--- Raumstation 17/2, Bar 'Zur grünen Wand'
Die Bar war genau so, wie er es sich vorgestellt hatte. Viel Lärm, viel Rauch, viele Leute, viel Stimmung.
--- An der Theke
Als sie an die Theke traten, konnten sie zuerst keinen Barmann erkennen. Sie vermuteten, daß er gerade beim Servieren war und warteten erst einmal ab.
Plötzlich tauchte ein Ferengikopf hinter der Theke auf. Er hielt einen Isolinearen Chip in der Hand und fluchte. Raschkralles Ohren stellten sich auf. Slade vermutete in ihm den Barmann und bestellte zwei romulanische Ale, worauf ihn der Ferengi verbittert anschaute.
"Einen kleinen Moment, bitte. Ich muß nur meinen Replikator neu einstellen. Die Scherzkekse von der Regierung haben verlangt, daß ich hier nur noch Synthohol ausschenke. Dafür haben sie ihn umprogrammiert. Ich spiele eben nur ein Backup ein, dann komme ich sofort zu Ihnen."
Die beiden Fellwesen sahen sich an und mußten grinsen.
Telara lehnte sich neben dem großen Anticaner und der anscheinend weiblichen Katze auf zwei Beinen an die Theke. Sie beobachtete den Ferengi für einige Zeit und fing breit an zu grinsen, als sie seine Bemühungen verfolgte, den Replikator mit einer völlig veralteten Software zu betreiben. Zudem schien es so, als wäre diese Software gar nicht mit diesen Typ Replikator kompatibel. Es kam ständig zu Konflikten und schließlich erlosch das Display ganz.
"Was gibt es zu grinsen, Weib?", zischte der Ferengi und versuchte das Gerät wieder in Gang zu bringen.
"Abgesehen davon, daß Sie versuchen einen Replikator zu bedienen
und es nicht hinbekommen?", fragte Telara zurück und kicherte leise.
"Lassen Sie mich mal, ich habe nämlich auch Durst und will nicht dran
sterben!", sagte sie dann, schwang sich über die Theke und wäre
fast hingefallen, als sie auf einem erhöhten Boden landete. Als sie aufrecht
stand reichte ihr der Ferengi nur noch bis zur Brust.
Die beiden Befellten beobachteten die Szene amüsiert.
"Sehen Sie, ist doch gar kein Problem, wenn man sich damit auskennt!", meinte die Trill und gab eine Reihe komplexer Befehle ein. "Jetzt sollte die Software keine Konflikte mit Ihrer Hardware verursachen", fügte sie hinzu und begab sich wieder auf die für Gäste vorgesehene Seite der Theke.
Der Ferengi funkelte sie an. Es störte ihn anscheinend, daß eine weibliche, die zudem noch Kleidung trug, seinen Replikator wieder in Gang gebracht hatte. Slade sah auf die kleinere Trill hinab.
"Das gibt jetzt aber einen aufs Haus, Ferengi!" Telara wandte sich dem Anticaner zu, der sie noch immer musterte. Sie ergriff die Hand des Riesen und schüttelte sie kurz. "Telara Katen. Sagen Sie, ist was? Noch nie 'ne Frau gesehen, die was von Technik versteht?"
"Sie reparieren?", rumpelte Raschkralle mit heiserer Stimme.
"In der Tat.", entgegnete Katen.
Raschkralle musterte die Fremde und klappte die Ohren nach vorne, zudem sträubten sich ihre Schnurrhaare Richtung Katen.
"Hmmmm, schnell sind sie auch." Sie nahm das Glas das der Barkeeper ihr hinhielt und schnupperte dran.
"RRRRrrrrrrrrskt!", spuckte sie ihn an. Der Ferengi wurde noch grüner und zuckte zurück. "Willst du mich vergiften? Ein Glas Milch und nicht so ein gräßliches Gebräu!".
Der Ferengi nahm das Glas wieder an sich und murmelte etwas von:"... auch noch Sonderwünsche wenns schon umsonst ist ..... Milch .....Pah!"
"In einer flachen Schale!" kollerte ihm Raschkralle hinterher.
Der Ferengi brachte das Gewünschte, Raschkralle schnupperte daran, hob die Schale dann an, kippte sie leicht und schlabberte die Milch mit der Zunge heraus. Währenddessen musterte sie die Trill aus den Augenwinkeln.
Der Captain schien den selben Gedanken zu haben wie sie und fing an sich mit der Trill zu unterhalten.
Slades Instinkt schien wieder einmal ins Schwarze getroffen zu haben. Er schaute Telara weiter an und sagte: "Slade Szelesem. Zu Ihrer ersten Frage: Eigentlich ist nichts. Mal abgesehen von der Tatsache, daß ich gerade einen guten Techniker suche, und Sie sich soeben für einen Einstieg auf meinem Schiff qualifiziert haben. Und zu Ihrer zweiten Frage: Nein, ich habe noch nie eine Frau gesehen, die so viel von Technik versteht."
Die Augen der Trill weiteten sich, aber noch ehe sie etwas sagen konnte, fiel
ihm etwas auf. Der Ferengi hatte zwar kein Geld verlangt, schickte sich aber
auch nicht an, die von Telara geforderte Lokalrunde auszuteilen. Slade schaute
ihn einfach nur an, fletschte etwas die Zähne und knurrte. Erschrocken
blickte der Ferengi zu ihm auf und fragte sich, was er wohl vergessen haben
könnte.
'Ale...Glas...vielleicht eine Serviette? Nein...sicher keine Serviette...Zahnstocher?
Olive? Wasser zum Verdünnen? Nein auch ganz sicher nicht. Öhm...'
Raschkralle soufflierte ihm, indem sie kurz das Schlabbern unterbrach: "Lokalrunde."
Hektisch machte er sich daran, sehr viele Drinks auf einem sehr großen Tablett zu plazieren und es durch die Reihen der Anwesenden zu tragen. Man konnte ihn noch leise schimpfen hören: "Ja, ja. Mit mir kann man es ja machen. Aber wenn ich diese Bar erst mal los bin, dann...Ha! Ihr werdet schon sehen!" Die Stimme ging im Gewühl unter.
Telara blickte dem kleinen Gnom nach. Sie überlegte, ob sie das Angebot des Anticaners annehmen sollte. Hier auf Arphalis III konnte sie nichts mehr erreichen. Keine Arbeit, kein Geld....
Sie nahm einen Schluck aus dem Glas, das sie von dem Ferengi bekommen hatte. Die hellgrüne Brühe darin schmeckte einfach furchtbar. Die Trill verzog das Gesicht und nahm einen weiteren Schluck.
Widerwillig betrachtete Narbo seine Gäste. 'Wäre ich doch in meinem alten Geschäft geblieben, dann müßte ich mich jetzt nicht mit diesen Menschen herumschlagen!', fluchte er innerlich, während er sich bemühte wieder ruhiger zu wirken.
"Slade.... sagen Sie... worin bestehen denn Ihre Geschäfte?", fragte Telara und blickte zu dem Mann auf.
"Nunja,", antwortete Slade etwas zögerlich, "ich mache Geschäfte."
"Ahja, ich verstehe," meinte Telara ebenfalls etwas zögerlich. "Sagen Sie.... mögen Sie Kinder?"
Raschkralle, die gerade dabei war die letzten Tropfen Milch aus der Schale zu lecken verschluckte sich fast. Kinder !?! So wie sie Slade einschätze mochte er sicherlich Kinder. .... als kleines Amuse geule [Anmerkung: französische kleine Vorspeise um den Appetit anzuregen] vor dem Frühstück vermutlich.
Um die Situation zu entschärfen fragte sie: "Ist das Balg auch technisch begabt?"
Telara funkelte das fellige Etwas, das auch noch sprechen konnte an. "Erstens, Kätzchen, ist es kein Balg und zweitens ist sie ganz die Mutter!", gab die Trill zurück.
Da Narbos Ohren nichts entging und laut der 22ten Erwerbsregel, ein weiser Ferengi den Profit im Wind spürt, hatte er instinktiv das Gespräch des Anticaners verfolgt. Er war für einen Ferengi vielleicht unbegabt in Geschäften, aber einen Humanoiden einer anderen Spezies konnte er doch oftmals überlisten. Und so gesellte er sich, nachdem er die Lokalrunde mit den verdünnten Drinks ausgeteilt hatte, zu dem Anticaner, der sich Slade nannte.
"Hören Sie! Kann es sein das zu ihren "Geschäften" auch der Verkauf und Transport von Alkohol gehört?", wisperte der Ferengi dem hünenhaften Rauhbein ins Ohr und versicherte sich schnell, daß kein anderer etwas mitbekommen hatte. "Ich hätte da eine Ladung saurianischen Brandy, den ich zur Zeit nicht absetzen kann. Für, sagen wir, vier Barren pro Hektoliter würde ich ihn verkaufen!", beendete er sein Angebot und freute sich innerlich.
Die ganze Ladung hatte ihn nicht einmal vier Barren gekostet. Schnell überschlug er seinen Profit und kam bei den jetzigen Konditionen auf 13 Barren. Und dieser stumpfsinnige Riese würde ganz sicher nicht zu handeln versuchen. Dafür war sein Volk zu minderbemittelt und sein Angebot jetzt schon zu gut.
"Was ist jetzt? Ich habe auch noch bessere Sachen zu tun, als in dieser stinkenden Kneipe herumzulungern!", spukte Telara aus und musterte den katzbuckelnden Ferengi, der Slade grade völlig überteuerten saurianischen Brandy verkaufen wollte. Das Zeug bekam man für einige Streifen in Gold gepreßtes Latinum nachgeschmissen, wenn man die richtigen Leute kannte. Wenn der Ferengi das Zeug für mehr als einen Barren pro Hektoliter erstanden hatte, hatte er ein schlechtes Geschäft gemacht.
Plötzlich öffnete sich die Tür und mehrere Vulkanier traten
ein, was Narbo dazu veranlaßte sich hinter der Theke zu verstecken. Er
mußte schnell einen Ausweg finden! Jetzt würden die Vulkanier noch
einmal gehen, aber spätestens in zwei Tagen hätten sie ihn eingekesselt
und er würde den Rest seines Lebens in diversen Strafanstalten verbringen.
