte den Bolzen, nachdem er ihn entfernt und die Wunde mit einem frisch replizierten Wundgel sterilisiert hatte. Mit den Worten: "Bitte. Als Erinnerung an Ihren ersten Aufenthalt auf der Krankenstation der Privateer unter meiner Leitung" übergab er ihn ihr.

Er fügte hinzu: "Hat es irgendeinen Sinn, wenn ich Ihnen sage, daß Sie sich die nächsten Tage noch schonen und die Hüfte nicht sonderlich belasten sollen?"

Silva antwortete lächelnd: "Nein, hat es nicht." Sie schwang sich elegant in die sitzende Position. Kargan beobachtete ihr Gesicht dabei. Sicher hatte sie noch Schmerzen, aber sie verstand es meisterhaft sie zu unterdrücken.

"Im Gegenteil mein Junge, ich habe vor meine Hüfte die nächsten vierzehn Tage besonders ausgiebig zu belasten, wenn du verstehst was ich meine", sagte Silvana süffisant und zwinkerte dem Klingonen grinsend zu, dem sicher die Blicke zwischen ihr und Marok nicht entgangen waren.

Silvana fühlte schon wieder diese eigenartigen Hitzewellen in sich aufsteigen, die sie dazu veranlaßten möglichst rasch Marok bei seiner Suche nach einer möglichen Brut zu helfen.

Sie war nur für einen kurzen Augenblick verwundert darüber, daß diese Hitzewellen mit dem Passieren Shanes nicht beendet waren, sondern sie noch immer beunruhigten und ihr Blut aufpeitschten. Scheinbar hingen sie direkt mit ihren Gedanken an Marok zusammen. Heute war es besonders schlimm. Marok und sie hatten sich nur ständig Appetit geholt, doch nun hatte sie vor ihren Hunger zu stillen.

Unwillkürlich knurrte sie leise und wohlig.

"Warum gerade die nächsten vierzehn Tage?", fragte der Arzt in Kargan, der scheinbar für alles einen Grund wissen wollte, während er begann die vorhandenen Medikamente seiner Krankenstation zu ordnen. Immerhin war er taktvoll genug über ihre Bemerkung hinwegzugehen und sogar ihr Knurren zu überhören.

"Man könnte sagen, daß es... um meine... Ehre geht." Lachend schwang sie ihre Beine vom Bett und ging geschmeidig am Doktor vorbei. Ihre Wunde war schon so gut wie vergessen. Jetzt zählte nur mehr der Sieg und die Kapitulation, die Marok ihrem temperamentvollen Ansturm weiblichen Verlangens entgegen bringen würde.

"Halten Sie die Ohren steif, Dokterchen. Ach ja und viel Spaß noch an Bord", murmelte Silvana schon halb in der Tür. "Wir sehen uns sicher bald wieder!"

--- Gang vor der Krankenstation

Statt ihren Kommunikator zu betätigen, folgte sie Maroks Spur, dessen Geruch ihr sogar den Weg durch völlige Dunkelheit gewiesen hätte. Er wollte sie mindestens ebenso sehr wie sie ihn. Ihre dunklen Pupillen wurden groß und nahmen ihre Umgebung wahr, wie die eines Raubtieres auf der Jagd nach Beute. Nur eines unterschied sie von einem Tier. Ihr Hunger war bedeutend größer...

"Gleich gehörst du mir, Marok", hauchte sie verlangend und begann das ungleiche Spiel.

--- Maroks Quartier

Marok betrat sein Quartier. Es war längst Schlafenszeit. Marok war müde. Er zog sich aus, duschte noch unter der
Ultraschalldusche und wieder einmal wunderte er sich über diese Technik.

Auf Ramus hatte er sich (wenn überhaupt) nur mit Wasser waschen können. Hier auf der Privateer ging es ohne Wasser und das Ergebnis, war genauso gut, wenn nicht noch besser.

Der Summer für die Tür ertönte. Schnell zog er seine schwarzen Boxershorts an.

"Herein", sagte er, während er sich durch die kurzen Haare strich.

Es war Silvana. Ein Hitzewelle durchflutete Marok.

"Hi, Silva."

"Die Zeit zu reden ist um", sagte Silvana, während sie ihn in den Arm nahm.

