Chronik 4

--- Barakuda, Schiff der Maquis, Brücke

Eine Explosion erschütterte die Barakuda.

"Bericht, Hanson!", schrie der Captain.

"Das Schiff ignoriert weiterhin unsere Meldungen", rief Hanson zurück.

"Schilde runter auf 34%." Die Stimme der Vulkanierin Selur war fast nicht zu hören. Sie redete immer ruhig und gelassen.

Marok stand ruhig auf der Brücke. Er konnte nichts tun, da er nicht in der Lage war die Kontrollen des Schiffs schnell genug zu entziffern. Aber seine Leseschwäche machte ihm auch jetzt nichts aus. Zwar wünschte er sich, etwas tun zu können, aber es war dem Captain von Anfang an klar gewesen, daß er in genau solchen Situationen nicht nützlicher war, als rigelianisches Bier auf einer Bischofskonferenz.

"Bereit zum Entern", sagte Marok.

Der Captain drehte sich um. Seine Augen vergrößerten sich, als er Marok sah. Marok hatte seinen enganliegenden, schwarzen Kampfanzug an. Seine Katanas waren auf seinem Rücken und er hatte einen normalen Phaser sowie einen kleinen Handphaser in seinem Kampfanzug untergebracht.

"Was machen Sie noch hier, Dudras?! ... Ich hatte schon vor 5 Minuten gesagt, das alles entbehrliche Personal sich zu den Rettungskapseln begeben soll. SIE SIND ENTBEHRLICH !!! Außerdem sind wir weit davon entfernt sie zu entern, wir ..." Eine schwere Explosion ließ das Schiff auf und ab tanzen.

--- Gang / Rettungskapsel

Marok verließ die Brücke und begab sich zur nächsten Rettungskapsel. Überall blinkten rote Lampen und entfernte Explosionen waren zu hören. Marok hoffte den Captain wiederzusehen. Aber die Chancen um das Schiff standen schlecht. Im Gegensatz zur Crew mochte er den Captain sehr. Er war immer ehrlich und sagte den Leuten auf den Kopf zu, daß ihm etwas nicht paßte. Aber er lobte auch.

Immer noch grübelnd, band er sich auf dem Stuhl der Rettungskapsel fest. Danach drückte er auf den Knopf und wurde mit heftiger Wucht ins All geschleudert.

Die Barakuda sah übel aus, aber noch hielten die Schilde. Das konnte er am grünlichen Licht erkennen, das beim Aufprall einer Disruptorladung entstand.

Dann passierte etwas, mit dem Marok nicht gerechnet hatte. Der Captain führte ein Picard-Manöver durch. Mit einem kurzem Warpsprung (der höllisch genau berechnet werden mußte), sprang er direkt über das gegnerische Schiff. Keine Sekunde später warf er seinen Warpkern ab und schoß ein Torpedo auf das fremde Schiff. Der Warpkern explodierte. Er war zu nah an der Aufprallstelle des Torpedos gewesen. Beide Schiffe wurden von einem hellen Feuerball verschluckt.

Als Marok die Augen wieder aufmachte, war von beiden Schiffen nichts mehr zu sehen.

'Never give up, never surrender', dachte Marok. Das war der Lieblingsspruch des Captains gewesen.

'Grübel nicht zu lang, sonst stirbst du noch hier draußen', schalt sich Marok.

Marok wußte, das die Rettungskapsel automatisch auf das nächste Sonnensystem zu hielt. Aber die Planeten sahen aus, als wären sie weit weg.

Den Kurs hätte er vielleicht noch ablesen können, aber wie lange er brauchen würde ... keine Hoffnung. Das bedeutete auch, daß er nicht wußte, wie lange sein Sauerstoff reichen würde.

'Vielleicht stirbst du, nur weil du nicht ordentlich lesen und rechnen kannst.'

Marok blieb nur eins übrig. Er mußte seine Atemluft so gut wie möglich einteilen. Er fing an zu meditieren und versetzte sich in eine Art Stasis, so wie es ihm sein Lehrer beigebracht hatte. Das würde die Zeit zumindest verdoppeln, die er noch zu leben hatte und ihm größere Chancen geben, das nächste System zu erreichen.

--- Shuttle Gint, viel später

Marok fühlte, wie ihm seine Katanas entwendet wurden. Er war noch zu schwach, um sich zu bewegen. Das war eine Folge der Stasis. Warum wußten die Mediziner von Baruun nicht so genau.

'Heute ist es besonders schlimm. Ich kann noch nicht mal meine Zehen bewegen', dachte Marok.

Zwei Paar Hände zogen ihn aus der Kapsel. Er wurde auf den Rücken gelegt und hörte das Summen eines medizinischen Tricorders.

"Sein Herzschlag ist schneller als beim letzten Scan", sagte der Doc.

"Welcher letzter Scan?", fragte Telara.

"Der von Narbo bzw. den Schiffssensoren."

"Ach, richtig."

"Fakt ist: Sein Herzschlag wird laufend schneller. Das Problem ist, ich weiß nicht, ob das gut oder schlecht ist. Dieser Tricorder enthält zwar 80% aller medizinischen Daten von Föderationsrassen, aber zaldianische sind natürlich nicht dabei." Aber noch irgend etwas anderes kam dem Doc komisch vor. Aber er konnte seinen Finger noch nicht darauf legen.

Marok hatte jetzt genug gehört. Er sprang aus dem Liegen in den Stand und öffnete die Augen.

Die gesamte Crew des Shuttles wich zurück.

Marok sah ihn sofort - ein Bakkuun, ein Groß-Ohr. Er hatte diesen Namen selbst erfunden und sich geschworen jeden Bakuun umzubringen, den er treffen würde. Dieser war jedoch erst der Zweite. Seine Haut hatte einen Gelbton und er war klein. Es würde leicht sein ihn zu töten.

Der erste Bakuun war ihm begegnet, als er 14 Jahre alt war; drei Monate bevor er seine Eltern wiedersehen sollte. Es war ein dicker Bakuun gewesen. Er war mit orionischen Sklavenhändlern und Romulanern gekommen. Die Romulaner und die Orioner trieben ein paar der weiblichen Gefangenen zusammen. Seine Freundin Karla war dabei. Marok konnte jedoch nichts tun. Sie waren bewaffnet. Selbst wenn er ein oder zwei hätte niederstrecken können, so wäre er danach erschossen worden. Auf Ramus (dem Gefängnisplaneten der Romulaner) galt ein Leben nicht viel.

Marok mußte zusehen, wie seiner Freundin und den anderen Frauen / Mädchen die Kleider vom Leib gerissen wurden. Der dicke Bakuun grinste, als er sich die Mädchen anschaute. Marok kam die Szene vor wie auf einem Vieh-Markt.

"Ich nehme die da." Der Bakuun zeigte auf Karla.

"Nein", schrien Karla und Marok wie aus einem Munde. Marok hatte sich auf die Sklavenhändler gestürzt. Es gelang ihm einen Romulaner bewußtlos zu schlagen, dann wurde er selbst von etwas getroffen und alles wurde schwarz.

Als er aufwachte, war sein Bein und mehrere Rippen gebrochen. Nur dank seiner Regeneration überlebte er überhaupt.

Er zwang seinen Willen wieder in die Gegenwart.

Silvana sowie alle anderen wichen noch weiter von dem Zaldianer zurück. Sie hatte noch nie soviel Wut und Haß im Gesicht eines Wesens gesehen.

Marok schaute den Bakuun an. "Du mieses Schwein!"

Blitzschnell griff er nach der Kehle des Bakuun und hob den Groß-Ohr in die Höhe.

Narbo war von dem Angriff total überrascht. Er bekam keine Luft mehr und seine Beine hatten den Kontakt zur Erde verloren. Er versuchte diesen Übergeschnappten zu treten.

Marok hörte ein leises Zischen. Dann wurde alles schwarz.

Der Doc schaute seinen Hyposprayer an und blies darüber hinweg, so als hätte er einen Revolver abgefeuert.

Narbo stürzte mit dem Zaldianer zu Boden. Er röchelte und rang nach Luft.

'Hätte ich diesen Bastard doch direkt wieder ins All gebeamt.', dachte Narbo. 'Ich wußte doch, daß er gefährlich ist.'

Als der Fremde aus seiner Ohnmacht erwacht war, war Silvana zurückgewichen um ihn nicht zu einer Kampfhandlung zu provozieren, doch es war nicht nur allein deswegen geschehen. Sie war beeindruckt.

So vollkommen aufgerichtet war der Zaldianer noch beeindruckender als in sitzender Position. Seine Stimme brachte ihren Körper zum Vibrieren. Ihre Augen leuchteten heller denn je, als sie die Energie und den Zorn spürte, die von ihm ausgingen. Sein Körper spannte sich wie eine Sehne, als er plötzlich vorsprang. Das Spiel seiner Muskeln zeichnete sich sehr deutlich unter seinem Kampfanzug ab. Nun erwies es sich auch als richtig ihm die Waffen abgenommen zu haben.

Erst als sie den Hypospray zischen hörte, löste sich die Erstarrung. Irgend etwas war nicht in Ordnung. 'Ach ja, Narbo', dachte Silvana und löste die Umklammerung des Zaldianers von Narbos Hals. Der Ferengi funkelte sie ziemlich böse an, sagte aber nichts, sondern rieb sich nur den schmerzenden Hals. Sie war sich sicher, daß das ein Nachspiel haben würde. Nichts was sich mit ein wenig Platinum nicht bereinigen ließ...

"Gute Reaktion, Doc", meinte sie zu David, der ziemlich zufrieden aussah. Anscheinend war es ihm eine Genugtuung, daß endlich mal der Geist über die Kraft siegte. Währenddessen steckte Telara wieder ihren Phaser ein.

Sofort widmete sich Silvana wieder ihrem "Gast" an Bord. "Der gefällt mir", meinte sie schlicht und ergreifend, während sie den Leblosen zur Seitenwand des Shuttles schleifte und dort ablegte. Fast liebevoll legte sie die Arme neben seinen Körper, nicht ohne den Hintergedanken seine Armmuskeln dabei berühren zu können.