Unter Menschen! Panisch versuchte er einen Ausweg zu finden....
"Entschuldigen Sie bitte, aber wissen Sie, wo wir den Ferengi Narbo oder auch Desek finden? Er ist der Inhaber dieses Etablissements", fragte die Vulkanierin, welche die Gruppe anführte.
"Ne!", erwiderte Telara und drehte sich von den Spitzohren weg, der Theke zu. "Schauen Sie doch mal hinter der Theke nach, vielleicht versteckt er sich dort."
Ein helles Quieken erklang und der Kopf des Ferengi schoß hinter der Bar hervor.
"Ah! Sonderermittlerin T'Lara!", wieder katzbuckelte der Ferengi, preßte die Handgelenke zusammen und hatte beide Hände zu Fäusten zusammengedrückt, "was kann ich Ihnen anbieten? Einen vulkanischen Rlamba-Cocktail? Oder eine Holo-Suite?"
"Nein, vielen Dank. Ich glaube, Sie wissen ganz genau, warum wir hier sind!", erwiderte die Sonderermittlerin und zog ihre linke Augenbraue nach oben, um den Ferengi zu mustern.
Der Ferengi nahm seinen ganzen Mut zusammen, stand auf und räusperte sich.
"Was wollen Sie! Verschwinden Sie sofort aus meiner Bar. Hier sind emotionslose
Klugscheißer nicht erwünscht!"
'Wer nichts wagt, der nichts gewinnt!', dachte er nicht minder nervös,
als damals, als er beinahe gefangen worden wäre. Aber es würde schon
gutgehen; noch! Und zur Not stand ja das Shuttle der Kelmar Klasse jederzeit
beladen bereit, um einen Fluchtversuche zu ermöglichen. Aber darauf warteten
die Vulkanier nur! Diese Freude würde er ihnen nicht gönnen, seinen
Zufluchtsort in Richtung intergalaktisches Territorium zu verlassen.
"Also entweder zeigen Sie mir einen durch die örtlichen Behörden abgesegneten Haftbefehl oder Sie schwingen sofort Ihre elitären Ärsche aus meiner Bar!!", beendete er keuchend. Beamtenbeleidigung. Zweimal lebenslänglich. Egal.
Die Vulkanierin schaute leicht verwundert und lies ihre Augenbrauen fallen, das Äquivalent einer Resignation? "Wir kommen wieder", antwortete sie schlicht und verließ die Bar.
Narbo sank erleichtert zusammen und kippte sich einen seiner schlechten Drinks ein. 'Etwas Zeit gewonnen! Aber wieviel?", fragte er sich ungewiß.
Slade schaute den Ferengi an. Soviel Mut war er bei dieser Rasse nicht gewohnt. Vielleicht könnte er nützlich sein.
"Was außer Beamte beleidigen und Drinks servieren können Sie noch?" fragte er den Mann, dessen Gesichtsfarbe sich der Bezeichnung seiner Bar angenähert hatte. "Ich habe den Eindruck, Ihnen wird der Boden hier etwas zu heiß. Ich hätte ein schmuckes Schiff, welches gerade an der Raumstation dockt, und in allernächster Zeit eine Ladung Elektronik an Bord nimmt. Wenn Sie wollen, können Sie bei mir arbeiten. Es kommt nur darauf an, welche Fähigkeiten Sie mir anbieten können. Lassen Sie mich raten - Sie sind kein verkappter Mediziner? Ich habe auf meinem Schiff noch eine verletzte Person liegen, die gerade von einem veralteten MHN behandelt wird."
"Bedaure, aber meine Profession liegt in etwas ganz anderem", antwortete Narbo und mußte an viele Momente seiner "Karriere" denken. An Glanzpunkte. An Situationen, in denen er Sicherheitssysteme ausgeschaltet hatte, an denen viele Personen Jahre gearbeitet hatten und die er nun beinahe virtuos deaktivierte. An den Glanz in den Augen seiner Klienten, wenn sie die Objekte erhielten, auf die sie sich nicht getraut hatten, zu hoffen.
"Ich bin, ohne Eigenlob, einer der besten Barmänner des Universums!" sagte er und etwas leiser fügte er hinzu: "Aber auch Schmuggel, Diebstahl und andere Dinge sind mir kein Fremdwort! Auf einem Bergungsfrachter habe ich vor einem Jahr die Transporter und den Traktorstrahl bedient. Außerdem verfüge ich über genügend technische Erfahrung, um mein kleines Shuttle in Schuß zu halten."
In Gedanken dachte er an die vielen Sachen, die sich in seinem Lager befanden: 17 Sprengstoffarten, jeder für eine spezielle Funktion entwickelt, Teile eines klingonischen Disruptors, ein Kraftfeldemitter und, nicht zu vergessen, der saurianische Brandy!
"Nun, wenn ihr mich hier rausbringt, könnt ihr auf mich zählen!", fügte er hinzu und die Möglichkeit auf einem Schiff unerkannt zu fliehen gefiel ihm wirklich besser, als die Option sich mit einem Shuttle den Weg freizuschießen...
--- Währenddessen an der gleichen Theke
Raschkralle hatte sich, als die Vulkanier kamen, vorsorglich ausgiebigst mit der Reinigung einiger Fellzipfel an ihrem Schwanz beschäftigt und sich somit halb abgewandt. Also dieser Ferengi war ja dreister als ihm guttat ! Was er wohl angestellt hatte, daß sich ausgerechnet zum Föderationsgeheimdienst gehörende Vulkanier auf die Suche nach ihm gemacht hatten ...... ?
Naja, Raschkralle musterte weiterhin die freche Trill. "Kätzchen" hatte sie diese genannt. Nun, sie war aus dem Alter raus, wo sie sich und der ganzen Welt beweisen mußte was sie drauf hatte, aber ein wenig wurmte das schon.
Aber von Technik verstand sie wohl etwas und sie sollten von diesem Raumloch von Planeten verschwinden, bevor dieser schmierige Orioner von der Raumwerft ihnen für diesen Andockplatz noch ihre letzten Credits aus der Tasche zog. Nur sollten sie dann einen Techniker an Bord haben, da das wunderhübsche Schiff sich als ätzende Schrottkiste mit netter Bemalung entpuppt hatte.
Sie knarrte mit ihrer Gießkannenstimme los: "Wie alt ist denn das Junge von Ihnen? Kann es schon laufen ?" Raschkralle kannte sich mit Trill nicht so aus, aber ein Balg der noch ständige Betreuung benötigte würde wohl ziemlich im Weg sein.
Sie hoffte, der Captain würde endlich mit der Trill handelseinig, dann konnte sie diese schon mal aufs Schiff bringen und die Reparaturen konnten starten.
"Sie ist fünf. Und ja, sie kann schon laufen!", schnappte Telara. Diese Miezekatze ging ihr mittlerweile gehörig auf die Nerven. Was hatte sie eigentlich damit zu tun? Einzig und allein auf Slades Meinung kam es an. Das war auch schon alles.
Die Trill spürte plötzlich eine Berührung an ihrem Bein und schaute herunter. Ein kleines Mädchen klammerte sich an ihr fest und sah mit großen Augen zu ihr hinauf. Dann wanderte ihr Blick weiter zu der übergroßen Katze und sie sagte laut: "Guck mal! Ein Kätzchen!"
Telara grinste breit, hockte sich dann nieder, um mit ihrer Tochter auf gleicher Höhe zu sein. "Ich hab dir doch gesagt, du sollst bei David warten, während ich was zu Trinken hole! Und jetzt Marsch! Zurück!" Telara zeigte auf einen kleinen Tisch in einer Ecke, an dem ein Mann im Halbdunkel saß.
Während sie Cassandra nachsah, die an den Tisch zurückkehrte erhob sie sich wieder.
"Sie sagten Sie suchen einen Mediziner? Da sitzt einer!", meinte sie und nickte mit dem Kopf zu dem Tisch herüber. "Sie bekommen uns aber nur im Paket. Zu dritt!"
--- An dem Tisch in der Ecke
David hatte sich auf die hintere Bank gesetzt, die im Schatten von den Trennwänden zu den anderen Tischen stand. Er hatte sich zurückgelehnt und beobachtete den großen Anticaner, die Sivaoanerin und den Ferengi, dem die Spelunke gehörte.
Was hatte Telara nur mit denen zu schaffen? Sie hielt sich dort schon viel zu lange auf und jetzt unterhielt sie sich auch noch mit ihnen. David war sich sicher, daß sie Ärger bedeuteten. Unruhig rutschte er auf dem Polster der eigentlich recht harten Bank hin und her.
Er war ihr dankbar, daß sie ihn aus dem Gefängnis geholt hatte, aber etwas anderes erwartete man von seiner Entwicklungsingenieurin auch nicht. Eigentlich könnte man es so sehen, daß sie nun quitt waren.
Als Telara mit ihrer Tochter im System eingetroffen war, hatten sie nichts gehabt. Nur einen Beutel voller Kleidung und ihr Wissen in ihrem Kopf. Aber das Wissen war Gold wert! Er hatte das nicht erkannt, aber der Leiter das Labors, das er als Partner gefunden hatte, hatte bereits von der Trill gehört, bevor sie ankam.
Auf sein Drängen hin hatte David sie eingestellt und tatsächlich. Sie hatte dazu beigetragen, daß die Produktion um 20% gesteigert werden konnte. Dafür hatte er sie gut belohnt, allerdings nicht ganz offiziell. So, wie so gut wie nichts offiziell gewesen war, an seinem 'Unternehmen'.
Als sie ihn geschnappt hatten, war sie nicht zugegen gewesen. Und dann hatte sie ihn gegen Kaution aus dem Knast geholt. Sie hatte all ihr Hab und Gut veräußern müssen, um die hohe Kaution aufzubringen. Warum sie es getan hatte, war David nicht klar. Vielleicht aus Dankbarkeit?
Nun jedoch, mußte er so schnell von diesem Klumpen Erde, wie es möglich war.