Blitzschnell hatte sich Marok hinter sie gedreht und hielt ihr beide Arme hinter den Rücken.

"Nicht so schnell, Lady." Maroks Mund war dicht neben ihrem Ohr, während sie sich versuchte aus seinem Griff zu winden.

Silvana roch seine Erregung. Sein Geruch wußte, daß er das Unvermeidliche nur aufschob. Ein Tritt nach hinten in die Weichteile hätte die Sache ganz schnell geklärt, aber schließlich wurde "das Material" später noch gebraucht. Also, entschloß sie sich, das Spiel mitzuspielen.

"Hättest du dir das gewünscht, wenn du das Spinnenbiest erledigt hättest?"

"Was gewünscht?"

"Das ich dir wehrlos ausgeliefert bin?"

"Das würdest du wohl gerne wissen ..." Marok grinste. Dann begann er Silvanas Hals zu küssen.

Das mochte sie. Aber als Marok seinen Griff lockerte, nutzte sie die Gelegenheit für einen leichten Schlag gegen seine Brust. Das wiederum überraschte ihn. Sie griff seinen Arm und beförderte ihn mit einem Wurf auf den Boden. Er lag keine Sekunde auf dem Boden, als seine Beinschere zuschlug. Sie landete direkt in seinen Armen. Sie sahen sich einen Augenblick an und dann küßten sie sich heftig.

Ihre Zungen liebkosten und umschmeichelten sich wie zwei Liebende, während ihre Körper sich eng umschlungen über den Boden rollten. Ihre Hüfte schmerzte unter dem Druck, doch sie nahm sie nicht wahr. Zu gewaltig war der Rausch, der ihre Sinne benebelte und einhüllte. Seine Zunge entfachte ein loderndes, sie verzehren wollendes Feuer in ihr, daß sie noch nie zuvor bei einem anderen Mann gespürt hatte. Allein seine Art zu küssen, hatte etwas sündig Verruchtes an sich.

Sie waren zwei vom selben Kaliber. Sie fühlten es und maßen dennoch ihre Kräfte im Spiel.

Silvana wollte ihn mit jeder Faser ihres Herzens. Und sie wollte ihn jetzt...

Sie berührte seine breiten Schultern... seine starken Armmuskeln... seine durchtrainierte Rückenpartie... und war beunruhigt von ihrer eigenen Schwäche für diesen Mann. Seine Nähe ließ sie die Beherrschung über sich verlieren und sie war dann nur mehr eine weiche... fühlende... atmende... Frau. Sein Geruch war so animalisch und fordernd, daß er jeden ihrer Instinkte weckte. Besonders den einen.

Sie grinste diabolisch und ihre gelben Augen funkelten, während sie seinen Kopf an den Haaren zurück riß um ihn tief in die Augen zu sehen, bevor sie erneut Besitz von der warmen feuchten Höhle seines Mundes nahm.

Sie fühlte den kühlen Stoff seiner Boxershorts an ihren Beinen und rieb ihren Oberschenkel an seiner harten Männlichkeit. Es brauchte keine Vorstellungskraft mehr, um zu wissen, wie sehr er sie begehrte Er bäumte sich ihr entgegen und stöhnte erregt in ihr Ohr. Längst hatte sie bemerkt, daß er seit ihrem gemeinsamen Training eine Dauererrektion hatte. Wahrscheinlich schmerzte sie ihn schon, doch nun wollte sie diesen Schmerz in die richtige Richtung lenken, bevor sie ihn linderte.

"Ich wollte dir nur noch gute Nacht sagen", flüsterte sie heiser vor Erregung, während ihre Hand unter den Bund seiner Hose glitt. Ihr fester und zugleich sanfter Griff, der für ihn ziemlich überraschend kam, schmerzte Marok, so verrückt war er nach ihr. Seine Phase ließ sich dieses Mal von ihm fast nicht mehr kontrollieren, so sehr steigerte Silvana sein Verlangen. Diese wilde Schöne wußte, wie man einen Mann wie ihn behandeln mußte und das spielte sie schamlos gegen ihn aus.