"Wie lange wirkt denn die...?", noch während ihrer Frage, ging ein Ruck durch das Schiff und es ertönte plötzlich wieder ein Geräusch als würde Metall auf Metall schlagen. Doch diesmal folgte noch ein ächzendes Geräusch und ein heftiges Vibrieren des Schiffes, das auf nichts Gutes schließen ließ.

Silvana wandte ihren Blick wieder dem Doc zu ohne eine Mine zu verziehen. "Laß mich die Frage umformulieren... Wieviele Hyposprays hast du noch bei dir...?"

'Was hatte sich dieser Zaldianer nur dabei gedacht?', raste es in Narbos Kopf. Sicher er hatte einige Sachen gemacht, für die er von den richtigen Leuten ohne Bedenken getötet worden wäre, aber diesen Berserker hatte er noch nie in seinem Leben gesehen!

Nachdem er wieder einigermaßen Luft bekam, mußte er auch noch mit ansehen, wie Silvana diesen Idioten mehr oder weniger begutachtete. Ekelerregend! "Hmmm, ist ja super männlich über einen zwei Köpfe kleineren Ferengi herzufallen!", warf er ironisch in den Raum. Anscheinend wollen mehr Leute, als er dachte, früh sterben. Raschkralle war scheinbar schon klar geworden, daß man sich nicht mit den Falschen anlegte. Narbo war vielleicht klein und körperlich fast jedem aus der Mannschaft unterlegen, aber es gab andere Wege, um Menschen zu bestrafen!

'Anscheinend unterschätzen mich einige; Zeit ein Exempel zu statuieren!', überlegte er. Dieser Haufen organischen Abfalls würde den Tag verfluchen, wo er in diese Welt geboren wurde!

"Niemand würgt mich in MEINEM Shuttle, während ich IHM den Arsch rette!", resümierte er laut. Jeder sollte es hören. Das mit Raschkralle war etwas anderes gewesen. Sie hatte einen Grund gehabt, aber dieser Klumpen reiner Dummheit sprang ihn ohne Provokation an! Nein, noch besser, Narbo hatte ihm gerade mit das Leben gerettet!

Wie sagte noch die 285. Regel des Erwerbs: "Einer guten Tat folgt die Strafe auf dem Fuße"

Und nun zerlegte Dumbo auch noch Narbos Shuttle, daß einzige was ihm geblieben war! Blitzschnell sprang er an die nächste Konsole und tippte in hoher Geschwindigkeit einige Befehle ein. Das Riesenbaby war wieder zu sich gekommen und hatte wohl durch das Sedativ einen gewaltigen Brummschädel. Manche Spezies vertrugen die Standard-Mischung nicht besonders.

Während Narbo noch dem Computer Befehle gab, sah ihn Silvana gereizt an. Sie dachte wohl, er würde seine Drohung wahr machen und den Zaldianer einen kleinen Spaziergang im Vakuum spendieren, aber dieser Tod war viel zu gnädig und anonym. Wenn, dann wollte Narbo ihm in die Augen sehen! Und so hüllte sich nur ein Kraftfeld um den Fremden und engte ihn auf dem kleinstmöglichen Raum ein.

Das Feld summte, während der Riese es berührte. Er hielt tapfer stand und versuchte bis zum Ende auszubrechen; mußte aber irgendwann stillhalten.

Seine Kraft war ihm ausgegangen. Regungslos lag er in der Fötus-Stellung auf dem Boden, vom Kraftfeld in dieses enge Korsett gezwängt. Herrisch trat Narbo vor ihn und baute sich direkt vor ihm auf. "Gibt es in deinem Volk den Begriff "Ehre"? Paß auf, daß ich dir nicht noch den letzten Rest nehme!", sagte er ruhig und bestimmt. Alle Blicke lagen auf Narbo. All der angestaute Frust der letzten Tage war aus ihm heraus gebrochen und hatte sich an dem Riesenbaby entladen.

Es war nötig gewesen, allen zu zeigen, daß er sich wehren konnte. Vielleicht würden sie jetzt etwas respektvoller sein. Der Fremde würde ihn zwar für ewig hassen, aber das war ihm zur Zeit egal. Betont lässig ging er zu seinem Terminal zurück und entließ den Zaldianer aus seiner Beschränkung.

Silvana war ziemlich wütend auf den Ferengi, der sich aufführte, als wäre er Gott. In ihrem Inneren tobte ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch. Ärgerlich ballte sie ihre Hände zu Fäusten.

'Warum nur habe ich ihn nicht länger unter akutem Luftmangel leiden lassen? Ein wenig den Mund zu halten, hätte ihm sicher gut getan', dachte sie und sah besorgt zum Zaldianer, der ziemlich geschafft aussah. Trotzdem hoffte sie, daß es nur rein äußerlich war und er noch immer über Kraftreserven verfügte. Genug um seinen "Bakuun" noch einmal zu überfallen. Diesmal würde sie sich aber Zeit lassen, seine Umklammerung zu lösen...

"Bist du ein Mann oder ein Meme, Narbo? Niemand wird hier wem die Ehre nehmen, solange ich in der Nähe bin", knurrte sie in einem sehr tiefen unmenschlichen Tonfall. Unbemerkt war sie hinter Narbo getreten und ihre Hand packte ihn bei der Kleidung über seiner Brust und zogen ihn vom Sitz hoch. "Hast du gehört... niemand...", wiederholte sie leise und beide maßen sich mit Blicken, die töten konnten.

Narbo schnaufte zornig, als sie ihn wieder los ließ und sie nahm sich vor ihn in nächster Zeit besonders im Auge zu behalten. Sicher würde er versuchen sich dafür zu rächen, doch damit konnte sie leben. Sie rechnete auf jedem Planeten auf dem sie schon einmal war mit Racheanschlägen. Und es waren nicht wenige.

"Der Fremde ist nicht zwei Köpfe größer als du. Es sei denn, jemand schrumpelt deinen Kopf auf etwa 15 Zentimeter Größte zusammen... was ich übrigens bei dir für sehr schmeichelhaft halten würde. Für einen Ferengi bist du ziemlich groß, aber deine Ohren ziemlich... klein...", warf sie ihm an den Kopf mit dem festen Bewußtsein, was besonders letzteres für ihn bedeuten mußte.

Danach wandte sie sich von ihm ab, nicht ohne auf der Hut vor einem feigen und verschlagenen Angriff von hinten zu sein und blickte auf Telara, die unschlüssig neben dem Arzt stand. "Worauf wartest du denn noch!? Kümmer dich lieber darum, festzustellen, ob wir mit dem Shuttle wieder das Schiff erreichen."

Telara verbiß sich eine bissige Bemerkung und machte sich an die Arbeit. Sie hatte ohnehin keine Lust mehr noch längere Zeit in dieser schlechten Gesellschaft zu verbringen. 'Der Ferengi ist schon übel genug und jetzt auch noch diese Amazonenkönigin und ihr... ihr...' Telara fiel vor lauter Ärger gar kein Wort ein.

Ihr Blick traf sich mit dem von David. Für einen Moment glaubte sie Übereinstimmung darin zu erkennen. Auch er konnte scheinbar dem Schiff und seiner Crew nichts abgewinnen.

'Gleich nach unserer Ankunft an Bord, werde ich mit David reden. Ich jedenfalls habe keine Lust mehr hier die ganze Dreckarbeit zu machen und das unter einem Captain, der so verrückt ist mit ein paar Leuten einen riesigen Schrotthaufen zu fliegen.'

Der Ferengi schien sie an der technischen Überprüfung hindern zu wollen, doch sie stieß ihn einfach beiseite. Ihr war klar, daß sie sich auf David verlassen konnte, wenn es hart auf hart kam und das wußte sicher auch der Ferengi.

--- Brücke

Nachdem die anderen ins Shuttle gestiegen waren, ging die Katze zur Brücke und hielt das Schiff an Ort und Stelle. Außerdem lauschte sie interessiert den Meldungen, die über das Komm kamen. Sie hatten in der Kapsel also jemanden gefunden. Interessant!

Vom Captain hörte sie sonst nichts weiter. Jedoch flackerte ab und zu ein Licht auf der technischen Konsole, daher nahm sie an, daß er einiges reparierte.

Sie hielt alles an Nahsensoren, was da war, auf das Shuttle und scannte weiterhin passive die Umgebung. Einige Sensoren schienen tatsächlich wieder zu funktionieren, zumindest waren die ermittelten Daten nicht mehr so unwahrscheinlich. Aber Raschkralle war weiterhin besorgt.

Wenn sie jetzt von einer Starfleet Patrouille entdeckt würden, dann würde sie wohl bis ans Ende ihrer Tage in einem Gefängnis zubringen. Schmuggelei war schon nicht gern gesehen, aber der Verstoß gegen die erste Direktive...
Raschkralle scannte erneut die Umgebung.

--- Maschinenraum

Slade hatte einige Sachen, die er für wichtig hielt, inzwischen notdürftig repariert, unter anderem das Kom-System. Cassandra spielte mit ein paar isolinearen Chips, und leider mußte er ihre Türme ein paar mal zum Einsturz bringen, weil sie ausgerechnet diese hübschen gelben Chips grundsätzlich als Fundament nahm.

Er nahm sich vor, die Kommunikation von der Brücke auszutesten, wo Cassandras Babysitterin sicher schon voller Ungeduld auf sie wartete.

--- Brücke

Dort ließ er sich im Captainssessel nieder, nachdem Cassandra ihre Lieblingsmiezekatze wieder hatte. Er fragte: "Irgendwelche besonderen Vorkommnisse?"

Raschkralle antwortete mühsam, weil die Kleine offenbar versuchte, ihr den Schwanz auszureißen: "Telara hat mir eben einen kleinen Bericht durchgegeben. Sie haben die Kapsel an Bord geholt, und Silvana hat sie gleich geöffnet. Daraufhin ist der Insasse wild geworden, und hat Narbo fast kalt gemacht."

