Chronik 3

--- Privateer, Krankenstation

Während Narbo sich aus der Röhre befreite, fiel ihm ein Stein vom Herzen. Er mochte es nicht, in zu engen Räumen zu sein, obwohl sein Beruf dies häufig von ihm verlangte.

Seit sein Vater ihn öfters in einem Abstellraum eingeschlossen hatte, bekam er jedesmal Schweißausbrüche, wenn er in solchen Situationen war. Mittlerweile hatte er sich zwar eine äußere Ruhe angewöhnt, aber innerlich war er sehr aufgewühlt.

Seine Unruhe wurde von der Situation, die er vorfand, noch verstärkt. Hatte er es anfangs noch ganz amüsant gefunden, wie der Anticaner mit der Weiblichen kämpfte, ging es jetzt doch zu weit. Immerhin sollte ihn dieser naive Riese vor den Vulkaniern retten. Dies ging aber nur, wenn er auch lebte.

"Sofort, ich sagte, sofort aufhören!", schrie er den Anticaner an, der sich mittlerweile nicht mehr rührte. Keine Reaktion. Als Narbo näher kam, bemerkte er, daß beide in einer geradezu ekligen Menge von Blut lagen.

Blut! Diese Substanz hatte ihn immer angeekelt! Aus seinen Augenwinkeln sah er den Menschen, der sich bemühte in einer geradezu unübersichtlichen Menge von Medikamenten und Geräten etwas zu finden. Daß er dabei alle unwichtigen Dinge auf den Boden warf, war ihm wohl egal. 'Dummkopf! Denkt er nicht an die Kosten die bei jeder zerstörten Medikamentenpulle entstehen?', überlegte er zornig. Wenn er sich in der Bar, in Narbos Bar, genauso aufführen würde... Nicht auszudenken!

Während Narbo kurz vor einem Kreislaufversagen stand, schien der Mensch schließlich das Richtige gefunden zu haben. Triumphierend hielt er eine Patrone in die Höhe, um sie gleich in das Hypospray zu "laden".

Hastig rannte er Richtung Anticaner und wäre beinahe auf dem Blut ausgerutscht. Er konnte sich gerade noch fangen und kniete sich in das Blut nieder. Während seine Kleidung das Blut aufsog, versuchte er den massiven Anticaner, dieser wog mindestens 100kg, in eine bessere Position zu legen, um erstens seine Brust zu erreichen und zweitens der Terranerin ein Atmen zu ermöglichen. Der Versuch sich von der Weiblichen abzurollen war nämlich nicht ganz erfolgreich gewesen. Immer noch umschlang sein Arm ihre Brust und sorgte so dafür, daß er auf der Seite liegen blieb.

Nachdem er sich eine halbe Minute abgequält hatte, ohne Slade auch nur einen Millimeter zu bewegen, blickte er in Narbos Richtung und deutete ihm zu helfen.

"Ich helfen? Nein! Dann muß ich mich ja in das stinkende Blut legen!", weigerte Narbo sich hartnäckig. Aber als der Mensch grimmig starrte, blieb dem Ferengi nichts anderes übrig. Er dachte ununterbrochen an die 285. Erwerbsregel: Einer guten Tat folgt die Strafe auf dem Fuße!

Mit vereinten Kräften gelang es ihnen, den Anticaner behutsam umzuschmeißen. Sofort schnappte die Weibliche nach Luft. Ihr ging es offensichtlich relativ gut, weshalb der Mensch ihr nur einen kurzen Blick zuwarf. Dann fixierte er sofort wieder Slades durchtrennte Schlagader, aus der immer noch in Intervallen Blut spritzte.

Auf der Suche nach einem Druckverband riß der Terraner sich einen Ärmel aus der Kleidung. Scheinbar mußte sofort gehandelt werden! 20 Sekunden später war der Ärmel geschickt um den Hals gewickelt und gut verschnürt. Der Mensch hob das abgelegte Hypospray vom Boden wieder auf und injizierte es. Anschließend verabreichte er noch mehrere andere Mittel.

Erschöpft fiel Narbo an die Wand. Wenn er überlegte so etwas jeden Tag zu machen, mußte er sich beinahe erbrechen. Und dazu immer diese Gedanken in seinem Kopf: 'Einer guten Tat folgt die Strafe auf dem Fuße...'

Als Slade erwachte, drehte sich die Welt um ihn. Er schüttelte benommen seinen Kopf, was die Welt zu einigen balettmäßigen Hüpfern animierte. Er beschloß, den Kopf etwas ruhiger zu halten - falls das auf diesem Schiff möglich war.

Er erhob sich. Besser gesagt, er versuchte es, stützte sich mit einer Hand auf, und rutschte prompt weg, woraufhin sich die Welt um ihn in Sterne hüllte und ein wenig dunkler wurde.

Ein Knurren entfuhr ihm. Er haßte es, wenn sein Körper nicht so reagierte wie er wollte.

Diesmal rollte er sich auf den Bauch und stützte sich mit beiden Händen auf. Das funktionierte etwas besser, zumal er nun nicht mehr in der dicken Blutlache lag.

Schließlich stand er auf seinen Füßen, und seine Umgebung torkelte nur noch ein wenig neckisch um ihn herum.

Er blickte auf die Frau, die ihm zu Füßen lag, auf den Doktor in der zerfetzten Jacke, welcher ihn prüfend anschaute und auf den Ferengi, der keuchend an der Wand lehnte. Wo kam der eigentlich her und was wollte er hier auf der Krankenstation? Egal. Er schien sowieso immer dann aufzutauchen, wenn man am wenigsten mit ihm rechnete.

David versuchte Slade zum nächsten Biobett zu leiten und murmelte ständig etwas von: "Ruhe.. Sie müssen sich jetzt ausruhen...Viel Blut verloren...hinlegen..."

Slade antwortete jedoch: "Sonst noch was. Soll ich mich jetzt wie ein Baby ins Bettchen legen, nur weil ich ein paar Kratzer abbekommen habe? Flicken Sie mich notdürftig wieder zusammen, ich werde auf der Brücke gebraucht." David wollte gerade etwas erwidern, als Slade fortfuhr: "Und dann nehmen Sie sich diese Furie dort vor. Mal sehen, auf welchem Raumhafen wir sie rauswerfen, nachdem sie Ihre Dienste und die Rettung bezahlt hat."

An Narbo gewandt fuhr er fort: "Ferengi? Du flickst dein Shuttle selber zusammen, hab ich läuten hören?"

Narbo antwortete: "Ja, ich halte es in Schuß, auch wenn..."

Slade unterbrach ihn: "Dann kennst du dich ja einigermaßen aus. Schau mal nach, ob du unserer Technikerin etwas zur Hand gehen kannst."

Narbo war froh, endlich aus der Krankenstation verschwinden zu können und antwortete schnell: "Gerne. Wo ist sie gerade?"

Slade grinste wölfisch: "Um das herauszufinden gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder fragst du den Computer - und weißt dann ganz genau, wo sie NICHT ist. Aber selbst darauf würde ich mich hier nicht verlassen. Oder du benutzt einen Kommunikator. Auf der Brücke liegt eine ganze Schachtel mit den Dingern. Raschkralle soll dir einen geben. Scheint eh das einzige zu sein, was hier einigermaßen funktioniert."

David hatte es mittlerweile geschafft, Slades Wunde zu schließen. Das Wundplasma, das er vom MHN erhalten hatte, war zwar nicht mehr ganz frisch, aber in Anbetracht der Zustände auf diesem Schiff hatte er davon abgesehen, neues Plasma zu replizieren. Wer wußte schon, was der Replikator unter 'Wundplasma' verstand. Rote Grütze? Kampfgas? Eine Bombe? Vielleicht würden sie ihn dann noch für eventuelle Schäden haftbar machen, die er zahlen dürfte. Zahlen? Wovon denn? Nein, nein, nein, dieses alte Plasma mußte reichen.

Auch die Rippen wuchsen langsam wieder zusammen. Er hatte wie ein Weltmeister gearbeitet. Solche unvernünftigen Patienten kannte er. Bei denen hieß es immer schnell arbeiten. Solange sie noch redeten, standen sie nicht auf.

Slade schwieg und erhob sich um auf die Brücke zu gehen. Kurz vor der Tür drehte er sich um. "Dave, du bist ein guter Arzt. Die Krankenstation gehört dir. Bring sie auf Vordermann. Und überleg dir, ob du hierbleiben willst. Die letzte Möglichkeit zum Aussteigen kommt bald."

Ein leichtes Stöhnen erklang. Offenbar kam seine Gegnerin wieder zu sich.

Silvana blinzelte. Der dichte Schleier vor ihren Augen begann sich langsam zu lichten. Sie fühlte sich als hätte sie jemand überfahren und wäre noch einmal im Rückwärtsgang über sie hinweg gerollt um zu sehen, ob da nicht doch was gewesen war.

Angestrengt dachte sie ohne sich zu bewegen darüber nach, ob sie sich aufsetzen sollte oder lieber einfach für die nächsten Stunden hier liegen bleiben sollte. Der widerlich süße Gestank von Blut drang ihr in die Nase und der harte Boden auf dem sie lag, fühlte sich widerlich feucht an. Anscheinend handelte es sich bei dem Menschen um einen Arzt, denn er war über sie gebeugt und schien sie zu verarzten.

'Gut so', dachte sich Silvana, die genug damit zu tun hatte ihre Gedanken zu ordnen und sich darüber klar zu werden, was im Moment in ihr vorging. Trotzdem huschte der Anflug eines Lächelns über ihr Gesicht, als der Doc erschrocken zusammenfuhr, als sie sich räusperte.

Da er mit seiner Behandlung fertig zu sein schien, setzte sie sich auf und sah sich das erste Mal richtig um. Sie war mit ziemlicher Sicherheit auf der Krankenstation dieses Norway-Gefährts gelandet. Nun, es war nicht das erste Mal, daß sie an Bord so eines Schiffes war. Das letzte Mal hatten die Ketten tiefe Schnittwunden in ihren...

"Spüren Sie noch irgendwelche Schmerzen?, unterbrach der Arzt ihre Gedanken, aber sie konnte deutlich seiner Stimme anhören, daß es wirklich nur der Arzt in ihm wissen wollte. Er selbst schien ihr noch immer ihren Auftritt übel zu nehmen.

"Schmerzen? Junge, mein Körper ist ein einziger Schmerz. Aber ich fühle mich großartig." Als ihre Blicke sich trafen, stellte Silvana fest, daß der Mensch scheinbar gerade darüber nachdachte, ob ihr Gehirn eventuell einen Schaden beim Kampf genommen haben könnte und er sie genauer untersuchen sollte, deshalb fügte sie schnell hinzu: "Wenn ich Schmerz spüre, weiß ich, ich bin noch am Leben. Also ist er ein erhebendes Gefühl für mich."

Desinteressiert nickte er und betrachtete seine Behandlung als beendet. Silvana erhob sich und hätte sich am Liebsten die Kleidung vom Leib gerissen. Sie war zerfetzt und sie hatte sie sicher schon die ganze Zeit während ihrer Bewußtlosigkeit an. Der Geruch reizte ihre ausgeprägte Geruchsempfindung. Noch dazu war sie blutdurchtränkt und klebte förmlich an ihrem Körper.

Seufzend hob sie den Kopf und ihr Blick fiel auf einen ziemlich bleichgrünen Ferengi, den sie vorher nicht gesehen hatte und den Anticaner. Für einen Moment maßen sie sich mit Blicken wie zwei Raubtiere, die wissen wollten wer nun das Rudel anführen würde, dann bewegte sie sich geschmeidig auf ihn zu, ohne auf den Warnruf des Menschen zu hören.

Als sie vor dem Anticaner stehenblieb und abrupt die Hand hob, reagierte er trotz seiner Angeschlagenheit ziemlich schnell. Doch Silvana wich ihm gewandt aus, hielt jedoch nicht in ihrer Bewegung inne. Ihre Hand schnellte weiter nach vorne und... "Mein Name ist Silvana Farnside. Du kannst mich Silva nennen." ...wartete auf seinen Handschlag.

Mißtrauisch sah er erst sie und dann ihre Hand an, die keine Anstalten machte sich wieder zurück zu ziehen. Das Lächeln, daß von ihrer Seite folgte, trug noch mehr dazu bei, daß er nicht zu verstehen schien, was in ihrem Kopf vorging. Also packte sie einfach seine Hand und schüttelte sie.

"Das war ein guter Kampf. Selten einen würdigeren Gegner gehabt. Wir sind quitt. - Wenn du also einen Platz auf deinem Schiff frei hast,.. Natürlich nur, wenn du an Bord Duschen hast." Ohne auf die Anwesenheit der anderen zu achten, öffnete sie ihren Anzug und stieg hinaus.

Nur mit einem bauchfreien Unterhemd und einer kurzen Hose bekleidet, stand sie breitbeinig vor dem Wesen, daß der Captain des Schiffes sein mußte und wartete auf seine Antwort...

... und noch ungeduldiger auf eine Dusche.

Slade war immer noch mißtrauisch. Sie war eine erstklassige Kämpferin, hätte ihn fast erledigt. Ohne einen Doktor in der Nähe wäre er verblutet, sie neben seiner Leiche aufgewacht, und hätte den Kampf dann wohl stillschweigend als 'wieder mal gewonnen' verbucht.

Diese ganze Szene hatte ihn stark an einen Kampf um die Vorherrschaft eines Rudels erinnert. Auch seinem Volk waren solche Kämpfe nicht unbekannt - eher im Gegenteil, sie hätten dort erfunden sein können.

Aber eine Menschin, die sich wie eine Raubkatze benimmt?
Diese Augen...
WAS war sie?