"Das gefällt dir wohl", sagte sie und leckte über die Beuge seines Halses um gleich darauf zu knurren und ihn einige Male sanft in den Hals zu beißen. Sanft und dennoch schmerzhaft. Schmerz, der seine Lust noch steigerte, wie sie an seinem Gesicht ablesen konnte. Zu gerne hätte sie gewußt, ob er schon Erfahrung mit diesem erregenden Schmerz gemacht hatte, doch sie wagte nicht ihn danach zu fragen. Dann glitt ihre Zunge über seine nackte Brust und umkreiste seine sensiblen Brustwarzen, während ihre Fingernägel über seine Brust kratzen und feine Spuren hinterließen.

Und als Marok am Wenigsten damit rechnete, zog sie seine Boxershorts mit einem Ruck nach unten und brachte zum Vorschein, was sie schon so oft in sich gefühlt hatte und nicht oft genug fühlen konnte. Seine Stärke, die sich an sie drängte und ihr entgegen strebte. Ihr warmer Atem ließ ihn erschauern, bevor ihre festen fordernden Lippen ihr Ziel fanden...

---Maquis-Stützpunkt; Shuttlerampe

Slade hatte noch nicht ganz begriffen, was die Selay verscheucht hatte. Mißtrauisch schaute er sich um, schließlich waren sie so schnell verschwunden, als ob plötzlich ein ferdorianischer Schneehase aufgetaucht war.

Nein, da war nichts.

Sollte wirklich dieser kleine Zwerg dort die Meute Selay verscheucht haben? Aber wie?

Slade beschloß, daß es am einfachsten wäre, wenn er ihn fragte.

"Das warst du gerade, äh, Ruhig? Wie hast du das gemacht?"

Das Wesen entgegnete: "Ich heiße Ruiq. Und ja, daa bin ich gewesen. Aber das wie, tut momentan nichts zu Sache. Wichtiger ist: Kann ich nun mit auf Ihr Schiff?"

Slade war etwas verwirrt. Er beschloß den zweihundertfünfzigsten Kandidaten für sein Schiff sofort in seine Liste aufzunehmen. "Rasse und Qualifikation?"

"Ich bin ein Kalconier und eigne mich für viele Dinge. Ich kann sehr gut mit Leuten umgehen, wäre also ein guter Counselor. Aber da Sie wahrscheinlich keinen benötigen, oder das zumindest jetzt noch glauben, können Sie mich auch gut auf der Krankenstation einsetzen."

"Also Counselor und Medizin. Gut, dann holen Sie mal Ihre Sachen. Wir fliegen gleich los zum Schiff, wo ich eine Vorauswahl der Leute treffen werde, die mitkommen. Start etwa in einer Viertelstunde."

Ruiq nickte und trippelte davon.

Gerade war er außerhalb der Sichtweite, als sich das Schott des zweiten Selay-Schiffes öffnete...

Aus der Luke kamen zwei Selay heraus und blieben dabei völlig lautlos. Die Gruppe hatte ihnen den Rücken zugewandt und sah nicht, wie der Größere der beiden Echsen einen kleinen, im Licht glitzernden Gegenstand aus der Tasche holte und mit einem Schrei wegschleuderte.

Im Moment des Schreies drehte sich die Gruppe um. In ihren Augen war Schrecken und die Pupillen weiteten sich. Wie in Zeitlupe glitt ein Ding durch die Luft, rotierte dabei und wirkte äußerst ästhetisch. Aber in Narbos Augen war nicht nur Bewunderung sondern vor allem Angst.

Währenddessen raste die aerodynamische Klinge weiter auf sie zu....

Plötzlich ging Narbos Wahrnehmung wieder in normale Geschwindigkeit über und er schmiß sich zur Seite. Er merkte noch wie das Messer seine Brust streifte und ein Loch in die Wäsche riß, während es nur millimeterweit entfernt an ihm vorbei zischte.

Die Klinge bewegte sich direkt auf Slade zu, während der Anticaner versuchte auszuweichen. Dann sah Narbo nur noch etwas Grünes, das verschwommen und schnell von unten herauffuhr, während er mit dem Kopf aufschlug. Dann war nur noch Dunkelheit.

Slade sah nur, daß Narbo sich plötzlich auf die Erde warf, da traf ihn auch schon das Messer. Laut aufbrüllend riß er das Messer aus seiner Hüfte und stürmte nach vorne auf die Selay zu.