Jean erwiderte: "Ein zabatanisches Gesetz besagt, daß bei Ableben einer Person ihr Hab und Gut augenblicklich in den Besitz des Captains übergeht. Dieses Gesetz kann dann Anwendung finden, wenn sich das Schiff in zabatanischem Hoheitsgebiet befindet."

Slade fragte mechanisch: "Wie weit ist es mit unserer augenblicklichen Geschwindigkeit dorthin?"

Jean antwortete: "Achtundzwanzigmillionensiebenhunderteinundvierzigtausendneunhundertdreiundzwanzig Jahre, Sir."

Slades Augen weiteten sich, schüttelte dann aber resignierend den Kopf: "Wie weit ist es mit unserer augenblicklichen MAXIMALgeschwindigkeit dorthin?"

Wieder kam Jeans Antwort: "17 Tage, 12 Stunden, 31 Minuten, Sir."

Slade murmelte: "Zu lang." Dann ging ihm auf, daß sie hier über die möglichen Hinterlassenschaften eines noch lebenden Crewmitgliedes sprachen. Er schüttelte den Kopf, damit es diesem Gedanken möglichst unangenehm an seinem jetzigen Platz würde. Er wechselte schnell das Thema: "Einen sicheren Kanal zu Drema III öffnen."

Der Bildschirm erhellte sich und ein Bajoraner erschien: "Na, wenn das nicht Slade Szelesem ist. Ich freue mich, daß wir uns einmal kennenlernen. Wann genau kommen Sie an?"

Slade war so überrascht, seinen alten Handelspartner nicht anzutreffen, daß er sogar vergaß nach dem Namen des Bajoraners zu fragen. "Wir werden uns noch einmal ein wenig verspäten, weil wir mit einer Rettungskapsel kollidiert sind. Was ist auf Drema passiert?"

Der Bajoraner antwortete: "Die Mine hat bisher nicht rentabel gearbeitet, und deshalb haben wir vom Maquis sie übernommen und uns hier einen kleinen Stützpunkt eingerichtet. Dadurch haben wir einen stetigen Nachschub an Dilithium, durch den Verkauf eine gute Einnahmequelle und zudem einen Stützpunkt, der nur schwer auszuheben ist. - Ich habe jetzt leider zu tun. Sie werden erwartet, und werden keine Probleme mit der Landung haben. Ende."

Der Bildschirm wurde schwarz.

--- Shuttle

Schwarzes, kaltes Nichts erblickte Narbo, als er aus dem Fenster sah. Zum Glück hatte sich das knirschende Geräusch nur als eine verbogene Querstrebe erwiesen! Also nichts was übermäßig teuer zu ersetzen war! Narbo atmetet tief durch. Sein Plan hatte zwar nicht funktioniert und anscheinend würde es ihm auch nie gelingen sich Respekt zu erwerben! Das einzige was er sich auf dieser Reise bisher erworben hatte, waren Feinde.

'Mein Leben ist ein mieser Abklatsch meiner Möglichkeiten!', faßte er bitter zusammen. Er hatte keine Ehre, womit er gerade so leben konnte; keine Freunde, was ihn traurig und wütend zugleich machte. Das hätte er zwar nie zugegeben, aber es war so. Aber das schlimmste war, daß er keinen Besitz hatte, außer diesem Shuttle und seines Inhaltes.

Solch emotionalen Anfälle hatte Narbo schon öfters gehabt, aber mittels Medikamenten verdrängte er sie in sein Unterbewußtsein. Nur selten konnte er sich nicht beherrschen. Außerdem ging ihm zur Zeit das Mittel aus, weshalb er immer öfters in Gefühlswechsel kam, die eigentlich nur Weibliche bekommen sollten. Der Ärger über seine Probleme machte ihn noch aggressiver und selbstzerstörerischer.

'Ich werde wohl demnächst der Krankenstation einen Besuch abstatten!', faßte er einen Plan. Natürlich würde es auffallen, aber er würde geschickt genug vorgehen können, um "die Erlösung" unerkannt zu bekommen . 'Vorausgesetzt ich bringe mich vorher nicht in einem manisch - depressiven Anfall selbst um!', fügte er grinsend hinzu. Erleichtert merkte Narbo, daß wenigstens sein Humor ihn nicht verlassen hatte. Ein gutes Zeichen.

Während die Trill immer noch mit Reparaturen beschäftigt war, ging Narbo schon wieder in den Landeanflug über. Um so schneller er aus der Gegenwart dieser Personen kam, desto besser! Es gab nur zwei Möglichkeiten: Entweder würden alle sich zusammenreißen; sich vertragen und respektieren oder es würde bald Krieg geben!

Narbo wollte auf keinen Fall dann der Verlierer sein!

--- hinterer Teil des Shuttles

Während Telara die technische Überprüfung durchführte, kümmerte sich Silvana um den doch etwas kraftlosen Zaldianer. Der Fremde schien doch stärker angegriffen zu sein, als sie zunächst vermutet hatte. Er schien sich immer noch von den anstrengenden Auswirkungen der ganzen Sache zu erholen. Er hustete.

David hatte noch nie ein Lebewesen getroffen, das kurz vor dem Tod stand, dann ein Sedativ bekam, gegen ein Kraftfeld kämpfte und immer noch bei Bewußtsein blieb. Dieser Zaldianer war einfach unglaublich.

"Narbo, kann ich dich einen kurzen Moment sprechen?" David zog den Ferengi in eine ruhige Ecke des Shuttles.

Narbo nickte.

"Was ich dir jetzt sage, ist von entscheidender Bedeutung." David flüsterte so leise er konnte. Da er jedoch direkt neben Narbos Ohr stand, würde dieser jedes Wort verstehen.

"Ich habe bei dem Zaldianer zwei enorme Adrenalinausstöße registriert ... Der erste war so ungefähr zu dem Zeitpunkt, als er dich gesehen hat."

Der Doktor sah Narbo an, dann fuhr er fort. "Ich habe es zuerst auf seine Wut geschoben, aber dann ... dann hat er in deinem Kraftfeld gekämpft und seine Andrenalinwerte waren abnorm hoch ... Narbo ... er hat Todesängste ausgestanden."

"Zaldianer sind sehr ruhige Wesen. Temperamentvoll, zugegeben, aber dieser Mann muß in dir den Teufel persönlich gesehen haben."

"Es kann sich nur um ein Trauma handeln." ... "Aber egal was es auch ist ... er kann in seiner Angst sehr gefährlich für dich werden."

David drehte sich noch mal zu den anderen um. Als er sich wieder Narbo zugewandt hatte, sprach er leise weiter: "Ich weiß, daß er dich scheinbar ohne Grund angegriffen hat, aber es gibt einen sehr guten Grund. Provoziere ihn nicht und versuche ihm aus dem Weg zu gehen. Ich werde rausfinden, was los ist."

--- vorderer Teil des Shuttles

Marok fühlte, wie sanfte Hände ihn aufrichteten. Silvana hatte ihm etwas Wasser mitgebracht. Er trank gierig. Dabei schaute er sie an.

'Er ist wirklich ein Zaldianer. Kein Mann von der Erde würde mich mit soviel offener Bewunderung ansehen.' dachte Silvana.

Marok betrachtete sie. Alles an ihr strömte Autorität und Stärke aus. Sie hatte einen durchtrainierten, wohlgeformter Körper.

'Genau wie die Frauen auf Baruun. Ob sie wohl auch so gut kämpfen kann?'

"Warum hast du Narbo angegriffen?" fragte sie ihn

"Narbo?"

"Den Ferengi."

"Ferengi?"

Silvana zeigte auf Narbo.

"Der Bakuun? Ich habe ihn angegriffen, weil er ein Sklavenhändler ist."

Silvana war geschockt. 'Narbo ... ein Sklavenhändler.'

"Du kennst ihn?"

Marok schüttelte den Kopf. "Sein Bruder hat meine beste Freundin gekauft. Er hat mit orionischen Sklavenhändlern gemeinsame Sache gemacht."

Silvana wollte das nicht glauben. Sie traute Narbo einiges zu, aber Sklavenhandel?

"Narbo ... Hast du einen Bruder?"

"Was geht dich das an, Mensch?" schnappte der Ferengi.

"Der Zaldianer ... " sagte sie laut, aber ihre Stimme verlor sich.

"Wie heißt du eigentlich?" fragte sie leise.

"Marok ... Marok Dudras."

"Silvana Farnside."

Nachdem sie sich vorgestellt hatten, nahm sie ihr Gespräch mit Narbo wieder auf. "Marok hier sagt, das dein Bruder Sklavenhandel betreibt."

"Er sagt WAS? ... Dieses miese Stück Sch... Ich hätte das Kraftfeld doch unter Strom setzen sollen. Was wagst du es meine Brüder zu beleidigen ..."

Der Doktor stieß Narbo an. "Das habe ich NICHT gemeint, als ich sagte, du solltest ihn nicht provozieren." zischte der Doktor.

'Marok, heißt er also', dachte Silvana noch immer beeindruckt und lächelte. Er schien eine schier unbändige Kraft in sich zu vereinen, die sich weder von einem Kraftfeld noch von einer Betäubung fesseln ließ.

Als ihre Blicke sich trafen stellte sie fest, daß sie unwillkürlich errötete. Sofort versuchte sie das Gespräch auf ein anderes unverfängliches Thema zu lenken.

"Ich denke, du unterliegst da einem Irrtum was unseren Ferengi, also deinen Bakuun, betrifft. Nicht nur das er dir das Leben gerettet hat, weil er dich so schnell wie möglich an Bord gebeamt hat - nicht das ich ihm eine andere Chance gelassen hätte", beeilte sich Silvana hinzuzufügen. "Und ich ihm traue ihm einiges an Niedertracht zu, aber... Sklavenhandel...?" Sie schüttelte bestimmt den Kopf. "Nein, das wiederum nicht."

Marok wollte etwas einwerfen: "Aber..." Doch sie ließ ihn erst gar nicht zu Wort kommen. Trotzdem senkte sie ihren Ton etwas, daß die anderen nichts von ihrer weiteren Unterhaltung verstanden.