Instinktiv beschloß er, ihr zu trauen - so lange, bis sich herausstellte, daß sein Instinkt ihn getrogen hatte, was aber eigentlich noch nie der Fall gewesen war.

Vom Kauf dieses Schiffes mal angesehen.

Aber den Rücken würde er ihr nicht zudrehen - sicherheitshalber...

Deshalb antwortete er: "Slade Szelesem. Ich bin der Captain auf diesem Schiff. Der Ferengi hier heißt Narbo und wird sich neben der Technik ein wenig um die körperlichen Genüsse nach Dienst kümmern. Und unser Leiter der Krankenstation hier heißt David. So wie ich bisher sehen konnte, ist er ein klasse Arzt. Hm - eigentlich ist unsere Sicherheitsstation noch stark unterbesetzt. Ok, ab sofort bist du Sicherheitschefin auf diesem Kahn. Momentan transportieren wir allerhand Technologiekram in das Drema-System. Replikatoren, Tricorder, so Zeugs. Falls du damit Probleme hast, sags lieber gleich. Dann kannst du vorher noch aussteigen..."

Sein zähnefletschendes Lächeln verriet nicht, daß er wegen des Doktors möglicherweise vorher noch an einer Raumstation anlegen würde. Vielleicht auch, um Ersatzteile aufzunehmen. Wahrscheinlich hatte sie den Eindruck, er würde sie aus der nächsten Luftschleuse werfen.

Na, wenigstens schien keiner etwas gegen seine momentanen Geschäfte zu haben. Eigentlich seltsam. Er hatte mit erheblich mehr Widerstand gerechnet.

Er schaute in die Runde, und als keiner etwas sagte, erhob er wieder seine Stimme: "Silva, komm mit, ich zeige dir jetzt die Brücke. Oder willst du vorher noch duschen?
Narbo, bist du immer noch hier?
Dave, wir sehen uns. Spätestens nach dem nächsten Ringkampf mit unserer Sicherheitschefin."

Slade grinste sein wölfisches Grinsen und danach verließen sie die Krankenstation.

Narbo überlegte ernsthaft, ob er auf Slades Frage antworten solle, behielt dann aber die Antwort für sich. Wer wußte schon, wie der Anticaner, auf Widerrede reagieren würde. Und im All waren es lausige -230°C.

Auf jeden Fall wäre es irgendwie erheiternd gewesen, zuzusehen, wie Slade nach einer funktionierenden Luftschleuse sucht. Aber bei Narbos Pech hätte er eine gefunden, weshalb er die Klappe hielt, sich aber ein Grinsen nicht verkneifen konnte. Als Slade aus den Augenwinkeln Narbos Reaktion sah, raffte der Ferengi sich auf und war weg.

--- Im Gang

Nachdem Narbo sich sicher war, das kein Anticaner ihn verfolgte, ging er wieder mit normaler Geschwindigkeit. An einem Computerterminal fragte er nach dem Aufenthaltsort der Trill und der Computer grenzte das Ergebnis auf 2 Decks ein. Da Narbo es für wahrscheinlich hielt, daß Telara im Maschinenraum war, beschloß er mit der Suche dort anzufangen.

--- Im Hauptmaschinenraum

Ein erleichtertes Seufzen ließ Narbo erklingen, als er den Maschinenraum betrat. Diesen Turbolifts würde er sich nicht wieder anvertrauen! 'Wer hat Slade dieses Wrack wohl verkauft?', fragte sich der Ferengi, als er die Trill schließlich entdeckte. Sie steckte bis zur Hüfte in einer Konsole und bemerkte den Besucher nicht.

Narbo hüstelte sich und sah mit Genugtuung, daß die Trill den Kopf gegen die Decke knallen ließ. Narbo grinste. Jetzt hatte wenigstens nicht nur er eine Beule! Plötzlich schnellte die Trill aus dem Loch hervor und guckte böse.

'Ist es meine Schuld, daß sie so schreckhaft ist?', fragte er sich, hörte er aber vorsorglich mit dem Grinsen auf. Wer weiß, wer alles auf diesem Kahn kämpfen konnte.

Und so fragte er, ob es Arbeit gebe. Die Trill musterte ihn ungläubig und war anscheinend abgeneigt den Ferengi an ihre Maschinen zu lassen. Aber auch sie mußte sich scheinbar Befehlen beugen und teilte Narbo zur Reparatur der internen Kommunikation ein, während sie selbst sich um den Computer kümmern wollte.

Da der Computerkern nicht im Maschinenraum, sondern extern, lag verließ Telara den Raum, wollte aber in einer Stunde wiederkommen....

--- Slades Quartier

Bevor er eine schnelle Schalldusche genommen hatte um seinen Körper von den Blutmassen zu befreien, hatte er seine komplette blutdurchtränkte Kleidung in den Replikator gestopft. Diese hatte sich auch plangemäß aufgelöst.

Aber nach der Dusche war es dem Replikator plötzlich unmöglich, etwas anderes als klingonischen Blutwein zu erzeugen. Ohne Becher. So stand er nun nackt in einer immer größer werdenden Lache Blutwein und versuchte sich etwas Kleidung zu replizieren.

Lange Zeit und mehrere Duschen später hatte er es dann geschafft und betrat zögernd den Gang. Leider konnte er es nicht auf Dauer vermeiden, gesehen zu werden. Na, wenigstens war diese Kleidung groß genug für ihn. Wenigstens das hatte er erreicht.

--- Brücke

Die Tür öffnete sich und Raschkralle fuhr herum. Endlich kam jemand, der ihr hoffentlich die Arbeit als Babysitter abnahm.

Der Atem stockte ihr. Eine sehr große pelzige Gestalt erschien. Sie trug schwarze Stiefel, eine schwarze Hose und eine goldgelbe Uniformjacke. Um die Handgelenke waren goldene Abzeichen angebracht, und auf der Brust prangte ein veraltetes Föderationslogo. Es sah so aus, als ob Slade sich eine vollkommen veraltete Captainsuniform repliziert hatte. Aber warum?

Slade sah äußerst merkwürdig aus. Gerade wollte sie fragen, was passiert war, als sich die Tür ein zweites Mal öffnete... Sie stellte fest, daß auch die Sicherheitsfrau gewagt aussah. Raschkralle klappte die Ohren nach vorne, sträubte die Schnurrhaare und die Haarflistel über den Augen maximal und starrte.

Silvana fühlte sich wieder wohl in ihrer Haut und das trug sie auch nach außen zur Schau. Nach langer Zeit endlich wieder frisch geduscht, das kastanienbraune Haar locker hochgesteckt und in angenehmer Kleidung, die gut auf der Haut lag. Witternd hob sie den Kopf als sie auf die Brücke kam und gewahrte noch weitere Wesen außer dem Captain.

Den Geruch, den Silvana als Sivaoaner identifizierte, folgend, sah sie eine langsam in die Tage kommende Sivaonanerin, die Wert auf ein gepflegtes Äußeres legte und etwas Kleines trillmäßiges, das an ihrem Schwanz hing und scheinbar einfach nicht davon ablassen wollte.

Beim Anblick des Captains entlockte sich Silvana ein verkniffenes Grinsen. Er sah aus, als hätte man einen besonders großen und haarigen Tribble in ein zu enges Baumwollkostüm gesteckt und hätte beides ziemlich heiß gewaschen. Überall quollen die Haarbüschel aus der altertümlichen Föderationsuniform, als wären sie auf der Flucht vor seinem gewagten Outfit. Silvana konnte dem nur zustimmen.

"Slade, transportieren wir gerade illegale Ware die wir in einem Wurmloch in der Vergangenheit verkaufen oder weshalb dein seltsamer Aufzug?"

Slade bleckte sein schneeweißes Gebiß und sah seine neue Sicherheitschefin von unten bis oben an. Jetzt sah man erst wie durchtrainiert und braungebrannt Silvana am ganzen Körper war. Ihre Bauchmuskeln und ihre Armmuskeln waren für eine Frau beeindruckend. "Laß mich raten... Bei dir hatte wohl auch der Replikator Probleme gehabt, Silva." Wieder setzte er sein wölfisches Grinsen auf.

Fragend blickte Silvana an sich herab. Der Brustpanzer aus schwarzem Leder lag gut an und hielt ihre wohlgeformten Brüste gut in Form. Die Körbchen waren golden. Im Grunde handelte es sich eher um einen Büstenhalter der absolut spitze saß und wie geschaffen für Sport oder den Kampf war, wie die Schnalle, welche die beiden Träger über ihrer Brust zusammenhielt bezeugte. Dazu trug sie eine eng anliegende Hose im Stil eines elastischen Turnanzuges, die mehr zeigte als verbarg und ihr bis zum Nabel reichte und einen Gürtel, an dem gleichzeitig die Stiefel befestigt waren, die ihr bis zum halben Oberschenkel reichten. Die Stiefel waren an der Seite mit drei roten Steinen verziert und wurden ab Kniehöhe seitlich nur von Spangen gehalten. Weiters trug sie noch einen kunstvoll gewundenen goldenen Armreif um den Oberarm und Kraftarmbänder aus schwarzem Leder mit Stahlreifen, die ihre Handgelenke schützten und ihr bis zum halben Unterarm reichten.

Seufzend hob sie wieder den Kopf und erwiderte: "Ja, ich weiß was du meinst Slade. Ich wollte eigentlich auch lieber schwarz-silber, statt schwarz-gold..."

Raschkralle wettete innerlich mit sich selbst, daß garantiert sie den nächsten Kom-Kontakt mit wem auch immer herstellen sollte.

Zum Glück lachen Sivaoaner nicht auf menschliche oder sonstwie humanoide Weise. Raschkralle gab nur ein leises "keck" von sich und wandte sich erneut ihrer Konsole zu.

--- Maschinenraum

Nach einer halben Stunde als Telara wieder kam, hatte Narbo die Reparatur gerade beendet. Der Fehler hatte in einem guten Dutzend falsch kalibrierter Iso-Chips gelegen, die er aber inzwischen mühsam, umprogrammiert hatte. Während Telara seine Arbeit noch an einer Konsole überprüfte, wählte Narbo, den direkten Weg und sagte: "Maschinenraum an Slade! Hören Sie mich?" Telara guckte ihn strafend an, aber drei Sekunden später meldete sich Slade...

"Ja, was ist denn?" Der Captain hörte sich sehr gereizt an.

"Öhm - ich wollte nur melden, daß die interne Kommunikation jetzt wieder funktioniert", erwiderte Narbo ziemlich kleinlaut. Er hatte gehofft, vom Captain ein Lob oder eine Anerkennung zu hören, aber als dieser nun einfach: "Danke. Slade Ende" murmelte, war er schon sehr enttäuscht.

--- Brücke

Slade stand auf der Brücke, und seine beiden Brückenbesatzungsfrauen konnten offenbar ein Grinsen nur mühsam unterdrücken.

Plötzlich spürte Raschkralle, daß sich ihr Schwanz erschreckend leer anfühlte. Blitzartig drehte sie sich um und sah, wie das Balg direkt auf Slade zusteuerte und dabei sagte: "Prima, ein Kirk-Teddybär!"

Raschkralle flitzte hinterher als hätte sie was gebissen, ergriff das Junge und schleppte es zu ihrem Sitz. "RRroaarrsssssffffffffft", meinte sie nur. Das Junge schien sie zu verstehen und blieb bei ihr, schaute aber mit deutlichem Lachen zu den beiden abenteuerlichen Gestalten.

"Slade, Kurs ins Drema-System liegt an. Geschätzte Ankunftszeit in 5,5 Stunden.", raunte Raschkralle. "Kann ich das Balg dahin bringen, wo es hingehört?", fragte sie den Captain.

"Zu ihrer Mutter natürlich.", fügte sie nach einem kurzen Augenblick hinzu.

"Von mir aus. Aber bleib nicht zu lange. Könnte sein, daß wir schnell reagieren müssen, falls uns eine Föderationspatrouille entdeckt", antwortete Slade.

Raschkralle hatte sich schon halb erhoben, als sie mitten in der Bewegung erstarrte. Dann drehte sie sich langsam um und starrte Slade an:

"Was haben wir von denen zu befürchten? Das Schiff gehört dir, und du hast gesagt, wir hätten nur harmlose Techniksachen an Bord. Wieso sollten die was von uns wollen?!?", zischte die Sivaoanerin.

Slade erwiderte lediglich: "Wohin fliegen wir doch gleich?"

"Drema-System. Na und?" Raschkralle war irritiert. Was sollte ihr Reiseziel damit zu tun haben? Außer... "Jean? Was weißt du über das Drema-System?"

Der Androide antwortete fast sofort: "Einziger bewohnbarer Planet ist Drema IV. Er wird bewohnt von einer humanoiden Rasse, welche noch keinen ersten Kontakt mit der Föderation hatte. Bodenschätze sind vorhanden, vor allem reichhaltige Dilithiumvorkommen sind verzeichnet."

Raschkralle starrte den Droiden einen Augenblick an, dann schaute sie Slade ins Gesicht. "Ich hoffe, wir werden nicht aufgehalten, ich werde von der Föderation gesucht. Das ganze wird doppelt unangenehm.", knurrte sie heiser.

Slade bleckte die Zähne und entgegnete: "Umso wichtiger für dich, ihnen gut auszuweichen. Sieh zu, daß du das Kind los wirst. Beeil dich."

Raschkralles Schwanz zuckte kurz, aber sie schnappte sich das Trill-Junge und ging Richtung Turbolift.

--- Maschinenraum

Raschkralle betrat den Maschinenraum und hatte Telara schnell anhand der Geräusche ausgemacht. Dem Jungen hatte es Spaß gemacht, auf ihren Rücken zu reiten, so daß sie ohne Verzögerung hierher gelangt war.

Raschkralle trat auf die Trill zu und drückte ihr das Kind hin. "Hier", grummelte sie. "Ich bin kein Babysitter, ich muß fliegen."