Diese hatten genug Zeit sich in Positur zu stellen, da die Entfernung zwischen den beiden Gruppen doch recht groß war. Einer der beiden hatte noch ein Messer, und Slade konzentrierte sich zunächst auf den bewaffneten Gegner. Dieser war offenbar ein nicht ganz so guter Werfer wie sein Kollege, weshalb er Slade in einer gebückten Kampfhaltung erwartete.

Solche Wesen hatten seine Eltern getötet! In Slade erwachte das Raubtier.

Mit der unbewaffneten Linken eine Finte schlagend, hieb er mit der Rechten das Messer nach oben, um seinem Gegner den Leib aufzuschlitzen. Aber der Selay hatte diese Aktion vorausgesehen und blockte Slades Schlag ab, woraufhin beide Messer zusammenprallten und im hohen Bogen davonflogen.

Nun war der Selay eine leichte Beute für Slades spitze Zähne. Sein Kopf schnellte nach vorne und wollte der Echse gerade die Kehle aufreißen, als er einen kräftigen Stoß von hinten bekam. Er hatte den zweiten Selay vergessen.

Als Slade sich einigermaßen gefangen hatte, wirbelte er herum und riß noch im Drehen das klingonische Kurzschwert, das er in Narbos Bar 'gefunden' hatte, von seinem Gürtel.

Gerade noch rechtzeitig, denn die beiden waren ihm natürlich nachgesprintet und deshalb lief nun jeder der beiden in eines der beiden Enden des Schwertes hinein. Eine schnelle Drehung des Schwertes, und das einzig übriggebliebene Problem war eines der örtlichen Putzkolonne.

Slades Oberlippe senkte sich wieder über seine Zähne, und gerade noch rechtzeitig schaffte er es, sich wieder zu beherrschen. Beinahe hätte er den beiden die Herzen herausgerissen und zerquetscht, wie es in Gefechten im Krieg üblich gewesen war.

Angewidert wandte er sich ab und ging wieder auf Anturios zu. Dabei schaffte er seine Erregung wieder in den Griff zu bekommen. Mittlerweile konnte er sogar wieder einigermaßen logisch denken. Er rekapitulierte den Kampf.

Das Messer, dessen Wunde er jetzt erst unangenehm blutend spürte, hatte ihn in der Hüftgegend getroffen.

Vor ihm hatte Narbo gestanden.

Narbo hatte sich zur Seite geworfen, nur deshalb lebte er noch.

War der Selay ein dermaßen schlechter Werfer (gewesen), daß das Messer aus Versehen zu tief geflogen war?

Nein, dann hätte er nicht geworfen. So einen Wurf riskierte man nur, wenn man sicher war, auch zu treffen. Vor allem, wenn man keinen Phaser im Handgepäck hatte.

Oder wollte er Slade damit imponieren, daß er ihm ein Hühnerauge entfernte?

Vergiß es.

Nein, der Angriff hatte nicht ihm, sondern Narbo gegolten!

Knurrend hob er den Ferengi mit der linken Hand auf und schüttelte ihn durch.

Als dieser panisch die Augen aufschlug, sah er als erstes Slades Kopf dicht vor sich. "Mach dein Shuttle auf, ich will nicht, daß mein Fell so aussieht wie Raschkralles Schwanz. Und unterwegs kannst du mir erklären, warum ich die beiden umgebracht habe."

Als Narbo die Augen aufschlug sah er, wie Blut auf seine Brust tropfte und seinen Anzug endgültig ruinierte. Erst im zweiten Moment merkte er, daß das Blut von Slade stammte. Er hatte den Anticaner wohl schon eine Zeit lang angestarrt, war aber immer noch geschockt gewesen.

Schließlich erinnerte sich der Ferengi an Slades Worte und lief zu seinem Shuttle. Er hatte einige Mühe gerade zu laufen. Sein Kopf brummte gewaltig.

Während er die Sicherheitsmechanismen des Shuttles ausschaltete, hörte Narbo die Stimmen von zwei Selay, die gerade die Überreste ihrer Kameraden fanden und laut schimpfend Rache schworen.