"Unser Ferengi hier an Bord ist nicht der einzige seiner Rasse. Es gibt noch abertausende von ihnen und alle sind gleich verschlagen und hinterlistig. Bereit dir das Messer in den Rücken zu stoßen, wenn es ihnen nur genug Profit abwirft. Und wenn du mich fragst... ich finde sie alle gleich häßlich und abstoßend."

Sie sahen sich in stillen Einverständnis an und Silvanas Herz klopfte noch eine Spur schneller, als er ihren Arm griff und sie noch ein Stück näher an sich heranzog.

"Trotzdem werde ich ihn ganz genau im Auge behalten und jede seiner Bewegungen verfolgen. Es mag viele seiner Art geben und doch ist es einer von ihnen gewesen. - Warum also nicht sein Bruder?" Das war ein durchaus logischer Einwand wie Silvana sich eingestehen mußte und sie beschloß das Thema vorerst auf sich beruhen zu lassen und in eine andere lohnendere Richtung zu treiben.

Außerdem beunruhigte sie seine Nähe mehr als sie sich eingestehen wollte. Sie atmete tief ein und stellte fest, daß sein Geruch sie faszinierte und berauschte. Er war eine Mischung aus Mann, Abenteuer, Stärke und... und... sie konnte es nicht beschreiben. Aber diese Mischung zog sie in ihren Bann und sie hatte Mühe sich selbst und ihre Gedanken unter Kontrolle zu halten.

"Du bist ziemlich weit von dem Heimatplaneten der Zaldianer entfernt, sofern ich weiß. Und da wir dich in einer Rettungskapsel im All treibend gefunden haben, nehme ich mal an, daß du derzeit ohne jede Verpflichtung bist. - Habe ich recht?" Fragend blickte sie in seine hellgrauen Augen und verlor sich für einen Augenblick darin. Tauchte ein in eine Seele, die ihr seltsam vertraut vorkam. Dann ermahnte sie sich zur Vernunft und mußte feststellen, daß es ihr unheimlich schwer fiel ihre Gefühle zu ordnen.

Sie räusperte sich und versuchte nach außen hin den Anschein zu erwecken, als wäre es die natürlichste Sache der Welt sich um ihren "Gast" zu kümmern. Das Tier in ihr, welches Dr. Farnside ihr ins Reagenzglas gelegt hatte, kämpfte mit der Frau, die sich nun regte. Und doch schienen beide in ihr das selbe zu wollen. Marok.

"Ja, du hast recht", sagte Marok plötzlich und Silvana erschauerte wohlig, als seine tiefe angenehme Stimme sie mitten aus ihren Gedanken riß. Sie hatte inzwischen fast wieder vergessen was sie ihn vorher gefragt hatte.

"Wenn das so ist, würde ich mich gerne bei Slade dafür verwenden, daß du bei uns an Bord bleiben kannst. Du mußt wissen, daß der Captain des Schiffes schwer in Ordnung ist. Nachdem, wie ich ihm meine Rettung ziemlich übel gedankt habe, hätte mich jeder andere ohne Bedenken aus der Luftschleuse werfen lassen. - Es scheint, als hätten wir eine Menge gemeinsam." Silvana lächelte wegen des sonderbaren Zufalls. Als Marok ihr Lächeln erwiderte und sich ihre Gesichter sehr nah waren, kämpfte Silvana mit dem Wunsch ihre Lippen auf die seinen zu pressen.

'Was soll das? Was ist plötzlich in mich gefahren?', schlugen alle Alarmglocken in ihr an. 'Ich habe weder Angst vor dem Tod noch vor meinen Feinden. Und doch fürchte ich mich im Moment mehr als ich zugeben will.' Hastig wandte sie ihr Gesicht in Richtung Narbo um wenigstens etwas Distanz zwischen Marok und sich zu bringen.

"Narbo, wann sind wir endlich auf der Privateer?", fragte sie mit allem anderen als einer festen Stimme. Erschrocken verstummte sie.

"Telara ist doch gerade erst fertig geworden." grummelte Narbo.

Er setzte sich an die Kontrollen und startete das Shuttle Richtung Shuttlehangar.

Telara hatte bei ihrer technischen Überprüfung festgestellt, daß die Trägheitsdämpfer des Shuttles ein kleines Problem hatten. Sie hatte es korrigiert. Jetzt sollten eigentlich weniger dieser "Aussetzer" passieren, die Narbo als normal hingestellt hatte.

Sie freute sich auf ihre kleine Tochter. Was würde sie jetzt für ein Vollbad geben. Ob es auf der Privateer wohl ein Holodeck gab? Und ob es funktionieren würde?

Wenn sie auf dem Schiff zurück war, würde sie sich erstmal eine richtige Dusche gönnen. Keine schnelle (effektive) Ultraschalldusche, sondern eine mit richtigem Wasser.

'Hmmm, das wird mir gut tun', dachte sie.

Marok betrachtete Silvana noch mal eingehend. Er fand sie sehr attraktiv. Er war sich allerdings nicht sicher, ob er ihr das sagen sollte. Auf Baruun wäre das kein Problem gewesen. Aber Menschen reagierten auf Komplimente oft unsicher.

Ein guter Freund hatte ihm das mal erklärt: "Marok, wir Menschen vermuten hinter einem Kompliment manchmal Ironie oder Spott. Es ist zwar schade, aber er wird uns auf persönlicher Ebene oft nichts Positives gesagt."

'Wenn ich ihr sage, daß ich sie anziehend finde, fühlt sie sich vielleicht belästigt und es gibt noch mehr Ärger', dachte Marok.

Er studierte erneut eingehend ihre Figur. Marok war froh, das er nicht in Phase war, andernfalls hätte er sie eben (als sie so nah bei ihm war) an sich gezogen und geküßt. Worauf sie ihm wahrscheinlich eine Ohrfeige verpaßt hätte.

Das war ihm passiert, als er das erste Mal von einer Ärztin in einer Raumstation der Föderation behandelt worden war. Er war in Phase und sie hatte ein technisches Gerät hinter seinem Ohr anbringen wollen. Ihr Geruch hatte ihn wahnsinnig gemacht. Also hatte er zu sich hingezogen und sie geküßt. Sie war darüber total empört gewesen, hatte ihm eine geknallt und gesagt, er solle öfters mal kalt duschen.

Wenn Silvana schon in seiner Anti-Phase so stark auf ihn wirkte, dann wollte er lieber nicht wissen, was in ca. 2 Wochen passieren würde. Denn in spätestens 2 bis 3 Wochen würde seine nächste Phase beginnen. Sie war längst überfällig.

Er mußte Silvana vorher warnen, aber als erstes mußte er sich über die Ferengi informieren. Vielleicht hatte er dem Bakuun wirklich unrecht getan. Er haßte ihn immer noch von ganzem Herzen. Aber wenn er unschuldig war, so hatte Marok durch seine Attacke seiner Freiheit bzw. dem Recht auf körperliche Unversehrtheit unbegründet geschadet. Noch dazu mußte die Wahrheit ans Licht gebracht werden. Das war Maroks Pflicht.

Während Marok grübelte, setzte das Shuttle im Hangar auf.

Während Narbo die schwierige Landung vollführte - immerhin konnten sie sich nicht auf einen Leitstrahl verlassen - überlegte er, ob Marok nicht vielleicht Recht hatte: 'Meinen Brüdern würde ich Sklavenhandel zutrauen. Schließlich ist es ein sehr profitables Geschäft!' Narbo war es stets zu aufwendig gewesen. Außerdem wußte er innerlich, wie es war, wenn man erniedrigt wurde. Er wußte es wahrscheinlich besser, als jeder andere hier an Bord.

Weil er es für angemessen hielt und seine emotionale Phase langsam zu Ende ging, wandte er sich also an den Zaldianer, nachdem das Shuttle sicher stand: "Hey du, Marok! Zu meinen Brüdern: Natürlich ist es möglich, daß einer meiner Brüder Sklavenhändler geworden ist, aber ehrlich gesagt, interessiert mich das einen Scheiß! Ich kann weder etwas für ihr Handeln noch liegen sie mir am Herzen! Das war's eigentlich was ich sagen wollte."

Natürlich erwähnte er nicht, weshalb er seine Brüder nicht mochte. Sie verkörperten für Narbo seinen Vater, da sie es geschafft hatten in dessen Fußstapfen zu treten, während Narbo selbst aus der Ferengi-Gesellschaft ausgeschlossen war.

Jeder Fremde lag ihm mehr am Herzen als seine Brüder, seine Familie. Narbo hatte sich vor Jahren vorgenommen, alle zu töten, die mit ihm verwandt waren, aber seit er ins Exil verbannt war, hatte er Ferenginar nie wieder betreten!

Innerlich mußte Narbo lachen: Er wurde stellvertretend für seine Spezies bestraft, obwohl diese ihm ferner war als jede andere. 'Aber woher soll Riesenbaby das auch wissen!', überlegte er. Langsam fand Narbo immer mehr, daß es Zeit wurde, reinen Tisch zu machen, wenn sie zurück kamen! Nachdem er das Medikament hatte, versteht sich!

Silvana erschauerte, als sein warmer Atem ihren Hals streifte. Fast abrupt sprang sie auf die Beine. Sein Blick ruhte auf ihr, daß sie ihn direkt körperlich spürte. Sie hatte das Gefühl, daß es nicht der Blick eines Fremden, eines Freundes oder gar eines Feindes war. Sondern der eines Mannes...

Ein heißes Gefühl machte sich in ihrer Bauchgegend breit und breitete sich in noch heißeren Schauerwellen über ihren gesamten Körper aus. Sie war froh, als eine Erschütterung durchs Shuttle ging, als sie endlich an der Shuttlerampe der Privateer anlegten. Das gab ihr Gelegenheit sich an der Wand des Shuttles festzuhalten. Alles in ihr war so aufgewühlt, daß sie Angst hatte nach außen hin eine Schwäche zu zeigen.