Oh nein! Jetzt zeigte Telara auch noch zu ihm hinüber. Er konnte sich nicht an den Anticaner erinnern. Hatten sie schon einmal Geschäfte miteinander gemacht und David war nicht ganz ehrlich gewesen? Das sollte man bei Anticanern eigentlich nicht tun, aber David hatte einiges getan, was man eigentlich nicht tun sollte.
Cassandra kam grade zurück - sie war weg gewesen? - und zog sich auf die Bank hoch, um dann nach der Schale voll Nüssen zu langen, die auf dem Tisch stand.
Vielleicht waren der Anticaner und seine Katze bereit, sie von dem Planeten mitzunehmen! Vielleicht hatte Telara eine Verbindung hergestellt! Hatte sie das alles genau geplant, oder war es Zufall? Und was war, wenn sie auf dem Schiff des Riesen waren? Falls er ein Schiff hatte. Wie würde die Gegenleistung aussehen, die sie erbringen mußten?
David hatte weder Geld, noch die komplexe Formel für 'Ex-X'! Er hatte nichts, der er ihnen anbieten konnte. Aber vielleicht wolle der Anticaner gar kein Geld, sondern ihn! Vielleicht wollte er ihn! Ja, vielleicht. Aber vielleicht wollte er doch Geld. Wer wußte das schon genau? Außer dem Anticaner selbst natürlich.
David kicherte leise und griff sich ebenfalls einige Nüsse. Sie waren salzig. Hoffentlich kam Telara bald mit den Getränken. Aber Telara stand noch immer dort und sprach mit der Katze. Der Ferengi redete die ganze Zeit auf den Anticaner ein, der gar nicht zu Wort kam.
Was war, wenn er Geld wollte? David hatte kein Geld! Telara hatte auch keines mehr. Sie würden nicht von diesem Planeten wegkommen. Man würde ihm den Prozeß machen. Die Strafe für sein 'Verbrechen' - war es ein Verbrechen, ein Mittel gegen Haarausfall herzustellen? - wollte er sich gar nicht ausmalen.
Er knackte noch eine Nuß und sah weiter zu der kleinen Gruppe hinüber. Er versuchte sich einen Plan zurechtzulegen, was er machen sollte, wenn sie zu dem Tisch hinüber kamen.
Was war, wenn der Anticaner Geld wollte? David hatte doch kein Geld mehr. Er hatte keine Freunde, die er bitten konnte. Und einen Kredit würde er auch nicht bekommen. Er saß fest! Aber der Anticaner wollte vielleicht kein Geld. Vielleicht aber auch nur! Anticaner waren hinter Geld her, das wußte David!
--- An der Theke
Als Slade sein Ale geleert hatte, fühlte er sich absolut klar im Kopf. Seine neue Mannschaft hatte er die letzten Minuten eindringlich beobachtet, und war zu der Ansicht gekommen, daß sie gut miteinander harmonieren würden.
Zu dem Ferengi sagte er: "Sie haben Glück. Ich brauche noch jemanden, der den Transporter bedient. Ob wir den Traktorstrahl brauchen werden, weiß ich noch nicht, aber wenn Ihnen langweilig ist, können Sie sich ja im Aufenthaltsraum eine Bar einrichten. Die Gewinne gehören zu 50% Ihnen. Und nun sehen Sie zu, daß Sie Ihr Shuttle mit all dem beladen, was Ihnen wichtig ist. Wir treffen uns in zwei Stunden bei den Koordinaten, die Raschkralle Ihnen jetzt gibt. Mich müssen Sie leider vorerst entschuldigen, ich muß zum Onkel Doktor."
Der Gedanke wieder an Bord eines Schiffes zu kommen, ließ den Ferengi leise quieken. Während der Anticaner ihn noch musterte, sagte er schnell: "Nun, dann bereite ich mich mal vor!"
Endlich wieder im All, endlich von dieser öden Müllhalde weg, die ihn zwar beschützte, aber seinen Geist abstumpfen ließ. Jeden Tag schmierige Lebensformen für die er den Barmann machen mußte, während er ihnen manchmal am liebsten die Kehle durchgeschnitten hätte.
Viele Ferengi interessierte nur Geld, aber Narbo besaß auch so etwas wie Stolz und Ehre. In seiner eigenen Sprache gab es nicht mal ein Wort dafür, weshalb er das menschliche gebrauchen mußte. Das menschliche.
Dieser Gedanke widerte ihn so an, daß er das Thema wechseln wollte, aber sofort kam ihm noch ein viel schlimmerer in den Sinn: 'Ich muß die Bar verlassen. Irgendein Trottel wird sie plündern und in der kurzen Zeit finde ich keinen Käufer!' Die Aussicht seinen Besitz anderen Wesen zu überlassen, die nicht einmal den Dreck unter seinen Stiefeln, geschweige denn seine Bar, verdienten, machte ihn noch wütender.
Es gab einen Weg, schoß es ihm in den Kopf, und dieser ließ sich zufälligerweise mit seinem Fluchtplan gut verbinden. Hatte er neulich nicht in den Nachrichten gelesen, daß die Föderation über sein zweites Talent Bescheid wußte?
Narbo grinste. 'Genau so werde ich es machen! Die Vulkanier werden eine Vorstellung bekommen, aber erst muß ich den Replikator umprogrammieren.'
Gesagt, getan! Er hatte nur wenig Zeit, und die Möglichkeit seine Vergangenheit hinter sich zu lassen, erfüllte ihn mit einer unbändigen Freude.
'Alle Wege stehen mir offen!', grinste er und bereute so auch nicht, daß er zu Slade sagte: "Hey, Anticaner, die Bar gehört dir! Paß aber auf, daß niemand besoffen drin liegen bleibt."
Rasch verließ er die Räume seiner jetzigen Heimat und begab sich zu seinem Shuttle...
--- An dem Tisch in der Ecke
Der Arzt, zu dem sich inzwischen das kleine Mädchen gesellt hatte, schaute Slade mit gerunzelter Stirn entgegen, als er sich näherte. Slade ignorierte den mißtrauischen Blick, setzte sich zu ihm, sah ihm in die Augen und sagte: "Sie sind Arzt?"
David schaute auf die gleiche Art zurück und antwortete: "Kann schon sein. Warum? Sind Sie krank?"
"Bis auf die Tatsache, daß ich morgen schlimmen Haarausfall haben werde, wenn ich weiter so saufe, eigentlich nicht", antwortete Slade.
"Sie hat es Ihnen also erzählt. Hätte ich mir denken können. Hören Sie zu: Ich habe die Formel nicht. Und jetzt verschwinden Sie." David wandte sich wieder seinem Drink zu.
Slade war schon einen Gedanken weiter, hatte den dahingeworfenen Scherz über
seine Allergie gar nicht so ernst genommen, als er wieder auf die Bremse treten
mußte. Was sollte ihm wer erzählt haben? Die Technikerin?
Welche Formel? Worum ging es hier eigentlich? Aber das wollte er eigentlich
gar nicht so genau wissen. Deshalb fuhr er fort: "Keine Panik. Sie sind
Arzt. Ich suche einen Bordmediziner. Das ist eigentlich schon alles, was wir
beide wissen müssen. Soll ich immer noch gehen?"
David schaute Slade an. Offenbar ging dem Anticaner das alles zu langsam, denn dieser fuhr fort: "Ich bin Slade Szelesem, privater Handelskaufmann. Jedenfalls könnte man es so nennen. In meiner Crew fehlt mir noch ein Mediziner, und wenn Sie wollen und gut sind, könnten Sie es werden. Ich habe zur Zeit eine verletzte Frau in meiner Krankenstation liegen, die gerade von einem MHN behandelt wird."
"Welche Version?" David schien ein wenig interessiert zu sein.
"Keine Ahnung. Irgend so ein veralteter Holotrottel", antwortete Slade. "Ich mache Ihnen einen Vorschlag: Sie kommen mit, schauen sich die Patientin an, und wenn Sie sie wieder reparieren können, sind Sie Chef der medizinischen Abteilung. Was sagen sie dazu?"
"Reparieren", wiederholte David und sah auf die Schale Nüsse herunter. "Sie sagen das so, als wäre es ein Handwerk. Aber nein, es handelt es sich um eine Kunst. Eine Kunst am lebenden Objekt. Eine Operation ist in sich ein Kunstwerk."
Er traute dem Anticaner nicht. Allerdings schien er tatsächlich kein Geld zu wollen. Er wollte scheinbar nur seine Dienste. Aber was war, wenn er ein verdeckter Ermittler war, oder noch schlimmer, ein Kopfgeldjäger?
Dennoch schien er nur an den medizinischen Diensten Davids interessiert zu sein. Aber trotzdem hatte er eine Anspielung auf 'Ex-X' gemacht. Wollte er vielleicht doch nur die Formel? Lockte er sie auf sein Schiff und holte sie dann aus ihm heraus? - Aber er wußte sie nicht. Nicht im Kopf, dazu war sie zu komplex. Er könnte sie sicherlich rekonstruieren... aber wollte er das? Vielleicht konnte man dem Anticaner Geld bieten? Aber eigentlich wollte er ja keines, sondern nur seine Dienste. Angeblich zumindest.
Ein langgezogenes "Hmmmm" entwich Davids Mund, während Slade ihn einfach nur ansah und nicht reagierte.
Hatte er etwas zu verlieren? Eigentlich nicht. Außer seinem Leben vielleicht. Das war natürlich ein Risiko, aber dennoch schien ihm dieser Riese von einem 'privaten Handelskaufmann' der einzige Weg zu sein, diesen Planeten zu verlassen. Und er bot ihm an, sich erst alles anzusehen, bevor er sich entschied. Das war fair, aber konnte man das glauben?
"Na schön. Ich werde sie mir ansehen, aber ich verspreche Ihnen nichts!", antwortete er dann und griff nach einer einzelnen Nuß, die er sich in den Mund schob.
"Sehr gut", antwortete Slade. "Dann wollen wir mal sehen, daß wir von hier wegkommen." Hatte er das richtig verstanden, daß die Bar nun ihm gehörte? Und warum sollte er die Leute hier rausbringen? Egal. Er ging zur Komstation und bestellte ein Taxi zur Raumstation. Anschließend verließen sie die Bar.