Gleichzeitig betrat das kleine Wesen von eben den Raum. Glücklicherweise war es früher gekommen als vereinbart. Slade winkte ihm - oder war es eine sie? - schnell zu kommen. Das Wesen, das sich Ruiq nannte, verstand es aber nicht sofort und Slade mußte erst laut rufen, bevor es den Ernst der Lage erkannte. Nachdem schließlich alle das Shuttle betreten hatten, und auch Ruiq eingetroffen war, schloß Slade die Luke.

--- Im Shuttle

"Hier ist die Gint! Erbitte Start-Freigabe! Sofort!", schrie der Ferengi den Verantwortlichen über die Kommunikation keuchend an. 'Wir müssen schleunigst verschwinden, sonst grillen uns die Selay', dachte er und ein Blick nach draußen bestätigte seine Annahme. Die Selay hatten sich aufgeteilt. Einer lief in das Gangsystem, wahrscheinlich um Verstärkung zu holen. Die andere Echse näherte sich der Shuttleluke und versuchte vergeblich sie zu öffnen. Zum Glück war auch er nur mit einer Handwaffe und nicht mit einem Phaser bewaffnet, sonst hätte
er das Schiff wohl aufgeschnitten.

Aber so blieben ihre Versuche vergeblich und der Fahrstuhl setzte sich nach der Freigabe durch den verärgerten Bajoraner in Bewegung.

Anturios staunte immer noch über die unfaßbare Gewalt die er gerade erlebt hatte und fragte sich nach dem Sinn danach: 'Wieso haben die Selay Streit begonnen? Was haben die anderen ihnen getan? Wieso wollen die Selay uns töten?'

Von diesem Erlebnis immer noch mitgenommen, beobachtete Anturios, wie zumindest Slade und Narbo das Vergangene bereits verdaut hatten. Offenbar waren sie an solche Erlebnisse gewöhnt.

Anturios hatte nie das Konzept der Gewalt verstanden. Wieso konnten nicht alle in Frieden leben. Während dieser Gedanken erreichte der Fahrstuhl die Oberfläche und das Shuttle hob ab....

--- Privateer; Maroks Quartier

Marok hatte schon viel erlebt, aber als Silvana weitermachte, wußte er, daß er viel früher etwas gegen seine Phase hätte unternehmen müssen. Er fing unkontrolliert an zu zucken.

Silvana hielt inne. "Stimmt etwas nicht?"

"Nein, mach ruhig weiter", antwortete Marok heiser. "Ich kann mich nur nicht mehr lange unter Kontrolle halten."

Er schloß die Augen und genoß es einfach verwöhnt zu werden. Doch nach ein paar Minuten zog er sie zu sich hoch.

Mit aller Kraft riß er ihr die Kleider vom Leib. Es war nicht zärtlich, er zerfetzte ihre Kleidung. Wäre Silvana selbst nicht so erregt gewesen, dann hätte sie vielleicht ein bißchen Angst bekommen.

Sie stand jetzt nackt vor ihm und er schwelgte in ihrem Anblick. Er begehrte sie so über alle Maßen.

Er griff in ihren Nacken, zog sie an sich heran und küßte sie. Beide ließen die Augen offen, so als würden sie keine Liebe machen sondern kämpfen.

Silvana stieß ihn zurück. Doch er wollte nicht mehr von ihr getrennt sein. Er packte sie, hob sie hoch. Langsam ließ er sie herab und vereinigte beide Körper. Marok gab sich überhaupt keine Mühe sanft zu sein. Er versuchte ihren Körper so schnell wie möglich auf und ab zu bewegen. Sie wirkte seiner Bewegung entgegen, indem sie ihre Arme um seinen Hals benutzte, um seine Stärke und die künstliche Schwerkraft auszugleichen. Beide schwitzen enorm.

Marok war kurz davor ... es war so nah ... doch dieses Biest von einer Frau verhinderte, daß er kam. Mit einem Heulen in dem sein ganzer Frust zum Ausdruck kam.

Er warf Silvana aufs Bett. Silvana lachte. Er stürzte zu ihr, aber Silvana spielte die Keusche. Er zwang sich zwischen ihre Beine, nicht ohne Gewaltanwendung. Er schaute ihr in die Augen, um zu sehen, ob er zu weit ging. Er sah nur ihre Erregung, also stieß er zu.