'Wenn ich nur wüßte, was er von mir denkt', sagte sie sich. 'Noch nie waren meine Empfindungen derart stark ausgeprägt in dieser Hinsicht. Was gäbe ich dafür jetzt eine Betazoidin zu sein...'

Sie wollte einen Vorwand erfinden, der sie recht rasch aus der Nähe Maroks brachte, damit sie sich wieder sammeln konnte, doch der Blick seiner Augen war so bestechend und seine männlichen Lippen so verlockend, daß sie sich ihnen einfach nicht entziehen konnte und sich gegen ihren Willen sagen hörte:

"Marok, ich bringe dich jetzt zu Slade. Er erwartet uns nach Telaras Funksprüchen sicher schon voller Ungeduld. - Nicht immer trifft man einen Passagier mit dem.. Sichtschirm." Sie wollte einen Scherz machen, doch niemand lachte. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach.

'Was denkst du nur, Marok? Sag mir nur was...?'

Abwartend ging Silvana zum Ausstieg und wollte auf Marok warten, doch der war ihr in der Zwischenzeit gefolgt und schon hinter ihr. So stieß er gegen sie, als sie plötzlich stehen blieb und sich nach ihm umdrehte. Da sie dadurch das Gleichgewicht verlor und aus dem Shuttle zu fallen drohte, umfaßte er ihre Taille und hielt sie fest. Dabei preßte er sie fast besitzergreifend an seinen Körper.

Für einen Moment waren sie sich näher als nah. Das Blut pochte in Silvanas Ohren. Instinktiv hatte sie sich an seinen muskulösen Oberarmen festgehalten.

Ihre Augenlider wurden schwer und ihre Arme wollten sich um seinen Hals schlingen. 'Küß ihn!', schrie alles in ihr. 'Vergiß alles andere. Lebe den Augenblick. Du willst ihn doch. Du willst ihn mehr als alles andere...' Doch sie schüttelte nach einer kurzen Schwäche diese Gedanken ab und brachte wieder Distanz zwischen ihn und sich.

Gerade wollte sie ein schlichtes "Danke" für seine Tat murmeln, da fiel ihr ein, daß sie gehört hatte, daß Zaldianer Höflichkeit nicht gerade mochten, also sah sie ihm nur in die Augen und schwieg. Danach drehte sie sich um und kletterte aus dem Shuttle.

--- Shuttlerampe

Der Enge des kleinen Shuttles entkommen, streckte sie sich wie eine Katze und genoß es seinen wachen Blick auf jeden Zentimeter ihrer Haut zu spüren.

Nachdem auch Narbo aus dem Shuttle gekommen war, versicherte er sich, daß niemand noch drinnen war. Sicher ist sicher! Beim Heraustreten hatte er sich an Silvana und Riesenbaby Marok vorbeischieben müssen, da diese heftig balzend den Weg versperrten.

'Hormongesteuerte Irre!', fluchte er bei sich und lachte gleichzeitig über die Ungeschicklichkeit, mit der die beiden vorgingen! 'Zum Glück muß ich mich nicht mit diesem Mist beschäftigen!', seufzte er bei sich. Er hatte wahrlich genug zu tun. Vor allem wollte er am Leben bleiben, was zur Zeit schwer genug war!

Narbo versicherte sich noch kurz, daß seine Ladung gut gesichert in der Shuttlerampe stand und nicht angerührt worden war. Danach flüchtete er beinahe aus dem Raum, weniger wegen der Feindseligkeit von Marok, sondern eher wegen dem Balzverhalten, welches die beiden an den Tag legten.

--- Im Gang

'Ist ja widerlich!', dachte er bei sich, als das Schott ihn endlich von den anderen trennte. Erleichtert überlegte er, was er mit dem restlichen Tag machen wollte.

"Als erstes geht's zur Krankenstation!", sagte er, obwohl niemand es hören konnte. Bei dem nächsten Terminal machte er halt und vergewisserte sich, daß niemand ihn beobachtete.

"Computer, nenne den Aufenthaltsort von Beal! Aber hurtig!", ranzte er das Gerät an. Narbo meinte beinahe einen negativen Ton in der Stimme zu hören, als die "Frau" antwortete: "David Beal hält sich in seinem Quartier auf."

Diese wertungsfreie Antwort erleichterte ihn sehr. Weitere Stunden zu warten, hätte die Hölle bedeutet und so begab er sich auf kürzestem Weg zur Krankenstation.

--- Krankenstation

Erstaunlicherweise hatte der Computer die richtige Auskunft gegeben, denn auf der medizinischen Station war keiner zu sehen! Nach einer Phase der Orientierung fand Narbo einen Schrank in dem die Psychopharmaka waren. Seine Ohren spiegelten sich in dem Glas und Narbo fand sie keineswegs klein, wie die Weibliche behauptet hatte. Aber sollte sie doch denken, was sie wollte! Narbo hatte wichtige Geschäfte zu erledigen!

Eine gewisse Hektik erfüllte Narbo und er konnte es langsam nicht mehr erwarten, das Ketotifen-Salicyl zu bekommen. Nach wenigen Sekunden lagen viele andere Patronen und Tabletten auf dem Boden und einige gingen unter Narbos Stiefeln kaputt, was ihn nun nicht mehr kümmerte.

Triumphierend hielt er das Ziel seiner Suche in die Luft. Grünlich schimmerte die Flüssigkeit in der Ampulle und der Ferengi steckte sie schnell weg. Als er sich des Chaos bewußt wurde, entschloß er sich zu verschwinden.

--- Narbos Quartier

Als sich das Schott hinter Narbo schloß, hatte er es geschafft! Aber bevor er es injizieren konnte, mußte es in die Replikatordatenbank überspielt werden. Er wollte nicht dauerhaft von diesen Ausflügen abhängig werden!

Als der Computer des Schiffes die Zusammensetzung analysiert und in der Datenbank von Narbos Shuttle gespeichert hatte, konnte er es endlich verabreichen. Nervös und mit zitternden Händen setzte er sich das kühle Gerät an den Arm und ließ das Mittel mit einem Zischen entweichen. Augenblicklich fühlte Narbo eine Ruhe in sich aufsteigen, die sowohl Angst, als auch Zweifel verdrängte.

'Jetzt muß ich nur noch die Spuren des Überfalls verwischen!', dachte er, während der Replikator seine Kleidung desintegrierte.

--- Shuttlerampe

David hatte, als er aus dem Shuttle ausgestiegen gewartet, bis er mit Telara kurz alleine war. Nach einer kurzen Beratung waren sie sich einig, daß sie bei der nächstbesten Gelegenheit von Bord gehen würden.

David ging noch schnell in die Krankenstation um seine Sachen, die er vorsichtshalber dort verstaut hatte, wieder einzupacken.

--- Weg zur Krankenstation

Kurz bevor er um die Ecke bog, hatte er den Eindruck, daß sich die Tür der Krankenstation zischend öffnete oder schloß, aber er schob diese Wahrnehmung auf seine im Moment überreizten Nerven. Dann betrat er die Krankenstation, als sein Kommunikator zirpte.

--- Brücke

Slade hatte die Landung des Shuttles beobachtet, und als die Schotten dicht waren, gab er Raschkralle die Anweisung, den alten Kurs wieder aufzunehmen.

Nun stellte er eine Komverbindung mit David her und sagte: "Ok, David, vorletzte Möglichkeit zum Aussteigen. Shane liegt dicht vor uns, und danach gibt es nur noch einen kleinen Maquis-Stützpunkt, den wir anfliegen. Möchtest du raus, oder bleibst du hier?"

Die Antwort kam nachdenklich: "Nein, wir werden bei der nächsten Gelegenheit aussteigen. Telara, Cassandra und ich. Ich habe mit Telara geredet, und ihr gefällt es hier auch nicht. - Hm, Maquis-Stützpunkt hört sich wesentlich besser an als dieser kleine Weltraumbahnhof. Ich glaube für Telara zu sprechen, wenn ich sage, daß wir da raus wollen. Nur für die Passage können wir nichts bezahlen."

Slade hatte mit so etwas zwar gerechnet, aber trotzdem war er ein wenig enttäuscht. Darüber hinaus konnte er jetzt nur noch hoffen, daß unter den Leuten, die sich auf Drema für sein Schiff entschieden hatten, mindestens ein guter Techniker war. Und ein Arzt wäre ebenfalls extrem wichtig, so wie er seine Mannschaft einschätzte...

"Vergiß es", antwortete er. "Du hast mir das Leben gerettet, und Telara diesen Schrottkahn einigermaßen wieder auf Trab gebracht. Wir sind quitt. Legt euch noch was aufs Ohr, in etwa acht Stunden sind wir da. Slade End...."

"Einen Moment noch", unterbrach David ihn. "Ich habe hier auf der Krankenstation eine seltsame Entdeckung gemacht..."

--- zur gleichen Zeit, Weg zur Brücke

Marok dachte an den Vorfall in der Shuttlerampe / Hanger. Es war ein enormes Gefühl Silvanas schlanke Taille zu halten. Er hielt auf dem Weg zum Captain Abstand von ihr. Es hatte auf Baruun schon Fälle gegeben, wo die Phase durch einen Kuß oder eine erotische Berührung ausgelöst wurde. Das wollte Marok auf jeden Fall verhindern.

--- Brücke

Auf der Brücke angelangt, bekamen Silvana und Marok noch den Rest eines Gespräches des Captains mit.

"Ich komme gleich runter, David. Slade Ende."

"Willkommen auf der Privateer!" begrüßte Slade den Fremden.

Maroks Gesicht verfinsterte sich. Aber der Anticaner kannte ihn noch nicht und er war der Captain, ein Angriff wäre deswegen nicht ratsam gewesen.

Silvana übernahm die Initiative. "Das ist Marok Dudras, ein waschechter Zaldianer vom Planeten ..."

"Baruun", ergänzte Marok.

"Freut mich Sie kennenzulernen." erwiderte Slade automatisch. Er streckte dem Zaldianer die Hand hin. Plötzlich wurde ihm bewußt, was er tat ...