Telara blickte überrascht auf das Kind hinunter und dann Raschkralle in die Augen: "Wo sind Cassandras Kleider? Warum ist mein Kind nackt?"

Raschkralle wandte sich einfach ab und murmelte im Hinausgehen über die Schulter: "Du solltest das Balg nicht zu sehr verweichlichen."

"Balg? Was fällt dir ein ...", begann die Ingenieurin, aber Raschkralle war schon zum Maschinenraum hinaus und auf dem Rückweg zur Brücke.

Telara sah der Katze entgeistert nach. Nachdem sie sich wieder gefangen hatte sah sie zu ihrer Kleinen herunter. "Was hat sie mit dir gemacht?", fragte die Trill und schüttelte andeutungsweise den Kopf.

"Ich hab mit ihrem Schwanz gespielt!", antwortete Cassandra und war sichtlich stolz.

Telara seufzte und ging zum Replikator, um einige Kleidungsstücke zu replizieren. Es war zwar nicht unbedingt kalt, aber trotzdem war sie der Meinung, man könne niemanden nackt herumlaufen lassen, solange er oder sie nicht über eine vollständige Körperbehaarung wie Raschkralle verfügte!

Der Replikator schien nicht der Meinung zu sein, denn er replizierte etwas, das wie Sonnenöl ohne Behältnis aussah!

Telara fluchte kurz, versetzte dem hochentwickelten Gerät einen primitiven Fußtritt und orderte erneut. Diesmal erschien das Gewünschte, allerdings war der Overall mit Sonnenöl getränkt. Die Ingenieurin riß eine Abdeckplatte aus der Verankerung und führte den Isolinearmodulator über die subantikarve Schnittstelle, um sie neu zu kalibrieren.

Als sie die Abdeckplatte wieder einsetzte und erneut ihre 'Bestellung' aufgab, erschien tatsächlich ein hellblauer, schlichter Overall ohne Sonnenöl. Telara nickte zufrieden und zog Cassandra das Kleidungsstück an. Sehr viel besser!

Telara ging zur Hauptkonsole und sah sich das Replikatorensystem an. Es lag eine kleine, aber wirkungsvolle Störung vor. Der Replikator warf einige Muster von Gegenständen durcheinander, so daß es zu Sonnenöl ohne Tube, saurianischem Hackbraten mit Vanillesoße und Blutwein ohne Krug kam. Telara grinste kurz, als sie sah, daß jemand kürzlich in den Genuß des Blutweins gekommen war.

Sie schickte einen lapirarenergetischen Impuls durch das gesamte Replikatorsystem und setzte alle Einstellungen somit wieder auf die Standardwerte zurück. Die Replikatoren sollten nun wieder so funktionieren, wie sie es sollten.

--- Brücke

Raschkralle ging zügig auf ihre Station zu, sah, daß sich die Neue schon an der Waffenkonsole direkt daneben bequem gemacht hatte und scannte sofort mit einen Tiefenscan die nähere Umgebung und mit einem passiven Scan die weitere. Nicht daß es bei der augenblicklichen Leistung ihrer Motoren einen Unterschied machen würde, sie könnten eh nicht fliehen, aber sicher ist sicher.

"Was genau haben Sie auf Drema vor, Captain?", wandte sie sich fragend an Slade. "Sollen wir mit einer Ladung Dilithium zurück? Das ist verdammt gefährlich."

"Es gibt eine kleine, nicht so ganz legale Dilithiumabbaustation auf dem Planeten", entgegnete Slade. "Wir müssen schauen, daß wir dort ungesehen landen. Das ist deine Aufgabe. Dann werden wir unsere Fracht ausladen. Die Leute dort haben noch niemanden gefunden, der grundlegende Föderationstechnologie dorthin schmugg - äh- liefert. Der eigentliche Kontakt mit den Bewohnern ist dann deren Sache. Anschließend nehmen wir so viel Dilithium auf wie wir können, füllen natürlich unseren eigenen Vorrat damit, und versuchen noch ein paar Leute für unser Schiff anzuheuern. Den weiteren Kurs bekommst du dann von mir. Aber zurück geht es sicher nicht.

Ist das gefährlich genug für dich? Singst du mir dann wieder was vor? Im Übrigen hab ich dir schon gesagt, daß ich Slade heiße. Wenn ich noch einmal Captain von dir höre, darfst du meine Kabine saubermachen. Du erkennst sie an der Blutweinlache, die unter der Tür hertropft."

Raschkralle sah den Captain nur ausdruckslos an, lediglich ihre Schwanzspitze zuckte leicht. Schließlich klappte sie ein Ohr nach hinten und meinte: "Ich hoffe ich singe nicht so oft. Das war nämlich der Sivaoanische Todesgesang. Wir singen, wenn wir sterben. Wenn das Lied endet, endet auch das Leben."

Raschkralle scannte erneut die Umgebung, entschloß sich dann aber, zur Wissenschaftlichen Station zu gehen und dort zu scannen, da die Scanner dort leistungsfähiger waren. Falls sie funktionierten.

"He Sicherheit, behalt du auch die Umgebung im Auge", raunzte sie. Dann öffnete sie einen Kom-Kanal zum Maschinenraum: "Raschkralle an Telara. Es ist wichtig, daß unsere Sensoren und Scanner möglichst einwandfrei funktionieren. Sieh das bald möglichst mal nach. Raschkralle Ende."

"Ach ja, Telara, das Warptriebwerk sollte möglichst auch funktionieren. Raschkralle Ende."

"Und äh, Telara, am besten du reparierst gleich alles. Wenn du noch Hilfe brauchst sag Bescheid, dann komme ich helfen. Unsere Sicherheit kann auch gut genug fliegen, daß wir nicht im nächsten schwarzen Loch verschwinden. Raschkralle endgültig Ende."

Raschkralle beugte sich über die wissenschaftliche Station und ließ alles an passiven Scans und Sensoren laufen die an Bord waren.

--- Maschinenraum

Reparier Alles! Narbo mußte den Kopf schütteln! Wie stellte sich dieser übergroße Bettvorleger das denn vor? Das Instandsetzen aller Systeme konnte Wochen dauern. Geschweige denn, wenn man alle unwichtigen Subsysteme ebenfalls überprüfen sollte! 'Ich hoffe bloß, wir erhalten bald mehr Besatzung!', ärgerte er sich und sah in den Augen der Trill, daß sie ähnlich dachte.

Die größte Frage war: Wo soll man anfangen? Sicher einige Systeme funktionierten schon, aber das war alles nur Kosmetik! Langsam wurde es Zeit sich zu beratschlagen.

--- Brücke

Silvana hatte den Dialog zwischen der Sivaoanerin und der Technikerin grinsend verfolgt, anscheinend hatte sie selbst viel Glück gehabt zufällig in einem Stück an Bord gebeamt zu werden und von dem veralteten MHN nicht in die ewigen Jagdgründe geschickt zu werden.

"Klar paß ich für dich auf, meine Kleine. Nur keine Sorge", sagte sie zu Raschkralle, die von Zeit zu Zeit argwöhnisch zu ihr hinüberblickte und ihr anscheinend doch nicht ganz so viel zutraute. Diese zuckte daraufhin mit einem Ohr, gab einen spitzen Laut von sich, der sich nicht gerade nett anhörte und wandte sich wieder der wissenschaftlichen Station und ihrer Aufgabe zu.

Niemand hatte sie beide einander vorgestellt. Wenngleich Silvana auch zugeben mußte, daß sie glücklich darüber war der Sivaoanerin nicht die Pfote schütteln zu müssen, da die Aussicht auf Flöhe ihr nicht gerade große Freude bereitete.

Der Captain schien sich noch immer über die Tatsache aufzuregen, daß jemand ihm schrottreife Replikatoren angedreht hatte. Sein Gesichtsausdruck war ziemlich finster und warnte davor noch ein Wort über seinen altmodischen Aufzug zu verlieren. Er murmelte etwas, daß sich wie 'Delmok' und 'Lebendfutter' anhörte und seine Zähne knirschten dabei bedenklich. Diesmal war sein Lächeln noch wölfischer als sonst.

Die Art wie er mit seinen Leute umging gefiel Silvana, auch, daß er kein Wort mehr über den Kampf verloren hatte, obwohl ihn sein Hals sicher noch immer schmerzte. Ihr war inzwischen auch klar, daß sie eine sehr, sehr lange Zeit auf diesem Schiff verbringen würde.

Lächelnd und fast liebevoll strich sie über die Kontrolleinheit, die direkt mit der Feuerkraft des Schiffes verbunden war. 'Gefährlicher Auftrag', das klang gut in ihren Ohren. Vorsichtshalber behielt sie den Schirm im Auge. Vielleicht tauchte ja bald etwas Großes auf, auf das sie volles Rohr feuern durfte.

Aber nichts dergleichen geschah.

Nach einer Weile geschah ... immer noch absolut nichts.

Als nach einer weiteren Weile immer noch nur Sterne auf dem Bildschirm zu erkennen waren, begann Silvana sich zu langweilen.

'Schade, daß die Borg schon viel zu weit weg waren', dachte sie und seufzte dabei unwillkürlich. Sie hätte sich auch dort nur zu gerne für ihre Salutschüsse revanchiert.

"Ich heiße übrigens Silvana", rief sie zu der geschäftigen Katze hinüber um wenigstens den Versuch einer Kommunikation zu übernehmen.

"Raschkralle", raunzte die Katze zurück. "Ich bin weiblich." Raschkralle erwähnte dies extra, da die meisten Humanoiden nicht erkennen konnten welches Geschlecht sie hatte.

Erstaunlicherweise zeigten die Sensoren momentan einen riesigen Strahlengürtel durchsetzt mit schwarzen Löchern direkt neben ihnen an, wenn sie die Sichtfenster aktivierte sah man jedoch gar nix. Diese Schrottkiste war zum verzweifeln!

--- Maschinenraum

"Hmm, hat irgendeiner schon mal eine komplette Systemanalyse durchgeführt?", fragte Narbo eigentlich sich selbst, aber anscheinend hatte Telara es gehört und antwortete grimmig: "Wenn die Sensoren gingen, hätte ich das schon vor Stunden probiert!" Diese giftigen Worte brachten Narbo auf zwei Ergebnisse. Erstens: Die internen Sensoren wären ihr nächstes Ziel. Zweitens: Die Trill würde nur verdünnte Drinks bekommen!

"Dann fangen wir am besten gleich mit denen an!", erwiderte Narbo schließlich mit einer sehr arroganten Stimme. "Oder sind wir darauf noch nicht selbst gekommen?"

"Doch, sind wir. Wenn es dir lieber ist tot in einem luftleeren Schiff ohne Nahrung zu sitzen anstatt in einem Schiff, das lahm und blind ist, dich aber am Leben erhält, dann hätte ich als erstes die internen Sensoren repariert", Telara funkelte den kleinen Mann an.

"Aber, da _ich_ die Replikatoren und Lebenserhaltung inzwischen wieder hergestellt habe, mal abgesehen vom Warpantrieb, können wir _jetzt_ die internen Sensoren reparieren!", maulte die Trill und berührte dann ihren Kommunikator: "Raschkralle! Komm gefälligst hier runter und hilf uns etwas! Es sei denn, du bist scharf drauf entweder blind, taub und schnell oder mit allen Sinnen aber schnell wie eine Schnecke durchs All zu rauschen! Telara Ende!"

"Und du, Ferengi, machst dich jetzt an die internen Sensoren, während ich versuche noch etwas mehr aus dem schrottigen Kern herauszukitzeln! Wenn wir nicht bald einige neue Dilithiumkristalle bekommen, dann muß noch jemand aussteigen und schieben! Und ich sehe nicht, wo wir die herbekommen sollen, es sei denn, wir fliegen grade auf eine Miene zu! Also, an die Arbeit!", bellte Telara und stob zurück zur Hauptkonsole, um durch eine Neujustierung der Kristalle eine Optimierung der Antriebsleistung zu erreichen.

Wütend schnaufte Narbo: 'Was bildet sich diese gepunktete Weibliche eigentlich ein, mich rumzukommandieren? Die soll sich bloß nicht einbilden, daß sie auch über meine Aufgabenbereiche bestimmen kann!'

Und so ging er ohne ein weiteres Wort in Richtung des Aufbauplanes. Als er an Telara vorbei mußte, zischte er kurz und seine Augen funkelten bedrohlich. Laut dem Plan setzten sich die Internen Sensoren aus einer Reihe von einzelnen Modulen zusammen. Durch diese dezentrale Bauweise sollte anscheinend ein Total-Ausfall vermieden werden. Gute Idee, aber wenn alles Schrott war, bedeute das ein ständiges hin- und herlaufen durch das ganze Schiff. Jedes Deck verfügte über zwei dieser Module, also mußten 16 Stellen überprüft werden. Offensichtlich funktionierten nur noch drei, die aber nur Mannschaftsbereiche überwachten.

'Bleiben nur noch 13 übrig! Aber wo fange ich an?', resümierte er. Anschließend legte er sich einen Plan zurecht: Zuerst würden die Sensoren im Bereich Maschinenraum, Deflektor- und Waffenphalanx wieder hergestellt werden, dann die in den weniger wichtigen Ebenen, wie den restlichen Crewbereichen.

--- Brücke

Raschkralles Ohren zuckten. Sie wandte sich an den Captain und meinte: "Carmpfn ...*hüstel* ... Slade übernimm du die Sensoren, besser gesagt das was davon funktioniert, ich gehe nach unten. Solange hier nix funktioniert sind wir verletzlich wie ein Neugeborenes, das noch blind ist."

Auf Slades Nicken wandte sie sich zum Turbolift.