--- Bar, Dachlandeplatz
Das Shuttle kam schnell, es landete in dem dafür vorgesehenen Landefeld. Sie stiegen ein.
--- Im Shuttle
Im Shuttle wurde es eng. Die vier Sitzplätze waren belegt, Telara mußte ihre Tochter auf den Schoß nehmen. Slade fragte Raschkralle: "Bei welchen Koordinaten treffen wir Narbo?"
Diese erwiderte: "Keine Ahnung, er war so schnell verschwunden, daß ich ihm keinen Treffpunkt nennen konnte."
Slade sträubte sich das Fell. Was hatte dieser kleine Ferengi bloß verbrochen, daß ihm der Boden dermaßen unter den Füßen brannte? Eine gut laufende Bar einfach so Hals über Kopf aufzugeben, das paßte gar nicht zu dem Bild, das Slade von Ferengi im Allgemeinen hatte.
Was hatte er ihm im Vorbeilaufen noch zugerufen? Paß auf, daß keiner besoffen liegenbleibt? Was hatte er vor? Wollte er etwa...
"He, Pilot! Sofort zurück. Ich habe etwas Wichtiges vergessen!", erschallte Slades Stimme.
Die anderen schauten ihn überrascht an, sagten aber nichts. Als das Shuttle gelandet war, rief er ihnen zu: "Bleibt hier, ich bin sofort wieder da!"
--- Zurück in der Bar 'Zur grünen Wand'
Offenbar hatte noch niemand bemerkt, daß der Barmann nicht mehr anwesend war. Dieses würde Slade allerdings jetzt ändern. Er ging zur Musikanlage, die glücklicherweise für Karaoke-Wettbewerbe ausgelegt war, schaltete die Musik ab und sprach ins Mikrofon:
"Achtung, Achtung, eine Durchsage. Wir haben soeben die Nachricht bekommen, daß die planetare Sicherheit in drei Minuten eine Razzia in diesem Lokal durchführen wird. Wir bitten Sie, nicht dem Beispiel des Barbesitzers zu folgen, statt dessen ruhig auf Ihren Plätzen zu bleiben und Ihre Identitätschips griffbereit zu halten. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit."
Slade sah schon bei den Worten 'planetare Sicherheit', daß er das Publikum der Bar richtig eingeschätzt hatte. Noch bevor er seine Rede beendet hatte, waren alle Tische verlassen. Er grinste in sich hinein und ging von Tisch zu Tisch um zu sehen, ob nicht einer der Gäste irgend etwas vergessen hatte.
Auf allen Tischen standen oder lagen Drinks, aber zu finden war nichts von Bedeutung.
Auf einem jedoch lagen Pokerkarten wild verstreut, und als er unter die Karten sah, bemerkte er, daß die Spieler zwar ihren Einsatz hektisch eingesteckt hatten, aber einer wohl ein Klingone gewesen war. Dieser hatte sein Einhandschwert, ein Mek'Leth liegen lassen. Es war eine wunderbare Arbeit, sicher schon seit Generationen in seiner Familie gewesen. Tja, nun war es offizielles Mitglied der Familie Szelesem.
Slade begab sich wieder ins Shuttle.
--- Im Shuttle, zweiter Versuch
Als Slade sich gesetzt hatte und das Shuttle gestartet war, sagte er den anderen: "Ich mußte nur noch schnell eine Pokerpartie gewinnen. Hübscher Preis, findet ihr nicht?"
Sie schauten sich an und wußte nicht genau, was sie darauf sagen sollten.
--- Raumstation
Slade zahlte die Raumhafengebühr, nachdem sich alle einig darüber waren, daß man diesen Ort so schnell wie möglich verlassen sollte. Telara war zwar wegen etwaiger Ersatzteile nicht so begeistert, sah aber die Notwendigkeit eines schnellen Startes ein.
--- Laderaum des Shuttles 'Gint'
Stolz betrachtete der Ferengi sein Werk: Es war nicht einfach gewesen in so kurzer Zeit alles Wichtige zu verstauen und zusätzlich noch ein solch gutes Ergebnis zu erzeugen. Die Gewebeproben, die Narbos DNA trugen, hatte er mit Hilfe einer medizinischen Datenbank replizieren können!
'Wenn ich dieses Gewebe und einige Streifen Latinum in der Bar deponiere und mit einer gut plazierten Ladung Trinemium alles sprenge, müßte es nach einem kleinen, ungeschickten Unfall meinerseits aussehen. Und bei der örtlich begrenzten, aber wirksamen Sprengladung wird nicht genug Gewebe übrigbleiben, um Spuren der Synthese zu finden! Ich bin genial!', verinnerlichte er seinen Plan noch einmal.
Die Berechnungen der Sprengung hatten seine ganze Erfahrung beansprucht, um weder das Gebäude selbst, noch irgend etwas außerhalb zu beschädigen. Lediglich die Innenausstattung sollte zerstört werden. Natürlich durfte es auch nicht zu perfekt aussehen. Insgesamt hatte er einen guten Mittelweg gefunden.
'Oh Gott, bei den ganzen Vorbereitungen habe ich vollkommen vergessen, einen Treffpunkt auszumachen! Was mach ich jetzt bloß? - Augenblick; erst mal muß ich mich beruhigen! Kein Problem ist unlösbar.' Vor seinem inneren Auge sah er die Erwerbsregeln, suchte nach einer Anregung und fand schließlich die Lösung: Bestechung!
Sicher gab es bei den öffentlichen Behörden jemanden der Slade ausfindig machen konnte. Einen Familienvater, der seinen Kindern nichts zu Weihnachten, oder zu einem anderen rührseligen Fest, schenken konnte. Menschen waren so durchschaubar! So winzig!
Eine halbe Stunde später hatte er die gewünschten Informationen und flog zurück zu seiner Bar. Zum Glück war Shuttleverkehr auf dieser Einöde gestattet, sonst hätte er immer diese überteuerten Lufttaxis nehmen müssen, was seinen Plan auch erschwert hätte.
--- Vor der Bar 'Zur grünen Wand'
Als Narbo mit dem Shuttle gelandet war, konnte er die Pforte der Bar gut sehen. Langsam bewegte sich das halb verrottete Namensschild im Wind der Abgase, die überall in der Luft lagen. Als er sicher war, daß niemand die Bar beobachtete näherte er sich vorsichtig und trat ein.
--- Bar 'Zur grünen Wand'
In der Bar angekommen, beschränkte er sich auf das Wesentliche und befestigte die Ladung an der errechneten Stelle. Als er auch den Beutel mit dem Ferengi-Gewebe aufgestellt hatte, konnte er sich kaum einen sentimentalen Abschied verkneifen, schritt dann aber schnell aus der Bar und versiegelte sie vorschriftsmäßig.
Jetzt mußte er nur noch durch die Wegbeschreibung des Dockbeamten finden...
--- Raumstation 17/2
Slade bugsierte seine Leute zur Privateer. Beim Zoll hatte er erfahren, daß sein Schiff bereits beladen worden war. Sie hatten jetzt einen ganzen Laderaum voll mit hochtechnischen Geräten an Bord. Tricorder, Phasenprüfer, Replikatoren. Alles Dinge, die man ohne Angst vor Verfolgung transportieren durfte. 'Gut, der Mann arbeitet immer noch so schnell wie früher', freute sich Slade.
David und Telaras Augen leuchteten, als sie das Schiff sahen. Nun ja - speziell Telaras Augen würde das Leuchten schon noch vergehen, wenn sie erst einmal ein paar Tage in den Innereien herumgekrochen war. Raschkralles Augen jedenfalls hatten schon lange aufgegeben.
Ein kleines Shuttle brachte sie hinüber.
--- Turbolift
Als Telara das flackernde Licht im Turbolift gesehen hatte, schien sie langsam zu verstehen, warum sie an Bord war. Sie öffnete eine Abdeckplatte und wurde bleich.
"Ok, gibt es hier irgend etwas, das einwandfrei funktioniert?", fragte sie den Captain. Dieser zeigte stumm auf seinen Kommunikator. "Ja, mit diesen Dingern haben wir bisher noch keine Probleme gehabt. Ansonsten fällt mir auf Anhieb nichts ein."
Telara schluckte und bedauerte es, gefragt zu haben. Es schien alles noch schlimmer zu sein als sie befürchtet hatte. Stumm erreichten sie die Brücke.
-- Brücke
"Schauen wir, daß wir hier wegkommen. Nimm Kurs auf das Drema-System", meinte Slade. Raschkralle setzte sich in ihren Sessel, empfahl allen, sich gut festzuhalten und gab den Kurs ein. Als sie gerade starten wollte, meldete sich der Roboter: "Sir, ein Shuttle befindet sich im Anflug auf uns. Wir werden gerufen. Jawohl, Sir, auf den Schirm, Sir."
Slade, der gerade den Mund geöffnet hatte, klappte ihn hörbar wieder
zu und schaute irritiert zu dem Androiden herüber. Emphatische Roboter?
Nein. Nicht auch noch das. Bitte nicht.
Noch ehe er den Androiden fragen konnte, erhellte sich der Schirm, um einen breit grinsenden Ferengi anzuzeigen. "Bitte an Bord kommen zu dürfen!", war das erste, was er von sich gab. Slade gab ihm die Anweisung, das Shuttle in der Shuttlerampe zu parken, Raschkralle erzeugte einen Leitstrahl und der Bildschirm erlosch wieder. Über den Ferengi würde er sich später wundern.
Zuerst wollte Slade mit Jean reden. Aber diesmal kam ihm Telara zuvor: "Woher wußtest Du, daß der Captain gerade den Kanal öffnen wollte?"
Die Antwort war ebenso einfach wie unmysteriös: "Meine frühere Besitzerin fand es lästig, bei jedem uns erreichenden Ruf explizit die Anweisung geben zu müssen, daß der Rufende auf dem Schirm landen sollte. Deshalb hat sie meine Programmierung dahingehend erweitert, daß ich nun jeden ankommenden Ruf automatisch entgegennehme."