'Keine Höflichkeiten.' fuhr es ihm durch den Kopf. Schnell zog er die Hand zurück. Er mußte ganz direkt formulieren ohne die üblichen Umschweife oder Verklausulierungen. "Ich bin Slade Szelesem, der Captain des Schiffes. Wir sind im Moment etwas schwach besetzt und können jede Hilfe gebrauchen. Sind Sie bereit uns zu helfen?"

"Ja."

"Ihr Anteil von dem Verkauf unserer Waren, bestimmt sich nach Ihrer Leistungsfähigkeit an Bord des Schiffes. Wir werden in drei Monaten festlegen, wieviel das sein wird. Bis hier hin Fragen?"

"Nein."

'Er will nicht wissen, womit ich Handel betreibe?! Ungewöhnlich ...', dachte Slade.

"Was sind Ihre Fähigkeiten?"

"Ich habe auf Schiffen immer als Scout auf Außenmissionen oder in der Sicherheit gearbeitet. Ich bin Träger des Elp." Marok sagte das so, als wäre es das Natürlichste von der Welt.

Slade hatte keine Ahnung, was das bedeutete, aber Jean-Luc würde es wissen.

"Gut, ich werde mich mit meiner Sicherheitschefin Silvana abstimmen, ob wir Sie verwenden können oder nicht. Aber ich denke, gegen eine dreimonatige Probezeit ist nichts einzuwenden." Er sah Silvana fragend an.

Silvana nickte nur zustimmend.

"Dann ist alles erledigt. Jean Luc gibt Ihnen einen Kommunikator und wird Ihnen sagen, wo Ihr Quartier ist." Slade zeigte auf den Androiden.

So effektiv hatte Slade schon lange mit niemandem kommuniziert. Aber es war auch ungewöhnlich.

Marok drehte sich ab, während Silvana und Slade noch leise miteinander sprachen. Der Zaldianer hielt auf Jean Luc zu.

"Jean Luc, haben Sie detaillierte Dateien über Ferengi?"

"Ja, Sir."

"Nennen Sie mich bitte nicht 'Sir' ... Wissen Sie wie viele Ferengi es ungefähr gibt?"

"Schätzungsweise 5 bis 10 Milliarden."

"Sehen sich alle ähnlich?"

"Spezifizieren Sie die Frage."

"Gibt es Unterschiede im Aussehen, so wie bei den Menschen oder uns Zaldianeren?"

"Ja."

'Dann habe ich einen Fehler gemacht.' dachte Marok.

"Geben Sie mir einen Kommunikator und beschreiben Sie mir, wo mein Quartier liegt."

Der Androide tat wie ihm geheißen.

Marok verließ die Brücke.

--- Turbolift / Gang zum Quartier

Als Marok den Turbolift betreten hatte, aktivierte er den Kommunikator: "Dudras an Narbo. Ich habe einen Fehler gemacht."

"Jetzt nicht." erwiderte der Ferengi.

"Es dauert weniger als eine Minute."

"Ok, was willst du?"

"Als ich Sie angegriffen habe, war ich fälschlicherweise der Meinung, Ferengi wären selten und Sie, oder einer Ihrer Verwandten hätte etwas mit dem Sklavenhandel zu tun, der auf einem Gefängnisplaneten von den Romulanern betrieben wurde." ... "Sie sind erst der zweite Ferengi, der mir begegnet ist. Der Angriff als solcher stellt eine Beeinträchtigung Ihrer Freiheit und Ihrer Rechte dar. Er ist somit unverzeihlich. Ich werde mich jeder Strafe stellen, die Ihnen angemessen vorkommt ... vorausgesetzt, sie wird keine bleibenden Schäden bei mir hinterlassen. Dudras Ende."

Es war nicht mehr weit bis zu Maroks Quartier. Er freute sich auf sein Bett und den Schlaf, den er dringend benötigte.

'Hoffentlich träume ich nicht zuviel von dieser Silvana', dachte er.

--- Narbos Quartier

Narbo dankte allen höheren Mächten die es gab. Hätte er nicht das Mittel injiziert gehabt, wäre der Inhalt seines Mundes, eine Suppe aus speziellen Schnecken, wohl im ganzen Zimmer verteilt gewesen. Hatte der Fremde eben wirklich um Verzeihung gebeten? Zuerst dachte Narbo, es handle sich um eine Falle oder einen Scherz, aber als er die Föderationsdateien durchforstet hatte, fand er die Information, daß Zaldianer kaum zu Lügen griffen.

'Er scheint es also wirklich ernst zu meinen!', grübelte er. Wie konnte ein Humanoid so schnell seine Meinung ändern? Anfangs dachte Narbo, es wäre ein Ergebnis seiner Bestrafung gewesen, aber da Marok, diese Sache ignorierte, schien es einen anderen Grund zu geben.

Irgend etwas sträubte sich im Ferengi gegen das Angebot: Kaum hatte er sich vorgenommen Frieden zu schließen, zumindest vorerst, wurde ihm der selbe angeboten. 'Merkwürdig!', überlegte er verblüfft.

Seinen letzten Lebensabschnitt hätte man ohne zu zögern, als pure Strafe bezeichnen können. War dies jetzt die Wende? Wurde jetzt alles besser? Nachdenklich kaute Narbo auf einer besonders saftigen Schnecke und schob sie im Mund hin und her.

Immer mehr und mehr wurde ihm bewußt, das heute sein Glückstag war! Wenn er wirklich Frieden mit dem Zaldianer schloß, würden vielleicht auch noch andere seine wahre Natur erkennen.

Also betätigte er seinen Kommunikator und meldete: "Narbo an Marok. Ich gehe, auf dein Angebot ein. Ich schlage vor, daß wir einen Neuanfang machen und diesmal respektvoller mit dem anderen umgehen. Des weiteren betrachte ich die Erniedrigung im Shuttle als Strafe genug. Wir sind somit quitt! Narbo Ende."

Narbo ließ sich seine Wortwahl noch einmal durch den Kopf gehen: Er hatte sich ohne große Umschweife geäußert, was, laut der Datenbank, bei Zaldianern angebracht war. Innerlich freute er sich, daß er so etwas wie einen Kompromiß, gefunden hatte. Und wenn dies mit Marok funktionierte, mußte es mit jedem gehen.

Außerdem betrachtete er seine Antwort auch als eine Art Joker. Durch sein Verzeihen und den Verzicht auf weitere Bestrafung stand der Zaldianer, ob er wollte oder nicht, in Narbos Schuld. Dies könnte sich als sehr nützlich erweisen.

Nach so vielen Überlegungen nahm er einen Löffel Suppe in den Mund. Sie war kalt geworden und Narbo schob den Teller von sich weg. Er erinnerte sich an die Begebenheiten bei seiner Ankunft in der Shuttlerampe und forderte den Computer auf, alle Musiktitel aus dem späten 20. Jahrhundert aufzulisten und in Stilrichtungen zu ordnen. Nach mehreren Hörproben hatte er die richtige Musikrichtung gefunden. "Computer, liste die beliebtesten Lieder auf!", befahl er weiter.

Auf dem Bildschirm erschien sofort die Liste. Spontan suchte Narbo einen Titel aus und gab den Befehl das Stück wiederzugeben. Aus den nicht sichtbaren Boxen ertönte "Smoke on the Water": Laut und wild! Es war ein Tag zum Feiern...

--- Brücke

Unruhig sah Silvana hinter dem Zaldianer her. Ein Schweißfilm bildete sich auf ihrem Nacken und rann ihren Rücken hinunter. Es war seltsam. Hier war drinnen war es alles andere als heiß. Eher angenehm kühl. Und sie war nicht gerade so bekleidet wie man es unter warm verstand. Dennoch lag etwas in der Luft. Witternd hob sie den Kopf, doch sie kam nicht dahinter was es war.

Die heißen Wellen, die sich schubartig über ihren Körper ausgebreitet hatten waren versiegt, als sie die Shuttlerampe verlassen hatten. Doch jetzt waren sie zurück und heftiger als je zuvor. 'Was ist nur mit mir los? Irgend etwas stimmt nicht mit mir. - Nein, es kann nicht allein an Marok liegen... es sei denn... - Aber das kann nicht sein. Es darf einfach nicht sein.'

Silvana widerstand der Versuchung den Kopf in den Nacken zu werfen und einen Urlaut von sich zu geben, der aus den tiefsten Tiefen ihres Selbst stammte. Angstvoll starrte sie die beiden anderen an, doch die schienen nichts von ihrem Zustand bemerkt zu haben und widmeten sich wieder ihrer Arbeit. Raschkralle navigierte, Slade behielt sie dabei im Auge und schien über seine Begegnung mit dem Zaldianer nachzugrübeln. Da streifte ihr Blick Jean-Luc.

"Jean-Luc, ich brauche eine Auskunft von dir. Zeig mir ein detailliertes Abbild des Sternsystems und wo wir uns jetzt befinden, bzw. wohin unser Weg führt." Silvana wurde so unruhig, daß sie mit ihren Kraftarmbändern zu spielen begann.

"Gerne, Sir. Wenn Sie sich jetzt bitte dem Bildschirm zuwenden."

Silvana seufzte auf. Ein Androide, der sie mit einem Mann verwechselte, war so ziemlich der letzte, dem sie auf solch einem Kahn vertrauen würde, trotzdem brauchte sie dringend seine Information.

"Wonach suchen Sie, Sir?", fragte der Androide geflissentlich und zuckte mit dem Kopf.

Gerade als Silvana ihm den Planeten nennen wollte, sah sie ihn auch schon. Ihr Kurs führte sie direkt daran vorbei, bevor sie Drema III erreichen würden. In kurzer Zeit würde sie ihm so nah wie noch nie in ihrem Leben sein. Schmerzlich wurde ihr klar was das bedeutete, während ein erneuter Schauer sie taumeln ließ, verließ sie die Brücke ohne ein Wort.

Slade konnte sie später gerne dafür bestrafen, doch jetzt war sie einfach zu schwach um sich ihm zu stellen.