Sie wollte ihn wieder von sich herunter stemmen, doch er packte ihre Handgelenke und preßte sie über ihren Kopf in die Kissen. Während sich sein Becken immer schneller bewegte, schaute er in ihre Augen. Als er kam, küßte er sie. Es war, als würde ein Berg endlich zum Vulkan werden.

Aber er hörte nicht auf. Mit gleichem Tempo machte er weiter. Dieses wilde Mädchen würde er fertig machen. Nach dieser Nacht würde sie nicht mehr die Kraft haben mit ihm zu spielen.

--- Shuttle

Ruiq rätselte beim Abheben des Shuttles noch immer, was wohl in der Zwischenzeit geschehen sein mochte. Es hatte nicht lange gedauert, seine wenigen Habseligkeiten in einer kleinen Tasche zu verstauen. Sein wichtigster Besitz war ohnehin sein Wissen und seine Fähigkeiten. Deshalb war er früher als vereinbart erschienen und doch schien er zu spät gekommen zu sein.

Der Captain hatte eine blutende Wunde am Oberschenkel, die offenbar von einem Kampf stammte, den er zweifelsohne gewonnen hatte, wie er dessen Gesichtszügen entnahm.

Der Ferengi schien an der Brust von einem scharfen Gegenstand gestreift worden zu sein, was aber nur eine oberflächliche Fleischwunde verursacht hatte und auch die Beule an seiner Stirn sah eigenartig aus. Es wirkte fast so, als ob er sich innerhalb kurzer Zeit zweimal die Stirn gestoßen hätte. Die zweite Beule war ziemlich frisch, während die andere sich schon blau verfärbt hatte.

Die Selay, die er vertrieben hatte, konnten es nicht gewesen sein. Die Vorstellung von diesem Slade, die er in ihre Köpfe projiziert hatte, war so schrecklich und furchterregend gewesen, daß sie jetzt wohl einige Zeit den Anticanern aus dem Weg gehen würden nur um sicher zu sein, daß diese grauenhafte Metamorphose nicht wirklich zu den Fähigkeiten einiger Anticaner zählte.

Für einen kurzen Augenblick dachte Ruiq darüber nach den Captain zu verarzten, unterließ es dann aber, als er dessen Blick und die riesige Menge Blut an seinen Händen und auf seinem Bauch sah, welches sicher nicht nur von seiner Wunde stammen konnte.

Binnen kurzem würden sie auf dem Schiff sein und dann würde er sich die Wunde näher ansehen, es sei denn, daß es schon einen anderen Mediziner an Bord gab. Diesem würde er natürlich den Vortritt überlassen und ihm nur assistieren, wenn er das auch wollte.

Trotzdem wollte der Mediziner in ihm helfen und nicht untätig dasitzen. Schließlich hatte er sich für die medizinische Abteilung beworben, auch wenn er sich viel lieber nur um das geistige Wohl der Mannschaft gekümmert hätte. Das aber umso intensiver.

"Captain kann ich etwas für Sie tun? Soll ich mir die Verletzung einmal ansehen?" Ruiq legte seine Hand auf die Schulter des Captains und ließ seine Energie in ihn überfließen. Das hatte er auf Thalanthea von einem Naturheiler gelernt. Es würde die Blutung für ungefähr eine Stunde stillen.

--- Privateer; Maroks Quartier

Silvana wand sich vor Lust unter ihm. Vielleicht hätte sie sich aus seinem Griff befreien können, doch sie genoß das Gefühl des völligen Ausgeliefertseins zu sehr um es überhaupt zu versuchen. Marok war stark. Sehr stark. Und es war, als hätte er sich nicht mehr unter Kontrolle. Er war ein Tier. Wie sie. Und doch...

Sie sah in seine hellgrauen Augen. Ihr Blick war im Gegensatz zu seiner Wildheit sanft und zärtlich. Niemals hätte er ihr Schmerzen zugefügt oder geduldet, daß ihr ein Leid geschieht. Ihm würde sie ohne zu zögern ihr Leben anvertrauen. Oder es für ihn riskieren.

Ihr Körper bog sich ihm entgegen und ihre Beine schlangen sich um seine Hüfte um ihn noch näher an sich zu spüren. Sich mit ihm zu vereinen, als wären sie zusammen ein Ganzes. Gemeinsam mit ihm fand sie ihren ureigenen Rhythmus. Marok ging ihr tief unter die Haut. Sie wollte ihn mehr als sie einen Sieg je gewollt hatte. Und es schmerzte sie.