--- Maschinenraum

Im Maschinenraum angekommen, wurde sie sofort von Telara eingeteilt, die Sensoren in den Jeffreys Röhren rund um den Warpkern zu überprüfen. 'Na klar', dachte Raschkralle, 'das wird mir ja immer aufgetragen bei meiner Größe.' Seufzend machte sie sich an die Arbeit.

Das Junge war auch im Maschinenraum, anscheinend reparierte es auch Dinge. Erstaunlich! Raschkralle kroch in die erste Röhre.

Fast alle Sensoren waren funktionsunfähig. Da Raschkralle einige nicht reparieren konnte (schließlich war sie keine Ingenieurin) mußte sie diese abbauen, hinauskriechen, wieder hineinkriechen und so fort. Nach ca. 2 Stunden merkte sie, wie sie immer müder wurde. Sie war halt doch schon älter. Die Zähne zusammenbeißend arbeitete sie weiter.

Die Röhre schien immer enger zu werden, obwohl Raschkralle wußte, daß die Größe genormt war. Nachdem sie mal wieder ein kaputtes Teil nach draußen zu Telara gebracht hatte und mit ihrer Arbeit in der Röhre fortfahren wollte schnaufte sie ganz schön. Sie beschloß, eine kurze Pause in dieser Röhre zu machen, bevor sie sich an den nächsten Sensorpunkt wandte.

Wenige Augenblicke später war sie eingeschlafen ...........

--- inzwischen auf der Brücke

Silvana zuckte resignierend mit den Schultern. Raschkralle schien kein großes Interesse an einer Unterhaltung zu haben und zog es lieber vor sich in die Eingeweide des Schiffes zu begeben. Anscheinend war das Schiff doch ein größerer Schrotthaufen, als Silvana am Anfang angenommen hatte und die Replikatoren nur eines der Probleme mit denen sie zu kämpfen hatten. Ihr war aufgefallen, daß die Sivaoanerin ziemlich angespannt gewesen war. Das Ergebnis der Scans schien nicht zu ihrer Zufriedenheit ausgefallen zu sein.

Nun, nachdem Raschkralle die Brücke verlassen hatte, war Silvana wieder allein mit dem Captain, der von seiner Mannschaft nur Slade genannt werden wollte. Sie räusperte sich, doch auch er schien zu konzentriert zu sein um es überhaupt zu bemerken.

Aber Silvana hatte nicht vor so leicht aufzugeben. Flaska war ein sehr wortkarger Begleiter auf ihren zahlreichen Reisen gewesen und sie waren in letzter Zeit sehr lange unterwegs gewesen. Fast schon so lange, daß sie begonnen hatte in Flaska einen Mann zu sehen und nicht nur einen guten Kumpel, der ihr Schicksal teilte. Aber dann waren ihre Gedanken in der Hinsicht von den Borg jäh unterbrochen worden.

Nachdenklich sah Silvana Slade von der Seite her an. Für einen Anticaner sah er wirklich gut aus... wenn man sich sein momentanes Outfit wegdachte. Und dann erst recht, dachte Silvana und konnte sich ein frivoles Kichern gerade noch verkneifen.

Slade war beeindruckend wie der Anführer eines Rudels. Seine große Mähne, seine Auftreten und seine ganze Haltung. Sie fragte sich was ihn wohl dazu bewogen hatte eine Laufbahn als Händler einzuschlagen und nichts wesentlich Männlicheres zu machen.

"Ist was mit dir oder warum starrst du mich so an, Silva?", fragte Slade plötzlich und musterte sie seinerseits. Silvana konnte nicht umhin ihre menschliche Seite zu verfluchen. Ihr war klar, daß sie ziemlich rasch errötet war und so wand sie sich von ihm ab und studierte intensiv die Geräte, was sie natürlich nicht mit voller Konzentration machte. Hastig dachte sie über eine mögliche Antwort nach, die nicht ihr wahres Interesse widerspiegelte.

Doch zu ihrem großem Ärgernis fiel ihr nichts Passendes ein. Sie fühlte sich ertappt und suchte nach einem Ausweg. Zum Glück kam ihr der Zufall dabei zu Hilfe.

Silvana hob den Kopf und sah auf den Bildschirm. "Slade, komm mal her und sieh dir das an. Das sieht ja reichlich interessant aus. - Eine Art... Zylinder..." Sicherheitshalber prüfte sie noch mal alle Anzeigen, aber die Scanner schienen das Teil nicht zu erfassen, das sie bereits sehen konnte und das immer deutlicher erkennbar wurde.

Jean meldete sich zu Wort: "Sir, auf den Schirmen ist ein zylinderförmiges Objekt zu sehen, welches die Scanner nicht erfassen können. Entweder besitzt dieses Objekt ein neuartiges Tarnfeld, welches nur die Scanner beeinflußt, oder es befindet sich in einer Subraumverzerrung. Möglicherweise ist das Objekt uns feindlich gesinnt. Ich empfehle gelben Alarm, Sir!"

Slade antwortete: "Roboter, die Scanner sind ganz einfach kaputt."

Jean erwiderte: "Das Kontrollprogramm meldet keinerlei Fehler, Sir. Die Scanner arbeiten innerhalb normaler Parameter."

"Das Kontrollprogramm ist ebenfalls hin, falls du das noch nicht bemerkt haben solltest", raunzte Slade.

Diesmal brauchte Jean etwas länger um zu reagieren: "Sind Sie sicher, Sir? Es existiert für dieses Kontrollprogramm kein Kontrollprogramm, also kann ich nicht kontrollieren, ob das Kontrollprogramm korrekt kontrolliert." Der Kopf des Androiden ruckte hin und her. "Woher beziehen Sie Ihre Information, daß die Scanner nicht funktionieren, Sir? Handelt es sich hierbei um eine authentizierte Informationsquelle?"

Slade erwiderte: "Ich weiß es einfach, das ist Information genug für dich. Gehe von nun an davon aus, daß die Scanner nicht arbeiten, ok?"

Jean antwortete darauf diesmal wesentlich schneller: "In diesem Fall zeigen die Schirme ein zylindrisches Objekt. Aus dem Vergrößerungsfaktor der Anzeige und der Größenänderung des Objektes schließe ich, daß der maximale Durchmesser des Zylinders zwischen 10 und 15 Metern beträgt. Es bewegt sich mit einer Geschwindigkeit zwischen Warp 4,3 und 4,45. Wie ich vorhin schon ausführte, empfehle ich gelben Alarm, Sir."

--- Röhrensystem

Nach einem schlichten "Bin weg!", und ohne Gruß, verließ Narbo den Maschinenraum durch eine Jeffriesröhre. Das Sensormodul befand sich in Röhre 27, Kreuzung 4, Bereich 2. Als er den Punkt erreicht hatte, löste er eine Abdeckplatte und begann er mit der Arbeit. Bald erkannte er, daß einige Chips durchgebrannt waren. Zudem liefen zwei Gelpacks in der benachbarten Computeranbindung aus.

Nun, Gelpacks waren schwer zu beschaffen, aber die Chips waren leicht zu ersetzen! Aus seinem Ingenieurskoffer holte er mehrere baugleiche Komponenten und setzte sie ein. Die Gelpacks überbrückte er mit einem Datenkompressor der 4. Baureihe, den er zufällig dabei hatte. Die Reaktion aus diesem Bereich würden zwar langsamer erfolgen, aber sie würde erfolgen, was ein gewaltiger Fortschritt war.

Von der eigenen Arbeit begeistert, verließ er den Kontrollpunkt in Richtung Deflektor. Als er durch eine engere Röhre mußte, hörte er plötzlich ein Geräusch. Zwar weit entfernt, aber dank seiner Ohren gut hörbar. Atemgeräusche!

Vorsichtig näherte er sich dem Ursprung und als er noch eine Ecke entfernt war, zückte er ein kleines Messer, das in seinem Stiefel steckte. Sicher ist sicher.

Nachdem er seinen Kopf, um die Ecke steckte, sah er ein großes Fellbündel, daß seelenruhig schlief. Raschkralle! 'Ich reiße mir hier den Hintern auf und der Bettvorleger ruht sich aus!', empörte er sich. Gerade als er sich leise heranschleichen wollte, um sie zu erschrecken, ertönte ein Alarmsignal. Adrenalin schoß in Narbos Adern und sein Kopf schlug erneut gegen die Decke. "Mist!", schrie er vor Schmerz und die Katze wachte auf....

Raschkralle schlief den leichten, jedoch erholsamen Schlaf aller Katzen als sie plötzlich ein Geräusch bemerkte. Sie entspannte sich noch mehr, um ihren Angreifer zu täuschen und bereitete sich auf eine Attacke vor.
Plötzlich ertönte ein lautes RUMMS das Raschkralle hochfahren ließ.

Vor sich sah sie den Ferengi, jedoch waren ihre Reflexe schneller und sie sprang ihm schon auf die Brust, warf ihn um und fuhr ihre Krallen schmerzhaft in seinen Oberkörper. Dann beherrschte sie sich, stand nur weiterhin auf seiner Brust und entblößte ihre Fänge [Fänge = Zähne ... ;-)].

Raschkralle fauchte und etwas Speichel tropfte in Narbos Gesicht. Dieser wurde etwas grüner, rührte sich aber zu seinem Glück nicht. Die Krallen der Katze waren Maximal ausgefahren und in gefährlicher Nähe zu seinen inneren Organen.

Da bemerkte Raschkralle den gelben Alarm. Sie schaute den Ferengi noch einmal scharf an, ließ dann aber von ihm ab und eilte durch die Röhren Richtung Turbolift.

[Anmerkung des GM: Aufmerksamen Lesern mag auffallen, daß es recht unwahrscheinlich ist, daß eine schlafende Sivaoanerin einen auf dem Bauch kriechenden kampfbereiten bewaffneten Ferengi in einer engen Röhre eben mal ganz fix überrumpeln kann. Ich habe diese Situation nur deshalb zugelassen, weil sich die Beiden intern geeinigt haben: Narbo hat nun eine ganz spezielle Rache frei. Was für eine? Das lest ihr demnächst ebenfalls in der Chronik der Privateer!]

--- Maschinenraum

Raschkralle flitzte um schneller zu sein auf vier Pfoten zum Turbolift und meinte im Vorbeirennen zur Ingenieurin:
"Ich geh zur Brücke." Sprachs und war schon im Turbolift.

--- Turbolift

Im Turbolift gönnte sich die Katze ein verstohlenes Gähnen, sprang aber sofort heraus als dieser die Brücke erreichte.

--- Brücke

Raschkralle flitzte zur Navigationskonsole, die letzten Meter legte sie mit einem großen Satz zurück. "Was ist los?", fragte sie. Slade entgegnete von der wissenschaftlichen Station: "Schau zum Sichtfenster raus, die Sensoren zeigen nur Müll an."

Raschkralle schaute. Reflexartig flog sie ein Ausweichmanöver und brachte das Schiff außer Reichweite der in dieser Galaxis bekannten Waffen. Neben sich hörte sie ein Murren: "Wie soll ich denn auf diese Entfernung schießen!", murrte Silvana.

Die Katze entgegnete: "Am besten gar nicht. Wenn du möchtest kannst du ja mit einem Raumanzug auf die Schiffsoberfläche krabbeln und eventuelle Schüsse mit der Hand abwehren. Wir haben noch keine ausreichenden Schilde."

Raschkralle fauchte kurz und spuckend: "FRRrrrrrskttttt!" Diese Schrottkiste war einfach unmöglich. Ein fliegendes Grab!

"Chef sollen wir fliehen?", wandte sie sich an den Captain. Sie selbst hielt das für eine ausgezeichnete Idee.

Slade schaute sie verwirrt an. Fliehen? Vor so einem kleinen Teil? Gut, es flog mit Warpgeschwindigkeit, aber das bedeutete, daß ein wesentlicher Teil seines Inneren mit Warpfeldgeneratoren bestückt sein mußte. Wo sollte da Platz für Waffen sein?

Er vermutete vielmehr, daß es sich bei diesem Objekt um eine Art Rettungskapsel handelte. Wer würde schon ein gefährliches Raumschiff dieser Größe bauen? Da war ja Narbos Shuttle schon größer.

Als sie sich dem Objekt weiter näherten, meldete sich plötzlich Jean zu Wort: "Sir, die Kontrolle der Bildschirmeinrichtung zeigt, daß auch diese nicht korrekt arbeitet. Die Vergrößerungseinstellungen scheinen sich alle 2,87 Minuten zu verändern, jedoch ohne daß das dargestellte Bild sich ändert. Das bedeutet, daß die von mir berechnete Größe nicht zwangsläufig stimmen muß. Bei der jetzigen Vergrößerung des Bildschirms errechne ich eine Größe zwischen 480 und 653 Meter."

Alle sahen sich an und waren schlagartig eine Spur bleicher geworden.

Silvana strahlte. Endlich zeigte sich ein lohnendes Ziel auf dem Bildschirm. Und es war auszurechnen, daß es eine nicht zu unterschätzende Bedrohung für die Privateer darstellte. Zumindest war das ihr erster Eindruck und sie vertraute auf ihre Instinkte, besonders wenn sie ihrer Jagdleidenschaft so entgegenkamen, deshalb zögerte sie nicht damit das Waffensystem zu aktivieren und zu zielen.

Mit einem raschen Blick auf Slade vergewisserte er sich, daß er nichts dagegen unternahm und ihr zustimmte, daß man etwas unternehmen mußte. Sie waren schon zu nahe dran um jetzt einfach zu flüchten. Besonders mit ihrer augenblicklichen Geschwindigkeit. Man würde sie kriegen. Jetzt konnte ihnen nur noch ein Überraschungsangriff helfen.

"Feuer frei", sagte Silvana schlicht und feuerte, noch bevor Slade auf die törichte Idee kommen konnte, Raschkralles Vorschlag zu fliehen doch Folge zu leisten.