--- Gänge

Sie fand ohne weiteres Maroks Quartier, dessen Angabe von Jean-Luc sie sich eingeprägt hatte und wählte ihres gleich daneben. Die Tür war nicht abgesperrt und ließ sich leicht öffnen.

--- Silvanas Quartier

Ohne sich lange aufzuhalten stieg sie aus ihrer Kleidung. Nackt wie sie war legte sie sich ins Bett. Sie zog ihre Beine an und schlief zusammengekauert augenblicklich ein.

--- Brücke

Seine Sicherheitsabteilung hatte die Brücke verlassen. Raschkralle meldete, daß sie dicht vor dem Sternsystem Shane standen, woraufhin Slade ihr die Anweisung gab, mit voller Kraft in Richtung Drema weiterzufliegen. In diesem Satz stockte er, als ob ihm etwas eingefallen wäre. Er aktivierte seinen Kommunikator und sagte: "Slade an Telara. Hast du inzwischen etwas für unseren Antrieb tun können?"

Die Antwort war recht erfreulich: "Ja, ich wollte gerade melden, daß Warp 5 jetzt möglich ist."

"Danke. Slade Ende." 'Jaja - von wegen gerade melden wollen', dachte sich Slade. 'Nachlässig wird sie. Meldet nicht einmal, wenn etwas wieder funktioniert. In Gedanken ist sie wohl schon von Bord.'

Zu Raschkralle sagte er: "Du hast es gehört. Gib Stoff. Ich bin in der Krankenstation, will doch mal wissen, was David so wichtiges zu melden hat."

Das Schiff würde das System in einem schrägen Winkel durchqueren und dabei einem der Planeten sogar recht nahe kommen...

--- Gang zur Krankenstation

Irgendwie hatte er das Gefühl beobachtet zu werden. Er sah sich wiederholt um, konnte aber niemanden entdecken. Aber seine Instinkte sagten ihm, daß er hier nicht alleine war. Irgendwer oder -was schlich hier durch die Gänge, verbarg sich vor ihm.

Als er die Krankenstation erreicht hatte, verschwand dieses Gefühl. 'Wahrscheinlich doch nur Einbildung. Bin komplett übermüdet.' Er betrat die Station.

--- Krankenstation

David hatte seine paar Habseligkeiten zusammengepackt und das MHN angewiesen, den Boden zu reinigen. Eine Aufgabe, die es offenbar nur widerwillig erfüllte. Ständig konnte man Satzfetzen wie "Natürlich - ich bin ja auch nur ein Hologramm - Mit mir kann man es ja machen." hören.

Slade überlegte, ob man in seiner Kabine nicht auch ein paar Holoemitter installieren könnte. Irgendwer mußte dort ja mal sauber machen.

Beim Anblick der Blutlache auf dem Boden bekam Slade Hunger. Seine letzte Mahlzeit lag schon länger zurück, und dabei hatte es sich um irgendwas Repliziertes gehandelt. Er wollte endlich wieder einmal etwas... frisches Essen.

David zeigte ihm den Grund, weshalb er Slade alarmiert hatte. Auf der Erde lag ein Haufen Medizinpackungen, als ob ein Tier gegen die Reihe Medikamente gelaufen wäre und dabei einen Teil auf den Boden befördert hätte. Vielleicht war es eine Maus, ein Tribble ... oder eine Ratte ... oder ein Frettchen ... oder gar eine Og'Huta ... Slade lief das Wasser im Maul zusammen und er schaute gierig in alle Ecken, ob er den Übeltäter irgendwo entdecken konnte.

David verzog angewidert den Mund. "Nein, das war kein Tier, auch nicht ein noch so schmackhaftes. Das Regal beinhaltete eine kleine Ansammlung Drogen, und war eigentlich für Privateer-Verhältnisse recht gut sortiert. Keine Ahnung, warum sie dort auf dem Regal standen. - Da dort aber offenbar gezielt gesucht wurde, gehe ich davon aus, daß wir jemanden mit einem Drogenproblem an Bord haben. Sie sollten meinen Nachfolger anweisen, alle Besatzungsmitglieder unter einem Vorwand zu untersuchen.

Leider hatte ich noch keinen Überblick über den Bestand, deshalb kann ich nicht sagen, welche Droge fehlt. Ich gehe allerdings davon aus, daß er oder sie fündig geworden ist, sonst sähe wohl das gesamte Labor so aus wie dieses Regal." David schwieg. Es war auch alles gesagt.

Slade schwieg ebenfalls.

Das hatte ihm gerade noch gefehlt: Ein drogenabhängiges und damit nicht voll einsatzfähiges Besatzungsmitglied. Wer hätte es sein können? Praktisch jeder außer ihm. Und außer David. Er hätte sich einfach nehmen können, was er wollte, und keiner hätte etwas gemerkt.

Sein erster Verdacht fiel auf Raschkralle. Sie war nicht mit den anderen mitgeflogen. War in letzer Zeit rappelig und aufgedreht gewesen. Auf dem Weg zurück auf die Brücke hätte sie perfekt einen Abstecher in die Krankenstation machen können.

Telara? War sie deshalb so nachlässig?

Narbo? Er kannte sich sicher sehr gut mit jeder Art Droge aus.

Silvana? Brauchte sie sie als Aufputschmittel?

Der Neue? Von ihm wußte er nichts und traute ihm daher alles zu.

Jean-Luc? Bei der verschrobenen Programmierung durchaus möglich. Aber er war ständig auf der Brücke gewesen.
Nein, falsch. Als Slade zu Cassandra gegangen war, hatte er ihn allein gelassen.

Cassandra? Keine Chance. Sie war ja ständig unter Beobachtung. Ständig? Nein, als Telara sie verlassen hatte, war sie ebenfalls einige Zeit alleine gewesen.

Super. Alle waren verdächtig, jeder hatte eine Gelegenheit gehabt. Vielleicht sollte er auf Drema einen desertierten Sonderermittler der Föderation an Bord nehmen?

Brummelnd stapfte Slade wieder zur Brücke, nachdem er David angewiesen hatte, über die Angelegenheit Stillschweigen zu bewahren.

--- Irgendwo auf der Privateer

Zwei kleine schwarze Augen starrten hinaus in die Unendlichkeit. Die Nase an das kühle, durchsichtige Material gepreßt, verfolgte er nun schon seit Stunden die Bewegung der vielen hellen Lichtpunkte.

Das sanfte Vibrieren, das von überall her zu kommen schien, empfand er als äußerst angenehm.

Es war hier seit einiger Zeit nicht mehr so ruhig wie vorher. Lange hatte er sich hier verborgen gehalten, und fast immer war es sehr still gewesen.

Still und dunkel.

Wie er es liebte.

Dann waren die vielen hektischen Leute gekommen. Überall hatten sie herumhantiert, und er mußte sich tief in das Innere zurückziehen. Er ging nicht gerne in das Innere. Außen war es besser. Man fand leichter etwas zu Essen. Auch wenn besonders dieser Punkt seinen ganzen Einfallsreichtum gefordert hatte.

Glücklicherweise war er für seine Rasse extrem intelligent.

Er fand immer etwas, was sich zum Essen eignete.

Nur deshalb war er noch am Leben.

Als die Hektischen wieder fort waren, war seine Welt wieder still.
Dunkel.
Gut.

Aber dann ging plötzlich das Licht an. Gleichzeitig begann das Vibrieren. Die erste Zeit verbarg er sich aus Angst, daß wieder die Hektischen kämen, im Inneren.

Vor den Hektischen hatte er noch mehr Angst als vor dem Inneren.

Blieb er zu lange im Inneren, verhungerte er.

Vielleicht.

Blieb er zu lange im Inneren, holte er sich vielleicht diese Strahlenkrankheit, vor der er sich so fürchtete.

Vielleicht.

Aber wurde er von den Hektischen entdeckt, würden sie ihn töten.

Ganz sicher.

Er blieb lieber im Inneren.

Aber keine Hektischen kamen.

Er war neugierig. Er sah niemanden, aber er fühlte, daß er nicht alleine war. Deshalb beschloß er, seine gewohnten Pfade zu verlassen und sich etwas umzusehen.

--- Vor der Krankenstation

Er war noch nicht lange unterwegs gewesen, als er die Schritte spürte. Der Boden dröhnte, und er erstarrte.

Es war reines Glück, daß der behaarte Hektische nicht in seine Richtung blickte.

Als der Hektische vorbei gegangen war, traute er sich wieder zu atmen.
So schnell ihn seine Füße trugen, rannte er fort.

--- Narbos Quartier

Erschöpft lag Narbo in einem tiefen Polstersessel! Er hätte noch stundenlang weiter Musik hören und dazu tanzen können, wenn man die enorme Föderationsdatenbank bedachte. Aber die Pflicht rief förmlich nach ihm und seine Finger gierten nach Arbeit!

Hektik und eine leichte Ruhelosigkeit waren normal nach der Einnahme des Psychopharmaka, was manche auch als Droge bezeichneten. Sicher, es stand auf irgendeiner unbedeutenden Liste, aber wer kümmerte sich schon um so etwas!

So verließ er sein Quartier und bewegte sich zum Transporterraum. Erstens war es seine Aufgabe diesen funktionstüchtig zu halten und zweitens wollte er weitere Shuttlemissionen vermeiden!

--- Transporterraum 3

Zunächst hatte Raum 3 höchste Priorität, da er als Fracht-Version für ihre Mission am wichtigsten war. Das Gerät sah äußerlich in Ordnung aus, aber so wie Slade es geschildert hatte, traf dies für beinahe alle wichtigen Systeme zu, bis sie schließlich den Schaden offenbarten.

Rasch öffnete er eine Platte und schaute in den Computer, der den Transporter steuerte und auch den Musterpuffer beherbergte. Ein gründlicher Scan zeigte keine Defekte und so widmete sich Narbo der technischen Seite des Gerätes. Die Muster-Verstärker waren zwar alt, aber funktionierten scheinbar, nur die eigentliche Hauptsensorik war total im Eimer. Leise fluchte Narbo. Warum mußte gerade immer das Aufwendigste kaputt gehen! Grummelnd erinnerte er sich an einen Philosophen von der Erde der Murphy hieß. Scheinbar erkannten nur wenige Menschen, wie undankbar das Schicksal sein konnte!