Silvana schrie ihre aufgestauten Gefühle aus sich heraus und verlor sich in einem Fluß der Ekstase, der sie einfach mit sich riß und sie entwurzelte. Marok befriedigte unerläßlich ihre geheimsten Sehnsüchte und entfachte sie dabei von neuem. Er wußte sie zu nehmen, wie sie es sich schon immer von einem Mann erträumt hatte. Es brauchte keine Worte um von ihm verstanden zu werden.

Jeder seiner Stöße brachte sie näher an den Rand des Abgrundes. Sie wußte, daß es danach kein Zurück mehr für sie geben würde und sie ihm endgültig verfallen war. Den Herrn über ihren Körper und ihre Seele. Plötzlich war ein Gefühl in ihr, daß ihr fremd war. Sie wollte leben. Sie wollte mit ihm leben.

Nach dieser Nacht würde alles anders sein, das fühlte sie. Trotzdem ging sie voll darin auf und jeder Zentimeter ihrer Haut brannte bald unter seinen Berührungen, die mal sanft und zärtlich, mal fest und fordernd waren.

Die Minuten verronnen und schienen zu Stunden zu werden. Stunden in denen sie mehr lebte, als je zuvor. Sie verlor jedes Gefühl für Zeit und Realität. Alles rund um sie ging unter. Sie sah nur Maroks Gesicht vor sich, voller Leidenschaft und Wärme, daß sich unauslöschlich in ihre Seele und ihr Herz einprägte.

Eine Träne lief über ihre Wange, während sie sich das erste Mal in ihrem Leben wie ein Mensch fühlte...

"Geht es dir gut?", Marok hielt inne.

Silvana nickte. "Ich bin glücklich."

Marok küßte sie. Er liebte sie jetzt zärtlich, küßte ihren Hals, streichelte sanft ihren Busen. Marok war von der Schönheit ihrer Haut wie magisch angezogen. Sie war so weich, wenn er sie nur mit den Fingerspitzen berührte, stiegen Glücksgefühle in ihm hoch.

Doch dann versuchte Silvana wieder stärker mit ihrem Becken mitzugehen. Marok erhöhte erneut das Tempo. Als er sie küßte, spürte er, wie sie ihren Höhepunkt erreichte, sehr lang, vielleicht nicht so intensiv wie letzte Nacht, aber dachte nicht mehr nach und beschleunigte noch mehr um ebenfalls den Gipfel der Lust zu erreichen und dann in den Abgrund zu stürzen.

Als beide erschöpft nebeneinander lagen, sich nur an den Händen festhaltend, überkam Marok wieder dieses Gefühl.

Er dachte dauernd an Silvana. Seitdem er wußte, daß er sie liebte, gab es keine Ruhe mehr in ihm. Das quälte ihn sehr. Es schien, als würde er sich im Kreis drehen, als wäre er in einer Feedbackschleife gefangen.

Er mußte es ihr sagen oder er würde verrückt werden.

"Ich liebe dich, Silva."

Sie sah ihn an. Es verschlug ihr anscheinend die Sprache.

'Was, wenn sie mich nicht liebt? Wenn sie mich nur gern hat?' Grauen überkam Marok. Wie sollte er dann ohne Qualen weiterleben.

Ihm fiel ein Zitat seines Captains auf der Barakuda ein: "Ich hasse und ich liebe. Warum mag man wohl fragen? Ich vermag es nicht zu sagen, doch ich leide Höllenqualen."

Er sah sie an und wieder rannen ihr Tränen über die Wangen. Marok liebte sie so unendlich stark; vielleicht nur in diesem Augenblick, aber das war ihm egal. Er packte sie, zog ihren nackten Körper auf seinen, spürte ihre Haut, umarmte sie. Er wollte sie festhalten - nur festhalten, in ihrer Nähe sein ... am besten bis an sein Lebensende.

Dann begann er die Verzweiflung zu spüren. Was, wenn sie ihn nicht liebte. Wie würde er das ertragen können? Jetzt begann auch Marok zu weinen.

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