Alle starrten gebannt auf den Bildschirm...

...und sahen mit an wie ein Photonentorpedo meilenweit an dem vermeintlichen Ziel vorbeischoß und scheinbar überhaupt nicht vorhatte zu explodieren. Irgendwann verloren sie ihn aus den Augen.

Dann sahen sie...

...den Zylinder, der plötzlich immer größer wurde und geradezu gigantische Formen annahm. Bis er schließlich den ganzen Bildschirm einnahm.

Und dann sahen sie...

... gar nichts mehr. Es gab nur ein "Plink", als das Teil gegen ihren Sichtschirm prallte und ihnen ihre Sicht auf plus minus Null dezimierte.

"Oh, oh", sagte Silvana und sah die anderen beiden an. "Hat jemand Lust auf einen Spaziergang an der frischen Luft?"

Als sie in die verdutzten Gesichter der anderen starrte, fügte sie hinzu... "Sagte ich eigentlich bereits, daß ich eigentlich zwei Photonentorpedos abgefeuert habe? Ihr könnt mir eigentlich dankbar für den Test sein. Das Verfallsdatum scheint hier von so ziemlich allem abgelaufen zu sein." Abwartend wie Slade sich zu der Sache äußern würde, lehnte sie sich zurück.

--- Maschinenraum

Telara sah Raschkralle entgeistert nach. Das zweite mal schon, daß sie ihr entgeistert nachsah. Und das innerhalb von einigen Stunden. Die Trill seufzte und wurde sich langsam klar darüber, daß ihr mit diesem bunt zusammengewürfelten Haufen, den Slade vorzugsweise 'Crew' oder 'Mannschaft' zu nennen pflegte, noch einiges blühte!

Der Alarm störte Telara nicht weiter und sie versetzte einer wild vor sich hinblinkenden Konsole einen Tritt, woraufhin einige der Kontrollämpchen aufhörten zu leuchten und die Anzeige wieder normale Werte zum besten gab. Nach einem weiteren Tritt, der eigentlich bezwecken sollte, daß die obere rechte flackernde Anzeige sich stabilisierte, fiel die Konsole jedoch ganz aus.

Resigniert schüttelte die Ingenieurin den Kopf. Gab man ihr ein gut ausgestattetes Labor, dann mochte sie Wundertaten vollbringen können. Aber wenn man auf einem Schrottplatz arbeitete, dann kam auch nicht viel mehr als Schrott bei der Arbeit heraus!

Die Konsole steckte den dritten Tritt ein und leuchtete wieder auf. Der Bildschirm flackerte nicht mehr und alles funktionierte einwandfrei. Zufrieden nickte die Trill und wandte sich ab, um sich wieder der Antriebsleistung zu widmen.

Der Warpkern lieferte inzwischen genug Energie, daß es für Warp 5,2 reichte. Recht befriedigend, wenn man bedachte, wie schlecht der Zustand der Leitungen, der Kristalle und der Gondeln war. Zu mehr war aber auch Telara nicht imstande. Die Privateer mußte unter Warp gehen und unbedingt neue Kristalle einsetzen, sonst würden sie nicht mehr weit kommen.

Telara gab der Brücke die Meldung durch, daß sie nun in der Lage waren auf Warp 5 zu beschleunigen. Ihr Blick streifte eine Meldung, der sie bisher keine Beachtung geschenkt hatte und bat die Brücke einen Moment zu warten. Dann fuhr sie fort: "Achja, und schenkt dem Sichtschirm nicht all zuviel Beachtung. Ich sehe grade, daß die Sensoren die Werte, die sie empfangen falsch verarbeiten. Ich kümmere mich darum. Telara Ende!"

--- Brücke

Raschkralle wollte gerade auf Silvanas Anfrage wegen des Raumspaziergangs antworten, als Telaras Meldung hereinkam. Ganz toll, das hätten sie sich jetzt nicht gedacht.

Raschkralle musterte Silvana einen kurzen Augenblick und meinte dann: "Da dies hier ein ehemaliges Föderationsraumschiff ist, sind die meisten Raumanzüge für Humanoide ausgelegt, es sei denn es sind Spezialanfertigungen da. Ich denke jedoch, wenn es solche gab wird der Ferengi die zu Credits gemacht haben. Langer Rede kurzer Sinn, du bist hier grad die Einzige die in einen solchen Anzug paßt. Viel Spaß beim Ausflug."

Die Katze musterte einen Augenblick ihr Gegenüber, das von dieser Ankündigung nicht so furchtbar begeistert schien.

"Hmmm, man könnte aber auch ...", grübelte Raschkralle weiter, "das Shuttle des Ferengi nehmen und draußen ein bißchen herumdüsen. Das bringt sicher mehr Spaß."

Raschkralle klappte die Ohren nach vorne und ihre Schnurrhaare zuckten kurz.

--- In einer engen Röhre

'Mist, hat mich dieses pelzige Luder doch überrumpelt! Aber das wird nicht wieder passieren. Wenn sie Milch in der Bar bestellt, wird ein Mittel, das ihr alle Haare ausfallen läßt, beigemischt!', schmiedete Narbo dunkle Rachepläne. 'Nein, das ist noch viel zu freundlich...', verwarf er seinen ersten Plan: 'Gleich nach Ende der Schicht werde ich einen Plan zurechtlegen!'

Aus Vorfreude erledigte er die Reparatur von 7 anderen kaputten Sensormodulen in Rekordzeit, wobei alle die gleichen Defekte aufwiesen. Drei Stunden nachdem dieser überdimensionierte Pelzhaufen ihn überrascht hatte, wollte er in sein Quartier gehen, um zu planen und ein bißchen zu schlafen. Plötzlich fiel ihm auf, daß ihm noch gar kein Raum zugewiesen wurde. Sicher, er hätte Slade per Interkom fragen können, aber dieser wäre einer Ruhepause abgeneigt gewesen. Sklaventreiber! Schließlich kehrte Narbo in den Maschinenraum zurück.

--- Maschinenraum

Im Maschinenraum angekommen, genoß der Ferengi es zuerst, gerade stehen zu können. Nachdem er sich verstohlen gereckt hatte, ohne das es irgend jemand gesehen hatte, begab er sich zu einer Konsole und ließ sich die Deckaufteilung anzeigen. Deck 3, Sektion 5 lag genau zwischen den Transporterräumen und seiner zukünftigen Bar. Außerdem war die Stelle hervorragend gegen Beschuß abgeschottet und die Shuttlerampe war auch benachbart. 'Ein wahrer Glücksgriff!', grinste er und wollte gar nicht wissen, wo der Haken lag....

--- Deck 3, Sektion 5

Die Fahrt mit dem Lift hatte sich als Abenteuer erwiesen und zähneknirschend zog sich Narbo die Kleidung wieder zurecht. 20 Meter freier Fall konnten einem den Tag ganz schon verderben! Aber zum Glück war er nun am Ziel und stand vor der Tür seines Quartiers. Zu seiner großen Überraschung öffnete sich sogar die Tür und er trat ein.

--- Narbos Quartier

Das Zimmer sah groß genug aus, um es hier aushalten zu können. Alle Einrichtungen, wie Replikator oder Schalldusche waren vorhanden. Lediglich ein Fenster fehlte, aber wer wollte schon nach draußen gucken?

Innerlich hatte er sich inzwischen einen Plan zurecht gelegt: Nachts würde er Raschkralle mit einem, aus der Krankenstation entwendeten, Sedativ ruhigstellen, um sie anschließend in ein dunkles Zimmer zu bringen. Und hier würde sie erwartet werden von dem Schrecklichsten was sich eine Katze, vor allem eine Sivaoanerin vorstellen konnte....

Aber zuerst würde Narbo seinen Raum zu einer kleinen Festung umbauen: Die Türkontrollen würden durch andere, unumgehbare, ersetzt werden. Außerdem würde ein Mini-Sensor jede Aktivität im Umkreis von 15 Metern verfolgen! 'Es ist herrlich, wenn man über genug Dreistigkeit und Technologie verfügt. Keiner von diesen Chaoten wird mir zu nahe kommen! My Home is my Castle!', dachte er triumphierend und legte sich erschöpft schlafen...

--- Brücke

"Ach, was. Ich spring da schnell raus und bring den Schirm wieder in Ordnung. Das ist nichts Neues für mich. Mußte ich schon öfter machen, wenn uns die Raumschiff-Trümmer um die Ohren flogen. - Hier ist immer noch Handarbeit gefragt. Herumdüsen, daß hab ich als kleines Kind gemacht." Silvana war inzwischen aufgestanden und bewegte sich geschmeidig zum Turbolift.

Sie spürte förmlich Slades Blick auf sich. Er hatte noch nichts gesagt, aber sie wußte, daß ihr eigenmächtiger Schießbefehl ein Nachspiel haben würde. Naja... vielleicht sogar ein ziemlich amüsantes... ihre Augen funkelten begehrlich auf.

Slades und ihr Blick trafen sich für einen kurzen Moment. Silvana lief ein angenehmer Schauer über den Rücken. Sein wölfisches Grinsen brachte sie etwas aus der Ruhe und ließ ihr Herz schneller schlagen. Ihr Mut schien ihn zu beeindrucken und sie war stolz darauf.

Lediglich Raschkralle schien etwas einwenden zu wollen, doch sie ließ sie erst gar nicht zu Wort kommen und winkte entschieden ab. "Wirklich alles ist besser, als hier vor sich hinzudösen und auf den Abschleppdienst zu warten. - Also halt die Ohren steif, Plüschohr, du wirst bald wieder freie Sicht haben. Und wenn du Glück hast klappt es dann auch bei der Technik mit den Scans. Bis dahin würde ich aber an deiner Stelle den Speed zurücknehmen. Ich bezweifle, daß du ohne Scanner und blind ein Raumschiff fliegen kannst."

Und damit verschwand Silvana gefolgt von zwei Augenpaaren im Turbolift.

--- Gänge der Privateer

Nach einem kurzen Orientierungsmarsch hatte Silvana sich wieder an den Aufbau einer norway-class erinnert und fand sich auch hier problemlos zurecht. Dabei kam es ihr zugute, daß sie nicht zum ersten Mal auf so einem Schiff war. Auch damals hatte sie sich in einer Notsituation sehr schnell orientieren müssen um sich aus dem Staub zu machen.

--- Beim Ausstieg

So fand sie auch bald das technische Notfallset, daß unweit des Ausstiegs in der Wand verankert war. Es war unmöglich zu finden, wenn man keinen Tip von einem Insider bekam. Wenn hier einer davon gewußt hätte, wäre es sicher schon im Maschinenraum gelandet oder der Verkäufer hätte es versilbert.

Lächelnd stieg Silvana in einen der Raumanzüge, der ihr einigermaßen vertrauensvoll aussah, befestigte das Sicherheitsseil daran und schloß ordnungsgemäß die Luke hinter sich. Dann testete sie die Lampe des Anzuges auf ihre Funktionsfähigkeit. Zu ihrem Erstaunen funktionierte diese tadellos.

"Leute, ich bin dann soweit", sagte sie um die sprachliche Verbindung zur Brücke zu testen. "Könnt ihr mich gut hören?" Es rauschte ziemlich viel und sie hörte ein. "Rskskrss...aber...sskkkrrrooo...schwach...kkkkrrriiiiuuu....", pfiff es in ihr die Ohren zurück.

"Ja, mir geht es ausgezeichnet", antwortete sie und setzte zuletzt den Helm auf.

Silvana öffnete den Ausstieg, der ziemlich schwerfällig ging und sich nur mit Gewalt davon überzeugen ließ, sich ihrem Willen zu beugen. Mit einem dumpfen Geräusch verbanden sich die schweren Stiefel mit der Außenhülle des Schiffes. "Dann wollen wir es mal angehen", sprach sie mehr zu sich selbst, als das sie hoffte, daß die anderen es auch hörten.

--- kurze Zeit später, außerhalb des Schiffs

Silvana fühlte sich unheimlich gut. Hier draußen war sie frei wie sonst nirgendwo. Höchstens bei Holoabenteuern hatte sie bisher ein ähnliches Gefühl verspürt. Es war als würde das Raubtier in ihr hier über die freien Wälder und Wiesen jagen bis ans Ende der Welt. Sie genoß solche Ausflüge mehr, als sie nach außen hin zugeben wollte. Um keinen Preis hätte sie jemand anderes dieses Vergnügen vergönnt.

Trotzdem wollte sie nicht, daß die anderen diese romantische Seite an ihr kannten. Zuviel Gefühlsduselei machte verwundbar und genau das wollte sie niemals sein. Schwach und verletzlich. Ein richtiger Kämpfer mußte frei sein und durfte nur den Tod selbst fürchten. Und da er sie nicht scherte, war sie absolut perfekt. So perfekt wie Dr. Farnside sie immer haben wollte.

Das unendliche Weltall breitete sich nach allen Seiten aus und gab ihr ein Gefühl von einem dunklen samtenen Umhang umarmt zu werden. Die Sterne wirkten hier draußen noch mehr wie funkelnde Diamanten und Kristalle. Genau wegen diesem Gefühl hatte Silvana sich entschlossen die meiste Zeit ihres Lebens im Weltraum zu verbringen. Hier war ihre Heimat. Hier war ihr eigentliches Zuhause.

Hier, wo niemand nach ihrer Herkunft oder ihrer Abstammung fragte.

"Oh, Mann, ich könnte mir wirklich keinen schöneren Tod vorstellen, als bis zum Ende des Sauerstoffs frei im Weltall zu treiben. - Nein, Leute, das sollte jetzt wirklich keine Aufforderung an euch werden..." Sie lachte trocken, nahm ein Werkzeug zur Hand und machte sich an die Arbeit.