Slade beschloß, sich das Programm dieses Roboters in paar stillen Stunden einmal genauer anzuschauen. Wer wußte schon, was die Vorbesitzerin noch alles geändert hatte?
Raschkralle meldete: "Das Shuttle ist an Bord. Wir können starten."
Slade erwiderte zynisch: "Na, denn mal los. Maximumwarp. Das sind im Moment 1,2? Oder schaffen wir 1,3?"
Raschkralle war skeptisch, und Telara sah einiges an Arbeit auf sich zukommen...
--- Im Shuttle 'Gint'
Verstört lag der Ferengi auf dem Boden. Nachdem er merkte, daß er überlebt hatte, stand er auf und zog sich seinen gelb-grünen Anzug zurecht. Anscheinend hatte Slade vergessen zu erwähnen, daß es um den Leitstrahl nicht so gut stand. Wahrscheinlich die Folge von billigen Ersatzteilen. In der Branche war man vor so was nie sicher. Auf jeden Fall wollte er eine solch unsanfte Landung beim nächsten Mal vermeiden.
Erst jetzt fiel ihm auf, daß sich noch niemand nach seinem Befinden erkundigt hatte, was entweder daran lag, daß es sie nicht interessierte oder daß sie von der Bruchlandung nichts mitbekommen hatten. Menschen!
'Von so einem kleinen Crash laß ich mich doch nicht beeindrucken!', sagte sich Narbo und verließ das Shuttle.
--- Shuttlerampe
Als er ausgestiegen war, begutachtete er sein Schiff und konnte keine größeren Schäden feststellen. Lediglich der Boden der Shuttlerampe hatte eine Delle abbekommen. 'Nicht mein Problem', grinste Narbo und versuchte Slade zu kontakten. Nachdem er eine hierfür vorgesehene Konsole entdeckt hatte, fand er schnell die richtigen Tasten: "Narbo an DaiMon Slade!" Als der Captain auch seinen dritten Ruf nicht beachtet hatte, schrie Narbo den Computer förmlich an: "Verbinde mich mit dem Captain, oder sonst..." Als Anwort gab der Computer nur ein rhythmisches Pfeifen von sich.
Selbst der Computer verhöhnte ihn! Das größte Problem war nun aber den Computer zum Schweigen zubringen, da dieser nicht daran dachte, mit dem Pfeifen aufzuhören.
Narbo hatte sich zwar mit zwar nur ansatzweise mit terranischer Musik beschäftigt, aber es hörte sich ziemlich nach Mozart an; einem halbwüchsigen Spinner, wie er fand. Er hatte mal eine Ladung animierter Biographien gekauft, die damals der Renner waren. Leider nicht auf Bajoranisch! Und so war er wieder mal auf einer Ware hängengeblieben und ihm blieb nichts anderes übrig, als sie selbst anzuschauen. Daher seine Grundkenntnisse.
Während Mozart noch schrecklich war, erklang nach dem Ende der klassischen Musik ein schnelles, mit sehr viel Baß gespieltes Lied. Manche terranische Musik war scheinbar doch nicht so schlecht und wenn er Zeit fand, würde er die Borddatenbank nach Musikdateien durchforsten.
Aber leider währte die gute Musik nur einen kleinen Moment und plötzlich ertönte ein unerträglicher Lärm, den der Computer auf einer halbwegs funktionierenden Konsole einer Band namens Take That zuordnete. Und das Lied hörte nicht auf!! Wieder und wieder begann es am Anfang, wenn man gerade dachte, ihm entkommen zu sein!
Von Hysterie gepackt, rannte er panisch in Richtung Ausgang und hatte die Tür auch schon beinahe erreicht, als ihm einfiel, daß die automatischen Türöffner nicht funktionieren mußten. Trotz einer Vollbremsung schlug er frontal auf die sich nicht öffnende Tür und flog im hohen Bogen auf den Boden zurück. Als er schmerzverzehrt auf dem Boden lag, überlegte er, ob er nicht lieber auf dem Planten gebliebenen wäre. Ein riesiges Horn krönte seinen Kopf und es schwoll weiter an. Bestimmt hatte es bald die Größe eines Ei's erreicht!
Beinahe hätte er vor Schmerz gequiekt, aber er konnte sich beherrschen und dachte daran, daß er nicht so körperlich schwächlich, wie die anderen Ferengi war!
Als er seine Sinne wieder komplett geordnet hatte, stand er auf und stellte sich direkt vor den Ausgang. "Computer: Tür öffnen!", befahl er - nichts passierte. Auch erneutes Einhämmern auf die Kontrollknöpfe brachte nichts - er war gefangen und im Hintergrund hörte man "Back for good".....
--- Brücke
Der Turbolift war ja schon schlimm genug gewesen. Man schien nicht einmal in der Lage zu sein, eine normale Lampe zu reparieren. Und die maximale Geschwindigkeit lag bei Warp 1,2 oder 1,3? Telara wäre am liebsten wieder in die Bar zurück, einen Drink schlürfen und Nüsse kauen, aber nein. Jetzt saß sie in diesem fliegenden Eimer mit toller Lackierung.
Sie ging zur technischen Station und berührte einige Sensorflächen. "Oh, ich schlage vor, Sie alle halten die Luft an, denn hier auf der Brücke herrscht ein Vakuum", meinte Telara beiläufig und hätte am liebsten auf die Konsole eingeschlagen.
"Ja, die internen Sensoren sind auch hin", bemerkte Slade beiläufig.
"Sie meinten das ernst, als Sie sagten, nur die Communikatoren würden funktionieren, oder?", erkundigte sich die Trill und musterte den Anticaner argwöhnisch. Er antwortete nicht.
"Und wo in aller Welt ist der Maschinenraum?", fragte sie weiter.
"Nehmen Sie den Turbolift", war Slades Antwort. "Falls er funktioniert."
"Verfluchte Blechbüchse mit Warpkern!", schimpfte Telara und ging in die Hocke. "Mami muß jetzt arbeiten, das Kätzchen paßt so lange auf dich auf." Sie lächelte und ging dann zum Turbolift herüber.
"Passen Sie mir ja auf die Kleine auf!", meinte sie um Umdrehen zu Raschkralle und betrat die Transportkapsel.
Telara hatte grade die Brücke verlassen, als die Konsole, an der sie gearbeitet hatte unter einem Funkenregen ihren Geist aufgab. Offenbar hatte sie der großen Belastung, der Telara sie ausgesetzt hatte, nicht standgehalten.
David sah sich auf der zurechtgemachten Brücke um. Ihm gefiel, was er sah. Alles war schön sauber und blitzte. Der Sessel des Captains, die verschiedenen Konsolen. Langsam ging er zu einer der allgemeinen Konsolen und ließ sich die medizinische Datenbank anzeigen. Die Privateer schien gut ausgerüstet zu sein. Die Krankenstation war gut bestückt mit medizinischem Gerät aller Art. Teilweise waren sogar Geräte dabei, deren Namen David noch nicht einmal gehört hatte.
"Was hältst du von den beiden?", fragte Slade die Katze, die wieder an der Navigation saß.
Sie wollte grade antworten, als David sich zu Wort meldete. "Entschuldigung..." Er schlich zu dem Sessel des Captains herüber, der ihn erstaunt ansah. Anscheinend hatte er ihn gar nicht registriert.
"Würden Sie mir vielleicht die Krankenstation zeigen? Sie sagten, Sie hätten dort eine Patientin. Außerdem.... warum fliegen wir schon ab, ich dachte, ich könnte mich entscheiden, ob ich hier bliebe, oder nicht!?", fuhr der Arzt fort und musterte den Anticaner abschätzend von oben bis unten.
--- Turbolift
"Maschinenraum!", gab Telara ihr Ziel an und der Turbolift rumpelte los. Das Licht flackerte erneut. Nach dreimaligem Flackern hätte die Trill am liebsten den Leuchtkörper aus der Verankerung gerissen. Das war ja unerträglich. Schnaubend riß sie eine Abdeckplatte los. Ein Kabelgewirr kam dahinter zum Vorschein. Nach kurzem Studieren des Systems verband sie zwei Kabel mit dem sekundären Energieverteiler. Das Licht erlosch kurz, um dann einmal kurz zu flackern und dann zu leuchten.
Zufrieden nickte sie. Das Licht des Turbolifts funktionierte also wieder. Blieb nur noch der Rest des Schiffes übrig.
Der Lift hielt an und die Türen öffneten sich - zu Telaras Erstaunen - sogar vollständig.
--- Korridor
Als sie in den Korridor getreten war, über einen Flecken getrockneten Blutes herübergehüpft war und einen geborstenen, in den Korridor gebrochenen Deckenträger umgangen hatte, stand sie vor der halb geöffneten Tür des Hauptmaschinenraums.
--- Hauptmaschinenraum
Als sie eintrat bot sich ihr ein Bild des Grauens. Explodierte Konsolen, herausgebrochene
Teile der Bodenverkleidung und des Geländers der zweiten Ebene, herumhängende
Kabel, die dort eigentlich gar nicht hingehörten. Was zum Himmel hatte
Slade für einen Haufen Schrott gekauft? Er hatte sich bestimmt nicht das
ganze Schiff angesehen, bevor er es gekauft hatte. Einige Korridore waren fein
herausgeputzt, aber die Hälfte des Schiffes lag in Schutt und Asche. Die
andere Hälfte war auch kaputt, man sah es nur nicht.
[NRPG CHR Toll Hellseherin ist Telara auch. Oder ist sie etwa so schnell das
Riesenschiff abgelaufen? ;-)]
Seufzend sah sich Telara nach einem Werkzeugkoffer um, fand schließlich auch einen und begann damit, die Plasmazuleitungen zum Warpkern neu zu justieren, um eine höhere Energieerzeugungsrate des Kerns zu bewirken. Das sollte genug Energie für Warp 4 oder sogar Warp 4,5 geben.