Nur wenige Stunden später lief das Mistteil wieder. Narbo hatte das komplette Innenleben austauschen müssen, weshalb es an Bord jetzt nur noch zwei Transporter gab. Transporter 2 war nur noch eine leere Ruine. 'Rest in Peace', grinste Narbo. Was interessierte ihn der verdammte Transporter 2? Bei der kleinen Besatzung war ein weiterer Personentransporter eh nicht erforderlich.

Mit der eigenen Arbeit zufrieden rieb er sich die Hände und aktivierte den Kommunikator: "Narbo an Slade! Ich habe einen Transporter mit Hilfe von Ersatzteilen aus einem anderen Modul wiederhergestellt! Er sollte jetzt in der Lage sein, seine Aufgaben zu erfüllen und Fracht zu beamen! Ich beginne jetzt mit einer Versuchreihe! Irgendwelche Einwände?"

--- Brücke

Slade betrat schlurfend die Brücke und sah sich mißtrauisch um. Woran sollte er erkennen, ob jemand drogenabhängig war, wenn er nicht einmal wußte, um welche Droge es ging? Es ihm vielleicht aufgefallen, wenn er seine Leute längere Zeit gekannt hätte, weil ihm dann gewisse Unterschiede in der Verhaltensweise aufgefallen wären. Aber so...

Schwer ließ er sich in seinen Kommandosessel fallen. Zu seiner Steuerfrau sagte er: "Leg dich ein paar Stunden aufs Ohr. Ich wecke dich, wenn deine Flugkünste gefordert sind."

Sein Kommunikator zirpte:

"Narbo an Slade! Ich habe einen Transporter mit Hilfe von Ersatzteilen aus einem anderen Modul wiederhergestellt! Er sollte jetzt in der Lage sein, seine Aufgaben zu erfüllen und Fracht zu beamen! Ich beginne jetzt mit einer Versuchreihe! Irgendwelche Einwände?"

Der Mann dachte mit. "Gut gemacht, wenn du willst, kannst du gerne alles was du willst ausprobieren, aber du kannst auch erst ein wenig schlafen gehen", antwortete er.

Nachdem er seinen Kommunikator aktiviert hatte, sprach er: "Slade an alle. Ihr habt ein paar Stunden dienstfrei, bis wir Drema erreicht haben. Haut euch ein wenig aufs Ohr. Slade Ende."

Als Raschkralle die Brücke verlassen hatte, gab er Jean die Anweisung: "Sobald irgend etwas passiert, alarmierst du mich. Und zwar so schnell wie nur möglich. Ich bin gleich nebenan, lege mich im Raum des Captains ein wenig hin. Verstanden?"

Die Antwort kam schnell und klar: "Jawohl, Sir. Sobald etwas passiert, werde ich Sie unverzüglich benachrichtigen!"

Slade bezweifelte das zwar, aber mittlerweile brauchte er einfach seinen Schlaf. Und in den nächsten Stunden sollte wirklich nichts aufregendes passieren.

Die Tür vor ihm öffnete sich zischend.

--- Raum des C..... "Sir, befehlsgemäß alarmiere ich Sie. Folgendes ist passiert: Der Captain ist im Begriff, die Brücke zu verlassen."

Slade drehte sich langsam um und überlegte, welchen Arm er der Blechbüchse als erstes ausreißen sollte. Leider fielen ihm schon fast die Augen zu, und er befürchtete, daß jedes weitere Wort eine Alarmierung zur Folge hatte. Und im Moment wollte er nur seine Ruhe. Deshalb drehte er sich wieder um und ignorierte die weiteren Alarmmeldungen.

--- Raum des Captains

'Ja, ich weiß, daß der Captain nun die Brücke verlassen hat.'
'Ja, ich weiß, daß sich die Tür gerade geschlossen hat.'

Er fiel auf das Notbett und war innerhalb von drei Sekunden eingeschlafen.

--- Narbos Quartier

Überrascht stellte Narbo fest, daß soeben alle frei bekommen hatten! Entweder hatte der Anticaner, den er bisher mehr oder weniger für einen üblen Menschenschinder gehalten hatte, einen sehr verschlagenen Sinn für Humor oder er meinte es wirklich ernst!

Für einen Moment wollte er Slade kontaktieren und nachfragen, aber dann entschiede er sich, Slade nicht in Versuchung zu bringen. Allerdings war er auch noch zu fit, um schlafen zu gehen. 'Dann werde ich wohl noch ein paar Transporter-Tests machen.', nahm er sich vor und suchte schon gedanklich nach einem geeigneten Objekt, als er überlegte, daß er genauso gut auch die Bar einrichten konnte. Und vielleicht ließ sich beides sogar verbinden.

--- In den Gängen

Nachdem sich seine Tür zischend geschlossen und anschließend verriegelt hatte, ging er schnell in Richtung Bar. 'Na ja, bis jetzt ist es noch keine Bar!', grinste er und war sogleich felsenfest überzeugt, daß er das leere Offizierskasino schnell in eine Goldgrube verwandeln konnte!

Wenn man sich die Mannschaft anguckte, standen Narbos Chancen wirklich gut. "Alles gescheiterte Existenzen! Die geborenen Alkoholiker!", sagte er so vor sich hin, nicht ohne gedanklich schon eine erste Profitanalyse zu machen.

Zwar war er nie geschäftlich erfolgreich gewesen, aber eine Bar auf einem Schiff wäre durchaus auch für andere Ferengi interessant gewesen. Gewiß, der Profit würde am Anfang so minimal sein, daß wahrscheinlich keiner sich die Finger schmutzig gemacht hätte, aber da Narbo eh verdammt war, auf der Privateer zu sein, mußte er nehmen was kam.

Immer noch in Gedanken hörte er plötzlich ein _ganz_ leises Geräusch. Hätte er sich morgens nicht die Ohren mit einem speziellen Instrument gereinigt, hätte selbst Narbo es nicht hören können, aber mehrere Ecken weiter war etwas. 'Ein fremdes Lebewesen!', erkannte er verblüfft, als er ein Schaben hörte.

Geschickt und sich selbst kaum hörend, schlich sich Narbo an sein Ziel heran. Zuletzt hatte er bei einem gezielten Raub auf Heimatwelt der Selay von seinen Fähigkeiten Gebrauch gemacht. Es tat ihm gut und er erinnerte sich an die alten Zeiten, als er noch sein Leben damit verbracht hatte.

Auch wenn es diesmal wahrscheinlich nur eine Maus oder ein halborganisches Tretorium war, fühlte er doch den Adrenalinschub in seinen Adern. Tief sog er dieses Gefühl in sich auf. Zulange hatte er es nicht mehr erlebt! Es war für ihn der eigentliche Grund für seine Arbeit als Dieb gewesen. Dieses unruhige Kribbeln in den Adern, wenn man spürte, wie die Reflexe schneller und die Sinne schärfer wurden, wenn sich alle Muskeln anspannten! Die Instinkte wurden wachgerufen, der Jäger, der auch noch so langen Jahrtausenden in jedem Ferengi steckte, lockte ihn. Sie brachten ihn von seiner Art weiter weg, als es auf eine andere Weise je möglich war. Er vergaß seine Abstammung und spürte das Tier in sich.

Narbo hatte die Stelle beinahe erreicht, lauerte hinter der Ecke und machte sich zum Sprung bereit! Seine Muskeln spannten und riefen ihn zum Anriff auf, als er ein Zischen hörte und gleichzeitig um die Ecke sprang. Während ein Schott sich schloß, konnte er nur noch ein Bein erkennen, daß von einer merkwürdigen Eleganz beseelt war.

Immer noch fassungslos einen Eindringling an Bord zu haben, lief er hinterher und die Tür öffnete sich zum Glück auch für ihn! Als er aber in den Raum guckte, vernahmen seine Sinne nichts mehr. Kein Geräusch, kein Geruch, kein Wesen zu sehen. Unbewegt wartete er noch einige Sekunden und gab sich dann geschlagen. Seine Muskeln entspannten sich wieder. Wer immer auch hier gewesen war, hatte ihn geschlagen. Beim nächsten Mal würde das sehr viel schwerer werden.

Immer noch leicht aufgeregt, bediente Narbo seinen Kommunikator und versuchte den Captain zu erreichen, aber niemand meldete sich. Da dies bedeutete, daß der Anticaner gerade wahrscheinlich schlief, verschob er die Meldung auf später, zumal die internen Sensoren scheinbar keinen Eindringling feststellen konnten und die Mannschaft für eine Suchaktion zu klein war. Sie konnten also nur eines tun: Warten!

--- Narbos Bar

Die Zeit bis Slade erwachte, wollte der Ferengi nicht ungenutzt lassen und war deshalb in die Bar gegangen. Das ehemalige Offizierskasino verfügte über einen eigenen Replikator und Mobiliar. Auch Gläser waren vorhanden, einer baldigen Eröffnung stand also nichts im Wege.

Narbo gab dem Computer den Befehl alle Kommandos von einer Konsole in der Bar anzunehmen und begann mit den Tests. 'Ich werde Slade fragen, ob die Transporterkontrollen dauerhaft hierhin verlegt werden können, denn eigentlich ist es egal, wo sie liegen!', nahm er sich vor. Das erste Objekt war ein Stuhl gewesen, den er aus irgendeinem Quartier hierhergebeamt hatte, danach probierte er organische Körper und auch diese kamen komplett an. 'Na, das klappt ja wunderbar!', freute er sich und beschloß, daß die Zeit reif war, seine Ladung hierher zu transportieren. Der größte Teil war Alkohol und mußte deshalb eh hierhin!

Nachdem auch der letzte Behälter unbeschadet in dem kleinen Lagerraum nebenan rematerialisiert war, fiel er erschöpft in einen Sessel und schlief ein.

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