--- Brücke

Slade war fast mehr verblüfft als zornig. Diese Crew war schwerer zu hüten als ein Sack Flöhe. Telara gab einfach Anweisungen an seine Brückenbesatzung, Raschkralle folgte diesen Anweisungen auch noch, und Silva war der absolute Hammer. Schoß erst ohne auf seinen Befehl zu warten, verschwendete SEINE Torpedos, gab sich selber den Befehl, die Kamera zu reparieren, und befahl Raschkralle anschließend noch, die Geschwindigkeit herunterzunehmen.

Auf einem Föderationsschiff wäre das alles eine Vorstufe zur Meuterei gewesen. Aber erstens waren sie hier nicht bei der Föderation, zweitens mußte bei dieser Besatzungsstärke (oder besser -schwäche) wirklich jeder an jedem Ende mit anpacken, und drittens hätte er alles genau so befohlen wie seine Mannschaft dann letztendlich von alleine reagiert hatte.

Was er speziell bei den Torpedos niemals zugeben würde, da er sie im Moment noch Silva vom Lohn abziehen konnte.

Nur aus diesen Gründen war er so lange ruhig geblieben. Allerdings hatte er das Gefühl, ein Exempel statuieren zu müssen, einfach um klarzustellen, daß er hier der Captain war. Aber wie sollte er das anfangen, ohne daß seine Leute ihre Fähigkeit und die Lust zur Improvisation einbüßten? Schließlich handelten ja alle im Sinne des Schiffes und letztendlich sehr verantwortungsbewußt.

Sollte er unsinnige Befehle geben? Nein, sicher nicht.

Nein, es wurde einfach Zeit, daß das Schiff auf annähernd volle Besatzungsstärke kam. Glücklicherweise hatte er damit gerechnet viele Leute zu brauchen, und deshalb schon im Vorfeld dieser Reise auf Drema IV angekündigt, daß er eine Besatzung bräuchte. Er hoffte, daß sich in der Mine genug qualifizierte Leute gemeldet hätten. Aber da war er sich fast sicher, da es sehr viel spannender war, mit einem Raumschiff durchs All zu düsen als in irgendeiner illegalen Mine zu schuften.

Gos'Nargh, der Leiter der Mine, hatte Slade zudem verraten, daß gerade jetzt die jährliche Auswechslung der Minenbesatzung stattfinden würde. Das bedeutete, hier wären mehrere hundert Mann, die alle einen neuen Job suchten.

Mit voller Besatzungsstärke würden solche abteilungsübergreifenden Übergriffe schnell aufhören.

Nachdem Slade so weit gedacht hatte, verschwendete er wieder einen Gedanken an das fremde Objekt. Er hatte es verdrängen können, weil er kurz nach dem Aufprall sicher sein konnte, daß das Schiff noch existierte und nur die Außenkamera zerstört war.

Das bedeutete, daß es wesentlich kleiner als die Privateer war. Aber wie klein? Er öffnete einen Kanal zu Silvana, indem er auf seinen Kommunikator schlug: "Slade an Silvana. Ist die Kamera zu reparieren oder wenigstens zu ersetzen? Kannst du den Zylinder irgendwo sehen? Wenn ja wie groß ist er? ... Hallo?"

--- außerhalb des Schiffes

"Verdammt, ist hier an der Kiste wirklich nur alles mit Spucke zusammengehalten?", fluchte Silvana gerade und widerstand der Versuchung sich den Schweiß von der Stirn zu wischen, was nicht viel Sinn gehabt hätte, da ihr Kopf ja in einem Helm steckte, als der verstümmelte Ruf des Captains sie ereilte.

Sie verstand nur die Worte Kamera, Zylinder und groß. Trotzdem konnte sie sich sehr gut vorstellen, was ihn interessierte.

"Ja, ja, Slade. Ich meld mich sofort zurück. Gib mir noch ein paar Sekunden", murrte sie ärgerlich, da er sie mitten in der Konzentration unterbrach. "Männer und ihre Neugier...", schimpfte sie und fuhr fort zu arbeiten.

Es war nervenaufreibend solche Feinarbeiten mit einem Anzug und dicken Handschuhen erledigen zu müssen. Silvana war gewöhnt sich so frei wie möglich bewegen zu können, doch hier fühlte sie sich mehr als behindert. Ärgerlich drehte sie nach getaner Arbeit die letzte Schraube fest. Jetzt sollte der Sichtschirm eigentlich wieder funktionieren.

Im Grunde mußten sie froh sein, daß ihnen das Ding nicht schon früher einfach abgefallen war. Es war total schlecht befestigt, als wäre es in einem Kampf ziemlich beschädigt worden. Was sie hier vorgefunden hatte, das konnte nicht allein durch den heutigen Aufprall entstanden sein.

"Silvana an Plüschohr und Slade. Ich bin fertig. Könnt ihr jetzt was sehen?" Zur Kontrolle stellte sie sich davor und wedelte mit den Armen. Anscheinend war die Reparatur wirklich erfolgreich gewesen. Sie erhielt als Antwort ein "Rsskkss... sehen... Rrrrskkkkss... dummes Gewedel..." und dann kam eine Passage, die wohl Raschkralles Unwillen zum Ausdruck geben sollte von ihr Plüschohr genannt zu werden.

"Schade, daß ich dich hier so schlecht verstehen kann, Plüschohr. Alles weitere werden wir wohl drinnen klären müssen. - Aber später. Slade, ich sehe mich hier draußen erst einmal ein wenig um. Ich hab da so eine Vorahnung wohin unser Teilchen entschwunden sein könnte. Silvana Ende."

Silvana stiefelte einige Zeit weiter, was in den schweren Stiefeln alles andere als angenehm war und sah sich einer plötzlichen Eingebung folgend um. Da sah sie auch schon das Objekt ihrer Begierde. Es war in eine andere Richtung abgeprallt, befand sich jetzt schräg hinter ihnen und schien sie direkt anzustrahlen. Ihre gelben Katzenaugen freuten sich bei seinem Anblick.

"Slade, du wirst es nicht glauben", sagte sie und hoffte, daß wenigstens die Verbindung nach drinnen einigermaßen in Takt war. "Aber dieser Zylinder... er ist etwa zwei Meter lang und einen halben Meter groß... so einen habe ich schon mal gesehen... es ist eine... Rettungskapsel..."

--- Narbos Quartier

Von Übelkeit übermannt schreckte Narbo aus einem äußerst schönem Traum hoch, in dem Raschkralle ein ganz "unschönes" Schicksal erlitten hatte.

Rasch lief der Ferengi in das Bad und entledigte sich seines Mageninhaltes. Als er daran dachte, daß Katzen ihr eigenes Fell erbrachen, wurde ihm noch übler und er hätte beinahe alle Eingeweide hochgewürgt.

'Hmmm, scheinbar sind die Trägheitsdämpfer in dieser Sektion nicht intakt!', dachte er und setzte dies ganz hoch auf seine Reparaturliste. 'Warum hat das scheiß Schiff gestoppt?', überlegte er, während er versuchte, den Geschmack aus dem Mund zu bekommen. In einem Notfall würden sie wohl hoffentlich alle benachrichtigt werden. 'Die Umbauarbeiten werde ich verschieben müssen', fluchte er, während seine Hand zum Kommunikator glitt: "Hier Narbo an Brücke! Warum haben wir gestoppt? Ist das Schiff endgültig verreckt?"

--- Brücke

"Hier Raschkralle!", kam die Antwort von der Katze, "wir sind mit irgendwas zusammengestoßen was unsere Außenkameras zerstört hat. Silvana geht grad spazieren, daher dachte ich, ich flieg mal ein bißchen langsamer." Raschkralle bleckte kurz ihre Zähne. "Raschkralle Ende"

'Ich benachrichtige am besten auch die Ingenieurin', ging ihr durch den Kopf.

"Raschkralle an Maschinenraum und Narbo. Silvana wird gleich etwas durch die Oberdeckluke ins Shuttledeck bugsieren. Telara, geh doch mal hin und schau ob die überhaupt aufgeht. Narbo du gehst auch hin, zieh dir nen Anzug an und hilf Silvana."

"Ach ja, bevor ihr fragt, nein, es läßt sich nicht hereinbeamen, zumindest nicht einwandfrei. Es sieht aus wie eine Rettungskapsel, könnte aber alles mögliche sein, da die Sensoren immer noch nicht richtig funktionieren. Nehmt also am besten Waffen mit, aber das werdet ihr euch eh schon gedacht haben ..... Raschkralle Ende."

Raschkralle nickte dem Captain zu, der alles mit reglosem Gesichtsausdruck beobachtet hatte.

Raschkralle streckte ihre Pfoten, ließ die Gelenke knacken und versuchte das Schiff möglichst ruhig zu halten. Diese Silvana hatte einen angenehmen Geruch [denke ich mir so, wegen der Raubkatzengene dürfte der Geruch für andere Katzen angenehm sein, sonstigen Spezies aber nicht auffallen] für einen Menschen und es wäre schade die Brücke mit irgendeinem stinkenden Humanoiden zu teilen.

Slade erhob sich aus seinem Captainssessel und knurrte leise. Scheinbar wurde es jetzt wirklich Zeit für ein kleines Exempel. Er schlug auf seinen Kommunikator: "Captain an alle. Alle Kommandos zurück. Jeder bleibt an seinem Platz und macht genau da weiter, womit er bisher beschäftigt war. Alle weiteren Anweisungen kommen ab sofort von MIR." Das letzte Wort bellte er lauter und ziemlich übel gelaunt heraus, während ein scharfer Blick aus seinen Augen Raschkralle zu durchbohren schien. Welche daraufhin die Ohren anlegte.

"Captain an Silva. Wie weit ist der Zylinder etwa vom Schiff entfernt?"

Die Antwort kam verzerrt: "krzzzrrrr---min...chrrrzchrrrkrrr zweihundert Metkrrrzzzkchhrrr...weiterrrchzchrrrk..."

Slade erwiderte: "Also müssen wir mit dem Shuttle raus, um das Teil einzufangen. Silva, mach dich auf zur Shuttlerampe. Slade Ende. - Slade an Narbo. Unseren Abfangjägern traue ich nicht über den Weg. Wir borgen uns mal kurz dein Shuttle aus, ok? Wenn du willst, komm in die Shuttlerampe. Slade Ende."

Zu Raschkralle sagte er: "Ok, du bist die beste Pilotin hier. Ab zum Shuttle. Sieh zu, daß wir das Teil an Bord bekommen. Abmarsch."

Slade streckte seine Pfoten, ließ die Gelenke knacken und versuchte sich möglichst langsam wieder zu setzen.

Raschkralle hätte beinah miaut wie ein junges Kätzchen. Die Ohren wieder nach vorne klappend und möglichst unauffällig die Brücke verlassend folgte sie den Befehlen des Captains.

--- Shuttlerampe

Die Katze entdeckte das Shuttle des Ferengi sofort. Allerdings verfehlte der übliche Befehl dessen Tür zu öffnen seine Wirkung. Als es Raschkralle mit dem ältesten Technikertrick des Universums versuchte das Shuttle zu öffnen, ging auf der Seite plötzlich eine Klappe auf, ein Phaser erschien. Den Rest sah die Katze nicht mehr, da ihre Reflexe gottseidank schnell genug waren um dem tödlichen Strahl zu entgehen.

Sie beschleunigte im wahrsten Sinne des Wortes 'wie eine angesengte Katze'.

Hinter einem der Abfangjäger Deckung nehmend untersuchte sie erstmal ihre verbrannte Schwanzspitze. Dann wartete sie auf den Ferengi.

--- inzwischen auf der Brücke

Als Raschkralle die Brücke verlassen hatte, entspannte sich Slade ein wenig. Sie war eine äußerst fähige Pilotin, schien aber eine starke Hand zu benötigen, sonst dachte sie eines Tages noch, sie wäre Frau Captainesse. Nun, an einer starken Hand sollte es nicht fehlen. Aber auch Silva benötigte ab und zu wahrscheinlich einen kleinen Nasenstüber.

Mit diesen Aussichten hoffte Slade, daß David lange hier bleiben würde. Von seinen Wunden spürte er kaum noch etwas. Die Rippen zwickten ein wenig, aber das ignorierte er sehr erfolgreich, schließlich war er keine Memme. Nur der Blutverlust hatte ihn etwas geschwächt. Ansonsten hatte sein Doktor ihn perfekt wieder zusammengeflickt, besonders wenn man die Zeit bedachte, die Slade ihm dazu gegeben hatte.

Ein fiependes Geräusch aus Richtung der Sicherheitskonsole ließ ihn aus seinen Gedanken hochschrecken und zur Konsole greifen. Jean war jedoch schneller, zumal er seine Daten direkt über den Schiffscomputer bekam: "Sir, ich registriere mehrere Phaserschüsse auf dem Shuttledeck. Sagt Ihre phänomenale Informationsquelle auch in diesem Fall, daß die Kontrollen defekt sind? Ich könnte ja ein Sicherheitsteam herunter schicken, wenn wir schon eines hätten, Sir."

Slade fielen fast die Ohren ab, als er diese Sätze des Automaten hörte. Wer hatte denn den programmiert? Ein Roboter, der ironisch sein konnte? So etwas gab es eigentlich nicht. Konnte es nicht geben.

Aber damit würde er sich später beschäftigen.

Hm, wie oft hatte er diesen Satz auf diesem Schiff in den letzten Stunden eigentlich schon gedacht? Langsam würde er sich aufschreiben müssen, womit er sich 'später', also wahrscheinlich nächsten Monat, und dann wohl gleich für ein ganzes Jahr, beschäftigen wollte.

Leider waren die Phaserschüsse momentan wirklich wichtiger.

Er aktivierte seinen Kommunikator: "Slade an Raschkralle. Wer schießt da im Shuttledeck auf wen?"