--- inzwischen auf der Brücke
Slade schaute den Menschen an. Er antwortete: "Wir alle haben den Wunsch,
diesen Planeten so schnell wir möglich zu verlassen. Falls Sie darin eine
Ausnahme bilden, beame ich Sie gerne dahin zurück, wo wir Sie eben aufgelesen
haben. Falls nicht, biete ich Ihnen gegen die Rep...äh, Heilung der Patientin
eine freie Schiffspassage nach Shane III an. Dort kommen wir vorbei, es ist
kein Umweg für uns, wenn Sie dort abgesetzt werden möchten. Es gibt
dort einen kleinen Raumhafen, von dem aus Sie sich weiter durchschlagen können.
Mit unserer momentanen Geschwindigkeit haben Sie ein paar Wochen Zeit, sich
zu entscheiden. Aber ich hoffe, die Trill schafft es, die Antriebsleistung zu
verbessern, so daß wir wesentlich schneller unterwegs sein werden."
David schaute etwas grimmig drein. So hatte er sich die Sache nicht vorgestellt, aber wenn er genauer darüber nachdachte, mußte er zugeben, daß er auch so schnell wie möglich von diesem Loch wegkommen wollte. Nun kam es nur noch darauf an, wie schwer die Frau verletzt war. "Bringen Sie mich bitte zur Krankenstation, dann entscheide ich, was ich mache", erwiderte er.
Slade wandte sich um mit den Worten: "Raschkralle, ich hoffe Du kümmerst Dich liebevoll um die Kleine."
Die Angesprochene legte die Ohren zurück und fauchte. Offenbar war sie nicht begeistert, aber das hatte er auch nicht erwartet. Wenn sie ihm meldete, daß die Kleine - er konnte sich den langen irdischen Namen nicht merken - lästig war, hatte sich ab sofort Telara um sie zu kümmern. Oder irgendwer sonst, dem sie nicht lästig war.
--- Turbolift
Als sie den Turbolift betraten und dieser sich in Bewegung setzte, fiel Slade auf, daß Talara offenbar schon zu arbeiten begonnen hatte. Das Licht war vollkommen einwandfrei. Sehr gut.
--- Medizinische Station
Als sie in der medizinischen Station angekommen waren, sahen sie, daß die Verletzte schlafend auf einem Biobett lag und der holografische Doktor untätig neben ihr stand.
David ging auf das Biobett zu und sah sich die Patientin zunächst nur optisch an. Sollte sie äußerliche Verletzungen erlitten haben, schien der Holoarzt sie beseitigt zu haben. Der Mensch berührte eine Taste des Biobettes und der Diagnosebogen schloß sich surrend.
Der Scan nach inneren Verletzungen wurde ausgeführt und das Ergebnis war recht vielversprechend. Sie hatte einige innere Blutungen gehabt, aber die waren fachgerecht behandelt worden. David musterte den holographischen Arzt. "Sie haben sie behandelt?"
"Dazu wurde ich programmiert und aktiviert!", antwortete des Hologramm monoton.
"Ist bei ihm auch ne Schraube locker?", fragte David Slade und deutete auf das MHN.
"Hey! Sie sprechen über eine anwesende Person in der dritten Person! Das ist unhöf...", zeterte der Doktor los, wurde aber von Slades Baßstimme unterbrochen, die den Deaktivierungsbefehl gab. Ein Hypospray, das der Doktor noch in der Hand gehalten hatte fiel klackend zu Boden.
David hob es aus, kontrollierte die Patrone im Griff des Injektionsgerätes und injizierte der Patientin dann das Medikament. "Es wird sie aufwecken", erklärte er Slade und sah auf die Frau hinunter.
"Können Sie mich hören?", fragte er sie vorsichtig, als sie die Augen aufschlug und kurz blinzelte.
--- inzwischen auf der Brücke
Raschkralle hatte die Ohren immer noch flach am Kopf, außerdem hingen ihre Schnurrhaare in einem Bogen herunter, der nix gutes verhieß. 'RRRRRRgstkt' jetzt hatte sie doch tatsächlich dieses Trill-Junge am Hals! Eine Unverschämtheit!
Sie musterte das Kleine kurz, dieses war jedoch wohlweislich still und schaute sich nur mit großen Augen auf der Brücke um. Raschkralle beschloß das haarloose Kätzchen zu ignorieren soweit es ging und sich um die Brücke zu kümmern.
Vorsichtshalber schlang sie ihren langen, biegsamen Schwanz um die Hüfte des Kleinen, damit sie sofort merkte wenn sich dieses bewegte. Raschkralle setzte sich in den Sessel des Captains, da sie von hier am besten alle Stationen übersehen konnte und prüfte den Kurs. Immer noch mit Warp 1,3 unterwegs, die Richtung stimmte auch. Zumindest wenn die Sensoren funktionierten. Oder wenn die Ruder funktionierten. Oder wenn überhaupt irgend etwas funktionierte.
Plötzlich ging an der Technischen Station ein Alarm los. Raschkralle klappte erschreckt ihre Ohren wieder nach vorne und sah nach. In wenigen Augenblicken würden die Warptriebwerke implodieren !
Raschkralle starrte mit weit aufgerissenen Augen auf die Konsole. Bis ihr plötzlich aufging, daß sie noch lebte, der Alarm immer noch ging, aber nix explodierte. Innerlich fluchte sie, hier funktionierte wirklich nichts. Dieser Ferengi hatte die Brückenkonsolen gründlich sabotiert, damit sie nicht merkten, mit was für einem Schrotthaufen sie flogen. Vermutlich bedeutete dieser Alarm, daß irgend etwas wieder funktionierte!
Raschkralle griff nach dem Kommunikator: "Raschkralle an Telara. Die Brückenkonsolen sind nahezu funktionsunfähig, ich hoffe, du reparierst das bald. Bis dahin sag mir alles was wieder funktioniert über Komm. Und auch wenn etwas nicht funktioniert, ich muß die Anzeigen hier nämlich ignorrrrrrrrrrrRRRRRRRRaaaaaaaaaaaaRRRRRRRRRRR......"
Während sie ins Komm sprach hatte das Balg entdeckt, daß man an befellten Lebewesen hervorragend hinaufklettern konnte indem man sich ins Fell krallte und sich hochzog. Raschkralle fuhr blitzartig herum und fauchte, das Junge schaute sie an und meinte: "Du stinkst aus dem Mund."
Raschkralle starrte finster zurück und entgegnete: "Und du stinkst aus der Hose."
"Ich muss mal." meldete das Trill-Junge.
"Was ist los Raschkralle, was soll das für ein Lärm sein den du über Komm verbreitest und warum zum Teufel schließt du deine Kommverbindungen nicht", ertönte die Ingenieurin aus dem Komm.
"Raschkralle Ende." Zu mehr war sie jetzt erstmal nicht in der Lage. Konnte dieses Balg tatsächlich schon laufen aber noch nicht pinkeln ?!? Trill waren schon eine komische Spezies.
Raschkralle überlegte, wie sie das wohl anstellen sollte. Nun, zuerst würde sie das Junge wohl von der Bekleidung befreien müssen, eine Hygienezelle war hinten auf der Brücke, alles weitere konnte das Kleine hoffentlich selber.
Die Bekleidung zu entfernen erwies sich als äußerst kompliziert, sowas unpraktisches aber auch, den Körper in Stoff zu hüllen würde das Junge total verweichlichen. Da sie das Zeug anders nicht herunterbekam, benützte sie schließlich ihre Krallen. Der Trill-Nachwuchs kicherte.
Raschkralle schob das Junge in die Hygienezelle, wo es fröhlich auf den
Boden pinkelte und dann mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit zurück
auf die Brücke flitzte. Raschkralle flitzte hinterher.
Das Balg kletterte in den Capitainssessel und schaute sich befriedigt um.
"Schön hier." meinte sie. Raschkralle beschloß, daß es besser sei das Trill-Junge dort zu lassen, solange es sich halbwegs still verhielt und wandte sich den Konsolen zu.
Die Technische Station gab immer wieder Alarm von sich, hörte plötzlich damit auf, oder zeigte eigenartige Dinge an. Raschkralle knurrte gereizt. Plötzlich war das Junge nicht mehr im Sessel, Raschkralle verfluchte den heutigem Tag und suchte los, zum Glück war es leicht zu riechen und auch zu hören, es war schon halb in die Konsole der technischen Station gekrochen und riß irgendwelche Kabel heraus.
Die Katze ergriff das Kind und zog es aus der Konsole. "Hey!", protestierte dieses, aber Raschkralle ignorierte das und packte das Junge wieder in den Captainssessel, danach ihren Schwanz um das Junge und sich selbst auf die Armlehne des Sessels. Hier konnte sie die Stationen und das Kleine im Blick behalten, es war zwar ein wenig unbequem, aber noch tolerierbar.
Das Trill-Balg fing an Raschkralle's Schwanz zu untersuchen und probierte aus, wieviele Haare sich wohl mit einem Griff daraus entfernen ließen. Raschkralle patschte dem Kind automatisch eine Pfote um die Ohren, dieses ließ das kommentarlos bleiben und fing nach einer Weile an zu gähnen.
Raschkralle kümmerte sich um die Navigation, merkte aber zu ihrem eigenen Erstaunen, daß sie soeben seit über 40 Jahren das erste Mal mit eingezogenen Krallen einen Stüber verpaßt hatte. Finster starrte sie auf das mittlerweile schlafende Junge. Dieser Zustand war unhaltbar, sie würde mit dem Captain sprechen, vielleicht könnte man ja Jean ein bißchen umprogrammieren .......
--- Maschinenraum
Das ganze war zum Glück kein schwieriges Unterfangen und innerhalb von guten zwanzig Minuten erledigt. Dennoch würde sie eine Crew brauchen. So ein Raumschiff konnte man unmöglich allein funktionsfähig halten. Telara wischte sich die verschmieren Hände an ihrem Overall ab und suchte sich eine funktionsfähige Konsole, um das Ergebnis ihrer Arbeit zu kontrollieren. Sie nickte zufrieden, als sie sah, daß die Energieerzeugung um gut 39% gestiegen war. Damit war Warp 4,7 möglich.