Die Antwort kam schnell und mit weiteren Phaserschüssen untermalt, dafür aber völlig ohne Verzerrungen: "Momentan schießt nur einer, und zwar auf mich. Narbos Shuttle hat es mir wohl etwas übel genommen, daß ich mich reinsetzen wollte." Mit einem Seitenblick auf ihre Schwanzspitze fügte Raschkralle hinzu: "Und es zielt verdammt gut!"

"Da du noch reden kannst, zielt es offenbar nicht gut genug. Ok, sieh zu, daß du noch ein paar Minuten überlebst, ich schicke dir Verstärkung. Slade Ende. - Slade an Narbo. Dein Shuttle zerschießt zur Zeit nicht nur unsere Shuttlerampe, sondern auch unsere Navigatorin. Komm in die Hufe und stell das ab! Slade Ende.
Slade an Silva. Ich hoffe, du bist bald in der Shuttlerampe. Slade Ende.
Slade an David. Könnte sein, daß es in der Shuttlerampe bald ein paar Verletzte durch Phaserschüsse gibt. Es wäre nicht von Nachteil, wenn du dich bei Gelegenheit mal dort sehen ließest.
Slade an Telara. Wenn du mit dem fertig bist, was du gerade machst, könntest du dir vielleicht mal die Shuttlerampe anschauen. Es wäre schön, wenn das Shuttle irgendwann mal wieder heil dort landen könnte.
Slade Ende. - Slade an..." ... 'Hm? Ach so, das war schon die ganze Besatzung. Und warum hab ich nicht gleich "Slade an alle" gesagt? Wer ist eigentlich auf den Wahnsinnsgedanken gekommen, mit so einer Minimalbesatzung auf Tour zu gehen? Ich?
Grummel...'

--- Maschinenraum

Telara schreckte von der Konsole auf, auf der ihr Kopf ruhte. Sie war wohl eingenickt.... für gut eine Stunde! "Telara hier. Ich gehe gleich mal hin!", antwortete sie Slade und stand auf.

Cassandra lag vor einer funktionsunfähigen Konsole. Sie hatte die Beine angezogen und mit ihren Armen umschlungen. Telara beschloß, daß das momentan einer der sichersten Orte an Bord war und ließ sie dort liegen und schlafen.

Als sie den Maschinenraum verließ nahm sie sich einen Phaser aus dem Kasten neben dem Ausgang und steckte ihn ein, um dann zur Shuttlerampe zu gehen.

--- Narbos Quartier

Noch während Slades Befehl eingetroffen war, hatte sich Narbo auf den Weg gemacht. Wenn er nicht so verschlafen gewesen wäre, hätte er Raschkralle vielleicht warnen können. 'Nein!', überlegte er grinsend.

--- In den Gängen

Langsam kannte der Ferengi den Schiffsaufbau besser und auch alle defekten Lifte, die man meiden sollte und so erreichte er die Shuttlerampe, die ja zum Glück in nächster Nähe zu seinem Quartier war, in Rekordzeit.

--- Shuttlerampe

Während er noch vergnügt die Katze betrachtete, die leicht lädiert hinter einem Föderationsshuttle Schutz suchte, klopfte er sich selbst gedanklich auf die Schulter: 'Es geht doch nichts über ein ausgeklügeltes Sicherheitssystem!'

Instinktiv hatte er beim "Erwerb" des Shuttles gewußt, daß so was irgendwann erforderlich sein würde. Und da er noch diesen alten cardassianischen Phaser hatte, baute er ihn natürlich sofort ein.

'Schade, daß er nur eine Einstellung hat: Töten!' dachte er ironisch, während er sich dem Shuttle näherte. Ein Identifikationsprogramm sollte ihn eigentlich verschonen. Aber jetzt war nicht der Moment an seinem eigenen Können zu zweifeln.

--- Korridor vor Shuttlerampe

Als die Trill um die Korridorbiegung ging, kam David ihr entgegen. Telara wußte nicht so recht, was sie sagen sollte, also nickte sie ihm nur kurz zu und lächelte kurz.

"Was machst du denn hier?", fragte er sie.

"Ich soll den Hangar reparieren", antwortete Telara wahrheitsgemäß und warf einen Blick auf das Schott, als im Hangar ein Phaserschuß zischte. Danach war es still, es waren keine weiteren Entladungen zu hören.

"Gehen wir halt rein!", schlug die Ingenieurin schulterzuckend vor und betätigte den Öffnungsmechanismus.

[Anmerkung des GM: Zu diesem Zeitpunkt erst wurde mir klar, wer oder was in der Kapsel sein würde...]

--- Shuttlerampe

Schließlich stand Narbo direkt vor dem Phaser, der ihn auf diese Entfernung zu einem Haufen Asche verwandelt hätte. "Computer: Schutzprogramm 7 beenden und Tür öffnen!", befahl er in einem Ferengi-Dialekt. Sofort reagierte der Schiffscomputer und stoppte. Während er durch die sich öffnende Tür schritt, rief er in Raschkralles Richtung: "Kommst du jetzt, oder mußt du dich erst noch ausruhen?"

Raschkralle und Narbo bestiegen grade das Shuttle, als die Technikerin und der Arzt eintrafen. "Wo wollt ihr denn hin?", fragte Telara, während David etwas hinter ihr stehen blieb und die beiden am Shuttle beobachtete.

"Dorthin, wo auch ich hin will", antwortete Silvana ungefragter Weise und sprang geschmeidig vom Shuttle herunter auf dem sie sich schon länger liegend aufgehalten hatte. Lautlos wie eine Katze landete sie auf ihren Füßen und das neben dem Ferengi, der unwillkürlich durch die Frage der Trill beim Einstieg gestoppt hatte.

Mit einem freudigen Funkeln in den Augen nahm sie wahr, daß er erschreckt zusammenzuckte. Ihnen schien allen entgangen zu sein, daß sie das ganze Spektakel schon geraume Zeit beobachtet hatte. Kaum hatte sie Slade bekanntgegeben wo der Zylinder war, hatte sie sich schon auf den Weg zur Shuttlerampe gemacht. Ihr war klar gewesen, daß er sie als nächstes dorthin beordern würde.

Doch sie hätte nicht gedacht, daß Plüschohr so waghalsig war sich ohne den passenden Code an einem fremden Shuttle zu schaffen zu machen, statt auf dessen Besitzer zu warten. Klar, die Kleine hatte es wieder mal eilig wie immer und dabei vergessen, daß Ferengi nun mal die Angewohnheit hatten niemand so leicht ihren Besitz zu überlassen. Es war klar, daß der Ferengi sein Shuttle ausreichend gesichert hatte. Bei dem Wrack auf dem sie gerade flogen, hätte wohl jeder sein letztes Hemd für ein funktionierendes Rettungsschiff gegeben.

Silvana war überzeugt davon, nach der ziemlich säuerlichen Durchsage in der Slade alle Befehle, die Raschkralle erteilt hatte, widerrufen hatte, er nicht gerade glücklich darüber war, das jetzt auch noch die Shuttlerampe repariert werden mußte, weil das Kätzchen sofort mit allem was es fand spielen mußte.

Geduld war eine Tugend, die auch für Silvana ein Fremdwort war, trotzdem wollte sie nicht in der Haut der Sivaoanerin stecken, wenn sie wieder zurück an Bord kamen...

"Ich denke, wir sollten Slade nicht noch mehr verärgern. Deshalb würde ich vorschlagen wir versuchen das Ding so schnell wie möglich an Bord zu holen. - Es handelt es sich übrigens eindeutig um eine Rettungskapsel des Typs Isro10", meinte Silvana und warf einen genaueren Blick auf die Trill, die in der Begleitung des Arztes gekommen war. Sicher handelte es sich dabei um die Technikerin namens Telara mit der Raschkralle kommuniziert hatte, da sie Werkzeug bei sich trug.

Aus allen Kommunikatoren ertönte Slades Stimme: "Slade an alle. David, Verletztenmeldung."

Der Doktor schaute sich die Raschkralles versengte Schwanzspitze an und sagte: "Es riecht etwas streng nach verbrannten Katzenhaaren, aber meiner Meinung nach ist meine Anwesenheit hier nicht unbedingt erforderlich."

"Gut. Dann kannst du mit den anderen nach draußen gehen und eventuelle Verletzte in dem...Ding...versorgen. Telara, wie sieht es in der Shuttlerampe aus? Kann man dort noch landen, oder hat der Phaser zu sehr verrückt gespielt?"

Telara meinte: "Ich weiß nicht, ich sehe keinen Unterschied zum Rest des Schiffes."

"Auch gut. Dann fliegst du am besten ebenfalls mit. Falls das Bergen des Teiles nicht klappt, wäre es gut, wenn ein Techniker draußen ist, der das Wesentlichste reparieren kann. Viel Glück da draußen. Slade Ende"

--- Brücke

Slade versuchte zum wiederholtem Male, sich ein Videobild von der Shuttlerampe anzeigen zu lassen, aber die Kamera schien festzusitzen und nur die Decke zu filmen. Auch egal.

Ihm fiel ein, daß er nun ganz alleine auf seinem Schiff war.

Nein, Moment, wo war die Tochter dieser Trill?

"Slade an Telara. Ich hoffe, deine Tochter ist nicht bei dir da draußen?"

"Nein, sie schläft im Maschinenraum, ich wollte sie gerade holen", kam die Antwort.

"Laß gut sein, ich kümmere mich drum. Slade Ende."

Mit einem Seufzer erhob er sich. Was sollte er auch alleine auf der Brücke? Den anderen wegfliegen wollte er nicht, die Scanner waren eh hin. Da bastelte er lieber im Maschinenraum ein wenig.

--- Shuttlerampe

Raschkralle beobachtete die hereinkommenden Personen einen Augenblick, dann fiel ihr ein, daß Silvana die Ingenieurin noch gar nicht kannte.

"Silvana, darf ich vorstellen, das ist Telara Katen, unsere Ingenieurin. Telara, das ist Silvana Farnside, unsere Sicherheitsabteilung."

Sie überlegte einen Augenblick, sollte wirklich die gesamte Mannschaft ins Shuttle und die Kapsel bergen ?
Mal abgesehen davon, sie hatte nicht unbedingt furchtbares Interesse daran, mit einem nervösen Arzt, einem paranoiden Ferengi und einer einem alten Kampfholo entsprungenen Menschin in einem Shuttle eingesperrt zu sein. Die Trill schien ihr das einzige halbwegs vernünftige Wesen der Truppe.

"Narbo, du müßtest dein Shuttle eigentlich auch gut fliegen können, ich halte nicht soviel davon, wenn hier auf dem Schiff nur einer bleibt. Ich frag mal den Captain."

Raschkralle griff nach dem internen Kommunikationssystem: "Raschkralle an Chef. Narbo könnte das Ding auch fliegen, dann wäre ich auf der Brücke falls etwas ist und sie hier nicht komplett allein. Was meinst du dazu?"

Während sie sprach, waren die Anderen schon ins Shuttle gestiegen und hatten mit den Startvorbereitungen begonnen.

"Was ist Plüschohr?", meinte Silvana. "Brauchst du eine Extra-Einladung?"

Raschkralle knurrte leise, langsam ging ihr das mit den Spitznamen etwas auf die Nerven. Plüschohr. Miezekatze. Dagegen würde sie etwas unternehmen müssen.

"Ich hatte eigentlich angenommen, für jemand mit modifizierten, perfekten Genen wäre es nicht schwer, sich einen Namen zu merken. Aber für dich nochmal, Schätzchen, ich heiße Raschkralle zu Lorien.", rumpelte Raschkralle mit rauher Stimme.

Sie wartete auf Slades Antwort.

--- Maschinenraum

Dieser hatte es vom Maschinenraum aus endlich geschafft, eine Sichtverbindung zur Shuttlerampe zu bekommen. Als er das Shuttle sah, war ihm klar, warum Raschkralle lieber auf der Brücke eines Schrottschiffes bleiben wollte. Es handelte sich nicht um ein geräumiges Föderationsshuttle oder gar um ein Runabout, sondern um ein recht kleines aber dafür fürchterlich enges Ferengi-Shuttle der Kelmar-Klasse.

Das war einer der beiden Gründe, weshalb er in den Kommunikator keuchte: "Wenn du unbedingt willst, kannst du gerne wieder auf die Brücke kommen, nachdem ihr Narbos Shuttle ausgeladen habt. Ich vermute, daß sich darauf noch etliche Behälter saurianischen Schluckzeugs und so weiter befinden. Das muß natürlich raus, bevor ihr losfliegt. Slade Ende."

Der zweite Grund, oder besser: Die zweite Gründin ritt zur Zeit auf seinem Rücken und zerzauste seine Mähne, während sie lauthals rief: "Komm Teddy, noch eine Runde! Schneller!!!"

--- Shuttlerampe

"Ihr habt's gehört! Mensch, was gaffste so? Macht mal an, wir müssen heut noch fertig werden!", kommandierte er und ließ die anderen schwer schleppen. Es war ein wahrer Triumph, daß der DaiMon sich gemeldet hatte. Und als Besitzer des Shuttles würde er natürlich leider nicht helfen können. Das einzige was er trug war die Verantwortung!

"Und das nichts kaputtgeht!", fügte er hinzu. Die Kisten waren zwar 100% bruchfest, aber wieso eine Schikane auslassen. 'Die Crew wird mich dafür hassen! Super!', grinste er. Das Leben konnte wirklich schön sein.

Wenn er ehrlich gewesen wäre, hätte er der restlichen Crew ein Lob geben müssen. Selten hatte er sein Shuttle so schnell entladen gesehen. 'Hmmm, die sollen bloß nicht denken, daß ich sie mag!', dachte er und verwarf die Idee.

Während er immer noch überlegte, wieso niemand auch nur ein Wort gesagt hatte, obwohl so mancher seine Klappe sonst ja nicht halten konnte, räumte die Sicherheitschefin gerade den letzten Behälter raus. Für eine Weibliche war sie sehr muskulös und Narbo zweifelte, seit den Ereignissen auf der Krankenstation, auch nicht an ihrem kämpferischen Geschick.

"So jetzt haben wir es ja geschafft. Alle einsteigen: Es geht los!", rief er den anderen zu, die noch sichtlich erschöpft waren. Außer Silvana. Sie hatte scheinbar keinen einzigen Tropfen Schweiß verloren. Demonstrativ schwang Narbo sich in das Shuttle und wartete....

Silvanas Augen leuchteten strahlend gelb bei der Aussicht, daß sich endlich etwas an Bord tun würde. Niemand schoß leere Rettungskapseln ab. Und die kleine Aufwärmübung ein Shuttle mit saurianischem Brandy zu entladen hatte ihr auch gutgetan. Jede Faser ihres Körpers fühlte sich wieder geschmeidig und einsatzbereit an. Es war fast so erquicklich wie auf dem Holodeck geworden.

Anerkennend nickte sie dem Doc zu, der seine Sache gut gemacht hatte, und das trotzdem er sich wahrscheinlich selbst hatte verarzten lassen müssen. Ein paar Rippen hatte sie bei der Anstrengung noch gespürt, doch sie waren kein Problem.

Auch hatte sie sich sehr über den kleinen Ferengi amüsiert, der sie herumkommandiert hatte, als wäre er hier der Captain und dabei richtig aufgeblüht war. Aber sie gönnte ihm diesen leisen Triumph ohne zu verlangen, daß er ihnen half. Schließlich kam die Anweisung zu entladen direkt von Slade, sie wollte endlich zur Kapsel, und Narbo sah ohnehin nicht gerade kräftig aus um eine große Hilfe zu sein. Wahrscheinlich benötigte er all seine Kraft schon dafür das Shuttle zu fliegen.

--- im Shuttle

"Narbo, ich hoffe für dich, daß ich deinen Brandy in Reinform bekomme", bemerkte Silvana beiläufig, als auch sie ihren Platz im Shuttle einnahm. "Ich kann ziemlich ungemütlich werden, wenn mich jemand zu hintergehen versucht. Meine Geschmacksnerven sind nämlich besonders ausgeprägt", fügte sie hinzu um. "Plüschohr kann dir diese Eigenheit bei Katzenwesen sicher bestätigen."

Silvana stellte lieber fest, daß die Fronten geklärt waren, denn sie hatte vor der Bar öfter mal einen Besuch abzustatten. Aber sie kannte auch den ziemlich verschlagenen Geschäftssinn der Ferengi, der aus einem Liter saurianischem Brandy glatt zwei machte....

Telara hatte sich auf die hart gepolsterte Rückbank der Konservendose, die der Ferengi Shuttle nannte, zwischen Silvana und einen Stahlträger, der die Decke stützte, gequetscht.

David saß ihr gegenüber alleine auf der Bank. Er mochte es nicht, wenn jemand ihm zu nahe kam. Narbo hatte das kleine Schiff inzwischen abheben lassen. Das Hangartor war bereits geöffnet.

'Wenigstens etwas, das funktioniert!', dachte Telara und lächelte zufrieden und auch etwas stolz.

"Haben Sie die Rettungskapsel gescannt? Gibt es Lebenszeichen an Bord?", wollte David wissen.

"Die Sensoren sind noch immer nicht in Betrieb!", warf Telara ein und warf einen Blick in die Kanzel zu Narbo.

Es schien ihm Freude zu bereiten etwas anderes zu tun als Systeme zu reparieren. Er hatte sich einige Minuten zuvor im Hangar ziemlich aufgespielt. Die Trill überlegte für einen Moment, ob sie für das Rumkommandieren eine Retourkutsche fahren sollte. Sie konnte vielleicht die Energie zu Replikatoren und Schalldusche sperren, wenn er grade eingeseift und nackt unter der Dusche stand? Oder sie würfelte die Replikatordatenbank etwas durcheinander....

Es gab so viele wundervolle Möglichkeiten und Telara freute sich darauf auszuprobieren, welches dem Ferengi am meisten zusetzen würde. Ein Anflug eines weiteren Lächelns huschte über ihr Gesicht und sie warf einen Blick durch das Fenster der Pilotenkanzel nach draußen ins All. Dunkel, kalt, weit. Irgendwo da draußen war er vielleicht noch...

Ein heftiger Ruck verbunden mit einem Schlag von Metall auf Metall riß David aus seinen Gedanken. Er sah die beiden ihm gegenüber sitzenden Frauen an. Zumindest Telara war ebenso in Gedanken versunken gewesen wie er selbst.

David war recht froh, daß Raschkralle nicht mitgeflogen war. Nach einigen Sekunden hätte die Luft gestunken, daß ihnen allen schlecht gewesen wäre. David nahm sich vor ein Mittel zu entwickeln, daß die Bakterienbildung in ihrem Mund... Maul... verringern würde. Das würde vielleicht etwas Abhilfe schaffen. Mit Telaras Hilfe konnte er es vielleicht sogar in die Milch der Katze mischen, ohne daß sie etwas bemerken würde.

Seine Gedanken kehrten zu dem Ruck und dem Schlag zurück. "Was war das?", fragte er den Ferengi.

"Keine Ahnung. Das passiert laufend. Ich aktiviere jetzt den Traktorstrahl und erfasse die Rettungskapsel!", erklärte der kleine Mann und das dumpfe Surren, daß sie die ganze Zeit hörten wurde etwas lauter.

"Alles klar, scheint alles zu funktionieren. Warum seid ihr eigentlich mitgekommen?", fragte er dann.

Silvana war ziemlich abgelenkt gewesen und hatte die Unterhaltung nicht mitverfolgt. Ihr einziger Gedanke galt momentan der Kapsel. Unruhig starrte sie zum Fenster hinaus und ließ sie für keinen Moment aus den Augen. Ja, es war eine Rettungskapsel Typ Isro 10. Ein Instinkt sagte ihr, daß etwas nicht damit in Ordnung war. Es war nur so ein Gefühl, aber diese Vorahnungen bestätigten sich immer als richtig.

"Mach schon. Beeil dich", ermahnte sie ihrerseits den Ferengi zur Eile, damit er sich nicht mit langen Reden aufhielt und den Genuß seines Captain-Seins nicht zu sehr in die Länge zog. Hier war immer noch Arbeit angesagt und kein Parcours der Eitelkeit.

"Ein Traktorstrahl ist ein Traktorstrahl und funktioniert eben nicht schneller...", zischte der Ferengi zwischen seinen Zähnen hervor und klang ziemlich ärgerlich, weil sie ihn hier an Bord seines Schiffes befehligen wollte. "Und überhaupt hast DU mir hier nichts zu sagen. Das ist MEIN Schiff. Ich bin hier dein..."

"Ja, ja, wenn dir dann leichter ist", unterbrach Silvana den Ferengi und rutschte unruhig auf ihrem Platz hin und her. Die Rettungskapsel kam langsam näher. "Scan das Ding, schnell", preßte Silvana aufgeregt hervor und ihre Augen fraßen sich regelrecht an dem glatten Metall fest.

Als der Ferengi sie für ihren Befehlston ärgerlich ansah und sich auf eine längere Debatte einlassen wollte, wer hier an Bord das Sagen hatte, warf sie ihm einen bitterbösen Blick aus ihren schmalen Pupillen zu. Ihre gelben Augen funkelten dabei bedrohlich. Mindestens ebenso bedrohlich wie sie vor kurzem noch Slade angesehen hatte.

Augenblicklich wandte Narbo sich dem Scanner zu. "Das wollte ich ohnehin gerade machen. Du hältst mich nur auf", schimpfte er lauthals, während er seine Instrumente bediente. "Ich bekomme ein Lebenszeichen einer humanoiden Rasse aus dem Inneren. Die äußere Hülle der Kapsel scheint aber beschädigt zu sein und das Lebenszeichen ist ziemlich schwach..."

Trotz der Enge im Shuttle gelang es Silvana aufzuspringen und Narbo die Hand auf die Schulter zu legen. Sie vermied es ihm ihre Nägel in die Schulter zu bohren, doch ihr Griff war wie immer ziemlich fest. "Worauf wartest du noch?! Beam es herein! Sofort! Das Wesen wird sonst sterben..."

Narbo tat wie ihm geheißen. Auch er schien einzusehen, daß es ihre Streitigkeiten ein anderes Mal zu regeln galt. Im Moment stand ein Leben auf den Spiel. So schnell wie er konnte flogen seine Finger über die Kontrolleinheit, brachten den Traktorstrahl zum Erlahmen und beamten die Kapsel an Bord.

Ohne Zeit zu verlieren drängte Silvana nach hinten zur Kapsel.

"Wir müssen auch noch andere Scans durchführen", meldete der Arzt seine Bedenken wegen etwaiger Gefahren aus dem Inneren an, während Silvana sich schon an der Kapsel zu schaffen machte und sie öffnete.

Ihr Blick fiel auf einen schwarzhaarigen großen Mann, der trotz seiner Bräune leicht fahl im Gesicht war. Bekleidet war er mit einem schwarzen Kampfanzug. Sein Kopf war scheinbar leblos auf seine Brust gesunken. Wahrscheinlich hatte einzig und allein der Gurt mit dem er an seinen Sitz geschnallt war ihm beim Aufprall mit der Privateer das Leben gerettet.

Silvana verspürte sofort Sympathie für den Fremden, von dem Kraft und Energie ausging. "Doc, sieh ihn dir bitte mal an. Ich fürchte der Sauerstoff scheint ihm nach dem Aufprall mit unserem Schiff etwas knapp geworden zu sein." Prüfend legte sie Zeige- und Mittelfinger auf seine Halsschlagader und lächelte flüchtig. "Bewußtlos, aber er scheint noch voll in Ordnung zu sein."

"Der soll noch leben? Ausgeschlossen!", entgegnete Narbo. Mittlerweile hatte er sich zu den anderen in den Laderaum gesellt, der nun zu einem Teil von der Rettungskapsel ausgefüllt wurde.

In der Kapsel lag ein großer Mann, der in einen Kampfanzug gehüllt war. 'Schon wieder so ein kämpfender Idiot! Als wenn wir davon nicht schon genug an Bord hätten.', dachte er, während er Silvana aus den Augenwinkeln fixierte. 'Wenigstens ist er keine Weibliche!', fügte er hinzu.

'Hoffentlich ist dieses Ding nicht gefährlich!'. Langsam verlor er seine gute Laune. Dachte denn keiner an die Möglichkeit einer Falle? 'Nun, wenn das Viech mir oder meinem Shuttle gefährlich wird, beame ich es zurück in die Kälte. Mal sehen wie lange es mit geöffneter Kapsel überleben kann!', schloß er seine Überlegungen und verzog sein Gesicht zu einem Grinsen: Es ist so schön gemein zu sein!

"Hmm, sollten wir ihn nicht vielleicht mit einem Sedativ 'sichern'?", offenbarte er seinen Plan vielleicht etwas zu vorsichtig. Eigentlich war die Frage an den Doc gerichtet, aber plötzlich guckten alle ihn an. Silvana hatte wieder ihren "Ich-bin-ein-gemeines-Mädchen-Blick" im Gesicht über den Narbo heute schon öfters gelacht hatte.

Zwar ließ ihn dieser Gedanke manchmal beinahe erbrechen, aber irgendwie mochte er dieses Wrack und seine Crew - außer diesem verlausten Fellbündel natürlich. Für sie galt: Rache ist Blutwurst!

'Rache beiseite', dachte Narbo. Zuviel Spaß lenkt von den wichtigen Dingen ab und so sagte er etwas lauter: "Was ist nun Doc, oder von mir aus auch ein anderer: Wollen wir diesen Hünen jetzt einfach so hier liegen lassen, oder nicht?"

Silvana sah auf Narbos Bemerkung hin noch einmal auf den Bewußtlosen, der ziemlich hilflos in seinem Gurt hing. Ihn jetzt auch noch zu betäuben kam ihr doch vor, als würde man auf einen am Boden liegenden auch noch einprügeln. Sie kannte viele Tricks, doch unfair war sie nie, im Gegensatz zu Ferengi. Sie nützte immer nur hemmungslos die Schwächen anderer zu ihren Gunsten aus.

"Ach, wozu die ganze Aufregung. Ich entledige ihn all seiner Waffen, dann kann er niemand mehr gefährlich werden. - Jedenfalls nicht solange ich dabei bin", fügte sie bestimmt hinzu, als ihr Narbos kleine Gestalt bewußt wurde und begann den Fremden auf Waffen hin zu durchsuchen. Dabei kam sie ihm zwangsläufig sehr nahe und ihr Instinkt regte sich. Erfreut stellte sie fest, daß er ziemlich durchtrainiert war und sicher einen tollen Trainingspartner abgeben würde. Und vielleicht auch noch mehr...

"Sieh mal einer an, was haben wir denn da?", fragte Silvana und beförderte ein paar Katanas hinter seinem Rücken und insgesamt zwei Phaser hervor, die sie sich für den Moment einbehielt.

Bei einer noch näheren Untersuchung, stellte sie fest, daß er zwar humanoid war, aber trotzdem kein Mensch. Sie hatte einmal mit einem seiner Art gekämpft und war sehr beeindruckt von seiner Kampfkunst und Stärke gewesen. Es hatte sie Mühe gekostet den Kampf zu ihren Gunsten zu entscheiden.

"Ein Zaldianer", flüsterte sie, während ihr Blick an den Schwimmhäuten zwischen seinen Fingern hängen blieb...

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