Telaras Kommunikator meldete sich plötzlich und die Stimme der Katze, Raschkralle, ertönte. Telara rollte mit den Augen. Sie mochte dieses Wesen nicht. Sowas von unsympathisch. Und bei ihr hatte sie auch noch ihre Tochter zurückgelassen!
Die Trill berührte ihrerseits den Kommunikator und antwortete: "Telara hier. Ich repariere sehr gerne die Brückenkonsolen. Nachdem ich mich um die internen Sensoren, das Comm-System, die Lebenserhaltung, die Replikatoren und die Schallduschen gekümmert habe, steht das ganz oben auf meiner Liste. Sie können jetzt übrigens auf Warp 4,5 beschleunigen!"
Telara wollte die Maschinen nicht unbedingt bis an die momentane Grenze belasten, weshalb sie Raschkralle die 0,2 Prozentpunkte verschwieg. Das gleiche gab sie Slade bekannt und ging dann wieder an die Arbeit. Das interne Sensorsystem war als nächstes dran. Sie wollte nicht plötzlich in einem luftleeren Raum stehen, obwohl der Computer meldete, die Atmosphäre wäre atembar!
---In der Shuttlerampe
'Langsam werde ich aber richtig wütend!', sagte sich der Ferengi trotzig und versuchte das Gekreische zu ignorieren.
Einen Moment spielte er mit dem Gedanken die Tür einfach wegzusprengen. Auf dem Planten hatte dies 100%ig funktioniert, da seine Berechnungen sich als richtig erwiesen hatten. Da das Schiff aber so schrottreif war, wollte er es nicht riskieren, sich den Anticaner gleich zum Feind zu machen. Schließlich sollten sie ja noch eine Zeit miteinander leben.
Und so blieb ihm nur eine Möglichkeit der Musik zu entkommen: Etwas abseits der Konsole gab es einen Eingang zu einem Wartungsschacht, der irgendwann in das Jeffries-Röhren-System münden würde. Der Gang war zwar extrem eng, aber dank seiner Körpergröße und seiner Elastizität gelang es Narbo hereinzukriechen. Nachdem er die Wandverkleidung wieder von innen verschlossen hatte, war der Tunnel nur noch von einigen Anzeigen erleuchtet. Glücklicherweise wurde aber auch die Musik leiser!
--- Krankenstation
In Silvanas Kopf schlugen rote Warnlämpchen an. Sie hatte ein Gefühl, wie vor zwei Jahren, als sie im Kampf an einen arbonitischen Sohlako geraten war, dessen 'Zungenschlag' sie regelrecht ausgenockt hatte. Es war nicht fair von ihm gewesen diesen Umstand gegen sie zu benutzen, da sie nicht gewußt hatte, daß es zu den Eigenheiten dieser zwei Meter großen Wesen gehört über eine ziemlich kräftig ausgebildete fast einen Meter lange Zunge zu verfügen.
Hastig sprang sie von der Unterlage auf der sie lag auf die Beine, während sie dem Mann der sie angesprochen hatte aus der Hand schlug was immer vorhin viel zu nah an ihrem Kopf gewesen war.
Silvana schaffte es sogar mit einem gereizten Knurren am Boden das Gleichgewicht zu finden, ohne sich anmerken zu lassen, daß sie einer Ohnmacht nahe war, da ihr Kreislauf sich noch nicht stabilisiert hatte. Im Gegenteil funkelten ihre Augen gelber und wütender denn je.
Erst allmählich nahm sie ihre Umgebung klar und deutlich wahr. Die beiden Wesen sahen sie erwartungsvoll an. In ihren Kopf hallten die Worte nach, die sie bei ihrem Erwachen gehört hatte.
"Was geht dich das an, du... du...", und dann kam über ihre Lippen eine derbe Beschimpfung, die selbst einem Mulkitreiber aus Neu-Arkani die Schamröte ins Gesicht getrieben hätte. Mit Befriedigung stellte sie fest, daß der Mensch erschrocken zusammenfuhr und automatisch einen Schritt zurück machte. Lediglich der andere schien nicht sonderlich beeindruckt zu sein. Sein pelziges Gesicht erinnerte sie an etwas. An einen Eindruck, den sie kurz vor... vor was nur..? ...nach was..?
Ihre Gedanken überschlugen sich. Vor ihrem geistigen Auge rollte erneut der Angriff der Borg auf Flaskas Shuttle ab. Noch einmal durchlebte sie seinen Tod ohne etwas dabei zu empfinden. Er war wie sie. Er hatte nie auf die Welt gehört. Nun war er wieder dort woher er kam. Im Nichts. Wahrscheinlich war es auch besser so.
"Ich erinnere mich...", fauchte Silvana dem Anticaner entgegen und ballte ihre Hände wütend zu Fäusten, bis ihre Fingerknöchel weiß hervortraten. Sie war schon einmal einem Anticaner begegnet, doch er war kein würdiger Gegner gewesen. Sie nahm eine leicht geduckte Haltung ein und jeder Muskel in ihrem Körper spannte sich.
"Ich... wollte nicht hierher. Verdammt noch mal! Es geschah gegen meinen Willen... und so etwas macht mich ziemlich wütend", knurrte sie, und wütend war noch ein zu geringer Ausdruck für das was gerade in ihr vorging. Je mehr sie darüber nachdachte, daß man ihren Wunsch mitsamt dem Schiff lieber in den Tod zu gehen, als jemand einen Gefallen schuldig zu sein, einfach ignoriert hatte, desto mehr steigerte sich der Wunsch nach Rache.
David musterte die menschliche Frau analysierend. Sie hockte auf dem Boden und funkelte Slade an. Den Arzt schien sich nicht zu bemerken. David sah sie recht sorgenvoll an. Sie sollte sich nicht aufregen oder körperlich anstrengen, denn die inneren Blutungen konnten wieder aufbrechen, was sicherlich recht unangenehm werden würde. Zumindest für die Patientin.
David nahm sich ein anderes Hypospray. Das, das die Frau ihm aus der Hand geschlagen hatte, war gegen die Glasscheibe geprallt, die das Büro des leitenden medizinischen Offiziers vom Rest der Krankenstation abtrennte geprallt und lag nun vor der Scheibe auf dem Boden. Das Hypo in seiner Hand lud er mit einem Beruhigungsmittel und näherte sich dann leise und unauffällig von hinten, da die auf dem Boden hockende sich scheinbar nur auf Slade konzentrierte.
Dieser hatte natürlich bemerkt, was David vorhatte, und versuchte ihn bei seinem Vorhaben zu unterstützen, indem er sich vorsichtig so bewegte, daß die fremde Frau sich genau zwischen ihm und dem Mediziner befand.
Gerade als David nahe genug heran war, um ihr das Beruhigungsmittel zu injizieren, hechtete sie auch schon nach vorne und versuchte Slade mit ihren spitzen Fingernägeln, die schon fast an Krallen erinnerten, die Kehle aufzuschlitzen.
Sie war unmenschlich schnell, aber glücklicherweise durch die Beruhigungsmittel, die ihr der holografische Doktor verabreicht hatte, nicht zu hundert Prozent einsatzfähig. Nur deshalb konnte Slade sich durch eine geschickte Körperdrehung etwas von ihr abwenden. Einer ihrer Nägel streifte ihn und hinterließ einen roten Blitz auf der Wange.
Die Fremde, die zur Zeit mehr an eine Raubkatze erinnerte als an einen der Menschen, die Slade von Zeit zu Zeit kennenlernte, fing sich geschickt ab, nutzte die Wand um sich abzustoßen und startete einen neuen Angriff auf den Anticaner. Dieser war jedoch weit beweglicher als man seiner Größe zugetraut hätte. Er hatte die Distanz geschickt verringert, und da er fast doppelt so schwer wie die Angreiferin war, prallte sie zurück, noch ehe ihre Krallen sein Gesicht erreicht hatten.
Ihr Kopf schlug hart gegen die Wand, woraufhin ihr Körper zusammensackte.
Silvana spürte einen starken stechenden Schmerz in ihrer Brust, der ihr fast den Atem raubte. Nur mühsam zwang sie sich gleichmäßig zu atmen und dabei ihr Gesicht nicht verräterisch zu verziehen.
Dieser Anticaner war geschmeidiger und reaktionsschneller, als sie ihn eingeschätzt hatte. Außerdem hatte er eine Standfestigkeit wie ein Baum. Es würde eine andere Methode brauchen um ihn zu fällen.
Ärgerlich biß sie sich auf die Lippen. Es war ein Fehler einen Gegner zu unterschätzen. Das würde ihr kein zweites Mal passieren.
Aus den Augenwinkel nahm sie eine flüchtige Bewegung wahr. Ihre unbändige Wut ließ sie den Schmerz vergessen und so rollte sie sich ab, umklammerte den Menschen mit den Beinen um seine Leibesmitte und brachte ihn mit einer raschen Drehung ihre Hüfte zu Fall. Noch bevor sie den dumpfen Aufprall hörte, war ihre Konzentration wieder beim Anticaner.
Der Mensch würde sich jedenfalls hüten, sie noch ein zweites Mal hintergehen zu wollen. Niemand war so lebensmüde.
Biegsam sprang sie auf die Beine und funkelte den Anticaner wütend an. Er stand nun gute vier Meter von ihr entfernt. Breitbeinig zeigte sie ihm ihre Kampfbereitschaft und ihr Verlangen es jetzt mit ihm ein für alle Mal auszutragen.
"Der Kampf hat gerade erst begonnen Pussycat. Ich wollte mich nur etwas aufwärmen." Aufreizend leckte sie über eine kleine blutende Wunde an ihrem Zeigefinger, während ihre schmalen Pupillen jede auch noch so winzige Bewegung von ihm verfolgten.
Sie hatte dem Anticaner Zeit gegeben beschönigende Lügen um seine eigenmächtige Handlung zu erfinden - um sich darüber lustig zu machen, statt sich besänftigen zu lassen - doch er tat nichts dergleichen. Er stand einfach nur da und musterte sie. Seine schwarzen Augen leuchteten dabei. Zu gerne hätte sie gewußt, was er über sie dachte, doch sie war sich sicher, daß er niemals jemand mitteilte was hinter seiner in wilde Furchen gelegten Stirn vorging.
"Es ist mir ein Vergnügen", meinte Silvana und meinte es diesmal sogar ernst. Keine Erwiderung erwartend und auch nicht auf das leise Stöhnen des Menschen hörend, rollte sich Silvana ab um im letzten Moment ihre Beine anzuziehen und ihrem Gegner diese mit voller Wucht gegen die Schienbeine zu rammen. Diesmal hatte sie wesentlich mehr Erfolg bei ihrem Angriff.
Der Anticaner hatte Probleme das Gleichgewicht zu halten und fiel wie ein Baum nach hinten. Da er unweit von einer Wand entfernt stand, krachte er nur mit seinem ganzen Gewicht dagegen, daß alles in den umliegenden Schränken des Raumes klirrte.
Auch der Computer im Raum schien etwas abbekommen zu haben, da plötzlich ein MHN neben dem Anticaner auftauchte und ständig wiederholte: "Bitte spezifizieren Sie die Art des medizinischen Notfalls."
Ihr Gegner ließ ein sehr unwilliges und tief grollendes Knurren vernehmen, daß aus den tiefsten Tiefen seiner Seele zu kommen schien und in ein mächtiges Brüllen überging. Sehr beeindruckend wie Silvana feststellen mußte. Wütend schüttelte seine Mähne und sie schien sich drohend aufzurichten. Anscheinend hatte sein Kopf bei der Bekanntschaft mit der Wand auch etwas abbekommen. Aber der Kämpfer in ihm schien erwacht zu sein. Endlich würde er sie auch ernst nehmen, obwohl sie "nur" eine Frau war.
"Ich hoffe, du kannst noch. Wir fangen doch gerade erst an Pussycat", sagte Silvana süffisant grinsend und ihr Gegenüber gefiel ihr zunehmend besser. Vor ihren Augen wirbelten zwar bunte Sterne und sie fühlte einen widerlich süßlichen Geschmack in ihrem Mund, doch sie war nicht geschaffen aufzugeben. Dr. Farnside hatte mit ihr den perfekten Kämpfer erschaffen.
Endlich schien auch Leben in den Anticaner zu kommen.
--- Brücke
Das Kleine war mittlerweile wieder munter und spielte mit Raschkralles Schwanz, was sehr erfreulich war da sich die Katze so nicht ständig um das Kind kümmern mußte.
Für ein Trill-Balg waren ihre Reflexe gar nicht übel, es gelang ihr tatsächlich 1 von 10 Malen Raschkralles zuckenden Schwanz zu erwischen.
Die 'Reparatur' die das Junge der Technischen Station hatte zukommen lassen schien nicht sehr großen Schaden angerichtet zu haben, eher im Gegenteil. Die ständigen Fehlalarme hatten aufgehört und so wie sich das Summen der Triebwerke anhörte zeigte die Konsole sogar tatsächlich einigermaßen vernünftige Werte an.
Warp 4,5 war wirklich sehr viel besser und sie nährten sich dem Drema-System schnell.
Plötzlich ertönte erneut ein Alarm, Raschkralle verfluchte die Ingenieurin, stellte dann aber fest, daß der Alarm aus der Krankenstation kam. In diesem Moment meldete auch schon Jean: "Alarm auf der Krankenstation. Ein Patient wurde gewalttätig, es wird empfohlen ein Sicherheitsteam zur Krankenstation zu schicken, Sir."
'Sicherheitsteam! Ha! Das war vermutlich gerade ihr _Sicherheitsteam_ was da Ärger machte!', dachte Raschkralle.
Sie stellte eine Kommverbindung zur Krankenstation her, wollte gerade mit 'Raschkralle an Krankenstation' beginnen, da hörte sie folgende Worte die ihr entgegen kamen: "Ich hoffe, du kannst noch. Wir fangen doch gerade erst an Pussycat"
Einen kurzen Augenblick nur Keuchen und dann einen Fluch. Raschkralle fauchte. "He!" grummelte sie mit ihrer heiseren Stimme, "es ist ein Kind an Bord!".
--- Röhrensystem
Etwa 15 Minuten kroch der Ferengi durch die dunklen Röhren, bis er eine breite Hauptröhre erreichte. Erleichtert richtete er sich auf und fixierte die verschiedenen Wege, die ihm offenstanden, als er plötzlich lautes Geschrei hörte:
"Ich hoffe, du kannst noch. Wir fangen doch gerade erst an Pussycat."
Dank seiner guten Ohren erkannte er, daß sich dort mindestens drei Leute
aufhielten, die sich aber keineswegs gut gesonnen waren. 'Nun, offensichtlich
ist in die Richtung jemand!', knurrte er, war
sich aber nicht ganz sicher, ob er sich freuen sollte, die anderen wiederzusehen.
Trotzdem betrat er die Jeffriesröhre und kroch in die Richtung aus welcher
der Lärm kam.
--- Krankenstation
Slade schüttelte den Kopf. Seine Mähne hatte den Aufprall etwas gemildert, so daß er nicht allzuviele Sterne sah. Schaffte diese Frau es doch tatsächlich, ihn wütend zu machen? Er brüllte den Holodoktor an: "Halt die Klappe und versorge Deinen Chef. Und vor allem: Bring ihn hier raus. Das ist eine Sache zwischen uns beiden!"
Der Doktor antwortete: "Jawohl, Sir. Bitte spezifizieren Sie, wen Sie mit 'Chef' meinen."
Der Fremden schien das Gequatsche ebenfalls auf die Nerven zu gehen, deshalb packte sie sich die Holographie und schleuderte sie in die grobe Richtung, in der David liegen mußte. Das Bild des Doktors wurde etwas unscharf, als er die Wand erreichte.
"Reicht das als Antwort?", brüllte sie dem Hologramm zu, nicht ohne Slade aus den Augen zu lassen.
Dieses antwortete, nachdem es sich weitgehend wieder stabilisiert hatte: "Sie haben zwar keinerlei Befehlsgewalt auf diesem Schiff, aber da der Captain nicht widerspricht, nehme ich sein Schweigen als Zustimmung. Sollte er allerdings..."
"Bringst Du den Doktor jetzt endlich hier raus, oder soll ich Dich mit einer Axt umprogrammieren, Du Hologramm?", schrie Slade, woraufhin aus der Doktor-Ecke erst einmal nichts mehr zu hören war.
Gut, die Fronten waren geklärt. Offenbar war sie nicht bereit, für ihn zu arbeiten. Das bedeutete, er würde sie nun wesentlich härter anfassen können als er es noch vor ein paar Minuten vorgehabt hatte.
Langsam, wie ein Panzer bewegte er sich auf sie zu. Fixierte sie mit seinen Augen, damit er auch nicht das kleinste Zucken ihrer Muskeln, das eine blitzartige Bewegung andeuten könnte, übersah.
Plötzlich, schneller als er es jemals bei einem seiner menschlichen Gegner gesehen hatte, warf sie sich wieder nach vorne. Er reagierte, indem er die Arme hob und sie abblocken wollte. Offenbar war das aber wiederum genau die Reaktion, mit der sie gerechnet hatte, denn sie ergriff noch im Flug seinen Arm, hielt sich daran fest, wirbelte halb um ihn herum und hieb ihm ihr Knie mit voller Wucht in den Rücken.
Slade krümmte sich vor Schmerzen. Er hatte genau gehört, wie mindestens
eine Rippe unter ihrem Tritt nachgab und brach. Es bestätigte ihn in seiner
Meinung, daß dies ein absolut ernst zu nehmender Kampf war. Seine Gegnerin
wäre wohl erst dann zufrieden, wenn zirka alle Knochen in seinem Leib gebrochen
wären.
FALLS ihr das reichte...
Und wieder kam sie auf ihn zugeschossen. Instinktiv wollte er wie beim ersten Angriff die Arme zum Schutz vor seinen Körper heben, aber er hatte registriert, daß erst dieses Heben der Arme diesen Treffer ermöglicht hatte. Stattdessen umarmte er sie und drückte sie mit aller Kraft an sich. Spontan brach auf jeder Seite ihres Körpers eine Rippe.
Ihre Krallen hatten sich allerdings bereits um seinen Hals geschlossen und begannen seine Halsschlagader zu zerfetzen, während ihr Knie seine Genitalien suchte.
Ihr Gesicht färbte sich zunehmend blauer, während seines immer bleicher wurde. Offenbar hatte sie seine Schlagader wirklich ernsthaft erwischt, aber ebenso offenbar bekam sie seit seiner Umarmung keine Luft mehr.
So standen sie da wie zwei eingefrorene Tänzer, aber David, der die ganze Situation miterlebt hatte, wußte, welche Anstrengungen den beiden abverlangt wurden. Noch hatte er sich nicht entschieden, auf diesem Schiff zu bleiben. Deshalb nahm er sich vor, erst dann etwas zu unternehmen, sobald der erste der beiden zu Boden gehen würde.
Diesen Entschluß änderte er in dem Moment, als beide gleichzeitig auf dem Boden aufschlugen. Der Anticaner begrub die Frau unter seinem massigen Leib.
Nach einiger Zeit rollte er von ihr hinunter. Sie rührte sich nicht mehr, und er schien auch nicht mehr ansprechbar zu sein, zudem seine Halsschlagader wirre rote Muster an die Wand der Krankenstation malte.
--- zeitgleich im Röhrensystem
Nach 50m erreichte Narbo eine weitere Abdeckung und schaute durch die Schlitze, die eine Luftzirkulation ermöglichen sollten: Der Anticaner hatte offenbar große Probleme eine terranische Weibliche zu bändigen. Außerdem sah er einen weiteren Menschen, den er aus seiner Bar kannte.
'Da habe ich mir ja ein tolles Schiff ausgesucht, wo die Crew sich gegenseitig tötet!', dachte er ärgerlich, aber auch enthusiastisch. Dies würde garantiert eine große Herausforderung werden und so zögerte er nur noch eine Sekunde und trat die Abdeckplatte mit aller Kraft aus der Wand.
Einen Moment später schaute er aus der Öffnung und stellte sich vor: "Ich heiße Narbo. Was in aller Welt geht hier vor?